15. Oktober 2020 – Ausgabe 43

 

Leserbriefe zu „Klare Regeln schaffen Freiheit“ von Giovanni di Lorenzo und Heinrich Wefing

 

Eigentlich ist Ihren Ausführungen nichts hinzuzufügen, wären da nicht zwei Sätze, die in ihrem Anspruch auf Allgemeingültigkeit zu hinterfragen sind. „Klare Regeln schaffen Freiheit“ und „Nichts untergräbt das Rechtsbewusstsein so sehr wie ein Vollzugsdefizit“. Ich staune. Welche Freiheit schaffen die eindeutigen Gesetze und Regeln in der Flüchtlingspolitik? Und haben wir nicht ein Vollzugsdefizit bei der Rückführung? Wer ist hier anarchisch, das Volk oder die Regierung? – Johannes Kettlack

 

Im Hinblick auf die allgemeine Verunsicherung auch unter den Politikern und Behörden stellt Giovanni di Lorenzo in seinem Artikel die Frage „Was können sie den Menschen noch zumuten? Und was hilft wirklich?“ Darauf versucht er eine medizinische und eine politische Antwort zu geben. Das Wagnis einer philosophischen Antwort in diesem Zusammenhang aus der Feder einer Bildenden Künstlerin klingt hoffentlich nicht zu anmaßend.

Die Unvernünftigen in der Bevölkerung gefährden durch ihr rücksichtsloses Verhalten, welches geprägt wird durch ihr Unvermögen weiter zu denken, ihre unmittelbare Umgebung, schlimmstenfalls den gesamten Stadtteil. Der Mangel an „geistiger Fähigkeit, Einsichten zu gewinnen“ machen sie unberechenbar. Deshalb mein Appell an Politiker, die zur Zeit versuchen, unser Leben mit Vernunft zu steuern: Habt ein Augenmerk auf solche, die nicht in der Lage sind, weitsichtig zu denken, nehmt bitte schon im Vorfeld zur Kenntnis, dass in einer vielfältigen Gesellschaft wie der unsrigen, nicht davon ausgegangen werden kann, dass das gewünschte Maß an Sensibilität flächendeckend vorhanden ist. Hier anzusetzen wäre eine gute Investition. Durch entsprechende, permanente und differenzierte Berichterstattung in Zusammenarbeit mit den Medien und modernen Technologien – wie mit der App – könnte weit mehr Aufklärung erfolgen.

Im Hinblick auf persönliche Eigenverantwortung ist es nicht hinzunehmen, geradezu unerträglich, durch unachtsames Verhalten einzelner Gruppen – egal welcher Nationalität – tatenlos in einen weiteren Lockdown mit den bekannten verheerenden Folgen zu schlittern. Es ist an der Zeit, Mitverantwortung und Solidarität einzufordern. „Nur dann kommen wir einigermaßen gesund bis zu den nächsten Ferien, in Italien oder anderswo. – Dagmar Löbert

 

Deutschland gibt sich Liberal. Ist es aber bei weitem nicht.  Es ist wie bei der Heiligen Kuh der Politik: Das Automobil. Kein generelles Tempolimit auf Autobahnen. Sehr laxe und extrem günstige Konditionen bei Verkehrsverstößen (im europäischen Vergleich). Aus diesem: „Freie Fahrt für freie Bürger“ erwächst der Unmut und die Uneinsichtigkeit für die notwendigen Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie. Die Freiheit des Einzelnen muss spätestens da aufhören wo eine konkrete Gefahr für Andere besteht. Hier sind der Staat, die Politik und die Ordnungsbehörden gefordert die bestehenden Vorschriften zur Eindämmung der Coronaverbreitung umzusetzen, Verstöße zu verfolgen und entsprechend zu ahnden. Die möglichen, wieder im europäischen Vergleich, viel zu niederigen Geldstrafen müssen auch konsequent verhängt und eingefordert werden.

Zurzeit erinnert die Bundes-und Landespolitik an einen aufgescheuchten Hühnerhaufen über dem der Habicht kreist und gleichzeitig der Fuchs einen Tunnel unter dem Zaun gräbt. Die Bundessirene Angela und der Landesodysseus Markus aus Bayern mit dem betörendem Gesang zum Verzicht auf die Beherbergung, mit einigen Landesadepten/innen haben wohl hier das Coronaeindämmungsziel bei weitem verfehlt. Erst laut fordern: Kein Urlaub im Ausland sondern besser Urlaub in Deutschland machen. Dann zu den Herbstferien ein Beherbergungsverbot erlassen. Finde den Fehler! Hier wirkt aber wohl bald (wie schon in Baden-Würtemberg) das Gericht des Zeus um die Verblendeten zu strafen und die Beherbergung den Trost, Urlaub und Entspannung suchenden Menschen wieder zu erlauben. Gott sei Dank es gibt ihn noch: den gesunden Menschverstand; siehe Manu Dreyer und Armin Laschet. (Übrigens ganz köstlich = Karl Lauterbach die SPD Arlamsirene!!!) – Felix Bicker

 

Es kann gar keine Regeln geben, wenn man den Feind  nicht kennt. Ausnahmsweise muß ich in dieser speziellen Sache die Politik in Schutz nehmen. Unser Föderalismus bringt es mit sich, dass jedes Land eine andere Gangart einnimmt. Ich lebe vorwiegend in Singapur, dort erfahre ich von Politikern, das Europa durch ihr Geschäftsmodell dazu verdammt ist länger mit dem Virus leben zu müssen. Ein Vielvölkerstaat hat es schwer die richtige Einstellung zu finden. Ich fürchte, daß die Bürger in Deutschland  noch lange mit dem Virus leben müssen. Die Pest im 15. Jahrhundert hat etwa 5 Jahre gedauert. Nur ein Impfstoff kann den Bürgern helfen davon eher erlöst zu werden. – Gunter Knauer

 

Ich hoffe sehr, dass ich nicht der einzige Leser Ihrer Zeitung bin, dem die Formulierung „anarchischer als manche Südländer“ auf der heutigen Titelseite sauer aufgestoßen ist. Überlassen sie solch aufmerksamkeitsheischende Überschriften doch bitte der Bild Zeitung. Außerdem bin ich enttäuscht, dass nun auch die Zeit in den Tenor derer miteinfällt, die im Nachhinein gewusst haben wollen, welche Maßnahmen gegen die Pandemie wirksam seien und welche nicht. Hierbei Wissenschaftler*innen mit Expertise auf dem Gebiet der Epidemiologie als „Alarmsirenen“ zu diffamieren finde ich unlauter. Erst recht nachdem sich Herrn Lauterbachs Warnung vor einer zweiten Welle ja nun offensichtlich bewahrheitet.  Ich erwarte besseres von Ihnen. – Matthias Berkefeld

 

Corona wird uns wahrscheinlich noch viel länger zu schaffen machen, als wir bisher dachten. Der Unmut über stets neue Corona-Regeln wächst in der Bevölkerung. Ich denke viel darüber nach, und es macht mir Angst! Ich verfasste den folgenden Leserbrief: Experten warnten ja schon lange vor der zweiten Welle. Nun ist sie da. Und wie! Es ist beängstigend. Eine erneute Regelungswut bricht sich Bahn. Den Durchblick haben auch intelligente Zeitgenossen längst verloren. Liebe Angela, diesen Wettbewerb der regierenden Ministerpräsidentinnen und -präsidenten hatten wir doch schonmal. Sie haben nichts gelernt. Dein für gestern erhofftes Machtwort war dann wohl doch keines. Kippt bitte endlich dieses blöde Beherbungsverbot und verordnet eine grundsätzliche Maskenpflicht. Und zwar überall dort, wo Menschen aufeinandertreffen und das Abstandhalten nicht klappt. Wer dagegen verstößt, zahlt Strafe. Und an den Rest: Gebt diesen Verschwörungstheoretikern, den ganzen Wendlers und Hildmanns bitte keine Plattform. Hört Ihnen nicht zu. Ich glaube, sie sind einfach nur dumm… – Achim Bothmann

 

Leider steht in der ZEIT, wie so oft bei der Corona-Berichterstattung, wieder eine Unwahrheit! Sie schreiben auf der Seite 1: “Weltweit gilt das Tragen einer Maske als unerlässliche Abwehrmaßnahme.” Das ist falsch! Wir wohnen in Konstanz, wo hinter unserem Gartenzaun die Schweiz, genauer der Kanton Thurgau, beginnt. Dort wird keine Maske getragen! Wir waren gerade im COOP in Kreuzlingen einkaufen. Gut besucht. Niemand mit Maske! Wenn mein Wissenschaftsverständnis nicht trügt, gilt eine Hypothese als nicht länger anwendbar, wenn sie falsifiziert ist. Den Menschen im Thurgau geht es hervorragend! Wenn Ihre stets Panik verbreitende Berichterstattung zuträfe, müsste dort längst der Tod herrschen.

Die ‘gleichgeschalteten’ (aus eigener Panik?) Medien wollen aber davon nichts wissen. Ihre Kollegen vom Südkurier müssten nur fünf Minuten fahren, um von Konstanz nach Kreuzlingen zu gelangen und sich von der Wahrheit zu überzeugen. Sie weigern sich jedoch!! Wie die ZEIT! Ich habe Ihnen, lieber Giovanni di Lorenzo, schon vor einigen Monaten in einer längeren Mail die vielen Unkorrektheiten in der ZEIT-Corona-Berichterstattung nachgewiesen  – leider ohne Antwort. Als Promi haben Sie wenig Zeit. Also geschenkt! Aber Sie schreiben sich doch immer die Verteidigung der Wahrheit und der freien Berichterstattung auf Ihre Fahne. Wäre es nicht Zeit zu einer Korrektur? – Dr. Peter Michel

 

Im Wesentlichen haben Sie ja recht: „In Wahrheit weiß niemand, wie schnell sich die Seuche weiter ausbreiten wird…“. Auch Experten haben sich in der Wahrnehmung ihrer Verantwortung schon geirrt. Ich nehme aber an, dass Sie auch wissen, dass Gesundheitsexperten wie Herr Drosten oder Herr Lauterbach seit Wochen übelsten Angriffen und Drohungen von Corona-Leugnern ausgesetzt sind. In diesem Zusammenhang empfinde ich Ihre Bezeichnung „SPD-Alarmsirene Karl Lauterbach“ als völlig unangemessen, beleidigend und niveaulos. Zu den klaren Regeln, die Freiheit schaffen, muss auch die Regel gelten: über Stellungnahmen von Gesundheitspolitikern und -experten kann diskutiert und sie können hinterfragt werden. Aber bitte nicht so! – Dietrich Dasenbrook

 

So viele Fragezeichen bei berühmten Journalisten, die jammern, oh wenn sie doch nur mehr wüssten ich hätte da eine Idee: mal durch sämtliche Viertel von 2 oder 3 großen Städten streifen, mit offenen Ohren und Augen – durch SÄMTLICHE ! Sie werden Antworten finden. Die liegen oft auf den Straßen. Bin gespannt, ob Sie sie aufheben und in der Zeit veröffentlichen. Freu mich schon. – Renate Neuhäuser

 

Wie um alles in der Welt kommen Herr di Lorenzo und Herr Wefing dazu , Herrn Lauterbach als „SPD-Alarmsirene“ zu bezeichnen?! Herr di Lorenzo hat einst öffentlich darauf hingewiesen, wie unfair das salonfähig gewordene Politiker-Bashing ist und wie es Menschen davon abhält, sich in den Politik-Betrieb zu begeben, um sich für unser Allgemeinwohl zu engagieren. Das hatte mir sehr gut gefallen!!

Und nun macht er sich lustig über einen Mann, der sachlich und fundiert und ohne jede Polemik seit Monaten dazu beiträgt, dass wir den Tatsachen in die Augen schauen und sie verstehen können und zugleich konstruktive und konkrete Vorschläge unterbreitet, um der Lage Herr zu werden?! Dahingegen fordern die beiden Journalisten di Lorenzo und Wefing  wohlfeil aus der in ihrem Falle einflussreichen Zuschauerposition Maßnahmen, die nicht den Hauch eines Widerspruches haben, wissend, dass es darum geht, dort Kontakte einzuschränken, wo es möglich ist, selbst wenn vergleichbare Kontakte woanders ( Dienstreisen, Berufspendler) nicht gut eingeschränkt werden können.

Die einzige angemessene Form, sich nach diesem Herrn Lauterbach lächerlich machenden Leitartikel aufrichtig zu entschuldigen wäre, wenn Herr di Lorenzo und Herr Wefing  sich in einem ausgiebigen öffentlichen  Interwiew persönlich mit ihm unterhalten und ihm zuhören  wollten! Die jetzt steigenden Corona-Fallzahlen hat Herr Lauterbach nicht herbeigeredet, sondern vorhergesehen, weil er als Experte sich  bestens informiert und Informationen einzuordnen weiß. Anstatt ihm dafür öffentlich Anerkennung zu zollen, hat DIE ZEIT – ja, was war eigentlich deren  Absicht? – Susanne Quabeck

 

Den Artikel finde ich mehr als empörend. Abs.5 „Deshalb ist auch nur schwer verständlich….Bonsai-Rebellen…kaum belangt werden. (Italien)…dort reichen die Geldstrafen…bis zu 1000 Euro…“ Abs.6 „…und nur relativ kleine Gruppe darauf pfeifen – aus Ignoranz, Verblendung oder Egoismus.“ Diese wenigen Zitate zeigen,wie abfällig Sie über Menschen denken, die die restriktiven Corona Maßnahmen in Frage stellen. Im Abs.7 könnten diese Menschen, für Sie, sogar an ein erneuten Corona-Ausbruch Schuld sein.

Diese Zeilen wirken trennend und suchen nach einem Sündenbock, den man bestrafen kann und nicht nach Lösungen. Die Geschichte liefert genügend Beweise für Hasserfüllte Propaganda, das müssten Sie ja wissen. Der Artikel, Klare Regeln schaffen Freiheit, reiht sich in die Aussage vom Bayerischen Ministerpräsidenten Herrn Söder, der Sinngemäß sagte: „Die Maske ist ein Instrument der Freiheit“. Da muss man aufpassen, das man in dem Elfenbeinturm, nicht die Bodenhaftung verliert, denn früher meinte eine autoritäre Elite, „Arbeit macht frei“. Diese unterste Schublade ist der Zeitung DIE ZEIT nicht würdig. Das man es besser machen kann, beweisen viele frühere Artikel.

Bitte recherchieren und hinterfragen Sie (keine schwere Sache), dann werden Sie feststellen, das es nicht nur eine kleine Gruppe von Ignoranten und Egoisten sind, die sich über die zerstörenden Corona – Maßnahmen Gedanken machen, sondern eine Armada von Wissenschaftlern, Ärzten, Anwälte…und einfache Zeitungsleser. – Arpad Grieshaber

 

Vielen Dank für diesen Artikel, der mir so sehr aus dem Herzen spricht, dass ich Ihnen diese Zeilen schreiben muss. Ein Wort gefällt mir besonders: Vollzugsdefizit. Ich bin sehr froh, in diesen Zeiten in Deutschland zu leben, allerdings frage ich mich immer öfter, ob zu viel Demokratie und Freiheit gut ist? Meine Freiheit hört vor der Nase des anderen auf. Das ist so und das wird auch so bleiben. Nur: wo auch immer Sie hinschauen, der Egoismus steigt. Dies zeigt auch das schreckliche Unglück auf der A66 heute vor einer Woche. Ich fahre diese Strecke täglich.

Zum Vollzugsdefizit gehört aus meiner Sicht auch die Maßregelung. Wir leben nicht alleine auf diesem Planeten, sondern gemeinsam in einer Gesellschaft. Und ich finde es nicht mehr als richtig, Mitmenschen freundlich darauf hinzuweisen, wenn bspw. die Maske fehlt oder falsch sitzt. Ob man mich dann mag oder nicht, ist mir herzlich egal. Manchmal sind wir Deutschen einfach zu feige, wir haben kaum noch eine eigene Meinung, verstecken unseren fehlenden Mut viel zu oft unter dem Spruch „Das geht mich nichts an“. Oh doch. Es gibt vieles, das uns etwas angeht und wo aus meiner Sicht auch die Verpflichtung besteht, uns einzumischen. Ich bin ganz sicher alles andere als geschichtskundig bzw. -fest. Ich weiß nur, dass es demokratische Werte, ein Zusammenleben, das größtenteils immer noch gut funktioniert, nicht gäbe, hätte sich viele vor langer Zeit, in Konflikte begeben, aus denen auch nicht alle heil herausgekommen sind. Mehr Mut ist dringend nötig. – Annette Haagen

 

Herrn Professor Lauterbach, der sich in den letzten Wochen und Monaten für keine Talkshow zu schade war und hervorragend die Befunde der Wissenschaft für uns Laien didaktisch reduziert und verständlich kommuniziert hat, als „SPD-Alarmsirene“ zu bezeichnen, finde ich sehr despektierlich. Das politische Klima in Deutschland ist rau genug, da müssen solche auf Effekt bedachten Ausdrücke nicht sein.  Ich denke bei Lauterbach, Drosten und Kekule, denen viele von uns ihr Leben verdanken, eher an Kassandras tragisches Schicksal! – Marcel Haldenwan

 

Wie immer ist es eine große Freude, Ihr Blatt zu lesen. Der Leitartikel der Herren di Lorenzo und Wefing bringt viele Aspekte auf den Punkt. Jedoch ist es meines Erachtens unter dem Niveau „Der Zeit“, dass Sie darin Herrn Lauterbach als „SPD-Alarmsirene“ diskreditieren. Etwaige Äußerungen hätte ich in der BILD, nicht aber bei Ihnen erwartet. Bedauerlich, insbesondere in Zeiten, in denen Mandatsträger zunehmend mit Beleidigungen leben müssen. Herr Lauterbach, ob man seine Meinung nun teilt oder nicht, macht glaube ich auch nur seinen Job und hat dabei seinen Standpunkt. – Britta Lüers

 

Ich lese schon lange und im Moment wieder die Zeit. Sie bemühen sich, aber ich persönlich finde. dass sie ihren Fokus etwas verändern und weiten sollten. Die Pandemie – das Zeitfenster des Handels war bereits im Frühjahr geschlossen, da  man ausreichend lange, dank eines Lack of imagination“ nichts getan hatte und auch die Signale Ende 2019 nicht erkennen wollte. Damals wäre es evtl. noch möglich gewesen durch Reiseverbote insbesondere nach China, die Pandemie bzw. das Virus in D zu verhindern. Alles was danach kam und kommt, wird nur den wirtschaftlichen und psychischen Schaden dank mangelnder Voraussicht erhöhen.( Schweden hat man an den Pranger gestellt. Ich finde sie waren mutig  und wie es scheint auch  anderen Voraus!) Aber man muss ja seine Wähler schützen  (- alle über 65). Ich finde es ist höchste Zeit, sich nicht  mit Infizierten sondern mit den realen Erkrankungen zu beschäftigen und die Zahlen in Relation zu anderen täglichen Risiken zu setzen, einzuordnen ( z.B. den Hungernden und verhungernden für 2020 – da zählen die paar Corona Toten nicht wirklich) damit das schiefe Bild und die Angst weiche.

Die Rolle der Wissenschaft , der Experten und der Unternehmen: Experten haben per Definition ein enges tiefes Verständnis von wenig. Darüber hinaus sind die Wissenschaftler gewohnt Zeit zu haben, nur unter sich zu kommunizieren. In der Life Science Branche selbst geht man davon aus, dass 80% der Publikationen unter Normalbedingungen  nicht reproduzierbar sind. Wie ist es wohl derzeit?? Nun wird einer herausgehoben, es gibt Gelder „Funding“ und was machen alle anderen? Sie halten den Mund, denn auch sie möchten  Gelder.  Ein Wissenschaftler kann hervorragend im Labor arbeiten, in der Realität ist er meist überfordert und überbewertet im allgemeinen Disziplin ohne Kollateralschäden zu bedenken.

Die Annahmen, die den wissenschaftlichen Modellen zugrunde liegen müssen sorgfältig begriffen und bewertet werden, bevor man darüber schreibt. Hier besteht enormer Verbesserungsbedarf – es sei denn die Ansicht ist, Bürger zu verunsichern und in Angst und Schrecken zu versetzen, um sie leichter steuern zu können. Gerade auch die epidemiologischen Modelle bieten hier vielfältige Annahmen auch den epidemiologischen  sind genau zu hinterfragen, um die Verlässlichkeit der Aussagen zu bewerten/ zu hinterfragen. In Summe  es sind Aussagen viel zu unreflektiert wiedergegeben worden.

Die Industrie ist der größte Profiteur der Krise, obwohl sie es jahrelang versäumt haben ( zusammen mit unseren politischen Entscheidern) rechtzeitig zu forschen und zu investieren. Vakzine versprachen einfach zu wenig Profit und man beherrscht die Stellschrauben des Systems. Da die Regierung wahrscheinlich schon weiß. dass sie der „Welle“ hinterherläuft kommt nun das Prinzip Hoffnung: ein Vakzin – mit völlig neuen Vektoren oder solchen, gegen die insbesondere die Risikogruppen wahrscheinlich Antikörper haben. Darüber hinaus haben die älteren Menschen ohne hin ein lahmes Immunsystem und so ist der Vakzinansatz eigentlich nicht der zielführende ganz abgesehen davon, dass es viel länger dauern kann als gedacht HIV , seit 35 Jahren bekannt, 40 Mi. Tode und immer noch mein Vakzin. Ich finde es wäre an der Zeit, uns Bürger nicht als unmündige Kinder zu behandeln sondern uns einzubinden und mit realistischen Optionen

Und nun das kritischste:  nicht nur in diktatorischen Ländern werden Rechte weiter abgebaut, auch die Demokratie kann unter Druck kommen sondern auch bei uns. Es wäre sicherlich sehr wertvoll einmal genauer zu analysieren welche Gesetze insbesondere im BMG durch gepeitscht wurden, Auch wenn ich seit langem dafür bin, mehr Gesundheitsdaten zu nutzen, um individuelle  Lösungen zu schaffen, habe ich al Bürgerin enorme Probleme weiter entmündigt zu werden. Wir haben eine Geschichte, die uns nicht nur bzgl. Juden sensible machen sollte sondern gerade auch unsere Neigung zum Untertanentum ebenso kritisch beleuchten sollte wie alle  hastigen Gesetze in „Notstandszeiten“. In diesem Sinn, wünsche ich mir einen mutigeren und konträren Journalismus, der sich insbesondere für befähigte Bürger, transparente und damit sozial und faire Umgangsformen einsetzt und nicht nach Einhalten von Regeln ruft, die zu spät  kommen!! – Dr. Evelyn Orbach-Yliruka

 

Ich finde es unerträglich, wie einseitig die ZEIT in Sachen Covid 19 berichtet. Als langjähriger Abonnent bin ich von Ihrer Redaktion eine kritische und differenzierte Berichterstattung gewohnt. Jetzt aber beteiligen Sie sich am allgemeinen medialen Sensationalismus, schreiben nur noch vom RKI ab und unterlassen es, andersdenkende Experten, die es zu hauf gibt, zu Wort kommen zu lassen. Ich empfehle Ihnen und Ihrem Redaktionsteam das neue Buch von Clemens Arvay „Wir können es besser“ als Pflichtlektüre! Bei der Gelegenheit: Warum wird nicht ein Wort über die Diskreditierungskampagnen z.B. gegen Arvay berichtet? Darüber, dass derzeit der Wikepedia-Eintrag über Arvay (und andere) von einzelnen Autoren dahingehend verändert wird, dass sich daraus keine ausreichende Sachverständigkeit der betroffenen Wissenschaftler mehr herleiten läßt? Warum wird nicht darüber berichtet, dass die Pharma-Industrie Covid 19 als Vorwand nimmt, um endlich DNA-Impfstoffe auf den Markt zu drücken, die bisher wegen der zu erwartendenden Risiken noch nie eine Zulassung erhalten haben?

