26. März 2020 – Ausgabe 14

Leserbriefe zum Titelthema „Alle Macht dem Virus?“/“Freiheit, Arbeit, Solidarität – worum es jetzt zu streiten lohnt“ von Harro Albrecht et al.

 

Endlich! Nachdem die ZEIT schon Drosten zum Kanzler ausgerufen hatte, kehrt mein Glaube an die “Intelligenz des Blattes” schrittweise zurück. Vor allem die Beiträge von Jean Heuser und Andreas Sentker waren überfällig! Ich wünsche mir zudem noch ein dringend notwendiges “Pro und Contra” zu unserem Shutdown. Darin müsste endlich einmal eine kritische Auseinandersetzung mit der Rolle der Virologen im politischen Prozess erfolgen. In München und Berlin scheinen jetzt Menschen das Sagen zu haben, die Jahrzehnte lang völlig unbedeutend waren. Sie beherrschen jetzt die Meinungsbildung und sogar die politischen Entscheidungsprozesse; aber nicht weil die Lage so ernst ist, sondern weil die unfassbare planetarische Hysterie aus einer Grippewelle eine WELTPANIK gemacht hat.

Wenn – und das ist wahrlich nicht zynisch gemeint – am Ende eine Bilanz gezogen wird, dann steht eine Zahl von vielleicht 100.000 Grippe-Toten einem wirtschaftlichen Schaden von Billionen gegenüber. Wenn wir jetzt einmal – wahrlich nicht zynisch gemeint – einmal eine Division vornehmen, dann kommen wir auf Behandlungssummen von Millionen pro Corona-Patient. Niemand, in keinem Land der Welt, hätte eine solche Behandlung bewilligt: “Tut uns leid, aber da können wir aus Gerechtigkeits- und Angemessenheitsgründen nicht helfen!” Und jeder hätte Verständnis dafür gehabt! Aber weltweit wird dieser Wahnsinn praktiziert – und alle stimmen angeblich zu! Es müsste in der ZEIT, gerade in der ZEIT, dann auch eine Auseinandersetzung mit der Frage erfolgen, in welchem Ausmaß die Angst der Menschen vor dem Tod zu der vorherrschenden Panik geführt hat. Und ob Angst politisches Handeln bestimmen darf. Deutschland war einst das Land der Dichter und Denker, Deutschland im März 2020 ist anscheinend “nicht mehr ganz dicht”! Bleiben Sie kritisch! – Dr. Peter Michel

 

Seit Tagen sehnte ich mich nach dem Donnerstag und der „Zeit“-Lektüre. Und Sie haben mich nicht enttäuscht. Alle Artikel von 1-8 unter dem Titel „Alle Macht dem Virus?“ haben mir auf gesundheitsfördernde Weise aus der Seele gesprochen! Ich dachte schon, ich wäre mutterseelenallein mit meiner Sorge um die junge Generation (bis 40 J.), meinen Panikattacken bei Ankündigungen über die Dauer der Beschränkungen, meiner Angst um bürgerliche Freiheiten. Erstaunt war ich auch, als Christian Lindner (FDP, sonst gar nicht meine Farbe!) in der gestrigen Bundestagsdebatte „Schluss jetzt bald!“ sagte – was für eine ver-rückte Welt! Ich werde mich nach Auswanderungsmöglichkeiten nach Schweden erkundigen, falls die Verfassungsklagen erfolglos bleiben, das hier ist grad‘ gar nicht meine Republik! – Doris Echterbroch

 

In Ihrem Artikel „Freiheit, Arbeit, Solidarität – worum es jetzt zu streiten lohnt“ fragen Sie unter der Überschrift „Gibt es Schutz nur für Gutverdienende“: „Werden alle Leistungsträger der Gesellschaft fair bezahlt?“. Sie argumentieren, dass viele Menschen, die in systemrelevanten Berufen (z.B. in der Pflege) tätig und dem Virus mehr oder weniger schutzlos ausgeliefert sind, zu schlecht bezahlt werden. Gleichzeitig können besser verdienende Menschen, die beispielsweise im Büro arbeiten, sich ins sichere Home-Office zurückziehen. In Deutschland gibt es nach wie vor einen gender pay gap. Frauen verdienen im Schnitt weniger Geld als Männer. Das liegt auch daran, dass Frauen häufiger in schlechter bezahlten Berufen tätig sind. Die Gründe hierfür sind vielschichtig. In Ihrem Artikel gehen sie wie selbstverständlich davon aus, dass „der Arbeiter“ und „der Wachmann“ männlich, „die Kassiererin“ oder die „die Krankenpflegerin“ dagegen weiblich sind. Es mag stimmen, dass in diesen Berufen Frauen und Männer nicht zu gleichen Teilen vertreten sind. Dieser Zustand ist keineswegs gottgegeben, sondern hängt auch mit längst überholten Klischees und Rollenbildern zusammen.

Bis zu einem gewissen Grad kann ich nachvollziehen, wenn Sie aus „Gründen des Lesefluss“ o.ä. auf eine gendergerechte Sprache verzichten. Wenn durchgängig die männliche Form verwendet wird, fällt die Verwendung der weiblichen Form bei z.B. Berufsbezeichnungen jedoch um so mehr auf. Durch die gezielte Verwendung weiblicher Bezeichnungen entsprechend den gängigen Klischees (Männer bauen Autos, Frauen putzen) erzeugen und zementieren sie diese Stereotype in den Köpfen Ihrer Leserinnen und Leser und tragen so zur Aufrechterhaltung des Status quo bei. Ich möchte Sie daher darum bitten, in Zukunft zumindest auf eine durchgängige Sprache zu achten: Konsequent männlich, konsequent weiblich, oder (zeitgemäß) konsequent gendergerecht. – Oliver Heinz

 

Heute morgen auf dem Wochenmarkt in Baden-Baden: lebhaftes Gewusel, Hamsterinstinkt schlägt Abstandsregel. Mittendrin blockiert ein sorgloses Dreigestirn mit großkalibrigem Rassehund den Durchgang zum anderen Gemüsestand, setzt übersichtliches Schlangestehen außer Kraft. Treffpunkt der Hedonisten und Saturierten – graumeliertes Haar modisch zurückgegekämmt, leicht verlebte Gesichtszüge, alle dürfen zuhören: Hast du schon gehört, in Straßburg werden über 80ig-jährige nicht mehr beatmet, wollte es nicht glauben, aber es stimmt. Da ham wir ja grade noch Glück! Und Prinz Charles hat es auch erwischt, mal sehen ob der durchhält… Also Grüße daheim, das holen wir alles nach – ich stell schon mal die beste Flasche kalt!

– Wir lassen uns unsere Party so schnell nicht nehmen – Gestern abend im Telefonat mit einer Freundin: Sorge um die Tochter, gebärfähige Phase bald vorbei, Jahre in der Großstadt gelebt, ein schlecht bezahltes Praktikum nach dem anderen, von einem befristeten Projekt zum nächsten gehangelt. Endlich Job ergattert, Fernbeziehung ist der Preis, daher profunde Kennerin der Flixtrain, Bus- und Mitfahrszene, jetzt schwanger und allein im home-office! – Große Zukunftsangst – Alle Macht dem Virus – was in dieser Ausgabe wohl drinsteht? Will ich es wirklich wissen? Wieder viele plakative Überschriften, seitenweise rhetorische Fragen, garniert mit ein paar dogmatischen Appellen („Nutzt die Krise!“)?

Vielleicht zeigt sich Abstandhalten auch als ironisierende Sprache, als distanziert-abgehobene Analyse, als cooles Geplapper oder hilfloser Galgenhumor? Was macht es so schwer, gerade jetzt dicht ranzugehen an die Menschen, an das was sie momentan im Innersten umtreibt und stellvertretend darüber zu schreiben, authentisch, voller Resonanz und warmer Engagiertheit? Darüber, wie es ist für die kleine Gemüsefrau mit ihren begrenzten Mitteln oder für die Tag für Tag freundliche Kassiererin hinter ihrer eilig zusammen geklebten Plexiglasscheibe, die sie notdürftig schützt vor den Viren und den zunehmenden Aggressionen der Kunden angesichts leerer Regale. „Nicht die Stärksten hätten in der Menschheitgeschichte überlebt, sondern die Freundlichsten“ / S.4 Titelthema Nr. 13. – Erika Allinger

 

Ich bin seit Jahrzehnten großer Zeit-Fan. Neben einem starken Kaffee am Morgen gibt’s für mich am Donnerstag nichts Besseres, als die neue Ausgabe in Empfang zu nehmen. Aber heute war ich wirklich entsetzt über Euer Titelthema. Klar muss es Corona sein, volles Verständnis. Aber diese reißerische Aufmachung ist doch so gar nicht Eure Art und ich frage mich, warum müsst Ihr eine solche Richtung einschlagen. In Zeiten wie diesen, wäre es schön, wenn wir doch verstärkt bei qualitativ hochwertigem Journalismus bleiben könnten und nicht jeder auf den Boulevard-Zug aufspringen würde und solche Headlines setzt. Besonders nicht Ihr. Denn das habt Ihr meiner Meinung nach gar nicht nötig! – Bettina Dorn

 

Eine dieser Fragen war doch vollig überflüssig, oder ? Selbstverständlich zahlen die Kinder – u. überhaupt die Generation bis etwa 40 für die Alten. Ich hoffe, sie wird ihnen auch in Zukunft zutiefst (mein Alter 70) hierfür dankbar sein.?? Wie können wir ein wenig zurückzahlen*. Mit mehr Eigendisziplin von unserer Seite; dann hätte es so schlimm nicht kommen müssen! Hoffentlich machen wir nicht wie gehabt weiter und reisen auf Kosten der Jüngern wieder um die halbe Welt. Kreuzfahrten ets. Ach so, ja auch ihre geschätze Zeitung ist keinKlimaengel – weshalb? „Liegt das nicht auf der Hand“ *in dem wie nur noch in Deutschland reisen ! – Andreas John

 

Hoffentlich hat das Corona-Virus die ZEIT abonniert. Ich stelle mir vor, wie es, nach Lesen verschiedener Beiträge vom Gewissen geplagt, die geltend gemachten Bedenken bilanziert und sich zur Mäßigung entschließt. Falls nicht, dann haben wir immer noch die Möglichkeit, es vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte wegen virulenter Renitenz zu verklagen. Und überhaupt, ich strapaziere mal den Zeitgeist etwas: Könnte man Corona nicht durch korrektes Gendern mit sich selbst beschäftigen? Vielleicht gar mit einem Binnen-I bis zur Verhandlung lähmen? Leider ist der Angeklagte flüchtig, man müsste wohl in Abwesenheit verhandeln, um ein ausgewogenes Verhältnis zwischen der Anzahl der Toten und dem in Deutschland zu garantierenden Maß an individueller Freiheit, seinen Mitmenschen zu schaden, zu bestimmen. War Freiheit nicht mal, alles tun zu dürfen, es sei denn, die Interessen anderer werden verletzt? Vergessen wir’s. Wir haben Identität und Würde, wir brauchen das Recht auf Überleben nicht. Würde reicht bekanntlich über den Tod hinaus.

Gott sei Dank haben wir ein Grundgesetz, das alle Eventualitäten des Menschseins, ja die komplette Zukunft in Regeln von Ewigkeitsrang gegossen hat (Ich meine mich zu erinnern, die Aufnahme von Corona-Epidemien wurde schon während seiner Formulierung von weitsichtigen Zeitgenossen vorgeschlagen, schließlich aber mit knapper Mehrheit verworfen). Und zum Glück haben wir dort das grundlegende Recht des Individuums verankert, wegen eines Rachenabstrichs oder einer Ermahnung durch Ordnungskräfte (Körperverletzung! Traumatisierung!! Datenschutz!!! Außerkraftsetzung des Rechtsstaates!!!! Heraufziehende Diktatur!!!!!) das Bundesverfassungsgericht die nächsten 20 Jahre zu beschäftigen. An Geld wird es nicht mangeln, dafür gibt es Nachtragshaushalte.

Ich bin fassungslos über manche vorgetragene Erwägung und fühle mich an den Realitätsverlust vom September 2015 erinnert, es gibt geradezu erschreckende Parallelen. Welche Wahrscheinlichkeit tödlichen Ausgangs brauchen wir in diesem Land, um zur Besinnung zu kommen? 20, 50 oder 100 Prozent? Ab wann beugen sich Juristen nicht mehr frohlockend über die von der Regierung für notwendig gehaltenen Festlegungen (Wunderbar, Arbeit bis zur Pensionierung!)? Etwa erst, wenn die Hälfte von ihnen an ein Beatmungsgerät angeschlossen ist und dann für einige Zeit den Mund halten muss? Was ist mit diesem Volk und einem Teil seiner Journalisten los? Sind eigentlich die einzige Erinnerung an die Pest in Europa die lustig-frivolen Geschichten aus dem Dekameron, oder – war da noch was? – Dr. Matthias Wagner

 

Drei Aspekte scheinen mir in der gegenwärtigen Diskussion über den richtigen Umgang mit der Corona-Epidemie unstrittig zu sein: Zum einen, dass Epidemien globale Ereignisse sind, die auch global betrachtet werden müssen, zum zweiten, dass wir den Virus erst mit einer Impfung besiegen werden (bis dahin aber mit ihm werden leben müssen) und zum dritten, dass man sich im Konflikt zwischen Menschenleben und Wirtschaftsleben nicht auf eine Seite schlagen kann, weil die zwei Aspekte zu stark miteinander gekoppelt sind. Wer glaubt man könne die Weltwirtschaft mehrere Monate in ein künstliches Koma legen ohne dass die Konsequenzen für die Weltwirtschaft massiv Leben kosten werden, möge bitte einen Blick auf den Zusammenhang von Lebenserwartung und Pro- Kopf-Einkommen werfen.

Gerade für die ärmsten Länder ist der Zusammenhang zwischen Lebenserwartung und Einkommen extrem steil. (Wir reden hier von 5 bis 6 Jahren Lebenserwartung pro 1.000 US $ Jahreseinkommen). Wenn sich in Afrika die Lebenserwartung um 1 Jahr reduziert bedeutet das 1,3 Milliarden weniger Lebensjahre. Um diese Zahl zu erreichen müsste die Corona-Epidemie wenigstens 150 Millionen Tote fordern. Jenseits aller sonstigen negativen Effekte kostet eine weltweite Wirtschaftsdepression auch massiv Menschenleben. Das scheint mir in der gegenwärtigen Diskussion nicht angemessen gewürdigt zu werden. Andererseits lebt Wirtschaft vom Vertrauen auf die Zukunft. Wer glaubt den Virus laufen lassen zu können ohne – auch wenn die Welle ihren Gipfel erreicht – genügend Krankenhausbetten mit Beatmungsgeräten bereitzustellen, verkennt dass die medialen und politischen Effekte eine System verändernde Dynamik entfalten können und damit der Wirtschaft nicht nur ihre mentale sondern auch ihre strukturelle Basis entziehen.

Wenn man von einem Wunder absieht, etwa in der Form, dass innerhalb von Wochen ein effektives Medikament oder Impfstoff gefunden wird, scheint es aus diesem Dilemma nur einen Ausweg zu geben und der lautet: Ein Staat wie Deutschland muss sich in die Lage versetzen, innerhalb von Wochen 100.000 zusätzliche Krankenhausbetten mit Beatmungsgeräten zur Verfügung stellen zu können. Das erscheint angesichts der 28.000 Intensivbetten in Deutschland komplett illusorisch, ist es aber nicht. In der Zeit des kalten Krieges konnte Deutschland innerhalb von 72 Stunden 1,2 Millionen Reservisten kampffähig aktivieren, inklusive schwerem Gerät. Das brauchen wir heute zum Glück nicht mehr. Was wir aber brauchen ist ein medizinischer Katastrophenschutz, der ähnlich schlagkräftig ist, wie es seinerzeit die Bundeswehr war. Auch in diesem Sinne wäre ein verpflichtendes Dienstjahr egal ob im Wehrdienst, im Zivildienst oder im Katastrophenschutz mehr als notwendig.

Medizinischer Katastrophenschutz ist teuer, allerdings um Faktoren billiger als ein nationaler „Lockdown“, wie er zur Zeit als ultima ratio praktiziert wird. Das dumme an diesem Vorschlag ist, dass er für die gegenwärtige Krise keine Lösung darstellt. Aber sehr wohl für die nächste. Wer sich zwischen medizinischer „Pest“ und wirtschaftlicher „Cholera“ nicht entscheiden mag, benötigt einen schlagkräftigen medizinischen Katastrophenschutz, der auch im Rahmen einer globalen Epidemie die medizinische Versorgung ohne „Lockdown“ aufrechterhalten kann. Das scheint mir eine erste Lehre aus der gegenwärtigen Krise zu sein. – Dr.-Ing. Friedrich Böbel

 

Der ‚Virus‘ beherrscht unser Leben. Bitte achten Sie jedoch darauf, daß er nicht auch DIE ZEIT beherrscht. Ihre Artikel zu diesem Thema waren, gerade in der aktuellen Ausgabe, sehr differenziert und zum Teil auch sehr bewegend. Ich habe es nicht nachgerechnet, aber beim Durchstöbern DER ZEIT schien er mir in 95% der Artikel präsent. Das ist zu viel. Ich denke, das Gros von uns ist schon jetzt über alle Maßen genervt und kurz vor‘m Austicken. Bitte suchen und finden Sie mehr Themen die nichts mit dieser Krankheit zu tun haben. Man bekommt den Mist schon sonst überall um die Ohren gehauen… – Daniel Prütz

 

Was mein Leben reicher macht …in Zeiten von Corona: Mein Stiefsohn aus Darmstadt rief an. Der Flugverkehr über seinem Häuschen im Schrebergarten hat deutlich abgenommen. „Es ist so ruhig jetzt, dass ich die Knospen meines Maulbeerbaumes aufspringen höre!“ Das hebt meine nun häufiger schwankende Stimmung! – Eva Ehlers

 

Alle Macht dem Virus?Am 3. März 2020, in der 30. Schwangerschaftswoche, landete ich in Frankfurt am Main. Sonderflugbestimmungen für Schwangere, an sowas muss man sich halten. Start meiner Reise: Santa Cruz, eine Insel im Galapagos Archipel, Ecuador. Dort lebe ich überwiegend, seit ca. 2 Jahren. Es ist die Heimat meines Ehemannes, wir beide hatten dort bis vor Kurzem gute Jobs in der Tourismusbranche. Die Frage, unseren Lebensmittelpunkt nach Deutschland zu verlagern, hatte sich für uns nie gestellt, weshalb wir auch keine Notwendigkeit darin sahen, direkt nach unserer Hochzeit einen Aufenthaltstitel für ihn zu beantragen. Nun ist der Plan, (oder sollte ich schon sagen warunser Plan?), dass mein Mann zur Geburt unseres Sohnes nach Deutschland nachkommt.

Das Schengenvisum dafür hat er bereits Anfang Februar erhalten, es ist ab dem 2. April gültig. Es war mein Wunsch zur Geburt unseres Sohnes bei meiner Familie in Deutschland zu sein. Es wird mein erstes Kind sein, es war mir einfach wichtig. Was ich nicht wollte, war, dadurch, nicht bei meinem Mann sein zu können. Am 16. März rief ich sorgenerfüllt bei der deutschen Botschaft in Quito an, fragte nach, ob sie meinem Mann das Visum vorziehen könnten, so dass er in eine der letzten Maschinen nach Europa steigen könnte. An ihnen solle es nicht scheitern, sagte der freundliche Mitarbeiter der Visaabteilung. Mein Mann müsse dafür allerdings in die Botschaft kommen und ich solle unbedingt daran denken auch seine Krankenversicherung vorzuziehen. Kein Problem, aufatmen, es gibt eine Notlösung.

Einen der letzten Sitzplätze der Flüge von Galapagos nach Quito und von Quito über Amsterdam nach Frankfurt am Main, hatte ich auch ergattert. Welch ein Glück!! Am 18. März sollte es losgehen. Am gleichen Tag, wenige Stunden später, hörte ich im Fernsehn den Vorschlag von der europäischen Kommissionspräsidentin. Dieser Vorschlag wurde am 17. März, einen Tag später, von allen Schengenstaaten angenommen und sofort umgesetzt. Am Folgetag, also am 18. März erhielt ich eine Email der deutschen Botschaft, in der sie mich darüber informierte, dass mein Mann aus ihrem Terminvergabesystem geworfen wurde. Von dem einen Tag auf den anderen, wurde der deutschen Botschaft das Ausstellen von Schengenvisa untersagt. Den Flug nach Europa am 20. März, den wirklich jeder und jede Ausreisewillige in diesem Moment haben wollte und für den mein Mann ein Ticket hatte, musste ich schweren Herzens stornieren, er würde uns nichts nützen, da das Visum erst ab dem 2. April gültig ist. Was nun?

Flüge wieder umbuchen auf Anfang April. Das ging in der App der Flugline sogar noch. Ein Schreiben an die Bundespolizei Frankfurt, ob mein Mann zu einem familiären Notfall zählen und somit in die Ausnahmeregelung für Inhaber eines Schengenvisums fallen würde. Antwort: Derzeit ja, sie würden ihn aktuell mit gültigem Schengenvisum einreisen lassen. Was im April sei, könnten sie nicht vorraussehen. Verständliche Antwort, in mir keimt wieder Hoffnung. Gestern habe ich eine automatische Nachricht der Flugline erhalten, die besagt, dass unser gebuchter Flug für den 8. April gestrichen wurde. Ich könnte für den 1. Mai einen Flug buchen, ob dieser jedoch stattfinden wird, weiß derzeit keiner. Unser Sohn kommt planmäßig am 27.4. zur Welt. Die Einreisesperre für Nicht-EU-BürgerInnen hat kein starkes Medienecho hervorgerufen.

Irgendwie fanden sie alle einfach gut. Eine unproblematische Einigung im Schnelldurchlauf (der französiche Präsident verkündete sie sogar schon vor der Absprache mit den anderen Mitgliedsstaaten!), durch die die EU endlich ihre Verantwortung im Kampf gegen Corona demonstrieren konnte. Ein paar dramatische Momente am Flughafen Frankfurt am Main wurden von der Bildzeitung eingefangen, viel mehr nicht. Kritik? Weit und breit keine zu sehen. Globale Verflechtungen existieren nicht nur für Produktionsketten, im Tourismus oder für sportliche Großveranstaltungen und soziale Dramen beschränken sich nicht darauf, die Großeltern um die Ecke nicht mehr besuchen zu dürfen, oder mit FreundInnen derzeit kein Bier trinken zu können. Was passiert also mit Menschen mit durch und durch transnationalen Lebensentwürfen? Das Glück, gemeinsame Erinnerungen an die Geburt unseres Sohnes haben zu können und das emotionale Wohlbefinden meiner Familie in der Vorbereitung auf die Geburt, werden gerade zwischen politischen Mühlen zerrieben, die sich schlagartig und panisch in Gang gesetzt haben, weil die verantwortlichen Akteure zunächst die Ernsthaftigkeit von Covid-19 nicht früh genug erkannten und anschließend mit Tunnelblick weitreichende Entscheidungen trafen.

Das gilt übrigens nicht nur für die EU, sondern auch für Ecuador. Für beide Fehler lassen sich Gründe und Verständnis finden. Das meine ich ernst. Aber ich bin zu sehr betroffen, um mir die Wut darüber verkneifen zu können, wieviel Raum diesem Virus dann plötzlich gegeben wurde. Es macht mich so wütend und traurig, dass es mir das Mitgefühl für meine Mitmenschen und ihre Probleme (auch hervorgerufen durch die getroffenen Maßnahmen), regelrecht vernebelt. Wer es durchsetzt, Menschen de facto wochenlang, wenn nicht sogar Monate voneinander zu trennen, müsste ihnen zumindest die Möglichkeit geben, sich zunächst zu sortieren. Nicht aus Pech, oder wegen fehlender Eigeninitiative kann mein Mann nicht einreisen, sondern weil Einreisebestimmungen, der Betrieb von Flughäfen und das Angebot kommerzieller Flüge innerhalb weniger Stunden eingestampft wurden. Es ist nicht davon auszugehen, dass kommerzielle Flüge zwischen Ecuador und Europa bis Ende April wieder aufgenommen werden können.

Anspruch auf einen Platz in einem der Rückholflüge hat mein Mann nicht, da er kein deutscher Staatsbürger ist. Aus dem gleichen Grund wird auch die Kooperation zwischen den Schengenstaaten für eine effektive und solidarische Organisation der Rückholflüge meinem Mann und mir nichts nützen. Damit diese Flüge auch Menschen wie uns zu Gute kommen, müsste deren Regelung so gefasst werden, dass sie auf die Lebenssituation der Betroffenen und nicht auf deren Nationalstaatsangehörigkeit zugeschnitten ist. Außerdem befinden sich viele Ausreisewillige an entlegenen Orten, was die Durchführung von Rückholfügen zu späteren Zeitpunkten ebenfalls sinnvoll macht. Vielleicht könnte man solche Regelungen ja auch einfach mal im Eiltempo beschliessen. Wie wäre es jetzt gleich? – Lisa Lindzus

 

Ich war sehr verwundert einen solchen Standpunkt in der ZEIT lesen zu müssen. Es kommt mir vor, als würde jetzt versucht eine digtale Pestklingel oder Judenstern einzuführen. Alles mit dem Vorwand, Leben schützen zu wollen. Die Ausgrenzung von Bevölkerungsgruppen, seien die Ziel auch noch so ehrenhaft, geht mir deutlich zu weit. Ich sehe schon Menschen mit ihren Handys auf „Krankensuche“ gehen wie bei Pokemon Go.Viele werden sich daraus einen Spaß machen. Lieber alle müssen weiter Verzicht üben, als daß man Menschen stigmatisiert. Die Deutschen haben da ja leider Übung darin. – Harald Lutz

 

Covid-19 – Die Chance für ein neues Zusammenleben Alternativer-Titel: Warum Covid-19 eine Chance für ein neues Zusammenleben ist. Corona – das Thema dieser Tage. Dieser Text kann nur geschrieben werden, weil es dieses Virus gibt, welches schon viele Menschenleben gefordert hat und noch fordern wird. Das macht zutiefst betroffen. Viele Menschen sorgen sich um ihre Existenz und wissen nicht, was morgen und übermorgen kommt. Vielleicht aber lohnt sich die Sicht aus einem anderen Blickwinkel. Was wäre, wenn wir die Covid-19-Pandemie positiv als Chance für ein neues Zusammenleben sehen? Eine Chance, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Ist doch so oft von Entschleunigung und Entrümpelung unseres Lebens die Rede – jetzt ist das plötzlich die Tatsache. Zeit für die Familie, für sich selbst, für die Natur. Wie viele Menschen entdecken aktuell den alltäglichen Rhythmus für sich neu, essen gemeinsam mit der Familie zu Mittag, gehen nachmittags raus in die Natur oder verabreden sich abends im digitalen Raum mit Freunden? Plötzlich ist Zeit für die Gitarre da, deren Saiten schon verstimmt sind.

Der Plattenspieler wird abgestaubt und wieder angeschlossen. Die Schulfreundin, von der man schon lange nichts mehr gehört hat, freut sich über den Anruf. Gerade ist verweilen und zur Ruhe kommen das, was uns am meisten hilft. Manche merken, dass diese kleinen Dinge zufrieden, lebendig und glücklich machen können – und eben nicht nur Arbeit, Geld und der ganze übliche Konsum. Entsteht gerade eine neue Definition von Wohlstand? Eine Chance, sein eigenes Ego zu Hause zu lassen. Unglaublich, was man gerade alles für Geschichten von Solidarität, von Zusammenhalten, von Gemeinschaft hört und sieht! 43.000 Menschen arbeiten beim #WirVsVirus Hackathon der Bundesregierung an Lösungen zur aktuellen Krise. Nachbar:innen helfen Nachbar:innen bei allen möglichen Alltagsproblemen, ob es der Einkauf, die Internetverbindung oder Gartenarbeit ist. Krisen-Hotlines werden eingerichtet. Babysitter für Krankenhausmitarbeiter angeboten. Und das alles nur, weil Menschen sich für die Gemeinschaft engagieren, etwas Gutes tun, helfen – wieder richtig Mensch sind.

Wert und Werte werden regional von der Gemeinschaft erschaffen und gleichzeitig entkommerzialisiert, es sind nicht mehr nur die großen Firmen, auf die es ankommt, sondern wichtig ist jede und jeder einzelne. Entsteht gerade eine neue Art und Weise gemeinschaftlich zusammen zu leben? Eine Chance wahrzunehmen, wie wir digital miteinander umgehen können. Die Arbeit von zu Hause funktioniert den Umständen entsprechend eigentlich auch ganz gut und das eine oder andere Gespräch kann auch online geschehen, ohne dafür irgendwo hinzufliegen oder fahren zu müssen. Schien sowas vor einigen Wochen noch unmöglich, ist dieser Wandel von einer auf die andere Woche durchführbar. Zuvor hätten wir darüber noch lange Zeit beraten und planen müssen. Doch jetzt haben wir es einfach gemacht, das altbekannte Muster aufgebrochen, um Neues auszuprobieren und verrostete Abläufe hinter sich zu lassen. Wir stellen fest, dass so auch effektiv gearbeitet werden kann. Entsteht gerade ein neues Arbeitsmodell?

Eine Chance, die Welt wieder mehr auf Basis der Wissenschaft wahrzunehmen. Wissenschaftliche Erkenntnisse, die neuesten Studien oder Ansichten von Virologe Christian Drosten sind gerade sehr gefragt. Darauf wird gehört und vertraut – keiner verlässt sich auf einfache, schnelle Lösungen in dieser Situation. Denn das führt nur noch zu mehr Chaos. Faktisch-basiertes Handeln und der Gebrauch des gesunden Menschenverstands ist das Gebot der Stunde. Die einfachen Parolen der Trumps, Bolsonaros und Johnsons helfen nicht. Das Populistische mit seinem post-faktischen Charakter stößt an seine Grenzen.

Entsteht gerade ein neues Vertrauen in das wissenschaftliche Denken? Lasst uns diese Tage und Wochen als Chancen begreifen. Chancen auf eine neue Wahrnehmung von Wohlstand, auf neue Formen des Miteinanders und des Arbeitens, auf eine rationalere Wahrnehmung des Weltgeschehens, um nach der Covid-19 Pandemie nicht zu business-as-usual zurückzukehren! Lasst uns feststellen, wofür es lohnt im Leben einzustehen. Lasst uns feststellen, wer wir denn eigentlich sind und sein wollen. Lasst uns feststellen, dass wir alle aktiv die Welt mit unserem Handeln gestalten. Lasst uns feststellen, in welcher Welt wir leben wollen! – Jens Becker

 

Die Wissenschaftler haben das getan, was ihre Aufgabe ist: Sie haben Erkenntnisse gewonnen, in diesem Fall über eine neue Variante von Corona-Viren, und diese der wissenschaftlichen Gemeinschaft zugänglich gemacht, wie es üblich ist. Dies hat ermöglicht, dass schnell Testsyteme entwickelt und damit Infektionen entdeckt werden konnten. Was die Wissenschaftler nicht können: Die Gefährlichkeit der neuen Variante und den Verlauf der Infektionswelle vorhersagen. Man kann derzeit nur Daten für begrenzte Zeitabschnitte und einzelne Länder oder Regionen erheben, die schnell überholt sind, und erst nach Abklingen dessen, was wir Pandemie nennen, kann abschließend beurteilt und verglichen werden. Wie immer, wenn man nichts Sicheres weiß, wird interpretiert, spekuliert, gemutmaßt, was ein menschliches Bedürfnis ist, aber angesichts der medialen Vernetztheit zu einer Überfülle an Informationen führt, die , statt aufzuklären, verwirrt, verunsichert und damit zu irrationalem Verhalten führt.

Getretener Quark wird breit, nicht stark. Leider erliegen auch seriöse Publikationsorgane wie Die Zeitder Versuchung, des Guten zu viel zu tun. So finde ich zum Beispiel den über vierseiten Artikel „Dieser Abstand rettet Leben“ in der Ausgabe 14 von 24.März überflüssig, weil er keine neuen Aspekte liefert (wir alle haben unsere individuellen alltäglichen Erfahrungen mit COVID-19), und der unterschwellig larmoyante Ton des Artikels hat mich unangenehm berührt. Ich verstehe die ökonomische Notwendigkeit, die Zeitung auf ihrem Umfang zu belassen und die Leserschaft bei der Stange zu halten – aber bitte nicht mit what bleeds leads.Dr. Brigitte Pfeiffer-Guglielmi

 

Virus und Wirtschaft beachten!Wir sollten aufpassen, dass wir nicht aus Angst vor dem Tod ökonomischen Selbstmord begehen. Dass die Politik auf den Rat der Virologen hört, ist richtig, aber sie darf nicht ausschließlich darauf hören. Auch die Auswirkungen der Einschränkungen auf die Menschen und die Auswirkungen auf die Wirtschaft sind zu beachten. Es gilt abzuwägen. Das wird nicht einfach. Und wenn Herr Scholz von unbegrenzten Mitteln spricht, dann ist das schlichtweg Blödsinn. Die Mittel sind nicht unbegrenzt, und alles muss bezahlt werden – und das meiste von unseren Kindern. Wenn ich höre: „Um Leben zu retten ist kein Preis zu hoch“, denke ich nur: „Welch naiver Glaube“. – Raimund Helbrich

 

[„Auch Debatten sind systemrelevant: Wer jetzt aus guten Gründen nachfragt, wer kritisiert, womöglich Klage einreicht, der ist kein Abweichler, niemand der die Solidarität gefährdet, auf die sich die Gesellschaft gerade eingelassen hat. Wer jetzt Bedenken äußert und Erklärungen verlangt, sichert eher den Konsens. Denn dieser kann nicht auf Dauer verordnet und erzwungen -er muss immer wieder erzeugt werden.“] Sehr geehrtes Redaktionsteam, bis vor wenigen Tagen war landauf landab in sozialen Netzwerken und Online-Foren fast ausschließlich das immer gleiche, wiederkehrende Mantra hören: „Man könne doch jetzt so viel Zeit gemütlich auf der Couch verbringen“- einfach zu Hause bleiben und so die Welt retten, dazu ein Selfie mit Kaffeetasse in der Hand auf der privaten Terrasse. Mir erschienen diese Posts als zynische Sicht der Privilegierten, die- wie ich selber- das Zu –Hause- Bleiben beruflich einrichten können, die -in stabilen privaten Verhältnissen lebend- die gewonnene Familienzeit genießen, teilweise im eigenen Haus und Garten sowie mit gesichertem Einkommen (,und sich beispielsweise auch nicht über die Verhältnisse in deutschen Flüchtlingsunterkünften oder an der EU-Grenze den Kopf zerbrechen müssen).

Wer noch vor wenigen Tagen auf unabsehbare Folgen der Maßnahmen, psycho-soziale und wirtschaftliche Probleme, gesellschaftliche Dynamiken und raumgreifende Ängste hinwies, wer sich die Frage erlaubte, ob die Maßnahmen erstens verhältnismäßig und zweitens wirksam sind oder auf eine Unterscheidung von wissenschaftlicher Zwangsläufigkeit und politischer Entscheidung anmahnte, wurde nicht selten als „unsolidarisch“, „unqualifiziert“ oder „geschmacklos“ abgetan. [Sogar Menschen, die schlichte Nachfragen stellten („Kann ich mit meinen Kindern noch nach draußen gehen?“) wurden von anderen haltlos beschimpft, mit Corona-Party-feiernden Regelbrechern identifiziert oder sogar für die „Corona-Toten“ mitverantwortlich gemacht: von Menschen, die von sich selber in Anspruch nahmen, jetzt solidarisch und vernünftig zu handeln. (Und sogar ansonsten hochreflektierte Menschen vertraten die Ansicht, dass jetzt keine Zeit für Debatten sei und zu viel Diskussion das solidarische Klima gefährde.)]

Vielen Dank, dass sie mit ihren Hinweisen auf die „radikale Abschottung von Alten, die zum Gebot der Nächstenliebe erklärt“ wurde, auf Millionen Kinder in prekären Familiensituationen, exemplarisch die Situation der weniger Privilegierten vorführen. Vielen Dank, dass Sie auf „die Grenzen zwischen wissenschaftlicher Expertise und politischen Handeln“ und auf rechtsstaatliche Fragen aufmerksam machen. Heinrich Wefing, Evelyn Finger, Andreas Sentker- ich danke Ihnen stellvertretend für weitere Ihrer KollegInnen für ihre differenzierten Beiträge: Sie haben mir das Vertrauen in unsere gesellschaftliche Diskursfähigkeit und letztlich in unser demokratisches System wiedergegeben. P.S.: Inzwischen scheint sich die „gesellschaftliche Stimmung“ wieder zu verändern; es werden zahlreiche kritische Stimmen laut und es gibt die Petition von Viviane Fischer, die eine belastbare Datenbasis fordert. Ob sich der Konsens für mehrere Wochen oder Monate halten lässt, bezweifle ich. – Nicole Breithaupt

 

Zum Thema: Der Staat darf nicht über Leben und Tod entscheiden COVID-19 – wir haben auch ein Selbstbestimmungsrecht. Seit mehr als 10 Jahren leite ich eine Palliativstation, mit viel Nähe zu meinen Patienten, die alle eine lebensbedrohliche Erkrankung haben. Wir sprechen über das Leben, die Familie, die Freunde und alles, was für den Einzelnen sein einzigartiges Leben ausmacht. Wir sprechen auch über Krankheit, über die Möglichkeiten und Grenzen von Behandlungen, über Wünsche und Hoffnungen, über Abschiednehmen, über den Tod und was vielleicht danach kommt. Aber über das Sterben zu sprechen ist das Wichtigste, um angstfrei und aus vollem Herzen zu leben. Und es braucht Zeit, Vertrauen, manchmal Mut und am allermeisten Liebe.

Mit dieser Erfahrung blicke ich jetzt auf die Welt, die sich wegen COVID-19 im Ausnahmezustand befindet. Wir erhalten in kürzesten Abständen immer neue Informationen. In den Medien werden emotionale Debatten geführt, über Bilder und Berichte wirken starke Eindrücke auf uns ein und unsere Vorstellungen zum Geschehen lassen oft Angst und Panik aufkommen. Was, wenn es mich trifft? Meine Liebesten, meine Familie, meine Freunde? Wird es genügend medizinische Ressourcen geben? Wird es im Ernstfall einen Beatmungsplatz geben? Wir halten uns daran fest, dass jeder durch eine gute medizinische Behandlung und durch eine Beatmung im Notfall, eine Infektion mit COVID-19 überstehen wird.

Die bisherigen epidemiologischen Daten zu diesem neuen Corona-Virus zeigen aber, dass die Menschheit offenbar unterteilt wird. In jung und gesund bzw. alt und krank, in Gruppen, die vermutlich einen eher leichten Krankheitsverlauf haben und solche, bei denen eher mit einem schweren Verlauf der Erkrankung zu rechnen ist. Nach Einschätzung des Robert Koch Instituts können schwere Verläufe auch bei Personen ohne Vorerkrankungen auftreten und werden auch bei jüngeren Menschen beobachtet. Folgende Personengruppen werden aber im Zusammenhang mit einem erhöhten Risiko für schwere Verläufe genannt:

Ältere Personen (mit stetig steigendem Risiko für einen schweren Verlauf ab etwa 50 – 60 Jahren), Raucher, Personen mit bestimmten Vorerkrankungen, des Herz-Kreislauf-Systems (z. B. koronare Herzerkrankung und Bluthoch- druck) , der Lunge (z. B. Asthma, chronische Bronchitis), Patienten mit chronischen Lebererkrankungen, Patienten mit Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), Patienten mit einer Krebserkrankung, Patienten mit geschwächtem Immunsystem (z. B. aufgrund einer Erkrankung, die mit einer Immunschwäche einhergeht oder durch Einnahme von Medikamenten, die die Immunabwehr schwächen, wie z. B. Cortison) Gehört man zu einer oder möglicherweise auch zu mehreren dieser Personengruppen, steigt das Risiko auf einen schweren Verlauf der Infektion und in einem hinteren Winkel unseres Denkens, unseres Fühlens und unseres Seins wird uns die Angst vor dem Tod, die Angst vor dem Sterben bewusster.

Über alle Medien werden wir darüber informiert, dass z.T. drastische Maßnahmen getroffen werden, um Menschenleben zu retten. Krankenhauskapazitäten und Beatmungsmöglichkeiten auf den Intensivstationen werden erhöht. Zusätzliches Personal im Umgang mit den Geräten geschult. Es werden Pläne gemacht, wie eventuell knappe Ressourcen verteilt werden können. Handlungsabläufe werden festgelegt, Therapiestrategien abgesprochen, Experten in unterschiedlichen Gremien eingebunden. So entsteht der Eindruck, dass durch intensivmedizinische Maßnahmen, insbesondere eine Beatmung, Infizierte mit einem schweren Erkrankungsverlauf geheilt und gerettet werden können. Mögliche Folgen einer Langzeitbeatmung oder Komplikationen unter der Beatmung – die übrigens auch bei jeder anderen beatmungspflichtigen Lungenerkrankung auftreten können – werden nicht beleuchtet. Ebenso wenig wie die Sterblichkeit unter diesen Maßnahmen beziffert wird.

