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Friedman: Wir hätten die Nato nicht erweitern sollen

 

Tom Friedman hat heute in der New York Times einen Kommentar, der sich in die russische Sichtweise einübt.

Wir hätten die Nato nach dem Ende der Sowjetunion nicht ausdehnen sollen, um Rußland nicht in die Defensive zu drängen. Das hat Putins Regiment nämlich einfacher gemacht, weil wir seine Weltsicht plausibler gemacht haben – Rußland als eine eingekreiste, gedemütigte Macht, die durch Öl und Kanonen auf Genugtuung drängt.

„It seemed to us that since we had finally brought down Soviet communism and seen the birth of democracy in Russia the most important thing to do was to help Russian democracy take root and integrate Russia into Europe. Wasn’t that why we fought the cold war — to give young Russians the same chance at freedom and integration with the West as young Czechs, Georgians and Poles? Wasn’t consolidating a democratic Russia more important than bringing the Czech Navy into NATO?

All of this was especially true because, we argued, there was no big problem on the world stage that we could effectively address without Russia — particularly Iran or Iraq. Russia wasn’t about to reinvade Europe. And the Eastern Europeans would be integrated into the West via membership in the European Union.

No, said the Clinton foreign policy team, we’re going to cram NATO expansion down the Russians’ throats, because Moscow is weak and, by the way, they’ll get used to it. Message to Russians: We expect you to behave like Western democrats, but we’re going to treat you like you’re still the Soviet Union. The cold war is over for you, but not for us…

Despite all the pious blather about using NATO to promote democracy, the belief in Russia’s eternal aggressiveness is the only basis on which NATO expansion ever made sense — especially when you consider that the Russians were told they could not join. The other premise was that Russia would always be too weak to endanger any new NATO members, so we would never have to commit troops to defend them. It would cost us nothing. They were wrong on both counts.

The humiliation that NATO expansion bred in Russia was critical in fueling Putin’s rise after Boris Yeltsin moved on. And America’s addiction to oil helped push up energy prices to a level that gave Putin the power to act on that humiliation.“

Ja, da ist auch was dran. Allerdings wird Putin hier doch allzusehr nur als Getriebener dargestellt, und nicht so sehr als eiskalter Akteur, der er auch ist.

Hier übrigens kann man eine Zusammenfassung (eng.) der Doktorthese von Vladimir Putin über die strategische Bedeutung der Öl- und Gasreserven lesen.

36 Kommentare

  1.   riccardo

    Russland nach Europa integrieren, das würde ja bedeuten, dass sich Russland als Gleicher unter Gleichen bescheiden müsste,eine lächerliche Idee. Träumt der Mann, oder will er Europa vernichten?
    Russen sind keine Demokraten und werden auch nie welche werden, es sei denn, sie erfinden sich neu. Deswegen muss nicht der Westen den jungen Russen die Chance auf Freiheit und Teilhabe geben, die müssen sie sich selbst geben, keiner hindert sie daran.

  2.   J.S.

    Selbstverständlich muss Russland zu Europa. Und auch in die NATO.
    Das ist nur mit dieser russischen Regierung schwierig, die eine Mischung aus altem KGB und Großkonzern geworden ist.

  3.   riccardo

    @J.S.

    „Selbstverständlich muss Russland zu Europa. Und auch in die NATO.“

    Wenn sie eine ordentliche Argumentation zu diesem haarsträubenden Unsinn liefern könnten, wäre ich vielleicht bereit, das zu glauben.

  4.   J.S.

    @riccardo
    Ich sehe keinen unüberbrückbaren Gegensatz zwischen den Russen und uns in Mitteleuropa.
    Die aktuelle Konfrontation ist schlicht und einfach die Folge des Verhaltens dieser russischen Führung.
    Ich sehe aber für diese Führungsriege im Kremel keine Zukunft. In ein paar Jahren sind die weg.
    Es gibt ja jetzt schon genügend mutige Journalisten in Russland die sich nicht mehr den Mund verbieten lassen.

  5.   Samuel

    Natürlich ist Russland nach wie vor ein agressiver Staat. Das hat ja, neben Georgien, auch wieder die Reaktion auf das Raketenabwehrschild in Polen gezeigt. Warum sollte Russland etwas gegen einen Abwehrschirm in Polen haben, wenn es sich nicht vorbehalten würde, Polen irgendwann mal anzugreifen?

  6.   Samuel

    J.S. sie sind ein Träumer…allerdings ist Träumen ja erlaubt.

  7.   M.C.

    1)
    Zitat:
    „Russen sind keine Demokraten und werden auch nie welche werden, es sei denn, sie erfinden sich neu. “

    Wenn DAS keine Offenbarung war…

    2)
    Zitat:
    „Natürlich ist Russland nach wie vor ein agressiver Staat. Das hat ja, neben Georgien, auch wieder die Reaktion auf das Raketenabwehrschild in Polen gezeigt. “

    Dann haben Sie nichts davon verstanden, wie „the balance of the threat“ seit jahrzehnten funktioniert.

    Träumt schön
    auf eurem Feldherrenhügel der Geschichte
    M.C.

  8.   Wachtmeister

    Nach Friedmans Logik hätte Westdeutschland nicht in die NATO aufgenommen werden dürfen bzw. die Aufnahme hätte destabilisierend gewirkt, was nicht der Fall war.

    Das gegenwärtige Verhalten Russlands erklärt sich nicht daraus, dass sich die Regierung „bedrängt“ fühlt, sondern aus der Wahrnehmung von Stärke. Die Regierung glaubt, sie könne es sich leisten, offensiver aufzutreten. Je größer der Schaden, den sie davonträgt, desto größer der Anreiz, zu Bescheidenheit zurückzukehren.

    Bislang sieht es gut aus: Osteuropa zeigt sich alles andere als eingeschüchtert. Die russische Strategie könnte durchaus scheitern und müsste dann revidiert werden.

  9.   riccardo

    @M.C.

    Sie haben die BOT-Theorie zwar gelesen, aber nicht verstanden Herr Untergefreiter. Beweis? Wir sitzen auf dem Feldherrenhügel und Sie müssen das freudloses Leben eines Neobolschewisten führen.

  10.   Rafael

    Eine exzellente und vernünftige Gegenthese findet sich auf der Titelseite der Zeit:

    „Dem Alten Fritz wird die Maxime zugeschrieben: mit Russland weder Krieg führen noch Freundschaft suchen. Aufs 21. Jahrhundert gemünzt: Russland weder verhetzen noch verhätscheln. Wo Moskau Machtpolitik betreibt, darf nicht Besänftigung die Antwort sein, denn die stillt nicht den Appetit, sondern schärft ihn. Wo Russland nicht mehr auf »Armee und Flotte« setzt, gilt win-win, das Gebot des gemeinsamen Vorteils.“

    http://www.zeit.de/2008/35/01-Georgien?page=all

 

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