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Was an Obama unerträglich ist

 

Beste Erklärung bisher – für meinen Geschmack – von Ronald Dworkin in der New York Review of Books:

We must take seriously what so many of them actually say: that they feel they are losing their country, that they are desperate to take it back. What could they mean? There are two plausible answers, both of them frightening. They might mean, first, that their new government is not theirs because it is not remotely of their kind or culture; it is not representative of them. Most who think that would have in mind, of course, their president; they think him not one of them because he is so different. It seems likely that the most evident difference, for them, is his race—a race a great many Americans continue to think alien. They feel, viscerally, that a black man cannot speak for them.

Obama isn’t one of them in other ways as well: in the period since he was elected it’s become clearer that he is uncomfortable with the tastes, rhetoric, and reflexive religiosity they identify as at the heart of American political culture. He tries to find his way into that culture—he speaks of “folks” in every paragraph these days—but his articulate, rational style strikes the wrong note. Many of those who voted for him before don’t like what they got. They want to take their country back by taking its presidency back, by making its leader more like them.

There is a second, equally dismaying, understanding of what they mean. All their lives they have assumed that their country is the most powerful, most prosperous, most democratic, economically and culturally the most influential—altogether the most envied and wonderful country in the world. They are coming slowly and painfully to realize that that is no longer true; they are angry and they want someone to blame.

They read every day of our declining power and influence. Our dollar is weak, our deficit frightening, our trade balance alarming. The Chinese own more and more of our currency and our debt, they, not we, have built the world’s fastest computer, and they show no inclination whatever to heed our demands about revaluing their currency or helping to protect human rights in Africa or prevent nuclear weapons in Iran. Our requests and demands are more and more ignored in foreign capitals: in Jerusalem, for example, and in congresses on climate change. Our vaunted military power suddenly seems inept: we are unable to win any war anywhere. Iraq was a multiple disaster: we could not win peace in spite of a vast expenditure of blood and treasure. Afghanistan seems even worse: we are unable to win and morally unable to quit. The democracies of the world, who once thought us the model of the rule of law, now point to Guantánamo and Abu Ghraib and call us human rights criminals.


43 Kommentare

  1.   Lee Kuan Yew

    Es wäre unfair, Obama alleine die Schuld für das Scheitern des „American Way of Life“ zuzuschieben. Alle Präsidenten der letzten Jahrzehnte haben zur Freude der Masse der Amerikaner das Credo aus ungehemmtem Konsum, Erosion kultureller Standards, Multikulturalismus, explodierenden Staatsschulden, selbstgerechten und ruinösen Kriegen für „Freedom and Democracy“ und anderen Dekadenzerscheinungen gepredigt. Wie Staaten funktionieren, lernt man am Beispiel des im Niedergang begriffenen Westens wohl eher nicht.

  2.   Lee Kuan Yew

    In Deutschland das gleiche: Der Euro steht wie der Sozialstaat vor dem Zusammenbruch, die Staatsschulden erreichen Werte die niemals jemand abbezahlen können wird und die demographische Situation ist hoffnungslos, aber die Menschen bewegt das Schicksal des Juchtenkäfers. Das Schicksal solcher Länder ist vorgezeichnet.

  3.   riccardo

    Obama wird in die Historie als entscheidungsschwacher Intellektueller eingehen, der nicht in der Lage war, seinen Leuten den selbstverschuldeten Niedergang der Nation mit ein wenig menschlicher Wärme erträglich zu machen. Daß der amerikanische Präsident innenpolitisch schwach ist und doch grundsätzlich den schwarzen Peter hat ist banal, und muß nicht weiter beleuchtet werden. Trotzdem haben große Präsidenten in der Vergangenheit ganz andere Probleme erfolgreich gemeistert und sich darüberhinaus die Zuneigung des Volkes erworben.

    Es bleibt dabei: Intellektuelle sind für derartige Posten ungeeignet.

  4.   Bounce

    Ich stimme ricardo teilweise zu.

    Obama ist ein hervorragender Wahlkämpfer, jemand der für eine Idee begeistern konnte.