Und warum wird nicht darüber berichtet, dass ein Impfstoff normalerweise etwa sieben Jahre bis zur Zulassung benötigt, hier aber jede Vorsicht beiseite gelassen werden soll, um mittels Teleskopierung der normalerweise nacheinander ablaufenden Testphasen innerhalb von maximal 12 Monaten einen Impfstoff auf den Markt zu bringen, dessen Wirksamkeit dann auch noch zum Einen fraglich ist und zum Anderen wohl in einem ähnlich geringen Maß Infektionszahlen verringern wird, wie es bei den Grippeimpfungen der Fall ist? Herr di Lorenzo, auch ich denke im Moment ernsthaft darüber nach, mein Abonnement zu kündigen. Bitte beginnen Sie auch im Themenkomplex Covid 19 wieder, kritisch, differenziert und investigativ zu arbeiten. – Karl-Peter Weiss

 

Auf Grund Ihrer lang andauernden einseitigen Berichterstattung über die Corona Krise hatte ich mir überlegt Die Zeit nicht mehr zu lesen — zu Beginn konnte man immer nur Berichte ,die die Ängste der Menschen unterstützten, lesen — nie wurden auch die Wissenschaftler zitiert die sich dieser Panikmache entgegenstellten. Der erste Bericht war dann von der Berliner Virologin  die endlich den Mut hatte gegen den „regierungsgewollten Strom“ zu schwimmen. Ihr Artikel ist einfach großartig und lässt hoffen das es wieder einen Freien Journalismus „ohne Anweisung“ gibt. – Angelika Kellner

 

Weltweit. Renommierte Professorenschaft der Virologie einschließlich Christian Drosten bekennt schon lange öffentlich, dass die Alltagsmaske keinesfalls nur  Fremdschutz hat, sondern auch dem eigenen (!) Schutz der Maske Tragenden dient, vor allem vor Tröpfcheninfektionen. Dieser Aussage schließt sich jüngst auch MinisterJens Spahn bei zwei Fernsehauftritten mündlich an. Dagegen werben die Schriften des Ministeriums/ das RKI für das Maske tragen weiterhin nur zwecks dem Schutz „anderer“. Solange diese schriftliche Einschränkung besteht, muss ihr laut Auskunft aus dem Kreis der ZDF-Redaktion auch der Tag für Tag verbreitete Teletext seit Monaten folgen.

Deshalb fehlt die Alltagsmaske in der täglich verbreiteten Antwort auf die Teletext-Frage, wie man sich selbst (!) schützen kann. Statt dessen geht es dort nur um das Händewaschen und jenen „Abstand“, der zunehmend dadurch an praktischer Bedeutung verliert, dass notwendige Lockerungen mehr dazu führen, dass es unausweichlich (!) eng wird. Möge der o.g. Teletext umgehend derart aktualisiert werden, dass er das Fernsehpublikum genauso wie die o.g. Professorenschaft und  die ZEIT ihre Leser eher zu mehr als zu weniger Alltagsmaske motiviert, um nicht zuletzt auch zum eigenen (!) Schutz dem Bericht von Giovanni di Lorenzo und Heinrich Wefing vom 15. Oktober zu folgen: „Weltweit gilt das Tragen der Maske als unerlässliche Abwehrmaßnahme.“ – Frank Müller-Thoma

 

Die Coronakrise oder wie zerbröseln Legislative, Exekutive und Judikative ihre Glaubwürdigkeiten, insbesondere durch eine wenig nachvollziehbare und gepflegte Vielfalt an Meinungen und Expertisen. – Jürgen Dressler

 

„Die Politik hat in den vergangenen 6 Monaten vieles richtig gemacht,  aber manches eben auch falsch“, eine phänomenale Erkenntnis des Chefredakteurs. Als Beleg für „falsch“ benennt Herr di Lorenzo auf Bildzeitungsniveau allein die „SPD-Alarmsirene Karl Lauterbach“, sonst niemanden. Am Tag der Herausgabe der 43. Auflage der ZEIT stellen sich die Warnungen und Erkenntnisse der Virologen und Epidemiologen und Politik (dazu gehören auch SPD und Professor Karl Lauterbach) als zutreffend heraus. Die Kanzlerin bestätigt dies nochmal in einer für sie dramatischen Art und Weise in den Fernsehnachrichten. Es sei nicht 1/4 vor 12, sondern 12 Uhr, sagen auch Wissenschaftler. Herr di Lorenzo sollte die SPD und den Epidemiologen, Prof. Karl Lauterbach in der ZEIT bitten, ihn „zu entschuldigen“. Er wird wissen, dass  sich  nicht niemand selbst entschuldigen kann. – Hans-Jürgen Scholz

 

Wie schön, dass Sie in Ihrem gelungenen Beitrag den Begriff der „Rechtstreuen“ aufleben lassen. Ganz überwiegend sind die Deutschen rechtstreu und es sollte viel darum gegeben werden, dass es so bleibt. Ja, in Deutschland gibt es ein Vollzugsproblem. Gibt es dieses Problem aber nicht schon viel länger? Ist es nicht auch die Folge des „ewigen“ Rufes nach einem „schlanken Staat“? Wurden nicht auch dort Stellen gestrichen, wo selbst Sparmaßnahmen keine Begründung hätten sein dürfen?

Spontan denke ich da an überforderte Jugendämter, die Problemfälle nicht intensiv genug betreuen können, Einwohnermeldeämter in Großstädten, bei denen man monatelang auf einen Anmeldetermin warten muss. Oder auch an überlastete Gerichte und Staatsanwaltschaften, die Mühe und Not haben, Fristen einzuhalten. Dazu kommt dann häufig genug eine mangelnde Akzeptanz behördlicher Maßnahmen. Der Ton ist rauer geworden, die Aggressivität wächst. Das war auch schon vor der Corona-Pandemie so und oft Thema in der ZEIT. Ich wünsche mir auch keinen autoritären Staat, aber einen funktionierenden Rechtsstaat.

Es stimmt, die Politik ist gerade jetzt gefordert, klare Regeln aufzustellen, sie zu begründen, auf das Notwendigste zu beschränken und einer stetigen Überprüfung zu unterziehen. Für die Durchsetzung der Regeln bedarf es qualifizierten Personals. Das kann man aber eben nicht so einfach „herbeizaubern“ . Umso mehr sind wir alle auf eine hohe Akzeptanz dieser Regeln in der Bevölkerung angewiesen. Und diejenigen, die allzu genervt von der Maskenpflicht sind, die sich für Rebellen halten, wenn sie falsche Angaben in Restaurants  machen, die jetzt so sehr auf ihre persönlichen Freiheiten pochen mögen, sollten sich vor Augen führen, dass wir uns im Moment nicht im „Normalbetrieb“ befinden. – Regina Stock

 

Was ist die bessere Alternative: Lieber agieren und damit Dinge direkt beeinflussen oder einfach nur reagieren, wenn sich Dinge schon in die falsche Richtung entwickelt haben? Für die Mehrzahl fällt die Antwort wohl eindeutig aus. Die politisch Verantwortlichen versuchen durch gezielten Einsatz von Maßnahmen die Verbreitung des Coronavirus einzudämmen, also zu agieren. Das in unserem föderalen System nicht alle Landesregierungen zu 100 % identische Verordnungen erlassen, darf doch nicht wirklich überraschen und es gehört dazu, dieses auszuhalten.

Trotzdem habe ich den Eindruck, dass jeder Landeschef/-in an seiner Stelle sich der besonderen Verantwortung absolut bewusst ist. Und Verantwortung ist für uns alle das Gebot der Stunde: Jeder einzelne ist jetzt gefragt und entscheidet mit seinem Tun darüber, ob wir die zweite Welle einigermaßen glimpflich überstehen. Die zum Teil drastischen Entwicklungen in den letzten Wochen in den Nachbarländern zeigen es sehr deutlich, was auf uns zukommen kann. Gewisse Einschränkungen der Freiheit sind jetzt unausweichlich und dienen alle nur einem Zweck, nämlich dem Schutz von Leben und Gesundheit von uns selbst und unseren Mitmenschen.  Das ist es allemal wert, sich an die Regeln zu halten und zwar konsquent und alle! – Bernhard Horstmann

 

Freiheit schaffen durch Regeln ? Das wird doch keine Freiheit, wenn Regeln Riegel davorschieben. Sinnentleerte Behauptung. – Hans-Emil Schuster

 

Gut gebrüllt, Löwen! Aber die Politik wird nicht hören wollen! Das hätte sie ja schon seit 5 Monaten gekonnt! Sie erfreut sich lieber an ihrer Allmacht, die sie -aus meiner Sicht leider- auf populistischer Angst aufbaut. Die Regierungen (Exekutive) in Bund UND Ländern wollen nicht mehr wahrhaben, dass nicht sie, sondern die Parlamente das Volk repräsentieren – und sie als Regierungen für ihre Handlungen rechenschaftspflichtig sind.

Und die Parlamente haben vergessen, dass sie die jeweiligen Regierungen zu kontrollieren haben – im Auftrag des Wahlvolkes und in Konkretisierung der Verfassung(en)! Vielzüngig wird aus jedem Ressort und zig Untergruppen ein Gebots- und Verbotskatalog verbreitet – aber immer ohne Begründungen: was besagen 35 oder 50 Infizierte je 100.000 für die Gesundheit Aller? Ist dies in Berlin ebenso wie in Greifswald? Und auch in Fiumicino? Welches sind die „vergleichbaren Staaten“, wenn Italiener, Spanier und Franzosen völlig anders leben und wohnen? Warum können kleinere Familienclans im Preussen- und im Görlitzer Park ohne Maske feiern -und die 3 Polizisten trauen sich nicht, dies zu beenden? Von den Dealern ganz zu schweigen.

Warum wird der Bevölkerung eines ganzen Landkreises Ga.-Pa. das Wochenende mit Apokalypsen- Szenarien vermiest, wenn nur 1 Arztpraxis eines unkooperativen Arztes, 1 (US-) Hotel und 2 Bars (rechtzeitig) geschlossen werden müssten? Warum sollen wir Hände waschen, wenn sich Corona im Mund-, Rachenraum explosionsartig vermehrt? Daher fehlt zur Zeit die Basis jeglicher Demokratie: das Volk mitnehmen!! Denn es ist eben nicht so, dass sich „immer mehr“ Menschen infizieren, sondern „immer wieder“! Für mich liegt in dieser 7-monatigen Wiederholung ohne Erkenntnisgewinn das politische Versagen! Das Gezeigte ist Schaumschlägerei! Halten Sie Abstand – und gurgeln sie konsequent! – Franz Berger

 

In Ihrem aktuellen Leitartikel stellen Sie im mittleren Teil viele Fragen, auf die ich auch gerne eine Antwort hätte; aber sie kommt nicht. Nur finde ich Ihr Klagen über die schlechte Informationspolitik scheinheilig, denn Sie hätten Monate Zeit gehabt, der Sache auf den Grund zu gehen. In dieser Beziehung sehe ich Sie als Teil des Systems. Deshalb möchte ich Sie zu einem anderen Blickwinkel einladen: Der Staat ist offensichtlich nicht willens oder in der Lage, die erforderliche Transparenz zu gewährleisten.

Die Fragen, wer sich wann, wo, wie, warum usw. angesteckt hat, sind wichtig, gerade weil – auch wegen der erfolgreichen Vorkehrungen- die Bedrohung so wenig offensichtlich ist. Also sollte eine andere Institution in die Bresche springen und die fehlenden Informationen liefern. Als geeignete Institution sehe ich „Die ZEIT“, oder auch die Presse im Allgemeinen. Wenn Sie die nötigen Antworten nicht auf dem Silbertablett bekommen, müssen Sie diese selbst beschaffen. Ja, das kostet Zeit und Geld; aber ich könnte mir vorstellen, dass Ihre Leser Sie in diesem Projekt unterstützen würden.

ZEIT-Leserinnen sind nicht alle in Kurzarbeit und, da die nächste Reise zu den Eisbären ausfallen muss, haben sie eventuell freie Mittel für andere Ziele. Sie müssten uns nur fragen und mit einer passenden Vision begeistern. So eine Informationsoffensive hilft uns hoffentlich mehr, als das sprichwörtliche „Pfeifen im Walde“ und das wiederkehrende Trump-Bashing. Zusätzlich zu trockenen Zahlen und Graphiken halte ich Fallbeispiele für hilfreich; also Geschichten von Betroffenen aus unserem möglichen Umfeld, die ein Gefühl der Nähe hinterlassen. Diese Aktion sollte in die volle Breite ausgerollt werden, um nicht nur einmal pro Woche nach Hamburg und Umgebung zu schauen. – Uli Hildebrand

 

Der Artikel spiegelt genau die diffuse Hilfslosigkeit der Regierungen und der Bürger bei den Entscheidungen für mehr Strenge oder mehr laissez fair. Es ist unter anderem zu lesen, dass es keinen Beleg für Infektionen bei Versammlungen im Freien gibt. Es handelt sich hier aber nicht um eine Straftat, die durch eindeutige Beweis nachgewiesen werden muss, um eine Verurteilung zu rechtfertigen.  Der Verdacht einer Gefahr erfordert im Covidfall bereits massive Maßnahmen.

Zum Verdacht: Wenn ein Raucher in 2m Abstand passiert und Rauch ausbläst, ist der Geruch deutlich wahrzunehmen. Rührt das nur von Rauchpartikeln. Mit Sicherheit wird ein Gemisch von Aerosolen verbreitet. Verdacht erhärtet! In diesem Zusammenhang wird Lauterbach als SPD Alarmsirene abqualifiziert. Die neuesten Zahlen weisen eher darauf hin, dass die Alarmsirene viel zu wenig wahrgenommen wurde. Anzumerken ist die Frage, was die Alarmsirene mir der SPD zu tun hat. Man muß kein SPD Anhänger sein, wenn diese Formulierung als wenig seriös empfunden wird.“ – Siegfried Veile

 


 

 

 

Leserbriefe zu „Über Gebühr links“. Gespräch mit Wolfgang Kubicki und Kai Gniffke geführt von Jochen Bittner und Stefan Schirmer

 

Herr Kubicki beschwert sich über das ,,Erziehungsfernsehen“ bzgl. der Klimaberichterstattung der Öffentlich Rechtlichen. Wer soll das denn sonst übernehmen? RTL, Facebook?Dass er und wir alle in Deutschland seit 30 Jahren einen Lebensstil pflegen, der auf Kosten eines großen Teils der Weltbevölkerung und der Natur geht, ist seit 30 Jahren bekannt. Verhaltensänderung aufgrund von Vernunft oder Verantwortungsbewusstsein? Fehlanzeige! Herr Kubicki und viele von uns verhalten sich seit 30 Jahren wie ein Kind, dass auf eine Geburtstagsfeier eingeladen wird und ohne zu fragen immer die Hälfte der Torte nimmt und für die anderen 10 Kinder bleibt der Rest übrig. Und nun nach 30 Jahren dieses ohne Sanktionen betriebenen Verhaltens empört sich dieses uneinsichtige Kind über erste Erziehungsmaßnahmen, weil es 30 Jahre auf das Bitten oder Hinweise auf Verantwortungsbewusstsein nicht reagiert hat?  Nicht zu fassen! – Carsten Wirth

 

Also, das Interview haut mich. Was redet der gewesene Nachrichtenchef Kai Gniffke für dummes Zeug. In den Sendeanstalten des NRW und WDR gewinnt man eher den Eindruck, daß die Parteizentralen der SPD mit am Redaktionstisch sitzen. Ich bin ein ausgesprochener Radiohörer, und das seit über 30 Jahren. Was will er mit der Floskel; „Wir trennen zwischen Meinung und Bericht“ sagen. Er widerspricht sich damit. Die Meinungen in den Redaktionsstuben sind durchweg links bis Linksaußen. Der Deutschland-Sender, quasi der Nachbar vom Westdeutschen Rundfunk, gehört genauso dazu. Die Bevölkerung ist verängstigt und verunsichert durch die mediale Dauer-Indoktrination. Das ist die Wahrheit, die ganze Wahrheit.

Es ist in den 70er Jahren versäumt worden, die Redaktionen interdisziplinär zu besetzen, wie es auch der Staatsvertrag mit dem Rundfunk vorsah. Unsere Kultur ist doch längst  von bestimmten Kräften dem Untergang geweiht. Und das hat auch Kai Gniffke mit zu verantworten. Mir scheint, Herr Gniffke hat seine Erkenntnisse aus der ehemaligen DDR gewonnen. Dort wurden die Medien politisch auf Linie gebracht. Der das besonders gut konnte war Eduard von Schnitzler mit seinem „Schwarzen Kanal“. Etwas übertrieben dargestellt, aber die Richtung stimmt. – Gunter Knauer

 

Im STREIT mit Herrn Kubicki haben Sie dessen Vorhaltungen weniger widerlegt, sind diesen zumeist ausgewichen, behaupten beispielhaft, Sie könnten sich „…die konservative Stimme der ARD…nicht backen.“ Mein Gedanke: Beginnen Sie bitte die allfälligen Ausschreibungen zutreffend mit Ihrem Teil-Satz: „Wir (die ARD) sehen durchaus, dass wir noch stärker ein divergierendes Meinungsbild abgeben müssen…“ …und suchen  hierfür weitere geeignete Persönlichkeiten. Bitte wählen Sie diese dann aus der Vielzahl Ihrer Bewerbungen aus, und schon wäre das beklagte resp. strittige Defizit ausgeräumt. Parteizugehörigkeit hin oder her: „Die Gniffkes sind seit dem Kaiserreich Sozialdemokraten.“ Was bitte wollen Sie – bezogen auf die STREIT-Frage „Über Gebühr links?“ damit sagen? – Dr. Gernot Henseler

 

Herr Kubicki hat weitestgehend recht und Herr Gniffke ist ein ausgesprochener Heuchler. Selbst in der Servicesendung “Kaffee oder Tee” des SWR wurde am Nachmittag zwischen Gartentipps und Kuchenbacken mal schnell nach Moria geschaltet. Und sehr wohl mit erzieherischer Ausrichtung. – Gerhard Reinelt

 

Ein nerviger Beitrag! Reicht es nicht, dass Herr Kubicki über Gebühr durch die Talkshows der von ihm bekrittelten Öffentlich  – Rechtlichen zieht; müssen auch Sie noch seiner unmaßgeblichen Meinung so viel Platz einräumen? Ich fühle mich durch ARD, ZDF und Phoenix umfassend informiert und unterhalten, gönne ihm seine Sportschau, anderen ihre Seifenoper oder die ja nur sehr, sehr selten stattfindende royale Hochzeit und erwarte nicht, dass alle Beiträge auf meine Bedürfnisse zugeschnitten sind. Wenn ich gezwungen wäre, nur noch private Sender zu schauen, würde ich den Fernseher abschaffen. – Doris Tiemann

 

Dank an Kai Gniffke und die ARD; sie mögen so bleiben, wie sie sind. Wolfgang Kubickis schwache Argumentation ist kaum noch zu steigern. Sein Rückgriff auf das Totschlagsargument des „Erziehungsfernsehens“, das ihn stört, zeigt doch nur die persönlichen Probleme aus der Zeit seiner Erziehung; die zu heilen ist seine und nicht die Sache der ARD. – Hanna Leinemann

 

Herr Gniffke irrt natürlich gewaltig, wenn er aus den hohen Zustimmungsraten für die ARD schließt, dass das Vertrauen in die ARD ebenso hoch wäre. Unter den Blinden, ist immer der Einäugige König, das war und ist schon immer so! Schade nur, dass Herr Gniffke den Unterschied zwischen Haltungsjournalismus/Agitation und Meinung nicht erkennen kann. Wir hatten in Deutschland vor gut 30 Jahren einmal den Journalisten Karl Eduard von Schnitzler mit seinem „schwarzen Kanal“  im DDR-Fernsehen und Gerhard Löwenthal mit dem ZDF-Magazin im ZDF. Der eine war ein Agitator, der andere hatte eine Meinung.

Mittlerweile wimmelt es aber in der ARD von Haltungsjournalisten und Aktivisten, da würde selbst einem Agitprop-Profi wie Karl-Eduard von Schnitzler die Schamröte ins Gesicht steigen und Gerhard Löwenthal würde ganz blaß aussehen. Dabei ist es doch sooo einfach.“ Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache, auch nicht mit einer guten Sache, dass er überall dabei ist, aber nirgendwo dazugehört.“ ( Hanns-Joachim Friedrichs) Mit dem Zitat von Friedrichs ist alles gesagt,dem ist nichts hinzuzufügen und das Zitat sollte sich Herr Gniffke hinter die Ohren schreiben! – Axel Jeske

 

Perfekter wie Kai Gniffke kann man nicht demonstrieren wie gleichgültig der ARD, die Zuschauer und Hörer sind. Mit total arroganter Ignoranz demonstriert Herr Gniffke eine gelassene Gleichgültikeit die ihresgleichen sucht. Mit der jede Anregung, Idee sowie Verbesserungsvorschläge wie eine Majestätsbeleidigung selbstgefällig abgeschmettert wird. Schon die Erwiderung auf den Hinweis der aussergewöhnlich  hohen Vergütung und Altersversorgung , das Industrie Manager wesentlich mehr verdienen entlarvt die Haltung dieses Herrn. Firmen Manager schaffen Werte die zum Bruttosozialprodukt beitragen und damit der Volkswirtschaft dienen.

Die ARD Sender können das nur von sich behaupten, wenn sie in den Freitagabend Talks nach 22:00 Uhr Gäste präsentieren die ihre neuen Bücher vorstellen und die Anstalten des Öffentlichen Rechts  beste PR Maschinen für mehr oder wenig , meist weniger, interessante Bücher, tätig werden. Kulturauftrag ? nein PR Agentur mehr nicht, auch in in fast allen Unterhaltungsmagazinen werden immer irgendwelche  Charts, Bücher und Comics, wie auf dem Jahrmarkt angepriesen. Der Rest sind Wiederholungen oder politisch verbrämte Anprangerungen, wie schlecht wir regiert werden. Das Fazit: Öffentlichrechtliche TV und Rundfunkanstalten in Deutschland leben in einer unantastbaren, nicht kritikfähigen, bestens vesorgten Käseglocke, die sie mit allen Mitteln verteidigen, auf Kosten der Gührenzahler. – Klaus Lenser

 

Die Interviewer erwähnen als Beispiel für eine nichtpopulistische, konservative Haltung, die der Rundfunk vertreten könnte, „dass homosexuelle Paare keine Kinder adoptieren sollten“. Ich wundere mich manchmal, wie weit das „Streit“-Ressort geht, nur um „Meinungsvielfalt“ abzubilden. Friedrich Merz bekam zu Recht für eine sehr ähnliche, latent homophobe Meinung auf die Mütze. Schlicht, weil es menschenfeindlich ist, einer Bevölkerungsgruppe einfach ein Recht vorzuenthalten, durch welches niemand anders etwas verlieren würde. Eine Haltung, die diffus fordert, Homosexuelle müssten doch bitte von irgendetwas weniger bekommen als „wir“ „Normalen“, mag vielleicht konservativ sein, ist aber sehr wohl populistisch und vor allem dumm, weil es keine Argumente dafür gibt. Ich bin froh, dass ich eine solche Forderung in ARD und ZDF schon lange nicht mehr gehört habe. – Tilman Lucke

 

Dieses Gespräch habe ich mit Interesse verfolgt. Es war vor allem ein Meinungsstreit. Auf sachliche Argumente wurde nur kurz eingegangen. Die Haltung/Meinung der Einzelpersonen standen im Vordergrund. Sie ersetzen jedoch nicht die dringend notwendige offene Debatte mit sachlichen Argumenten und das „Bis-zu-Ende-denken“. Erst alle Fakten zum Thema bzw. zur Frage, zum Problem, dann abwägen/prüfen derselben und erst danach die persönliche Meinung. Dieser Grundsatz wurde nicht befolgt. Zu den Fakten gehören auch die Tatsachen, die von der „falschen“ Seite unserer Gesellschaft benannt werden.

