11. April 2019 – Ausgabe 16

Leserbriefe zum Titelthema „Ein Ende in Sicht“

Was für ein reißerischer, populistischer Aufmacher. Qualitätsjournalismus geht anders. Der „deutsche Staat“ verwehre uns also ein würdevolles Sterben? Was für eine verdrehte rethorische Figur, denn, zur Erinnerung, der Staat sind wir. D.h. politische Entscheidungen werden im mehrheitsbedingten Konsens von unseren Repräsentanten in der Regierung, im Bundestag und Bundesrat getroffen. Ob das im Einzelfall und jedem Einzelnen immer gefällt, ist für eine funktionierende, pluralistische und repräsentative Demokratie unerheblich. Wir verhindern also unser selbstbestimmtes und würdevolles Sterben? Unsinn. Auch die Frage im Untertitel, wer möchte nicht selbst bestimmen, unter welchen Umständen er sterben werde, zeugt von weniger persönlichen Reife. Ich kann mein Ende nicht selber vorbestimmen, warum sollte ich das wollen? Ich kann nicht in die Zukunft sehen, mich immer und überall selbstbestimmen und selbstverwirklichen, inklusive meines Todes. Das ist eine pubertäre Wunschvorstellung. Ich weiß nicht, ob ich bei einem Verkehrsunfall, an einem Herzinfarkt, einer Gehirnblutung versterben werde, vielleicht widerfährt mir eine Gewalttat, ich habe per se keinen Einfluss darauf, wann, wo oder wie ich sterben werde, egal in welchem Staat ich lebe. Alles andere sind Ausnahmefälle, die individuell entschieden werden können und sollten, ohne daraus das große „Staatsversagen“ zu konstruieren. – Dr. med. Th. Lukowski

Und wieder gibt es eine feinsinnig abgewogene Diskussion zu diesem Thema. Das in einem Land, in dem eine hochgerüstete(!) Rüstungsindustrie tausendfach Beihilfe zum Mord in alle Welt sendet. Und wo eine ebensolche Pharmaindustrie und kommerzielle Krankenhäuser lediglich ihre goldenen Kälber nicht selbstbestimmt gehen lassen wollen. – Wolfgang Burkhardt

In Ihrem wertvollen Beitrag wird die Wirklichkeit abgebildet. 1964 verunglückte meine damals 10jährige Schwester bei einem Autounfall fast tödlich. In dem Bus, aus dem sie ausstieg um die Straße zu überqueren, saß ein Arzt, der sie zunächst einmal ins Leben zurückholte und sie kam in das nahegelegene Universitätsklinikum. Da keine „freien“ Geräte mehr vorhanden waren, wurden wohl zwei Geräte bei Patienten abgenommen, die weniger Aussicht auf Zukunft hatten als meine Schwester.“Aktive Sterbehilfe“ durch sicherlich verantwortungsbewußte Ärzte und daher nach heutigen Gesichtspunkten bedroht mit dem Verlust der Zulassung?? Alle innerhalb von 3 Tagen durchgeführten Tests ergaben den Befund: Keine meßbaren Gehirnströme mehr vorhanden; also für heutige Verhältnisse (55 Jahre sind es her) ein typischer Fall für Organentnahme. Durch sehr gute Pflege einer Ordensschwester und insgesamt 1 Jahr medizinischer wie psychischer Behandlungen in der Uni wurde meine Schwester eine normale junge Frau, heiratete, bekam 3 Kinder und ist heute 65 Jahre alt.Sie verstehen sicherlich, warum ich keine Organspenderin werden möchte und ich für mich selbst einen selbstbestimmten Tod wünsche. Aber was nützt eine gute Patientenverfügung bei Schlaganfall oder Unfall? Danach möchte ich nicht noch Jahre als nutzloses Wesen an Schläuchen im Bett dahinvegetieren, wie oft zu lesen ist. Ein neues Gesetz sollte daher nach dem Grundgesetz nicht nur diejenigen schützen, die sterben möchten sondern auch dienenigen ausdrücklich einbeziehen, die sich an meine Patientenverfügung halten und danach handeln. Das Gesetz ist eines, das interdisziplinär abgestimmt und baldmöglichst verabschiedet werden sollte! – Ingrid Schröter

In den Artikeln von Michael de Ridder und Markus Ehl lässt sich gut erkennen, wie Patienten den assistierten Suizid oft als einzigen Ausweg sehen. Jeder möchte ein würdevolles Sterben. Da die Definition eines solchen jedoch subjektiv so unterschiedlich ist, darf die rote Linie zum assistierten Suizid nicht überschritten werden. Die aktuelle Diskussion sollte vielmehr zu einem weiteren Ausbau der ambulanten und stationären palliativmedizinischen Versorgung führen. Denn wenn alle Mittel der Palliativmedizin (bis hin zur palliativen Sedierung) ausgeschöpft werden, könnten viel mehr Menschen ein für sie als würdevoll empfundenes Sterben erleben. Und umso weniger Patienten würden nach einem assistierten Suizid verlangen. – Tilman Lüdert

Es ist dringend geboten in Deutschland selbstbestimmt sterben zu dürfen! In Würde sterben zu dürfen! Ich bin selber Ärztin und Christ-und habe etliche Gespräche mit sehr alten Menschen und mit sterbenskranken Menschen geführt. Wenn ein Mensch seine Situation selbst nüchtern und vernünftig überdacht hat, mit seinem Arzt und falls vorhanden den Familienangehörigen gesprochen hat-dann soll ein Arzt ein geeignetes Medikament bereitstellen dürfen. Die Mehrheit der deutschen Bevölkerung denkt so und unsere Politiker müssen dies mit entsprechender Gesetzgebung umsetzen. – Dr. Andrea Hoffmann

Ich bin selbst junge Ärztin und habe während meines Studiums sechs Jahre auf einer Palliativstation gearbeitet. Meine Erfahrung ist vor allem, dass der Weg des Sterbens ein sehr facettenreicher und Entscheidungen am Lebensende für alle Beteiligten keine leichten sind. Meine persönliche Überzeugung zu diesem Thema ist darum komplex und Anlass für stetes Zweifeln. Leider gewinne ich nicht den Eindruck dass sie sich um eine differenzierte Darstellung bemüht haben. Selbst die Zusammenfassung der Rechtslage folgt einer klaren Botschaft. Es werden pathetische Aussagen wie „zu einem Spiel auf Zeit – mit denen die am wenigsten Zeit haben“ und „Aber Brennecke kann nur warten. Bloß wie lange?“ getroffen (beides in Der Patient). Wollen sie damit andeuten dass der Patient sterben könnte bevor er sich das Leben nehmen kann? Auch in Herr de Ridders Schilderung werfen sich Fragen auf. Dass Herr S. sich im August 2015 noch mehrfach operieren lässt und einer Dialyse zustimmt scheint zu bedeuten, dass er nicht einfach sterben will, sondern bestimmen möchte WIE er stirbt. Dürfen Einzelne einen Anspruch auf dieses Recht erheben während es der Mehrheit der Menschheit noch auf unbestimmte Zeit versagt werden wird? Ich kann nicht sagen ob das allgemeine Persönlichkeitsrecht diesen Anspruch begründet. Das wäre jedoch ein interessanter Anstoß für eine objektive Aufarbeitung der Rechtslage und der existierenden philosophischen Strömungen gewesen statt erneut bei medizinischen Themen auf die Tränendrüse der Leser zu drücken. – Kristina Langemack

Ja, jeder hat das Recht auf Leben. Aber nicht die Pflicht dazu. Und ja, der Staat hat das Leben des Einzelnen zu schützen, aber nicht gegen dessen Willen. – Dr. Stefan Rüll

Den Gegnern einer legalen Sterbehilfe wünsche ich: Wenn sie demnächst mal auf dem Operationstisch liegen, sollen sie keine Narkose bekommen. – Ein/e Leser/in

1) Die Würde des Patienten (Menschen) ist unantastbar, also ist seine Entscheidung im Einvernehmen mit der Ärzteschaft als Maß zu nehmen .Da hat die Politik nicht einzugreifen. Es ist als einziges eine Kostenexplosion und nicht im Sinne des Patienten.
2) Der Gesundeitsminister verlangt auch auf der anderen Seite Entmündigung der Bürger in Bezug auf ihre Organe. Das ist nicht rechtens und darf nie rechtens werden. Damit ist dem Organhandel Tür und Tor geöffnet. Darüber hat er wohl nicht nachgedacht. – Brylski

Die Würde des Menschen ist unantastbar ! GG§1. Dazu gehört für mich auch Eigenverantwortlich mit meinem Leben umzugehen, d.h. es auch selbstbestimmt beenden zu können. Werde ich in einen u.U. tödlich ausgehenden Konflikt hineingezogen z.B. Krieg, wer fragt mich da ? – Geelke Braun

In unserem Lande hat es über 12 Jahrhunderte gedauert, bis aus Leibeigenen, Untertanen, unkritischen Mitläufern und willfährigen Vollstreckern mündige, selbstbewusste und eigenverantwortliche Bürgerinnen und Bürger wurden. Gegen monarchische, feudalistische und faschistische Herrschaftssysteme, durchweg basierend auf der engen Koalition weltlicher und kirchlicher Macht, wurde Demokratie, Meinungs- und Pressefreiheit und auch Gleichberechtigung von Mann und Frau erkämpft. Bewusst haben die Mütter und Väter des Grundgesetzes daher die Würde des einzelnen Menschen als unantastbar festgeschrieben. Eigenständiges Denken und selbstverantwortliches bzw. selbstbestimmtes Handeln des Einzelnen sollte gefördert, seine Autonomie in einem sich festigenden Demokratieprozess gestärkt werden.

Gegen diese demokratischen, aufklärerischen und humanistischen Ideen wendet sich eine Politik, die Menschen in ihrer Willensbildung und bei Entscheidungen für die Gestaltung ihrer letzten Lebensphase bevormundet, entmündigt und in ihrer individuellen Würde begrenzt und behindert.Die überwiegende Mehrheit der Menschen in Deutschland befürwortet für ihr eigenes Lebensende eine humanitäre Unterstützung, die über palliative Maßnahmen hinausgeht, also auch eine passive und aktive sog. Sterbehilfe“ unter klar definierten Bedingungen. Der Zugang zu Informationen und deren kritische Bewertung zu dieser komplexen Thematik ist hervorragend. Damit sind die Voraussetzungen gegeben, damit mündige Menschen eigenverantwortlich entscheiden zu können, welchen Weg sie gehen möchten. Die Politik und die nachgeordnete Verwaltung setzten sich – wieder einmal – über den Willen und die wirklichen oder empfundenen Probleme der Mehrheit der Menschen hinweg. – Dr. Diethard Mai

Ich bin Arzt in einem Team der Spezialisierten Ambulanten Palliativversorgung (SAPV). Wir haben in den letzten sechs Jahren über 2300 schwerstkranke Patienten bis zum ihrem Tod zu Hause oder in einer Pflegeeinrichtung begleitet. Einen großen Raum in unserer Betreuung nehmen die sozialen, psychischen und spirituellen Nöte der Betroffenen ein. Hierzu gehören offene Gespräche über das Sterben, Linderung von Leid und auch über Sterbehilfe. Es mag sein, dass bei Befragungen unter „Gesunden“ sich in Deutschland eine Mehrheit für eine ärztliche Suizidbeihilfe ausspricht. Bei Patienten in sterbenahen Lebenssituationen ist der Wunsch, das Leben durch eine Selbsttötung vorzeitig zu beenden, eher eine Ausnahme. Von den uns Anvertrauten hätten circa 20 Personen diesen Weg gehen wollen. Diesen Menschen wird allerdings ein aus ihrer Sicht würdiges Sterben verweigert und Ärzte, die bereit wären den Weg mitzugehen, werden durch den 2015 eingeführten Paragraphen 217 StGB des Verbots einer geschäftsmäßigen Beihilfe zum Suizid, kriminalisiert. Auch die Begleitung eines „Freiwilligen Verzichts auf Nahrung und Flüssigkeit (FVNF), um in absehbarer Zeit seinem Leben ein vorzeitiges Ende setzen zu können, kann durch die Gesetzesänderung als strafbare Handlung geahndet werden, da FNVF juristisch als passiver Suizid bewertet wird.

Die Folge ist eine Verunsicherung vieler in der Palliativ-Care engagierter Ärzte und Pflegekräfte. Im Einzelfall führt dies zu einer schlechteren Beratung und Versorgung von Menschen, die sich wünschen, selbstbestimmt in schwerster Not das Ende ihres Leidens durch einen vorzeitigen Tod herbeizuführen. Probleme, die viel mehr Erkrankte in sterbenahen Situationen betreffen, sind fehlende Pläne, wie im Notfall oder bei einer Zustandsverschlechterung vorgegangen werden soll oder schlimmer die Nichtbeachtung einer eindeutigen Willenserklärung zur Therapiebegrenzung. Mit jedem Patienten in einer Palliativsituation sollte eine Notfallanordnung besprochen werden, ohne jeden Interpretationsspielraum, in der festgelegt wird, welche medizinischen Maßnahmen im Falle einer Zustandsverschlechterung nicht mehr ergriffen werden dürfen. (Therapiezieländerung) Dazu können gehören Ausschluss von Reanimation, Beatmung, Dialyse, Bluttransfusionen, Antibiose bei Pneumonie usw. Häufig verfügen Betroffene nur noch palliativmedizinisch behandelt werden zu wollen, entweder zu Hause, in einem Hospiz oder auf einer Palliativstation. Hätte der Patient aus der Fallvorstellung des Kollegen de Ridder eine solche Verfügung gehabt, wäre er an seinen Komplikationen verstorben, ohne Dialyse und intensivmedizinische Therapie und eine begleitete Selbsttötung wäre gar nicht notwendig geworden. – Dr. Karlheinz von Jan

Ich bin extrem irritiert über das undifferenzierte Herangehen an das Thema “Sterbehilfe” in der letzten Ausgabe. Absolut tendenziös, ungenau, mit sich vermischenden Begriffen, eigentlich eine Werbeeinschaltung in Großformat. Es ist ein Unterschied, sterben zu lassen und dabei helfend beizustehen, als zu töten. Dieser Unterschied ist nicht herausgearbeitet und herausgestellt worden. Gerade bei der Komplexität so einer Frage muss mehr Sorgfalt an den Tag gelegt werden. Die ZEIT sollte nicht ihr eigenes Niveau derart untergraben. – Elisabeth Költringer

Ob Sie es glauben, oder nicht: Es gibt sie noch (oder wieder!), die Menschen, die ihre Existenz als das Geschenk einer höheren Macht empfinden. Menschen, die ihre Freiheit auf Erden vollumfänglich nutzen – und die dennoch im Bewusstsein haben, dass diese Freiheit in Willkür umzuschlagen droht, wenn wir den göttlichen Anteil in uns vergessen oder verleugnen. Menschen, die darum ringen, der Verantwortung gerecht zu werden, die sich daraus ergibt – gerade dann, wenn unser Leiden überhand nimmt und uns bis weit in den Grenzbereich des Erträglichen fordert. Menschen auch, die spüren, dass ein ungeheures Wachstumspotential für die Persönlichkeit genau darin liegt, das Leben so anzunehmen, wie es auf uns zukommt – selbst dann, wenn das bedeutet, furchtbar leiden zu müssen. Menschen, die für sich erkannt haben, welch ein tiefgreifender Akt der Menschenwürde dies sein kann – und dass sich der Mensch genau dieser Würde begibt, wenn er dem Leiden dadurch zu begegnen trachtet, dass er das Leben durch eigene Hand beendet. Ja, es gibt Menschen, denen davor graust, dass sie und ihresgleichen auf eine Stufe gestellt werden mit todkranken Tieren, denen man seit Alters her den Gnadentod gewährt hat. Menschen, die davor zurückschrecken, Leid als sinnlos zu bezeichnen.

Es gibt sie: Menschen, die dem geheimnisvollen Zusammenhang von Leid, Tod und Auferstehung tiefinnerlich nachzuspüren bereit sind – und die zu dem Schluss kommen: Es könnte eine fataler Irrtum sein, die Erlösung durch ein tödliches Gift zu propagieren! – Angelika de Oliveira Gloria

Ja, man kann über Leid, Schmerz und Tod so denken, wie Sie das in Ihrer Titelgeschichte propagieren – man muss es aber nicht. In der jüdisch-christlichen Tradition wie im Islam gab es schon immer ein Bewusstsein davon, dass der Mensch mehr ist, als nur ein Tier, und dass er sowohl sich selbst als auch Gott gegenüber eine Verantwortung trägt. Die Verfügungsgewalt über das menschliche Leben lag dabei zwar schon immer im Bereich seiner Freiheit. Bis vor kurzem war aber klar: er sollte diese Freiheit nicht nutzen. Tat er es doch, war er sich dabei bewusst, dass er damit eine Sünde beging, eine Ab-Sonderung vom Schöpferwillen, einen Verstoß gegen die Menschenwürde.

Anders der moderne Mensch, der hedonistisch-materialistisch geprägte ZEITgenosse: Er sieht die Menschenwürde gerade dort in Gefahr, wo sich jemand scheut, das menschliche Leben anzutasten. Er vertritt vehement die Ansicht, man müsse sich des Leidens, des Schmerzes, des Lebens entledigen, wenn es zu schwierig wird. Und in einen regelrechten Furor gerät er, wenn man andeutet, dass auch ein schmerzhaftes Leben sinnvoll sein könnte: Da schreibt er dann über drei volle Seiten in der wichtigsten Wochenzeitung der Welt eine Titelgeschichte, die von A bis Z zeigen soll: Wer nicht dafür ist, ein leidvolles Sterben abzukürzen, der ist ein Unmensch. Es ist Menschenpflicht, sich zu erbarmen und das Einschläfern leidender Todkranker nach Kräften zu fördern. Und der postmoderne Mensch? Er glaubt nicht einfach, was in den alten Schriften steht. Er prüft – die Schriften und sich selbst. Und er kann aus eigenem Erkenntnisstreben zu der Überzeugung finden, dass die ursprünglich glaubensbasierte Einstellung viel Wahrheit und Weisheit enthält. Er ahnt dann, dass es sich lohnt, dem eigenen Drang nach Freiheit spätestens da Grenzen zu setzen, wo menschliches Leben angetastet wird. Und wenn sich diese Ahnung zur Gewissheit verdichtet hat, wird er vielleicht sagen: Ich versuche, mein Leben zu tragen – bis zum bitteren Ende. Unter allen Umständen. Das halte ich für Menschenwürde. – David Britsch

Für Ihre ausführlichen Artikel zum Thema Sterbehilfe möchte ich Ihnen sehr danken! Ich halte dieses Thema für sehr wichtig, weil es jeden angehen kann! Meine Aufffassung zum Thema hatte ich im Vorfeld der Bundestagsentscheidung in 2015 auch Ihnen mit meinem Leserbrief vom 23. 5. 2015 erläutert, den ich unten noch einmal beigefüge, sodass ich mich hier nicht wiederholen muß. Aber zwei Ergänzungen sind erforderlich:
1.) Durch die – m.E. falsche – Entscheidung des Bundestages in 2015 sind die Möglichkeiten von Ärzten, Schwerkranken und Sterbenden zu helfen, eingeschränkt worden. Das ist aus Ihren Artikeln gut ersichtlich.
2.) Die Entscheidung des Bundestages ist auch stark geprägt worden von Ansichten der Ärztekammern und der Kirchen. Über die Motive möchte ich nicht spekulieren, aber meine Meinung ergänzen:
Mögen doch die Menschen so leben und sterben können, wie sie es selber für richtig halten, solange sie anderen dabei nicht schaden! Das gilt auch für Angehörige von Religionen. Diese sollten aber Andersdenkenden ihre Religionsansicht nicht aufzwingen !
Ich hoffe, dass das Bundesverfassungsgericht so entscheidet, dass die Mängel der Bundestagsentscheidung 2015 beseitigt werden. – Klaus-Peter Koppelmann

Haben Sie herzlichen Dank für diese Seiten in der ZEIT. Das Protokoll der Sterbebegleitung des Arztes Dr. De Ridder und der Weg, den er mit dem Patienten gegangen ist haben mich beim Lesen sehr berührt. Ihm dafür meinen herzlichen Dank und Dank auch für den Mut, sich öffentlich dazu zu bekennen. Ich möchte auch reagieren, weil in dem Protokoll unter dem 16.1.2015 zu lesen war“..der Druck der Bundesärztekammer, der Kirchen und“ Lebensschützer“….“ und zu dieser Stelle ganz persönlich sagen, dass Kirche auch die sind, die in ihr leben und arbeiten und manches anders sehen und leben. Ich war viele Jahre Gemeindepastor und 20 Jahre Krankenhausseelsorger. Schon als junger Dienstanfänger habe ich dafür gesorgt, dass auch für „Selbstmörder“ die Glocken geläutet wurden und habe in der Verkündigung und Seelsorge denen widersprochen, die an dieser Stelle mit Schuldzuweisungen zur Hand waren. Denn ich bin, je länger je mehr, zu der Überzeugung gelangt, dass wir Gott, der uns das Leben gibt, es ihm, wenn es untragbar wird, auch wieder zurückgeben dürfen ohne dass er uns dafür verurteilt. In meiner Zeit des Dienstes an verschiedenen Krankenhäusern habe ich manchen Menschen begleitet, der sein Leben nicht mehr ausgehalten hat und wütend und verzweifelt war, weil man ihn zurückgeholt hat, zurückholen musste. Und ich habe manchen Arzt bzw. Ärztin erlebt, die unter einem ungeheuren Druck standen und oft wider eigene Einsicht „helfen“ mussten weil sie immer die Angst im Nacken hatten, dass von irgendwoher eine Klage droht, obwohl es mildtätiger gewesen wäre, den Menschen seinen Weg gehen zu lassen. Ich hoffe, dass es in unserem Land auch möglich sein kann, dass jenseits aller Ideologie denen beigestanden und geholfen werden kann, die für sich keinen anderen Weg mehr sehen, wie sie es in dem Fall von Herrn S. beschrieben wurde. Mit wie viel Einfühlungsvermögen und menschlicher Wärme hat ihn Dr. DE Ridder begleitet und ihm zur Seite gestanden, ich kann da nichts sehen, was der Liebe Gottes widerspricht . – Matthias Ortmann

Mir fällt auf, dass Sie das Thema Sterbehilfe sehr einseitig darstellen: Während es lediglich in Nr. 14 ein Pro & Contra gab, lassen Sie in Nr. 16 (Titelthema: Ein Ende in Würde) einzig die Befürworter der Sterbehilfe ihre Argumente vortragen – sowohl in den Artikeln als auch in den Leserbriefen. Dabei wird immer wieder auf die menschliche Autonomie verwiesen, die es bis zum Lebensende zu wahren gelte und in die der Staat mit seinen Verboten eingreife. Dagegen möchte ich zu bedenken geben: Bei aller Wertschätzung für die Selbstbestimmung des Einzelnen, die den westlichen Gesellschaften der Neuzeit zugrunde liegt – der Mensch sollte seine Endlichkeit und den damit einhergehenden körperlichen Verfall akzeptieren. So wie das Leben unverfügbar ist, trifft dies ebenso auf dessen Kehrseite, den Tod, zu. Beides übersteigt den Menschen. Der Tod ist daher keine „Sache, die es zu organisieren gilt“ (Nr. 16, S. 37), wie man etwa einen Urlaub bucht. Jede Aufweichung des 4. Gebots („Du sollst nicht töten.“) verweist die Entscheidung über Leben und Tod in den menschlichen Ermessensspielraum. Dort gehört sie nicht hin, diese Aufgabe ist zu groß für den Menschen. In welche Abgründe es führen kann, wenn manche Menschen sich zu Herren über Leben und Tod aufschwingen, ist in der Geschichte zur Genüge deutlich geworden. – Jan Oliva

Das Beste kommt zum Schluss. Leider eher nicht. Denn das hehre Ziel, die denkbar humanste, friedvollste und rechtlich sicherste Sterbebegleitung als finale Versöhnung mit dem Lebensende für jeden Menschen, ob gläubig oder nicht, gesetzlich zu ermöglichen, wurde bislang leider nicht erreicht. Im Gegenteil, die Gesetzesnovelle zur Sterbehilfe hat juristisch betrachtet mehr denn weniger Probleme geschaffen; zynisch besehen ist die im Bundestag über Jahre geführte Debatte zur Sterbehilfe selbst für die Ewigkeit zu lang. Allein das zweifellos angezeigte Verbot der organisierten Hilfe zur Selbsttötung wird einem schwerstkranken und sterbenden Menschen und seinen Angehörigen wenig Trost sein können. Dies gilt besonders dann, wenn selbst eine verbesserte Pflege und Betreuung, eine verbesserte medikamentöse Therapie und Palliativversorgung, ob wunschgemäß ambulant oder stationär, das Leiden eines suizidwilligen Menschen nicht auf ein ihm erträgliches Maß zu reduzieren vermag. In unserem säkularen Staat gilt die Würde eines Menschen als unantastbar; dieses Recht auf Selbstachtung und auf Selbstbestimmung muss selbstverständlich auch am Ende seines Lebens gelten. – Matthias Bartsch

Ein Plädoyer von Machtdemonstration
Als Mitarbeiter des maroden und profit – orientierten Gesundheitssystems, in dem es sich verbal nur noch um Zahlen statt primär um Patienten handelt ( eine Institution, in der die eigentliche Funktion von Ärzte – und Pflegschaft zweckentfremdet – um nicht zu sagen missbraucht – wird), bin ich keinesfalls bereit, mich dem von OBEN derigierten „Kadavergehorsam“ zu fügen. Staatliche Herrschaften, die ihre Funktion u.a. dazu nutzen, ihren machtstatus zu demonstrieren, den Bürgern abverlangen, sich widersinnigen Gesetzgebungen zu beugen und die Sterbehilfe partout verweigern – sinnlos und dreist – anderweitig jedoch keinerlei Alternativen parat halten. Mit den Darbietungen des Gesundheitswesens, in denen Mensche/Patienten Total unterversorgt, vor sich z. T. hinvegetieren, in denen Operationen und Untersucheungen vorgenommen, die zum großen Teil eigentlich überflüssig (was selbstverständlich allen bekannt!), jedoch dem Profit der Klinik dient, in denen Krankenkassen in differenten Modalitäten und mit den phantasievollsten Argumenten Verweigerungen aussprechen, sowie Dienste, wie der MDK, die nicht nur KLINIKEN kontrollieren, jedoch mit Ansage, so dass diese TOP ZUSTÄNDE vorfinden (wieder verarscht!), auch die Einstufung von Pflege – Versorgung…….Mitarbeiter, die in dieser Hinsicht funktionalisiert werden, geben, meines Erachtens, ein mehr als unprofessionelles Bild ab….. lächerlich!!!

