10. Oktober – Ausgabe 42

Leserbriefe zu „Klimaschutz ist nicht lieb“ von Jens Jessen

 

Ich gratuliere zu diesem Artikel : er ist der erste und einzige, in den deutschen Medien,der endlich den Mut hat,eine folge des unsinnigen,sinnlosen Meinungs-und Demonstrationsdrucks der fanatischen „Gutmenschen „ zu erwähnen: die Zerstörung unserer demokratischen Gesellschaft durch die neue hierarchische Klassenordnung nach Reichtum und Macht. – Dr. Miege

 

Vielen Dank für den Artikel. Zum ersten Mal lese ich in einer Zeitung die gewagte Aussage, dass „Wohlstand und Gerechtigkeit sich zusammen niemals im globalen Massstab verwirklichen lassen“. Wenn ich sage „gewagt“, dann meine ich nicht die Aussage an sich, die absolut logisch ist, sondern die Tatsache etwas zu sagen, was sich viele denken, aber die wenigsten zu sagen wagen.

Ich finde, dass die Grünen momentan aufgrund eines grossen „Missverständnisses“, dass nämlich Klimaschutz und Wohlstand zusammen erreichbar sind, solch einen Zulauf erfahren, wobei sie wohlweisslich nicht auf das Missverständnis hinweisen.

Der Gerechtigkeit willen muss ich jedoch hinzufügen, dass die Grünen mit allzuviel Offenheit wie dem Veggie-Day so ihre Probleme hatten. Es ist nur die Frage, welcher Politiker es wagt, darauf hinzuweisen, dass „man nicht alles haben kann“. – Würth

 

Fuer die soziale Gerechtigkeit stehen die GRUENEN. NUR die GRUENEN kümmern sich. echt. um die Umwelt. Letzter Absatz! Die GRUENEN lieferten die GRUENEN- Pläne zur‘ Umweltpolitik .Die anderen.Parteien kupfern ab. Letzter Satz. Auch ihre Stimme taete der Umwelt gut, bei. intelligenter Stimmabgabe. – Klaus- Peter Ollesch

 

Jessen wirft „den Grünen“ Schwierigkeiten bei der Wahrnehmung der Realität vor, wo sie es doch ja so gut meinen! Auch ein Lernprozess wie ihre Beteiligung an der Bundesregierung ab 2021 könnte für die Bundesrepublik sehr riskant werden.

Die Grünen müssten etwas von globalen Umweltgütern und Kooperation in konkreten Zielen und Instrumenten dazulernen. Auch enorme Probleme der auch auf ihren Druck hin sinnlos ausgestalteten „Energiewende“ fallen ihnen ab 2023 in Form von wiederholten groß­flä­chi­gen Black-Outs im Winterhalbjahr ohne Kurskorrektur in der Energiepolitik dann auf die Füße.

Oder sie entpuppen sich als bessere „Trumps“ und geben anderen die Schuld, wie Ihr Autor Bret Stephens auf Seite 11 sehr gut zeigt!

Irgendwann trifft Realität unvermeidlich auf Wunschträume! Frau Baerbock und den Herrn Habeck, Krischer und Hofreiter viel Erfolg beim nötigen Dazulernen! Sonst gewinnen die echten „Trumps“ vom rechten Flügel die BT-Wahl 2025. – Prof. Emer. Dr. W. Ströbele

 

Die Grünen haben ihre klimapolitischen Ideen vorgestellt. Das eigentliche Problem gehen sie nicht an: Wohlstand für alle und Klimaschutz sind nicht zu vereinbaren. Der beste Klimaschutz die hälfte der Menschheit muss verschwinden dieses könnte die Erde so gerade noch für eine Zeit retten.

Was anderes nützt nichts denn andere Länder USA China Indien Eu Südamerika Russland und viele andere machen da nicht mit. – Ein/e Leser/in

 

Jens Jessen macht auf einen grundlegenden Widerspruch im Programm der Grünen aufmerksam. Es ist keineswegs der einzige: Ein weiterer ist zum Beispiel die Migrationsfrage. Diese Widersprüche werden aber in der Partei nicht diskutiert, sondern unter den Teppich gekehrt oder mit Floskeln zugedeckt. Man muss ja die eigene Klientel bedienen und will sonst niemanden verschrecken.

Diese Inkonsequenzen sind wohl auch der Grund, weshalb die konkreten Vorschläge der Grünen zur Lösung des Klimaproblems so zahnlos daher kommen. Es liessen sich Dutzende von Massnahmen nennen, an welche die Partei offenbar nicht denkt oder die sie verschweigt, weil sie irgendeiner Gruppe weh tun könnten. Sie alle aufzuzählen reicht leider der Raum eines Leserbriefs nicht aus… – Prof. Peter Hersche

 

So so, die Unterschichten mit ihren Saufausflügen nach Mallorca („Billigtourismus“) sind maßgeblich Schuld am Klimawandel, während sich die Wohlhabenden mit Anzügen vom Schneider und rahmengenähnten Lederschuhen, die „leicht zwei Jahrzehnte halten“, einen ökologisch schlanken Fuß machen können (besser könnten, wenn sie darauf verzichten würden, ihre Anzüge und Lederschuhe in der S-Klasse durch die Welt zu chauffieren – aber dann halten sie vielleicht keine zwei Jahrzehnte mehr …).

Über die klimapolitische Vorschlägen der Grünen liest man dagegen wenig, jenseits der „radikalen“ Forderung eines CO2-Preises von 40-60 Euro (der ja nur dem Vorschlag der Wirtschaftsweisen folgt) und zwei, drei anderen Punkten. Dabei wüsste der Leser (dem der Leitantrag ja nicht vorliegt) doch gerne, welcher ihrer Vorschläge denn „sehr geeignet“ ist, „die Globalisierung der Wirtschaft zurückzufahren“. War der Leitantrag vielleicht nicht so dünn wie die Berichterstattung darüber? – Jürgen Paeger

 

Die gespenstische Aneinanderreihung von Scheinwahrheiten macht mich als Leser ratlos. Ist es dem Autor egal, dass sich seine Behauptungen gegenseitig ausschließen? Die Wohlhabenden seien gut für das Klima, weil sie Häuser, Möbel und Autos erben und pflegen – aber die Vervielfältigung dieses Klimasegens auf alle, also die Masse in Wohlstand, sei „die eigentliche Formel der Klimakatastrophe“. Ist dies nun ironisch gemeint, soll es zeigen dass dem Klimaschutz ein reaktionärer Kern innewohnt?

Ist der Autor selbst reaktionär, oder will sich der Autor schlicht an seinem Kollegen Bernd Ulrich rächen, zu dessen Thesen zur sozialen Frage in der Klimakrise in der vorhergehenden Ausgabe N° 41? Kommt hier noch eine Auflösung? – Alfons Ott

 

„Wohlstand für alle und Klimaschutz sind nicht zu vereinbaren.“ Dieses Thema zu diskutieren ist sicher sehr wichtig. Diese These macht aber auch Angst, vielen Menschen, die befürchten, in Zukunft ihren Wohlstand zu verlieren. Und diese These lädt ein zur Wut, bei denen, die befürchten, dass ihnen Wohlstand weiterhin verweigert werden soll. Es ist ja nun einmal eine Tatsache, dass in unserer Gesellschaft und erst recht in der Welt, die wirtschaftlichen Möglichkeiten höchst ungleich verteilt sind.

Mein Vorschlag: Diskutieren wir im ersten Schritt doch einmal, was wir unter „Wohlstand“ genau verstehen. Reden wir darüber, welche Ansprüche und Wünsche sich hinter diesem Begriff verbergen. Machen wir uns Gedanken darüber, was wir wirklich brauchen, was gerne hätten und was uns eingeredet wird, dass wir es brauchen.

Brauchen wir jeder 20 Paar Schuhe und mehr? Brauchen wir immer größere Wohnungen? Brauchen wir Kreuzfahrten und Urlaubsflüge? Brauchen wir alle die großen Autos? Und vor allem: Braucht jeder alles? Könnten wir nicht alle Prioritäten setzen? Vielleicht jeder die, die ihm wichtig sind? Und dafür auf anderes verzichten?

Die These „Wohlstand für alle funktioniert nicht, wenn wir es mit dem Klimaschutz ernst meinen“, diese These lädt zur gegenseitigen Schuldzuweisung und zu unergiebigem, wenig zielführendem Streit ein.

Wir könnten es stattdessen einmal mit Differenzierung versuchen und so der Komplexität der Aufgabe gerecht werden. Und jeder Mensch könnte mal bei sich selber anfangen. Nachdenken und nicht einfach immer mehr von allem haben wollen. – Susanne Seidel

 

NIEMALS hätte ich es für möglich gehalten, einen solchen Artikel in der ZEIT zu lesen! Wow! Ich hatte Tränen der Freude in den Augen, als ich las, wie gut Herr Jessen die GRÜNEN analysiert. Wir alle werden mit ihnen noch unser böses Erwachen erleben, wenn es auch der Schlichteste in diesem Land bemerkt, wie ungerecht, undurchdacht und anmaßend Grüne Politik ist.

Nur Symptome anzugehen, reicht nicht aus. Der Artikel endet mit der Ursache – und deren Beseitigung fehlt ALLEN Verantwortlichen (jedweder politischen Couleur) der unbedingte Mut. – Heiner Birnstiel

 

Marlene wies mich heute beim sonntäglichen Telefonat auf den Artikel mit obigem Titel in der aktuellen ZEIT hin. Jens Jessen hat ihn geschrieben, einer der wenigen ZEIT-Redakteure, der ganz bestimmt nicht die Grünen wählt. Deswegen hatte den Artikel ihn nur überflogen.

Jetzt aber wird Seite 7 der ZEIT zu m Gegenstand meiner täglichen Tagebuch-notiz. Ich beginne mal mit der dritten Spalte. „Aber Wohlstand und Gerechtigkeit“ passen nicht zusammen. Diese These halte ich für falsch. Die Grünen und viele Klimaforscher (auf die unsere Groko leider nicht hören will) halten gerade einen Preis für CO2-Ausstoß für die beste Idee, um Wohlstand und Gerechtigkeit zu sichern. Michael Otto hatte kürzlich im Hamburger Abendblatt für eine effizientere Lenkungswirkung plädiert: hoher CO2-Preis bei guter Konjunktur, niedriger in Zeiten der Flaute. Aber wenigstens € 40,00 pro Tonne, also das Vierfache der von der Regierung geplanten Bepreisung.

Beispiel: Wegfall der Steuerbefreiung von Flugbenzin. Wir erinnern uns: diese Steuerbefreiung hatte Franz-Josef Strauß erfunden, weil er selbst als Flieger davon profitierte und seine privilegierten Spezis auch. Die Vielfliegerei bei Touristen ist inzwischen zur Geißel für das Klima verkommen: für € 29,00 nach Mallorca oder € 299,00 auf die Malediven.

Wenn eine saftige Kerosin-Steuer auf jeden Flugpreis aufgeschlagen würde, flögen die „Feudalisten“ weiterhin ohne Flugscham auf ihre Inseln, doch die „Kommunisten“ würden vielleicht ihre Erholung in der Lausitz suchen, wo statt der Braunkohlengewinnung neue Freizeitparks für Arbeitsplätze sorgen. Ich habe Enkel, denen ein Urlaub auf dem Bauernhof oder an der deutschen Ostsee weitaus besser gefallen hat als die Protzerei im Tauchparadies auf den Malediven.

Ergebnis: Die Ferienflieger-Flotte in Deutschland könnte vielleicht halbiert werden zum Nutzen des Klimas. Wer ist dagegen? Richtig: Airbus. Deren Facharbeiter werden dringend woanders gesucht. Und das Abschmelzen der Airbus-Gewinne würden Deutschland und Frankreich wohl leicht verkraften können. Das geplante Bürgergeld für jeden (analog zum Kindergeld ausgezahlt) diente dem Faktor Gerechtigkeit. Ähnlich könnte man die hässlich boomende Kreuzfahrtindustrie mit ihren Schweröl-Verbrennern belasten.

„Genügsamkeit bei vielen“ ist das Gebot der Stunde, nicht unbedingt „Wohlstand für alle“. Die Superreichen werden ohnehin unbeeindruckt vom Klimawandel auf ihren Yachten in der Südsee kreuzen. Die sollte man in ganz anderer Weise an den immensen Kosten für Klimaschutz beteiligen: durch eine neue Vermögensteuer nur für Superreiche:

In Deutschland leben 4.000 Bundesbürger (0,005 % von 80 Mio.), die über ein Privatvermögen von jeweils mehr als 100 Mio.€ verfügen. Wenn denen eine jährliche Vermögensteuer von 5 % zugemutet würde, kämen mehr als 100 Mrd.€ zusätzlich in die Länderhaushalte. Und diese Multimillionäre würden das überhaupt nicht als einschränkenden Verlust bemerken. Warum wehren sich eigentlich CDU/CSU und FDP und sogar die SPD (!) gegen solche einfachen Lösungen?? Wäre schön, wenn mir diese Frage Herr Jessen mal schlüssig beantworten würde.

Diese Zeilen schreibt ein 85-jähriger, der im Berufsleben gut verdient hat und jetzt durch die obszönen Bodenwertsteigerungen in Hamburg wider Willen zum Millionär geworden ist. – Jochen Dunkel

 

Ihre Erkenntnis, dass allgemeiner Weltwohlstand nicht vereinbar mit Klimaschutz sei, will ich widersprechen. Wenn Sie Klimaschaden nennen, meinen Sie CO2. Das ist jedoch unbedeutend, falls es die 1000 ppm nicht uebersteigt. Dafür gibt es keine Anzeichen.

Problematischer ist der Resourcenverbrauch, da als Vorkommen endlich. Aber auch das ist nicht klimarelevant. Mit etwas Optimismus und Zuversicht in unsere Kreativität ist das Problem loesbar: Mittels Recycling. Energieueberfluss vorausgesetzt, lassen sich alle Molekularverbindungen aufbrechen und die Urelemente wiedergewinnen. Das gilt auch fuer Reststoffe aus der Kernstromgewinnung und die Generierung flüssiger Brennstoffe aus Kohlensroff und Wasserstoff.

Also ist die Massenproduktion von Strom das zentrale Problem.Da allerdings liegen die Grünen falsch: Den Zukunftsstrom werden Sonne und Wind nicht liefern. Meine Vision ist keine pessimistische, sofern der Energieforschung keine Begrenzungen verordnet werden, und Massenwohlstand kann im Verbund mit Massenbeschaeftigung sehr wohl erreicht werden. Ob dieser Zustand Kommunisnus genannt wird, ist bedeutungslos. – Wolfgang Eckardt

 

Natürlich erfordert Klimaschutz Verzicht und Investitionen: weniger Autofahrten und kleinere Wagen, keine überflüssigen Flugreisen, z. B. in den Kurzurlaub oder zu überflüssigen Konferenzen, Messen und Ausstellungen, stattdessen Bahn- und Schiffsreisen, weniger Fleischverzehr, bessere Wärmedämmung der Häuser, mehr Solarenergie und mehr dezentrale Energieversorgung, weniger Klamotten, die fast ungetragen im Schrank hängen und schließlich im Altkleidercontainer landen, weniger zuviel gekaufte und dann weggeworfene Lebensmittel.

Wenn wir auf all das verzichten, leben wir in Deutschland immer noch im Wohlstand! Natürlich retten wir damit nicht die Menschheit, aber wir leisten unseren bescheidenen Beitrag dazu. Die meisten Inder, Chinesen, Afrikaner, Lateinamerikaner etc. können diesen Verzicht freilich gar nicht leisten: Sie besitzen fast nichts.

Aber sie könnten das – neben den materiellen Ansprüchen – größte Problem der Menschheit angehen, nämlich das Bevölkerungswachstum. Wenn auf der Erde nicht fast 8 Milliarden, sondern dank konsequenter Geburtenkontrolle nur noch eine Milliarde Menschen lebten, wären Wohlstand für alle und weltweiter Klima-, Natur- und Umweltschutz sehr wohl miteinander vereinbar. – Ulrich Willmes

 

Kritik an der Partei der Grünen gehört zum Grundauftrag für alle freien Presseorgane. Ihre Kritik aber ist etwas aus der Zeit gefallen. Nicht dass ich die Grünen verteidigen will, Kritik tut der Partei sicher gut. Aber Ihre fachlichen Darstellungen sind verzerrt, die Sie ins Felde führen, und die Schlussfolgerung daraus abwegig.

  1. Wenn der Einbau neuer Ölheizungen und Gasheizungen verboten wird, heißt das nicht, dass irgendjemand frieren muss und auch nicht, dass Fernwärme alle Probleme lösen muss. Es gibt auch Luft-Wärmepumpen, die in den allermeisten Fällen als CO2-ärmere Alternative zu Öl und Gas einsetzbar ist. (Dieses „wir müssen frieren“-Argument ist so unsäglich, weil es 1. nicht stimmt und 2. in der unterkomplexen Figur „wenn Du für FFF demonstrierst, schalte ich Dir die Heizung ab, ist ja nur konsequent“ von vermeintlich komischer Seite z Zt weite Verbreitung findet).

NB reicht im Energiesparhaus der Zukunft natürlich „ein bisschen“ Erdwärme (oder wenn dies nicht nutzbar ist die Luft-Wärme-Pumpe) aus, weil die Neubauvorschriften schon vor dem Klimapaket so hoch waren, dass ab 2020 „Fast-Nullenergie“ Pflicht wird, EU-weit.

  1. Das Elektroauto-Bashing ist leider auch etwas zu übel geraten. In der Herstellung sind E-Autos ungefähr doppelt so umweltschädlich wie Verbrennerautos, bei Ihnen liest sich das so, als seien nur E-Autos in der Herstellung umweltschädlich. Sie sind auch nicht die Autos mit der schlechtesten Gesamtbilanz. Der Vergleich vom ADAC, den man als relativ transparent und nicht parteiisch einschätzen kann, zeigt, dass E-Autos in der Klimabilanz bei dem „jetzigen“ Strommix gleichauf mit Benziner und Diesel sind, bei ca. 150-200.000 km Fahrleistung, darüber ist das E-Auto klimafreundlicher (https://www.adac.de/verkehr/tanken-kraftstoff-antrieb/alternative-antriebe/co2-treibhausgasbilanz-studie/).

Der „jetzige“ Strommix wird mit 580g/kWh beziffert, während das UBA schon für Deutschland 2018 von eher 474 g/kWh ausgeht. Wenn, wie angestrebt bis 2030 65% Erneuerbare Energien erreicht werde, sind wir dann schon bei eher ca. 300 g/kWh, was die Steigung der Geraden in der ADAC-Grafik halbiert und das E-Auto bereits nach ca. 60.000 km Fahrleistung besser dasteht als der Benziner. (Dankenswerterweise hat der ADAC auch die Kurve eingetragen, die sich bei 100% Erneuerbaren Energien ergibt, dann ist der break even bei 40.000 km).

  1. Das zwischen den Zeilen stehende Gefühl, eine konsequente Klimapolitik würde bedeuten, die Globalisierung der Wirtschaft zurückzufahren und überhaupt insgesamt einen Verlust an Wohlstand bedeuten, trifft für Heizung und Mobilität gar nicht zu (s.o.). Für Flugreisen, den Konsum tierischer Produkte und auch den massenhafte Konsum von Billig-Kleidungsstücken mag es mit einer Reduzierung einhergehen. Ob das individuell als Wohlstandsverlust erlebt werden muss, ist allerdings nicht ausgemacht. – Urban Weber

 

Ich war mir beim Lesen nicht sicher: ist das Satire? Derart polemisch gegen die Unterschicht „die mit dem Billigtourismus, der Automobil-Manie, den Wegwerfschuhen aus Plastik (..) einen guten Anteil an globaler Verschmutzung und Erderwärmung hat“ anzuschreiben: geht das noch als zugespitzt durch, mit dem Zweck des Wachrüttelns, wo es um so viel geht?

Dass Klimaschutzpolitik nicht angenehm und kuschelig ablaufen kann a la „Bin dafür, solang sich für mich nichts ändert“, scheint inzwischen klar zu sein (wofür nicht zuletzt die sture Verleugnung durch Klimawandelgegner spricht). In diesem Sinn hatte ich die Überschrift „Klimaschutz ist nicht lieb“ interpretiert, und mich wohl getäuscht: von „Superreichen mit ihren Privatflugzeugen, Megajachten“ abgesehen scheinen „Wohlhabende“ für Jessen doch irgendwie die besseren Menschen zu sein.

Fast rührend, wie aus der Zeit gefallen das Bild dieser „Wohlhabenden“ gezeichnet wird, die Anzüge beim Schneider fertigen und rahmengenähte Schuhe tragen, also wahnsinnig qualitätsbewusst und nachhaltig konsumieren würden. Da gibt es keine, denen ihr finanzieller Wohlstand ermöglicht, öfter und mehr einzukaufen (und wegzuwerfen), die Schuhe aus Plastik von einem teuren Label zu beziehen, oder sich aus Gründen des Komforts mit dem SUV durch die Städte zu bewegen. Konsumgeil?

Das sind die „Aufsteiger aus der Unterschicht“. Ein Anwachsen von „Massenwohlstand“ im globalen Maßstab heißt dann für Jessen auch allein, dass noch mehr Menschen noch mehr Trash konsumieren und Autofahren wollen, als gäbe es nicht auch in „ehemals ärmeren Weltgegenden“ so etwas wie Bewusstsein für Umweltverschmutzung, Klimawandel, etc., inklusive entsprechender Politik.

Ohne Zweifel ist es notwendig, Umwelt- bzw. Klimaschutzfragen auch mit sozialen Fragen verknüpft zu denken. Die wilde Mischung aus Klischees in diesem Artikel trägt dazu nichts bei, außer Vorurteile und altvaterische Überheblichkeit zu verfestigen. Konsequenterweise hätte der Artikel ebensogut verkürzt lauten können: „Erschlagt die Armen!“ – Miriam Klauser

 

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier, der gerne Vorsätze trifft, um diese gleich wieder sausen zu lassen. Mit dem Menschen auch noch die Umwelt retten zu wollen, „da lachen ja die Hühner“, „da lachen wir uns (lieber) tot“! – Klaus P. Jaworek

 

Klimaschutz ist nicht schrecklich. Herr Jens Jessen scheint der Meinung zu sein, dass die Deutschen lieber frieren sollten, als mit Pellets zu heizen. Wie er dazu kommt, zu vermuten dass Pellets „den Raubbau an der Natur begünstigen“ ist unklar. Tatsache ist, dass Deutschland der größte Holzpelletproduzent in Europa ist und dass diese ausschließlich aus Säge- und Hobelspänen hergestellt werden, die bei der Verarbeitung von Holz zu klimafreundlichen Produkte anfallen.

Dass in Deutschland wesentlich weniger Holz geerntet wird, als jährlich nachwächst scheint auch seiner Aufmerksamkeit entgangen zu sein. Pellets sind eine der wichtigsten Alternativen um aus der Nutzung fossiler Energie für die Wärmeversorgung auszusteigen.

Nachdem die Unterstützung der Klimawandelleugner nicht mehr so richtig funktioniert haben sie sich die Gegner der Energiewende erfolgreich darauf verlegt, die Alternativen mit Scheinargumenten kaputt zu machen. Von einem Journalisten der Zeit würde ich mir erwarten, dass er solchen Fake News nicht auf den Leim geht, egal von wem Sie vorgetragen werden. – Christian Rakos

 

Altbauerben vs. Plastikschuhverbraucher oder: Wer sollte in Klimafragen seine Hausaufgaben besser anderen überlassen? Was ist bloß los mit unserem Land,- früher sind wir mutig vorgeprescht, im Vertrauen dass die anderen uns schon folgen werden. Doch mittlerweile zeigt der Blick ringsumher,- im Kampf gegen den Klimawandel steht das arme Deutschland ganz allein auf weiter Flur.

Ok., da sind Schweden, Dänemark, die Schweiz, Frankreich, Kanada, Japan und einige andere reiche Industrieländer und achja Äthiopien, die auch was gegen den Klimawandel tun wollen, aber sonst.. ? Nichts. Niemand Was ist mit der 3. Welt?

Zugegeben, angesichts der Machtlosigkeit deutscher Außenpolitik gegenüber dem geplanten Kohlekraftwersausbau in bspw. Indien verpassen wir das 1,5 grad Ziel wahrscheinlich sowieso. Ungelegte Eier machen eben auch Mist.

Also machen wir nichts- -Es fängt ja auch kein halbwegs vernunftbegabter Mensch in einer bis obenhin vollgekoteten Strasse freiwillig damit an Hundescheissebeutel zu benutzen. Im übertragenen Sinne liegt hier noch der besondere Spezialfall vor, dass der Nachbar offen damit liebäugelt einen chronisch diarrhoekranken Köter aus dem Tierheim zu adoptieren.. Wegmachen? als einziger? Wie tief kann man sinken?! –

Das wäre ja wie beim Hasenfußrennen verlieren! Dabei sitzen wir im SUV und die andern im Trabbi! Also wäre ein Einlenken nicht nur feige, sondern auch völlig unvernünftig. Wenn die Inder nicht auf die Wissenschaftler hören, werden wir eben auch die 3 grad Marke reißen.- schwupps, 4 Grad kommen dann ganz von allein. Die Inder werden schon sehn was sie davon haben!-Ihr Land wird dann halt unbewohnbar.… wenn man den Naturwissenschaftlern glauben schenken will.