So sind z. B. in den Publikationen von Dr. Necla Kelek, Seyran Ateš,  Hamed Abdel-Samad, Ahmad Mansour, Samuel Schirmbeck, Constantin Schreiber, Kamel Daoud, Chardortt Djavann , Michael Hampe und zuweilen auch bei Sarrazin Fakten zum Thema Migration zu finden. Sie werden jedoch aus „erzieherischen Gründen“ oder infolge von Selbstzensur nicht thematisiert. Der Linksextremismus und seine radikalen, gewaltsamen Auswüchse, schränken die freie Berufsausübung von in der Öffentlichkeit stehenden Personen ein. Künstler werden verleumdet.  Darüber wird berichtet. Eine Debatte darüber, wie in Zukunft damit umzugehen ist, findet nicht statt. Ganz anders verhält es sich, wenn es um rechte Gesinnung geht. – in sofern beantworte ich die Überschrift eindeutig mit Ja. – Renaux Schmolling

 

Ein Streitgespräch soll den Sinn haben, ein Thema möglichst umfassend zu beleuchten. Diesem Ziel wird das Gespräch zwischen Kubicki und Gniffke in keiner Weise gerecht. Es verliert sich im Klein-klein und im gegenseitigen Vorhalten von Einzelfällen, die nur selten exemplarisch sind. Grundsätzliche Merkmale des öffentlich-rechtlichen Rundfunks werden nicht angesprochen. Intendant Gniffke kennt nur den gesetzlichen Auftrag des öffentlich-rechtlichen  Rundfunks, einen Beitrag zum Zusammenhalt in der Gesellschaft zu leisten. Dass der ö.-r. Rundfunk auch die Grundwerte des Grundgesetzes  und die Demokratie zu schützen und zu verteidigen  hat, erwähnt er nicht.

Dazu passt, dass er beim Wort Haltung allergisch reagiert. Um dem genannten Auftrag gerecht zu werden, müssen Journalisten aber eine Haltung haben, nämlich die des engagierten Demokraten. Beiden Diskutanten scheint in keiner Weise die fundamentale Bedeutung des ö.-r. Rundfunks für die Demokratie klar zu sein: Er ist das einzige Medium mit Reichweite, das keine Gewinne erwirtschaften muss  und daher  gewährleisten kann, dass der  für eine Demokratie lebenswichtige öffentliche Diskurs  und die öffentliche und private Meinungsbildung  nicht  von kommerziellen Interessen bestimmt wird.

Kubicki, der seine juristischen Kenntnisse betont, ist im Verfassungsrecht  wenig sattelfest. Wenn er fordert, dass die Öffentlich-Rechtlichen vorrangig das anbieten sollen, was die Privaten nicht liefern, missachtet er  den Inhalt der  im Grundgesetz garantierten Rundfunkfreiheit, den das Bundesverfassungsgericht in seinen zahlreichen Rundfunkurteilen formuliert hat. Den ö.-r. Rundfunk auf ein Nischenprogramm zu reduzieren, ist schlicht verfassungswidrig. Und wenn sich Kubicki „einen Freund des öffentlich-rechtlichen Rundfunks“ nennt, benimmt er sich wie der Wolf, der den Geißlein schmeichelt,  bevor er sie frisst.  Hat die FDP doch in ihrem letzten Wahlprogramm gefordert, den Rundfunkbeitrag zu halbieren und damit den Programmen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks die Finanzierungsgrundlage zu entziehen. – Dr. Ortlieb Fliedner

 

Der Intendant des SWR benennt selber das Problem, mit dem öffentlich, rechtliche Sender behaftet sind. Er irrt, wenn er Konservatismus mit Populismus gleichsetzt, wie die „Die Zeit“-Moderatoren anmerken. Wenn Herr Gniffke sich beklagt, dass es keine geeigneten Bewerber gibt, die die hohen Anforderungen der ARD erfüllen und konservativ sind, liegt es an einem systemisch-strukturellen Evaluierungsdefizit. Diesem ließe sich durch einen Minderheitenschutz bei Ausschreibungen begegnen, wie Herr Gniffke das ins Gespräch bringt.

Es geht nicht um Ausgewogenheit mit einem konservativen Feigenblatt, sondern um den Pluralismus, dem der öffentlich-rechtliche Rundfunk verpflichtet ist. Ein Schritt in diese Richtung wäre die Ausschreibung für den Moderator einer Sendung, der u. a. als qualifizierter Germanist in der Lage und bereit ist ein Format zu entwickeln, das mit un-gegenderter Sprache die Vielfalt der öffentlich-rechtlichen Medien – gestützt von den Führungsgremien – gegen alle Widerstände wiederbeleben soll. Nicht nur die Bürger im Heimatdorf von Herrn Giffke würden das goutieren. Er würde auch der Polarisierung in unserer Gesellschaft die Spitze nehmen. – Dr. Hans-Günther Vieweg

 

Ich fand es beim Lesen o.g. Artikels ja fast schon drollig, wie die Herren Kubicki und Gniffke den (gefühlten oder tatsächlichen) Mangel an konservativen Kommentatoren bei der ARD bedauern, ohne den folgenden offensichtlichen und vielfach wissenschaftlich belegten Zusammenhang zu erkennen oder benennen zu wollen: Wenn man, wie Herr Gniffke betont, exzellente Leute einstellen möchte, sind das häufig besonders intelligente Menschen. Intelligenz überwindet in der Regel jedoch konservatives Denken und Weltbilder, weshalb das Warten noch etwas andauern dürfte. – Silas Graffy

 

Das der Mainstram tendenziös ein Linker ist, dürfte allgemein bekannt sein. Wem wundert es da, das der öffentlich rechtliche Rundfunk auch nicht so pluralistisch ist, wie Herr Kubicki sich das wünscht. Das er von „Erziehungsfernsehen“ spricht, kann ich nachvollziehen, bzw. empfinde ich auch so. Würde Herr Kubicki im Westen dieser Republik , also im Gebiet des Westdeutschen Rundfunks leben, wäre seine Kritik wahrscheinlich schärfer. Der WDR, besonders seine Rundfunksender, aber auch die aktuelle Fernsehsendungen sind relativ links-grün lastig. Themen wie der Hambacher Forst, der Kohleausstieg, die Energiewende, die Verkehrswende, aber auch der Klimawandel werden im Grunde oft ohne Pro und Contra dargestellt.

„Fridays for Future ist in einem unglaublichen Ausmaß bei Ihnen präsent.“ Auf diese Feststellung weicht Herr Gniffke geschickt aus. Hier muss ich sagen, das diese (unkritische) Unwucht, wie Kubicki es nennt, bei fast allen. Medien in dem Fall zu erkennen ist. Und das Erziehungsfernsehen? Selbst beim Wetterbericht wird bei ARD und ZDF erzogen.  Hinweise auf das dritte warme, trockene Jahr in Folge werden an Sommertagen, obwohl es eigentlich nur um das Wetter der kommenden 3 Tage geht,  in schöner Regelmäßigkeit mit bunten Dürre- Landkarten unterlegt.

Ohne etwas beschönigen zu wollen. Früher sprach man bei hohen Temperaturen im Sommer von schönem Wetter. Und ganz nebenbei, unsere Urlaubsziele sind oft Dürre Gebiete im Süden. Ich glaube, wir müssen nicht ständig am Klimawandel erinnert werden. Es ist unser aller Alltag. Da wir in der Gegenwart leben, so denke ich, verlieren wir eine erforderlich  positive Lebenseinstellung durch eine ständige Zeigefinger-und Hinweisstrategie der Öffentlich Rechtlichen. Eine Alternative zum öffentlich rechtlichen Rundfunk sehe ich aber auch nicht. Da bleibt manchmal nur der Um-oder Ausschaltknopf. – Walter Schroiff

 

Ich bin der ZEIT dankbar, daß dieses Streitgespräch veröffentlich wurde. Es gibt sehr deutlich Auskunft über die wenig bis garnicht vorhandene selbstkritische Betrachtung der Öffentlich-Rechtlichen. Dies wird überdeutlich in den Antworten von Herrn Gniffke zu Kubickis Fragen über die überhöhten Gehälter und Pensionen in dem Bereich. Im  Übrigen hat Herr Kubicki recht, die deutschen Journalisten wollen erziehen, wie auch Max Weber schon erkannt hat. – Klaus Grasenick

 

Ich liebe die Zeit. Ich liebe den öffentlich rechtlichen Rundfunk. Ich liebe professionellen Journalismus! Was mich aber nervt, ist die Werbung, mal Sekundenlang vor 20h, mal Stundenlang bei Sportübertragungen, mal im Block. Ich weiß, ohne wäre das alles noch viel teurer. Aber dann vergesst das wenigstens nicht in diesem Artikel! Wieviel €€€ werden durch Werbung zusätzlich verdient??? – Marc Hartz-Tepperwien

 

Wenn der ehemalige Leiter (bis 2019) der Nachrichtenredaktion der ARD konservative Kommentatoren einfach als Populisten abqualifiziert, ist das erschütternd. Wie kann in einer solchen Redaktion nach 13 Jahren Tätigkeit ein breites Meinungsspektrum eine Chance gehabt haben? Und dies geschah unter dem konkurrenzverhindenden Schirm einer Zwangsfinanzierung durch die Allgemeinheit. Da ist der Marsch durch die Insitutionen prächtig gelungen. – Siegfried Rose

 


 

 

Leserbriefe zum Titelthema „Feiern bis der Arzt kommt?“ von Marie Ludwig, Anna Mayr et al.

 

Weshalb ist es für viele Menschen so schwer, sich selbst und andere zu schützen? Feiern bis der Arzt kommt? Oder bis kein Arzt mehr kommen muss, sondern der Totengräber? Man kann die Abende auch zuhause verbringen mit guter Literatur. Der Büchermarkt ist gefüllt, und zwar für jeden. Bei einer Tasse Tee oder einem Glas Rotwein ist es zuhause genauso gemütlich wie auf dem Kiez. — Ja, es müssen klare und deutliche Regeln geschaffen werden, an die sich alle zu halten haben. Nur so kann die Pandemie eingedämmt werden. Ich hoffe das es gelingt. – Ute Koch

 

Danke für Ihren Titel zur aktuellen Lage der Pandemie. „Zeige deine Wunde“ von Joseph Beuys ist eine Kunstinstallation, die unsere aktuelle Coronakrise deutet, indem sie ein neuzeitliches „Memento mori“ verkörpert, das auf unser aller Krankheit, Schwäche, Alter und Sterblichkeit verweist. Beuys, dessen 100. Geburtstag wir im kommenden Jahr begehen werden, betrachtete den – in unseren Tagen leergefegten – öffentlichen Raum als „Krankenzimmer“, in dem der Betrachter seiner eigenen Vergänglichkeit gewahr wird, dem Schmerzensmann Christus gleich „seine Wunde“ offenbart – auf jeder Osterkerze werden fünf rote Wundmale gezeigt – und die eigenen Heilungskräfte wecken lässt. Das Werk wurde 1976 von Beuys im Kunstforum, heute Maximiliansforum, einer seit 1973 unter der Leitung des Lenbachhauses von verschiedenen Ausstellern genutzten Ausstellungsfläche in der Fußgängerunterführung Maximilianstraße, ausgestellt.

So stolperte der Fußgänger mitten im hektischen Alltagsgetriebe auf einen großen, klinisch anmutenden Raum, in dem sich u.a. zwei Leichenbahren, mit Fett gefüllte Zinkblechkisten, ein Fieberthermometer und ein Reagenzglas mit Vogelschädel befanden. Zwei schwarze Schultafeln waren in Kinderschrift von Beuys mit Kreide bemalt: „zeige deine Wunde“. Der Künstler erklärte zu seiner Rauminstallation: „Zeige deine Wunde, weil man die Krankheit offenbaren muß, die man heilen will. Der Raum […] spricht von der Krankheit der Gesellschaft.“ Das Kunstwerk bleibe nicht bei der Verwundung stehen; es enthalte darüber hinaus „Andeutungen, daß die Todesstarre überwunden werden kann.“ Etwas sei „angelegt, das, wenn man genau hinhört, einen Ausweg weist.“ Jeder kann heute im Münchener Lenbachhaus dieser Erfahrung von vor 44 Jahren nachspüren, auch weil Bayern in der Coronakrise besonders verwundet worden ist. – Barbara Klann

 

Nach der Lektüre aller Beiträge zum Thema Kampf gegen Corona und dem eigenen Erleben komme ich zu der Einsicht, dass die defizitäre bzw. widersprüchliche Kommunikation durch die Regierungen entscheidender ist als ihr mangelhaftes Durchsetzungsvermögen.

Dies ist mein Leben

und nicht das.

Ich soll vieles geben

und weiß nicht was.

Ich soll Kontakte meiden, die mir lieb,

nur im Büro nicht und Betrieb.

In der Schule sitzen meine Kinder

wie im Winter aufgestallte Rinder.

Was immer politisch beschlossen,

es macht mich schlicht verdrossen.

Es reizt der logische Bruch

auch mich zum Widerspruch.

Dem Ganzen wohnt das Dilemma inne:

Man will Menschen schützen und Gewinne. – Johannes Kettlack

 

Eigentlich müsste es heißen: Feiern bis die Staatsgewalt kommt! Denn welcher Arzt stellt überhaupt eine Corona Erkrankung fest? Es wird gefeiert, dann gibt es vielleicht eine Denunziation, schließlich steht die Polizei vor der Tür. Gibt es eine Sperrstunde,  dann wird das ganze aufgelöst. Zeigt einer der Feiernden Symptome, wird ein nicht validierter PCR Test gemacht, der das Virus vielleicht in Bruchstücken nachweist, aber nichts über Infektiösität aussagt. Ein Arzt könnte jetzt zu Rate gezogen werden, wird aber nicht. Stattdessen Quarantäne für alle Beteiligten, diese werden noch nicht mal getestet Das heisst für mich „Freiheitsentzug wegen Geselligkeit“. Das wäre einmal ein Paragraph für die Berliner Gesundheitssenatorin und die Herren di Lorenzo und  Wefering.

Doch sehen die wenigen  leicht Erkrankten dann einen Arzt ? Mitnichten. Auch die Gesunden bleiben eingesperrt. Betreten der Straße und des Waldes auch mit Abstand und Maske -Strengstens untersagt! Wofür sind denn dann die Masken überhaupt da? Warum gibt man Menschen mit Symptomen nicht die  angeblich medizinisch sinnvollen Masken? Nein sie müssen bestraft werden, weil sie gefeiert haben oder jemanden näher kennen, der erkrankt ist. Das ist Unrecht und durch nichts zu rechtfertigen, auch nicht mehr glaubwürdig. Ich kenne Kinder, die wurden vier Wochen vom Gesundheitsamt eingesperrt, weil die Mutter leichte Symptome zeigte. Das ist nicht nur Unrecht, sondern ein Verbrechen an der Menschlichkeit. Sie können nicht sagen, wir haben das alles nicht gewusst, sondern Sie werden sagen müssen, wir haben munter aufgehetzt. Arbeiten- Ja, Soziales Leben -Nein.  Sie treiben mit so einem Aufmacher die Spaltung der Gesellschaft voran und schaffen damit die Voraussetzung für eine neue widerliche menschenverachtende Normalität. – Thomas J.Birgel

 

Sie machen eine gute Zeitung, die normalerweise auch kontroverse Thesen argumentiert und damit den Geist wach hält. Bei Corona tapsen sie sklavisch den unzureichenden offiziellen Zahlen des kommunikativ ungenügenden RKI hinterher. Was sagen kumulative Zahlen eines Dreivierteljahres sinnvoll aus? Das Herdenimmunität nicht erreichbar ist, ja vielleicht. Derzeit 0,3 Promille der Deutschen kennen jetzt Corona persönlich. Der R Wert kann als Witz des Jahrhunderts herhalten, in unsicherer Version 7 Tage zu spät, etwas sicherer 14 Tage zu spät. Möchten sie in einem Auto beschleunigt über die Autobahn gefahren werden wenn die steuernde Kamera 2 km hinter ihnen herfährt?

Heute ist der Tag an dem wir leben. Heute können wir erkennen, entscheiden und handeln. Heute haben wir 33000 Kranke mit Virus. An denen kann man sich anstecken. Das derzeitige soziale Gefüge zeigt eine tägliche Ansteckung von rund 10 Prozent bezogen auf Kranke, steigend. Bei rechnerisch 14 Tage Krankheitsdauer eine autokatalytisch steigende Situation. Es ist richtig an der Wahrscheinlichkeit der Virenabsorbtion zu arbeiten. Unsere Virensituation hat sich seit März überhaupt nicht geändert. Der Virus ist gleich, seine Wirkung ist gleich, unsere Bevölkerung ist absolut identisch bis in die Risikogruppen, nur unser soziales Verhalten ist verändert, daher geht in dieser Beziehung alles langsamer aber es findet kontinuierlich statt. Auch in den Risikogruppen, ein hermetischer Ausschluß ist unmöglich. Die meisten sind müde und können es nicht mehr hören. Es bedarf einer geänderten Kommunikation. – Gerald Schütze

 

Schade, dass kleine aber gravierende Fehler die Glaubwürdigkeit der Autoren schmälern: Seit wann hat die S-Bahn in Berlin eine Oberleitung („Aktivisten … haben eine Oberleitung der S-Bahn angezündet“)? Wo in Deutschland gibt es eine mit Berlin vergleichbar enge Taktung im ÖPNV (noch weniger Züge als sowieso schon“)? Hier zerstört billiges Bashing Seriösität. – Dr. Detlev Ziemann

 

Jetzt sollen also die Jungen auf die Alten Rücksicht nehmen. Natürlich ist das absolut nachvollziehbar. Nun spüren jedoch die jungen Generationen seit Jahren und Jahrzehnten die Folgen einer Politik von Älteren für Ältere. Die Jüngeren kämpfen für eine gerechtere Gesellschaft, gegen Exzesse am Wohnungsmarkt, sie müssen zusehen, wie der Schuldenberg wächst. Vor allem aber kämpfen sie gegen die Folgen des Klimawandels. Dabei werden sie oft wahlweise belächelt oder beschimpft von einer mächtigen Generation der Beharrungskräfte oder vor den Karren gespannt für eine Feigenblattpolitik. Solidarität funktioniert eben nicht als Einbahnstraße. – Sebastian Gieler

 

Ich bin in meinem Alter und mit meinem Body-Mass-Index ein Risikopatient , vielleicht demnächst in einem Risikogebiet. Gleichzeitig geht es mir gesundheitlich einigermaßen gut, jeden Monat wandert die Pension auf mein Konto, meine Frau sorgt für mich, Kinder und Enkel sind auf geraden Wegen, alle zwei Wochen wandere ich meinen Wanderbrüdern durch die schöne Heimat. Risiko? Das ganze Leben ist ein Risiko. Autofahren, Gartenarbeit, Schadstoffe in Luft und Essen, Klimawandel – alles Risiken. Dennoch geht es mir gut. Was würden denn die vielen Millionen Menschen sagen in Kriegs- und Hungerländern, Flüchtlingslagern, mit Dürre, Überschwemmungen, Feuer …?? Bleiben wir bitte bescheiden und freuen uns unseres Lebens! – Werner Bohn

 

Angeblich hat Merkel die Dinge nicht mehr so unter Kontrolle wie im Frühjahr, wird jetzt gerne kritisiert. Das rührt an den zentralen Punkt der ganzen Corona-Bund-Länder-Diskussion. Zuständig für „Weisungen“ in Sachen Corona sind nur die jeweiligen Gesundheitsämter und die Aufsichtsbehörde sprich die zuständigen Länderminister und Ministerpräsidenten. Der Bund konnte und kann in dieser Frage ja nur Empfehlungen aussprechen und versuchen, eine möglichst einheitliche Linie zu erreichen, abgesehen von der in dieser Frage vielleicht auch moralischen Autorität des Amtes, wenn es um das Wohlergehen der Bevölkerung der Bundesrepublik geht, auf das die Bundeskanzlerin ihren Amtseid geleistet hat. Die einzelnen „Durchführungsbestimmungen“ sind in einem föderalen Staat Sache der einzelnen Bundesländer. Ob es in einem Zentralstaat Bundesrepublik besser laufen würde, darf bezweifelt werden wie ein Blick auf zentralistisch regierte Staaten wie Frankreich zeigt.

Wenn der Bund aber wirklich „Gefahr im Verzuge“ sieht für die Gesamtbevölkerung, dann bliebe nur die Ausrufung des nationalen Notstandes oder des Katastrophenfalls, wie ihn ja bereits andere Länder wie Frankreich oder Portugal ausgerufen haben. Die skandalös zögerliche Haltung mancher Kommunen wie Berlin-Kreuzberg, die Bundeswehr um Amtshilfe zu bitten, würde dafür sprechen. Ein gut gemeinter Appell an die Verantwortung jedes einzelnen Bürgers nach dem Motto „Gemeinwohl verpflichtet“ geht, so berechtigt er auch sein mag, an der rauen Wirklichkeit vorbei, erst recht in Notzeiten mit dem menschlichen Hang „Jeder ist sich selbst der Nächste“. Um Verantwortung und Gemeinwohl ist es ja in der Gesellschaft schon in „normalen Zeiten“ eher schlecht bestellt, siehe Immobilien- und Finanzwelt und anderes einschließlich fragwürdiger Lobbyarbeiten mancher Politiker. – Wilfried Mommert

 

Den o.g. Artikel kann ich mit den 3 Zahlen, die optisch stark hervorgehoben sind, nur als reißerisch beurteilen und nicht als objektiven und informativen Journalismus. So frage ich mich, warum die 4 Autoren zwar die Zahl der momentan belegten Intensivbetten nannten, nämlich 21.330, es aber unterließen zu erwähnen, dass davon 690 Betten mit Patienten im Zusammenhang mit Covid 19 belegt sind, die restlichen 20.640 Betten folglich mit Patienten ohne Covid 19. Ich kann nur vermuten, dass sie die Suggestivwirkung der großen Zahlen nutzen wollten, hoffe aber doch, es lag an einem Informationsdefizit ihrerseits. (Die Zahl 690 entnahm ich heute meinem Regionalblatt.) – Rita Nicola

Klar, waren Sie nicht bei allem und jedem der im Artikel ausgeleuchteten Klischees wirklich und live vor Ort [verzeihen Sie mir diese Unterstellung], an einer Stelle jedenfalls war Ihre Recherche sichtlich ungenau: Das Hausprojekt in der Liebigstraße 34 nannte sich „anarcha-queer-feministisch“. Der scheinbar kleine Unterschied ist bedeutend, denn er war Programm. [Bei den „50 Aktivisten“ können Sie sich meinetwegen hinter dem ‚generischen Maskulin‘ verschanzen; tatsächlich waren es, jedenfalls in ihrer Mehrzahl, Aktivistinnen. – Sicherheitshalber nochmal zu recherchieren, ggf. gar vor Ort!] Vielleicht wollen Sie das durch ein Erratum richtig stellen. – Jochen Stecher

 

Ich bin einigermaßen überrascht – um nicht zu sagen entsetzt – über die tendenziöse Tonalität des Artikels und darüberhinaus über die Platzierung im Politikteil. Um nur einige wenige Beispiele aus den ersten Zeilen zu nennen: 1. Der Untertitel „Feiern, bis der Arzt kommt?“ ist eine rhetorische Frage, die in ihrer Überspitzung nur eine Antwort zulässt: Alle Berliner, feiern natürlich bis der Arzt kommt! 2. „Die zweite Welle ist da“: Erstmal steht der Begriff „zweite Welle“ schon längst in der Kritik, unpräzise zu sein und unnötig Panik zu erzeugen (Die Naturgewalt durch das Meer/die Welle, der man sich nicht entziehen kann). Zweitens: Wo ist der Beweis, oder wenigstens ein Argument, das irgendeine Welle, irgendwo ist? Was sind die Parameter für diese sog. zweite Welle?