Andererseits wissen wir aus zahlreichen Umfragen, dass Menschen zunehmend selbst darüber bestimmen möchten, welche medizinischen Maßnahmen an Ende des Lebens angewendet werden dürfen und welche nicht. Bei einer sich rasch entwickelnden, schweren COVID-19-Infektion gibt es aber nicht viel Zeit für Gespräche mit erkrankten Patienten oder auch Angehörigen. Weiterhin zeigt die Erfahrung, dass viele Ärzte sich schwertun mit einer Kommunikation am oder über das Lebensende. Solche Gespräche sind für Ärzte, die darin nicht speziell ausgebildet sind, belastend und werden eher vermieden. Zudem arbeiten Ärzte und Pflegepersonal unter Zeitdruck und müssen neben der Patientenversorgung auch noch auf ihren eigenen Schutz vor einer Infektion achten.

Gerade in der Zeit einer solchen Virus-Epidemie ist es also wichtig, sich mit den grundlegenden Fragen für den Fall einer lebensbedrohlichen COVID-19-Infektion zu beschäftigen und diese mit seinen Angehörigen zu besprechen oder aufzuschreiben. Eine geeignete Form dafür ist z.B. eine Patientenverfügung, das heißt eine Willenserklärung für den Fall, dass man seine Wünsche nicht mehr gegenüber Ärzten oder Pflegekräften erklären kann. Diese Verfügung kann genau sein und sehr ins Detail gehen, sie sollte die individuelle Situation wiedergeben und kann zudem den Wunsch nach einer Begleitung durch einen erfahrenen Palliativmediziner beinhalten. Wenn eine solche Verfügung datiert und unterschrieben ist, ist sie rechtlich bindend.

So kann jeder einzelne die Kontrolle über Maßnahmen in einer kritischen Lebenssituation behalten und vermeiden, dass andere Entscheidungen fällen, die man selber so nicht treffen würde und die unter Umständen sogar einen leidvollen Sterbeverlauf begünstigen wenn intensivmedizinische Maßnahmen an ihre Grenzen stoßen . In all den Überlegungen zu Prioritäten, Überzeugungen und Wertevorstellung gibt es kein Richtig oder Falsch, Besser oder Schlechter. Es ist immer eine ganz individuelle Entscheidung, die auf Lebenserfahrungen, Wünschen, Träumen, Hoffnungen, Lebenskraft und Energie beruht. Aber so bietet sich für jeden die Möglichkeit, Selbstbestimmung im Leben über die Fremdbestimmung durch Dritte zu stellen. Ich möchte Sie dazu ermuntern, sich diesem schwierigen Thema einmal zu stellen, sich darüber auszutauschen, einen eigenen Standpunkt zu gewinnen und sich ohne Angst achtsam und gelassen auf das zu konzentrieren, was für uns alle wichtig ist: Freunde, Familie, Mitmenschen und der respekt- und verantwortungsvolle Umgang miteinander. – Dr. Iris Friesecke

 

„Ganz Deutschland geht in Quarantäne“ – das ist falsch, zumindest noch am 26.3.! Dazu dieses Bild als hoch emotionale Depressionsinszenierung. Fehlt nur noch die Panik-Ikone dieser Tage: die weiße Maske. Was soll das? – Kurt Eimers

 

Alle Macht dem Virus … und damit den Virologen! Die Wissenschaft gibt den Takt an und das ist eine gute Nachricht, denn nur die Wissenschaftler können fundiert Aussagen zu Corona und seine Folgen treffen und so eine Basis für Entscheidungen liefern. Es geht nicht darum diese Maßnahmen zu beurteilen, denn ich bin kein Virologe. Interessant ist allerdings zu beobachten, wie bedingungslos und effizient die Politik den Vorschlägen der Wissenschaft folgt und wie selbstverständlich sich die Bevölkerung massiven Einschränkungen des sozialen Lebens unterwirft. Das kann, nein muss ein Beispiel sein für andere Krisen, denen wir ausgesetzt sind, beispielsweise die Klimakrise. Seit in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts die Klimaforschung intensiviert wurde ist bekannt, dass CO2 – und damit der Mensch – für die Regulierung des Klimas bzw. die Erwärmung des Planeten verantwortlich ist. Gehandelt wurde bis heute (fast) nicht. Übertragen wir nun das aktuelle Szenario auf die Klimakrise und nehmen wir an die Politik hätte vor zwei Jahren oder drei Jahren doch gehandelt und hätte eine Neuverschuldung von 156 Mrd. € beschlossen, um den Klimawandel abzumildern und die Energiewende voranzutreiben.

Die Energieproduktion aus Kohle wäre schon Vergangenheit. Der Abschied wäre geräuschlos und sozialverträglich vonstattengegangen. Die deutsche Autoindustrie würde mit emissionsfreien Antrieben wieder ihre gewohnte Führungsrolle in der Welt einnehmen. Ja, man hätte auch Stromtrassen und Windräder bauen müssen. Doch Wissenschaft und Politik im Schulterschluss hätten der Bevölkerung erklärt, dass dies zum Erhalt unserer Lebensbedingungen einfach notwendig ist und die Bevölkerung hätte es verstanden, so wie sie jetzt versteht, dass sie zuhause bleiben muss, um die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen. Das weckt Hoffnungen, denn addiert man sämtliche Corona-Rettungsschirme weltweit, so käme eine Summe zustande, die es ermöglichen könnte den Klimawandel in den Griff zu bekommen. Schließlich weckt das Beispiel Corona auch Erwartungen, weil ich bezüglich der Klimakrise nichts anderes von der Politik einfordere, als das was sie bei der Corona-Krise macht, nämlich der Wissenschaft zu folgen! – Dr. Klaus Kometer

 

In diesen tristen, nachdenklichen Zeiten ist allerorten von „Solidarität“ mit den Schwächeren, viel Belasteten und der Bürger- und Bürgerinnengemeinschaft die Rede (z.B. in dem Artikel „Das Gesicht dieser Wirtschaftskrise“, Zeit Nr. 14, S. 22). Die disziplinierte Befolgung der in diesem Umfang bis vor wenigen Tagen noch undenkbaren Einschränkungen der Menschenrechte zeigt, wie solidarisch die in diesem Land lebenden Menschen sind. Gleichzeitig wird klar, dass die Zweiteilung des Gesundheitssystems in gesetzlich und privat Versicherte nach Beendigung der Pandemie ein offen vor aller Augen liegender Anachronismus ist: Jede Bürgerin und jeder Bürger dieses Landes wird aus Solidarität in die gesetzliche Krankenkasse einzahlen müsses. Dem systemerhaltenden Kraftfahrer und der systemerhaltenden Verkäuferin und dem systemerhaltenden Pfleger wird es zukünftig schwer zu vermitteln sein, dass er oder sie ganz selbstverständlich ca. 7,5 Prozent seines Einkommens (ca. 7,5 Prozent zahlt ja bekanntlich der Arbeitgeber) als Beitrag in die gesetzliche Krankenkasse einzahlt, während die privat Versicherten sich dieser Solidarität entziehen können und vermeintlich besser abgesichert sind als die gesetzlich Versicherten.

Sollten 7,5 Prozent des Einkommens den aktuell privat Versicherten in absoluten Zahlen zu hoch sein, muss politische eine angemessene Lösung bezüglich der Höhe des zu entrichtenden Beitragssatzes gefunden werden. Das dann finanziell auf gesunden Füßen stehende Gesundheitssystem wäre dann vermutlich in der Lage, höhere, angemessenere Löhne für die unverzichtbaren Angestellten im Gesundheitswesen zu generieren. Pflegeberufe wären attraktiver und ein Virus, das die Grenze zwischen Reich und Arm nicht kennt, könnte effektiver und angesichts ausreichender Kapazitäten für Notfälle stressfreier bekämpft werden. Das ist die Aufgabe, die die Politik zwingend nach Bewältigung dieser Krise in Angriff nehmen muss. – Ulf Ellwardt

 

Ich nutze das Print-Abo und bin über eine mit unausgewogen scheinende Berichterstattung in Bezug auf die Corona-Krise erstaunt. Die aktuelle Lage wird nicht mit den zu erwartbaren Erkrankungen verglichen, aus Erhebungen der letzten Jahre bezüglich Todes- und Erkrankkungsfällen. Auch wird die Arbeit des RKI nicht hinterfragt. Auffälligerweise wird die Zählweise signifikant geändert, nachdem sich ein „Abflachen“ der Kurve abzeichnet. Nachzulesen in den Veröffentlichungen des Robert-Koch-Instituts und z.B. auf swprs.org. Das derzeitige Vorgehen der Behörden erinnert bisher stark an den Skandal um die Schweinegrippe, als Zahlen nachträglich wesentlich korrigiert werden mussten, da eine zeitaktuelle Bereinigung nicht stattgefunden hat. Ich bin kein Mediziner und kein Journalist, aber Naturwissenschaftlerin und ich vermisse eine Diskussion der aktuellen Lage unter Einbeziehung neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse! Ich danke Ihnen für Ihre wertvolle Arbeit und grüße sie herzlich. – Jutta Hampel

 

Als eigentlich treuer Leser der Zeit häufen sich in den letzten Jahren Beiträge, die erkennen lassen, dass ihre Autoren entweder nicht gründlich, einseitig oder sehr oberflächlich recherchiert haben. Dies fällt besonders bei Themen auf, in denen es um den Bereich der Medizin dreht. Nicht nur, dass Sie aktuell ohne dies zu belegen behaupten, das Corona-Virus sei fünfmal tödlicher als die Grippe, Sie ignorieren wie alle großen Medien Wissenschaftler wie Dr. Wodark oder Professor Dr. Stefan Hockertz, die mit sehr einleuchtenden Argumenten ein völlig anderes Bild von der Gefahr zeichnen, die angeblich von dem Corona-Virus SARS-Cov-2 ausgehen soll. Eine kritische Reflexion der Hintergründe für die Entwicklung ist bei Ihnen auch nicht zu lesen.

Dass die WHO zu 80 % von privaten Stifternallen voran Bill Gates in Koalition mit Warren Buffet und zahlreichen Sponsoren aus der Pharma-Industrie, finanziert wird und ein Einfluss auf die Politik der WHO auch in einem Beitrag in der Zeit vor 3 Jahren noch eingehend kritisiert wird, spielt plötzlich keine Rolle mehr. Auch Herr Drosten lässt sich und seine Kollegen bezüglich des von ihnen entwickelten Tests von der WHO finanzieren. Ich habe mir einmal die Arbeit gemacht und einige Daten und Fragen zusammen getragen, die ich von Ihnen und ihrer Redaktion vernachlässigt sehe. Vielleicht sind Sie sich ja nicht zu schade diese einmal in Ruhe zu sichten. Alle Daten auf die ich mich beziehe stammen aus offiziellen Quellen wie der WHO selbst oder der RKI bzw. dem Bundegesundheitsministerium etc. – Peter Mohr

 

Das Wort Virus lässt sich auch anders schreiben: WIRUS. Dieses durchaus ernst gemeinte Wortspiel soll darauf verweisen, dass wir unsere Kraft nicht binden lassen GEGEN etwas, sondern freisetzen FÜR etwas. Nämlich für neue Verantwortungs-gemeinschaften, für die Qualität unserer sozialen Beziehungen, für ein erneuertes WIR. Das wäre eine positive Transformation der Krise. Alle politischen, ökonomischen und medizinischen Fragen münden in die soziale Frage. Sie wird uns weiterhin beschäftigen. Nach der Krise ist vor der Krise. WIR können nicht verhindern, dass die Krähen über unserem Haupt kreisen. Aber wir können verhindern, dass sie in unseren Haaren nisten, sagt ein arabisches Sprichwort. – Wernfried Hübschmann

 

Bei der Lektüre von Seite 3 fiel mir auf, dass die liberale Sicht „8. Geben wir den Rechtsstaat zu schnell auf?“ sich fast ausschließlich mit „Nabelschau“ zu großen liberalen Errungenschaften aus der Vergangenheit über Wasser zu halten und gleichsam zu hemmen scheint. Die absolut unerfreuliche und gefährliche Einzigartigkeit der aktuellen Situation wird von dort aus augenscheinlich nicht in ihrer Gesamtbedeutung wahrgenommen.

Meiner Meinung nach sollte derzeit weniger über die juristische Sicherung von individuellen Interessen nachgedacht werden. Vielmehr wäre es für die deutsche Demokratie wünschenswert, wenn ihr gelänge, für eine erforderliche Zeitspanne, Datenschutz und Persönlichkeitsrechts-Errungenschaften, welche im „Normalbetrieb“ unumstößlich sein müssen, zurückfahren zu dürfen. Auch die vorübergehende Verwendung von Apps, welche die Verbreitung des Virus effektiv vermeiden können und welche Eingriffe in die Gesellschaft auf vielen anderen Ebenen zurück fahren lassen, dürfen keine reflexhaften Denkverbote auslösen. An dieser Stelle können wir von Ländern lernen, die sonst nicht Vorbild für unsere Demokratie sind und dies auch zukünftig nicht sein sollen. In der aktuellen Zeit muss manch eine liberale Errungenschaft ausgesetzt werden, um unsere liberale Welt möglichst bald vital weiter existieren zu lassen! Seien wir für eine hoffentlich recht kurze Zeit mutig in der Virusbekämpfung; ganz ohne verfassungsrechtliche Schaukämpfe. Und bald wieder liberal. Dann soll auch wieder hierfür gekämpft werden! –Andreas Nickel

 

Mit der aktuellen Ausgabe der ZEIT ist Ihnen eine richtig gute und breite Übersicht über die aktuelle Situation gelungen. Gerade die Tagebücher der verschiedenen Personen von Intensivarzt über Polizist bis zur Philippinenreisenden haben mir sehr eindrücklich gezeigt, wie verschieden die Lage für jede*n Einzelne*n sein kann. Planen Sie diese Tagebücher fortzusetzen? Ich würde mich freuen und bitte nehmen Sie dann doch noch eine Kassiererin in einem Discounter dazu. Auch deren Bericht würde mich interessieren. Informativ war auch der Artikel zu den Buchläden bzw. der Lage im Verlagswesen. Dabei habe ich mich gefragt: warum dürfen Buchläden eigentlich nicht geöffnet haben, wie Lebensmittelläden?

Immerhin wäre „geistige Nahrung“ in Zeiten des Rückzugs und bei der Empfehlung zuhause zu bleiben doch sehr wichtig. Außerdem haben viele Buchläden auch spezielle Kinderbuchabteilungen oder Spiele vorrätig. So könnte auch wenigstens einer weiteren Branche geholfen werden, die Krise leichter zu überstehen, wenn wenigstens stundenweise die Erlaubnis zur Öffnung bestünde mit der Vorgabe, dass nicht mehr als x Personen gleichzeitig im Laden sein dürfen. Und vielleicht der Auflage, dass man nicht in Büchern blättert, die man dann nicht kauft, sondern dass man gezielt an der Kasse das gewünschte Buch in Empfang nimmt. Durch Ihren Artikel habe ich nachgeschaut, was „mein“ Buchladen eigentlich so macht: es gibt einen Lieferservice, wie von der Apotheke Klasse, dass ich das entdeckt habe: so kann ich den Buchladen unterstützen, indem ich mir gleich einen neuen Krimi kaufe… – Karoline Dichtl

 

Gehen Sie doch bitte einmal der Frage nach, warum Regierungen derzeit mit Rechtsverordnungen und Allgemeinverfügungen stark in die demokratischen Grundrechte eingreifen. Eigentlich ist dies Aufgabe der Parlamente, die Gesetze dafür erlassen. Wirtschaftshilfe-Pakete haben die Landes- und Bundesparlamente auch als Gesetz hinbekommen. Wieso werden dann Kontaktverbote, Einschränkungen der Versammlungsfreiheit, Ausgangsbeschränkungen usw., die stark die Grundrechte beschneiden (und das auf unabsehbare Zeit), von den Regierungen im Schnellverfahren erlassen? Das müssten doch Parlamente machen. Was ist mit der Gewaltenteilung und dem Rechtsstaat? – Thorsten Endruscheit

 

Hinterfragt noch jemand die Maßnahmen unserer Regierungen? Oder sind wir alle schon zu Befehlsempfänger degradiert? Ein Virus stellt eine unsichtbare Gefahr für uns alle dar. Ja. Aber sollten wir deshalb hektisch reagieren, und schnell irgendetwas beschließen? Oder geht es doch nur um Aktion statt Reaktion? Ich finde es seltsam, das man über Wochen nicht reagiert wenn Reisende aus Italien mit dem Virus zurückkehren. Dann sagen die einen Großveranstaltungen ab, aber Fußballspiele finden statt. Und als alle Bundesländer Infizierte gemeldet haben muß dann ganz schnell eine Ausgangsperre her. Da habe ich den Eindruck, das man das erst verharmlost hat und hinterher schnell was großes macht damit keiner sagt der Staat hätte nichts gemacht. Erschreckend finde ich, das man schon 2018 mit einem solchen Szenario unser Gesundheitssystem überprüft hat. Hat in der Zeit irgendeine Vorbereitung stattgefunden? Anscheinend hat man sich da lieber an Sonntagsreden festgehalten. Nach dem Motto, kommt schon nicht so schnell und wenn dann hoffentlich nach mir. – Olaf Goldschmidt

 

Seit den II. Weltkrieg, seit 75 Jahren, waren wir nicht wieder in der Situation, Menschenleben gegen Staatswohl abwägen zu müssen. Nun kommen wir nicht um die Frage herum, die existentielle Frage: Wieviele dürfen sterben, damit die Anderen überleben können? Wohlgemerkt: Überleben heißt nicht: bloß am Leben bleiben. Überleben meint genauso: Arbeit haben, Geld verdienen, Menschen um sich haben, frei umherwandeln dürfen. Ich persönlich möchte heute kein Verantwortungsträger sein. – Raimund Poppinga

 

In der Corona-Krise können wir nun alle live miterleben, welche Konsequenzen es hat, wenn die Politik sich der Wirtschaft als hörig erweist. In der Vergangenheit haben Politiker der Bundesregierung gravierende Fehler gemacht und die Ökonomisierung unserer Gesellschaft immer wieder und weiter vorangetrieben, frei nach dem Motto: „Der Markt wird das schon regeln!“ Und das rächt sich jetzt, denn der Normalbürger stand nie im Mittelpunkt, auch wenn uns das Politiker immer weismachen wollen. Selbst am Anfang der Corona-Epidemie hat man viel zu zögerlich reagiert, um gar nicht die Wirtschaft zu gefährden.

Schon früh haben anerkannte Virologen wie Herr Drosten oder Herr von Kekulé stringentere Massnahmen gefordert, doch von Frau Merkel oder Herrn Scholz kam noch vor 5 Wochen nichts dergleichen: Keine Grenzschliessungen, keine Kontrollen an Flughäfen, keine Beschaffungsmassnahmen für Schutzkleidungen und wichtige lebenswichtige Medikamente, etc. Schon Mitte Februar forderte Herr von Kekulé in der ARD-Talkshow die Schulen und Kitas zu schließen, doch er erntete nur müdes Lächeln und Ablehnung. Einige Wochen später wurden die Schulen dann doch geschlossen. Und so könnte man weiter aufzählen, was alles schief gelaufen ist in unserem Staate, dass jetzt zu diesen drastischen Massnahmen geführt hat, die man sonst hätte vermeiden können! – Thomas Henschke

 

Herr Wefing führt in seinem Artikel an, dass: „Alle Maßnahmen befristet sein müssen, je härter der Eingriff, desto kürzer. Keine Freiheitsbeschränkung darf auf Dauer gestellt werden. Jeder Einschnitt muss sofort beendet werden. sobald sich eine Maßnahme als unwirksam erweist.“ Man könnte mit einem Blick in die Sicherheitsgesetze der Bundesländer auch positiv feststellen, dass generell bei gefahrenabwehrenden Maßnahmen diese Grundsätze gelten. So ist z.B. der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit folgendermaßen definiert: Von mehreren möglichen und geeigneten Maßnahmen ist diejenige zu treffen, die den einzelnen und die Allgemeinheit am wenigsten beeinträchtigt. Eine Maßnahme darf nicht zu einem Nachteil führen, der zu dem erstrebten Erfolg erkennbar außer Verhältnis steht. Eine Maßnahme ist nur so lange zulässig, bis ihr Zweck erreicht ist oder sich zeigt, daß er nicht erreicht werden kann. Wer bei all den Maßnahmen unseren demokratischen Rechtsstaat in Unkenntnis der Rechtslage anzweifelt, sollte eigene Vorschläge zur Eindämmung der Pandemie machen. – Wolfgang Rau

 

Besonders dramatisch ist die Situation für die schwächsten und am meisten auf unsere Unterstützung angewiesenen alten, kranken und behinderten Menschen in den entsprechenden Einrichtungen. Sie werden durch die aktuellen Maßnahmen regelrecht weggesperrt. Während wir noch vor die Tür dürfen zum Luft schnappen, Arbeiten oder Einkaufen, müssen Bewohner von Einrichtungen in ihren Zimmern bleiben und dürfen noch nicht eimal ihre engsten Angehörgigen sehen. Dabei ist gerade für den Personenkreis der oft regelmäßige und intensive Kontakt zu ihren Liebsten regelrecht lebensnotwendig. Das zu verwehren, ist zutiefst inhuman. Wir sollten uns dagegen wehren, notfalls mit zivilem Ungehorsam – unsere Alten und Kranken können es nicht. Infam ist der Gedanke, nicht infizierte Alte und sonst wie Gefährdete weiterhin zu isolieren. Hier werden lange und mühselig erworbene Errungenschaften einer humanen Gesellschaft und der entsprechenden Rechtsrahmen über Bord geworfen. Es ist eine Schande! – Dr. phil. Michael König

 

Ihre letzte Ausgabe hat mich doch etwas versöhnlicher gestimmt. Zumindest wurden Fragen aufgeworfen, die ich in der Ausgabe zuvor vermisst hatte. Doch wie soll das weitergehen? Sollte nicht endlich über die Verhältnismäßigkeit gesprochen werden. Mediziner und führende Wissenschaftler aus aller Welt bezweifeln doch die medial dargestellte Hypergefährlichkeit des Virus. Ich kann Ihnen gerne weitere Auskünfte geben.Zahlen machen den Menschen Angst und Bilder ebenso. Ich komme aus einer Stadt im Kreis Heinsberg, dem sogenannten Hotspot. Hier wohnen ca.28000 Menschen. Davon sind 16 Menschen infiziert d.h. positiv getestet,4 davon genesen und einer verstorben. Die Zahl der wahrhaft Infizierten wird natürlich viel höher sein. Doch wie hoch ist der prozentuale Anteil in der Bevölkerung? Auch in einem nahegelegenen Krankenhaus ist alles ruhig. Nie wurde man bei einer Notaufnahme so schnell behandelt.

Dienstag 24.3. Zudem steigt die hochbeschworene exponentielle Kurve nicht so an,wie Virologen es uns vorgezeichnet haben. Drosten und Wieler schürten mit Hilfe der Medien eine Panik, die unser gesellschaftliches Leben, unsere Wirtschaft, unsere Demokratie zerstört haben. Regierende Politiker schaffen im Hau- Ruck -Verfahren die Bürgerrechte ab. Wer wird als erster den Mut haben, die gemachten Fehler einzugestehen?Liebe Zeit-Redaktion seien Sie wachsam, bisher sprechen alle Zahlen gegen die verhängten Massnahmen. Politik kann nicht auf Hypothesen von Herrn Wieler und Herr Drosten aufbauen (siehe auch deren Prognosen zur Schweinegrippe).Was wäre wenn…? Man kann auch keine Intensivbetten freihalten und darum andere Schwerkranke nicht behandeln. Also,hat die Politik falsch gehandelt oder was steckt hinter diesem globalen Irrsinn.Indien verhängt eine Ausgangssperre für 1.3 Milliarden Menschen bei 1200 bestätigten Infizierten. Das kann doch nur ein schlechter Witz sein. – Thomas J. Birgel

 

Ist die Lage wirklich schon so ernst????? Der Bayerische Ministerpräsident Dr. Markus Söder meinte heute dazu: „Ja, die Lage ist nicht nur ernst, sie ist sogar sehr, sehr oberernst“! Komm: „Wir bleiben zuhause. Weil wir alle zusammenhalten.“ (Anzeige gegen Corona); und wir machen voll auf „Günther Jauch“ und tanzen diesen „Dachschaden-Blues“ (der Anzeigen-Promis) einfach mit, aber nur mit einer schicken knallbunten Maske vor dem Gesicht! Wir schicken dafür die „Alexa“ zum Einkaufen weg, diese alte Nervensäge, und glotzen von früh bis spät in die Röhre, voll bis zum Erbrechen! Was aber wirklich sehr bedenklich ist, das ist die Tatsache, dass Papst Franziskus seinen Segen „Urbi at orbi“ (zu deutsch: der Stadt (Rom) und dem Erdkreis) schon jetzt gespendet hat, und nicht zu Ostern oder an Weihnachten! – Klaus P. Jaworek

 


 

 

Leserbriefe zu „Heimsuchung“ von Thomas Assheuer

 

Thomas Assheuer führt uns über einen dicht gewebten Gedankenteppich an den Punkt, an dem wir heute stehen: Allein zu Hause in der Weltrisikogesellschaft, alle mit allen global schicksalhaft verstrickt. Der neuartige Pandemie-Faden, eingewoben in den Teppich, verstärkt das sich bereits deutlich abzeichnende Muster: Mene Mene Tekel. Keine Haftung. Betreten der Baustelle der Moderne auf eigene Gefahr. Ist es Gedankenlogik, ist es der Punkt, wo Quantität in Qualität umschlägt oder ist es konstruktiver Journalismus? Gerade im abschließenden Zusammenspiel der beiden Fäden Pandemie und Klimakrise lässt Thomas Assheuer eine völlig überraschende Perspektive entstehen. Die düsteren Wolken weichen einem blauen Himmel, unter dem reale Utopien sich zeigen: z.B. saubere Luft in China. Die Vision: Eine Zivilisation ohne Schuld. Eine Moderne ohne Zerstörung. Wir sollten die jetzt entstehenden realen Utopien wahrnehmen und herausstellen, um eine Welt zu ermöglichen, in der wieder ein Sack Reis umfallen darf, ohne gleich eine globale Katastrophe auszulösen! – Reinhard Koine

 

„Ein Virus ist eine Metapher.“ Was für ein schöner Satz. Lassen Sie uns einen philosophischen Gang runterschalten und sagen: Ein Virus ist eine Erinnerung. De Nachricht, dass Prince Charles sich infiziert hat muss doch jeden Europäer erinnern (und erinnert keinen), dass die englische Krone in den sogenannten Indianerkriegen gezielt die Indianer mit Pocken infiziert hat. Die Pocken sind eine Metapher für die Begegnung der Europäer mit den anderen Völkern. Welche Lehren ziehen wir aus der Geschichte? – Klaus E. Margraf

 

Vielen Dank für Ihren hervorragenden Artikel. Sie haben einen Teil, worüber ich die ganze Zeit nachdenke, in Worte gefasst. – Dagmar Bennewitz

 

Der u.a. Brief an die Leserbriefredaktion war vor dem Hintergrund der Coronakrise und der weltweiten Reaktion ohne direkten Artikelbezug gedacht. In der Zeit-Ausgabe von gestern finde ich nun Ihren Artikel, der mich sehr beeindruckt hat und als Anlass meines Kommentars vom 17.3. dienen kann. Sie weisen mit Recht auf die Mythologisierung der weltgeschichtlich ja nicht seltenen Pandemien hin. Mythologisierungen, die in ihrer moralisierend religiösen Deutungen auch machtpolitisch ausgebeutet wurden: via Sünde, Schuld, Sühne, Rache, Vergeltung, Reue und Buße lässt sich äußerst effektiv Kontrolle ausüben. Sie haben das in Ihrem Artikel auch sehr anschaulich dargestellt, siehe China, Orban und so. Mir geht es zunächst einmal um den Hinweis auf die biologische Verwandtschaft zwischen dem Virus und dem Menschen:

Wir stammen ja letztlich aus demselben Nest, wir waren ja auch einmal Einzeller oder sind als Ergebnis eines Blitzeinschlages im Meer, der zur Entwicklung einer ersten primitiven Eiweißverbindung geführt hat, zu betrachten mit all den daraus folgenden evolutionären Prozessen. Innen gut, außen schlecht! Diese primitive Erzählung scheint sich hartnäckig zu halten und unsere Psychologie aber auch Kultur zu beherrschen. Und Trotzdem ist dieser Mythos falsch. Der Virus ist in gewisser Weise in uns, bzw. gehorcht den selben Regeln und Gesetzen wie der Mensch. All dieses Gerede von einem Feind und einem Krieg, den wir im Moment weltweit führen, ist schief. Krieg, Feindschaft, Ausstoßen, Vernichten, all diese Begriffe setzen eine definierbare Grenze zwischen innen und außen, gut und böse, richtig und falsch voraus. Und die Folge ist dann der Krieg, der Sieger und Verlierer schafft.

In der Auseinandersetzung zwischen uns und dem Virus gibt es einfach keinen Sieger, auch wenn sich viele darum bemühen, als Sieger in die Geschichte einzugehen. Das lässt sich im Moment sehr gut beobachten, auch ohne dass man da irgendwelche Namen nennen muss. Das wäre dann vielleicht doch der aktuell gültige Mythos. Sie sagen, der Virus lässt keinen Mythos zu. Was denn sonst? Kommen wir um einen Mythos herum. Ist die Wissenschaft nicht auch ein Mythos, der solange gilt, bis ein anderer gefunden wird. Ist nicht jede Auseinandersetzung, jeder Kampf mit einem Feind auch ein Kampf mit uns selbst. Das spricht nicht gegen die Wissenschaft, auch nicht gegen das Bemühen der Medizin, den Menschen zu schützen, etwa einen Impfstoff oder ein Medikament (Sie erwähnen den Begriff des Pharmakons) zu entwickeln. Was mich stört, ist diese derzeit so häufig zu erlebende Siegerpose. Die halte ich für äußerst problematisch, weil darin schon die nächste Machtprobe oder der nächste Kampf oder Krieg angelegt ist. Wissen ist Macht, auch so ein überaus falscher und schädlicher Mythos, der der narzisstischen Selbstüberschätzung des Menschen entspringt.

Da scheint mir der Mythos des Menschen als Subjekt (subicere: unterwerfen) konstruktiver zu sein. Der Mensch ist der Sprache unterworfen, also nicht der Chef, der Meister der Sprache. Überhaupt, wenn Wissen immer Mythos ist, dann kann es letztlich keine Gewissheit geben. Daniel Kehlmann stellt in seinem Buch „die Vermessung der Welt“ Alexander Humboldt und Johann, Carl, Friedrich Gauß einander gegenüber. Es geht dabei um die Frage, ob sich die Welt vermessen (Gauß?) lässt, oder ob sie zu deuten ist (Humboldt?). Zahl oder Mythos? Wenn ich den Positivismusstreit der Frankfurter Schule richtig sehe, dann ist das die elementare Frage des Menschen. Und derzeit herrscht vielleicht das Phantasma der Gewissheit, die Zahl. Ist ja auch sehr verführerisch, oder?

Angehängter Brief: Sehr verehrte Damen und Herren! Egal was Sie am kommenden Donnerstag in Ihrer neuen Ausgabe veröffentlichen, irgendein Artikel wird sich mit dem Corona-Virus beschäftigen. Ich möchte Ihnen diesbezüglich zu bedenken geben, dass aus biologischer Sicht dieses Virus genau dieselbe Lebensberechtigung hat wie der Mensch! Das Virus macht seinen Job. Es will/muss überleben! Das ist in der Biologie verankert. Das passt natürlich(?) nicht in den Mythos des unbesiegbaren homo habilis, erectus, sapiens, der sich auf Grund der zufälligen Begegnung seines äffischen Vorläufers mit der Sprache als Krönung der Schöpfung betrachtet. Dabei ist er eher der Homo insapiens, was sich in der augenblicklichen globalen Aufregung im Umgang mit dem Corona(?!Krone)-Virus weltweit recht anschaulich beobachten lässt. Es ist vielleicht naiv und völlig gegen den Strich, bei dieser Gelegenheit darauf hinzuweisen, dass der „König nackt ist“, und das völlig unabhängig von dem, was im Moment hipp ist. – Gerd Schillmöller

 

Herr Assheuer sieht zwischen Klimawandel und Coronakrise nur einen Berührungspunkt: den Rückgang der Emissionen durch die einschränkenden Massnahmen. Mehr noch, er diffamiert die ganzheitliche, ökologische Sicht auf die Pandemie als reaktionär und zynisch. Aber die Ansicht, dass die Natur zurückschlage, ist bei weitem nicht nur mythisch oder religiös sondern durchaus ratiinal begründbar. Es liegt doch auf der Hand, dass durch Überbevölkerung, Massentierhaltung und Zerstörung natürlicher Kreisläufe und Eingriffe in die Natur Mutationen und Übertragungen von neuartigen Viren begünstigt werden. Dafür gibt es viele bekannte Beispiele. Und man muss keine Prophetin sein um vorherzusehen, dass solche Pandemien in Zukunft immer öfter auftreten werden, wenn sich ökonomisch und ökologisch global nichts ändert. Assheuers Sicht der Dinge ist ignorant und diffamierend, auch demagogisch. Sie verkennt im Übrigen auch die tiefe Weisheit vieler uralter Mythen. – Dr. Gerlinde Volland

 

Thomas Assheuer bringt den Zustand der Welt hellsichtig und schonungslos auf den Punkt. Die Welt scheint überdreht und überhitzt (unabhängig vom Klimawandel). Immer weiter, immer höher, immer schneller, immer mehr. Auch die entlegensten Winkel der Erde müssen bereist werden, gerne mehrfach. Wer keinen Müll auf dem Mount Everest hinterlassen hat, hat nicht gelebt. Der nächste Kick muss her, der letzte liegt schon wieder ein paar Wochen zurück. Der Mensch hat den fatalen Trieb, alles machen zu wollen, was geht. Und es geht heute sehr viel. Welche Nebenwirkungen das hat, blendet er aus. Jetzt sorgen wir uns um die Gesundheit unserer Eltern und Großeltern, denen unser Lebensstil bizarr erscheinen muss. Ich mag den Spruch: Du sollst nur Dinge essen, die deine Großeltern als Essen erkannt hätten. Analog dazu sollten wir uns vielleicht sagen: Du sollst nur das Leben führen, das deine Großeltern noch als Leben erkennen würden. – Marc Strehler

 

Obwohl es widersinnig und zynisch ist, der Corona-Pandemie einen höheren kulturellen Sinn abzutrotzen, muss es erlaubt sein, zu fragen, inwieweit unsere Lebensweise der Ausbreitung der Pandemie Vorschub leistet. Es geht mir dabei um den Widerspruch zwischen globalisierter Wirtschaftsweise und Reiseverhalten und der gleichzeitigen absurden Vorstellung, man könnte durch Rückfall in alte nationalstaatliche Egoismen, die Pandemie besser bewältigen Umgekehrt braucht es, analog dem globalen Wirtschaften eine weltweite Koordination der gesundheitspolitischen Maßnahmen. Die WHO scheint derzeit überhaupt nicht präsent zu sein. Wir brauchen aber, um zukünftige Pandemien, die irgendwann wieder auftreten werden, zu bewältigen ein globales Handeln. Leider erweist sich auch die vielgepriesene EU in dieser Krise als ein „Schönwetterverein“ dessen Mitglieder bei Problemen ihr Heil in egoistischen nationalstaatlichen Maßnahmen sehen. Die Krise verlangt nach koordiniertem globalem Handeln. Das aktuelle Verhalten der politisch Verantwortlichen dürfte nach der Viruskrise zu einer Krise der EU führen und auch den Gegensatz zwischen China und USA verstärken. Ein einheitlicher Weltwirtschaftsraum kann nur dann funktionieren wenn es wenigstens ein Mindestmaß an koordinierter „Weltinnenpolitik“ gibt. – Dr. Martin Klupp

 

Ich finde es beeindruckend, wie anscheinend mühelos Assheuer das geistesgeschichtliche Panorama der Deutung von Naturkatatrophen über die Jahrhunderte entfaltet. Assheuer lehnt jeden Deutungsversuch, der dem Virus einen höheren Sinn zu geben versucht ab, kann sich am Ende dieser Versuchung selbst aber nicht erwehren, wenn er das Virus in Anlehnung an Ulrich Becks „Weltgefahrengesellschaft“ als Folge unserer hypermobilen Gesellschaft und ihrer globalisierten Produktionsketten deutet. Assheuer weist jede Deutung im Rahmen von Schuld und Sühne als veraltet und reaktionär zurück. Hier möchte ich mit meiner Gegenrede einhaken. Wenn ich die Bibel lese – für mich ist sie nicht nur ein Reden der Menschen früherer Zeiten ü b e r Gott, sondern ein Reden G o t t e s selbst und insofern sehr ernst zu nehmen –, stoße ich etwa in 2. Chr 7 auf folgende Aussage:

„Wenn ich den Himmel verschließe und kein Regen fällt oder wenn ich der Heuschrecke gebiete, das Land abzufressen, und wenn ich eine Pest unter mein Volk sende, und mein Volk, über dem mein Name ausgerufen ist, demütigt sich, und sie beten und suchen mein Angesicht und kehren um von ihren bösen Wegen, dann werde ich vom Himmel her hören und ihre Sünden vergeben und ihr Land heilen“ (V. 13 f.). Als Dispensationalist bin ich es gewohnt, die Heilszeiten sorgfältig zu unterscheiden. Ich werde mich daher hüten, diesen Tun-Ergehens-Zusammenhang eins zu eins auf die jetzige Heilszeit, die Zeit der Gnade, zu übertragen. Schon zu alttestamentarischer Zeit war Vorsicht geboten vor linearen Deutungszusammenhängen, wie etwa die dezidierte Kritik Gottes an Hiobs Freunden, Psalm 73 oder Jesu Tadel an den Reaktionen seiner Jünger auf den Blindgeborenen mehr als deutlich machen. Und doch ist das Saat-und-Ernte-Prinzip nicht vollständig aufgehoben, wie Galater 6,7 beweist.

Die Reformatoren nahmen Zeiten der Pest durchaus zum Anlass, die Menschen zu Gott zurückzurufen und zur biblischen Buße aufzufordern. Zu behaupten, wir wüssten heute so viel mehr, dass sich jede Aussage in diese Richtung verböte, wäre die Hybris schlechthin, die gerade jetzt angesichts der Ratlosigkeit der Naturwissenschaft einen mächtigen Dämpfer erhalten hat. Gleichwohl ist Zurückhaltung geboten, was die Ausdeutung für jeden einzelnen betrifft. Denn: 1. In der Theodizee unterscheidet man gern zwischen moralischem Übel – und hält es für den Preis der Willensfreiheit – und natürlichem Übel, das man den Naturgesetzen zuschreibt. All diese Versuche im Gefolge von Leibniz greifen meines Erachtens zu kurz. Die Theodizee kann am sinnvollsten beantwortet werden, wenn sie den Bericht über den Sündenfall in Genesis 3 ernst nimmt mit den dort beschriebenen Folgen für die gesamte Schöpfung.

Paulus bringt es in Röm 8 auf den Punkt: „Denn wir wissen, dass die ganze Schöpfung zusammen seufzt und zusammen in Geburtswehen liegt bis jetzt. Nicht allein aber sie, sondern auch wir selbst, … auch wir selbst seufzen in uns selbst und erwarten die Sohnschaft; die Erlösung unseres Leibes“ (V. 22 f.). Christen wie Nicht-Christen erfahren daher derzeit unterschiedslos am eigenen Leib, was es heißt, in einer gefallenen Schöpfung zu leben. 2. Gott ist demnach nicht der Urheber des Virus. Ausgehend von der Tatsache, dass er gleichwohl „in control“ ist, hat er es aber zumindest zugelassen. Die Frage, was Gott und das Virus miteinander zu tun haben, ist daher durchaus legitim. Was Gott mir mit dieser Pandemie zu sagen hat, kläre ich aber am besten im stillen Kämmerlein und in vertrauter Zwiesprache mit Gott selbst. 3. Was das ewige Heil betrifft, ist jeder Tun-Ergehens-Zusammenhang aufgehoben.

