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Britische Muslime: Terror nicht in unserem Namen!

 

Hier ist endlich eine Kampagne britischer Muslime, die die Anschläge in London und Glasgow verurteilt. Ganzseitige Anzeigen in britischen Zeitungen wurden geschaltet, und die Botschaft „Not in our name“ wird auch auf Bussen zu lesen sein. Man stellt sich hinter die Brown-Regierung und die Polizei. Phase zwei der Kampagne wird den positiven Beitrag der Muslime zur britischen Gesellschaft herausstellen. Mehr hier.

muslims-united-2.JPG

Die in diesem Blog geforderte Auseinandersetzung mit der Theologie des Terrors steht freilich auf einem anderen Blatt als die „Islam-is-Peace“-Rhetorik dieser Gruppe. Trotzdem: Distanzierung von den Terroristen und sichtbare gesellschaftliche Isolation ihrer Propagandisten ist ein wichtiger Schritt.

0 Kommentare


  1. „Distanzierung von den Terroristen und sichtbare gesellschaftliche Isolation ihrer Porpagandisten ist ein wichtiger Schritt.“

    Ich sehe bloss die Distanzierung von den Auswirkungen auf die Muslime.
    „We reject any heinous attempts to link such abhorrent acts to the teachings of Islam. “
    „British Muslims should not be held responsible for the acts of criminals. “

    Nja, und dann das übliche Vokabular auf Nebeldeutsch

    „innocent people“
    „our open society“

    Warum nicht „the open society“? Der Begriff ist von Popper und bedeutet etwas, das „our“ sein kann, und bei der es um etwas anderes geht als „free from prejudice and discrimination, sustained by tolerance and mutual respect for all.“
    discrimination
    tolerance
    mutual respect
    just and lasting peace
    injustices
    grievances

    Und der Satz ..
    „We call on our government to work towards a just and lasting peace in areas of conflict around the world and to take the lead in helping eliminate the injustices and grievances that foment division and nurture violence. “
    ..ist die alte indirekte Drohung mit Gewalt.

    Nihil novi sub soli


  2. Da fehlte noch ein nicht im Satz
    „Der Begriff ist von Popper und bedeutet etwas, das “our” sein kann“
    sollte heissen
    „Der Begriff ist von Popper und bedeutet nicht etwas, das “our” sein kann“

  3.   Rafael

    Hätten sie nur den Satz mit der Verurteilung der Attentate gebracht, wäre es gut gewesen. Ich bemühe mich ja echt, was positives zu finden, aber irgendwie gelingt es mir nicht.
    Oben links: Im Namen Gottes. Also nicht in ihrem Namen, auch nicht in unserem Namen. Nein, es wird gleich wieder der Name Gottes missbraucht und die Verantwortung auf ein transzendentes Wesen abgeladen.
    Mitte des Bildes: Muslims united! Also keine Gemeinschaft mit den kuffir. Hier die Muslims, da die anderen. Kann man sich nicht einmal mit den anderen, den normalen Leuten solidarisieren? Wir verurteilen vereint mit der Regierung/der britischen Gesellschaft/den Religionsgemeinschaften des Vereinigten Königreiches/allen friedliebenden Menschen? Nein, offenbar nicht. Hier sind exclusiv die Muslims united.
    Darunter: Verurteilung, klare und deutliche Verurteilung eines konkreten Falls von durch Muslime verursachten Schadens. Immerhin. Aber es wird von „attepted bombings“ geschriben. Also nur der Versuch eines Attentats. Nicht mal das. Eines bombings. Das ist noch sehr wertneutral ausgedrückt. Bombings macht die Nato in Afghanistan auch.
    Erster Satz darunter: Determined. Kann fest entschlossen heissen. Aber auch „darauf festgelegt“. Von wem? Freiwillig oder durch die Reaktion der kuffir?
    United with the rest of the country at this critical time. Also etwa nur zeitweise, oder was. Normalerweise sind wir lieber unter uns, aber diese besonderen Umstände führen uns nun mal zusammen???
    Zweiter Satz darunter: Siehe Nebeldeutsch/freeSpeech.

