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Minarette verbieten?

 

Die schweizerische SVP hetzt wieder.

Ich bin bekanntlich der Meinung, dass der Widerstand gegen bestimmte Moscheebauten gerechtfertigt sein kann – wenn etwa eine intransparente und verdächtige Gruppe dahinter steckt, oder wenn man weiß, dass es sich um eine radikale, verfassungsfeindliche Organisation handelt.

Ich bin auch der Meinung, dass über die Höhe von Minaretten debattiert werden kann – wie jeder andere Bau muss sich eine Moschee ins Umfeld einfügen. Das bedeutet allerdings nicht, dass Minarette per se verboten werden können. Ein religiöser Baustil kann überhaupt nicht Gegenstand von Gesetzgebung sein. Es gelten die üblichen Auflagen des Baurechts und  der öffentlichen Raumordnung.

Wer für eine größere Freiheit zum Kirchenbau in der Türkei oder in islamischen Ländern eintritt, kann Moscheebauten hier nicht per se verbieten.

Darum ist diese Schweizer Initiative der SVP ein Angriff auf die europäische Aufklärung und den säkularen Staat, den man doch angeblich vor den Muslimen schützen will.

Plakat_Minarettinitiative_d

Die Bildsprache muss man nicht kommentieren.

189 Kommentare

  1.   Zagreus

    @ JL

    Das bedeutet allerdings nicht, dass Minarette per se verboten werden können. Ein religiöser Baustil kann überhaupt nicht Gegenstand von Gesetzgebung sein.

    ??? Sie sehen doch, das es geht und das man sehr wohl einen religiösen baustil gesetzlich verbieten alssen kann – bzl. so ein gesetz initiieren.

    man kann die sache etwas anders auch anpacken als sie es tun.

    Man kann erst einmal fragen, ob generell jeder weltanschaulichen gruppierung innerhalb der „ europäische Aufklärung und den säkularen Staat “ das recht haben sollte ihre Weltanschauung zu propagieren und für ihre weltanschauung – z. b. für kultuische Handlungen – Gebäude zu errichten oder nicht?

    Das ist bereits die Gretchenfrage – denn ein ja hier beinhaltet ja auch Weltanschauungen, die dieser ‚europäischen Aufklärung und dem säkularen Staat‘ zuwiderlaufen. Man dürfte es dann eben keiner gruppierung verbieten – auch denen nicht, die die ergebnisse der Aufklärung und des Säkularismus abschaffen wollen. Die Nazigruppierung dürfte genauso, wie die Scientologen oder der huamnistische Verband, und die Holocaustleugner könnten genauso eine ‚kultstätte‘ errichten wie die Überlebenden von Auschwitz.
    Möchte man dies in dieser totalität nicht, muß man irgendwo eine grenze ziehen – d. h. es wird bestimmten gruppierungen verboten, was anderen erlaubt ist – und das nach einem anzulegenden maßstab, der eine entsprechende beurteilung erlaubt.
    Sieht man das als mit der ‚europäischen Aufklärung udn dem säkularen Staat‘ ohne widerspruch zusammen gehen – läßt sich in einem nächsten Schritt danach fragen, unter welchen Möglichkeiten solch eine Entscheidung gefällt werden darf.
    Die schwierigkeit – ganz praktisch – ist ja, dass sehr oft man unterschiedliche beurteilungen bzl. in frage kommender weltanschaulicher Gruppen hat. Die einen beurteien eine Gruppe aufgrund ihrer Weltanschauung so, die anderen anders, die nächsten nach deren offiziellem verhalten von Funktionären, die übernächsten nach dem der Masse usw…
    In einem direkten demokratischen Entscheidungsprozess, der sich hervorragend gerade mit den ansichten über politische kultur direkt aus der europäischen Aufklärung begründen läßt, gibt es auch parteiungen, die zu bewertungen kommen basierend auf Begründungen, die sich unterscheiden von den Bewertungen und Begründungen anderer Parteiungen. Und es kommt dabei manchmal sogar zu dem fall, dass eine oder jede einzelne dieser parteiungen die bewertungen der jeweils anderen ablehnen inc. auch ihre begründungen für ihre Urteile.
    Daraus ergibt sich die Frage, ob und wenn ja, welche Kriterien in einer demokratischen politischen ordnung angelegt werden dürfen, um bestimmte begründungen, urteile udn auch werbungen für die eigene Ansichten verbieten zu lassen.
    Mordaufruf fällt sicherlich darunter.
    Was macht man aber, wenn eine partung die zur Beurteilung stehende gruppierung als generell von ihrer Weltanschauung her negativ bewertuet, und darum auch entsprechende repräsendationsbauten als entsprechende Orte zur verbreitung dieser negativ gewerteten weltanschauung ansehen?
    Dürfen Menschen sagen, daß sie den Nationalsozialismus per se als negativ ansehen udn darum auch keine Nazi-kultstätten in ihrer Nachbarschaft wollen?
    Und wenn ja – warum dürfen den Menschen nicht zu einem ähnlichen Urteil innerhalb eines poitischen Entscheidungsprozesses kommen bzl. anderer gruppen – zumindest sofern sie für sich ausreichende begründungen dafür geben können?
    Wenn es ihnen aber erlaubt ist sich eine eigene Meinung zu bilden, dann ist es auch nur konsequent ihnen zu erlauben, für diese mienung adäquat zu werben – nämlich innerhlab eines möglichst weiten rechtlichen rahmens – und das auch dann, wenn ihre politischen gegner, die ihre ansichten sowieso nicht teilen, dies negativ beurteilen. Denn darum geht es ja in einer demokrati, dass nicht einfach eine seite der anderen vorzuschreiben hat, was sie zu denken hat oder nicht.
    Und auch was diese Plakate anbelangt: sie rufen weder zum mord auf noch sonst etwas – und eine Parteiung in einer Volksentscheidung, die um das verbieten oder erlauben von Minaretttürmen geht, sollte es erlaubt sein, diese minarettbauten negativ darzustellen, wenn dies ihre politische meinung und somit auch parteiung genau in diesem streit ist.
    genau genommen, ist der versuch die politische und demokratische diskussionskultur abzuwürgen ein zeichen einer anti-aufklärerischen gesinnung.

