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Ein freier Kopf

 

Neidvoll blicken wir heute auf die Kollegen der WELT, die einen sehr bewegenden und erhellenden Text von Emel Abidin-Algan, der Tochter des Gründers von Milli-Görüs Deutschland, dokumentieren. Frau Abidin Algan schildert ihre Erfahrungen mit dem Ablegen des Kopftuchs und mit der Entwicklung eines neuen, innerlich freien Gottesbezugs.

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Emel Abidin-Algan

Das Ablegen des zur Selbstverständlichkeit gewordenen Kopftuchs war nicht einfach, weil ich damit ein Selbstbild entwickelt hatte, das mit moralischen Werten verknüpft war. Es hat mich zwei Jahre des Forschens und Experimentierens gekostet, bevor ich mich davon trennen konnte, weil ich jemand bin, der keine halben Sachen macht. Mein Leben ohne das Kopftuch ist jetzt nicht etwa besser geworden, weil es schon immer gut war, es ist vielmehr ganz anders geworden, aufregender und vielseitiger. Die Freiheiten, die ich jetzt habe, denen bin ich auch jetzt erst gewachsen. Vor allem hat sich meine Wahrnehmung meinen Mitmenschen gegenüber verändert. Kein Kopftuch mehr zu tragen bedeutet in der Praxis für mich zunächst: nicht mehr aufzufallen und keinem Verhaltensdruck mehr ausgesetzt zu sein, mehr Bewegungsfreiheit im Kennenlernen der Welt von Männern zu haben und keinen möglichen Einschränkungen mehr auf dem Arbeitsmarkt ausgeliefert zu sein.

Sie beharrt aber darauf, dass dies ein freiwilliger Prozess ohne Druck sein muss. Ihre Tochter, sagt sie, fühle sich derzeit mit der Verhüllung wohl.

Zugleich bestreitet sie, dass die religiöse Begründung des Kopftuchs heute noch Bestand habe:

Eine wichtige Erfahrung war festzustellen, dass der Koran im historischen Kontext verstanden werden kann. Heute zum Beispiel, im Gegensatz zur damaligen Zeit des Propheten, braucht kein Mann mehr ein Unterscheidungsmerkmal wie eine Verhüllung, um Frauen nicht zu belästigen. Interessanterweise war gerade das einer der Gründe für die Bedeckungsverse im Koran. Das Problem mit der Verhüllung heute wäre auch einfach gelöst, wenn Männer über ihre Wahrnehmungen reden würden. Denn um die Männer geht es ja, wenn sich eine Frau verhüllt.

127 Kommentare

  1.   Joerg Lau

    @ tuotrams, lebowski: Ich finde es nicht gut, wenn wir hier anfangen zu dekretieren, wer das Land verlassen soll, bloss weil uns seine meinung nicht passt. Das sollte hier nicht der Stil sein.

  2.   Fritzfernandos

    Vielleicht ist rechtzeitig gehen besser, wer weiss wann die Deutschen wieder durchknallen, der Trend , auch in diesem Blog geht leider wieder in diese Richtung. Viele Juden die Geflüchtet waren kamen ja später als Befreier mit den Allierten wieder zurück nachdem Stalin die Nazis niedergerungen hatte. Es ist wohl so eine Art Erbsünde dass Deutsche und abendländische Europäer aus eigener Kraft sich nie in die Menschheit richtig werden integrieren können und wollen.

  3.   Freund der Gerechtigkeit new

    Die willigen Vollstrecker.

  4.   lebowski

    @Jörg Lau
    Ich will zahiruddin mit Sicherheit nicht aus diesem Land herausdekretieren, sondern beziehe mich auf eine Aussage zahiruddins in einem anderen Beitrag von Ihnen.

    „Ich halte mich an die hier geltenden Gesetze, suche aber nach einer Möglichkeit, aus Deutschland auszuwandern, weil ich beim Praktizieren des Islam zunehmend eingeschränkt werde. Ich empfehle dies auch allen Muslimen. Es gibt einige Länder, die Globalisierung auch als Chance begreifen und sich nicht nur als Verlierer sehen (Malaysia, Singapur und evtl. die Golfstaaten).“

    aus „Zentralrat der Muslime: Schwimm- und Sportunterricht ist notwendig“

    Da wollte ich ihn nur mal ermuntern, in dieser Richtung weiter zu denken.

    Im übrigen bin ich der festen Überzeugung, dass ich mit zahiruddin in Deutschland alt werde.

  5.   Tuotrams

    @Joerg Lau

    zahiruddin steht hier doch nur stellvertretend für die unzähligen Dummschwätzer die bei jeder Gelegenheit ihren Hass auf D-Land und die westliche Gesellschaft los werden müssen.

    Wer dann auch noch über einen fremden Pass verfügt muss sich schon die Frage gefallen lassen, warum er nicht geht.

  6.   lebowski

    Im übrigen kam ich aus dem Staunen nicht heraus, als ich heute den Artikel „Judaphobie “ von Jürgen Krönig las. Was ist los mit der „Zeit“. Ich dachte immer, um so ehrliche Analysen zu lesen, muss man auf Weblogs gehen.

    Ach ja, und willkommen zurück FritzFernando. Toller Trick, der neue Alias mit dem angehängtem s. So viel Fantasie häte ich Ihnen gar nicht zugetraut.

  7.   mathilde

    mir kommt es so vor, als ob kein einziger kommentator hier den text von Frau Abidin-Algan gelesen hat – ich fand ihn beeindruckend und lehrreich.

  8.   J.S.

    @ tuotrams, lebowski
    Es ist wohl eher an uns zu gehen. An der Situation hier könnte man nur durch Vertreibung etwas ändern und das wäre ein Verbrechen, mit dem ich nichts zu tun haben will und Ihr sicher auch nicht. Auch für dem Fall das Andere auf derart verbrecherische Ideen kommen, ist es besser vorher das Land verlassen zu haben. Des weiteren besteht die Gefahr das Europa zum Schlachtfeld im Konflikt zwischen Islam und Aufklärung wird, also auch in diesem Fall ist es besser woanders zu sein. Deutschland ist zwar ein schönes Land, aber es war nie gut zu seinen Bürgern, jedenfalls nicht lange. In einem islamischen Deutschland zu leben, kann ich mir jedenfalls nicht vorstellen.

  9.   Tuotrams

    @J.S.

    Unsinn, grösstenteils ist das ein Erziehungsproblem.

    Was wir brauchen, nachdem die 68er Versagergeneration uns nur ungelöste Probleme hinterlassen hat, sind härtere Massnahmen, nichtnur gegenüber Migranten.

    Diese Massnahmen müssen keine Verbrechen sein. Deswegen wehre ich mich auch gegen den Reflex von Herrn Lau, IMHO müssen sich nicht die Leute rechtfertigen die asoziale Elemente aus diesem Land entfernen wollen, sondern die, die dies immer versuchen zu verhindern.

    Insbesondere die jugendlichen Problemmigranten mit ihren Identitätsproblemen muss man mal aufwecken – und zwar durch intellektuelle Konfrontation.

  10.   J.S.

    @Tuotrams
    Eine Land das seine Freiheiten aufgeben muss, um mit dieser Problematik zurecht zu kommen, ist auch nicht das was ich mir vorstelle.
    Wie stellen Sie sich das denn konkret vor?

 

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