‹ Alle Einträge

Filme suchen, Geld eintreiben und viel telefonieren

 

Ein Blick hinter die Kulissen eines Filmfestivals. Ein Interview

Foto: Jörg Baumann

Beim internationalen Kinderfilmfestival Lucas (6. bis 13. September) konnten die Besucher eine Woche lang Kinderfilme aus der ganzen Welt sehen. Dafür hat Petra Kappler bereits ein Jahr vorher begonnen, das Filmfest zu planen und vorzubereiten. Sie ist die Leiterin des Festivals. Jetzt beginnt sie bereits wieder den Lucas fürs nächste Jahr zu planen. Zwischendurch hat sie sich aber Zeit genommen und der KinderZEIT einige Fragen beantwortet.

KinderZEIT: Liebe Petra Kappler, sie sind die Leiterin des Kinderfilmfestivals Lucas. Was macht man als Festivalleiterin?

Petra Kappler: Als Festivalleiterin ist man das ganze Jahr über beschäftigt das Festival vorzubereiten. Ich reise zum Beispiel in andere Städte und Länder, schaue Filme auf anderen Festivals. Dort spreche ich mit den Filmemacherinnen und Filmemachern und wenn der Film gut ist, lade ich ihn zum Lucas nach Frankfurt ein. Dann besorge ich viel Geld, denn ein Festival zu machen ist teuer. Die sogenannten Sponsoren unterstützen uns mit einem Geldbetrag. Ich telefoniere viel mit Menschen, die ich zum Festival einladen möchte und die Kindern zum Beispiel zeigen, wie man einen Film macht. Ich spreche mit Lehrerinnen und Lehrern und erkläre, warum sich ein Besuch bei unserem Festival für die ganze Klasse lohnt. Es ist auch viel Büroarbeit am Computer dabei, doch es macht mir unheimlich Spaß!

KinderZEIT: Beim Lucas konnte man viele spannende Filme sehen. Wie genau haben sie die ausgesucht?

Petra Kappler: Es gibt für Filme auch so etwas wie Messen, zum Beispiel in Berlin oder in Cannes in Frankreich. Dort reise ich hin und schaue eine Woche lang den ganzen Tag Filme bei den sogenannten Screenings. Das sind Spezialvorführungen nur für die Fachbesucher. Man muss ein hohes Eintrittsgeld zahlen und bekommt dafür die Möglichkeit, die neuesten Filme, die noch keiner kennt, anzusehen. Aus diesen wählt man die besten aus.

KinderZEIT: Kann ich die Filme des Festivals jetzt noch irgendwo sehen?

Petra Kappler: Na klar. Bei anderen Festivals zum Beispiel. Manche finden auch einen Verleih in Deutschland, das heißt man könnte ihn ganz normal im Kino schauen. Da das aber meistens lange dauert, werden wir vom Lucas die besten Kurzfilme auf DVD im nächsten Jahr für Schulen herausbringen. Dann kann man sie sich im Unterricht anschauen. Das ist unser nächstes Projekt.

KinderZEIT: Warum nicht einfach alle Filme ins Kino – wie andere Kinderfilme auch?

Petra Kappler: Das ist kompliziert. Es liegt daran, dass es für jeden Film eine Erlaubnis gibt, ihn in einem bestimmten Land zu zeigen. Das nennt man Filmrechte. Manchmal gibt es für einen Film zum Beispiel schon französische Filmrechte, aber keine deutschen. Das heißt er darf nur in Frankreich, nicht aber in Deutschland im Kino gezeigt werden. Unsere Lucas-Filme sind alle noch nie in Deutschland im Kino gelaufen, haben also keine deutschen Kinorechte. Es muss jetzt erst jemand herkommen, die Rechte kaufen und darf dann den Film im Kino zeigen. Das ist der Weg.

KinderZEIT: Was muss ein ausländischer Film mitbringen, damit er es ins deutsche Kino schafft?

Petra Kappler: Er muss auf jeden Fall gut sein und sich für das Publikum eignen. Wer die Rechte kauft, will ja auch, dass sich das lohnt. Lustige Filme verkaufen sich meist gut bei Kindern. Und auch solche mit Figuren, die man kennt. Zum Beispiel Petersson und Findus. Der Film kommt aus Schweden, läuft aber im Herbst bei uns im Kino, weil die Kinder Petersson schon aus Büchern und aus anderen Filmen kennen.

KinderZEIT: Für welchen Film des diesjährigen Festivals würden Sie sich wünschen, dass er ins Kino kommt?

Petra Kappler: Eine sehr schwierige Frage! Aus dem Lucas-Programm würde ich es jedem Film wünschen, denn jeder hat etwas Besonderes und in allen Filmen steckt unendlich viel Mühe, Zeit und Fleiß. Daher kann ich das gar nicht so beantworten. Für einen Film investieren die Regisseure und Regisseurinnen oft viele Jahre Zeit. Das merkt man beim Schauen oft gar nicht. Und Filmemachen ist teuer, man muss viele Menschen bezahlen, die einem beim Filmemachen helfen. Deshalb haben alle die Chance verdient, ins Kino zu kommen.

Die Fragen stellte Katrin Hörnlein

Zum Internetangebot des Lucas-Filmfestivals klickt hier.

 

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren.

Anmelden Registrieren