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„Mein Deutschland“ versteht ihr nicht

 

Mitblogger Mattes gibt zu Bedenken:

“Mein Deutschland” ist kein geographischer sondern ein sozialer Ort.

Er ist dort wo die Erfahrungen der Menschen nicht von Politik, Erziehung, Unterhaltung, Kommunikation oder Kunst dominiert sind. Die Menschen beschäftigen sich hier damit, wie man Maschinen und Softwaresysteme entwirft und baut, wie man eine Produktions- oder Logistikkette organisiert oder wie man Geschäfte führt.

Diese Menschen sehen auf das was Sie schreiben und was die Politik tut aus dem Blickwinkel Ihrer Erfahrung, und die (Perspektive) unterscheidet sich in deutlich von Ihrem Softskilluniversum.

Wenn in der Technik ein Fehler passiert, ist hinterher meistens klar, wer verantwortlich ist und was er falsch gemacht hat. Das bedingt eine gewisse Abneigung gegen unkontrollierte Experimente. Ein Bauingenieur wird keine Elemente ohne baurechtliche Zulassung verbauen, ein Chemiker keine ungeprüften Rohstoffe in eine hunderte Millionen teure Produktionsanlage einspeisen.

Eine meiner Aufgaben ist es, Experten zusammen zu bringen um technische Probleme zu lösen. Glauben Sie ernsthaft, ich könnte mich in dieser Rolle verhalten wie unsere Politiker? Welche Reaktion würden Sie von mir erwarten wenn jemand zu mir kommt und sagt: “Ich möchte gerne Mitglied dieses Teams werden, denn die Leute in dieser Truppe haben die beste Arbeit. Ich kann zwar nichts, was ihr brauchen könnt und eigentlich will ich auch gar nicht Teil des Teams werden, aber nehmt mich, gebt mir alle Rechte und dann sehen wir schon wie es weitergeht”. Alleine die Vorstellung ist absurd!

Das Problem dabei ist, dass die Menschen, denen es geht wir mir, sich Ihnen, der Presse, den Meinungsmachern und Multiplikatoren, nicht verständlich machen können, denn sie beherrschen den Jargon nicht und haben in Ihren Kreisen keine “credibility”.

Ich unterstelle Schäuble, dass er die besten Absichten hat, aber er hat keine Vergleichswerte, er experimentiert und die Menschen sehen das.

Sie sehen, dass ihr Arbeitgeber Deutschkurse organisiert und sogar die Kosten tragen wil,l und die Kurse werden mangels Teilnahme abgesagt.
Sie hören, dass im Semester des Ältesten unter fast 200 Studenten (naturwissenschafliches Fach) kein einziger Türke ist, und fragen sich, wo die Bereicherung herkommen soll.
Sie stellen mit frustrierter Überraschung fest, dass der Wert von Omas Häuschen in der Altstadt rapide verfällt. weil es inzwischen in einem halben Ghetto liegt.
Inzwischen kennt selbst in den Kleinstädten jeder Fälle von angedrohter oder ausgeübter Gewalt im unmittelbaren Umfeld.

Dadurch dass man irgendwelche Thesen oder Hoffnungen gebetsmühlenartig wiederholt, kann man diese Menschen gegen die wahrgenommenen Fakten nicht überzeugen.

Übrigens erhöht man auch nicht seine Glaubwürdigkeit, indem man sich von irgendwelchen Scheichs düpieren lässt, am wenigsten bei den Scheichs selbst.

37 Kommentare

  1.   Black

    Vor allem lädt der Flugzeugingenieur Schäuble zum Mitflug in einen Prototypen ein, dessen Vormodelle bis jetzt immer abgestürzt sind.

    Außerdem frage ich mich, was der Herr Schäuble mit dem „Stellvertreter seines syrischen Kollegen“ zu bereden hatte. Mußte der Amtsinhaber gerade telefonieren?

    Noch was:
    Das Prinzip der Demokratie ist, daß das passiert, was das Volk will, und nicht was irgendwelche Experten für das Beste halten, oder sich wünschen. Wer glaubt, daß die Massenmigration von den Europäern gewünscht wurde, und wer glaubt, daß weitere muslimische Einwanderung gewünscht wird. Daß die muslimische Einwanderung in ökonomischer Hinsicht ein Wahnsinn war/ist/noch lange sein wird, darin sind sich sogar die Experten einig.

