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Pakistan bald ganz in Händen der Taliban?

 

In Pakistan ist eine heftige Debatte entbrannt über die Strategie der Regierung, einen Deal mit den Taliban zu machen. Auf der erfreulicher Weise grundüberholten Website der Zeitung Dawn (Karatschi) kann man sich davon ein Bild machen.

Dies ist der Mann, mit dem die Regierung in Islamabad sich nun arrangiert hat: Maulana Sudi Mohammad. Er führt dieTehreek-e-Nafaz-e-Shariat-e-Mohammadi an – die „Bewegung zur Durchsetzung islamischer Gesetze“ (was ja nun auch gelungen ist).

Im letzten Frühjahr wurde Sufi Mohammad aus dem Gefängnis entlassen, in das ihn die Musharraf-Regierung gesteckt hatte. 2001 hatte er von Pakistan aus die afghanischen Taliban untertsützt.

I.A.Rehman, ein bekannter Kolumnist und Menschenrechtsaktivist, hält weitere Deals mit den taliban für die einzige Lösung. Doch er hat große Furcht vor den Folgen für ganz Pakistan:

As things stand, the US’s ability to win the new Afghan war in coming years seems doubtful. Neither the USPakistan will be buffeted by almost irresistible storms. nor Nato has an exit strategy. Only two possibilities emerge: either the messy war will continue for another decade, or the Taliban will be brought into the ruling coalition which they will eventually dominate. In either case,

If fighting continues in Afghanistan, militants from the tribal areas keep up their fight there alongside the Taliban. Consequently, militancy in Pakistani territories would grow. The US pressure on Islamabad to fight the extremists and the latter’s inability to comply could strain relations to a breaking point. In that event, the survival test for Pakistan would be tough.

If Taliban of any hue come into power in Afghanistan, the pressure on Pakistan to allow a similar dispensation in the Frontier region will increase manifold. Even now, the tribal areas are not prepared to merge with the NWFP. In future, they may claim freedom to join Pakistan or Afghanistan, and in the latter case, they may well want to take NWFP along – a possibility many Pakhtuns may not choose to resist.

Whatever happens in Afghanistan, Pakistan will face in FATA and perhaps the NWFP a situation that resembles the present US predicament. The Pakistan Army may have the capacity to lay the territory to waste while killing hordes of people, but it will not – and cannot – do that. For one thing, the army will risk its unity if it strikes out against ideological allies and, for another, the state will be overwhelmed in the aftermath of an unwelcome war.

The sole option will be to buy a truce by separating the Shariah lobby from the terrorists and creating FATA and PATA as a Shariah zone, which may quickly encompass the Frontier province. The question then will be whether Pakistan can contain the pro-Shariah forces within the Frontier region.

Dagegen schreibt Shaheen Sardar Ali, der zur zeit in England lehrt, dass das Arrangement eine Missachtung des demokratischen willems der Mehrheit sei, die auch im Swat-Tal  g e g e n  die religiösen Parteien gestimmt habe:

Now, once again the spectre of Sufi Mohammad rises over the mountains of Timergara wooed by the NWFP government as the vehicle for peace in Swat and the region of Malakand. A few basic questions demand answers. Are the people of Swat and Malakand a different breed of Muslims to the rest of the province and the country? One hopes not. If we are all God-fearing Muslims and if Sharia as defined by Sufi Mohammad et al, is the only way forward for peace and prosperity, then ought we not, as a country, embrace it? Why try it out only in Malakand; why not simultaneously in Islamabad, Lahore, Karachi and Multan?

Democracy and the will of the people carries no meaning if gun-toting individuals can legitimately take over a population. Members of the national and provincial assemblies are of no further relevance in Swat and Malakand and must resign from office forthwith. After all, the NWFP government has found its counterparts in power and governance in non-state actors who apparently represent the will of the people. That the people of Swat out-voted members of religious parties and voted in the ANP appears to be lost on the government of the ANP itself.

(Beide Stücke sind auf der Dawn-Website zu finden. Leider funktionieren direkte Links nicht.)

24 Kommentare


  1. […] Jörg Lau findet sich neben dem Artikel von Rahman, der Einspruch von Shaheen Sardar Ali. Bookmark […]

  2.   emcee

    So könnte schließlich die „Befriedung“ Afghanistans in Pakistans „Ende“ münden. Der Westen sollte sich zurückziehen, bevor es endgültig zu spät sein könnte. Wozu werden unsere Steuergelder am Hindukusch verschwendet?

