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Wir spielen uns nach oben

 
Stefan, Troy und Kameron leben im New Yorker Stadtteil Harlem/ © Catriona McLaughlin

In den USA haben Menschen mit dunkler Haut noch immer schlechtere Chancen als Weiße. Die Freunde Troy, Kameron und Stefan träumen davon, dass sich das ändert

Von Catriona McLaughlin

Troy rennt und streckt die Arme aus, um den Football zu fangen. Seine Freunde Stefan und Kameron laufen neben ihm her. Alle drei sind elf Jahre alt. Sie sind Spieler der Harlem Jets, eines Football-Vereins, der erst vor sieben Jahren gegründet wurde, dafür aber schon ziemlich erfolgreich ist. Letztes Jahr war die Mannschaft für Kinder bis zwölf Jahren sogar die drittbeste des Landes. »Da sind wir alle stolz drauf«, sagt Troy.

Bei den Harlem Jets spielen vor allem schwarze Kinder und Jugendliche. Harlem ist ein Stadtviertel von New York, in dem noch immer viele Menschen nur wenig Geld haben. Und die meisten, die hier leben, sind schwarz. Eigentlich sollten alle Menschen die gleichen Chancen haben, egal, welche Hautfarbe sie haben. Doch in den USA ist es noch gar nicht so lange her, dass schwarze Menschen nicht die gleichen Rechte hatten wie weiße.

Bis vor 150 Jahren arbeiteten mehrere Millionen Schwarze als Sklaven auf den Plantagen von Weißen. Die Sklaverei wurde zwar 1865 endgültig abgeschafft, aber gerecht ging es auch danach nicht zu. Noch vor rund 50 Jahren durften schwarze Kinder nicht auf die gleichen Schulen gehen wie weiße. In den südlichen Staaten der USA mussten Schwarze im Bus für Weiße aufstehen. Sie bekamen im Kino nur die schlechten Plätze. Und in vielen Teilen des Landes durften Schwarze und Weiße nicht heiraten.

Gegen dieses Unrecht begannen sich vor 50 Jahren immer mehr mutige Menschen zu wehren und gingen überall in den USA für ihre Rechte auf die Straße – auch in Harlem in New York.

Und sie hatten Erfolg, jedenfalls zum Teil: Heute steht im Gesetz, dass niemand in den USA wegen seiner Hautfarbe benachteiligt werden darf. Aber Vorurteile gibt es trotzdem. Oft bleiben Weiße unter Weißen und Schwarze unter Schwarzen. Und noch immer bekommen viele schwarze Kinder keine so gute Ausbildung wie weiße, und deshalb verdienen sie später auch weniger Geld.

»Man sieht vielen Menschen hier an, dass sie arm sind«, sagt Kameron. »Es gibt nicht so viele Häuser mit hübschen Vorgärten.« Was er mag, ist, dass Menschen aus der ganzen Welt in Harlem zusammenleben. Stefan sagt: »Ich fühle mich in Harlem zu Hause, weil ich schwarze Haut habe und auch noch puerto-ricanisch bin. Wir sind hier alle irgendwie gemischt.«

Auf dem Spielfeld wird die nächste Runde angepfiffen, die gegnerischen Mannschaften prallen aufeinander, ein riesiges Knäuel aus Körpern. Es ist heiß in der prallen Sonne, Troy und seine Freunde hecheln, aber da müssen sie jetzt durch. Sie haben ein Ziel. Diesmal wollen sie die Besten in Amerika sein.

»Los, lauft!«, rufen die Zuschauer am Rand des Spielfelds. Da steht auch Troys Vater. Er hilft bei den Jets. »Jeder Mensch braucht einen Traum«, sagt er. Troys Vater träumt davon, dass alle Kinder die gleichen Möglichkeiten im Leben haben. Egal, ob schwarz oder weiß. Egal, ob arm oder reich. Bei den Kindern in seinem Footballteam soll das keine Rolle spielen. Es ist ein ähnlicher Traum wie der von Martin Luther King (dazu liest Du mehr im Kasten).

Troy, Stefan und Kameron träumen davon, zu gewinnen und eines Tages vielleicht sogar Profisportler zu werden. Aber bei den Jets geht es um mehr. Helfer wie Troys Vater achten auch darauf, dass die Kinder ihre Hausaufgaben machen. Troys Vater ist sich sicher, dass man im Leben mehr erreichen kann, wenn man Sport macht und sich in der Schule etwas zutraut.

Troy ist in der Mannschaft eher eine Ausnahme. Er wohnt mit seinen Eltern in einem schönen alten Reihenhaus, und er geht auf eine gute Schule – in einem anderen Viertel. »Da bin ich manchmal der einzige schwarze Punkt unter all den weißen Kindern«, erzählt er. Einmal ist ihm an der Schule etwas Seltsames passiert. Ein Junge machte ihn blöd an. »Er sagte: ›Ihr Schwarzen müsst immer gleich zuschlagen.‹« Da wurde Troy mal wieder bewusst, wie viele Vorurteile es noch gibt. »Der Junge dachte, ich würde ihn boxen, weil wir nicht einer Meinung waren«, erzählt er, »aber ich war schlau und habe das nicht gemacht.«

Troy hat den Ball erobert und trägt ihn wie ein Baby vor sich her. Es geht darum, ihn schnell auf die andere Seite des Spielfeldes zu bringen. Die Gegner versuchen unter vollem Körpereinsatz, das zu verhindern. Um Football zu spielen, braucht man Mut, Kraft und viel Ausdauer.

Troy und seine Freunde sind stolz darauf, dass viele erfolgreiche Sportler aus den USA dunkelhäutig sind. »Es gab mal einen Boxer, der hieß Muhammad Ali, der war drei Mal hintereinander Weltmeister«, sagt Stefan. »Der hat schon ganz früh gezeigt, wie gut wir sein können!« Kameron findet, dass Menschen jeder Hautfarbe mehr zusammen spielen müssten, um sich zu verstehen, zum Beispiel Baseball oder Football: »Da lernt man sich nämlich kennen und merkt, wer wirklich gut ist.«

Martin Luther King
Vor 50 Jahren, am 28. August 1963, hielt der Pastor Martin Luther King eine der wichtigsten Reden der Geschichte. Vor 250 000 Menschen in Washington sprach er die berühmten Worte »I have a dream …«, auf Deutsch »Ich habe einen Traum …«. Er träumte von einer Welt, in der alle Menschen die gleichen Rechte haben – egal, ob sie schwarz sind oder weiß. King kämpfte immer friedlich für seine Ziele. Er selbst aber wurde fünf Jahre nach seiner großen Rede erschossen.

 

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