    In den Mühlen von Verwaltung, Gesetzgebung und Lobbyismus ist er aber weitgehend gescheitert und seine Anhänger sind zurecht frustriert. Aber viel mehr ist in der Politik mitunter auch gar nicht möglich. Die Leute überschätzen die Einflussmöglichkeiten der Politik in entwickelten Gesellschaften manchmal doch sehr. Und bei den Hoffnungen, die teilweise mit Obama verbunden waren…

    Ich hege allerdings Zweifel daran, dass es einen „besseren“ Präsidenten geben könnte, der den langsamen Abschied der USA aus ihrer Stellung als Superpower moderierend begleiten könnte. Dazu zählt das Bewußtsein eine besondere Nation zu sein zu sehr zum Selbstverständnis der US Amerikaner.

  5.   riccardo

    @Bounce

    Ich glaube nicht, dass der amerikanische Wähler die politischen Möglichkeiten des Präsidenten falsch einschätzt. Schließlich weiß jeder, daß Innenpolitik im Abgeordnetenhaus und im Senat gemacht wird. Das Problem ist wohl eher, daß der Wähler eine eigene Projektion von Obama gewählt hat. Das gilt übrigens auch für die hiesigen Obamisten einschließlich des Blogmeisters.

  6.   Bounce

    Das gilt übrigens auch für die hiesigen Obamisten einschließlich des Blogmeisters.

    Ich bin mir der Zuweisung Obamisten/Anti-Obamisten nie sehr glücklich gewesen. Das erscheint mir zuwenig differenziet. Ich sehe den Blogmeister daher auch eher als der Fraktion „Anything, but not Bush“ zugehörig, als dem Lager sogenannter Obamisten.

    Und auch nicht jeder Anti-Obamist ist gleich ein Truther, Teebeutelanhänger oder jemand, der ihn für ein islamisch-kommunistischen Massenmörder hält, es gibt da auch moderate aus unterschiedlichsten Gründen.

  7.   Mete

    @ Lee

    „Wie Staaten funktionieren, lernt man am Beispiel des im Niedergang begriffenen Westens wohl eher nicht.“

    Ist vielleicht zu extrem zugespitzt, denn man kann von allem etwas lernen (auch zu sehen, dass es nicht funktioniert ist eine gute und teure Lehre), aber man muss Ihnen trotzdem danken, dass Sie das „Supermodell“ hier etwas kritisch hinterfragen, so wie eine Necla Kelek, der wir ja auch komischerweise zu danken haben, fuer eine super tolle polemische Streitkultur, die mehr Schubladen schafft, als Loesungswege zu begehen.

    @ riccardo
    „Es bleibt dabei: Intellektuelle sind für derartige Posten ungeeignet.“

    Es gibt in der Geschichte genug Gegenbeispiele fuer Ihre Hypothese. Schliesslich badet Obama auch ein gutes Stueck das aus, was Bush vor ihm verbockt hat.

  8.   Jörg Lau

    @ bounce: Ich habe überhaupt kein Problem damit, als Obama-Anänger bezeichnet zu werden. Ich weiß auch nicht, wo er versagt haben soll. Immerhin hat er den Kapitalismus gerettet… und die Krankenversicherung für Millionen Arme eingeführt (ein Systemwechsel) … die Finanzindustrie (ansatzweise) reguliert … die Russen und Chinesen gegen Iran in Stellung gebracht.

  9.   Bounce

    @ Jorg Lau

    Ich habe überhaupt kein Problem damit, als Obama-Anänger bezeichnet zu werden.

    Das ist auch schwierig. Unter „Obamist“ wird ja alles mögliche gehandelt. Das geht vom Messiasanbeter bis hin zu denjenigen, die sich einfach nur einen weniger religiös inspirierten Tonfall in der Außenpolitik wünschten.

    Ich halte Sie nicht für einen beim Anblick von Obama in Ohnmacht fallenden Teenager, den einige Wohl als Blaupause des Obamaisten ansehen. Was seine Wirkungsmächtigkeit angeht habe ich deutliche Zweifel. Sowohl die neue „gestzliche“ Krankenversicherung wie die Regulierungsauflagen für Finanztransaktionen sind so voller Löcher und unter Vorbehalt, dass man in meinen Augen nicht von einem großen Wurf reden kann.

    Ob Chinesen und Russen tatsächlich den Bestrebungen des Irans entgegenstehen oder ob dies nicht doch eher tatkische Manöver sind, ist mir auch noch nicht ganz klar. Aber was soll es auch. Obamist oder Anything but Bush – ich denke die Wahl Obamas war positiv. Was dann folgte war eher Business as usual.

  10.   riccardo

    @mete

    Es gibt in der Geschichte genug Gegenbeispiele fuer Ihre Hypothese.

    Namen bitte.

 

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