‹ Alle Einträge

Wahre Zionisten müssen gegen die Siedler sein

 

Ein erhellender Aufsatz des israelischen Intellektuellen Gadi Taub über das Missverständnis, dass Siedlungen im Westjordanland mit den Prinzipien des Zionismus zu vereinbaren seien.
g16small.jpg

Gadi Taub

Ein Auszug:

But Israel’s friends are not doing it much good by justifying Israel’s settlements in the West Bank. By so doing they are only helping their opponents in identifying Zionism with settlements, and from there the road to delegitimising the right of Jews to self-determination is short: the occupation cannot, and should not, be justified, and if Zionism is equated with it, than Zionism cannot be justified as well.

The equation is, however, false. Because Zionism and settlements are in sharp opposition to each other. From its inception Zionism was not about redeeming land, it was about the right of all peoples to self-determination. It was on the basis of this right that Israel’s Declaration of Independence laid its claim for a Jewish state. It is on the basis of this worldview that the Arab minority within Israel proper received full civil rights, and many other rights as a recognized minority (its own school system, and its own system of courts for religious matters, for example). Israel is not the only country with a minority which conceives itself in national terms, and its solution is not different from that of other national democracies.

This is not true, however, in the territories. And making Israel’s hold on them permanent is one of the gravest dangers to the whole Zionist enterprise….

3 Kommentare

  1.   iceman

    Gadi Taub schreibt, dass das ursprüngliche Konzept des Zionismus eines der freien Selbstbestimmung der verschiedenen Volksgruppen war, und keines zur Landgewinnung, und dass die israelischen Araber deshalb auch ein hohes Mass an zivilen Rechten zugestanden bekommen hätten – ausser eben in den besiedelten Gebieten.

    Nun, die Aufgabe der Siedlungen könnte der erste Schritt zu einer sinnvollen Zweistaatenlösung sein, aber für einen echten Friedensprozess braucht es mehr:
    Die diplomatische Anerkennung Israels durch die Nachbarstaaten, einen regen kulturellen Austausch, und – sehr langfristig – vergleichbare Freiheitsrechte in arabischen Staaten (Religionsfreiheit, Schutz von Minderheiten).
    Das alles ist ferne Zukunftsmusik, und die Anerkennung Israels deshalb nur ein kleinster gemeinsamer Nenner, von dem aus weitere Fortschritte möglich sind.

    Die neuen Nahostgespräche, die von Jordanien und Saudi-Arabien initiiert worden sind, könnten den Durchbruch bringen.
    Zumindest glaubt das Raghida Dergham, der einen guten Artikel dazu geschrieben hat für Dar Al-Hayat:
    „The Message of Arab & Muslim Moderation to Washington“, unter
    http://english.daralhayat.com/opinion/OPED/03-2007/Article-20070311-407c6fee-c0a8-10ed-0055-09a2e5566ce6/story.html
    Es fällt auf, dass Dergham mehrfach den Rückzug Israels in die Grenzen von ´67 einfordert, sich aber gleichzeitig um das Wort „Anerkennung“ herumwindet.
    Das nervt, und arabische Taktiererei und deklamatorisches Selbstmitleid gab es schon zur Genüge.
    Israel wird noch für sehr lange Zeit aus einer Position der Stärke heraus agieren müssen.

  2.   Wachtmeister

    Demographisch hatte Israel in Gazastreifen und Westjordanland nie eine Chance. Die Siedlungen führten zudem zur Verschränkung von Juden und Arabern und schafften somit im Bereich Sicherheit eher Probleme. Siedlungen waren ein gescheiterter Versuch der politischen Rechten in Israel in den 70ern, die strategische Tiefe Israels zu erhöhen. Allenfalls gegen Mörser und Raketen bringt diese Tiefe heutzutage noch etwas. Siedlungen abzulehnen ist daher zunächst vernünftig.

    In der Praxis sieht alles jedoch komplizierter aus:
    Im Westjordanland ist es relativ ruhig, gerade weil es dort Siedlungen gibt. Die von Israel kontrollierten Verbindungstraßen und Checkpoints hemmen die Bewegungen von Terroristen und verhindern, daß sich umfangreichere terroristische Strukturen bilden. Abgestützt auf Siedlungen und Verbindungsstraße können israelische Sicherheitskräfte innerhalb kürzester Zeit mit Überraschungseffekt auf Erkenntnisse reagieren, die ein Netz aus palästinensischen Informanten und anderen Quellen liefern.

    Ein Rückzug aus dem Westjordanland würde Israel dieser Fähigkeiten berauben und sich gleichzeitig mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht positiv auf die Haltung der Bevölkerung und Gruppierungen wie der Hamas auswirken. Der Rückzug aus dem Gazastreifen radikalisierte diese Kräfte eher noch, weil er als Sieg wahrgenommen wurde. Ein Rückzug aus dem Westjordanland wäre ein noch größerer Sieg.

    Es gibt zur Zeit für Israel schlicht und einfach keinen rationalen Grund, sich aus dem Westjordanland zurückzuziehen. Vielen Nachteilen steht kein Vorteil gegenüber. Taubs Argumentation funktioniert nur auf ideologischer Ebene.

    Anders sähe es aus, wenn man die Hamas zu einem Vertrag bringen könnte: Rückzug mit Ausnahme der Siedlungsblöcke, dafür Ausgleichsflächen, im Gegenzug zu Anerkennung Israels, Ende der antiisraelischen Rhetorik und Ende terroristischer Aktivität. Aber das hat schon bei Arafat nicht funktioniert.

  3.   Freund der Gerechtigkeit

    Unrecht bleibt UNRECHT!

 

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren.

Anmelden Registrieren