Hängt man dann irrationalerweise noch irgendwie emotional an der Bewohnbarkeit dieses Planeten, (ach diese verflixten Inder haben ja auch noch Atombomben…) sollte man sich wirklich Sorgen machen…

… Nämlich dass die Ulf Poschardts dieser Welt einen für ideologisch oder religiös verbrämt erklären. Sie wissen : Es gibt eine unsichtbare Hand, die dafür sorgt, dass Flugzeugbenzin, Putenbrusfilet und Tofuschnitzel immer im richtigen Maße vorhanden sein werden. Was das richtige Maß ist, wird nämlich durch diese unsichtbare Hand gleich mitreguliert, Planet hin oder her. Wenn manche Leute den Klimawandel wirklich so bedrohlich finden, können sie ja auf Fleisch und Flugreisen verzichten! Oder eben Ausgleichszertifikate und Biosalami kaufen, -wenn es ihnen hilft!

Ins gleiche Horn stößt offenbar auch der Autor Jens Jessen. Ihm zufolge habe sich in der etablierten Oberschicht solch klimafreundliches Verhalten längst durchgesetzt, zumindest möglicherweise, d.h. man könnte es sich leisten. Seine Empfehlung: – Auf billige Plastikschuhe verzichten und stattdessen lieber mal einen Altbau erben, den dann aber auch pflegen!

Schuld am Klimawandel ist Ihm zufolge vornehmlich die Unterschicht,- oder noch schlimmer, Aufsteiger aus derselben und deren mitgebrachtes hedonistisch- konsumistisches Protzverhalten. Dieser Eindruck kann aber auch täuschen. Nichts mag dem was man einstmals gemeinhin als „prollig“ bezeichnete so sehr entsprechen wie das klimaschädliche Jetskifahren.

Aber ob es wirklich der Hirnchirurg mit Staplerfahrervater oder doch eher der Vermieter mit Klavierunterricht in 3. Generation ist, der da übers Wasser flitzt, kann man vom weiten nicht beurteilen. Auch aus der Beobachtung vieler Flugzeuge welche Mittelmeerreiseziele ansteuern den Schluss zu ziehen, der einzelne Billigurlauber füge dem Klima erheblichen Schaden zu, weil er so häufig vorkommt, ist, wenn nicht kühn, dann doch zumindest einfach völliger Quatsch.

So weit so lustig, doch so Ernst die Lage, so einfach könnte auch die Lösung sein. Man müsste die Schäden, welche durch CO2 verursacht werden, ( laut Bundesumweltministerium 180 Euro pro Tonne) in fossile Brennstoffe einpreisen. Je spürbarer desto wirkungsvoller. Man könnte bspw. nur so viele Zertifikate ausgeben, dass keine Strafzahlungen an die EU fällig würden. Sozial verträglich geht das nur, indem man die Gelder gleichmäßig an die Bürger zurückerstattet, als sogenannte Klimadividende.

Überdurchschnittliche Emittenten zahlten dann drauf, unterdurchschnittliche bekämen Geld zurück. Die Zweiteren wären größtenteils einkommenschwache Haushalte. Diese geben zwar relativ viel für fossile Brennstoffe aus,- wenn sie ihre Wohnung heizen wollen haben sie keine andere Wahl. Laut UBA produzieren die Reichen im Schnitt trotzdem mehr CO2- und das ohne Not.

Sie reisen weiter, luxuriöser und häufiger, fahren größere Autos und heizen monatelang ungenutzte Zweitwohnungen in ungedämmten, hochgeschossigen Altbauten mit angekipptem Fenster, nur weil ihre Mütter ihnen mal gesagt haben, es könnte sonst eventuell Schimmel geben. Ja, sowas machen wirklich nur Reiche. Und es nützt ihnen auch nichts, wenn sie dabei rahmengenähte Schuhe tragen und Biosalami essen.

Würde derlei Verhalten deutlich teurer, würden bisherige Zweitwohnungsnutzer vlielleicht endlich auf Hotels umsteigen. Und Einkommensschwache könnten sich mit der Klimadividende endlich mal öfters einen neuen Staubsaugerbeutel kaufen. .. alles in allem wäre eine Klimadividende also nicht nur sozial verträglich, sie würde auch die Binnenwirtschaft ankurbeln, weshalb sogar die FDP in einer Klimadividende die beste Lösung sieht. Bleibt nur die Frage,- wieso will unsere Bundesregierung das nicht? – Ferdinand Uptmoor

 

Der Artikel legt den Finger zurecht in eine empfindliche Wunde und enthält doch auch grundlegend Falsches und wenig bis gar keine eigene Ideen. Niemand muss z.B. frieren, wenn neue Heizungen nicht mehr mit fossilen Brennstoffen betrieben werden dürfen. Hier werden in populistischer Manier unnötige Ängste geschürt. Die Wärmepumpe ist z.B. eine echte, bezahlbare, ökologisch sinnvolle Alternative, die leider in Herr Jessens Liste unerwähnt bleibt.

Die Batterien von E-Autos sind tatsächlich problematisch, aber ein hoher CO2-Preis setzt auch Anreize in Richtung anderer Antriebe, z.B. mit Wasserstoff oder seinen Derivaten. Zudem zwitschern die Vögel von den Dächerns, dass Autos, Haushaltsgeräte und viele andere Gebrauchsgegenstände durch Soll-Kaputtstellen in ihrer Lebensdauer willentlich begrenzt werden, um Wachstum zu erzeugen. Das scheint mit schwerwiegender als vieles andere in Herrn Jessens Artikel, bleibt aber leider unerwähnt.

Dass Deutschland alleine das Klima nicht rettet, ist eine hilflose Plattitüde. Vielleicht könnte Herr Jessen ja ein anderes Land nennen, dem er die Vorreiterrolle eher zutraut. Am schwersten wiegt jedoch die Weiterverbreitung des Irrglaubens, ein „Wohlhabender“ könne sich einen schmaleren ökologischen Fußabdruck leisten als ein „Armer“. Das ist tausendfach widerlegt.

Rahmengenähte Schuhe und maßgeschneiderte Anzüge mögen teure, ökologisch sinnvolle Alternativen zu Billigprodukten sein, können einen in der Summe erheblich größeren Flächen- und Energieverbrauch der „Wohlhabenden“ aber keinesfalls kompensieren. Nach dieser Logik würde eine wohlhabende Gesellschaft von Haus aus umweltfreundlicher leben als eine arme Gesellschaft. Dann wäre die „Masse in Wohlstand“ ja gar kein Problem, sondern eher die Lösung. Aber gerade auf dieses Problem zielt der Autor in seinem Fazit, und das – nach einem verkorksten Prélude – völlig zurecht.

Die Kritik an den Details ist aber nicht das zentrale Anliegen meiner Zuschrift. Ich wünsche ich mir weniger Fatalismus und mehr Ringen um eine Lösung. Wir müssen weg davon, die Ideen Anderer genüsslich oder zynisch zu demontieren, ohne sie gleichzeitig weiterzuentwicklen oder konstruktiv zu korrigieren. Es reicht bei Herr Jessen am Schluss nur zum Allgemeinplatz, dass die Globalisierung der Wirtschaft zurückgefahren werden müsse. Das ist – gelinde gesagt – zu wenig. – Dr. Christian Voll

 

„An erster Stelle all unserer Überlegungen sollten Innovation und Technologieoffenheit stehen“ so kürzlich die Worte von Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil. 70.000 to Braunkohle werden in der Lausitz tagtäglich aus der Erde geholt. Und für die Stromproduktion verbrannt. Beim Verbrennen von 1 to Braunkohle wird ca. 1 to CO2 produziert.

Da macht es wenig Sinn, das E-Auto zu propagieren. Egal, ob es zukünftig vereinzelt mit 400- oder 800-Volt-Technologie betrieben werden soll. „Das E-Auto gehört wegen der Schädlichkeit der Batteriebestandteile, des Energiebedarfs bei ihrer Produktion und der fragwürdigen Rohstoffbeschaffung zu den Vehikeln mit der ökologisch schlechtesten Gesamtbilanz. Im Betrieb sind sie sauber, alles andere an ihnen ist schmutzig“. (DIE ZEIT Zitat Ende)

Als Interimslösung hat der Plug-in-Hybrid eine Daseinsberechtigung, solange, bis die Wasserstoff-Brennstoffzellen-Technologie zur Serienreife entwickelt ist. Mehr Fürsprecher in der Industrie für Technologieoffenheit, das könnte vielleicht die Lösung sein.

Für kurze Reichweiten ist das E-Auto geeignet, dann aber mit einer Wallbox in der privaten Garage. Die Idee, bis 2030 in Deutschland 10 Mio Akku-E-Autos im Bestand zu haben und dafür Milliarden-Investitionen für Ladesäulen im öffentlichen Raum zu tätigen, geht in die falsche Richtung. – Bernd R. Bahle

 

Ich lese immer wieder vom Verbot des Verbrennungsmotors. Mit dem Ende des Diesel- und des Ottomotors (Benziner) ist das Ende des Verbrennungsmotors und seiner Komponenten noch nicht gekommen. Man kann auch Wasserstoff verbrennen und da gilt: wie mein Chemielehrer Dr. Tadros immer gesagt hat:

„Die Hauptesache iste am Ende kommt immer Wasser raus“. Parallel dazu muss natürlich auch das Elektroauto, auch in Verbindung mit einer Brennstoffzelle, weiterentwickelt werden. Der benötigte Wasserstoff kann ökologisch aus überschüssigem Strom durch Elektrolyse erzeugtwerden. – Thomas Miesel

 

Es gibt eine neue interessante Lösung: Man gibt die Verantwortung den einzelnen Personen, Verbrauchern ab. Der Konkurrenzkampf wird zur Zusammenarbeit. Keiner muss den anderen Kollegen übertrumpfen. Alle Menschen sind gleichwertig.

Zielansprache: wir brauchen den Frieden, wie in Europa, ohne Gebrauch von Schusswaffen und Bomben. Wir können ein Friedensfest planen und andere Menschen mitziehen. Vorbild: Wiedervereinigung ! siehe Datei : Wirkungsweise BRD, DDR Unser Eiweißcomputer zwischen den Ohren ist besser als jeder Nachbau. Er kann sich auf Neues einstellen und kann Bewerten. Der Mensch kann sich ändern, z.B. Richtung Zusammenarbeit = Frieden !!! Das Thema: Kunststoff sparen, ist jetzt, heute in aller Munde. Das Thema: Sich und andere achten, als wertvollen Menschen, kann auch soweit kommen. Das wäre Frieden. Nachdenken ist Glücksache ? Wenn jeder an sich denkt, ist an alle gedacht ???

Die Summe der Arbeiten einer Arbeitskette sollte minimiert sein. Meine private Doktor – Arbeit heißt: „Frieden erreichen“ Als Maschinenbauer lasse ich Unwesentliches weg und vereinfache. Vor 30 Jahren gab es eine friedliche Revolution von unten. War es die Generalprobe für die Welt grenzenlos ? Wir können Menschen im Krieg und Hunger geistig unterstützen. Es gibt das Ziel: F R I E D E N! Das wird mit einer einfachen, besseren Übertragung ( Übersetzung ) erreicht.

Die Christen feiern das Weihnachtsfest aus der Geschichte. Alle anderen Menschen feiern zur Sonnenwende ein FRIEDENSFEST : Richtung Zukunft. Das ist der Anstoß für einen Frieden. Das Ergebnis ist kein Paradies, kein Kommunismus, sondern Frieden zwischen Menschen. Dieser Frieden löst mindestens 50 % der Probleme zwischen Menschen. Menschen untereinander können besser zusammenleben, als sich das Regierende denken können. Machthaber brauchen wir nicht mehr. Konfrontation, Konkurrenzkampf wird zur Kooperation. – Josef Francken

 

Der Satz “ …womit der Billigflugtourismus ein Ende fände, der zu den klimaschädlichsten Freiheitvergnügen überhaupt gehört.“ stimmt zwar, doch sollte ein anderes genauso klimaschädliches Freizeitvergnügen hier erwähnt werden, das angeblich genauso viel CO2 produziert wie der gesamte Flugverkehr: das Chatten im Internet. Wann fangen wir endlich an, das Klimaproblem rundherum zu diskutieren? – Dr. Ursula Augener

 


 

 

Leserbriefe zu „Goethe, mir graut’s“ von Anna-Lena Scholz

 

In Goethes Tragödie, Erster Teil, Szene „Vor dem Tor“, kann der gebildete Bürger das Gespräch zweier Bürger lesen: „Nichts Besseres weiß ich mir an Sonn- und Feiertagen, Als ein Gespräch von Krieg und Kriegsgeschrei, Wenn hinten, weit, in der Türkei, Die Völker aufeinanderschlagen.“

„Sie mögen sich die Köpfe spalten, Mag alles durcheinandergehen; Doch nur zu Hause bleib’s beim alten.“ Hier zitiert nach: Goethes Werke in zehn Bänden. Herausgegeben von Reinhard Buchwald. Zehnter Band. Weimar 1957. Seite 34.

Aktueller kann Literatur nicht sein. Im Beitrittsgebiet wurde „Faust, Teil 1“ 15-jährigen, d.h. der 10. Klasse, vorgesetzt. In der 11. war dann der zweite Teil dran. Da gab es auch noch den „Nathan“ und den „Don Carlos“. Ich kann mich auch noch an den „Kaukasischen Kreidekreis“ erinnern. In diesem Sinne hoffe ich, noch mehr von Ihnen lesen zu dürfen. – Dr. phil. Kurt-Uwe Baldzuhn

 

Super! Da greife ich zur neuen Ausgabe der ZEIT und was finde ich auf der Titelseite? Genau das Thema, das ich für meinen Grundkurs Deutsch an einem saarländischen Gymnasium brauche: Einen Kommentar zum Lesekanon für Abiturienten, der genau die Lektüren abhandelt, die in diesem Schuljahr für meinen Deutschkurs 11 vorgesehn sind, nämlich Lessings Nathan der Weise und Goethes Faust.

Einen besseren und motivierenderen Einstieg in beide Lektüren könnte ich mir gar nicht vorstellen. Mit diesem ZEIT-Beitrag möchte ich meine Schüler , wie im Text vorgeschlagen, zur Lektüre dieser beiden Klassiker „verführen“ , aber auch zur Diskussion über die heutige Relevanz solch klassischer Texte anregen. Ich freue mich auf weitere interessante Beiträge. – Mia Herber

 

Ob Faust oder Nathan, es gilt Schopenhauers Erkenntnis: Mit dem Lesen ist es wie mit dem Essen, man kann nicht alles bei sich behalten, aber man wird doch was man ist ! – Burkhart Asbeck

 

Ich habe in meiner Gymnasialzeit sowohl den „Nathan“ wie auch den „Faust“ lesen müssen. Beides hat nicht geschadet – im Gegenteil . Aber warum soll Nathan heute den aktuelleren Bezug haben? Die Frage der Religionen, wie in der Ring Parabel dargestellt, ist heute so aktuell wie zu Lessings Zeiten, und die Frage, was die Welt im Innersten zusammenhält, nicht minder. Man sollte also nicht Goethe gegen Lessing ausspielen. – Reinhard Herschbach

 

Ich möchte Fr. Scholz aus vollem Herzen zustimmen. Mein Abi war 1970 in NRW, ich habe meinen Magister u.a. in Germanistik gemacht. Natürlich mussten wir den Faust I lesen – damals hat mich die Sprache beeindruckt, die anderen in meiner Klasse fanden den Text öde. Dennoch sind wir alle verantwortungsbewusste Staatsbürger geworden. Geliebt haben wir den Hamlet, den wir bei einer wunderbaren Lehrerin in deutscher Übersetzung gelesen haben.

Ophelias Selbsttötung als Reaktion auf Hamlets Ablehnung, das hat uns berührt. (Wir waren eine reine Mädchenklasse.) Wir haben auch den Nathan und Maria Stuart gelesen, lieber als den Faust. Ich bin sicher, der Aktualitätsfaktor hilft Schüler zu motivieren, und der Literaturkanon sollte unbedingt flexibel gehandhabt werden.

Wer mit Widerwillen liest, wird später wohl eher einen Bogen um die Klassiker machen als sie zu lieben. Auch ohne den Faust als Pflichtlektüre kann guter Unterricht die Liebe zum Lesen befördern. (Ich gestehe: auch heute ist mir Schiller lieber als Goethe.) – Eva Kaiser

 

Wir, Jahrgang 1957, haben im Deutsch-Leistungskurs Desiree gelesen. Was sich unser Lehrer dabei gedacht hat weiß ich bis heute nicht. Aber ich weiß, dass es Spaß gemacht hat und man muss keine Klassiker gelesen haben, um zur Leserratte zu werden. Ich glaube auch nicht, dass alle anderen Haupt-und Realschüler Bekanntschaft mit Goethes Faust gemacht haben. Bitte schreiben Sie deshalb nicht, dass alle diesen Text gelesen haben. – Rüdiger Weigel

 

Sicherlich ist es ein Aspekt eines Bildungskanons, Gesellschaften durch geteilte Projektionsflächen zu verknüpfen. Andererseits wäre der einzelne Schüler restlos überfordert, müßte er selbst alles lesen, was zu diesem Kanon gehören sollte. Zudem verbindet Literatur als Gesprächsstoff weit besser als in Form von gemeinsamem, erworbenem Wissen, weshalb es sinnvoll ist, den Bildungskanon einerseits offen zu gestalten, andererseits auf mehrere Träger zu verteilen.

Dann könnte beispielsweise der Nathan-Abiturient den Faust-Kenner darauf hinweisen, daß zu Ende des Nathan alle Blutsverwandten glücklich vereint sind, Nathan aber außen vor bleibt. Entsprechend klassifizierte Lessing sein Werk nicht als Komödie und tatsächlich ist der Kontrast von Blutsbande und Humanismus in Zeiten des wiederkehrenden, völkisch definierten Nationalismus hochaktuell. – Sören Schlegel

 

In den Jahren 1966 und 1967 gab es in Niedersachsen zwei Kurzschuljahre. Ich befand mich zu dieser Zeit in den Klassen 12 und 13 und hatte einen jungen Deutschlehrer (erste Stelle nach dem zweiten Staatsexamen), ein nicht nur aus heutiger Sicht eher steifer und konservativer Mensch.

Irgendwann zu Beginn des Jahres 1967 gab er kund: „Ach ja, wir müssen ja auch noch den „Faust“ lesen. Dazu habe ich eigentlich gar keine Lust.“ Die sehr kursorische Lektüre startete dann sogar erst nach den schriftlichen Abiturprüfungen.

Alles, was ich heute über „Faust“ weiß, stammt demnach überhaupt nicht aus der Schule, sondern tauchte zu verschiedenen Gelegenheiten in meinem Lebenslauf auf, einschließlich der bekannten Zitate. Hat’s mir oder meiner Bildung geschadet? Eher nicht. Dafür aber hat es uns damals vor dieser Lektüre gegraust. „Tröstlich“ ist für Frau Scholz “die Vorstellung, dass alle irgendwann einmal den gleichen Text gelesen haben. Dass alle ihn kennen: den Zweifel darüber, was die Welt im Innersten zusammen hält.“

Das ist dann doch sehr bildungsbürgerlich, man könnte auch sagen: elitär, gedacht, wie aus dem Text von Frau Scholz allerdings auch hervorgeht. In meiner Alterskohorte haben ca. 15% das Abitur gemacht. 2018 sind es ca. 40 Prozent gewesen, regional sehr unterschiedlich verteilt, zwischen 32% in Bayern und 54% in Hamburg. Das sind auch noch immer nicht „alle“. Von dem Abiturientenanteil an der Gesamtbevölkerung aus den Jahrzehnten vor meinem Geburtsjahrgang möchte ich gar nicht erst reden.

Schließlich: Noch nie war „Faust“ Pflichtlektüre in allen Schulformen. Von wessen Identität ist demnach die Rede? Unterstreichen kann ich das Fazit, das Frau Scholz am Ende zieht: Es kommt nicht auf den Autor oder das Stück Literatur an, sondern darauf, dass „die Schule dazu verführt, überhaupt zu lesen, ein Leben lang.“ – Roswitha Ristau

 

Ach ja, im Eise verschlossen ist faustisches Streben – wer taut es auf?Es reicht doch alle vier Jahre Faust I zu lesen und manchmal zu verstehen.Nicht jeder Schüler muss ein „Fäustling“ werden. Welche Seele schließt noch einen Pakt mit Mephistopheles ? „Heinrich! Mir graut’s vor dir!“ Gretchen weint noch immer.„Nun sag, wie hast du’s mit der Religion?“ Aufklärung: Aberglaube mit Mephisto !

Welch ein Anachronismus! „Besonders lernt die Weiber führen.“ Das hören Feministinnen gar nicht gern. Faust-Abstinenz tut gut. Und die Erde dreht sich doch. Das der „moderne“ Mensch sich selbst zum Ziel hat und immer an seiner Begrenzheit gebunden ist, ist Erfahrung seines streberhaften Tuns. Er kommt nie an! Endlos!

Erkennen wir Zeitgenossen uns darin wieder? Schafft Faust Identität?Schulunterricht oder Oberseminare können (Welt-)Literatur zerstören. Können sie dazu verführen, „überhaupt zu lesen, ein Leben lang, vielleicht sogar den Faust“?Der eigentliche Gehalt hat sich auf Zitate reduziert.

Faust II liest und versteht ‚fast‘ keiner. Ich kenne niemanden; doch drei Germanisten, die haben es FAUSTdick hinter den Ohren. Sie lesen ihn mit Kommentar im Kommentar kommentiert.Begabte Konkurrenten wie Kleist, Hölderlin oder J. Paul hat Goethe völlig verkannt.Mit Kritik war Herr Goethe nicht zimperlich. Nach seinem Tod war er fast vergessen, Schiller war sprachmächtiger und wurde mehr geschätzt.

In den vier Jahren der Abstinenz könnte jedes Jahr mindestns ein Gedicht von Goethe gelesen und verstanden werden. Nicht so gewaltätige Gedichte wie „Sah ein Knab ein Röslein stehn“ oder der „Erlkönig“. Schmelzend bzw. dramatisch gesungen verharmlosen sie nur. . (Meine Kinder haben weder Faust noch Gedichte von Goethe am Gymnsium gelernt.) Es reicht doch „Der Zauberlehrling“ oder „Der Fischer“. „Gedichte sind gemalte Fensterscheiben“ heißt ein Gedicht von Goethe. Reinigen wir sie von Staub und Patina.

In der Bundeskunsthalle Bonn war bis September die Ausstellung zu sehen: „Goethe. Verwandlung der Welt“. (Immer die Höchststufe!) In ‚Goethes Garten‘ auf dem Dach der Kunsthalle verliefen sich ein paar Besucher. Ein Vater mühte sich redlich, seinen halbwüchsigen Kindern zu erklären, wer der Mann Goethe war. Die Kinder schauten aufmerksam Richtung Siebengebirge. Junge Frauen zupften Kräuter.

Im Saal ‚Dialoge mit dem Orient ‚ hörte ich auf Hafis Stuhl seine Gedichte auf Persisch, eine klangvolle Sprache. Goethes Stuhl gegenüber blieb leer. Die „große“ Ausstellung mit Hunderten von Exponaten war fast menschenleer. Sie war aber auch anstrengend!Also, lest Goethe – aber zur rechten Zeit. „Ein jeder lernt nur, was er lernen kann.“- Udo Houben

 

»Tröstlich, dass alle irgendwann einmal den gleichen Text gelesen haben.« Alle? Also auch Hauptschüler, Realschüler, Realschul+-Kinder, Förderschulkinder,… »Das alle ihn kennen: Den Zweifel darüber, was die Welt im Innersten zusammenhält.« – Volker Homann

 

Die Antwort auf die Frage „Faust“ oder „Nathan“ kann nur lauten: Beide! Wir hatten in meiner Oberschulzeit in der DDR am Anfang der fünfziger Jahre eine Leseliste, die noch weitgehend dem tradierten bürgerlichen Bildungskanon entsprach und aus der wir für Referate im Deutschuntericht die Auswahl treffen konnten. Daß der Neulehrer uns weismachen wollte, daß Goethe im 2. Teil des „Faust“ die Großbauten des Kommunismus vorausgesehen habe, quittierten wir mit höhnischen Bemerkungen.

Die jetzige Fragestellung ist ein Beispiel für die Auswüchse der föderal strukturierten Schulpolitik, wie sie mir auch von Autoren der einschlägigen Schulbücher berichtet wurden. Für die Zulassung eines Lesebuchs zur deutschen Literatur um 1800 in einem Bundesland war es am wichtigsten, daß die Zahl der Autorinnen und Autoren numerisch gleich war. Lehrplanänderungen führten dazu, daß einem Autor der verfügbare Platz für die Zeit der Weimarer Republik und des Nationalsozialismus um die Hälfte gestrichen wurde! Das geschah zwar schon vor mehr als zehn Jahren, aber die Folgen dieser Geschichtsvergessenheit spüren wir heute. In diese Aufzählung gehört auch der Umgang mit der Entwicklung einer Handschrift, die mehr ist als die mehr oder weniger geschickte Aneinanderreihung von Druckbuchstaben.

Bei allem Respekt für die föderale Verfassung der Bundesrepublik – das historische, literarische und künstlerische Erbe unseres Landes bildet eine Einheit und darf nicht zum willkürlichen Experimentierfeld der Kultusbürokratie verkommen. – Dr. Karl Klaus Walther

 

Nur eine Anmerkung am Rande: Ich habe 1987 mit Deutsch Grundkurs in Hessen Abi gemacht. Auch bei uns gehörte der Faust nicht zum Kanon. Lessings Nathan übrigens auch nicht. Stattdessen gab es die Wahlverwandtschaften als einzigen Goethe, auch mal zwei Shakespeare sowie Mutter Courage, und – damals eine Qual – Anton Reiser., ansonsten viel Dürrenmatt, Böll.