    Ist das etwa die ausgestreckte Hand, die wir ergreifen sollten, oder sollen wir hier (wieder mal) veräppelt werden? Ich weiss es nicht. Vielleicht das Beste hoffen, das Schlimmste erwarten.

  4.   Lebeding

    Ich glaube kaum, dass die Verfasser dieses Flugblattes irgendetwas von Popper kennen. Sie sind keine Philosophen mit akademischem Hintergrund.
    Deswegen würde ich nicht so genau auf die Worte schauen, sondern vielmehr auf die Reaktionen in der Öffentlichkeit, bei Moslems wie bei Nicht-Moslems.

    @FreeSpeech, vor ein paar Tagen wurde auf phoenix die Debatte „Sicherheitspolitik und Verteidigungsindustrie“ gesendet. Schäuble sagte wörtlich: … unsere Kofferbomber, die beim nächsten Mal sicher funktionieren werden ..“ Ich habe bei der Wiederholung extra aufgepasst und diesen Satz mitgeschrieben.

    Man könnte diesen Satz als Journalist irgendwo in USA oder GB veröffentlichen und man kann sich ausmalen, wie im Stile Stille-Post dann Deutschland schließlich dastehen würde: Das deutsche Außenministerium produziert ihre eigenen Kofferbomber.

    Man kennt Schäubles assoziative Art zu sprechen, mit Pausen, und Andeutungen und unterdrückten Verben, so dass man manchmal nur Subjekt und Objekt nicht aber die Satzaussage hört. Missverständnisse sind mit solcher Sprache vorprogrammiert. Man muss eben die Konnotation kennen! Und die Sprache der Moslime scheint auch irgendwie nicht so ganz in unsere rational geprägte und auf Begriffslogik basierende Denke reinzupassen.

  5.   Wachtmeister

    Der Islamwissenschaftler Daniel Pipes hat mal einen Kriterienkatalog aufgestellt, um Islamisten von loyalen Muslimen zu unterscheiden:

    http://www.danielpipes.org/article/1322

    – Violence: Do you condone or condemn the Palestinians, Chechens, and Kashmiris who give up their lives to kill enemy civilians? Will you condemn by name as terrorist groups such organizations as Abu Sayyaf, Al-Gama’a al-Islamiyya, Groupe Islamique Armée, Hamas, Harakat ul-Mujahidin, Hizbullah, Islamic Jihad, Jaish-e-Mohammed, Lashkar-e-Tayyiba, and al-Qaida?
    – Modernity: Should Muslim women have equal rights with men (for example, in inheritance shares or court testimony)? Is jihad, meaning a form of warfare, acceptable in today’s world? Do you accept the validity of other religions? Do Muslims have anything to learn from the West?
    – Secularism: Should non-Muslims enjoy completely equal civil rights with Muslims? May Muslims convert to other religions? May Muslim women marry non-Muslim men? Do you accept the laws of a majority non-Muslim government and unreservedly pledge allegiance to that government? Should the state impose religious observance, such as banning food service during Ramadan? When Islamic customs conflict with secular laws (e.g., covering the face for drivers‘ license pictures), which should give way?
    – Islamic pluralism: Are Sufis and Shi’ites fully legitimate Muslims? Do you see Muslims who disagree with you as having fallen into unbelief? Is takfir (condemning fellow Muslims with whom one has disagreements as unbelievers) an acceptable practice?
    – Self-criticism: Do you accept the legitimacy of scholarly inquiry into the origins of Islam? Who was responsible for the 9/11 suicide hijackings?
    – Defense against militant Islam: Do you accept enhanced security measures to fight militant Islam, even if this means extra scrutiny of yourself (for example, at airline security)? Do you agree that institutions accused of funding terrorism should be shut down, or do you see this a symptom of bias?
    – Goals in the West: Do you accept that Western countries are majority-Christian and secular or do you seek to transform them into majority-Muslim countries ruled by Islamic law?

