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Nachtrag zur Islamdebatte mit Giordano

 

Zu dem ziemlich unsäglichen Schauspiel, das Ralph Giordano kürzlich auf Phoenix in einer Phoenix-Debatte mit Necla Kelek, Cem Özdemir, Ayman Mazyek, Raphael Seligman und Guido Knopp bot, schreibt Chajm alles Wesentliche:

Giordano, der „scheinbar einige hassende Fans mitgebracht hatte und ansonsten leider keine Argumente, sondern ausschließlich beängstigende Meinungen. Er hat nicht verstanden, oder will nicht verstehen, dass man all seine Argumente auch spielend gegen einen Synagogenbau einwenden könnte und nach wie vor bin ich überzeugt, dass eine Mehrheit der Menschen gegen einen Synagogenbau stimmen würde, wenn sie darüber abstimmen dürften. Selbstverständlich wurde er schnell zur Stimme der Kölner Moscheegegner und Seligmann wendet in dieser Runde natürlich zu Recht ein:

Wenn eine Jude sich zur Stimme des Volkes macht, dann wird er schnell missbraucht

Verblüffend ist die Offenheit, mit der Giordano hasst. Hier in der Talkrunde wiederholt er, dass er den Islam für das Problem hält. Stellen wir uns vor, jemand tritt öffentlich auf und sagt „Das Judentum ist das Problem”. Mit Sicherheit würde Giordano gegen diesen Menschen auftreten.
Dann schreit er heraus:

Wenn die offenen Haare die muslimischen Männer so derartig in Aufruhr versetzen, dann wäre es besser, ihnen Handschellen anzulegen als den Frauen Kopftücher.

Damit bedient er vielleicht den Mob, aber was ist wirklich dran? Vielleicht hat Herr Giordano schon bemerkt, dass es Jüdinnen gibt, die ihre Haare bedecken. Ist er bisher dagegen vorgegangen?“

621 Kommentare


  1. Werden diese Jüdinnen gezwungen?


  2. Giordano bräuchte tatsächlich eine Redaktion, man merkt ihm sein Alter oft an, er verzapft viel Käse – um in summa natürlich recht zu haben.

    > Vielleicht hat Herr Giordano schon bemerkt, dass es
    > Jüdinnen gibt, die ihre Haare bedecken

    Es ist über 2000 Jahre her, das jüdische Religionsgerichte Todesurteile verkündet haben und vollstrecken ließen. Es ist unstatthaft zu insinuieren, dass die Halacha im 21. Jahrhundert mit schariatischer Gewalt durchgesetzt wird.


  3. Werden alle moslemischen Frauen, die ein Kopftuch tragen, gezwungen? Und wenn ja, wollen sie dann ausdrücklich von Giordano und seinen KumpanInnen befreit werden? Wer hat denen das Mandat zur Befreiung der unterdrückten Frauen gegeben? Sollte man nicht die Frauen selber fragen, was sie wollen? Nein, es ist ein Trauerspiel, was aus Ralph Giordano geworden ist: ein trauriger, paranoider Mensch, der nicht merkt, dass er dabei ist, allen Kredit zu verspielen, den er mal hatte. Der Islam ist das Problem? Nein, eine rassismus-analoge Sichtweise, die mal eben eine ganze Religion verteufelt, ist das Problem. Traurig.

  4.   AM

    „Es ist unstatthaft zu insinuieren, dass die Halacha im 21. Jahrhundert mit schariatischer Gewalt durchgesetzt wird“
    Das tut JL in keiner Weise. Er weist nur darauf hin, dass es Unsinn ist, gegen das Kopftuch als solches vorzugehen, um schariatische Gewalt zu bekämpfen. Damit hat er völlig recht.

  5.   Gelincek

    Naja, falls JL Chajm aber in allem Recht geben würde, wäre ich doch erstaunt. Ist der Islam etwa nicht das Problem? Und vor allem, stellen sich bei einem Synagogenneubau tatsächlich die gleichen Bedenken in der Bevölkerung ein, wie bei einer Moschee? Das ist doch Quatsch!

  6.   Molinocampo

    Herr Lau?!?

    Was machen Sie jetzt?

    Kultivieren Sie jetzt eine Art Privat-Haß gegen Giordano?

    Giordano mag polemisch sein und zuspitzen – das darf er aber genauso wie Herr Broder – und selbst Nicht-Juden dürfen das!