(Und vermutlich noch ein oder zwei andere Werke, die mir nicht mehr im Gedächtnis sind, aber das war es). – Das Thema ist also keineswegs so neu, wie Sie schreiben. Jedenfalls – hier meine Zustimmung – fand ich auch schon damals, dass durchaus etwas mehr Klassik in der Deutschstunde Platz gehabt hätte, und habe den Faust, den Nathan und anderes deshalb nach dem Abi in der freien Zeit bis zur Ausbildung im Freibad gelesen. – Carola Kamuff

 

Die geschriebenen und ungeschriebenen Gesetze und Gesetzmäßigkeiten der Gesellschaft, in der ich lebe, sollte ich kennen und verstehen. Die Akzeptanz menschlicher Schwäche und Unzulänglichkeit zudem, wie sie uns etwa Goethe oder Lessing darzureichen vermögen, erhebt das Ringen von Vernunft und Einsicht zu Verstand gewiss auf eine höhere Ebene sozialer Kompetenz.

Für das Begründen und Bewahren einer global humanen Identität halte ich gemeinsames Wissen (z. B. bzgl. Klima/Umwelt) hiernach für außerordentlich wichtig. Die Identitätsbildung eines Volkes mittels Kanon (nationaler) Literatur indes, obgleich freilich in höchstem Maße respektabel, steht dem in zunehmenden Maße einsehbar nach. Wobei mir Goethes Mahnung natürlich durchaus bewusst ist: „Es irrt der Mensch, solang‘ er strebt.“ – Ira Bartsch

 

Sehr guter Artikel auf der Titelseite! Literatur ist für die Menschheit und für den Einzelnen wichtig. Würden wir mehr lesen, gäbe es weniger Intoleranz, Rassismus, Dummheit etc. – Petar Deronja

 


 

Leserbriefe zu „Große Klasse“ von Martin Spiewak

 

Schon seit über 40 Jahren wird in den Schulen nur Murks angeboten. Die Kultusministerkonferenz betrachtet die Bildung nur als notwendiges Übel. Ich habe durch meine Kinder hautnah erleben müssen wie gleichgültig die Pädagogen den Unterricht geführt haben.

Ich kann nur für Bremen und Nordrhein-Westfalen sprechen. In NRW, nähe Düsseldorf, war ich eine zeitlang im Elternbeirat tätig. Ich habe heute noch eine Wut über unsere Schulkultur. Das habe ich ihrem Blatt schon des öfteren geschrieben. Die meisten Beiträge haben die wesentlichen Baustellen und die Gründe des schlechten Abschneiden bei den Pisa-Zahlen nicht Mal im Ansatz den Lesern bekannt gemacht.

Ich habe weniger darunter gelitten, weil ich alle meine Kinder auf Privatschulen geschickt habe. Aber wer kann sich das von den Eltern der Schüler schon leisten. Heute sieht man das allerorten. Die Politik leidet darunter, weil die gebildeten Menschen fehlen, die in der Lage wären einen Staat richtig zu führen.

Es fehlen heute schon Persönlichkeiten und das wird sich noch verstärken. Die Soziologin Brigitte Witzer hat als eine der wenigen Wissenschaftlerinnen das Desaster unserer Bildung in ihrem Buch: „Die Diktatur der Dummen“ beschrieben. Unsere Politik und im Schlepptau die Medien. verabreichen den Bürgern genau dieselbe Dummheit in der sie selbst verfallen worden sind.

Und ich mache besonders die Partei der Grünen dafür verantwortlich. Fast jede Lehrerin sympathisiert mit dieser Partei. Das war für mich nichts Neues. Die Lehrerinnen geben das auch offen zu. Mir war das bekannt, daß diese Partei vorwiegend von Beamten ihre Wähler speist. In NRW sind sie dafür auch abgewählt worden. Selbst für die Eltern, die sich kaum für die Schule ihrer Kinder interessiert haben, war das zu viel.

Es ist für Profis eine Binsenwahrheit: Wenn die Politik überhöhte moralische Standarts das politische und gesellschaftliche Handeln bestimmen lassen, machen wir uns etwas vor. Ihre Redaktion sah sich nicht veranlasst, wenigstens einen Leserbrief von mir zu veröffentlichen. Damit die Leser erfahren, wie es in den Schulen zugeht. Das spricht auch nicht unbedingt von Weitsichtigkeit.

Der nächste große Fehler ist jetzt wieder zu beobachten. Durch die hohe Anzahl von Flüchtlingen werden die Schulen für die einheimischen Schüler wiederum geschwächt. Deswegen lebe ich heute im Ausland (Singapur), das Paradis auf Erden. Deutschland hat unter den Industriestaaten keine Zukunft, weil sie politisch auf dem letzten Loch pfeift.

Die Zeiten des Export-Weltmeisters sind vorbei. Es fehlen einfach die Persönlichkeiten. Die Politiker in Singapur sehen das ähnlich. Ich besuche immer mal wieder Deutschland, einen zweiten Wohnsitz habe ich allerdings in Österreich (Salzburg) aus Klimagründen – Deutschland tue ich mir nicht mehr an. Zum Kanzler Sebastian Kurz habe ich mehr Vertrauen. Das Frau Merkel immer noch Bundeskanzlerin ist, ist ohnehin ein Weltwunder. Eine völlig überforderte Person für ein Staatsamt. – Gunter Knauer

 

Fast in jeder Augabe der Zeit findet sich ein Artikel über den hierzulande herrschenden Lehrermangel. Diese Artikel zu lesen macht mich unendlich traurig, was Sie angesichts meiner Biographie sicher verstehen werden: Gerade 18 Jahre war ich geworden, als ich 1978 mit dem jahrgangsbesten Abitur die Schule verließ und, nein, zum Erstaunen aller meiner Lehrer, nicht Medizin sondern Lehramt für die Primarstufe studierte. Das konnte man damals noch mit einem „Gerade-mal-soeben-geschafft-Abitur“ an der Pädagogischen Hochschule Rheinland-Abteilung Bonn- studieren.

Für Einser-Abiturienten war meine Entscheidung ziemlich ungewöhnlich, aber sie kam aus voller Überzeugung, hatte ich doch schon während meiner Schulzeit Nachhilfe gegeben und im Halbinternat meines Gymnasiums gearbeitet.

Das Studium gehört zu den schönsten Zeiten meines Lebens, schon im 3. Semester wurde ich ins Doktorandenseminar von Frau Professor Ader eingeladen, im 5. Semester hatte sich das Thema für die Doktorarbeit herauskristallisiert. Besonders schön war, dass auch mein jetziger Mann dort studierte -Lehramt für Sekundarstufe 1-, auch er aus Überzeugung mit einem Abitur von 2,0, nicht mangels anderer Möglichkeiten und auch er mit größtem Erfolg.

Getrübt wurde diese schöne und erfolgreiche Studienzeit nur durch Meldungen über drohende Lehrerarbeitslosigkeit. Der erste Schlag kam dann im 4. Semester, als die Referendarzeit von einem auf zwei Jahre verlängert wurde, die Einstellung dazu nur einmal im Jahr erfolgte, und der Einstellungstermin und die entsprechenden Bewerbungsfristen so gelegt wurden, dass eine einjährige Wartezeit zwischen Studium und Referendarzeit entstand.

Wir studierten so schnell wie möglich, ich meldete mich zum frühstmöglichen Termin zur Prüfung an, musste deswegen noch beim Leiter des staatlichen Prüfungsamtes eine Genehmigung einholen, denn so früh hatte bisher noch niemand das Examen angemeldet.

Im Juni 1982 hatte ich das erste Staatsexamen mit der Note 1,5 bestanden, gerade mal 22 Jahre alt. Nun hieß es ein Jahr lang warten. Ich blieb immatrikuliert, betrieb meine Promotion und erteilte Nachhilfeunterricht. Im Juni 1983 machte mein Mann das erste Staatsexamen mit der Note 1,0 und ich trat mein Referendariat in Köln an. Auf Anraten meiner Professoren entschied ich mich dazu die Promotion ruhen zu lassen, denn die PH Rheinland war inzwischen aufgelöst worden – wir hatten ja zuviele Lehrer!- und jeder, der zu diesem Zeitpunkt noch nicht habilitiert war, hatte keine Chance mehr eine Stelle an der Uni zu bekommen. „Gehen Sie an die Schule, wir brauchen auch an den Schulen gute Leute.“,das waren die Worte mit denen Prof. Carsten mich verabschiedete.

Auch meinem Mann war damit eine Unilaufbahn verwehrt, er verabschiedete sich von seinen Promotionsplänen, übernahm meine Nachhilfeschüler als ich ins Referendariat ging, unterstützte mich, wo es eben ging und arbeitete weiter in der Kneipe, wo er schon während des gesamten Studiums gearbeitet hatte. Was in den folgende 4 Jahren kam, war die Hölle.

Man versuchte mit großem Erfolg die Referendare fertig zu machen. Schon bei der Begrüßung hieß es:“Sie haben keinerlei Aussichten darauf eine Stelle zu bekommen, wenn sie einen anderweitigen Job haben, behalten sie den besser als das Referendariat zu machen. Sehen sie zu irgendwo einen Job zu bekommen- hier haben sie garantiert keine Chance.“

Mobbing, das Wort gab es damals noch nicht, war das Mittel der Wahl aber auch sexuelle Übergriffe kamen vor. Ich hatte das Glück, dass meine Fachleiterin ebenfalls im Doktorandenseminar war und wir uns seit Jahren kannten, sie hat getan, was sie konnte um das Schlimmste zu verhindern.

So konnte ich mein 2. Staatsexamen trotz aller Widrigkeiten mit 2,5! machen, während mein Studienkollege, der das erste Examen ebenfalls mir 1,0 abgelegt hatte, beim 2. Staatsexamen durchfiel.

Mein Mann musste die Referendarzeit in Gelsenkirchen antreten, wo er auch niemanden kannte, er wurde gezielt gemobbt und fertig gemacht, war körperlich und nervlich am Ende und fiel durch das 2. Staatsexamen. Es folgte ein 3. Jahr Referendarzeit mit gekürztem Gehalt, ich hatte auch keine Stelle aber dafür ein Kind. Wir waren am Ende.

Mit viel Glück bekam mein Mann eine Stelle im öffentlichen Dienst, er musste umschulen, und es hat lange gedauert bis er ein dem Lehrerberuf vergleichbares Gehalt bekommen hat. Wir haben es dennoch geschafft zwei Kinder zu erziehen, leider hat für mehr, die wir gerne gehabt hätten, das Geld nicht gereicht.

Mit 37 Jahren habe ich dann eine Stelle im Schuldienst bekommen, aber ich habe es nicht mehr geschafft in den Beruf zu finden, konnte mit der Methode „Schreibe wie du sprichst“ absolut nichts anfangen, ja mehr noch, ich konnte und wollte es nicht verantworten Kinder so zu unterrichten.

Ich habe eine Fortbildung zur Legasthenietherapeutin gemacht und die armen Kinder, Opfer dieser Methode, Opfer auch des zu frühen Englischunterrichts so gut es geht versucht in den allenthalben aus dem Boden schießenden Nachhilfeschulen aufzufangen.

Meine Kinder habe ich gut und erfolgreich durch die Schule begleitet. Der ältere ist Journalist geworden, der jüngere Lehrer. Einserabitur. 1. und 2. Staatsexamen mit der Note 1. Lehramt Gymnasium, Latein, Geschichte. Seit drei Jahren Vertretungslehrer.

Er wohnt mit seiner Freundin noch immer in der Studentenwohnung, möchte gerne eine Familie gründen, aber ihm fehlt die Sicherheit einer Festanstellung. Noch nicht mal umziehen lohnt sich, weiß er doch nicht, wo ihn seine nächste Vertretungsstelle hinverschlägt.

Ja, er könnte jederzeit eine Stelle als Grundschullehrer haben, aber das hat er nicht gelernt, das traut er sich nicht zu. Er studiert jetzt noch Philosophie, und eh ich es vergesse, ja, er hat auch eine Doktorarbeit angefangen, aber auch an der Uni sind die Aussichten auf eine Festanstellung schlecht. Und vielleicht ist es auch ganz gut, dass wir noch keine Enkel haben, Ich möchte es wirklich nicht erleben, dass sie unter den herrschenden Umständen zur Schule gehen müssen. – Regine Licher

 

Zum Thema Unterrichtsversorgung bzw. Lehrerversorgung hatte ich bereits zum Artikel in der Zeit N° 41 folgenden Leserbrief geschrieben, der auch noch wieder zu Ihrem Artikel passt: „Schaden Seiteneinsteiger den Schulen“? Ja und nein, beide haben Recht:

Ja: Wenn man Fachkräfte ohne jegliche pädagogische Ausbildung und ohne Eignungsprüfung als Laien-Lehrer in die Schulen holt, richtet man mahrfachen Schaden an: Man beschädigt das Berufsbild des Lehrers (kann ja jeder!), man benachteiligt alle betroffenen Schülerinnen und Schüler, besonders die Leistungsschwächeren (fehlende pädag. Kompetenz!), man belastet die Kollegien (zusätzliche kollegiale Hilfen etc.) und man untergräbt das Ansehen des Lehramtsstudiums und dessen Notwendigkeit (geht ja auch ohne langes Fachstudium mit anschließendem Referendariat!)

Nein: Wenn man geigneten Fachkräften und Persönlichkeiten die Möglichkeit gibt, als Spätberufene eine solide päagogische Zusatzqualifikation an den Ausbildungs- und Studienseminaren, unter Einschluss finanzieller Anreize, zu erlangen, dann werden diese qualifizierten und sicher auch hoch motivierten Seiteneinsteiger ein Gewinn für alle, für die Schülerinnen und Schüler, die Kollegien, die Schule insgesamt, den Berufsstand und die Gesellschaft.

Dann und nur dann werden Seiteneinsteiger zu einem dringend erwünschten und benötigten Erfolgsmodell bei der Versorgung der Schulen mit geeigneten Lehrkräften. Die jetzige Praxis, pädagogische Laien als vollverantwortliche Lehrkräfte im normalen Schulunterricht einzusetzen, ist eine fatale Notlösung, unverantwortlich gegenüber den Schulen und den Betroffenen, für die es keine Begründung oder Rechtfertigkeit gibt!

Man stelle sich vor, der Mangel an Richtern würde in den Gerichten durch Laien ersetzt mit der Begründung, jeder könne ja den Gesetzestex lesen und zur Be- und Verurteilung reiche schließlich der „gesunde Menschenverstand“. Das würde – zu recht – nicht nur bei der Richterschaft zum Aufschrei führen! Sie geißeln zurecht die Versäumnisse der rechtzeitigen Lehrerausbildung, die leider kurzfristig nicht zu beheben sind, und schlagen einige Radikallösungen vor. Ich würde die Liste noch um zwei oder drei Maßnahmen erweitern:

1) Vorübergehend verkürzte Ausbildungszeit: Lehrerinnen und Lehrer für das Lehramt an Grundschulen (früher in Nds. auch Hauptschulen) mit 6 Semester Studium an der PH mit sofort anschließendem vollem Unterrichtseinsatz und begleitender schulpädagogischer Ausbildung in wöchentlichen Arbeitsgemeinschaften wurden keineswegs schlechte, unqualifizierte Lehrkräfte.

Während des Lehrermangels in den 60er und 70er Jahren wurde die Referendarsausbildung für Gymnasien (in Nds.) „vorübergehend“ von zwei auf eineinhalb Jahre verkürzt und bis heute nicht wieder verlängert. Auch das blieb ohne sichtbare Folgen für die Qualifikation. Wenn man bereit ist, Seiteneinsteiger als Laienlehrer ohne pädagogische Ausbildung in die Schulen zu lassen, dann sollte nichts gegen eine (zeitlich begrenzte) ordentliche, akademische Lehrerausbildung sprechen.

2) An den Schulen (jedenfalls an den Gymnasien) gibt es „Anrechnungsstunden“, die an bestimmte Funktionen gebunden sind und „Entlastungsstunden“, die jede Schule für bestimmte Unterrichtsbelastungen und gewisse Zusatzaufgaben (z.B. Leitung einer Fachgruppe) im Kollegium verteilen kann. Diese beiden „Stundentöpfe“ bieten ein nicht für den Unterricht ausgeschöpftes Reservoir, das bei extremen Lehrermangel unbedingt für den Unterricht genutzt werden könnte, wenn man bereit wäre, die sog. Verlagerungs- und Entlastungsstunden durch einen fairen finanziellen Ausgleich zu ersetzen.

3) Eine dritte Ressource würde sich sogar noch ergeben, wenn man nichtunterrichtliche Tätigkeiten von Lehrkräften duch schulfachlich ausgebildete Verwaltungskräfte ersetzen würde. Dazu müssten aber gesetzliche Voraussetzungen geschaffen werden: Bisher sind Lehrkräfte Bedienstete des Landes, andere Mitarbeierinnen und Mitarbeiter aber im Dienst der kommunalen Schulträger, die sich natürlich – zu recht – weigern, die dann von ihnen zu besoldenden Kräfte zu übernehmen. Wenn man an den Schulen den bisher sehr kleinen nichtakademischen Unterbau des akademisch ausgebildeten Lehrerkollgiums vergrößern würde, könnte man sicherlich viele Lehrerstunden gewinnen.

Was auf jeden Fall falsch ist, den Lehrerberuf durch Seiten- und Quereinsteiger ohne pädagogische Ausbildung, also mit Laien-Lehrern, weiter und auf Dauer zu entprofessionlisieren. Das ist einer Kulturnation, deren wichtigste Ressource Bildung ist, zutiefst unwürdig!! – Dr. Artur Behr, OStD i.R.

 

Mit Interesse lese ich die Berichte in der ZEIT über den Lehrermangel und die diesbezügliche Zukunft unserer Schulen. Die Gründe sind nachvollziehbar und berechtigt. Die Auswege sind ebenso notwendig wie unbefriedigend.

Ein Beispiel. Ich bin als Kinderarzt im Ruhestand seit 10 Jahren mit einer togoischen Lehrerin verheiratet. Wir sind seit 3 Jahren in Deutschland. Sie hat 20 Jahre als staatlich examinierte Grundschullehrerin unterrichtet, in Togo in französischer Sprache, in einem Land also, in dem in der Regel die Kinder Französisch in der Schule kernen. Sie hat ein Masterdiplom in Soziologie, nach Auskunft des Ministeriums in Niedersachsen dem deutschem Diplom gleichwertig.

Sie hat in Französisch unterrichtet, es aber nicht in Deutschland studiert. Soziologie ist kein Unterrichtsfach. Meine Frau hat keine Chance, eine Anerkennung als Erzieherin oder Lehrerin zu bekommen. Sie arbeitet als Haushaltshilfe beim DRK.

Ich bin weit davon entfernt, kein Verständnis für die Entscheidung des Ministeriums zu haben.. Eine hohe Qualifikation ist ebenso notwendig wie gute Sprachkenntnisse. Aber die pauschale Geringschätzung von Ausländern, die qualifiziert sind und alle Voraussetzungen mitbringen, nachqualifiziert zu werden, ist schwer verständlich. Warum gibt es keine außerordentlichen Prüfungen, warum gibt es keine ergänzenden Studiengänge, keine Beurteilungen durch Schulleiter, die individuelle Bedarfe decken müssen?

Angesichts vielfältiger Erfahrungen und Erkenntnisse ist die Integration, und das sind nicht nur Ausländer, Migranten und Flüchtlinge, ein zentrales Problem unserer Gesellschaft. Dabei kann das von mir angesprochene Personal eine erzieherische Rolle spielen. – Dr. Jürgen Onken

 

Als Lehrerin verfolge ich die Debatte über Lösungsversuche, den akuten Lehrermangl auszugleichen natürlich mit großem Interesse. Ich habe das Glück, an einer privaten Schule zu arbeiten, an der es Standard ist, eine Klasse im Team zu leiten und auch einen großen Teil der Unterrichtstunden zu zweit betreuen zu können. So ein Betreuungsschlüssel ist für viele Schulen und Kollegen ein Traum. Nun fehlt es an allen Ecken und Enden sogar genrell an einer ausgebildeten Lehrkraft. Armes reiches Deutschland kann man da nur seufzen.

Ich frage mich, warum bei diesem Lehrermangel nicht viel mehr auf die Ressource zurück gegriffen wird, die sich schon früh für diesen Beruf entschieden hat? Nämlich die Lehramts-Student*innen? Jede Erzieherin muss ein Vorpraktikum absolvieren um überhaupt mit der Ausbildung anfangen zu können, warum werden Grundschul-Lehramtanwärter nicht auch schon von Anfang an in den Schulbetrieb eingebunden, um so Praxiserfahrung zu erwerben und in die Herausforderungen dieses Berufs hineinzuwachsen und sich damit evtl. sogar zwei Jahre Referandariat zu ersparen?

Und um noch einen Schritt weiter zu gehen: Warum wird die Lehrerausbildung nicht längst als duales Studium angelegt, bei dem die Auszubildenden/Studenten schon früh als Mitarbeiter in ein Lehrer-Kollegium mit einbezogen werden?

Das hieße in die Ferne gedacht mehr praxiserprobtes Fachpersonal, Entlastung von hauptamtlichen Lehrkräften, mehr Möglichkeiten für Differenzierung und wirkliche Inklusion und vielleicht endlich eine Abkehr von diesem Berufsbild als einzelkämpferische eierlegende Wollmilchsau in viel zu großen Klassen. Spätestens nach dem Referandariat wird das der Berufsalltag für die meisten Lehrer werden. Nicht besonders attraktiv.

Und vielleicht wäre auch die Diskussion über die Abschaffung der täglichen Anwesenheitspflicht in einer Schule in Deutschland mal angesagt. Wenn mehr Home-Teaching erlaubt wäre und man das Potential, das in digitalen Unterrichtsmedien steckt in dieser Hinsicht mehr nutzen würde, müssten Laienlehrer sich nicht frontal vor eine Klasse stellen sondern könnten Unterricht auch in anderen Formen und kleineren Lerngruppen anbieten. Große Klassen sind in der Praxis keine radikale Lösung, die dauerhaft zu nachhaltiger Bildung – und vor allen zu „Bildungslust“ führt. Im Gegenteil. Der Frust auf allen Seiten ist so vorprogrammiert.

Radikal wäre, sich endlich von veralteten Bildungskonzepten und Schul-Strukturen zu verabschieden und sich endlich auf die Wege zu machen, die schon seit bald über hundert Jahren von Pädagogen, Lehrern, Eltern, Schülern, mutigen Pionieren, Erziehungswissenschaftlern, Neurobiologen, Psychlogen, Philosophen uvm. als zukunftsweisend beschrieben werden. – Ulrike Schneider

 

Große Klasse, dass das Thema „Lehrermangel“ zunehmend Diskussionsgrundlage in der Gesellschaft wird, da es kein Nischenproblem ist. Die von Herrn Spiewak gemachten Vorschläge sind ein erster guter Schritt, müssen aber gut abgewogen werden:

„Größere Klassen“: an Brennpunktgrundschulen die Klassen zu vergrößern kann zu noch mehr Problemen führen, was die Krankheitsquote der Lehrkräfte in die Höhe treiben kann. Wichtig hierbei wäre, den Lehrkräften mehr und schnellere systemische Unterstützung zur Verfügung zu stellen. „Weniger Teilzeit“: rechnerisch logisch. Wenn aber alle Grundschullehrkräfte 100% arbeiten müssten, gäbe es bald wesentlich weniger die dazu bereit sind.

„Mehr Loyalität“: Richtig ist, dass das Unterrichten an Brennpunktschulen für erfahrene Lehrkräfte besser zu bewerkstelligen ist als für Anfänger. Aber auch hier benötigen Lehrkräfte nicht nur viel Erfahrung, sondern auch gute sozial- und sonderpädagogische Unterstützung. Der Mangel hieran macht auch erfahrenen Lehrkräften das Unterrichten an Brennpunktschulen schwer.

„Konzentration auf den Kern“: In einer Welt, in der zunehmend soziale Kompetenzen, Kreativität und Problemlösefähigkeiten gefragt sind, darf der Fächerkanon gerade in den unteren Klassen nicht auf Lesen, Schreiben und Rechnen beschränkt werden. – Barbara Siebenkotten

 

Der Artikel von Martin Spiewak handelt vom Lehrermangel an deutschen Schulen – aber davon, den Lehrerberuf attraktiver zu machen, handelt er nicht. Hat der Autor sich denn gar nicht überlegt, dass die Gründe des Lehrermangels nicht nur darin liegen, dass zu wenige Lehrer ausgebildet wurden, sondern auch darin, dass der Beruf vielfach nicht attraktiv ist?

Der Autor konstatiert, dass der Lehrermangel an Gymnasien geringer ist als an Grund- und Hauptschulen, in den Städten geringer als auf dem Land. Und zieht die Konsequenz, dass die Beamten sozusagen „zwangsversetzt“ werden müssten, und dass sie auch andere Fächer unterrichten sollten als die, für die sie ausgebildet sind. Glaubt er ernsthaft, mit solcher Politik auch nur einen zusätzlichen Anwärter anlocken zu können? Einmal abgesehen von der Frage, welcher Teil des Erziehungspersonals an Grundschulen verbeamtet ist.

Nicht akademisch gebildete Quereinsteiger, die aber häufig ein nicht zu unterschätzendes Fachwissen, einige Lebenserfahrung und in der Regel den Wunsch, mit Kindern zu arbeiten mitbringen, hält der Autor offenbar nicht für gut genug, Grundschüler zu unterrichten.

Größere Klassen bedeuten nicht automatisch schlechteren Unterricht, das ist richtig. In den 70er und 80er Jahren saßen wir mit 36 Schülern in einem Raum und haben doch ganz gut gelernt. Aber ob es für die Lehrer attraktiver ist, große Klassen zu unterrichten, sei dahingestellt. Gehen Lehrer nach jahrzehntelangem Unterricht in den vorzeitigen Ruhestand, weil sie so viel verdient haben, dass sie es nicht mehr nötig haben, oder weil sie einen Burn-out überstanden haben, und hoffen, noch einige Jahre ihres Lebens gesund genießen zu können?

