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Arrangierte Ehen – bei Juden und Muslimen

 

Ich wollte schon länger auf diesen Film hinweisen – Arranged -, der es tatsächlich schafft, eine leichthändige Komödie uber arrangierte Ehen zu erzählen. Zwei Lehrerinnen in einer Brooklyner Schule – eine jüdisch-orthodox (Rochel), eine muslimisch (Nasira) – lernen sich kennen und stellen fest, dass sie beide von ihren Familien verheiratet werden sollen.
Der Film macht sich zwar lustig über die Absurditäten dieses Prozesses (siehe das Video unten), aber er tut dies nicht auf eine gehässige, sondern auf eine altmodisch-liebevolle Art.
Er lässt es möglich erscheinen, dass Vermittlung Glück stiften kann – wenn sie denn nicht den Willen der Beteiligten überrollt. Arranged ist eine Verteidigung dieser unzeitgemässen Art der Eheschliessung.

arranged.jpg

Ein charmanter kleiner Film, der unsere Debatte ein wenig abrüsten helfen könnte. Er wurde übrigens von Yuta Silverman produziert, einer orthodoxen Jüdin, die hier auf eigene Erfahrungen zurückgegriffen hat – auch dies ein ziemlich einmaliger Vorgang.

Und dies ist ein Gastauftritt des überaus komischen russisch-jüdisch-amerikanischen Autors Gary Shteyngart in dem Film. Er spielt einen der Männer, die der Protagonistin Rochel (Zoe Lister Jones) vorgestellt werden:

40 Kommentare


  1. […] wieder ein Verweis auf Jörg Lau (vermutlich wird es mal wieder Zeit für eine Geschichte, bei der er sich bedienen kann). Er […]

  2.   Rafael

    „Er lässt es möglich erscheinen, dass Vermittlung Glück stiften kann – wenn sie denn nicht den Willen der Beteiligten überrollt.“

    Natürlich kann Vermittlung Glück stiften. Partneragenturen gibt es zuhauf, auch in der Zeit wird dafür geworben. Und wenn die ganze Familie bei der Vermittlung mithilft, dann kann das Glück noch viel größer werden. Einen Partner finden, der zu einem passt, eine Familie zu haben, die den Partner vorbehaltlos akzeptiert, die Unterstützung der ganzen Familie bei Kriesen in der Beziehung – was mehr kann man sich wünschen?

    http://www.echo-muenster.de/node/30193


  3. Arrangements
    Sollte man nicht meinen, dass zu einem Arrangement zwei Parteien gehören, die um ein Objekt feilschen? Also z.B. einen Termin, eine Kontrakt, eine Fehde oder sonstiges Gegenständliches?

    Alleine aus dieser terminologischen Betrachtung heraus ist der Begriff Arrangement verniedlichend, verharmlosend, realitätsfern. Wir arrangieren die Zukunft einer Frau, eine Frau wird arrangiert. Einen Menschen arrangieren ist per se Fremdbestimmung. Zwang, Druck, Gewalt sind die Attribute dieser Arrangements, obwohl Arrangement wahrscheinlich eher eine friedfertige Etymologie hat.

    Mein Urteil, aus der Praxis, aus der Theorie: Dieser Begriff ist verwerflich wie dessen Realisierung.

  4.   Erol Bulut

    @Bergpalme

    Nicht vergessen, ausser der Ehefrau gibt es noch einen Ehemann. Das sind zwei!

    Fremdbestimmung mag schon sein, aber wie Rafael anmerkt, sind arrangieren nicht nur Musels Ehen. Hilfsbedürftige Deutsche nehmen da auch schon mal Anspruch drauf.

    Haben Sie eigentlich schon mal auf Juden geschimpft, weil diese ihre Kinder „Zwangsveheiraten“, oder nennt ihresgleichen das nur bei Moslems so?


  5. Bulut, Ihr schreibender Freund von IGMG und assozierter Wolf freut sich mit Sicherheit über Ihr rechts-osmanisches Unilevel.


