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Was ist Christianismus?

 

Angesichts der regen Beteiligung an der Debatte über Christentum und Christianismus im vorangegangenen Post scheint es mir angebracht, offenzulegen, woher ich den Begriff habe und wie ich ihn verstehe. Ich habe ihn von dem sehr geschätzten Blogger und Essayisten Andrew Sullivan geborgt (ein katholischer, konservativer, schwuler Dissident der Republikaner, anfangs ein Befürworter des Irakkriegs, heute einer der schärfsten Kritiker der Bushies).
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Sullivan schreibt in Time Magazine (Mai 2007):

„Are you a Christian who doesn’t feel represented by the religious right? I know the feeling. When the discourse about faith is dominated by political fundamentalists and social conservatives, many others begin to feel as if their religion has been taken away from them….

… There are those who simply believe that, by definition, God is unknowable to our limited, fallible human minds and souls. If God is ultimately unknowable, then how can we be so certain of what God’s real position is on, say, the fate of Terri Schiavo? Or the morality of contraception? Or the role of women? Or the love of a gay couple? Also, faith for many of us is interwoven with doubt, a doubt that can strengthen faith and give it perspective and shadow. That doubt means having great humility in the face of God and an enormous reluctance to impose one’s beliefs, through civil law, on anyone else.

I would say a clear majority of Christians in the U.S. fall into one or many of those camps. Yet the term „people of faith“ has been co-opted almost entirely in our discourse by those who see Christianity as compatible with only one political party, the Republicans, and believe that their religious doctrines should determine public policy for everyone. “ … So Christ is a conservative Republican?

What to do about it? The worst response, I think, would be to construct something called the religious left. Many of us who are Christians and not supportive of the religious right are not on the left either. In fact, we are opposed to any politicization of the Gospels by any party, Democratic or Republican, by partisan black churches or partisan white ones. „My kingdom is not of this world,“ Jesus insisted. What part of that do we not understand?

So let me suggest that we take back the word Christian while giving the religious right a new adjective: Christianist. Christianity, in this view, is simply a faith. Christianism is an ideology, politics, an ism. The distinction between Christian and Christianist echoes the distinction we make between Muslim and Islamist. Muslims are those who follow Islam. Islamists are those who want to wield Islam as a political force and conflate state and mosque. Not all Islamists are violent. Only a tiny few are terrorists. And I should underline that the term Christianist is in no way designed to label people on the religious right as favoring any violence at all. I mean merely by the term Christianist the view that religious faith is so important that it must also have a precise political agenda. It is the belief that religion dictates politics and that politics should dictate the laws for everyone, Christian and non-Christian alike.

That’s what I dissent from, and I dissent from it as a Christian. I dissent from the political pollution of sincere, personal faith. I dissent most strongly from the attempt to argue that one party represents God and that the other doesn’t. I dissent from having my faith co-opted and wielded by people whose politics I do not share and whose intolerance I abhor. The word Christian belongs to no political party.“

68 Kommentare

  1.   Molinocampo

    Statt eines Kommentars auf den eigentlich überflüssigen Begriff des „Christianismus“ (der, selbst wenn er Reales bezeichnete, eben gerade nicht dem Islamismus entspräche)

    eine Rede, die wohl nicht zufällig von den großen Medien (allgemein auch als mainstream bekannt) natürlich nicht einem breiteren Publikum bekannt gemacht wird:

    http://serap-cileli.de/Bul-le-merite.htm

  2.   Joachim S.

    Nun tun Sie nicht so, als ob Serap Cileli nicht beachtet würde.
    Ausgewogener allerdings argumentiert die von mir sehr geschätzte Seyran Ates:

    http://www.amazon.de/Multikulti-Irrtum-Seyran-Ates/dp/3550086946

  3.   Molinocampo

    Ich denke gar nicht daran, Cileli gegen Ates oder umgekehrt ausspielen zu lassen – beide haben Mut, beide haben Recht, beide sagen die richtigen Dinge.

    Sie widersprechen sich auch gar nicht. Allein der Fokus ihrer Aufmerksamkeit ist etwas anders.

    Cilelis Forderungskatalog ist allerdings noch um einiges präziser, umfangreicher als bei Ates oder auch Kelek.

    Das führe ich allerdings auf ihre praktische Erfahrung als Polizistin zurück – mehr Lebenswirklichkeit geht nimmer, wenn man an den richtigen Orten eingesetzt wird…..

    das bleibt kein Auge trocken, und keine Illusion unbeschädigt….

  4.   Lebeding

    @molinocampo, das habt Ihr doch auf PI (PseudoIntellektuelle) durchgesprochen. Schön, dass Sie sich dazu äußern.

    Im Grunde sind all die neuen Termini eh unwichtig, wenn man nicht weiß, was damit gemeint ist. Ich hatte ja früher gerne von „Evangelikalisten“ gesprochen. Heute sieht man diesen Begriff sicher neben Christianist als sinnvoll an. Aber: Babt-isten müssen nicht radikal sein, nur weil sie so heißen. Auch Buddh-isten müssen nicht radikal sein. Und Hindu-isten? …

    Es gibt ja nicht nur Fundamentalisten bei den Evangelikalen. Von daher ist Christianist allgemein ein Extremist innerhalb des Christentums. Ganz einfach.