Zu guter Letzt soll der Unterricht auf „das Wesentliche“ reduziert werden. Ob das Englischlernen in den Grundschulen den Kindern einen großen Vorsprung verschafft, darüber lässt sich wohl streiten. Aber wenn er den Sportunterricht dem Trainer des benachbarten Sportvereins übertragen will, dann scheint hier doch der Kontakt zur Realität abhanden gekommen zu sein!

Die Trainer der Sportvereine sind fast ausnahmslos Ehrenamtliche, und die meisten Sportvereine haben Mühe, genügend Trainer zu finden. Und wenn man weiß, dass unsere Grundschulkinder oft nicht einmal rückwärts laufen oder auf einem Bein stehen können, weil sie sich viel zu wenig bewegen, dann muss an dieser Stelle die grundsätzliche Frage gestellt werden, was der „Kern“ des Schulunterrichts sein sollte.

Die Vorschläge, die Martin Spiewak hier vorlegt, scheinen mir jedenfalls in keiner Weise dazu angetan, die Misere an unseren Schulen zu beheben. – georg christoph macholz

 

„Große Klassen sind nicht schlecht?“ Ich habe in meinen 20 Berufsjahren als Lehrer Klassen mit 30 Schülern unterrichtet und Klassen mit 23 Schülern, und glauben Sie mir: Große Klassen sind schlecht. Man merkt es vielleicht nicht an den Noten; aber daran, dass die Lehrer für einzelne, immer schwieriger werdende Schüler weniger Zeit haben und dass es somit ungleich schwieriger ist, eine Klasse mit großer Schülerzahl zu bändigen als eine mit geringer Größe. Schlecht ist es somit für alle Schüler – und auch für die Lehrer, deren Stresspotential steigt.

„Teilzeit muss gestrichen werden zugunsten der Schulpflicht?“ Sicher ist der Lehrerberuf flexibel, was die Arbeitszeit betrifft. Die Teilzeit wird aber nicht nur von jungen Müttern angenommen, sondern vor allem auch von denjenigen Lehrern, denen es nicht (mehr) möglich scheint, vernünftigen Unterricht bei voller Stundenzahl leisten zu können – ohne auf Dauer auszubrennen.

„Loyalität ist vonnöten?“ Geht’s noch? Loyalität für wen? Für Landesregierungen, die es seit über 20 Jahren versäumen, die Menge an Lehrern einzustellen, die für die Schülerzahlen angemessen ist? Parteiübergreifend? Koalitionsübergreifend?

Was in ihrem Artikel fehlt, ist eigentlich nur noch der Vorschlag einer Erhöhung der Unterrichtsverpflichtung. Schließlich verdienen Lehrer ja so gut, sind vor Kündigungen geschützt, können ihre Arbeitszeit flexibel arrangieren – so loyal sollten Lehrer schon sein! So wie Sie denken all diejenigen, die glauben, mitreden zu können, weil sie selbst lange an einer Schule waren – aber vom Lehrerberuf keine Ahnung haben. – Arne Henningsen

 

Zu den Hauptgründen für den zunehmenden Lehrermangel zählen meines Erachtens wachsende Belastungen für die Lehrer durch Migranten ohne Deutschkenntnisse in den Regelklassen, die Inklusion unter oft schlechten Voraussetzungen, ein hohes Anspruchsdenken von immer mehr Eltern, Kompensation von Erziehungsdefiziten, geringe Praxisorientierung während des Studiums, häufige Veränderungen aufgrund wenig erprobter Reformen, unzureichende Lehrerbedarfsprognosen, fehlende Karriereperspektiven.

Es ist vor allem an der Zeit, die Attraktivität des Lehrerberufes zu steigern, sein Image zu stärken und die damit zusammenhängenden Tätigkeiten mehr zu schätzen und entsprechend zu honorieren, z.B. durch ein höheres Gehalt für Grundschullehrer. So sind Lehrer keine „Halbtagsjobber“ mit zu viel Freizeit und Ferien.

Auch in der unterrichtsfreien Zeit haben sie eine Menge an Aufgaben zu erledigen wie z.B. Vor- und Nachbereitung des Unterrichtes, Schreiben von Gutachten und Zeugnissen, Lektüre von Fachbüchern, Teilnahme an Fortbildungen, Vorbereitung und Durchführung von Sitzungen, Konferenzen, Festen und Feiern der Schule und Klassen, Abhalten von Elternsprechtagen und ad-hoc Gesprächen, Kontaktaufnahme zu Ämtern, Teilnahme an Schulausflügen und Jugendherbergsaufenthalten.

Die Vermittlung von Hintergrundwissen zum Lehrerberuf trägt wesentlich dazu bei, die Vor- und Nachteile dieses Berufes besser einschätzen zu können, mehr Verständnis dafür aufzubringen und last not least eventuelle Vorbehalte aufzugeben, die man vielleicht einmal als Heranwachsender durch eigene Erfahrungen mit Lehrern aufgebaut hat. – Gabriele Gottbrath

 

Das andauernde Versäumnis der KMK, ernstzunehmende Prognosen zu stellen, kann vielleicht nun endlich die Gelegenheit sein, um tatsächlich radikale Veränderungen im Bildungssystem zu erreichen. Die 4 Vorschläge des Artikels sind leider radikal schlecht, aber wenigstens eine Diskussionsgrundlage:

Größere Klassen sind absolut auszuschließen, denn große Lerngruppen sind schlecht. Die PISA Ergebnisse lassen hierzu nur oberflächliche Schlussfolgerungen zu. Glauben sie besser den Kolleginnen und Kollegen, die lieber und deshalb auch besser in kleinen Lerngruppen unterrichten können. Auch der viel zitierte Hattie, wird diesbezüglich nicht richtig verstanden. Das Problem seiner Megastudie ist nämlich, dass lediglich der Istzustand untersucht wurde.

Der OECD Durchschnitt liegt bei ca. 24 Schülerinnen und Schüler pro Klasse. Kleine Klassen mit ungefähr 12 Schülerinnen und Schüler sind in die Studie nicht eingerechnet, weil sie nicht existieren. Das heißt allerdings nicht, dass Hattie selbst falsche Schlüsse daraus zieht. Dafür spricht er sich deutlich für ein selbstgesteuertes Lernen (Selbstbeobachtung, Selbstbewertung, Selbsteinschätzung, Selbstunterrichtung, Hattie 2013) und für die Bedeutung der Lehrperson aus. Es ist unmittelbar einzusehen, dass diese Aspekte durch kleine Gruppen gefördert werden.

Den Kolleginnen der Grundschule die Teilzeit zu nehmen, verstößt zunächst gegen das Beamtenrecht, denn „zwingende dienstliche Gründe“ sind schwer zu belegen. Und eben weil es auch gut ist, dass die Kolleginnen sich um ihre Kinder kümmern können, macht dieser Vorschlag noch weniger Sinn. Denn Lehrpersonal und Mitarbeiter allgemein, arbeiten dann sehr gut, wenn sie vor allem zufrieden sind mit dem Job, dem Umfeld und mit dem Dienstherrn.

Und da ist schon der nächste Punkt nahtlos anzuschließen. Beamte sind sicherlich loyal, aber sie sind keine Legionäre, die egal wo und wie eingesetzt werden können und natürlich auch nicht sollten. Niemals wird eine Lehrkraft genauso gut oder gar besser arbeiten können, wenn sie ortsfremd versetzt wird. Genauso wenig bringt es was, uns Lehrerinnen und Lehrern Inhalte aufzuhalsen, die nichts mit uns zu tun haben.

Hier führe ich gerne Hattie erneut an, für den die persönliche Einstellung, die positive emotionale Haltung zum Fach und natürlich zu den Schülerinnen und Schüler entscheidend für das Gelingen eines guten Unterrichts sind. Unterricht soll begeistern, auf beiden Seiten, am besten auf einer Ebene und das geht nur mit topmotivierten Kolleginnen und Kollegen.

Dagegen wirkt aber mindestens seit 20 Jahren ein Leistungs- und Kontrollwahn in der Bildungspolitik, mit dem versucht wird schlichtweg alles und jeden zu vergleichen, weil hier Darwin offenbar falsch verstanden wurde. Kein Mensch ist besser als der andere, nur weil er der Erste in einem Wettbewerb wird und schon gar nicht, weil jemand einen besseren Notenschnitt hat. Zu verdanken haben wir das, wie so einige Probleme unserer Gesellschaft, den Preußen.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts überlegte man Schule neu und war der Meinung, dass Minderjährige erstmal ein Wissens-Canon benötigen, um selbstständig denken zu können. Ich bin sicher, dass alle Menschen selbstständig denken und entsprechende Diskurse führen können, wenn man ihnen die Möglichkeit dazu gibt und ihnen respektvoll und zugewandt begegnet. Nun kommt der letzte ihrer Vorschläge in die Kritik. Es gibt keine unwichtigen oder

wichtigen Fächer, denn die Inhalte sind nur Beispiele für unseren Verstand, an denen er sich entwickelt. Wundert es sie nicht, dass man sich noch nie auf ein Grundwissen einigen konnte? Deshalb sollte es klar sein, dass Kolleginnen und Kollegen das unterrichten, was sie am besten können und nicht das, von dem andere denken, dass es wichtig wäre. Ich habe auch jetzt schon Angst, wenn der Trainer mit der A-Lizenz den Sportunterricht übernimmt.

Sie verschweigen dazu konsequent, dass der Quereinsteiger Markt und die dazu gehörigen Vertretungsstellenangebote die Länder viel weniger kosten, als ausgebildete Pädagoginnen und Pädagogen. In den allerseltensten Fällen rentiert sich das allerdings für die Schule geschweige denn für die Schülerinnen und Schüler oder das Kollegium. Pädagogik ist weitaus mehr als fachliche Kompetenz. Ich behaupte sogar, dass echte Lehrkompetenz nicht mit didaktischen Seminaren zu erreichen ist, sondern nur mit Menschen, bei denen die individuelle pädagogische Haltung authentisch entstanden ist.

Und als Finale auf ihren Einwand der Hilflosigkeit, dass nichts helfe, außer Mehrarbeit der vorhandenen Kollegen (/Kolleginnen), antworte ich wie folgt: Das Schulsystem muss sich tatsächlich radikal ändern. Wir könnten mit viel Mut und Vertrauen in die Schule sogar das Problem der fehlenden Lehrkräfte lösen. Dazu sollte man die Schule befreien von curricularen Bestimmungen von oben. Hier gilt, wie in der Pädagogik, dass intrinsische Motivation am besten funktioniert. Schulen und damit auch zentral die Lehrerinnen und Lehrer wissen zusammen mit den Schülerinnen und Schüler am besten was Inhalt des Unterrichts sein sollte.

Uniformität und Vergleichbarkeit von Leistungen haben in der Schule nichts zu suchen, weil sie dem Menschen in seiner Diversität niemals gerecht werden können. Die Noten müssen abgeschafft werden. Abgesehen davon, dass sie immer falsch sind, respektive nichts wirklich abbilden können, demotivieren sie oder führen zu falschen Selbsteinschätzungen und, was in diesem Zusammenhang wichtig ist, führen zu Arbeitsstress und Zeitfraß. Das Abitur muss notenfrei werden. Die Fakultäten, die die Noten nutzen, um auszuwählen führen besser Eignungsprüfungen durch, wie es in der Kunst oder der Musik üblich ist.

Allerdings sollten Schulen selbst entscheiden, ob sie Noten weiterhin geben wollen. Pädagogische Vielfalt führt zu gesellschaftlicher Vielfalt, zu zufriedenen Lehrkräften und deshalb zwangsläufig zu besserer Bildung. Das ist dann die Grundlage für weniger Zwangsinhalte und weniger Unterricht einerseits, aber gehaltvollere Zeiten in der Schule andererseits. Ich bin mir sicher, dass die meisten Menschen die schulischen Inhalte zu 95% vergessen, oder sie nie gebraucht haben. Da sollte es doch reichen 50% davon für nachhaltige Bildung zu streichen.

Eine weitere Möglichkeit, die natürlich nur philanthropische Optimisten wie Hattie oder ich vorschlagen würden, ist, die Schülerinnen und Schüler selbstständig verschiedenste Inhalte lehren zu lassen und sich diese gemeinsam zu erschließen. Hier wäre das von den Preußen aufgegebene Vertrauen in die Schülerinnen und Schüler wieder zurück. Der Jugend soll man vertrauen, denn sie können ihre Zukunft, wie im Zusammenhang der Fridays For Future Bewegung deutlich wird, offensichtlich besser gestalten.

Und zusätzlich gibt es doch sehr viele Lehramtsstudierende, die sich über mehr praktische Erfahrungen freuen. Setzen wir diese doch als Vertretungskräfte ein, sobald sie das möchten. Dafür muss dann natürlich weiterhin, aber nicht mehr bezahlt werden. Sicherlich ist der letzte Vorschlag derjenige, der auch bildungspolitisch realisierbar wäre.

Aber bitte tun sie mir den Gefallen und lassen sie die aus der Schule raus, die nur, weil sie nichts anderes haben, damit Geld verdienen müssen. Pädagogik frei nach Heraklit ist eben nicht Fässer füllen, sondern Feuer entfachen. Ebendies können nur Menschen, die das Feuer in sich tragen und andere Menschen dafür begeistern können. Das sind nur die, die sich absichtlich dafür entschieden haben: Lehrerinnen und Lehrer und Lehramtsstudierende. – Martin Lilkendey

 

Ein Rezept aus dem Giftschrank zur Behebung künftigen Lehrermangels fehlt noch: Die Heraufsetzung der Zahl der wöchentlichen Unterrichtsstunden. Dagegen würde sich vielleicht noch nicht einmal großer Widerstand formieren, wenn man die Lehrkräfte gleichzeitig von ihren geradezu absurden „Nebentätigkeiten“ entlasten würde.

Zum Beispiel sind Lehrkräfte ja bekanntlich auch noch Reiseveranstalter (Klassen- oder Kursreisen), Kassenwarte (Klassenkasse, Reisekasse…), Bibliothekare (Lehrmittelbibliotheken), Gerätewarte (in den Räumlichkeiten der Naturwissenschaften, der Technik, der Kunst…), Verwaltungsangestellte (Schülerdatenerhebung und -Pflege), Materialbeschaffer (für unterrichtliche und außerunterrichtliche Zwecke) und last not least IT-Spezialisten, die sich um die Funktionstüchtigkeit von PC und die Installation und Wartung von Computersoftware kümmern müssen.

Diese Tätigkeiten sollte man, statt durch Lehrkräfte, durch entsprechend spezialisiertes Personal (das in manchen Bereichen auch noch deutlich billiger wäre als Lehrer!) ausführen lassen. Gleichzeitig könnte man dann, wenn die Lehrkräfte wirklich nur noch ihren „Kern-Job“ zu machen haben, die Wochenstundenzahl um ca. 5-10% erhöhen. – Kai Rickertsen

 


 

Leserbriefe zu „Eine Idee fürs Endlager“ von Jochen Steinhilber

 

Die Argumente des Autors zeugen von einer überzeugenden Kenntnis der Atomenergietechnik. Aber ist er auch Experte zu Techniken der erneuerbaren Energie? Ein plausibler, sicherer und bezahlbarer Pfad? – wie er schreibt Hier stellen sich doch viele Fragen, deren fehlende Beantwortung eine nur dann unberührt lassen, wenn man die Klimaproblematik, die zu einer fossilfreien Energieerzeugung führen muss, nicht wirklich ernst nimmt – frei nach dem Motto, die Ingenieure werden es schon richten.

Wieviel Energie verbraucht Deutschland zur Zeit jährlich (in TWh)? Wenn – optimistisch geschätzt – 30% eingespart werden kann, wie viel Energie muss dann noch durch erneuerbaren Strom erzeugt werden? Wenn diese hälftig durch Solarenergie und Windenergie erbracht werden soll, wie viele Flächen werden dazu benötigt?

Welche Leistung muss im Mittel und in Spitzenzeiten zur Verfügung gestellt werden? (In GW). Wenn Windräder etwa die Hälfte dieser Leistung erbringen müssen, wie viele Windräder sind dann zu bauen? Wie viel Energie muss gespeichert werden, um bei Windstille und fehlender Sonne dann noch Deutschland versorgen zu können? Wenn diese Speicherung mithilfe von durch erneuerbarem Strom erzeugten Wasserstoff erfolgen soll, wie viele Anlagen zur Elektrolyse von Wasserstoff braucht man und wie viele Kraftwerke, die den Wasserstoff in Strom umwandeln?

Wenn nicht: Was sind die Alternativen? Lithium-Ionen Batterien? Wie viele Tonnen Lithium werden dann benötigt? Wieviele neue Leitungstrassen müssen gebaut werden? Mit welchen Techniken soll die Versorgung von Flugzeugen, Schiffen und Lastwagen erfolgen?

Diese Fragen müssen beantwortet werden, wenn wir fossilfrei in Deutschland leben wollen. Als langjähriger Leser von DIE ZEIT würde ich mich sehr freuen, wenn diese solche Fragen in ihren Ausgaben diskutieren würden. Möglichst nicht von Politikern, sondern von Wissenschaftlern. – Prof. Dr. Bodo Werner

 

Letzte Woche hatte ich Ihnen einen langen Leserbrief zu dem Artikel von Herrn Klute „Atomkraft, ja bitte! Wie bitte?“ geschrieben. Ich hatte mich darüber geärgert, dass die ZEIT einem Befürworter dieser, in keiner Weise heute umsetzbaren, teuren und gefährlichen Reaktortechnologie eine Bühne bietet, ohne irgendwelchen anderen Stimmen oder Gegendarstellungen Raum zu gewähren. Das hat nicht nur für eine komplett verzerrte Darstellung gesorgt, sonder war meiner Meinung nach auch gefährlich.

Um so mehr habe ich mich also heute gefreut, dass ich den Widerspruch „Eine Idee fürs Endlager“ von Herrn Steinhilber in Ihrer Zeitung lesen durfte. In diesem Artikel werden meiner Meinung nach alle wichtigen Argumente, die gegen diese Technologie sprechen klar und gut zusammen gefasst. Ich freue mich, dass Sie Herr Steinhilber mit diesem durch und durch gelungenen und wichtigen Artikel zu Wort kommen lassen. – Christopher Fichtlscherer

 

Mit großem Interesse habe ich Ihren Widerspruch zum Artikel von Herr Klute (Atomkraft, ja bitte! Wie bitte?) gelesen. Sie schreiben, dass es noch keine Nachweise gibt, dass eine neue Generation von Kernreaktoren mit höherer Effizienz sicher funktioniert. Zudem wären die Kosten für den Bau, die Versicherung und die Entsorgung der radioaktiven Abfälle viel zu hoch.

Einige dieser Argumente lassen sich sehr gut auf die sogenannten regenerativen Energien übertragen. Der Bau von Windrädern, von Solarzellen, von Wasserkraftwerken und Batterien erfordert große Mengen an Ressourcen, auch von kritischen Elementen wie Lithium, Cobalt und Palladium. Die Bedingungen, unter denen diese Stoffe abgebaut werden, sind bekanntlich für Umwelt und Menschen sehr schädlich.

Die Ertragsgrenzen vieler nachwachsender Rohstoffe sind schon vor 2008 erreicht worden (siehe bsw. Studie des Helmholtz Zentrums für Umweltforschung, Ecology and Society, 19(4)). Hier lässt sich keine Steigerung mehr bewirken. Gleichzeitig ist die Weltbevölkerung auf gut 7,7 Milliarden Menschen gewachsen und es wird nichts unternommen, dass Bevölkerungswachstum zu begrenzen.

Auch ist es nicht ökologisch, die Lebensräume von Tieren und Pflanzen weiter zu zerstören, denn das Artensterben geht ungebremst weiter. Die CO2 – und auch Methan-Emissionen nehmen damit ebenfalls weiter zu. Würde man den Klimawandel nur annähernd so ernst nehmen, wie die Gefahren durch die Kernenergie, würde man sicher mehr bewirken, um die Lebensgrundlagen zu erhalten.

Die Kostensteigerungen in der Kernenergie werden vor allem durch die gewaltige Zahl an Vorschriften im Atomgesetz immer weiter gesteigert.

Das hat mehr politischen als sachlichen Hintergrund. Die Lagerung von hochradioaktivem Abfall, der ja wie im Artikel von Herrn Klute geschrieben, nur ein relativ kleines Volumen einnimmt, wäre technisch durchaus möglich. Auch wenn es da keine absolute Sicherheit gibt, die Sicherheit, dass der Klimawandel und das Artensterben die ganze Menschheit schwer treffen werden, ist absolut.

Das Reaktorunglück von Tschernobyl hat 4000 Menschen das Leben gekostet. In Fukushima ist bisher kein Mensch an Strahlung gestorben, die Todesfälle sind auf das Erdbeben und den Tsunami zurückzuführen. Man muss über die Energieversorgung nochmal gründlich und sachlich diskutieren. Die Möglichkeiten der Energieversorgung sind begrenzt und es gibt nichts ohne Risiken. – Sabine Kiermaier

 

Als gelernter Physiker weiß ich, dass der Betrieb eines Kernkraftwerks eher ein erheblich niedrigeres Risiko ist als andere Risiken, die man ohne nachzudenken in Kauf nimmt, z.B. durch Teilnahme am Straßenverkehr. Das hat die deutsche Reaktorsicherheitsstudie ergeben, nebenbei das erste und letzte Mal, dass man die Risiken einer neuen Großtechnik so systematisch untersucht hat.

Tschernobyl ändert daran nichts, denn um diese Katastrophe zu bewirken, hat das Bedienungspersonal auf höhere Weisung sämtliche Sicherheitsvorschriften missachtet, Auch die Katastrophe in Fukushima dürfte die Gesamtbilanz für sämtliche Kernkraftwerke der Welt noch nicht wesentlich verschlechtert haben. Dieses Risiko ist also im versicherungstechnischen Sinne (Größe des möglichen Schadens x Wahrscheinlichkeit des Eintreffens) sehr wohl versicherbar.

Schwer abschätzbar bleiben allerdings die Risiken durch absichtliche Zerstörung (eine Atombombe auf das KKW oder Übernahme einer Schaltzentrale durch fachkundige Selbstmordattentäter). Eine Mehrheit sieht aber bei den KKW nicht das versicherungstechnische Risiko, sondern nur die (zwar äußerst unwahrscheinliche) mögliche Schadenshöhe, und deshalb hat sich Angela Merkel, die sowohl Physikerin wie auch Politikerin ist, für den Ausstieg aus der Kernkraft entschieden.

Ich halte es bei dieser Sachlage für einen Luxus, die Option einer zeitweilig intensiven Kernkraftnutzung beim Übergang zu ausschließlich erneuerbaren Energien von vornherein auszuschließen. In allen Ländern außer der Bundesrepublik sieht man das offenbar auch so. – Bernhard Hecker

 

Sie haben den Artikel von Rainer Klute entweder nicht gelesen oder nicht verstanden. Keine Ihrer Argumente überzeugt oder widerlegt die Ausführungen dieses Berichtes. Vielmehr geht es Ihnen anscheinend nur darum, die partei-ideologisches-antiakwLinie vorzutragen.

Was interessieren Glaubenskriegern schon technische Erneuerungen und Sachverhalte. Stattdessen beglücken Sie die Bürger mit einer zunehmender Verschandlung der Landschaften hochsubventionierten Windkraftanlagen, deren Recyclingkosten Sie verschweigen ( der mit Glasfasern versetzte Beton ist Sondermüll !) und den höchsten Stromkosten in der EU.

Erstes wird nicht vor Ihrer Haustür wedeln und höhere Stromkosten Ihre fünfstelliges Gehalt unmerklich verändern. Die höheren Spritpreise sitzen Sie dann gemütlich in Ihrem Dienstwagen und denen der Fahrbereitschaft aus. – Dr. Bernhard Jung

 

Die Debatte über neue Atomkraftwerke folgt aus unzureichendem Nachdenken über die Klima-Problematik: Es gibt sein Jahrmillionen ein für uns Menschen zuverlässiges und sicheres Atomkraftwerk: Die Sonne. Sie liefert 1000 mal so viel Energie auf die Erde, wie die Menschheit braucht. Lagerfähig wird die Sonnenenergie durch Wandlung in Wasserstoff oder in Kohlenwasserstoffe, die wir bei Bedarf verbrennen. Bei der Verbrennung von Kohlenwasserstoffen gelangt der Kohlenstoff als CO2 in die Umwelt – das Klima-Problem. Für die angestrebte Kreislaufwirtschaft muss er da wieder heraus.

Falsch ist eigentlich nur die Preisbildung: In der Kreislaufwirtschaft müssten Energie-Verbrauchende den Preis dafür bezahlen, diese Kraftstoff zu produzieren. Sie müssen also die Kosten für die Rückverwandlung von C02 in Brennstoffe unter Nutzung der von der Sonne kommenden Energie tragen. Das geht heute nicht nur über die Photosynthese von Pflanzen (die so produzierten Kraftstoffe würden für die Welt nicht reichen), sondern über Wasserstoffsynthese und ggf. Methanisierung von Solarstrom.

Zwar ist das teurer, als wenn wir die fossil gebildeten Kraftstoffe verfeuern, also die gespeicherte Solargenergie früherer Epochen der Erdgeschichte. Es ist aber billiger, als wenn die für die Synthese der Kraftstoffe benötigte Energie auf der Erde durch neue AKWs erzeugt wird.

Inzwischen verfügen wir für den regenerativen Weg über zuverlässige Möglichkeiten, die aktuellen Kosten zu ermitteln. Sie werden sich durch systematische Optimierung der Verfahren sicherlich noch reduzieren lassen. Die Atomkraftwerks-Idee dagegen ist wirtschaftliche Hochrisiko-Technologie und gehört daher ins Endlager menschlicher Erfindungen. – Michael Wildt

 

In dieser Antwort auf den Artikel “ Atomkraft, ja bitte Wie bitte?“ in ZEIT Nr 41 merkt man , dass der Autor ein Atomkraftgegner ist! Wir in Deur´tschland haben doch den Fehler gemacht, die Energiewende zur Erneuerbaren Energie mit dem Ausstieg aus der Atomenergie zu verbinden!