„Hier zeigt sich, wieviel Vernunft das Land im Herbst noch aufbringen kann“: Die Autoren nehmen sich also heraus, über Vernunft und Unvernunft von (ja, von wem eigentlich? Wer gehört zu den Vernünftigen des „Landes“ und wer nicht?) – irgendwelchen Unbekannten – urteilen zu können. 4. Unterschrift unter erstem Bild: „Muss das auch noch sein“? Wieder eine rhetorische Frage! Fragen sich das die Autoren, oder wer fragt sich das hier eigentlich? 5. „Man fragt sich, warum die Polizei ausgerechnet jetzt mit riesigem Aufwand das Haus räumt…“. Wer ist „man“? Wer fragt denn? Also, ich frage mich das bestimmt nicht! Außerdem: „Riesiger Aufwand“ Wie kommen die Autoren auf die Annahme, dass es sich um einen riesigen Aufwand handelt? Wie ist denn im Vergleich dazu der normale Aufwand bei Häuserräumungen? Ich kann das Urteil hier einfach nicht nachvollziehen. Als ungeübter Leser wäre ich empört über die Berliner Polizei, aber so denke ich einfach nur: was für schlechter Journalismus…

6. „Corona-Partys“, „Verschwörungstheoretiker-Demos“: solch eine unreflektierte Verwendung von eindeutig überspitzten und negativ geprägten Begriffen habe ich zuletzt unter anderem bei Sarrazin gelesen, und das als Argument genutzt, warum seine Bücher noch nicht einmal einer Diskussion würdig sind, da wissenschaftlich und sprachlich unter aller Würde. 7. „Die Stadt versagt seit Jahren an vielen Stellen, so wie auch die bundesweite Politik seit Jahren vieles nicht hinbekommt. Corona ist ein Scheinwerfer…“ Ach ja? An welchen Stellen wird denn versagt? Es wäre schön gewesen, ein/zwei Beispiele, wenigstens einen Kontext genannt zu bekommen, um das angebliche Versagen hier nachvollziehen zu können. So lässt diese Aussage sehr viel Raum für persönliche Interpretationen und jeder Berlin- oder Regierungs-Hasser kann sich hier sein Lieblings-Versagen hinein imaginieren.

Alles in allem lese ich diesen Artikel als Meinung/Kommentar/Reportage, was auch seine Daseinsberechtigung hätte, aber so überspitzt und subjektiv gefärbt, doch wenigstens im Dossier oder Feullieton und nicht im Politikteil. Und, auch für eine Reportage finde ich den Text erstaunlich populistisch. Diesen Text durchzieht meiner Meinung nach eine sehr tendenziöse Tonalität. Ich frage mich, ob einige Formulierungen ironisch gemeint sind (was auch immer Ironie im (Text-) Journalismus zu suchen hätte) und weiß teilweise nicht: Ist das nun die Meinung der Autoren oder wessen Meinung ist das nun genau? Ein ungeübter Leser, wäre meines Erachtens geneigt, die Stammtischanmutende Stimmung unreflektiert zu übernehmen („Muss das denn auch noch sein?“ Diese Berliner…)

Aussagen werden nicht begründet, es werden keine Beispiele oder ein Kontext genannt und sprachlich so formuliert, dass sich ein stark (negativ) gefärbter Unterton ergibt, den nur „eingeweihte“ verstehen oder sich eben jeder seine eigene Interpretation dazu ergänzt: dieser Justus, der „Justus-Antworten“ gibt und noch nicht mal weiß, was Punks sind. Was sind denn typische „Justus-Antworten“?? Ich rate mal: Justus soll als junger Schnösel erkannt werden, der vom Leben keine Ahnung hat und mit seiner Unwissenheit und seinen „Corona-Partys“ alle anderen „vernünftigen“ Bürger gefährdet… Liege ich ungefähr bei dem, was sich die Autoren mit „Justus-Antwort“ gedacht haben? Also bitte! Das ist ja wohl ganz schlechter Journalismus bzw. dumme Meinungsmache.

Warum ist mir das so wichtig? Wäre es irgendein Artikel in der Online-Ausgabe: scheiß drauf, geht unter. Es ist aber das Titelthema in der Print-Ausgabe, die schon etwas mehr Gewichtung hat. Es gibt immer mehr Menschen, die seriösen Medien und auch gut recherchierten Informationen nicht mehr vertrauen, weil sie den Unterschied nicht erkennen können, zwischen einem nachvollziehbaren und hergeleiteten Argument und populistischer Meinungsäußerung und auch nicht, was eine Nachricht ist und was ein Kommentar. Wenn sogar ein Medium wie die Zeit die Grenzen verwischt und das sogar im Titelthema, wird es immer schwieriger sich gegen richtige Fake-News zu behaupten und noch Argumente für eigentlich seriöse Medien zu finden. – Irena Kellermann

 


 

 

          

Leserbriefe zu „Der Mohr als Mahnmal“ von Evelyn Finger

 

Caspar, Melchior und Balthasar sind ihrer drei.

Bei den Weisen vom Morgenland ist ein Schwarzer dabei.

Die Bilderstürmer von Ulm, in ihrem Wahn,

meinen, der Mohr hat seine Schuldigkeit getan.

Melchior muss weg! Da waren’s nur noch zwei. – Holger Heimann

 

Alle wollen Caspar sein. Die Sternsinger müssen losen, wer der schwarze König sein darf. Er ist der Star. Die drei Könige ziehen von Haus zu Haus. Wir sammeln Geld und Gaben für Not leidende Kinder. Über der Eingangstür wird die Inschrift mit allen drei Königen erneuert: C M B: Caspar, Melchior, Balthasar. Im Matthäus – Evangelium wird von den Weisen aus dem Morgenland berichtet, die den Neugeborenen, Jesus besuchen und  ihm Gold, Wehrauch und Myrrhe schenken (Matth. 2,2 bis 2,12). Wegen der drei wertvollen Geschenke mutierten die Weisen zu drei Königen (den Staatslenkern), die seit dem vierzehnten Jahrhundert Europa, Asien und Afrika repräsentierten. (Amerika war noch nicht „entdeckt“). Jetzt soll Caspar, also black lives, schwarze Menschen, verschwinden?! Dieser „cancel culture“ (Entfernung, Löschung) muss entschieden entgegen getreten werden. Es ist längst wissenschaftlich erwiesen, dass es unterschiedlichen Menschenrassen gibt. Die Entfernung Caspars ist Rassismus! – Dr. Thomas Budde

 

Es folgt die kurze Geschichte, warum ich die aktuelle Ausgabe Ihrer Zeitung auf den letzten Metern zur Kasse wieder zurückgelegt habe: Schon als Jugendliche habe ich bei Freund*innen angefangen Die Zeit zu lesen. Sofort nach meinem Auszug von zu Hause, habe ich ein Abo abgeschlossen. Viele Jahre habe ich mich auf die Donnerstage gefreut, weil ich ein großer Fan Ihrer Zeitung war. Dann wurde mein Schwarzer Ehemann von 2 Männern mit den Worten „Du scheiß N****!“ mit einem Baseballschläger krankenhausreif geschlagen – zwei Tage später steckte Die Zeit in meinem Briefkasten. Sie passte nie ganz rein, so dass mir der Titel „Kinder, Kinder, das sind keine N****“ entgegenguckte. Zurück in der Wohnung habe ich sofort mein Abo gekündigt und Die Zeit aus meinem Leseprogramm gestrichen.

Heute wollte ich, nach sehr vielen Jahren Pause, Ihrer Zeitung wieder eine Chance geben, da ich unbedingt das Interview mit Aminata Touré und den Artikel über Berlin lesen wollte. Auf dem Weg zur Kasse habe ich den unteren Teil der ersten Seite gelesen und war wirklich fassungslos: ‚Der M*** als Mahnmal.‘ Da es mittlerweile wirklich sehr gute Literatur zum Thema Antirassismus und zahlreiche Leitfäden zur diskriminierungsfreien Sprache gibt, lässt dieser Titel nur eine Schlussfolgerung zu: Es ist Ihrer Zeitung leider völlig egal, ob Menschen durch die Wahl Ihrer Worte verletzt werden. Das ist wirklich schade. – Marion Tekolf

 

Es wäre den Christen aus der Gemeinde in Ulm zu wünschen, dass sie sich über den Sinn der Geschichte aus dem Matthäusevangelium klar werden, bevor sie in einem Aktionismus der politischen Korrektheit, irgendwelche Entscheidungen fällen. Der Evangelist Matthäus lässt in seiner Geburtsgeschichte fremde, anonyme Gestalten anonyme auftreten, die von weit her kommen um dem Kind der Maria wie einem Herrscher die Ehre zu erweisen. Bei einer solchen Erzählung kann man sich fragen und sollte es auch tun, was wohl damit gemeint ist. Es ist die Botschaft, dass Menschen als aller Welt, allen Nationen und womöglich sogar allen Religionen bei diesem Kind Jesus willkommen sind. Im Grunde ist es die Vision von einer Welt, in der Religion und Hautfarbe als trennende Merkmale überwunden sind. Es steht in fundamentalem Widerspruch zum Anliegen, dieser Erzählung, wenn der Afrikaner eleminiert wird.

Schließlich könnte man den Spieß auch noch umdrehen. Denn so richtig rassistisch und kolonialistisch wird die Sache dadurch, dass es in Weihnachtskrippen immer Mitteleuropäer sind und oft genug in alpenländischem Ambiente, mit denen die Geburtsgeschichte veranschaulicht wird. Es ist kolonialistisch, wenn für eine Geschichte, die sich im Orient ereignet hat, die mitteleuropäische Version als einzig Gültige gehandelt wird. Das ist eine unzulässige Vereinnahmung. Erst wenn Maria und Josef und das Christuskind Afrikaner sind, ist der Kolonialismus überwunden und der Rassismus außer Kraft gesetzt. – Reinhard Wick

 

Es wurde Zeit, dass jemand wie Evelyn Finger denselben in die Wunden unserer Vergangenheit und unseren Umgang damit legt. Ein Mensch, eine Gemeinschaft, der Staat ohne Vergangenheit wird zum Spielball beliebiger Interpretationen und politischer Intentionen. Der Versuch, aus Fehlern zu lernen, wofür Frau Finger Beispiele gibt, darf deshalb nicht aufgegeben werden. – R. Ohnemus

 

Rassismusdebatte – und was sie für Blüten treibt! Der Melchior an der Krippe. Ja wie kommt denn der da überhaupt hin? Wieso kommt ausgerechnet ein Schwarzer als Betender an die Krippe? Was sagt denn die Bibel überhaupt? Steht da nicht bei Matthäus nur etwas von den Weisen aus dem Morgenland? – Die Rezeption des Weihnachtsgeschehens ist demnach unkorrekt, denn Matthäus nennt sie als Sammelbegriff lediglich „Magier“ (Mt. 2.7.), die wir als „magoi“ Sterndeuter kennen. Ja aber, wieso nennen wir sie dann überhaupt Könige und wissen sogar wie sie alle heißen. Das armenische Kindheitsevangelium, das etwa Ende des 1. Jahrhunderts im Gebiet des heutigen Armeniens entstand, nennt sie. Die Weisen aus dem Morgenland: Kaspar, Melchior und Balthasar.

In der Darstellung zeichnen sie die Künstler als Vertreter der Lebensstufen: der Alte (meist knieend), der Jugendliche und der Mann im besten Mannesalter.  Bestes Beispiel „Die Anbetung der Könige bei Rogier van der Weyden (1400-1464). Da ist noch kein Schwarzer dabei. Erst als der afrikanische Kontinent entdeckt war und ins Bewusstsein Europas trat, bekam einer der Könige die Kennzeichnung des afrikanischen Kontinents, kam ein Schwarzer in die Reihe jener, die dem Messias huldigen. Das ist aber als Wertschätzung zu sehen und zu deuten. „Rassismus“ ist da ganz weit weg. So notwendig es ist, sich darüber Gedanken zu machen, Verfehlungen und Geringschätzung im Umgang mit negriden Menschen zu benennen, ist es aber auch notwendig, auf die jeweilige Botschaft, die damit verbunden ist, zu achten. Kann man unter diesen Umständen von Rassismus sprechen? Bei aller political correctness, führt da nicht manche Diskussion zu weit? – Edmund Speiseder

 

Leider muss man feststellen, dass Frau Evelyn Finger zu diesem Thema (auch noch auf der Titelseite!) nicht ordentlich recherchiert hat. Hätte sie in Ihrem ZEIT Lexikon (Band 07) nach den Drei Heiligen Königen gesucht, so hätte sie unter Kaspar folgendes gefunden: „Kaspar(Caspar), einer der hl. drei Könige, seit dem 14. Jh. dargestellt als Mohr“ und es handelt eben nicht um Melchior, wie in Ulm beschrieben. – Gerd Meingast

 

Glauben sie allen Ernstes das probate Mittel zur Aufklärung über Rassismus sei nicht etwa die Thematisierung von Kolonialismus und rassistischen Strukturen in Schulen und Museen, sondern der beschilderte Erhalt diskriminierender Weihnachtsfigürchen, auf dass die Familie zwischen Braten und Bescherung über Melchiors dicke Lippen diskutiere? Wenn diese Idee noch nicht absurd genug erscheint, wie perfide ist erst die Forderung an uns Diskriminierte, die Aufrechterhaltung dieser rassistischen Abwertungen doch bitte um des vermeintlichen volkspädagogischen Nutzens Willen auszuhalten? Für ihre „Läuterung“ muss die Mehrheitsgesellschaft schon selbst sorgen. Am besten durch Medien die aufklären, statt Oma Erna zu signalisieren ihr schmerzlicher Verlust liebgewonnener Rassismen sei allen Ernstes gegen den Anspruch Schwarzer Menschen auf eine diskriminierungsfreie Umgebung abzuwägen. – Philipp Höck

 


 

 

 

Leserbriefe zu „Die zweite Welle wird uns viel härter treffen“. Gespräch mit Klaus Stöhr geführt von Edda Grabar und Ulrich Bahnsen

 

„Der Epidemiologe Klaus Stöhr“ heißt es in Ihrem Artikel, „kritisiert die Corona-Strategie der Bundesregierung – und empfiehlt Schweden als Vorbild.“ Vieles deutet darauf hin, dass die T-Zell-Immunität aufgrund von überstandenen, auch symptomlosen Infektionen mit SARS-CoV-2 sowie die kreuzreaktive T-Zell-Immunität aufgrund früherer Kontakte mit anderen Corona-Viren auch bei uns inzwischen sehr hoch ist. Nicht nur in vielen Ländern Ostasiens und Afrikas (https://www.worldometers.info/coronavirus/), die teilweise 100 bis 1000 Mal weniger Tote mit SARS-CoV-19-Testnachweis pro Mio Einwohner haben als die Industrieländer in Europa und Nordamerika mit strengen Lockdown-Maßnahmen. Auch hier ergeben Überlegungen zur T-Zell-Immunität interesante Aufschlüsse.

Es gibt in dieser Corona-Krise zwei Grundstrategien oder Narrative: A) Einerseits die Versuche der panikgetriebenen Eindämmung und Ausrottung des Virus, wie sie weltweit in vielen Industrienationen mit riesigem Aufwand und fürchterlichen Folgeschäden in Gesellschaft und Wirtschaft durchgeführt werden. Man könne das Virus nicht stoppen, sagt der Epidemiologe Klaus Stöhr. „… mir fehlte von Anfang an die langfristige Betrachtung“, wird in Ihrem Artikel der Epidemiologe Klaus Stöhr zitiert: „Wie kann man die Auswirkungen minimieren …?“

B) Die andere Grundstrategie, bei der so viele Menschenleben wie möglich gerettet und Freiheit und Demokratie nicht gefährdet werden, besteht im sehr humanen und professionellen Schutz von Immunschwachen und setzt ansonsten auf die Stärkung und Aktivierung des Immunsystems und die schon vorhandene Immunität gegen SARS-CoV-2  in der Bevölkerung (auch kreuzreaktive T-Zell-Immunität aufgrund von früheren Kontakten mit anderen Coronaviren). Diese Strategie wurde von vielen deutschen Experten wie Prof. Dr. Streeck und auch von dem weltweit führenden Epidemiologen Prof. Dr. John Ioannidis sowie dem sehr erfahrenen Experten Prof. em. Dr. Sucharit Bhakdi seit Beginn der Epidemie empfohlen. Auch der Schweizer  Immunologe Prof. em. Dr. Beda Stadler weist mit seinem Buch „Warum alle falsch lagen“ auf die Rolle der T-Zell-Immunität hin. Der Epidemiologe Klaus Stöhr betont ebenfalls den Schutz von Immunschwachen: „Warum konzentrierte man sich nicht von Beginn an auf den Schutz von Risikogruppen, um Todesfälle langfristig zu mindern?“

Aber Antikörper sind bei diesem Virus wohl nicht so häufig oder nur kurzfristig nachzuweisen, man muss sich auf die Immunantwort der T-Zelllen konzentrieren. Rund zehn Prozent der Weltbevölkerung könnten sich nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation WHO mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 infiziert haben. Diese Zahl hat WHO-Direktor Tedros Adhanom Ghebreyesus genannt. Bei einer Bevölkerungszahl von 7,8 Milliarden sind 10 % 780 Millionen. Das Worldometer zeigt eine Zahl von etwa 1,1 Mio Toten, das wäre eine Sterblichkeit von ca. 0,14 % in Bezug auf die Zahl der Infizierten nach WHO-Angaben. Der Rest der Infizierten, 99.86 % wurde mit dem Virus fertig und hat ihn überlebt, was für eine sehr verbreitete Immunität gegen SARS-C0V-2 spricht. Deshalb sind Nachweise der T-Zell-Immunität für Bevölkerung und Entscheidungsträger hilfreich, siehe den wissenschaftlichen Fachartikel von Nina Le Bert et al., https://www.youtube.com/watch?v=_3UnfNbBnBQ und (sehr !) viele andere Fachartikel und Studien (Stichworte T-Zell-Immunität, kreuzreaktiv, SARS-CoV-2) !!

Die Forschung müsste dringend weiter in diese Richtung gehen und man müsste schnellstmöglich auch repräsentative und aussagefähige Blutuntersuchungen durchführen und optimieren, um diese Immunität nachzuweisen https://tkp.at/2020/09/08/neuer-test-auf-corona-spezifische-t-zellen-bestimmt-immunitaet-binnen-24-stunden/. Und die Medien müssten, wie die ZEIT dankenswerterweise im obigen Artikel, über die Vorteile der oben erwähnten immunitätskonzentrierten Strategie B) und die Folgen der Eindämmungstrategie A) berichten, um landesweit einen offenen Diskurs einzuleiten und die tiefsitzende, dauerhaft geschürte Angst aus der Bevölkerung zu nehmen und schnellstmöglich den Eindämmungsmodus B) zu verlassen. Besser heute als morgen! – Gerhard Jahnke

 

Endlich ein Interview abseits  ausgetretener Pfade. Was man der Politik vorhalten muss : Sie fährt auf Sicht.  Es fehlt eine realistische Langzeitstrategie. Jedes mal, wenn die Messzahl nach oben ausbricht,  kommt Betriebsamkeit auf anstatt dem Bürger reinen Wein einzuschenken. Das Credo müsste  lauten:  die Pandemie ist trotz aller Kautelen  (AHA) nicht beherrschbar, sie lässt sich allenfalls strecken. Sobald die Infektionszahlen bei 20000 liegen (nach Streek nicht unbedingt ein Horrorszensrio ) ,  wird das Tracing der Gesundheitsämter kapitulieren:  die Infektionsketten sind nicht mehr nachzuverfolgen. Spätestens dann muss die Politik die Losung ausgeben: Wir tun unser Bestes, aber das Virus bleibt eine Geisel bis  alle immun oder geimpft sind. Einen 2. Lockdown wird es nicht geben. Die Menschheitsgeschichte hat sehr viel apokalyptischere Szenarien gesehen. – Christoph Schönberger

 

Die wissenschaftlich wenig ausgewogene Diskussion des Corona-Infektionsverlaufes in den letzten Monaten, in welcher vorwiegend mainstream-Wissenschaftler mit politischen und/oder institutionellen Interessen zu Wort kommen und umschmeichelt werden (der unvermeidliche Prof.Drosten der Charité Berlin  und zuletzt Prof.Stöhr, ehem.Direktor des Influenzaprogramms der WHO und ehem. Leiter der Impfstoffforschung des Pharmaunternehmens Novartis) lässt mich an ein zunehmendes Demokratiedefizit in Ihrer Zeitung sowie ohnehin in der deutschen Politik denken.

DIE ZEIT stand für mich immer für ausgewogene wissenschaftliche Diskussionen, welche in der jetzigen Zeit nötiger wären, denn je. Was wir vor allem erleben, ist eine Epidemie der Angst und des Angstschürens vor einem Erreger, der gerade einmal das Level einer mittelschweren bis schweren saisonalen Grippe erreicht und dessen Folgen von jenen der echten Influenze um Einiges nach unten abweicht. Durch diese Politik der Angst werden Immunsysteme beeinträchtigt, psychische Erkrankungen verursacht, gesundungsfördernde zwischenmenschliche Kontakte schwer beeinträchtigt und viele wirtschaftliche Leben zerstört – manchmal mit suizidalen Folgen.

Ich bin erschüttert von der Meinungs-Einseitigkeit, selbst bei Ihrem Chefredakteur Herrn di Lorenzo (letzter Leitartikel in No 43), den ich im Übrigen sehr schätze und kann nicht verstehen, woher die Mutlosigkeit kommt, aktuelle Interviews beispielsweise mit dem inzwischen erheblich kritischeren Prof.Streeck, der seine junge Karriere riskiert und dem altehrwürdigen Prof. Bhakdi, der trotz aller Diffamierungen ein seriöser Wissenschaftler ist und bleibt, zu führen und beispielsweise diese die vier genannten Wissenschaftler zu einem echten Diskurs nach Hamburg einzuladen. Eine solche Einladung kontroverser Wissenschaftler, eine faire Leitung einer solchen Zusammenkunft und eine differenzierte Stellungnahme hierzu in Ihrer Zeitung könnten mich dazu bewegen, DIE ZEIT wieder zu lesen. – Bernhard Wiefel

 

Es wird von vielen, angeblichen und auch wohl tatsächlichen, Experten die Meinung vertreten und verbreitet, das SARS-CoV-2 nicht aufzuhalten sei. Diese Meinung ist allerdings wohl nachweislich falsch. »Vietnam und die Mongolei haben das Virus innerhalb ihrer Grenzen fast ausgemerzt, Thailand meldete am 3.Oktober acht neue Fälle. […] Statt der Welt Deutschland als leuchtendes Beispiel anzudienen, sollte sie sich besser an Vietnam orientieren. Während Deutschland knapp 10.000 Covid-Tote registriert, sind es im mit rund 100 Millionen Menschen bevölkerungsreicheren Vietnam ganze 35.« https://m.faz.net/aktuell/wirtschaft/weshalb-viele-dritte-welt-laender-bei-der-corona-bekaempfung-glaenzen-16985234.html?GEPC=s2&fbclid=IwAR2K1p9gqXzNCbrRkjKsy5AbxhcLD5UqDrR3ebq3KPwsebykybjzcZov17o

Ob die Zahlen in Vietnam und China stimmen, ist schwer zu sagen. Es erscheint aber plausibel, dass sie eine tatsächliche Tendenz zeigen, wenn man andere ostasiatische Länder dazu vergleicht. Deutschland ist Corona-Mittelmaß, die Abstimmung darüber war demokratisch und fand mit den Füßen statt. Ostasien hingegen ist weitaus besser: »Südkorea lockert Abstandsregeln nach Rückgang der Neuinfektionen. Während der Lockdown vielerorst näher rückt, bewegt sich Südkorea in die andere Richtung: Die Abstandsregeln werden gelockert, Nachtclubs und Karaoke-Bars dürfen wieder öffnen – sofern sie sich an Vorsichtsmaßnahmen wie das Tragen von Masken halten und Gästelisten führen. Zuletzt wurden 97 Neuinfektionen binnen eines Tages gemeldet.« https://www.zeit.de/politik/2020-07/corona-weltweit-pandemie-entwicklung-live?fbclid=IwAR1-TJRZynqWS4fbr0T8tLag6faLVcdSy1sFEgtpSfBmqBfH4PHzWIO2EbE&utm_referrer=http%3A%2F%2Fm.facebook.com

Jetzt frage ich mich doch, warum diese nachweislich falschen Expertenmeinungen immer wieder wiederholt werden, im Prinzip ja jüngst auch weltweit anhand der (Bullshit-) „Great Barrington Declaration“. Und warum werden die Schwedenfans unter den „Experten“ nicht deutlicher mit Südkorea, Japan, Taiwan, Singapur, Vietnam, der Mongolei, Thailand, Neuseeland, China, und ebenso afrikanischen Ländern konfrontiert? Die „Schweden“-Experten werden ja nun tatsächlich anhand der benannten Länder widerlegt! Die gesundheitlichen Gefahren durch COVID-19 erscheinen mir seriös weitaus eher mit den Masern vergleichbar, als mit dümmlichen Influenza-Analogien zu beschreiben. Würden die „Schweden“Fans unter den „Experten“ eigentlich auch zu Masernparties anraten, wenn ein Masernimpfstoff längerfristig ausfiele und eine Grundimmunität in der Bevölkerung nicht vorhanden wäre? Denn genau das wäre die Gretchenfrage an diese „Experten“! – Florian Lahmann

 

Einige Aussagen von Herrn Stöhr in Ihrem Interview finde ich ärgerlich und sachlich falsch. Es ist in der jetzigen Situation wenig hilfreich, im Nachhinein darauf hinzuweisen, dass man Schulen, Kindergärten und Kindertagesstätten  früher hätte öffnen können oder sie erst gar nicht hätte schließen müssen. Auch ist es illusorisch, lediglich die Risikogruppen schützen zu wollen. Je stärker das Virus in der Bevölkerung verbreitet ist, desto größer ist auch die Gefahr, es auch bei Risikogruppen einzuschleppen. Natürlich müssen und werden wir lernen, mit dem Virus zu leben. Aber dazu brauchen wir Zeit, Geduld und vor allem Disziplin.

