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Schick, schick!

 
Früher waren die Menschen stolz auf ihr wärmendes Bärenfell, heute auf ein Stück Prêt-à- porter- Kleidung vom angesagten Designer

Kleider machen Leute: Früher prahlten Jäger mit Bärenfellen, Könige mit edlen Roben. Heute zählen oft Designermarken. Eine Reise durch die Geschichte der Mode.

Von Claudia Kniess mit einer Illustration von Henrik Abrahams

Jeden Morgen, wenn Du vor Deinem Kleiderschrank stehst, musst Du eine ganze Reihe von Entscheidungen treffen: Soll das, was Du anziehst, Dich gegen Kälte, Regen, Wind oder Sonne schützen? Kannst Du nach Lust und Laune
etwas aussuchen, oder nimmst Du Rücksicht auf Deine Eltern, Freunde oder Deine Religion? Hast Du etwas vor, wofür Du spezielle Kleidung brauchst?

Was auch immer Du anziehst, Deine Kleider haben eine bestimmte Funktion. Sport geht nun mal am besten in leichten, bequemen Sachen und Turnschuhen, ein Rollkragenpullover aus Schafwolle wärmt im Winter. Für Inuit im Eis oder Nomaden in der Wüste ist die Funktion ihrer Kleidung sogar überlebenswichtig. Wenn Kleidung aber nicht nur funktional, sondern auch schön sein und etwas über uns aussagen soll, wird sie zur Mode.

Mit dem, was Du trägst, erzählst Du anderen etwas über Dich. Und auch Du schätzt andere nach ihrer Kleidung ein: Jemand, der lässig weite Sachen trägt, wirkt anders als jemand im strengen Anzug oder Kostüm. Wer Hippie, Rocker oder Skater sein möchte, zeigt dies auch mit seiner Kleidung.

Das war schon früher so: Der erfolgreichste Jäger trug das beste Bärenfell – so sahen alle, wie stark und tapfer er war.
Aber seit wann und warum hüllen sich die Menschen überhaupt in Kleider? Kein Tier auf der Erde trägt welche (abgesehen von Schoßhündchen, und ob die ihre Mäntelchen und Pullover mögen, ist nicht bekannt).

Tiere haben Fell, Federn oder Schuppen, die sie schützen und tarnen. Vor Tausenden von Jahren hatten die Vorfahren von uns Menschen auch noch eigenes Fell am ganzen Körper. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass die frühen Menschen irgendwann begannen, Kleider zu tragen – und ihnen deshalb nach und nach die dichte Behaarung am Körper ausfiel. Die Kleider schützten ja nun die Haut. Das war vor ungefähr 75 000 Jahren.

Mit wärmenden, schützenden Hüllen, die nicht festgewachsen waren, konnte der Mensch sich zum Beispiel
besser dem Wetter anpassen. Anfangs bestand Kleidung aus Tierfellen, Blättern oder Bast. Etwas später banden die Menschen Woll- oder Flachsbüschel zusammen und schnürten sich diese um. Noch später, vor ungefähr 14 000 Jahren, fanden sie heraus, wie man aus den Fellhaaren von Schafen oder den Samenfäden des Baumwollbaums Stoffe herstellen konnte. Der einzige richtig lange natürliche Faden kommt aus dem Kokon der Seidenspinnerraupe. Die daraus hergestellte Seide war bald nach ihrer Entdeckung vor knapp 5000 Jahren sehr begehrt.

Die ältesten Kleidungsstücke fanden Forscher bei den frühen Hochkulturen in Ägypten, Asien und Südamerika. Dort waren sie zunächst allerdings nuretwas für die Mächtigen und Reichen. Kleiderordnungen legten auch bei den Griechen, den Römern und noch im Mittelalter fest, wer was tragen durfte: Purpur und Hermelin waren nur für Könige, Spitze und Seide dem Adel vorbehalten, wohlhabende Bürger trugen andere Sachen als Dienstboten. Einfache Leute besaßen selten mehr als eine Hose und ein Hemd.

Vor rund 200 Jahren änderte sich dann sehr schnell sehr viel: Nun konnten Stoffe mit Spinnmaschinen und Webstühlen in großen Fabriken hergestellt werden. Eine Spinnmaschine stellte so viel Garn her wie zuvor 200 Spinner in Handarbeit. Kleidung wurde so für immer mehr Menschen bezahlbar. Der Adel und das aufstrebende Bürgertum begannen deshalb, sich mit immer neuen Kreationen gegenseitig zu übertrumpfen und vom einfachen Volk abzusetzen.

Statt Webern und Näherinnen wurden »Modeschöpfer« immer wichtiger. Berühmt sind zum Beispiel Coco Chanel oder Karl Lagerfeld. Solche Modeschöpfer entwerfen neue Kleidungsstücke oder verändern einfach das, was es schon einmal gab, so, dass es neu und aufregend erscheint. Ihre Werke zeigen sie bei aufwendigen Modeschauen, zum Beispiel bei der New York Fashion Week, die in der kommenden Woche beginnt. Auf den Laufstegen bestaunen die Besucher handgenähte, maßgefertigte Mode, die Haute Couture, das ist Französisch und bedeutet »gehobene Schneiderei«. Günstiger ist Prêt-à- porter- Kleidung (übersetzt: »bereit zum Tragen«), die man auch in Kaufhäusern erwerben kann.

Richtig aufregende Neuerungen gibt es heute allerdings nur noch selten. Das war früher anders: Strumpfhosen zum Beispiel trugen jahrhundertelang nur Männer, Hosen sowieso. Als Frauen vor gut 100 Jahren anfingen, ebenfalls Hosen zu tragen, taten das erst einmal nur die ganz mutigen und auch fast nur zum Fahrradfahren. Kinder trugen bis ins 20. Jahrhundert hinein das, was die Erwachsenen anhatten, einfach in kleineren Größen. Erst langsam setzten sich Kinderkleider durch, in denen man gut spielen und toben kann.

Und an Badeanzügen war lange Zeit so viel Stoff, dass sie nur zum Planschen und nicht zum Schwimmen taugten. Der
schwere Stoff hätte einen in die Tiefe gezogen. Mit Jeans rebellierten Deine Großeltern, als sie jung waren, gegen ihre Eltern und Lehrer. Heute fällt man mit Jeans nicht mehr auf, und statt Bärenfellen jagen wir den Klamotten angesagter Marken hinterher.

Aber wenn Du heute Morgen etwas in Deinem Kleiderschrank gefunden hast, in dem Du Dir selbst gefällst, dann hast Du etwas, was beim Thema Mode sehr wichtig ist: Deinen eigenen Geschmack.

 

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