  3.   bb

    Es wird höchste Zeit, dass jemand dieser Bewegung klar macht, dass die Bezeichnung „mohammadi“ (wörtlich: mohammedanisch) von Muslimen allüberall als abwertend empfunden wird!

    Dann müssen sie vor Scham im Boden versinken und sich selbst auflösen.

  4.   J.S.

    Es wird höchste Zeit die pakistanischen Atomwaffen einzusammeln.

  5.   bb

    @J.S.: Mein Vorschlag war realistischer.

  6.   J.S.

    @bb
    Wieso? Die Amerikaner haben doch schon länger entsprechende Pläne.

  7.   Zagreus

    Lieber Jörg Lau,

    da ich nicht weis, wie ich sie sonst erreichen kann, mache ich es hier im Forum so.

    Ich wollte sie auf einen Bericht hinweisen, der Stellungsnahme von Necla Kelek zur Inslamkonferenz. Leider ist die ursprüngliche Seite bereits gelöscht worden und ich muss sie da auf den von ihnen so ungeliebte PI-Blog verweisen – im Vertrauen darauf, dass sie Informationen und wahrheit über persönliche Animositäten stellen:

    http://www.pi-news.net/2009/02/necla-keleks-bericht-an-die-islamkonferenz/#more-43630

    Sehr iunteressant sind auch die reaktionen der verscheidenen Islamverbände auf den dort thematisierten Schulbesuch im Wedding.

    nteressant das Zitat von Herrn Köhler – Konvertit zum Islam, FDP-Lokalpolitiker und Vertreter des ZDM auf der Islamkonferenz:

    Das Schreiben von Herrn Ayyub A. Köhler ist ein seltenes Eingeständnis eines muslimischen Spitzenfunktionärs, dass er die Integration des Islam in die säkulare Gesellschaft nicht wünscht. Er schreibt., dass sich „die Tendenz bemerkbar macht, die Religionsfreiheit einer wie auch immer verstandenen Integration unterzuordnen. Dieser Tendenz ist unbedingt Einhalt zu gebieten!“

    Wenn sie einen Artikel über diesen bericht schrieben würden – und auch selbst etwas auf die Positionen und reaktionen der verscheidenen teilnehmer der Islamkonferenz dabei thematisierten, wäre das ein spannendes, und vor allem auch innenpolitisches Thema.

    Pakistan scheint auch hier in Deutschland zu sien zumindest in manchen Köpfen.

  8.   Wachtmeister

    Die Folgen dieses Waffenstillstands für die Situation in Afghanistan sind in höchstem Maße Besorgnis erregend: Die Nachschubroute über Peschawar könnte endgültig ausfallen, wenn die militanten Islamisten weitere Teile der NWFP unter ihre Kontrolle bringen, und die miitanten Islamisten in Malakand können nun mit ihren Kräfte eine Frühjahrsoffensive der Aufständischen in Afghanistan unterstützen:

    http://weblog-sicherheitspolitik.info/2009/02/18/pakistan-bemerkungen-zum-waffenstillstand-der-regierung-mit-aufstandischen-in-malakand/

  9.   tati

    @Zagreus 7

    danke für den link.
    ERSCHÜTTERND

  10.   emcee

    „Festzustellen bleibt:: Der bekenntnisorientierte Religionsunterricht ist nicht integrationsförderlich, sondern weist grundlegende inhaltliche wie pädagogische Mängel auf. Of ist er auf die Koranunterweisung reduziert und die Kinder werden ideologisch so beeinflusst, so dass eine ablehnende Haltung gegenüber Nichtmuslimen entsteht. Die Kinder werden damit unweigerlich in die Segregation getrieben.“

    Toll, das Frau Kelek auch ohne empirische Studie zu einem solchen Ergebnis kommt. In Niedersachsen wurde eine große wissenschaftliche Begleitstudie zum IRU durchgeführt, die genau zu einem gegenläufigen Ergebnis kam: „Der Islamische Religionsunterricht ist integrationsfördernd.“

    Sicherlich gibt es Mißstände, auf die reagiert werden sollte. Wenn jedoch „einige“ Schülerinnen und Schüler nicht an der Schulspeisung (DDR-Deutsch) teilnehmen wollen, frage ich mich nach den konkreten Zahlen. Einige bedeutet für mich eine Zahl unter Zehn und ist daher nicht relevant. Ich nehme aber an, dass diese Schule von mindestens 600 Schülerinnen und Schülern besucht wird. Es müssten dann schon mehr als nur einige Schülerinnen und Schüler sein.

 

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