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Unfreiheit als Entwicklungschance? Willkommen im postdemokratischen Zeitalter!

 

Blühende Zeiten für Länder mit politischer Unfreiheit und ökonomischer Freiheit: Sie haben die höchsten Wachstumsraten. Sie fahren besser als Länder mit sowohl ökonomischer als auch politischer Freiheit, wie dieses Schaubild zeigt:

economic-growth.JPG

Kevin Hassett vom American Enterprise Institute (einflußreicher republikanischer Think Tank), folgert daraus:

„The chart tells a striking story: the countries that are economically and politically free are underper­forming the countries that are economically but not politically free. For example, unfree China had a growth rate of 9.5 percent from 2001 to 2005. But China was not the whole story—Malaysia’s GDP grew 9.5 percent from 1991 to 1995, Singapore’s GDP grew 6.4 percent from 1996 to 2000, and Russia’s grew 6.1 percent from 2001 to 2005.

The unfree governments now understand that they have to provide a good economy to keep citizens happy, and they understand that free-market econ­omies work best. Also, nearly all of the unfree nations are developing countries. History shows they grow faster, at least for a while, than mature nations. But being unfree may be an economic advantage. Dictatorships are not hamstrung by the preferences of voters for, say, a pervasive welfare state.

So the future may look something like the 20th century in reverse. The unfree nations will grow so quickly that they will overwhelm free nations with their economic might. The unfree will see no reason to transition to democracy.“

Bemerkenswert: Das American Enterprise Institute ist eine Kaderschmiede der Neocons, die Demokratisierung auf die Agenda der amerikanischen Regierung gesetzt hatten. Der Backlash geht weiter.

0 Kommentare

  1.   Joachim S.

    Ich halte die Verknüpfung von Freiheit und wirtschaftlichem Erfolg in der Statistik für irreführend.

    Erstens: Es ist logisch, dass die wirtschaftlich am weitesten entwickelten, politisch freien Länder (Europa, Nordamerika, Japan) keine so hohen Wachstumsraten erzielen können wie Schwellenländer mit einem riesigen ökonomischen Nachholbedarf.

    Zweitens: Als sie die höchsten Wachstumsraten erzielten, waren die meisten heute politisch freien Länder (v.a. auch Deutschland und Japan) politisch unfrei. Ergo: Meist kommt zuerst der ökonomische Erfolg, dann erst Freiheit und Bürgerrechte.


  2. @ Joachim S.: Ich möchts ja auch glauben. Aber die Chinesen sehen sich durchaus als Alternativmodell und nicht auf dem Weg zu unserem Freiheitsbegriff.

  3.   Joachim S.

    Herr Lau, warten wir’s ab. Wenn eines vielleicht nicht allzu fernen Tages gut die Hälfte aller Chinesen vom Wirtschaftsboom profitiert haben wird (momentan sind’s ja noch weit weniger), könnten sie durchaus auf die Idee kommen, mehr Mitspracherecht zu fordern. Streiks gibt’s ja jetzt schon allenthalben in China.

  4.   Riccardo

    Nun, bekanntlich kommt ja erst das Fressen und dann die Moral. Andererseits werden die neuen Wirtschaftseliten in den sogenannten Schwellenländern schon bald bürgerliche Rechte bzw. politische Teilhabe einfordern. Gerade China wird mit seinem „Alternativmodell“ sehr schnell an die Grenzen des Machbaren stoßen, denn auch hier gilt, daß Wachstum nicht unendlich ist und man es vor allem nicht ohne Gegenleistung bekommt. Mal sehen was passiert, wenn die chinesische Gesellschaft von den zu erwartenden demographischen und sozialen Katastrophen ernsthaft gepiesackt wird. Das Politbüro wird den Tag verfluchen, an dem Deng auf die Idee kam, den Drachen herauszulassen.

    Also viel Lärm um nichts. Keiner kann den ökonomischen Zwängen entkommen.

  5.   Rafael

    Der große Vorteil unseres freiheitlichen Systems ist, dass wir aus den Erfolgen der wirtschaftlich unfreien lernen können. Wenn wir bemerken, dass das Wirtschaftsmodell der politisch unfreien besser funktioniert, was hält uns auf, es zu übernehmen, ohne unsere Freiheit aufzugeben?

    A propros: Seit wann gib es in Russland wirtschaftliche Freiheit? Warum wachsen auch Indien (politisch frei, wirtschaftlich unfrei), Kuba und Venezuela (wirtschaftlich und politisch unfrei), sowie Irland (politisch und wirtschaftlich frei) um den zweistelligen Bereich herum?

    Ich seh das ähnlich wie Joachim S. In der politischen Unfreiheit wird die ökonomische Entwicklung oft unterdrückt und korrumpiert. Es braucht nur mal zufällig ein autoritärer Herrscher daherzukommen und ein wenig Druck vom Kessel nehmen, dann läuft das Wachstum von ganz alleine. Bis zu einem bestimmten Punkt jedenfalls. Oder kennt irgendjemand eine funktionierende Hochtechnologiegesellschaft, die unfrei und nicht mit Rohstoffen gesegnet ist?

    Ein Land mit hohem Bevölkerungswachstum braucht überigens mindestens ein so hohes Wirtschaftswachstum, wie das Bevölkerungswachstum, um den Lebensstandard nur zu halten. Die Demografie wird oft unterschätzt.

  6.   AM

    Ich denke, JL wollte gar nicht so sehr eine Diskussion über die Frage anregen, ob undemokratische Staaten wie China den demokratischen wirtschaftlich wirklich überlegen sind. Kann es sein, dass es ihm eher darum ging, dass inzwischen gerade Teile der NeoCon-Fraktion mit dieser Idee spielen, die sich noch vor kurzem durch das Mantra der Demokratie zu allem ermächtigt und befähigt sahen? Ist es das, was er mit Backlash meint?
    Ich halte dieses geradezu trotzige Umkippen von einem Extrem ins andere für völlig einsichtig und warte schon lange darauf. Das geht nach dem Motto: wenn die Welt uns nicht als Demokratieverbreiter gehorcht, dann braucht sie eben Diktatur. Unter dem Strich wird das Primat der Wirtschaft und der militärischen Machtausübung deutlich, die sie zuvor mühsam verheiratet hatten mit der letztlich ungeliebten und zweitrangigen Freiheit. Das ist Bonapartismus und als solcher keine wirkliche Überraschung bei einer Denkrichtung, die irgendwo im sektiererischen Maoismus und Trotzkismus ihren Anfang genommen hat.

  7.   Rafael

    @AM

    So gesehen haben Sie allerdings Recht.

  8.   J.S.

    @Rafael
    AM weiss nicht mal worum es geht. Wie könnte AM dann Recht haben?
    Oder glauben Sie auch das es nur um die Verbreitung der Demokratie ginge?
    Sagt Ihnen das Wort „monokausal“ etwas?


  9. @ AM: You got me.

  10.   AM

    @ J.S.
    „Oder glauben Sie auch das es nur um die Verbreitung der Demokratie ginge.“
    Nein, habe ich nie geglaubt, aber ich glaube weiter fest an das Komma vor dem Dass.

 

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