Je mehr wir über das Virus lernen, desto besser werden wir die Erkrankten behandeln und möglicherweise auch vor Langzeitfolgen bewahren können. Meinem Verständnis nach ist es Ziel der bisherigen Strategie, die Ausbreitung des Virus so lange bestmöglich zu verzögern, bis mithilfe von Impfungen die vielbeschworene Herdenimmunität erreicht werden kann. Sich an den belegten Klinikbetten anstatt der Zahl der Neuinfizierten zu orientieren, ist schon deshalb keine gute Idee, weil erstens bereits jeder Neuinfizierte eine Menge Arbeit für das zuständige Gesundheitsamt darstellt und außerdem die Anzahl der Hospitalisierten dem aktuellen Infektgeschehen 10 bis 14 Tage hinterherhinkt. Die Maßnahmen daran auszurichten wäre nicht sehr sinnvoll.

Gerade wurde gemeldet, das Tschechien die Verfolgung der Kontakte aufgegeben hat. Diese Bankrotterklärung sollten wir hierzulande unbedingt vermeiden. Herr Stöhr ist bei weitem nicht der einzige, der darauf hinweist, dass uns die zweite Welle stärker und härter treffen wird, als die erste. Das zeigen die Verläufe früherer Pandemien fast durchgehend. Tendenziell mildere Verläufe sind bisher dann zu verzeichnen gewesen, wenn die ergriffenen Schutzmaßnahmen lange und konsequent genug beibehalten wurden. Welche Maßnahmen sinnvoll und angemessen sind, darüber lässt sich freilich trefflich streiten. Bleibt zu hoffen, dass wir besser durch Herbst und Winter kommen, als momentan zu befürchten ist. – Dr. Tadashi Makabe

 

Resumee von Klaus Stöhrs Ausführungen: Viele schwere Erkrankungen und Tote sind unvermeidlich, egal ob lasche oder laschere Restriktionen beschlossen werden. Bei den lascheren Restriktionen müssen gefährdete Personen aber stärker isoliert werden. Was denken wohl alte oder gefährdete junge Menschen, wenn sie das lesen? Betrachtet man ausnahmsweise die Zahlen von Ländern, die Covid 19 besser beherrschen als wir, so zeigen diese, dass Stöhrs Alternativen keineswegs alternativlos sind: Infektionen pro 100000 Einwohenr und Tag 18.10. Deutschland 9,4, Südkorea 0,18, Taiwan 0,02, Singapur 0,12. – Siegfried Veile

 

Die Kernaussage des von Ihnen interviewten Epidemiologen, dass das Virus sowieso nicht zu stoppen sei und man sich daher hauptsächlich auf den Schutz von Risikogruppen konzentrieren sollte, ist schlichtweg falsch und auch bereits empirisch widerlegt. Während die Epidemie in einigen Entwicklungsländern tatsächlich bereits eine hohe Durchseuchung (bei hauptsächlich durch die junge Bevölkerung zu erklärender niedrigerer Sterblichkeit) erreicht hat, ist sie in zahlreichen Ländern Ost- und Südost-Asiens bis heute weitestgehend unter Kontrolle. In China wurde die Transmission durch intensive Public Health Maßnahmen fast vollständig unterbunden, und auch politisch so unterschiedliche Länder wie Taiwan, Südkorea, Vietnam und Thailand weisen nur eine sehr niedrige Anzahl von Infektionen und Todesfällen auf.

Im deutlichen Kontrast dazu ist der dramatische Verlauf der Epidemie in Europa, den USA und weiten Teilen Südamerikas, aber selbst die am stärksten betroffenen Länder sind noch weit von einer Herden-Immunität entfernt. Schweden ist ein besonders schlechtes Beispiel, wo ein deplatzierter Freiheitsgedanke gepaart mit einer traditionell unkritischen Akzeptanz behördlicher Vorgaben zu einer vielfachen Anzahl von Todesfällen im Vergleich zu den Nachbarländern geführt hat, ohne dass sich dadurch eine Herden-Immunität oder eine wirtschaftlich stabilere Situation ergeben hätte. Es gibt in Deutschland somit keine Alternative zu den verstärkten Apellen zu disziplinierter Risikovermeidung in Verbindung mit einer strikten Durchsetzung der AHA(L) Regeln zur Kontrolle der Epidemie, bis ein Impfstoff verfügbar ist. Bei einem „Durchlaufen“ des Virus wären auch bei uns Millionen von Krankheitsfällen und einige Hunderttausend Todesfälle zu erwarten, mit unabsehbaren gesellschaftlichen Folgen. – Prof. Dr. med. Olaf Müller

 


 

 

          

Leserbriefe zu „Wir haben ein Mathe-Problem“. Gespräch mit Olaf Köller geführt von Thomas Kerstan und Martin Spiewak

 

Dem Gesamttenor, besonders was die Bedeutung der Mathematik betrifft, des o. g. Interviews kann ich als nicht im Schuldienst gewesener Mathematiker nur zustimmen. Jedoch gehen beide Interviewteilnehmer von falschen Vorrausetzungen aus. Mathematik ist per Definitionem nichts anschauliches, sondern eine höchst abstrakte Wissenschaft. Natürlich kann man den Schulstoff leichter oder schwerer verständlich darstellen, es gibt aber keinen Weg die in der Natur der Sache liegende Schwierigkeit zu umgehen. Wenn die Schulbücher heute voll von angewandten Aufgaben sind (früher sagte man Textaufgaben), hat das mit Mathematik nichts zu tun. Damit werden nur Kochrezepte eingeübt, aber kein abstraktes Denken oder Verständnis. Sobald man die Abstraktion durch vermeintlich anschauliche Methoden umgehen, besser gesagt vertuschen will, verläßt man den Boden der Mathematik. Im Grunde werden die Schüler durch solche Methoden nur betrogen.

Der sinkende Kenntnisstand der Schüler hat meiner Ansicht nach mehrere Gründe. Zunächst besuchen heute sehr viel mehr Jugendliche das Gymnasium, wovon ein Großteil nicht die erforderlichen Vorraussetzngen erfüllt. Damit ist niemandem ein Gefallen getan, weder den unbegabten noch den begabten Schülern. Der Abschaffung des Frontalunterricht hat offensichtlich zu keiner Verbesserung der Leistungen geführt, was meiner Ansicht nach auch nicht verwunderlich ist. Der im Interwiew erwähnte Beweis des Pythagoras ist ein gutes Argument. Nach vielen Jahrhunderten, in denen z. B. in Ägypten der Sachverhalt den Landmessern in speziellen Fällen bekannt war, bedurfte es eines Genies wie Pythagoras um den allgemeinen Sachverhalt zu beweisen. Dieser in einer langen Entwicklung gewonnene Beweis soll von den Schülern in einer Schulstunde selbständig erarbeitet werden? Das Hauptziel der sogenannten „Bildungsforscher“ und „Pädagogen“ scheint darin zu liegen, den Mathematikunterricht beliebter zu machen. Es sei nur am Rande erwähnt, daß dieser Beweis keineswegs unverständlich ist.

Wenn man die Situation grundlegend verbessern will, muss man sich wieder auf die Grundlagen besinnen. Dazu braucht es aber keine „Bildungsforscher“ oder „Erziehungswissenschaftler“ sondern erfahrene Lehrer, die in Zukunft die Lehrbücher schreiben. Das beste wäre, alle derzeitigen Mathematikschulbücher in die Tonne zu werfen, die ministeriellen Totalversager an die frische Luft zu befördern und statt dessen bundeseinheitlich ein von Fachleuten erarbeitetes Lehrprogramm einzuführen. Mathematik ist in Bayern nicht anders als in NRW oder Hamburg und ist auch parteilos. Der heute verpönte Frontaluntericht sollte wieder einen angemessenen Platz bekommen. Der Vorteil ist meiner Ansicht, daß die Schüler zur Konzentration angehalten werden.

Ob dies durch andere Unterrichtsformen einschließlich Digitalmethoden gelingt, ist wohl sehr zweifelhaft. Übrigens hilft der Fronatalunterricht auch häuslich bedingte Benachteiligungen auszugleichen. Übrigens waren die Matheschulbücher schon zu meiner Schülerzeit (Jahrgang 1944) unbrauchbar. In Chemie wurde ein Lehrbuch aus der DDR angeschafft, was um Welten besser war als die Bücher der Westverlage. Anfang der dreißiger Jahre des vorigen Jahrhunderts hat ein Wiener Jurist (!) namens Egmont Colerus zwei heute zu Unrecht vergessene Bücher geschrieben, die auch heute noch als vorbildlich angesehen werden können „Vom 1×1 zum Integral“ und „Von Pythagoras bis Hilbert“. Dies sind keine Schulbücher, können aber im Falle von schlechtem Mathematikunterricht zum Selbststudium sehr hilfreich sein. Wer wegen der Herkunft aus dem vorigen Jahrhundert  die Nase rümpft, dem sei gesagt, daß sich die Mathematik seitdem nicht geändert hat. – Dr. Christian Netzel

 

Eine Schwachstelle ist nicht nur die Lehrer*innenfortbildung, sondern vor allem die Ausbildung der angehenden Lehrkräfte. In einem Mathe-Seminar für das gymnasiale Lehramt an der Uni Köln hatte ich einmal erwähnt, dass man Freude am Lernen haben sollte und auch Mathematik mit Spaß und Spannung vermittelt werden kann. Keine*r (!) meiner Mitstudierenden stimmte mir zu: „Wieso sollte man am Mathe-Studium Spaß haben?“ Ich war entsetzt von den Reaktionen der zukünftigen Lehrkräfte. Daraufhin habe ich nach fünf Semestern mein Studienfach gewechselt. – Lukas Schumacher

 

Endlich nimmt sich DIE ZEIT eines bislang vernachlässigten Themas an: Wer über Diskriminierung bestimmter Gruppen sprechen will, benötigt schon gutes Statistik-Denken  , wer Sozial- oder Wirtschaftswissenschaften ohne solide Kenntnis der Abiturmathematik studieren will, hat bereits ein gewaltiges Handicap  , und in Ingenieur- oder Naturwissenschaften (von Geophysik bis Biologie) braucht jedermann Mathematik in vielen Varianten. Aber wie sagte schon H. M. Enzensberger vor 22 Jahren sinngemäß: Die Gesellschaft hat ein Problem, „… solange eine überwältigende Mehrheit aus freien Stücken darauf verzichtet, sich ein kulturelles Kapital von immenser Bedeutung und von größtem Reiz anzueignen.“ – Prof. emer. Dr. Wolfgang Ströbele

 

Wie wahr! – sogar die Verfasser des Artikels sind davon betroffen. Wie anders ist zu verstehen, dass in dem Diagramm „Wie haben Sie den Unterricht in Mathematik empfunden“ folgende Zahlen in einer nichtssagenden grafischen Darstellung präsentiert werden: 35% „spannend und lebendig“, 39% „alltagsnah“, 45% „erhellend“ und 58% „mühsam und anstrengend“. Was kann man daraus lesen? Entweder es wurden insgesamt 35%+39%+45%+58%=177% der Befragten befragt oder es gibt Mehrfachnennungen.

Natürlich kann das nur über Mehrfachnennungen erklärt werden. Worin liegen diese aber? Zeigt die grafische Darstellung die Struktur der Mehrfachnennungen? Dann hätten 58% der Befragten Mathematik als „mühsam und anstrengend“ erlebt, von diesen ca. 77% (d.h. 45% von allen Befragten) zusätzlich als „erhellend und gewinnbringend“, von diesen ca. 87% (d.h. 39% von allen Befragten) zusätzlich als „alltagsnah“ und von diesen ca. 90% (d.h. 35% von allen Befragten) auch als „Spannend und lebendig“. Über den Rest, 42% der Befragten, würde die Grafik keine Auskunft geben. Auch diese Aussage des Diagramms ist sicher nicht beabsichtigt, wenngleich diese durch die Grafik transportiert wird.

Was soll die grafische Darstellung dann leisten – außer Verwirrung? Bitte geben Sie, die Redaktion, ihren Journalisten so viel Mathematik-Verständnis, dass sie eine solche Grafik nicht akzeptieren! Eine Grafik soll nicht nur schön aussehen, sondern primär optisch die Wahrheit der Zahlen transportieren. Wenn sie dies nicht leistet, trägt sie mehr zur Verwirrung bei, als zur Wiedergabe der Wahrheit. Leider finden sich in Publikationen der Tages-, Wochen- und Monatspresse häufig solche nichtssagenden, verwirrenden oder verfälschenden grafischen Darstellungen von Zahlenverhältnissen. – Tilmann Wolf

 

„Wir haben ein Mathe-Problem“ – Ja, leider, wie man dem Interview mit Olaf Köller entnehmen konnte. Aber muss man sich deshalb in die Reihe derer mit Mathe-Problem einreihen – Oder was sollen die Grafiken? Zum einen: „Wie schätzen Sie heute Ihre Mathematikkenntnisse ein?“ – Und zur Auswahl gibt es Schulnoten. Schulnoten sind eine Ordinalskala, für diese ist das arithmetische Mittel (‚der Durchschnitt‘) ungeeignet, da die dort verwendeten mathematischen Operationen nicht zulässig sind. Warum? Siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Skalenniveau#Ordinalskala

Zum anderen: Diese nette Grafik mit den Kreisen. Als Leser denkt man, die Information ist der Flächeninhalt des Kreises – Es ist aber der Durchmesser. Aber das Interview ist lesenswert. Trotzdem würde ich mich darüber freuen, wenn die Erkenntnisse, die im ‚Wissen‘-Teil ihrer Zeitung besprochen und vorgestellt werden, generell  in der ‚Zeit‘ Anwendung fänden. – Holger Schubert

 

Danke für die Umfrage zum Mathematikunterricht, die ich gleich mit meinen Schülern besprochen habe. Leider interpretieren Sie in Überschrift und Text die Ergebnisse negativer als sie sind:

26% haben Mathe nie gemocht (in Alarmrot markiert…), aber für 21% war es Lieblingsfach, 45% erinnern Mathe als gewinnbringend. Fragen Sie das mal für die angeblich so beliebten Fächer Musik oder Sport. An unserer Schule wählen mehr Schüler einen Leistungskurs Mathe als wir Lehrer aufgrund der Fähigkeiten empfehlen. Selbstverständlich arbeiten wir an der Verbesserung des Mathematikunterrichts – ihn schlecht zu reden, hilft uns dabei nicht! – Britta Riebesehl

 


 

 

          

Leserbriefe zu „Mit Liebe rechnen“ von Thomas Kerstan

 

Leider wird mit der Darstellung der kniffligen Aufgabe aus der 3. Runde der Mathematik-Olympiade genau der Fehler gemacht, der im Artikel völlig zu Recht angeprangert wird. Zwar wird die Aufgabe beschrieben und die Lösung am unteren Rand gezeigt, jedoch keinerlei Hinweis auf den Lösungsweg oder Lösungsmöglichkeiten gegeben. Genau dies führte dann prompt auch bei mir zu Verdruss und Frust, da ich den Teil b.) nicht nachvollziehen konnte. Sollte gerade dies beabsichtigt gewesen sein, so wurde das Ziel erreicht. – S. G. Wehnert

 

Ich lese Ihre Zeitung als langjähriger Abonennt sehr gerne und finde die Neugestaltung des Wissensteil klasse. Aber in dem obigen Artikel wird zu Recht kritisiert, das Mathe nicht Stück für Stück erklärt wird. In der von Ihnen dort angebenen Aufgabe mit den Tomaten machen Sie den gleichen Fehler. Es wird unten die Lösung präsentiert, aber nicht der Weg, wie man diese erhält. Ich muss zugeben, dass ich meine Problem damit habe, wie man zur Lösung b kommt. Dieses Problem haben auch viele Lehrbücher. Es wird eine Aufgabe gegeben, auch mit Lösung, aber es wird häufig nicht der Weg dorthin beschrieben und falls ja, leider nicht Schritt für Schritt sondern oftmals in großen Schritten und genau dort verliert man dann viele Leute. Können Sie also bitte den Lösungsweg vor allem für Aufgabe b noch nachliefern ? Ich wäre Ihnen wirklich dankbar. – Dirk Lehnert

 

Wenn ihr Schlusssatz doch nur wahr wäre! Wenn ich die Kommentare unter ZON-Artikeln lese, kommen mir Zweifel. Wer es nicht verstanden hat, wehrt sich auch weiterhin. Dass Vorgänge, die exponentiellen Funktionen folgen, immer verheerende Auswirkungen haben und immer nur ganz früh zu beherrschen sind, begreifen nur die, die es verstanden haben. Zu viele begreifen es nicht. – Fritjof Möckel

 

In dem genannten Artikel haben sie eine Aufgabe für die Klasse 5 vorgestellt, die sich um den Verkauf von Tomaten dreht. Die Lösung unter b) habe ich gelesen, weiß aber nicht, wie man das rechnet. Vielleicht können sie meinem Unwissen abhelfen und mir den Rechenweg mitteilen. Das würde mich sehr freuen. – Dr. Albert Schachermeier

 

Quod erat demonstrandum? Eine hübsche Rechenaufgabe, aber oh weh, die angegebene Lösung ist falsch. Ja, der Händler verkauft 276 Packungen. Das entspricht bei einem Verkaufspreis von 2 € einem Gewinn von 1 € pro Packung und bei einem Verkaufspreis von 1,60 € einem Gewinn von 0,60 €. Also: x = Anzahl der zu 2 € verkauften Packungen, y = Anzahl der zu 1,60 € verkauften Packungen, x + y = 276 (zur Erinnerung, die verkauften Packungen), 1x + 0,6y = 220 (zur Erinnerung, der Gewinn). Jetzt die erste Gleichung einfach nach x oder y auflösen und den Term in die zweite Gleichung einsetzen und nach y bzw. x auflösen. Ergebnis: 136 Packungen zu 2 € verkauft, 140 Packungen zu 1,60 € verkauft. Und wie kommen Sie auf 196 P. zu 2 € und 80 P. Zu 1,60 €???

Zum Thema Mathematik: Noch nie von einer Proberechnung gehört? Damit wäre der Fehler sofort aufgefallen. Zum Thema Rechenkompetenz: Mit Ihren 196 zu 2 € verkauften Packungen wäre der Gewinn von 220 € fast ausgeschöpft. Wo sollen da noch 80 verkaufte Packungen für 1,60 € herkommen? Bei etwas Zahlengefühl springt ins Auge, dass das Ergebnis nicht stimmen kann.Und ich vermute, bei etwas mehr Zahlengefühl in der deutschen Bevölkerung (auch einigen Politikern und Journalisten) würde sich manche unsägliche Corona-Diskussion erledigen. Zum Glück kann unsere Bundeskanzlerin Mathe und Rechnen. – Roswitha Eisbach

 


 

 

 

Leserbriefe zu „Wut schlägt Wahrheit“ von Bernhard Pörksen

 

Ein sehr gelungener Artikel über ein verstörendes zeitgeschichtliches Thema: Entstehung und Ausbau eines Netzwerks der Gegenaufklärung in den USA. Und als vorläufig letzte Steigerung dieser Entwicklung die Symbiose von Fox News mit Donald Trump. Diesen Tiefpunkt der Demokratie- und Mediengeschichte durchdringt der Artikel von Bernhard Pörksen in sachlicher, aufrichtiger und zugleich interessanter Weise. Ganz im Kontrast zum reißerisch-manipulativen Fox News-Stil, der Gegenstand seines Artikels ist. In einem kraftvollen Fazit macht Bernhard Pörksen den Willen zur Macht als Triebkraft der Entwicklung aus. Dieser bedeutungsschwere und ahnungsreiche Bezug beinhaltet allerdings das Risiko, mit den ontologischen Implikationen, die im Willen zur Macht mitschwingen, die Gegenaufklärer indirekt und ungewollt zu bestätigen.

Schlimm genug, wenn es schlicht Machtkalkül ist, welches die lügenbasierte Propaganda antreibt. „Wut schlägt Wahrheit“? Ja, wenn nur die Zuschauer von Fox News und die Anhänger von Trump gemeint sein sollten. Diese werden systematisch gegen die Wahrheit immunisiert und als Träger von Wut aufgebaut, um jederzeit als Waffe für die Machtzwecke des Trump-Lagers aktiviert werden zu können. Wenn allerdings die amerikanische Gesellschaft als Ganze in den Blick genommen wird, steht keineswegs fest, wer wen schlägt. Zur ganzen Geschichte gehört: Die Medienlandschaft und die Demokratie in den USA sind so vital, dass die Wahrheit noch eine ernst zu nehmende Kraft ist. – Reinhard Koine

 

Bernhard Pörksens wuchtige Analyse liest sich wie ein Krimi. Es wurde in den USA nicht nur die Fairness-Doktrin abgeschafft, sondern letztlich auch die Fairness selbst. Die Einschätzung der FCC aus dem Jahr 1987, dass die Fairness-Doktrin die öffentliche Debatte eher behindere als fördere, hat sich als krasser Irrtum erwiesen. Dies sollte hierzulande als Warnung verstanden werden. Auch wenn Herr Kniffke glaubwürdig an die Trennung von Meinung und Bericht in den öffentlich-rechtlichen Medien glaubt, kann ich die Skepsis des Herrn Kubicki, mit dem ich sonst nicht viele Ansichten teile, diesbezüglich nachvollziehen. Zum Beispiel lassen sich wenige Beiträge von Frau Slomka im heute-journal finden, die nicht von ihrer persönlichen Meinung gefärbt erscheinen. Eine neutrale Berichterstattung erfordert letztlich ein nie endendes Ringen und Gegensteuern. Doch der Aufwand lohnt sich! – Dr. Christian Voll

 

Den sehr informativen Artikel habe ich mit großem Interesse gelesen. Mittlerweile verlagern sich die medialen Kampfplätze auf ganz neue Ebenen. Die asozialen Medien und sachlich dämliche Wikipedia-Administratoren sind die noch „viel besseren“ Speerspitzen für Verdummung der Wähler. Das Ganze wird begleitet von ZDF- und ARD-Nachrichten-Sendungen, wo regelmäßig etwa bzgl. „Energiewirtschaft“ alles Mögliche unsinnig durcheinander geworfen wird. Ein wegen Corona vorübergehend hoher Anteil erneuerbarer Stromerzeugung wird munter als Anteil am gesamten Energieverbrauch bezeichnet. Wenn die Kartoffelernte gut ist ist, geht es allen Bauern gut! Wie ist es um die Qualität der Redaktionen bestellt? – Prof. emer. Dr. Wolfgang Ströbele

 

Wenn ich Artikel über Fox News und den unaufhörlichen Lügenfluss von Donald Trump und seinen Mannen lese, frage ich mich, ob das wohl auch in Deutschland möglich wäre – und ich befürchte, es ist möglich. Schließlich gibt es seit vielen Jahrzehnten die BILD-Zeitung und ähnliche Produkte, die nachweislich und weitgehend straflos unaufhörlich entweder eindeutig lügen oder zumindest die Tatsachen verdrehen (vgl. https://bildblog.de/) und denen dennoch fast alle Spitzenpolitiker*innen der Bundesrepublik immer wieder Interviews geben. Darüber hinaus existieren etliche Privatsender, die ebenfalls kaum informieren und aufklären, sondern vorrangig an die Emotionen und Vorurteile der Zuschauer*innen appellieren und unzureichend berichten (vgl. https://www.wunschliste.de/tvnews/m/kritik-am-informationsprogramm-der-privatsender).

