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Mein Hund, der Roboter

 

Jede Woche lest Ihr im Comic der KinderZEIT von Bleeker, dem elektronischen Hund. Er kommt aus Kanada, wo sein Erfinder Jonathan Mahood sich die Geschichten ausdenkt
Von Catriona McLaughlin

Was bekommt man, wenn man einen Hund und einen MP3-Player kreuzt? Einen Hund, der Musik abspielt! Auf der Suche nach einer neuen Comicfigur nahm sich der kanadische Comiczeichner Jonathan Mahood 2006 seine treuesten Weggefährten als Vorbild: seinen Hund Shamus (ein gutmütiger und verspielter Collie-Retriever-Mischling) und seinen MP3-Player, mit dem er gerne beim Zeichnen Musik hört. Bleeker, der elektronische Hund, war geboren.Bleeker ist der perfekte digitale Freund: Er ist Handy und Feuermelder, kann e-mailen, Musik abspielen, filmen, drucken, downloaden, faxen und viele andere elektronische Dienste verrichten, für die man normalerweise sehr viele verschiedene Geräte und Ladekabel braucht. Kein Wunder also, dass sich in seinem Umfeld dauernd Dinge ereignen, die einem auch mit dem Computer passieren könnten. Dann sind sie allerdings meist weniger witzig!

Bleeker gehört einem Jungen, Skip Smalls. Zuerst ist er etwas enttäuscht, als seine Eltern ihm einen Roboter schenken. Er hatte sich doch einen richtigen Hund gewünscht! Aber nach und nach begreift Skip, was Bleeker alles kann (zum Beispiel bei den Hausaufgaben helfen), und sie werden die besten Freunde. Nur manchmal nervt es Skip, dass Bleeker kein normaler Hund ist: Schokoriegel und USB-Anschlüsse vertragen sich zum Beispiel nicht so gut. Und wenn Bleekers Betriebssystem abstürzt, muss statt des Tierarztes der technische Notdienst helfen.
Viele der Geschichten von Bleeker und Skip haben mit den sogenannten neuen Medien wie dem Internet zu tun. »Kinder kennen sich da oft besser aus als ihre Eltern«, sagt Jonathan. »Ich finde, dass Bleeker als Comic ganz gut beschreibt, wie Kinder heute die neuen Technologien nutzen – ganz selbstverständlich nämlich, ohne das vorsichtige Herumstochern der Erwachsenen.«
Die neuen Technologien bieten gewiss viel Stoff für Geschichten – aber wie schafft Jonathan es, sich ständig neue auszudenken? »Manchmal ist es nicht einfach«, sagt der 40-jährige Bleeker-Erfinder. »Ich beobachte dafür viel – zum Beispiel meinen kleinen Wii-verrückten Neffen, meinen Hund und die Menschen um mich herum und suche nach den neusten technischen Spielereien. Ständig überlege ich, wie Bleeker und Skip sich jetzt verhalten würden.«
Wenn ihm eine Idee kommt, schlägt Jonathan Mahood sofort sein schwarzes Skizzenbuch auf und zeichnet, was ihm durch den Kopf geht. Bevor diese Skizze als Bleeker-Geschichte in der KinderZEIT erscheint, muss Jonathan sie noch mit Stiften, Tinte und am Computer fertig zeichnen. Das macht er in dem kleinen Ort Parry Sound in Kanada, wo er lebt. Der Zeitunterschied zwischen Parry Sound und Hamburg, wo die KinderZEIT gemacht wird, beträgt sechs Stunden. Wenn die Redakteurinnen zum Beispiel mittags noch eine Frage zu dem Bleeker-Comic haben, kann es also leicht passieren, dass sie Jonathan aus dem Schlaf klingeln. Aber er ist sehr geduldig!
Schon als Kind begeisterten den Zeichner die Comics in den kanadischen Zeitungen, zum Beispiel Snoopy von Charles M. Schulz. »Ich zeichne, seit ich einen Stift halten kann«, sagt Jonathan. Mit zwölf Jahren erfand er »Siegfried die Schlange« und baute Geschichten um sie herum. »Besonders toll war, dass ich andere Kinder mit meinen Geschichten zum Lachen bringen konnte«, sagt Jonathan, der immer noch gerne und ziemlich oft lacht. Nach der Schule hat er Skulptur, Zeichnung und Malerei an der Kunsthochschule der kanadischen Stadt Toronto studiert. Die Katze Krazy Kat des berühmten Comicautors George Herriman imponierte ihm so sehr, dass er beschloss, sich ganz dem Comiczeichnen zu widmen.
Was braucht man neben Zeichentalent und Ideen, wenn man Comiczeichner sein will? »Das Wichtigste«, sagt Jonathan, »ist Ausdauer.« Wenige Zeichner sind sofort erfolgreich. Es kann Jahre dauern, bevor man einen Vertrag mit einem sogenannten Comicsyndikat bekommt. Syndikate nennt man die Firmen, die die Geschichten für den Künstler an Zeitungen verkaufen. Jonathan ist einen etwas anderen Weg gegangen. Er hat seine Comics selbst im Internet gezeigt. Durch viele Empfehlungen von Fans wurde schließlich das Syndikat GoComics auf ihn aufmerksam.

Auch die KinderZEIT hat Jonathan über das Internet entdeckt und druckt als erste Zeitung den Bleeker-Comic. Währenddessen ist seine Fangemeinde stark gewachsen. »Ich kann es kaum glauben, aber inzwischen haben 25 000 Menschen Bleeker online abonniert«, sagt Jonathan. Und das Fernsehen war auch schon da: Eine Firma arbeitet gerade an einer Serie mit Bleeker. Die kanadischen Kinder werden Skip und seinen elektronischen Hund  also bald im Fernsehen sehen können.
Dass Bleeker inzwischen in den verschiedenen Medien vorkommt, ist für Jonathan die Erfüllung eines Traums: »Wenn so etwas passiert, fühlt man sich für die ganze harte Arbeit belohnt. Ich wünsche mir, dass Bleekers Beispiel vielen Kindern Mut macht, ihre eigenen Comics zu zeichnen.«
Und was ist eigentlich mit Bleeker selbst? Kann der elektronische Hund auch Comics zeichnen? »Das kann gut sein«, sagt Jonathan, »Skip hat ihn wahrscheinlich nur noch nicht danach gefragt.«

 

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