Und nun stellen Sie sich, liebe Leser, schwerst erkrankte Menschen vor, die ein unvorstellbares leid erfahren, die mit einem Paragraphen einfach abserviert und irgendwo, abseits jeglicher, gesellschaftlicher Ünterstützung vor sich hinvegetieren……….. welch eine Vorstellung. Es liegt mir absolut fern, hier all die zu beschmutzen, die sich bis zum Äußersten darum bemühen, sich diesem Patienten anzunehmen. Die Kette der profit – gierenden Herrschaften der Obrigkeiten inszinieren bereits seit Jahren fach – untreue Strategien, woraus der chronische Personalmangel, die Missstände in den Kliniken, die Sauereien der resistenten Keime, etc. resultieren. Von der psychischen Betreuung und der medizinischen Versorgung der Patienten abgesehen, lassen hygienische Verhältnisse, trotz der mit Vorschriften plakatierten Wände, zu wünschen übrig – man bedenke den Überlebenskünstler MRSA, der sich seit Jahren in Kliniken aalt und sich seines Daseins erfreut. Mediziner geben sich in diesem Land, was Medikamente angeht, sehr grosszügig: Des Menschen Unheil bedarf es nicht nur mit Medikamente zur Rekonvaleszenz zu verhelfen, doch…… Mensch/Patient dient als
– Versuchsobjekt (Medikamente, die man sehr gerne an ältere Menschen oder Studien mit Altersangaben probiert,
– Organgeber (sogenannte Hirntote, die auf der Intensivstation bis zur Verwertung frisch gehalten werden,
– Profitleister (absolut in erweisen sich künstliche Gelenke und OPs mit der neuesten Technik, DaVinci, Hybrid,
– Bedienstete (als billige Arbeitskräfte, Gesundheitsrisiko und keinerlei Wertschätzung
– etc. …. .
Den Tieren die Gnadeninjektion zuzugestehen, den schwerst erkrankten Menschen jedoch ungeheures Leid zuzufügen – in aller Eindeutigkeit: Neue, intelligente und verantwortungsvolle Köpfe bedarf dieses Land!! – Heidi Rix

Auf einmal fühle ich mich zurück versetzt: Anfang 2016 begleite ich meinen todkranken Vater nach seinem zehnjährigen Leidensweg über ambulante Onkologiepraxen und zahlreichen Krankenhausaufenthalten schließlich in ein von kirchlichen Trägern geführtes Hospiz. Das Thema Sterbehilfe bringen die jungen Ärtze der Palliativstation vorher meinem Vater und mir näher, aber es wird nicht offen darüber gesprochen. Mit Ende 20 wusste ich nichts über das Thema, doch es lässt mich seit dem Tod meines Vater nicht los. Nun weiß ich, warum die Ärtze so vorsichtig waren. Mein Vater beschloß in der Palliativstation bei vollem Bewusstsein keine Nahrung mehr zu sich zu nehmen, da das Essen mit immer stärker werdenden Schmerzen einher ging. Diese Entscheidung wurde von den Ärtzen getragen. Das dies als Sterbefasten und „weicher“ Suizid bezeichnet wird, sagte mir niemand. Es dauerte 9 lange Tage bis mein Vater schließlich starb.

Da es mit dem Tod in der Palliativstation zu lange dauerte, wurde er noch in das Hospiz verlegt. Dort stand man Medikamenten, die das Leiden mildern oder gar verkürzen, ablehnend gegenüber. Fragte die Schwester beim Einzug meinen Vater, was er zu Abend essen möge. Drei Tage vor dem Tod traten Wahnvorstellungen und Verfolgungsängste ein. Der Arzt war nicht bereit, ein Palliativmedikament zu verabreichen, von dem man uns im Krankenhaus erzählt hatte, weil es stark süchtig machen würde. Danke für die vier Beiträge, die zeigen, dass es um unnötiges Leiden, um ein Herauszögern des Unabwendbaren geht. Immer wieder fragte ich mich, warum muss ein Mensch so lange leiden, wenn die Situation ausweglos ist? – Mirijam Raschke

Als der spanische Diktator Francisco Franco 1975 im Sterben lag und die Ärzte mittels für heute vergleichsweise rudimentärer Intensivmedizin versuchten, den Sterbeprozess hinauszuzögern, beschimpfte der philosophische Schriftsteller Jean Améry sie als „Kadaver-Ingenieure“. Er hatte das Konzentrationslager überlebt und war mitnichten ein Freund des Diktators. Nicht Hass oder Häme, sondern die Größe des menschlichen Mitleidens zeigte Améry. Heute hat das Sterben-lassen eine andere Qualität. Die Hospizbewegung und Palliativ-Medizin geben ihr Bestes, um den Prozess des Sterbens nicht in ein qualvolles Siechtum ausarten zu lassen. Dennoch, wer keine Patientenverfügung hat, kann durch die Hightech-Medizin mit teilweise kommerziellen Interessen, in die Spirale des Siechtums geraten. Das ist tausendfach belegt. Nicht jeder will ein institutionalisiertes Sterben für sich in Anspruch nehmen, sondern seinen Vorstellungen entsprechend, ein unerträgliches Leiden mit finaler Perspektive vorzeitig, am Ort seiner Wahl, beenden, ohne von einer Brücke springen zu müssen oder sich vor einen Zug zu werfen. Das muss eine humanistisch geprägte Gesellschaft gewährleisten, indem sie die Selbstbestimmung eines jeden von uns, die sich unter dem Artikel 1 des Grundgesetztes (Der Unantastbarkeit der Würde) subsumiert, ohne Wenn und Aber berücksichtigt. Es darf keine Zwei-Klassen-Sterbe-Kultur geben: Während einige Ärzte oder Apotheker für sich schon mal ein Mittelchen für den Fall aller Fälle zurücklegen oder betuchte Bürger im Ausland nach einer Sterbehilfe Ausschau halten, muss im Vergleich dazu der Nicht-Privilegierte „sein“ Sterben in anderer Leute Hände geben. – Hans Scholz

Ein Menschenrecht auf einen schmerzfreien, sauberen Tod gibt es nicht! Ich vermisse bei den Betroffenen Demut und Tapferkeit. Demut einzusehen, dass niemand die Stunde des (natürlichen) Todes kennt; Tapferkeit, die Unbill von Krankheit und Schmerzen zu ertragen. Wer dennoch wider die Natur vorzeitig aus dem Leben scheiden will, dem stehen zahlreiche Möglichkeiten zur Verfügung, seinem Leben auch ganz alleine ein Ende zu setzen. Das müsste doch gerade denjenigen zupass kommen, die so großen Wert auf Selbstbestimmung legen. – Katharina Schmöhe

Ihre Texte unter „Ein Ende in Würde“ sind nicht seriös recherchiert und Ihrer Zeitung nicht würdig. Sie gehören nicht in die Rubrik Wissen, da es sich um feuilletonistische Beiträge handelt mit starker ideologischer Färbung. Die tatsächlichen Probleme und Realitäten werden verschleiert. Der Staat greife Patienten und Ärzte an, unterbinde freie Entscheidungen und gefährde ein Sterben in Würde. Diese müssten sich nun zur Wehr setzen. Absurd. Im Gegenteil versucht der Staat hilflose Bürger zu schützen vor tödlichen Übergriffen durch Ärzte und auf Veranlassung von Laien. Tatsächlich gibt es völlig ausreichende Möglichkeiten für Menschen in höchster Not. Verhandelt wird nur die Geschäftsmäßigkeit! Wer Geschäfte macht, hat ein Interesse! Ein Sterben in Würde wird durch ganz andere Probleme bedroht. Selbst der sich so umfangreich darstellende Kollege muss zugeben, dass es sich um einen krassen Extremfall handelt. Einen solchen Extremfall, der zudem medizinisch unglaubwürdig ist und einen dokumentarischen Charakter nur vortäuschen kann, als Beleg für eine Gesetzesänderung für die Gesamtbevölkerung zu nutzen, ist sicher mehr als bedenklich. Für eine solide journalistische Recherche spricht auch nicht, des Gegners Argumente kursorisch und falsch darzustellen, um sie dann leichter Dinge zu widerlegen.

Die Büchse der Pandora ist geöffnet! Der Paradigmenwechsel von Lebensverlängerung zur Sterbeerleichterung zeigt sich bereits heute. Täglich werden Menschen mit Medikamenten zu Tode befördert unter Bedingungen, die alles andere als geklärt, dokumentiert oder vertretbar sind. Nichts ist leichter als die Verabreichung potentiell tödlicher und möglicherweise auch in dieser Absicht eingesetzter Medikamente. Hinweise auf vorliegende Patientenverfügungen bieten da Flankenschutz, mehr nicht. Patientenverfügungen sind in mehrfacher Hinsicht juristisch, medizinisch und menschlich mehr als nur bedenklich. Fast alle Menschen, die ich nach ihrer Verfügung befragt habe, wussten nicht oder nicht genau, was sie da unterschreiben haben. Nicht nur alte Menschen, die dies auf Drängen ihrer Angehörigen, Sonstiger oder aus Pflichtgefühl gemacht haben, nein, auch junge, vollständig orientierte und gesunde Menschen. Niemand kann vorausschauen wie er behandelt werden möchte, wenn der Ernstfall eintritt. Mann kennt weder die Krankheit, noch die medizinischen Bedingungen oder deren Entwicklung. Es kann nur eine Entscheidung in der konkreten und komplizierten aktuellen Situation sein. Sinnvoll hingegen sind Vollmachten, also die Benennung eines Menschen seines Vertrauens, der im Falle der eigenen Entscheidungsunfähigkeit diese übernehmen kann. Patientenverfügungen sind ein großes Geschäft! An der Dokumentation könnte man ablesen, ob eine Entscheidung sachgerecht, überdacht und juristisch wie moralisch vertretbar zustande gekommen ist. Diese liegt aber sehr oft gar nicht vor. In Holland dürfen Hausärzte nach Dokumentation des Entscheidungsprozesses und unter bestimmten Voraussetzungen tödliche Spritzen verabreichen. Das tun sie zu mehreren tausend Fällen pro Jahr. Aber in vielen Fällen liegt die Dokumentation gar nicht vor! Jeder einzelne Fall müsste juristisch verfolgt werden. Dies geschieht aber nicht.

Die Verabreichung einer tödlichen Spritze oder Medikation muss ein – fast – unüberwindliches Hindernis bleiben. Mit welcher Ruhe und Gewissheit heute viele Ärzte dies vollbringen und sich zudem noch als die Besseren fühlen mögen, bleibt mir unverstehbar. Für mich war es eine große psychische Belastung. Das Fehlen dieser Diskussion stimmt mich sehr bedenklich. Gut-Ärzte und andere, die mit großen Begriffen werben und in dieser Form einen korrekten Diskurs hintergehen, haben mein größtes und verdientes Mistrauen. Abgründe dieser Art habe ich in meinem Leben genügend erfahren müssen. Man höre auch die andere Seite. – Ein/e Leser/in

Vielen Dank für die umsichtigen Artikel zum Thema Sterbehilfe. Aus eigener Erfahrung kann ich nur betonen, wie wichtige Sterbehilfe sein kann, um ein Leben und eben auch Sterben in Würde zu ermöglichen. Ich möchte meine Erfahrung mit dem Thema teilen, weil ich das Gefühl habe, dass viele Menschen, die Sterbehilfe ablehnen, nicht nachvollziehen können, dass ein Mensch mit diesem Wunsch einen anderen Weg suchen wird, mit für sich selbst und andere, Angehörige, Rettungskräfte, Polizisten schrecklichen Folgen. Mein Vater hat sich im vergangenen Jahr nach langjähriger Krebserkrankung erschossen, und ich musste ihn finden. Zudem hat er bei diesem Suizid, einem Kopfschuss, nicht „richtig“ getroffen, das Stammhirn blieb dabei unverletzt, und so ist er über Stunden langsam verblutet, bis er im Krankenhaus schließlich starb. Diese Erfahrung war für uns Angehörige traumatisierend und ich schildere das hier nur deswegen so deutlich, damit klar wird, was alles passieren kann und wie wichtig ärztlich begleitetes, würdevolles Sterben ist. Er hätte mit Sicherheit sich selbst und seiner Familie diese Art zu sterben erspart, und einen einen anderen Weg gewählt, wenn er die Wahl gehabt hätte. Doch mehrmalige Gespräche über seinen Wunsch, sein Leben zu beenden, wurden stets nicht ernst genommen und von Seiten der Ärzte abgeblockt, obwohl absehbar war, dass er auch ohne Suizid nur noch wenige, qualvolle Monate gehabt hätte. Viele ohne ärztlichen Bestand verübte Suizide verlaufen für die Patienten qualvoll und für Angehörige und Rettungskräfte traumatisierend. In meinen Augen ist es daher notwendig, sich für die rechtlich gesicherte ärztliche Sterbehilfe einzusetzen, und zudem für entsprechende offene Angebote an Patienten, die diesen Wunsch äußern. In einer Gesellschaft, die die Würde des Menschen als unantastbar ansieht, gilt es zu verhindern, dass Menschen in Zukunft weiter solche Wege gehen, wenn sie keinen Ausweg mehr sehen und sterben wollen. Niemand sollte so aus dem Leben gehen müssen. – Sabine Kamrath

Taugt der Fall, den Michael de Ridder beschreibt, als Modellfall? Ich nehme den Arzt als sehr einfühlsam, besonnen und weitsichtig wahr. Aber welcher Arzt im täglichen Betrieb mit Fachkräftemangel hat in einer massiv alternden Gesellschaft die Zeit, sich mit Patienten mehrfach in Berlin und Bielefeld zu treffen und auch noch das Abendbrot mitzubringen? Wird da nicht eine Begleitung suggeriert, die faktisch nur sehr wenige bekommen werden? Um mir über den ärztlich assistierten Suizid ein Urteil bilden zu können, brauche ich ein realistisches Szenario. Schade auch, dass in den Artikeln kein Arzt zu Wort kam, der sein Selbstbestimmungsrecht dahingehend gebraucht, die Suizidbeihilfe zu verweigern, und dafür Gründe nennen kann. Auch das hilft mir bei der Meinungsbildung. – Dr. Hans Joachim Stein


 

Leserbriefe zu „Der Arzt: Warum ich geholfen habe“ von Michael de Ridder

Der Artikel zeigt das von Mitgefühl geprägte Vorgehen eines engagierten Arztes und verdient Anerkennung und Hochachtung. Anerkennung für die zeitaufwendige Zuwendung, die dieser Kollege seinem Patienten hat zukommen lassen. Hochachtung dafür, daß De Ridder nun auch noch versucht, die juristisch zementierte Unmenschlichkeit gegenüber Sterbenden vor dem Verfassungsgericht zu ändern. Dieser unsägliche Paragraph 217 kann eigentlich nur von Menschen geschaffen worden sein, die nie in die Lage gekommen sind, es mit einem schwer leidenden Mitmenschen auszuhalten, ohne ihm effektiv helfen zu können. Und auch der Verweis des Fachmannes de Ridder darauf, dass Hospize und palliative Schmerztherapie eben nicht immer ausreichend hilfreich sind, sollte eigentlich ein grundsätzliches Umdenken fördern. Sämtliche Aktivitäten von Mitmenschen werden in unserer liberalen Gesellschaft juristisch toleriert, soweit sie nicht die Rechte von Mitmenschen verletzen. Aber dem leidenden Menschen am Ende seines Lebens wird die Mündigkeit aberkannt, bei der Art seines Sterbens eine Wahl zu treffen. Ich fürchte, dass die Empathie mit dem sterbenden Mitmenschen bei dieser Gesetzgebung durch ideologische Grundhaltungen blockiert wird. Sollte daran eine Religion Schuld sein, die effektives Helfen bei qualvollem Sterben trotz des zentralen Dogmas der Liebe nicht vorsieht ?Dr.Rainer Mente

Das Vertrauensverhältnis zwischen einem todkranken Patienten, der den Wunsch hat, zu sterben, und seinem Hausarzt – solange es ihn noch gibt – ist so eng und intim, daß kein Blatt irgendeines Gesetzestextes, geschweige denn ein leibhaftiger Jurist dazwischen paßt, sondern nur noch Platz ist für Gewissensentscheidungen, Menschenliebe und bestmögliche Hilfe! Der (Haus)Arzt sollte sich dabei immer die Frage stellen: welche Leiden, welche Schmerzen, welche Einschränkungen deiner Selbstbestimmung wärest du bereit , selbst zu ertragen, wenn du dich in einer ähnlichen Situation befändest wie dein Patient? Zumeist genügt es ja, Medikamente abzusetzen, keine Antibiotika mehr zu geben, dafür ausreichend Schmerz- und ggfls. Beruhigungsmittel. Eine meiner alten Patientinnen, klar bei Bewußtsein, aber so schwer herzkrank, daß sie nur noch im Sitzen und Liegen ohne größere Luftnot blieb, erlitt kurz vor ihrem Lebensende eine einseitige Gesichtslähmung ohne Rückbildungstendenz. Dieser „Schluck Krankheit“ brachte das Faß ihrer Leiden zum Überlaufen: des Lebens satt beschloß sie, sich in ihr Bett zu legen, nicht mehr zu essen und zu trinken. Tochter und Schwiegersohn, die im gleichen Haus wohnten, akzeptierten ihre Entscheidung, ein Pflegedienst half. Als sie starken Durst empfand, willigte sie in eine einmal täglich verabreichte subkutane Flüssigkeitsgabe ein. Sie starb, friedlich und zufrieden, unterstützt von ihren nächsten Angehörigen (problematisch sind immer die entfernten!) und im Vertrauen in die Hilfe ihres Hausarztes. – Dr. med. Ulrich Pietsch

Zur Ohnmacht verurteilt?
Noch vor der Verhandlung des Bundesverfassungsgerichts am 16. und 17.4.2019 ist in der Bevölkerung laut Umfragen der Wunsch nach einer sinnvollen Sterbebegleitung manifest vorhanden. Selbstbestimmung ist ein Persönlichkeitsrecht. Es gibt in unserer Gesellschaft keine Instanz mehr, die verbindlich vorschreiben kann, wie wir unser Leben zu gestalten haben – oder wie wir aus dem Leben scheiden wollen. Wir sprechen von Schwerstkranken, körperlich Leidenden – und sollten nicht diejenigen vergessen, die zum Ende ihres Lebens schlichtweg nur „lebensmüde“ geworden sind. Im privaten Gespräch mit Ärzten erfährt man, dass viele von ihnen ihr Depot zur Lebensverkürzung in der Hausapotheke angelegt haben. Und jeder mitfühlende (Haus-) Arzt ist in der Lage, zum Lebensende hin das unnötige Leiden zu einem guten Ende zu bringen. Warum wird der Alters-Suizid so konsequent „totgeschwiegen“? Bei Männern steigt die Rate der Suizide im Alter exponentiell, d.h. vom 70.Lebensjahr an steigen die Suizidraten dramatisch an; sie sind ab 85 gewaltig. Und: Sie sind „brutal“ und menschenunwürdig: Erhängen, Erschießen, Hinunterstürzen oder das Sich-vor-ein sich- bewegendes- Objekt-Werfen ist vor allem Männersache. Frauen bevorzugen den Einsatz von Medikamenten. Wo Ohnmacht „verordnet“ wird, steigt die Brutalität. Kaum ein reifer Mensch wird sich leichtfertig und unüberlegt selbst umbringen! Und noch ein Aspekt: Wir nähern uns einer europäischen Gesetzeslage an: Schweizer, Belgier, Holländer u.a. sind nicht weniger sittlich-moralisch orientiert als wir Deutsche. Wir nehmen hin, dass Sterbewillige z.B. in der Schweiz – bei guter Bezahlung – einen würdigen Tod finden. Durch die jetzige Fassung des § 217 würde sich sowohl der Alterssuizid wie auch die Kommerzialisierung des Sterbens n i c h t beseitigen lassen. Das können wir nicht wollen. – Prof. Dr. Knud Eike Buchmann

Die Bevormundung der Ärzte durch die Ärztekammern und die Strafandrohung durch den § 217 basieren auf einer Ideologie, die ebenso wenig zu unserem freiheitlichen Rechtsstaat passt wie die Scharia. Hilfesuchende Menschen werden in einen würdelosen gewaltsamen Freitod getrieben. Für die über 800 Schienensuizide jährlich sind Ärzte mitverantwortlich. – Dr. med. H. Freiesleben


 

Leserbriefe zu „Die falsche Deutschstunde“ von Florian Illies

Gegen eine Person Ablehnung zu fassen, und dann auch gegen deren Werk, ist nur konsequent; „Ein Gedicht ist nur solange gut, bis man weiß, von wem es ist.“ „Nie kann ein Werk den Menschen rechtfertigen, immer nur der Mensch das Werk.“ (Karl Kraus) Gut beraten wäre das Kanzleramt mit dem mutigen Kokoschka gewesen; (politische Haltung aus moralischem Anspruch.) – Paul Zwirchmayr

Das Mäntelchen der Kanzlerin muss doch schon arg ausgefranzt sein, wenn sie es ständig in den Wind hängt. – Wolfgang Burkhardt

Wenn ein Kunstwerk aus dem Atelier seines Schöpfers hinaustritt in die Welt, lässt es diesen einsam zurück, sein eigentlicher Wert beurteilt sich dann ausschließlich nach seiner Fähigkeit zum Dialog mit dem jeweiligen Betrachter. Ein gutes Gemälde ist ein eigenes, vom Maler getrenntes, Lebewesen, das sich uns als individuelle Existenz nähert, uns herausfordert, seine Freundschaft anbietet, uns beglückt, tröstet oder verzweifeln lässt. Es ist an uns, es mit unseren Assoziationen und Empfindungen in Besitz zu nehmen. Insofern brauchen wir nicht davor zurückzuschrecken, einem Bild die Treue zu halten, auch wenn der Maler als Schurke enttarnt ist. Ungeachtet dessen kann ich die Abhängung der Nolde-Bilder durch die Bundeskanzlerin Angela Merkel durchaus verstehen, um Irritationen beim Besuch ausländischer Staatsgäste im Zentrum der deutschen Demokratie zu vermeiden. – Ludwig Engstler-Barocco

Dem Artikel kann ich (fast) in allem folgen. Außer, dass es höchst zweifelhaft ist, wenn der Autor eine (eventuelle) moralische Verfehlung (Brecht) auf eine Stufe mit gesellschaftlichen Verfehlungen stellt und außer, dass ich so eine Haltung von den Qualitätsjournalisten der ZEIT beim Umgang mit DDR-Künstlern, DDR-Politikern und DDR-Menschen, deren jeweils weit geringeren „Verfehlungen“ durch Sie nicht so milde und verständnisvoll behandelt werden, vermisse. Natürlich bin ich mir bewusst, dass die Sieger die Geschichte schreiben. Aber warum unterwirft sich DIE ZEIT immer wieder diesem Diktat? – Uwe Langer

Das ist wohl und wahr geschrieben. Die klare Positionierung zu einer Sache ist unglücklicherweise in der heutigen Zeit den Politikern der rechten Meinungsseite vorbehalten. Die einer offen demokratischen Positionierung zuzurechnenden Politiker meinen, mit einer übertoleranten Meinungsvielfalt, mit der sie keinem auf die Füße treten müssen und nur der politisch verfemten rechten Seite gegenüber eine relativ klare Linie beziehen, der Demokratie einen Dienst erweisen zu können resp. zu müssen. Weil die extreme Linke mit dem offensichtlichen politischen und wirtschaftlichen Scheitern des Sozialismus resp. Kommunismus nicht mehr existent ist, bleibt die politische Rechte als Gegner, und damit setzt auch eine Schwarz-Weiß-Malerei ein, die viel zu häufig zu vieles über einen Kamm schert. So wie die Bilder-Aktion von Frau Merkel politisch kurzsichtig, ideologisch falsch und als Beispiel fatal ist, so ist auch ihre politische Haltung (und die vieler anderer Politiker) wetterwendisch und ohne erkennbares Rückgrat. Reagieren und nicht Agieren kennzeichnet seit langem die deutsche Politik. Wie opportunistisch diese grundsätzlich veranlagt ist, kann man auch daran erkennen, das niemand auf die Idee kommt, die Bayreuther Festspiele zu verbieten, weil die dort gespielte Musik von einem der schärfsten Antisemiten seiner Zeit stammt. Dort ist Frau Merkel zu den Premieren als eingeladener Gast gern gesehen und sie kommt offensichtlich auch ebenso bereitwillig. Angesichts des Bildertausches im Kanzleramt wäre es logisch und konsequent, dort nicht zu erscheinen oder die Festspiele gar zu untersagen. Aber unabhängig davon, dass diese Musik inhaltlich und musikhistorisch von einer sehr hohen Qualität ist, würde mit einer solchen Aktion eine Klientel verprellt werden, die eine zu große Lobby innerhalb und gegenüber der Politik inne hat. Das könnte zu viele Feinde erzeugen. Es ist schon so, wie Sie es schreiben: Die Qualität künstlerischer Werke bestimmter Persönlichkeiten wird dadurch nicht schlechter, dass die Künstler eine neben der Musik heute schwer oder gar nicht vertretbare politische oder soziale Meinungen oder Haltungen vertreten. Um diese Differenzierung zu erkennen und darüber hinaus zu vertreten, braucht es eine gewisse Standfestigkeit und ein Wissen, mit dem diese begründet werden kann. Beides ist bei vielen Politkern heute nicht mehr vorhanden, ein Verlust, mit dem die Gesellschaft sich nicht zwangsläufig arrangieren muss. – Karl H. Pröpsting

Noch schöner wäre es gewesen, wenn ein so klug und insgesamt ausgewogener Artikel von einem ZEIT-Journalisten verfasst worden wäre, aber in der links-grün gefärbten Redaktion wird man niemanden mehr finden, der hierzu imstande wäre. Die mehrheitlich aus diesem Milieu herangezogene Leserschaft wird das natürlich begrüßen. – Hans Hardenberg

Ein Werk ohne Autor kann es nicht geben, gewiss, es gibt niemanden der der Bezeichnung Übermensch würdig ist, ein Werk, ist steht’s ein Blick in die Vergangenheit, doch es darf die Gegenwart nicht verkennen und muss dem Narrativ „die Würde des Menschen ist unantastbar“ standhalten. Tut es dies nicht, so bleibt nur das abhängen, damit verschwindet nicht das Werk, doch die Würde bleibt und Würde obsiegt immer. – Ein/e Leser/in

Ich habe stets Helmut Schmidt für gebildeter und weltgewandter gehalten als Angela Merkel, aber das Niveau, das die Kanzlerin hier an den Tag legt, finde ich schon erschreckend und heuchlerisch allemal; denn die Bilder hatten ihr ja bis dato offenbar gut gefallen. Wer große Kunstwerke nicht von den Lebensläufen seiner Urheber trennen kann, und sich einer sog. „Political Correctness“ hingibt, der bringt sich zum einen um einen großen Genuss und auch, wenn man in der Öffentlichkeit steht, in Erklärungsnöte. Emil Nolde stand des Nazis recht nahe, aber ein Sympathisant ist erst einmal noch kein Verbrecher.