    Pipes ist mit Sicherheit kein „Islamistenversteher“. Legt man seine relativ strengen Kriterien an, kann man die „Muslims United!“-Erklärung tatsächlich als positiven Schritt bewerten.

  6.   sebastian

    naja ganz nett. aber nicht nötig. oder würden sie fordern, dass sich gefälligst alle juden von radikalen siedlern distanzieren muss, weil sie halt zufällig auch juden sind?

    distanzieren muss man sich, wenn man zu etwas vorher dazugehört hat.
    es wäre aber idiotisch und rassistisch jedem moslem, egal welcher herkunft und glaubensrichtung zu unterstellen, dass er mit terroristen zu tun hat oder mit ihnen sympathisiert.

    sie werden natürlich in diese defensiv rolle gedrängt. Die anzeige ist ein zeichen des einknickens gegenüber dem druck der mehrheitsgesellschaft.
    sie sollten besser sagen: wir müssen uns nicht distanzieren – wir hatten nie was damit zu tun.

  7.   Lebeding

    @Wachtmeister, schöner Hinweis und sogar mit dt. Texten.

    Was heißt denn „Islamistenversteher“? Man wird doch noch versuchen dürfen, den Islam zu verstehen und all die Facetten, ohne dabei verdächtigt werden zu müssen ein Terrorist zu sein. Solche Begriffe verstehe ich nicht. Ich bin also kein Begriffsversteher.

    Nur wenn man, wie auch Pipes, Islamisten versteht, kann man sie so präzise von Moslimen, die friedlich sind, unterscheiden.

    Jemanden zu verstehen heißt nicht, ihn zu akzeptieren oder gar mit ihm solidarisch zu sein. Anwälte müssen ihre Mandanten verstehen. Aber Mörder müssen Anwälte nicht akzeptieren und umgekehrt: Anwälte müssen Mörder nicht akzeptieren, auch wenn sie diese verteidigen – nämlich nur vor Gericht! Gleiches gilt für Psychologen und deren Kundschaft…


  8. „Und die Sprache der Moslime scheint auch irgendwie nicht so ganz in unsere rational geprägte und auf Begriffslogik basierende Denke reinzupassen.“

    Wenn sie hier aufgewachsen sind? Naja.

    Ich habe mit genug Leuten aus muslimischen Ländern zusmmengearbeitet, um zu wissen, dass sie genau dieselben Nervenzellen haben wie alle anderen. Ihre Ansicht hingegen scheint mir persönlich schon beinahe rassistisch, oder im besten Fall paternalistisch: „Die sind so.“

    zur open society: Nein, die haben die 2 Bücher sicher nicht gelesen.
    In der Diskussion sind solche Muslime aber auf den Begriff gestossen worden, und da geht man halt bei Wiki googeln und siehe da, wenn man bei wiki open society sucht, dann kommt man auf einen Text, den man ganz praktisch in nebeldeutsch lesen kann. Have a look!

    Ich habe gar nichts dagegen, wenn jemand mal etwas Missverständliches sagt. Das Netz ist ja wunderbar interaktiv. Aber ich traue nicht mehr, wenn Texte immer und zuverlässig bestimmte Aussagen und Formulierugen auslassen und andere systematisch verwenden.

    Auch habe ich in den Diskussionen immer nachgehakt. Mit Fragen oder auch mit überspitzten Formulierungen. Die Formulierungen haben System, und wenn einer nicht so tickt, dann merken Sie das sofort. Na gut, vielleicht nach dem dritten Satz erst.