Wie tröstlich zu wissen, wie ein befreundeter Pfarrer zu sagen pflegt, dass Jesus Christus dazwischen ist! Und dieser Jesus ist der einzige Arzt, der heilt, indem er die Krankheiten seiner Patienten auf sich nimmt: „Jedoch unsere Leiden – er hat sie getragen, und unsere Schmerzen – er hat sie auf sich geladen“ (Jes 53,6). Auf die Frage, wo Gott während der Corona-Pandemie ist, antworten die Seinen daher vorsichtig mit Robert Spaemann: „Am Kreuz.“ Und so können sie im Leid, ja selbst in ihrer Todesstunde getrost sein: „In der Welt habt ihr Bedrängnis, aber seid guten Mutes, ich habe die Welt überwunden“ (Joh 16,33). – Marcel Haldenwang

 

Thomas Assheuer verweißt in seinem Artikel u.a. auf die Erfahrungen, die wir seinerzeit mit dem Tschernobyl Unglück gemacht haben – nur waren das in der DDR andere als in der Bundesrepublik – wir wurden über den Unfall durch das Westfernsehen informiert, haben aber die Warnungen bezüglich Essen und Verhalten weitestgehend ignoriert. Im Gegenteil, wir haben uns darüber lustig gemacht. Hier kommt der Verweiß auf Marianne Birthler bezüglich der Bedeutung von Humor in schlechten Zeiten. So sagten wir z.B., wie gut es sei, dass wir Pflücksalat im Garten hätten, ansonsten wäre uns das Caesium 134 durch die Lappen gegangen. Vielleicht erinnert sich noch jemand an den Halleyschen Komenten der damals hier durch die Gegend flog? Das sei in Wirklichkeit das Pförtnerhäuschen von Tschernobyl hieß es. Und der Gärtner von Tschernobyl hat seine Grünen Gurken als Taschenlampen verkauft. Rätselhaft wie wenig ernst wir die Auswirkungen der Katastrophe nahmen. Läßt sich eigentlich feststellen, welche Folgen die damalige Strahlung für Deutschland hatte? – Martin Klähn

 

In dem ansonsten sehr guten Beitrag von Herrn Assheuer über kulturelle Mythen, welche einen gesellschaftlichen Grund in der Entstehung von Pandemien suchen und diesen sodann als Schuldzuweisung formulieren, fehlt doch bei Herrn Assheuers Beschreibung der Pest – Pandemie in der Mitte des 14. Jahrhunderts die Erwähnung einer entscheidenden historischen Tatsache: Nachdem die Pest gegen Ende 1348 auch in der Schweiz angekommen war, sind es die Juden, nachdem bei Genf unter Folter ein so genanntes „Geständnis“ erpresst worden war, welche in zunehmendem Maße beschuldigt werden, Brunnen und Flüsse vergiftet zu haben – ihnen werden Schuld und Verantwortung für die Verbreitung der Pest in die Schuhe geschoben. Beginnend in Straßburg, werden sodann Tausende und Abertausende europäischer Juden in zahlreichen beispiellosen Pogromen von Spanien bis nach Polen auf Scheiterhaufen verbrannt. So werden viele Gemeinden jüdischen Lebens in Europa zum Teil auf Generationen ausgelöscht.

Vor Kurzem gab es im Norddeutschen Rundfunk eine Sendung, welche ebenfalls die Pest – Pandemie ab 1347 thematisierte – auch hier wurde mit keinem Wort auf die europaweiten Pogrome gegen die europäischen Juden hingewiesen. Ich empfinde es als empörend, dass in einer Zeit des wieder wachsenden Antisemitismus in einem Deutschland, in welchem Faschisten wie Björn Höcke politisch agitieren können, das Schicksal der europäischen Juden während der Pest – Pandemie im 14. Jahrhundert in Ihrem Beitrag nicht erwähnt wird, während ausgiebig über andere Aspekte dieser Seuche geschrieben wird. Es wirkt beinahe wie ein Verschweigen. Derartige bedeutsame historische Tatsachen sollten zukünftig mit mehr Sensibilität beachtet werden. – Dr. Moritz von Bredow

 

Vielen Dank für Ihren hervorragenden Artikel! Treffender habe ich die Absurdität unseres auf fortwährendes Wachstum programmierten Wirtschaftssystems noch nicht formuliert gesehen: „Zudem hat die Globalisierung nahezu überall ein Wirtschaftsmodell durchgesetzt, das sich nur dynamisch stabilisiert … durch Mehrproduktion, Mehrkonsum, Mehrverschleiß, Mehrtourismus und durch die Erfindung von Bedürfnissen … .“ Schon allein nach den Gesetzen der Logik kann das nicht gut gehen. Gelten diese Gesetze für die Wissenschaft der Volkswirtschaft eigentlich nicht? Oder nicht mehr? Der zweite Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschlands, Ludwig Erhardt, Wirtschaftswissenschaftler und ‚Vater‘ der sozialen Marktwirtschaft, sprach immer vom Maßhalten und wurde dafür von einer gerade in den Konsumrausch geratenden Gesellschaft ausgelacht.

Eine maßlose, auf ‚immer mehr‘ getrimmte „Weltrisikogesellschaft“, die noch den letzten Spiel- und Sicherheitsraum vermarktet, kommt jetzt an ihre Grenzen – und hoffentlich zur Einsicht. P.S.: Der Glaube, dass Gott solche Epidemien schicke, um die Menschen zu bestrafen, war noch nie evangeliumsgemäß: Jesus Christus – nach dem sich immerhin noch ein großer Teil der westichen Welt nennt – ist nicht gekommen, um die Welt zu richten, zu verurteilen und zu bestrafen, sondern um sie zu retten, Johannes-Evangelium Kap. 3 V. 17. In dem Sinne verstehe ich diese Pandemie schon – als Weckruf an die „Krone der Schöpfung“, sich nicht selbst (zugrunde) zu richten, sondern das Leben zu wählen (a.a.O. V. 16). – Hartmut Reibold

 

Seuchen als Gottesstrafen für menschliches Fehlverhalten zu erklären ist so alt wie die Tatsache, jüdische Mitmenschen als Sündenböcke“ anzuprangern für das jeweils schlecht gelaufene in einer Gesellschaft. Obwohl es zu allen Zeiten Menschen gab, die gegen solche Irrationalitäten aufgestanden sind, haben sie sich hartnäckig gehalten und finden auch heute Ausdruck im Kampf der Islamisten gegen die s.g. Ungläubigen, der Rechtspopulistenb gegen die Liberalisierung der Gesellschaft, der Diktatoren und Scheindemokraten weltweit zur Rechtfertigung der Ausübung ihrer menschenverachtenden Brutalität bzw. Macht.

So wie in der Vergangenheit verheerende Armut aufgrund von Ausbeutung, mangelnder Hygiene und Medizin, Naturkatastrophen und Kriegen die Ursache von Epidemien waren, sind es heute die weiterhin bestehende Ungleichheit (Favela/Slum versus überbordender Reichtum), menschengemachte Klimakatastrophen, sinnlose Kriege mit daraus folgenden millionenfachen Flüchtlingsströmen. Und es sind neben dem globalen Austausch durch Handel diese Flüchtlingsströme mit ihren unzureichenden Lagern in katastrophalen Zuständen (über die wir genauso hinwegsehen wie über die Tausende im Mittelmeer Ertrunkenen, in den Wüsten Verdursteten, in LKW`s Erstickten und auf Stacheldrahtzäunen Schwerstverwundeten), die zu wahren Brutstätten für neue Viren werden bzw. längst geworden sind – sie sind nur eine tickende Zeitbomber!! Nicht mysteriöse oder absurde Verschwörungstheorien haben uns in diesen Zustand gebracht sondern unsere unersättliche Gier und „Dämlichkeit“, wie es ein erfahrener Dozent seinerzeit ausgedrückt hat. – Teresa Scholl

 

Erneut muss ich mich Ihnen gratulieren zu einem großartigen Artikel in der ZEIT, dieses mal „Die Heimsuchung“ vom 26.03.20, S. 49. Wieder gelingt es Ihnen, extrem komplexe Vorgänge gleichermaßen anspruchsvoll wie anschaulich zu analysieren und tiefere Zusammenhänge umfänglich zu erklären. Tatsächlich könnte dieser Artikel auch in einer soziogischen Fachzeitschrift erscheinen. Ich folge Ihnen in (fast) jeder Hinsicht, möchte aber dennoch zwei kleine Anmerkungen machen: 1) zu „keiner hat schuld an seiner Entstehung“schuld vielleicht nicht, aber verantwortlich ist die chinesische Gesellschaft schon, aus der sich zum wiederholten Maße ein gefährlicher Virus weltweit ausgebreitet hat. Spätestens jetzt muss dort die traditionell enge Verbindung zwischen Menschen und wilden Tieren kontrolliert bzw. eingeschränkt werden, sonst macht sich dieser Staat wirklich schuldig ! 2) „Der Untersched ist nur: …die Erderhitzung …treffe erst die Neugborenen.“

Es gibt noch einen weiteren fatalen Unterschied: die eskalierende Umweltkrise wird nicht mit einer Impfung, Ausgangssperren und Quarantäne zu überwinden sein; für zukünftige Generationen werden sich die Folgen des Klimawandels von Tag zu Tag verschärfen, ohne dass kurzfristig wirksame Maßnahmen getroffen werden könnten – die klimatische Erblast ist schon jetzt zu groß. Die Menschheit wird die Corona-Krise mit starken Verwerfungen überstehen, aber kaum die wirklich große bevorstehende Umweltkrise. Der Mangel an Weitblick nicht nur bei der Mehrheit der Verantwortlichen wird durch kurzfristigen Aktionismus nicht ausgeglichen werden können. Deswegen teile ich Ihren (Kultur- bzw. Sozial-)Pessimismus in vollem Umfang. – B. Siegloch

 

Ich finde es beeindruckend, wie anscheinend mühelos Assheuer das geistesgeschichtliche Panorama der Deutung von Naturkatastrophen über die Jahrhunderte entfaltet. Assheuer lehnt jeden Deutungsversuch, der dem Virus einen höheren Sinn zu geben versucht ab, kann sich am Ende dieser Versuchung selbst aber nicht erwehren, wenn er das Virus in Anlehnung an Ulrich Becks „Weltgefahrengesellschaft“ als Folge unserer hypermobilen Gesellschaft und ihrer globalisierten Produktionsketten deutet.

Assheuer weist jede Deutung im Rahmen von Schuld und Sühne als veraltet und reaktionär zurück. An diesem Punkt möchte ich mit meiner Gegenrede einhaken. Wenn ich die Bibel lese – für mich ist sie nicht nur ein Reden der Menschen früherer Zeiten ü b e r Gott, sondern ein Reden G o t t e s selbst und insofern sehr ernst zu nehmen –, stoße ich etwa in 2. Chr 7 auf folgende Aussage: „Wenn ich den Himmel verschließe und kein Regen fällt oder wenn ich der Heuschrecke gebiete, das Land abzufressen, und wenn ich eine Pest unter mein Volk sende, und mein Volk, über dem mein Name ausgerufen ist, demütigt sich, und sie beten und suchen mein Angesicht und kehren um von ihren bösen Wegen, dann werde ich vom Himmel her hören und ihre Sünden vergeben und ihr Land heilen“ (V. 13 f.).

Als Dispensationalist bin ich es gewohnt, die Heilszeiten sorgfältig zu unterscheiden. Ich werde mich daher hüten, diesen Tun-Ergehens-Zusammenhang eins zu eins auf die jetzige Heilszeit, die Zeit der Gnade, zu übertragen. Schon zu alttestamentarischer Zeit war Vorsicht geboten vor linearen Deutungszusammenhängen, wie etwa die dezidierte Kritik Gottes an Hiobs Freunden, Psalm 73 oder Jesu Tadel an den Reaktionen seiner Jünger auf den Blindgeborenen (vgl. Joh 9,1) oder seine Lektion in Lukas 13,1-5 mehr als deutlich machen. Und doch ist das Saat-und-Ernte-Prinzip nicht vollständig aufgehoben, wie Galater 6,7 beweist.

Die Reformatoren nahmen Zeiten der Pest durchaus zum Anlass, die Menschen zu Gott zurückzurufen und zur biblischen Buße aufzufordern. Es ist gut, dass wir heute mehr über die Bedingungen, die zur Entstehung einer Pandemie führen können, verstehen und z. B. die Zerstörung intakter Ökosysteme, Landraub, Monokulturen, industrielle Fleischproduktion, den exzessiven Tourismus und Personenverkehr usw. einmal kritisch in den Blick nehmen. Aber zu behaupten, wir wüssten heute so viel mehr, dass sich jede Aussage in Richtung Gott und Buße verböte – selbst evangelikale Bibelschullehrer lassen sich zu solch aufklärungstheologischen Aussagen hinreißen –, wäre die Hybris schlechthin, die gerade jetzt angesichts der Ratlosigkeit der Naturwissenschaft einen mächtigen Dämpfer erhalten hat. Gleichwohl ist Zurückhaltung geboten, was die Ausdeutung für jeden einzelnen betrifft. Denn:

In der Theodizee unterscheidet man gern zwischen moralischem Übel – und hält es für den Preis der Willensfreiheit – und natürlichem Übel, das man den Naturgesetzen zuschreibt. All diese Versuche im Gefolge von Leibniz greifen meines Erachtens zu kurz. Die Theodizee kann am sinnvollsten beantwortet werden, wenn sie den Bericht über den Sündenfall in Genesis 3 ernst nimmt mit den dort beschriebenen Folgen für die gesamte Schöpfung. Paulus bringt es in Röm 8 auf den Punkt: „Denn wir wissen, dass die ganze Schöpfung zusammen seufzt und zusammen in Geburtswehen liegt bis jetzt. Nicht allein aber sie, sondern auch wir selbst, … auch wir selbst seufzen in uns selbst und erwarten die Sohnschaft; die Erlösung unseres Leibes“ (V. 22 f.). Christen wie Nicht-Christen erfahren daher derzeit unterschiedslos am eigenen Leib, was es heißt, in einer gefallenen Schöpfung zu leben. Gott ist demnach nicht der Urheber des Virus. Ausgehend von der Tatsache, dass er gleichwohl „in control“ ist, hat er es aber zumindest zugelassen. Die Frage, was Gott und das Virus miteinander zu tun haben, ist daher durchaus legitim. Was Gott mir mit dieser Pandemie zu sagen hat, kläre ich aber am besten im stillen Kämmerlein und in vertrauter Zwiesprache mit Gott selbst.

Was das ewige Heil betrifft, ist für die Glaubenden jeder Tun-Ergehens-Zusammenhang aufgehoben; die Nicht-Christen werden dereinst durchaus nach ihren Taten gerichtet (vgl. u. a. Offb 20,13). Wie tröstlich zu wissen, wie ein befreundeter Pfarrer zu sagen pflegt, dass Jesus Christus bei den Seinen dazwischen ist! Und dieser Jesus ist der einzige Arzt, der heilt, indem er die Krankheiten seiner Patienten auf sich nimmt: „Jedoch unsere Leiden – er hat sie getragen, und unsere Schmerzen – er hat sie auf sich geladen“ (Jes 53,6). Das hat einen zweifachen Sinn: Jesus hat zum einen stellvertretend für unsere Sünden gelitten. In diesem Sinne bezieht sich der Vers nur auf das Kreuzesgeschehen. Der Vers hat aber auch eine zweite Bedeutungsebene und umfasst dann auch das Leben Jesu, während dessen er sich mit unseren Krankheiten identifiziert hat (vgl. Mt. 8,17). Und so dürfen wir, ohne das sühnende Leiden Jesu abzuschwächen, den Vers auch auf unsere existentiellen Nöte beziehen und in Anlehnung an Robert Spaemann auf die Frage, wo Jesus während der Corona-Pandemie ist, vorsichtig antworten: „Am Kreuz.“ Deswegen können die Seinen im Leid, ja selbst in ihrer Todesstunde getrost sein: „In der Welt habt ihr Bedrängnis, aber seid guten Mutes, ich habe die Welt überwunden“ (Joh 16,33).

Unter Berücksichtigung dieser Prämissen kann ich die Pandemie durchaus als Weckruf Gottes an eine taube Welt deuten, mindestens als Erinnerung, dass wir alle früher oder später einmal werden sterben müssen und dann unserem Schöpfer Rechenschaft schulden. Gott möchte uns durch seine Güte zur Buße leiten (vgl. Röm 1, 4). Wenn wir aber für sein gütiges Reden taub sind, kann er – mit Verlaub – auch anders (vgl. Jes 63,7-10). Allerdings ist auch seine züchtigende Hand noch Ausdruck davon, dass er es gut mit uns meint und jemand noch nicht aufgegeben hat. Am schlimmsten trifft es den, den Gott einfach laufen lässt und den Folgen seines gottlosen Tuns überlässt; wehe dem Menschen, über den Gott spricht: „Lass ihn gewähren“ (Hos 4,17; vgl. Röm 1,24ff.). Dass Christen in der gegenwärtigen Lage – wo alle, die unsere Ressourcen sonst fressen (Fußball usw.), schweigen müssen – Buße, Umkehr und (neue) Hinwendung zu Jesus predigen, ist daher nicht nur legitim, sondern geboten. – Haldenwang

 


 

 

Leserbriefe zu „Die Super-Zivis“ von Anna-Lena Scholz

 

Sie stellen die Frage, ob Medizinstudierende wirklich in Kliniken während der Epidemie helfen können. Sicherlich können sie je nach Semester besonders Pflegekräfte entlasten. Aktuell gibt es einen Entwurf zur Änderung der Approbationsordnung, verfasst von Markus Algermissen vom Bundesministerium für Gesundheit. Die Epidemie wird meines Erachtens als Vorwand genutzt, um die Versäumnisse im Gesundheitssystem zu kaschieren – zum Nachteil der Medizinstudierenden. Mitte April sollten die Prüfungen zum 2. Staatsexamen stattfinden (M2). Für diese bei den Studierenden als eine der „Hammer-Prüfungen“ bezeichnet werden offiziell 100 Tage zum Lernen angesetzt. Nach dem 2. Staatsexamen gehen regulär diese Studierenden ins Praktische Jahr. Der Entwurf sieht nun vor, dass die M2-Prüfung nach dem PJ stattfinden soll und die Studierenden sofort in die Klinik gehen sollen. Es ist absolut nicht nachvollziehbar, weshalb die Prüfungen nicht stattfinden können.

Die Landesprüfungsämter meinen, sie könnten aus Sicherheitsgründen die Prüfungen nicht organisieren. Das kann nur ein Scheinargument sein. Kürzlich wurde noch behauptet, dass es zur Daseinsfürsorge gehört, die Prüfungstermine einzuhalten. Wie Sie in Ihrem Artikel schreiben, melden sich tatsächlich viele Studierende freiwillig. So haben die Kliniken neben ihrer Umorganisation auch zusätzlich den Einsatz der PJ-ler zu stemmen, die sowieso nach dem 2. Staatsexamen kommen und bereits reservierte Plätze haben. Bundesweit trifft das ca. 4.500 Studierende. Z.B. an der großen Uni Göttingen 150. Für die Prüfungen zum Physikum wurde die Stadthalle gemietet und zahlreiche Aufseher verpflichtet. Die Zahl dieser Studierenden war sehr viel höher. Es dürfte also kein Problem sein, 150 Prüflinge mit einem Abstand von 2 m zu platzieren – das scheint bei den Abiturprüfungen auch zu gehen.

Die Spitze des Entwurfs ist es, dass am Ende des PJ zwei „Hammer-Prüfungen“ zeitnah zu absolvieren sind (M2 und M3). Fehlzeiten während des PJ sollen die Lernzeit von 6 Wochen verkürzen, auch wenn die Fehlzeiten durch Krankheit und/oder verordnete Quarantäne entstanden sind. Keine Schutzmaterialien, aber dafür Verschärfung der Prüfungssituation. Die Vertretung der Medizinstudierenden hat zwar eine Stellungnahme abgegeben, die aber nach meiner Kenntnis nicht berücksichtigt werden muss. Mir scheint, manche MA des Ministeriums für Gesundheit haben nichts gelernt. Zu Ihrer Kenntnis füge ich den Entwurf und die Stellungnahme als Anlage bei. Es würde mich freuen, wenn Sie diese Problematik thematisieren. Sehr motivierte und fleißige Studierende werden mit dieser Art des Umgangs regelrecht bestraft. – Dr. Karin Kroll

 

Ich wäre jederzeit bereit gewesen, für sechs Monate nach Haiti nach dem Erdbeben oder nach Thailand nach dem Tsunami zu gehen. Sprich: Zu einer richtigen Notlage. Wo es nicht nur an Toilettenpapier mangelte. Damals war natürlich kein Wort von Solidarität und davon, dass man vom Arbeitgeber freigestellt wird, oder von einem Katastrophen-Bafög. Heute in Deutschland hingegen kann der Normalbürger, gleich wie intellektuell, keinen Tod verhindern, das können nur Fachärzte und Beatmungsmaschinen. Es gibt aber viele Selbständige, die erzwungenermaßen von einem Tag auf den nächsten sehr viel Zeit und Null Einkommen haben: Friseure, Yogalehrerinnen, Kellner, Verkäuferinnen, Kreative, Veranstaltungsschaffende. Denen wäre mit einer Aufgabe und einem unbürokratischen Corona-Bafög eventuell mehr geholfen als den Studierenden. – Sebastian Gieler

 

Wenn sie schon auf der Titelseite das Spiel „denk dir einen Beruf, von dem du annimmst, dass er gerade nichts zu tun hat und schlage ihn zur Zwangsverpflichtung für eine ihm fremde Tätigkeit vor“ spielen, würde ich gerne die Journalisten-Zivis vorschlagen. Sport und Feuilleton fallen mir auf Anhieb ein, es gibt aber bestimmt noch mehr Ressorts, die gerade wenig zu tun haben. Sie sind mindestens ebenso gut für eine anspruchsvolle Tätigkeit geeignet, für die sie keine Ausbildung und evtl. keine Motivation haben, wie die von ihnen vorgeschlagenen Studenten und Professoren. Sportlehrer, Messebauer, Friseure, … mir fallen noch ganz viele ein, außer mir selber, natürlich. – Heiko Sebastian

 

Der Vorschlag von Anna-Lena Scholz kann ruhig auf die gesamte Bevölkerung ausgedehnt werden. In solch einer Notlage sollten wir als Solidargemeinschaft alle freiwillig pro Woche einen Arbeitstag Aufgaben für die Allgemeinheit übernehmen und jetzt denen unter die Arme greifen, die über die Belastungsgrenzen hinaus gefordert sind. Ich wäre bereit dazu! – Sebastian Mühlbach

 

3 Tage Absurdistan – Homeschooling für Berufstätige Dienstag, den 24.3.20 Aufstehen um 6.00 Uhr, länger kann ich gerade eh nicht schlafen, 30 Minuten Yoga – nicht, weil es mit irre viel Spaß machen würde, sondern weil das Yogastudio zu ist und ich sonst als Schreibtischtäterin spätestens in 10 Tagen beim Orthopäden oder Physiotherapeuten sitze. Danach Duschen und 30 Minuten alleine Zeitung lesen – mein persönlicher Luxus! Gemeinsames Frühstück, um 8.15 beginnen wir mit den Hausaufgaben. Stefan hat schon um 7.15 Uhr angefangen zu arbeiten. Er arbeitet für eine amerikanische IT-Firma und ist verantwortlich für Services in Deutschland. Leider fehlen die Ersatzteile für die Rechenzeiten seit Wochen (Importe aus China), inzwischen dürfen keine Techniker mehr zu den Firmen fahren oder weigern sich ihrerseits, nun wurde auch der Standort in Palo Alto zugemacht. Entsprechend stressig ist das Krisenmanagement. Wir sind aber froh, dass wir beide sichere Jobs und damit keinerlei Existenzängste haben müssen. Aus dem Freundeskreis hören wir dagegen verheerende Nachrichten.

40 Auftritte an einem Tag storniert (Musiker), null Aufträge mehr mit akuter Insolvenzgefahr (Personalvermittlung). Ich frage nach den Hausaufgaben von gestern. Englisch, die Wegeführung in Vaihingen – möchte ich sehen. „Das habe ich mündlich gemacht“. Immerhin hat mein Sohn das Eierexperiment von BNT selbständig erledigt. Die Zeichnung ist grottenschlecht, seine Beschreibung kaum zu lesen – egal. Er hat es gemacht, er hat es verstanden. Wir vergleichen den Lückentext mit den Lösungen. Im letzten Satz lautet seine Lösung: „Hühnerküken sind Nestflüchter Keimscheibe.“ „Nestflüchter Keimscheibe? Das sind doch 2 Wörter – es sind Nestflüchter!“ „Nein Mama, die Lösung gab es da nicht, es muss heißen Nestflüchter Keimscheibe!“ Ich gucke ungläubig auf das Arbeitsblatt: Jeder Erwachsene würde das einfach als Fehler im Buch abtun, aber mein Sohn ist da sehr genau. In Büchern steht Wahrheit! Wir einigen uns drauf, dass Hühner Nestflüchter Keimscheiben sind – da habe ich auch etwas dazugelernt. Wir sind eh schon spät dran mit der Aufgabe, aber zum Glück kann man sie doch noch hochladen.

Frau G ist erkrankt – dann sind wenigstens keine Aufgaben in Englisch mehr zu erwarten. Ich muss dringend in meine nächste Telefonkonferenz. Wir müssen in 6 Tagen das komplette Semester im Fachbereich Architektur online starten. Wir wollen nicht warten bis zum 20.April, weil das für uns an den HAW (Hochschule für angewandte Wissenschaften – früher Fachhochschulen) ein Zeitverlust von 5 Wochen ist, den wir später kaum aufholen können. Es stehen viele Fragen an. Studierenden wurde der Arbeitsplatz des Pflichtpraktikums gekündigt, andere haben kein Internet am Wohnort, wieder andere sind der Meinung, dass wir das Semester pausieren sollten, denn es gibt keine Modellbaumaterialien zu kaufen, unsere Modellbauwerkstätten sind genauso wie die Computerpools geschlossen. Wir Lehrenden müssen uns mit den Videokonferenztools vertraut machen. Ich habe schon häufig an Videokonferenzen teilgenommen, nun muss ich sie leiten, aufzeichnen und mir überlegen, wie wir Entwürfe wirklich online korrigieren können.

Modelle ansehen, mit Skizzenpapieren über Grundrisse zeichnen – geht alles nur noch eingeschränkt und wir müssen Lösungen dafür finden. Ein Blick auf die Uhr: 13.00 Uhr. Zum Glück ist noch etwas vom gestrigen Abendessen übrig, nur Aufwärmen und das Mittagessen ist fertig. Ich frage Alexander, ob er sich die 2. Fremdsprache überlegt hat. „Ja, Mama, ich möchte gerne Altgriechisch machen.“ „Altgriechisch??? Das wird doch gar nicht angeboten!“ „Egal! Die alten Griechen sind viel Cooler als die Römer.“ „Steht das in Percey Jackson?“ „Nein Mama, ich lese gerade Thron of glass“. „Da hast Du doch alle 7 Bände schon durchgelesen? „ „Ich lese sie gerade nochmal, ich möchte einen Band für die Buchpräsentation in Deutsch nehmen, ich muss sie nochmal lesen, um den besten Band ausfindig zu machen. Es gibt Schlimmeres als lesen denke ich, auch wenn es ziemlicher Science-Fiction Schund ist mit gefühlt 100 Toten je Seite. Aber wie sagte schon meine Schwester bei meinem Neffen: „Hauptsache er liest!“.

„Mama, die Griechen hatten eine total geniale Möglichkeit, Nachrichten zu verschlüsseln! Mit einer Skydale!“ Wir googlen „Skydale“ und sind begeistert. Ein Lederband, das um einen Rundstab gewickelt wird. Nur wer den Rundstab mit dem richtigen Durchmesser hat, kann die Botschaft entschlüsseln. Wir beschließen sofort eine Skydale auszuprobieren. Immer wieder muss ich nachfragen, wie das Ding heisst – es will einfach nicht in meinen Kopf. Ich versuche Alexander zu überzeugen, es nur das S zu nennen. „Nur S – das ist zu einfach! Dann nennen wir es einfach Eladyks – einfach rückwärts!“– „Ja, das kann ich mir sicher besser merken.“ Ich gehe wieder ins Büro und denke: wie gut, dass Stefan und ich schon seit Jahren unsere Büros im gleichen Haus haben – was für ein Privileg in diesen Zeiten! Ich schreibe ein schnell zusammengebasteltes Tutorial für Moodle, damit sich Eltern und Schüler besser zurechtfinden. Wir nutzen Moodle schon seit Jahren an der Hochschule – ich zumindest. Damit gehöre ich zur Minderheit. Etwa 70% der Kollegen verweigern die Nutzung. Das rächt sich jetzt.

Ich denke: wenn wir schon Büros im Haus haben und uns daher die Umstellung vergleichsweise leichtfällt, kann man wenigstens anderen helfen. 16.00 Uhr – wir sollten noch raus, damit mein Sohn nicht nur vor Rechner und E-Reader verbringt. Also rauf aufs Fahrrad! Unter dem Vorwand, dass ich seit Tagen kein Mehl auftreiben kann, kann ich Alexander nach Stuttgart West lotsen. Dort gibt es ein Restaurant, das sein Lokal in einen Supermarkt verwandelt hat. Tolle Idee! Alexander: „Warum kannst Du nicht alleine Mehl kaufen gehen?“ „Weil ich den Weg alleine nicht finde und während der Fahrt etwas Unterhaltung brauche!“ Natürlich ist das Mehl ausverkauft, aber bei einem Bäcker um die Ecke bekommen wir welches. Wenigstens eine Stunde draußen und die Hasenbergsteige bergauf ohne E-bike geht glatt als Sportstunde durch. Ich bin dagegen froh über mein E-bike. „Ich muss noch Erdkunde machen!“ Der Satz ist gleichbedeutend mit: Ich will jetzt das Notebook, um mit Scratch Spiele zu programmieren.

Als Vorwand gilt die als Dokument angelegte Wettertabelle. Wir versuchen noch die Videolinks von Frau K für Sport anzugucken, aber es sind leider Links zu Youtube – das verbietet unsere Familylink-Software. Ansonsten würde unser Sohn nichts Anderes mehr tun als Youtuben. Egal – dann eben kein Sportvideo. Können wir ja später auf meinem Laptop angucken. „Vergiss nicht, Saxophon zu üben“ kann ich gerade noch sagen, bevor ich in die nächste Telco muss. Endlich Abendessen. Stefan hat toll gekocht – was für ein Glück! Unser aller Anker in diesen Tagen. Und wir albern rum, lachen viel, die totale Entspannung. Wir sehen zusammen einen Film über Robert Koch und Louis Pasteur. Sehr spannend zu sehen, wie sie damals die ersten Bakterien und Viren entdeckten und Alexander ist beeindruckt, dass bis heute ein Institut so benannt ist, das uns täglich mit Corona-Infos versorgt. Am späten Abend erreicht mich ein Anruf in dem es um häusliche Gewalt im näheren Umfeld geht. Ich bin geschockt.

Nie hätte ich gedacht, dass das so dicht dran an uns passieren könnte. Es beschäftigt mich sehr. Noch ein paar Telefonate, ein paar Mails, dann ist der Tag geschafft. Das Saxophon wurde vergessen, das Youtube-Video auch – egal. Mittwoch, den 25.3.20 Yoga, Frühstück, Hausaufgaben. Mathe ist erledigt, fast alles richtig – easy. BNT ist schon die nächste Aufgabe da: Vögel im Winter. Englisch wurde gestern nicht erledigt, muss also heute gemacht werden und noch Musik. Der Tagesplan steht, ich kann in meine Telcos gehen. Wir entscheiden eher nach Motivation als nach dem Stundenplan, das fällt uns leichter. Und es wird hart verhandelt: „Mama, wenn ich die doofen Vögel machen muss, dann aber nicht noch Deutsch!“ Gegen 11.00 Uhr habe ich eine kleine Pause, wir vergleichen Alexanders Musikaufgaben mit dem Lösungsblatt. Fast alles richtig, aber dann doch ein paar Fehler. Alexander ist sich sicher: „Meine Lösung stimmt!“ Er erklärt mir das System, denn ich kannte bisher nur Noten wie a oder g, dass es die auch als a1 und g3 gibt, war mir neu. Wir diskutieren lange herum, aber Alexander lässt nicht locker.

„Mama, da musst Du die Lehrerin fragen – das kann nicht stimmen!“ „Okay, mache ich“ – ich habe ja auch sonst nichts zu tun. Nächste Telco, und die Nachricht, dass die Lösungen in Musik wirklich falsch waren – kann ja jedem mal passieren – trotzdem hat es mich insgesamt fast eine Stunde Zeit gekostet. Blick auf die Uhr – Mist, schon 13.30 Uhr! Jetzt aber schnell etwas aus dem Kühlschrank zerren – wenn da noch etwas wäre! Zum Glück gibt es noch ein Bärlauchpesto, die Geheimwaffe – die Nudeln sind schnell gekocht. Mittagessen. Danach Vögel im Winter. Es gibt Streit. Alexander bekommt die Aufgabe nicht hin, aus einem Buchstabenwirrwar Vogelnamen zu machen. „Ich kenne die blöden Viecher nicht und im Buch stehen sie auch nicht! Ich kenne keinen Haussperling!“ „Haussperrling? Kenne ich auch nicht!“ „Gibt´s auch nicht, habe ich erfunden – aber eben so einen Irgendwas-Sperling…“ Vor 3 Tagen hatte seine Patentante (Biologielehrerin) gefragt, ob er denn schon ein paar Vögel beobachtet hätte mit dem Fernglas, das sie ihm zum Geburtstag schenkte? Ja, einen Spatzen.

Vögel sind nicht wirklich in Alexanders Leidenschaft, das Schicksal teilen sie mit den Pflanzen. Und er wird richtig sauer: „Woher soll ich das wissen? Die fragt hier Sachen, die nirgend stehen! Nicht mal im Buch, da stehen nur 3 Vögel drin. Das kann man nicht können!“. Wir finden gemeinsam noch einen „Grünfink“ aus dem Buchstabensalat heraus und legen dann das Blatt lieber weg, bevor die Lage eskaliert. In der „Zeit“ gibt es einen interessanten Artikel, warum das Römische Reich zugrunde ging – ob ihn das interessiert? Sind zwar keine Griechen, aber Römer sind immer noch spannender als Vögel. Wir lesen den Artikel und siehe da – die Römer gingen nicht nur an Dekadenz zugrunde sondern auch Pandemien und Vulkanausbrüchen. Wir schnappen und das Buch der 80 Weltkarten und verfolgen die Pandemien: die justinianische Pest und die spanische Grippe. 50 Millionen Tote allein bei der Spanischen Grippe müssen erstmal verdaut werden, wir sind Robert Koch und Lous Pasteur dankbar!

Aus den Dokumentationen aus der Zeit der spanischen Grippe hat man herausgefunden, dass die Gemeinden am wenigsten Tote hatten, die sehr schnell die Schulen schlossen und die Sozialkontakte einschränkten – diese Erkenntnisse trugen mit dazu bei, dass dies auch aktuell praktiziert wird, womit wir wieder im Hier und Jetzt landen. Die nächste Telco ruft und ich muss auch noch beim Hilfetelefon anrufen. Dort bekomme ich die Info, dass ich in Sachen häuslicher Gewalt nichts, aber auch sicher, ganz sicher gar nichts tun kann und mich besser raushalten soll, um meine Nerven zu schonen. Das beschäftigt mich, aber es entlastet auch. Am späten Nachmittag die Nachrichte einer Freundin: Ihr Vater verstarb vorletzte Nacht an Corona, 10 Tage kämpfte er alleine im Krankenhaus. Da er sehr infektiös war, durfte ihn niemand besuchen, die Beerdigung ist auf die allernächsten Angehörigen beschränkt. Die Vorstellung, dass einer unserer Eltern gerade ins Krankenhaus müsste (alle sind über 80 Jahre alt), wäre der Horror.

Meine Eltern leben bei Hamburg, Stefans Eltern im Schwarzwald – also auch nicht gerade um die Ecke. Meine Freundin anzurufen schaffe ich definitiv nicht, aber vielleicht einen Brief schreiben? Kommt auf die to-do-Liste. Noch eine Telco. Später nochmal nachgucken, ob ein paar Hausaufgaben gemacht wurden. Eine Minimalbearbeitung in Englisch mit ziemlich unleserlicher Schrift – egal. Ist erledigt. Das Wetter ist toll, BNT Aufgabe c-f von den Vögeln im Winter fehlen noch – egal. Am Wochenende ist Schneeregen angesagt, heute sind 16 Grad und Frühling – da passen die Vögel im Winter eh nicht wirklich. Also schnell raus. Fahrradfahren wird abgelehnt, Badminton ist besser. „Da hast Du nicht so lange Lust, dann sind wir schneller wieder Zuhause“. Wir bemühen uns, es ist aber recht windig. „Apropos Wind.

Kannst Du in Deine Erdkundewettertabelle eintragen.“ Versuche ich es zwischendrin. „Da habe ich schon „schwachwindig““ eingetragen – so kam es in der Wettervorhersage!“ „Du sollst nicht die Wettervorhersage eintragen, sondern das, was Du beobachtet hast! Draußen liegt sogar ein Thermometer!“ „Dafür muss ich ja rausgehen.“ Ich treffe eine Mutter auf der Straße, ich kenne sie aus meinem Chor. Sie ist alleierziehend mit 3 Kindern und arbeitet Vollzeit, da der Vater keinerlei Unterhalt zahlt. Sie hat sich für das am Abend anberaumte Chor-Onlinemeeting abgemeldet – Überlastung. Sie berichtet von einem Lehrer, der sich über die „Corona-Ferien“ freut. 3 Kinder mit je 5-8 Fächern mit jeweils 3-5 Dateien pro Woche per Mail oder Moodle zzgl.-Lösungen, Korrekturen – ich danke meiner biologischen Vorsehung mich nur mit einem Kind zu beschenken! Ich kann gut verstehen, dass für ihr Privatinteresse keine Zeit bleibt.

Und ich bin unglaublich froh, dass ich nicht alleinerziehend bin und einen Mann habe, der einkauft und kocht! Die nächste Telco naht – und durch mein Gequatsche mit der Mutter ist Alexander nun doch weitestgehend um das Badminton herumgekommen. Auf dem Rückweg versuche ich noch die Aufgabe in BNT unterzubringen: gucken, was gerade so blüht. Ich versuche es mit: „Guck mal die schönen Tulpen!“. Mein Sohn boykottiert meinen Schulversuch direkt mit: „Ja, die Orchideen da blühen auch ganz toll!“ Okay, ich mache weiter mit „Aber die Weihnachtsglocken sind echt hübsch“ – „die Späteln auch“ – wir haben Spaß! Nächste Telco. Danach muss ich dringend ein Tutorial schreiben für die Studierenden und für die Kollegen für diverse Onlinemeeting-, Upload- und Aufzeichnungsprogramme, denn ich habe keine Lust, meine Entwurfskorrekturen auf Youtube wiederzufinden. Ich melde mich noch schnell für eine kostenlose Programmschulung am nächsten Tag um 9.00 Uhr an. Endlich ist das Abendessen da – und wieder bin ich unendlich dankbar, mich an einen gedeckten Tisch mit einem frisch gekochten Essen setzen zu dürfen. Danach ab ins Chormeeting, nebenbei ziehe ich die nächsten Hausaufgaben aus Moodle. In Englisch gibt es doch plötzlich Aufgaben – ich dachte, Frau H sei krank? – Abgabe bis übermorgen.

Übermorgen? Wann ist Übermorgen? Wann wurde das eingestellt? Egal. Es ist inzwischen 22.00 Uhr – es sind außer mir gerade noch 11 Personen aus der Klasse in Moodle online– ich glaube nicht, dass das alles Kinder sind, die noch Hausaufgaben machen. Ich denke an den guten Freund von uns, der am 1. April beerdigt wird und dessen Angehörigen wir keinerlei Beistand leisten können. Eine Lehrerin im Chor sagt: „Ich habe da meine Arbeitsblätter am letzten Schultag verteilt und fertig. Mehr mache ich da nicht!“. „Musst Du Dich nicht in Moodle einarbeiten, Onlinelehre vorbereiten?“ „Die Schulleitung hat noch nichts gesagt, dass es nach Ostern nicht normal weitergeht. So lange die da nichts sagen, spare ich mir den Aufwand.“ Wir alle lachen über Donald Trump, der von vollen Kirchen Ostern träumt und glauben gleichzeitig dran, dass wir nach Ostern normalen Schulunterricht haben werden? Klar – mit der Arbeitseinstellung kann man seinen Privatinteressen prima weiter nachgehen! Mir geht durch den Kopf, dass das Saxophon wieder nicht zum Einsatz kam und wir das Sportvideo immer noch nicht angeguckt haben – egal. Donnerstag, den 26.3.20 Nach dem Yoga lese ich die Whatsappnachricht einer Freundin, die im Wald gestürzt ist, und nun im Krankenhaus liegt und auf ihre OP wartet.

Wie das mit den 2 Kindern Zuhause jetzt funktioniert, mag ich mir lieber nicht vorstellen. Der Vater war deutscher Meister in dem Videopiel Moorhuhnschießen. Mein Kontingent für schlechte Nachrichten ist langsam voll. Ich lese die neue Ausgabe der „Zeit“ und schmunzele über den Leitartikel „Superzivis“. Alle Universitäten sollen ein Freisemester einlegen und als Pandemiehelfer dem Gesundheitssystem beistehen. Wie meine Kollegen bei der Krankenpflege helfen und es dann sicher nicht lassen können, den Ärzten Vorschläge zur Verschönerung der Inneneinrichtung des Krankenhauses zu machen, lässt mich laut lachen. 8.15 Uhr Start Homeschooling. Es gibt neue Matheaufgaben. Mein Sohn kann sich sofort für eine Rätselaufgabe begeistern – Rätsel sind prima! Als ich mit dem Duschen fertig bin, kommt die Frage: „Kennst Du einen Mathematiker, der Leonhard Ueber heisst?“ „Nicht wirklich…“. Google hilft…“könnte der auch Euler heißen?“. „Ja, geht auch!“ „Hier steht, was der so gemacht hat – interessiert Dich das?“ Wir steigen in den Lebenslauf ein, sind beeindruckt, dass er mit 13 Jahren sein Studium begann und später nach seinem Umzug nach St. Petersburg innerhalb weniger Wochen fließend Russisch lernte. Die Eulersche Zahl – E-Funktionen – da wären wir doch wieder beim Virus.