Wenn ich mich auf das Niveau der Merkelschen Argumentation herablassen würde, müsste ich ihr empfehlen, dafür zu sorgen, dass beispielsweise der Kölner Dom abgerissen werden muss, weil dieser großartige Bau nicht nur von einem mit der katholischen Kirche sympathisierenden Baumeister errichtet wurde, sondern von höchstrangigen Vertretern einer Institution in Auftrag gegeben worden ist, die zur Ehre ihres fiktiven „Herrn“ weit mehr Menschen hat ermorden lassen (nicht nur Juden), als es die Nazis geschafft haben. Man könnte den Bogen sogar noch weiter spannen: Ohne die propagandistische und tätige Vorbereitung beider christlichen Kirchen (ich denke z.B. an die Aussagen der Bibel und die Pamphlete eines Herrn Luther über die Juden) wäre Herr Hitler wahrscheinlich gar nicht in der Lage gekommen, sein Unwesen zu treiben. Vielleicht sollte Frau Merkel einmal überlegen, das „C“ aus ihrem Parteinamen zu tilgen; denn heute möchte sicher niemand mehr nach den originären christlichen Werten leben. Wie dem auch sei, ich finde die Werke Emil Noldes großartig, auch wenn ich seine Weltanschauung nicht teile. – K.-P. Willmünder

Ich finde es völlig legitim, Kunst abzuhängen, die von einem Menschen stammt, dessen Werte man nicht teilt, dessen Weltsicht man sich nicht auf die Fahne schreiben will, für den man nicht werben will. Der Autor führt an, dass eine große Zahl „großer Künstler“ des 20. Jahrhunderts frauenverachtend, fremdenfeindlich und/oder antisemitisch waren. Man könne die ja nun nicht alle abhängen, sagt er sinngemäß. Ja, warum eigentlich nicht? Sind nicht auch Künstler Menschen unserer Gesellschaft, die eine Verantwortung für sich und andere tragen? Darf ein Künstler sich über Recht und Ethik hinwegsetzen, nur weil er gute Kunst macht? Darf er andere Menschen schlecht behandeln, schlecht über sie reden, weil er ein Künstler ist und kommt ungeschoren davon, weil die Regierungschefs dieser Welt sich eben Kunstwerke an die Wände hängen wollen? Auch Künstler tragen gesellschaftliche Verantwortung. – Melanie Brillowski

Mao Zedong war ein wunderbarer Kalligraph und hat herrliche Gedichte geschrieben. Dennoch ekle es mich, wenn ich seine Gedichte lese: Er war ein Massenmörder. Hätte Adolf Hitler schönere Bilder gemalt, würde ich diese mir aufhängen und genießen können? Der Autor des Artikels meint, Angela Merkel habe „in vorauseilendem Gehorsam“ die Bilder von Emil Nolde abgehängt. Ich würde nicht wagen, ein solches Urteil über ihr persönliches moralisches Empfinden zu fällen. – Dr. Victor Chu

Unser heutiges Deutschland ist durchzogen von einer dummen Mentalität von Menschen, die fast immer von einer Erbärmlichkeit bestimmt ist. Von der Bundeskanzlerin konnte man ein andere Haltung erwarten, die unserer Geschichte geprägt hat. Wer die Brüche unserer Vergangenheit durch abhängen von Kunst reinigen möchte hat die Philosophie nicht verstanden und die Kunst gleich gar nicht. – Gunter Knauer

Könnte es aber sein, dass Genius und Niedertracht überproportional häufig zusammen fallen? Was meinen Sie? Nicht nur gedacht, als Verweis auf den Narzissmus des Künstlers, sondern möglicherweise auch, weil sie die Widersprüchlichkeit des Menschens erkennen? Möglicherweise aber auch nur aus purer Egozentrik, die sich in künstlerische Energie umsetzt – auffällig ist der Zusammenhang ja. Schon Natascha Wodin fragte sich gegen Ende ihres Buchs ’Nachtgeschwister’, ob sie – die Schriftstellerin – auf die naive Idee, in ihrer Liebe zu Wolfgang Hilbig nicht zwischen Autor und Werk zu unterscheiden, reingefallen sei. – Dr Sonja Hegasy

Florian Illies‘ Argumentation ist unbedingt unterstützenswert. Am Beispiel Emil Noldes begründet Illies sein Plädoyer für eine Trennung der Beurteilung des politischen Fehlverhaltens eines Künstlers von der künstlerischen Beurteilung seiner Werke doppelt. Zunächst sieht er pragmatisch die Gefahr eines kürzer werdenden Kanons der Kulturgeschichte, verweist dann am Schluss grundsätzlich auf die gegebene Widersprüchlichkeit des Menschen. Mit Pablo Picasso und Günter Grass nennt er zwei weitere verstorbene prominente Figuren, um seinen Gedankengang zu illustrieren. Ich fordere allerdings, diesen überzeugenden Argumentationsstrang, insbesondere die Anerkennung menschlicher Widersprüchlichkeit, auch auf lebende Kulturschaffende anzuwenden. So ist etwa Kevin Spacey ist von der öffentlichen Diskussion in einer emotionalen Aufwallung als Künstler und als Mensch vernichtet worden. Die Würdigung seines hervorragendes schauspielerisches Werkes ist vor dem Hintergrund seines persönlichen Fehlverhaltens völlig verschwunden. Sein Verhalten gehört untersucht und – Strafbarkeit vorausgesetzt – gerichtlich sanktioniert. Seine Filme und Serien sollten jedoch genauso Bestandteil unserer Medienlandschaft bleiben wie Grass‘ Romane und Noldes Bilder. – Klaus Keßler

Die von Florian Illies als Aufenthaltsort bevorzugte Grauzone zwischen der Autonomie der Kunst und den persönlichen Schwächen der Künstler, die er gegen Frau Merkel und ihren vermeintlichen „vorauseilenden Gehorsam gegenüber möglichen Tugendwächtern“ in Stel­lung bringt, hat er nicht gut ausgeleuchtet. Ob ein Dirigent das Orchester schindet, ist eine Frage für die Vertretung der Musiker; das geht den Musikkritiker nichts an, solange der Klangkörper harmonisch bleibt. Brechts Untreue tut also in der Tat literarisch nichts zur Sa­che; allenfalls insofern, als sie vielleicht seine Liebesgedichte beflügelt hat. Aber ist es ein Zufall, dass Herr Illies das eigentliche Problem in Brechts Kunst, nämlich die partielle poli­tische Korruption seines Werkes, gar nicht erwähnt? Gewiss war sie nicht total, enthalten vie­le seiner Schriften oder Stücke überzeitliche und transpolitische Gesichtspunkte, aber seine Kunst und sein bewusstes Leben als Künstler lassen sich doch nicht völlig von unguten propa­gandistischen Tendenzen freisprechen. Um diese Grauzone geht es, nicht um die persönlichen Defizite von Künstlern. Und da ist auch Emil Noldes Kunst nicht ganz so unschuldig, wie Florian Illies sie gerne hät­te. Eine schön oder interessant gemalte Sonnenblume ist eine schön oder interessant gemalte Sonnenblume – ja gut; aber die Themen, die Emil Nolde ab 1933 für seine Malerei gewählt hat, waren offenbar nicht frei von problematischen ideologischen Überlegungen. In seinen Schriften soll man sogar lesen können, er habe „das Starke, Herbe, Innige“ in der Kunst ver­göttert und „die Süße der Sünde“, die „rundliche Formenschönheit“ als undeutsch und rasse­fremd abgetan (FAZ vom 13. April 2019, S. 9).

C-Dur sei C-Dur, es gebe kein antisemitisches C-Dur – so die typische Antwort des Dirigen­ten Christian Thielemann, wenn er auf Wagners Antisemitismus angesprochen wird. Aber nicht nur in Wagners Schriften, sondern auch in seinen Musikdramen gibt es deutschtümeln­den Nationalismus und offenkundige antisemitische Anspielungen und Klischees; das reicht sogar bis in die Musiksprache. Ich war nie ein Wagner-Fan, ich finde seine Musik mit weni­gen Ausnahmen langweilig. Aber seit ich mehr über seine persönlichen (biographischen, kul­turellen und politischen) Hintergründe weiß, gehe ich gar nicht mehr in seine Opern. Dass Frau Merkel Noldes Bilder abhängt, nachdem sein doppelt problematischer persönlicher Hin­tergrund (erst die ungewöhnlich weit reichende Anbiederung an die Nazis, dann die über Jahr­zehnte gezielt organisierte Verleugnung) jetzt offenbar geworden ist, halte ich also nicht für unverständlich oder gar verwerflich. Helmut Schmidt gegen sie auszuspielen, empfinde ich sogar als höchst unfair. Wäre der wirklich so unbefangen gegenüber Emil Nolde gewesen, wenn er die für seine Zeit und seine Generation nicht untypischen autobiographischen Insze­nierungen des Malers und seines Anhangs schon gekannt oder durchschaut hätte? Inszenie­rungen, von denen er selbst nicht ganz frei war, wenn man an die eine oder andere Aussage über die Rolle der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg denkt. Mir ist Frau Merkel als Deutsch­lehrerin allemal lieber als es der „Oberlehrer“ Helmut Schmidt war – dessen Verdienste ich damit nicht schmälern möchte. – Dr. Gert Krell

Als kleiner unbedeutender Künstler, der unweit von Nolde wohnt, bin ich praktisch mit Nolde aufgewachsen. Vor einigen Jahren durfte ich in Hamburg einem Vortrag zum Thema „Nolde und der Nationalsozialismus“ beiwohnen. Dort wurden Textpassagen vorgetragen, die Nolde aus seiner Autobiographie „Mein Leben“ nach dem zweiten Weltkrieg streichen ließ! Seit diesem Vortragsabend schwingt, beim Betrachten eines Nolde-Werkes, in mir immer ein ungutes Gefühl mit. Ich kann Frau Merkel gut verstehen. – Kai Quedens

Erst aus ihrer inneren Zerrissenheit, der Tiefe ihrer seelischen Abgründe heraus haben Künstler oft große Werke erschaffen! Unserer mittelmäßigen Kanzlerin – ein schwankendes Rohr im Winde des Zeitgeists – fehlt die Souveränität, den Zwiespalt zwischen der politischen Ausrichtung eines Künstlers und der Qualität seines Werkes auszuhalten! Deshalb hat sie den Nolde abgehängt, wird ihn vermutlich ersetzen durch das gefällige Bild eines Dekorateurs – der mindestens Klimaschützer, Feminist, weltoffen sein und „Migrationshintergrund“ haben muß! Ein Bild ohne moralische Ecken eines Künstlers ohne politische Kanten! Pedantische Kleingeister bewerten künstlerische Qualität nach der Stromlinienförmigkeit ihres Erschaffers im von ihnen selbst festgelegten aktuellen moralischen und politischen Mainstream, bestimmen, was dem Publikum gezeigt werden darf! Das ist verkappte Bilderstürmerei, die man nur von Diktaturen kennt! – Dr. med. Ulrich Pietsch

Es gibt sie, die neue „verfemte Kunst“: Unsere Gutmenschen, die unverzüglich ihre Bilder abhängen, wenn die Recherche ergeben hat, dass die Gesinnung des Künstlers nicht sauber ist. Das sind die Nazis von heute. Es geht nicht mehr die Qualität eines Kunstwerks, sondern um die „Moral“ des Künstlers. Eine neue „Forschung“ wird betrieben: Doktoranden stürzen sich auf jeden – längst verstorbenen – früheren Inhaber irgendeines akademischen Amtes, der sich dem Naziregime angepasst hat. Ich besitze eine geschnitzte Marienfigur aus dem Mittelalter. Was mache ich damit, wenn der Schöpfer diese Kunstwerks nicht moralisch einwandfrei gelebt haben sollte? (Vielleicht hat er eine Hexe verbrannt?) Vorsichtshalber auf den Müll damit? – Ina Seeberg

Zwischen dem Bundeskanzleramt und einer Gemäldegalerie besteht ein Unterschied: Die Letztere kann ein Interessierter besuchen oder nicht, und er kann sich verschiedene Bilder ansehen oder nicht. Im Kanzleramt werden Gäste aus allen Ländern der Erde empfangen. Diese können sich nicht aussuchen, was sie anschauen wollen. Ihnen soll die Ausstattung der Räume auch einen Eindruck davon geben, welches Bild von Deutschland die Bundeskanzlerin vermitteln möchte. Für eine solche Absicht ist die Hängung von Gemälden eines deutschen Antisemiten sicher nicht gegeignet – so schön seine Werke sein mögen und so gut diese der Kanzlerin vielleicht gefallen. Sie hat sie daher folgerichtig abhängen lassen. Der Autor des Artikels unterstellt , dass Angela Merkel bei den mit ihrer Entscheidung verbundenen „intellektuellen Zumutungen überfordert“ gewesen zu sein scheint. Er offenbart damit aber nur seine intellektuelle Arroganz und macht deutlich, dass sein I.Q. keinesfalls über dem der Kanzlerin liegt. – Dr.Rainer Cammann

Wenn ein Mensch sich und andere Mitmenschen betrügt, hintergeht, schädigt, sich also verantwortungslos und schuftig verhält, werden wir das gar nicht gutheissen und ihn moralisch abqualifizieren. Schreibt dieser Mensch aber Gedichte, und zwar solche, die wir in die Kategorie „Hohe Kunst“ einordnen, dann werden wir ihn verehren und glorifizieren, ihn jedenfalls sehr milde beurteilen, wie dies auch Florian Illies in der Zeit z.B. mit Gottfried Benn tut, den er als „Emigrantenbespöttler“ bezeichnet: ein harmloses Vergehen. Dabei war Benn und viele seiner Dichterkollegen ein Mensch ohne Empathie, Rücksichtnahme und Verantwortungsbewußtsein anderen gegenüber, stets mit der Behauptung lebend, sie würden nur dem Geist und der Kunst leben und sich dafür kasteien. Während sie sich und uns das vorspielten, lebten sie ein Leben nach der Devise „Erlaubt ist, was zum Erlebnis führt“(Benn) rücksichtslos und ausbeuterisch anderen gegenüber. Nun will uns Florian Illies moralisch in die Pflicht nehmen, mit diesen „Widersprüchen und Konsequenzen der Kunst“ fertig zu werden. Wir sollen uns verändern, die Künstler bleiben nach dem Prinzip der Freiheit der Kunst unangetastet. Ich finde das unangemessen. Wenn wir schon aufgefordert werden, uns und unsere Einstellung zu verändern, dass sollte diese Aufforderung doch auch an die Künstler gehen. Und dann ist es auch Aufgabe nicht nur der Deutschstunden (der auf jeden Fall), sondern auch der Feuilletonisten, mit der Verherrlichung dieser Künstler Schluss zu machen und die Hintergründe (Abgründe) dieser Leben und ihrer Kunst zu benennen. – Wolfgang Paul

Ihr Artikel zu Nolde und Merkel spricht mir aus der Seele, das trifft nicht nur für Eure Merkel zu, sondern für manche andere Politiker auch. Einige Sätze sind von geradezu intellektueller Prägnanz. – Ein/e Leser/in

Zu Deutschland gehört die rühmliche und auch die „nicht so rühmliche“ Vergangenheit dazu; egal an welchen Wänden die Bilder hängen! – Klaus P. Jaworek

Einen großen Dank an Herrn Illies für die differenzierte Betrachtung zur „Nolde-Blumengarten-Abhängaktion“ im Kanzleramt. Deutlich und schlüssig zeigt er die menschengemachten Widersprüche dieser Welt und seine Forderung, dass wir uns ihnen offen und mutig stellen müssen, statt mit politischer Correctness zu versuchen, immer alles klinisch rein zu putzen, kann nicht laut und oft genug gefordert werden! Fährt Frau Merkel eigentlich auch in diesem Sommer nach Bayreuth? – Angelika Paulun

Es ist glaube ich nicht ganz unwichtig, wo die Bilder von Nolde hängen. Im Amtszimmer der Bundeskanzlerin hat so ein Bild auch eine repräsentative Funktion. Die Auswahl der Bilder dort zeigt den ausländischen Staatsgästen, welche Kunst und welche Künstler der Amtsinhaber als beispielhaft für die Bundesrepublik Deutschland empfindet. Und da gibt es sicher besser geeignete Maler als Nolde. Im Wohnzimmer der Kanzlerin sähe die Sache schon anders aus- dort könnte man sich eher der Diskussion stellen, die Herr Illies fordert. Zudem geht der Vergleich zwischen dem Übervater der ZEIT-Redaktion und Frau Merkel im Umgang mit Noldes Kunst von falschen Voraussetzungen aus: Zu der Zeit von Schmidt´s Kanzlerschaft wussten nur wenige, wie braun Noldes Socken tatsächlich waren- Schmidt wahrscheinlich nicht und die Staatsgäste erst recht nicht. Daher empfand ich den sehr überheblichen Ton des Artikels gegenüber den Maßnahmen der Kanzlerin als unangemessen. – Mathias Scheel

Da Frau Merkel wahrscheinlich nicht die Zeit haben wird, jedem Besucher des Kanzleramts ihre persönliche „Deutschstunde“ zu erläutern, trägt das Abhängen der „Noldes“ sicher dazu bei, Irritationen bei Betroffenen des Nationalsozialismus zu vermeiden. Das Heranziehen von Grass, Picasso und anderen scheint mir etwas abwegig. Ich glaube nicht, dass die „Blechtrommel“ deutlich sichtbar auf dem Schreibtisch der Bundeskanzlerin steht. – Sven Herfurth

Es hat mich ein wenig erschreckt, das die Kanzlerin Nolde Bilder abgehängt hat. Was kommt als nächstes? Umbenennung diverser Straßennamen ( Ebertallee, Bismarkstraße, Wilhelmstraße etc)? Mir geht es um das Gesamtkunstwerk von Nolde, und ich werde meine Noldebilder jetzt erst recht hängen lassen. Ich war schon so oft in Seebüll ( im Noldemuseum und im Garten), und das ist einzigartig. Alles was in der NAZI-Zeit passiert ist, ist grauenhaft und ist nicht schön zu reden, aber die Noldebilder sind nicht Antisemitisch. Als Kunstliebhaberin geht es mir nur um die Kunst, und die ist einzigartig. – Ute Koch


 

Leserbriefe zu „Fahnen runter“ von Jochen Bittner

„Die Mehrheitsmeinung ist eine der stärksten Kräfte des Universums.“* Ja. Danke für diese Einordnung. Und für die Formulierung. „Ihr skeptisch zu begegnen und prinzipiell zu widerstehen gehört zum journalistischen Berufsethos.“ Bon courage! * Schön, die Koinzidenz mit der Veröffentlichung des ersten Fotos eines schwarzen Lochs. – Christian Hesselmann

Der Artikel hat mir besonders gut gefallen. In meinem Studium beschäftige ich mich viel mit Öffentlichkeitsarbeit in der Landwirtschaft. Elementar für mich war dabei folgender Satz: „Jeder Meinungsdrall, ob linker oder rechter, wird gefährlich, wenn er in Gruppen zum unhinterfragten Mainstream wird“. Genau auf die Agrar-Branche passt Bittners Statement sehr gut: Das Thema Landwirtschaft polarisiert, viele journalistische Beiträge aus den Tages- und Wochenmedien beinhalten leider eine (indirekte) Stellungnahme oder auch Studien und Forschungsarbeit die nicht in Relation gesetzt werden und so einen anderen Sinn erhalten. Für Verbraucher werden dann Themen wie Glyphosat zum „Mainstream“- im negativen Sinne. Gleichzeitig neigen landwirtschaftliche Fachmedien aber auch dazu, den Landwirten gegenüber das Meinungsbild zu unterstützen, das Verbraucher und Politik Schuld sind an vielen Miseren der Landwirtschaft. Eine neutrale und reflektierte Berichterstattung ist für beide Seiten von elementarer Bedeutung. ich selbst versuche als Ökotrophologin in der Agrar-Debatte eine Position zwischen Landwirt und Verbraucher zu finden. Ich finde, die Zeit berichtet sehr reflektiert, informativ und neutral über Agrar-Themen, bspw. wieder in den zwei Agrar-Artikeln aus Ausgabe 14. Dabei werden Schwierigkeiten gut erläutert, aber auch Hintergründe der Landwirtschaft mit eingebracht. Dafür möchte ich ein großes Lob aussprechen, weiter so! – Maren Schulze

Bravo! Sie bringen es auf den Punkt, besser ist es nicht auszudrücken! Bitte machen Sie weiter so. Ich schreibe oft an die ZEIT-Autoren, meist um eben genau gegen diesen Umstand anzuschreiben, bei dem moralische Mission mit objektiver Arbeit vertauscht wird, ob bewusst oder aus Angst vor Konsequenzen. – Steffen Kaufmann

Vielen Dank für Ihren erhellenden Artikel über die deutschen Jounalisten. Das sich die meisten deutschen Jounalisten politisch „links der Mitte“ positionieren ist unschwer anhand der veröffentlichen Texte und Themen zu entnehmen, daß diese Tatsache ein Ergebnis jahrelanger „Mitte-Rechts-Bündnisse“ in der Regierungsbildung sein soll bezweifele ich stark, da ich die CDU eher in der politischen Mitte verorte, wer sehr geehrter Herr Bittner war also in den bisherigen Regierungen rechts? Viel bemerkenswerter ist ein anderer Aspekt ihrer zitierten Studie. Wenn 66,7 % der befragten Jounalisten „‚Toleranz und kulturelle Vielfalt“ förderungwürdig finden, so tun das im Umkehrschluß also 33,3% also ein Drittel eben gerade nicht. Ein viel zu hoher und skandalöser Wert für Ihre Zunft, sehr geehrter Herr Bittner, der sich folgerichtig in sinkenden Auflagen der Zeitungen niederschlägt.

Was den „Haltungsjounalismus“ betrifft, erlaube ich mir einen wirklich bemerkenswerten Satz des verstorbenen großen deutschen Jounalisten Hanns-Joachim Friedrichs zu zitieren:“ Einen guten Jounalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache, auch nicht mit einer guten Sache, dass er überall dabei ist, aber nirgendwo dazugehört.“ Dem habe ich nichts hinzuzufügen. – A.Jeske

Respekt und volle Zustimmung für Ihr Plädoyer gegen den Haltungsjournalismus.Sie nehmen sich heute damit die Freiheit und können es sich offenbar leisten ,die „Chefs der Mainstreaming-Mächte“ zu verärgern und ins unbequeme Eingemachte dabei zu gehen. Die Mehrheitsmeinung ist zwar eine der stärksten,demokratischen Kräfte des Medien-Universums insbesondere,jedoch ebenso gegen den herrschenden Zeitgeist und der Meinungs-/Werbe-Industrie . Ihr skeptisch und kritisch zu begegnen und auch prinzipell zu widersprechen zählt gewiß zum notwendigen journalistischen Berufsethos ,liegt jedoch ebenso im Interesse einer mündigen ZEIT-Leserschaft. Dazu gehört viel Mut und Wahrhaftigkeits-Anspruch.Beides haben Sie heute an den Tag und in die öffentliche Debatte gelegt.Bravo,das ist für mich ZEITGEMÄSSER Qualitäts-Journalismus.Ausserhalb aller Interessens-Konflikte und gezeigten Haltungs-Schäden im Kampf um Meinung und Deutung. Richtig,jeder Meinungsdrall,ob linker oder rechter,wird dann erst gefährlich,wenn er in den Echo-Räumen zum unhinterfragten Mainstraim werden und wirken kann.Daher sind Gegenstimmen in Form von Leser-Reaktionen das unbedingt erforderliche Gegengewicht.(Ihre Kampagne-Leser-Parlament und Leser Freunde sind überlebens-relevant ) Daher sollten auch alle selbsternannten Knechte/Priester der Meinungsfreiheit/Pressefreiheit gern einmal ein Loblied auf andere,besonders Andersdenkende anstimmen können.Ganz im Interesse ihrer Glaubwürdigkeit und aus Respekt vor sich selbst und anderen!. Im Ringen um Objektivität ist der schlimmste Feind,nicht alleine bloß ,versteckte Agenden (Parolen)für seine Sache/Haltung zu betreiben,sondern gleichsam Ignoranz ,Intoleranz und Arroganz gegenüber Andersdenkenden-Lesern der eignen Beiträge zu betreiben.Das geschieht offensichtlich,wenn die Redaktionen anderslautende Leserbrief-Kritiken zu Leit-Themen einfach ignorieren und in den Abfall werfen.Dieses Auswahlverfahren ist keine Anerkennung der Lesermeinung auf Augenhöhe .(Dialogbereitschaft?) Ganz im Sinne Heinrich Heines:“Das hebet die Verdauungskraft und würzet die Getränke.“ – Lothar Hantel

Ihr Autor Jochen Bittner spricht ein Thema seines Berufes an, was ich schon seit vielen Jahren beklage. Die Leserredaktion ihres Blattes wird das bestätigen können. Die in Rede stehende Sendeanstalt, der WDR, treibt es besonders toll. Als Bewohner des Landes WDR, ist dieser Sender der Haussender für die Zuschauer und Hörer. Es ist noch viel schlimmer als der Autor beschreibt. Alles was rechts tickt wird politisch durchgehend zur Sau gemacht. Bayern ist die Inkarnation des Bösen. Die Kommentare zum Beispiel im Hörfunk in der Sendung „Morgenecho“ geschieht das fast täglich. Es hat sich in letzter Zeit etwas verbessert. Aufgrund meiner unzähligen Beschwerden könnte es auch zu dieser Zurücknahme der einseitigen Berichterstattung gekommen sein. Vor allen auch deswegen, weil ich mich zuletzt auch beim Rundfunkrat beschwert hatte. Die Vorsitzende ist Ruth Hieronymi. Ich lebe auch in Singapur und kann daher nur mit Unterbrechungen Stellung beziehen. – Gunter Knauer

Journalistische Selbstüberschätzung
Wenn Herr Bittner schreibt: „Journalisten sind Schiedsrichter der öffentlichen Debatte,“ redet er einer oft zu beobachtenden Selbstüberschätzung das Wort, die auszutreiben zum Grundkurs für Volontäre gehört. Nur, weil sein Wort gedruckt oder gesendet wird, weiß der Journalist qua Amt nicht alles besser. Auch er hat nur eine Stimme in der demokratischen Meinungsvielfalt. Die vom Grundgesetz geschützte Meinungsfreiheit und die darin enthaltene Pressefreiheit meint den Wettstreit der veröffentlichten Informationen und Meinungen, zum Beispiel durch Zeitungen und Sender verschiedener Art. Deren Tendenz bestimmt der Verleger oder Intendant. Der Leser kann sich im Vergleich der verschiedenen angebotenen Veröffentlichungen informieren und seine Meinung bilden.

