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St.Louis, Denver, Dallas

 

St. Louis ist eine der Hochburgen der deutschen Immigration in die USA, weshalb die Stadt auch heute noch die Bierhochburg der Staaten ist (Anheuser-Busch).
Mein Freund Warren Rosenblum, der an der Webster University Geschichte unterrichtet, erzählt von der glorreichen deutschen Geschichte hier im „Tor zum Westen“. Unter anderem viele der ’48er Revolutionäre kamen nach St. Louis und Umgebung, nachdem der Aufstand in Deutschland niedergeschlagen worden war. Sie gründeten Zeitungen und Bildungsvereine und prägten die Stadt.
Die deutsche Blüte von St. Louis kam zu einem Ende im Ersten Weltkrieg, als einen massiven Backlash gegen die Deutschen gab, die zum Kaiser hielten. (Es gab pro-Kaiser-Demos in St. Louis!) Und übrigens wollten die Deutschen in Amerika ihre Sprache nicht aufgeben und bestanden auf Schulunterricht in deutscher Sprache. Als sich im Weltkrieg die Loyalitätsfrage stellte, war dies das Ende der deutschen Subkultur. (Interessante Parallele zu unserer heutigen Debatte mit unseren Migranten! Man sollte ihnen mal davon erzählen, denke ich…)

Ich habe beim dortigen Chapter des American Council on Germany einen kleinen Vortrag über die Frage gehalten, was nun aus dem deutsch-amerikanischen Verhältnis unter Obama wird. Ich sehe große Chancen für eine Verbesserung des Verhältnisses, aber der Clou meiner Ausführungen liegt eigentlich darin, auf die Spannungen hinzuweisen (ich stelle den Text bald hier zur Debatte).

Mehrheitlich kann man jedenfalls feststellen, dass eine Riesen-Erleichterung diejenigen ergriffen hat, die eine starke Verbindung zu Deutschland halten (weil ihre Ahnen daherkamen, weil sie einen deutschen Ehepartner haben oder weil sie Geschäfte mit Deutschland machen). Und das gilt auch für eher konservativ gepolte Menschen. Alle sind überrascht über Obamas Wahl seines Sicherheits-Teams, in dem es keinen einzigen echten „Linken“ gibt. Manche kritisieren das, weil sie sich mehr Wandel erhofft haben. Aber die meisten finden es eher beruhigend angesichts der Krise. Es ist klar, dass ein neuer Präsident heute ein Team braucht, das erfahren ist.

In Denver und erst Recht in Dallas waren mehr Republikaner im Publikum, und das war für mich genau der interessante Aspekt der Reise. Aber die Krise, die sich hier Tag für Tag weiter entfaltet, führt auch in diesen Kreisen zur Nachdenklichkeit.

Ich habe gegen den Raketenschild und gegen einen Nato-Beitritt für Ukraine und Russland argumentiert. Ich habe dafür geworben, dass wir uns neu auf Russland und China einlassen, ohne die Augen von Menschenrechtsfragen zu nehmen. Ich habe für einen neuen, harten, diplomatischen Kurs gegen Iran gesprochen. Und ich habe dargelegt, warum ich glaube, dass wir in Afghanistan zwar auch mehr Truppen, aber vor allem einen neuen gemeinsamen Ansatz brauchen, der auch Gespräche mit Stammesführern beinhaltet, die wir von den Taliban weg hin zu uns lotsen müssen.

Und siehe: Ich bin nicht ausgebuht worden, auch von den Konservativen nicht. Es gab Skepsis, aber ich bin auch nicht übermässig optimistisch, dass nun alles gut wird.

Durchhalteparolen habe ich von niemandem gehört. Es ist allen klar, dass der Westen auf vielen Gebieten nicht gut dasteht und wir einen „Reboot“ brauchen.

Ich habe auch Angela Merkels Zögerlichkeit bei der Frage Stimulus/ Konjunkturprogramm/ Steuererleichterung verteidigt. Merkwürdige Rolle: Gegenüber einem eher konservativen Publikum die Fahne des fiskalisch Konservativen hochzuhalten, während die Amerikaner alles darauf setzen, das Geld billig zuhalten und den Konsum anzukurbeln, ohne Rücksicht auf das Defizit.

Auf einmal bist Du der Konservative, dachte ich, und das in Dallas!