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Muslime, organisiert euch!

 

Hilal Sezgin schreibt auf Qantara.de über die neue Zusammensetzung der Islamkonferenz:

Es liegt etwas zutiefst Bevormundendes, sogar Undemokratisches in dieser Art der Besetzungspolitik. Das Ministerium berät, hinter verschlossenen Türen. Die Muslime warten ab, wer sie vertritt.

Natürlich betont man offiziellerseits: „Die Deutsche Islamkonferenz ist nicht die Vertretung der Muslime Deutschlands, sondern die zentrale Plattform des deutschen Staates für den Dialog mit Muslimen in Deutschland.“

Doch das ist ein schwer verständliches Zwitterkonstrukt. Wie kann man in der Islamkonferenz einen Dialog mit den deutschen Muslimen führen, wenn die dort Anwesenden keine Vertreter der Muslime, von diesen weder gewählt noch vorgeschlagen, und teilweise nicht einmal selbst-identifizierte Muslime sind?

Sorry, da komme ich nicht nicht mit: Der Innenminister hat die beiden Kritikerinnen, die die konservativen Verbände am meisten nervten, entfernt – aber die andere Seite hat immer noch nicht genug Entgegenkommen? Er hat versucht, eine neue Pluralität in die Reihe der Einzerpersonen zu bringen: eine Bosnierin, zwei Kurden, eine Schiitin, einen marokkanischen Imam – und alles, was Hilal Sezgin dazu einfällt, ist: Obrigkeitsstaat! Das geht nun wirklich nicht.

Sich repräsentativ und demokratisch legitimiert aufzustellen ist Sache der Muslime selbst. Es gibt solche Organisationen nicht. Die Islamverbände sind kleine Klientelgruppen mit viel zu viel Nähe zum Ausland (Türkei bei Ditib, Muslimbruderschaft und Milli Görüs im Fall des Islamrats und der ZMD).

Es ist ein Widerspruch, dem Staat das Obrigkeitliche vorzuwerfen und dann implizit zu verlangen, er möge die Muslime demokratisch repräsentativ reorganisieren. Die Muslime müssen den Hintern schon selbst hoch bekommen, damit sich da was ändert.

40 Kommentare

  1.   FreeSpeech

    Wollen integreirte Muslime als Muslime identifiziert werden oder als Bürger? Im zweiten Fall brauchts keine Konferenz, keine Vertreter. Da reichen die bisherigen Parteien.

    Wer will im modernen Staat denn über seine Religion angesprochen werden?

  2.   Frl Mensa

    Die ganze Prämisse ist seltsam — ich würde sagen, die deutschen Muslime sind hervorragend organisiert. Zum Vergleich: Der Deutsche Gewerkschaftsbund DGB hat 6 Mio Mitglieder und verhandelt unangefochten als Vertreter der Arbeitnehmer. CDU und SPD haben zusammen 1 Mio. Mitglieder und nennen sich unwidersprochen Voksparteien. Allein Milli Görüs hat in Deutschland ca. 60.000 Mitglieder, DITIB 120.000 (genaue Zahl unklar), ZMD 20.000. Plus die kleinen Vereine, also insgesamt Minimum 200.000

    Das ist von der Vertretungsdichte pro Nase fast DGB-Niveau, und deutlich über den deutschen Parteien.

  3.   N. Neumann

    Sorry, da komme ich nicht nicht mit: Der Innenminister hat die beiden Kritikerinnen, die die konservativen Verbände am meisten nervten, entfernt – aber die andere Seite hat immer noch nicht genug Entgegenkommen? Er hat versucht, eine neue Pluralität in die Reihe der Einzerpersonen zu bringen: eine Bosnierin, zwei Kurden, eine Schiitin, einen marokkanischen Imam – und alles, was Hilal Sezgin dazu einfällt, ist: Obrigkeitsstaat!

    @ Jörg Lau

    Und nicht nur das. Darüber hinaus erklärt sie im Vorbeigehen gleich sämtliche ehemaligen und aktuellen säkularen muslimischen Teilnehmer und Teilnehmerinnen der Konferenz zu Nicht-Muslimen. Die einzige Person aus dieser heterogenen Gruppe, auf die dies zutrifft, ist Necla Kelek. Seyran Ates hat sich hingegen mehrmals als Muslimin bezeichnet und gesagt, dass man sie nicht falsch verstehen solle und der Islam auch schöne Seiten hätte.

