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Kulturelle Gründe des islamischen Rückstands

 

Der Merkur hat anläßlich der Sarrazin-Debatte einen exzellenten Artikel von Siegfried Kohlhammer wiederveröffentlicht, in dem alles schon drin steht über die kulturellen Gründe des wirtschaftlichen Versagens vieler muslimischer Einwanderer. (Für kurze Zeit im Netz, hier unter „Hintergrund“ klicken.) Unter anderem zählt Kohlhammer zu den Hinderungsgründen den Familiarismus, auf den viele Muslime gerade stolz sind. Hier hätte ich mir allerdings gewünscht, dass erklärt würde, warum der chinesische oder koreanische Familiarismus nicht die gleichen schädlichen Wirkungen entfaltet. Zitat:

Einen entscheidenden negativen Faktor bei der Integration − und weiterhin im wirtschaftlichen Handeln − bedeutet der Familiarismus der konservativen muslimischen Einwanderer: Das Wohl der Familie und der Nutzen für die Familie sind die oberstenWerte, denen sich alle anderen gesellschaftlichen Werte, Gesetze und Regeln unterzuordnen haben. Das fördert Nepotismus, Korruption und generell die Mißachtung der meritokratischen Prinzipien und der egalitären Gesetze, wie sie dieMehrheitsgesellschaft vertritt.
Die Gesetze und die Polizei des Aufnahmelandes werden nicht als gemeinsamer Schutz aller gesehen, sondern als Eingriffe undÜbergriffe von außen. Familiarismus schafft so eine Doppelmoral, isoliert sozial und verhindert das für Integration wie Wirtschaftsaktivitäten wichtige Vertrauen.
Wenn Vertrauen nicht über den Rand der Familie oder Sippe hinausreicht, wird Kooperation mit anderen erschwert. Mißtrauen und Verschwörungsdenken dominieren imVerhältnis nach außen.ÖkonomischesHandeln ist zu einem wesentlichen Teil Kooperieren mit familienfremden anderen, und je mehr ich diesen Fremden vertraue und vertrauen kann, desto reibungsloser und erfolgreicher wird mein ökonomisches Handeln sein. Kulturen wie die islamischen oder lateinamerikanischen, in denen, aus welchen Gründen auch immer, der Radius des Vertrauens sehr gering ist, sind wirtschaftlich benachteiligt.
Zugleich ist der Familiarismus die Primärform des antiindividualistischen Kollektivismus. Individualismus aber ist eines der bestimmenden Prinzipien moderner westlicher Gesellschaften….

369 Kommentare

  1.   emma2006

    Kultur und Religion sind zwei Seiten eienr Medaille:
    „Daß Muslime und nichtmuslimische Deutsche gleichberechtigt sein sollen, kollidiert mit einem der Grundprinzipien des Islam: Der Islam herrscht, er wird nicht beherrscht. „Überall dort, wo Muslime leben, beansprucht der Islam unbedingte Geltung für sich“, heißt es bei Bassam Tibi. In den islamischen Ländern war es Tradition, daß die Ungläubigen einzig in der Rolle unterworfener Schutzbefohlener geduldet werden, nicht als Gleiche.“
    So Kohlhammer.

    Solange die Scharia Teil des Islam ist, gehört Politik und Rechtssystem dazu.

  2.   riccardo

    Hier hätte ich mir allerdings gewünscht, dass erklärt würde, warum der chinesische oder koreanische Familiarismus nicht die gleichen schädlichen Wirkungen entfaltet.

    Nun, die Antwort auf diese Frage liefert Kohlhammer ja hinsichtlich der Muslime gleich mit:

    „Ein weiterer entscheidender kultureller Faktor ist die Lernbereitschaft einer Kultur, ihre Rezeptivität anderen Kulturen gegenüber. Die traditionelle islamische Gesellschaft versteht sich als die beste aller Gemeinschaften,
    sie hat von anderen Kulturen nichts mehr zu lernen. Diese kulturelle Arroganz stellt ein wichtiges Integrationshindernis dar und hat auch negative wirtschaftliche Folgen. Zwar haben auch die traditionellen muslimischen Familien oft eine positive Einstellung zu Schule und Lernen, aber dabei geht es um die orthodoxen, approbierten Inhalte, die die eigene Kultur und Religion vermitteln und bestätigen, geht es um den Koran, die Prophetenworte und um islamische Gelehrtheit, um die ruhmreiche arabische oder türkische Geschichte.“

    Chinesen und Koreaner- wie auch Japaner- betrachten fremde Kulturen als Steinbruch für eigene Entwicklungen. Was nützlich für das eigene (wirtschaftliche) Fortkommen erscheint, wird vorbehaltslos übernommen oder adaptiert. Auch originär kulturelle Leistungen des Westens aus dem musischen Bereich werden der eigenen Kultur vorbehaltlos einverleibt.

