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Ludwigshafen: Kein Brandanschlag!

 

Der Brand in Ludwigshafen ist mit höchster Wahrscheinlichkeit kein Brandanschlag, wie die dortige Polizei soeben mitteilt:

Der Leitende Oberstaatsanwalt Lothar Liebig bezeichnete ein vorsätzlich gelegtes Feuer am Dienstag als «äußerst unwahrscheinlich». Einen technischen Defekt – beispielsweise einen Kurzschluss in dem mehr als 100 Jahre alten Haus – schließen die Behörden aus. Am wahrscheinlichsten sei, dass das Feuer durch ein wie auch immer geartetes fahrlässiges Verhalten entstanden sei.

Liebig sagte, der Brand sei sehr langsam unter der Kellertreppe des Mehrfamilienhauses ausgebrochen. Er habe nach einem Gutachten mindestens 15 Minuten und bis zu drei Stunden geschwelt. Auch das spreche gegen einen Brandanschlag, bei dem die Täter gewöhnlich anders vorgingen. Zwei Mädchen, die ursprünglich einen Brandstifter gesehen haben wollen, hätten ihre Angaben inzwischen korrigiert.

Bei dem Feuer waren am 3. Februar neun türkischstämmige Frauen und Kinder getötet worden. Zwei acht und neun Jahre alte Mädchen hatten kurz darauf erzählt, dass sie einen Mann beim Zündeln beobachtet hätten. Dies hatte insbesondere in der Türkei zu Vermutungen geführt, dass der Brand auf das Konto von ausländerfeindlichen Brandstiftern gehen könnte.

Und nun bin ich auf die morgigen Ausgaben der türkischen Zeitungen gespannt, die hier seit Wochen fahrlässige Hetze betrieben haben. Heute (!) noch ist in Hürriyet ein Kommentar zu lesen, in dem es heißt, die Brände in Deutschland seien die „Konsequenz der ausgrenzenden Politik“. Unfaßlich.


64 Kommentare

  1.   Bekir Altas

    Sehr geehrter Herr Lau,

    wieso sind sie über die Berichterstattung der „Hürriyet“derart überrascht? Überraschen Sie sich auch über die populistische Art und Weise der Bild-Zeitung? Wohl kaum.

    Dennoch finde ich, dass die deutsche Öffentlichkeit, allen voran unsere Politiker, das Gefühl unter den Migranten, dass Brände die „Konsequenz der ausgrenzenden Politik“ sei(n könne), ernst nehmen müssen. Dies ist allerdings oft nicht Fall. Vielmehr ist allein schon das Dasein der Auländer Wahlkampfthema. Und in Wahlkämpfen verfahren viele Politiker nicht wesentlich besser als die Hürriyet oder die Bild in ihrer falschen/populistischen Berichterstattung.

    Jedesmal Unfassbar! … Uzw. aus vielerlei Hinsicht.

    MfG
    Bekir Altas

  2.   iceman

    „Und nun bin ich auf die morgigen Ausgaben der türkischen Zeitungen gespannt…“

    Ehrlich, Herr Lau, sind Sie das?
    Ich nicht!
    Nach allen gemachten Erfahrungen wird der Vorfall in den türkischen Medien entweder gar nicht mehr erwähnt, oder das Ermittlungsergebnis wir nur beiläufig kommentiert werden, vielleicht noch garniert mit irgendwelchen spitzen Bemerkungen über die „weitere Notwendigkeit, die türkische Bevölkerung besser zu schützen“.

    Demirel zu Schmidt: Sie werden sehen!

  3.   Rafael

    Tief betrübt nehme ich zur Kenntnis, dass der von mir sehr geschätzte Kenan Kolat

    https://blog.zeit.de/joerglau/2008/03/04/dummer-stein-die-zweite_1072

    den ludwigshafener Brand ebenfalls in der von Ihnen beschriebenen Manier instrumentalisiert.

    „NACH DEN BRANDANSCHLÄGEN MUSS ES EINE NEUAUSRICHTUNG DER POLITIK GEBEN

    Berlin, 29.02.2008

    Nach einer Reihe von Brandanschlägen, brachte der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland (TGD), Kenan Kolat, die ernsthaften Sorgen der türkeistämmigen Bewohner/innen Deutschlands zum Ausdruck und verlangte eine Neuausrichtung der Integrationspolitik.“

    Fasslich wird diese Haltung, wenn man sich vor Augen führt, dass sich die Türken in Deutschland tatsächlich als kollektive Opfer fühlen. Zumindest habe ich noch keine türkischen Gegenmeinungen dazu gelesen. In der Opferecke lebt es sich anscheinend ganz bequem.

    Global betrachtet wissen das die Palästinenser ebenfalls. Regional betrachtet sehe ich daher die Gefahr, dass wir in Deutschland mittelfristig ein dem nahöslichen „Palästinenserkonflikt“ analogen deutschen „Türkenkonflikt“ bekommen.

    Was ist zu tun, um diese Entwicklung zu vermeiden?

  4.   Faber

    T`schuldigung, sollte eigentlich ein Kommentar zur Ausstellungseröffnung in Berlin werden. Bitte löschen.