Hinzu kommen die sogenannten sozialen Medien wie Facebook, Twitter, Instagram, in denen fleißig und ebenfalls in der Regel straflos Hass und Lügen verbreitet werden. Meines Erachtens ist es dringend notwendig, jene Medien, die unablässig Lügen, Hass und Hetze produzieren und/oder verbreiten, endlich zivil- und strafrechtlich mit nicht nur symbolischen Strafen zur Rechenschaft zu ziehen. Zum Weiterlesen: https://www.ulrich-willmes.de/populismus.html und https://www.ulrich-willmes.de/internetriesen-regulieren.html – Ulrich Willmes

 


 

 

 

Leserbriefe zu „Ist die Schule rassistisch, Aminata Touré?“ Gespräch mit Aminata Touré geführt von Maximilian Probst und Martin Spiewak

 

Wenn man etwas älter ist, wurde einem Afrika in der Schule in den Nachkriegsjahren sehr unbestimmt/oberflächlich vermittelt. Ein bisschen deutsche Kolonien, Rommel wurde auch gestreift, wilde Tiere, Sahara, Äquator etc. Afrikanische Menschen wurden von den  afroamerikanischen Showgrößen aus den USA dargestellt. Wenn man dann heute in der Flüchtlings-Betreuung/Begleitung mit Afrikanern face-to-face zusammen ist, vergisst man – bei gutem Willen auf beiden Seiten – die jeweilige Hautfarbe,  spricht, lacht, weint, gemeinsam über das Zusammenleben in Deutschland. Klasse! Die Argumente in den Antworten von Frau Touré. – Hartmut Wagener

 

Sie nennen die Fragen „Wo kommst Du her?“ und „Wann gehst Du zurück?“ sowie das Angespucktwerden in einem Atemzug – jeweils als Zeichen der Ablehnung. Für mich persönlich kann ich ehrlich sagen: Wenn ich jemanden nach seiner Herkunft frage, so bekundet das schlicht Interesse, auch wenn Sie mir das nicht glauben mögen – was ich wiederum als anmaßend empfinden könnte. Angespuckt habe ich noch nie jemanden. Dass Afrika zu 99% negativ dargestellt wird, halte ich für falsch. Zumindest hängt es davon ab, in welchen (Medien-)Welten man sich bewegt. Ich halte es auch für falsch, dass Sie Weiße, die Dreadlocks tragen, pauschal verurteilen. Für die Empfindungen, welche die Träger von Dreadlocks bei anderen Menschen verursachen mögen, sind sie jedenfalls nicht verantwortlich.Wir leben in einem freiheitlichen Land, auch hinsichtlich der Frisur. Das sollten Sie als Landtags-Vizepräsidentin wissen und beherzigen. Je nachdem, wie häufig dunkelhäutige Menschen in verschiedenen Gesellschaften sind, erregt ihre Hautfarbe mehr oder weniger Aufmerksamkeit.

Die Aufmerksamkeit an sich ist aber nicht rassistisch, sondern ein normales menschliches Verhalten. Das gilt auch andersherum: Ich habe im subsaharischen ländlichen Afrika, als Arzt und als Backpacker, viel Aufmerksamkeit aufgrund meiner Hautfarbe erfahren. Babys haben bei meinem Anblick panisch geschrien, weil sie noch nie einen weißen Menschen gesehen hatten. Kinder liefen hinter  mir her und fragten nach Geschenken. Jugendliche und Erwachsene sprachen mich an, um in´s Geschäft zu kommen. ALLE fragten mich, wo ich herkomme. Alles aufgrund meiner weißen Hautfarbe. Meine Tochter wurde von Kindern und Frauen berührt, zu besonders erschienen ihre langen, glatten, blonden Haare. Sehen Sie in all dem rassistische Züge? Ich nicht. Je mehr Bedeutung Sie selbst Ihrer Hautfarbe zuordnen, desto mehr werden es auch andere Menschen tun. Auch das Interview in der ZEIT lenkt die Aufmerksamkeit lediglich auf Ihre dunkle Hautfarbe. Sie selbst reden über nichts anderes. Schade. Ihre politischen Ideen hätten mich mehr interessiert. – Dr. Christian Voll

 

Aminata Touré Vizepräsidentin des Landtags von Schleswig–Holstein sagt »Es gibt keinen Ort, der frei von Rassismus ist«. Eine solche Aussage ist berechtigt, auch wenn ihre Allgemeingültigkeit zu hinterfragen ist. Es ist wohl ähnlich wie beim Auto. Wer z.B. wie ich einen Skoda Fabia fährt, dem fallen bei jeder Fahrt Fahrzeuge dieser Marke auf. Darüber hinaus hat Touré Recht: Rassismus muss ernst genommen werden. Nur ist es wohl nicht hilfreich, jede Benachteiligung auf Rassismus zurückzuführen. Es ist fast normal, dass in einer Schulklasse zeitweise gemoppt wird, oder zumindest der Versuch dazu unternommen wird. Mir passierte es gleich zu Schulbeginn, als ich als einziger eine Brille trug. Augenglaslhengst oder die Frage «Warum hast du im Sommer noch immer die Winterfenster?» waren so die üblichen Frotzeleien. Auch Lehrer waren zwar selten aber doch manchmal beteiligt. z.B. ein Lehrer pflegte einen bestimmten, nicht sonderlich guten Schüler so aufzurufen: «Jetzt kommt einer dran, der sehr viel weiss: XYitsch».

Touré ist grüne Afrodeutsche mit Verwandten in Mali. Ihre Eltern gehörten zur lokalen Elite. Ihre Mutter hatte Wirtschaft studiert, ihr Vater Jura. «Sie mussten aus politischen Gründen nach Deutschland fliehen.» Irgendwie ist es schade, dass im Interview nicht näher auf diese Herkunft eingegangen wurde. Denn die Zukunftsprobleme der Menschheit können nur gemeinsam gelöst werden. Auch deshalb, weil es da eine demographischen und ökonomischen Graben zwischen Nord und Süd gibt. Z.B. Mali hat die Geburtenrate 6, Deutschland hat eine von 1,6 (Angaben von 2018). Afrikas Bevölkerung wird sich bis 2050 nach einer UN-Prognose verdoppeln. Auch Bildung kann die sich daraus ergebenden Folgen nicht wesentlich entschärfen. Denn woher sollen die Arbeitsplätze kommen, auf denen die Ausbildung genutzt werden kann? Entsprechendes Wirtschaftswachstum ist aus Umweltgründen (Klimawandel) nicht möglich. Und was ist nach 2050?

Natürlich kann man den Grünen nicht die alleinige Verantwortung aufbürden, hier detaillierte Lösungsvorschläge zu machen. Hilfreich wäre es aber doch, eine Weltsicht, ein Weltbild zu entwickeln, dass hinreichend für eine Lösung ist. Als grüne Afrodeutsche müsste Touré zumindest ein privates entsprechendes Weltbild haben, das auch teilweise aus ihrer Herkunft abgeleitet ist. Mein privates Weltbild rührt auch daher, dass meine Grossmutter als Magd zwei uneheliche Kinder abgeben musste, bevor sie mit 28 meinen damals 58 Jahre alten Grossvater (er starb mit 68) heiraten konnte, der als nicht erbender Bauernsohn erst in diesem Alter die bescheidenen materiellen Voraussetzungen für eine Ehe erarbeitet hatte. Mein Weltbild wird übrigens im Buch «Die Technik reicht nicht» BoD 2016 beschrieben. – Dr. tech. Gernot Gwehenberger

 

Die Leistung und die Karriere von Frau Toure sind bemerkenswert. Ihre beschriebenen Erfahrungen sind nachvollziehbar. Der Vorwurf des Rassismus an Deutschland löst dennoch zwiespältige Gefühle aus. Es gibt schließlich noch eine Menge Deutsche, deren Eltern aus Krieg und Diktatur nicht fliehen konnten, schon gar nicht in ein Land wie Deutschland, in dem eine tüchtige Mutter vier Töchtern eine gute Ausbildung und Chancen vermitteln konnte, wie es in ihrem Heimatland nicht möglich gewesen wäre.. Frau Toure genießt eine wirtschaftliche und politische Situation, an deren Schaffung ihre Familie nicht mitgewirkt hat. Das sollte sie milde stimmen. – Dr. Walter Engel

 


 

          

Leserbriefe zu „Er bleibt noch“ von Anna Mayr

 

Anna Mayr fragt, warum die SPD trotz Vorsitzendenwechsel nicht erfolgreicher geworden sei. Eine mögliche Antwort findet sich im Politikteil der ZEIT. Da wird Norbert Walter-Borjans größte Stärke mit „Flauschigkeit“ beschrieben, der Bundesfinanzminister Olaf Scholz mit einem Erdmännchen verglichen und Epidemiologiefachmann Karl Lauterbach als „SPD-Alarmsirene“ tituliert. Gleichzeitig kann man zwei Seiten Lobpreis auf den „fehlerlosen“ Markus Söder lesen, der sich nur noch entscheiden müsse, ob er in Bayern bleibe oder Kanzler werde. Die bayrische Corona-Panne kommt am Rande vor, der von Söder gehaltene Andreas Scheuer gar nicht. Man mag ein gewisses Ungleichgewicht erkennen. Die vierte Gewalt im Staate hat Macht. Sie sollte sie weiser nutzen. – Simon Freiberger

 

Nach meinem Empfinden driftet die „Zeit“ immer stärker in Richtung Illustrierte: viele große, bunte Bilder mit Texten, die wenig politische Informationen enthalten. Ein Beispiel ist der Artikel „Er bleibt noch“ von Anja Mayr über Norbert Walter-Borjans, in dem ausführlich seine großen Hände behandelt werden. Vermisst habe ich eine Beschreibung seiner Füße, denn ich hätte schon gerne gewusst, ob er auf großem oder kleinem Fuße lebt. – R. Görgen

 

Frau Mayr hat in dem Interview nicht gefragt/erwähnt, daß Walter-Borjans der erste deutsche Länder-Finanzminister war, der aus „besonderen Quellen“ CDs angekauft hat. Er hat mit ihnen dann  ohne großes Aufsehen, Steuern auf Gewinne nachfordern können, die in sog. Steuerparadiese geschoben worden waren. Einige der Steuersünder hatten vorsichtshalber Selbstanzeige erstattet. Ganz unwichtig: Der Lauf von Herrn Walter-Borjans geht von Düsseldorf-Gerresheim in den Ortsteil LUDENBERG, nicht…dorf. – Hartmut Wagener

 


 

 

Leserbriefe zu „Toteis. Ein Gletscher verschwindet“ von Marius Buhl

 

Dass die Gletscher der Erde abschmelzen und auch komplett verschwinden, ist nichts besonderes. Das hat es in der Erdgeschichte oft gegeben. Das eigentliche Problem ist eher das Tempo. Uns berührt das Thema doch nur, weil es ein Symptom ist für die Schädigung unserer Lebensgrundlagen – und eine Gefährdung für unser Überleben. Doch selbst das interessiert die Wenigsten wirklich. Der homo sapiens sapiens ist halt eine sehr tumbe Spezies. Dass wir das verursachen und nebenher hundertausende von Arten gefährden und ausrotten ist fast Allen eh egal. Irgendwie traurig. – Iman Schwäbe

 

Die Zeit ist ja recht vorne mit dabei in Sachen Klimakrisen-Berichterstattung. Der Guardian hat, wie ich las, einen Climate-Pledge – das Versprechen bzw. den Plan, die gesamte publizistische Tätigkeit in naher Zukunft CO2-neutral zu gestalten. Gibt es so etwas eigentlich auch von der Zeit? Und wenn ja, warum habe ich noch nichts davon gehört? – Peter Löffelbein

 

Unsere Regierung missachtet absichtlich physikalische Gesetze großer deutscher Wissenschaftler bezüglich des Einflusses von Kohlenstoffdioxid auf unser Klima.Im Land der Dichter und Denker – aber auch der großartigen Wissenschaftler – ist es unfaßbar, dass unser Regierung die einfachsten physikalischen Gesetze mißachtet, die von unseren deutschen Physikern vor Jahrzehnten aufgestellt wurden und die Weltgeltung erlangten. Nicht nur in Deutschland, sondern auch in einigen unserer anderen europäischen Ländern mißachtet man diese Gesetzmäßigkeiten der Wissenschaftler Rudolf Clausius und Max Planck, woraus sich seit 1986 eine Hexenjagd auf CO2 entwickelt hat, mit katastrophalen Folgen für unsere Energiewirtschaft und tausenden Mrd. von vergeudeten Steuergeldern.

Fangen wir an mit dem Wissenschaftler Rudolf Clausius, der den 2. Hauptsatz der Thermodynamik formuliert hat. Danach kann nur ein warmer Körper (oder Molekül)  eine IR-Strahlung an einen kalten Köper (oder Molekül) abgeben – aber nicht umgekehrt. Was heißt das auf unser Klima (Atmosphäre) bezogen?  Es gibt nur eine IR-Strahlung vom warmen Boden oder warmen, bodennahen Luftschichten in Richtung kältere Luftschichten, die darüber liegen. Laut Clausius kann es keine IR-Strahlung aus den oberen, kalten Luftschichten nach unten auf die Erde geben. Das ist physikalisch unmöglich – es gibt keinen Treibhauseffekt ! ! Wenn ökologische Klimagläubige etwas anderes behaupten, dann sind sie entweder mit der Physik nicht vertraut, ober sie setzen ihre ökogische Treibhaus-Ideologie über die weltweit anerkannten Naturgesetze, wie eine gewisse Greta von FFF.

Dann gibt es noch den Herrn Max Planck, der festgestellt hat, dass eine IR-Strahlung von einer energiedichten Materie in Richtung einer energieschwächeren Materie immer grösser ist, als die auch existierende IR-Strahlung einer energieschwächeren Materie. Als Endprodukt zählt aber nur der Unterschied. Das rechnerische Resultat ist eine IR-Strahlung von energiedicht zu energieschwach. Für unser Klima bedeutet das, dass nur die energiedichte Luftschicht in Bodennähe in Richtung der energieschwächeren Luftschicht darüber eine IR-Strahlung abgeben kann, aber nicht umgekehrt – also nicht von oben nach unten. Erklärung: Die unterste Luftschicht unserer Atmosphäre ist die energiedichteste, da auf ihr der gesamte Druck der darüber liegenden Atmosphäre lastet – so ca. 1 kg je cm2. Alle darüber liegenden Luftschichten haben eine geringere Energiedichte, so dass die Strahlung immer weiter nach oben hin abgegeben wird.

Nehmen wir die physikalischen Gesetzmäßigkeiten des thermischen Aufwinds als letzten Beweis, Warme Luft ist ‚leichter’ (weniger dicht) als kühlere Luft und leichtere Luft wird immer versuchen nach oben in die kühlere (dichtere) Luft aufzusteigen. Schon 0,1 °C Unterschied reichen aus, um einen thermischen Aufwind einzuleiten. Dichtere Luft ist schwerer als weniger dichte Luft. Dieser Aufstieg nach oben hört erst auf, wenn sich die aufgestiegene Luft bis auf die gleiche Temperatur der Umgebungsluft abgekühlt hat – also die gleiche Dichte hat. Als gibt es keinen Treibhauseffekt, nämlich daß Wärme in Form von warmer Luft oder IR-Strahlung von oben nach unten geleitet wird.

Der Motor dieser Luftbewegung ist die Energie der Sonneneinstrahlung. So gibt es auch thermische Aufwinde über den von der Sonne tagsüber aufgeheizten Städten. Wenn nun einer glaubt, dass das Spurengas CO2 etwas an diesen Gesetzmäßigkeiten ändern kann, der sollte sich darüber im Klaren sein, dass dieses Gas  einerseits mit nur 0,04 % in der Luft der Atmosphäre enthalten ist (also kaum einen Einfluss haben kann) und andererseits genauso diesen thermischen Gesetzmäßigkeiten unterworfen ist. Zudem werden die an der Erdoberfläche und die in der Erdatmosphäre enthaltenen CO2-Moleküle immer die gleiche Temperatur haben wie die sie umgebende Atmosphäre und sich aus diesem Grunde lediglich gegenseitig anstrahlen. Demzufolge gibt es auch keine IR-Strahlung von CO2-Molekülen in Richtung Erdboden. CO2 kann also kein Treibhausgas sein, bewiesen durch die weltweit bekannten und anerkannten physikalischen Gesetze.

Die Tatsache, dass die Regierenden alle diese einfachen, physikalischen Gesetze mißachten, hat seit ca. 1986 zu der Entscheidung geführt die Emission von CO2 zu vermeiden, was unsere Wirtschaft in kürzester Zeit zerstören wird. Außerdem ist der Alleingang zur Vermeidung  von CO2 in Deutschland und Europa ohne jeden Einfluss auf die Gesamtemission der Welt, da sie daran nur mit 2-3 % beteiligt ist. Vorbildfunktion hin und her – es ist unverhältnismäßig und lächerlich! Andererseits hat die anthropogene Weltemission lediglich einen Anteil von 5-6 % an der natürlichen CO2-Emission von Vulkanen, Felsspalten über und unter Wasser, die auf 600 – 700 Mrd. t/Jahr geschätzt werden. Alleine der Ätna speiht täglich 40.000 t in die Luft. Auch die Ozeane atmen CO2 aus, wenn die Wassertemperatur ansteigt. Das sind alles – für ökologisch angehauchte Menschen – unfassbare Größenordnungen, so dass nur irrationale Argumentationen zu einem Treibhausglauben führen können.

Alles was unverhältnismäßig ist, also ohne jede Wirkung bleibt, sollte tunlichst vermieden werden – ganz egal ob CO2 schädlich sein könnte oder ob es unsere Lebensgrundlage darstellt : Ohne CO2 gäbe es kein Leben auf dieser Erde – und wie wir inzwischen  wissen : je mehr wir davon in der Atmosphäre haben, um so besser wachsen alle Pflanzen und wir können mehr Menschen ernähren – immerhin schon 7,5 Mrd. Photosynthese im Chlorophyll der Blätter gibt es nur mit CO2 und Sonne. Die CO2-Vermeidungspolitik hat schon zu den irrsinnigsten Entscheidungen geführt : Braunkohleausstieg ist Wahnsinn, denn 40.000 Beschäftige verlieren ihren Job und es werden zig Mrd. EURO benötigt für Umstrukturierungsmaßnahmen. Stattdessen streiten wir, ob wir Erdgas aus den USA oder Russland importieren sollen.

Ausstieg aus der Kernenergie ist Wahnsinn, denn es ist die billigste Art und Weise Strom zu erzeugen, und inzwischen auch eine sehr sichere Methode. Das Aufstellen von Windkraft-  und Photovoltaik-Anlagen ist Wahnsinn, denn der Strom steht zu unregelmäßig zur Verfügung um eine Industrienation geregelt zu versorgen. Speicher gibt es nicht. Das ist vergeudetes Volksvermögen – was selbst Frau Dr. Angela Merkel schon zugegeben hat. E-Autos gesetzlich vorzuschreiben ist ein Wahnsinn, denn wir haben weder genug Strom, um diese Stromer zu versorgen, noch genug Rohstoffe für die benötigten Batterien. Dazu kommen die irrational niedrigen Abgasvorgaben der EU.

Der Verbraucher sagt wo es lang geht und der sagt im Moment Diesel-SUV. Die Autoindustrie ist durch die gesetzlichen Vorgaben dabei zu sterben und hundert- tausende von Arbeitsplätzen sind in Gefahr – für nichts und wieder nichts! Deutschland macht sich durch ökologische und irrationale Maßnahmen kaputt. CO2-Steuern und Zertifikate sind der größte Wahnsinn, denn sie machen neben dem schon hohen Stromkosten unsere Industrieprodukte noch teurer – wir verlieren unsere Wettbewerbsfähigkeit auf dem Altar der CO2-Hysterie. – Achim Günther Mertz

 


 

       

Leserbriefe zu „Stammesfehde“ von Jan Ross

 

Wie wohltuend ist dieser sehr gute Artikel. Der Autor hat doch tatsächlich kein Wort über die wilde Frisur von Boris Johnson verloren. – R. Görgen

 

Voller Erwartung schlug ich meine ZEIT auf und fand erneut Beiträge, die mich interessieren. Dazu gehört auch Ihr Beitrag über den Brexit und die „Stammesfehde“ in Großbritannien. Danke für diese nüchterne, aufschlussreiche Betrachtung. Ich halte sehr viel von dem Schriftsteller Richard Jefferies (England 1848 bis 1887) und seiner Feststellung,  (frei übersetzt): Nie, nie gib dich mit bestimmten Sichtweisen zufrieden, sondern sei immer sicher, dass eine noch breitere möglich ist. Daher wurden mir beim Lesen einige Parallelen zur Situation hier in Deutschland klar.

Die unkontrollierte Einwanderung von rd 1,75 Millionen Migranten in den Jahren 2015/16 und deren teilweise „alternativlose“ Befürwortung führten auch in Deutschland zu einer tiefen ideologischen Spaltung und Radikalisierung   bestimmter Sichtweisen in der Gesellschaft. Wer sich kritisch mit der Migration auseinandersetzt, verwirft tendenziell die gesamte politische Weltanschauung, die hinter den Befürwortern zu stecken scheint, den großstädtischen, linksliberalen Multikulturalismus. Hat nicht der, der sich mit der Migrationspolitik nicht abfindet, in der Regel ebenfalls ein positives Bild von der Gesamtheit der geschichtlichen Entwicklung in Deutschland jenseits von Kolonialismus und Faschismus und von den Ergebnissen der bisherigen europäischen Aufklärung? Entsprechend zornig reagiert er auf Angriffe auf dieses historische Erbe. – Renaux Schmolling

 

Der arme Herr Johnson, dessen versöhnende Umarmung von einem gespaltenen Land verschmäht wird? Ist das ernst gemeint? Herr Ross blebt jedenfalls seiner Johnson-verehrenden Linie treu. Doch auch mir ist es weiterhin unmöglich, im aggressiven, lügnerischen Brexiteer und im vertragsbrüchigen Premierminister auch nur den zarten Hauch einer Lichtgestalt zu sehen. Vielleicht träumt der selbstherrliche Rhetoriker Johnson noch von einer Art Pax Augusta. Doch momentan findet er sich offensichtlich eher in der Rolle des Zauberlehrlings wieder. – Dr. Christian Voll

 

Am letzten Abend der traditionellen BBC Proms in the Park Scotland (Glasgow Green) singt niemand „Rule Britannia“, dafür sind andere lokal patriotische Lieder zu hören. Auch das zeigt die von Ihnen benannte innere Spaltung des Vereinigten Königreiches, die schon vor dem Brexit-Streit vorhanden war. – Eileen Munro

 


 

          

Leserbriefe zu „Der Sinn ihres Lebens“ von Iris Radisch

 

Mit großem Interesse habe ich den Nachruf für Ruth Klüger gelesen. Sie schreiben darin u.a. „Es ist nicht schwer zu prophezeien, dass es vor allem diese Unversoehnlichkeit sein wird, mit der die Generation der letzten jüdischen Überlebenden (…) in die Geschichtsbücher eingehen wird“. Vor wenigen Wochen ging in der Zeche Zollverein in Essen eine bemerkenswerte Foto-Ausstellung zu Ende unter dem schlichten Titel. „Survivors“. Sie zeigte 75 grossformatige Portraits Holocaustüberlebender,  die alle in ihrer frühen Kindheit/Jugend in Konzentrationslager deportiert wurden, aber dem Grauen dort entkamen und überlebten bis heute.  Zu jedem Foto gehört ein persönlicher Kommentar der/des Portraitierten, zu meinem großen Erstaunen überwiegend alles andere als unversöhnlich, sondern mahnende,  aber gerade aufgrund ihrer erstaunlich versöhnlichen und friedfertigen Haltung tief berührende Zeugnisse für uns alle. – Konstanze Burger

 

Sehr geehrte Frau Radisch, niemand der als Häftling  in einem KZ gestorben ist, ist dort umgekommen. Alle wurden ausnahmslos ermordet. Die Mittel , die dafür verwendet wurden, wie Hunger Krankheit oder Gewalt sind dabei irrelevant. Der geradezu euphemistische Begriff „umkommen“ ; Anne Frank kam um, gilt gleichermassen für die Täter und zwar selbst dann, wenn die nur besoffen vom Wachtturm gefallen sind.(Verzeihung). Ich beobachte in der Erinnerungskultur seit 45 Jahren immer wieder diesen Begriff für die Opfer, der den Tatsachen einen beschönigenden Ausdruck verleiht ohne dabei besonders präzise zu sein und in meinen Augen eine Verhöhnung der Mordopfer darstellt.

