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Ein besonderer Präsident

 
Ein Junge wollte wissen, wie sich Obamas Haare anfühlen. Er solle sie doch einfach anfassen, sagte der Präsident /© The New York Times

Barack Obama ist anders als alle amerikanischen Staatschefs vor ihm, denn er hat dunkle Haut. Jetzt möchte er wiedergewählt werden

Von Catriona McLaughlin

Was ist denn das? Wieso verbeugt sich Barack Obama, der Präsident der USA, vor einem kleinen Jungen? Ein Foto aus dem Jahr 2009 zeigt, dass genau das passiert ist. Und die Geschichte hinter dem Foto geht so: Der Junge heißt Jacob, und sein Vater hatte im Weißen Haus, also dem Dienstort des Präsidenten, gearbeitet. Zu seiner Verabschiedung wünschte der Vater sich ein Familienfoto mit Barack Obama. Als sie so zusammenstanden, nutzte der kleine Jacob die Gelegenheit und fragte den Präsidenten, was er ihn schon immer fragen wollte: ob sich Obamas Haare genauso anfühlten wie seine eigenen. Der Präsident beugte sich zu Jacob herab und sagte: »Fass sie an, Mann.«

Der Fotograf drückte genau in diesem Moment auf den Auslöser. Seitdem ist das Foto in Amerika ein Symbol für das, was an Barack Obama anders ist als an allen Präsidenten vor ihm. Obama hat krause Haare, weil er schwarz ist. Er ist der erste Präsident der USA, der dunkle Haut hat.

Dass Barack Obama 2008 gewählt wurde, ließ viele Schwarze in den USA jubeln – und hoffen. Für sie bedeutete es, dass auch schwarze Amerikaner inzwischen alles erreichen können. Klar, warum auch nicht, denkst Du vielleicht: Warum sollte ein Schwarzer nicht ein genauso guter Präsident sein können wie ein weißer? Um zu verstehen, warum Obamas Wahl so wichtig war, muss man eine kleine Zeitreise in die Vergangenheit unternehmen.

Vor fast 400 Jahren wurden die ersten Schwarzen als Sklaven aus Afrika nach Nordamerika verschleppt. Sie mussten dann zum Beispiel auf Farmen von reichen Weißen schuften, ihre weißen »Herren« behandelten sie fast wie Tiere. Die Vorfahren von Barack Obamas Frau Michelle waren auch Sklaven.

Die Menschen in den USA einigten sich später eigentlich in ihrer Verfassung darauf, dass alle Bürger gleich viel wert sind und die gleichen Rechte haben, doch Schwarze galten lange Zeit eben nicht als Bürger. Die Sklaverei wurde erst vor rund 150 Jahren verboten, und bis 1954 durften Schwarze nicht die gleichen Schulen besuchen wie Weiße. Inzwischen haben auch die Schwarzen alle Bürgerrechte, doch das heißt immer noch nicht, dass sie auch genau die gleichen Möglichkeiten haben: Sie wohnen oft in ärmeren Stadtvierteln und haben später häufiger keine Arbeit als Weiße. Schwarze sind insgesamt ärmer als Weiße in Amerika.

Und es gibt noch immer Menschen, die glauben, dass Schwarze weniger wert sind als andere. Sie erzählen absurde Dinge, zum Beispiel dass Schwarze gefährlich und gewalttätig sind. Wegen solcher Vorurteile geschehen manchmal schreckliche Dinge. Im Februar starb in den USA ein 17-jähriger schwarzer Junge. Er hieß Trayvon und trug einen Kapuzenpullover. Trayvon starb wegen seines Aussehens. Ein Mann erschoss ihn, weil er offenbar dachte: Ein schwarzer Jugendlicher mit Kapuzenpulli muss ein Gangster sein. Als die Tat bekannt wurde, konnten es viele Menschen in den USA und auch überall auf der Welt nicht fassen. Auch Präsident Barack Obama war erschüttert und sagte: »Wenn ich einen Sohn hätte, würde er aussehen wie Trayvon.«

Als Barack Obama 2008 Präsident wurde, hatten viele Schwarze gehofft, dass sie durch ihn bald bessere Chancen haben würden. Fast alle Schwarzen, die vor vier Jahren zur Wahl gingen, stimmten für Obama. Zwei Millionen Schwarze, die noch nie vorher gewählt hatten, taten es seinetwegen zum ersten Mal.

Und wie ist es nun nach fast vier Jahren? Hat Obama die Erwartungen erfüllen können? Wenn man an die Geschichte des erschossenen Jungen denkt, möchte man antworten: Nein, er hat es wohl nicht geschafft. In Umfragen kommt heraus, dass es immer noch viele Vorurteile gegenüber Schwarzen gibt, Schwarze sind auch immer noch ärmer als Weiße. Und trotzdem finden es auch heute fast alle Schwarzen gut, dass endlich jemand mit dunkler Haut die Vereinigten Staaten regiert. Die meisten hatten sowieso nicht gedacht, dass Obama innerhalb von vier Jahren alles wiedergutmachen kann, was in 400 Jahren schiefgelaufen ist.

Ob er es weiter versuchen darf, das entscheiden die Bürger der USA in drei Monaten. Am 6. November sind die Wahlen, bei denen Obama zum zweiten Mal gewählt werden könnte.

Wahl in den USA
Die Vereinigten Staaten von Amerika, kurz USA, sind ein riesiges Land mit gut 300 Millionen Einwohnern. Viele sagen, Amerika ist eine »Supermacht« – das bedeutet, dass eine Entscheidung, die der Präsident der USA trifft, für alle anderen Staaten der Welt auch wichtig ist. Deshalb wird die Präsidentenwahl genau beobachtet. Die Wahl wird zwischen den Kandidaten der beiden größten Parteien entschieden, der Demokraten und der Republikaner. Gegen Barack Obama von den Demokraten tritt der Republikaner Mitt Romney an.

 

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