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Will der Iran gar keine Bombe haben?

 

Fareed Zakaria, Chefredakteur der internationalen Ausgabe von Newsweek, sammelt die Argumente gegen die herrschende Meinung, dass der Iran sich in den Besitz der Atombombe zu bringen versuche.

Er zitiert die Stimmen dess Regimes, die Atomwaffen als „unislamisch“ gebrandmarkt haben – darunter Ahmadinedschad, Khamenei und Khomeini:

President Mahmoud Ahmadinejad has quoted the regime’s founding father, Ayatollah Ruhollah Khomeini, who asserted that such weapons were „un-Islamic.“ The country’s Supreme Leader, Ayatollah Ali Khamenei, issued a fatwa in 2004 describing the use of nuclear weapons as immoral. In a subsequent sermon, he declared that „developing, producing or stockpiling nuclear weapons is forbidden under Islam.“ Last year Khamenei reiterated all these points after meeting with the head of the International Atomic Energy Agency, Mohamed ElBaradei. Now, of course, they could all be lying. But it seems odd for a regime that derives its legitimacy from its fidelity to Islam to declare constantly that these weapons are un-Islamic if it intends to develop them. It would be far shrewder to stop reminding people of Khomeini’s statements and stop issuing new fatwas against nukes.

Dann bestreitet Zakaria die Deutung des islamischen Regimes in Iran als „apokalyptischer, messianischer Kult“ – eine Deutung, die vor allem in israelischen Regierungskreisen verbreitet ist. Die Iraner sind keine Selbstmörder, schreibt er. Sie haben in den letzten Jahren auf eine geschickte, taktisch kluge Weise ihre Machtposition im Nahen Osten ausgebaut – unter großzügiger Hilfe von George Bush. Die islamische Republik sei  weder eine Diktatur noch eine Demokratie. Iran könne man am besten als eine Oligarchie beschreiben – mit beträchtlichen Debatten innerhalb der herrschenden Elite.

Zakaria sieht eine mögliche Lösung des Streits in dem Konzept einer interational kontrollierten Urananreicherung auf iranischem Boden. Dem Iran würde damit möglich gemacht, am zivilen Atomprogramm  festzuhalten. Der internationalen Gemeinschaft käme dieses Konzept entgegen, weil damit ständige Kontrollen einhergehen würden. (Das ist eine Variation von Steinmeiers Vorschlag aus dem Jahr 2007.)

Obamas Stabschef Mike Mullen allerdings widerspricht Zakarias Einschätzung, was die möglicherweise friedlichen Absichten des iranischen Programms angeht. Er glaubt, wie er ABC sagte, dass Iran die Bombe will. Eben darum beharrt er auf der Wichtigkeit der neuen diplomatischen Initiativen des amerikanischen Präsidenten.

MULLEN: Well, I believe then and I still believe that Iran’s strategic objective is to achieve nuclear weapons, and that that path continues. Their leadership is committed to it. They conducted a missile test this last week that was successful, which continues to improve their missile delivery system and capability. Their intent seems very clear to me, and I’m one who believes if they achieve that objective, that it is incredibly destabilizing for the region. And I think eventually for the world.

STEPHANOPOULOS: So you don’t believe it? That they don’t want nuclear weapons.

MULLEN: At this point no.

STEPHANOPOULOS: And the chief of staff to Israel’s defense minister, General Michael Herzog, has said that Iran could actually have its first nuclear weapon by the end of 2010 or the beginning of 2011. Do you agree with that?

MULLEN: Well, I think you make certain assumptions about what they can do. Most of us believe that it’s one to three years, depending on assumptions about where they are right now. But they are moving closer, clearly, and they continue to do that. And if you believe their strategic intent, as I do, and as certainly my Israeli counterpart does, that’s the principle concern.

STEPHANOPOULOS: And you just said that you believe that a nuclear Iran would be calamitous for the region. But last year, Sy Hersh in the „New Yorker“ reported that you pushed back very hard against any notion of a military strike during President Bush’s administration. And you’ve spoken publicly about the unintended consequences of a military strike by Israel. So what worries you more? A nuclear Iran or war with Iran?

MULLEN: Well, they both worry me a lot. And I think the unintended consequences of a strike against Iran right now would be incredibly serious. As well as the unintended consequences of their achieving a nuclear weapon.

And so that’s why this engagement in dialogue is so important. I think we should do that with all options on the table. As we approach them.

And so that leaves a pretty narrow space in which to achieve a successful dialogue and a successful outcome, which from my perspective means they don’t end up with nuclear weapons.

STEPHANOPOULOS: They don’t end up with nuclear weapons, but could they have as Japan does a full nuclear fuel cycle program that’s fully inspected?

MULLEN: I think that’s certainly a possibility and this isn’t, at least, from my perspective, from the military perspective, this isn’t about them having the ability to produce nuclear power. It’s about their desire and their goal to have a nuclear weapon.

(Die kenntnisreichste Diskussion der theologischen Debatte um die Legitimität der „islamischen Bombe“ findet sich übrigens hier, in einem Text von Noah Feldman aus der NYT.)