Ich war letztes Jahr in Bergen Belsen (Kinder im KZ); Zeitzeugen die 70 Jahre später nur stockend berichten, was sie da erlebt haben, eine Französin die berichtet wie die Menschen die aufgegeben hatten alles menschliche verloren hatten. Bitte bezeichnen sie das was Mord war auch als solchen, ich weiss sie trauen sich das. Meine Hoffnung ist, dass man in Zukunft statt dem Gendersternchen Priorität einzuräumen, lieber zunächst die Mörder auch als solche benennt. Schonung verdienen die nicht aber ihre Opfer. – Markus Harder

 

Haben Sie herzlichen Dank für diesen wundervollen Nachruf einer wundervollen Frau, die ich erst durch diesen Nachruf kennen gelernt habe. Ich werde mir sogleich die beiden biographischen Bücher, die Sie in dem Artikel genannt haben, besorgen. Es berührt mich zuinnerst, diesen Text zu lesen. – Sibylle Riffel

 


 

          

Leserbriefe zu „Einsam spitze“ von Martin Machowecz

 

Dass die Corona-Krise den Osten Deutschlands weniger heftig trifft, halte ich nicht für verwunderlich. Die Menschen, die in der DDR lebten, konnten und mussten Verzicht und Geduld lernen und üben. All das, was man wollte und brauchte, bekam man nicht sofort und sowieso nicht in der Menge, die man wollte. Manchmal bekam man es auch gar nicht. Die Menschen, welche die DDR erlebt haben (und die Nachteile ein „Ossi“ zu sein, selbst heute spüren) können umgehen mit Entbehrung, Manchmal mit Humor, meistens mit Schulterzucken, „ist eben so, machen wir das Beste draus“. Diese Haltung hilft gut über die Zeiten der Einschränkungen. Im Sinne aller kann man sich – ohne aufmüpfig zu werden – an die AHA-Regeln halten. Die „Wessis“ sind zu verwöhnt. Sie kennen es nicht anders, alles, sofort und (zu) viel zu bekommen. Verzicht und Entbehrung empfinden sie als Zumutung. Als im Sommer Lockerungen galten, wurde Vernunft im Westen vollkommen ausgeschaltet. „Freiheit“ wurde (und wird) immer noch) schamlos und gedankenlos missbraucht, wahrscheinlich missverstanden. Die Pandemie ist eine Chance, dass die „Wessis“ sich mal den „Ossis“ angleichen. Das wäre ein Schritt in Richtung Wiedervereinigung ohne Lüge. – Sabine Wilms

 

Zum Impf-Erbe der DDR muss man erwähnen, dass die Hausärzte angehalten waren durch eine Kontrolle der Impfausweise in regelmäßigen Abständen den Impfstatus der Patienten zu prüfen. Dabei wurde auch u.a. der Status der Pneumokokken-Impfung geprüft und wenn notwendig eine Auffrischung empfohlen. Diese Impfung im Zusammenhang mit einer langjährigen kontinuierlichen Grippeschutzimpfung ist eventuell auch eine Ursache für die geringe Infektionszahl mit SARS-Cov-2 im Osten der Republik. Denn man kann davon ausgehen, dass seit den Epidemien 2003 und 2008 die Grippeimpfstoffe auch Anteile gegen Mutanten der diese Epidemien verursachten Viren SARS und MERS enthielten.

Denkbar ist, dass dabei auch Antikörper gebildet wurden, die auch teilweise gegen SARS-Cov-2 wirken. Die Epidemiologie sollte nach dem Abklingen der Pandemie eine spezielle Gruppe von Fällen analysieren, die Gruppe der positiv Getesteten, die keine Symptome zeigten und auch nicht erkrankten. Sollte sich eine Korrelation mit den der obengenannten Gruppe der Geimpften ergeben, dann wäre dies ein sehr gutes Argument für eine kontinuierliche Grippeschutzimpfung. Die Pandemie zwingt uns auch im Nachgang alle Varianten der Abschwächung des Krankheitsverlaufs und eine Stabilisierung der Abwehrkräfte zu prüfen, auch wenn sie nicht sofort offensichtlich sind. – Klaus-Dieter Busche

 

Sonntag Morgen ist gleich Zeit Time. Ich lese gerade den Artikel und diskutiere mit meinem Mann über die Aussage von Thilo Lang, dass Ältere weniger mobil sind. Bitte definieren Sie „ Ältere“. Ab wann gehört wer dazu? Ich sehe hier bei uns in BaWü fast nur agile Menschen, die ich über 55 + schätze, die in den Städten unterwegs sind. Also bitte demnächst etwas konkretere Angaben in ihren Artikeln. Ansonsten kann ich den Zusammenhängen in dem Artikel gut folgen. – Kirsten Lindner

 

Heute morgen las ich den Artikel ‚Einsam Spitze‘ im Wissen Abschnitt Ihres Blattes – von Martin Machowecz, einem Ostdeutschen. Insbesondere vor dem Hintergrund seiner  Herkunft ist der Schluss der ‚Obrigkeitshörigkeit‘ der ‚Ostdeutschen‘ doch erstaunlich, jedoch u.U. seinem Geburtsjahr geschuldet. Ansonsten wäre es ihm aufgefallen, daß die Möglichkeit seiner Meinungsäußerung als Ostdeutscher dem Umstand geschuldet ist, daß ‚die‘ Ostdeutschen eben gerade nicht ‚obrigkeitshörig‘ sind bzw. waren.

Das Richtige tun, wo es notwendig ist, nicht in Panik zu verfallen – das steht wohl eher für ‚Ostdeutschland‘. Staatliches Handeln eben nicht einfach durchzuwinken, sondern zu hinterfragen – wenn das bei Ihnen ‚obrigkeitshörig‘ meint, dann kämen wir wohl zusammen. Stattdessen eine Übung in Herablassung. Interessanterweise sind in meinem ‚deutschen‘ Freundeskreis die Trennlinien zwischen Panik/Entspannung/Relevanz von Selbstbestimmung auch immer noch durch die Herkunft gezeichnet.

Aber es könnte ja auch daran liegen, dass man als ‚Ostdeutscher‘ schlimmere Situationen erlebt hat, obendrein einmal für seine Freiheit gekämpft hat – zumindest die Älteren ( und das unter großem Risiko ). Das ist natürlich etwas, das die nicht-‚obrigkeitshörigen‘ Westdeutschen nie tun mussten, sodass vielleicht diese viel mehr Vertrauen in den Staat haben und demnach leichter zu überzeugen sind, ihre bürgerlichen Freiheiten auf das Übelste beschneiden zu lassen. Mit etwas mehr Freude am Denken und an der Analyse, hätte es ein guter Artikel sein können. – Thomas Kunert

 


 

          

Leserbriefe zu „Das Kartell der Opportunisten“ von Michael Thumann

 

Eine treffende Analyse von Michael Thumann, die die These unterstützt, dass es in der Hauptsache die Bevölkerung ist, die sich ihren Beherrscher formt, und nicht umgekehrt. Ein spezifisches Element der Charakterschwäche tritt hinzu, nämlich der Hang zur zügellosen Selbstbereicherung. Wie sollen diese armen reichen Männer von der Macht lassen, wenn sie befürchten müssen, nach Abdankung oder Abwahl zur Rechenschaft gezogen zu werden? Die nackte Angst lässt Autokraten immer autoritärer werden. Offenbar sind Männer besonders anfällig dafür, sich auch aus diesem Grund an die Macht zu klammern. Weltpolitik muss endlich weiblicher werden. – Prof. Dr. med. Jan Sperhake

 

Ein nettes Trio, die Herren Putin , Ergodan und Trump. Nur die Aussage , dass die Drei einander brauchen, ist falsch. Die Herren lieben ihre Unabhängigkeit. Brauchen vielleicht, aber sie wollen es alleine schaffen. Was auch immer;und das werden sie auch. – Hans-Emil Schuster

 

Wie wie uns vor wenigen Tagen in unserem Nachbarland abermals vor Augen geführt wurde, ist Meinungsfreiheit alles andere als eine Selbstverständlichkeit. Sie war es nie. Sie kann immer wieder nur im Jetzt gedeihen. Sie lebt von Menschen, die tagtäglich um sie kämpfen. – Maurice Heine

           


 

 

Leserbriefe zum Politischen Fragebogen „Ich bin Nichtwähler“ Gespräch mit Moritz Bleibtreu geführt von Jörg Böckern

 

Moritz Bleibtreu – ein toller Schauspieler – meine Enttäuschung ist groß. In einer Zeit, in der die Menschen in Belarus, Hong Kong und anderswo auf die Straße gehen und für das Recht zu wählen ihr Leben aufs Spiel setzen, ist die Aussage von Herrn Bleibtreu, er sei „Nichtwähler“, nicht nur ignorant, sondern erscheint mir – mit Verlaub – ziemlich dumm. – Ulrike Nöth

 

Ein bemerkenswertes Interview mit einer herausragenden Persönlichkeit. Besonders imponiert mir die permanente Fokussierung des Interviewten auf den Individualismus – gerade in Zeiten der Pandemie ohne Zweifel ein erstrebenswerter Zustand. Auch sein Bekenntnis zum Status des Nichtwählers ist sicher ein essentieller Beitrag zur Stärkung der Demokratie – zumal ja alle Politiker Trottel sind! Sorry, manches lässt sich in diesen Zeiten, in denen der gesellschaftliche Zusammenhalt an einem dünnen Seil hängt, nur mit bitterer Ironie ertragen. – Wilfried Kunz

 

Der Herr ist Nichtwähler, sieh‘ an , sieh‘ an. Aber nach der Wahl herumjammern, was die anderen gewählt haben. – Hans-Emil Schuster

 


 

          

Leserbriefe zu „Wird hier die Armut abgeschafft?“ von Xifan Yang

 

Ein sehr interessanter Artikel von Xifan Yang, in dem sie das chinesische Modernisierungsprojekt „Erping“ vorstellt. Wofür steht dieses Projekt? Für die Herstellung der Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse im ganzen Land, wie wir das in Deutschland nennen würden? Blühende Landschaften? Für eine Politik, um Zuwanderung aus ländlichen Regionen in die Metropolen zu verhindern (Abwanderung aus den ostdeutschen Ländern konnte nach deren Beitritt und der anschließenden Tabula-rasa-Politik nicht verhindert werden)? Für eine Art von antiquierter Entwicklungspolitik, die traditionelle Lebensgrundlagen bzw. -zusammenhänge zerstört, neue Abhängigkeiten schafft und letztendlich die nicht gewünschte Abwanderung fördert?

China ein Vorbild für die ganze Welt? Keineswegs, es sieht leider danach aus, als wenn China alle Planungsfehler durchlaufen würde, die auch wir im eigenen Land bzw. in den eigenen Handlungsbereichen erlitten und zu verantworten haben. Zu viel Illusionen, zu viel Theorie, zu viel Ehrgeiz, zu viel Selbstvermarktung, zu viel Geld. Zu wenig Nachhaltigkeit. Eine am Konzept der Nachhaltigkeit orientierte Planung setzt Mitsprache der Betroffenen voraus. Aus Betroffenen Beteiligte machen: Mit diesem Handlungsansatz könnte man heute glänzen. „Kein Einzelner und keine Familie wird zurückgelassen werden“, sagt Xi Jingping. Kann es sein, dass in diesem Satz, der bedrohlich nach totalem Herrschaftsanspruch klingt, der Keim der Nachhaltigkeit angelegt ist? – Reinhard Koine

 

Der Beitrag stimmt nachdenklich: Bei uns geht man den umgekehrten Weg, den freiheitlich-demokratisch-marktwirtschaftlichen, den der Gentrifizierung: Entmietung durch Umwandlung in Eigentum, durch Luxus-Renovierung und rechtsstaatlich geregelter Mietexplosion bzw. Zwangsräumung – ohne angemessenen Ersatz bereit zu stellen. – Uwe-Carsten Edeler

 


 

          

Leserbriefe zu „Wie es wirklich ist im Seniorenheim zu arbeiten“ von Janice Wartchow

 

Gibt es solche Engel wie Frau Watchow wirklich? Das ist kaum zu glauben und wäre ein Lichtblick in der Finsternis der fast üblichen Schilderungen über die mangelhaften bzw. völlig überlasteten Tätigkeiten in der Altenpflege. – Dr. med. Claus Richter-Haffelder

 

Dieses Stimmungsbild aus einem Altersheim von Janice Wartchow hat mich sehr bewegt. Die vielfältigen Lebenserfahrungen  der Senioren bergen einen Reichtum an wunderbaren aber auch sehr  leidvollen Erinnerungen. Da muss man dann keine fiktiven Geschichten mehr lesen. Das ganze pralle Leben spiegelt sich in diesen Fragmenten aus unterschiedlichsten Lebensschicksalen. Frau Wartchow hat ein sensibles und verständnisvolles, sehr treffenden Stimmungsbild  aus dem Altersheim gegeben. Vielen Dank für diesen bereichernden Beitrag. – Ursula Fasbender

 


 

          

Leserbriefe zu „Es wird dunkel in Minsk“ von Elisabeth von Thadden

 

Muß das alles sein.? Der Mensch scheint nicht zu lernen. Wo steht es geschrieben, daß bestimmte Staaten ständig im Nachbarshof herumwühlen müssen. Alles was nicht nach Freiheit aussieht, wird nieder gemacht. Und besonders delikat ist die Tatsache, daß, die Länder, die das beklagen, selbst die Unfreiheit organisieren. Das Virus zeigt es jetzt deutlich. – Gunter Knauer

 

Vielen Dank für Ihren Beitrag zur politischen und philosophischen Situation in Minsk. Ich verfolge sooft und so umfassend wie möglich über Apps und gedruckte Ausgaben, wie sich der Widerstand positioniert und möchte hiermit meine Solidarität zum Ausdruck bringen. Sicherlich gehen derzeit nicht so viele Menschen auf die Straße, wie es wünschenswert wäre. Vielleicht ist dies auch der aktuellen Entwicklung um die Covid-19 Pandemie geschuldet. Ich bin Philosophin und lehre an der Technischen Universiät München Naturphilosophie, Ethik für Ingenieurinnen und Ingenieure und praktiziere eine Einführung in die Philosophie, an der Technischen Hochschule Ingolstadt lehre ich Ethik in KI. Ich war und bin Erasmus Stipendiatin an der Sankt Petersburg State University, Sankt Petersburg in Russland und Heilpraktiker-Anwärterin.

In allen meinen Vorlesungen und Lehrveranstaltungen spielt die Philosophie Russland eine wichtige Rolle. Angefangen bei Michail Lomonossov und seinem Briefwechsel mit Leonhard Euler, zu Nikolai Berdjajews Gedanken zur Einsamkeit des Ichs in der technischen Welt, weiter zu Anna Achmatovas bildhaftem, poetischen Denken bis zu Michail Gorbatschov und zur aktuellen Situation. Von daher möchte ich Sie bitten, meine Solidarität den Philosophinnen und Philosophen in Minsk zu überbringen. Auch wenn wir im Moment nicht auf die Straße gehen, um für freie Wahlen und Demokratie zu demonstrieren, gibt es dennoch diesen Weg der Wissenschaft, in welchem wir mit den Herzen beieinander sind. Bitte grüßen Sie kollegial im Sinne Rosa Luxemburgs: „Freiheit ist immer die Freiheit der Andersdenkenden!“ – Dr. phil. Monika Gatt

 


 

 

Leserbriefe zu „Vier dominieren“ von Ann-Kathrin Nezik

 

Anstelle einer eigenen meinung verweise ich Sie auf Klaus Staeck – www.staeck.de – und sein plakat „die apokalytischen Reiter“, in denen er den berühmten holzschnitt von albrecht dürer verwendet und ins jetzt transferiert Staeck (*1938, Heidelberg) ist deutschlands pointiertester plakatkünstler. vielleicht können Sie ihm einen beitrag widmen – er hätte es sich verdient und ist über alle maßen unkompliziert! melden Sie sich, sollten Sie einen brückenschlag brauchen – aber das kann ich mir eigentlich nicht vorstellen. – Heinz Kaiser

 

Zu Google ist meines Erachtens noch anzumerken, dass das Unternehmen nicht nur Inhalte stiehlt und eigene Produkte in der Trefferliste nach oben hievt, sondern dass es häufig auch dem Anspruch nicht gerecht wird, die für den Suchbegriff relevantesten Webseiten zuoberst anzuzeigen. Stattdessen werden große und kommerzielle Websites vom Algorithmus bevorzugt. Wenn auf einer kleinen Website ein sehr guter Text zu einem bestimmten Thema steht und auf einer großen Website ein zusammengeschusterter Text zum gleichen Thema, kann man fast sicher sein, dass der weniger gute Text viel weiter oben angezeigt wird, weil die Website größer ist.

Das wissen die meisten Nutzer*innen aber wahrscheinlich nicht und deshalb geben sie sich mit den ersten, weniger guten Treffern zufrieden – und die Autor*innen der guten Texte haben das Nachsehen. Das müsste meines Erachtens dringend geändert werden oder zumindest müsste Google verpflichtet werden, die Trefferlisten mit dem Warnhinweis zu versehen, dass Google große und kommerzielle Websites gegenüber kleinen und nichtkommerziellen Websites bevorzugt. Zum Weiterlesen: https://www.ulrich-willmes.de/internetriesen-regulieren.html – Ulrich Willmes

 


 

          

Leserbriefe zu „Der öffentliche Dienst ist systemrelevant“ von Kolja Rudzio

 

Vielen Dank für die kluge und sachliche Analyse. Ich selbst würde es mir nicht erlauben, systemrelevante und nicht systemrelevante Arbeit zu unterscheiden.Zu nah steht nicht systemrelevant bei entbehrlich. Oder noch schlimmer bei Nutzlos. Wo landet man, wenn man das zu Ende denkt? – Marko Becker

 

Die Frage, ob der öffentliche Dienst systemrelevant ist, beantworten Sie selber eine Seite weiter mit dem Artikel über das Gesundheitswesen der USA, ein krankes, ineffizientes und teures System. Schon von daher ist der öffentliche Dienst in Deutschland systemrelevant, erfüllt er seine Aufgaben doch ohne Gewinnabsichten, meist auch nach bestem Wissen und Gewissen. Was ihn jedoch viel zu oft ineffizient und teuer macht, liegt in seiner verqueren Gehaltsstruktur, was meiner Wahrnehmung nach bisher nie einer kritischen Betrachtung unterzogen worden ist, wahrscheinlich weil man so viel Blödsinn gar nicht für möglich hält.

Der öffentliche Dienst bezahlt seine Mitarbeiter an Hand a) festgelegter Tätigkeitsmerkmale, b) hierarchischer Abstufungen und c) der Anzahl nachgeordneter Mitarbeiter. Da sich die Tätigkeitsmerkmale gewöhnlich nicht verändern, kann ein Mitarbeiter nur befördert werden, wenn er im hierarchisch geordneten System eine Stufe höher klimmt bzw. wenn er die Menge der ihm nachgeordneten Mitarbeiter erhöht. Die Anzahl der hierarchischen Abstufungen ist für die praktische Arbeit schon eminent hinderlich, bleibt glücklicherweise aber begrenzt. Unbegrenzt jedoch ist die Vermehrung des nachgeordneten Personals und ist damit das meist genutzte Mittel der Wahl für eine Höherstufung. In der Folge werden an immer sinnloseren Stellen neue Abteilungen geründet mit entsprechend aufgeblähtem Aufgabenprofil und Mitarbeiterstab.

Ein entscheidender Punkt dabei ist die Anzahl der nachgeordneten Mitarbeiter. Zu meiner Zeit als Leiterin eines städtischen Museums mussten es acht sein, um Anspruch auf eine Höherstufung zu haben. In dieser systembedingten immer weiter sich aufblähenden künstlichen Blase versickern jedwede Effizienz und ein Großteil der finanziellen Mittel, hat nichts mit der oft beklagten Dummheit oder Faulheit der Mitarbeiter im öffentlichen Dienst zu tun. Die überbordenden Regularien, die Verwaltungen ausbrüten, sind vielmehr – man mag es kaum glauben – ein Zeichen überbordender Kreativität. Ich wende mich heute an Sie, liebe Presse, an diesem Punkt endlich einmal investigativ zu werden, damit der öffentliche Dienst endlich so gut und effizient arbeiten kann, wie es seine vorhandenen Ressourcen in hohem Maße hergeben, damit auch die finanziellen Mittel frei werden für die Aufstockung und angemessene Bezahlung derjenigen Mitarbeiter, die tatsächlich, nämlich unmittelbar am Bürger arbeiten und ihm direkt nutzen. – Dr. Ursula Mildner

 


 

          

Leserbrief zu „Das kranke System“ von Heike Buchter

 

Es ist haarsträubend, was hier vom US-System des Gesundheitssektors berichtet wird – aber es wäre gerechtfertigt, auch unser deutsches System  in die Kritik einzubeziehen: Dank Minister Seehofers damaliger Initiative als Gesundheitsminister ist die Privatisierung auch in unserem Gesundheitssektor weit vorangeschritten und damit voll auf Renditeoptimierung eingestimmt. Mögen die Methoden auch noch nicht ganz so ‚kriminell‘ sein wie in den USA, der Weg dahin dürfte bedauerlicherweise nur noch kurz sein. Ein Schauermärchen für die Patienten – eben auch in Deutschland, nur dass es hier leider getarnter abläuft. Die Patienten bemerken es eher nicht wegen unseres umfassenden Krankenkassensystems und der damit sichergestellten Bezahlung. Allenfalls an steigenden Krankenkassenbeiträgen oder wenn sie sich z.B. mit einem Herzschrittmacher oder einer Wirbelsäulen-OP herumplagen, die  gar nicht nötig  gewesen wären. – Dr.med. B.R. Schwartz

 


 

          

Leserbrief zu „Wann sind die Staatsschulden richtig?“ von Niklas Potrafke

 

Professor Potrafke argumentiert, es sei „empirisch nicht belegt“, dass Fiskalregeln (wie die Schuldenbremse) öffentliche Investitionen verhindern, denn in Ländern mit in der Verfassung verankerten Fiskalregeln gäbe es mehr Wirtschaftswachstum als in Ländern ohne solche Regeln. Das aber ist, mit Verlaub, ein allzu schlichtes Argument: Vermutlich spielt Herr Potrafke auf einen Vergleich zwischen dem fiskalpolitisch relativ diszipliniert agierenden Deutschland und Ländern wie Griechenland oder Italien an, die seit Jahren hohe Budgetdefizite aufweisen. Ein derartiger Vergleich ist wenig überzeugend, vor allem deshalb, weil unterschlagen wird, was jeweils mit dem Defizit finanziert wird. In den genannten „Süd-Ländern“ sind dies in hohem Maße konsumtive Ausgaben. Im Kontext der Debatte in Deutschland geht es jedoch darum, die Schuldenbremse zeitweise außer Kraft zu setzen, mit dem Ziel, die Finanzierung öffentlicher Investitionen (in Digitalisierung, Verkehrsinfrastruktur, Bildung usw.) zu ermöglichen – und damit die Voraussetzungen für künftiges Wachstum durch private Investitionen zu schaffen! Das ist nicht zuletzt im Interesse künftiger Generationen. – Dr. Wolfgang Fischer

 


 

 

Leserbrief zu „Im Wald verscharrt“ von Gesa Steeger

 

Seit längerer Zeit empfinde ich immer wieder manche Ihrer Illustrationen zu Artikeln verschiedener Bereiche als befremdlich, unpassend oder gar effekthascherisch. Die Illustration zum Artikel „Recht & Unrecht“ (Ausgabe 43) hat mich so empört, dass ich Ihnen mailen muss. Die ästhetisierte Darstellung der Hände mit Jugendstilanleihen gehört in dieser Form nicht als grafische Ergänzung zu dem widerwärtigen Verbrechen. Möglicherweise gefiel der Redaktion bei der Auswahl die aus der Tiefe greifende schwarze Hand als Metapher für ausgleichende Gerechtigkeit. DIE ZEIT habe ich abonniert, um mich sachlich zu informieren, Hintergründe zu erfahren und von gründlichen und mutigen Recherchen zu profitieren. Eine reißerische Aufmachung stößt mich ab. – Ursula Helmer

 


 

 

Leserbrief zu „Wir brauchen mehr künstliche Freunde!“ von Steffen Huck

 

Es scheint so, dass zumindest Sie selbst mehr künstliche Freunde brauchen. Sie haben ihren zentralen Musik-„Kurator“ in den Algorithmen der Spotify Technology S.A. gefunden. Sie haben die dargebotene Hand ergriffen und lassen sich von ihr treu und ergeben durch die so gnadenlos unüberschaubare digitale Musikwelt leiten. Offensichtlich wünschen sich eine ähnlich starke, automatisierte Führung auch in anderen komplexen Lebensbereichen. Seien Sie mir nicht böse – aber das Ganze erinnert mich sehr an die die Zufriedenheit eines gut versorgten Haustiers. Sie sollten jedenfalls aus Ihren eigenen Präferenzen nicht ableiten, das WIR mehr künstliche Freunde brauchen.