    Es war mir übrigens lange nicht klar, dass solche Muslime nicht einfach blank lügen, sondern immer noch bestimmte Regeln einhalten (müssen). So kann ein so argumentierender Muslim auf einem Forum nicht wirklich vorlügen, die Kairoer Erklärung der Menschenrechte sei falsch, die UNO-Erklärung sei die richtige. Er wird immer einen Weg suchen, um diese Stellungnahme herumzukommen.

    Warum? Die anderen Muslime sind die Erklärung. Eine Aussage muss immer so sein, dass er deswegen nicht von anderen Muslimen angegriffen werrden kann. Also kommen Formulierungen, die den naiven Westler das denken lassen, was er gerne hört, und den geneigten Muslime eine konforme Botschaft signalisieren.

    Nach meiner Einschätzung läuft zur Zeit eine neue Art der Debatte ab, nachdem die gaaanz naive Art zu debattieren in die Hosen gegangen ist. Es entstehen laufend neue Webseiten, in guter Sprache geschrieben, mit weniger Brimborium. Nebeldeutsch 2.0 sozusagen. Aber nach meiner Einschätzung nihil novi


  9. @sebastian

    „sie sollten besser sagen: wir müssen uns nicht distanzieren – wir hatten nie was damit zu tun.“

    Mir fehlt die Debatte unter den Muslimen, nicht die Distanzierung. Diese Debatte bleibt weiterhin aus.

  10.   Fastien

    @Rafael

    1. „Oben links: Im Namen Gottes. Also nicht in ihrem Namen, auch nicht in unserem Namen. “

    Islamisten behaupten, ihr Handeln sei im Namen Gottes – im Sinne des Islam -. Von daher finde ich es wichtig, dass Muslime zeigen, das ist nicht im Sinne „unseres Gottes“. Indem sie schrieben, im Namen Gottes, erklären sie konkludent, Gott will das eben nichts.

    2. „Muslims united! Also keine Gemeinschaft mit den kuffir. Hier die Muslims, da die anderen. Kann man sich nicht einmal mit den anderen, den normalen Leuten solidarisieren? “

    Abegesehen von dem oben Gesagten, es werden regelmäßig Forderungen laut, dass sich Muslime als Muslime von Islamisten deutlich distanzieren sollen. Das haben sie damit getan und signalisiert, Islamisten haben nicht in unserem Sinne gehandelt. Es ist nicht im Sinne des Islam. Wäre eine über den Islam hinausgehende Gemeinschaft benannt worden, dann wäre es keine Distanzierung von Muslimen als Muslime mehr.

    Islamisten werden von Anders – und Ungläubigen nicht erreicht. Die sind das Feindbild oder zumindest nur zu tolerieren, aber nicht gleichwertig. Wäre das also eine Botschaft aller Engländer, würde sie eh nicht gehört werden, da diese bis hin als Feinde angesehen werden.

    Auch im Nahen Osten kann der Westen nichts erreichen. Wir sind ein Feindbild. Einzig „Glaubensbrüder“ haben eine geringe Chance, Islamisten zu vermitteln, Krieg kann nicht im Sinne Allahs sein. Vom Westen nimmt man gern Geld, man nutzt die Strukturen des Westens, man nutzt die Freiheit im Westen für seine Zwecke, aber der Westen ist niemand, dem man zuhört.

    Ferner darf man nicht vergessen, ein Muslim, der den Glauben oder das, was als Glaube behauptet wird, kritisiert, begibt sich in eine nicht unerheblich größe Gefahr, als ein Anders- oder Nichtgläubiger, weil er als“ Verräter“ gehandelt werden könnte.

    Man betrachte den Gaza Streifen. Islamisten sehen nun auch in der Fatah einen Feind, nur weil diese bereit ist mit Israel zu verhandeln.

    Ich persönlich sehe in der Distanzierungen einen, zwar längst übervölligen, Schritt in die richtige Richtung und habe diese sehr positiv aufgenommen.

 

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