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Ein Ministerpräsident mit doppelter Staatsangehörigkeit

 

Jetzt hat Deutschland einen Ministerpräsidenten mit zwei Pässen: David McAllister, der heute in Hannover zum Nachfolger von Christian Wulff gewählt wurde, hat einen deutschen und einen britischen Pass. Sein Vater war ein schottischer Offizier. David McAllister, mit dem ich einmal vier Wochen in den USA verbracht habe – in einer Gruppe des German Marshall Fund – ist ein fröhlicher Konservativer, wie man ihn hierzulande selten trifft. (Glückwunsch, David! Ich wusste, dass Du nicht Bürgermeister von Bad Bederkesa bleiben würdest.)

Und jetzt möchte ich eine Wette eingehen: Wenn die Union mit einem Doppelpass-Ministerpräsidenten leben kann, werden wir eines nicht so fernen Tages eine Änderung des Staatsangehörigkeitsrechts erleben. Denn wie bitte soll MP McAllister jungen Türken erklären, dass sie sich gefälligst zu entscheiden haben, wenn er es selber nicht tut?

278 Kommentare

  1.   PBUH

    >Denn wie bitte soll MP McAllister jungen Türken erklären, dass sie sich gefälligst zu entscheiden haben, wenn er es selber nicht tut?

    Sie bringen hier gerade selber eins der besten Argument gegen einen Doppelpass.

    Wenn bei ihnen geteilte Loyalität ausreichend ist um ein Staatsamt auszuführen, dann kann man bei der Besetzung gleich ganz auf die deutsche Staatsangehörigkeit verzichten.

    Dann könnten wir den Politbetrieb auch endlich kostengünstig nach Indien outsourcen.

    In der Wirtschaft versucht man mögliche Interessenkonflikte übrigens zu vermeiden

    http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,640084,00.html

    Organisierte Verantwortungslosigkeit führt stets sicher in den Abgrund, was versteht der Blogmeister daran nicht ?

  2.   Zagreus

    @ lau

    wenn es hier keine sondergesetzgebung oder -vertrag gibt, hat McAllister sofort sein stellvertreteramt niederlegen udn wulff gleich mit, da er ihn auserwählt hat und es wohl gewußt hat.

    Leuten erklären zu wollen, dass es toll ist, wenn sie sich zu einem land bekennen, indem sie eine fahne aufhängen, und dann gleichzeitig jedem die höchsten staatsämter und das bürgerrecht nachwerfen, nur weil er nicht bereit ist sich ohne wenn und aber zu diesem land zu bekennen.

  3.   pelicula loca

    Wieso machen wirs nicht wie im Fussball und kaufen uns multistaatsbürgerliche Politiker und andere Funktionäre ein, so wie z.B. Capello für England (an ihm lags nicht)? Könnten in Zukunft nicht eher gekaufte Profis statt gewählter Amateure den Karren aus dem Dreck ziehen?

  4.   Juli

    Ich wohne zur Zeit im Süden Brasiliens, einer Gegend mit vielen Nachfahren deutscher Auswanderer, normalerweise 3ter oder 4ter Generation. Es ist relativ üblich auf Grund dieser Nachfahren einen deutschen Pass zu beantragen, obwohl natürlich die brasilianische Staatsangehörigkeit und dazugehörigen Pass treu beibehalten werden.

    Ich hatte von diesen „Doppelbürger“, die, ungleich den Türken in Deutschland, nicht mal annäherend Deutsch sprechen und über 10000km weit weg wohnen, vor meiner Reise nach Brasilien nichts gewußt.

    Schaut die deutsche Regierung einfach darüber hinweg? Ist Brasilien so weit entfernt, daß sich die Medien dafür nicht interessieren? Oder scheinen die paar Brasilianer mit deutschem Pass einfach weniger bedrohlich als die vielen Türken, die nach Deutschland kommen um ihr Leben zu verbessern und damit den vergleichsweise faulen Deutschen die Jobs wegschnappen?

    Auf jeden Fall riechen die Fakten nach doppeltem Standard – ein Standard für die Türken, einer für den Ministerpräsidenten, einen für die Brasilianer – und daran ist doch irgendwas falsch.

  5.   pelicula loca

    „Oder scheinen die paar Brasilianer mit deutschem Pass einfach weniger bedrohlich“

    Für wen bitte sollen die Deutschbrasilianer eine Gefahr darstellen?

    „als die vielen Türken, die nach Deutschland kommen um ihr Leben zu verbessern und damit den vergleichsweise faulen Deutschen die Jobs wegschnappen?“

    Ah ja, die Ausländer nehmen uns die Arbeitsplätze weg- Brauner Schmutz im Hirn?!

  6.   PBUH

    >Ich hatte von diesen “Doppelbürger” vor meiner Reise nach Brasilien nichts gewußt.

    Sie offenbaren in ihrem Beitrag übrigens noch ander haarstreubendere Wissenslücken.

    @All

    Warum wollen Kleinbürger die grosse Welt sehen, wenn sie nichtmal die Zustände und Zusammenhänge im eigenen Land verstehen ?

  7.   mathilde

    ich vertraue Herrn Lau auf Wahrung meiner Anonymitaet:

    als ich letztlich in Deutschland (nach 10 Jahren in frz. Übersee) meinen neuen Perso/Pass beantragt habe, musste ich ein Kreutzchen setzen:
    — Haben Sie freiwillig eine andere Staatsbürgerschaft angenommen? (sinngemaess)

    „Das habe ich: die französische“ habe ich der Staatsangestellten mitgeteilt. „Das gibt nur Probleme“ war die freundliche Antwort „Sie sind echt deutsch, also lassen Sie das… „,war die Antwort. Und so habe ich meine zweite Staatsangehörigkeit dem deutschen Staat offiziell verschwiegen…

    wieso eigentlich ???!!!


  8. „Wat den einen sin Uhl is den andern sin Nachtigal.“
    Fritz Reuter: Ut mine Stromtid

    Das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland verwendet den Begriff der deutschen Volkszugehörigkeit (Art. 116 GG) für Deutsche, die trotz fehlender deutscher Staatsangehörigkeit nicht als Ausländer zu behandeln sind.

    Im § 6 des Bundesvertriebenengesetzes (BVFG) findet sich eine nähere Bestimmung. Demnach ist ein deutscher Volkszugehöriger eine Person, die sich in ihrer (außerdeutschen) Heimat „zum deutschen Volkstum bekannt hat, sofern dieses Bekenntnis durch bestimmte Merkmale wie Abstammung, Sprache, Erziehung, Kultur bestätigt wird“.

    Nach § 14 Staatsangehörigkeitsgesetz (StAG) besteht die Möglichkeit zu einer „Kann-Einbürgerung“ bei „ausländische[n] Staatsbürger[n], die im Ausland leben und besondere Bindungen an die Bundesrepublik Deutschland haben“. Diese Regelung verschafft deutschen Behörden einen Ermessensspielraum, deutschstämmigen Antragstellern aber keinen Rechtsanspruch auf Einbürgerung.

    Quelle:
    wikipedia ‚Volksdeutsche‘ u. ‚Deutschstämmige‘

  9.   mathilde

    Herr Lau, bitte löschen Sie diesen und meinen letzten Eintrag. Denn er koennte mir (und der Staatsangestellten) sinnlos Ärger bereiten.

    Herzlich, Ihre Mathilde

  10.   PBUH

    @mathilde

    zu spät

 

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