    Wer Muslim ist, bestimmt also nicht der geschmähte Staat, sondern die verschmähte Hilal. Das ist eine Attitüde, die man ansonsten nur von den finstersten Vertretern des Islam kennt.

    Wobei hier selbstredend die schwer gekränkte Eitelkeit und der Neid spricht:

    Wenn es allerdings heißt, dass sie nicht an den Islam glauben, nur einen türkischen oder arabischen Namen tragen – wieso nennt man sie dann Muslime? Das deutsche Innenministerium jedenfalls, als Gastgeber der Deutschen Islamkonferenz, ist ganz verliebt in „säkulare Muslime“.

    Ob das Innenministerium ganz verliebt in die von Hilal Sezgin falsch charakterisierten Personen ist, sei dahingestellt. Sicher ist allerdings, dass das Innenministerium nicht ganz verliebt in die rechtgläubige Hilal Sezgin ist. Sie wurde nicht eingeladen, und jetzt mährt sie sich aus fadenscheinigen Beweggründen auf Qantara.de aus.

    Der Artikel ist fast so peinlich wie die sachfremde Retourkutsche von Mark Terkessidis gegenüber Jürgen Kaube, der, wir erinnern uns, einst die wissenschaftliche Gravität eines von Terkessidis initiierten Aufrufs gegen Seyran Ates und Necla Kelek fundiert in starke Zweifel gezogen hat. Dafür kassierte Kaube für sein Buch „Otto Normalabweichler“ über ein Jahr später in der taz einen besonders derben Totalverriss.


  4. Die Neuauflage des immergleichen Spielchens. Macht der Staat Vorgaben ist gleich vom Obrigkeitsstaat oder Bevormundung die Rede. Hält der Staat sich raus, heißt es, er würde sich nicht um die Muslime kümmern oder „man redet über uns statt mit uns“. Man kann den Sch.. allmählich nicht mehr hören.
    Es ist wie mit der Geschichte vom Hase und Igel. Egal wie sehr sich Hase Staat abstrampelt, immer ist schon ein Igel Islamvetreter da und sagt entweder „Bevormundung oder „Desinteresse“.

    Aber was soll man sagen: der Staat hat sich ja ohne Not selber in diese Lage gebracht.


  5. Laut eines Interviews von Minister de Maiziere im Deutschlandradio wird Frau Kelek seine persönliche Beraterin – außerdem ist der leitende Staatssekretär Herr Schröder, der sich noch nicht ausdrücklich von den Einstellungen seiner Frau – Kristina Köhler – distanziert hat, die lange Zeit das rechtsextreme Blog Politically Incorrect auf ihrer Website verlinkt hatte. Warum erklärt man die Muslime nicht zur Einheitsgemeinde wie die jüdische, und fordert nicht mehr und nicht weniger, als dass sie sich eine Verwaltungsstruktur geben? Alles andere wäre Sache der Muslime, wenn man sie denn als Staatsbürger ernst nehmen würde. Ich kann niemandem empfehlen, bei diesem unwürdigen Spiel weiter mitzumachen – das vorprogammierte Scheitern wird auf jeden Fall an der markierten Gruppe der Muslime hängen bleiben.
    Mir ist es bis heute eine offene Frage geblieben, ob unsere Ergebnisse der ersten Runde der DIK in den Verwaltungsstrukturen des BMI versackt sind oder ob es gar kein Interesse gab, die für die Öffentlichkeit zu kommunizieren. Statt Fortschritt in der Sache, wurde drei Jahre lang die Ursprungsagenda reproduziert. Diese Zeitverschwendung sollte man sich angesichts der anstehenden Aufgaben eigentlich nicht leisten.

  6.   PBUH

    >außerdem ist der leitende Staatssekretär Herr Schröder, der sich noch nicht ausdrücklich von den Einstellungen seiner Frau – Kristina Köhler – distanziert hat, die lange Zeit das rechtsextreme Blog Politically Incorrect auf ihrer Website verlinkt hatte.