Phantastisch, wie die Dinge doch alle zusammenhängen! Inzwischen ist es 9.10 Uhr, das Onlineseminar für meine Programmschulung hat bereits begonnen. Ich übergebe noch schnell die gestern Abend ausgedruckten Englischaufgaben. Wieder vergesse ich fast das Mittagessen. Es kann nicht schon wieder Bärlauchpesto geben – also Bratkartoffeln – das Lieblingsessen meines Sohnes. Während die Kartoffeln braten rufe ich einen Kollegen zurück, der um Hilfe für Kostenkennwerte zu Lüftungsanlagen in Operationssälen bat. Der Kollege ist Architekt und hatte sich auf Ausstellungsgestaltung spezialisiert. Bei geschlossenen Museen ist die aktuelle Auftragslage auf nahezu null geschrumpft – man muss flexibel bleiben, jetzt also Umbauten und Operationssäle. Und wieder bin ich dankbar, dass ich keine Existenzsorgen haben muss. Von den Lüftungskosten in Operationssälen zurück zu den Matheaufgaben. Frau G hatte die nette Aufgabe gestellt, mit Hilfe eines Arbeitsblattes geometrische Körper zu basteln und ihr eine Postkarte mit den Lösungen zu schreiben. Antwort garantiert!

Aus dem Studium bringe ich einige Jahre Modellbauerfahrung mit – das ist doch eine nette Beschäftigung, denn Pappmonster hat mein Sohn immer mit großer Begeisterung zusammengebaut. Geometrische Körper sind aber keine Pappmonster. Ich weiß auch nicht, ob Frau G davon ausgeht, dass alle Menschen standardmäßig mit einen DIN-A3 Drucker ausgestattet sind, denn als DIN A4 Ausdruck sind die Körper so klein, dass selbst meine Modellbauerfahrung an ihre Grenzen kommt: die Körper sind zusammengebaut in etwa so groß wie ein 20 Cent Stück! Immerhin 3 von 7 Körpern schaffen wir. Die Englischaufgaben wurden minimalistisch, sehr lückenhaft und mit nahezu unleserlicher Schrift erfüllt. Dafür, dass ich den ganzen Vormittag keine Zeit hatte, mal nachzugucken, bin ich mit dem Ergebnis zufrieden. Über den Utopia-Newsletter komme ich zu einem TED-Talk über Müllvermeidung. Wir gucken das Video gemeinsam an, es ist auf Englisch mit deutschen Untertiteln- zählt für mich als Englischunterricht. Das Wetter ist immer noch toll – wir beschließen, alle weiteren Hausaufgaben auf das nasskalte Wochenende zu verlegen und den Sonnenschein zu nutzen. Mein Sohn ist noch im Schlafanzug. Hat er eigentlich schon die Zähne geputzt? Wann hat er eigentlich das letzte Mal geduscht? Egal.

Wir fahren zu einem Laden mit unverpackten Lebensmitteln im Stuttgarter Westen – dort wollte ich schon lange mal hin und es passt wunderbar zum Ted-Talk. Dort gibt es u.a. Zahnpastatabletten, um die Zahnpastatuben aus Plastik zu vermeiden. Alexander will sie unbedingt ausprobieren- das löst vielleicht unser Hygienethema. Wieder geht es auf dem Rückweg die Hasenbergsteige hoch – wir sollten noch das Sportvideo angucken – und dabei fällt mir auch das Saxophon wieder ein. Noch ein paar Telefonate und Mails – darunter 2 Mails, die mir Sorge machen: „Ihr Outlookpostfach ist zu 99% voll. Bitte löschen Sie alle nicht mehr benötigten Mails.“ Kein Wunder, dass mein Postfach bei der aktuellen Lage überläuft. Ich freue mich fast schon auf den Schneeregen am Wochenende. „Das SSL-Verschlüsselungszertifikat für Ihre Homepage läuft ab. Mit diesen einfachen 9 Schritten können Sie es ganz einfach selbst erneuern!“ Eindeutig eine Aufgabe für meinen Mann und wieder bin ich froh, nicht alleinerziehend zu sein.

Für den Beileidsbrief an meine Freundin nehme ich mir eine weitere Stunde Zeit. Eine Stunde morgens für den Tagesplan Homeschooling und das Abgleichen der Lösungen der Hausaufgaben des Vortages, eine weitere Stunde für Zwischenmotivation und intrinsische Lehrpfade zu Griechen und Römern, um die Lust am Lernen aufrechtzuerhalten, eine weitere Stunde für das Mittagessen, ca. 1-2 Stunden für das Bewegungs- und Outdoorprogramm. Macht täglich 5 Stunden extra. Meine Vorlesung schreibe ich am Wochenende – dem Schneeregen sei Dank! Ich habe viel gelernt in diesen 3 Tagen und bin meinem Hirn dankbar, dass es die Sprünge zwischen Nestflüchter-Keimschalen, Kosten für Lüftungsanlagen, Skydalen, Entwurfskorrekturen, Todesfällen, Herrn Euler, Klammersetzung in Mathematik, SSL-Verschlüsselung, Tonintervallen, häuslicher Gewalt und Stehvögeln mehr oder weniger geduldig erträgt.

Die Zusammenhänge, die sich zwischen all den Themen ergeben sind faszinierend. Zum Glück haben wir einen Sohn, der sich komplett alleine beschäftigen kann. Bis vor 3 Wochen hatte er weder Laptop noch Handy. Gestern Abend hat er seinem Klassenkameraden seine mit Scratch selbst programmierten Spiele via Skype gezeigt. Wie er seinen Bildschirm mit jemand anderem teilen kann, habe ich ihm nicht beigebracht. Wenn eine Motivation da ist, funktioniert Lernen von alleine! Wenn man das Spiel „Vögel im Winter“ auf Level 1 mit Spatz, Amsel und Meise spielen und für jeden richtigen Vogel 10.000 virtuelle Goldmünzen einheimsen könnte, bin ich sicher, dass mein Sohn im Level 2 auch Grünfinken und Irgendwas-Sperlinge erkennen würde. Wenn man die Vögel dann noch abschießen könnte, ergeben sich nahezu unendliche Lernmöglichkeiten, selbst tropische Vögel sind denkbar. Da das nicht unmittelbar in Sicht ist, werden wir morgen lieber Kohlrabi-Setzlinge vom Markt einpflanzen – vielleicht ersetzt das die Aufgaben zu Steh- und Strichvögeln c-f. Das muss dann aber mein Mann machen, denn ich muss noch meine Vorlesung für Montag vorbereiten. Ich hoffe auf Schneeregen. – Prof. Dipl.-Ing. Architektin Christine Kappei

 

Es scheint ein bemerkenswertes Charakteristikum von Krisen zu sein, mit dem Finger auf andere zeigend deren Beitrag für die Allgemeinheit einzufordern. Aber warum richtet sich der Blick bevorzugt auf unsere jungen Mitbürger? Pflegenotstand! Warum nicht alle Schulabsolventen zu einem sozialen Jahr verpflichten? Reisebeschränkungen für Erntehelfer. Schickt Studierende auf die Felder! Die Nonchalance und Selbstverständlichkeit mit der hier geurteilt wird, Studierende seien die Mitglieder der Bevölkerung, der man es ohne Weiteres und ohne spürbaren Verlust zumuten könnte, ein halbes Jahr aus ihrer Tätigkeit genommen zu werden, ist anmaßend, selbstgerecht, herablassend, arrogant, geringschätzend und zeigt einen Mangel an Respekt vor deren Arbeit.

Diese Haltung ignoriert, daß viele Studierende auf Jahre weniger Lebensunterhalt als das haben, was in unserer Gesellschaft landläufig als Armutsgrenze gezogen wird. Wir arbeiten mit Hochdruck daran, den Universitätsbetrieb in den kommenden Monaten aufrecht zu erhalten. Es wäre ein Leichtes, mit dem Finger auf andere zu zeigen, z.B. diejenigen, die normalerweise das nächste halbe Jahr rüstig und munter auf einem Kreuzfahrer verbracht hätten, aber warum zeigen wir ganz im Sinne JFKs nicht als erstes auf uns selbst und verzichten zum Wohle unserer Wirtschaft auf fünf unserer 30 Urlaubstage? Der Beitrag von Frau Scholz ist eine überflüssige Einlassung und der Titelseite nicht wert. – Prof. Dr. Christiane Clemens

 

Ich habe gerade ihren Artikel über die Super-Zivis in der Zeit gelesen. Ich finde Ihre Überlegungen zum Solidarsemester grundsätzlich gut, es fehlen hier aber wie so häufig die unterstützenden Entscheidungen aus der Politik. Sie schreiben, „die Medizinstudenten machen es vor“, nein, das machen sie leider nicht. Die Medizinstudenten stehen vor einer ganz anderen Problematik (ich füge nachstehend meinen Post ein, zur weiteren Erläuterung). Die Studenten vor dem 2. Staatsexamen, die jetzt quasi „recrutiert“ werden, hängen völlig in der Luft und erfahren keine Unterstützung, wenn sie jetzt ihr PJ antreten bekomme sie eben nicht mal den Bafög-Satz und werden dann noch mit dem „ Hammerexamen“ bestraft.

Könnte man anders lösen, unsere Nachbarländer tun das. Sie erlassen dennStudenten das 2.Examen. Das größte Problem, es fehlt an öffentlicher Berichterstattung, ich bin selbst nur zufällig darüber gestolpert. Und leider trifft es hier mit den Medizinern eine der unpolitischsten Gruppierungen, da der typische Medizinstudenten ja leider lernt, lernt, lernt. Da gibt es wenige, die über Vernetzung und Erfahrung in der Nutzbarkeit der Social Media verfügen. Es wäre toll, wenn die Zeit diese Thema aufgreifen würde/könnte. Ich erlebe hier in Wuppertal im Moment, welche Kraft und Power die Kulturszene aufbringt, gekonnt ist eben gekonnt. Ich finde, da ist Solidarität und Unterstützung für die angesagt, die gerade an anderer Front arbeiten. – Carmen Rummenhöller

 

Danke, Anna-Lena Scholz, für diese Ermutigung! Als Professorin möchte ich in diesem Semester mein Fach Ethik von der Diskussion von Moraltheorien lösen und gelebte Ethik fördern: wenn Studierende Corona-bedingte Hilfe leisten, können sie ihre Erfahrungen in einem Essay reflektieren und werden von anderen Aufgaben befreit. Wenn ohnehin das digitale Lehrangebot den sonst üblichen Ansprüchen so schnell nicht gerecht werden wird, ist ein Selbststudium, das Andere in den Blick nimmt, der beste Weg, um Verantwortung zu schulen. – Lisa Schöttl

 

Der Kommentar von Anna-Lena Scholz scheint auf den ersten Blick einleuchtend zu sein: Die große Gruppe der Studierenden, Dozentinnen und Dozenten der Hochschulen kann ohne wesentliche Verluste einfach ein Semester ausfallen lassen und sich stattdessen für die Lösung der Coroner Krise engagieren. Erste Argumente dagegen wurden schon in den online Kommentaren angesprochen: Es ist nicht unbedingt so, dass Studium, Lehre und Forschung so beliebig sind, dass sie einfach um ein halbes Jahr verschoben oder durch Corona Aktivitäten ersetzt werden können. Auch sind Studierende und Lehrende nicht die Einzigen, die ihre Tätigkeiten aufschieben könnten.

Was mich an dem Kommentar aber noch mehr verwundert ist, dass er in keiner Weise zur Realität passt. Die Realität im Moment ist, dass alle zu Hause bleiben sollen, dass insbesondere viele Menschen, die gerne arbeiten würden, nicht arbeiten dürfen. Zur Zeit ist es noch nicht absehbar, dass Probleme entstehen, weil zu viele Personen arbeitsunfähig sind. Wieso sollten dann also Studierende sich jetzt aufmachen und Arbeitsplätze besetzen , die andere gerne einnehmen würden? Und wie sollen Studierende dem Kontakt-Verbot gerecht werden, wenn sie aufgefordert werden endlich aus ihren Zimmern zu kommen und sich für die Gesellschaft einzusetzen? Analog gilt das für Dozentinnen und Dozenten. Offensichtlich war keine spezielle Aufforderung durch solch einen Kommentar notwendig, damit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler schnell und intensiv Forschung zum Coronavirus betreiben.

Insgesamt scheint mir der Kommentar – noch dazu auf der Titelseite!! – reichlich naiv, schlecht recherchiert und weit entfernt von irgendwelchen Tatsachen zu sein. Übrigens, solche Artikel, die meiner Ansicht nach in den letzten zehn Jahren deutlich häufiger geworden sind in der ZEIT, sind der Grund, dass ich nach Jahrzehnten mein ZEIT Abo gekündigt habe. Ich würde mich sehr freuen, wenn die ZEIT sich wieder stärker auf Qualitätsjournalismus konzentrieren und weniger reißerische Artikel publizieren würde. – Barbara Priwitzer

 

Was dieser Artikel eigentlich aussagen soll, kann ich nicht ganz nachvollziehen. Ich interpretiere: Das akademische Leben scheint der Autorin ein ziemlicher Dorn im Auge zu sein (Stichwort: Elfenbeinturm). Man kann es offenbar vernachlässigen und schleifen lassen, da es keinen Wert für die Gesellschaft hat. Stattdessen könnte man diese unnützen Gestalten, die momentan nur Zuhause herumhocken und sich niemals freiwillig gesellschaftlich engagieren würden, nun endlich einem richtigen Zweck zuführen. Hallelujah!

Ich muss sagen, dass ich über den Abdruck eines solchen Artikels sehr erstaunt war – gerade in Ihrer Zeitung, die ich doch eigentlich für nicht gerade bildungsfern halte. Zumal es beispielsweise Studenten gibt, die Gründe haben, ihr Studium möglichst bald beenden müssen, sei es aus finanziellen Gründen oder beispielsweise einer sich ändernden Lebenssituation. In dieser Hinsicht leidet die Autorin offenbar an totalem Verlust des Realitätssinns, wohl infolge der sozialen Isolation. Ich wünsche ihr – und uns allen – eine schnelle Genesung! – Agnes Verena Nogales García

 

Da gab es mal eine Zeit, da wurde immer „freitags für die Zukunft“ demonstriert, die Schüler/innen schwänzten deshalb die Schule, und zum Dank dafür, bekamen sie eine aufs Dach. Kurze Zeit später wurden die Schulen plötzlich ganz dicht gemacht; freitags wurde nicht mehr für die Zukunft demonstriert, und trotzdem bekamen, nicht nur die Schüler/innen, sondern alle Menschen im Lande, schwersten Hausarrest aufgebrummt! – Riggi Schwarz

 


 

 

Leserbriefe zu „Überzeugungstäter“ von Caterina Lobenstein

 

Nach all den Missständen, die das fakten- und kenntnisreiche Dossier über unsere parlamentarische Demokratie insbesondere im Finanzbereich aufgedeckt hat, kann ich den Satz von Gerhard Schick „Ich verlasse dieses Haus als begeisterter Parlamentarier“ nicht ganz nachvollziehen. Das mit 709 Bundestagsabgeordneten überdimensionierte größte demokratisch gewählte Parlament der Welt ist seit Jahren nicht willens oder in der Lage, eine längst überfällige Parlamentsreform durchzuführen, sodass die Arbeit der Bundestagsabgeordneten in einem zukünftig noch weiter aufgeblähten Parlament für den Bürger und Steuerzahler noch intransparenter und erheblich teurer wird. Die Verdrossenheit über die von der CDU und CSU verhinderte Reform und über den zur Beute der Parteien gewordenen Staat wird also zum Schaden unserer bisher gefestigten Demokratie weiter zunehmen.

Dies wird sicherlich nicht im Sinne von Gerhard Schick sein, dessen mutigen Schritt zur Bürgerbewegung Finanzwende ich als früherer wissenschaftlicher Assistent eines MdB voller Hochachtung nachvollziehen kann. Sein Kampf gegen die übermächtige Finanzlobby für gerechte Finanzmarktreformen und besseren Verbraucherschutz verdient die Unterstützung einer wachsenden Graswurzelbewegung. „Gegenmacht tut not“ könnte ein gutes Motto für eine erfolgreiche Arbeit der Bürgerbewegung unter der Ägide von Gerhard Schick zum Wohl der Allgemeinheit lauten! Sein Rat ist in der jetzigen von der Corona-Pandemie ausgelösten Weltwirtschafts- und –Finanzkrise besonders gefragt, um einen weltweiten, noch zerstörerischen Crash zu verhindern. – Hans-Henning Koch

 

Ich möchte mich für den Artikel über Gerhard Schick bedanken. Meine Anmerkung dazu ist: „von Anfang bis Ende – Ja!“ – Günter Scholz

 

Danke an Caterina Lobenstein für einen aufrüttelnden, vielschichtigen Dossier Beitrag, der letztlich implizit einen wirklich erschütternden Zustand unserer repräsentativen Demokratie offenbart! Welch eindrücklicher Beleg sind die Seitenwechsel von Gerhard Schick, wie er zunächst aus der Wissenschaft, dann aus der Politik heraus, schlussendlich über den Weg der Bürgerbewegung das gemeinwohlorientierte Finanzsystem zu retten versucht. Falls die diversen Berichterstattungen ein wahres Bild der Realität darlegen (und ich lade die politischen Vertreter ausdrücklich zu einer Gegendarstellung ein), dann wird die gemeinwohlorientierte repräsentative Demokratie durch die realen Verhältnisse einer de facto Gesetzgebung durch Lobbyisten im Hinterzimmer auf besorgniserregende Weise ausgehöhlt. Wenn das Gemeinwohl in den Finanzausschüssen nicht einmal ansatzweise lobbyistisch vertreten ist, dann ist das ein ungleiches Spiel, dann muss man sich über die Ergebnisse nicht wundern. Ähnliches gilt für Emissionsreduzierung, Boden- und Luftbelastung, Artenschutz usw. wobei uns die zunehmenden Erfolge seitens EU und Bürgerbewegungen der letzten Jahre Mut machen können.

Was bleibt den geneigten ZEIT-LeserInnen zu tun, um unser politisches System Europa nicht zuletzt gegen die globalen Angriffe sowohl aus China als auch den USA zu verteidigen? Wir alle tragen zur Stärkung unserer sich am Scheideweg befindenden Demokratie eine essenzielle Verantwortung und sollten daher gemeinwohlorientierte Bürgerbewegungen als systemrelevantes Gegengewicht des existierenden Lobbyismus sehr viel deutlicher finanziell und tatkräftig unterstützen! Die gute Nachricht hierbei: wir müssen dank der oftmals zurecht kritisierten Digitalisierung für den ersten Schritt nicht mal unseren Lesesessel verlassen. Lassen Sie uns gemeinsam die Initiativen wie GermanZero oder Finanzwende der gemeinwohlorientierten Überzeugungstäter wie Gerhard Schick stärken – sie brauchen uns! – Jan Schneider

 

Die Einsichten des Überzeugungstäters Gerhard Schick beschrieb John Steinbeck bereits 1939 folgendermaßen: … a bank or a company – those creatures don’t breath airThey breath profits; they eat the interest of money.If they don’t get it, they die the way you die without air.It is a sad thing, but it is just so.The bank is something else than men.… The bank is more than men. It’s the monster.Men made it but they can’t control it.The Grapes of Wrath(Penguin Books, 1986, S. 33, 35) Ich wünsche Herrn Schick und seiner Bürgerbewegung Finanzwende mehr Erfolg als John Steinbeck trotz millionenfacher Verbreitung seiner Zeilen zur Zähmung der Monster gelungen ist. – Dr. Harry Schüler

 

Welch spannender Artikel, ich musste einfach dranbleiben und fragte mich beim Lesen, wieso ich von diesem engagierten Politiker bisher nichts erfahren habe. Danke, dass Sie diese Lücke nun geschlossen haben. Besonders Ihr letzter Satz macht Mut und schürt Hoffnung: Gerhard Schick als Vertreter der „Lehman-Oma“ sitzt wieder im Parlament, auf der RICHTIGEN Seite. Herzlichen Dank für Ihre so wertvolle, wöchentliche Berichterstattung sagt Ihnen – Margrit Richter

 

Wenn es in dem Dossier heißt: „Statt Gewaltenteilung herrscht in Deutschland Gewaltenverschränkung. …. Die meisten Mitglieder der Regierung sind selbst Abgeordnete, sogar die Kanzlerin. Formal wird die Regierung von den Parlamentariern kontroliiert, faktisch aber kontrolliert sie sich selbst.“, fällt mir dazu nur noch ein: Arme geschändete fdGo (freiheitlich demokratische Grundordnung). – Uwe Boisch

 

In Verbindung mit dem Bericht über den SPD-Abgeordneten Rimkus in der Ausgabe 12/2020 sehe ich das aktuelle Dossier als Beginn einer spannenden Serie über Abgeordnete, die weniger im Fokus stehen. So können die MdB als einzelne Persönlichkeit einem überregionalen Publikum bekannt gemacht werden. Das fördert den Wert unserer so wichtigen Institution, der Vertreter des ganzen Volkes. Das Dossier über Schick wirft viele hochspannende Fragen auf: Wie wichtig sind Interessenverteter? (Sehr!) Deckt sich das mit ihrem öffentlich Bild? (Wohl weniger!) Bilden sie die derzeit Bandbreite der Interessen angemessen ab? (Wohl nicht!) Ist das Format der Ausschussbefragungen effektiv? (Wohl nein!) Hat das Parlament wirklich eine so machtlose Rolle? Welche Bedeutung hat es überhaupt in historischen Zusammenhängen gehabt? Was bedeutet das für heutige Fragen? Hat sich wirklich so wenig in der Bankenregulierung getan, Stichwort Krisenfestigkeit? Leider kratzt das Dossier bei vielen dieser Fragen höchstens an der Oberfläche und lässt keine zweite Sicht zu Wort kommen. Etwas weniger Heldenportrait und Werbung für das neue Projekt wäre schön gewesen. Nach der Hälfte war Herr Schick dann doch umfassend vorgestellt. – Robert Paul

 

Erschütternd! Ein offenkundig anerkannter Finanz-Fachmann steigt aus dem Parlament (unserem „Souverän“, sic!) aus, weil er sich als gewählter Vertreter des Volkes hilf- und wirkungslos gegenüber einer professionell organisierten Lobby-Macht empfindet. Was im Klartext doch bedeutet, dass eine von Steuer- und Finanzbetrügern durchseuchte Bank- und Finanzbranche, dank funktionierender Lobby-Macht, bei entsprechender Gesetzgebung mehr Einfluss auf Regierung und Parlament ausübt als der vermeintliche „Souverän“. Das Makabre dieser Situationsschilderung aber wird noch verstärkt, wenn man in der aktuellen Corona-Krise sieht, was „der Staat“ kann, wenn er nur will. – karl heinz stoll

 

Im Dossier „Überzeugungstäter“ wird auf S. 14 im 3. Absatz (Satz 3) ausgeführt: „Heute, angesichts der Corona-Krise, hat die Regierung erneut angekündigt, die Banken zu unterstützen.“ Können Sie mir bitte die entsprechende Fundstelle dieser Aussage zukommen lassen? Denn die von Bund und Ländern aufgelegten Förderprogramme stützen die Unternehmen der Realwirtschaft. Bei der Vergabe von Förderkrediten z.B. der KfW müssen die Banken mitwirken und einen Teil des (aktuell hoch einzuschätzenden) Haftungsrisikos übernehmen; im besten Fall zwar nur 10%, aber dies für eine sehr große Zahl von Unternehmen. Es wäre schön, wenn Sie mir hier durch die Angabe der Fundstelle weiterhelfen könnten. – Birgit Lauber

 

Haben Sie vielen Dank für das tolle Dossier. Hoffentlich findet Herr Schick viele, kompetente Unterstützer. Papiere wie die Lehman-Zertifikate kann man noch immer kaufen. Wie ehedem heißt es auch heute noch, wenn man sich um deren Sicherheit besorgt zeigt: „Können Sie sich vorstellen, dass die Bank ABC untergeht?“ Zu bedauern sind die Lehman-Omas, die möglicherweise einen Großteil ihrer Ersparnisse in solche Papiere investierten, aber nicht hartnäckig genug sind, auf Ausgleich zu bestehen. Mir ist es über meine Bank gelungen, 3/4 des eingesetzten Kapitals zurückzuerlangen. Ich wünsche Herrn Schick viel Erfolg. – Bruno Becker

 


 

 

Leserbriefe zu „Ein krankes System“ von Matthias Nass

 

Corona und die PolitikJetzt ist Corona in der Politik angekommen, siehe Putins Lieferungen an Italien mit russischer und italienischer Flagge und Herzchen, Pekings Propagandaaktionen … In Washington hat der Senator Tom Cotton, enger Trump-Vertrauter immerhin sachlich recht, wenn er sagt, „China hat die Seuche auf die Welt losgelassen, … .“ Es ist ja nicht nur Corona. Die Ursachen der drei Krankheiten SARS, MERS und Corona sind klar und eingrenzbar, somit ist es möglich, ihrer Entstehung vorzubeugen. Seit 2003 entstanden in Südchina diese drei Krankheiten. Zweimal ist es, wenn auch knapp, gelungen, ihre seuchenhafte, weltweite Ausbreitung zu verhindern, aber diesmal, bei Corona, … . Ursache ist in allen drei Fällen das Ernährungsverhalten der Menschen in Südchina. Dort wird alles, was da kreucht und fleucht, gegessen. Vorher muss es natürlich gefangen bzw. gezüchtet und – auf den Märkten, wo Mensch und Tier sehr eng aufeinanderhocken, angeboten werden. Dort springen die Viren , z. Zt. Corona-Viren, nun mal auf Menschen über. Die weitere Entwicklung ist bekannt. Was kommt denn da noch auf uns zu und was ist zu tun????? Ich bilde mir übrigens nicht ein, dass wir Europäer die Guten sind und immer alles richtig machen. – Holger Freund

 

Ihr Autor Matthias Nass, irrt gewaltig. Ohne Autorität kann kein Land auf Dauer bestehen. Grenzlose Freiheit hat besonders in Deutschland zur übergroßen Kriminalität geführt. Darüber hinaus haben regelrechte Banden in unserem Land Konjunktur. Auch Terror ist angewachsen. Was soll daran gut sein. Ihr Autor ist da keine Ausnahme. Die bis zum abwinken immer wieder geforderte Freiheit ist durch die Hochschulen regelrecht eingetrichtert worden. Ich habe gute Vergleiche, weil ich auch in Singapur zu Hause bin. Dort hat die Regierung eine begrenzte Freiheit zum Statussymbol angeordnet. Ergebnis: Keine Kriminalität. Keine Mühlhalte, keine Arbeitslosigkeit. Eine sehr wohlhabende Gesellschaft. Dagegen kann kein vernünftiger Mensch etwas haben. Es ist daher von auszugehen, daß die Ideologie solche Forderungen aufstellt. Und die war nie gut für ein Land. Die Journalisten sind doch alles intelligente Menschen, aber bei der grenzenlosen Freiheit schalten sie ihr Gehirn ab. – Gunter Knauer

 

Ein solch unkritischer nass-forscher Artikel von Herrn Nass auf der ersten Seite, und das in einer Zeit, in der es wichtigeres gibt als China-Bashing, ist in Stil und Inhalt unerträglich. Schon die Unterzeile, dass „China den größtmöglichen Schlamassel angerichtet“ habe, könnte von Trump kommen. Nicht anders als scheinheilig kann man bezeichnen wie der Autor aggressiv draufhaut und es dann für „bedrückend“ hält wie die USA und China außenpolitisch in ihre „hässliche Routine“ zurückfallen. Wobei er hier noch die zeitliche Abfolge verändert. Denn erst nach der dümmlichen Bezeichnung von Trump, der vom „chinesischen Virus“ sprach, kamen die Fake News aus China, dass das Virus aus den USA eingeschleppt worden sei. Und warum die Ausweisung eines Dutzends amerikanischer Journalisten nicht damit zu rechtfertigen sei, dass die USA vorher die erlaubte Zahl chinesischer Journalisten in den USA von 160 auf 100 reduziert hatte, ist wohl nur eingefleischten Chinahassern einleuchtend.

Ich bin weit davon entfernt, alles was in China passiert , nicht auch kritisch zu sehen. Allerdings habe ich vieles besser verstanden nach der Lektüre von „Die Chinesen“ von Stefan Baron und Guangyan Yin-Baron. Wie hier ein ehemaliger Chefredakteur des Handelsblatts und seine chinesische Ehefrau China beschreiben und erklären fernab von verbohrter Ideologie, davon würde man sich bei Herrn Nass mehr als eine Prise wünschen. Ein kritischer Journalist weiß, dass auch mit Hilfslieferungen Politik gemacht wird, aber eben nicht nur in China. Den Italienern ist es im Moment ziemlich egal ob auf Beatmungsgeräten „Made in Germany“ oder „Made in China“ draufsteht, Hauptsache sie funktionieren und helfen, Leben zu retten. Einem Satz in diesem Artikel kann ich aber wirklich zustimmen: „Eine offene Gesellschaft lässt sich nur mit Wissen und freier Meinung schützen“. Von Ideologie ist hier aber eben genau nicht die Rede. – Dr.Ernst Girth

 

Ich habe den Kommentar von Matthias Naß zu China (“Ein krankes System:” https://www.zeit.de/2020/14/china-coronavirus-aussenpolitik-meinungsfreiheit-pressefreiheitund Die Zeit Nr. 14/2020) gelesen und habe mich daraufhin entschieden, Ihnen einen kurzen Leserbrief dazu zu schicken, da ich selbst mehrere Jahre in Hongkong gelebt habe und viele Freunde in Mainland China habe, wodurch ich das Thema etwas anders sehe. Es ist natürlich vollkommen richtig, dass die chinesische Regierung für ihre anfängliche Vertuschung des Problems zur Verantwortung gezogen werden sollte – doch dies bedeutet nicht, dass man ihre späteren Erfolge im Kampf gegen den Virus abtun sollte, weil sie im Kontext eines undemokratischen Regimes passierten. Die Nachricht, die China jetzt verbreiten möchte, ist nicht “Werdet alle ein Einparteiensystem” – die Nachricht ist “Wir haben entschlossen gehandelt und es hat funktioniert.” Dies ist keine Nachricht an Politiker in anderen Ländern, dass das der einzige Weg ist – es ist viel mehr eine Nachricht an die chinesische Bevölkerung, deren Vertrauen in ihre Regierung massiv getestet wurde.

Dass die Regierung nun sicherstellen möchte, dass ein solches Vertrauen wieder hergestellt ist, ist ein legitimer Wunsch einer Regierung. Ist es moralisch richtig, den Ausbruch einer Gesundheitskrise zur Außenpolitik zu nutzen? Nein. Doch wenn man sich auf die politischen Auseinandersetzungen zwischen den USA und China im Kontext des Coronavirus bezieht, dann sollte man auch zugeben, dass diese Auseinandersetzung genauso von der amerikanischen Seite kommt. Präsident Trump hat den Virus als den chinesischen Virus in Tweets beschrieben. Dass ein Virus keinen Pass hat und auch nicht um ein Visum an den Grenzen bittet dürften mittlerweile alle gemerkt haben. Die amerikanische Presse hat zu Beginn der Krise ebenfalls zu dieser Darstellungen des Virus beigetragen, indem Artikel zu dem Virus mit Fotos von Chinatowns oder Amerikanern asiatischer Herkunft ausgeschmückt wurden.

Der chinesische Wunsch, sich gegen solche Behauptungen und Anspielungen von amerikanischer Seite zu währen, ist durchaus verständlich. Dies mag die Mittel nicht rechtfertigen (ich persönlich würde zumindest den Mitteln nicht zustimmen), doch man sollte die chinesische Position mit etwas mehr Nuance betrachten. Der Brief ist etwas länger geworden als erwartet! Auch wenn dies ein eher kritischer Brief ist, wollte ich mich trotzdem für Ihre wundervollen Artikel bedanken – ich lese Die Zeit seit vielen Jahren sehr gerne! – Elena Handtrack

 

Während der Deutsche Bundestag (fast) keine Parteien mehr kennt, sondern nur noch Deutsche, darf der kalte Krieger Nass an exponierter Stelle der ZEIT das „kranke System“ Chinas an den Pranger stellen. Er kann seinen alten antikommunistischen Reflexen nicht widerstehen, denen zufolge die Hilfslieferungen Chinas an Italien als nichts anderes denn als Propaganda des chinesischen Regimes abzutun seien. Man liest das an jenem Tag, da sich die Opferzahlen in Italien der Zehntausend nähern und seit Beginn der Corona-Lethargie zum ersten Mal ein Fünkchen innereuropäischer Solidarität aufscheint, nachdem ganze 6 (!) italienische Schwerkranke in deutschen Krankenhäusern aufgenommen worden sind. Wie krank muß einer sein, der in diesen Tagen von Volkskrieg und Abrechnung schreibt? Als Ossi fühlt man sich unmittelbar an Sudel-Ede selig erinnert. Wie weit, so frage ich mich, ist es von der Verachtung und der Häme, die Herr Nass übrig hat für die, die partout nicht gewillt sind, am westlichen Wesen zu genesen, bis zum Haß auf Andersdenkende, den wir in unserer Gesellschaft zunehmend beklagen?- Dr. Helfried Näfe

 

Der Streit über die Verursachung der Corona Pandemie ist nicht hilfreich. Zudem ist es ein Fehler, «dass die Regierung Trump von chinesischen Staatsmedien verlangte, die Zahl ihrer Mitarbeiter in den USA von 160 auf 100 zu reduzieren.» Dies gab China einen – vermutlich willkommenen – Vorwand, amerikanische China-Korrespondenten auszuweisen und so die Berichterstattung aus China zu erschweren. Nötig ist das Verfolgen eines gemeinsamen Ziels das gute Fortbestehen der Menschheit. Leider gibt es weltweit nicht nur demographische und ökonomische Gräben sondern auch Gräben bezüglich der Gesundheitsversorgung. Diese Gräben sind verknüpft. So dürfte es schwer sein in den überbevölkerten Slums afrikanischer, indischer aber auch südamerikanischer Slums Pandemien (mit ähnlichen Eigenschaften wie Corona) ähnlich erfolgreich zu bekämpfen wie in China.

Es stimmt, dass Demokratien wie Südkorea oder Taiwan Corona ähnlich erfolgreich bekämpfen konnten. Dies kommt auch daher, dass beide Länder eine geringe Geburtenrate haben. Der (aus moralischen Gründen bedenkliche) Vorteil Chinas ist, dass dort der Zielkonflikt zwischen dem Menschenrecht auf Eigentum und dem virtuellen Menschenrecht auf hohe Vermehrung auf undemokratischem Weg gelöst wurde. Es gibt natürlich kein explizit formuliertes Menschenrecht auf hohe Vermehrung. Doch es gibt Menschenrechte, welche die Regierungen von Staaten mit zu hohem Bevölkerungswachstum von der Verantwortung entbinden. Zum Beispiel, wenn eine hohe Geburtenrate zu wirtschaftlichen Problemen führt und in der Folge zu politischen Krisen, dann wäre das Asylrecht zuständig, das dann gegenüber Ländern mit verantwortungsvoller Geburtenrate geltend gemacht werden kann. Oft geschieht das sogar mit indirekter Zustimmung der Regierungen der Herkunftsländer. Beispiele sind der Besuch eines somalischen Ministers bei seinen Landsleuten in der Schweiz oder die Weigerung von Herkunftsländern die eigenen Bürger (deren Asylantrag nicht akzeptiert wurde) wieder aufzunehmen.

Natürlich kann man China den Vorwurf machen, es halte wichtige Menschenrechte nicht ein. Aber was nützen Menschenrechte auf Asyl, wenn die Zahl der potentiellen Asylanten die Aufnahmekapazität von Zielländern übersteigt. Was nützt die Menschenrechte auf Gesundheit und Lebensunterhalt, wenn diese Rechte auf Grund zu hohen Bevölkerungswachstums nicht eingelöst werden können. Trotz schlechter Luftqualität (und daher erhöhter Anfälligkeit für Lungenkrankheit) in den dicht bevölkerten Millionenstädten konnte die Corona-Pandemie in China unter Kontrolle gebracht werden. Auch das dürfte ein Grund dafür sein, dass viele Chinesen (trotz Überwachungsstaat) kein Bedürfnis haben, ihr System zu wechseln. – Gernot Gwehenberger

 

Welches System ist krank? China, das innerhalb von nur 10 Tagen ein Krankenhaus mit 1.000 Betten zur Behandlung von Corona-Infizierten gebaut hat oder die USA, die Nichtversicherten jungen Leuten die Behandlung verweigern und Zelte für Corona-Leichen errichten? – Edith Fröse

 

Ihren Artikel Ein krankes System in der Wochenzeitung DIE ZEIT vom letzten Donnerstag, 26. März, habe ich – gelinde gesagt – mit einigem Kopfschütteln gelesen. Ihr Artikel ist ein Reflex auf die derzeitige Katastrophe. Hintergründe, Wechselwirkungen und der Kontext zur langen Geschichte Chinas und der Nachkriegsgeschichte Europas kommen indes zu kurz oder sind erschreckend einseitig, ja polemisch dargestellt. In ideologischer Verblendung, so dies mein Eindruck, schlagen Sie wie viele Ihrer Kollegen in anderen Zeitungen auf den „alleinigen Übeltäter“, den „Schurken in Fernost“, ein! So abgeflacht wie Sie die Dinge darstellen, ist das Thema aber nicht. Im Einzelnen: Zitat: So also geht das: Geschichte wird gefälscht … Und wir sind live dabei. Wenn Sie selbst die Ignoranz und die beispiellose Arroganz der Europäer und Amerikaner gegenüber der aufziehenden Seuche den Chinesen in die Schuhe schieben, ist das nach meiner tiefen Überzeugung eine kaum noch zu überbietende Geschichtsfälschung; mir verschlägt es den Atem!

Auf einem anderen Feld, weil es zum Thema passt, werde ich Ihnen weiter unten den missionarischen Eifer des sich über alle fremden Kulturen erhaben fühlenden Westens vor Ihre ganz offensichtlich eingefärbte Brille halten. Zitat: … jetzt hilft das Land der Welt. Vor allem den Ländern im Westen, deren Regierungen nichts geregelt kriegen …Ein Satz, der mir sehr gefällt, den Sie aber sofort relativieren und den Politobersten in Peking jedes humanitäre Gefühl absprechen! Eine fatale Schlussfolgerung! Ganz unabhängig von unserem Thema, denke ich, ist es das Gebot jeder Gesellschaft, jedem Menschen à priori ein gewisses Maß an sozialem Engagement zuzutrauen. Zitat: Und die Europäer? Sie sollten sich freuen, dass China ihnen hilft. … Aber sie sollten nicht naiv sein. Xi Jinping … macht Politik …Was ist daran verwerflich? Hilfe als Mittel der Politik? Ist in der Hohen Politik in jedem europäischen Land, ja weltweit gang und gäbe. Ist ein allemal besseres Politikinstrument als ständiges Säbelrasseln! Geben und Nehmen – eine wunderbare Balance, nicht nur von Mensch zu Mensch, sondern auch zwischen Nationen – unabhängig von politischen Staatsformen jeder Art. Warum gestehen Sie das den Chinesen nicht zu?

Donald Trump jedenfalls hat das nicht begriffen. Beispiel Atomvertrag mit dem Iran, alle halten daran fest – nur D.T. nicht, der im Gegenteil das Land mit Sanktionen bestraft – Gräben ausschaufeln statt immer und immer wieder zäh und mit Augenmaß zu verhandeln, toll! Zitat:Bedrückend, dass in diesen Tagen voller Hilfsbereitschaft und Solidarität die Außenpolitik gleich wieder in ihre hässliche Routine zurückfällt. Sie sprechen mir aus der Seele! Aber warum geben Sie nun auch an dieser Stelle allein den Chinesen die Schuld? Ist es nicht gleichermaßen oder mehr noch der Westen, allen voran Trump, der mit Handelsembargos, Beschimpfungen u.dgl. die Chinesen immer wieder zu demütigen versucht? Weil er, ich nehme die Schlussfolgerung vorweg, in China einen Konkurrenten seines Anspruchs auf Welthegemonie sieht, der mit allen Mitteln bekämpft werden muss? Wer Hass sät, wird Hass ernten. Hier schaukelt sich was hoch, was allemal schlimmer sein könnte als die Coronakrise weltweit. Und Sie machen sich mit Ihrem Artikel zum Sprachrohr dieser Politik!

Sie werden sich gewiss an die Opiumkriege der Briten und Franzosen gegen China im 19. Jh. erinnern, dem die Droge aufgezwungen wurde und nach langem Zeitverzug als Bumerang in die westliche Welt gekommen ist. Das sitzt heute noch tief in der verletzten Seele der Chinesen! Warum gelingt es nicht gerade jetzt, wo es doch nottut, ein Zusammenwirken aller Nationen dieser Welt zu organisieren? Auch dem Journalismus als Multiplikator, denke ich, kommt darin eine wichtige Aufgabe zu – oder? Aus Ihrem Artikel jedenfalls kann ich das beim besten Willen nicht herauslesen! Zitat: Die chinesische Führung sieht sich jetzt gestärt für eine Abrechnung mit den USA.Und das noch fett gedruckt und abgehoben! Nach meiner Wahrnehmung ist das genau umgekehrt!