  5.   molinocampo

    @rafael

    „Tief betrübt nehme ich zur Kenntnis, dass der von mir sehr geschätzte Kenan Kolat

    https://blog.zeit.de/joerglau/2008/03/04/dummer-stein-die-zweite_1072

    den ludwigshafener Brand ebenfalls in der von Ihnen beschriebenen Manier instrumentalisiert.“

    Aufgrund welcher Eigenschaften können Sie Kolat schätzen?

    Er ist ein verheuchelter Lügenbolt und Opportunist – das zeigt jede seiner politischen Initiativen.

    Jaja, da hatten die Nazi-Blogger offenbar wieder mal sehr gute „Spürnasen“ – ich bin gespannt, ob und wann auch einmal die WIRKLICHE Brandursache in die Presse kommt:

    kriminelles Verhalten durch STROMKLAU…..

    Merke: wer die Mainstreampresse ignoriert ist schneller und besser informiert….

  6.   Erol Bulut

    @Rafael

    Wer 40 Jahre seiner Freiheit, Lebens und seines Eigentums beraubt wird, ist definitiv Opfer und fühlt sich nicht nur als Opfer.

    Wenn Sie in Ihrer Denke eine Blockade haben, die Moslems als Opfer ausschließt, dann sagt das mehr über Ihren Charakter aus, als über Opfer und Nicht-Opfer.

    Was die Türken betrifft, so haben diese nicht mal zu Solingen, Mölln sich als Opfer gefühlt. Die Meinung Kolats (Neuausrichtung Integrationspolitik) ist darauf zurückzuführen, dass die türkischstämmige Minderheit soviel Hass aus der Deutschen Gesellschaft spürt, dass Vorkommnisse wie in Mölln, Solingen oder Hoyerverda wegen der auch von Ihnen betriebenen Verunglimpfungen durch üble Nachrede zu befürchten sind. Mit Opferhaltung hat das nichts zu tun. Man kennt die Stimmung, die damals gegen Asylanten und Türken geschürt wurde und man kennt die Stimmung von Heute. Es ist ein ganz rationaler Abgleich.

    Um nochmal auf den Palästinenserkonflikt zurück zu kommen, gibt es in der Tat Vergleichsmöglichkeiten. Allerdings fallen Sie hier wieder Ihrer Denkblockade zum Opfer, da der Vergleich doch differenziertere Darstellung benötigt. Mit „dem“ Palästinenserkonflikt, den Sie meinen, können keine Vergleiche angestellt werden. Nur wenn Deutsche in die Türkei einwandern, die Türken in Lager vertreiben und 40Jahre Ihres Existenzrechtes berauben würden.
    Allerdings lässt sich die palästinensischstämmige israelische Bevölkerung gut mit den Türkischstämmigen vergleichen. Bildungsbenachteiligungen, Sündenbockfunktion für schlechte Menschen und so weiter.

    In Israel denkt man darüber nach, diese Menschen zu vertreiben, mit allen folgenden Konsequenzen.

    In Deutschland sollte man eher den Ansatz wählen, wie es die USA mit den dort benachteiligten Schwarzen getan hat, und wie es Kolat empfiehlt, durch Quoten für Chancengleichheit zu sorgen.

  7.   mathilde

    @ EB

    „Wer 40 Jahre seiner Freiheit, Lebens und seines Eigentums beraubt wird, ist definitiv Opfer und fühlt sich nicht nur als Opfer.“

    wen meinen Sie damit?

    nelson mandela?
    er war definitif opfer – hat nach erringung seiner freiheit nicht rumgejammert, sondern (neben manchem fehler) schwer geackert und viel erreicht.

  8.   J.S.

    @mathilde
    Da können Sie gleich mit einem Hamas Funktionär diskutieren. EB wird nie einsehen das sich seine Glaubensbrüder in Nah-Ost selber in die Katastrophe manövriert haben.
    EB ist ein schöner Ausblick auf unsere Zukunft. Er fühlt sich benachteiligt, obwohl er eigentlich dankbar sein müsste.

  9.   mathilde

    @ JS
    dabei kommt er mir wirklich nicht dumm vor! und sollte somit doch zumindest ansatzweise nachvollziehen koennen, was wir hier meinen.

    @ EB
    soweit ich sie verstanden habe, sind sie deutscher tuerkischer herkunft ?
    Sie haben naturwissenschaften studiert ?
    in meinem mutterland nehme ich an?
    was reden sie dann von „bildungsbenachteiligung“ ?

    zu meiner schulzeit hatte ich 2 klassenkameraden tuerkischer herkunft: einen pfiffigen jungen, der spaeter informatik studiert hat und ein nicht weniger pfiffiges maedchen, die allerdings vor abschluss der 10.Klasse von ihrem Vater zurueck in die tuerkei geschickt wurde…

  10.   mathilde

    und noch ein paar kleine details:
    dieser vater war sehr wohlhabender zahntechniker mit eigener praxis.
    obwohl das maedchen dies nicht offen zugegeben hat: sie war NICHT einverstanden mit ihrer „versetzung“. freundinnen haben sie ein jahr spaeter in izmir (rel. fortschrittlich) besucht und waren ob ihrer rueckentwicklung furchtbar entsetzt.

 

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