Der einzelne Journalist wird einen Arbeitsplatz wählen, an dem er sich mit seiner Weltsicht zuhause fühlen kann. Anspruch auf Veröffentlichung seiner persönlichen Meinung hat er nicht. Der arbeitsrechtliche Tendenzschutz schützt nicht seine Meinungsfreiheit gegenüber dem Verleger oder der Sendeanstalt. Er schützt die vom Verlag oder dem Sender vertretene Tendenz gegen Eigenwilligkeiten Beschäftigter. Auch Journalistinnen und Journalisten tragen – wie jede Bürgerin und jeder Bürger – als Person in ihrem privaten Leben Mitverantwortung für den demokratischen Rechtsstaat. Dass sie die ihnen gegebene publizistische Bühne nicht manipulativ missbrauchen, liegt in ihrer Verantwortung und in der Verantwortung derer, die ihnen den Arbeitsplatz gegeben haben. – Rudolf Herbers

Jochen Bittner plädiert in seinem Beitrag vehement gegen einen „Haltungsjournalismus“. Journalisten seien „Schiedsrichter der öffentlichen Debatte“. Gäben sie „dem Ball einer Mannschaft einen Schubs“, würde ihre Autorität leiden. Bittner blendet dabei Verfassungsrecht und Realität völlig aus, nämlich dass die Presse ein Tendenzbetrieb ist, der, verfassungsrechtlich geschützt, ein einseitiges Meinungsspektrum, also eine Haltung, vertreten darf und dies – manchmal exzessiv – auch tut. Qua Verfassung sind die Journalisten der schreibenden Zunft demgemäß alle „Haltungsjournalisten“. In der Realität geben auch viele Zeitungsjournalisten sehr oft nur einer Mannschaft einen Schubs und ignorieren oder benachteiligen die andere Mannschaft. Der folgende Satz Bittners verkennt in gleicher Weise die Realität: „Journalisten sorgen dafür, dass die Demokratie wehrhaft bleibt, indem sie im Meinungsstreit gute Argumente von schlechten trennen, nicht indem sie sich zum Teil eines Arguments machen.“ Jahre lang haben viele Journalisten sich sehr einseitig für Deregulierung und den Primat des Marktes stark gemacht. Die Spaltung der Gesellschaft in reich und arm und die Gefährdung unserer Demokratie, die daraus resultierte, müssen wir jetzt bewältigen.

Und was gute und was schlechte Argumente sind, hängt in der Regel vom Standpunkt des Betrachters ab. In der aktuellen „Enteignungsdiskussion“ lese man nur die Artikel, die aus der Sicht der Wohnungssuchenden und Mieter oder die aus der Sicht der Wohnungsunternehmen geschrieben wurden. Bittner gaukelt uns hier eine Objektivität vor, die es in einer pluralistischen Demokratie, in der sehr unterschiedliche Interessen und Wertvorstellungen Platz haben, gar nicht geben kann. Für die Demokratie geradezu gefährlich ist es, wenn Bittner fordert, dass den Journalisten verboten werden sollte, an Demonstrationen teilzunehmen. Eine Demokratie ist auf Dauer nur lebensfähig, wenn es ausreichend Demokraten gibt, die sich auch für die öffentlichen Angelegenheiten engagieren. Dazu gehört selbstverständlich auch, für eine Sache demonstrieren zu können. Richter und Beamte, die gesetzlich zur Neutralität verpflichtet sind, dürfen selbstverständlich dieses für eine Demokratie wesentliche Grundrecht in Anspruch nehmen. Journalisten, die keinen vergleichbaren Plichten unterliegen, sollte dieses Grundrecht verwehrt werden? Auch Journalisten sind Staatbürger, die das Recht haben, sich demokratisch zu engagieren. Ihre Glaubwürdigkeit leidet nicht darunter, wenn sie dies tun. Sie leidet vielmehr, wenn sie hinter einer vermeintlichen Objektivität ihre persönliche Meinung, nicht selten auch noch interessengeleitet, verstecken! – Ortlieb Fliedner

Der Autor stört sich an einer allzu öffentlichen Positionierung von Journalisten. Sie mögen (bloß) Schiedsrichter sein, sagen, „was ist“, „gute“ von „schlechten“ Argumente trennen. Indes: Weder lässt der Autor den Leser hierbei an seinem erkenntnistheoretischen Vermögen teilhaben, obgleich er „universellen Werten“ offensichtlich nicht über den Weg traut. Noch klärt er darüber auf, wie sich seine Forderung mit der höchstrichterlichen Berufsbeschreibung verträgt, wonach vor allem auch die (persönliche) Stellungnahme als von der Pressefreiheit geschützt anzusehen ist. Indem sich der Autor hinter den vermeintlich objektiven „Berichtsinteressen“ der freiheitlichen demokratischen Grundordnung versteckt, propagiert auch er einen Haltungsjournalismus. Nur so ist zu erklären, dass der Autor wie selbstverständlich davon ausgeht, dass der Journalist sehr wohl zwischen beruflichem Handwerk und privater Meinung zu unterscheiden vermag. Das bedeutet aber auch: Wenn der Autor einen „journalistischen Berufsethos“ beschwört, dann ist das bloß derjenige, der seiner Weltsicht am nächsten kommt. Was „gute“ und „schlechte“ Argumente für und gegen die Art der Berichterstattung ausmachen, folgt dabei ausschließlich seinem Kompass. Im Sinne des unsäglichen Fußballvergleichs also ein klares Eigentor des Autors. – Maurice Heine

Ihr Artikel hat mich gefreut und beindruckt. Dass er in der ZEIT erscheinen konnte, wird dazu beitragen, dass ich auch weiterhin als Abonnent Ihrer Zeitung bei der Stange bleiben werde, was mir manchmal schwer fällt. Leider erfüllen eine Reihe Ihrer Kollegen, darunter insbesondere der Redakteur für Politik Bernd Ulrich, nicht die von Ihnen vertretenen Anforderungen an Journalisten. Hoffentlich nehmen sich die betroffenen Kollegen Ihre Anregungen zur Neutralität künftig zu Herzen, was ich kaum zu hoffen wage. Bitte lassen Sie sich von zu erwartender Kritik nicht abschrecken und machen Sie so weiter. – Dr. Klaus Eberbach

Der Artikel benennt ein Problem, das fast nie angesprochen wird. Oft habe ich den Eindruck, dass die Autoren von Politik-Beiträgen es als ihre Aufgabe sehen, mich als Leser von ihrer Sicht der Dinge zu überzeugen. Es wäre aber ihre Aufgabe, mich, durch das Aufzeigen von Pro- und Contra-Fakten, zur Bildung einer eigenen abgewogenen Meinung zu befähigen. Der Artikel „Fahne runter“ sollte Pflichtlektüre in vielen Redaktionsstuben und bei der Journalisten-Ausbildung werden. Für den zu erwartenden Aufschrei der Meinungs-Missionare unter den Kollegen wünsche ich dem Autor Kraft und Gelassenheit. – Siegfried Rose

Es ist bedankenswert, dass die Zeit den Artikel von Jochen Bittner gebracht hat. Als vor Längerem im Syrienkonflikt türkische Artillerie über die Grenze hinweg kurdische Truppen beschoss, verstand ich nicht, was dort vorging. Ich kaufte daraufhin regelmäßig die Zeit, ich erwartete das sichere Erscheinen von Hintergrundinformation. Einen guten Einblick bekam ich erst Wochen später durch ein ausführliches Interview in der Freiburger Gratis-Zeitung „der Sonntag“. – Einer Ihrer Artikel hatte, ich werde ihn nie vergessen, die bemerkenswerte Überschrift „die Türken schießen auf die Kurden“, auch der folgende Text war nicht viel differenzierter. Interessante Lektüre wäre auch ein Sammelband mit allen Artikeln der Zeit, in denen das Wort „Diesel“ vorkommt. Ich hoffe, dass jeder Ihrer Autoren und Redakteure Ihren Artikel „Fahnen runter“ liest. – Maurus Tacke

Die DDR lässt grüßen
Dem Autor ist uneingeschränkt Recht zu geben: ein Journalismus im Sinne von Hanns Joachim Friedrichs scheint nicht mehr das Ideal des Berufsstandes zu sein. Es verbindet sich mit einer weiteren Beobachtung, die ich in zunehmendem Maße mache: die Deutschen leisten sich, gerade in moralisch aufgeheizten Fragen, zwei Meinungen: eine, die der political correctness, dem „Meinungsdrall“ entspricht und eine davon abweichende, die man zur Vermeidung von Unannehmlichkeiten, besser für sich behält. Die DDR lässt grüßen. – Norbert Jacobs

 

Leserbriefe zu „Alles, was rechts ist“ von Matthias Krupa et al.

Auch ihre Autoren reden immer von der „angeblich“ drohenden Islamisierung oder von „Eurabien. Sie stellen die Rechten Parteien in eine Ecke wo nur Spinner herumlaufen. Erklären sie lieber den Leser warum das alles Spinnerei ist. Ich sehe das auch so. Ich bin kein Spinner sondern ein gebildeter Mensch mit einem gesunden Menschenverstand. Ich war fast immer der CDU zugeneigt. Seit Frau Merkel aus der CDU eine Partei links von konservativ vollzogen hat und die unkontrollierte Zuwanderung im Alleingang bestimmt hat und damit sagen sich diktatorisch über die Bürger und dem Bundestag hinweggesetzt hat, auch wenn es intern Absprachen gegeben hat, war für mich die Sache mit der CDU beendet und wechselte zur AfD. Ich kenne viele meiner Bekannten, die auch den Weg gegangen sind, und das ist nicht der Pöbel. Kann es nicht sein, daß sie sich irren und wir dafür mehr Lebenserfahrung einbringen und die Zustände in unserem Land besser einschätzen können als sie glauben. Die Union in Brüssel, so wie sie aufgestellt ist, wird Europa auch nicht einigen können. Warum sie überhaupt gegründet worden ist. Ihr Optimismus ist nicht mehr angebracht, sonst werden sie eines Tages als Lachnummer abqualifiziert. Soweit sollten sie es nicht kommen lassen. Der Soziologe Prof. Dr. Jost Bauch, der mit Prof.K.A. Schachtschneider im Präsidium im Weikersheimer Studienzentrum vorsitzt, spricht schon von einer Massendemokratie und Ochlokratie. Ich vermute, Ihre Redaktion besteht fast aus der Generationen, die für die Umerziehung des deutschen Volkes steht. Manche sprechen von Gehirnwäsche. Anfangs war das gar nicht so verkehrt. Aber die weitere Entwicklung dieser Generation hatte verheerende Folgen. Ich spreche nur vom politischen Zustand. Ist das für sie alles Quatsch! Ich glaube eher: Sie alle sind Selbstverleugner und unterschätzen die Konfliktpotenziale die abzusehen waren. Und für mich kommt noch hinzu; wer ältere Menschen der Armut zuführt und die junge Generation sich selber überlässt, hat es nicht verdient einen Staat zu regieren. Die Wissenschaftlerin Brigitte Witzer hat in ihrem Buch „Diktatur der Dummen“ alles sehr fein beschrieben. – Gunter Knauer

„Alles was recht ist“, das kann nur heißen: „naja, vielleicht, oha, oder doch ein klares jein!“ „Alles was rechts ist“, das kann nur heißen: „Lass es bleiben, nein danke!“ – Klaus P. Jaworek

 

Leserbriefe zu „Alles, was rechts ist“ von Matthias Krupa et al. und zu „Fahnen runter“ von Jochen Bittner

Die beiden oben genannten Beitraege passen so gut zusammen, dass ich mich zu beiden gemeinsam aeussern moechte. Herrn Bittner’s Text kann ich nur voll unterstuetzen. Doch die Aussage, dass „die Regierungen der Bundesrepublik in der Regel von Mitte-recht-Buendnissen gestellt werden“ ist ein schoenes Beispiel fuer die eher linke Haltung von Journalisten – oder meinen Sie mit der Mitte nicht die SPD? Bei dem Beitrag „Alles, was rechts ist“ hat mich vor allem die kreative Darstellung der Sitzvehaeltnisse im Europaparlament sehr geaergert. Man sieht in der Abbildung „Europas rechter Rand“ einen dominant hervorgehobenen Teil, der alles von Konservativen bis zu extrem Rechten abdeckt (fairerweise deckt der linke Teil auch Parteien von den Linken bis zur FDP ab und enthaelt vermutlich auch einige extreme Parteien). Damit wird m.E. versucht den Eindruck zu erwecken „der rechte Rand“ haette eine Mehrheit, die er bei weitem nicht hat. Die rechtsradikalen Abgeordneten machen bei der EVP Fraktion derzeit 1.5% aus und sollen nach Voraussagen auf extreme 1.7% steigen. Aber ohne die Hervorhebung auch der EVP haette die Statistik wohl nicht so bedrohlich gewirkt.

Insgesamt gehoeren von den 371 Abgeordneten der „Rechten“ 61 (16.4%) zu den extrem Rechten – also ein weit kleinerer Anteil als im Bundestag (91 AfD Sitze, 246 CDU/CSU Sitze=27% AfD). Prognostiziert werden laut Abbildung fuer das Europarlament 103 Sitze fuer die extrem Rechten – das macht bei 751 Sitzen einen Anteil von 13.7% – woher die Zahl „mehr als ein Viertel“ kommt ist mir schleierhaft. Insgesamt habe ich den Eindruck, dass hier versucht wird eine Drohkulisse aufzubauen als sei die Demokratie gefaehrdet, wenn 15% eines Parlaments aus einem breiten und eher uneinigen Spektrum rechtradikaler Parteien bestehen. Ich denke es ist besser, wir sehen diese Menschen endlich statt zu denken, dass ihre Haltung in der Bevoelkerung keinen Widerhall findet. Und man sollte auch nicht vergessen, dass extreme Rechte und extreme Linke manchmal sehr dicht zusammen liegen. – Sabine Moehler


 

Leserbriefe zu „3 Fragen zur Woche“

zu „Klima: Lässt sich die gesamte Welt allein mit grüner Energie versorgen?“ von Laura Cwiertnia

Im Artikel ist von einem Energiepreis von 54 Euro je Kilowattstunde im Jahr 2015 die Rede und von einem eventuellen Rückgang auf 53 Euro im Jahr 2050. Steh ich auf der Leitung, oder kostet eine kWh Strom nicht irgendetwas zwischen 25 und 30 ct? Fossile Energieträger sind meines Wissens pro kWh noch deutlich günstiger, da sie ja erst veredelt werden müssen. Zudem: Was wäre das für ein Rückgang, wenn der Strompreis innerhalb 35 Jahren von 54 auf 53 Euro sinken würde? Damit soll die Energiewende machbar sein, wie es wenige Zeilen später heißt. Ich bin verwirrt. – Helmut Fuchs

Ich abonniere Ihr Blatt nun schon eine Weile und nehme Sie insgesamt als ambitioniert, aufklärerisch und an den großen Themen der Menschheit interessiert wahr, bürgerlich, aber dem Guten aktiv verbunden und zugewandt. Aus diesem Grund wundert es mich erheblich bis hin zur Verärgerung, dass ein Artikel über eine Studie über grüne Energie es bei Ihnen gerade mal auf Seite 24 schafft, statt auf die Titelseite. Gewidmet ist diese Studie, wie zu lesen ist, den Fridays for Future-Demonstranten und gibt diesen Demonstranten tatsächlich massive argumentative Munition an die Hand – da kann Herr Lindner einpacken. Es steht dort geschrieben, dass es allein an der Politik hängt, ob sie diese Studie ‚real werden lässt‘. Einen besseren Moment für öffentliche Bewusstseinsbildung gab es schon lange nicht mehr, liebe ZEIT-Redaktion. An allen Kiosken hätte es uns entgegen schreien können: Es ist machbar! Guten Morgen! Auf ein Neues. – Ein/e Leser/in

Natürlich ! Die in dem Artikel zitierte Studie bestätigt ja, was wir schon lange wissen. Die Sonne liefert eine Energiemenge auf die Erdoberfläche, die mehr als fünftausend Mal größer ist als der Energiebedarf der Menschheit. Diese Energie reicht mehr als genug für ein nachhaltiges Bewirtschaften der begrenzten Ressourcen dieses Planeten, wozu auch ein sinnvolles Rohstoff-Recycling gehört. Die Menschheit verfügt über alles Wissen und alle Technik, um dies, auch auf höchstem Lebensstandard-Niveau, für viele, viele Jahrtausende zu gewährleisten. Natürlich wären hierfür gigantische Investitionen und Anstrengungen notwendig. Doch, leider scheitert dies (bisher) an der mangelnden Einsicht bzw. der menschlichen „Dummheit“, weniger populistisch formuliert, an unserem evolutionärem Erbe, das immer wieder zu Aggression und Dominanzverhalten, zu Gewalt und Krieg führt, und das leider unser Denken und Handeln viel maßgeblicher bestimmt als die Vernunft. – Dr. Albrecht Dinkelacker

54 Euro/Kilowattstunde – später nur noch 53 Euro? Habe ich das richtig gelesen oder stimmt da etwas nicht? Da kann Beleuchtung auch mit Sparlampen ja richtig teuer werden! Erklären Sie mir bitte, wie diese Werte zustande kommen. Zur Zeit zahle ich in der Größenordnung von 0,25 €/kWh (Gedächtniswert) an meinen Stromversorger. – Wolfgang Schäfer

Da ist ihnen ein unfreiwilliger Fehler unterlaufen, bei der Zeit sind sie da allerdings in namhafter Gesellschaft. Wenn die Kosten für Strom tatsächlich bei 53 bis 54Euro je kWh liegen würden, könnten wir die Energiewende vergessen. Tatsächlich meinten sie 53 Euro je MWh. – Markus Harder

Bevor ich Sie auf einen offensichtlichen Fehler aufmerksam machen möchte, kann ich mir eine lobende Bemerkung nicht verkneifen: Die physikalische Einheit, mit der Energie gemessen wird, stimmt: Die Kilowattstunde (kWh). Leider liest man dies in anderen Zeitungen auch öfter mal anders – also falsch. Aber die Größenordnung des Preises für eine kWh kann nicht stimmen. Für eine der teuersten Energieformen, nämlich elektrische Energie, zahle ich aktuell ca. 25 Cent pro kWh (incl. MWSt.!) und nicht etwa ca 54 €. (Um einen Faktor von ca. 200 daneben…) Es wäre schön, demnächst eine Korrektur in der ZEIT zu lesen; schon um nicht das Vertrauen in die anderen Zahlen, die Sie nennen (und die ich nicht so leicht nachprüfen kann), zu verlieren. – Karl Ulrich Würz

Mit Interesse habe ich den Artikel gelesen. In dem Artikel wird ein Strompreis (für regenerative Energie?) von 54 Euro/kWh in 2015 genannt, 53 Euro/kWh in 2050 (Annahme). Auf meiner Stromrechnung steht ein Preis von grob 30 cent/kWh. (Die Zusammensetzung dieses Preises aus verschiedenen Energiequellen kenne ich zugegebenermassen nicht.) Ich schlussfolgere aus Ihrem Artikel, dass regenerative Energie um den Faktor 180 mal teurer ist als ich heute meinem Stromversorger für einen heutigen Strommix bezahle. Wenn jeder Leser des Artikels zu dieser Erkenntnis kommt, wird die Energiewende auf Missfallen in der Bevölkerung stossen. – Detlef Rennemann

 

zu „Mieten: Können Enteignungen wirklich die Wohnungsnot lindern?“ von Elisa Schwarz

Ich bereue es fast schon wieder ein Zeit-Abo abgeschlossen zu haben. Wenn ich diesen, mit Vorurteilen gespickten Artikel lese, der sich überhaupt nicht mit den Argumenten der Initiative beschäftigt lese, wird mir ganz schlecht. Es werden überwiegend die dösigen Argumente der Hasenfüsse in den Rathäusern, der Regierung und der Spekulanten wiedergeben. Wann hat es denn in den Ballungsräumen je eine Senkung der Mieten gegeben? Und was machen die Massen von Mietern, die schon heute ihre Mieten kaum noch bezahlen können, oder den wesentlichen Teil ihres Einkommens für die Miete einsetzen müssen? Wir sind längst über die Grenze des Erträglichen hinaus! – Lou

In der Debatte um Mieten spielt erstaunlicherweise ein Aspekt keine Rolle: Der Mietspiegel und die Steigerung der Bestandsmieten. Der Vermieter kann alle drei Jahre die Miete um 15% erhöhen, um sie an den Mietspiegel anzupassen. Da die Einkommen sich nicht gleichfalls so zuverlässig erhöhen, ist es absehbar, dass die Miete einen immer größeren Anteil des Einkommens verschlingt, bis sie nicht mehr bezahlbar ist. Darüber hinaus werden für den Mietspiegel nur Neuverträge herangezogen. Alle Bestandsmieten, die älter als 5 Jahre sind, fallen raus. Dadurch wird die Statistik nach oben verzerrt, weil eben nicht alle, sondern nur neue Mietverträge berücksichtigt werden. Durch eine Änderung der entsprechenden Gesetze hätte es die Politik in der Hand, schnell und wirksam die Steigerung der Mieten zu begrenzen. Man müsste nur wollen. Bauen kann man außerdem. – Bernhard Beutler

Zweifellos gibt es Vermieter gleich welcher Art (privat, genossenschaftlich, gesellschaftlich), denen die Eignung zu ebendieser Funktion mitunter fehlt, aus materiellen wie aus immateriellen Gründen. Genauso zweifellos kommt indes eine Enteignung mitnichten in Betracht, sie ist gesamtgesellschaftlich kaum trag-noch umsetzbar. Vielmehr ist es die Aufgabe der Politik, mithin des Gesetzgebers, rechtssichere Voraussetzungen für einen sozial ausgewogenen Wohnungsmarkt zu schaffen und zu fördern. Denn das Recht auf – würdiges – Wohnen ist ein Menschenrecht, das in Deutschland per Weimarer Verfassung bereits 1919 als staatliches Ziel mit den Worten „jedem Deutschen eine gesunde Wohnung“ deklariert wurde (Wikipedia). Insoweit kann sich der Staat aus der Gestaltung von Wohnangebot und Wohnnachfrage keinesfalls (weiterhin) zurückziehen, im Gegenteil; auch in diesem Bereich muss öffentlich investiert werden. Nicht zuletzt, da die Quote des Immobilienbesitzes in Deutschland im europäischen Ländervergleich nicht nur deutlich unterdurchschnittlich ist, sondern weil der (Immobilien-)Reichtum zunehmend eine bedenkliche Spreizung erfährt. – Matthias Bartsch

Können Enteignungen wirklich die Wohnungsnot lindern, ist die falsche Frage. Sogenannte Investitions-Gesellschaften, Verwalter von eingesammelten Vermögen, haben den Wohnungsmarkt als Profitquelle entdeckt. Sie versuchen mit allen Mitteln, den Mietwert der von ihnen verwalteten Wohnungen zu erhöhen und schrecken vor der Verdrängung alteingesessener Mieter nicht zurück. Sie verletzen dabei gröblich das Gebot des Grundgesetzes, dass Eigentum verpflichtet und die sozialen Belange beim Einsatz riesiger Finanzmittel erst recht beachtet werden müssen. Wohnen aber ist ein Grundrecht. Es darf nicht sein, dass langjährige Mieter in hohem Alter durch exorbitante Mieterhöhungen aus ihren Wohnungen, ja damit sogar ganz aus ihrem Wohnumfeld gedrängt werden. Die Bedenkenlosigkeit dieser Miethaie wird dadurch überdeutlich, dass Sanierungmaßnahmen wenige Tage vor dem Jahreswechsel angekündigt wurden, weil nach Bundesgesetz die Kosten anstatt bisher zu 11% von der unbegrenzten Höhe der Sanierungkosten nun nur noch zu 8% auf die Monatsmiete und begrenzt auf wenige Euro pro m² umgelegt werden dürfen. Enteignungen, wollten Sie wohl unterstellen, schaffen keinen neuen Wohnraum. Sie lindern aber die Mieten- und Mieternot. Ich möchte Ihnen die Gegenfrage stellen: Haben denn die Unternehmen, denen die Eneignung droht, zu einer Linderung der Wohnungsnot beigetragen? Welche Wohnungen sind denn von Deutsche Wohnen & Co gebaut worden?