    Zudem ging die Aufklrärung als histrisches Phänomen gegen eine bestimmte – nämlich die vorher herrschende (und noh lange andauernde) Anschauung, die sich durch hohe intoleanz auszeichnete. Insoweit kann man durchaus sagen, daß die Aufklärung selbst eine Bewegung war, die etwas bekämpft, sich gegen etwas stellte – nämlich Ansichten, die intolerant sind wie z. b.ein intolerantes religiöses verständnis oder intolerante theologische praktiken. Somit kann man durchaus sagen, das diesbezüglich die Aufklärung selbst intolerant war – nälich an diesen Punkt.
    ist nun eine Parteiung, die nach eigenr Ansicht gegen eine intolerante religion (zumindest solange keine aufklärung diese erfahren habe, muss man sie ja als vor-aufklärerisch werten) intolerant ist, somit etwas, was anti-aufklärerisch ist, oder ist es nicht vielmehr die parteiung, die vor lauter Toleranz das Erbe der Aufklärung, den Kampf gegen Intoleranz, zu gunsten Intoleranter Weltanschauungen aufgibt, diejenige, die als anti-aufklärerisch bezeichnet werden muss?
    Nun, jeder kann sich für die eine oder andere Seite hier entscheiden – das „Papperle“ Aufklärung haftet sich jede Seite an und jede Seite tut es im Grunde mit dem selben recht oder Unrecht wie die andere.
    Kinder der Aufklärung sind dabei beide Seiten.

  2.   Sebastian Ryll

    Ist Minarett gleich Moschee?

  3.   Zagreus

    @ Ryll

    Synekdoche.

  4.   Hans Joachim Sauer

    Ein generelles Minarettverbot ist lächerlich. Es muss in jedem Einzelfall entschieden werden.
    Im übrigen habe ich volles Vertrauen in die politische Urteilskraft der Schweizer. Die Minarett-Initiative wird höchstens 30% Zustimmung bekommen.

  5.   Zagreus

    30% aller Wähler (die nicht-wähler zähle ich nicht dazu) ist aber eine ganze menge schon – immerhin so ein knappes drittel der Wählerschaft.

