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Online mit Harry

 
© Warner Bros

Im Oktober startet »Pottermore«, eine Zauberwelt im Internet. ZEIT LEO durfte sie schon sehen.

Von Julia Nolte

Selbst der größte Harry-Potter-Fan kann sie nicht beantworten, diese eine Frage: Was will der Sprechende Hut von den neuen Schülern wissen, bevor er sie einem Haus des Zauberinternats zuteilt? Fragt er sie, ob sie Schokofrösche mögen? Oder sollen sie ihm vielleicht D-u-m-b-l-e-d-o-r-e buchstabieren, den Namen des Schulleiters von Hogwarts?

Die Antwort findet sich in keinem der sieben Harry- Potter-Bücher und auch in keinem der acht Filme, die seit 1997 über den Zauberschüler mit der Brille und der blitzförmigen Narbe auf der Stirn erschienen sind. Niemand kann die Antwort wissen, außer seiner Schöpferin Joanne K. Rowling. Das soll sich künftig ändern. Denn die Schriftstellerin hat angekündigt, das Rätsel um den Sprechenden Hut aufzulösen – und noch viele weitere Geheimnisse.

Sie schreibt aber nicht etwa an einem neuen Buch, Rowling lässt gerade eine Internetseite bauen. Die heißt Pottermore (www.pottermore.
com), was übersetzt »mehr Potter« bedeutet. Und genau das soll das Angebot im Netz bieten: mehr über den Zauberschüler Harry und seine Abenteuer.

Bei den Fans kommt diese Idee gut an. Bereits 36 Stunden nachdem die vorläufige Version der Seite Ende Juni ins Netz gestellt worden war, zählte Rowlings Team eine Million Besuche. Anders ausgedrückt: Fast so viele Leute, wie in einer Großstadt wie München wohnen, standen bei Pottermore vor der Tür und wollten rein. Doch es war noch niemand da. Auf der Internetseite lässt sich bisher nichts anklicken, es werden noch keine Geheimnisse gelüftet.

Zu sehen ist bis Oktober nur ein Turmzimmer, das von Kerzenschein erhellt wird. Darin steht einige Tester öffnet sich die Potter-Welt schon: Sie sollen Pottermore ausprobieren und den Machern sagen, wie sie die Seite verbessern können. Auch wir von ZEIT LEO durften schon probesurfen. Aber erst im Oktober, sagt Henwood, werde Pottermore für alle freigeschaltet, auf Englisch, Deutsch, Französisch, Italienisch und Spanisch.

Dann kann sich jeder einen magischen Benutzernamen geben und einloggen. Kostenlos. Aber was wird es denn nun geben bei Pottermore? Was kann man dort tun? Als Erstes sieht man ein verschnörkeltes Schlosstor, das den Eingang zur Zauberwelt darstellt. In der Mitte des Tores wird man ein Symbol für jedes Harry-Potter-Buch anklicken können.

Wenn man zum Beispiel auf den Edelstein geht, gelangt man zum ersten Band, zu Harry Potter und der Stein der Weisen. Das gesamte Buch wird in kurzen Texten erzählt, begleitet von 45 (ziemlich düsteren) Bildern. Sie zeigen Orte, die wichtig für die Handlung sind, zum Beispiel Harrys Zuhause bei den Dursleys. Spaß macht, dass sich Gegenstände und Figuren bewegen, wenn man mit der Computermaus über die Illustrationen fährt. Die Texte aber sind so kurz, dass man sie kaum versteht, wenn man die Bücher nicht gelesen hat. Für das einmalige Leseerlebnis, dass Joanne K. Rowling angekündigt hat, muss man also gar nicht mehr viel lesen. So wolle die Schriftstellerin dafür sorgen, dass auch Kinder die Geschichte von Harry Potter kennenlernen, die eher am Bildschirm als auf Papier lesen.

Aber auch Fans, die alle Bücher kennen, sollen Neues erfahren. 18 000 Wörter habe die Autorin schon für die Website geschrieben, heißt es. Das ist ungefähr so viel wie ein Viertel eines Potter-Buches. In Extratexten erzählt Rowling von ihrer Arbeit und verrät zum Beispiel, warum sie Harrys Tante ausgerechnet den Namen Petunia Dursley
gegeben hat. Und sie erzählt Hintergrundgeschichten, zum Beispiel wie Professor McGonagall in ihrer Jugend unsterblich in einen Muggel verliebt war. Alles natürlich streng vertraulich!

Die Nutzer sollen Pottermore aber auch mitgestalten. Deshalb sagt Rowling, sie seien das Wichtigste. Man darf zwar Harrys Geschichte nicht umschreiben, aber man kann Bilder malen und hochladen, Kommentare auf der Seite abgeben. Wie in einem Sozialen Netzwerk kann man auch Freunde sammeln, jedoch ohne einander private Nachrichten schicken zu können.

Dafür darf man die Fragen des Sprechenden Huts beantworten, kommt in ein Schulhaus, mischt Zaubertränke und sammelt Hauspunkte. Fast wie Harry Potter.

Geld verdienen wollen die Macher allerdings auch. Der Zugang zur Seite ist zwar kostenlos, doch erstmals kann man alle Harry-Potter-Bücher als E-Book bekommen. Dabei hatte Joanne K. Rowling dies bisher immer abgelehnt, weil sie fand, die Leser könnten ihre Bücher am besten auf Papier erleben. Doch nun wird es bei Pottermore genau dafür einen elektronischen Laden geben, wo man auch noch andere Fan-Produkte kaufen kann.

Fans wie Saskia Preißner sind davon enttäuscht. Sie findet, dass Joanne K. Rowling schon genug Geld mit Harry Potter verdient. Die 25 Jahre alte Berlinerin betreibt seit ihrer Schulzeit einen Harry- Potter-Fanclub, den HP-FC, mit inzwischen rund 100 000 Mitgliedern.

Weil Rowling aber ihr Idol ist, hat Saskia sich trotz ihrer Bedenken schon bei Pottermore angemeldet: »Alles, was von der Autorin kommt, ist für mich etwas Besonderes. Und vielleicht erfährt man ja wirklich etwas Neues aus der Potter-Welt. Das wäre – wow!«

Der Artikel über Harry Potters Zauberwelt im Internet stammt aus ZEIT Leo, dem neuen Magazin für Kinder. Ihr findet ZEIT Leo in jedem gut sortierten Kiosk!

 

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