Von echten Investoren sollte man Investitionen in neue Anlagen – hier Wohnbauten- verlangen können. Diese aber sind Investoren, die nichts Neues schaffen, sondern die mit ihrem Geld vorhandenen Bestand aufkaufen und in ihrem Sinne „entwickeln“. Sie modernisieren, wo es zum Teil um Reparaturen geht, und nutzen Lücken in unseren fragwürdigen „Mietbremse“-Gesetzen, um Bestandsmieter zu verdrängen und durch Neuvermietung unangemessene Ertragssteigerungen zu erzielen. Abschließend möchte ich noch einem Fehlschluss entgegentreten: Neubau bringt keine einzige Wohnung auf dem alten Sozialmietenniveau. Selbst geförderte Wohnungen sind erheblich teurer als ein großer Teil des Altbestandes. Wir können nur hoffen, dass der Bundestag und alle Beteiligten sich der Brisanz des Themas bewusst sind und ihrer Verpflichtung, Wohnen als Grundrecht anzuerkennen, gerecht werden. – Jürgen Kirschning

 

zu „CO2-Deal: Riskiert Tesla sein Image?“ von Dietmar H. Lamparter

Hoffentlich mussten bspw. am 23.01 – 25.01.2019 keine Tesla-Autos aufgeladen werden. An diesen drei Tagen mussten fast durchgehend etwa 55 – 62.000 MW aus konventionellen Kraftwerken bereitgestellt werden. Wenn die EU auf die Idee käme, ab 2021 E-Autos als „CO2-frei“ zu deklarieren, wäre dies ja wohl Schwindel, so lange die Stromerzeugung von Tageszeit und Wetter abhängt! Politiker dürfen heute Naturgesetze weg reden und betreiben mangels detaillierter Physik- oder Ingenieurkenntnisse lieber auf der Basis von bequemerem „Fake-Wissen“ reale Politik: Trotzdem sinnlos! – Prof. emer. Dr. Wolfgang Ströbele

In dem Artikel behaupten Sie, dass jedes Gramm CO2 zu viel, FCA fast eine Milliarde Euro kosten könne. Dass dies falsch ist und es „nur“ um ca. 100 Mjllionen Euro geht, brauche ich Ihnen hoffentlich nicht zu beweisen. – Dr. Franz Riemhofer


 

Leserbriefe zu „Der Renntiger“ von Stefan Willeke

Ein schöne Hof(reiter)berichterstattung. Sicher, Umweltschutz geht uns alle an, aber wer zahlt die Zeche. Kein Wort über die zunehmende sozialen Ungerechtigkeiten und Probleme, die auch der grünen Politik, deren Auswirkungen sich viele nicht mehr leisten können, zu schulden sind. Wer trägt den die Hauptlast der hohen Benzinkosten und europateuersten Strompreise, wer kann sich den ein Elektroauto leisten bzw. nicht leisten? Vom Luxusleben im politischen Elfenbeinturm lässt sich halt bequem die Welt retten. – Dr. Bernhard Jung

Ich möchte mich bei Ihnen bedanken uns LesernHerrn Hofreiter vorgestellt zu haben, diesen humorvollen, kämpferischen, aufrichtigen, fleissigen, herzvollen „ideologischen Betonkopf“. Wie schön zu wissen daß es doch noch einen Politiker gibt welcher für seine Ideologien so beherzt und leidenschaftlich eintritt und kämpft. Ich habe Ihren Portrait mit viel Freude verschlungen. – Christina Blum

Woche für Woche ist das ZEIT-Dossier ein wunderbar entschleunigter, unaufgeregter Raum, in den ich mich immer wieder gern zurückziehe, um – meist mit wachsender Empathie und Wissbegierde – Bekanntschaft zu machen mit Menschen oder Gegebenheiten, die nicht im Zentrum der allgemeinen Aufmerksamkeit stehen. So auch diese Woche in dem Bericht von Stefan Willeke über Anton Hofreiter, wo aus einem sympathischen langhaarigen Politiker mit markanter, tiefer Stimme, den man ab und zu im Fernsehen sieht, ein Mann wird, wie man ihn gern zum Freund hätte: gradlinig, offen, unverstellt, ernsthaft, warmherzig, naturverbunden, einer, in dem der Geist Alexander von Humboldts weht und der die Erde liebt und sie beschützen will vor den globalen Bedrohungen. – Ludwig Engstler-Barocco

Ihr Dürrenmatt-Zitat und Ihre auch daraus abgeleitet Leitlinie sprechen mir aus der Seele. Bislang hatte ich kein richtiges Gefühl dafür, wie Sie einzuschätzen sind. Nach dem Dossier in der ZEIT hab ich eins, und zwar ein gutes. – Christian Voll

Als regelmäßiger und auch aufmerksamer Leser der ZEIT habe ich bisher überhaupt noch nie etwas vom scheinbar plötzlich so unübersehbar über die (Wald-)Grenzen hinaus prominenten Grünen Fraktionsvorsitzenden Anton Hofreiter. Ist er möglicherweise einer der ersten Grünen in der Geschichte nicht nur Deutschlands, der etwas von Biologie versteht? In Österreich jedenfalls habe ich noch kaum je einen grünen Politiker über biologische Zusammenhänge reden hören oder schreiben lesen. Obwohl: Man muss nicht Biologie studiert haben, um zu wissen, dass das Leberblümchen nachts die Kronblätter schließt und wegen der leberförmigen Blätter im Mittelalter als heilsam bei Leberleiden galt – das steht praktisch in jedem Pflanzenführer, z.B. im Standardwerk „Was blüht denn da“. Neben Milzkraut, Lungenkraut sind mir sofort noch Beinwell, Fingerkraut, Augentrost oder Zahnwurz als sprechende Heilpflanzen eingefallen. – Ricci Bock

Danke für das herrliche Berginterwiev mit Grünen Fraktionschef Toni Hofreiter.Ja da , könnte man direkt in die Partei eintreten , bei dieser Geradlinigkeit Nur Mut weiter so das Oberland steht hinter ihm. – Maria Reiser -Kaschek

Danke für dieses Portrait. Mir hat es einen Politiker nahegebracht und besser verständlich gemacht, der um der Sache willen in die Politik gegangen ist und nicht in erster Linie aus Machtstreben. Liest man einzelne Passagen Ihres Berichtes, Herr Willeke, so fragt man sich, was man noch so rum-tändelt in anderen Parteien. Und nicht nur dort. Ich – auch, streng genommen. Die Verlogenheit der Industrie, die zerstörerische Massentierhaltung, Atomkraft, ungezähmter Kapitalismus, die Privatisierung wichtiger staatlicher Infrastruktur, der Verkauf der Bahn an Private Investoren – wenn da inzwischen Vieles in Bewegung geraten ist bzw. ungute Weichen-Stellungen verhindert wurden, – lag das auch an Herrn Hofreiters Einsatz ? Einen Passus, Herr Willeke, möchte ich wörtlich zitieren aus Ihrem Artikel, weil er mein Unbehagen Und meine Verständnislosigkeit und meinen Ärger dem Handeln vieler Politiker gegenüber und deren Präsentation in den Nachrichten im Fernsehen, z.B., und im Radio auf den Punkt bringt:
Seite 17, Spalte 1, Absatz 2: „Hofreiter schützt seine Anliegen vor der Gefahr, vom Strom der alltäglichen News mitgerissen Zu werden und in der Beliebigkeit zu landen. Mag ja sein, daß die Bahn chronisch unpünktlich ist, der nächste Wirtschaftsabschwung droht und der Brexit naht; aber was ist das alles gegen den Klimawandel ? „Ob Großbritannien in der EU bleibt oder nicht, macht für die Menschen in Europa einen großen Unterschied“, sagt er, „doch was wir durch den Brexit verlieren, können wir wieder rückgängig Machen.Mit dem Klima kann man aber nicht verhandeln. Wenn es zu spät ist, ist es zu spät.“

Die Friday for Future – Schüler und Greta Thunberg haben das begriffen. Ich mache nicht gerne jemanden lächerlich und halte mich oft zurück mit allzu aggressiver Oder gar denunzierender Kritik, weil ich nicht die Ursache von Haß-Mails oder Shitstorms Sein will. Das gönne ich keinem. (Siehe der von Politikern oft zitierte Artikel 1 des Grund- Gesetzes, der mir immer am Herzen lag. Ich ihm, zugegeben, weniger.) Aber sollte mir einmal einer der innovationsfixierten Profi-Politiker oder einer der arrogant- von-oben-herab-die-jungen-Leute-abwertenden Journalisten begegnen, – dann rate ich ihm, mir nicht an einem meiner durchaus zahlreichen guten Tage vor die Füße zu laufen. Auch ich k a n n schnell sein, wenn ich es w i l l. . Mir fehlt nur etwas Übung.
Seite 17, Spalte 1, Absatz 4 „Die Politik muß sich beeilen“, sagt er, „der Druck ist gigantisch“ Seite 17, Spalte 1, Absatz 7 „…Glyphosat stört die Darmflora von Honigbienen, es schwächt sie. Eine Katastrophe.“
Und dann, obwohl dies seit Langem bekannt ist, a l l e s, was Glyphosat anrichtet bei Mensch Und Tier und Pflanzen, – Dann wird immer noch jahrelang mit immer neuen Gutachten rumgestritten, ob Glyphosat denn Nun beim Menschen Krebs erregen kann oder nicht. Ich weiß nicht einmal, was da der letzte Stand Der Dinge ist. Weil ich diese Endlosdebatte nie verstanden habe. 2016 habe ich mich in einem Brief an einen befreundeten Mann der Kirche darüber ausgelassen. Ich habe Bayer nicht verstanden, wie der Konzern unter dieser Last Monsanto aufkaufen konnten. Hätte ich besagten Brief damals an Bayer schicken sollen? Vielleicht wäre ja eine Belohnung zwecks Schadensabwendung drin gewesen. Wenn ich sehe, um welche Summen es jetzt geht… Sehr geehrter Herr Willeke, verzeihen Sie, ich schweife ab. Wissen Sie, so rein zufällig, wann Herr Hofreiter – (Ihr letzter Satz, ich zitiere:) – „ein Mensch voller Gegensätze, mal langsam, mal schnell, mal leise, mal laut, ein Renntiger im schmelzenden Schnee.“ – Wissen sie, wann der wieder in die Berge geht? …Ich habe noch Bergstiefel im Schrank. Danke für dieses neue Bild – Beate Schwärzler


 

Leserbriefe zu „Ob in China …“ von Xifan Yang

Richtig: Um China wirklich näher zu kommen, müssten wir die Kraft aufbringen und die Angst überwinden unsere „eurozentrische Perspektive“ zu verlassen und bereit sein, die damit verbundene Relativierung unseres Wertesystems und unserer Definition von Menschenrechten und Ethik zu ertragen. Im Augenblick schaffen das weder Politiker noch Wirtschaftsbosse noch der Bürger von nebenan und viel zu selten die Medien. Wir bewegen uns aus diesen und anderen in dem klugen Beitrag genannten Gründen im Blindflug über fremdem Terrain – über einem weißen Fleck auf unserer eurozentrischen Weltkarte. Das ist angesichts der Bedeutung Chinas unklug und kann auch brandgefährlich werden. – Uwe-Carsten Edeler

Dieser Artikel entspricht nicht der Wirklichkeit. Xi denkt und lenkt. Sehr faire Berichte und sehr gute Zeichnungen der zukünftigen Seidenstraßen gibt es im Buch von Frank Sieren. Dazu ist Chinas Leistung beim Aufbau Afrikas sensationell. Die Chinesen rauben dort nicht die Bodenschätze , sie bauen U-Bahnen, Staudämme und Verkehrswege. China entwickelt die Infrastruktur ihrer zukünftigen Kunden. Trumps „Amerika first“ ist ein Signal des Untergangs einer Weltmacht. – Hans Schalück

Eine Demokratie für China ist zur Zeit nicht drin. Mein Verstand sagt mir, vielleicht in 50 Jahren oder nie. Das muß wachsen wie ein Baum. Deswegen wäre es aber sicherlich nicht verkehrt heute schon über die Entwicklung der Bevölkerung nachzudenken. China hatte ja schon mal die Einkindfamilie vorgegeben. Dahin sollten sie wieder zurückkehren. – Gunter Knauer

Als jahrzehntelanger Leser wollte ich kundtun, daß die Beiträge von Frau Xifan Yang eine qualitative Bereichung darstellen. – Dieter Hampel

Was die Sprache angeht, kann vermutlich ein Chinese nach einem Jahr Deutsch mehr sagen oder schreiben als ein Deutscher nach einem Jahr Chinesisch. Dennoch finde ich die hiesigen 5000 Chinesisch-Schüler nicht so schlecht, wenn man sie in Bezug zur Bevölkerung setzt, wie ein Dreisatz leicht aufzeigt. Und wieso soll nicht nur in chinesischen Teeblätter gelesen werden, wenn so viele „Experten“ von der Wahl Trumps überrumpelt wurden, wo doch jeder in den USA umfallende Maissack hierzulande breitgetreten wird? Fazit: Ein Artikel mit Prima vista-Plausibilität, die dann doch nicht überzeugt. – Friedrich Strecker

Ich stimme diesen Einschätzungen weitgehend zu: Die Deutschen kennen die Chinesen zu wenig, und könnten davon profitieren, diesen Rückstand durch Spracherwerb und Beschäftigung mit Kultur und Geschichte Chinas aufzuholen. Und Ja ̶, China bewegt sich weit jenseits des westlichen „Selbstgespräch, das zwischen Hysterie und Hype schwankt.“ Im bevölkerungsreichsten Land der Erde herrschen andere Dimensionen und daher andere Gesetze. Der/Die Einzelne darf sehr wohl über seinen/ihren Staat lachen, nur eben nicht in öffentlicher Position. Das Land hat natürlich viel mehr zu bieten als Kungfu, Pekingente und Frauenvolleyball! Für Einsteiger: Es hat ein funktionierendes, flächendeckendes Gesundheitssystem, das auf einer jahrtausendealten Kultur basiert, ein Hochgeschwindigkeits-Eisenbahnnetz, von dem die Deutsche Bahn etwas lernen könnte, Gastfreundschaft, Servicebewusstsein, Innovationspotential, ein Bildungssystem, das junge Leute zu verantwortungsbewussten Menschen erzieht. Bis zu 3500 Jahre (verschriftete) Entwicklung hat die Chinesen zu cleveren Geschäftsleuten gemacht, die es nicht zulassen, dass Langnasen nur kommen, um Profite abzuschöpfen.

Die beschriebene Diskrepanz des gegenseitigen Wissens hängt unter anderem aber auch mit der Willkommenskultur zusammen, die in Deutschland auf administrativer Seite verwirklicht ist, denn es ist z.B. für Chinesen vergleichbar einfach, in Deutschland eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung zu bekommen, als umgekehrt für Deutsche in China: So waren es im Jahr 2015 45000 Chinesen, die in Deutschland eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung bekommen haben, während die Gesamtzahl aller Ausländer, die 2016 in China eine solche bekommen haben, nur genau 1576 betrug (German Chamber Ticker 3/2017). Gefragt ist vor allem die Zivilcourage der ChinesInnen. Sie brauchen mehr Mut und Willen, die Komfortzone zwischen Familie, Mobiltelefon, Fernseher und sonstigen materiellen Errungenschaften zu verlassen. So wie es unfreiwillig im Fall der Reporterin LIANG Xiangyi geschah, die 20018 während einer Pressekonferenz des Staatsrats über die Unmündigkeit einer Reporterkollegin die Augen verdrehte. Keiner macht sich ungestraft öffentlich über die Partei lustig. Was das Nichtwissen der ChinesInnen, die Korruption, die gefälschten Statistiken, die Unfreiheit der Journalisten, den ganzen aufgeblasenen Harmoniebetrieb angeht: Hier sollten wir Europäer uns heraushalten. Dieser Reissack geht uns nichts an. Eher sollte man sich mit Taiwanern in Verbindung setzen, um chinesische Kultur und Sprache zu erwerben. – Daniel Elsäßer

Xifang Yang thematisiert die absichtliche Unwissenheit, die China aus europäischen Ländern entgegenbracht wird sowie deren mögliche Folgen. Als Sinologin und Politikwissenschaftlerin beobachte ich seit langem, wie Deutschland und Österreich dieses wichtige Thema versäumen. Obwohl wir schon in unzähligen Bereichen mit chinesischen Unternehmen und dem chinesischen Staat zusammenarbeiten und wir von Ereignissen in China zumindest mittelbar beeinflusst werden, ist es noch immer nicht selbstverständlich, sich mit der chinesischen Kultur und Sprache auseinanderzusetzen. Im Gegenteil – nicht selten wurde mir und anderen Sinologen mitgeteilt: „Aber Chinesisch sprechen wir hier nicht“, als ob die Welt hinter Russland aufhören würde. Xifang Yang spricht das Risiko an, China die Deutungshoheit zu überlassen und auch, dass China-Panels manchmal von Leuten besetzt werden, die kein Chinesisch sprechen. Es gibt aber in Deutschland und Österreich sehr wohl viele Menschen, die sich mit China beschäftigen, die die Sprache gelernt haben, die Jahre investierten, um die kulturellen und politischen Hintergründe zu verstehen. Wir würden uns freuen, dieses Wissen nutzen und weitergeben zu können. – Edith Stifter


 

Leserbriefe zu „Blutspur“ von Merlind Theile

Bleiben Sie dran am Thema, bis entweder die derzeit herrschenden Politiker(innen) Ernst mit dem Tierschutz machen und nicht mehr Entscheidungen, die sie selbst zugunsten der Tiere zu treffen hätten, ersatzweise den Verbraucher(inne)n aufbürden oder bis die derzeit herrschenden Politiker(innen) abgewählt und durch solche ersetzt sind, die von Tierschutz nicht nur reden, sondern ihn mittels Gesetzen und Kontrollen verwirklichen! Es scheint beim Tierschutz wie beim Klimaschutz zu sein: Alle reden davon, aber kein(e) Regierende(r) tut auch nur annähernd genug dafür. – Dr. Ulrich Willmes

So schrecklich der Inhalt Ihrer Berichte über die Tiertransporte in Drittstaaten ist, so großartig finden wir, dass Sie darüber berichtet haben und das Thema und die restliche Situation ( katastrophal in Deutschland!) ausführlich darlegen. Es muss ein Anstoss für die Politik sein, endlich zu handeln und die Qual zu beenden und endlich das vorhandene Recht der Tiere auf Unversehrtheit durchsetzen. Sie leisten einen großen Beitrag dazu, dieses wichtige Problem endlich in den Fokus zu rücken. Wir sind Ihnen dankbar und sind sehr gespannt, wie es dahingehend weitergeht und besser wird. – Familie Koch

Es gibt offensichtlich ein Problem beim Export von (weiblichen) Zuchtrindern in weit entfernte Länder, das gelöst werden muß. Jedes Tier, dass nicht lebend, geschwächt oder krank am Zielort ankommt, belastet die Rentabilität des Exports dieser Tiere und damit letztlich den Gewinn des Milchkuhhalters (der aber keinen Einfluss darauf hat). Es ist aber weit überzogen, die Milchproduktion insgesamt infragezustellen, nur weil es beim Export von 3,8% der weiblichen Kälber in Drittstaaten Probleme gibt. Auch vor Jahrhunderten und Jahrtausenden kalbten die Kühe jedes Jahr. Ca. 50% der Kälber sind weiblichen Geschlechts, können also später das Muttertier ersetzen. In den letzten Jahrzehnten bewirkte die züchterisch bedingte Milchleistungssteigerung von Generation zu Generation eine Verkürzung der Nutzungsdauer der Milchkühe (Richtung 3 Jahre). Bis jetzt aber werden immer noch deutlich mehr weibliche Kälber geboren als für den Ersatz erforderlich. „Masterrind“, Verden, verkauft jährlich 150.000 Rinder (=40% Marktanteil laut Eigenangabe), gleich 37% der in den angeschlossenen Betrieben geborenen weiblichen Kälber. Also etwa ein Zehntel des Zuchtrinderüberschusses der Milcherzeuger wird in Drittländer exportiert. Dennoch kann der Milchkuhhalter angesichts des Preisdrucks auf dem Milchmarkt auf die durchschnittlich 2.500€ pro Exportrind (=200 Mio€ ./. 80.000 Tiere) nicht verzichten. Der Käufer aber zahlt nur den Gegenwert fast einer Jahresmilchproduktion für das Tier, wenn er einen Vorteil davon hat. Sicher kann Ihnen Masterrind (info@masterrind.com) in Marokko oder anderen Ländern positive Beispiele vor Ort zeigen. Übrigens nahmen schon die Kolonisten aus Europa im 17.-19.Jahrhundert Haustiere aus ihrer Heimat auf – fast – alle Kontinente in diverse Klimazonen mit. – Adolf Ronnenberg

Ich danke Ihnen dafür, dass Sie an diesem Thema drangeblieben sind. Dieser moralphilosophisch unerträgliche Vorfall offenbart einmal mehr die vollständige Entfremdung des Menschen vom Leben. – Maurice Heine

Bravo Frau Theile! Ich stimme Ihrem Beitrag hundertprozentig zu. Frau Klöckner lächelt das Problem weg…und gibt sich und Ihr Ministerium als für Umsetzung nicht zuständig. Versagt hat dieses Ministerium auch schon bei der Durchsetzung einer schmerzfreien Ferkelkastration…. Ein sofortiges Exportverbot für diese Tiere und Schlachtung in Deutschland wäre eine gebotene Sofortmaßnahme! – Dr. Andrea Hoffmann

Dass sich in diesem Falle etwas von Seiten unserer Bundesregierung tut war und ist nicht zu erwarten. Nach dem letzten Interview, welches Frau Klöckner Der Zeit gegeben hat, würde ich eher vermuten, dass sich der aktuelle Kurs auch die nächsten Jahre genau so fortsetzt. Das Tierwohl spielt keine Rolle und unserer Bundeslandwirtschaftsministerin ist dies auch herzlich egal… siehe Kastration von Ferkeln. Bleibt nur zu hoffen, dass vielleicht die folgende Regierung (vielleicht mit grüner Beteiligung) daran Änderungen vornimmt. – Yves Pulst

Dem Tierlabel selbst, dem wird es immer gut gehen, dem gequältem Tier leider nicht! Der Mensch, der isst meist mehr Fleisch, als er soll, an jedem Tag und zu jeder Stund´! – Riggi Schwarz


 

Leserbriefe zu “Europa bei der Arbeit“ von Lisa Nienhaus

Opa, was hast du in Brüssel gemacht? Ich habe 36 Menschen das Leben gerettet – jedes Jahr. Boah, wie denn? Ich habe dafür gesorgt, dass es in Europa keine Leiter mehr gibt. Opa, was ist eine Leiter? – Stefan Musch

(1) Ein Bild, das einen Menschen mit herausvestreckter Zunge zeigt, veröffentlicht man nicht. Wer weiss, warum Herr Selmayr die Zunge herausstreckt. Das Bild zu bringen ist unanständig. (2) Die Wichtigkeit einer regelbasierten Weltordnung ist unbestreitbar, auch für Amerikaner. Nur müssen es eben deren Regeln sein, wenn sie damit einverstanden sein sollen. – Bernd Sumfleth

Es wäre schön die Linke nicht mehr mit in jedem Populismus-kritischen Satz sehen zu müssen. Mir ist bewusst, dass Sie das Gleichnis „Salvini-Wagenknecht“ als Exposition benötigen. Sie nehmen die Erklärung von Frau Wagenknecht als Anlass für Ihre Erkenntnis-Reise. Doch dann bestätigen Sie durch ihren Artikel die Aussage von Frau Wagenknecht. Zurück bleibt leider das unterschwellige Gleichsetzen der beiden politischen Ränder. Die Linke kann für alles mögliche kritisiert werden, aber was sie nicht verdient ist, sie mit den Rechten in einen Topf zu werden. Es wäre z.B. fair am Ende zu erwähnen, dass Sie Frau Wagenknecht im Grunde zustimmen oder die politischen Ränder erst gar nicht anzusprechen. Es tut mir leid, wenn das der Grund ist Ihnen zu schreiben, denn der Artikel ist sehr gelungen und ich kann mir vorstellen wie viel Arbeit und Engagement darin steckt. Ich fürchte mich jedoch ein bisschen vor einer Politik ohne die Linke als Opposition. Wir werden sie noch brauchen. – Julian Isfort

Ich finde, einem Blatt wie der ZEIT steht ein Bild mit der hängenden Zunge des „Martin Selmayr … im Dienst für seinen Chef Jean-Claude Juncker“auf Seite 21 nicht gut zu Gesicht. Es mag witzig gemeint sein, ich habe vielmehr den Eindruck, es passt in die unselige Reihe des Europa-Bashings. – Raimund Scholzen

Mit interesse und zustimmung habe ich ihren artikel gelesen, auch wenn das bleigiessen nicht gerade das überzeugendste beispiel für die funktionalität der europäischen bürokratie ist , die gurke dagegen schon eher.. was immer bei diesem thema versäumt wird ,ist die kluge vorgehenskonzeption der eu-väter voranzustellen und zu erläutern, um das übergreifende verständnis für die oft beklagte „bürokratie“ bei allen bürgern zu erzeugen: aus meiner früheren praxis als top management berater weiss ich,dass es bei umfassenden veränderungen in grossen organisationen wie konzernen,ministerien,verwaltungen etc. immer 2 optionen des vorgehens gibt,nämlich top down oder bottom up… für den erfolg von top down ist entscheidend,dass das top management bzw. die entscheidungsträger die veränderung geschlossen wollen und konsequent umsetzen – das ist in einem 28-staatengebilde wie der eu völlig undenkbar , allenfalls in einem visionären langfristrahmen entwickelbar…daher ist in der situation der eu und ihrer nationalstaaten nur der bottom up-ansatz gangbar und das haben die eu-väter gewusst… so bilden sich im laufe der zeit in vielen kleinen schritten,themen,peanuts gemeinsamkeiten /vereinheitlichungen heraus -suboptimal zwar und durch viele kompromisse und gremien „geknetet“- …. und daran arbeiten unsere bürokraten in brüssel,mit dem ergebnis,dass wir schon – neben dem suboptimalen,politisch aber richtigen euro – eine vielzahl von täglich wirksamen gemeinsamkeiten in der eu haben,die wir für selbstverständlich nehmen und die uns zusammenwachsen lassen – toll !!…so muss man auch die „gurke“ sehen,denn krumme gurken passen nicht in die genormte holzkiste und diese nicht auf die euro-palette usf…usf. …das nutzt natürlich dem grenzübergreifenden handel und der logistik… sehr geehrter herr di lorenzo,warum machen sie diese basics zum verständnis der eu nicht einmal zu einem top-thema ….wir in deutschland haben es ja auch nicht geschafft-in 60 jahren-über 16.länder hinweg eine einheitliche polizei (inkl.uniform und autobemalung),ein gleichartiges schulsystem, eine umweltpolitik aus einem wurf,etc.etc. zu realisieren…wenn man das versteht, wird die problematik in der eu besonders verständlich – also hut ab vor den bürokraten in brüssel… – Dr. Harald Simon


 

Leserbriefe zu „Was soll der Mist?“ von Stefanie Flamm

Vielen Dank für diesen wunderbaren Artikel , der mir so sehr aus der Seele spricht!!!! Ich habe ihn mit einer Mischung aus heftigem Nicken , Schmunzeln und kräftigem Losprusten gelesen. Wie wahr, herrlich!! – Constanze Jehmlich

Sie sprechen mir aus der Seele. Als Plastikfaster denke ich natürlich auch, was dieser ganze Humbug eigentlich soll. Für Ü-Eier und anderes, sinnfreies Plastikgedöns treffen Ihre Beschreibungen übrigens gleichermaßen zu! In der Vergangenheit fiel es mir schwer, die Gabe von Giveaways oder kleinen Geschenken abzulehnen. Künftig werde ich das Ganze ablehnen und zwar mit der Begründung, Plastikmüll zu vermeiden! – Achim Bothmann

Das ist ein sehr irritierender Beitrag. Für mich entstand der Eindruck, Sie Frau Flamm, können nicht nein sagen. Wenn ich etwas nicht will oder nicht brauchen kann, nehme ich das Werbegeschenk nicht an. Und zu Ihrer ganzen Ökogeschichte passt es dann überhaupt nicht, dass Sie die, für Sie unnützen Artikel, in den RESTMÜLL werfen und dazu noch eine große Mülltüte obendrauf. So eine ökologische Verschwendung!! Ja, Sie haben Recht, Ihr Beitrag ist scheinheilig. Schon mal etwas von Mülltrennung gehört oder gibt es die in Berlin nicht? Da gehört nämlich das Plastikzeug und andere verwertbare Materialien hin wenn man nicht schon vorher „Nein“ gesagt hat. – Georges Wilkerling