  6.   Jörg Lau

    @ Zagreus: Ihnen wünsche ich, dass Sie in einem kleinen, unwichtigen Land unter einer rechtslastigen, populistischen, antieuropäischen, brutalkapitalistischen, migrantenfeindlichen, bigott-abendländisch-konservativen, isolationistischen muffig-spiessigen Regierung leben dürfen, wie dien SVP sie anstrebt. Minarettfrei natürlich!
    Können wir nicht in Europa mal in einem dieser entbehrlichen Länder ein kontrolliertes Experiment durchführen, und alle Prokölner, PIler etc werden dorthin zwangsausgewiesen (Geht doch nach drüben!)?
    Dann wäre endlich Ruhe.

  7.   Hans Joachim Sauer

    Yep. Entspricht dem Stimmenanteil der SVP plus der noch weiter rechts stehenden Parteien.


  8. @Jörg Lau

    Salomon Korn vom Zentralrat der Juden hat dazu mal was in der FAZ geschrieben. Er macht einen Vergleich über Reaktionen zu Synagogen Es lohnt sich zu lesen.

    Zu Schwach, um Fremdes zu ertragen?

  9.   FreeSpeech

    JL

    Ich kommentiere mal die Bildsprache (also ohne Text): Minarette, etwas kürzer und dicklicher als man das sonst kennt, siehe
    http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Blaue_moschee_6minarette.jpg
    Dann eine vollverhüllte Frau. Wie’s das halt so gibt in muslimischen Ländern.

    Wenn’s nicht auf der Schweizer Fahne stünde, wär’s eine Einladung zu Reisen in ein exotisches Land.

    Tut mir leid, Herr Lau, aber das Plakat ist harmlos, ausser man ist schon vorgespannt auf Ablehnung von allem, was ausgehängt werden sollte. Die können ja nicht gut ein Plakat mit einer nackten Loreley vor der Kirche machen, wenn sie das Message darstellen wollen, das da ist:
    „Minarette ziehen Leute an, die ihre Frauen einsacken. Das wollen wir nicht.“

    Wer sich über das Plakat aufregt, sagt mehr über seine Ängste aus als er merkt.

    Die Initiative selber ist allerdings ein anderes Thema. Ich frage mich schon lange, wie man ein Minarett unterscheidet von einem runden Turm.

  10.   Zagreus

    @ JL

    Ihnen wünsche ich, dass Sie in einem kleinen, unwichtigen Land unter einer rechtslastigen, populistischen, antieuropäischen, brutalkapitalistischen, migrantenfeindlichen, bigott-abendländisch-konservativen, isolationistischen muffig-spiessigen Regierung leben dürfen, wie dien SVP sie anstrebt. Minarettfrei natürlich!

    Aber das wünsche ich mir doch ebenfalls – die errungenschaften des islams würde ich doch ihnen (nein, nicht ihrer frau und auch nicht ihren kindern) voll gönnen.
    Ja, gerne doch – wir teilen DEutschland – die eine seite so eine regierung wie die SPV udn ‚Islam‘-frei – die andere ohne SPV und mit Islam, genau so wie es sich die grünen und roten vorstellen – so richtig ganz mit allem.
    Warum ich damit einverständen wäre: weil ich mir ziemlich sicher bin – dass ich dann nciht auf der seite bin, in der all das, was sie spießich, kleinbürgerlich usw…. zusammenfassen, leben müßte.
    Wie meinen sie denn, wie ich mich fühle mit dem eindruck von Leuten wie ihnen, die für mich Menschen sind, die mit dem Hammer mit Absicht den Boden des Bootes, in dem wir alle sitzen, zertrümmern?
    ich spreche mit ihnen, weil ich versuche ihnen etwas zu vermitteln um den Schaden zu begrenzen, soweit es überhaupt möglich ist.
    Ob sie es wahrhaben wollen oder nicht: der Islam in seinen hauptströmungen (sunniten und Shiiten) ist in meinen Augen eine wahnsinnig gefährliche Weltanschauung.
    Das heisst weder, dass er sich nicht wandeln könnte – aber dies muss auch erst einmal geschehen. Noch heisst das, das Muslime schlechte menschen wären – denn gut oder schlecht hängt an maßstäben ab – und diese kann man nicht an eine ideologie anlegen udn dabei alle menschen, die mit derselbigen verknüpft sind, adäquat beurteilen.

 

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