Klingt nach Indianerspielen aus unseren Kindertagen! Nur insofern haben Sie Recht, als man sich manchmal wirklich an den Kopf fassen muss bei so vielem Schwachsinn, der in der Weltpolitik kursiert – und nicht nur dort! Zitat: China hat diese Seuche auf die Welt losgelassen und China muss dafür zur Rechenschaft gezogen werden.Welch eine Blasphemie! Klar, die Wurzel allen Übels liegt in Wuhan, politisches und menschliches Versagen gehen mit schlimmen Folgen Hand in Hand. Aber was veranlasst Sie, das Übel allein dort zu sehen? Beim Auftreten der Seuche in Wuhan wussten alle Medien der Welt, gewiss auch Sie, sofort davon. Was aber haben Sie alle, was hat der Westen, aus diesem Wissen gemacht? Standen Sie, lieber Herr Nass, persönlich auf, um vor der drohenden Seuche zu warnen – als Rufer in der Wüste? China wurde völlig unvorbereitet kalt auf dem „linken Fuß“ erwischt, hat dann aber in bewundernswerter Weise reagiert und mit rigorosen Maßnahmen, die in dieser Eile und Gründlichkeit nur in einer Diktatur möglich sind, ein relativ schnelles (vorläufiges?) Ende der Seuche bewirkt. Ist das für Sie nicht anerkennenswert?

Die Europäer und Amerikaner hingegen begegneten der drohenden Gefahr zunächst mit Ignoranz und dann mit beispielloser Arroganz!Nachdem die Katastrophe nun auch über uns mit aller Wucht hereingebrochen ist: Wer trägt Ihrer Ansicht nach die Verantwortung dafür? Für Gutmensch Trump ist die Sache eindeutig, es sind die bösen Chinesen, und für Sie in seinem Fahrwasser wohl auch! Donald Trump: „Die Wirtschaft ist mir wichtiger als einige tausend Tote“. Na prima! Republikanische Abgeordnete insistierten vehement bei ihm, in der Bekämpfung der Coronakrise die Rufe der Mediziner zu überhören. Er ist ihnen gefolgt – bis es zu spät war! Und der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro hält das Coronavirus immer noch für eine kleine Erkältung! Sonst noch was? Zitat: Eine offene Gesellschaft lässt sich nur mit Wissen und freier Meinung schützen. Es gibt keinen besseren Abwehrstoff gegen das Gift der autoritären Versuchung.Stimmt, ich bin ganz bei Ihnen und ganz und gar kein Verfechter einer Diktatur, missverstehen Sie mich da bitte nicht.

Nur, mit Beschimpfungen, Drohungen und Sanktionen oder gar mit Kriegen bekommt man sie nicht aus der Welt. Es ist nicht lange her, als die USA und ihre Alliierten den Irak von der Diktatur des Saddam Hussein befreit haben – mit gelogenen Argumenten übriges! Und auch 2 Gaddafi in Libyen wurde mit Hilfe des Westens auf ähnliche Weise beseitigt – mit dem hehren Ziel, die arabische Welt mit den Segnungen einer Demokratie zu beglücken. Was ist die Folge? Seit Saddam Hussein im Irak, Gaddafi in Libyen, als stabilisierende Faktoren (wollen Sie das bestreiten?) ausgeschaltet sind, herrscht dort das blanke Chaos. Und nachdem auch die Edel-Demokraten in Syrien eingegriffen haben und die Russen, die Türkei und die USA (diese zurzeit entgegen ihrer Natur auffallend wenig) fleißig darin herumrühren, versinkt das Land in Blut und Elend. Welch eine makabre Bilanz: zehntausende von Menschen, die im Bürgerkrieg sterben gegen die wenigen Regimekritiker, die geköpft oder eingesperrt werden! Tolle Leistung, die sich vor allem der missionierende, über alle Kulturen der Welt sich erhaben fühlende Westen auf die Fahnen heften kann!Ist das in Ihrem Sinne, Herr Nass? Ich fühle mich an die Kreuzzüge im Mittelalter erinnert: morden im Namen dessen, der Liebe predigte! Nein, lieber Herr Nass, sie mögen jung sein und die Welt idealistisch sehen, doch sie tickt an mehr Stellen anders als Ihnen lieb ist. Für eine Demokratie nach unserem Muster ist die arabische Welt nicht tauglich – und die chinesische ebenso nicht.

Wollte man sie ihnen aufzwingen, müssten die Menschen ihre Kultur, ihre Identität aufgeben, es sei denn, sie wollen das aus eigener Kraft, Taiwan ist ein gelungenes Beispiel dafür. Deutschland, Japan und Südkorea bekamen hingegen ihre Demokratien nach dem 2. Weltkrieg zugeteilt – zum unbestreitbaren Segen für diese Länder. Wollen Sie, Herr Nass, für eine freiheitlich demokratische Grundordnung dieses Zuschnitts weitere Kriege führen? Der chinesische Weg China geht seinen eigenen Weg, der mit Entwicklungen anderer Länder nicht vergleichbar ist. Nie in seiner langen Geschichte hat die Bevölkerung eine Demokratie erlebt. Und doch ist sie nach Durchschreiten des Tals der Tränen zu Beginn und Mitte des 20. Jh. zu einer der führenden Nationen dieser Welt aufgestiegen – dank einer Wirtschaftspolitik, die nach unseren kapitalistischen Regeln funktioniert. Mit dem positiven Effekt, dass die Bevölkerung inzwischen zu einem für sie befriedigenden Wohlstand gelangt ist. Wenn nun die westlichen Medien Demokratie, Pressefreiheit und Menschenrechte vehement einfordern, sollten sie folgendes bedenken:

China ist ein unvorstellbar großes Land, in dem zudem 53 verschiedene Ethnien zuhause sind. Wenn das Regime die Einheit des Landes aufrechterhalten will – und wer zweifelt daran?! – kann es nicht anders als das Land zentral und diktatorisch zu regieren. Es würde in blutigen Bürgerkriegen versinken und zerfallen. Ich sehe wie Sie die tiefen Schatten, die über dem Land liegen – Tibet, die Unterdrückung der Uiguren, um nur diese zu nennen. Aber wie wollen Sie das ändern? Mit Hauruckmethoden jedenfalls lässt sich ein Systemwandel nicht herbeiführen. Und ein Krieg, ein „Kreuzzug“ – und darin sind sich hoffentlich alle vernunft- begabten Menschen einig (ich schließe Sie da ausdrücklich mit ein!), scheidet für immer aus! Ein Blick nach innenVier Monate lang habe ich China mit dem Rucksack, also hautnah kreuz und quer bereist, und genau das Gegenteil erfahren von dem, was Sie in so überaus düsteren Farben von diesem Land skizzieren.

Ich wurde mit einer Herzlichkeit empfangen, mir wurden Wege und Türen geöffnet, wie ich sie zuvor für unmöglich gehalten habe. In der ganzen Skala menschlicher Gefühle ticken die Chinesen – Sie werden es nicht glauben –wie du und ich. Freundschaften haben sich daraus entwickelt, die sich gerade jetzt in unserer Not bewähren: Unaufgefordert und mit einer unglaublich anrührenden Anteilnahme schicken sie mir Gesichtsmasken. Tun Sie das bitte nicht als Propaganda der chinesischen Regierung ab! Es sind menschliche Züge, die den unseren nicht im Geringsten nachstehen. So sollten Sie (s. oben), bitte, auch die Hilfslieferungen der chinesischen Politprominenz sehen. Auch da 3 gibt es humanitäres Mitgefühl. Oder in umgekehrter Betrachtungsweise: der westliche, harte Kapitalismus, aus den USA importiert, ist nicht minder kalt und menschenverachtend als die Gesinnung der chinesischen Staatsführung.

Aus eigener Anschauung und von meinen chinesischen Freunden in Dauerkorrespondenz weiß ich sehr gut, wie die Bevölkerung in China denkt und fühlt, dass sie alle Freiheiten (außer Klappe aufreißen) genießt und sich völlig frei bewegen und reisen kann wohin sie will, auch ins Ausland. Es wäre im Gegensatz zu unserer ehemaligen DDR für sie ein leichtes abzuhauen. Keinem Chinesen aber fällt es ein (anders als den DDR-Bürgern), trotz mangelnder Meinungsfreiheit aus politischen oder wirtschaftlichen Gründen sein Land zu verlassen, Regimekritiker natürlich ausgenommen. Was soll also das Überstülpen einer fremden Ideologie? Chaos verbreiten wie in Syrien?! Haben Sie das, Herr Nass, bedacht? Zugegebenermaßen gehört dazu regimekonformes Verhalten. Jede noch so wohlwollende und gutgemeinte Kritik wird als Angriff auf das System aufgefasst und entsprechend bestraft. Meinungs- und Pressefreiheit finden in China nicht statt. Trotzdem bleiben die Chinesen freiwillig im Lande.

Wie, lieber Herr Nass, erklären Sie sich den Widerspruch? Bewerten Sie bitte die Chinesen nicht nach Ihren eigenen Wertvorstellungen, sie sind nicht übertragbar. Versuchen Sie mit aller Ernsthaftigkeit, sich in deren Welt, in deren überreiche Kultur und Geschichte hineinzudenken – sie sind Kinder einer anderen Welt, wie auch Sie und ich Produkte unserer deutschen und europäischen Kultur und Erziehung sind. Illusionen – in Wünschen gebettetIch wünsche mir, dass die perfide Besserwisserei aufhört; dass wir uns an die eigene Brust klopfen, die Politik, die Medien, jeder Einzelne und aus der Coronakrise die nötigen Konsequenzen und Lehren ziehen werden; dass wir aus den Fehlern lernen, die unwissentlich oder im Angesicht der drohenden Gefahr auch bewusst gemacht worden sind; dass sich die Menschen auf die nächste Katastrophe, die totsicher eines Tages kommen wird, organisatorisch und mental einstellen kann; ich wünsche mir, dass die Menschen erkennen, dass der eigene Bauchnabel nicht der Nabel der Welt ist, dass es auf Erden nicht die eine Wahrheit gibt, sondern so viele wie Menschen auf der Welt mit eigener Wahrnehmung und Erfahrung; dass wir auf Gedeih und Verderben aufeinander angewiesen sind – von Mensch zu Mensch, von Gesellschaft zu Gesellschaft, von Nation zu Nation, da gibt es keine Ausnahme; ich wünsche mir, dass wir Brücken bauen zwischen unterschiedlichen Religionen, Kulturen und Ideologien, uns austauschen, ungestörten Handel treiben zu gegenseitigem Nutzen; dass wir die anderen verstehen lernen in unserer so wahnsinnig bunten Welt; ich wünsche mir, dass es in Zukunft niemanden mehr geben wird, der Gräben aushebt, um seine eigene Weltanschauung anderen aufzuzwingen;

Ich wünsche mir, dass Journalisten erkennen, dass eine analytisch objektive Berichterstattung dem stetigen Wandel zum Besseren unserer Gesellschaft und der Welt mehr nützt, als polemisches Draufhauen, das lediglich Hass und Verhärtung bringt. Wer in die Geschichte schaut, wird feststellen, dass genau dieses zu den meisten Kriegen der Menschheit geführt hat. Ich wünsche mir eine allumfassende Vernunft!Doch sie wird, so fürchte ich, Illusion bleiben, weil zu viele Egoismen das Denken und Handeln der Menschen bestimmen! – Wolfgang Weiß

 

Leider ist China fürwahr kein Vorbild bei der Bekämpfung der Corona-Krise, auch nicht für eine etwaige probate Exit-Strategie. Denn das Vertuschen, Fälschen und Weichzeichnen von Fakten und Zuständen gehört ganz offensichtlich nach wie vor zur staatsdoktrinierten Bewältigung des Virus. So ist und bleibt der einzige verlässliche Parameter, den uns das Reich der Mitte regelmäßig liefert, seine außerordentlich lebhafte, selbstgerechte Propaganda. – Matthias Bartsch

 


 

 

Leserbriefe zu „Verderber Deutschlands“ von Claus Leggewie

 

Sie nennen mich in ihrem Brief an einen fiktiven Konservativen einen Verderber Deutschlands und wollen mich zurückholen in rechtschaffenere Kreise der konservativen parlamentarischen Demokratie. Letzteres ist ein fragwürdiges Unterfangen. Wie Sie zurecht anführen bewahren Konservative Schöpfung und Heimat für die nächsten Generationen aus (christlichen) ethischen Gründen. Leider fühlt sich die parlamentarische Demokratie seit dem Ende der 70iger an als ob sie dem Bürgertum feindlich gesonnen wäre. Alle bisherigen Regierungsparteien, voran FDP und CDU aber auch die Grünen, haben in den letzten 3 Jahrzehnten sozialliberale, christliche Werte vernachlässigt und machtpolitischen oder monetären partikular Interessen untergeordnet.

Die Chancengleichheit der 70er wurde rückgängig gemacht. Immer weniger Kinder von Arbeitern schaffen den Sprung auf das Gymnasium und deren Abiturienten studieren dann auch noch weniger häufig. https://www.spiegel.de/lebenundlernen/uni/bildung-in-deutschland-arbeiterkinder-studieren-seltener-als-akademikerkinder-a-1206959.htmlEbenso steigt seit Jahren kontinuierlich die Zahl der Kinder die von Harz 4 leben müssen. Aufgrund fehlender Chancengleichheit sind immer mehr Familien in 2. Generation auf staatliche Unterstützung angewiesen während fremde (Facebook, Google, Amazone und Co.) und einheimische Multinationals (Siemens, VW, BMW, Lufthansa und Co.) hierzulande mit staatlicher Hilfe Milliardengewinne machen. https://www.ndr.de/themenwoche/gerechtigkeit/Kinderarmut-in-Deutschland-Statistik-und-Ursachen,kinderarmut396.htmlDie Produktivität der deutschen Arbeiter stieg, jedoch sank deren Reallohn seit 1990 um bis zu 50%, https://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/studie-realloehne-sind-seit-1990-um-bis-zu-50-prozent-gesunken-a-670474.html

Einst konnten Krankenschwestern und Krankenpfleger sich eine Wohnung in der Nähe Ihres Krankenhauses leisten und am Leben in ihrer Stadt teilnehmen. Heute werden sie seit der Aufgabe des sozialen Wohnungsbaus dem freien Spiel des Immobilienmarktes preis gegeben. Dort müssen sie, gerügt von der EU, im einzigen Land Europas mit bar bezahlenden Schwarzgeldwäschern konkurrieren. https://www.zeit.de/2019/47/geldwaesche-kriminalitaet-drogen-menschenhandel-bargeld-ermittlungenEbenso helfen parlamentarische Demokratien reiche Monopolisten wie Facebook, Google, Amazone und co. um ihre Profite am Gemeinwohl vorbei zu schleusen.

Deren geringere Steuerabgaben bezahlen Konsumenten und Arbeiter durch höhere Umsatz- und Lohnsteuer. Während Deutschland Steuertransparenz blockiert fühlt sich das Bürgertum deren Zugriff und Überwachung hilflos ausgesetzt und muss machtlos mitansehen wie diese die parlamentarische Demokratie zur Steigerung ihrer Profite beeinflussen. https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/steuertransparenz-eu-country-by-country-reporting-1.4339940Gerade konservative parlamentarische Politiker „verkauften“ saubere Atemluft, Umwelt und Klima an die Industrie. Auf deren Wunsch intervenierte Angela Merkel zugunsten eines höheren CO2 Ausstoßes von Autos entgegen geplanten Maßnahmen de EU Kommission. https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/irritationen-wegen-merkel-und-autolobby-politik-mit-pferdestaerken-1.1707976VW und Co. setzten daraufhin voll auf den Diesel und nahmen ständige Überschreitungen der Werte für gesunde Atemluft in unseren Innenstädten billigend in Kauf. Das Bürgertum beklagt zahlreiche Lungenleiden und frühzeitige Tote.

Ebenso beugt man sich dem Wunsch der fleischerzeugenden Industrie unser Trinkwasser mit Gülle zu belasten. Den Schaden hat der Bürger wegen steigender Kosten für die Trinkwasserreinigung. https://www.bund.net/themen/fluesse-gewaesser/nitratstudie/Gerade eben wurden von der Bundesregierung die Empfehlungen de Klimarates links liegen gelassen und die Inbetriebnahme des Kohlekraftwerks Datteln beschlossen.https://www.arcor.de/article/Streit-um-Kohleausstieg–Aktivisten-besetzen-Gelaende-von-Kohlekraftwerk-in-Datteln/hub01-home-news-inland/9066885Damit bürdet die Bundesregierung zukünftige Generationen die Lasten der jetzigen Verantwortungslosigkeit auf. https://www.wiwo.de/technologie/green/kohle-ausstieg-es-waere-eine-tragoedie-wenn-deutschland-zurueckbleibt/22737924.htmlDeutsche Unternehmen lieferten Giftgasanlagen für Saddam Hussein, Heckler und Koch liefert Gewehre nach Saudi Arabien.

Von dort gelangen diese massenweise nach Syrien und in den Jemen. e.t.c. Damit heizen wir weltweit Konflikte an. https://www.zeit.de/politik/ausland/2019-12/ruestungsexporte-waffen-zuwachs-4-6-prozent-sipri-institutVon der US Airforce base Rammstein werden täglich ferngesteuerte Waffen auf Menschen, vermutliche Terroristen, abgefeuert. Diese bekommen keinen fairen Prozess und wir nehmen es billigend hin wenn Unschuldige dabei sterben. Tragisch, dass parlamentarische Demokratien, die der UN Menschenrechtskonvention die Treue gelobt haben ähnliche Denkmuster zeitigen wie jene, die sie zu bekämpfen geloben. https://de.wikipedia.org/wiki/Ramstein_Air_BaseSie haben recht, die Funktionäre der AFD untergraben die parlamentarische Demokratie und ihre Institutionen. Aber ist deren zerstörerisches Verhalten und aggressive entmenschlichende Ton nicht ein Abbild der von parlamentarischen Demokratien verursachten oder billigend in Kauf genommenen Entmenschlichung?

Haben wir nicht alle täglich die Bilder von entwürdigenden Arbeitsverhältnissen in den Werkstätten und Mienen vor Augen, in denen unsere Produkte des täglichen Bedarfs entstehen? Fürchten nicht viele, dass selbige Bedingungen auch bei uns wiederkehren, uns schon bald unmittelbar betreffen werden und uns unsere parlamentarische Demokratie davor nicht beschützen wird? http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/19/172/1917280.pdfUntergräbt unsere parlamentarische Demokratie nicht sich selbst durch unzureichende Bekämpfung von Elend und Armut im In- und Ausland denn Demokratie benötigt Bildung. Menschen benötigen Freiheit, Sicherheit und Nahrung um Bildung auf zu nehmen und souveräne, unabhängig, kritische und moralisch-ethisch, verantwortlich handelnde Menschen zu werden. Treiben nicht gerade von parlamentarisch demokratischen Staaten begangene Untaten, von Kohl’s Schwarzer Kasse, NSA, Crypto Leaks https://www.zeit.de/politik/ausland/2020-02/bnd-cia-geheimdienste-verschluesselte-kommunikation-zdf, oder Mauscheleien mit Diktatoren begannen von parlamentarischen Demokratien immer mehr Menschen in die Hände derer die Eigennutz vor Solidarität, Kleinstaaterei vor Freizügigkeit und starkes Auftreten vor abgewogenes (Ver-) Handeln stellen?

Führen nicht die stetigen Versäumnisse der parlamentarischen demokratischen Politik (ausgeglichene Wohlfahrtsmehrung, lokal wie global, Friedensstiftung und Einklang mit der Natur) nicht gerade zu gegenseitigen Entmenschlichung, zum Kampf aller gegen aller. Wir schießen (noch) nicht selbst auf Flüchtlinge aber lassen zu, dass andere es für uns tun. https://www.spiegel.de/politik/ausland/stacheldraht-gedraenge-traenengas-a-073265aa-c3d6-4aed-a029-d1184eee5a3bAus Angst uns auf der verkehrten Seite wiederzufinden, scharen wir Menschen uns doch hinter demjenigen der am lautesten ruft sich vor uns zu stellen. Inhalte sind an der Wahlurne einerlei, einzig das Gefühl, dass beste für sich „rausgeholt“ zu haben, auf der richtigen Seite zu stehen wenn es hart auf hart kommt ist uns wichtig wenn der Wahlumschlag fällt.

Gebrochene Wahlversprechen und komplizierte Regeln welche wenige Starke unter den Augen unserer demokratisch parlamentarischen Institutionen für sich zum umzubiegen wissen, https://www.zeit.de/2020/05/cum-ex-files-merrill-lynch-investmentbank-steuerbetrughttps://www.zeit.de/wirtschaft/2020-03/cumex-prozess-coronavirus-verfahren-beschleunigunglässt uns immer unwissenderen und unmündigeren Wähler Politik zur Gefühlssache werden. Vielleicht ist es richtig AFD zu wählen um alle daran zu erinnern, dass Politik darum geht das Wohle aller zu beschützen ausdrücklich im In- und Ausland. Nach einem zu rechten Aufschrei über verrohte Sprache sollten wir alle uns hinterfragen welche Verrohung unter den Augen unserer parlamentarischen Demokratien und deren Institutionen wir Tag für Tag billigend in Kauf nehmen. Es wird Zeit für eine sozialere, gerechtere Frieden und Ausgleich schaffende Politik. Danach sehnt sich das machtlose Bürgertum und könnte in der heutigen Zeit schier verzweifeln. Mich haben Ihre Argumente leider nicht überzeugt aber Sie ahnten sicher schon, dass dies unnötig war. – Klaus Siersch

 

In Herr Leggewie‘s Brief an ein AfD-Mitglied wirft er der AfD u.a. vor, sie desavouiere die Demokratie. Hieran zeigt sich, dass er sich anmaßt, das Definitionsmonopol über den Begriff der Demokratie zu beanspruchen. Was also ist Demokratie? Sie schließt als Regierungsform auf jeden Fall ideologisch begründete Entscheidungen einer sog. Elite, vor allem der Bildungselite, aus. Sie hat sich strikt an Mehrheitsbeschlüsse zu halten, unabhängig von moralischen Beurteilungen. Sie hat jenes rechtsstaatliche Prinzip zu realisieren, das mit den Begriffen umrissen werden kann: Schutz, Ordnung, Sicherheit als oberste Maxime. An dieser Maxime, als Rechtsgrundsatz a priori, gibt es nichts zu rütteln, nichts zu relativieren. Sie entzieht sich, als quasi metaphysische Grundlage des Staates, jeder Diskussion. Der Demokratiebegriff entzieht sich weiterhin auch jener weiteren inhaltlichen Bestimmung, die ein moralisierender Zeitgeist als Demokratie unter Ausnutzung der Herrschaft über unsere Begriffe und Sprache als demokratisch bestimmt.

Demokratie umfasst ausschließlich das , was in den Verfassungen dieser Welt steht, auch in unserer: Alle Herrschaft geht vom Volke aus, dieses bestimmt danach nicht nur in Wahlen, sondern auch in Volksentscheiden über unser Geschick. Nun haben aber die linksliberalen Bewegungen unserer Zeit, und Herr Leggewie ist ein typischer Vertreter dieser Gruppierung, die Eigenheit, Demokratie mit Inhalten zu füllen. Danach ist demokratisch das, was dem Mainstream am Herzen liegt. Eine demokratische Gesellschaft ist demnach: tolerant, weltoffen, solidarisch, für die Homoehe, voller Willkommenskultur, bestimmt nicht konservativ, schon gar nicht mit der AfD liebäugelnd, setzt sich für Gender-Belange ein und ist radikal in der Flüchtlings- und Umweltpolitik. All das lässt sich auch mit einer Diktatur erreichen. Die Tugenddiktaturen des Platon, der Französischen Revolution und des Bolschewismus haben das gezeigt. Oder setzten es geradezu voraus. Fazit: Dort, wo für Herrn Leggewie Demokratie draufsteht, ist eine radikale Tugenddiktatur drin. – Stefan Kaisers

 

Der Autor Claus Leggewie verwechselt da was. Der Widerstand gegen die Bürger ist das Geschäft unserer Bundeskanzlerin. Das drückt sich bei ihr in Nichtbeachtung aus. Sie sprechen von Demokratie, welche Demokratie meint der Autor. Sie winkt mal so eben hunderttausende Flüchtlinge durch, ohne jegliche Kontrolle. Die ganze Welt hat sich darüber aufgeregt. Bei der AfD läuft auch nicht alles rund. Bei den Grünen war es auch nicht anders. Denen hat man aber genug Zeit gegeben um sich letztendlich zu finden. Was die alles in die Welt gesetzt haben, war noch abenteuerlicher als bei der AfD. Die wurden von Anfang an diskreditiert. Sofort hieß es Nazipartei. Eine Partei die von Wissenschaftlern gegründet worden ist. Deswegen kann ich ihren Beitrag nicht ernst nehmen. Frau Merkel hat die Werte der Konservativen verraten. Warum ist Frau Merkel immer noch bei den Bürgern so beliebt? Das hat die Soziologin Brigitte Witzer beantwortet:

Die Bildung hat bei ihr überhaupt keinen Stellenwert. Und die verantwortlichen Landespolitiker redeten nur Unsinn. Ich lebe in NRW, hier ist die Regierung SPD/Grüne deswegen abgewählt worden. Das wird weitgehend verschwiegen. Die damalige Bildungsministerin Frau Wöhrmann von den Grünen hat die Lehranstalten gegen die Wand gefahren. Jetzt unter einem Konservativen Ministerpräsidenten blüht NRW wieder auf. Den Schaden, den Frau Wöhrmann angerichtet hat, ist für unser Land erheblich bedeutender als das der AfD. Außerdem geht die Gefahr eher von den Linken aus, wozu ich auch die Grünen zähle. Das wird von den Medien verschwiegen. Wehe, wenn das den Konservativen passiert wäre.

Die Medien hätten sich überschlagen vor lauter hässlichen Vokabular. Die Sendeanstalt WDR, unser Haussender, könnte für die SPD auch Parteizentrale sein. In letzter Zeit spüre ich allerdings einen Umschwung. Bayern war für den Sender Feindbild Nr. 1. Obwohl die seit zig Jahren die besten Zahlen schreiben. Die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern Frau Schwesig nannte Frau Merkel eine eiskalte Person. Das scheint das Bild eher zu treffen. Nutte geht natürlich gar nicht. Darüber sollte es keine Diskussion geben. Hören sie also auf, über der AfD den Stab zu brechen. – Gunter Knauer

 

Es ehrt Sie, daß Sie mit Ihrem offenen Brief versuchen, Ihren ehemaligen Freund wieder auf den Pfad der (vermeintlichen) politischen Tugend zu führen, auch wenn Ihr anklagender Ton nicht unbedingt zu einem „vernünftigen Diskurs“ einlädt! Was jedoch gänzlich fehlt: ein Alternativangebot! Warum ist Ihr Freund noch immer in der AfD, trotz ihrer Rechtsdrift? Weil er mit seinen politischen Gedanken und Überzeugungen bei den „Parteien der Mitte“ keine Heimat mehr findet! Wenn er die Griechenlandhilfe ablehnt, dann beruft er sich dabei auf ein von allen europäischen Staaten beschlossenes Gesetz, daß jedes Land für seine Schulden selbst verantwortlich ist! Dieses Gesetz wurde gebrochen – nach Gutdünken? oder Gutmenschen-? oder Gutsherrenart? – ebenso wie das Dublin-Abkommen während der Flüchtlingswelle! Kein Konservativer will, daß „Migranten ersaufen“!

Aber wäre es nicht eine nachdenkenswerte Alternative, die geretteten Menschen dorthin zurückzubringen, wo sie von kriminellen Schleppern gegen viel Bares ins Ungewisse losgeschickt wurden? Wenn wir gegen diese dauerhafte Erpressung, diesen unablässigen Sog nicht einmal ein solches Zeichen setzen, wird sich in den Fluchtländern überhaupt nichts ändern, nur Deutschland – nicht etwa ganz Europa! – wird sich fundamental verändern: in ein polyethnisches Parallelgesellschaftenland mit Folgen, die sich schon jetzt andeuten! Dies beim Namen zu nennen braucht man keine Unwörter wie „Phantasma des Bevölkerungsaustauschs“ oder „Umvolkung“; es genügt eine einfache Hochrechnung, basierend auf der fortdauernden Immigration + Familiennachzug + demografischer Entwicklung – (vernachlässigbarer) Abschiebung. Das ist keine geregelte Ein-, sondern ungeregelte Völkerwanderung! Solche Realitäten mit „Rechtsruch“ werden lieber verdrängt und verschwiegen, aber nicht offen ausgesprochen!

Das ist der Sargnagel für eine demokratische Streitkultur, ein Armutszeugnis für politische Verantwortung! Wahrscheinlich der Hauptgrund für die neue konservative Heimatlosigkeit! Zum Trost sei Ihnen gesagt: steter Tropfen höhlt den Stein; möglichst viele Mitglieder vom Schlage Ihres Freundes verwässern auf Dauer die Rechtsradikalität der AfD! Ein Konservativer leugnet keineswegs den „Klimawandel und das Artensterben“; natürlich setzt er sich für die „Bewahrung der Schöpfung (und der Heimat)“ ein! Deshalb darf er aber nicht die Augen verschließen vor einer jederzeit möglichen Naturkatastrophe (z. B. großer Vulkanausbruch). Solaranlagen werden dann keinen Strom mehr liefern für Licht und Wärme; dafür bedarf es wohl des einen oder anderen Kern- oder Kohlekraftwerks! Hätten wir nur einen ausreichenden Vorrat an Masken, Schutzkleidung und Desinfektionsmitteln im Land gelagert, hätte die derzeitige Corona-Pandemie einen Teil ihres Schreckens verloren! Ein echter Konservativer muß immer die Folgen seines gegenwärtigen politischen Handelns für die Zukunft im Blick haben; oder, alteuropäisch ausgedrückt: quidquid agis, prudenter agas, et respice finem! – Dr. med. Ulrich Pietsch

 

Bei Herrn Leggewie ist noch nicht angekommen, dass in Deutschland mit der AfD die europäische Normalität eingekehrt ist. Von Finnland bis Italien und von Ungarn bis in die Niederlande, überall gibt es seit geraumer Zeit rechtspopulistische, nationalkonservative Parteien. Das kann man beklagen, aber man sollte fragen, warum das so ist. Vor allem mit ihrer als alternativlos bezeichneten Migrationspolitik von 2015 hat die Bundesregierung, unterstützt von der damaligen Opposition (Grüne und Linke), Verärgerung und Ablehnung in Teilen der Bevölkerung ausgelöst, die sich ein Ventil gesucht hat. Erst die falsche Politik der Willkommenskultur hat die seinerzeit dahinsiechende AfD zu neuem Leben erweckt.

Wen anders sollten diese Menschen denn wählen? Mit ihrem Wortradikalismus, der oft über das Ziel hinausgeht, und sich gezielt gegen die „political correctness“ richtet, greifen AfD-Vertreter die etablierten Parteien an, offenbar mit Erfolg bei den Wählern. Mit großer Keule schlägt der Alt-68er Leggewie um sich: die AfD sei nicht bürgerlich, nicht konservativ und auch nicht demokratisch. Das wird die Anhänger nicht treffen. Die AfD ist Protestpartei und allein deshalb reagieren die Vertreter der etablierten Parteien so gereizt, weil jemand es wagt ihre Kreise zu stören. Das war bei Gründung der Grünen auch so, aber das legt sich. – Frank Berger

 

Obgleich ich weder AfD-Mitglied noch AfD-Wähler bin und die Partei insgesamt sehr kritisch sehe, möchte ich Ihnen doch eine Antwort stellvertretend für Herrn Y als Vertreter des Teil des konservativen Spektrums schreiben, das Sympathien für die Positionen der AfD hat, ohne rechtsextrem ist zu sein, kurz: diejenigen Menschen, die Sie erreichen wollen. Herr Y möchte nämlich selbst nicht mit Ihnen reden. Nicht, weil er bei einem wertschätzendem Diskurs (und bestehender Alternativen) nicht ggf. dazu bewegt werden könnte, der AfD den Rücken zu kehren. Ihren Artikel aber sieht Herr Y nicht als Gesprächsangebot. Seiner Meinung nach gibt ihr Schreiben vor, ein solches zu sein, aber bietet, trotz vieler zutreffender Kritikpunkte, Herrn Y tatsächlich keinen ernstgemeinten Diskurs an, da Sie in der Darstellung seines politischen Kernthemas (Migration, Flüchtlingskrise, religiöser Extremismus, i.V.m. innerer Sicherheit) der Aufrichtigkeit und in der Kritik der AfD der Objektivität/Fairness entbehrten. So erreichen Sie Herrn Y nicht, da er sich politisch nicht ernstgenommen fühlt und sich vielmehr in seiner Meinung bestärkt sieht, dass die Berichterstattung über die diese Themen und über die AfD von Seiten der linksorientierten Publizisten tendenziös bleibt.

In Bezug auf das o.g. Kernthema negiert Ihr Artikel , dass dieses überhaupt ein diskussionswürdiges Problem ist, da sich Ihre „Erörterung“ beschränkt auf die scharfe Kritik extremer Einzelmeinungen und auf verzerrt zugespitzte Schlussfolgerungen konservativer Positionen. Weder ist die offizielle Linie der AfD, die Migrationsgeschichte „zurückzudrehen“, noch sind ethnische Säuberungen eine zwingende Konsequenz der von der AfD und auch Herrn Y favorisierten restriktiveren Einwanderungspolitik. Und statt die Spaltung der europäischen Union in Bezug auf dieses Thema einzuräumen und die Position der (vorwiegend) osteuropäischen Länder anzuerkennen, tun Sie dies ab durch die Nennung einer verzerrten Extremposition (Definition des Wertes des Menschen nach Hautfarbe), die sie Victor Orban zuschreiben (was zudem in dieser Konsequenz fragwürdig erscheint). Hier suchen Sie rhetorisch legitime politische Positionen dadurch zu diskreditieren, dass Sie sie auf extreme (Einzel-)Äußerungen reduzieren oder Ihnen überzogene Schlussfolgerungen zuschreiben.

Die Äußerungen von AfD-Sympathisanten und einiger Parteivertretern v.a. in den sozialen Netzwerken sind sicher sehr kritisch zu sehen. Allerdings sollten die Anfeindungen, die sich AfD-Politiker ausgesetzt sehen (z.B. waren AfD-Politiker im Jahr 2019 nach der CDU am häufigsten von politisch motivierten Straftaten betroffen) auch genannt werden – auch dies ist Verrohung des Diskurses. In diesem Zusammenhang ist aber auch Ihr Rundumschlag gegenüber diversen Aussagen des Parteivorstandes zu undifferenziert. So verzerren Sie (wie in großen Teilen der Presse üblich) die Formulierung Alexander Gaulands „Wir werden sie jagen“ im September 2017. Es ist in keiner Weise ersichtlich, wie sich diese politische Absichtserklärung nach einer gewonnen Wahl von derjenigen von Andrea Nahles, „… und morgen kriegen Sie in die Fresse!“ (ebenfalls September 2017) unterscheidet, aber nur Gauland unterstellt man nichtdemokratische Intentionen.

Als Beleg dafür führen Sie das wahltaktische Manöver der AfD in Erfurt als undemokratischen Akt der „Jagd“ auf, obgleich die Intention, auf diese Weise einen Ministerpräsident der LINKEN zu Gunsten eines bürgerlichen Kandidaten zu verhindern, letztendlich zulässig ist – dass die anderen Parteien es nicht akzeptieren, sich von der AfD (mit)wählen zu lassen, kann man dieser nicht zum Vorwurf machen. Zugleich scheint die offene Weigerung der anderen Parteien, der AfD die Position des Bundestagsvizepräsidenten ungeachtet der Eignung diverser aufgestellter Kandidaten zu verweigern, für Sie offenbar legitim.

Ebenso übernehmen Sie das Zitat vom „Vogelschiss“ in der gängigen Etikettierung als völkisch/rechtsextrem, obwohl ungeachtet der fragwürdigen Formulierung Gauland doch zu Gute gehalten werden sollte, dass er sich in seiner Rede explizit zur Verantwortung der Deutschen für die Verbrechen des Nationalsozialismus bekannte, und sich nur gegen die reineReduzierungder deutschen Geschichte auf diese Phase aussprechen wollte. Noch ambivalenter ist Ihre unkommentierte Nennung des Zitates „nach Anatolien entsorgen“ zu der Integrationsbeauftragten Aydan Özoguz in Ihrer Liste der Verderbtheiten der AfD. Herr Y hat sich nämlich sehr gewundert, dass aus der medialen Öffentlichkeit keinerlei Reaktion auf die Unglaublichkeit erfolgte, dass eine türkischstämmige Integrationsbeauftragte auf Bundesebene explizit die Existenz einer deutschen Kultur negiert (wäre es denkbar gewesen, dass sie die Existenz der türkischenKultur verneint hätte?), dass sich stattdessen die mediale Entrüstung rein auf die empörte Reaktion Gaulands mit dem Begriff des „Entsorgens“ fokussierte. Diese mediale Unausgewogenheit beobachtet Herr Y schon eine Weile, und da Ihr Pamphlet sich lückenlos einreiht, wird er sie kaum als unparteiischen Vermittler wahrnehmen, der Sie ggf. sein möchten.

Dies betrifft auch die Tatsache, dass auch Sie der AfD pauschal die Mitschuld an den Attentaten von Halle oder Hanau zuschreiben. Auf der rechten Seite sprechen Sie somit politischen Parteien das Recht ab, scharfe, aber legitime Kritik an der Politik der Regierung auszusprechen, weil Extremisten sich (auch) auf dieselben Kritikpunkte zur Rechtfertigung terroristischer Akte beziehen könnten; kurz, eine Partei rechts der CDU darf es nicht geben, da es Rechtsextremismus gibt. Dies hält Herr Y für wenig stichhaltig, insbesondere auch vor dem Hintergrund, dass die Partei die LINKE nicht in gleicher Weise für linksextremistische Straftaten (etwa G8) verantwortlich gemacht wird. Die LINKE, die deutlich mehr Seiten im Bericht des Verfassungsschutzes füllt aus die AfD, sich jedoch nie von extremistischen Strömungen distanzieren konnte, wird weiter als demokratische Partei geführt, auch nachdem in einer Strategiekonferenz eine Teilnehmerin i.W. unwidersprochen durch den anwesenden Parteivorsitzenden davon spricht, das „eine Prozent“ der Reichen zu erschießen.

Die Auswüchse an den Rändern der AfD, die Sie zum Teil richtig benennen, inklusive mancher inakzeptabler politischer Positionen (z.B. Leugnung der menschengemachten Klimawandels) sind unbestreitbar ein Argument, diese Partei als unwählbar anzusehen. Leider aber bieten Sie, Herr Leggewie, Menschen wie Herrn Y keine Alternative, da Sie sich nicht bemühen, zentrale politische Positionen, in denen er sich rechts von der CDU/CSU sieht, anzuerkennen. Wenn ein vernünftiger Diskurs an Ihnen nicht scheitern soll, empfehle ich Ihnen, auch Ihre eigenen Positionen und Gewissheiten zu hinterfragen, auch wenn diese zum Teil moralisch-weltanschaulich unverrückbar erscheinen. Nur wenn Sie es schaffen, ungeliebte politische Meinungen v.a. zur Migrationspolitik nicht pauschal als anrüchig anzusehen, können Sie tatsächlich den Unterschied machen zwischen konservativ und rechtsextrem, während dies in Ihrem Artikel eine leere Floskel bleibt. Und nur dann würde Sie Herr Y als Gesprächspartner akzeptieren. PS: Mir können Sie aber gerne zurückschreiben – ich leite es an Herrn Y weiter! – Carsten Gerbrand

 

Zu dem o.a. Beitrag eine kleine Ergänzung und zwar zu Herrn Gaulands oft zitierten Satz:“ Wir werden sie jagen.“ Genau dieser Satz wurde in der jüngeren Vergangenheit schon mal geäußert und zwar von Herrn Rudolf Scharping anlässlich der Bundestagswahl 1994. Diese Wahl – Scharping war Kanzlerkandidat der SPD – hatte die CDU-FDP-Koalition nur knapp gewonnen, und noch am Wahlabend, oder vielleicht auch etwas später, machte Scharping diese Äußerung. Natürlich war dieser Satz noch nicht im „Wörterbuch des Unmenschen“ aufgeführt, und Scharping gehört ja auch nicht in diese Kategorie. Dass ich diesen Ausspruch Sharpings behalten habe, ist nicht dem Umstand geschuldet, dass mich Herr Scharping besonders interessiert hätte, sondern liegt darin begründet, dass Herr Scharping in dem Ort geboren wurde, in dem ich seit vielen Jahren wohne, und ich beim Spaziergang im nahegelegen Walde an dessen Geburtshaus vorbeikomme und er mir dann immer einfällt. Außerdem hat mich auch sein vollmundiger (im wörtlichen Sinne) Sprachduktus, verbunden mit Hochdeutsch mit Knupfen leicht belustigt. Bleibt noch zu erwähnen: Wenn zwei dasselbe sagen, ist es noch lange nicht dasselbe, was in diesem Falle sogar stimmt. Als Verlag ist es Ihnen sicher möglich, in den entsprechenden Archiven der ARD oder des ZTF meine Behauptung zu recherchieren, falls ich mich irren sollte. – Peter Knoll

 

Dieser Brief an ein fiktives AFD-Mitglied, das vielleicht noch zu retten ist, spricht mir aus der Seele. Man sollte ihn, mit der ausdrücklichen Bitte um Antwort, ganz persönlich z.B. an Herrn Meuthen richten, einer derjenigen, die in dieser abstoßenden Schar zuweilen ein freundliches Gesicht zeigen können. Man würde diesem Eindruck ja gerne trauen, kann es aber nicht, wenn man ihn auf Aufnahmen lächelnd neben Björn Höcke sieht; er scheint sich Seite an Seite mit diesem Menschen durchaus wohlzufühlen. In diesem spezifischen Fall wäre noch hinzu zu fügen, dass sich Christ sein – als solchen bezeichnet sich Herr Meuthen meines Wissens nach – in keiner Weise mit den Zielen, Worten und Methoden dieser Partei vereinbaren lässt. So what ? – Annemarie Neffgen

 


 

 

Leserbriefe zu „Corona-Geld für alle?“ Streit von Roman Pletter und Kolja Rudzio

 

Kein produktiver, der Demokratie dienlicher Streit, sondern leider eher ein unnützer monologischer Schlagabtausch ! Die PRO-CONTRA-Beiträge von Roman PLETTER und Kolja RUDZIO in der letzten Ausgabe der ZEIT zum Vorschlag eines zwar zeitlich begrenzten, ansonsten aber bedingungslosen Grundeinkommens in der Corona-Krise sind leider beide wenig zielführend: Roman Pletter erhofft sich von drei Monaten Grundeinkommen die nötige Zuversicht und gute Chancen für einen Neustart der Menschen. Er übersieht dabei, dass er der perspektivisch auf mittlere und längere Sicht für unsere Gesellschaft durchaus vielversprechenden Idee eines garantierten und bedingungslosen Grundeinkommens für alle (BGE) einen Bären-dienst erweist, wenn er deren Umsetzung, – überstürzt, zeitlich begrenzt, ansonsten konzeptlos und schuldenbasiert – als Gebot der Stunde in der Not propagiert. Kolja Rudzio verfällt seinerseits in den umgekehrten Fehler, indem er versucht, die Idee des BGE eher generell mit wenig überzeugenden Argumenten zu diskreditieren. Zuzustimmen ist ihm, wenn er etwa alternativ die von der Regierung geplanten, unbürokratisch zu gewährenden Zuschüsse an Kleinunternehmen und Solo-Selbständige begrüßt. Die haben freilich nichts mit einem BGE zu tun, das eine dauerhafte, regelmäßige und garantierte Zuwendung voraussetzen würde.