  3.   FreeSpeech

    Hier hätte ich mir allerdings gewünscht, dass erklärt würde, warum der chinesische oder koreanische Familiarismus nicht die gleichen schädlichen Wirkungen entfaltet.

    Joseph Needham hat sich ein Leben mit diesen Fragen beschäftigt, insbesondere mit China, aber das andere wird dann auch klar.
    Hier eine lesbare kurze Version (aus Vorlesungen)

    http://www.amazon.com/Science-Traditional-China-Joseph-Needham/dp/0674794397/

  4.   FreeSpeech

    Kurz zusammengefasst: Es ist eine Frage der Einstellung. Europa hat dann übrigens (laut Needham) China erst dann hinter sich gelassen, als Europa herausfand, wie man systematisch forscht.


  5. „aber dabei geht es um die orthodoxen, approbierten Inhalte, die die eigene Kultur und Religion vermitteln und bestätigen, geht es um den Koran, die Prophetenworte und um islamische Gelehrtheit, um die ruhmreiche arabische oder türkische Geschichte.”“

    Und deswegen sollte der Titel lieber heißen :

    Islamische Gründe des kulturellen Rückstands.

    Und da es mit dem Ruhm durch wirtschaftlichen Erfolg in den meisten islamischen Ländern nicht weit her ist, muss der Gläubige sich an der Vergangenheit festhalten und sein Heil im traditionellen Islam suchen.

  6.   FreeSpeech

    @fielmeer

    Am Islam kann es nicht liegen, denn es gibt viele verschiedene Islame.

  7.   Zagreus

    @ lau

    erst einmal danke für den artikel, sehr lesenswert – und mir spricht Kohlhammer aus der seele.
    Ich würde nicht wie emma2006 sagen, daß religion und kultur zwei seiten einer medaillie sind, sondern eins – religion ist ein unterbereich von kultur, denn die jeweilige Religion in ihrer jeweiligen erscheinungsform als religionsauffassung spiegelt das wieder, was eine gesellschaft (als relativ abgeschlossene menschliche gruppierung) als ausdrücke ihrer selbst versteht – sei es durch werte, durch fokusierungsleistungen, durch (z. b. menschen-)Bilder , produkte (die immer auch kulturprodukte sind) usw…
    Kulturen könnte man auch als dynamische ordnungsschemata verstehen, die bzl. einer grupe von menschen dort spezifisische leistungen erzeugen (und anderes unterdrücken bzw. marginalisieren); amn kann sagen: kulturen sind ausgerichtet darauf, problemlösungen anzubieten – nur welche sind anbieten, kann und ist allzuoft sehr unterschiedlich und reicht von diversen formen der Gewalt bis hin zu friedlichen herangehensweisen oder, leider auch das, bis hin zu unfähigkeiten – nämlich quasi keine lösung außer ein ertragen der probleme zu generieren.

  8.   miles

    Wenn ein Kult das Schöpferische überhaupt aus der Welt verbannt, muß man sich doch nicht wundern?

    Was gilt denn nicht alles als unislamisch? Malerei, Tanz, Theater, Musik, Litheratur, Film wie exstatisches Erleben führt doch nach dem einen oder anderen Diktum geradewegs in die Dschehenna, beleidigt der schöperisches Tun doch jenen Allah, dem das Schaffen nunmal vorbehalten ist.

    Nichtmal einen Stein darf der Mensch (jau, richtig das gilt für alle, gilt es doch dem Rechtgläubigen mehr noch als selbst ‚das Rechte‘ zu tun, dem Unrechten allüberall zu wehren) eigentlich zeichnen. Die Buddhastatuen zu sprengen war ein Statement. Die waren ja auch viel zu groß … jedenfalls überragten die die 360cm. Und 3 Meter 60 sind nun mal die Obergrenze … darüber geht nichts.

    m.

  9.   Sinimaus

    „Das Wohl der Familie und der Nutzen für die Familie sind die oberstenWerte, denen sich alle anderen gesellschaftlichen Werte, Gesetze und Regeln unterzuordnen haben. Das fördert Nepotismus, Korruption und generell die Mißachtung der meritokratischen Prinzipien und der egalitären Gesetze, wie sie dieMehrheitsgesellschaft vertritt.“…. aber auch nur dann, wenn die obersten Werte der Familie den Gesetzen der Mehrheitsgesellschaft widersprechen.

  10.   riccardo

    Merkwürdig, dass Nr. 1 Kohlhammers Artikel in den Himmel lobt. Im Gegensatz zur Bewertung des Islam und der Muslime durch Kohlhammer, kommt Sarrazin ja wie ein Waisenknabe daher. Wäre S. etwa genehm gewesen, wenn er so wie K. argumentiert hätte? Oder gilt hier wieder die beliebte Prämisse, dass es nicht darauf ankommt was gesagt wird, sondern wer es sagt?

 

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