‹ Alle Einträge

George W. Bush, Khameneis Helfershelfer

 

Zwei Nachrichten von heute, die nur einen Schluss zulassen: kein amerikanischer Präsident vor ihm hat dem iranischen Regime so sehr in die Hände gearbeitet wie George W. Bush.
Er war es, der in beiden Nachbarländern die größten Feinde der Islamischen Republik beseitigte – erst die Taliban, dann den Urgegner Saddam. Damit wurde die Balance der Kräfte in der Region unvermeidlich in Richtung der Mullahs verschoben. (Was für mich nur den Schluss zulässt, dass diese als drittes Element drankommen sollten beim grossen Regime-Change. Oder dass man vielleicht dachte, sie würden – Dominotheorie – unwiderstehlich von alleine fallen.)
Die beiden Nachrichten, die mir schlagartig klar gemacht haben, dass George W. zwar nicht unbedingt der größte Freund des iranischen Volkes, aber wohl doch unwillentlich des Regimes ist: Hamid Karzai musste heute zugeben, dass seine Regierung einen aus iranischen Mitteln gespeisten „slush fund“ unterhält, eine Geldkassette voll iranischer Dollars zum Bestechen von Abgeordneten und Stammesführern etc. Nein, so hat er es zwar nicht zugegeben, aber er hat schon gesagt, dass man aus iranischen Mitteln „Spesen“ bestreite. Warum auch nicht, man ist ja Nachbar! In anderen Worten: Iran schmiert eine Regierung, deren korrupte Wahlen wir bezahlen. Glückwunsch nach Teheran, ein schöner Erfolg.
Die zweite Nachricht betrifft die Regierungsbildung im Irak. Nach sieben Monaten sieht es so aus, als werde Maliki wieder die Regierung anführen. Er hat zwar keine Mehrheit, aber der Iran hat sich, um den frommen Schiiten wieder ran zu bringen, seinen Schützling Muktada al Sadr vorgenommen und ihm beigebogen, was man in Bagdad für eine Regierung sehen will – und vor allem, welche nicht: die des säkularen Alawi. Teheran hat nun also auch bei der Regierungsbildung beim Erzfeind Irak mitzureden! Ein schöner Bonus zum Wiedergewinn der heiligen Stätten Nadschaf und Kerbela.
Hätte kaum besser laufen können.
Schon eine merkwürdige Ironie, dass der Hardliner Bush mit seiner Kohorte von Iranfressern dem Land zu einer nie gekannten regionalen Vormachtstellung verholfen hat. Und dass es nun die Softis sind – die Europäer und „Häuptling ausgestreckte Hand“ Obama -, die Iran mit der Sanktionspolitik im Schach halten müssen.

51 Kommentare

  1.   Mete

    Ich weiss, manche werden sich jetzt aergern, aber da hier ja Ideen gesammelt werden, will ich ein aufgeschnapptes dazu tun:

    ein saudischer Kollege sah seit 2001 eine Zuneigung der USA zu den Schiiten hin, da diese im Gegensatz zu den Sunniten mit einem geistigen und weltlichen Oberhaupt eher „verhandelbar“ seien, als die pluralistischen Sunniten. Auch theoretisch sind die Schiiten eigentlich eher den rationellen Schlussfolgerungen, statt statischem Quranexegesse angetan.

    Ich denke nicht so, aber unmöglich sollte dies nicht sein (denn was hat man schon alles geglaubt, und nacher kams immer anders?)

  2.   marriex

    @ JL

    Khamenei spielen der Abzugslpläne des größten Messias aller Zeiten in die Hände, nicht Bush.

  3.   M. Mustermann

    Gute Analyse, Herr Lau.

    Bezüglich der Reigerungsbildung im Irak:
    http://www.freitag.de/politik/1041-in-ein-vakuum-gestossen

  4.   FreeSpeech

    Bush et alii glaubten wohl, dass sie locker drei Kriege auf’s Mal führen könnten.

  5.   marriex

    @ FS

    Der Jefe muss seinen Kult jetzt vor sich selber rechtfertigen, und machts nun wie der Heiland „Blame Bush!“

    Wie er allerdings darauf kommt, Obama betrachte den Machtzuwachs Iran als Problem, bleibt schleierhaft.

    http://www.hyscience.com/ObamaIran.jpg

  6.   Mete

    Also Herr Lau,

    da haben wir zum einen die evangelikalen+ ultra orthodoxe Juden, die zur Zeit die Ankunft des Anti-Christ+ Messias erwarten und auf der anderen Seite haben wir die Schiiten, die denken, dass Khomeini der Mehdi (mit den schwarzen Flaggen)war und die Ankunft von Jesus, Sohn der Maria unmittelbar bevorsteht. Entweder sehen die beiden sich bei einem Show-down als Endgegner, oder sie werden sich am Ende verbünden und die ganzen „unglaeubigen“ bekehren, bzw. eliminieren.
    Das ist die Ebene der ultra-religiösen.