    Aber sicher, ein Islamist ist aber auch einer, der den Gottesstaat mit terroristischen Mitteln zu etablieren versucht und gegen die Demokratien des Westen kämpfen. Man sieht dies zurzeit auch in Pakistan, wo Islamisten vom Ausnahmezustand profitieren.

    Bedenkt man allerdings, dass Christianisten auch den apokalyptischen Weltzustand herbeisehnen und von daher gesehen Kriege als Gottes Willen und als Gottes Zeichen und der Nähe des Jüngsten Tages ansehen, dann sind islam. Terroristen und Christianisten doch nicht so weit voneinander entfernt.

  5.   Molinocampo

    Welchen Pluralis meinen Sie, lebeding, wenn Sie von „habt Ihr doch auf PI durchgesprochen“ sprechen?

    Meinen Sie „Ihr die in der SA?“

    oder „Ihr vom Volksgerichtshof?“

    oder meinen Sie „Ihr Unterstützer der migrantischen Kulturverräterinnen und Kollaborateurinnen des westl.-weißen Patriachats?“

    Klären Sie mich bitte auf, bevor Sie mich das nächste Mal wieder mit „Ihr“ ansprechen

  6.   tati

    @lebeding

    Alls Antwort auf die letzte Frage an mich im Parallelthread möchte ich Ihnen antworten.
    Jede Art des Fundamentalismus, sofern diese die Lebensweise eines Anderen bedroht, halte ich für bedenklich.
    Zur Verwendung der Wörter Christianismus und Islamismus sollte erst einmal grundsätzlich geklärt werden, was darunter zu verstehen ist. Ich denke, da gibt es noch genug Aufklärungsbedarf.
    Wenn dann noch „Anti“-Irgendwas ins Spiel kommt wird´s erst richtig kompliziert.
    Meine persönliche Sicht ist, das es aktive Elemente im Islam gibt (nennen Sie es meinetwegen Djihad), die religiöse und ideologische Ziele mit Terror durchsetzen wollen. Das geschieht tagtäglich.
    Eine Entsprechung aus dem Christentum heraus gibt es NICHT. Selbst fundamentale Christen predigen keinen Terror. Wenn ein durchgeknallter Fernsehprediger, die Anschläge von 9-11 für eine Strafe Gottes hält, dann ist das zwar spektakulär, aber keine Terrortat.
    Nichtsdestotrotz kann ich mir eine Entwicklung vorstellen, in der sich als Antwort auf den islamischen Terror auch Bereiche der Christenheit radikalisieren.

  7.   Lebeding

    @Molinocampo
    Pardon. Ich meinte die Herrschaften von PI, die Ihren hier gelinkten Text auch diskutiert hatten.

    An SA habe ich überhaupt nicht gedacht im Zusammenhang mit Ihnen. Wie kommen Sie jetzt darauf?

  8.   Tuotrams

    Na dann sehen wir uns mal an was Herr Laus Kronzeuge, Andrew Sullivan, zur zukünftigen US Aussenpolitik zu sagen hat:

    „Every potential president, Republican or Democrat, would likely inherit more than 100,000 occupying troops in January 2009; every one would be attempting to redeploy them as prudently as possible and to build stronger alliances both in the region and in the world. Every major candidate, moreover, will pledge to use targeted military force against al-Qaeda if necessary; every one is committed to ensuring that Iran will not have a nuclear bomb; every one is committed to an open-ended deployment in Afghanistan and an unbending alliance with Israel.“

  9.   Lebeding

    @Tati, naja, dann versuchen Sie doch mal die von mir gelinkten Seiten auf dem anderen Blog durchzulesen. Dann müssten Sie eigentlich auch erkennen, dass es radikale Christen gibt, die ganz oben an der Politik mitmischen und Krieg als Gottes willen betrachten, bzgl. Apokalypse. Und das sind nicht nur ein paar durchgeknallte Prediger.

    Ehrlich, mir wäre es auch lieber, das wäre alles nicht so ernst. Aber wenn sich schon ein Mann wie Ex-Präs. Carter dazu sehr scharf äußert, dann denke ich schon, kann und muss man diese radikalisierte Gruppe von Christen ernst nehmen. Wieweit die nun wirklich adäquat und wissenschaftlich relevant mit Islamisten vergleichbar sind, mag dahin gestellt sein. Aber Gefahr geht auch von den Christianisten aus. Evangelikale zählen immerhin fast 80 Millionen Mitglieder. Wie viele davon radikalisiert sind, weiß ich auch nicht. Wir wissen allerdings auch nicht, wie viele Moslime wirklich islamistisch orientiert sind.

    Wobei, wieder betont, eben bei den normalen Christen auffällig positiv ist, dass sie sich auch sehr stark absetzen von den Extremisten. Dieses Verhalten vermissen wir noch zu viel bei den Moslems.

  10.   Molinocampo

    Woher wissen Sie denn, was auf PI verhandelt wird?

    Diese Seite sollte doch für solch tugendhaften Vorbilder wie Sie nicht haram sein!

    Jaja, gegen die Unzucht wettern und heimlich bei den Schmuddelkindern spannen!

    Sie Schelm, Sie!

 

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