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In der schwulen Türkendisco

 

Muslime gehen nicht in die Disco, und wenn sie doch in die Disco gehen, sind sie keine Muslime mehr. (Diese Meinung wurde hier im Forum von Muslimen und Islamkritikern bereits vertreten.) Die gleiche Logik greift bekanntlich bei der Homosexualität.
Was ist dann mit schwulen Muslimen, die in der Disco tanzen gehen und trotzdem Muslime bleiben wollen?
Wie ist der rege Zulauf zu den Discoabenden im Kreuzberger SO36 zu erklären, wenn dort „Gayhane“ (türk. hane = Haus, Zuhause) stattfindet? Die volle Tanzfläche straft die Meinung Lügen, Homosexualität sei für Muslime „kein Thema“. An dem Thema zeigt sich vielmehr exemplarisch, wie und ob Muslime mit der westlichen Moderne zurechtkommen.
gayhane.jpgNachtleben im Gayhane
Und es tut sich durchaus etwas: Türkische Homos bevölkern Internetforen wie etwa Delidivane. Dort trägt der meistgelesene Artikel bezeichnender Weise den Titel: Wie steht der Koran zur Homosexualität? Der Artikel ist der Versuch eines frommen schwulen Muslims, den Koran für sich und seinesgleichen zu retten.
Eine schöne Reportage von der Gayhane-Party für schwule und lesbische Araber und Türken hier in der Herald Tribune.
Sie endet ziemlich düster:
K., a 22-year-old Turk from Hamburg, said: „For us, for Muslims, it’s extremely difficult. When you’re gay, you’re immediately cut off from the family.“

He had recently moved to Berlin not long after being cut off from his mother because he is bisexual. „A mother who wishes death for her son, what kind of mother is that?“ he asked, his eyes momentarily filling with tears.

Hasan, a 21-year-old Arab man, sitting at a table in the club’s quieter adjoining cafe, declined to give his last name, saying: „They would kill me. My brothers would kill me.“ Asked if he meant this figuratively, he responded, „No, I mean they would kill me.“

„I’m living one life here and the other one the way they wish me to be,“ Hasan said, referring to his parents. He said he still planned to marry, but when he turned 30 rather than right away, as his parents wished. „I have to have children, to do what Islam wants me to do,“ he said. „I would stop with everything in the homosexual life. I would stop it.“

He stood up from the table and called to his two friends. „All right, boys, let’s go dance,“ he said. „We’re here to have fun.“ And they marched off to the dance floor, smiling.

70 Kommentare

  1.   emcee

    @ JL

    Das ist aber unfair.

    Sollte ich mich mißverständlich ausgedrückt haben:

    Schließlich muss jede(r) selbst entscheiden, was er (sie) für richtig hält. Ich habe mich entschieden, möchte meine Meinung allerdings niemandem aufzwingen. Sollte ich mich mißverständlich ausgedrückt haben, bitte ich das zu entschuldigen.

  2.   emcee

    Ich habe nicht das Recht, jemandem sein Dasein als Muslim abzusprechen. Das kann und darf ich nicht. Wenn ein Muslim beides unter einen Hut kriegt und damit klarkommt, dann soll er dies tun.


  3. @ emcee: Das ist doch mal ein Wort!

  4.   emcee

    Trotzdem.
    Wer hat dies behauptet?

    „Muslime gehen nicht in die Disco, und wenn sie doch in die Disco gehen, sind sie keine Muslime mehr.“

  5.   Joachim S.

    Für Hardliner ist ja schon ein Restaurant, das Alkohol ausschenkt, ein Ort, den man niemals betreten darf. Nicht mal, um eine Flasche Selters zu kaufen.

  6.   emcee

    @ Joachim S.

    Ich trinke noch nicht einmal Selters. Wenn, dann nur ohne Kohlensäure ala Volvic & Vittel.

  7.   emcee

    @ Joachim S.

    Ansonsten gehe ich aber auch gelegentlich in ein Restaurant, das Alkohol ausschenkt. Der gelegentliche Besuch eines Restaurants kommt daher, weil die kulinarischen Höhepunkte in Deutschland nur schwer erreichbar sind. In Italien würde ich wohl öfter in ein Restaurant gehen. Wie hieß noch einmal das kleine Familien-Restaurant in Pompej …?

  8.   Joachim S.

    Volvic?

    Da können Sie gleich Leitungswasser trinken!
    Im übrigen halte ich die deutsche Küche für eine der besten der Welt. Kommt aber natürlich auf die Region an.

  9.   emcee

    Im Ländle mag das besser sein mit der Küche und so. Aber sonst? Dann doch lieber südostasiatisch:

    http://www.makansutra.com/index.php

  10.   Apoll

    @ Jörg Lau
    „An diesem Thema zeigt sich vielmehr exemplarisch, wie und ob Muslime mit der westlichen Moderne zurechtkommen.“
    Damit zurecht zu kommen wäre ja schon Hohe Schule.
    Wir sollten an weniger provokanten und komplizierten Theman üben, miteinander zurecht zu kommen.

 

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