Keiner der Autoren lässt die Einsicht erkennen, wie sehr die aktuelle Krise Schwächen und Defizite unseres Wirtschafts- und Finanzsystem offenbart. Vielmehr gehen anscheinend beide implizit davon aus, dass es nur darauf ankomme, nach der Überwindung der Krise so schnell wie möglich zu einer „Gesundung“ der Wirtschaft zurückzukehren. Krank ist eben nicht nur punktuell die Wirtschaft, sondern das System, das an Stelle von Strategien zur Profitmaximierung solche zur Entschleunigung und Wachstumsreduzierung sowie Sicherheitspuffer für die Menschen braucht. Statt der unsäglichen Wiederholung der Diskussion von 2008 – 2010 um „Eurobonds“, sollten wir uns auf Philippe van Parijs` geniale Idee einer „Eurodividende“ besinnen, d.h. den Vorschlag eines die reale Kaufkraft in den europäischen Ländern berücksichtigenden und insoweit europaweit ausgewogenen „partiellen Grundeinkommens“, zugleich ein sinnvoller Schritt in Richtung eines solide finanzierbaren, langfristigen und umfassenden Grundeinkommens. – Prof. Dr. Otto Lüdemann

 

Ja oder Nein , der Virus bestimmt Dauer und den Umfang, sowie die Höhe der volkswirtschaftlichen Kosten. Direkte und indirekte finanzielle Hilfen an alle betroffenen, stärkt den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Die Staatsverschuldung steigt ,das ist unvermeidlich bei günstigen Zinsen der nächsten Jahre vertretbar. Wenn der „Markt“derzeit zu Hause bleiben muss Bleibt Nachfrage an „Konsum“Reisen und Dienstleistungen einfach aus. Der sogenannte“ Streit “ ob nun zu viel oder wenig Staatsgeld wie die Krise tatsächlich bewältigt wird, beantwortet die Zukunft in der Realwirtschaft. Das sichtbare Ende der Krise ist abhängig vom Impfstoff und Medikamente in 12 bis 18 Monaten. Dann gilt es erneut Bilanz zu ziehen. – Thomas Bartsch-Hauschild

 

Ich gehöre zu den 1,7 Mio. Beamten, und ich verdiene seit Jahren mehr als ich ausgeben kann. Was sollen solche Leute wie ich mit einem bedingungslosen Grundeinkommen? Weder jetzt noch nach der Krise brauche ich das Geld, denn ich hab auch ohne diesen Zuschuss genug Geld für heutige und künftige Reisen uä. Und ich bin doch nicht die Einzige, der das so geht. Ein bedingungsloses Grundeinkommen ist weder sozial noch gerecht. – Bettina Schmidt

 

Ich fürchte, dass ein zeitlich begrenztes Corona-Geld wichtige Chancen verpuffen lassen würde. Erst wenn ein Grundeinkommen tatsächlich bedingungslos und langfristig gezahlt wird, entfaltet es sein volles Potenzial. Und ganz unverhofft dürfen wir jetzt eine Corona-gegebenes Experiment in real-life erleben. Jeder der aktuell nicht von gesundheitlichen Sorgen oder akuten Existenzängsten bedroht ist, sondern von der Arbeit frei gestellt oder im home office seinen Rhythmus selbst bestimmen kann, bekommt in dieser Zeit eine wertvolle Erfahrung geschenkt: die Gelegenheit innezuhalten und seinen ureigenen Impulsen zu folgen, weitgehend unabhängig vom durchgetakteten Arbeitsalltag und einer oft ebensolchen Freizeitgestaltung.

Jetzt darf man gespannt sein, ob die Mehrheit der Menschen passiv auf der Couch sitzen bleibt, was viele Gegner des Grundeinkommens ja vermuten – oder ob es ganz anders kommt. Ich beobachte, dass viele Menschen jetzt kreativ werden: sie interessieren sich für Ehrenämter, um in der Krise zu helfen, entwickeln alternative Geschäftsideen, engagieren sich mehr für politische oder besondere Anliegen oder machen sich Gedanken über ein besseres Leben „danach“ Vielleicht lassen sich hier bald realistische Prognosen daraus ableiten, wie sich eine Gesellschaft mit einem bedingungslosen Grundeinkommen entwickeln würde. Ich bin optimistisch gestimmt. – Barbara Rogge

 

Wirtschaftskrisen ereignen sich nicht in armen Ländern, dort dafür wegen mangelnder Medizin Epidemien. Wird nun der reichere Teil der Welt von letzteren heimgesucht, dann bedeutet dies eine Feuerprobe bezüglich sozialer und ökonomischer Stabilität. Schnell sind populistische Heilsbringer auf der politischen und ökonomischen Bühne, der einzelne Mensch und seine im Grundgesetz verankerte Würde und sein Recht auf Unversehrtheit werden schnell gesamtgesellschaftlichen Ideologien geopfert. Bevorzugter Weise denjenigen, die einer Minderheit überproportionalen Wohlstand und Reichtum ohne persönliches ökonomisches Risiko und besondere Begabungen sichern. Und die nachweislich so ziemlich alle bisherigen (Welt)Wirtschaftskrisen zu verantworten haben. Von politischen Fehlentscheidungen und antidemokratischen Sympathien ganz zu schweigen.

Die schweigende Mehrheit hat sich als ökonomische Manövriermasse bereitzuhalten und gefälligst die jeweils anstehende Sozialisierung der meist gigantischen Verluste abzuarbeiten unter Inkaufnahme deutlich eingeschränkter Lebensqualität wie Kinder- und Altersarmut. Beides nimmt die Politik Parteien übergreifend hin wie eine folkloristische deutsche Eigenart ohne jegliches sozialpolitisches Schamgefühl. Bereits am Beginn der Corona – Krise zeichnet sich ein Weiter so ab, weshalb die Publikation der o.g. ZEIT-Beiträge von unschätzbarem Wert ist, da schonungslos die Schwachstellen und z.T. kriminellen Geldabflüsse unseres fragilen Wirtschaftssystems und die Rolle der dafür mitverantwortlichen Politik aufgezeigt werden.

Eine mögliche gelungene und soziale Stabilität sichernde Lösung wäre eine Kombination aus dem Pro und Contra in Sachen „Corona-Geld“. Nicht für die Menschen, die weiterhin über ein regelmäßiges gesichertes Einkommen verfügen oder über Sozialverträge abgesichert sind, aber für alle anderen nicht von diesem Privileg betroffenen. Nicht das Gießkannen- und Mitnahmeprinzip „Jedem das Gleiche“, sondern das einer demokratischen, sozial und ökonomisch stabilen Gesellschaft angemessene Augenmaß „Jedem nach seinen Bedürfnissen“ sind in diesen nicht einfachen Zeiten gefragt. – Dr.med. Christian Deindl

 

Wenn Zwei sich streiten, braucht‘s einen Dritten. Derzeit wird anlässlich der Corona Situation unter dem Stichwort „Corona-Geld“ oder auch Helikopter-Geld eine Debatte um das bedingungslose Grundeinkommen geführt. Und zwei Wirtschaftsredakteure reden in der ZEIT vom 26.3.2020 – wie so oft in dieser Grundeinkommensdiskussion – aneinander vorbei. Der eine verweist auf die Angst vieler Menschen und auf eine Online-Petition mit fast 400 000 Unterstützern, in der 800-1200.- Euro für 6 Monate für alle gefordert werden. Der andere verweist darauf, dass es längst nicht so ist, dass alle Bürger dringend Corona-Geld vom Staat benötigen. Der eine sieht die Lösung für die Existenz-Ängste in einem zeitlich befristeten „Krisengrundeinkommen“ von 1.500.- Euro, das drei Monate lang an alle gezahlt wird. Finanziert werden soll das über eine Solidaritätsanleihe, für die der Staat wohl weniger zurückzahlen müsste als er heute aufnimmt. Der andere hält das für unverantwortlich und unterstützt stattdessen all die speziellen teuren Hilfsinstrumente, die jetzt eingesetzt werden: Kurzarbeitergeld, vergünstigte Kredite und Soforthilfen sowie die erleichterten Regeln, nach denen Sozialleistungen ausgezahlt werden sollen.

Was beide nicht verstanden haben, ist die Grundidee des Bedingungslosen Grundeinkommens (BGE). Es stellt weder ein Konjunkturprogramm dar, das die Nachfrage steigern und die Wirtschaft retten soll noch ein Notprogramm für Bedürftige bei krisenbedingt fehlendem Einkommen oder bedrohten Arbeitsplätzen. Vielmehr geht es beim BGE darum, dass eine politische Gemeinschaft all ihren Mitgliedern ohne Bedürftigkeitsprüfung und ohne Gegenleistungserwartung individuell einen regelmäßigen Betrag auszahlt, der die Existenz und soziale Teilhabe sichert. Ein zusätzliches Markteinkommen durch selbständige oder lohnabhängige Arbeit ist davon nicht berührt. Insofern geht es auch nicht darum, dass geprüft wird, wer es braucht und wer nicht oder dass die Finanzierung zu untragbarer Staatsverschuldung führt. Dies sind Fragen, die die debattierenden Ökonomen beschäftigt. Was aus ihrem Blick gerät, ist die Begründung des BGE nicht aus Bedürftigkeit, sondern aus einem aus der Würde des Menschen abgeleiteten Grundrecht, das, ähnlich wie das Wahlrecht, nicht an Bedingungen geknüpft werden kann, sondern für alle Mitglieder eines Gemeinwesens gilt. – Dr. phil. Alfred Köth

 

Wer gespart hat, zu welchem Zweck auch immer, kriegt beim Lesen des Textes von Roman Pletter Gänsehaut. Wer soll denn seine Wohltaten finanzieren? Der Sparer? Seine Ersparnisse anzuzapfen ist leider das Einfachste! Die Texte von Pletter und Rudzio sind völlig diffus beim Begriff Einkommen. Wer eine Einkommensteuererklärung erstellt muss angeben, wie sich sein Einkommen errechnet:
Einkommen aus Lohn, Renten oder Pension, Vermietung und Verpachtung, Kapitaleinkünften und Gewinnen als Unternehmer. So wird es zumindest ein Bürger, der kein Steuerfachmann ist, formulieren. Das zuständige Finanzamt kennt die Einkünfte aus Lohn, Renten oder Pensionen, alle anderen Daten liefert der ehrliche Steuerzahler. Die Einkommen sind demzufolge dem Staat bekannt. Weder Pletter noch Rudzio definieren, was sie unter Einkommen verstehen. Aus dem Text ist nicht ersichtlich, ob sie das Einkommen nach Einkommensteuererklärung meinen. Soll das Einkommen mit einem Zuschuß vom Staat zu einem Grundeinkommen aufgestockt werden, ohne den Besitz zu prüfen und in diesem Sinn bedingunglos sein? – Siegfried Veile

 


 

 

Leserbriefe zu „»Mich irritiert der dezidierte Ruf mancher nach immer härteren Maßnahmen«“. Gespräch mit Jens Spahn geführt von Mariam Lau und Heinrich Wefing

 

Es heißt, man habe schnell reagiert: es sind noch bis Anfang März jeden Tag mehrere Maschinen mit Chinesen (Touristen und Geschäftsleuten) in Frankfurt gelandet! Sie erwägen die Nutzung von Handydaten. Haben Sie sich angesehen, welche Vorbehalte es gegen Facebook und Google wegen weit harmloserer Eingriffe gibt? Sie erwägen den Einschluss von sogenannten Risikogruppen: Alten und Vorerkrankten. Das bedeutet, Berufstätige mit zum Beispiel einer gut eingestellten Diabetes dürfen, im Gegensatz zu ihren Kollegen, nicht oder nur von daheim aus arbeiten. Menschen, die gerade in den Ruhestand gegangen sind oder andere Pensionisten, die sich ein neues Feld von Ehrenamt, Seniorenstudium, Enkelbetreung, sportlicher Ertüchtigung u.Ä. organisiert haben, werden an die Wohnung gefesselt. Das ist schon schwierig in der jetzigen Situation, aber wenn alle anderen wieder rausdürfen? Das alles weil seit Jahren das Gesundheitssystem nicht so ausgestattet wird wie gefordert. Warum wurden außerdem die Militärhospitale geschlossen? Sie vertreten eine Staatsmacht, die zum ersten Mal seit der Nazi-Diktatur in den privaten Bereich der Bürger eingreift. Dafür gibt es Gründe. Aber die Angemessenheit der Maßnahmen muss abgestimmt werden mit allen Betroffenen! – Gisela Mertel

 

Auf den häufig gemachten Vorwurf, „die Bundesregierung habe zu langsam auf die Corona-Epidemie reagiert“ entgegnet Gesundheitsminister Jens Spahn in diesem Interview, dass „die Bundesregierung die Bedrohung durch das Coronavirus sehr früh sehr ernst genommen und besonnen und angemessen gehandelt“ habe. Da fragt sich der interessierte Leser schon, was der Minister unter „sehr früh“ und „angemessen“ versteht. Der Sachverhalt stellt sich so dar: Am 24.Januar stellte die chinesische Regierung die Provinz Hubei mit dem Zentrum Wuhan unter Quarantäne. Dazu muß man wissen, dass 80% der Schutzmasken in China produziert werden. Das interessierte Publikum weiß mittlerweile, wie wichtig Gesichtsmasken zum Schutz der Ärzte und Pfleger vor einer Infektion bei der Behandlung Kranker sind. Im Gesundheitsministerium hätte man es viel früher wissen müssen.

Der Firmenleitung der Allgäuer Firma von Achim Teiler, Importeur von Atemmasken und Schutzkleidung, war klar, dass es infolge der Entscheidung Chinas bei der Versorgung mit solchen Masken in unserem Land zu Engpässen kommen könnte. So richtete die Firma bereits am 5.Februar ein entsprechendes Schreiben ans Ministerium, mit der Bitte um Überprüfung. Es kam keine Antwort, auch nicht auf eine zweite Warnung. (Aussage Herrn Theilers bei Maybrit Illner am 26.März 2020). Mittlerweile ist bekannt, dass Riesenmengen dieser Masken benötigt werden. Der Preis ist um das 20fache gestiegen. Die Frage ist, ob die momentanen Engpässe bei der Versorgung mit solchen Masken noch rechtzeitig behoben werden können. Es wird ganz knapp. Fazit Hern Teilers: „Wir waren unglaublich schlecht vorbereitet“. –Margrit Kübler

 

Sehr beruhigt hat es mich, daß aktuelle bereits darüber nachgedacht wird, wie mögliche Ausstiegsszenarien aus den aktuellen massiven Einschränkungen aussehen können. Aus meiner Sicht ist der einzige wirklich vielversprechende Weg der, der in Südkorea praktiziert wird: Also flächendeckende Tests und dann in Verbindung mit dem Handy-Tracking eine Identifikation aller Infizierten, deren direkten Kontaktpersonen und deren Isolation. Dadurch konnte eine schnelle Eindämmung der Verbreitung erreicht werden und das ohne öffentliche Einschränkungen.

Da inzwischen meiner Ansicht nach jedem immer bewusster wird, daß es ein einfaches Aufheben aller Einschränkungen nicht geben kann, ohne daß das Virus sich sofort wieder weiter ausbreitet sollte die Zeit, bis eine solch eine flächendeckender Test möglich ist genutzt werden, die Bevölkerung aufzuklären: Daß dies eine trotz aller berechtigter Bedenken nun sinnvolle Maßnahme ist, daß datenschutzrechtliche Bedenken berücksichtigt werden und daß dies vor allem nur eine zeitlich beschränkte Maßnahme ist die nur Sinn macht, wenn alle sich beteiligen. – Claudia Plötner

 

Ich habe gerade die „Anstalt“ von vor drei Tagen gesehen, immer noch eins der informativsten Formate im deutschen Fernsehen! Daraufhin muss ich Sie wegen Ihres doch allzu seichten Gesprächs mit dem Gesundheitsminister tadeln, der sich ganz weltmännisch und in bester bzw. übelster Politikermanier phrasendreschend durchlavieren durfte, nachdem er im Vorhinein offensichtlich fast alles falsch gemacht hat, was falsch zu machen war. Besonders übelerregend die scheinheilige Dreierfrage bezüglich der fehlenden Pflegekräfte. Die Antwort auf all seine Fragen: mehr Geld. Hätten Sie ihm auch sagen können und müssen! – Tobias Hänschke

Lieber Vermummungsgebot statt Bremsen und Beschleunigen. Ich frage mich, warum es kein generelles Gebot zum Tragen von Mundschutz (in Deutschland) gibt, nicht nur beim Einkaufen -wie es Österreich gerade vormacht. Nicht um sich vor dem Corona-Virus zu schützen, sondern um andere vor Ansteckung zu bewahren, falls man selber infiziert ist. Die Vorstellung einer langsamen Immunisierung der Bevölkerung durch Durchseuchung mit dem Corona-Virus finde ich nicht sehr verlockend, egal ob man Risikopatient ist oder nicht. Da würde ich es als Exit-Strategie aus dem Lockdown lieber sehen, wenn man bis zur Verfügbarkeit von wirkungsvollen Medikamenten und Impfstoffen im öffentlichen Leben Masken trägt. Das wird zwar ein ungewohntes Bild sein. Aber eine schrittweise Lockerung der Auflagen nach Regionen, in denen Fallzahlen zurückgehen, oder den „Freigang“ für bestimmte Bevölkerungsgruppen, die vermeintlich nicht zu einer Risikogruppe gehören, finde ich zynisch. Da ziehe ich doch ein Vermummungsgebot für jedermann vor. Und der momentane Mangel an Schutzmasken, der sogar Pflege und Medizin bedroht, muss sich im Industrieland Deutschland beheben lassen! – Lars Kühlke

 

Dem Bundesgesundheitsminister ist hier voll zuzustimmen. „Gesundheit vor Geld“ – so einfach ist es nicht! Auch die eingeleiteten einschneidenden Maßnahmen, die Leben retten sollen, gefährden Gesundheit und Leben: Wie viele Menschen, deren Existenzgrundlage zusammenbricht, werden Suizid begehen? Wie wird sich die gravierende Einschränkung persönlicher Kontakte für psychisch Kranke auswirken? In wie vielen Familien, die auf engem Raum zusammenleben, wird Gewalt gegen Kinder und Frauen zunehmen? Welche Auswirkungen hat die Konzentration aller Kräfte des Gesundheitswesens auf die Infektionen mit SARS-CoV-2 für die vielen anderen Kranken und schwer Kranken, die Diagnostik und Therapie benötigen?

Die Verzögerung der Ausbreitung des neuen Virus macht Sinn, solange in der gewonnen Zeit nicht vorhandene, voraussichtlich benötigte Betten- und Beatmungskapazitäten aufgebaut werden. Darüber hinaus sollten wie bei jeder Therapie die Nebenwirkungen eines längeren Lockdown bedacht werden.CoViD-19 ist nicht die Pest. (Laut täglichem Lagebericht des RKI zu CoViD-19 vom 31.3.2020 beträgt der Anteil Verstorbener 0,9%.) Nichtjuristen überrascht es im Übrigen bezüglich der Hierarchie der Werte, dass Grundrechte wie Versammlungsfreiheit, Gewerbefreiheit, Religionsfreiheit offenbar leichter eingeschränkt werden können als der Datenschutz und dass nicht ein Vorgehen wie in Südkorea gewählt wurde. Vermutlich würden die meisten Menschen freiwillig einer Nutzung ihrer Daten zum Zweck der Eindämmung der CoViD-19-Ausbreitung zustimmen. – Dr. med. Elisabeth Nüchtern

 


 

 

Leserbriefe zu „6. Kostet der Datenschutz Leben?“ von Jochen Bittner

 

Herr Bittner hat natürlich Recht: Alternativen zur bisherigen Vorgehensweise sind zu prüfen. Doch mir ist völlig unklar wie das Verfahren in der Praxis helfen kann. Zurzeit laufen in Deutschland schätzungsweise 140.000 Menschen rum, die nicht wissen, dass sie krank sind. Vor denen kann mich nur ein Kontaktverzicht schützen. Und was ist mit den Vielen, die kein Handy oder zumindest kein Smartphone haben? – Iman Schwäbe

 

Mir ist völlig unverständlich, wie der Text von Jochen Bittner „Kostet der Datenschutz Leben?“ (zumal unter dieser reißerischen Überschrift) eine verantwortungsbewusste Redaktion passieren und seinen Weg in die Spalten der ZEIT finden konnte. Eine Voraussetzung für seinen „smarten“ Vorschlag nennt der Autor selbst: die positive Testung auf das Virus, verschweigt aber, dass dies flächendeckend notwendig wäre. Nur dann könnte der „Alarmsender“ der – vom Autor als so selbstverständlich unterstellten – Erwartungshaltung hinsichtlich der „Distanzregeln“ gerecht werden. Jeder weiß, dass wir auf unabsehbare Zeit weit entfernt von er Durchführung umfassender Tests sind (jetzt schon ist der Zugang zu freiwilligen Tests nicht möglich).

Die Bittner-Methode würde also – wenn überhaupt – nur dann funktionieren, wenn sämtlicheMenschen (vom Kleinkind bis zum Greis) mit Sende- bzw. Empfangsgeräten ausgestattet wären. Auch davon kann man in der gegenwärtigen Situation nicht ausgehen. Darüber verliert der Autor leider kein Wort. Ganz abgesehen von Unwägbarkeiten, mit denen trotz Transparenz der „viralen Umgebung“ zu rechnen ist: ist es „technisch“ überhaupt möglich, den Sicherheitsabstand einzuhalten, Schmiereninfektion, Kooperationsbereitschaft von Virenträgern u.a.?

Die Folgen eines von Bittner offenbar in Kauf genommenen öffentlichen – und zwar zwangsläufig diskriminierenden – Corona-Outings möchte ich mir gar nicht ausmalen. Wie sollte denn gegenüber einem „erkannten Virenträger“ reagiert werden? Denunziation? Macht er sich strafbar? Nur ein Beispiel: Bereits wenige Stunden nachdem in Frankreich wegen der Corona-Gefahr weitgehende Einschränkungen verfügt worden waren (und in Deutschland noch über Schulschließungen nachgedacht wurde), wurden in grenznahen Regionen diesseits des Rheins hier wohnhafte französische Schüler von ihren deutschen Mitschülern per WhatsApp gemobbt: Ihr kommt aus dem Seuchengebiet.

Leider wird über die gesamte Textstrecke dieser Ausgabe kein Wort darüber verloren, woran die gegenwärtige Misere unter anderem wirklich leidet (und was vielleicht dazu beitragen könnte, die Verbreitung des Virus einzudämmen): zügige breitest angelegte Virentests (wie dereinst die Tuberkulose-Röntgenreihenuntersuchungen), Erkennen der Virenträger und ihre Behandlung (soweit medizinisch möglich) und jedenfalls ihre gezielte und überwachte Quarantäne. Dass dies bisher unterbleibt, zeigt die Begrenztheit unseres Gesundheits(Vorsorge-)Systems, zu der sich unsere „Gesundheitspolitiker“ offenbar nicht bekennen wollen. Die „Bittner-Idee“ ist Murks und es bleibt zu hoffen, dass sie ganz schnell dorthin verschwindet, wo auch manch andere undurchdachte Äußerung dieser Tage ihren Platz hätte: im großen Papierkorb – bestenfalls – gut gemeinter aber nicht zu Ende gedachter Ratschläge. – Werner Frasch

 

Coronavirus und Datenschutz. Die Geschwindigkeit, mit der sich eine Infektionswelle ausbreitet, ist proportional zu der Zahl der Infizierten (Virusemitter) und der Zahl der möglichen Virusempfänger. In dem Maße, wie die Zahl der Infizierten ansteigt, erhöht sich aber auch die Zahl der Genesenen. Geht man davon aus, dass die Genesenen immunisiert sind, verringert sich damit auch die Zahl derer, die potentiell infiziert werden können, so dass die Geschwindigkeit, mit der sich die Infektion ausbreitet, mit der Zeit immer kleiner wird und damit die Epidemie zum Stillstand kommt. Der Vorgang ist vom Prinzip her ähnlich einer autokatalytischen chemischen Reaktion.

Eine grundsätzliche Frage, die sowohl Gesetzgebung als auch die Bevölkerung und besonders die Wirtschaft interessiert, ist der Zeitpunkt, ab dem die Infektionswelle anfängt abzunehmen. Um diesen Punkt mittels der derzeit existierenden Modelle abschätzen zu können, ist die Kenntnis von mindesten drei Zahlen notwendig: Infizierte (A), mögliche Virusempfänger (B) und Immunisierte (C). Kennt die Wirtschaft den Trend bzw., was wichtiger ist, die Änderung des Trends, so kann sie sich rechtzeitig auf diese einstellen und Entscheidungen treffen, die einer Rezession entgegenwirken. Es geht also um Planungssicherheit.

Doch bei der Durchrechnung der gegenwärtig zur Trendanalyse eingesetzten Modelle scheint es bürokratische Schwierigkeiten zu geben: so ist in der Online Ausgabe der ZEIT vom 5. März 2020 zu lesen, dass es in Deutschland keine Meldepflicht für die Anzahl der Genesenen gibt, darüber hinaus sollen die Gesundheitsämter das RKI aus Datenschutzgründen nicht darüber informieren dürfen. Das Argument des Datenschutzes ist in diesem Zusammenhang völlig unverständlich, weil es sich um anonymisierte Daten handelt. Dies bedeutet, dass die Experten, die gegenwärtig an den außerordentlich komplexen prognostischen Modellen arbeiten, weder solide Schätzungen zur Trendwende abgeben noch die prognostische Kapazität der noch unreifen Modelle verbessern können. – Dr. Andrei Sommer, Ulm und Dr. Horst-Dieter Försterling

 

In Ihren Artikeln berichten Sie über den endlosen Streit von Politik und Gesellschaft bei der Verwendung der Handydaten zur Standortbestimmung. Der deutsche Staat möchte zum Wohle seiner Bürger die Handydaten auswerten, um kollektive Ausgangssperren in selektive Prüfungen und ggf. Quarantäne umwandeln zu können, und prompt rufen Politik und Gesellschaft geschlossen und entschlossen nach dem Datenschützer. Wie ahnungslos bzw. ignorant sind diese standhaften Verteidiger der informationellen Selbstbestimmung in technischer Hinsicht eigentlich? Grosskonzerne wie Apple, Facebook, Google usw. verdienen Milliarden mit der Verwendung genau dieser Daten. Es ist hinlänglich bekannt, dass diese Konzerne über den Grossteil unserer Gesellschaft exakte (EXAKTE) Aussagen darüber treffen können, wo sich wer wann in wessen Gesellschaft befunden hat, was er wann wo gekauft hat, wie seine politische Meinung ist uvm..

Sobald aber der Staat versucht, lediglich einen kleinen Teil dieser Informationen zum Wohle des Grossteils der Gesellschaft auszuwerten, stehen sie in einer Front, die Beschützer unserer Daten (die längst in den USA gespeichert sind), und posaunen auf ihrem Apple iPhone oder Google Android-basierten Smartphone via Facebook und Twitter ihre Meinung in die Welt. Politiker mit Drang zum Datenschutz sollten zuerst einen Grundkurs in IT-Sicherheit besuchen oder einfach mal die Google-, Twitter- und Facebook-Nutzungsbedingungen durchlesen, bevor sie sich zu Themen äussern, für die ihnen essenzielle Kenntnisse fehlen. – Andi Pfaff

 

„Kostet der Datenschutz Leben?“ Die Fragestellung und auch die Antwort darauf enttäuschen mich. Der Autor sieht „die Pflicht“, das Tracking aller Bürger per Handy, „zu prüfen“, um Infizierte und deren Kontaktpersonen herauszufiltern. Scheinbar weniger rigoros, weil „nur freiwillig“ und anonymisiert wollen das nun auch die Grünen und die FDP. In diesen Tagen verabschiedet sich dieses Land mit Tempo von Werten und Vorstellungen, die die Grundlagen unseres Rechtsstaats sind. Wir erleben und erleiden die tiefe Beschneidung unserer Bürgerrechte. Ausgerechnet Liberale fordern jetzt, dass noch mehr aufgegeben wird. Wieviel Unglück wird eine solche Tracking-Praxis bedeuten?!

Alle unsere Grundrechte sind auch Abwehrrechte des Einzelnen gegenüber dem Staat, der per se übermächtig ist. Ist nicht vielmehr die Frage nach der Verhältnismäßigkeit der Mittel angesichts einer großen gesundheitlichen Herausforderung zu diskutieren? Stattdessen stürzten Sie sich mit in den Strom der kollektiven staatsbürgerlichen Selbstaufgabe: Auch eine „freiwillige“ APP setzt die anderen, die sich nicht vom Staat orten lassen wollen, unter Druck: Institutionen, Arbeitgeber und Versicherungen werden von BürgerInnen eine solche „Gesundheits“-APP auf den Handys erwarten. Wer nicht mitmacht, muß sich rechtfertigen. Mag sein, dass Krankenkassen Wohlverhalten am Anfang mit Boni belohnen, aber Boni für die einen sind eben Mali für die anderen. Staatsbürger sind wir dann am Ende nicht mehr, sondern vor allem eines: unter Kontrolle. Ob wir gesünder sein werden als heute, bezweifle ich. Ja ich zweifle! Auch, wenn dies über Nacht als „unsolidarisch“ gilt. „Wir müssen“,schrieb der Staatsrechtler Hinnerk Wissmann in diesen Tagen in der FAZ, „nicht nur unsere Gesundheit verteidigen, sondern auch unsere Freiheit.“ Ich bin dabei. – Ulrike Dotzer

 

In Ihrem Beitrag skizzieren Sie eine in meinen Augen schreckliche Methode. Positiv geteste Menschen sollen durch ihr Handy Menschen in ihrer Umgebung vor sich warnen? Das entnehme ich Ihren Zeilen. Da sollen sich (höchstwahrscheinlich) infektiöse Personen also frei bewegen und sich zum Schutz der Mitmenschen bloßstellen? Das erscheint mir hisichtlich des Infektionsschutzes grob fahrlässig. Schließlich kann der Infizierte das Handy auch ablegen, gleichzeitig hat nicht jeder zu warnende ein Handy dabei, beziehungsweise kann nicht ständig auf Warnsignale reagieren. Wer infiziert ist gehört isoliert. Meines Wissens gilt dies auch in Südkorea. Was eine solche Warnapp es in punkto Persönlichkeitsrechte des positiv Getesteten bedeuten würde, darüber habe ich intensiv nachgedacht. Da erhält man also auf dem Weg durch die Stadt eine Warnung „Infizierter im Umkreis“. Ist der Kreis weit gesteckt, kommen viele Meldungen ohne jede Relevanz, z.B. von Personen in wartenden Autos an der Ampel, in einer Wohnung an der man vorbeiläuft usw.. Ist der Kreis dagegen recht eng gezogen, lässt sich wohl häufig eine Person als „der Infizierte“ identifizieren.

Der Nachbar, bei dessen Heimkehr von der Arbeit meine App pünktlich warnt oder die Person, die gerade in die S-Bahn steigt, in der vorher keine Infizierten angezeigt wurden. Wie reagiert man dann? Ist der Nachbar geheilt, wenn eines Tages keine Warnung mehr erscheint oder hat er sein Handy nicht dabei und ist jetzt erst recht gefährlich? Die laut App infizierte Person nähert sich in der S-Bahn einer alten Frau ohne Mundschutz. Soll ich die mutmaßlich Gefährdete warnen? Stellen Sie sich vor, die App warnt vor dem Infizierten Nachbarn. Dann stirbt ein Dritter aus der Umgebung an Corona. Jetzt erinnert man sich, dass sich die Beiden man im Supermarkt kurz auf einen Meter nahe gekommen sind. Schon haftet dem Nachbarn der Verdacht an, am Tod des Dritten schuld zu sein. Sie schreiben gar von „Freunden“ die Dank der App gewarnt würden. Da kommt also in einer Welt ohne Ausgangssperre ein Freund auf mich zu, um mich zu begrüßen. Soll ich auf mein Handy schauen, um „sicherzugehen“, dass er mich nicht gefährdet? Was ist das für eine Welt in der der Umgang mit Freunden von einer solchen App abhängt?

Wir wissen alle, was sich mit fake news und Hetze im Netz abspielt. Schauderhaft der Gedanke, wie wohl mit vermeintlich Infizierten umgegangen würde. Ich habe mich auf Wikipedia und coronamap.site informiert. Berichte über eine App, die wie das Glöcklein des Aussätzigen die Umgebung eines Infizierten in Echtzeit warnt, finde ich dort nicht. Nach meinem Verständnis geht es darum, nach Identifikation eines Infizierten, Kontaktpersonen zu warnen. Dazu wird ein Bewegungsprofil aus Handydaten des Infizierten erstellt. Gewarnt wird wer in den vergangenen Tagen Kontakt in der Nähe des Infizierten war. So weit meine Gedanken zum Artikel. Ich schätze die Zeit als ein Blatt mit ausgewogenen Artikeln und interessanten Themen. – Christoph Schröder

 


 

 

Leserbriefe zu „Pfeifen, Zwitschern, Tiriliern“ von Fritz Habekuß

 

PfeifenZwitschernTiriliern Hallo und guten Tag, ich will ja nicht päpstlicher als der Papst sein, aber in der headline ist Ihnen doch ein dicker Fehler passiert: es heißt korrekt: Tirilieren (lt. Duden) und nicht TiriliernDie sog. Synkope ist hier nicht statthaft. Sie sagen ja auch nicht Pfeifn. Nichts für ungut. – Hagen Treutmann

 

Danke für „Pfeifen, Zwitschern, Tirilieren“ von F. Habekuss. Daraus folgt mein Imperativ: Starrt nicht auf die Corona App mit den neuesten Fallzahlen von Neuinfektionen und Todesfällen. Haltet stattdessen inne und lauscht der Harmonie der Vogelstimmen! Das ist Balsam für gestresste Seelen und kostenloses Vitamin fürs Immunsystem! – Helmut Strohmayer

 

Welch schöner Artikel inmitten all der Corona-Beiträge. Vielen Dank, Fritz Habekuss. – Angelika Adler

 

Ich möchte Ihnen anlässlich dieses Artikels „nachträglich“ für Ihren Nachtigallen-Artikel aus dem letzten Jahr danken. Er hat mich dazu motiviert, mir die „Naturblick“-App herunterzuladen, die ich seitdem nicht nur für die Suche nach Nachtigallen (tatsächlich ganz schön viele in Berlin!), sondern auch zum Erkennen vieler anderer Vögel nutze (und mittlerweile oft auch gar nicht mehr brauche). So konnte ich mein früheres „Repertoire“ aus Amsel, Spatz und Kohlmeise mittlerweile auch um Arten wie den Drosselrohrsänger (sehr kurioser „Gesang“), die Mönchsgrasmücke oder die Grauammer erweitern. Vielen Dank für dieses schöne Hobby, das sich auch in Zeiten von Corona noch ausüben lässt! – Charlotte Schneider

 

Was für ein schöner Artikel von Fritz Habekuss in der aktuellen Ausgabe. Dass die Natur (und am hörbarsten die Vogelwelt) in jedem Frühjahr von Neuem erwacht, ist ein wiederkehrender Grund zur Freude. Besonders aber in diesem Jahr, in dem der Unterschied zwischen anthropogenem Rückzug und frühlingshaftem Sprießen der Natur so weit auseinander klafft. „Vögel sind fantastische Wesen.“ Diese Aussage kann man gar nicht stark genug betonen. Möge die Menschheit den Willen und die aktuell viel beschworene Entschlossenheit zeigen, nach der Corona-Krise auch dem Artensterben die dringend notwendige Aufmerksamkeit zu schenken. Damit der Frühling auch in den nächsten Jahren kein stummer wird und uns der Gesang von Amsel und Co. jedes Jahr aufs Neue verzaubern wird. – Christian Stielow

 

Mit großer Begeisterung habe ich Ihren Artikel gelesen. Ja zum Glück gibt es in diesen Zeiten auch noch Menschen, die den Blick auf die Fülle der Natur werfen. Wir können gerade alle keine Konzerte besuchen und doch werden wir von wunderbaren Melodien verwöhnt, wenn wir früh morgens oder am frühen Abend den Weg nach draußen finden. Auch wir beobachten schon seit zwei Jahren ein Amselmännchen, das immer an der gleichen Stelle auf unserem Dachfirst sitzt und wunderbare Melodien trillert. Ein wunderbares Bild ist auch der Vorhang der Wasserperlen, es spiegelt die Schönheit des Rotkehlchens und seinen wunderschönen Gesang wieder. In diesem Jahr konnte ich auf unserem Grundstück zum ersten Mal die Ankunft des Frauchens erleben, anscheinend haben die beiden in einer unberührten Ecke unseres Gartens auch einen Nistplatz gefunden. Ihr Artikel ist sehr einladend und macht hoffentlich auch einigen Menschen Mut, die Ohren und die Augen in der Natur zu öffnen,um dieses Naturschauspiel mitzuerleben. – Susanne Weyrich

 


 

 

Leserbriefe zu „Wie gelingt die Elektrowende?“ Gespräch mit Ola Källenius, Winfried Kretschmann und Frank Mastiaux geführt von Roman Pletter und Claas Tatje

 

Das Elektroauto ist ökologisch ein ähnlicher Versager wie das Benzin betriebene. Sinnvoll ist nur der offensive Ausbau des öffentlichen Nah- und Fernverkehrs. Da kann man dann über die Frage Elektro oder Benzin bzw Diesel diskutieren. Das hätte unbedingt Teil des Gesprächs sein müssen. So ging es nur um ein herumdoktern an Symptomen. – Iman Schwäbe

 

ich bin Anwohnerin Grünheides, wo alsbald das Modell „Y“ Teslas gebaut werden soll, und war daher neugierig zu erfahren, welche Motive Winfried Kretschmann bewegen, die E-Mobilität ohne Wenn und Aber zu befürworten. Das „Wenn und Aber“, das Grünheider der Begeisterung der Grünen für die E-Mobilität entgegenhalten, kann man schon schnell im Text erfahren: Planungs- und Genehmigungsverfahren (hier für die Errichtung von Windparks) sollen stark verkürzt werden. Solche Verfahrensverkürzungen erleben wir gerade in Grünheide: ein echtes Planfeststellungsverfahren für Teslas Gigafabrik wurde umgangen, indem das Gigaprojekt in viele Kleinprojekte gesplittert wurde und wird, die so außen vor gelassenen Bürger wurden mit den Antrags- und Prüfunterlagen erst im Januar regelrecht überfallen. Das laufende Genehmigungsverfahren, das der Einsicht in die Planungsunterlagen folgt, wird zur Farce, indem einem vorzeitigen Baubeginn sofort nach Ende der Frist für die Einreichung von Einwendungen zugestimmt wurde.