Heute stehen wir allein da und verfehlen unsere Klimaziele und das Pariser Klimaabkommen drastisch! Ist dem Autor bekannt, dass vor ca 10 Jahren weltweit 412 KKW in Betrieb waren, heute sind es 451 KKW! Und wo bleibt der Strom bei Dunkelheit nach Abschaltung der KKW und Kohlekraftwerke? Etwa beim unzuverlaessigen Wind? Ist es nicht heute ein Ziel; Die Beseitigung des Atommuell mit dem sinnvollen Ausbau der Erneuerbaren Energie zu verbinden?

Nun noch einige Punkte des im obigen Betreff genannten Artikels, denn der Autr erweckt den Eindruck, den sog. Schnellreaktor nicht zu kennen: – Der Schnellreaktor verbrennt die im Atommuell mit mehr als 92% Energie in Form von Plutonium, Transurane etc zur Stromgewinnung und der wesentliche geringere Restmuell hat nur noch eine Halbwertzeit von kleiner 100 Jahren gegenueber dem Vielfachen des heute vorhandenen Endlagermuell.

– Wieso soll ein Schnellreaktor Verlust machen bei Stromerzeugung und Reduzierung der Endlager?

– Ein schneller Brueter wegen der Atomwaffen setzt eine andere Kernkonstruktion voraus!

Uebrigens verbrennt Russland mit dem BN-800 auch das Plutonium der Atomwaffen lt. Abruestungsvetrag. Koennte man nicht eine europaeische Loesung finden mit der Zusammenarbeit beim „Astrid“, auch ein Schnellreaktor, der Bau in Frankreich wurde wegen der vorhandenen, laufenden KKWauf ca 2050 zurueckgestellt wurde? – Juergen Keller Dipl.Ing.

 

Der Traum von der (ungefährlichen) Nützung der Atomkraft, der kann weiter geträumt werden, denn wer träumt, der sündigt eigentlich nicht sehr stark! Leider bliebt es nicht beim Träumen, die Super-GAU-Katatsrophen von „Three-Mile-Island (USA, 1979)“, „Tschnerobyl (Ukraine, 1986)“ und von „Fukushima (Japan, 2011)“ sprechen da ihre eigene atomar-verseuchte Sprache. Endgelagert wird nicht, den atomaren „Drecksmist“, den will einfach kein Mensch in seinem Keller haben! – Klaus P. Jaworek

 

Stephen Hawking fragte in seinem letzten Buch: Von welcher –kleinen oder großen – Idee, welche die Welt verändern kann, wünschen Sie, dass die Menschheit sie umsetzt? Hawking antwortete: Das ist einfach zu beantworten. Ich wünsche mir die Weiterentwicklung der Fusionsenergie, die uns ein unbegrenztes Quantum an sauberer Energie liefern würde.

Kernfusion würde zu einer praktischen Energiequelle und uns – ohne Umweltverschmutzung oder globaler Erwärmung – mit einem unerschöpflichen Vorrat an Energie versorgen. Mich hat der Artikel der Physikers Rainer Klute sehr fasziniert. Wenn Energie aus radioaktiven Abfallstoffen gewonnen werden könnte, dann hört sich das nach der Entdeckung eines fast unerschöpflichen Kreislaufs an. So funktioniert das Universum. Fast unerschöpflich.

Forscher kommen oder sind so weit gekommen, dass der ungenutzte Teil des Plutoniums, der bisher im Zwischenlager versteckt werden musste, uns mit weitere Energie versorgen könnte. Das ist dann ein kleinlicher Grund auf Versicherungsfragen, ungeklärte Finanzierung und absolute Sicherheit zu pochen (Widerrede Jochen Steinhilber).

Viel öffentliches Geld, unsicherer Erfolg und gesellschaftliche Debatten entsprechen den klassischen Todschlag Argumenten, das hat aber die Kreativität der Forschung und deren Entwicklung noch nie beflügelt. Es wird unser Leben auf dem Planet Erde nur weitergehen können, wenn wir lernen die Energie des Universums zu nutzen und das ist die Kernenergie. – Anne Wirtz

 


 

 

Leserbriefe zu „Die Milch von morgen“ von Marcus Rohwetter

 

Vielen Dank für den Artikel, der mir trotzdem Angst macht. Ich bin Abonnentin und Witwe, 69 Jahre alt, keine Kinder. Seit meinen Kindertagen trinke ich täglich Milch – seit ich erwachsen bin täglich so 2 Liter. Seit es in unserem REWE-Markt einen Milchautomaten gibt, kaufe ich die Milch dort, obwohl sie Euro 1,50 pro Liter kostet. Ich würde auch Euro 2,00 bezahlen. Ersatzmilch käme für mich nie in Frage – ich liebe Milch und kann ohne sie buchstäblich nicht leben……. Ich hoffe sehr, dass es für den Rest meines Lebens noch „richtige“ Milch geben wird ….. –Undine Mix-Falter

 

Die durchschnittliche deutsche Kuh steht nicht bei Bäuerin Kirsten Wosnitza auf der Weide, sondern verbringt ihr kurzes Leben in einem Laufstall (72 %) oder in Anbindehaltung (27 %). Anbindehaltung bedeutet, dass sie als intelligentes, soziales und leidensfähiges Tier auf etwa 2 m² großen Gittervorrichtungen über einen Halsrahmen angekettet ist und ihr Leben lang in eine Richtung blickt.

Sie kann weder laufen noch sich drehen noch Fellpflege betreiben oder Kontakt zu anderen Kühen aufnehmen. Als Hochleistungskuh muss sie täglich mehr als 20 Liter Milch geben, meist wird sie schon nach zwei bis drei Melkperioden „ausgemustert“ weil sie krank und ausgemergelt ist.

Erst nach ihrer Schlachtung wird festgestellt, ob sie trächtig war. Nach Schätzungen der Bundestierärztekammer ersticken auf diese Weise jährlich in Deutschland 180.000 Kälberembryonen, teilweise älter als sieben Monate, im Leib ihrer Mutter. So lange wir an diesen Bedingungen nichts ändern, bin ich froh darüber, dass es immer mehr Alternativen zur Milch gibt! – Dr. Julia Schwaben

 

Marcus Rohwetter schreibt „… Soja schien ideal zu sein. Bis der Ruf der Bohne Kratzer bekam: Wurden für den Anbau Regenwälder in Südamerika gerodet? War Soja nicht die Lieblingspflanze der Gentechniker? Heute zählen Sojadrinks noch immer zu den beliebtesten Milchalternativen, verlieren aber an Bedeutung.“

Diesen Mythos einfach abzuschreiben und offen zu lassen ob das stimmt oder nicht ist entweder Faulheit des Autors oder bewusste Irreführung und Meinungsmanipulation. In jedem Fall entspricht das nicht der Qualität, die ich mir von Zeit-Artikeln erhoffe.

Mit relativ wenig Aufwand lässt sich herausfinden, dass Soja für den direkten menschlichen Verzehr nicht in Regenwaldgebieten, häufig sogar in Europa, angebaut wird und nicht gentechnisch verändert ist (siehe z.B. Liste der Hersteller hier:https://www.niemblog.de/der-soja-irrtum/). Soja aus dem Regenwald mit Gentechnik gibt es zwar auch jede Menge, aber das wird größtenteils zu Tierfutter verarbeitet, das unter anderem dann die Kuh isst, deren Milch in dem Artikel als „natürliches Produkt“ angepriesen wird.

Der Autor spricht von Pflanzendrink-Konzernen, präsentiert aber als Gegenbeispiel einen 120-Kühe-Betrieb. Die Norm ist leider die Massentierhaltung und einflussreiche Milch-Konzerne. Es ist nicht die Schuld von Pflanzendrink-Produzenten, dass es kleineren Betrieben wie dem von Frau Wosnitza so schlecht geht. Es geht doch schon Jahrzehnte so, dass Kleinbetriebe den Massenbetrieben weichen müssen. Es geht hier nicht um „Pflanzendrink-Konzerne vs. kleine Milchbauern“, wenn dann geht es um „Milch-Konzerne vs. kleine Milchbauern“. Oft ist es doch sogar so, dass Menschen, die Pflanzendrink bevorzugen, und Menschen, die kleine Höfe unterstützen möchten, dieselben Werte verbinden. Es geht um Nachhaltigkeit und Tierwohl – und sicherlich auch um ein besseres Gewissen. Sie jetzt gegeneinander auszuspielen, finde ich kontraproduktiv.

Anstatt Fakten führt Herr Rohwetter auch Zitate, die er so verpackt, dass sie ein voreingenommenes Bild ergeben. Man hätte z.B. eine seriöse Quelle nehmen können und schreiben können, wieviel weniger Treibhausgase ausgestoßen und Landfläche und Wasser für Hafermilch benötigt werden. Anstatt dessen schreibt Rohwetter „Oatly kommt dabei nach eigenen Angaben gut weg.“ und bringt ein indirektes Zitat von deren Website, das noch nicht einmal spezifisch auf die massive Landfläche und Wassermenge eingeht, die eingespart werden könnte.

Frau Wosnitzas Aussage bestätigt Herr Rohwetter im Gegensatz dazu durch die Quelle des Bundesamts für Naturschutz. Also geht es doch – aber nur wenn es der eigenen bereits vorab gefassten Meinung dient. Auch zu behaupten, dass Haferdrink nicht regional ist, weil Oatly halt aus Schweden ist, ist irreführend. Es gibt genug andere Anbieter von Haferdrinks, die Hafer aus Deutschland beziehen. Auch Mandeln gibt es übrigens in Europa.

Insgesamt ärgert mich aber am meisten, dass es so dargestellt wird, als wären die Bauern am schlimmsten dran in dieser Geschichte. Das ist einfach nicht wahr. Die Kühe sind diejenigen, die am meisten Leid tragen. Sie werden immer wieder geschwängert, damit sie Milch geben, ihre Kälber werden ihnen kurz nach der Geburt weggenommen, sie werden lange vor ihrer Zeit geschlachtet, weil sie nicht mehr genug Milchleistung geben, die männlichen Kälber werden sogar noch eher geschlachtet. Die Art wie wir mit sogenannten Nutztieren umgehen ist ein Graus und diesen Aspekt komplett auszuklammern und so zu tun, als ginge es hier nur um das Schicksal der Bauern, macht mich wütend.

Ich würde mir als Gegendarstellung bzw. Richtigstellung einen Artikel über die Vielfalt und Vorteile der Pflanzendrinks wünschen. Und ich würde mir wünschen, dass Meinungen deutlich gemacht werden, indem der Autor z.B. für eine Kolumne schreibt, wenn er eine Meinung schreiben will oder es explizit kenntlich gemacht wird, wenn es sich um eine eigene Meinung handelt. – Sabrina Kley

 

Haben Sie jemals Mandelmilch getrunken? Wenn Sie das getan hätten, würden Sie sicherlich nicht schreiben, dass so ein Getränk wie Milch schmeckt. Diese Ersatzgetränke als Milch zu bezeichnen ist für mich Volksverdummung. Außer der Farbe haben sie nichts mit Milch gemeinsam. Ich habe nichts mit Landwirtschaft zu tun, trinke aber jede Woche 6-7 Liter Milch. – Rüdiger Weigel

 

„Die Milch macht´s“ (Werbespot von 1992) Früher kam die weiße Flüssigkeit ausschließlich aus der Kuh, jetzt kommt sie auch von Pflanzen. Der Mensch soll nun selbstständig entscheiden, welcher Drink zu ihm passt, und welchen Drink er in unserer Überflussgesellschaft trinken möchte. – Klaus P. Jaworek

 

Da haben wir den Salat. Das ernährungsphysiologisch wertvollste Lebensmittel, unsere Milch, hat bald ausgedient. Selbst Schuld ; die Bauern und ihre Verbände haben in den vergangenen Jahrzehnten auf Ausbeute bei den Tieren und deren Produkten, u.a. wie Milch gesetzt. Deren Verwertung ( ! ) als Vermarktungsstrategie wird noch heute glorifiziert.

Vermarktung mittels Marken plus Mehrwert waren und sind eine unbehagliche Strategie. Keine Investitionen in Märkte sondern alle Erlöse auf die Höfe, so das Credo der ehrenamtlichen Vorstände und Aufsichtsräte. Das Ergebnis: ca. 70 % der heute verwerteten Konsummilchmengen kommen unter den Eigenlabel’n des Handels zum Verbraucher.

Dass sich nun Alternativen an den unprofessionellen Konzepten der Bauern vorbei zu schleichen drohen ist sicherlich noch nicht einmal bemerkt. Der Fokus der Bauernführer und deren Verbände setzen unbeirrt auf das „ süße Gift“ der Subvention und ewigem Klagen. Letztendlich eine fatale Entwicklung eigenen Tun und Handelns! – Siegfried Schulz

 

Ich bin sicherlich nicht der Einzige, der für Kuh-Milch etwas mehr bezahlen würde, um den Milchbauern einen gerechten Preis zu sichern. Wenn immer mehr Milchbauern aufgeben, weil es sich nicht mehr rentiert, gibt es irgendwann überhaupt keine Milch mehr. Ein fairer Preis nutzt also uns Allen. Die Hafer-Milch bei REWE kostet ja auch 2,19 €. Und die Subventionen, die auf Umwegen den Bauern zugute kommen werden überflüssig. – Thomas Miesel

 


 

 

Leserbriefe zu „Alle Menschen sind gleich. Rede und Gegenrede“ von Andrea Sangiovanni und Rainer Forst

 

In seiner Replik auf Andrea Sangiovanni sieht Rainer Forst mit Recht, dass wir ohne die Idee der Menschenwürde nicht auskommen können. Würden wir nämlich auf den Begriff der Menschenwürde und seine Unantastbarkeit verzichten, gerieten wir unweigerlich in noch größere Gefahr, die Reichweite und den kategorischen Gehalt dieses moralischen Prinzips aufzuweichen. Umgekehrt hat aber Sangiovanni die besseren Argumente auf seiner Seite, wenn er davon ausgeht, dass mit Kants vernunftmoralischer Herleitung der Menschenwürde ein allzu großes Exklusionspotential verbunden ist. Nach Kant haben wir nämlich nur gegenüber Wesen mit Personenstatus moralische Pflichten (vgl. Metaphysik der Sitten, Tugendlehre, § 11).

In seiner Replik hätte Forst daher besser hinzugefügt, dass sich allenfalls mit einem diskursethisch interpretierten Kant begründen ließe, warum wir ungeborenem menschlichen Leben, Kleinkindern oder komatösen Patienten Menschenwürde zusprechen müssen. So gesehen spräche dann aber auch nichts mehr dagegen, sich bei der Suche nach vernünftigen Gründen für gleiche Menschenwürde der Argumente Sangiovannis zu bedienen. Sangiovanni zitiert den Begriff der Menschenwürde – als regulative Idee – geradezu herbei, wenn er unter anerkennungstheoretischen Gesichtspunkten dafür plädiert, die Verletzlichkeit und die damit verbundene Pflicht zur Ermöglichung des menschlichen Selbstseinkönnens in den Fokus zu nehmen. – Dr. Hans-Uwe Rösner

 

Dass Prof. Andrea Sangiovanni in einer Zeit, in der populistische Parteien und Bewegungen weltweit gegen demokratische Staatssysteme mobil machen, den Begriff der Menschenwürde abschaffen möchte, ist schon makaber, es sei denn, er selbst verfolgt antidemokratische Ziele. Ärgerlich ist aber, dass ein Professor der Philosophie die Kategorien Menschenwürde, Menschenrechte, Würde des Einzelnen, Moral, Fähigkeiten und Kenntnisse des einzelnen Menschen miteinander vermengt und daraus den Schluss zieht, dass wir den Begriff der „Menschenwürde“ nicht mehr benötigen.

Damit wäre der fundierende, axiomatische Status der Menschenwürde ständiger, auch willkürlicher normativer Veränderung unterworfen. Nein, die Menschenwürde muss verteidigt werden – auch im normativen Sprachschatz!

Insofern ist es gut, dass dem fünfspaltigen Artikel zur Abschaffung des Begriffes Menschenwürde nur eine einspaltige Gegenrede gegenüber steht. Mehr lohnt nicht. Herrn Professor Sangiovanni empfehle ich die Teilnahme an einem Grundkurs Logik, oder wenn ihm das peinlich ist, die Lektüre des anspruchsvollen Buches „Auslaufmodell Menschenwürde?“ von Heiner Bielefeldt. – Lothar Lücke

 

Dass Sie diesem Jungphilosophen für seine bemüht provokanten, in Wahrheit jedoch reichlich widersprüchlichen Ausführungen fünf lange Spalten einräumen, ist ärgerlich. Die Berufung auf Aristoteles und Cicero geht völlig ins Leere. Für Aristoteles war Mensch im vollen Sinne nur der freie Grieche. Sklaven und Nicht-Griechen (barbaroi) hatten höchstens eingeschränkten Anteil am Mensch-Sein (vgl. Hanna Arendt: Vita activa). Für Römer war der Sklave gar „res“: „Sache“.

Erst mit der Stoa und dann vor allem mit dem Christentum kam die Idee von der gleichen Würde aller Menschen in die Welt. Die Kategorie des „Wertes“ dagegen betont die Unterschiedlichkeit, das Mehr oder Weniger. Von da her die Kategorie der Würde abzuleiten, kann nur in die Irre führen. – Paul Humann

 

Ja, wir schulden einander Gleichbehandlung. Aber nicht, weil wir gleich sind, sondern dann, wenn wir uns menschlich verhalten. Und das heißt mitmenschlich. Wir haben also die Freiheit, Wert und Würde unserer Zugehörigkeit zur Gattung Mensch wirksam sein zu lassen, oder mit allerlei selbstbestätigenden Konstrukten und durch asoziales Verhalten zuzuschütten.

Anstatt pauschal zu postulieren, dass alle Menschen gleich sind, sollten wir uns lieber nach unseren Gemeinsamkeiten fragen. Davon gibt es viele – und auch eine allgemeine, grundsätzliche: Wir erleben Wirklichkeit immer als Zusammenspiel des Begreiflichen mit dem Unbegreiflichen, des Verfügbaren mit dem Unverfügbaren. Das beruht auf jedem zugänglichen Erfahrungen. Und wenn wir die als unsere eigenen annehmen, haben Totalitarismen und spaltender Separatismus in unseren Lebensentwürfen keinen Platz mehr.

Wir sind dann glücklicherweise zwar immer noch nicht in jeder Beziehung gleich, haben dann aber eine Basis , auf der wir dialogisch und gleichberechtigt miteinander umgehen können. Wir öffnen dann den Raum, in dem Verständigung und Vertrauen möglich sind. – Christoph Müller-Luckwald

 

Nicht gerne lässt sich „die Philosophie“ an ihre Vergangenheit als „Magd der Theologie“ erinnern. Aber kann sie bei aller erreichten Emanzipation heute über Gemeinsamkeiten und Unterschiede der zwei wichtigsten „Traditionen, die sich auf die Menschenwürde stützen, die christliche und die kantianische“ diskutieren, ohne den entscheidenden und damit folgenreichsten Unterschied zwischen diesen beiden Überlieferungen überhaupt in den Blick zu nehmen?

Oder allenfalls am Rande zu streifen, wenn in der Nachfolge Kants vom „dogmatischen Schlummer derjenigen“ gesprochen wird, „die sich einer haltlosen metaphysischen Idee hingeben“? Und besteht nicht dieser Unterschied in dem Begründungszusammenhang für die beiden Traditionen? Die erstere, die viel älter ist als die „christliche“, erhebt nämlich Absolutheitsanspruch im Namen einer „geglaubten“ höchsten metaphysischen Instanz, die zugleich für alle physische Existenz (die „Schöpfung“ insgesamt) „verantwortlich“ ist. Die zweite Tradition, die in unserer Erinnerung viel jünger ist, aber auch nicht mit Kant oder der „Aufklärung“ begann, ist vielleicht sogar älter als die erstere, weil sie ja gerade in der Erkenntnis der eigenen Ohnmacht und in der Angst vor menschlichem Versagen einen Absolutheitsanspruch erdachte, den sie zuvor zutiefst bezweifelt hatte.

Allerdings mit einer „Instanz“, die noch weniger Absolutheit für sich beanspruchen kann – allen Hoffnungen oder gar Erwartungen aller „Skeptiker“ und „Aufklärer“ in der Menschheitsgeschichte zum Trotz: der Vernunft. Sie ist ja nicht nur ungleich oder ungerecht verteilt, sie ist auch schrecklich manipulierbar, wie gerade die Kirchengeschichte beweist.

Kants Aufruf, sich seines Verstandes zu bedienen (natürlich nur des „gesunden“ wie die Briten) und sich aus seiner „selbst verschuldeten Unmündigkeit“ zu befreien, konnte daher bis heute nur wenig verfangen, weil sie – ungleich verteilt und manipuliert – nur zu einem arg eingeschränkten Teil „selbstverschuldet“ war und ist. (Wie wenig läßt sich gerade an dem polnischen Wahlergebnis ablesen: Das alte Bündnis zwischen Kirche und Staatsmacht und deren soziale Versprechen, die immerhin teilweise eingelöst wurden, erschien den weitaus meisten Wählern attraktiver alsdas „Gerede“ von Rechtsstaatlichkeit, Meinungsfreiheit oder Selbstgefährdung der Demokratie.

Und warum? Weil Kirche und Staat mit ihren „totalitären“ Mitteln den meisten Menschen das Denken abnimmt, das viel Energie kostet und verbunden mit Größenwahnvorstellungen bei gleichzeitiger wirtschaftlicher Entlastung zu völlig verantwortungslos-irrationalen Verhaltensweisen führen kann – sogar im „Land der Dichter und Denker“.)

Dennoch bleibt uns Menschen nur die Vernunft als Gegen-, ja Überlebensmittel – nicht, indem sie als gleichverteilt und allgemeinverbindlich erklärt, sondern in ihrer menschlichen „Würde“ erkannt und benutzt wird: ihrer Verführbarkeit und Fehleranfälligkeit durch unsere Gefühle, Wünsche, Bedürfnisse ebenso wie in ihrer Fähigkeit, eben diese in ein sozial verträgliches Verhältnis zu gleichen oder ähnlichen Bedürfnissen und Interessen anderer Menschen setzen zu können – lokal, regional und sogar global. Was allerdings unter sich ständig verändernden Bedingungen immer wieder neu erkämpft werden muss. – Eckhard Heumann

 

Als relativ unbefangener Ökonom sehe ich eine ganz einfache Lösung, indem Rawls Theorie der Gerechtigkeit dafür herangezogen wird. Dann wird die Begründung der Gleichheit trotz aller verschiedenen IST-Talente für Sport, Mathematik, Kunst usw. ganz einfach beantwortet:

Falls wir uns vor unserer Geburt irgendwo versammeln und uns über die Spielregeln des (bevorstehenden) menschlichen Zu­sammenlebens einigen könnten, bevor wir unsere Hautfarbe, Talente oder auch Unvollkom­menhei­ten oder Behinderungen tatsächlich kennen können, dann würde hinter dem „Schleier des Nichtwissens“ jeder für die prinzipielle Gleichheit stimmen und trotzdem könnte ein geborenes Wesen Olympiasieger, ein anderes Physikprofessorin werden, ein drittes an einer schweren Krankheit bald sterben: All das würde aber an der vernünftig gefundenen Regel nichts ändern.

Der „Lotteriecharakter“ würde uns in diesem fiktiven Beispiel diese Regel geben. Ich gebe zu, dass auch dieses Gedankenexperiment gerade von denjenigen Menschen, welche „Min­derheiten“ für ihr Selbstwertgefühl brauchen, oft nicht kapiert wird. Warum wird es dann nicht wenigsten öffentlich genannt? – Prof. Emeritus Dr. Wolfgang Ströbele

 

Die Menschenwürde ist eine verdienstlose Anerkennung und sie ist ausnahmslos richtig. Eine wie auch immer geartete Relativierung, eine optionale Definition der menschlichen Würde kann und darf es nicht geben. Allein der Gedanke daran erscheint mir inhuman und nihilistisch; er verbietet sich. Gewiss ist die Menschenwürde ein großes, leider oftmals unerhörtes Versprechen. Aber gerade in diesem schmerzlichen Bewusstsein dürfen wir auf keinen Fall aufhören, diese Zusage von Mensch zu Mensch immer und immer wieder hör- und sichtbar einzufordern. – Ira Bartsch

 


 

 

Leserbriefe zu „Vertwittert“ von Ulf Poschardt

 

Ich bin einer ihrer Abonnenten und überlege gerade zu kündigen. Ich bin sehr enttäuscht. Warum soll ich für „die Zeit“ zahlen, wenn Sie Artikel vom Chef der „Welt“ Ulf Poschardt schreiben lassen? (Planen Sie vielleicht demnächst auch noch Artikel bei der „Bild“ zu bestellen?) Ich bitte um eine Erklärung. –Georg Theunissen

 

Seit fast 20 Jahren habe ich die Zeit abonniert. Ich mag die ausgewogene Berichterstattung, durchdachte Meinungsstücke und gut recherchierte Reportagen. Aber die Ausgewogenheit hat doch ihre Grenzen: Warum hat Ulf Poschart nun eine 14tägige Kolumne in Ihrer Zeitung? Wenn ich seine unerträglich arroganten und selbstgefälligen Kommentare lesen wollte, würde ich die „Welt“ lesen.