    Dann gaebe es eventuell noch die Ebene, dass in den USA ein paar Think-thanks gedacht haben könnten, die beste Art den Iran zu beseitigen, waere ein „overstrech“ des Landes und nacher kann man ganz viele neue Staaten daraus machen. Aber so schlau werden die wohl net sein.

    Die dritte variante waere, dass niemand sich ernsthafte Gedanken gemacht hat, dass es so kommen könnte, was ich allerdings bezweifle und sollte es doch so sein, müsste man sogleich 50 000 Mitarbeiter der Ideenausbrüter in Washington am besten feuern.

    Letztlich bleibt das Ganze schleierhaft, solange man keine wirklichen Hintergrundinfos bekommt. Es ist sowieso sehr seltsam, wieso A. jedes WE quasi in New York vorbeischaut, um mal Dampf abzulassen und sogleich wieder abhaut, als waere nichts passiert.
    Sowas haette sich Saddam, oder selbst Kim nie getraut…

  7.   Augenzeuge

    Da es Herrn Lau sonst nicht um die geostrategische Schwächung des Irans geht, habe ich den Eindruck, dass er diesen Punkt hier nur aufgreift, weil es sich in das allgemeine Anti-GWB-Narrativ einfügt. Ich kann mich aber auch Irren, und Herr Lau gehört wirklich zu den geopolitischen Realisten, die u.a. die Kooperation mit Saddam Hussein als geostrategischem Gegengewicht zum Iran forderten.

  8.   Bounce

    In diese Reihe des Wahnsinns passt es doch auch hervorragend, dass die USA unter Bush und seinen Vorgängern nicht ganz unmaßgeblich daran beteiligt waren, dass Hussein und die Taliban überhaupt eine herausgehobene Rolle spielen konnten.

    In dem einen wie dem anderen Fall gab es langjährige bedeutende finanzielle, organisatorische und militärische Unterstützung. Hussein 1990 – unser Verbündeter gegen das Mullahregime. Die Taliban 1994 – legitime Gruppe von Freiheitskämpfern, denen wir unsere Unterstützung angedeihen lassen können (ich weiß nicht, ob es zutrifft, ich habe aber mal die Geschichte gehört, dass die Koranexemplare mit der Herausstellung besonders militanter Suren zur Verbreitung in pakistanischen Koranschulen aus dem mittleren Westen der USA stammten).

    Wann lernen die Leute eigentlich irgendwann, dass der Zweck nicht die Mittel heiligt?

  9.   Bounce

    George W. zwar nicht unbedingt der größte Freund des iranischen Volkes, aber wohl doch unwillentlich des Regimes ist:

    Den Gedanken sehe ich anders. Der größte Freund des iranischen Irren ist Israel. Nicht die Regierung, nicht das Volk. Aber gebe es Israel nicht, müsste A. so etwas erfinden um einen legitimen äußeren Feind zu definieren, gegen den man tatsächlich auch tatkräftig vorgehen kann und auf dessen Kosten man das Feuer am Köcheln halten kann (Hisbollah/Hamas). Wahrscheinlich hat A. extra Gebetsstunden eingelegt, bis feststand, dass Netanjahu die Regierung übernimmt.

  10.   tati

    @JL

    Schon eine merkwürdige Ironie, dass der Hardliner Bush mit seiner Kohorte von Iranfressern dem Land zu einer nie gekannten regionalen Vormachtstellung verholfen hat.

    Ist es nicht schön, wenn man die Verantwortung für alles Üble im Nahen Osten einer einzigen Person zuschreiben kann.
    So, als wären die Terrorfürsten im Ölgürtel kleine Kinder bar jeglicher Eigenverantwortung und lediglich Spielfiguren für den grossen Satan USA und deren jeweilige Präsidenten.

    Seien wir doch mal ehrlich. Die Mullahs im Iran tanzen krakelend auf der unnatürlichen Ebbe des Meeresstrandes, die dann ensteht, wenn sich das Wasser ins Meer zurückzieht bevor der Tsunami mit unversöhnlicher Kraft an die Ufer kracht.

    Die These von der regionalen Vormachtstellung des Iran ist eine Schimäre. Der Iran ist durch und durch ein „rotten state“ – innenpolitisch und aussenpolitisch am Ende – und die letzten Energien des wankenden Systems fliessen in die Aufrechterhaltung des inneren und äusseren Terrors – zu etwas anderem sind die Machthaber schon lange nicht mehr fähig.
    Der Menschen im Iran werden für die Befreiung aus dem selbstgeschaffenen Terror einen blutigen Preis bezahlen müssen – und der Preis wird fällig, früher oder später.
    Ob mit oder ohne GWB.

 

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren.

Anmelden Registrieren