    😀

    Sie machen mir Spass.

    Zumindest Herr Lau wird seiner „Medienverantwortung“ gerecht, zumindest in Bezug auf PI.

    Ich schlage ihn auch deshalb für den „Sabine Schiffer“ Preis in Gold für das Jahr 2010 vor.


  7. @Sabine Schiffer

    >>Laut eines Interviews von Minister de Maiziere im Deutschlandradio wird Frau Kelek seine persönliche Beraterin>>

    Darüber habe ich in anderen Threads mehrfach gepostet. Auch Frau Ates wird ihm beratend zur Seite stehen.
    Haben Sie den Artikel von Dirk Kurbjuweit über Frau Kelek im SPIEGEL von dieser Woche gelesen?
    Titel: „Warum die Islamkritikerin Necla Kelek angefeindet wird“, S. 132f.

    Zitat:
    „Wenn sie von der Unfreiheit türkischer Mädchen redet, kommt Schärfe in ihrer Stimme, aber von einer ‚Hasspredigerin‘ ist Kelek weit entfernt.
    Was im Gespräch mit ihr zum einen irritiert, ist seltsamerweise die Begeisterung, mit der sie die Freiheit lobt. Man kennt dies nicht, Deutsche reden nicht mehr so.
    Kelek sagt Worte wie Freiheit, Demokratie, Bürgergesellschaft, Aufklärung in einem Ton, in dem andere nur noch über die schönsten Tore der Bundesliga reden. (…) Vielleicht muss man die Unfreiheit erlebt haben, um zur Freiheit ein schwärmerisches Verhältnis haben zu können. Hat sich die Irritation gelegt, ist es gerade wohltuend, ihre Begeisterung für die Grundlagen des Westens zu erleben. (…)
    (…)
    Die zweite Irritation im Gespräch mit Necla Kelek entsteht daraus, dass sie die Verhältnisse in manchen türkischen Familien oder Gemeinden kritisiert, ohne sich dafür zu entschuldigen, ohne permanent zu sagen, dass es viele Türken in Deutschland gebe, die für Freiheit, Demokratie und Aufklärung seien, und ohne dieses eingeübte Unbehagen, als Kritiker anderer Lebensweisen stehe man mit einem Bein im Lager des Rassismus.
    Aus zwei Gründen also sind Deutsche schlechte Verteidiger ihrer eigenen Werte: Abgeklärtheit und Angst vor dem Vorwurf der Intoleranz. Aber eine freiheitliche Gesellschaft braucht Freiheitseuphoriker wie Kelek, sonst wird sie zur zynischen Gesellschaft.
    (…)
    Was Necla Kelek macht, ist der Kampf für eine islamische Aufklärung in Deutschland. Als gläubige Muslimin hat sie jedes Recht dazu. Das Ziel ist: viele Religionen aber ein Staats- und Gesellschaftsverständnis.>>

    Nichts anderes macht Ates auch. Insofern ist der Minister gut beraten.

    p.s. Sind sie die Sabine Schiffer?
    http://www.igmg.de/nachrichten/artikel/2010/03/25/freispruch-fuer-dr-sabine-schiffer.html

  8.   PBUH

    @Miriam G.

    >Sind sie die Sabine Schiffer?

    Wer bitte sollte das sonst sein ?

  9.   tati

    @Sabine Schiffer

    Alles andere wäre Sache der Muslime, wenn man sie denn als Staatsbürger ernst nehmen würde.

    Wie kommen Sie denn auf die absurde Idee, man nehme Muslime als Staatsbürger nicht ernst.
    Gibt es etwa staatsbürgerliche Privilegien, an denen Muslime nicht teilhaben können?


  10. @pbuh
    >>Wer bitte sollte das sonst sein ?>>

    1. gibt es mehr als eine Sabine Schiffer in D.
    2. Sie verwenden selbst einen so irrenführenden Nick, dass unser Haussalafist Abdalazzaq Sie kürzlich für einen Anhänger seines Propheten hielt und Sie vor Angriffen in Schutz genommen hat. Now that was funny..

 

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