Wer und warum hat sich das denn ausgedacht und wie lange läuft der Vertrag von Herrn Poschart? Er hat Ihrer Zeitung wirklich nicht Lesenswertes hinzuzufügen. Ich kann das wirklich nicht nachvollziehen, und es ärgert mich, dass er auch noch durch mein Abo bezahlt wird. Muss das wirklich sein? – Daniela Becht

 

Es ist nicht ihr Ernst, einem Hetzer und Brunnenvergifter wie Ulf Poschardt ein Forum zu bieten. Bitte trennen Sie sich unbedingt von Ihrem „Kolumnisten“. Herabsetzende Polemik und Vereinfachungen sind keine Meinungsäußerung, und solchen Autoren ein Forum zu bieten, ist kein Ausweis von Meinungspluralismus.

Herr Poschardt hat genug Gelegenheit – vielleicht aber nicht genug Reichweite – in dem von ihm verantworteten Titeln. Ich lese zeit.de, damit ich Ulf Poschardt nicht lesen muss. – Stefan Gerhard

 

Für einen Chefredakteur bei Springer muss man sich nicht fremdschämen. Nach dem Panorama-Streitgespräch mit dem FfF-Aktivisten Linus Steinmetz am 10.10., in welchem Herr Poschardt steinalt aussah, konnte die Lektüre der Kolumne nur kopfschüttelnd erfolgen. Denn Poschardt kann sich Freiheit nur in Verantwortungslosigkeit vorstellen, auf Facebook hat er seine Phallus-Symbole in peinlicher Unbescheidenheit ausgestellt (Verbrenner-Autos „mit Seele“ als Gegenpart zu E-Autos).

Die Begriffe Provinzialität und Spießigkeit – davon ist Poschardt selbst übermäßig geprägt, will es aber nicht bemerken – sollen engagierte Demokraten wohl diskreditieren. Will er als Pseudo-Liberaler Balkonpflanzen und Gartenzwerge auf Berliner Straßen verbieten? Der geschwurbelte Text des egomanen Schreiberlings hätte in einen (gehässigen) Satz gepasst: „Ich freue mich, das XR so wenig Zuspruch findet“. Schade um das Papier, das besser hätte verwendet werden können. –U. Nühlen

 

Arroganz ist die Kunst, sich über andere lustig zu machen und dabei unsympathisch zu sein. In ihr schreibt man mal kurz vor Redaktionsschluss eine Kolumne vor sich hin, um kleinbürgerlich nachdenklich zu wirken: Stirnrunzeln, väterliches auf die Schulter klopfen und gönnerhaft besserwisserisches Lächeln.
Es sind verrückte Zeiten, wenn der Chefredakteur der Welt-Gruppe seinen Humbug in der ZEIT loswerden muss, weil er seiner eigenen Zeitung zu bescheuert geworden ist. – Maik Niederstein

 


 

 

Leserbriefe zu „Ende der Trägheit“ von Stefan Schmitt

 

Seit gut einem Jahr gibt es die fridays for future-Demonstrationen. Mindestens so lange berichtet die ZEIT intensiver als frühe rüber Klimawandel. Was hat sich in der Zeit beim Zeitverlag in Richtung Umweltschutz gewandelt? Berichten Sie nur oder handeln Sie auch?

Ich finde es wichtig mehr auch über positive Entwicklungen und über Möglichkeiten im Alltag (im beruflichen und im privaten) etwas zu tun, zu berichten. Ich weiß es gibt viel Ratgeber und die beachtet auch kaum jemand.

Doch der Beitrag über Windeln in der letzten Ausgabe und das Interview mit Herrn Otto zeigen, dass Sie in der Lage sind die Themen attraktiv zu verpacken. Es muss ja auch nicht immer so lang sein. Und vielleicht lassen sich die Leser einbinden. In Z gibt es ja einige Leserbeiträge. Das zeigt das Interesse auch der ZEIT-Leser sich als Autoren im Blatt wiederzufinden. – Horst Schwäbe

 

Ich weiß nicht, wie die Menschen das Klima retten wollen. Ich stelle mir immer wieder die Frage, was Robert Habeck als Bundeskanzler aktuell unternehmen würde. Die Grünen sind in der Opposition sehr wortstark und haben in Umfragen die Leute auf ihrer Seite. Doch wie sieht die Einheit von Wort und Tat nach einer gewonnenen Wahl aus?

Unser aktueller Lebensstandart lässt sich mit Klimaschutz so gut wie gar nicht vereinbaren. Verzicht ist angesagt. Und geht das in unserer Gesellschaft noch? Wem wollen wir das Fahren oder das Fliegen verbieten? E-Mobilität, woher kommt der Strom und die Batterien? Wer soll die unschönen Äpfel auf den hiesigen Streuobstwiesen essen und wer bedient sich an leckerer Importware?

Wer kann hohe Spritpreise bezahlen? Verzichten die Leute, die Freitags auf die Straße gehen, auf die Kommunikation mit ihrem Handy, wenn sie es nicht mit Sonnen- oder Windstrom aufgeladen haben, oder nutzen sie dann bei Dunkelheit und Windstille doch klimaschädlichen Kohlestrom? Was würden die 60.000 Teilnehmer von Rock am Ring sagen, wenn Greta Thunberg dort ein sehr emotionales Grusswort sprechen würde? Der Fragenkatalog ist endlos. – Wolfgang Behrendt

 

Unsere Erde heizt sich weiter auf, und niemand ist in der Lage diese globale Erderwärmung abzustellen, denn alle Theorien sind praktisch grau. Sind nicht auch sämtliche Katzen in der Nacht nur grau oder doch schon längst kohlrabenschwarz? Unsere Erdenstunde hat längst 12.00 Uhr geschlagen, und die drohende Katastrophe rückt immer näher, und selbst alle „Fridays-For-Future-Enkel-Aktivisten“ stehen dem erbärmlichen Treiben ganz machtlos vis-a-vis! – Klaus P. Jaworek

 


 

 

Leserbriefe zu „Werdet nicht wie er!“ von Bret Stephens

 

Eine überaus kluge Analyse, die mich in meiner Meinung, daß die Koalition und die veröffentlichte Meinung die AFD großgemacht hat, bestätigt. Jeder Berufspolitiker müsste diesen Artikel zweimal lesen und Frau Merkel dreimal und einen Aufsatz schreiben mit dem Thema: „Was sagt das über meinen Satz: …dann ist das nicht mehr mein Land.“ – Cornel Muth

 

Ich habe den Artikel von Bret Stephens mit grossem Bedauern gelesen. Stephens reproduziert unreflektiert irreleitende Aussagen, die sich durch eine einfache google Anfrage korrigieren lassen. Hillary Clintons “basket of deplorables” Zitat wird von dem Verfasser völlig aus dem Zusammenhang gerissen. Hier ist das vollstaendige Zitat:

You know, to just be grossly generalistic, you could put half of Trump’s supporters into what I call the basket of deplorables. Right? They’re racist, sexist, homophobic, xenophobic – Islamophobic – you name it. And unfortunately, there are people like that. And he has lifted them up. He has given voice to their websites that used to only have 11,000 people – now have 11 million. He tweets and retweets their offensive hateful mean-spirited rhetoric. Now, some of those folks – they are irredeemable, but thankfully, they are not America.

But the „other“ basket – the other basket – and I know because I look at this crowd I see friends from all over America here: I see friends from Florida and Georgia and South Carolina and Texas and — as well as, you know, New York and California — but that „other“ basket of people are people who feel the government has let them down, the economy has let them down, nobody cares about them, nobody worries about what happens to their lives and their futures; and they’re just desperate for change.

It doesn’t really even matter where it comes from. They don’t buy everything he says, but — he seems to hold out some hope that their lives will be different. They won’t wake up and see their jobs disappear, lose a kid to heroin, feel like they’re in a dead-end. Those are people we have to understand and empathize with as well.

Hillary spricht also in der ersten Hälfte des Zitats von der sogenannten “alt right,” Trump Fans, wie diejenigen in Charlottesville, die sich nicht scheuen öffentlich als Nazis aufzutreten. In der zweiten Haelfte jedoch spricht sie von Menschen, die sich von Washington vergessen fühlen und für die man Verstaendnis aufbringen müsse.

Ich hoffe, dass Hillary die Zahl der “deplorables” ueberschaetzt und dass wir es mit weniger als einer Haelfte der Trump Anhaenger zu tun haben. Ich würde mich auch nicht der Aussage anschließen, dass solche Anhänger unwiederbringbar verloren sind. Meine stärkste Hoffnung jedoch betrifft die Lernfaehigkeit der Presse, die während der letzten Präsidentschaftswahl auf der Suche nach dem naechsten eintraeglichen Skandal jeden Gedanken an Differenzierung und Nuancen aufgegeben hat. Statt sich mit Trumps unzähligen kriminellen Handlungen auseinanderzusetzen, hat sie sich wochenlang mit Hillary Clintons nicht existentem email Skandal beschäftigt.

In dieser Hinsicht hoffe ich, dass die Tatsache, dass der Autor gerade Elizabeth Warren, die sich zum Kapitalismus bekennt, nicht aber Bernie Sanders, der sich als Sozialist bezeichnet, als besonders radikal bezeichnet, nicht von Sexismus motiviert ist.

Warren hat wiederholt klargestellt, dass ihre “radikale” Besteuerung von 2% erst nach den ersten 50 Millionen fällig wird. Jeff Bezos würde dann statt 160 Milliarden Dollar nur noch 86 Milliarden besitzen. Ich vermute, dass durchschnittliche Amerikaner mit dieser Form von “Radikalität” durchaus leben könnten. – Prof. Elisabeth Krimmer

 

Eine Analyse, die sich mit meinen Ahnungen deckt. Den Punkt der »Einwanderungsentscheidung« teile ich so nicht, ich sehe die Problematik in einem geschäftsmäßigen Demokratieverständnis. Was meinen will: Die Linken sind ziemlich rechts geworden und die Rechten ziemlich links. Es geht nicht mehr darum, mittels divergierenden Haltungen Politik für die Gesellschaft zu praktizieren (These-Antithese-Synthese), sondern eine Firma ‚Staat‘ erfolgreich zu führen (Trump ist eben die Perfektion dieses Sachverhaltes). Und die Linke sagt dazu nicht „Nein!“, sondern stimmt diesem unpolitischen Gebaren stillschweigend zu. Capitalism rules, baby… – Volker Homann

 


 

 

Leserbriefe zu „Bitterer Tee“ von Mareike Müller

 

„Bitterer Tee“ – der hoffnungslose Kampf der Moral gegen die Gesetze des Lebens. Gold ist teuer, weil es Qualitäten hat – es glänzt, verrostet nicht, ist leicht zu bearbeiten – und weil es selten ist. Die Teepflückerinnen in Assam haben auch ihre Qualitäten, nämlich geschickte Hände. Aber sind sie selten? Ganz im Gegenteil: Nimmt man die Bevölkerungszahlen aus dem Wikipedia-Artikel, dann sieht man, dass Assam seit Jahrzehnten irrwitzige Mengen Menschen produziert.

Nachdem China beim „Großen Sprung“ aufs Maul gefallen ist, ist es umgeschwenkt und hat die Menschenproduktion brutal auf ein Kind pro Familie beschnitten – bei passenden Gelegenheiten beweint die ZEIT diese Brutalität. Doch die beabsichtigte Wirkung trat ein:

Die vergleichsweise wenigen Menschen wurden gebraucht, die Arbeitslosigkeit sank, der Lebensstandard und die Lebenserwartung stiegen erheblich stärker als in Indien und anderen Entwicklungsländern.

Und dann hat China die Qualität seiner nachwachsenden Bevölkerung erhöht. Beim Turnen, beim Tischtennis, bei anderen Sportarten mögen Europäer, Afrikaner und andere Völker mit den Chinesen gelegentlich mithalten. Ich spreche aber vom Anwachsen ihrer naturwissenschaftlichen und technischen Kenntnisse, die man an der Zahl ihrer Patentanmeldungen pro Million Einwohner messen kann – wenn man einen Taschenrechner zur Hand nimmt. Für all die armen Menschen, die keinen Taschenrechner haben, hat China am Anfang des Jahres eine Fähre auf die Rückseite des Mondes geschickt.

Wie könnte man den Menschen in Assam helfen? Das Gesundheitsministerium will Pflegekräfte im Kosovo, in den Philipinen, in Mexiko anwerben, weil es in Deutschland davon nicht genug gibt. Aber brauchen wir dazu auch Millionen Frauen aus Assam? Der einzige mir bekannte Weg, schnell einen Menschenmangel in Assam zu erzeugen, wäre ein Krieg mit China. Ich hoffe verzweifelt, dass anderen Lesern ein weniger schmerzhafter Weg einfällt. – Armin Amrhein

 

Es erscheint immer etwas heuchlerisch wenn man sich über Menschenrechtsverletzungen in Ländern der 3Welt echauffiert. Die Gründe das keine vernünftigen Löhne gezahlt werden liegt schließlich an den ruinösen Preisvorstellungen der Lebensmittelindustrie im Westen! Mit gerade mal 4-5 Cent schlagen die Kosten für das Rohmaterial Tee für eine Schachtel (25) Teebeutel zu buche. Da kann man die viel zitierte Krankenschwester noch so oft aus der Schublade holen, auch das Doppelte würde sie nicht in den Ruin treiben.

Historisch wurde Tee in Indien, Sri Lanka und Afrika angebaut um auf Kosten der einheimischen Bevölkerung und deren Boden ein billiges Produkt für die westlichen Märkte zu erzeugen, das hat sich bis heute nicht geändert, Kolonialismus hat nur die Fassade verschönert, sonst ist alles geblieben.

Nun sind aber viele Verbraucher schon etwas weiter als ihre Redakteurin und Oxfam, 10% ist der Anteil von Bio-Tee in Deutschland und der Markt wächst. Da die meisten der Bio Plantagen weltweit auch Fairtrade (FLO-fairtrade oder Fair for Life) zertifiziert sind gibt es dort zumindest die Garantie das Mindestpreise gezahlt werden und noch ein Premium was direkt an die Bauern oder Arbeiter geht.

Gesetzliche Regelungen enden meist mit solchen diffusen Labels wie Ethical Tea Partnership, Rainforest Allianz oder UTZ. Deren Kriterien sind schwer nachzuvollziehen und ändern wenig. Der Verbraucher hat es in der Hand, in Bio-Märkten und Weltläden gibt es Alternativen, gehen Sie mal rein, tut echt nicht weh! – Lutz Toennis

 

Mit Interesse habe ich den Artikel „Bitterer Tee“ in Ausgabe 42 gelesen. Es ist wirklich bedrückend, dass die Pflückerinnen so wenig Geld verdienen, und dass man sie für einen Mehrpreis, der uns nicht einmal auffallen würde, vernünftig bezahlen könnte.

Ich denke, dass die Leserschaft der Zeit die von Frau Müller genannten 1,4 Prozent durchaus versteht, und dass es nicht unbedingt einer weiteren Visualisierung dieses Anteils bedarf. Falls eine Visualisierung bemüht wird, sollte diese allerdings auch stimmig sein, der „Tropfen pro Tasse“ ist es leider keineswegs:

Ein Tropfen entspricht (in Deutschland tatsächlich genau definiert) 50 Mikroliter, also 1/20 Milliliter. 1,4% eines typischen Tassenvolumens von 200 ml sind 2,8 ml, also ein knapper Teelöffel (das wäre doch eine gute Visualisierung gewesen!) oder 56 Tropfen, also mehr als das 50-fache der von Frau Müller genannten Menge. Bitte lassen Sie die Sorgfalt in der Recherche, für die ich die Zeit seit vielen Jahren gerne lese, auch im Umgang mit physikalischen Grössen walten! – Dr. Stefan Recksiegel

 


 

 

Leserbriefe zu „Der Fehler der Einheit“ von Hans-Werner Sinn

 

Hans-Werner Sinn ist einer der wenigen Wissenschaftler der nicht nur über einen gesunden Menschenverstand verfügt sondern ein absoluter Kenner für richtiges Wirtschaften versteht. Die Politik hat auf die falschen Wissenschaftler gehört. Und die Linken und Grünen erst recht. – Gunter Knauer

 

Die „Zeit“ setzt ihr Treuhand-Bashing fort, das Autoren wie Jana Hensel und Martin Machowetz stetig betreiben. Nun bietet sie zum 30. Jahrestag des Mauerfalls dem Ökonomen Hans-Werner Sinn das Forum, seine alten Thesen von 1991 noch einmal auszubreiten.

Sinn wiederholt seinen Vorwurf, die Politik habe den Auftrag des Einigungsvertrags nicht erfüllt, „den Sparern der Ex-DDR zu einem späteren Zeitpunkt verbriefte Eigentumsrechte am ehemals volkseigenen Vermögen zuzuweisen“. Tatsächlich war dies jedoch nur eine Kann-Bestimmung, von der schon DDR-Ministerpräsident Lothar de Maizière wusste, dass sie niemals einzulösen war. Wenn bei der Privatisierung der „volkseigenen“ Betriebe etwas übrigbleibe, erklärte er hintersinnig bereits im April 1990, könne man das gern verteilen.

Es gab aber nichts zu verteilen, weil allein die Altkreditschulden der Betriebe (104 Milliarden DM) und die Sanierung der ökologischen Schäden (43 Milliarden DM) den Wert der zumeist maroden Unternehmen überstieg, bei deren Verkauf die Treuhand lediglich 60 Milliarden DM einnahm. Selbst wenn sie härter hätte verhandeln können, wäre sie mit dem Erlös nicht in die Gewinnzone gekommen.

In einem Interview mit dem Deutschlandfunk räumte Sinn immerhin einmal ein: „Man kann auch Aktienanteile an Schrott haben.“ Für die Ostdeutschen wären die Anteilsscheine auf jeden Fall ein schlechtes Geschäft geworden: Jeder Ex-DDR-Bürger hätte 6875 D-Mark allein dafür bezahlen müssen, die von der Treuhand übernommenen Altkreditschulden zu tilgen.

„Der Wert einer Firma“, versucht Sinn zu relativieren, liege „nicht in erster Linie in ihren Maschinen, sondern in den Immobilien und den dort versammelten Menschen“. Er behauptet: „Die Mitarbeiter der DDR-Betriebe waren in der Regel gut ausgebildet, und viele hatten zwei Berufsabschlüsse statt nur einen, wie es im Westen üblich ist.“

Der ostdeutsche Historiker Stefan Wolle schildert die Situation der Betriebe ganz anders. „In der DDR herrschte notorischer Arbeitskräftemangel“, schreibt er in seinem Buch „Die heile Welt der Diktatur“. Deshalb hingen an vielen Betriebstoren Tafeln, auf denen für freie Stellen Mitarbeiter „aus der nichtberufstätigen Bevölkerung“ gesucht wurden. „Die Faustregel besagte“, so Wolle: „Je geringer die Qualifikation, desto begehrter der Bewerber.“ Minderqualifizierte und Menschen ohne beruflichen Abschluss machten im November 1989 zehn Prozent der Erwerbstätigen aus. Sie waren nach der Einheit, laut „Arbeitsmarkt-Monitor 1989-1994“, „überproportional von den Anpassungsprozessen betroffen“.

Sinn behauptet: „Die Zahl der Beschäftigten in Industriebetrieben sank binnen kurzem auf ein Viertel … Nur etwa 850 000 Menschen arbeiteten zuletzt in der ostdeutschen Industrie.“ Tatsächlich erhielten 1,5 Millionen Arbeitnehmer in den von der Treuhand privatisierten Betrieben vertraglich neue Arbeitsplätze zugesichert. Die ausgeschiedenen zwei Millionen Beschäftigten wurden keineswegs durchweg arbeitslos, wie Treuhand-Kritiker gern insinuieren; vielmehr hat ein großer Teil von ihnen neue Jobs gefunden oder ging, materiell durch westdeutsche Sozialleistungen abgesichert, in Rente oder Vorruhestand.

Sinn unterschlägt, dass die Betriebe wegen des in der DDR-Verfassung verbrieften Rechts auf Arbeit personell in hohem Maße überbesetzt waren und die Arbeitsproduktivität allenfalls ein Drittel des Westniveaus betrug. Die niedrige Arbeitsproduktivität und die verschlissenen Produktionsanlagen führten dazu, dass die Qualität der Produkte litt und die meisten nicht wettbewerbsfähig waren.

An dieser Ausgangslage hätte auch eine andere Treuhand-Strategie nichts zu ändern vermocht. Ebenso hätten die von Sinn empfohlenen Joint Ventures der Treuhand mit „kapitalkräftigen Firmen aus der westlichen Welt“ zu keinem anderen Ergebnis geführt. Sinn tut, als hätte es kein Management-Buy-out (MBO) gegeben. Vielleicht wäre noch mehr möglich gewesen, aber von den 6546 durch die Treuhand privatisierten Betrieben wurden rund 3000 im Wege des MBO an leitende Mitarbeiter verkauft.

Zu Recht weist Sinn auf die „ausufernde Lohnpolitik“ hin, „die der Industrie nach der Wende den Todesstoß gab“. Dann aber fährt er fort: „An dieser Lohnpolitik waren Ostdeutsche am wenigsten beteiligt.“ Standen sie etwa nicht hinter der Gewerkschaftsforderung, die mit der Währungsunion 1:1 umgestellten Löhne gleich noch einmal um 50 Prozent zu erhöhen?

Begründet wurde dies damit, dass Arbeiter und Angestellte in der DDR kaum Steuern und Sozialabgaben bezahlen mussten. Gewiss hat es in der Treuhand und in ihrem Umfeld Fehler und kriminelle Machenschaften gegeben. Deren Ausmaß war freilich weitaus geringer, als reißerische Publikationen unterstellen. Zudem wird die Treuhand zum Sündenbock für alles gemacht, was in Ostdeutschland in den vergangenen 30 Jahren schiefgelaufen ist.

Mit Sinns Artikel setzt die „Zeit“ ihre einseitige Darstellung der Treuhandanstalt fort. Fakten, die die Legenden widerlegen, werden einfach ignoriert. Wenn man wollte, könnte man sich in meinem Buch „Der Treuhand-Komplex“ informieren. „Die Treuhand ist ein negativer Mythos geworden“, beklagt der ehemalige Bundestagspräsident Wolfgang Thierse in einem Statement zu meinem Buch; es sei „an der Zeit, ihre wirkliche Geschichte zu erzählen, genau und differenziert und ohne Vorurteile: Gelungenes und Misslungenes, Fehlurteile und ehrliches Engagement – alle das hat es gegeben.“

Indes: „Nichts ist schwerer, als mit Mythen aufzuräumen“, resümierte der Rezensent meines Buches im „Tagesspiegel“, einem Schwesterblatt der „Zeit“. Wie wahr. – Norbert F. Pötzl

 

In letzter Zeit sind in Ihrer Zeitung zahlreiche Artikel erschienen, die uns die Probleme und Befindlichkeiten der Menschen in den neuen Bundesländern erklären wollten. Das ist grundsätzlich ein zu begrüßendes Unterfangen, denn auch 30 Jahre nach der Wiedervereinigung gibt es da noch viel aufzuarbeiten. Nur: Warum melden sich (fast) nur „Wessis“ zu Wort?

Zuletzt hat Hans-Werner Sinn ausführlich auf „Fehler der Einheit“ hingewiesen und Ratschläge erteilt, was jetzt zugunsten der ostdeutschen Mitbürger zu tun sei. Da fragt man sich schon: Sind die Menschen in den neuen Bundesländern nicht auch mal in der Lage, ihre Anliegen zu formulieren und tatkräftig die Zukunft zu gestalten?

Etwa ein Viertel der Wähler im Osten Deutschlands wählen die AfD, überlassen es aber fast ausschliesslich „Wessis“ in dieser Partei, den politischen Diskurs zu bestimmen: Das reicht von Björn Höcke über Gauland und Meuthen bis zu Beatrix von Storch, Jongen und Alice Weidel. Wird da nicht ein grundsätzliches Problem hinsichtlich des Selbstverständnisses vieler ostdeutscher Mitbürger sichtbar, die offenbar die Meinung vertreten: „Ich bin Opfer, ich kann eh nichts ändern, Andere – am besten der Staat – sollen’s richten“? – Dr. Wolfgang Fischer

 


 

 

Leserbriefe zu „Muss Klimaprotest links sein?“ von Laura Cwiertnia und Sebastian Wells (Fotos)

 

Der Begriff „Klimagerechtigkeit“ ist entgegen der Vermutung des Autors kein Ausdruck linker Gesinnung oder Beweis der Verbindung von Kampf um Klimaschutz mit ganz anderen Kämpfen wie gegen Rassismus. Der Begriff wurde schon 2015 verwendet beim „1. Ökumenischen Pilgerweg für Klimagerechtigkeit von Flensburg nach Paris“, als Christen verschiedener Konfessionen 1300 km durch Deutschland und Frankreich pilgerten, um am Ende auf der Pariser Klimakonferenz konkrete Beschlüsse zum Klimaschutz einzufordern. Der Begriff Klimagerechtigkeit beinhaltet den Gedanken, dass die Erdüberwärmung ungerecht gegenüber den nächsten Generationen und den Menschen im globalen Süden ist, die am wenigsten zur CO2-Überfrachtung de Erde beigetragen haben, aber am stärksten unter den Folgen werden leiden müssen, während man sich in den verursachenden Ländern noch einigermaßen schützen kann. Das Besondere an „Laudato si“ von Papst Franziskus war ebenfalls, dass die ökologische und die soziale Frage „in Sorge um unser gemeinsames Haus“ zusammen gesehen wurden. – Wolfgang Eber

 

Klimaprotest muss nicht immer links sein, und Klimapolitik schon gar nicht. Extinction Rebellion mag eine rebellische Gruppe sein, die vielleicht auch eher ihren Sinn darin hat, überhaupt auf das Problem aufmerksam zu machen, und nicht, eine Lösung anzubieten. Das wäre wohl auch eine überzogene und unrealistische Erwartung, denn die Lösung zur Klimakrise muss erarbeitet werden, über Jahre hinweg, aber möglichst schnell, von uns allen.