  

Leserbrief zu „Die Fleischwurstigkeit“ von Britta Stuff

Eine „Fahrt ins Blaue“ mit dem Bus, das war in den 60er Jahren eine Reise mit (völlig) unbekanntem Ziel. Ob es heutzutage diese Art des Reisens noch gibt, das ist mir nicht bekannt. Kaum hatte sich damals der Bus in Bewegung gesetzt, schon wurde der mitgebrachte Reiseproviant ausgepackt, und sofort genüsslich verzehrt; meist mit Streichwurst oder Streichkäse belegte Brotstullen! – Klaus P. Jaworek

 

Leserbrief zu „Was soll der Mist?“ von Stefanie Flamm und zu „Die Fleischwurstigkeit“ von Britta Stuff

Ganz vielen ganz herzlichen Dank!! Sie haben mir „Was soll der Mist?“ und „Die Fleischwurstigkeit“ direkt aus meiner Seele geschrieben. Danke!! – Julia Epstein


 

Leserbriefe zu „EU vs. UK: Alles wird gut“ von Josef Joffe

Liked your article! Why not, lets have them in and not in for ever! What a wise solution ;-) But besides: The saying goes: “You can’t have your cake and eat it!“ – Beatrice

Sie halten uns zum Besten, nicht wahr? Mal abgesehen davon, dass man eine eigene Idee eigentlich nicht selbst als „genial“ anpreisen sollte: Eine „rollierende“ Austrittsfrist? Eine Jahr-um-Jahr-Verlängerung? Mit den Briten an allen EU-Tischen und neimand, ob sie morgen austreten oder vielleicht doch erst am Sankt-Nimmerleins-Tag? Und gleiches Recht für alle: Warum nicht einfach mal in Ungarn, Polen, Frankreich, Österreich die Option auf Austritt aktivieren und dann sehen wir weiter? Das zitierte Sprichwort heißt übrigens „you CANT’T have your cake and eat it”, die Version mit “CAN” ist nur ein scheinbar witziges Wortspiel. Aber auch Ihr Artikel war ja gewiss als Witz gemeint – so richtig gut war er aber nicht, der Witz. – Jürgen Hartmann

Auf den ersten Blick eine geniale Idee. Ihr Autor Josef Joffe vergisst dabei die volljährigen Menschen. Die würden auf die Barrikaden gehen – Sonntags immer gestört zu werden…. In Deutschland wäre das auch ein Thema. Abstimmen bis es passt. Es fragt sich nur für wen? – Gunter Knauer

Ein rollierendes Austrittsdatum als geniales Szenario und ebenso pragmatische wie brillante Lösung? Und vielleicht auch noch den ganzen europäischen Integrationsprozess rollieren lassen? You can have your cake and eat it – Der EU-Korrespondent Franz Kafka hat ein solches Szenario vor hundert Jahren in seiner Zeitgeist-Kolumne “Das Stadtwappen” kurz, bündig und ultimativ beschrieben. Aber da kracht am Ende eine Faust aus den Wolken herab und zermatscht die Torte. – Hans Joachim Neutzer

Seit vielen Jahren schon freue ich mich jede Woche auf die klugen und unterhaltsamen Beiträge Josef Joffes im ZEITGEIST. Leider sind ihm aber im letzten Beitrag einige Schlampigkeiten unterlaufen, die ich ärgerlich fand. Der zurückgetretene Brexit-Minister heißt David Davis, nicht Ian. Magdalen College ist ein Teil der Universität Oxford, während Eton ein Jungeninternat ist. Sollte ein so renommierter Journalist wie Herr Joffe zu trennen wissen. Übrigens haben nach aktueller Angabe der House of Commons Library 24% der Abgeordneten die Universitäten Oxford oder Cambridge besucht, 29% sind auf Privatschulen gegangen. Sehr viel mehr bei den regierenden Tories als den anderen Parteien. Ob die nun auch „billiante Absolventen“ waren, sei einmal dahingestellt. Das von Herrn Joffe zitierte englische Sprichwort hat mit Kuchen nun wirklich nichts zu tun, sondern bedeutet „beides gleichzeitig wollen“. Das mag zwar die Sache treffen, ist aber idiomatisch daneben. Werden eigentlich die Beiträge Korrektur gelesen? Oder traut sich das beim Herausgeber keiner? – Bernd Guth


 

Leserbriefe zu „Indonesien islamisiert sich“ von Erich Follath

Es ist völlig verfehlt, den Unterschied zwischen Muslimen und Angehörigen anderer Religionen an dem Wort „Allah“ festmachen zu wollen, wie es Erich Follath tut: „fast 90 Prozent bekennen sich zu Allah“. Zu demselben einzigen Gott (arabisch „Allah“) bekennen sich auch Juden und Christen. Der Unterschied liegt darin, dass das islamische Glaubensbekenntnis auch die Anerkennung Mohammeds als Gesandter Gottes umfasst. Auf Indonesien bezogen, müsste man also sagen: Fast 90 Prozent bekennen sich zum Propheten Mohammed. – Jürgen Thiede

Das finde ich gar nicht so verkehrt. Deutschland und der Islam gehört zusammen, wie wir von der Politik hören konnten. Ich lebe auch in einem islamischen Land. Dort zeigt sich der Anstand und die Freundlichkeit im ganzen Land. Über 1000 Deutsche Firmen haben sich bereits angesiedelt, die, anders als in Deutschland, nicht als Ausbeuter gesehen werden. Die sind alle höchst willkommen. Das hat auch steuerliche Gründe. Dort werden sie steuerlich nicht so rasiert wie in Deutschland. Wer frech und kriminell wird, der spürt die ganze Härte des Gesetzes. Deswegen sind die kriminellen Verhältnisse völlig unbedeutend. Das ist für mich ein Land, das zur Nachahmung dringend empfohlen werden kann. Wenn die „Zeit“ es gut mit den Lesern meint, dann sollte sie ihre liberale Haltung aufgeben. Ich fürchte nur, die Kriminalität und das Morden ist bei den meisten politischen Menschen gewünscht. Die Demokratie in Deutschland ist dafür eingerichtet worden. Eine Politik, die auf Freund und Feind aufgebaut ist, kann keinen dauernden Frieden garantieren. Das hat auch die Geschichte eindeutig bewiesen. Falls ich verbal verprügelt werde, haue ich wieder ab nach Singapur. – Gunter Knauer

Beim Lesen des Artikels sind mir mehrere sachliche Fehler und Verkürzungen von Sachverhalten aufgefallen. In Kürze: „Rund 255 Millionen Einwohner“ (S. 2 der Internetausgabe) – die aktuelle Einwohnerzahl Indonesiens ist 264 Millionen (https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1722/umfrage/bevoelkerungsreichste-laender-der-welt/) „So ließ er (Jokowi) … mehr als ein Dutzend Drogenabhängige hinrichten, darunter auch Ausländer“ (S. 4-5) – Nicht erwähnt wird an dieser Stelle, dass dies der Stand von 2016 ist. Im Jahr 2017 verkündete die Regierung Jokowi ein Moratorium für die Todesstrafe. Seitdem werden in Indonesien zwar noch Todesstrafen verhängt, aber es finden keine Tötungen mehr statt. Letzter Abschnitt: „Was blühen könnte, wenn sich die radikalen Kräfte durchsetzen, …. Aceh …: Da wird ein Ehebrecher gesteinigt, dem Dieb die Hand abgehackt, und erwischt die Sittenpolizei ein junges Paar beim Küssen oder auch nur beim Händchenhalten im Park, drohen Peitschenhiebe“ – Hier hätte der Hinweis auf die Peitschenhiebe genügt. Dies entspricht leider der Realität und wird im Übrigen auch in der indonesischen Öffentlichkeit, auch von vielen Muslimen, kritisiert. Dass in Aceh Ehebrecher gesteinigt würden oder Dieben die Hand abgehackt würde, entspricht dagegen nicht den Tatsachen. – Thomas Zettler

Die Lage in Indonesien steht exemplarisch für eine mit deftigen Gefahren verbundene globale Entwicklung. Mit dem Islam hat die allerdings nur bei oberflächlicher Betrachtung zu tun. Es geht um was anderes: Von der fortschreitenden Vernetzung der Welt und deren Auswirkungen auf alle Lebensbereiche fühlen sich nicht wenige Menschen weltweit überfordert und bedrängt und sehen das begreifbar Eigene (Stichwort Identität) in einer durcheinander verquirlten Masse verschwinden. Die Folge dieser Entwicklungen ist, dass standardisierte Welterklärungsmodelle vermehrt Zulauf bekommen. Von islamischer und anderer Seite werden auf die Verlustängste der Bürger Angebote zur Wiederherstellung plausibel erscheinender Strukturen projiziert. Das Gefährliche daran sind gar nicht die religiösen oder sonstige Muster, gefährlich ist die punktuelle Standardisierung, denn die lässt weder dem Einzelnen noch der Gesamtgesellschaft Räume für eigene Entwicklungen und die Entfaltung von Kreativität. Am Beispiel der Verfolgung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften lässt sich die Strategie in Indonesien und anderswo stellvertretend für viele andere Bereiche aufzeigen: Homosexuelle hemmen nach Meinung der Weichensteller für abgrenzende Zugehörigkeiten die nationale Fortpfanzung, was widerum als Schwächung des „Volkskörpers“ dargestellt wird. Unterm Strich bleibt die Fixierung auf standardisierte Wert-, Verhaltens- und Denkvorgaben. Die lassen sich ja auch leicht kontrollieren – allerdings nur mit gewaltsamen Methoden. Das Gefährliche an diesen Entwicklungen ist, dass sich pauschale Standardisierungen und Lebensfreude gegenseitig ausschließen. Das Lebendige bleibt auf der Strecke, obwohl es doch eigentlich darum geht. – Christoph Müller-Luckwald


 

Leserbriefe zu „Wer sagt es ihr?“ von Ferdinand Otto und Anna-Lena Scholz

Sie fragen „Wer sagt es ihr?“ und meinen damit offenbar die Ministerin Karliczek. Wichtiger erscheint es mir zu fragen „Wer sagt es ihnen?“, womit in erster Linie die Kanzlerin, aber auch ihre mutmaßliche Nachfolgerin Kramp-Karrenbauer gemeint sind. Es ist doch unfassbar, dass für die Zukunft unseres Landes höchst wichtige Schlüsselressorts in dieser Bundesregierung mit Personen besetzt werden, die dafür weder die fachlichen Kenntnisse noch die beruflichen Erfahrungen aufweisen. Ob Frau Karliczek („Milchkanne“), Frau Bär („Flugtaxis“) oder Frau von der Leyen, in deren Ressort es drunter und drüber geht, ob der sichtlich überforderte Herr Altmaier – mit solchem „Spitzen“personal ist wahrhaftig kein Staat zu machen. – Prof. Dr. Wolf-Rüdiger Heilmann

Schon im Februar 2018 hatte ich Bedenken wegen der Nominierung von Frau Karliczek als Bildungs- und Forschungsministerin. Sie schien sich kaum mit Themen aus diesem Bereich befasst zu haben. Doch dann zeigten Recherchen von Patrick Gensing, tagesschau.de, dass sie sich 2017 bei Beratungen im Bundestag über die „Ehe für alle“ zur Familienpolitik und insbesondere zur Forschung auf diesem Gebiet geäußert hatte: Anders als immer behauptet würde, gebe es keine Langzeitstudien zu den Auswirkungen auf Kinder in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften. Doch das stimmte nicht. Die CDU-Politikerin hat die damals vorliegenden Studien schlicht ignoriert; stattdessen führte sie ihre persönliche Einschätzung als Mutter dreier Kinder ins Feld. Dies erschien mir nicht unbedingt als ein Qualifikationsnachweis für ihren neuen Job. – Prof. Dr. Wolfgang Hachtel

Wenn man die Autoren des Artikels mit der Position der Leitung des BMBF beauftragen würde, so würden selbstverständlich innerhalb eines Jahres neue Gesetze in Bildung und Forschung auf den Weg gebracht werden und das Ministerium würde einen deutlichen Zuwachs an Geld verzeichnen können, da diese beiden Experten sich nicht nur fachlich bestens auskennen, sondern auch exzellente Politiker sind. Nun, wer von Theorie und Praxis spricht und dies niederschreibt, sollte die Bedeutung dieser Begrifflichkeiten verstehen, was in dem gegebenen Artikel nicht der Fall ist. Dieser Artikel zeigt eindeutig, auf welch flachem Niveau hinsichtlich der heutigen Bildung und Forschung allgemein argumentiert wird. Denn, wenn man sich die Komplexität dieses Ministeriums anschaut, so ist doch nicht nur dem geübten Systemtheoretiker klar, dass die Zeitkonstanten für die Antwort auf die Änderung der Eingangsgröße größer sind als ein Jahr. Um eine Messung an diesem Regelkreis vorzunehmen, sollte doch der Zeitpunkt abgewartet werden, an dem man eine Antwort erwartet. Dafür ist kein akademischer Titel vonnöten, weder eine Doktorarbeit noch eine Habilitation. Ändert man jedoch das System so, dass eine Vielzahl an Eingangsgrößen verändert werden, so ist dies eben eine infantile Vorgehensweise, die sicherlich auch ein Rauschen am Ausgang erzeugt. In dem Artikel heißt es „Die Autoren haben Gespräche mit 17 Personen aus Wissenschaft, Parlamenten und dem Ministerium geführt.“

Das zeugt natürlich von einer großen Aussagekraft und einer Durchdringung der Grundlagen der Statistik, denn das Erfassen von 17 Messpunkten zu einem Zeitpunkt beschreibt das System hinreichend gut, für eine fundierte Interpretation. Da ist es selbstverständlich, dass man Frau Karliczek wegen ihrer fehlenden Expertise zur KI kritisiert, wobei die Autoren selbst nicht begriffen haben, was sich hinter diesem Begriff verbirgt. Denn wenn sie es täten, so würden sie eine kausale Prüfung der gemessenen 17 Punkte vornehmen und das Resultat kritisch hinterfragen. Doch vielleicht spielt Zeit eine wesentliche Rolle, denn so einen Artikel kann man doch nur mit „einer heißen Nadel“ schreiben, wenn die Zeit und das Geld knapp sind. Frau Karliczek ist keine Fehlbesetzung, sondern eine Chance. Es genügt nicht zu lamentieren und zu kritisieren, denn das was gebraucht wird, ist eine konstruktive Kritik mit Lösungsvorschlägen. Vielmehr sollten Vertreterinnen und Vertreter aus Bildung und Forschung das Ministerium mit Lösungsansätzen und Impulsen für dringliche Fragestellungen unseres Landes unterstützen und dies geht mit Fachexpertise aber vor allem mit Respekt einher. Daher denke ich, sind beide Autoren für das Thema des Artikels eine klare Fehlbesetzung. Laut den Autoren sind Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an deutschen Universitäten derzeit nicht zur Kritik fähig, da diese vor der Entscheidung zur Exzellenzstrategie die Konsequenzen scheuen. Diese Sichtweise auf deutsche Universitäten, deren Denker, Dichter und Ingenieure lässt tief blicken und erschreckt mich zugleich. – D. Dudek


 

Leserbriefe zu „Gebrochener Bann“ von Josef Joffe

Dämagogen ohne Risiko Lügen, Betrügen und Korruption wird nicht bestraft. Populisten unter sich. Die Liste wird imer länger. Netanjahu hat mit Unterstützung seines Vorbildes Donald Trump die Wahlen gewonnen. Golanhöhen, Westjordanland annektieren ist gesellschaftsfähig. Putin wird auch frohlocken. Warum die Krim zurückgeben. Der Wähler ist zum nützlichen Idioten geworden. Die Israelis haben sich nach 70 Jahren nicht für den Dialog entschieden. Die nächste Intifada wird nicht auf sich warten lassen. – Wolfgang Scheer

Netanjahus Sieg über Herausforderer Gantz ist weniger ein gebrochener Bann im Sinne von vitaler Demokratie als vielmehr die fortgesetzte politische Etablierung religiös-nationaler Kräfte, nicht zuletzt mittels rechten Populismus und Demagogie. Indes, welche Regierung dem Wahlergebnis nun auch folgt, Israel verdient selbstverständlich unser demokratisches Verständnis, unsere demokratische Bewertung und unseren demokratischen Beistand. Mithin sollte eine demokratisch begründete und differenzierte Kritik an dem von Benjamin Netanjahu geführten, überaus polarisierten Wahlkampf nicht ausbleiben. Denn es ist im Besonderen die Hoffnung auf Wahrung der rechtsstaatlichen Sicherheit und Verständigung, die Israel mit dem Westen verbindet. – Matthias Bartsch

Bei allem Respekt für den welterfahrener Publizisten und Herausgeber Josef Joffe. Mit seinen Kommentar wird er seinen Ruf als hervorragender Zeitzeuge und kritischer Journalist eher nicht gerecht. Bisher versuchte Josef Joffe, eine starre Zuordnung seiner Schriften zu vermeiden. Leider hat er mit dem Artikel diesen Weg scheinbar verlassen. Der Artikel dient nicht der Aufklärung . Der Autor sollte sich fragen, ob er damit nicht antiisraelische, antisemitische Stimmung fördert und das demokratische Staatswesen Israel verunglimpft. Die einzige Demokratie im Nahen Osten. Das etwa wie Hessen große Land ist umgeben von Despoten, die nur ein Ziel verfolgen, Israel auszulöschen. Das sich ein gewisser Wandel seit über 10 Jahren in der Region Levante vollzogen hat, hat etwas mit der klaren Politik Benjamin Netanjahus zu tun. Seine Politik wird selbst vom Erzfeind Saudi Arabien in letzter Zeit toleriert, So haben die Saudis erkannt, dass das Palästinenser Problem nur von den Arabern selbst zu lösen ist. Aus historischen Sicht haben Engländer und Araber gleichermassen den ursächlichen Konflikt nach dem 1. Weltkrieg gelegt. – Gerhard Treichel


 

Leserbriefe zu „»Die Sicherheitslage ist gut«“ von Holger Stark und Heinrich Wefing

Herr Müch sagt: „Über die nichtdeutsche Herkunft von Tätern wurde viermal so häufig berichtet, über die nichtdeutsche Herkunft von Opfern von Gewaltdelikten aber nur halb so oft“. Was dabei irritiert, sind die Graphiktorten unter dem Artikel: Nicht deutsche Tatverdächtige + Zuwanderinnen und Zuwanderer begingen 39% der Verbrechen bei Vergewaltigung, sexueller Nötigung und sexuellem Übergriff. Diese Kohorte macht vom Bevölkerungsanteil aber nicht 39% aus. Das heißt, wenn es bspw. 3,9% wären, ist der Häufigkeit zehnmal so hoch. Natürlich verrät die Torte nichts über Herkunft der Opfer. Die Zahlen drücken einfach nur mehr aus als der Artikel verrät. Moral ist nicht deckungsgleich mit Statistik. PS auf diesen statistischen Umstand hatte ich schon einmal hingewiesen. Ich bin begeisterter Leser der ZEIT, es wäre gut, würde man so etwas deutlicher heraus lesen können. – Steffen Kaufmann

„Ich würde mir daher wünschen, dass Journalisten die Auswirkungen ihrer Berichterstattung sehr genau reflektieren“, meint der Präsident des Bundeskriminalamtes Holger Münch in Ihrem Interview. In der Tat ist das sehr wichtig, wenn Medien bei ihren Berichten ihrer Verantwortung der Gesellschaft gegenüber gerecht werden wollen. Herr Maffei, glauben Sie, dass Sie mit der Auswahl Ihres Bildes von Herrn Münch zum Interview dieser Verantwortung gerecht wurden ? – Hartmut Gerhardt

Ich möchte im Allgemeinen nicht anzweifeln, dass die Sicherheitslage in Deutschland keinen Grund zur Panik bietet. Auch bin ich kein Kriminologe oder Statistikexperte. Wenn jedoch eine „objektive Statistik“ behauptet, innerhalb eines Jahres seien Vergewaltigungen und andere sexuelle Straftaten um mehr als 18% und die Wirtschaftskriminalität sogar um fast 32% zurückgegangen, dann bekommt der gesunde Menschenverstand bei mir einen Schluckauf. Ist das seriös geprüft worden? – Jan-Ulrich Sobisch


 

Leserbriefe zu „»Ich gehe nur in eine Kirche, die mir passt. Und den Karfreitag erspare ich mir«“ von Evelyn Finger

Jüngst hat eine Studie belegt, dass sexueller Missbrauch vor allem Missbrauch von Macht ist. Die Studienautoren nennen den „Klerikalismus als eine wichtige Ursache und ein spezifisches Strukturmerkmal“ für sexuelle Gewalt innerhalb der Kirche. „Ach was“ kann man da nur sagen. Dass diese Strukturen, Täter geradezu anlocken, ist ja nun wirklich schon lange ein offenes Geheimnis. Das Zölibat und eine Homosexualität, die nicht gelebt werden darf, tun ihr Übriges. Wenn etwas aufgedeckt wird (siehe Ettal im Ammergebirge), wird es vor Ort totgeschwiegen oder als Verfehlung einzelner „Seelsorger“ von bildungfernen/unreflektierten Landpfarrern willfährig postuliert. Hier war ich schon Ohrenzeuge. Von Selbstkritik keine Spur. Da muss man doch angewidert sein. Darf man da noch Katholik sein? Ja, man darf, als Kulturkatholik und mit äußerster Distanz zur Amtskirche. – Chris Dasch

Offensichtlich denken viele Menschen über die Bedeutung von Karfreitag nach. Warum musste Gottes Sohn wegen unserer Trennung von Gott sterben? Manchen ist klar: Es muss einen absoluten Moralgesetzgeber geben. Sonst gäbe es ja kein objektives Moralgesetz. Wie könnte man dann zwischen Gut und Böse unterscheiden? Es gäbe nur relative, subjektive Perspektiven. Aber viele stimmen ja zu, dass es Gut und Böse wirklich gibt und Unrecht bestraft werden muss, vor allem wenn sie und die Ihren als Leidtragende betroffen sind. Also gibt es eine richtende Instanz, die allen Urteilen übergeordnet ist. Doch müsste zum Beispiel ein menschliches Gericht, wenn es wirklich gerecht wäre, nicht tatsächlich alle Vergehen ahnden? Würde ein Vergehen übersehen, wäre der Richter schon nicht mehr absolut gerecht. Ein menschlicher Richter hingegen, der alle Verfehlungen barmherzig übersieht, wäre eben uneingeschränkt barmherzig und überhaupt nicht mehr gerecht. Wie geht das: gleichzeitig uneingeschränkte Gerechtigkeit und Barmherzigkeit? Eigentlich gar nicht. Einen absoluten Moralgesetzgeber und Richter, der vollkommen gerecht und vollkommen barmherzig wäre, können wir uns nicht vorstellen. Es geht einfach nicht. Aber wenn der oberste Richter als Schuldloser die Schuld anderer selbst bezahlt und jeden einzelnen Mensch, der diese Bezahlung für sich in Anspruch nimmt, freispricht, ist das möglich. Das war der Sinn von Golgatha und Karfreitag. Menschen, die sich auf diese Art freisprechen und freimachen lassen, lieben ihren Retter und wollen aus Dankbarkeit das Böse ans Licht bringen, das Gute tun und mit Ihm und für Ihn leben. – Gerhard Jahnke

Ich kann nicht schweigen, angesichts des furchtbaren Zustands der katholischen Kirche und der Verbrechen, die sie seit Jahrtausenden begeht, bis zum heutigen Tag. Ich lese seit Wochen und Monaten die Artikel in der „Zeit“ in „Glauben & Zweifeln“ über den Zustand der katholischen Kirche, die Zusammenkunft der Bischöfe beim Papst in Rom und die Diskussionen darüber. Zuletzt den Artikel über Carola Pasquay, die sich zehn Jahre lang für Missbrauchsopfer einsetzte. Was hat sich seither in der katholischen Kirche getan? Nichts! Absolut nichts! Geradezu entlarvend der Artikel des Jesuiten und Mitorganisators des Treffens in Rom Hans Zollner. Zitat: “Die katholische Kirche muss jetzt über jahrzehntelang eingeübte Denkmuster streiten“. Wie bitte? Über Denkmuster streiten? Hat der Mann denn gar nichts begriffen? Wo bleibt endlich die Abkehr von der menschenfeindlichen Sexualmoral der Kirche? Wann wird endlich dieser schreckliche Zwangszölibat aufgehoben? Wann endlich sind Frauen und Männer gleich viel wert in der katholischen Kirche? Endlich Schluss mit dem verlogenen Keuschheitsgelübde der Priester! Gibt es eine realistische Chance, dass die katholische Kirche diese Themen angeht? Nein! Über Denkmuster streiten und dabei Kinder schänden und Nonnen vergewaltigen! Einzig die Sicherung ihrer unglaublichen Macht hat die Kirche im Sinn! Siebzig Jahre lang war ich katholischer Christ, heute bleibt mir nur eins: Glauben und verzweifeln und aus der Kirche austreten. Ach, fast hätte ich es aus lauter Empörung vergessen: Die alten Männer in Rom sind gegen Pille und Kondome! So trägt die katholische Kirche effektiv zur immer größer werdenden Übervölkerung der Erde bei. Acht Milliarden, zehn Milliarden, zwölf Milliarden usw. Finis ! – Norbert Braun


 

Leserbriefe zu „»Wir schaffen es nicht, in dieser radikal neuen Welt eine radikal neue Bildung zu leben«“ von Manuel J. Hartung

Carl Hahn und Edzard Reuter eint ein schonungsloser Blick auf die Nachfolger in den Firmen, für die sie einst Verantwortung trugen: VW und Daimler Benz. Waren sie in der auch in ihrer aktiven Zeit so verantwortungsvoll und waise? Kann ich nicht beurteilen. Wenn Moral erst losgelöst von Verantwortung ihren Stellenwert bekommen sollte – äußerst übel. Ich bin sicher, dass viele, die auf der Ingenieursebene mit dem Betrugsdiesel zu tun hatten, die Faust in der Hosentasche geballt haben. Bei Bosch, VAG oder sonst wo. Richtig: Mut gegen Selbsterhaltung. Das ist der Konflikt. Das Übel ist aber die Hirarchie – in Firmen wie in der Politik. In einer offeneren Führung wäre der Komflikt nicht so stark. Nur in der Gewissheit, dass schon „nichts“ passieren wird, kann so ein Betrug an Kunden und Umwelt entstehen. Den Garant dafür bietet die hirarchische und lobbykratische Politik. In der Firma lässt das Alphatier Mitarbeiter mit ethischer Einstellung mal eben über die Klinge springen und entzieht sich der Verantwortung, indem es diese Subalternen anheftet. Tolle Führung – eigentlich keine sondern Despotie. – Ein/e Leser/in