  6. Die arrangierte Ehe kann auch ihre guten Seiten haben:
    http://www.heise.de/tp/blogs/6/109699

    „Jedenfalls erreichte uns heute morgen die E-Mail eines traditionsbewussten Mannes, der die Forschungsergebnisse von Peter Jonason direkt mit dem Glück vom Elternhaus lang vorgeplanter Ehen in Zusammenhang brachte:

    „Ein guter Bekannter aus Indien sagt: ‚Die Liebe kam hinterher. Unser Eltern wussten damals einfach besser was gut für uns ist‘. Wenn unsere Frauen dagegen ihre Männer triebgesteuert auswählen stehen sie oft nach spätestens 2 Jahren vor einem Scherbenhaufen. Viele Frauen „verlieben“ sich immer in den falschen. Auf die netten Hausmänner steht dagegen keine. Vielleicht war die nicht-triebgesteuerte Wahl eines Ehepartners ein zivilisatorischer Gewinn für alle beteiligten, den wir – sorry, 68er sei Dank – verspielt haben. OK, dahin zurück führt auch so schnell wohl kein Weg. Aber vielleicht sollten wir doch unser Konzept der Liebesheiraten wenigstens mehr infragestellen. Es ist bei Scheidungsquoten von 50% schlicht wenig erfolgreich. “

    Ein türkischer Fremdenführer hat uns mal erzählt, dass die Frauen durchaus die Möglichkeit haben, den von den Eltern auserwählten Ehemann klar zu machen, dass sie ihn nicht wollen: sie schütten ihm beim ersten Treffen Salz in den Kaffee.

  7.   Miriam

    @lebowski #6

    Problematisch finde ich die Gleichsetzung von Liebesheiraten mit triebgesteuerten Partnerschaften.

    Problematisch finde ich das Menschenbild. das dem von Ihnen zitierten Beitrag zugrunde liegt: das Bild eines seinen Trieben ausgelieferten Menschens, der auf die Hilfe Dritter angewiesen ist, um sich vor diesen Trieben zu schützen. Das ist das Menschenbild aller traditionellen Gemeinschaften. Das ist das Menschenbild des Islams. Das ist der Grund, weshalb Frauen in islamischen Gemeinschaften sich verschleiern müssen.

    Die Rückkehr zu diesem Menschenbild wäre kein zivilisatorischer Gewinn, sondern eine Absage an die Moderne, der wir alle im Grundgesetz verankerten Rechte verdanken. Arrangierte Ehen sind Teil eines Gesamtpakets, das mit der Moderne nicht vereinbar ist.

  8.   emcee

    „Arrangierte Ehen sind Teil eines Gesamtpakets, das mit der Moderne nicht vereinbar ist.“

    Warum denn nicht? Es soll auch Menschen geben, die Schwierigkeiten haben, auf einen möglichen Partner zuzugehen und ihn direkt anzusprechen. Für diese Klientel ist eine arrangierte Ehe der ideale Weg. Bei mir hat es doch auch geklappt. Es ist für beide Seiten eine Alternative zu den gängigen Mustern unserer Gesellschaft, Ehe bzw. Beziehung anzubahnen. Letztlich darf man nicht vergessen, dass die Ehe im Islam ein Vertrag zwischen zwei Parteien ist. Leider wird durch einseitige Berichterstattung immer wieder suggeriert, dass dies zum Nachteil einer der beteiligten Parteien geschehe.
    So gesehen dürften arrangierte Ehen auch jenseits des Islam an Bedeutung gewinnen. Schauen Sie sich doch die Single-Gesellschaft an. Das hat auch damit zu tun, dass die alten Mechanismen zur Anbahnung einer Beziehung/Ehe nicht mehr so richtig funktionieren.

  9.   Rafael

    Kritisch ist, wenn nicht die künftigen Ehepartner die beiden Parteien sind, sondern die restliche Familie oder die Eltern der Brautleute. Ich gehe mal davon aus, dass bei Ihnen, emcee, die Initiative zur Eheanbahnung nicht von Ihren Eltern, sondern von Ihnen selbst ausging.

    Und ich schätze Sie auch so ein, dass sie Ihrer jetzigen Frau ein gewisses Mitspracherecht bei der Adquirierung und der Beurteilung ihres Bräutigams zugestanden haben.

    Ihre Sozialisation können Sie halt auch durch einen kompletten Neustart Ihres spirituellen Betriebssystems nicht ganz verleugnen.

    Es freut mich aufrichtig, dass es bei Ihnen geklappt hat. Und Sie sind wirklich kein Einzelfall. Tausende von deutschen Männern mit gewissen Schwierigkeiten haben Ihr Eheglück durch die Fremdvermittlung von jungen Ostasiatinnen gefunden.

  10.   emcee

    Ich kenne viele Familien in Malaysia, wo die Mama die nach der künftigen Schwiegertochter sucht und die Söhne damit kein Problem haben nach dem Motto: „Ja, Mama mach mal, ich vertraue dir“.

 

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