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Mini-Welten

 

Wer denkt sich eigentlich bei Playmobil all die Ägypter, Feen und Ritter aus? Ann-Kathrin Nork (13), Marco Stähr (13) und Paula Fichtner (8) haben das Werk besichtigt und Playmobil-Chefin Andrea Schauer danach gefragt. Ein KinderZeit-Gespräch

Playmobil
© PLAYMOBIL PR

DIE ZEIT: Wo wird Playmobil hergestellt?

Andrea Schauer: Den größten Teil produzieren wir hier in Dietenhofen in Bayern, aber alle menschlichen Figuren entstehen auf Malta, einer Insel im Mittelmeer. Bisher wurden dort schon 2,1 Milliarden Figuren gemacht. Würde man die aneinanderstellen, dann würde ihre Reihe zweieinhalbmal um die Weltkugel reichen. Die meisten Teile werden in Tschechien per Hand an Fließbändern in Tüten gefüllt. In Malta und in Tschechien verdienen die Arbeiter weniger als hier in Deutschland.

ZEIT: Im Werk riecht es sehr. Warum?

Schauer: Um die Teile gießen zu können, muss der Kunststoff erhitzt werden, dabei entstehen Dämpfe, die leider stark riechen. Und auch die Farben in der Druckerei riechen. Aber wenn wir wasserlösliche Farben nähmen, wären die Kinder schnell traurig, weil die Aufdrucke auf den Figuren nicht halten würden. Wir versuchen mit Absauganlagen die Gerüche zu verhindern, aber das kann leider nicht vollständig klappen. Wahrscheinlich gewöhnt man sich mit der Zeit auch daran.

ZEIT: Ist das für die Arbeiter gefährlich?

Schauer: Nein, das wird regelmäßig gemessen und vom Betriebsarzt geprüft.

ZEIT: Warum wollten Sie zunächst nicht die Chefin von Playmobil werden?

Schauer: Ich hatte Angst, dass ich mich als Geschäftsführerin nur noch mit Zahlen beschäftigen muss und mir nichts Neues mehr ausdenken kann. Außerdem hatte ich Sorge, dass ich zu wenig Zeit für meinen Sohn habe.

ZEIT: Was ist Ihre Lieblingsfigur?

Schauer: Der Pirat. Er heißt Ricco und hat als einzige Figur einen Namen.

ZEIT: Und welche Figur mögen Sie nicht?

Schauer: Hm, es gab mal einen Mönch. Da habe ich mich gefragt, was die Kinder damit anfangen sollen.

ZEIT: Woher wissen Sie, was Kindern gefällt?

Schauer: Bei Playmobil arbeiten 60 Menschen in der Entwicklungsabteilung. Sie überlegen, was die Kinder interessieren könnte, basteln, probieren aus. Aber wir sind Erwachsene, wir können nicht wie Kinder denken. Zum Glück schreiben uns viele Kinder und zeichnen ihre Fantasiefiguren. Das ist wichtig für uns. Wir lesen diese Post genau durch, und oft entwickeln sich die Spielwelten aus Ideen der Kinder. Aber vom Einfall bis zum Verkauf im Laden vergehen bis zu drei Jahre.

ZEIT: Warum dauert das so lange?

Schauer: Es dauert, bis alle Einzelteile entworfen sind. Dann müssen sämtliche Gussformen hergestellt werden. Alle Teile müssen eine gute Qualität haben und trotzdem bezahlbar sein.

ZEIT: Gibt es Figuren, die man aus- und anziehen kann?

Schauer: Nein, leider nur sehr begrenzt, mal einen Rock oder eine Schürze. Denn die Fertigung ist sehr schwierig, und wir haben noch nicht die richtige Technik gefunden. Kleidung für die Figuren wünschen sich die Mädchen oft. Irgendwann wird es uns hoffentlich gelingen.

ZEIT: Warum spielen mehr Jungs mit Playmobil?

Schauer: Die ersten Figuren waren ein Ritter, ein Bauarbeiter und ein Indianer – also eher Figuren für Jungs. Aber mittlerweile ist Playmobil auch für Mädchen interessant. Dazu habe ich als Chefin wohl auch beigetragen. Ich habe mich zum Beispiel für die Feenwelt eingesetzt. Aber die Mädchen wollen nicht nur Feen und Prinzessinnen. So kam der Wunsch nach einem kompletten Krankenhaus vor allem von Mädchen.

ZEIT: Wer hat Playmobil erfunden?

Schauer: Das war Hans Beck, der damalige Entwickler. Die Firma Brandstätter stellte Anfang der siebziger Jahre unter anderem große Spielfahrzeuge her, doch angesichts der damaligen Ölkrise wurde das viel zu teuer. Deshalb sollte Herr Beck kleinere Fahrzeuge mit Figuren entwerfen. Und da er sich besonders für die Figuren begeistert hat, sind die ersten Playmobil-Männchen entstanden. Am Anfang waren sie aber nicht erfolgreich, das hat gedauert.

ZEIT: Warum gibt es bei Playmobil Pistolen?

Schauer: Wenn es nach Herrn Beck gegangen wäre, gäbe es weder Säbel noch Pistole. Er wollte freundliche Figuren in einer friedlichen Welt. Doch so ist die Welt nicht. Polizisten haben eine Pistole, Römer eine Lanze. Aber Kriegswelten mit Panzern machen wir nicht.

ZEIT: Wozu gibt es eine Ägyptenwelt? Das ist doch langweilig.

Schauer: Wir hatten ja schon die Römer. Die römischen Soldaten könnten Ägypten erobern. Es war gar nicht einfach, die Pyramide zu entwerfen. Man kann darin den Pharao begraben oder einen Schatz finden. Ich glaube, dass Kinder so spielerisch etwas über Geschichte lernen, was sie nicht mehr vergessen.

ZEIT: Spielen Sie mit Ihrem Sohn Playmobil?

Schauer: Jetzt nicht mehr, er ist schon 18! Aber früher habe ich mit ihm gespielt. Ich musste oft der Böse sein, mit »grrrrrr« und so. Er war der Polizist und hat mich am Ende immer gefangen genommen.

Zu dem selben Thema kannst Du folgenden Text aus der ZEIT lesen:
Kapitänin wider Willen – Andrea Schauer führt den größten deutschen Spielwarenhersteller. Ein Job, vor dem sie sich gefürchtet hat

 

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