Dieser Beitrag kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Was Carl H. Hahn gesagt hat, predige ich schon seit Jahren. Nichts ist passiert.‘ Ich kann jeden Satz von Carl H. Hahn unterschreiben. Das heutige Lehrerpotenzial ist völlig überfordert und die politische Einstellung von vorgestern. Um das zu ändern braucht es ein Jahrzehnt wenn nicht mehr. Meine Kinder habe ich deswegen aus den Öffentlichen Schulen herausgenommen. In NRW wo wir leben, sieht es besonders schlecht in den Schulen aus. In Sachsen und Bayern mag es etwas besser aussehen. Aber auch da gäbe es noch viel tun. Herr Hahn spricht ja nur von einigen wenigen Privatschulen. Bis das auch an den öffentlichen Schulen ankommt und ob überhaupt, da habe ich meine großen Zweifel. Es wäre ja schon viel erreicht, wenn die Lehranstalten und Kindergärten frühzeitig mit einer Auslese der Besten Kinder anfangen würden. Es werden ohnehin nur wenige Kinder dafür infrage kommen. Voraussetzung dafür wäre natürlich auch eine bundesweite Gleichschaltung unserer Schulkultur. Das heißt natürlich nicht, daß die meisten Kinder, die im normalen Schultag verbleiben, nicht auch einen besseren Unterricht bekommen sollten. Das fängt mit den Lehrplänen schon Mal an. Und Dual dazu, muß sich die Politik natürlich auch grundlegend ändern. Sonst bleibt das eine Utopie. Ihr Kollege Manuel J. Hartung, der das Interview geführt hat, war bestimmt auch über die Aktivitäten von Prof. Hahn erstaunt. – Gunter Knauer

Bravooo Herr Dr. Hahn.!!! Daß ein zweiundneunzigjähriger Mann das erste Mal im Zusammenhang von Bildung so deutlich von den beiden Grundpfeilern Liebe und MUT spricht, sprechen muss ist doch ein Armutszeugnis für unser gesamtes Bildungssystem. In allen grossen Lehren der Menschheit ist Liebe die höchste Erkenntniskraft. Also nur MUT.!!! – Hans Joachim Hühner


 

Leserbriefe zu „»Wir müssen das Böse fürchten«“ von Ijoma Mangold

Vielen Dank für Ihre kritischen Fragen im Interview mit Philipp Ruch in der aktuellen ZEIT-Ausgabe, die es Herrn Ruch ermöglichten, klug und überzeugend die Grundhaltung seines Engagements darzulegen. – G. Berger

Wenn wir das banale Böse fürchten, werden wir in einen Zustand ständiger Alarmierung geraten und zerstören damit das Vertrauen in der Gesellschaft – denn die meisten von uns sind banal. Das ist mir zu viel Kollateralschaden für die angestrebte moralische Reinigung. Leider gibt es Anzeichen, dass wir – dank sozialer und anderer Medien – bereits auf dem besten Weg dorthin sind. – robert klemme

Ihr Autor hat die richtigen Fragen gestellt. Aber kaum intellektuell vernünftige Antworten erhalten. So sehe ich das. Ich bin auch Dresdner, meine ganze Verwandtschaft sind Sachsen. Wir haben in Dresden-Loschwitz gewohnt, ganz in der Nähe von Uwe Tellkamp, bis die Bomben der Engländer uns verjagt hatten. Ich war noch nicht lange auf der Welt, ich habe noch in die Hose geschissen. Wir sind dann nach Pirna mit dem Leiterwagen gepilgert. Wurden von einem Bauern aufgenommen. Nach 10 Monaten sind wir nach D-Loschwitz zurückgekehrt. Sie sollten die beiden Künstler zusammenbringen. Das wäre doch eine interessante Paarung. An dem Kniefall von Willy Brandt kann ich nichts schön finden. Vor Toten zu knieen können niemals schön sein, bestenfalls moralisch und ethisch respektabel. Ich bin keiner, der Personenkultur liebt. Ich bin auch kein Literat, dafür fehlt mir die Poesie. Ruch ist mir eine Nummer zu groß. – Gunter Knauer


 

Leserbriefe zu „Von wegen unpolitisch“ von Christopher Lauer

Fridays for Future……. Was ist das eigentlich. Die Medien sind darin stark, für jedes Vorgehen irgendein englisches Pseudonym aus der Sprachkiste zu holen. Das ist bestimmt nicht aus der flachen Intelligenz der Kinder oder Jugendlichen entstanden. Wer ist der Sprachgeber? Das interessiert die Menschen. Und was noch viel interessanter für die Menschen ist. Wer hat das alles inszeniert? Wer steckt hinter „Fridays for Future“. Da hört und liest man nichts. Zum Thema der Piratenpartei kann ich nur sagen: Sie hatten sich schlecht organisiert. Wer das hin nimmt soll sich heute nicht wundern, wenn er nicht wahrgenommen wird. Ein eindrucksvoller Name reicht dafür nicht aus. – Gunter Knauer

Reinwaschungs-Reigen der Generationen Nachdem Generation Y zugegen musste, dass sie es sich im Klimawandel hyggelig gemacht hat, versucht ein anderer Vertreter jetzt begreiflich zu machen, dass sie wenigstens nicht unpolitisch waren, wobei sie „das Thema Klima nicht auf dem Zettel hatten“. Genau darum geht es den Kids. Es ist diffuse Existenzangst die sie, im Angesicht unbekümmerter Ignoranz der Erwachsenenwelt, auf die Strasse treibt. Ich bin auf die nächsten Beiträge gespannt, wann sich Generation “ wir haben es nicht gewusst/Klimaschutz war zu teuer/wir hatten es doch gut gemeint“ bei der Redaktion meldet. Die Erklärungen für Nichtstun sind unerschöpflich. Die „Beharrungskräfte des Systems“ sind gewaltig. In dieses gedankliche Sperrgebiet wagt der Schreiber sich leider nicht. Nüchtern betrachtet ist es das profitorientierte Wirtschaftssystem mit seinem nie endenden Wachstumszwang. Das stößt auf seine endlichen planetaren Grenzen, die wir begreifen müssen. – Uwe Vogel

Herr Lauer und auch die in seinem Beitrag zitierte Frau Schumacher haben einvernehmlich die Babyboomer als Schuldige für die verfehlte Klimapolitik auserkoren. In schöner christlich-abendländischer Manier sucht sich jeder einen Schuldigen aus dem Portfolio der Geschichte. Warum nicht den Erfinder der Dampfmaschine oder noch weiter zurück den Steinzeitmenschen, der das Feuer entdeckt hat? Allein das Neugeborene ist unschuldig, so meint man. Aber keine Angst Generationen x,y,z, auch euer Handeln trägt täglich dazu bei, dass sich die Umwelt verschlechtert. Ihr seid nur noch nicht lange genug auf diesem Planeten aktiv, damit eine Relevanz sichtbar wird. Die Babyboomer sind übrigens diejenigen, die gerade die Politik der Grünen massiv puschen und als BI- Mitglieder jede Stromtrasse, jeden Nutztierstall oder jede Windkraftanlage mit ihrem Bann belegen, um dem Fegefeuer zu entrinnen, dem sie unweigerlich zugeordnet werden. – R. Seevers


 

Leserbriefe zu „Wenn die Roboter kommen“ von Kolja Rudzio und Mark Schieritz

Die Angriffe von Herrn Thelen auf die Grünen verwundern mich: Es ist nun einmal so, dass all die schönen technischen Erfindungen, auf die Herr Thelen hofft, nicht mehr rechtzeitig kommen werden, um den Klimawandel aufzuhalten. In der Zwischenzeit wird die Menschheit Konsumverzicht üben müssen – oder es wird den eventuellen Nachkommen von Herrn Thelen wirtschaftlich und gesundheitlich wesentlich schlechter gehen als ihm selbst. Das sagen nicht nur die Grünen, sondern alle renommierten Klimaforscher. Was das Anwachsen der Freizeit betrifft: Schon die alten Römer wussten, wie man Menschen zufriedenstellt, die nichts oder nicht genug zu tun haben, nämlich mit panem et circenses. Es gibt natürlich auch viele sinnvolle ehrenamtliche Tätigkeiten. Vgl. Sie zum Thema bei Interesse u. a. auch http://www.ulrich-willmes.de/grundeinkommen.html und http://www.ulrich-willmes.de/paradigmenwechsel.html. – Dr. Ulrich Willmes

In ihrem Artikel interviewen zwei Redakteure (Kolja Rudzio und Mark Schieritz) zwei Vertreter aus dem Wirtschaftsleben (Frank Thelen und Jens Südekum) zum Thema Arbeitslosigkeit aufgrund von technologischem Fortschritt und ob ein „Bedingsloses Grundeinkommen“ (BGE) eine Antwort hierauf sein könnte. Das Ergebnis spiegelt die männliche, kapitalistische Weltsicht aufs trefflichste. Diese ist bestimmt von Konkurrenzdenken, dem Streben nach Anerkennung durch Erwerbsarbeit und sozialen Aufstieg. Ein Leben ohne die Wertschätzung, die mit Erwerbsarbeit und dem damit verbundenen Lohn „erworben“ wird, können sich die beiden Interviewten nur schwer vorstellen. Herr Südekum spricht auch sogleich davon, dass er sich eine gelbe Weste überziehen würde, wenn ihm gesagt würde er sei „überflüssig“ und habe keine Chance mehr eine Arbeit zu finden. Damit wird auch gesagt, dass Menschen nur dann einen Sinn in ihrem Leben finden könnten, wenn ein Arbeitgeber ihnen durch eine Erwerbsarbeit weiterhin ein Leben in der oben beschriebenen männlichen Vorstellungswelt ermöglicht. Ein Leben ohne Erwerbsarbeit gilt dementsprechend als sinnlos, man müsse sich überflüssig vorkommen und werde zu Gewalt und öffentlichem Protest greifen.

Die Fragen, die sich Thelen und Südekum stellen, betreffen allesamt die Zukunft des Wirtschaftssystems in den uns bekannten Bahnen: Woher kommt Innovation? Bedroht die Innovation in Form von Künstlicher Intelligenz und zunehmender Robotisierung unser Erwerbsmodell? Wie kann die Produktivität gesteigert werden? Reicht die erwirtschaftete Produktivität, damit wir ein BGE in angemessener Höhe finanzieren können? Darin zeigt sich ein Denken in Zusammenhängen, die uns leidlich bekannt sind: Wirtschaftswachstum, steigende Lebensqualität durch neue, „bessere“ Produkte und durch mehr Konsum. Herr Thelen geht davon aus, dass die technologischen Innovationen in absehbarer Zeit dazu führen werden, dass die allermeisten Menschen ihre Arbeit verlieren werden. Damit wir nicht in Verhältnisse wie in Sao Paulo geraten, wo man „nur noch in einem gepanzerten Wagen durch die Straßen fahren“ kann, soll ein BGE eingeführt werden. Die Menschen sollen Ruhe halten. Dass das BGE auch zu einem enormen Zugewinn an Freiheit führen könnte, davon ist in dem Interview nicht die Rede. Ich meine mit dieser Freiheit die Möglichkeit auf persönlicher Ebene Tätigkeiten auszuführen, für die durch die Erwerbstätigkeit und ihren Zwang, Zeit gegen Geld einzutauschen, bisher keine Ressourcen zur Verfügung standen. Nicht die große Langeweile und Sinnlosigkeit ist Folge der Einführung des BGE, das wäre der einseitig männliche Blick auf Erwerbsarbeit, dem kapitalistischen Streben nach immer mehr und der Verneinung der Grundlagen des Lebens auf der Erde. Sondern es würde ein Raum entstehen, den zu Nutzen sich heute schon viele Menschen wünschen. Fragen sie mal eine Mutter, die ihre Kinder großzieht und sich um Angehörige kümmert, was sie mit ihrer Zeit ohne Lohnarbeit anfangen würde? Vermutlich würden sehr viele von ihnen damit gar kein Problem haben, wären sie doch heute schon über 30 Minuten Zeit für sich froh! Heute gibt es viele Tätigkeiten, die jeden Tag von Millionen von Menschen erledigt werden (und die ohne Frage erledigt werden müssen), die aber von der kapitalistischen Gesellschaft als nicht honorierbar angesehen werden, die also unentlohnt bleiben. Dazu zählen, um nur die offensichtlichsten zu nennen, die ehrenamtliche Arbeit in Vereinen und anderen Organisationen, die Erziehung von Kindern, das Führen eines Haushaltes und die Pflege von alten und/oder kranken Angehörigen. Der weibliche Blick auf das Leben zeigt uns, dass die Lebensqualität nicht durch neue Produkte, effizientere Maschinen und unendliches Wirtschaftswachstum steigt. Die Lebensqualität steigt durch mehr und bessere menschliche Beziehungen (siehe Sao Paulo!). Für viele Menschen ist schon heute nicht das Einkommen das Wichtigste an ihrer Erwerbsarbeit, sondern die sozialen Kontakte zu Kollegen, Kunden und anderen Menschen, die die Erwerbsarbeit ermöglicht. In einer Welt mit einem BGE in angemessener Höhe wird die Frage der menschlichen Existenz sein, wie man Teil einer sinnstiftenden sozialen Organisation sein kann, mit welcher Tätigkeit man sich in ein Projekt einbringen kann, um etwas für die Gemeinschaft und in der Gemeinschaft zu bewirken. Auf eine solche Existenz ist unser Erziehungs- und Schulsystem nicht vorbereitet und es verwundert überhaupt nicht, dass in einem Interview von vier Männern zwischen 40 und 50 ein solcher Gedanke nicht gedacht werden kann.

Es bleibt die Frage, warum wir hier eine Konfliktlinie zwischen dem männlichen und dem weiblichen Blick eröffnen? Haben nicht die letzten 30-40 Jahre Emanzipation gezeigt, dass Frauen alles können, was Männer auch können? Haben Frauen nicht gelernt und bewiesen, dass sie genauso konkurrenzfähig sind und Unternehmen vielleicht noch besser führen können als Männer?

Der Versuch, dass Frauen immer männlicher werden, indem sie versuchen im Erwerbsleben genauso karriere- und konkurrenzorientiert zu sein wie ihre männlichen Kollegen, muss als gescheitert gelten. Dieser Versuch hat dazu geführt, dass diese Frauen entweder gar keine Kinder bekommen haben (obwohl es auch Frauen geben mag, die von sich aus keinen Kinderwunsch verspüren) oder diese möglichst früh in Kitas und andere Einrichtungen abgegeben haben, um schnell wieder den Anforderungen ihrer Karriere zu genügen. Trotzdem bleibt für viele Frauen heutzutage ein nicht zu leugnender Gegensatz zwischen den Anforderungen einer Karriere (die ja auch auf langen Ausbildungszeiten basiert und somit einen Druck erzeugt, den erworbenen Abschluss auch beruflich für Lohnarbeit zu nutzen) und dem Wunsch nach Kindern bestehen. In der Logik des Kapitalismus sind Kinder jedoch ein reiner Kostenfaktor: Nicht nur Geld, sondern dazu auch noch Zeit und Aufmerksamkeit, Liebe, Zuneigung und Engagement (monatelanger Schlafmangel!) sind aufzubringen, um ein Kind großzuziehen. Diese Verbindung zu unserer natürlichen Existenz als Lebewesen auf dem zur Natur gehörenden Planeten Erde können Frauen nicht in dem krassen Maße ignorieren bzw. leugnen, wie es Männer seit Jahrtausenden tun. Frauen wissen, dass der Kapitalismus mit den Grundlagen menschlicher Existenz inkompatibel ist, unter anderem auch weil sie diejenigen sind, die die Reproduktionsarbeit (a.k.a. das Kinderkriegen) erledigen müssen.

Daher wäre es interessant zu erfahren, wie ein solches Interview ausgesehen hätte, wenn es von zwei Redakteurinnen mit zwei Frauen aus dem Wirtschaftsleben geführt worden wäre? Der weibliche Blick hätte zu dieser Diskussion viel beizutragen und würde sehr wahrscheinlich zu ganz anderen Ergebnissen kommen oder zumindest andere Problemlagen fokussieren. In diesem Sinne möchten wir sie, die Readaktion der ZEIT, ermuntern, solche Themen mehr in den blick zu nehmen und vielleicht sogar das Interview nochmal mit zwei Frauen zu führen! – Bruno Reuter und Inés Nacerí Martín

Der Mensch, der lernt vielleicht aus seinen eigenen Fehlern, doch nicht ganz so gerne! Haben die Roboter erstmals das Kommando übernommen, dann könnten diese sehr schnell versuchen, den Menschen auf die elegante Art schnell abzuservieren! – Klaus P. Jaworek


 

Leserbrief zur Fotokolumne „WER BIST DU?“ von Florian Jaenicke im ZEIT Magazin

Ein ganz wunderbares Foto im Zeitmagazin dieser Woche, alles steckt drin, Trauer, Freude, Nachdenklichkeit. Nur bei Friedrich nicht – der freut sich ganz ein-deutig, dass er Besonderes an seinem siebten Geburtstag erlebt. Herzlichen Dank für Ihre immer sehenswerten Fotos und einen schönen Frühling wünsche ich mit Friedrich und der ganzen Familie! – Bärbel Ortgies

Die Fotos Ihres Sohnes bewegen mich so sehr, daß ich Ihnen nun schreibe. Sie schmerzen mich, gleichzeitig finde ich es schön, daß Ihr Sohn einen Platz bekommt, an dem etwas über ihn und den Lebensmut seiner Eltern erzählt wird. Ich darf Ihnen und Ihrer Frau meine tiefe Bewunderung und Respekt aussprechen. – Andrea Wanke

Ich wollte Ihnen nur kurz schreiben, dass uns Ihre Fotokolumne in der Zeit sehr gefällt, jede Woche aufs Neue berührt und uns gut tut. Wir sind eine in strasbourg lebende deutsch-französische Familie und einer unserer Söhne ist durch einen seltenen Gendefekt schwer behindert. Wir haben eine schrecklich traurige Zeit hinter uns und haben uns mit der neuen Realität so langsam arrangiert. Ich wollte Ihnen einfach nur Danke sagen, Ihre Fotos sind toll! Ich hoffe, Ihrem Sohn geht es gut. – Julia Putsche


 

Leserbriefe zu „Eigentum. Was ist das, und wofür ist es gut? – Rede: Eigentum verspricht demokratische Freiheit. Zumal, wenn man etwas gemeinsam besitzt von Tilo Wesche und Gegenrede: Das Erbrecht ist der Schlüssel von Jens Beckert

Besten Dank für die lesenswerten Beiträge zu einem ebenso brisanten wie aktuellen Thema. Erlauben Sie mir einige Bemerkungen zur Begrifflichkeit: Freiheit im ontologischen Sinne meint die wesensbestimmende Fähigkeit des Menschen, jederzeit zu jeder Situation Ja oder Nein zu sagen. In Verbindung mit dem Begriff Eigentum wird Freiheit aber historisch aufgefasst. Und erst in Anbetracht der historischen Bedingungen wird aus Freiheit eine umständeabhängige Selbstbestimmung. Durch die Entwicklung der Arbeits- und Eigentumsverhältnisse hat sich die Selbstbehauptung des Menschen gegenüber den Naturkräften zu einer vergesellschafteten Daseinsweise herausgebildet. Die modernste Form dieses sozialen Miteinanders ist das demokratische Gemeinwesen. Aus dem ontologischen Freiheitsbegriff leitet sich die Würdegarantie unseres Grundgesetzes her. Diese Verfassung erhebt den Anspruch, dass allen Bürgern Lebensbedingungen garantiert werden, die eine Selbstbestimmung in der heutigen Lebenswelt ermöglichen. Dazu gehört sicherlich das staatliche Versprechen, persönliches Eigentum zu schützen. Bis zu welchem Ausmaß des Privateigentums kann das jedoch gelten?

Herr Wesche weist zurecht auf die Aushöhlung des „politischen Prozess(es) der Demokratie“ durch eine Konzentration der Eigentümermacht hin. Er dürfte hier die global agierenden Konzerne, insbesondere die Finanz(spekulations)industrie und die Datenkraken wie google oder facebook im Blick haben. Zur Garantie der demokratischen Teilhabe und der Selbstbestimmung der Bürger sollten meiner Meinung nach aber auch die Wirtschaftszweige gehören, die für die öffentliche Daseinsvorsorge zuständig sind. Dazu gehören Energieversorgung, Wasser, Straßenbau, Bahn und Wohnen. Wohin die neoliberale Ideologie des freien Marktes in diesen Bereichen geführt hat, kann man an der Immobilienspekulation der dem Desaster Deutsche Bahn leicht erkennen. Herr Beckert fügt den Ausführungen seines Kollegen Wesche die Schlüsselrolle des Erbrechts hinzu. Der leistungslose Vermögensgewinn durch Erbschaft widerspricht dem Gedanken der sozialen Gerechtigkeit und dem Ideal der Chancengleichheit. Insofern fasse ich den Artikel eher als „Ergänzungsrede“ auf. – Viktor Rintelen

Wer ist auf die unsinnige Idee gekommen, einen Soziologen die Gegenrede zu einem philosophischen Text verfassen zu lassen? Genauso gut, besser: Genauso schlecht, können Sie einen Physiker einladen, die Gegenrede zu einer mathematischen These, et vice versa, zu halten. Die haben ja auch alle und irgendwie mit Zahlen zu tun. – Dr. med. Th. Lukowski


 

Leserbriefe zu „Troll-Sex ist schön“ von Katja Nicodemus

Na toll, wieder ein Kino-Erlebnis versaut. Ich werde künftig keine Filmkritiken in der ZEIT mehr lesen – allzu oft wird alles Wesentliche dort schon erzählt. Man nennt das „spoilern“ und verdirbt anderen die Lust, einen Film noch im Kino anzuschauen – es gibt ja keine Überraschungen mehr! Eine gute Filmkritik ist was anderes. – Claudia Wenzl

„Mach Dein Leben trolliger“(wie eine Werbung für Leckerlies ruft), aber hoffentlich nicht so. Ein Schwedenhit reicht doch gerade, die 16 jährige Klimabesorgte,die zum illegalen Schulstreik aufruft. Nun auch noch Schwedentrolle, was soll das? – Hans-Emil Schuster


 

Leserbriefe zu „Ein weiblicher Narzissmus“ von Ursula März

Die Welt liebt starke Männer und die Welt hasst starke Frauen. Diese Beobachtung von Siri Hustvedt (S.H.), eines in unseren Gesellschaften verankerten Ausdrucks von asymmetrischer Machtverteilung, ist auch wieder ein Thema in ihrem neuen Roman „Damals“. Ursula März geht in ihrer Kritik zu „Damals“ die Autorin frontal an. Ursula März diskreditiert S.H. als Literaturstar mit negativer Konnotation und spricht von heißer Luft eines weiblichen Narzissmus. Sie unterstellt S.H. einen „Gestus einer umfassenden Bescheidwisserei, die zwischen tragfähigen Ideen und sagenhaften Plattitüden nicht zu unterscheiden weiß.“ Intellektuelle Überfrachtung, Klugsein aber auch ein Vorrat an Klischees aus dem sich S.H. bedient, wird von Ursula März vorgeworfen, allerdings liefert sie keine schlüssige Erläuterung mit. Das alles ist in seiner Plumpheit kaum zu lesen.

S.H. begnügt sich nie mit einfachen Behauptungen, Feststellungen und dergleichen, sondern beleuchtet jedes Thema in all seinen literarischen und wissenschaftlichen Facetten, reflektiert und gespiegelt durch unterschiedliche Blickwinkel. Genau deshalb werden viele Literatur- und Geistesgrößen von ihr angeführt. S.H. gibt sich dabei nicht mit vermeintlichen Wahrheiten zufrieden. Das ist intellektuell grandios, erhellend, inspirierend und vor allem auch gesellschaftlich relevant. S.H. hat es vermocht, den Hass (die banalen Reflexe) einer brutal genervten „Zeitkritikerin“ auf eine starke Frau, sichtbar zu machen. Das ist große Kunst. – Ralph Winkler

Welch wunderbare, kluge, höchst differenzierte und humorvolle Kritik und Auseinandersetzung mit dem Werk von Frau Hustvedt. Ihnen ist selbstverständlich nicht der Vorwurf von „hoher texttheoretischer Ambition“ zu machen. Was ich ihnen unterstelle, ist schlichte Klugheit, Gewitztheit und sich selbstgewisse Weltzugewandtheit. Denn nur aus einer solch soliden Position lassen sich hübsche Betrachtungen von verbissenem Schmonzes formulieren. Ich habe nur einen von Frau Hustvedts Romanen (weiß nicht mehr, welchen) angelesen und war – gelangweilt. Traute mich aber nie, anderen ‚Wissenden‘ gegenüber, mich mäkelig zu äußern. Und ich war verheiratet als Westler mit einer wunderbaren und sich selbst sehr bewußten Sächsin, derem(oder -n?) Tod ich unendlich nachtrauere. – Hinnerk Peitmann


 

Leserbriefe zu „Brasilien: Keiner will mehr Dämme prüfen“ von TF/MLM

Wenn etwas geprüft werden soll, sollte nicht schon das Ergebnis vorgegeben sein, wie im letzten Satz beschrieben. – Thomas Miesel

In der Überschrift dieses Artikels steht die Feststellung „Keiner will mehr Dämme prüfen“. Im Text wird dann allerdings ausgeführt, dass „Unternehmen es abgelehnt (haben), eine Unbedenklichkeitsbescheinigung für acht Vale-Dämme auszustellen, die derzeit von den Behörden als »gefährdet« eingestuft werden“. Wurde denn nun erst gar nicht geprüft (was die Überschrift nahelegt) oder wurde nach Prüfung die Erteilung einer Unbedenklichkeitsbescheinigung verweigert – was für eine gewissenhaftere Prüfung spräche, als dies offensichtlich bisher der Fall war? Oder sollen die Prüfunternehmen für Dämme, die von den Behörden als »gefährdet« eingestuft wurden, ohne (echte) Prüfung trotzdem Unbedenklichkeitsbescheinigungen ausstellen, was zwar völlig gewissenlos wäre, aber wohl auch lukrativ und evtl. bisher auch üblich war? In einem ZEIT-Artikel erwarte ich eine klarere Darstellung des Sachverhaltes. – Rudolf Spiegel


 

Leserbriefe zu „Spekulanten zerstören den sozialen Zusammenhalt“ von Caterina Lobenstein und Mark Schieritz

Recht hat er!
Endlich mal ein führender Kommunalpolitiker, der mit seinen Leuten die Wohnungsproblematik anpackt und nicht aussitzt oder mit dem Finger auf andere zeigt. Dies ist leider nicht der Regelfall. Ich selber wohne als Mieter mit meiner Familie in einer sehr „angesagten“ Gegend in Oldenburg, im so genannten Dobbenviertel. Hier sollte man also kaum Leerstand vermuten. Das Gegenteil ist der Fall: Schaue ich aus dem Fenster, fällt mein Blick auf ein große, schöne Altbauwohnung. Sie wurde vor etlichen Jahren nach dem Auszug der letzen Bewohner verkauft, top renoviert und steht seitdem leer – selbst die übrigen Bewohner des Gebäudes wissen nicht, weshalb und warum. Blicke ich auf die andere Straßenseite, sehe eine große, aber heruntergekommene Villa aus dem 19. Jahrhundert – im Souterain lebt ein altes Ehepaar, vermutlich die Eigentümer, der Rest steht leer und verfällt.