49 Kommentare

  1.   Zagreus

    Letztendlich kann doch iemand, der nicht im inneren Zirkel sitzt, es beurteilen – erst recht nicht auf, sorry Medienniveau.

    Aber es gibt Hilfe, falls doch, gegen einen Atomschlag :

    Manchmal zielen die Dispute über Probleme auf etwas anderes ab, als dasjenige, worin die Probleme selbst bestehen.

  2.   AM

    „Die Iraner sind keine Selbstmörder, schreibt er.“
    Bisher waren sie es offensichtlich nicht, aber nicht immer kann man die Vergangenheit linear in die Zukunft fortschreiben.
    „Sie haben in den letzten Jahren auf eine geschickte, taktisch kluge Weise ihre Machtposition im Nahen Osten ausgebaut – unter großzügiger Hilfe von George Bush.“
    Lol!, der Bush wars.


  3. @ AM: Ja, Bush ist der Steigbügelhalter der schiitischen Renaissance. Dafür wird sich die Welt noch lange an ihn erinnern.

  4.   PBUH

    Fareed Zakaria, wenn das mal kein Muslim ist.

    :-))

  5.   Zagreus

    @ JL

    Manchmal haben sie wirklich komische Ansichten.

    „@ AM: Ja, Bush ist der Steigbügelhalter der schiitischen Renaissance. Dafür wird sich die Welt noch lange an ihn erinnern.“

    Hat er das irgendwie beabsichtigt ?
    Oder hat es sich ergeben, weil er bzw die USA unter ihm die Lage nach einem erfolgreichen Sturz des Saddam-Regimes im Irak falsch beurteilt haben?

    In dem Sinne, wie sie hier *Steigbügelhalter* verwenden, dürfen sie sich den Schuh auch selbst anziehen – denn das sind sie dann ganz gewaltig inc. ihrer ganzen Zunft – denn wer hat denn hier in einer Tour das Bushprobgramm als Falsch hingestellt und damit dem Schiitischen regime in der Arabischen Welt eben so das moralische Steigbügel gehalten?

    Die Menschen im Iran sind für sich slebst verantwortlich – und steigbügel halten nur Menschen, die mit absicht auch eine gruppe/person etc… fördern.
    Das aber verantwortung udn Schuld zuschaufeln an Personen und Umständen, dieweder beabsichtigten jemanden zu unterstützen und es auch nicht direkt taten, ist perfide und zudem ein fass ohne Boden – dann waren also die Kommunisten in der Sowjetunion also steigbügelhalten für Hitler? Immerhin haben sie ja Hitler eine gar prächtige vorlage geliefert , um die Angst in der Bevölkerung vor einem Kommunistischen Regiem zu schüren und sich als Wächter davor zu generieren….
    Ich galube nicht, dass sie dem zustimmen – warum machen sie das aber dann bei Bush, ist das selbe Prinzip dahinter. Nur weil sie ihn nicht mögen wäre ein etwas schwache begründung.


  6. „developing, producing or stockpiling nuclear weapons is forbidden under Islam.“

    In welcher Sure steht das?

  7.   AM

    @ JL
    „Ja, Bush ist der Steigbügelhalter der schiitischen Renaissance.“
    Hätte ich echt nicht gedacht, dass ein so starker Mann, auf den die islamkritischen Hardliner so viele Hoffnungen setzten, sich als so ein Weichei herausstellen könnte:-)
    „Dafür wird sich die Welt noch lange an ihn erinnern.“
    Ist die Welt Partei im blutigen Dauerstreit zwischen Sunniten und Schiiten, auf derselben Seite wie Al Qaida? Wo sind nur alle hin, die unbedingt die Sauställe der sunnitisch-arabischen Despotien ausmisten wollten? Sitzen sie etwa jetzt in einem Boot mit den verhassten Despoten? Das is ja ein Ding!

  8.   Joachim S.

    @ PUPS

    „Fareed Zakaria, wenn das mal kein Muslim ist.“

    Das sagt natürlich alles…


  9. @ PBUH: Natürlich ist der Muslim. Und ein Schüler von Huntington. Und Inder. Und Amerikaner. Und ein kluger Typ, dessen Urteile öfter stimmen als die vieler anderer. Lesen Sie mal ein Buch von ihm.


  10. @ Zagreus: Dass es Folgen hat für die Macht des Iran, wenn man erst seine Feinde im Osten (Taliban) und dann seine Feinde im Westen (Saddam) wegbombt, ist eigentlich offensichtlich. Iran musste stärker werden durch Bushs Politik – ausser in dem Fall, dass man den beiden Kriegen noch einen dritten hinterhergeschickt hätte, den finalen Schlag gegen Teheran. Das war ganz klar auf der Agenda der Neocons ab 2004. Die Propagandamaschine wurde schon angeschmissen. Das war der Punkt, an dem ich endgültig festgestellt habe, dass ich es mit der Hybris von revolutionären Fanatikern zu tun hatte, die die Welt nach ihrem Bilde neugestalten wollten.
    Das Desaster im Irak hat dem ein Ende gesetzt.

 

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