  2.   J.S.

    „Der frühere Außenminister und Spitzenpolitiker der Grünen, Joschka Fischer, nimmt eine Tätigkeit in der Wirtschaft auf. Fischer soll das europäische Pipeline-Projekt Nabucco politisch voranbringen und auch als PR-Berater tätig werden.“

    http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,632636,00.html

  3.   mathilde

    mattes, schoen geschrieben, danke!

    mir faellt dazu folgendes ein:

    Soziologische / politische ablaeufe sind verwirrend und lassen sich schwierig in gesetze pressen.

    Experimente sind die Grundlage aller Wissenschaft, denn nur durchs ausprobieren kann man herausfinden, was wirklich passiert. Die Experimente basieren natuerlich auf bisherigem Wissen und daraus resultierenden Vermutungen: ich versuche aus meinen Maschinen/Versuchen/Experimenten dass letztmoegliche herauszuholen um eine aus unserem bisherigen Wissen resultierende Vermutung beweisen zu koennen. Da ist neben dem ganzen Wissen, know/how etc aber auch immer Gespuer und etwas Hoffnung im Spiel.
    Das kann und muss man sich in der Forschung erlauben, als Ingenieur allerdings tunlichst sein lassen 😉

    Und als Politiker ? Schaeuble jedenfalls ist keiner, der einen Stein immer wieder hoch wirft – in der Hoffnung, dass er irgendwann nicht mehr auf den Kopf landet.
    Ganz im Gegenteil, versucht er, die Sachverhalte oeffentlich zu Diskutieren und

    Die Begegnung Innenminister Schaeubles mit den telefonierenden aegyptischen Geistlichen hat doch einen extremen Erkenntnisgewinn q.e.d.

    Sehr ueberrascht hat mich die Frage nach dem Euro-Islam – und die Reise hat bestimmt noch viele weitere Denkanstoesse gebracht …

    Dieses ‚Experiment‘ hat natuerlich nicht die gleichen „Nebenwirkungen“ wie die von dir angesprochenen.
    Aber ist nicht Politik immer so was wie Experimente im Grossen – oft mit verdammt vielen Nebenwirkungen ?
    und vielleicht leisten blogger heute einen grossen Teil zum Ablauf der Experimente …

  4.   mathilde

    „Ganz im Gegenteil, versucht Schaeuble, die Sachverhalte oeffentlich zu Diskutieren und Darzustellen“
    wollte ich schreiben.

    und ich finde seine Initiativen sehr bemerkenswert !
    Endlich werden muslimische Vertreter im In- und Ausland zur Diskussion aufgefordert – und mit ihnen muslimische Buerger – besonders dann, wenn sie sich nicht vertreten fuehlen …

  5.   Zagreus

    Liebe mathilde,

    irgendwie trifft aber das mit den expoeriment hier so nicht zu:

    Die Experimente basieren natuerlich auf bisherigem Wissen und daraus resultierenden Vermutungen: ich versuche aus meinen Maschinen/Versuchen/Experimenten dass letztmoegliche herauszuholen um eine aus unserem bisherigen Wissen resultierende Vermutung beweisen zu koennen.

    Drenn die bisherigen Experimente sind bis auf wenige ausnahmen alle auf dauer bisher fehlgeschlagen.

    Wir haben eigentlich noch kein erfolgreiches ‚vergleichsexperiment‘.

    Was wir haben sind: in fast allen Ländern ist auf Dauer eine massive umwandlung der religiösen Struktur erfolgt – und sehr oft über gewalt.

    des weiteren haben wir ‚jüngere Experimente‘ auch – hier in europa – unsere nachbarländer, die (oft aus kolonial-zeit-gründen heraus) starke Zustöme von Muslimen haben – und massive probleme mit teilen davon (bitte auch beachten: ein Moslim ist für mich ein gläubiger ‚moslim‘, nicht ein angehöriger einer ethnie oder soetwas wie ein ‚pass-‚Moslem – jemand, der gar nichts mit religion zu tun haben will oder dem gleichgültig gegenüber steht).