Gehe ich nun ein paar Schritte aus dem Haus und um die nächste Straßenecke herum, treffe ich wieder auf eine große, verlassene Villa – dieses Mal sogar recht gut erhalten. Auch sie steht seit Jahren leer – angeblich wurde sie vom reichen Besitzer der Villa nebenan angemietet, frei nach dem Motto: „Luxus heißt, keine Nachbarn haben zu müssen.“ Keine hundert Schritte weiter taucht die nächste, seit Jahren leestehende Villa auf. Zwischenzeitlich wurde mal ein Bauschild angebracht – und verschwand wieder. Vermutlich wird nun einfach abgewartet, bis sie irgendwann von alleine einstürzt. Wir reden hier, wie gesagt, von einer der begehrtesten Wohnlagen einer wachsenden Großstadt und nur von Gebäuden, bei denen es offenkundig ist, dass sie leerstehen. Es gibt darüber hinaus viele großartige Gebäude, denen man erst nach genauere Betrachtung ansieht, dass darin vermutlich niemand mehr wohnt. Die erwähnten Beispiele haben vielleicht mit Spekulation nichts zu tun und ob hier eine „Enteignung“ helfen würde, vermag ich nicht zu sagen. Aber es würde auf jeden Fall nützen, wenn jemand wie Boris Palmer in Tübingen hier mal anklopft und darauf hinweist, das Eigentum eben doch verpflichtet und dass es schlicht und ergreifend obzön ist, angesichts der Wohnungsknappheit Gebäude und Wohnungen leerstehen und/oder verfallen zu lassen. So machtlos, wie viele Bürgermeister uns glauben machen wollen, sind sie am Ende nämlich doch nicht. Nur anpacken müsste man es schon. – Jürgen Schmidt

Boris Palmer vergiesst da etwas an seiner Schelte. Die Länder und Kommunen sind keine besseren Kapitalisten. Die gehen ständig über die Schmerzgrenze hinaus. Die beiden Autoren sollten der Sache nachgehen. In Düsseldorf steht ein öffentliches Grundstück zum Verkauf. Der Wert steht laut Gutachterausschuss bei circa 12 Mio.€. Verkauft wird es aller Voraussicht für 17 Mio.€. Und das ist kein Einzelfall. Was meinen sie, was das für die Mieter für Folgen haben wird .? Der Bauherr wird den zu teueren Grundstückskauf auf die Mieten umlegen. Die Öffentliche Hand hat vom Kapitalismus viel gelernt. – Gunter Knauer


 

Leserbrief zu „Alles oder nichts (Folge 4): Eine anstrengende Partie »Siedler«, und im Hintergrund läuft ein Porno – nichts anderes ist »Game of Thrones«“ von Sophie Passmann im ZEIT Magazin

Ich bin seit einigen Jahren Zeitleser und mittlerweile seit letztem Jahr sehr zufriedener Abonnement. Dennoch musste ich leider in der letzten Ausgabe des ZEIT-Magazins ungläubig feststellen, dass es ein derart unreflektierter Artikel in Ihr sonst niveauvolles Kulturmagazin geschafft hat. In ihrer Rubrik „Alles oder nichts“ rechnet Sophie Passmann mit der populären Serie „Game Of Thrones“ und der ihrer Meinung ungerechtfertigten Hysterie für die Serie ab. Es ist sehr schade, dass sich die Autorin, die sogar nach eigener Aussage weder Buch noch Serie ernsthaft verfolgt oder sich mit Kritiken auseinandergesetzt hat, zu einer solch verqueren und ungenauen Einordnung von „Game Of Thrones“ hinreißen lässt.

Offensichtlich hat „Game Of Thrones“ ebenso wie andere Serien ihre Stärken und Schwächen, aber eine derartige Verzerrung der Wirklichkeit des Inhalts ist und bleibt auch für eine Kolumne unprofessionell. Natürlich verstehe ich, dass die Rubrik von Frau Passmann genau auf diese klare Meinungen gegenüber gesellschaftlichen Highlights ihren Schwerpunkt legt und dies ist auch durchaus an einigen Stellen sinnvoll und unterhaltsam. Aber ist es dann Sinn der Sache, Meinung zu kulturellen Inhalten zu verbreiten, wenn Autorin und Autor sich nicht einmal ernsthaft damit beschäftigt haben. Ich hätte mir an dieser Stelle vielleicht ein kleines Pro und Contra oder ein Streitgespräch gewünscht, dass auf differenzierter Weise eine sicherlich ebenfalls unterhaltsame Diskussion des Stoffs geboten hätte. Eine klare Meinung zu haben hat seine Vorteile und mag auch den Zweck an dieser Stelle in Ihrem Magazin erfüllen, aber die dann leider etwas an Belegen und vor allem Reflektion leidende Ausführung in besagter Kolumne sollte Ihnen vielleicht beim nächsten Mal noch einmal zu Denken geben, ob es bei so einer breiten Menge an Kritiken und Meinungen nicht mehr Nutzen hat, Autoren sich darüber austauschen zu lassen, die Inhalt des Themas etwas tiefergehend kennen. – Noah Brian


 

Leserbrief zu „Hart im Geben“ von Frank Bösch

Ich habe die Jahre 1977-79 selber in Großbritannien erlebt und muss es als Verharmlosung zurückweisen, wenn Frank Bösch meint, Margaret Thatcher habe ihre Wahl einer durch die Presse dramatisierten Lage zu verdanken. Dass Großbritannien 1976 einen Kredit beim IWF aufnehmen musste und die Inflationsrate 1979 auf 13,4 Prozent stieg, waren nur Höhepunkte von Jahrzehnten verfehlter Wirtschaftspolitik. Was die Lage so schlimm machte, waren die völlig zerrütteten Beziehungen zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern, Gewerkschaften und Regierung, die Margaret Thatcher drastisch reformierte. Damit hat sie das Vereinigte Königreich am nachhaltigsten verändert. Übrigens: Margaret Thatchers Heimatstadt heißt Grantham und nicht Graham. – Jürgen Thiede


 

Leserbrief zu „Stimmt’s?“ von Christoph Drösser

Ich finde nicht, dass man aus der von Ihnen zitierten Studie die dargestellten Schlüsse ziehen kann. Aus zwei Gründen.
1. Es könnte ja auch umgekehrt sein, also dass die Leute fernsehen, weil ihre geistige Leistungsfähigkeit nachlässt und Kommunikation sie überfordert.
2. Was heißt schon „fernsehen“? Es ist ja wohl ein Unterschied, ob man sich von seichten Serien berieseln lässt oder anspruchsvolle Dokumentationen und aktuelle Magzine oder Nachrichten mit wachem Geist anschaut? Vielleicht, weil die Augen die Zeit(ungs)-Lektüre nicht mehr schaffen? – Dora-Luise Neumeyer


 

Leserbrief zu „Das Gesicht der Verlierer“ von Harald Fadinger

Wer sagt denn das? Ihr Autor gibt Ratschläge für das klein halten der Rechtspopulisten. Angebrachter wäre das für die Linkspopulisten. Die haben uns das faule Ei ins Nest gelegt. In der gleichen Ausgabe spricht Levi vom Untergang Europas. Das könnte eher der Fall sein. Wo lebt der Autor.? Er sollte sich aufmachen nach Singapur. Dort hätten die Träumer der Linkspopulisten keine Chance. Und wissen sie warum: Weil es dort viel vernünftigere Menschen gibt, die in einer nachahmenswerter Weise ihren Nachwuchs besten ausgebildet hat. Und zwar mit Wissen, was der Deutsche nicht erfahren hat. – Gunter Knauer


 

Leserbrief zu „Wählen und Sägen“ von Jenni Roth

Vorab ein Kompliment dafür, dass ein Waldbild mit Text in der Zeit erscheint.
Sie schildern die verschiedenen Parteimeinungen über den Wald vor der Wahl in Finnland. Das ergibt zwangsläufig für den Leser ein etwas verwirrendes Gesamtbild. Wäre es nicht die Pflicht der Journalistin gewesen, zur Klarheit beizutragen, indem zwei Sachverhalte genannt werden, die heute jeder Schüler lernt:
1. Die Energiegewinnung aus Holz entlastet die CO2-Bilanz, weil eine entsprechende Menge an fossiler Energiesubstanz in der Erde bleiben kann.
2. Die im Kampf gegen den Klimawandel gewünschten Holzhäuser kann man nur bauen, wenn der Wald sachkundig bewirtschaftet wird.
In diesem Zusammenhang sei noch bemerkt: Die Leser der Zeit würden es begrüßen, wenn die zweifellos überdurchschnittlich tüchtigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Zeit zur Kenntnis nehmen würden, dass sich der Wald in Deutschland in einer noch unabsehbaren forstgeschichtlich beispiellosen Not- und Krisensituation befindet. – Dr. Helmuth Freist


 

Leserbrief zu „»Die großen Fehler macht man im Moment des Erfolges«“ von Cathrin Gilbert

Ich habe bis heute nicht verstanden, welche Aufgabe Herr Bierhoff im DFB wahrnimmt und nehme ihn nur wahr, wenn er wie im „Fall Özil“ den Spieler ins Abseits stellt, um dann, wenn sich der Wind gedreht hat, in einem Interview eine ganz andere Position zu vertreten. Von einem Manager der Nationalmannschaft erwarte ich Souveränität und Fingerspitzengefühl und dabei soviel Unabhängigkeit und Distanz zum Nationaltrainer, dass er diesen auch entlassen könnte, wenn die sportliche Leistung es erfordert. Bei Herrn Bierhoff ist es genau anders herum: hätte Herr Löw nicht auf ihm bestanden, wäre er heute nicht mehr der Manager der Nationalelf. Diese Art von Seilschaften führen zu nichts Gutem. – Werner Schwarz


 

Leserbrief zu „Wir Ahnungslosen“ von Jörg Dräger und Ralph Müller-Eiselt

Wenn künstliche Intelligenz, Rechner, Roboter und andere auf sog. Digitaltechnik basierende Maschinen (und womöglich auch ‚analoge‘) eine Sicht haben könnten, einen Standpunkt einnehmen könnten und darüber hinaus zu Emotionen fähig wären, so würden sie sich wohl freuen: Sie werden bedient und jene, die sie bedienen, meinen nur, dass diese ihnen dienten. Perfekte Dienstleistungsgesellschaft. (Selbst der ausgebufftesten digitalen Technik wird stets eine Bedienungsanleitung beigefügt sein.) Freilich eine Wortspielerei, vielleicht sogar ein Sprachspiel. Ich kann auch sagen: „Der Hammer dient dem Nagel-in-die-Wand-hauen.“ Doch der Hammer dient nicht aktiv, wie es die Formulierung bzgl. der dienenden Maschinen anmuten lässt. Robotern wird nichts beigebracht wie Kindern oder Arbeiter/innen etwas beigebracht wird. Sie werden auch nicht abgerichtet wie Hunde oder Zirkuspferde. Beides setzt ein Wollen oder das Brechen eines nicht-Wollens voraus, einem Befehlen und Gehorchen gleichkommend. Diese Maschinen werden programmiert und funktionieren dann ihrer Programmierung gemäß, wie es der Artikel einleitend ja dargelegt. Von diesem kleinen, ich möchte sagen im Sog der in diesem Kontext als Unwort anzusehenden Wendung „künstliche ‚Intelligenz‘“, immer wieder auftauchenden Lapsus sprachlicher Anthropomorphisierung des Digitalen, ein überaus begrüßenswerter Artikel.

Leider stärkt auch er nicht die Möglichkeit, das die alltagssprachliche Wendung ‚künstliche Intelligenz‘ – die kein terminus technicus ist – verschwindet und durch einen Wesensaufzeigenden Ausdruck ersetzt wird. Einem Ausdruck, der zumindest eines ganz klar sagen, benennen soll: „Vom Menschen programmierte Maschinen, die sich selbst programmieren können.“ Und darüber hinaus das Adjektiv „autonom“ nicht benutzt und das Fachwort „Algorithmus“ betont. (Und freilich dabei die Aufklärung darüber, was und wie ein Algorithmus ist, nicht vergisst.) Eigengesetzlichkeit setzt Freiheit voraus, die die Fähigkeit zur Verantwortungsübernahme voraussetzt. Maschinen sind nicht frei (oder wenn, dann so frei wie ein Kieselstein), sie können also nicht zur Verantwortung gezogen werden: Selbst das, was sie selbst programmieren ist durch das Programm zur Selbstprogrammierung determiniert. Ein Programm, ein Algorithmus, eine Berechnungsvorgabe, die von Menschen erstellt wurde. – Volker Homann


 

Leserbrief zu „Hoch hinaus“ von Fritz Zimmermann

In der ZEITschreiben Sie unter ‚Hoch hinaus‘:
„…der EuroCup … wäre der erste internationale Pokal einer deutschen Basketballmannschaft seit fast 25 Jahren.“
Dies stimmt so nicht. In der Saison 2009/2010 gewann die BG Göttingen den Titel der EuroChallenge. Auch wenn es diesen Wettbewerb seit 2015 nicht mehr gibt und er eine Klasse unter dem EuroCup stand, darf man ihn dennoch als ‚international‘ bezeichnen. Zudem war der Titelgewinn damals durchaus in den Medien, und auch, dass die BG zu dem (damals) elitären Kreis von drei deutschen Mannschaften (neben Alba 1995 und dem MBC 2004 (EuroCup! auch ein internationaler Wettbewerb) stand, die überhaupt auf europäischer Ebene etwas gewonnen hatten, fand Beachtung. – Arne Henningsen


 

Leserbrief zu „In einem leeren Land“ von Sigmar Gabriel

Für das Bild zum Aufsatz von Sigmar Gabriel hat man wohl das Foto einer Frau (in Landestracht?) in die Aufnahme einer Straße (in Pjöngjang?) hineinkopiert. – Klaus Bärwinkel


 

Leserbrief zu „Gespaltenes Land“ von Jana Simon

Ein Wort zu ihrer Autorin Jana Simon. Ihre Interviews zeigen in der Tat zwei völlig verschiedene Generationen, wie sie nicht unterschiedlicher sein können. Das hat seinen Charme. Wenn sie ihre persönliche Meinung einbringt, dann sollte sie es etwas vorsichtiger tun. Sie schreibt schließlich für die „Zeit“. Wahrscheinlich hat sie nie das Parteiprogramm der AfD gelesen. Erste falsche Behauptung: Die AfD hat sehr wohl bei Gehältern, Altersarmut, Kluft zwischen Arm und Reich keine Antworten. Sie schreibt: Religion wird zur Kampfzone. Was will sie damit sagen? Bestenfalls wird das allenthalben kritisiert. Das der Islam nicht zu einer Demokratie passt, ist doch nun wirklich keine Neuigkeit mehr – bis auf die Grünen und zweier Bundespräsidenten, obwohl Gauck das zwischenzeitlich bedauert hat. Was heißt hier; zu große Plattform für Gauland, Ihre Voreingenommenheit ist das übliche Muster der jüngeren Generation. Dort die Bösen, hier die Guten. Bayern ist für sie die Inkarnation des Bösen, obwohl sie auf allen sozialen, wirtschaftlichen und politischen Feldern die besten Zahlen aller Bundesländer schreibt. Das ist keine Behauptung sondern Tatsache. Wenn es nach der Autorin gehen würde, haben alle Bürger in die gleiche Richtung zu laufen. Ihr Verständnis für Demokratie scheint nicht sehr ausgeprägt zu sein. Ihr ehemaliger Kollege Friedrich würde sie abmahnen. Früher durfte man nicht alles sagen. Eine schlimme Zeit. Selbst heute kann man das vermindert noch feststellen. Es entsteht bei der Autorin allerdings der Eindruck, daß sie diese Tatsache für richtig gehalten hat. Ich möchte ihr nichts unterstellen – der Eindruck kann aber entstehen. Sie scheint zu stark von ihrem Studium beeinflusst worden zu sein. Mir ist hinreichend bekannt (3 Söhne) das viele Hochschulen radikal linke Politik gelehrt haben. Erst kürzlich haben sich einige Wissenschaftler darüber mächtig beschwert. Ich bin ein aufrechter Bürger, habe mich als Finanzkaufmann finanziell unabhängig machen können. Und meine Familie ist intakt. Zur zweiten Person möchte ich nur so viel sagen: Das sie ausgerechnet die SPD ausgesucht hat, war nicht gerade ein gescheiter Gedanke. – Gunter Knauer


 

Leserbrief zur Deutschlandkarte „Wohnungsbau“von Friederike Milbradt und Laura Edelbacher im ZEIT Magazin

Die Deutschlandkarte zum Wohnungsbau zeigt sehr anschaulich ein drängendes Problem in Deutschland: Die Wohnungsnot. Laut einer Studie der Böckler-Stiftung fehlen fast 2 Millionen bezahlbare Wohnungen in den deutschen Großstädten, der Mieterbund fordert daher 400 000 neue Wohnungen pro Jahr. Dabei wird jedoch gerne ein anderes Problem übersehen, welches eng mit der Wohnungsnot verbunden ist: Der Flächenverbrauch. Leider wird dieses Problem in der Erklärung der Deutschlandkarte völlig vernachlässigt und selbst die Ausrufung von Äckern und Wiesen als Baugrund (auch für Einfamilienhäuser) wird hier als wünschenswert beschrieben. Dabei werden wertvolle landwirtschaftliche Flächen, für die Artenvielfalt wichtige Naturräume, Frischluftschneisen, Grüne Lungen der Städte und wichtige Naherholungsgebiete verbaut und unwiderbringlich zerstört. Dies sollte niemals das Ziel sein! Statt Einfamilienhäusern in Großstadt-Vororten sollten bereits vorhandene, innerstädtische Grundstücke bebaut oder in die Höhe aufgestockt werden. Laut einer aktuellen Studie der TU Darmstadt und des Pestel-Instituts könnten so bis zu 2,7 Millionen Wohnungen in Deutschland geschaffen werden. Sind diese zumindest teilweise genossenschaftlich organisiert können zentrale, bezahlbare Wohnungen entstehen, ohne den gravierenden Flächenverbrauch unnötig weiter anzuheizen. Ich würde mir wünschen, dass diese Problematik und insbesondere die genannten Lösungsansätze künftig in der Debatte um Wohnungsnot genannt werden, denn sie sind untrennbar mit dieser verbunden. – Timo Dreher


 

Leserbrief zu „Worüber denken Sie gerade nach, Anna Wehofsits?“ von Anna Wehofsits

„Es ist paradox: Die Einschränkung der Autonomie durch kleine Selbsttäuschungen kann offenbar ein autonomes Entscheiden und Handeln ermöglichen.“ Müsste nicht diese ‚Paradoxie‘ aus evolutionspsychologischer (und -biologischer!) Sicht als grundsätzliches „anthropologisches“ Problem noch weiter gedacht und genauer formuliert werden? Denn würde es den homo sapiens ohne die Fähigkeit zur Selbsttäuschung überhaupt geben? Machte nicht erst diese Fähigkeit – wie jedes andere „Vor-urteil“ – die komplexe Welt durch Vereinfachung für seine eingeschränkte bewusste Wahrnehmungs- und Verarbeitungsmöglichkeit erfahrbar und ihn dadurch „autonom“ handlungsfähig? Und war das nicht immer, keineswegs bloß „oft mit einer verzerrten Wahrnehmung der Wirklichkeit“ möglich? Die Nachteile einer solchen Wirklichkeitswahrnehmung können in der Regel durch die Art der evolutionären Entwicklung des Menschen, seine besonders langzeitige Sozialisierung in einer schützenden Gemeinschaft, zunächst und auch später weithin kompensiert werden: Hier lassen sich die eigenen mit gemeinschaftlichen Überlebensinteressen in ein gewisses, allerdings stets instabiles Gleichgewicht bringen. Das erforderte „Regeln“, die ein solches Gleichgewicht soweit wie möglich herzustellen vermögen. Dafür mussten bestmögliche Begründungen gefunden werden. Am stabilsten haben sich religiöse (und quasi-religiöse) „Regelsysteme“ erwiesen, weil sie unbezweifelbare Ursprünge nennen, göttlich-absolute. Mit diesen können „aufgeklärte“ philosophische „Moralsysteme“ nur bedingt konkurrieren, weil „vernünftige“ Gründe als menschengemacht meist sofort erkenn- und damit bezweifelbar sind und gemeinschaftliche Selbtsttäuschungen eine sich gegenseitig verstärkende ungeheure reale Macht entwickeln können (sogar in säkularisierter Gestalt wie z. B. beim Nationalsozialismus). Was ließe sich aus philosophischer Sicht der ebenso großartig-ermutigenden wie entsetzlich-selbstzerstörerischen jüdisch-christlichen Vorstellung vom Menschen (als Krone der Schöpfung und Ebenbild Gottes), der sich (in göttlichem Auftrag) die Welt untertan machen darf, entgegensetzen? – Eckhard Heumann


 

Leserbrief zu „Über einen Versuch, mit dem Rauchen aufzuhören – und eine ausgefeilte Technik, die dabei helfen könnte“ von Harald Martenstein im ZEIT Magazin

„…, sonst könnte das Heizblatt brechen, obwohl Platin ja als relativ hart gilt.“
In diesem Halbsatz finden sich leider gleich zwei (physikalische) Fehler:
1. Platin ist ein „weiches“ Metall
2. Harte Materialien brechen selbstverständlich leichter als weiche (Bsp.: Glas und Gummi)
o weiche Materialien sind elastisch, verformen sich also
o harte Materialien sind meist spröde, das heisst sie brechen – Georg Ziegler


 

Leserbrief zu „Was die EU mit uns zu tun hat“ von Elisa Schwarz zu „Es fällt mir schwer, Vorteile aufzuzählen“ von Anuschka Eberhardt

Der Beitrag hat final und in einem der letzten Sätze die Aussage: „… ich wünschte, wir würden von den Politikern da mehr Aufklärung bekommen.“ und in diesem Satz steckt ein zentrales Problem der EU-Demokratie: Wir erfahren nichts oder viel zu wenig über die Entscheidungsprozesse und die Personen und deren Rollen der daran Beteiligten. Wir diskutierten z.B. über TTIP aber eine Handelskomissarin Malmström wird in diesem Zusammenhang nicht genötigt sich zu erklären, in keiner Zeitung stehen Interviews und Hintergrundberichte, die über Personen, Absichten, Motive, Machtverhältnisse u.ä. berichten, die den zugehörigen Gestaltungs-, Einigungs- und Entscheidungs-Prozess prägen. Als Gegenüber der TTIP-Kritiker und -Befürworter steht eine anonyme EU-Bürokratie – deren „personenloses Handeln“ auch dann z.B. im gegebenen Zusammenhang als anonym und abstrakt erscheint, wenn ab und zu der Name Malmström fällt. Dies als Beispiel – wie auch das unten beigefügte aus der aktuellen Berichterstattung. So kann eine EU nicht als durchschaubares Ergebnis eines politischen Prozesses bei den Bürgern ankommen – es bleibt die „EU-Bürokratie“. So kann keine Wahlentscheidung reifen, die sich an mehr als einem extrem dumpfen Bauchgefühl orientiert. Und so wird die Wahl nicht ernst genommen … Das ist m.E. weniger ein Thema der Politiker, die sich nicht erklären als vielmehr ein Thema der Presse, die diese dazu nicht nötigt. – Tilmann Wolf


 

Leserbrief zu „Die Seele von 50.000 Bieren“ von Urs Willmann

Was haben Sie im hohen Norden der Republik eigentlich für Vorstellungen von deren südlichen Gefilden und deren Größenverhältnissen? Nicht nur, daß vor einiger Zeit einmal die unterfränkische Kreisstadt – größenbezogen eine Kleinstadt – Karlstadt am Main als kleine Landgemeinde bezeichnet wurde, so nennt Ihr Autor Urs Willmann in dem Artikel über die Inhaberin der Mälzerei Weyermann Bamberg eine „oberfränkische Kleinstadt“. Diese – als Weltkulturerbe neben der in Rede stehenden Mälzerei weltbekannt – ist mit Universität, Erzbischof, Oberlandesgericht und ca. 75.000 Einwohnerinnen und Einwohnern eine veritable Mittelstadt im Rang eines Oberzentrums. – Klaus Kunkel


 

Leserbrief zu „Bitte doch keinen Brexit!“ von Peter Oborne

Der Brexit ist eine beschlossene Sache, UK ist dennoch weiterhin ein Mitglied der EU. Vielleicht könnte das Orakel von Delphi, eine gewisse (Un)Klarheit in die Geschichte miteinbringen, oder das Orakel hält sich auch (un)bedeckt, oder es ist gar nach allen Seiten offen oder dicht. Egal, alles einfach wieder auf Anfang, in dieser unendlichen Brexit-Story. Das Leben an und für sich kann sehr „brexit“ sein! Wo gehts denn hier eigentlich zum Ausgang? – Klaus P. Jaworek


 

Leserbrief zu „Der Wert einer Unterschrift“ von Karoline Kuhla-Freitag

Ottmar Hörl (*1950 in Nauheim) ist ein deutscher Konzeptkünstler, Bildhauer und Objektkünstler. Er wurde vor allem durch seine vielfältigen Skulpturen zu Themen des alltäglichen Lebens sowie durch Großprojekte mit seriellen Skulpturen im öffentlichen Raum bekannt. Ottmar Hörl war von 2005 bis 2017 der Präsident an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg. Aus Anlass des 500. Jubiläums von Albrecht Dürers weltberühmten Aquarell „Das Große Rasenstück“ (1503) verwandelte Ottmar Hörl den Nürnberger Hauptmarkt mit rund 7000 grünen Dürer-Hasen in eine 2500 qm große „Hasenfläche“ (2003). Diese grünen Dürer-Hasen konnten käuflich erworben werden, das Stück für 50 €, unsigniert; oder für 130 €, signiert! – Klaus P. Jaworek