    Aber seine Argumente stechen sehr wohl!

    Gab oder gibt es „jüdische“, d.h. von Juden in jüdischem Namen, und unter Berufung auf eine dezidiert jüdische religiöse Tradition, versuchte und durchgeführte Attentate und Mordanschläge auf Nichtjuden im Europa vor (oder selbst nach) 1945??

    Worauf sich ein Antisemitismus hätte plausibel begründen könnnen? Nein, gab es gerade nicht! Die Juden, die in Deutschland und Europa in den 1930er und 1940er Jahren diskriminiert, dann segregiert, schließlich deportiert und ermordet wurden sahen sich selbst als integrierte, loyale, ja patriotische Mitglieder ihrer jeweiligen Nationsgesellschaften – und selbst die Minderheit, die diese Integration, selbst Assimilation, schließlich zurückwies (die Zionisten), taten dies auf FRIEDLICHE Weise, indem sie sich zwar für einen eigenen jüdischen Staat einsetzten, aber deshalb keineswegs der deutschen, französischen, polnischen, italienischen, ja selbst nicht einmal der sowjet-russischen Regierung den Krieg erklärt hatten!
    Nennen Sie mir ein jüdisches Attentat auf eine (demokratische) europäische Regierung, oder ein erklärtes Attentat auf eine europäische Nation! Und kommen Sie mir jetzt bloß nicht mit dem Reichstagsbrand! Oder den Mord an Gustloff!

    Ist dieser Unterschied so schwer zu verstehen???

    Inzwischen verzweifle ich nicht nur an Ihnen, Herr Lau, ich ZWEIFLE an Ihnen!

  7.   Lebeding

    Das Tragische an dieser Person Giordano – in meinen Augen – ist, dass er und seine Familie unsägliches Leid selbst hatten erleben müssen und er sich aber gleichzeitig sogar mit solch leuchtend klaren Charakteren wie Seligmann verwerfen muss. Er kann mittlerweile sagen, was er will, von mir wird er kaum Applaus erhalten, solange er diesen unterschwelligen Hass, den er der Gegenseite und allen, die auch nur annähernd zu verstehen versuchen, was diese gegenseite denn da eigentlich will, gerne vorwirft, nicht selber bei sich eindämmen kann.

    Ich finde deshalb, dass es wichtig ist, in diesem Falle nicht seine jüdische Herkunft in die Debatte einzubeziehen, sondern nüchtern auf das einzugehen, was er konkret sagt oder fordert. Die Emotionalität, die er ausstrahlt, ist sicher auch mehrdeutbar, bedenkt man seine Vergangenheit.

    Denn auf jeden Fall kann man seine prinzipielle Angst vor dem Islamismus (den er aber fälschlicherweise gleichsetzt mit Islam per se) verstehen und auch gut nachvollziehen. Da hat er Recht; aber nicht bezogen auf alle Moslime.

    Özdemir hatte mir sehr gut gefallen: sachlich klar und sehr kompakt, dennoch weit ausholend trug er seine Argumente vor.


  8. „Giordano, der “scheinbar einige hassende Fans mitgebracht hatte…“

    Was für eine gequirlte Sch…e. Die Zwischenrufer waren keine Giordano-Fans sondern Leute, die sich darüber aufgeregt haben, dass Mazyek keinen Gesprächsteilnehmer einen Satz zu Ende bringen ließ.

  9.   Lebeding

    @Inzwischen verzweifle ich nicht nur an Ihnen, Herr Lau, ich ZWEIFLE an Ihnen!
    Kommentar von Molinocampo | 18.12.2007 | 5:33

    Und der moderne Mensch und Intellektuelle weiß: ich zweifele also bin ich!

    Also, Herr Professor Molinocampo, beginnen sie auch mal an sich selbst zu zweifeln, dann werden Sie vielleicht mal ein Stückchen Ihres eigenen Seins wahrnehmen … Viel Spaß dabei!


  10. @Molinocampo:
    „Giordano mag polemisch sein und zuspitzen – das darf er aber genauso wie Herr Broder – und selbst Nicht-Juden dürfen das!“

    Zwischen polemich sein und hasserfüllt hetzen besteht ein Unterschied – und den kennt Giordano nicht mehr. Ein mitleiderregendes Schauspiel, wie der Mann sich demontiert.

 

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