    Es treten immer wieder radikale Gruppierungen auf, die die trennung zwischen Religion und Staat aus ihrem religionsverständnis ablehnen und versuchen ihre religiösen regeöln, die sie als allgemeinversplichtende gesetze ansehen, ihrer Mitwelt aufzuokruieren.
    Unter diesen gibt es dann immer wieder auch extremistische spitzen, die gewalt-affin sind, und versuchen mit direkter gewalt bis hin zum terror ihre ansichten durchzusetzenn und dies wiederum religiös begründen.
    das dabei eine große Masse, oft sogar die mehrheit gewalt anlehnt,wird wohl kommuniziert – stimmt aber in der regel nicht – weil es eben soetwas wie z. B. ‚Verteidigung des Islams bzw.Umma‘ gibt und der eintritt des verteidigungsfall letztendlich im ermessen der einzelnen Gläubige liegt.
    Auf der anderen Seite gibt es einen unsäglichen Berg von möglichen regeln, die alle als religiös kommuniziert werden – und die von reinem privatverhalten bis eben in gesellschaftliche belange und gesetzgebungsansprüche hinein reichen – kurz: scharia genannt – und die somit auch einen berg von möglichkeiten des religiös einforderns darstellen – und es dazwischen keine verbindliche theologische Grenze gibt, die z. b. zwischen privatregeln und öffentlichen regeln unterscheidet.

    In diesen Spannungsfeld sehe ich die Ursachen dafür, dass eine Integration letztendlich von Muslimen (gläubigen!) – oder besser ausgedrückt hier: des Islams (eben mit allen spielarten – aber nicht: einzelne menschen) – scheitern muss und auch bisher immer auf Dauer gescheitert ist (Ausnahme: Äthiopien). Er ist ein wahnsinnig gutes Instrument der Inklusion/Exklusion (z. B. über distinguierenden religiösen Regelwerke und der Unterscheidung von ‚rein/unrein‘), das nicht ‚reformiert‘ – im Sinne: einer Durchsetzung der Trennung von Staat/Religion bzw. säkularisiert – wurde.

    Es muss also die oben beschrieben Reform her.
    Wenn wir uns nun umsehen, wo es immer zu erfolgreichen reform(-ationen) gekommen ist, dann wird uns auffallen, dass diese eigentlich immer in einem religiösen Umfelt stattfand – idR. von menschen, die noch religiöser waren als ihre religiöse Umwelt – die aber mit ihen dieselbe religion teilten. Die meisten religiösen Reformen sind Radikalisierungen, sofern sie nicht über einen amtsakt innerhalb einer institution (Kirche) erfolgten – und selbst da hat dies sehr oft zu absplitterungen und blutigsten auseinandersetzungen geführt (z. b. in der Byzantinischen Geschichte gab es mehrere und quasi dann permanente verfolgungen und kämpfe).

    Der Wahnsinn dieses Experimentes besteht darin, dass es eben kein erfolgreiches Modell auf den vorliegenden bedingungen gibt.
    Die ‚reformatoren‘ sind entweder externe oder selbst extreme minderheitenpositionen.
    bei denen, bei denen die angesptrebte ‚reformation‘ fehlschlägt, gibt es keine konsequenzen (denn wir sind ja schon jetzt nicht bereit radikale islamische Gruppierungen des landes zu verweisen) – bzw. die Konsequenzen, falls ausgemacht, werden hintertrieben. Es gibt sehr starke interessen, die keine ‚reformation‘ wollen (aus- & inland) usw…
    Das ist im grunde kein ‚experiment# , sondern mehr ein traum von etwas, was nunmal aufgrund des idealistischen wilens der Initiatoren zu klappen hat, obwohl die meisten indikaoren dagegne sprechen.
    Es iost ja nicht so, dass die Integration aller, die zu uns oder nach europa gekommen sind, gescheitert wäre – sehr viele haben es erfolgreich ja geschafft. Die gruppierungen, die aber z. b. aus religiösen gründen, es nicht svchaffen oder nicht bereit sind, die vorgefundenen begebenheiten zu akzeptieren – sind das problem und da scheut man sich im grunde vor jeder konsequenz – statt dessen wird ein projekt nach dem anderen für diese gruppenn gestartet.
    Erfolg mus her: und zwar aus den idealistischen Motiven derer ‚experimentatoren‘ – und scheitert ein experiment, fängt das nächste an mi im grunde genauso schlechter ausgangslage und derselben negativen eerfolgsaussicht. Und Experimente kosten – hier experimentieren wir mit unserer Gesellschaft – und der preis kann gut genau das sein, was diese gesellschaft ausmacht – nämlich ihre werte. Und dagegen wehre ich mich.