Das Motiv für die Befürwortung der E-Mobilität aber ist, so Kretschmann, die Verhinderung einer weiteren Erderwärmung auf über 2°C. Da fragen sich die Grünheider, ob der SUV „Y“ des Herstellers Tesla ein Mittel zur Erreichung dieses Ziels sein könnte. Da der grüne Ministerpräsident sich freut, daß es einen Porsche Taycan mit E-Motor gibt, der bei einer Fahrleistung von 17.000 km im Jahr den Stromverbrauch eines 3-Personen-haushalts verdoppelt, wird er dies auch beim Y tun. Den Kampf um Tempo 130 dagegen hat Winfried Kretschmann aufgegeben und so stört es seine Brandenburger Genossen auch nicht, daß für Tesla ein Giga-Loch in die „grüne Berliner Lunge“ gerissen wird, daß das Werk schon in der 1. Ausbaustufe so viel Trinkwasser verbrauchen wird wie eine 70.000-Einwohner-Stadt, daß die benötigte Energie (soviel wie die Stadt Chemnitz verbraucht) zu 61% aus fossilen Energieträgern stammen wird – es sollen ja halt eben neue Windparks errichtet werden, und zwar näher als in 1 km Abstand von Wohnhäusern und unter Opferung weiterer Wälder. Ein Ausbau des ÖPNV – man ist in Grünheide mit dem Regio in 35 min an der Friedrichstraße, nur fährt dieser nur stündlich und gibt es ab da fast nichts, sowie von Radwegen – doch die eigentlichen Mittel der erwünschten Verkehrswende, wird mit Tesla ebenfalls nicht kommen, wie eine von den Landtagslinken initiierte Studie der Innoverse GmBH belegt.

Wer bei soviel Mangel an Logik noch gegen E-Mobilität und die Ansiedlung Teslas im Grünheider Trinkwasserschutzgebiet ist, muß ein echter Fortschrittsgegner sein, ein Hinterwäldler, AfD-Anhänger zudem. Und das Klagerecht von Umweltschutzverbänden, was eine „Errungenschaft“ der Rot-Grünen Regierung unter Gerhard Schröder war, gehört ohnehin geschliffen. Das versteht jetzt – Dr. Heidemarie Schroeder

 

Eine Kapazität (MW) bedeutet das Potential, bei Zufuhr ausreicher Energie-Inputs (Kohle, Erdgas, Wind- oder Wasserdruck, Licht, …) über bestimmte Zeit entsprechend Strom (MWh) zu erzeugen. Der „Feind“ erneuerbarer Stromerzeugung (EE) ist „Schlechtwetter“: „Dunkelflaute“ mit praktisch Ausfall von Photovoltaik (Nacht, starke Bewölkung, …) und massiv reduziertem Windstromaufkommen dank stabiler Ome¬¬ga-Wetterlage mit Windstärken unter 1 – 3 Bf drückt ihre Verfügbarkeit weit unter 9 % der Kapazitäten. Bei Zugrundelegung historischer Erzeugungsprofile von je 3 Tagen (à 72 zusammenhängende Stunden) im Jan und Nov 2019 wären 2030 bei insgesamt 220.000 MW EE-Kapazitäten weniger als 20.000 MW über 28,5 bzw. 34,0 Stunden, i.e. 43,5 % der Zeit verfügbar!

Selbst mehr als eine Verdoppelung der Wind-Kapazitäten bis 2030 reichte bei „schlechtem Wetter“ wie „Dunkelflaute“ nicht aus, um auch nur den Ladebedarf von 20.000 MW bei 8,5 Millionen E-Autos bei 5 % Gleichzeitigkeitsfaktor der Aufladung zu decken. Für alle anderen Stromverbraucher müssten konventionelle Kapazitäten bis 75.000 MW verfügbar sein! Ohne großtechnische „Speichertechniken“ bspw. via Wasserstoff im Bereich von über 25.000 MW und 10 Mrd. kWh ist der Black-Out 2030 vorprogrammiert. Es geht also um die Fragen: „Wo wird die Brennstoffzelle sinnvollerweise eingesetzt und wann sind diese Techniken verfügbar?“ Im ZEIT-Interview werden außer der bald nötigen dramatischen Verteilnetz-Verstärkung fast alle weiteren wichtigen Punkte ausgeblendet. Vorschlag:

Die ZEIT redet einmal mit einem Elektro-Ingenieur-Professor der RWTH Aachen (z.B. Prof. Dr. Albert Moser) + einem (mit Ministererlaubnis für freie Rede ausgestatteten) Strom-Experten der Bundesnetzagentur in Bonn + einem Vorstand eines größeren Netzbetreibers, sowie evtl. mit Prof. emer. Dr. Wolfgang Pfaffenberger (Uni Oldenburg, jahrelang Lei¬¬ter des Bremer Energie-Instituts; das Institut ist heute in der Fraunhofer-Gesellschaft; jetzt wohnhaft Fraunhoferstraße 23, 10587 Berlin, Tel. 030 4304 962). Dabei käme deutlich präzisere Sachkenntnis zum Zuge. Zur Info: Ein weiterer massiver EE-Kapazitätsausbau ohne verfügbare „Speichertechniken“ im 25.000 MW-Bereich nützt also der Sicherheit der Stromversorgung herzlich wenig. Gesamterzeug.            Photovoltaik    Wind insges.     Mrd. kWh = TWh        %         % Dez 18         47.0841,1%    30,6% Jan 19   51.0851,5%    28,8% Feb 19   44.128            5,0%    24,4% Mittelwert:        47.4322,5%    28,0%                           Mai 1939.45512,8%  20,8% Jun 19   36.69517,6%  17,9% Jul 19    39.622            14,5%  16,6% Mittelwert:        38.59114,9%  18,4%

Als Beispiel folgendes Lastdiagramm (viertelstündliche MW) vom 16. – 31. Januar 2019. Kapazität kW ist nicht gleich Erzeugungsmenge Strom in kWh Es ist sinnlos, von „durchschnittlicher Strom¬¬erzeugung eines Jahres, Monats oder Tages“ auf „not¬¬-wendige verfügbare Kapazitäten“ zu schließen. Der Grund: Es gibt einen ganz gra¬vie¬ren¬den Unterschied zwischen installierter (Stromerzeugungs)-Leistung [in MW] und tatsächlicher Stromerzeugung während einer Periode [in MWh oder Mrd. kWh etc.]. Das erste entspricht der PS-Zahl (z.B. 100 kW) eines (evtl. geparkten) Autos, letzteres dem Benzin-Verbrauch und geleisteter Transportarbeit für 1.800 kg (z.B. 42 Liter Benzin ≈ 374 kWh) über 500 km. Zum Verständnis folgendes einfache Beispiel: Unterstellen wir eine werktäglich notwendige Tagesstromerzeugung im Winter von fiktiv 1,8 Mrd. kWh. Dazu sind zwei ganz verschiedene Zeitprofile des Bedarfs als Gedankenexperiment denk¬bar:

20 Stunden lang werden konstant genau 800 Mill. kWh, d.h. 40 Mill. kWh pro Stunde und 666.667 kWh pro Minute benötigt und nachgefragt. Die dafür nötige Leistung [in MW] beträgt konstant exakt 40.000 MW, denn 40.000 MW · 20 Stunden [h] = 800.000 MWh = 800 Mill. kWh. 4 Stunden werden die übrigen 1.000 Mill. kWh konstant nachgefragt, d.h. 250 Mill. kWh/h = 250.000 MW Leistung., denn 250.000 MW · 4 Stunden [h] = 1.000 Mill. MWh = 1 Mrd. MWh. Diese Volkswirtschaft müsste dennoch ständig 250.000 MW + rund 2 – 3 % Sicherheitsreserve (also 256.000 MW) bereithalten und auf deren Einsatz bei Bedarf zugreifen können!

Das Tages-Nachfrageprofil wird gleichmäßig über der Zeit: In 24 Stunden benötigen wir nun ge¬nau 75.000 kWh. Für das jetzige gleichmäßige Anforderungsprofil genügen Erzeugungs¬anla-gen mit einer verfügbaren Leistung à 75.000 MW + 2.000 MW Sicherheitsreserve, denn es gilt: 75.000 MW · 24 Stunden [h] = 1.800 Millionen kWh = 1,8 Mrd. kWh. Im Fall (a) mit ungleichmäßiger Nachfrage nach Strom benötigt die Gesellschaft 256.000 MW; im Fall (b) hingegen mit völliger Gleichverteilung der Nachfrage mit 77.000 MW weniger als ein Drittel dieser Leistung [MW]. Das Ganze bei der täglich gleichen elektrischen Arbeit [MWh]. Es kommt also sowohl auf die erzeugte Menge (MWh) wie auch die Lastspitzen in MW an!

Die Flächen unterhalb der Lastkurven, mathematisch genauer das Integral über den Tag der abgerufenen Leistung = ∫_0^24▒〖〖GW〗_t dt〗= GWh) für beide Lastkurven 1 und 2 sind identisch: „Im Durchschnitt“ ist somit für beide die Stromerzeugung in MWh genau gleich; die jeweilige sicher zu stellende Lastanforderung in MW (Leistung!) wegen der großtechnischen Nicht-Speicherbarkeit von Strom jedoch sehr unterschiedlich. Nur wenn großtechnisch riesige „Speichersysteme für Strom“ verfügbar wären (als „Lager-Ersatz“), würde die jeweils kurzfristige Nachfrage leichter bedienbar produziert. Kosten und Wirkungsgrade dafür?

Im Zuge der Energiewende wird sich mehr elektrische Nachfrage von den Sommer- in die -Wintermonate verlagern bzw. vor allem im Winter anwachsen (elektrische Systeme zur Warmwasserbereitung und Raumheizung bspw. mit Wärmepumpen) und zusätzlich bevorzugt auf Nachmittags- und Abendstunden (E-Autos, E-Busse, E-Lieferwagen, …) verlagern. Dies hat besonders Konsequenzen für das Winterhalbjahr, wo etwa Photovoltaik systematisch ab 16:30 bis 7:30 ausfällt und es zusätzlich schon heute eine zweite ausgeprägte Abendspitze (etwa 17 – 21 Uhr) gibt. Werktags wird es ab 9 – 10 Millionen E-Autos Abendspitzen mit über 100.000 MW geben. Man darf auch nicht von im heutigen System anzutreffenden Befunden auf ein völlig anderes System 2040 schließen: Heute ist „Nachtstrom“ wegen der ab 21:30 Uhr etwas abfallenden Last und der Schwierigkeit, nukleare oder Kohlekraftwerke ganz auszuschalten (Anfahrzeiten, Bereitschaft für positive Regelenergie, …) i.d.R. deutlich billiger als tagsüber.

DAS wird sich in einem EE-System wegen PV = 0 nachts und wegen regelmäßig auftretender Schwachwindphasen völlig ändern! Ebenso ist es individuell rational, mit einer Wärmepumpe gering warme Außenluft auf höhere Temperaturen zu bringen und damit das Innere des Hauses zu heizen und das „Außen“ etwas abzukühlen. Wenn das jedoch 150 eng zusammenstehende Häuser gleichzeitig machen, sinkt die Temperatur „außen“ so stark, dass erheblich mehr Strom für alle Wärmepumpen verbraucht wird gegenüber der ursprünglichen Schätzung. DAS wären dann „technische“ Rebound-Effekte.

Mit umgekehrten Vorzeichen beobachtete man diesen Effekt für Groß-Klimaanlagen schon vor vielen Jahren in den Innenstädten: Jeder einzelne blies seine „warme“ Abluft dem Nachbarn in seine Anlage, so dass zum Schluss der Stromverbrauch stark anstieg und der Abkühlungseffekt in jedem Geschäft oder Büro sehr gering war: „Kleine“ Lösungen funktionieren – „flächendeckende“ hingegen können scheitern! Die (Strom-)Welt in 10 – 15 Jahren wird alles Wissen über jahrzehntelange vermeintlich sichere Gegebenheiten („billiger Nachtstrom“, allzeit verfügbare Regelenergie, Preise für Energiebereitstellung, etc.) enorm umkrempeln. Die wachsende Unsicherheit der Stromversorgung (Lotterie mit dem Wetter!) wird dann erst recht zur Nagelprobe. – Prof. Dr. Wolfgang Ströbele

 

Nachdem ich das Gesprächsprotokoll zu “Wie gelingt die Elektrowende“ gelesen habe, konnte ich es mir nicht verkneifen erst einmal alle Lichter in meiner Wohnung anzuschalten und mich zu freuen, denn das wird zukünftig mit der derzeitigen Energiepolitik (Wind: bläst nicht immer und braucht gigantische Flächen, Sonne: scheint nicht immer) in diesem Land nicht mehr möglich sein. Wenn der Einfluss des Menschen auf den laufenden Klimawechsel derart immens ist, dass es uns zu überlebensnotwendigen Maßnahmen zwingt, dann muss auch der Einsatz der Kernenergie neu gedacht werden. Andere Länder tun dies, siehe u.a. Polen. Der Artikel zeigt ja sehr genau wohin wir driften und die Aussage von Herrn Mastiaux sagt alles: “Am Beispiel der Coronakrise sehen wir ja gerade, dass die Menschen zu massiven Einschränkungen in ihrem Alltag bereit sind, …..“. Eine Unverschämtheit und der Energiesozialismus lässt grüßen. Schade das Roman Pletter und Claas Tatje da nicht nicht mehr nachgebohrt haben. Aber noch ist es ja nicht zu spät…. – Harald George

 

Dass sich die „Zeit“ im Wirtschaftsteil mit der Frage einer umweltfreundlichen Gestaltung der Mobilität auseinandersetzt, kann ich nur begrüßen. Wenn ich mir aber die Zusammensetzung der Gesprächsrunde ansehe, kommt mir der Ansatz der Diskussion doch sehr eng vor: der Chef von Daimler, der PKWs verkaufen will, ein Manager der Strombranche und aus der Politik der bekennende Autonarr Kretschmann, der seine pflichtgemäße Sorge um ein neues Mobilitätskonzept höchstens anklingen lässt, um dann kräftig mit ins Horn der Interessenten zu blasen…. Wenn es um Rauschgiftprobleme ginge, würde die „Zeit“ dann auch den Chef eines weltweit agierenden Drogenkartells, seinen Rohstofflieferanten und einen fröhlich bekennenden Junkie einladen, der dann – statt Drehmoment wie Herr Kretschmann – den Flash hochwertigen Kokains preisen würde, anstatt die Spaßbremse zu spielen? – Thomas Isensee

 

Warum eigentlich titeln Sie nicht gleich: „Mehr Straßen braucht das Land“? Denn von dem eigentlichen Ziel der Verkehrswende, also: Autos von der Straße durch einen besseren öffentlichen Verkehrs zu holen, ist in Ihrem Gespräch so gut wie nichts zu finden. Und der Ober-Grüne Kretschmann lässt sich hier gerade mal dazu hinreißen zu bemerken, dass man „die Mobilität neu organisieren“ müsse. Dabei müsste ihm eigentlich klar sein, dass eine 1:1-Umstellung vom Verbrenner zum E-Auto weder Flächenverbrauch noch Stauprobleme verringert. Na ja, wer ein g’scheits Auto will, will auch eine g’scheite Straße und wahrscheinlich auch kein g’scheites Zügle. Wenigstens ist er ja noch für 130 km//h auf der Autobahn. Und dann ist ständig von Ladesäulen die Rede. Ist denn noch niemandem aufgefallen, dass ein veränderter Antrieb evtl. auch eine veränderte Tank-Technologie erfordert? Im Gegensatz zu Benzin und Diesel kann man Strom schließlich auch während der Fahrt tanken.

So wie es die Bahn mit Hybrid-Zügen (Oberleitung/Batterie) bereits macht. Eine „Ladegasse“ alle 100 km auf Autobahnen und Landstraßen etwa, in der Strom über Schleifkontakte in die Batterien fließt, würde die Batteriegrößen drastisch verringern und das Warten beim „Tanken“ könnte (fast) entfallen. Ebenso unverständlich ist, dass der immense Preis-Unterschied für die Kilowattsunde zwischen Strom und Benzin/Diesel in Ihrer Diskkussion überhaupt keine Rolle spielt. Strom: etwa 30 Cent, Diesel/Benzin (bei 1,5 €/Liter) etwa 15 Cent. Hier hätten Sie schon die Preispolitik der Bundesrepublik ansprechen müssen. Schließlich besteht der Strom-Preis zu mehr als 50% aus Steuern und Abgaben, während Diesel m.M. immer noch subventioniert wird. Die Durchsetzung der E-Mobility wird dadurch maßgeblich behindert. – Dieter Schuster

 


 

 

Leserbriefe zu „Heilung durch Geld“ von Mark Schieritz

 

Weil der „Lastenausgleich […] Deutschland zu einem der ‚egalitärsten Länder‘ der Nachkriegszeit“ machte sehen die Autoren heute schon wieder die Zeit reif, für eine Vermögensabgabe. Sind die Zeiten vergleichbar? Sie schreiben von „großen Vermögen“. Vor dem Hintergrund des zitierten Lastenausgleichs meinen Sie Immobilienvermögen. Warum so umständlich? Der Lastenausgleich war nicht die einzige Immobilienbelastung in der Nachkriegszeit. Die nicht vom Krieg geschädigten Gebäude unterlagen bis weit in die 60-er Jahre des vergangenen Jahrhunderts im Grundsatz denselben Wohnraumverwertungsbeschränkungen, die in den „goldenen 12 Jahren“ zur „Genesung des Volkskörpers“ Platz gegriffen hatten: Preis- und Mengenbewirtschaftung. Die Flüchtlinge hatten ihre Immobilen verloren, zumindest jedoch das Leben gerettet, also sollten sie zumindest in die Lage versetzt werden, wieder Immobilieneigentum (Selbst bauen im Sozialen Wohnungsbau ab 3 Kindern) zu erwerben. Von einer solchen Situation sind wir doch jetzt meilenweit entfernt!

Gerade hat die Regierung zum „Economy Bailout“ geblasen. Alle am kurzfristigen Erfolg (gemessen in Quartals-„Gewinn“ nach internationalen Bilanzregeln) etablierten Geschäftsmodelle, die bekanntlich ja auch mit den natürlichen Ressourcen (das nannte Adam Smith den Produktionsfaktor „Boden“) äußerst großzügig umgehen, erhalten jegliche Unterstützung, damit diejenigen Arbeitsplätze erhalten bleiben, die Lohnsteuer und Sozialabgaben generieren, welche dann wiederum zukünftig den politikgesteuerten Umverteilungsmechanismus in Gang halten (s. “Streit“ in der gleichen Ausgabe). Für das Ziel der Inganghaltung genügen nicht einmal mehr die äußerst großzügigen Regelungen im Recht der Besteuerung der Erbfolge für Unternehmen mit Freibeträgen, Verschonungsfristen und Betriebserhaltungsgarantien:

So wenden sich z.B. die privaten Innenstadthandelsunternehmen Münchens in einer ganzseitigen Anzeige in der SZ v. 26032020 an die Bayerische Regierung, um auf die dramatische Lage für Ihre Beschäftigten hinzuweisen, die durch die jetzige wirtschaftliche Situation entstanden ist. Sie tun dies selbstverständlich ganz uneigennützig, gehören sie doch mit Immobilieneigentum in 1a-Lage zu den Privateigentümern (s. der Investor der der Fußballnationalmannschaft in Brasilien während der WM werbewirksam (und damit steuerlich abzugsfähig!) kostenfrei Quartier bot), die, nachdem sie ihr Geschäft ertragssteuerlich optimiert in Betriebs-GmbH (für die sie jetzt an die Öffentlichkeit gehen) und Substanz-KG aufgespalten haben, definitiv keine Substanz mehr haben, die sie ihrem Betrieb zusetzen können. So sie das nicht wollen, ist das ihre Privatsache, aber doch nicht Aufgabe der Solidargemeinschaft! Doch sie werden in der Politik noch mehr Gehör finden (s.o.). Daneben gibt es tatsächlich auch Privatpersonen, die ihr Kapital, sozialpflichtig (s. Grundgesetz) in die Zurverfügungstellung von Wohnraum investieren.

Diese werden, wie die Autoren und ihr Experte suggerieren, wohl noch nicht ausreichend solidarpflichtig behandelt, sodass bei ihnen mittels Wiederbelebung eines wie auch immer zu bezeichnenden „Lastenausgleichs“ noch ausreichend abschöpfbare Substanz vorhanden ist. Hier müssen jetzt endlich diejenigen „Privaten“ mit den gewerblichen juristischen Personen gleichgestellt werden: Diese sind substanzsteuerlich nicht greifbar – Stichwort Share Deal -, ertragssteuerlich privilegiert durch körperschaftsteuerliche und gewerbesteuerliche Ausnahmeregelungen (REIT’s) und in der Öffentlichkeit stellvertretend für alle Vermieter kritisiert, ob ihres am kurzfristen wirtschaftlichen Erfolg orientierten Agierens. Sie prägen, staatlich gefördert, das mediale Erscheinungsbild. Ob die anderen Privatvermieter damit zurechtkommen? Geschenkt!

Aber gleich behandelt möchten diese schon sein! Gerade jetzt, wo sie wieder solidarisch gemacht worden sind (s. Grundgesetz) sind und schon mal Mieten großzügig stunden. Gegen den ges. Zins in gegenwärtig lächerlicher Höhe und für den Grimmblick der Mitbewohner jeden Tag, ob dieser Unverschämtheit! Und wenn dann der Mieter wegen nach wie vor zulässiger wirtschaftlicher Notlage lieber gleich kündigt…. . Der Vermieter wird für die gestundeten Mieten in die Röhre schauen! Sicherungsabreden sind ihm verwehrt, weil der Mieter – siehe Gesetzesbegründung – durch die Stundung nicht schlechter gestellt werden darf. Da wird der Amtsrichter hinsehen, und den Vermieter im Zweifel mit seinen Forderungen abweisen – der kann sich das je leisten! „50% […] zahlbar innerhalb eines Zeitraums von 30 Jahren“: Das hört sich ja wirklich prima an! Gemeinhin nennt man solch einfache und publizistisch griffige Happen populistisch.

Einfach ist es aber nicht: Die hier zur Anwendung kommende Basis würden wohl die Bestandswerte bilden, die sich am maximal verwertbaren Quadratmeterertrag der Grundstücksumgebung der Gegenwart orientiert. Sie haben sich schon öfter die Augen gerieben, als die feststellten, dass bisher gut genutzte und im Erscheinungsbild ordentliche Gebäude abgerissen werden, damit mehr Baurecht ausgeübt werden kann? Ja, die Ursache liegt nicht zuletzt in diesem Mechanismus, der sicherstellt, dass Vermieter Immobilen nicht mehr weitergeben können, weil sie die Substanz nicht aufbringen können, um den aktuellen „Marktwert“ des Bodens zu bezahlen, bzw. das Gebäude Schrott ist, bis die Schulden für die Steuerbelastung abgetragen sind.

Auch hier: Unternehmer genießen großzügige Stundungs- und Verschonungsregeln, Vermieter müssen sofort Steuern zahlen und dürfen sich das Geld „günstig“ bei der Bank auf eigenes Risiko besorgen, wo es leider ab einem gewissen Lebensalter nichts mehr gibt, weil der Verbraucher ja durch die Verbraucherimmobilienkreditrichtlinie geschützt werden muss, damit nur ja nicht die Kreditinstitute schon wieder vom Staat gerettet werden müssen, usw. immer fort, bis eines Tages irgendwelche internationalen Investoren, wie jetzt schon im Agrarsektor und an den Kapitalmärkten/Börsen den Ton angeben und die Richtung bestimmen, unter der die Politik sachzwang- und systemischgebunden zu agieren hat. Das Steuergeld schaffen nur Investoren herbei, die Wohneigentum in Eigentumswohneigentum verwandeln. Das nennt man dann Stadtumbau: Die einen finden‘s toll, die anderen verlieren günstigen Wohnraum! Sind die Vermieter durch die Anpassung des §13d BewG Faktors von 90% auf nahe 0% – ach sie wissen nicht: ja es ist wirklich komplex konstruiert, weil es ja immer gerecht zugehen muss in unsrem Staat – endlich an die anderen Geschäftsmodelle generationengerecht herangerückt, können wir mit dem Experten in den nahenden „Nahkampf“ übergehen und, mit Goethe im Kopf, sagen: “Augenblick verweile doch…“. – Walter Neumeister

 

Zeit für Leserbriefe, die man ja jetzt hat. Zum einen, um auch den Redakteuren mal zu danken, weil sie uns weiterhin mit wertvollem Lesestoff versorgen, zum anderen, um einen von vielen Solidaritäts-Ideenfindungen herauszugreifen, der am Schluss des obigen Artikels so bescheiden und doch so genial daherkommt: Der Corona-Soli! Meine Gedanken gehen zu dem syrischen Friseur in der Nachbarschaft, der gerade voller Optimismus einen kleinen Salon übernommen, aber noch keinen festen Kundenstamm und damit auch noch kaum Einnahmen, eher Schulden, hat, und zu den anderen, die in einer wohligen Sicherheit keinen Gedanken an ihre Existenz verschwenden müssen, z.B. die Beamten, zu denen ich selbst gehöre! Und da wir ja das Geld im Moment nicht in all die geschlossenen Läden tragen können, könnte doch etwas übrig sein und in einen Corona-Soli-Fonds fließen.

Nur, wer Will und kann, aber vielleicht können viele – jeder möchte doch auch weiterhin Theater, Kino, das kleine Restaurant, den Bücherladen und all diese kostbaren Orte besuchen können, ohne die eine Stadt mehr und mehr aus Bäckereien und 1 €-Läden bestehen würde. Natürlich gibt’s gerade auch die Heuschreckenplage, die furchtbaren Zustände auf den griechischen Inseln, aber wenn es uns richtig runterreißt, wird man noch weniger bereit sein, z.B. unbegleitete Kinder nach Deutschland zu holen. – Susanne Jungbecker

 

Leserbrief in drei Fassungen:Meine Kollegin und ich hatten eben sohoffnungsvoll unsere Lesereise begonnen. Als es anfing ernster zu werden, funktionierten wir unsere Lesung zur Finissage zur Ausstellung „PLANET IM AUFBRUCH“ am 29. März in der Neuen Holländerei in Meldorf noch zu einer „Geisterlesung“ zu einzelnen Kunstwerken um – aber dann wurde es schlimmer … Ich leb überwiegend im Kopf, schon immer: Am 27. März (2020) war ich mit meinem Mann in der Elbphilharmonie (zum ersten Mal, wir wollten das schon lange). Es spielte ein Orchester, das mit MusikerInnen aus aller Welt das 20. Jahrhundert interpretierte. Ich bin tief davon erfüllt …

In Wirklichkeit ist es bei uns jetzt so: Neben Notwendigem wird viel gelesen. Abends wird gekocht. Wein ist noch da. Gestern eine Radtour mit meiner Tochter in den Frühling. Wenn sie mit unserer Enkelin jetzt mit Eingekauftem kommt, stehen die beiden draußen vor unserer Glaswand nach Norden und wir gucken wie aus Hagenbecks Terrarium. Mein Bruder, der auch auf unserer Insel (der Glückseligen) lebt, kommt jeden Vormittag einen Kaffee bei uns trinken – obgleich meine Tochter es verboten hat. Er öffnet die Tür mit dem Ärmel, sitzt wie beim „Dinner for One“ an der einen Stirnseite des langenlangen Esstisches und wir an der anderen, und dann wird philosophiert – oder – mensch könnte auch sagen – gemeckert: Mir ist jetzt viel zu viel von Geld die Rede. Es ist ja gut, dass der Staat die Wirtschaft stützt. Aber wenn ich überleg, für was alles vorher nicht genug Geld war in diesem reichen Land (für Hartz IV-EmpfängerInnen, PflegerInnen, Schulen, KünstlerInnen, für mehr Menschen, die Zuflucht suchen in unserem Land, in unserem Europa … ), empfinde den Protz-Satz des Bundesfinanzministers, der am 26. März 2020 vom Bundestag in die Welt hinaus ging: „Wir können es uns leisten“unerträglich unüberlegt! Können „wir“ endlich etwas bescheidener und sensibler werden? –

Und: Hoffentlich werden wir jetzt klug und beginnen endlich, uns an den Gegebenheiten auf unserem Planeten zu orientieren, der das Paradies ist, gleichgültig, ob wir es hier wissen oder nicht! Anhang< Flyer zur Lesereise2) Kurzfassung Ich leb überwiegend im Kopf, schon immer: Am 27. März (2020) war ich mit meinem Mann in der Elbphilharmonie (zum ersten Mal, wir wollten das schon lange). Es spielte ein Orchester, das mit MusikerInnen aus aller Welt das 20. Jahrhundert interpretierte. Ich bin tief davon erfüllt … In Wirklichkeit ist es bei uns jetzt so: Neben Notwendigem wird viel gelesen. Abends wird gekocht. Wein ist noch da. Gestern eine Radtour mit meiner Tochter in den Frühling. Wenn sie mit unserer Enkelin jetzt mit Eingekauftem kommt, stehen die beiden draußen vor unserer Glaswand nach Norden und wir gucken wie aus Hagenbecks Terrarium. Mein Bruder, der auch auf unserer Insel (der Glückseligen) lebt, kommt jeden Vormittag einen Kaffee bei uns trinken – obgleich meine Tochter es verboten hat.

Er öffnet die Tür mit dem Ärmel, sitzt wie beim „Dinner for One“ an der einen Stirnseite des langenlangen Eßtisches und wir an der anderen, und dann wird philosophiert – oder – mensch könnte auch sagen – gemeckert: Mir ist jetzt viel zu viel von Geld die Rede. Es ist ja gut, dass der Staat die Wirtschaft stützt. Aber wenn ich überleg, für was alles vorher nicht genug Geld war in diesem reichen Land (für Hartz IV-EmpfängerInnen, PflegerInnen, Schulen, KünstlerInnen, für mehr Menschen, die Zuflucht suchen in unserem Land, in unserem Europa … ), empfinde den Protz-Satz des Bundesfinanzministers, der am 26. März 2020 vom Bundestag in die Welt hinaus ging: „Wir können es uns leisten“unerträglich unüberlegt! Können „wir“ endlich etwas bescheidener und sensibler werden? –

Und: Hoffentlich werden wir jetzt klug und beginnen endlich, uns an den Gegebenheiten auf unserem Planeten zu orientieren, der das Paradies ist, gleichgültig, ob wir es hier wissen oder nicht!3) Ganz kurze FassungMir ist jetzt viel zu viel von Geld die Rede. Es ist ja gut, dass der Staat die Wirtschaft stützt. Aber wenn ich überleg, für was alles vorher nicht genug Geld war in diesem reichen Land (für Hartz IV-EmpfängerInnen, PflegerInnen, Schulen, KünstlerInnen, für mehr Menschen, die Zuflucht suchen in unserem Land, in unserem Europa … ), empfinde den Protz-Satz des Bundesfinanzministers, der am 26. März 2020 vom Bundestag in die Welt hinaus ging: „Wir können es uns leisten“unerträglich unüberlegt! Können „wir“ endlich etwas bescheidener und sensibler werden? – Und: Hoffentlich werden wir jetzt klug und beginnen endlich, uns an den Gegebenheiten auf unserem Planeten zu orientieren, der das Paradies ist, gleichgültig, ob wir es hier wissen oder nicht! – Marlies Jensen-Leier

 

Heilung durch Geld“ setzt voraus, dass das Geld rechtzeitig an die Frau/den Mann kommt, d.h. ehe vielfache Zahlungsunfähigkeit von Unternehmen und Menschen zu einer Welle von Insolvenzanträgen und damit zu einem größeren Stimmungstief führt, das nach Abflachen der Infektionen alles viel schwerer wieder in Gang bringen würde. Die ZEIT vom 26. März fragt somit trefflich, ob das Geld „schnell genug“ kommt. Demgemäß war dem politischen Berlin als erstes vorzuschlagen, die 3-wöchige gesetzliche Frist der Antragspflicht bei Insolvenz auf 6 Monate zu verlängern. Genau diese Fristverlängerung beinhaltet das am 27. März in Kraft getretene Schutzschirmgesetz. Die Bundesregierung sowie Bundestag und Bundesrat haben auch insoweit sachdienlich und schnell reagiert. – Frank Müller-Thoma

 

Die „heilige Corona“ (auch: Korona oder Stephana) lebte um 160 bis 177 nach Christi, in Ägypten oder in Syrien und soll eine frühchristliche Märtyrin gewesen sein. Sie ist die Patronin des Geldes, der Fleischer und der Schatzgräber. „Corona Extra“ (auch: Coronita Cerveza) ist eine mexikanische Biermarke, die es seit 1925 gibt, Inhaber ist die „Grupo Medelo“. Für den europäischen Markt wird „Corona Extra“ in Belgien (Zutaten sind: Wasser, Gerstenmalz, Mais und Hopfen; Alkoholgehalt: 4,5%vol.) gebraut. Seit der „Corona-Krise“ soll der Absatz von „Corona Extra“ stark eingeknickt sein. Das „Coronavirus“ ist jetzt unsere Seuche, eine sogenannte globale Pandemie, vergleichbar etwa mit der „Spanischen Grippe“ (Influenzavirus-Pandemie), die zwischen 1918 bis 1920 in Europa grassierte; ca. 25 Millionen Menschen fanden damals, dadurch den Tod, die meisten von ihnen waren zwischen 20 bis 40 Jahre alt.

Die Politiker heutzutage, nebst den zum Teil selbsternannten „Coronavirus-Experten“, die zeigen sich auch ziemlich macht- und ratlos gegenüber dem Virus, und haben daher erstmals der Bevölkerung ein paar Wochen „Hausarrest“ aufgebrummt! Der Mensch, die „Krone („Corona“) der Schöpfung“, der ist so stark verunsichert, dass er aus lauter Verzweiflung, stapel- und tonnenweise Klo-Papier hortet, um sich damit ständig den „Allerwertesten“ auszuputzen. Das Coronavirus rafft meist alte bis sehr alte Menschen, mit erheblichen Vorerkrankungen, dahin. – Klaus P. Jaworek

 


 

 

Leserbriefe zu „Jetzt holen sie das Geld zurück“ von Manuel Daubenberger und Felix Rohrbeck

 

„Endlich“, möchte man voller Erleichterung ausrufen. Wie unendlich lange mußten wir warten, bis endlich der Nationalstaat umnißvertändlich dem dreisten Steuerbetrug eines kriminell- organisierten Kartells aus Politik, Banken, Promi-Millionären und weiteren Millionären mit allen Mitteln des Rechtsstaat entgegentrat. Wie unendlich lange mußten wir warten, bis endlich ein Richter-Courage in einfachen aber deutlichen Worten klarstellte, was Millionen von ehrlichen Bürgern für selbstverständlich halten, nämlich, „daß wir eben nicht in einer Welt leben wollen, in der jeder jeden bescheißt“. Die gesamte politische Elite sollte sich an Richter Roland Zicker ein Beispiel nehmen.

Ganz offensichtlich ist ihm noch nicht das Bewußtsein abhanden gekommen, daß es auch in der Bundesrepbulik seit Jahrzehnen einzelne kriminelle Kartelle rund rum raffgierige Millionäre und deren Vasallen in Banken, Rechtsanwalt- und Steuerberatungskanzleien und in politischen Institutionen gibt, denen jedes Schamgefühl fremd ist und die sich, nachdem alle Ausreden Ihrer Gutachter, Professoren, Rechts-und Steuerberater eindeutig als Lügen entlarvt sind, auch nicht zu schade sind, sich selber als Opfer zu gerieren. „So what ?“Wie unendlich lange mußten wir warten, bis wir endlich einmal wieder das Gefühl haben, daß Recht-Haben und Recht-Bekommen keine Gegensätze sind, bei denen an Ende immer nur kriminelle Millionäre und deren Vasallen profitieren. So ermutigend das Urteil ist und so bewundernswert die professionelle Aufklärung eines höchst komplexen internationalen Steuerbetrugskonstruktes durch Richter Roland Zickler ist, so erbärmlich ist gleichzeitig das Bild, das das politische Top-Führungspersonal der Republik in diesem Skandal abgibt.

Weder Merkel, noch Steinbrück (in dessen Amtszeit der Skandal hineinreicht), noch Schäuble, noch sonst irgendein Top-Politiker von Gewicht, haben sich zu diesem Steuerbetrug klar und deutlich positioniert, noch hat jemand Verantwortung übernommen, noch hat irgend jemand pro-aktiv geholfen, den Betrug an Millionen von Bürgern mit aller Macht wirklich aufzuklären. Insbesondere Merkle + Schäuble legen beim Cum-Ex-Skandal die gleiche Attitüde an den Tag wie beim NSU-Skandal: Alibi-Statements, Betroffenheit, Versprechen ohne Wert, Null Verantwortung, Null Aufklärung, Null Abschreckung. Das ist ein ganz trauriger Befund, der gleichzeitig erklärt, warum denn das Vertrauen in die Politik immer weiter schwindet. Lassen wir uns also von beruflicher Professionalität, Rechtsstaatlichkeit und Haltung (!) von Richter Roland Zickler leiten. Ein zukunftsweisendes, rechtsstaatliches und mutmachendes Urteil, daß diejenigen, die im großen Stil bescheißen, auch im großen Stil bestraft.

So muß es sein, das hält eine Gesellschaft zusammen, das schafft Vertrauen, das ist das Verständnis von Millionen anständiger deutscher Steuerzahler. Deutschland braucht mehr Richter Roland Zickler, seine Meßlatte gilt jetzt auch für den Bundesgerichtshof in Karlsruhe. Der BGH hat nun die Chance zu bestätigen, „daß wir nicht in einer Welt leben wollen, in der jeder jeden bescheißt“. In jedem Fall ist jetzt schon einmal sehr klar geworden, daß die Antragssteller in Karlsruhe, diejenigen vertreten, die die Mehrheit bescheißt. Von der ZEIT wünsche ich mir, an der weiteren Aufklärung dieses Skandals dran zu bleiben, auch das journalistische Netzwerk zur Aufklärung in die richtige Richtung zu nutzen. – hans-joerg glass

 

Danke für Ihren eindrucksvollen und informativen Bericht. Chapeau und Respekt für Richter Zickler! In Zeiten, wo uns Bürgern Begriffe und Appelle wie „solidarische Gesellschaft“, „soziale Balance“, „Gemeinwohl“ und vieles andere mehr täglich um die Ohren fliegen, wirken die Cum-Ex-Deals wie ein Schlag ins Gesicht. Wo weltweit Millionen Menschen zwischen Hoffen und Bangen, Angst und Unsicherheit schwanken, stellen Großkonzerne wie Deichmann, Adidas, H&M und andere ihre Mietzahlungen ein, machen Spekulanten mit gehorteten Waren Wucherpreise. Wo Kleinunternehmen und Minijobber, Handwerker und Künstler um ihre Existenz bangen, wo Krankenhäuser händeringend nach Pflegepersonal und Bettenkapazitäten suchen -die renditegeile Verwaltungen und Gesundheitskonzerne in den vergangenen Jahren entlassen und reduziert haben- stellt sich nun hoffentlich die Frage nach der Sinnhaftigkeit und einer auf Dauer Überlebens fähigen, zunehmend egozentrierten Gesellschaft. Der Staat stellt Milliarden Euro als Hilfspakete zur Verfügung -es sind unsere Steuergelder- und einige skrupellose Finanzjongleure reißen sich Millionen davon unter den Nagel.

Appelle, Videobotschaften, Statements von Politikern, Künstlern, Sportlern, Journalisten u.a. sind gegenwärtig sicher sinnvoll. Ihre Wahrhaftigkeit wird sich aber erst zeigen, wenn die weltweite Krise überwunden ist, wann immer das sein wird. Nicht erst nach der Flüchtlingskrise, auch jetzt offenbart sich zudem das fragile Gebäude eines gemeinsamen Europas. Abschließend bleibt nur zu hoffen, dass sich Richterkollegen von Herrn Zickler in zu erwartenden Folgeverfahren ein Beispiel an dessen Zivilcourage und klarem Verständnis von Recht und Gerechtigkeit nehmen. Sonst besteht irgendwann die Gefahr, dass die Beantwortung seiner Frage am Schluss („Wollen wir wirklich in einer Welt leben, in der jeder jeden bescheißt?“) zu Anarchie und Terror führt. – Dr. Bernhard Genzel

 

Am Ende eines Prozesses wirft ein Vorsitzender Richter eines bundesdeutschen Gerichtes eine bemerkenswerte Frage in den Raum „Wollen wir wirklich in einer Welt leben, in der jeder jeden bescheißt?“. Für mich hat dieser Vorgang eine besondere Bedeutung. Er zeigt mir, dass die freiheitlich – demokratische Grundordnung basierend auf unserem Grundgesetz und das dazugehörige Korrektiv der Rechts- staatlichkeit in Takt ist. Es gibt ein Grundvertrauen, auch gerade wegen zu hinterfragender Entwicklungen und es verhindert den Optimismus zu verlieren, dass sich die Zukunft weiterhin zum Wohle der Gesellschaft entwickeln kann. Die Cum – Ex Geschäfte verfolge ich von Anbeginn. Zu verdanken habe ich das dem Firmengründer des AWD. Jenes Unter- nehmen, was sich im Nachhinein betrachtet, wie eine Heuschrecken- plage über den Osten ausbreitete. Ich lernte das Unternehmen gleich Anfang 1990 kennen, in der Überzeugung, dass an Finanz- dienstleistungen in der „neuen Gesellschaft“ Bedarf besteht. Vom Fakt her traf das zu. Aber meine schon in DDR – Zeiten entwickelte Ange- wohnheit Dinge zu hinterfragen, liess schon bald meine Zweifel an der Unternehmenskultur aufkommen.