Angesichts der großen Menschheitsaufgabe, die uns bevorsteht, werden wir gerade diese Vielfalt an politischen Positionen brauchen, denn in jeder politischen Überzeugung, in jedem Parteiprogramm stecken gute und brauchbare Forderungen und Lösungsvorschläge, die alle zusammengenommen und miteinander kombiniert möglicherweise am Ende doch das Unmögliche schaffen, oder, falls es tatsächlich bereits zu spät sein sollte und wir die Klimakatastrophe nicht mehr aufhalten können, uns wenigstens noch ein paar lebenswerte Jahrzehnte oder Jahrhunderte verschaffen können.

Die Aufgabe, die sich beschleunigende Klimaerwärmung zu stoppen oder zu verlangsamen, ist so schwierig, fordernd und so komplex, dass niemals eine einzige politische Idee oder Richtung sie bewältigen könnte. Wir stehen tatsächlich vor einer großen Zeitenwende, die in dieser Hinsicht ein Umdenken und auch innere Entwicklung und Wachstum von uns verlangt.

Die unterschiedlichen Wege zum Klimaschutz sind dann eben doch miteinander vereinbar. Es geht dann nicht mehr wie früher darum, welche Partei das Sagen hat und ihre Überzeugungen umsetzen darf, sondern es wird, wie es sich ja auch bereits in der Parteienlandschaft abzeichnet, dauerhaft größere Koalitionen aus mehreren Parteien geben, die dann unter dem gemeinsamen Ziel „Klimarettung“ aus jeder Position das Beste und Praktikabelste herauspicken und daraus eine Lösung puzzeln müssen, nicht in erster Linie deshalb, damit alle sich vertreten fühlen, sondern weil es auch einfach nicht anders geht.

Es werden konservative Kräfte mit ihren Forderungen, das Heimatgefühl der Menschen, ihre Traditionen und Wurzeln zu schützen und anzuerkennen, um ihnen Sicherheit und festen Boden unter den Füßen zu bieten angesichts der auf uns zukommenden Erschütterungen, ebenso sinnvoll und notwendig sein, wie die Innovations- und Inspirationskraft des Marktes, der Ideen hervorbringen und Einzelne anspornen kann, ihr Bestes zu geben und Neues (z.B. Technologien) zu entwickeln, sowie auch Wohlstand zu schaffen, aus dem geschöpft werden kann:

Grünes Wachstum kann erstmal besser sein als schmutziges Wachstum, Anreize können dort wirken, wo Verbote noch nicht durchsetzbar sind, doch Verbote müssen genau dort ausgesprochen werden, wo es unabdingbar ist (hier würde ich im Übrigen darauf setzen, dass das Volk ähnlich reagiert wie bockige Teenies: Klare Begrenzungen werden nach anfänglichem Gemurre doch akzeptiert, wenn sich zeigt, dass sie nötig waren).

Und es braucht zugleich die sozialistisch ausgerichteten Denker, die für Gerechtigkeit kämpfen und sich dafür einsetzen, dass so viel Gleichheit in der Gesellschaft herrscht, dass es sie nicht zerreißt und sich eine ausreichende Zufriedenheit ausbreiten kann, die Vertrauen wachsen lässt, dass wir es gemeinsam schaffen können (hier sei auf das Buch „Gleichheit“ von Kate Pickett und Richard Wilkinson verwiesen, das eindrucksvolle Belege dafür liefert, dass Ungerechtigkeit nicht nur Einzelne krank macht, sondern die gesamte Gesellschaft schwächt).

Jede Haltung, jeder Gedanke und jede Idee ist notwendig und sollte willkommen sein, denn wir können es uns nicht leisten, auf irgendeine davon zu verzichten, wenn wir die Vorgaben des Pariser Klimaabkommens ernsthaft erreichen wollen, und das müssen wir, wenn wir die Verantwortung für unsere Nachkommen annehmen. – Catherina Schneider

 

Ich möchte Ihrer Autorin Laura Cwiertnia widersprechen. Ich bin 58 Jahre alt und war schon 1982 in Bonn auf der Demo gegen den „Natodoppelbeschluß“. Nun war ich direkt in Berlin bei den Blockaden dabei und habe die Bewegung völlig anders wahrgenommen.
Es kann nicht sein, dass einer friedlichen Bewegung, die sehr wohl differenziert ihre Ziel äußert und niedergeschrieben hat („Wann, wenn nicht wir“ Fischer Verlag) derart ihre Legitimation abgesprochen wird. Wenn gewaltsam demonstriert wird, ist es auch nicht richtig und nun soll dieser Protest Unsinn sein?

Die Vergangenheit hat gezeigt, dass weder der SPD (Hartz IV), noch dem SDS oder den Grünen der Gang durch die Institutionen gut getan haben. Im Gegenteil, wurden alle guten Ansätze durch den Politikalltag „geschluckt“ und zerredet.

Nur haben wir angesichts der Klimakatastrophe nicht mehr die Zeit, diese Bewegung auf denselben Weg zu schicken. Es wäre fatal, diese Bewegung durch eine Parteistruktur zu schwächen, auch wenn sich die Gegner einer effizienteren Klimapolitik genau dies gerne wünschen würden. – Andreas Golanowski

 


 

 

Leserbriefe zu „Eine Frau gegen den reichsten Mann der Welt“ von Caterina Lobenstein

 

Als Amerikakenner kann ich ihnen sagen, woran das liegt: An den Frauen.Das hat schon Hillary Clinton erleben müssen. Die Amerikaner mögen keine Frauen an der Spitze ihres Staates. Das hat mit Machogehabe nichts zu tun. Das hängt einzig und allein an der sozialen Gesinnung der Frauen. Wenn ich ehrlich bin, dann muß ich sagen, da ist was dran. Viele Männer sind der Meinung, das Moral in der Politik nichts zu suchen hat. Das hatte schon Thomas Mann in Zürich gesagt. – Gunter Knauer

 

Woher haben Sie die Information, wer der reichste Mann der Welt ist? Oder haben Sie selbst die recherchiert? Wenn ja: Wieviel Jahre haben Sie dafür gebraucht? – Karl-Heinz List

 


 

 

Leserbriefe zu „»Der einsame weiße Wolf ist ein Albtraum«“. Gepräch mit Peter Frank geführt von Holger Stark

 

Die aktuelle „Zeit“ lag noch im Postfach, als die Meldungen aus Halle (Saale) konkret wurden – aktueller kann wohl ein Interview nicht sein. Beklemmend für mich allerdings, dass der Frager, Herr Stark, das Urteil des OLG München als „harte Gangart“ empfindet. Wie vieler Tote bedarf es seiner Meinung noch, um staalicherseits „richtig“ zu reagieren? – Dieter Tandler

 

Ein nicht zuletzt vor dem Hintergrund höchst trauriger und besorgniserregender Aktualität sehr aufschlussreiches Interview mit Generalbundesanwalt Peter Frank. Dessen Einschätzungen sind nach dem Anschlag von Halle freilich überaus nachvollziehbar und dürften insbesondere zu diesem Zeitpunkt viel Zustimmung erhalten.

Denn es ist fürwahr bitter einsehen zu müssen, dass wir unser gesellschaftliches und verfassungsmäßiges Versprechen „Wehret-den-Anfängen“ und das implizierte „Nie wieder“ wiederholt nicht halten, es zum Teil überaus leichtfertig, naiv und auch zynisch „Einzelschicksalen“ überlassen.

Der Herr Generalbundesanwalt indes hat es klar angesprochen, es geht um die Glaubwürdigkeit von Rechtsstaat und Demokratie, es geht um nichts weniger als gesellschaftlichen Frieden und Verständigung. Daher sind wir alle in Deutschland gefordert, endlich beide Augen aufzumachen und offen zu halten. – Ira Bartsch

 


 

 

Leserbriefe zu „blau“ von Kai Kupferschmidt

 

Den Artikel über blaue Lebensmittel fand ich interessant. Dass „blau“ als Farbe in der Natur -und dazu noch ungiftig und essbar- nur höchst selten vorkommt, war mir vorher nie besonders aufgefallen. Ich frage mich allerdings, wieso die Wissenschaft auf exotische Pflanzen wie die Blaue Klitorie zurückgreifen muss, wenn doch die einfache Heidelbeere ebenfalls die farbgebenden Anthocyane enthält.

Aber vielleicht funktioniert das bei denen aus irgendeinem Grund nicht? Ich habe dafür viel zu wenig Ahnung von Chemie, fand es aber im Nachhinein irgendwie lustig, dass die BLAUbeere im Artikel nicht mal erwähnt wurde. – Julia Sperhake 

 

Hätten Sie nicht den Artikel „Blau“ mit dem Verweis „Werbung“ versehen sein müssen? Wie kann es sein, dass zeitgleich zum Erscheinen seines Buches „Blau“ der Autor Kai Kupferschmidt besagten Artikel in der Rubrik Wissen sozusagen als Promotion-Abstract veröffentlichen darf?

Und hat jemand in der Redaktion, den Artikel von Herrn Kupferschmidt inhaltlich auf Sinnhaftigkeit kontrolliert? Oder findet eine solche Kontrolle nicht statt? Für mich spiegelt dieser Artikel nicht realistisch den Markt, den Einsatz, die Forschungsaktivitäten oder die rechtliche Lage von Blau in Lebensmitteln wieder.

Sicher werden in Veröffentlichungen immer nur ein begrenzter Teil von Thesen abgearbeitet und es gibt immer verschiedene Sichtweisen, aber dieser Artikel ist schon beeindruckend streitbar. (Hinweis: Ich kenne Herrn Kupferschmidt und seine bisherigen Arbeiten nicht. Meine Bewertung bezieht sich ausschließlich auf den Inhalt von besagten Artikel.)

Blau ist stark nachgefragt – ohne Frage. Reißerisch zu schreiben, daß ein neues, natürliches, blaues Pigment Hunderte Millionen Euro wert ist, ist aber doch sehr gewagt – selbst global betrachtet. Auf welcher Basis dieser Wert ermittelt wurde, möchte ich gerne wissen – insbesondere, da sich der Artikel maßgeblich auf Blau in Lebensmitteln bezieht.

Der Autor schreibt völlig richtig, daß neben Indigotin und Patentblau oft Brillantblau in Lebensmitteln eingesetzt wird. Brillantblau hat in der EU keinen Warnhinweis (im Gegensatz zu den Southampton-Farben) und ist basierend auf niedrigen Kosten das Mittel der Wahl für Blau bzw in Mischungen für Grün – und wird es auch noch sehr lange Zeit bleiben. So „ein Problem“ wie der Artikel suggeriert, sind die künstlichen Farben Blau in der Lebensmittelindustrie und auch beim Endkonsumenten nicht – auch wenn der Trend zu clean label geht.

Für clean label Blau arbeiten seit Jahren Anwendungstechniker in der Lebensmittelindustrie am erfolgreichen Einsatz der wasserlöslichen Pigmente der Spirulina-Alge (=natürliches Blau). Wenn Herr Kupferschmid fast am Ende des Artikels – nach vorheriger Beweisführung, daß es kein natürliches Blau gibt – kurz einwirft, daß Spirulina „vor Kurzem für Lebensmittel zugelassen wurde“, dann ist „Kurz“ falsch.

Spätestens mit Inkrafttreten der EU-Guidline für färbende Lebensmitteln im November 2015 ist Spirulina zugelassen. Und bereits vor 2015 wurden großer Mengen Spirulina (und auch dies nicht rechtlich verbotener Weise) eingesetzt. Dieses Blau habe ich weiterhin noch nie als „furchtbar“ bzw „eher grün“ bezeichnet gehört. Dosage- und Hintergrundfarbenabhängig erhalten Sie ein schönes Himmelblau bis zu einem satten Mittelblau.

Spirulina findet sich in unzähligen Süßwaren, Molkereiprodukten und auch Getränken (diverser Marktführer) und hat einen beachtlichen Marktanteil bei Pigmenten Blau für Lebensmittel in der EU und darüber hinaus. Die von Herrn Kupferschmidt im Artikel aufgezeigten Blau-Alternativen sind dagegen doch sehr fraglich.

– Welchen Markt in der EU sieht er für Blau basierend auf fermentativer Herstellung mit gentechnisch veränderten Bakterien? GMO!

– Hat Herr Kupferschmidt die Zulassung von Blauer Klitorie als Farbpigment in der EU sachlich geprüft? Stichwort Novel-Food? Oder ist die fachlich irrelevant, ausführliche Betonung auf die Benennung nach „weiblichen Geschlechtsorganen“ ausschlaggebend für die Nennung im Artikel?

– Propagierte Blau-Pigmente in bisher nicht genutzten Pilzen, Tieren, Blüten? Wie steht es mit Nagoya?

– Warum schreibt er nicht über näher liegende Blau-Alternativen wie Genipa americana? Welche zwar in der EU auch Novel-Food wäre, dafür aber außerhalb der EU bereits als natürliches Blau für Lebensmittel eingesetzt wird?

– Wie steht es mit verlackten Anthocyanen, die seit Jahren als natürliches Blau in Süßwaren eingesetzt werden?

Wenn jetzt Herr Kupferschmidt den angeblich horrenden Markt für Blau um die bereits verfügbaren (natürlichen) Pigmente Blau reduziert, wird dieser so klein, daß kein Farbhersteller Blaue Klitorie (bzw. weitere andere im Artikel nicht genannte Blüten/Pflanzen) für die EU über Novel-Food zulassen wird.

Natürliches Blau ist also durchaus ein Thema, muß aber im Bezug auf die Verwendung in Lebensmitteln meiner Meinung nach anders diskutiert und dargestellt werden, um der Komplexität annähernd gerecht zu werden.

Zusammenfassend ist dieser Artikel im Zeitgeist reißerisch geschrieben. Jeder, der den Farbpigmentmarkt etwas kennt, bleibt nach dem Lesen ratlos über so wenig Substanz und die zusammengewürfelten, zusammenhanglosen Fakten zurück.

Und persönlich hinterfrage ich, wie steht es mit der Substanz anderer Artikel in der Rubrik Wissen, die ich persönlich fachlich nicht so tiefgründig durchschaue? Vielleicht wäre zu besagtem Artikel eine Art Richtigstellung ein guter Weg. Kann nicht unter „Blau 2“ ein Experte mit einer realistischeren Betrachtung des Marktes und aktueller Forschungsaktivitäten sowie basierend auf bestehenden rechtlichen Grundlagen den Wissenstand Ihrer Leser korrigieren?

Farbpigmentkenner für Blau finden Sie in Deutschland/Europa zahlreich – insbesondere ohne Druck ein Buch zu promoten. Ich hoffe, daß das Buch von Herrn Kupferschmidt sinnvoller strukturiert ist, als sein Artikel. Auf jeden Fall werde ich es mir auf der Buchmesse kritisch ansehen. Gerne erwarte ich Ihre Rückmeldung zu meinen Fragen. Da die Pigmentwelt klein ist, möchte ich meinen Leserbrief nicht bzw nur unter „anonym per mail“ veröffentlicht wissen. –Karin Schneider

 


 

 

Leserbriefe zu „»Ich war laut, nervig, manchmal unerträglich«“. Gespräch mit Beatrice Richter geführt von Stephan Lebert und Britta Stuff

 

Ihre beiden Autoren haben ein sehr interessantes Interview mit Beatrice Richter geführt. Es hatte nur einen Fehler; es war zu kurz. Diese Frau hatte was zu erzählen. Und der Vorfall mit Waldleitner bot sich eigentlich an, zu fragen; wie hat Franz-Josef Strauß auf diese Szene reagiert. –Gunter Knauer

 

Beatrice Richter, diese Frau imponiert mir sehr, diese Frau hat Haltung! Ein mächtig interessantes Interview mit einem außergewöhnlichen Menschen. Wir Frauen, wir sollten uns wirklich noch mehr zutrauen, denn die meisten Männer sind kurzzeitig ganz amüsant, jedoch auf Dauer gesehen, sind die Männer fast immer nur riesengroße Langweiler, die dieses Manko mit ihrer nervigen „Dauer-Gockelhahn-Balzerei“ kompensieren wollen! – Riggi Schwarz

 


 

 

Leserbrief zu „»Ich habe Angst, dass wir Polen unsere Identität verlieren«“ von Olivia Kortas und Matthias Krupa

 

Die Meinung der Bürger zeigt klar und deutlich warum sie eine Partei wählen, die nicht das dumme Gerede, das in Deutschland herrscht, übernehmen wollen. Für mich ist das eine Frage der Intelligenz, die in Deutschland durch die schlechte Bildung nicht mehr vorhanden ist. Und nicht eine Frage, ob rechte oder linke Politik die bessere Alternative ist. – Gunter Knauer

 


 

 

Leserbrief zu „London, Hauptstadt der Kunstaffen“ von Friederike Quander

 

Mit Englisch tut sich die ZEIT häufig schwer, es ist halt auch eine schwere Sprache: „Devolved Parliament“ heißt als Bildtitel keinesfalls „ungefähr !) … >delegiertes Parlament<“ – das könnte es zwar heißen, ergibt aber keinen Sinn. Es handelt sich vielmehr um ein naheliegendes neologistisches Wortspiel Banksys, bei dem aus dem terminus technicus der Evolutionslehre „to evolve“ = „sich entwickeln“ durch die ins Gegenteil verkehrende Vorsilbe „de-“ ein „sich zurückentwickeln“ wird.

Der Mustersatz für „evolve“ im „Random House Compact Unabridged Dictionary“ lautet: >Die menschliches Spezies entwickelte sich aus einem Vorfahren, der vermutlich Baumbewohner („arboreal“) war<. So hocken nach einer konsequenten >Devolution< heute eben wieder „arboreals“ im Parlament . Schließt doch bereits Erich Kästners Gedicht „Die Entwicklung der Menschheit“ von 1932: „…bei Lichte betrachtet sind sie im Grund / noch immer die alten Affen.“ –Universitätsprofessor Dr. Volker Neuhaus

 


 

 

Leserbrief zu „»Etwas Wichtigeres ist mir im Leben nicht passiert«“. Streit von Frank Richter und Detlef Pappermann

 

Ihr Interview mit dem ehemaligen Pfarrer und dem Polizisten, die sich damals vor dem Fall der Mauer bei einer heißen Demo in Dresden als Feinde gegenüberstanden, hat mich zutiefst berührt. Wie der Pfarrer die Polizisten geduldig, einen nach dem anderen, um ein Gespräch bat und schließlich einer von ihnen zustimmte und sie dadurch zum friedlichen Gelingen der Revolution beitrugen! Es hatte sich bei diesem gewaltfreien Widerstand gegen die Diktatur gezeigt: Die christliche Überzeugung bietet Maßstäbe, um diktatorische Systeme beurteilen und ihnen begegnen zu können.

Das Vertrauen auf das rationale, persönliche höchste Wesen, das seinen Willen mitgeteilt hat, bietet Leitlinien über die Zwänge und Automatismen eines Systems hinaus. Orientierung an absoluten Werten kann befreien von der Tyrannei der Einflussreichen und Mächtigen. Das gilt auch im umgekehrten Sinn. Orientierungslosigkeit und Materialismus machen manipulierbar. Ohne das persönliche Vertrauen auf den Höchsten beraubt sich unsere Gesellschaft der Möglichkeit, Freiheit ohne Chaos sowie Ordnung ohne Diktatur auszuleben. –Gerhard Jahnke

 


 

 

Leserbrief zu „Doppelt falscher Boykott“ von Micha Brumlik

 

Der Artikel geht doch an der Sache vorbei und lenkt absichtlich ab: Dass nicht die israelische Regierungspolitik als erste den kulturellen Boykott als Mittel angestrengt hat, sondern BDS, sagt doch überhaupt nichts über die Legitimität dieser Aktivitäten aus!

Im Gegenteil: das völlige Versagen der internationalen Politik gegenüber der völkerrechtswidrigen (fortgesetzter illegaler Siedlungsbau) und absolut menschenverachtenden, letztlich rassistischen Apartheidspolitik des Landes (nur jüdische Bürger des Staates Israel genießen die umfassenden Bürgerrechte) generierte diesen verzweifelten Versuch, zumindest auf dem Weg des kulturellen Boykotts das Gewissen der Weltöffentlichkeit aufzurütteln.

Unrecht wird auch nicht dadurch zu Recht, wenn es unwidersprochen über Jahrzehnte ausgeübt wird. Im Falle Südafrikas gab es in den 80er Jahren Boykott und „Ächtung“- bei Israel traut sich keine internationale Regierung wirklich die Stimme gegen deren arrogante Besatzungs- und Unterdrückungspolitik zu erheben- weil sogleich wie ein Reflex das Wort „Antisemitismus“ als Keule geschwungen wird- und damit ist die Debatte beendet, bevor sie überhaupt beginnen könnte. Eine Schande für die zivilisierte Welt! – Karl-Heinz Grau

 


 

 

Leserbrief zu „„Was dürfen Rechner entscheiden, Frau Zweig?““ von Stefan Schmitt

 

Die Unterzeile des Porträts – „Deutschlands wichtigste Informatikerin zieht Algorithmen zur Rechenschaft“ – enthält gleich mehrere Missverständnisse. Abgesehen davon, dass ich bezweifele, dass Frau Zweig die wichtigste Informatikerin in diesem Land ist, kann sie schlecht Algorithmen zur Rechenschaft ziehen, sondern allenfalls die Unternehmen, die diese entwickeln. Algorithmen sind keine geeigneten Klagegegner oder sonstige Rechtssubjekte. Das ist keine juristische Spitzfindigkeit, vielmehr wird über diese Ungenauigkeit eine diffuse Technologiekritik, man möchte fast sagen: Technikfeindlichkeit transportiert, die wohl auch nicht im Sinne der Porträtierten sein kann. Wer Algorithmen Subjektfähigkeit zuschreibt, stärkt bloß die Argumentation derer, die menschliche Vorurteile auf Maschinen abwälzen. – Adrian Lobe

 


 

 

Leserbrief zu „Deutsche Bank: Muss bald jeder fünfte Mitarbeiter in Deutschland gehen?“ von Lisa Nienhaus

 

Der Beitrag ihrer Autorin ist etwas daneben gegangen. Sie sprechen vom Sittenverfall, das kann ich nur bestätigen. Fast alle haben über ihre Verhältnisse gelebt. Der Wohlstand verführt viele Menschen. Irgendwann fällt das wie ein Kartenhaus zusammen.

Ich bin ehemaliger Banker und kenne die Ansichten der Macher. Kassenbetrieb ist kostenintensiv, da gibt es wenig zu verdienen. Es wurde vorwiegend Investmentbanking betrieben. Auf dem hoffte man das große Geld zu machen. Es ist leicht gesagt, die Banken in die Schmuddelecke zu stellen. Die Wahrheit ist eine andere. Die Politik ist ein einziges bürokratisches Monster. Der Beamtenstaat gehört auf den Prüfstand. Dort sollte recherchiert werden. Dann kommen sie der Wahrheit ein Stück näher.

Entlassen will ich die Banker von ihrer Schuld damit nicht. Vor dem Sittenverfall scheint kein Kraut gewachsen zu sein. Das betrifft aber die ganze Gesellschaft. Die Bank wird das aber überstehen. Der Geldverkehr wird sich kurzfristig vollständig ändern. Der Aufwand dafür schafft wieder Freiraum und kostet wenig Geld.

In Zukunft ist „Zocken“ angesagt, aber nur kontrolliert. Die SEC in USA, die schärfste Aufsichtsbehörde von allen westlichen Ländern ist leider Vergangenheit. Sie muß zu ihrem früheren Diktat zurückkehren, dann ist die Börse nichts anrüchiges mehr. Aber das betrifft besonders die Deutschen. Freiheit ist gleich Sittenverfall. Das kapiert hier nur keiner. Dieser Widerspruch sitzt tief in der Seele der Deutschen. Recht und Ordnung ist besonders in Deutschland auf die schiefe Bahn geraten. – Gunter Knauer

 


 

 

Leserbrief zu „Trumps Zwilling“ von Kerstin Kohlenberg

 

Ich muß deutlicher werden. Der Beitrag, hundert Mal gehört und gelesen, hat zerstörerische Elemente, wie das bei den Linken an der Tagesordnung ist. Ihre Autorin wird das nicht verstehen wollen. Im Nachhinein hat sich der Irrtum gezeigt. Obama war ein schlechter Präsident.

Mit Trump ist das nachgeholt worden, was Giuliani versagt blieb. In Deutschland ist die Politik ein Desaster, was die Medien aus ideologischen Gründen verschweigen. Und was noch gesagt werden muß: Die Gefahr geht nicht von den Rechten aus, wie man immer hören und lesen kann, sondern von den Linken und im besonderen von den Grünen. Das will nur keiner wahr haben. Die „Zeit“ liegt in vielen Bewertungen auch schief. – Gunter Knauer

 


 

 

Leserbrief zu „1 Der Pop-Monopolist“ von Nina Pauer

 

Ich habe ein bis zwei Kritikpunkte, zu dem Kommentar von Nina Pauer, zu Ed Sheeran, im Musik Spezial, der 42. Ausgabe: 1. ist Ed Sheeran Brite bzw. Engländer und nicht Ire, wie man durch grundlegendste Recherche herausfinden kann, da es eines der ersten Dinge ist, die man erfährt, wenn man seinen Namen googelt und es zudem auch in einem seiner beliebtesten Songs, Galway Girl, direkt in der zweiten Zeile erwähnt wird.

  1. empfinde ich die Art, in der in diesem Kommentar über Ed Sheeran hergezogen wird, als unfair und schlecht begründet. Mir scheint, die Autorin wolle eigentlich seine Medienpräsens kritisieren, macht sich dann, aber über den ganzen Künstler her und stützt diese Kritik zusätzlich, ausschließlich mit dem Text, eines einzigen (zugegebenermaßen seines beliebtesten) Songs, der wie im Kommentar beschrieben, nicht repräsentativ für Sheerans Musik steht.

