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Der Münchener Mord und die Zivilcourage

 

Harry Nutt  beschäftigt sich in der FR im Meinungsleiter mit dem Münchener Mord und referiert dabei auch meinen Aufsatz:

„In ihrem soeben erschienenen Themenheft über Heroismus weist die Zeitschrift Merkur darauf hin, dass der Heldenmut Einzelner eher eine verdächtige Kategorie ist. Einerseits herrscht eine verbreitete Klage über die wegsehende Gesellschaft, während andererseits mit einigem Nachdruck vorm couragierten Eingreifen gewarnt wird.

Jenseits der handelsüblichen Debatten über schärfere Gesetze und Videoanlagen in den gesellschaftlichen Transiträumen gibt es jedoch Möglichkeiten, auf die wachsende Gewaltbereitschaft jugendlicher Kohorten Einfluss zu nehmen. Täter wie die Bande der Abkassierer in der S-Bahn fallen nicht vom Himmel. Lehrer, Eltern und Schüler können bereits jetzt hinreichend davon berichten, dass es auf den Pausenhöfen von Schulen Zonen gibt, in die man sich als Nichtzugehöriger eines Bandenumfelds besser nicht hineintraut.“

30 Kommentare

  1.   riccardo

    So ein Schmarrn. Ausgelacht wurden die Leute, die schon lange Nulltoleranz gefordert hatten. Unter Faschismusverdacht gebracht, weil verlangt wurde, dass -demokratisch verfügte- Gesetze eingehalten werden müssen. Journalisten, die Verständnis für das Abfackeln von Autos bekunden. Staatsanwälte, die wegen angeblicher Geringfügigkeit nicht ermitteln. Richter, die Delinquenten nach der vierzigsten Straftat noch frei rumlaufen lassen. Polizisten, die sich nicht mal selber schützen können. Und mittenmang der Normalbürger, der diesem Treiben hilflos ausgesetzt ist. Und was bietet Monsieur Nutt an? Windelweiches Ungefähres.

  2.   christian aka tati

    Unterbesetzte Polizei im Einsatz
    „Manchmal ist es die Hölle“

    http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,649096,00.html

    Im Zweifelsfall braucht niemand auf die Polizei zu hoffen.

  3.   Zagreus

    Naja – denke, hier liegt das hauptproblem und nicht in der mangelten Zivilcourage der Menschen:

    http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,649096,00.html

  4.   christian aka tati

    @Zagreus

    Danke, aber die Arbeit hatte ich mir bereits gemacht.

  5.   Zagreus

    ups – stimmt (rot werde) hab nicht drauf geachtet 😀 – nichts für ungut.


  6. Wenn man sich einschlägige Polizeibroschüren durchliest, bekommt man den Eindruck, hier wird Zivilcourage ohne Courage gefordert. Man soll nicht provozieren, man soll nicht eingreifen, man soll Hilfe holen usw.. Es bleibt nur das „Zivil“ über.
    Ohnehin gibt es für meinen Geschmack Zivilcourage überhaupt nicht, da die Täter den Rahmen des Zivilen ja längst verlassen haben.
    Wenn man in so eine Situation gerät wie die in Solln, befindet man sich von einem Moment auf den anderen in einer existenziellen Bedrohung, die ein ganz anderes Handeln erfordert als wenn ich in einem zivilen Rahmen Konflikte austrage.

  7.   Miriam

    Betr. den von Tati und Zagreus verlinkten Spiegel-Bericht über die „unterbesetzte Polizei im Einsatz“.

    In einem Interview auf ZEIT-Online („Ich bin fassungslos“) meint die Frau Zypries, die Bürger (sprich die Eltern) sollten die Polizei entlasten und selbst dafür sorgen, dass ihre Kinder heil nach Hause kommen:
    „Handeln müssen alle Bundesländer, sie sind zuständig für die Gefahrenabwehr. Und wenn es nicht überall möglich ist, eigenes Personal zu stellen, dann muss man vielleicht auch über ehrenamtliche Lösungen nachdenken. In meinem Wahlkreis gibt es beispielsweise eine Initiative von Bürgerinnen und Bürgern, die jeden Freitag und jeden Samstag – wenn die Jugendlichen auf den Straßen sind – von 11 bis nachts um 2 auf den Straßen und an Bushaltestellen unterwegs und ansprechbar für die Jugendlichen sind. Ihr Motto ist: Wir bringen Euch sicher nach Hause.“

    http://www.zeit.de/gesellschaft/generationen/2009-09/zypries-jugendgewalt

    Ich war auch ein bisschen „fassungslos“, als ich das las..

  8.   riccardo

    @Miriam

    Ich bin schon lange fassungslos. Der nächste Schritt wäre dann wohl: „Bürger kauft euch Waffen“, und, „Wie der Staat sein Gewaltmonopol an die Bürger zurückgab.“


  9. @riccardo
    „Wie der Staat sein Gewaltmonopol an die Bürger zurückgab.“

    Tut er ja nicht! Die Aussage, man solle Zivilcourage zeigen aber nicht den Helden spielen und Hilfe holen, zeigt ja gerade, dass der Staat weiter auf sein Gewaltmonopol besteht.
    Tatsächlich besteht der Staat auf sein Gewaltmonopol ohne es anzuwenden.

  10.   riccardo

    @lebowski

    Nur ein Staat, der sein Gewaltmonopol nicht mehr wahrnimmt oder wahrnehmen will kann so eine dämliche Aussage machen wie die von Miriam oben verlinkte. Das ist nämlich praktisch die Aufforderung, eine Bürgerwehr zu installieren. @Neumann hat letztens den atemberaubenden Aufstieg des Ronald Barnabas Schill bei uns in Hamburg beschrieben. Hier nochmal die Story:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Ronald_Schill

    Sowas kommt raus, wenn die Politik sich weigert, bestimmte Realitäten zur Kenntnis zu nehemen.

 

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