  6. @Mattes
    „Eine meiner Aufgaben ist es, Experten zusammen zu bringen um technische Probleme zu lösen. Glauben Sie ernsthaft, ich könnte mich in dieser Rolle verhalten wie unsere Politiker?“

    Ärgerlicherweise ist eine Gesellschaft kein Projektteam. Sie hat keine Zielvorgaben zu erfüllen und deswegen kann man auch keine „unnützen“ Mitglieder aussortieren. Sie vergleichen also schon einmal Äpfel mit Birnen.
    Ich finde es auch daneben, Menschen nach ihrem ökonomischen Nutzen zu beurteilen.
    Als Mindestanforderung sollte für Migranten gelten, dass sie die einheimische Bevölkerung nicht gefährden. Es kann nicht sein, dass Leute, die als Opfer hierhin kommen, innerhalb kürzester Zeit zu Tätern werden.

  7.   Flash

    Schäuble als Gesellschaftsingenieur. Interessanter Vergleich. Nun, als Innenminister hat er die Aufgabe, sich mit den Problemen auseinanderzusetzen, und das tut er.

    Des weiteren hat er bei der Problematik „islamische Einwanderung“ keine Wahlmöglichkeiten. Es gibt realistischerweise keine Alternativen zu den verzweifelten Integrationsbemühungen in der Politik. Der rein theoretische Gegenpol dieser Strategie wäre die Abschottung gegen muslimische Einwanderung plus Verdrängung/Abschiebung möglichst vieler bereits hier lebender Muslime.

    Geht nicht – 98,5% der Europäer zieht sofort die Parallele zu den Juden. Plus: der Aufruhr in den Herkunftsländern inkl. Risiken bei der Ölversorgung.

    Also: jeder beliebeige Politiker, der in der Verantwortung steht, hat gar keine Wahl. Er muß nach Wegen suchen, mit den Einwanderern klarzukommen.

    Insofern sehe ich Schäuble als Opfer des Amtes, als Opfer der Umstände, als bemitleidenswerten Don Quichotte.

    Pragmatisch, rein pragmatisch gesehen ist vielleicht die Appeasement- und Dialogstrategie noch die sicherste, bequemste, um Zustände wie in Frankreich hinauszuschieben. Es bleibt aber allemal ärgerlich, wie sich die Politik über den Tisch ziehen lassen MUSS, ohne die geringste Gegenleistung.

  8.   Krähling

    @ lebowski

    Text zweimal lesen und zu verstehen suchen – und dann vielleicht kommentieren.

    @ mattes,

    sehr beeindruckend geschrieben.

    Niemand hindert Schäuble daran, die Probleme offen zu benennen, seine Forderungen an Migranten und ihre Verbände oder deren Lautsprecher klar zu benennen – und ggf. zurückzutreten, falls bestimmte Journalisten gegen ihn als „Rassisten, F…, F…. usw“ eine Kampagne veranstalten.

    Ehrliche Staatsraison wiegt in der Geschichte schwerer als feige Parteiraison.

  9.   Joachim S.

    @ Mattes

    Zwischenmenschliche Probleme – politische und volkswirtschaftliche gehören im weiteren Sinne dazu – lassen sich nicht technokratisch lösen.

  10.   Krause

    @ Flash

    „Es bleibt aber allemal ärgerlich, wie sich die Politik über den Tisch ziehen lassen MUSS, ohne die geringste Gegenleistung.“

    Die Politik hat sich nicht über den Tisch ziehen lassen. Vielmehr spiegeln die in der DIK erzielten Einigungen exakt die verfassungsrechtlichen Vorgaben wieder. Insoweit haben weder die Verbände nocht die BReg nachgegeben. Zwei Beispiele

    1. Kopftuch in der Schule erst ab der Pubertät.
    Dies entspricht m.W. der herrschenden Lehre, wonach sich eine Frau sich bedecken muß, um vor den männlichen Blicken schützen muß. Gilt daher nicht für Kinder, so dass sich die Verbände ohnehin nicht auf Art. 4 berufen könnten.

    2. Anerkennung Religionsgemeinschaft/Körperschaft

    Hier hat die BReg keinen Zentimeter nachgegeben. Es gelten die verfassungsrechtlichen Vorgaben, einen Rabatt wie sich die Verbände vermutlich insgeheim erhofft hatten, gibt es nicht. Sie müssen daher die gleichen Hausaufgaben machen wie andere Religionsgemeinschaften (z.B. Juden, Aleviten). Wie üblich wird auf muslimischer Seite natürlich über eine angebliche Diskriminierung gejammert.

 

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