Ich würde mich selber keinen „Fan“ Ed Sheerans nennen, respektiere ihn allerdings für seine Bodenständigkeit und dafür, dass er im Gegensatz zu den meisten anderen Pop-Musikern, seine Songs nicht nur singt, sondern, größtenteils, auch selber schreibt. Unter anderem, wird ihm auch, die Beschreibung als „Teenie-Mädchen-Star“ nicht gerecht. PS: Der Zusammenhang zwischen „Can‘t Hold Us“ und Beyoncé ist mir ein Rätsel. –Grete Homann

 


 

 

Leserbrief zu „Auf der Positivliste“ von Elisabeth von Thadden

 

Fachkräftemangel besonders in medizinischen Berufen und auch deren Abwanderung ist ein grosser negativer Faktor in vielen afrikanischen Staaten – der ‘brain drain’ trägt weiter zur dramatischen medizinischen Unterversorgung bei. Tatsächlich haben sich mehrer Staaten in einer gemeinsamen Erklärung verpflichtet, keine weiteren medizinischen Fachkräfte aus vielen afrikanischen Staaten zu rekrutieren, um die Negativentwicklung nicht weiter zu forcieren.

Frau v Thadden mag Jens Spahn des Rassissmus in seinen Rekrutierungsversuchen verdächtigen, aber der globalen Gerechtigkeit wäre durch Rekrutierungen von Pflegefachkräften aus Afrika nicht gediehnt. – Prof. Dr. Christine Straehle

 


 

 

Leserbrief zu „»Ich bin kein Witze-Erzähler«“. Gespräch mit Armin Laschet geführt von Marc Brost

 

Wenn ich lese, wie NRW-Ministerpräsident Armin Laschet sagt „Vor 30 Jahren gab es eine Welt mit Atomwaffen und zwei verfeindeten Blöcken. Nun ist die Bedrohung weg, die Menschen sind frei, Europa ist vereint.“, muss ich mich wirklich fragen, ob dieser Mensch eigentlich kapiert hat, in welcher Welt wir momentan leben. Wenn er glaubt, es gäbe heute keine Bedrohung durch Atomwaffen mehr, sollte er dringend öfter Zeitung lesen.

Die Frage 24 und seine Antwort darauf (Sind Sie Teil eines politischen Problems? – Nein.) bringt das momentane politische Problem sehr gut auf den Punkt: der unerschütterliche Glaube vieler Politiker/innen an die eigene Unfehlbarkeit. – Milena Grünewald 

 


 

 

Leserbrief zu „Kirche mit amazonischem Gesicht“ Gespräch mit Pirmin Spiegel geführt von Evelyn Finger

 

„Ich bin, weil Du bist.“ Dieser Satz der afrikanischen Weltsicht steht für eine Ablösung vom Zeitalter der Aufklärung, das der Menschheit Wohlstand aber auch Leid, Zerstörung und Umweltkrisen gebracht hat, und für ein Leitbild in ein neues Zeitalter. – Walter Moritz

 


 

 

Leserbrief zu „»Aufgeben ist Faulheit«“. Gespräch mit Salman Rushdie geführt von Klaus Brinkbäumer

 

Salman Rushdie macht weiter, schreibt weiter, auch wenn er sein Leben, nicht ganz so leben kann, wie er es wahrscheinlich gerne leben würde. Salman Rushdie hat gerade jetzt seinen „Quichotte“ auf die Menschheit losgelassen, und ich werde mir diesen Roman demnächst reinziehen. Die Inder wollen keine Zahlen „runden“, so Salman Rushdie, das gefällt mir auch sehr; und vielleicht hat diese indische Denkweise auch den Pop-Rocker „Klaus Lage“ zu seinem Hit: „1000 und eine Nacht (und es hat zoom gemacht)“ beflügelt, den er im Jahre 1984 geschrieben hat. – Klaus P. Jaworek

 


 

 

Leserbrief zu „Schluss mit billig“ von Lara Janssen

 

75 % der Befragten einer Studie finden Nachhaltigkeit bei Mode sehr wichtig, die restlichen „1000 %“ kaufen munter weiter bei „Billigklamotte & Co., ab Laden oder ab Internet! Die Würde der „klamottenherstellenden“ Menschen, oder gar die CO2-Bilanzen, die dürften dabei, wenn überhaupt, dann nur eine sehr geringe Rolle spielen! – Riggi Schwarz

 


 

 

Leserbrief zu „Worüber denken Sie gerade nach, Ivan Krastev?“ von Ivan Krastev

 

Herr Krastev weist zu Recht darauf hin, dass durch Migration und Wahlrecht für Migranten oder dessen Verweigerung sich Mehrheitsverhältnisse in Demokratien verändern können. Eine wichtige Gruppe, die dieses Problem betrifft, lässt er jedoch außer Acht. Die 0- bis 17-Jährigen dürfen nicht wählen. ( Ausnahme ist das kommunale und teilweise umgesetzte bundesländliche Wahlrecht ab 16)

Dies ist eigentlich genau so ein Skandal, wie, dass früher Frauen oder noch früher Besitzlose nicht wählen durften. Die Kinder und Jugendlichen werden mit den gleichen Argumenten von den Urnen ferngehalten wie früher die Frauen. Von ihnen seien irrationale Entscheidungen zu erwarten. Warum eigentlich? Mit Fridays for Future beweisen gerade sehr viele Jugendliche, wie ernsthaft und zukunftsorientiert sie denken. Ich möchte nicht jede Wahlentscheidung aller Stimmberechtigten auf ihre hehren Motive hin untersuchen.

Natürlich würden sich durch eine Verjüngung des Wahlalters die Mehrheiten in Deutschland verschieben. Sie würden wahrscheinlich linker und grüner werden. Ist das der Grund, warum die CDU/CSU-geführten Regierungen sie niemals einführten? Das widerspricht aber der postulierten Gleichheit aller Menschen, die zu der Forderung führte: „One man, one vote“. Deshalb und für eine zukunftsorientierte Politik sollten wir für eine Herabsetzung des aktiven Wahlalters kämpfen! – Ilona Mennerich

 


 

 

Leserbrief zu „Itz-itz-itz-itz – piep“ von Fritz Habekuss

 

Warum dreht man in den Clubs nicht die Verstärker etwas herunter und es ist dann ein wenig leiser? Wenn sowieso fast alle Stöpsel tragen! Das Argument leise klingt es nicht, gibt es nicht. Schwerhörigkeit in den kommenden Generationen lässt grüßen! – Dr. Marita Berger

 


 

 

Leserbriefe zum Titelthema „Wer liest, friert nicht“ von Antonia Baum et al. in der Beilage ZEIT Literatur

 

Bei allem, „ Faust“ ist zeitlos wie die Bibel. Leider beziehen Sie sich nicht auf den zweiten Teil, in dem über die heutigen Finanzgebahren (im Palast des Kaisers, die heutige Wohnungsnot und, und zur heutigen Situation (Wohnungsnot) etc. steht. Man muss den Faust schon intensiv lesen und nicht nur den ersten Teil. Ich empfehle da schon mal Stein’s Aufführung (als DVD) sich anzusehen.

Da ist alles an menschlichem Getue, seine Widersprüche, Hintervotzigkeiten enthalten und deutlich konkreter als in der Bibel enthalten. Problem ist offensichtlich die oberfächliche Darstellung des „Faust“ als Lehrstoff in den Schulen und das kommt auch in Ihrem Artikel zum Ausdruck. Der „Faust“ besteht nicht aus den vordegründig gennanten Zitaten des ersten Teils, diese sind nur die Einführung in die Thematik, die Goethe benennen wollte. Auch Lessing taugt dazu nur marginal, obwohl ein gegenwärtiges, unvollendetes Thema, das wohl auch in Zukunft eines bleiben wird (Halle/Sachsen !). Aber das ist ein anderes Thema, wenigstens die nächsten 100 Jahre bestehen wird.–Dr. Joachim Gartzke

 

Auf der Titelseite Ihrer aktuellen Ausgabe weisen Sie auf auf das aktuelle Literaturmagazin hin. Drei von den vier Autorinnen, die Sie besucht haben, haben hier das Recht, sie selbst zu sein, bei einer weisen Sie darauf hin, dass sie „Tochter von…“ sei und reduzieren sie – wohl mit der Absicht, genau das Gegenteil zu erreichen – darauf, dass sie Spross einer bekannten hochadeligen Familie ist. Auch wenn das optisch verhältnismäßig dezent geschieht, agieren Sie hiermit auf einem Niveau, das man sonst eher von anderen Pressesparten kennt. Ist das nötig? – Esther Schumacher

 


 

 

Leserbriefe zur Fotokolumne „Wer bist du?“ von Florian Jaenicke im ZEIT Magazin

 

Seit zig Wochen (!) möchte ich Ihnen schreiben wie wunderbar Ihre Idee war , Herrn Jaenickes Fotos von Friedrich plus Bildtexten zu veröffentlichen. Bitte richten Sie Herrn Jaenicke aus wie sehr mir sein Sohn ans Herz gewachsen ist! Und wenn ich gerade schreibe, dann sagen Sie auch Herrn Prüfer wie herrlich er seine Töchter portraitiert und Ihren Kollegen, dass ich mich generell jede Woche auf das ZEIT Magazin freue!! –Dagmar Berkenberg

 

Danke für die Fotos Ihres Sohns, vor allem wenn man sieht, dass er glücklich ist. Ich habe selbst eine behinderte Tochter und erlebe sie als glückliches Kind. Durch Ihre Fotos können das auch andere Menschen hoffentlich verstehen, dass es kein Mitleid braucht.
Höchstens mal praktische Unterstützung, um zwischendurch mal Kraft zu tanken, so wie alle Eltern, nicht nur die der behinderten Kinder. Und Krankenkassen, Sozialämter, Schulämter, etc. die sich nicht quer stellen. Machen Sie weiter so! – Angelika Stellmacher

 

Mit diesen Zeilen möchte ich Ihnen sagen, wie unendlich ehrfürchtig ich vor den Fotos Ihres Sohnes bin. Die Seite, die Ihren Sohn so würdig und menschlich abbildet, schlage ich jeden Donnerstag als erstes auf. Wir haben vier nicht behinderte Kinder. Und genau dieses Geschenk macht mich sehr demütig und ich hab lange gezögert, Ihnen zu schreiben. Dennoch…. Auch wenn es banal klingt… ich bin in Gedanken bei Ihnen und Ihrer Frau und auch bei Friedrich’s Bruder. Viel Kraft, Vertrauen und weiterhin Unermüdlichkeit auf Ihrem Weg wünsche ich Ihnen und….. DANKE für Ihre Offenheit und die berührenden Fotos. – Katrin Peitz

 


 

 

Leserbriefe zu „Alles oder nichts (Folge 11)“ von Sophie Passmann im ZEIT Magazin

 

Danke für diese Kolumne, liebe Frau Passmann, ich habe herzlich gelacht. Doch es gibt auch einen Kritikpunkt den ich anmerken muss: Der Satz „Sei so gut, dass sie deine Rehaugen ignorieren müssen“ scheint mir für die Situation unangebracht und am Thema vorbei. Ich glaube nicht, dass der Literaturkritiker Sally Rooneys „sinnliche Lippen“ beschrieben hat, weil sie nicht „gut“ genug war. Ich denke, auch die schlechteste Autorin der Welt hätte es nicht verdient, von einem Literaturkritiker auf ihr äußeres reduziert zu werden. –Mascha Lange 

 

Ihre Kolumne vom 10.10.2019 lässt mich ratlos zurück und führt mich zum ersten Mal in meinem Leben dazu einen Brief zu schreiben. Schon im Vorhinein bitte ich um Nachsicht hinsichtlich der laienhaften Ausdrucksweise. Um meine Ratlosigkeit etwas näher zu beschreiben, wozu Schreiben einen ja „zwingt“, liegt in der Bandbreite zwischen intilligenter Unverschämtheit (sorry, letzteres ist nur Ihrem Wortschatz entliehen :-) und verschämter Wortfindung, d.h. um um jeden Preis Ihre Gesinnung zu verkaufen (höflicher wäre vielleicht es preiszugeben zu benennen :-). Haben Sie das nötig (sofern es wirtschaftliche Gründe gibt, einverstanden) ?

Sie haben scheinbar sehr viel dieser sogenannten Männerliteratur gelesen, was an der Wortfindung in Ihrer Kolumne wohl nicht spurlos vorbeigegangen ist. Wenn ich mir vorstelle, dass Sie scheinbar hochgeildet sind und mit Schreiben und Sprechen Ihren Alltag bestreiten, so kann ich wirklich nur Mitgefühl empfinden, dass Sie in Ihrem jungen Leben bisher wohl viel schreckliches erlebt haben müssen, um dies so schreiben zu können (oder zu müssen) !!.

Auch eine gewisse Übung im Umgang mit Worten derartiges immer wieder zu schreiben, scheinen Sie entwickelt zu haben. Wie Sie den Übergang von Männerliteratur über die Rolle der Geschlechter zur Schriftstellerin Siri Hustevedt hin bekommen und die Angabe des Namens Ihres Mannes „beklagen“, alle Achtung, da würde ich gerne eingehender mit Ihnen in die Diskussion einsteigen. Doch wirklich geschmunzelt habe ich (um nicht vollkommen verwirrt und ratlos zu wirken) wie Sie wortgewandt die sinnlichen Lippen von der Autorin Sally Rooney interpretieren.

Das will erst einmal zu Papier gebracht werden und ich wünschte da von Ihnen lernen zu dürfen. Gut ist für mich beim Lesen Ihrer Worte gewesen, da ich kein Bild von Ihnen je gesehen haben, nicht im Geiste(oder was auch immer Sie jetzt denken)von irgendwelchen Lippenfotos in meiner Konzenmtration auf Ihren Text einge(be)schränkt gewesen zu sein .

Ich darf Ihn aber verraten, dass man mich als Kind sehr gehänselt hat, ob meiner vollen Lippen. Weiterhin verrate ich Ihnen, dass ich zu Männerspezie gehöre. Doch schon beim Alter fühle ich mich schlecht, da Sie die entsprechende Schublade schon in Ihren jungen Jahren gebildet habe (schade).

Wenn Sie das alles so ankotzt (letzteres sinngemäss von Ihnen entliehen), dass es zwei Geschlechter auf dieser Welt gibt, wäre es doch einmal sehr grosszügig von Ihnen, mönnliche Fragen aufzugreifen z.B. warum dürfen sich Frauen im Schnitt fünf Jahre mehr im Leben austoben als Männer, warum sind 80-90% der Obdachlosen Männer (ich weiss, die sind selbst Schuld) , warum ist nur Frauen gegeben, Kinder zu gebären und warum gibt es nur Frauenhäuser (mir ist bewusst was jetzt kommt) usw..

Was ich Ihnen aus meinem Arbeitsleben auch nicht vorenthalten möchte. Ich habe u.a. über zwanzig Jahre Personalarbeit bestritten. Als Vorgesetzter habe ich dabei zu über 70% mit Frauen zu tun gehabt. Das beinhaltete auch (leider) weniger erfreuliche Kritikgespräche. Für mich war es selbstverständlich, dass jedem dieser Gespräche eine weitere Person beiwohnte. Ihre Worte bestätigen mich nach all den Jahren darin, intutitiv so richtig gehandelt zu haben, um meine Person zu schützen.

Gerne würde ich einiges vertiefen, doch wesentliches ist gesagt und gefühlt möchte ich Ihre Aufmerksamkeit nicht überstrapzieren, sofern Sie meine Worte überhaupt selbst gelesen habe. Mir ist bewusst, dass geschriebene Worte nur eine Eindimensionalität inne ist, die Ihre Ergänzung durch den unmittelbaren Dialaog erfahren.

Machen Sie was daraus, denn, wie ich schon an anderer Stelle schrieb, Sie erreichen vielmehr wenn neben berufsmässigen Tadel ungewohnterweiuse Lob in Ihrem Alltag Platz finden würde. Und es kostet noch nicht einmal. Vielmehr sichere ich Ihnen zu, dass Sie mehr Gehör erfahren werden und Texte zu Papier bringen werden, die Sie selbst weiterbringen. – Stephan Langemeyer

 


 

 

Leserbrief zu „Heiter bis glücklich“ von Claire Beermann im ZEIT Magazin

 

Der Verweis auf den wasserlöslichen Kindernagellack ist der berühmte Tropfen auf den heißen Stein. Ich wundere und ärgere mich schon lange über diese seichte konsumfördernde und Thema verfehlende Seite. Eigentlich müsste über der Seite PR oder Anzeige stehen!

Aber einen Nagellack für Kinder anzupreisen und dann noch so schlecht zu recherchieren, dass etwas als wasserlöslich angepriesen wird, nur um damit zu suggerieren ein völlig sinnloses Produkt sei gesundheitlich und ökologisch unbedenklich. Lesen Sie bitte dazu: https://www.konsument.at/gesundheit-kosmetik/nailmatic-kids-nagellack

Ich erwarte im Interesse der Kinder und der Umwelt eine deutliche Richtigstellung! Und am besten überlegen Sie sich ein grundlegend neues Konzept für diese Seite oder eine ehrliche Überschrift. –Annette Ziegler

 


 

 

Leserbrief zur Deutschlandkarte „NPD“ von Matthias Stolz im ZEIT Magazin

 

Aus der im aktuellen Zeit-Magazin auf Seite 10 veröffentlichten „Deutschlandkarte“ ergibt sich, dass im Rat der Stadt Bremervörde ein Mitglied der NPD sein Mandat derzeit nicht in Anspruch nimmt. Diese Darstellung ist nicht korrekt. Im Bremervörder Stadtrat verfügt die NPD über keinen Sitz. Für viele Leser wird der eigentlich gute Leumund Bremervördes durch Ihre Veröffentlichung in Mitleidenschaft gezogen.

Über eine Korrektur würde ich mich daher sehr freuen, wobei ich nicht ausschließe, dass nach der nächsten Kommunalwahl auch in Bremervörde erstmals Sitze für die AfD, die inhaltlich nah an der NPD ist, zu Buche stehen. Das bleibt allerdings zunächst mal abzuwarten und da fließt noch viel Wasser die Oste runter…. – Kurt Koopmann

 


 

 

Leserbrief zum Wochenmarkt „Einfach Fisch“ von Elisabeth Raether im ZEIT Magazin

Für gewöhnlich schreibe ich keine Leserbriefe. Da Sie sich offensichtlich über jede Reaktion Ihrer Leser freuen, dachte ich, ich müsse mal eine Ausnahme machen. Ich freue mich jede Woche aufs Neue auf Ihre außergewöhnliche Kochkolumne. Und ich koche gerne vieles nach – zwar lieber die vegetarischen Rezepte und die mit Fisch, da ich ein sogenannter Ovo-Lacto-Pescetarier bin. Alles braucht einen Namen…

Da es mal einen Kuchen oder Dip oder Auflauf oder Sonstiges gibt, habe ich immer viel Abwechslung. Ausnahmsweise gibt es auch mal eines Ihrer Fleischgerichte für meine Familie. Die ist auch sehr angetan von Ihren Ideen. Auch toll, dass man in der Regel nicht tausende von Zutaten braucht. Alles kommt unkompliziert rüber und macht Lust auf mehr, die Fotos tun ihr übriges. Und bitte behalten Sie Ihre Einleitung wie bisher bei – ich lese sie immer sehr gerne. – Sylvia Müller 

 


 

 

Leserbrief zu „Prüfers Töchter“ von Tillmann Prüfer im ZEIT Magazin

 

Bitte leiten Sie unseren Dank an Herrn Prüfer weiter. Meine Lebensgefährtin und ich lesen uns abwechselnd gegenseitig Ihre Kolumne über Ihre Töchter vor und „sterben“ jedes Mal vor Lachen (um es Ihrer Tochter mit der Dramatik betr „Langeweile in der Schule“ nachzumachen und es so für Sie besser verständlich zu schreiben:-)). Wie halten Sie das, was Sie da jeden Tag erleben, nur aus?

Vermutlich nur, indem Sie diese Kolumne schreiben. In den Dank an Sie mischt sich also auch eine gehörige Portion Hochachtung (daß Sie es aushalten) und Mitleid (daß Sie es aushalten müssen). Wir wünschen Ihnen und Ihren Töchtern (und Ihrer Frau, die das alles ja auch aushalten muß, zusätzlich noch Ihre Kolumnen) alles Gute! – Dr. B. Weßling

 


 

 

Leserbrief zu „Dümmlicher Kitsch“ von Caspar Battegay in der Regionalausgabe ZEIT Schweiz

 

Wer in Zürich lebt und das jüdische Quartier Wiedikon kennt, vor allem auch die Männerbadeanstalt am Schanzengraben, der findet den Film „Wolkenbruch“ mit Joel Basman in der Hauptrolle grossartig, weshalb mich ihr Titel sehr irritiert hat. Dümmlicher Kitsch. Der neue »Wolkenbruch«-Roman stürmt die Bestsellerliste. Kein Wunder, schreibt unser Autor. In den Büchern von Thomas Meyer finden die Schweizer ihre jüdischen Klischees bestätigt. Ich selbst gehe häufig in die Männebadeanstalt, wo an schönen Sommertagen die Lehrer mit ihren Büebli zum Baden kommen.

Es ist ein ganz idyllischer Ort, vergleichbar auch mit der Frauenbadeanstalt, die tagsüber nur für Frauen zugänglich ist. An beiden Orten ist am Abend auch das andere Geschlecht zugelassen, in der Riminibar in der Männerbadeanstalt und in der Barfussbar in der Frauenbadi in der Limmat. Vergessen zu sagen, dass die Männerbadi in der Sihl, die Frauenbadi in der Limmat liegen, zwei Flüsse die die wunderbare Stadt Zürich durchqueren. Zürich hat einfach alles, einen wunderbar sauberen See, zwei Flüsse, die Bahnhofstrasse mit ihren chicken Läden und das Dörfli, wo man z.B. die Bodega, ein über 100 Jahre altes spanisches Weinlokal findet, wo es die besten Tapas gibt, die man sich vorstellen kann und dann natürlich die Kronenhalle direkt beim Bellevueplatz, wo es die beste Svocado vinaigrette der Welt gibt. Martin Hoch

 


 

 

Leserbrief zu „»Als SVP-Politiker wirst du sogar im Migros in die Nazi-Ecke gedrängt«“. Gespräch mit Henri Beuchat geführt von Barbara Achermann in der Regionalausgabe ZEIT Schweiz

 

Ich habe gerade mit Erschrecken den Artikel von Frau Achermann aus Ihrer Reihe „10 Ideen, wie die Schweizer Demokratie (noch) besser wird“ gelesen. Ich bin der festen Überzeugung, dass den rassistischen und rechtsradikalen Meinungen eines mindestens Protofaschisten, der sich hier als liebevoller und fürsorglicher Familienmensch darstellen kann, kein Raum in der Öffentlichkeit gegen werden sollte.

Diese Menschen sind brandgefährlich. Er reagiert nur ausweichend auf die Kritik seiner Cousine, er verbreitet Resentiments übelster Sorte und attestiert Einwanderer eine durch Fluch erworbene generelle Kriminalität ohne dies wirklich näher begründen zu müssen. Das ist faschistische Lehrbuchrhetorik, der die Autorin hier auf den Leim geht. Es ist in etwas so, als ob Heinrich Himmler oder Joseph Goebbels daheim, dadurch vom Vorwurf des Massenmords rein waschen, weil er sich so toll um seine Familie kümmert.

Wir alle müssen aufhören, solchen Menschen und ihren Ideen Raum zu geben. Sie können sagen und denken, was sie wollen aber wir sollten ihnen nicht das Mikrofon reichen. Ich bitte inständig darum, solche Aussagen in Zukunft wenigstens am Ende des Artikels zu kommentieren und als falsch zu entlarven. – Jens Ludewig

 


 

 

Leserbrief zu „Lasst alle Hoffnung fahren!“ von Alfred J. Noll in der Regionalausgabe ZEIT Österreich

 

Das Bild, das der Autor zeichnet von unserem Land, unserer Gesellschaft und unserer Demokratie ist düster, alarmistisch und grundlegend falsch. Der folgenschwere Denkfehler, den er begeht, ist eine ganz simple „Der Feind meines Feindes ist mein Freund“-Logik. Falls es ihm sogar bewusst ist, muss man von arglistiger Täuschung ausgehen.

Es war nicht jenes hehre Ideal eines Parlaments, dass als „Checks and Balances“ einen gewissenlosen Diktator in seine Schranken wies. Es waren zwei Oppositionsparteien, die mit Hilfe der wütenden Rachelust einer Partei, die gerade zu Recht aufgrund des größten Skandals der zweiten Republik alle Regierungsverantwortung verloren hatte, eine verbleibende Regierung stürzte, die dies nicht verdient hatte. Nicht die Regierungsmitglieder der ÖVP und schon gar nicht die neu ernannten, parteiunabhängigen Minister.

Mit jener FPÖ, die gerade noch die demokratiegefährdende Nemesis war, die Sebastian Kurz angeblich „salonfähig gemacht“ und sich mit ihr „ins Bett gelegt hatte“, gerade mit jener FPÖ wurde ohne mit der Wimper zu zucken gemeinsam ein politischer Misstrauensantrag gestützt. Das habe ich nicht verstanden und es verstanden auch jene Wähler nicht, die alle drei Parteien des Misstrauensantrags bei der vergangen Nationalratswahl mit Verlusten von über 17 Prozent insgesamt bestraften.

Vielleicht mag man das aus deutscher Sicht nicht nachvollziehen können, deshalb bitte ich um folgendes Gedankenspiel: Man stelle sich vor, die SPD stimmt gemeinsam mit der AfD einen Misstrauensantrag gegen Angela Merkel zu. Ich glaube, mehr muss ich nicht sagen. – Leonhard Riemer