In diesem provokativen „Wir“ fühle ich mich zumindest nicht eingeschlossen – und daher gewissermaßen ausgeschlossen. Ich mag menschliche Kontakte – für viele inzwischen Mangelware. Ich mag Vielfalt – auch bei Kuratoren. Ich mag Originalität – welche ein Algorithmus allenfalls vortäuschen kann. Ich mag analoge Musik – auch wenn diese in Corona-Zeiten zu verwelken droht. Ich mag Details – die wertvoller sein können als die amorphe Masse von 50 Millionen Songs. Spotify ist ein kommerzielles Unternehmen, dessen oberstes Ziel auf Dauer nur eine gute Rendite sein kann. Spotify sortiert nach dieser Maxime von zentraler Stelle aus einen riesigen Markt – zwar nicht die ganze Welt der Musik, aber doch das, was viele dafür halten. Sie wollen offensichtlich auch andere Bereiche der Künste und des sozialen Lebens durch ähnlich zentralistische, kommerziell orientierte Systeme dominiert wissen. Sie wünschen sich zudem, dass diese zentral positionierten Unternehmen über ein Psychogramm von Ihnen verfügen, welches absolute Berechenbarkeit erlaubt.

Sie sind einverstanden damit, dass eine Bedienungsanleitung von Ihnen erstellt wird. Sie glauben tatsächlich, von einer solchen Situation zu „profitieren“. Mich gruselt ihre Weltsicht. Sie träumen von wenigen großen Playern, die unsere Welt und unsere Seelen ordnen. Sie träumen vom domestizierten Menschen. Sie träumen von einer Kombination aus realer, bedingungsloser Unterordnung und maximaler, wenngleich nur illusionärer Souveränität. Persönlich vermisse Spotify in keiner Weise. Es wäre mir sehr unangenehm, jeden Montag eine automatisierte Analyse meiner Person in Form einer Liste von 30 Songs abarbeiten zu müssen. Abseits der emotionalen Ablehnung einer solchen Bevormundungen betrachte ich Vielfalt und dezentrale Systeme als Garanten für Stabilität und als Voraussetzung für nachhaltigen Fortschritt. – Dr. Christian Voll

 


 

 

Leserbrief zu „Ruckeln, ob was locker ist“ von Christine Lemke-Matwey

 

Es heißt in Ihrem Satz „Nun ja, sagt die ost-deutsche Mitarbeiterin, der Wagen sei quasi neu“. Was bitte soll, wenn Sie aus Italien anrufen, die genaue Gebietsbezeichnung OST-Deutschland? Welche Folgerungen wollen Sie damit beim Leser wecken? „Die deutsche Mitarbeiterin sagt….“ hätte genügt!! – Margitta Rodtmann

 


 

          

Leserbrief zu „Wie leben wir jetzt? Ich weiß es nicht“ von Ijoma Mangold

 

Wenn Sie es nicht wissen, dann stellen Sie keine dummen Fragen. Sehr unproduktiv. – Hans-Emil Schuster

 


 

          

Leserbrief zu „Ermutigt euch!“ von Alexander Cammann

 

Wenn die Pandemie zu Lesestunden und damit eine Kulturnation zu Rückbesinnung zum einstigen Markenzeichen „Land der Dichter und Denker“ führt, ist u.a. das Studium des Feuilletons der ZEIT seit längerem sehr hilfreich. So wie die Verleihung des Deutschen Buchpreises an Anne Weber. Die von Alexander Camman beschriebene Überraschung, die diese Wahl auslöste, kennzeichnet mit dieser Preisträgerin etwas zurzeit Unkonventionelles. Es wirft  mit der Abkehr und dem Widerspruch ein grelles Licht auf den seit  längerem bemerkten Mainstream. Das betrifft Webers Werk ohnehin wie auch ihre leidenschaftliche Verteidigung der Nobelpreisvergabe an Peter Handke im letzten Jahr.

Und zugleich vermittelt der kleine Berliner Verlag Matthes & Seitz, der nun schon zwei mit diesem Preis ausgezeichnete Autoren in seinen Reihen hat, einen Hoffnungsschimmer angesichts der Entwicklung des Verlagswesen mit der Abkehr von der einstigen Vielzahl inhabergeführter Unternehmen mit kulturellem Anspruch hin zu überwiegend am Profit orientierten Großketten. Wenn die erzwungene generelle Aktionspause zum Nach- und Umdenken führt, hätte diese Nebenwirkung des Virus neben den bedrohlichen Risiken dann für die Kultur doch etwas Gutes. – Peter Schmidt

 


 

         

Leserbrief zu „Der Mann hinter der Maske“ von Marc Brost

 

Mit Argwohn habe ich heute die ersten 6 Seiten der dieswöchigen Ausgabe gelesen. Erst der Bericht darüber wie Klasse Berlin doch ist. Hier wäre es angebracht gewesen die Liebig als anarchA-queer-feministisches Projekt zu bezeichnen, aber die Erwartungen an den informativen Gehalt dieses Textes sanken eh mit jedem Wort. Dann aber zwei Seiten Bayern Fetisch?

Naja was solls, ich wollte anmerken, dass der Söder, Markus wie ihn Herr Brost ja sicherlich nennen wird, fehlgeleitet von seiner Anziehung für Herrn S, 1984 nicht im Landtag gesessen hat. Mich machte schon stutzig, dass Söder ausweislich des anderen Bildes 1882 noch 15 gewesen, aber dann 1984 bereits im Landtag gesessen haben soll. Das ist falsch, Markus Söder ist erst seit 1994 Mitglied des bayerischen Landtages. – Stahlhi Höhler

 


 

          

Leserbrief zu „Die Kirche soll aufhören zu jammern!“ Gespräch mit Annette Schavan geführt von Evelyn Finger

 

Sie als Christin geben aber betrügen? Ich habe vor 20 Jahren Frau Schavan für eine ernstzunehmende Politikerin gehalten. Warum bietet die Zeit ihr eine ganzseitige Präsenz? Das ist einer ernstzunehmende Zeitung zu wenig. Einer der schlechtesten von zugegebermaßen vielen Artikeln mit Tiefgang. Einfach enttäuschend. – Martin Fehringer

 


 

         

Leserbrief zu „Babys mit Anspruch“ von Anna Mayr

 

„Ein bisschen denke ich, dass Katzen wie Kinder sind: Wenn sie kommen, dann wird es schon irgendwie gehen.“ Es sollte in beiden Fällen eine sehr bewusste Entscheidung sein – zum Wohle des Kindes bzw. der Katze. Und daran hapert es meistens. Sie machen sich viele Gedanken. Vielleicht sind Sie zu erwachsen für einer Katze in der jetzigen Wohnsituation. Katzenhaltung in der Wohnung ist definitiv Tierquälerei. Das weiß ich aus Erfahrung. Selbst auf 150 qm. – Iman Schwäbe

 


 

 

Leserbrief zu „Hinter Mauern aus Geld“ von Stefanie Flamm

 

Man ist geneigt, ihr Bewunderung zu zollen: Paula Schwarz und ihrem sozialen Engagement. Und man ist zudem geneigt, mit Spannung den journalistischen Recherchen der Stefanie Flamm, Verfasserin des Artikels „Hinter Mauern aus Geld“ in der ZEIT vom 15.10.2020, zu folgen. Aber: wenn eine Journalistin 11 Monate lang das Leben der Paula Schwarz ergründet, reicht es nicht aus, deren Bemühungen nur zu schildern. Die Frage ist doch: Ist es nachahmenswert und politisch hilfreich, was Paula Schwarz tut? Leider nein.

Die Frage, um die sich die wohltätigen Reichen herumdrücken, ist, wem die finanziellen Hilfen zugutekommen sollen. Paula Schwarz entscheidet sich für Flüchtlingshilfe. Andere Reiche engagieren sich für Umweltschutz, Tierschutz und viele Probleme mehr. In der gegenwärtigen Situation in der Welt ist das sicher ehrenwert. Aber der neuralgische Punkt ist, dass sie sich entscheiden. Demokratie ist anders. Es werden Gelder zu demokratisch beschlossenen Zwecken ausgegeben. Mithin müsste ein wirklich „revolutionäres“ Verhalten darin bestehen, selbst hohe Steuern zu zahlen und andere Reiche aufzufordern, hohe Steuern zu zahlen. Man mag einwenden, dass der Staat die Gelder oft genug zweifelhaft verwendet. Ja, das stimmt. Da mag dann die Bevölkerung eines Staates (einschließlich des superreichen Steuerzahlers) Einfluss nehmen. Das ist mühsam, aber eben demokratisch. Die Wohltätigkeit der Superreichen mag anerkennenswert sein, immerhin besser als Reichtum einfach aufzuhäufen.

Aber sie ist grundsätzlich ein politischer Irrweg, ein nicht ganz ungefährlicher Irrweg sogar. Einzelpersonen entscheiden, was wann förderungswürdig ist und was nicht. Das ist eher Feudalismus im modernen Gewand, nicht aber Demokratie. Ich warte auf den Superreichen, der sich für angemessene Steuerlasten (wirklich angemessen, meine ich) einsetzt. Dem glaube ich dann den Willen zur vermeintlichen Revolution. Und ich hätte mich gefreut, wenn die Verfasserin des Artikels, die sich immerhin 11 Monate lang mit Paula Schwarz auseinandergesetzt hat, ihr die Frage nach angemessenen Steuern jedenfalls ein Mal gestellt hätte. Vielleicht hätte diese Frage in dem „Mädchen aus dem goldenen Käfig“ einen Impuls ausgelöst, ihr Engagement zu kanalisieren in Richtung Demokratie. – Irmelin Braungard

 


 

 

Leserbriefe zu „Friedrich und das Leben“ von Florian Jaenicke im ZEIT Magazin

 

Wie immer habe ich heute das aktuelle digitale ZEITmagazin geladen und geguckt, ob dort etwas über Friedrich zu finden ist. Wie auch letzte Woche wurde ich fündig! Der Beitrag heute ist einfach nur gut! Immer noch verschicke ich einen Screenshot an meine Schwester und meine Nichte. Nach 3 Minuten kam von meiner Schwester (Pastorin): „Danke, der Bericht samt Foto ist total berührend.“ Nach 4 Minuten kam von meiner Nichte: „Oh Gott wie schön.“ – Daniel Prüßner

 

Das Foto im Zeitmagazin von Friedrich mit seinem Bruder ist wieder mal wundervoll. Und Ihre Texte dazu sowieso. Nachdem wir Friedrich ein ganzes Jahr lang begleiten durften, freuen wir uns immer, wieder mal durch ein neues Bild mit ihm leben zu dürfen. Wir sind richtiggehend Friedrich- süchtig. Vielen Dank Ihnen, Friedrich und der ganzen Familie. – Mecht Gerlach

 

Wie gut, dass es weiterhin, wenn auch in zu großen Abständen „Friedrich und das Leben“ gibt! Es ist mit Abstand die bewegenste und relevanteste Fotokolumne die DIE ZEIT jemals gebracht hat. Jaenickes Texte kombiniert mit den Fotos sind außergewöhnlich gut: klar, ehrlich und einfühlsam. Danke dafür. – Birgit Siersch

 

Was war das für eine Freude, im neuesten Zeit Magazin wieder einmal Friedrich und diesmal sogar mit seinem Bruder zu sehen und über die beiden zu lesen, mir wurde richtig warm ums Herz. Sie können so stolz auf Ihre beiden Söhne sein und Chapeau, was Sie alles für die beiden tun. Ich hoffe, dass ich bald wieder die Gelegenheit haben werde, über die beiden im Zeit Magazin zu lesen. – Barbara Weninger

 


 

          

Leserbriefe zu „Über Reisebeschränkungen, unmögliche Grenzkontrollen und den Sinn von Symbolpolitik“ von Harald Martenstein im ZEIT Magazin

 

Hier bei uns würde man sagen: „Hei (H.M.) is ja man een rechten Kloogschieter“! Dagegen haben die für die einschränkenden Maßnahmen Verantwortlichen das Problem, dass sich verhütetes Unheil nicht beweisen lässt, während Versäumnisse durch unbamherzige Zahlen sichtbar werden. Wenn H.M. sagt, es müsse Grenzen für die Angstmacherei geben, dann frage ich: Wo sollten die gezogen werden?

Anschließend zitiert H.M. Daniel Kehlmann, der seinerseits wiederum Markus Gabriel mit einer absurden, nicht sehr geistreichen Übersteigerung zitiert. Das wirft für mich die Frage auf, warum  sich H.M. hinter Zitaten eines Zitierten versteckt? Traut er einem Schriftsteller und einem Philosophen in Sachen Pandemiebewältigung ein besseres Urteilsvermögen und größeres Organisationstalent zu als sich selbst oder gar den handelnden Medizinern und Politikern? Wenn man für die Folgen nicht zur Rechenschaft gezogen wird, lassen sich alle Maßnahmen wohlfeil an den Pranger stellen. P.S. Wohin fährt er denn nun, nach Rheinhessen oder Rheinland-Pfalz? – Sven Herfurth

 

Aus Respekt vor Ihnen und aus ehemaliger Sympathie für Ihre Kolumne möchte ich Ihnen hiermit mitteilen, dass ich nach all den Jahren das Lesen (Papierversion) und/oder das Hören (Podcast) Ihrer Kolumne am 15.10.2020 eingestellt habe. Es gab Zeiten, da war Ihre Kolumne das Erste, was ich Donnerstags gelesen habe. Ihre Ansichten waren nicht immer deckungsgleich mit den meinigen. Sie waren aber immer ein Nachsinnen und einen Gedanken wert, und Ihr Humor ist meinem sehr ähnlich. Letzteres gilt wohl noch, ersteres für mich nicht mehr.

Am 15.10. ist mir klar geworden, was mich schon seit langem stört. Ich erkenne in Ihrer Kolumne nur noch selbstverliebte Wort- und Satzspielereien. Am Ende Ihrer Kolumne dachte ich, wie so oft in letzter Zeit: Was war denn das (schon wieder)? Am 15.10. habe ich mich sehr für Sie gefreut, dass eines Ihrer größten Probleme in Corona-Zeiten darin besteht (oder bestand) einen ungestörten wie-immer-Herbsturlaub in Rheinland-Pfalz verbringen zu können. Darin unterscheiden Sie sich deutlich von denen, die Corona-bedingt ihre Arbeit und/oder ihre Gesundheit und/oder ihr Leben verloren haben.

Dass Sie aber die zugegebenermaßen widersprüchlichen Maßnahmen einer zugegebenermaßen ein wenig hilflos wirkenden Bundes- und Länderpolitik mit einem Zitatkonstrukt kommentieren, das in verknoteter Weise vom erschießen aller Infizierten faselt ist mir einfach zu nahe an diesem WutbürgerAFDPegida-Scheiss. Gerade jemand mit Ihrer Sprachkompetenz weiss sehr genau welche Stimmung und welches politische Klima solche Sprache erzeugt. Schade, dass Sie da gelandet sind. Ich bedaure meinen Verlust einer lesenswerten Kolumne sehr. Ehrlich! Ich werde Ihnen aber nicht auf Ihre Wutbürger-Demo folgen. Ich werde meine Kompetenz als Leser ausüben und Ihre Kolumne in Zukunft einfach überspringen. Das wird Sie nicht schmerzen. Das werden Sie nichteinmal merken. Und somit ist allen gedient. – Niko Arabatzis

 

Nun hat es Martenstein also geschafft, auch mich an die Tastatur zu kriegen. Grund ist dessen Kolumnenabschluss, „Jetzt fahre ich … eben nach Hessen.“ Welchem Zweck derlei Symbolpolitik dienen soll, sich nämlich über alle Ängste vor dem Virus hinweg- und seine Reise in die Herbstferien stur durchzusetzen, egal wohin, dürfte Autors Geheimnis bleiben. Martenstein ärgern Reglementierungszwänge, zugleich kommt ihm freiwillige Selbstbeschränkung nicht in den Sinn. Bemerkenswert. – Elmar Kuhlmann

 


 

          

Leserbriefe zu „Wir kommen wieder“ von Mona Berner in der Regionalausgabe ZEIT IM OSTEN

 

Wenn ich (Rentner) Ihnen eine Empfehlung geben darf. Machen Sie Ihren Master. Machen Sie an einem anderen Studienort. Wenn es möglich ist, nutzen Sie die Möglichkeit eines Auslandssemesters, z.B. über Erasmus, auch wenn sich die Studiendauer dadurch oft verlängert. Unsere ältere Tochter hat ihren Bachelor Softwaresystemtechnik am HPI in Potsdam gemacht, den Master (in Englisch) in Eindhoven. Zwischendurch war sie ein Semester in Madrid und hat dann perfekt spanisch gesprochen. Unsere jüngere Tochter war 9 Monate in Paisley (Schottland) und hat dort ihren Bachelor gemacht, anschließend war sie wieder in Brandenburg und hat ihren Dipl.-Ing. gemacht.

Also nur Mut etwas anderes kennenzulernen, Kontakt zu anderen Menschen nicht als Urlauberin, sondern als Studierende, vielleicht auch vor Ort Arbeitende zu bekommen. Sie kommen teilweise mit völlig neuen Problemen in Berührung und kehren dann mit dem umfangreichen Wissen, Erfahrungen im Umgang mit Menschen anderer Nationalitäten, Religionen, … nach Sachsen zurück.;-) – Klaus Rozinat

 

Vielen Dank für Ihren Artikel und ich freue mich über das anhaltende Interesse an dem Thema Ost-West, an den Unterschieden und Besonderheiten bei Ihnen und in Ihrer Generation. Gerne würde ich Sie auf das Buch von Olaf Georg Klein aufmerksam machen, der 2001 einen Bestseller über die kommunikativen und mentalen Unterschiede in den beiden Kommunikationskulturen in Ost und West geschrieben hat. Der Titel lautet ein bisschen provokativ: „Ihr könnt uns einfach nicht verstehen, warum Ost- und Westdeutsche aneinander vorbeireden“, ist bis heute in der 11. Auflage erschienen ist und hat noch nichts an Aktualität verloren. Dieses Buch könnte Ihnen und Ihrer Generation sicher enorm helfen, dieses diffuse Gefühl des „Andersseins“ genauer und präziser zu benennen und zu begründen. Gleichzeitig kann es dann leichter gelingen Brücken zu schlagen, sowohl zu Menschen aus der westlichen Kommunikationskultur als auch zu den Menschen, die immer in der Heimat geblieben sind. – Olaf Georg Klein

 


 

          

Leserbrief zum Wochenmarkt „It’s crumble time“ von Elisabeth Raether im ZEIT Magazin

 

Danke für das Rezept für das Kürbis-Crumble. Sie haben damit wohl den Zeitgeist erfasst, jedenfalls crumblen auch wir seit geraumer Zeit immer wieder. – Alexander von Dresky

 


 

         

Leserbriefe zur Deutschlandkarte „Leibeigenschaft“ von Matthias Stolz (Recherche) und 1kilo (Illustration) im ZEIT Magazin

 

Mit der „Leibeigenschaft“ endlich mal wieder eine sinnvolle Deutschlandkarte! Weiter so! – Gernot Zeitlinger

 


 

          

Leserbriefe zu „Ein Witz muss schon verstanden werden“ von Judith E. Innerhofer im ZEIT Magazin

 

Muss es sein, dass das halbe Zeit-Magazin mit Texten von Stefanie Sargnagel gefüllt wird? Nach ihrem unqualifizierten Bericht (schade um die Freikarten) bei den Bayreuther Festspielen müsste sie trotzdem wohl wissen, dass es keine zehnstündige Wagneroper gibt, aber wahrscheinlich sollte ihr Ausspruch witzig oder provokant sein. – Wiebke Robl

 


 

          

Leserbriefe zu „Festungswärme“ von Michael Allmaier in der Beilage ZEIT Reisen

 

Mit großem Interesse habe ich den Artikel über “ Festungswärme“ gelesen. Kompliment: gut gemacht, sie haben die Atmosphäre des Hauses treffend aufgenommen. Allerdings sind mir als Stadtführer zwei Details aufgefallen, die historisch nicht stimmen: Die Bäume im Park können nicht schon  in der Zeit der Boubonen Herrscher gestanden haben: bis zur Schleifung der Festung Ende 19. Jhd war das Gelände des Hotels das Glacis (freies Schussfeld, ohne Baumbewuchs) Die Bäume sind frühestens Ende 19. Anfang 20. Jhd gepflanzt worden.

Die Festung Saarlouis ist nicht in der Renaissance Zeit : 15./16. Jhd enstanden, sondern Ende 17. Jhd ( 1680 Baubeginn). Es sind natürlich nur Nebensächlichkeiten, und falls sie wieder mal nach Saarlouis kommen sollten, biete ich ihnen eine (kostenlose) Stadtführubg an. – Gilbert Jaeck

           


 

 

Leserbrief zu „Graubünden im Hoch, Tirol im Seich“ von Matthias Daum und Florian Gasser in der Regionalausgabe ZEIT Schweiz

 

Dass in Österreich alles, was dem Tourismus schaden könnte, bekämpft wird, das weiss man mindestens seit dem Gletscherbahnunglück in Kaprun. Damals hat das Landgericht Salzburg festgestellt, dass der Heizlüfter des deutschen Herstellers nicht selbst „verlöschte“, sondern weitegebrannt hat. Dass in der Installations-Anleitung des Geräts ausdrücklich erwähnt wurde, dass der Heizlüfter nicht in Fahrzeugen montiert werden darf, spielte keine Rolle. Ergebnis 155, Tote, keiner ist schuldig. 20 Jahre später gibt es laut Herrn Steibl aus Ischgl sogar einen Tourismuskrieg. Eigenes Verschulden daran, dass die skandalösen Vorgänge in Ischgl im März für den Tod von Dutzenden Touristen und für die Verbreitung von Covid-19 in ganz Euro verantwortlich ist: Fehlanzeige. Stattdessen wird deren Bundeskanzler für das Chaos bei der Abreise verantwortlich gemacht, ohne dafür zuständig zu sein. Wir aber danken Herrn Kurz ausdrücklich für sein Einschreiten, denn ansonsten hätte in Ischgl auch noch der jährliche Saisonausklang mit Mega-Konzert am 1. Mai stattgefunden. Und was den bevorstehenden Saisonstart angeht, das muss schon als Lern-Resistenz bei den Verantwortlichen von Ischgl bis Wien bezeichnet werden: viele Länder verbieten die Einreise ohne aktuellen Corona-Test. Ischgl lässt alle erst mal rein, um sie dann zu testen und das Ergebnis im Anschluss zu verkünden. In der Zwischenzeit wird kräftig gefeiert und gegenseitig angesteckt. – Andi Pfaff