Im Kern ging es immer um diese un- sägliche Rhetorik, in der immer das Gefühl des „über den Tisch ziehen“ mitschwang. Schluss war für mich an dem Zeitpunkt, wo wir neuen Mitarbeiter die Steuerfahndung zu Hause hatten. Ein einschneidendes Erlebnis in der neuen bundesrepublikanischen Welt. Nach klärenden Gesprächen wurden die Verfahren eingestellt. Aber wer hatte uns das eingebrockt? Jener Self – Made Milliardär, der zu jeder Zeit genau wusste was er tat um seinen Traum zu verwirklichen? Und bei den Cum – Ex Geschäften war er ahnungslos? Mir geht es wie Richter Zickler. Cum – Ex Geschäfte sind auch für mich Illegal und somit kriminell. Dazu brauchte es keinen Sachverstand, das sagte mir der gesunde Menschenverstand und eine Oma, die immer mal mit dem Satz „Mein Junge das tut man nicht“ um die Ecke kam. Mein Dank geht an den Vorsitzenden Richter. – Stephan Mücke

 

Dass nach dem Bonner Urteil um die Cum-Ex-Geschäfte von den Betroffenen immer noch Revision eingelegt wird, ist beschämend. Banker und Rechtsanwälte suhlen sich hier in einem Sumpft von Paragrafen, die das vermeintliche Recht unterstreichen sollen anstatt Gerechtigkeit und Anstand. Gott sei Dank – es gibt gewissenhafte Richter! – Dr.Martin Grau

 

Zwei zentrale Fragen stellen sich mir als Hamburger citoyen: Erstens: Allein die in Rede stehende Größenordnung des noch unter rechtsstaatlichem Vorbehalt durch die Finanzgerichte stehenden Cum-Ex-Steuerbetrugsvorwurfs dürfte alle zuvor in der Bundesrepublik bekannt gewordenen Steuermanipulationen in den Schatten stellen. Dass die rechtsstaatliche Auf- und Abarbeitung Zeit benötigt, ist klar. Indes zeichnet sich ab, dass der Kern des Betrugsvorwurfes auf die Mehrfachgeltendmachung von Ertragssteuergutschriften zielt. Ein Schneeballsystem ohne Gleichen. Dass die Hinweise der Kölner Staatsanwaltschaft von der zuständigen Finanzbehörde zunächst rein formal beantwortet wurden, ist erklärungsbedürftig. Ist es nicht üblicherweise so, dass Steuerveranlagungen bei strittiger Auslegung des Rechtsrahmens regelmäßig vorläufig ergehen?. Dies um das Gemeinwesen vor Einnahmeausfällen zu bewahren und möglicher Verjährung wirksam zu begegnen.

Ein geänderter Abgabenbescheid, im konkreten Fall über zunächst 47 Mio Euro, löst zunächst keinen Rechtsstreit aus, sondern dient der Sicherung einer Rechtsposition bis zur abschließenden Klärung durch die Finanzgerichte. Die interne Bewertung des zuständigen Hamburger Finanzamtes schien dies zu beabsichtigen, weshalb die abschließende Prüfung durch die Finanzbehörde selbst erfolgte. Rechtlich relevanter Ermessensspielraum für die bewußte Inkaufnahme einer Verjährung oder das Aushandeln eines Billigkeitserlasses ist nicht erkennbar, allenfalls dass potenziellen Steuerbetrügern die Rückerstattung eines wesentlichen Teiles ihrer Beute erlassen würde und sich eine steuerstrafrechtliche Beurteilung durch die Finanzgerichte damit erübrigt. Ein in besonderer Weise gegenüber der Öffentlichkeit erkärungsbedürftiger Vorgang.

Zweitens: Jenseits der Verwaltungsebene stellt sich die Frage nach der politischen Haltung des fachpolitisch zuständigen Senators. Den einzig auch politisch relevanten Maßstab markieren dabei Gemeinwohlinteressen. De jure ist die Finanzverwaltung natürlich unabhängig, de facto stellt sich die Frage nach guter politischer Führung. Wenn eine sozialdemokratisch politisch geführte Finanzbehörde billigend in Kauf nimmt, dass Abgabenbescheide nicht geändert werden obwohl relevante Urteile der Finanzgerichte in Kürze erwartet werden, oder Billigkeitserlasse vorbereitet wurden, die sodann vom Bundesfinanzministerium kassiert werden, entsteht in der Öffentlichkeit der Eindruck, dass hier unsolidarisch zu Lasten der res publica gehandelt wird. Gute politische Führung geht anders: Für das Recht, ohne wenn und aber! Ich bin zuversichtlich, dass die Finanzgerichte dem Recht Geltung verschaffen werden.

Die Mehrfachgeltendmachung einer Steuergutschrift für ein einmal getätigtes Geschäft verstößt gegen die Guten Sitten und ist schon deshalb illegal. Einer expliziten auf den Einzelfall zugeschnittenen Regelung im Steuerrecht bedarf es dazu denknotwendig nicht. Ob es illegitim ist, beantwortet sich schon aus dem Motiv dieser rechtsmissbräuchlichen Steuergestaltung: Gier und wissentlicher Betrug an der res publica. Dieses ist mit den Grundsätzen eines Ehrbaren Kaufmanns, jedenfalls in Hamburg, schlicht unvereinbar. Richter Zickler gebührt unser aller Dank für dieses richtungsweisende Grundsatzurteil. Der Überprüfung dieses Urteils vor dem BGH kann mit großer Gelassenheit abgewartet werden, ist doch der von der Warburg Bank einzuziehende Betrag, mithin 177 Mio € dank Verzugszinsen erstmals eine für das Gemeinwesen in Zeiten von Negativzinsen rentierliche Anlage. – Dr. Roland Lappin

 


 

 

Leserbriefe zu „»Jahrgang mit dem besten Abi-Schnitt«“. Gespräch mit Olaf Köller geführt von Martin Spiewak

 

Mir ist bewusst, dass das Interview noch vor der am Mittwoch von der Kultusministerkonferenz geschlossenen Entscheidung geführt wurde. Nichtsdestoweniger geht der interviewte Bildungsforscher Olaf Köller auf einige entscheidende Aspekte, die für eine Absage der Abiturprüfungen und anderer anstehender Abschlussprüfungen sprechen, in seinen Ausführungen nicht ein und kommt so fälschlicherweise zu dem Schluss, dass der Vorschlag der schleswig-holsteinischen Bildungsministerin Karin Prien, abzulehnen sei.

Der offensichtlichste, wenn auch meiner Ansicht nach nicht der entscheidende Gesichtspunkt ist der gesundheitliche. Selbstverständlich zählt die Schülerschaft überwiegend nicht zu den sogenannten Risikogruppen. Aber – es mag manch einen überraschen – es gibt auch unter jungen Menschen Diabetiker und Asthmatiker und auch andere Vorerkrankungen machen vor Menschen jungen Alters nicht halt. Von Schülern mit diesartigen Vorerkrankungen zu verlangen, sie mögen ihre gesundheitlichen Sorgen während ihren Abschlussprüfungen doch mal für einige Stunden verdrängen und sich auf ihre Klausuren konzentrieren, ist unsolidarisch und wird in keinem Fall dem Anspruch der schulischen Fairness gerecht.

Auch Schüler ohne eigene Vorerkrankungen können gesundheitliche Bedenken haben, aufgrund derer zurzeit die Fokussierung auf die Prüfungsvorbereitung und -ablegung nicht gegeben ist. Erstens kann es in Einzelfällen auch bei jungen Menschen ohne Vorerkrankungen zu schweren Krankheitsverläufen kommen. Und zweitens werden sich mitten im exponentiellen Wachstum der Pandemie auch Töchter oder Söhne von Eltern, die aufgrund von Vorerkrankungen oder ihres Alters als Risikopatienten gelten, nur sehr ungerne in den Infektionsherd Schule zurückbegeben. Diese Sorgen verschwinden durch Abstandsregeln oder schärfere Hygienmaßnahmen nicht. Und das zu Recht. Auch wenn zwischen jedem Tisch zwei Meter Abstand liegen – Wenn sich ein Schüler auf Toilette begibt oder seine Klausur abgibt, kommt es zwingend zu Berührungspunkten. Zudem werden unausweichlich Begegnungen im Treppenhaus und vor den Prüfungsräumen stattfinden.

Der bedeutsamste Aspekt ist für mein Empfinden allerdings der soziale. Die ohnehin immer präsente soziale Spaltung im Bildungssystem zum Nachteil der gesellschaftlich unterpriviligierten Schülerschaft würde enorm verschärft werden, sollten die Abschlussprüfungen tatsächlich nach derzeitigem Plan durchgeführt werden. Ich belege die Fächer Geschichte und Biologie im Leistungskurs. Glücklicherweise haben wir in Geschichte den im Lehrplan vorgesehenen Stoff bereits vor Beginn der Schulschließungen abgeschlossen, sodass sich nun niemand in selbstständigem Online-Homeschooling noch neue Unterrichtsinhalte aneignen muss. In Biologie fehlt uns dagegen noch der überwiegende Teil des Unterrichtsblocks Evolution, einem der vier Blöcke, die im Verlauf der zwei Abiturjahre erarbeitet werden müssen. Die meisten von uns sind zum Glück ausreichend priviligiert um zuhause einigermaßen ungestört und effizient lernen zu können.

Wer über einen eigenen Computer und ein eigenes Zimmer verfügt, dem ist es möglich, in dieser Ausnahmesituation von zuhause zu lernen. Allerdings lässt es sich nun mal schlechter digital lernen, wenn die Familie eben nicht über die nötige Ausstattung verfügt oder wenn der einzige PC der Familie derzeit von dem Familienvater oder der Familienmutter für das Home Office verwendet wird. Und eine gute Vorbereitung auf eine Abschlussprüfung gestaltet sich nun einmal schwieriger, wenn man sich sein Zimmer mit drei Geschwistern teilt. Diese Schüler würden sich unter normalen Umständen zur Prüfungsvorbereitung vielleicht in die Bibliothek begeben, Nachhilfe nehmen oder sich in Lerngruppen organisieren. All dies ist derzeit nicht möglich. Dementsprechend ist die Entscheidung, die Abiturprüfungen entgegen aller Vernunft durchzuboxen, ein gehöriger Mittelfingerzeig an alle sozial benachteiligten Schüler. Mit dieser Entscheidung kann man sich die gesamte Sozialförderungsarbeit im Bildungswesen der letzten Jahrzehnte in die Haare schmieren und wieder ganz von vorne anfangen.

Die finale, jedoch ebenfalls nicht zu vernachlässigende Facette ist die psychologische. Viele Schüler sind Kinder von Eltern, die im Zuge der Pandemie derzeit in die Arbeitslosigkeit zu rutschen drohen oder es bereits sind. Diesen Menschen ist es nicht möglich, sich gut auf ihre Abiturprüfungen vorzubereiten. Wer sich aktuell Existenzängsten und Sorgen um die familiäre Zukunft ausgesetzt sieht, der darf nicht dazu gezwungen werden, in dieser Situation seine Abschlussprüfung zu absolvieren. Das gleiche gilt für Schüler, deren Angehörige oder enge Freunde mit dem Sars-CoV-2 infiziert sind. Von einem Schüler eine fokussierte Arbeitsweise zu verlangen, während sich dessen Großmutter oder bester Freund auf der Intensivstation befindet, ist empathielos und grausam.

Aus den vorangehend angeführten Gründen empfinde ich die Absage der Abiturprüfungen als unausweichlich. Die vermeintlichen Gründe dagegen, die mitunter auch Herr Köller im Interview anführt, sind darüber hinaus vorgeschoben und zu vernachlässigen. Die Sorge nach einem Abitur zweiter Klasse ist beispielsweise völlig unberechtigt. Die Bundesländer, und damit auch die Universitäten und Betriebe, haben mehrfach betont, dass sie die gegenseitigen Abschlüsse anerkennen werden. Abgesehen davon kann es sich eine Universität oder ein Betrieb überhaupt nicht leisten, einen gesamten Jahrgang nicht aufzunehmen, wie manche befürchten. Ein weiterer Effekt von Abschlüssen ohne Abschlussprüfungen, den einige mit Sorgen sehen, ist ebenfalls zu vernachlässigen: Es ist klar, dass die Durchschnittsnoten ohne Abschlussprüfungen dieses Jahr besser ausfallen würden. Damit geht allerdings keinerlei Problem einher. Die Universitäten und Betriebe würden ihre Anforderungen schlicht neu evaluieren, wie sie es jedes Jahr tun, wenn die Ergebnisse feststehen. Wenn die Durchschnittsnote beispielsweise durch die Absage der Abschlussprüfungen um zwei Zehntelnoten höher liegt als üblich, dann liegt der NC für einen Medizin-Studienplatz eben nicht mehr bei einem Schnitt von 1,4, sondern bei 1,2.

Abschließend möchte ich noch auf eine absehbare Kritik an meiner Position eingehen. Die gesamte Thematik könnte mir aus rein egoistischer Sichtweise völlig egal sein. Erstens verfüge ich über einen eigenen PC und muss mir mein Zimmer mit niemandem teilen. Das Homeschooling trifft mich persönlich also nur wenig. Zudem wird mein Abitur – ob mit oder ohne Abiturprüfung – aller Voraussicht nach sehr gut ausfallen. Dessen ungeachtet finde ich es unerträglich, dass Mitschüler überall im Land auf der Strecke bleiben werden, sollten die Abschlussprüfungen unter den vorab erläuterten Umständen tatsächlich stattfinden. Aus diesem Grund habe ich mich mit diesem Leserbrief an Sie gewandt und hoffe, dass meine Stimme gehört wird. – Lovis Danneck

 

Warum ein Durchschnittsabitur mit einer freiwilligen Teilnahme an den Abiturprüfungen die beste Lösung istIn ganz Deutschland herrscht ein Ausnahmezustand. Eine Situation, die es in der BRD noch nie gegeben hat. Solche Situationen erfordern auch Ausnahmeregelungen. Regelungen die den Mitmenschen helfen, zur Beruhigung der Lage beitragen und die Situation verbessern. Ein viel diskutiertes Thema, welches in dieser Ausnahmesituation ebenfalls eine Ausnahmeregelung benötigt, ist das Abitur. Die Mehrheit der diesjährigen Abiturienten im Kreis Heinsberg fühlt sich in diesen Zeiten nicht bereit für eine so wichtige und ausschlaggebende Prüfung. Würden die Prüfungen wie zum jetzigen Zeitpunkt geplant stattfinden, werden sehr Wahrscheinlich viele Abitur-Schnitte darunter leiden und so Pläne und Perspektiven für die Zukunft der Abiturienten zerstören.

Stellen Sie sich vor, sie sind 12 oder 13 Jahre zur Schule gegangen und haben die Leistung erbracht, die Sie für Ihren Traum benötigen. Und dann fällt Ihnen eine solche Ausnahmesituation in den Rücken, die nahezu die ganze Prüfungsvorbereitung ausfallen lässt, wodurch Sie Ihre finalen Prüfungen vermasseln und Ihre ganzen Pläne zunichtemacht. Das wäre auf jeden Fall ein schreckliches Erlebnis. Doch genau auf dieses Erlebnis steuern diesjährige Abiturienten zu. Natürlich gibt es auch Abiturienten, die die Abiturprüfungen schreiben wollen oder müssen um sich zu verbessern oder um ihren Zielschnitt zu erreichen. Deshalb sollte es in diesem Jahr ein Durschnittsabitur geben, bei dem allerdings die Abiturienten nach eigenem Ermessen entscheiden können ob sie die Abiturprüfungen schreiben möchten oder nicht. Diese Lösung ist ein guter Kompromiss und somit die beste. – jonas

 

Egal, ob das diesjährige Abitur nun doch nach Plan stattfindet oder nicht: Es gibt keine Chancengleichheit für Abiturienten in Deutschland und sie gab es auch nie. Die unterschiedlichen Curricula und Zusammenstellungen der Abschlussprüfungen je nach Bundesland verbietet es, auch nur im Ansatz von einem gleichwertigen Abitur – geschweige denn eines Zentralabiturs – zu sprechen. Wie viele Wege zum Abitur gibt es eigentlich in Europa? In Deutschland haben wir schon sechzehn! Wäre es jetzt nicht an der Zeit, die „Abiture“ inhaltlich und zeitlich auf eine Linie zu bringen? Wir könnten Ressourcen bündeln, die an anderen Stellen dringender gebraucht würden. – Sabine Haupt

 

Wie der Bildungsföderalismus in Deutschland versagtWir stehen am Anfang einer Pandemie. Jeden Tag lesen wir Nachrichten über steigende Infektionen und Todeszahlen auf der ganzen Welt. Das Leben ist in vielen Bereichen bereits stark eingeschränkt. Im Politikunterricht habe ich gelernt wie der Bildungsföderalismus in Deutschland funktioniert, jedes Land hat die Souveränität selbst über das Bildungssystem des Bundeslandes zu entscheiden. So können die Länder neue Systeme entwickeln, welche zu einer Verbesserung des Bildungssystems führen würden. Eines der Themen welches im Politik Abitur rankommen könnte, ist genau dieser Bildungsföderalismus. Wenn ich mir vorstelle am 22.4. mein Politik Abitur zu schreiben, fühlt sich das falsch an. Meine Aufgabe wäre es die Vorteile des Föderalismus in einem politischen Urteil zusammenzufassen.

Ich finde die Idee des Bildungsföderalismus gut, aber diesen in einer Abi Klausur zu loben, obwohl ich weiß, dass er in Deutschland nicht funktioniert wäre Heuchelei! Am 12. März einigten sich die Kultusminister der Länder bei einer Videokonferenz, die Abiturprüfungen in allen Ländern stattfinden zu lassen (dabei selbst geschützt in eigenen vier Wänden). Die Bildungsministerin von Schleswig-Holstein Karin Prien wollte die Prüfungen bereits im eigenen Bundesland ausfallen lassen, wurde dann aber von den Ministern der anderen Länder überzeugt, doch schreiben zu lassen. Die Souveränität im Bildungsföderalismus wurde meiner Meinung nach dabei getötet. Es gibt zahlreiche Nachteile, die für uns Abiturienten entstehen, es können keine produktiven Lerngruppen gebildet werden. Minütlich lenken mich Nachrichten über den Verlauf des Covid-19 Virus ab. Einige helfen ihren älteren Nachbarn beim Erledigen von Besorgungen. Die Termine für die Prüfungen wurden bereits verschoben und liegen nun zeitlich näher aneinander. Das macht das fachspezifische Lernen deutlich schwerer. Jedes Mal, wenn ich mich an Mathe Aufgaben setze, habe ich tausend andere Dinge im Kopf und keines davon betrifft die E Funktionen.

Die psychische Belastung durch die Ausbreitung des Virus hindert mich daran, konzentriert zu lernen. Ich habe sehr dünne Wände und höre den täglichen Streit meiner Nachbarn mit. Ich kanns ihnen auch nicht verübeln, wenn man die ganze Zeit in der Wohnung aufeinander hockt. Im Park lernen darf ich aber auch nicht, die ganzen Jogger dürfen sich jedoch bei schönem Frühlingswetter in Berlin auf den Bänken ausruhen. Andere Abiturienten haben Geschwister und müssen sich vielleicht ein Zimmer teilen in dem konzentriertes lernen nicht möglich ist. Die Bibliotheken, welche zum ruhigen Lernen geeignet wären sind auch geschlossen. Allein wegen dieser unfairen Prüfungsbedingungen kann unser Jahrgang nicht mit anderen verglichen werden und eine Sonderregelung in Form des Notabiturs muss her. Jeder erhält ein Abitur aus dem Notendurchschnitt der letzten vier Semester. Die ganzen Argumente wurden bereits in einem Brief an unsere Bildungssenatorin Sandra Scheeres geschickt.

Wir stehen am Anfang einer globalen Pandemie, sämtliche Bereiche sind bereits eingeschränkt, aber mehrere Schüler in einem Raum zusammen Prüfungen schreiben zu lassen ist der „Einheitlichen“ Meinung der Kultusminister nach moralisch vertretbar! Unsere Petition für eine Absage der Abiturprüfungen hat bereits 131.000 Unterschriften (Stand: 31.3.2020). Das Abitur ist mehr als diese letzten Prüfungen. Wir schreiben seit zwei Jahren regelmäßig Klausuren und sammeln mündliche Noten, das alles fließt zu zwei Dritteln ins Abitur ein. Somit haben wir meiner Meinung nach schon genug bewiesen, die allgemeine Hochschulreife zu besitzen. Ein Festhalten an den Abi Prüfungen würde mir zeigen, dass der Bildungsföderalismus in Deutschland nicht funktioniert. Berlin hat eine scheinbar liberale Rot, Rot, Grüne Regierung, die sich von konservativen Entscheidungen distanzieren möchte. Warum handelt sie dann nicht auch so? Ich bitte hiermit Frau Scheeres sich den Brief mit zahlreichen Gründen für ein Verzicht auf Abi Prüfungen zu Herzen zu nehmen und sich für uns einzusetzen. – Anton Schoth

 


 

 

Leserbriefe zu „Verletzliche Supermacht“ von Andrea Böhm et al.

 

Was stirbt zuerst, das menschliche oder das wirtschaftliche Leben? Eine Frage, die mich sehr verwundert. Ich dachte bisher, es sind Menschen, die die Wirtschaft am laufen halten. Sterben sie, stirbt auch die Wirtschaft. – Angelika Adler

 

Bitte machen Sie nicht auch den Fehler wie viele andere Medien, die Zahl der positiv Getesteten mit der Anzahl an Erkrankten oder Infizierten gleichzusetzen (wie z.B. in dem im Betreff genannten Beitrag, aber auch an ganz vielen anderen Stellen ist das schon geschehen). Die wahre Anzahl an Infizierten ist unbekannt. Auch die Entwicklung der Anzahl der positiv Getesteten (die Kurve, die so viele abflachen möchten) sagt alleine nichts über die Ausbreitung des Virus aus. Zeigen Sie diese Kurve am besten nicht mehr, sie ist irreführend. Auch die Todesrate ist nicht verlässlich abschätzbar mit den vorhandenen Daten und es ist gefährlich, diese ohne weitere Erklärung zu berechnen und zu benennen.

Ich habe dazu einen kurzen Beitrag geschrieben, falls Sie an weiteren Erläuterungen zu dem Thema interessiert sind: https://www.uni-goettingen.de/349152/document/download/4bde6975c222c3aec5fbb06aeb0c4264.pdf/Ausbreitung_COVID_19.pdf?fbclid=IwAR16t18rUbK15ehpvuJlhhB30ZtoWAPm77ECALqowIrKyWyNzK3FfuLGZJUDesweiteren kann ich auch gerne einen Beitrag in der Zeit schreiben, falls Ihnen das hilft. Das Thema ist einfach zu wichtig um die Öffentlichkeit mit falschen und alarmierenden Interpretationen von Zahlen zu verunsichern. – Peter Pütz

 

Die politische Bedeutung und Effektivität im politischen Handeln beruht auf folgendem Unterschied: Ein chinesischer Staatenlenker denkt bei der Bekämpfung einer lebensbedrohlichen Gefahr an sein Volk, Trump in seinem Narzissmus an sich selbst. Ein Chinese wird zu einem Gemeinschaftswesen erzogen („Kommunismus“), ein US-Amerikaner zu einem Individualisten (Kapitalismus). – Martin Grau

 

Bisweilen fällt es in der Tat außerordentlich schwer, das US-amerikanische Volk auch nur annähernd zu begreifen. Indes, ein Zyniker wohl ist, wer sich bei den Äußerungen des texanischen Vizegouverneurs Dan Patrick hinsichtlich eines ob des Coronavirus drohenden Zusammenbruchs der dortigen Wirtschaft an die berühmten Worte des 35. Präsidenten der USA, John F. Kennedy, erinnert fühlt: „Frage nicht, was dein Land für dich, sondern was du für dein Land tun kannst.“ Oder etwa nicht? – Matthias Bartsch

 


 

 

Leserbriefe zu „2. Darf man viele Menschen finanziell ruinieren, um die Krise zu stoppen?“ von Uwe Jean Heuser

 

Sie haben wieder einen sehr klugen Artikel abgeliefert. Zur Sache will ich mich nicht weiter äußern, weil ich keine Ahnung habe was da noch alles auf die Menschen zukommt. Wie der Redaktion bekannt ist, lebe ich auch in Singapur. Daher weiß ich, daß dort das Leben wie bisher weitergeht. Bis auf die Tatsache, daß die keinen in das Land mehr lassen. Ich leide selbst darunter. Durch ein Telefonat ist mir bekannt geworden, daß in Singapur bisher keiner zu Tote gekommen ist. Auch nicht in den unmittelbaren Länder, wie Malaysia, Vietnam oder Sumatra. In Sumatra gab es Tote aber nicht wegen das Virus sondern durch einen Brückeneinsturz. – Gunter Knauer

 

Herr Dibelius zeigt einem, dass man sich doch selber K.O. schlagen kann. Anders kann man die Frage eines ehemaligen Arztes, der zum Investment-Bänker mutierte nicht interpretieren. Manche Leute wissen wirklich nicht, wann es für einen besser angebracht ist, den Mund zu halten. Die Frage zeigt einem eindeutig, was für eine Geisteshaltung dieser Herr hat. Mitgefühl für andere Personen existiert wohl in seinem Wortschatz nicht! Das die aktuelle Situation volkswirtschaftlich durchaus problematisch werden kann, steht ja außer Frage. – Walter Vaupel

 

Ihr Artikel “darf man viele Menschen finanziell ruinieren, um die Krise zu stoppen” stößt auf meinen Widerspruch. Ich möchte gern Gelegenheit bekommen, das in einem Leserbrief darzustellen. Zitate: “10% geschont, 90% extrem behindert; Menschen gegen Profit aufrechnen; Virologen führen praktisch allein das große Wort und haben die Wahrheit gepachtet”. Das erlebe ich anders und fürchte, es verhält sich anders. Und ist die Gegenüberstellung von Dibelius und Döpfner zuende gedacht? Was heißt 10% geschont? Heißt, 10% nicht sterben lassen? Heißt, nicht in jedem Familienverband eine Mutter (Großmutter) und/oder einen Vater (Großvater) zu verlieren.

Heißt aber auch, alle 90% wären per se’ nicht gefährdet, müßten aber “nur” die 10% versorgen, pflegen bis zum Tod und beerdigen und wären dabei dem wirtschaftlichen Markt nur bedingt verfügbar. Doch die Zahlen 10 + 90 sind unsinnig. Bei genauerem Hinsehen sind es im günstigen Fall 25% und 75%. Zu den 25% gehören in allen öffentlichen und wirtschaftlichen Berufsfeldern viele Führungskräfte, Lehrer, Richter, Manager, Vorarbeiter usf. D.h. die 75% würden nicht nur die Sterbenden zu versorgen haben neben ihrem Beruf, sondern auch die älteren Kollegen ersetzen müssen wie auch die fehlenden Führungspersonen. Ein wirtschaftlicher Total-Kollaps, weil völlig ungeordnet. Was hier grob skizziert ist, wäre in der Praxis hochkomplex.

Doch schon dieses Grob”modell” zeigt, es hat keine Alternative zum Shutdown gegeben (nicht zu diesem späten Zeitpunkt). Die 10% sterben lassen und 90% nicht belasten würde ein nationales Trauma bedeuten mit Folgen für zukünftige Generationen und gleichzeitig ein ungesteuertes wirtschaftliches Chaos auslösen. Da ist die Rettung unserer Eltern und auch der vielen Jüngeren mit Vorerkrankungen verbunden mit dem geordneten Einfrieren großer Teile der Wirtschaft – so niederschmetternd das ist – das einzig Machbare. Eine Aufgabe allerdings ist jetzt eine der wichtigsten: die WHO zu beauftragen, solche Pandemien, die nicht Naturkatastrophen, sondern menschengemacht sind, in Zukunft mit aller Macht zu verhindern. Das “Thema”, Katastrophe zu sagen, wäre angemessener, wird uns alle ewig beschäftigen, dabei stehen wir am Anfang. – Sabine Heuber

 

Das ganze Land praktiziert unter gigantischen wirtschaftlichen und persönlichen Kosten den Lockdown, um die Corona-Epidemie zu verlangsamen. Das finde ich richtig. Der Lockdown ist aber das äußerste Mittel. Wenn man das äußerste Mittel einsetzt, sollten zunächst auch die milderen Mittel ausgeschöpft sein: Das Testen, die Isolierung von Erkrankten und die Nachverfolgung von Kontaktpersonen. Sie tragen doppelt so viel zur Eindämmung der Epidemie bei wie ein Lockdown. Nachzulesen hier: Zeit Online, 21.03.2020, „Kann eine Ausgangssperre die Pandemie stoppen? […] Maßnahmen zur sozialen Distanzierung, also vor allem die Ausgangssperre, hätten die Infektionsrate nur etwa halb so sehr gebremst wie die Isolierung von Erkrankten und die Nachverfolgung von Kontaktpersonen.“

In welchem Umfang Testen und Nachverfolgen praktiziert werden müsste, damit es wirksam ist, ist hier nachzulesen: Zeit Online 04.03.2020 „Aufspüren, testen, isolieren. […] Um Kontaktpersonen von Infizierten sofort zu finden, zu testen und zu isolieren, begannen 1800 fünfköpfige Tracer-Teams – also insgesamt 9000 Mitarbeiter – mit einer beispiellosen Fahndung. Ihr Ziel: Infektionsketten aufspüren und unterbrechen. Die Aufklärungsquote, berichten die WHO-Emissäre, habe 99 Prozent erreicht. […] es war strikt vorgeschrieben, dass zu jedem Abstrich noch am selben Tag ein Ergebnis an die betreuenden Mediziner gemeldet werden muss.“ Der Lockdown ist nur gerechtfertigt und verhältnismäßig, wenn er Teil einer Gesamtstrategie ist, die auch die milderen Mittel (Testen, Isolieren, Nachverfolgen) mit enthält. Leider ist das nicht der Fall! Weiterhin gibt es viel zu wenige Corona-Tests. Ich lebe in Berlin.

Dort werden laut einem Amtsarzt derzeit 2000 Tests pro Tag durchgeführt. In diesem Tempo würde es über fünf Jahre dauern, alle 3,8 Millionen Einwohner/innen auch nur einmal zu testen, geschweige denn mehrfach. Da die Anzahl der Tests nicht ausreicht, werden weiterhin lange nicht alle Menschen getestet, die die typischen Symptome haben. Ebenso wenig klappt die Nachverfolgung der Kontaktpersonen im nötigen Tempo. Wenn jetzt auf Handy-Tracking gesetzt wird, schränkt dies die Freiheitsrechte noch mehr ein. Laut dem Virologen und Epidemiologen Kekulé bringt es epidemiologisch nichts (Kekulés Corona Kompass, Ausgabe vom 30.03.2020). Wichtig wären stattdessen die klassischen Mittel: Testen, Isolieren und Nachverfolgen. – Doris Nithammer

 


 

 

Leserbriefe zu „Flüchtiger Effekt“ von Stefan Schmitt

 

Die Schlussfolgerung von Stefan Schmitt, dass die Pandemie nicht als Analogie für die Klimakrise dient, kann ich nicht ganz nachvollziehen. Vielleicht ist Analogie auch nicht das richtige Wort sondern eher „Gleichnis“. Was sich jetzt wie im Zeitraffer zeigt, ist bei der Klimakatastrophe ein extremes Zeitlupentempo, weshalb es ja so schwer fällt, den Ernst der Lage zu begreifen. Man kann zu leicht verdrängen und bagatellisieren. Wie bei der Pandemie, denken wir zunächst, das betrifft ein einzelnes Gebiet, einzelne Menschen, aber uns doch nicht. Genauso ist es doch beim Klimawandel: das betrifft mich nicht, allenfalls mal eine Insel, die versinkt, wenn der Wasserspiegel steigt, oder Gebiete in Afrika, wenn sie versteppen usw.

Doch es wird in ferner Zukunft uns alle betreffen, denn wir sind eine Welt, das hat uns das Corona Virus gleichnishaft vor Augen geführt. Wie im Zeitraffer sehen wir, was passiert, wenn wir nicht rechtzeitig gegensteuern (siehe Italien), was ich beim Klimawandelt nicht sehen kann, weil es wohl meine Enkel und Urenkel erst richtig zu spüren bekommen, andererseits sehe ich auch, dass ich mit gemeinsamem beherzten Handeln hoffentlich noch etwas verändern kann (Südkorea). Und zu Recht fordern die jungen Menschen von uns Solidarität, so wie sie nun bereit sind für die ältere Generation auf Freiheiten zu verzichten. Denn darauf wird es auch beim Klimawandel ankommen: wir werden auf manche Freiheiten verzichten müssen (unbegrenzte Autofahrten, unbegrenzt fliegen, unbegrenzter Konsum usw.) um die Klimakatastrophe abzuwenden.

Noch haben wir die Freiheit zu entscheiden, wie sehr wir uns einschränken müssen und individuell in welchen Bereichen, doch irgendwann wird uns die Natur die Entscheidungsfreiheit abnehmen. Noch ist ein langsames Ausbremsen eines komplexen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Systems möglich, wie wir das in Deutschland bei der Corona Krise im Zeitraffer getan haben und es geht ja nicht um einen Stillstand, sondern um ein „gesundschrumpfen“. Aber es wird nur gemeinsam gehen und mit der gleichen großen Transparenz, wie in der Corona Krise. Nun haben wir ein Gleichnis für die sonst nicht vorstellbare Klimakatastrophe: die Erde hat Fieber (Erderwärmung) und es droht eine lebensgefährliche Lungenentzündung (Luft- und Wasserverschmutzung). Nutzen wir dieses Gleichnis. P.S. Ich möchte auf die enorme Fülle an Gleichnissen hinweisen, die die momentane Situation für den Klimawandel bietet. Sie schreiben zu recht, dass die momentane Verbesserung der Luftqualität nicht von Dauer sein wird, und man sich nicht in Sicherheit wiegen darf, nun den Klimawandel entscheidend beeinflusst zu haben (deswegen ist der Hinweis, nun werden wir in diesem Jahr unser Klimaziel erreichen reine Augenwischerei). Es ist (Achtung Gleichnis) wie der Jo-Jo Effekt bei einer Diät. Auch der wiegt mich in der Sicherheit, nun habe ich mein Gewicht reduziert, aber auf Dauer stellt sich heraus, dass ich jedes Mal nach so einer Diät mehr zugenommen als abgenommen habe.

Nur eine Ernährungsumstellung wird auf Dauer eine wirkliche Gewichtsreduzierung bringen. Erklären sie das mal den Frauen, das kennt jede und wenn wir das Gleichnis wirklich verstanden haben, dann sind wir eine „Weltmacht“. Ich kann noch weitermachen im Gleichnis. Lasst uns die Forscher (Diätexperten) fragen, welche Diät am ehesten Erfolg bringt. Ist es Intervall fasten, 1 Fastentag pro Woche etc. Welche Nahrungsmittel sind erlaubt (es darf auch 1 Stück Schokolade dabei sein). Es gibt da einen interessanten Ansatz, dass sogar 2 Diättage pro Woche( aber das regelmäßig), an denen ich mich absolut gesund ernähre, reichen, an den anderen Tagen darf ich über die Stränge hauen. Sie verstehen auf was ich hinaus will?

Das ist ja das Problem mit dem Klimawandel, dass Handlung und Wirkung so weit auseinanderliegen, dass man den Zusammenhang nicht mehr erkennt und deshalb leugnen kann. Mit diesen Gleichnissen (und es finden sich sicher noch viel mehr) kann man vielleicht verständlich machen, weshalb auch beim Klimawandel entschlossenes Handeln nötig ist. Ich finde es auch ganz interessant, dass auch bei dieser Krise, Meinungen in Umlauf gesetzt werden, die die Gefahr leugnen: es gibt ja auch jährlich viel Grippetote, das ist auch kein großes gesellschaftliches Thema, ist das Gleichnis für das Argument, dass es schon immer warme und trockene Sommer gegeben hat (Verwechselung Klima mit Wetter ist das Gleichnis für die Gleichsetzung von Corona mit Grippevirus, der unterschlägt, dass wir eben nicht wie bei Grippe eine Herdenimmunität, Impfstoffe und Heilmittel haben, d.h. in diesem Fall wirklich eine Analogie denke ich mal). Auf diese Art und Weise lässt sich die unmittelbare Erfahrung der Menschen nutzen, um ihnen zu verdeutlichen, was beim Klimawandel so schwer zu vermitteln ist. Nicht umsonst benutzt Jesus in der Bibel so viele Gleichnisse, weil er den Menschen mit Hilfe von Alltagserfahrungen eine abstrakte Idee (mit dem Himmelreich ist es wie…) anschaulich näher bringen kann. – Irmtraud Steck

 

Ich finde den Wissensteil in den letzten Wochen sehr schön. Es gelingt Ihnen sehr gut informative jedoch unaufgeregte Beiträge zur Pandemie anzubieten. Das ist sehr wertvoll für mich als Leser. – Marko Becker

 

Der Titel ist wohl leider berechtigt. Der positive Einfluss der Corona-Pandemie aufs Klima (auf Grund erzwungener Einschränkungen) wird nur ein flüchtiger Effekt sein. Dies obwohl viele Menschen bereit wären, Einschränkungen zu akzeptieren, um das gute Fortbestehen der Menschheit zu sichern. Der Grund warum dies nicht genutzt werden kann, ist folgender: Vollbeschäftigung ist nötig, um Perspektiven und Lebensgrundlagen zu verteilen. Dafür ist aber Wachstum nötig, um die nötigen Arbeitsplätze zu schaffen. Fehlen diese, werden Ersatz-Perspektiven gesucht (durch hohe Geburtenrate oder Hinwendung zu radikalen Ideologien). Beispiele für solche negative Entwicklungen gibt es genug.

Interessant an den im Artikel abgebildeten Satellitenbildern ist, dass sowohl in Nordkorea als auch in Taiwan fast keine (durch Stickoxyd verursachte) Umweltbelastung gemessen wurde und sich daher in diesen Gebieten durch Corona auch nichts geändert hat. Auch Nordkorea kann als Beispiel (schlechtes und gutes) dienen. Zum Beispiel ist Nordkorea auf Transferleistungen (etwa aus China) angewiesen, um seine Bevölkerung zu ernähren. Transfer ist hier ein wichtiges Stichwort. Die Ursache für den Unterschied zwischen Taiwan und China liegt vielleicht darin, dass Chinas Energiebedarf auch durch Kohle gedeckt wird, was in Taiwan nicht der Fall ist. Natürlich wäre es ein gutes Signal fürs Umdenken, wenn sich herausstellte, dass die gute Situation in Taiwan durch intelligente Methoden bewirkt wurden. Aber wie könnten brauchbare Methoden aussehen?

Der Druck, der Vollbeschäftigung nötig macht, muss entfernt werden. Etwa dadurch, dass man ein Recht auf Arbeit formuliert. Etwa so: Jeder hat ein Recht auf Arbeit, in dem Masse in dem er durch seinen massvollen Konsum selbst Arbeit schafft. Wenn sein Einsatz nicht gebraucht wird, hat er trotzdem Recht auf massvollen Konsum. Wird sein Einsatz benötigt, hat er die Pflicht diesen zu leisten. Ausserdem muss es eine Pflicht geben, das nötige zu tun, damit dieses Prinzip wirksam wird. Das betrifft insbesondere Faktoren, die für den Klimawandel verantwortlich sind: zu hohes Bevölkerungswachstum und zu hoher Konsum. Kein Naturgesetz sagt, dass es unmöglich ist, den Klimawandel wirksam zu begrenzen. Umgekehrt sorgen Naturgesetze dafür, dass unkontrolliertes Wachstum auch auf brutale Art und Weise begrenzt werden kann. Dies ist ein Argument dafür, sich die Grenzen rechtzeitig selbst zu setzen.

Natürlich geht’s da um ein sehr komplexes Thema, das aber zu wenig behandelt wird. Das war vielleicht auch der Grund, warum ein Industrieller anno 1991 einen Wettbewerb (anlässlich der 700 Jahrfeier der Schweiz, dotiert mit 50000 SFr) zum Thema «Vision einer permanenzfähigen Weltgesellschaft» ausschrieb. Über 1000 Wettbewerbsbroschüren wurden versandt (z.B. auch in die UdSSR, Andorra und Südafrika). Aus den 179 in der ersten Phase (für die Jury anonym) eingegangenen Ideenskizzen wählt die Jury 20 erfolgversprechende Ansätze aus und lud die jeweiligen Teilnehmer zur Ausarbeitung ihrer Vorstellungen im Rahmen eines Essays ein. 17 Beiträge gingen ein. Mein Beitrag (unterm Code Ladakh) erhielt einen der vier mit je 8000 SFr. dotierten Preise.

Interessant war nun aber die Reaktion der Presse: Aufruf und Resultat des Wettbewerbs waren jeweils in ganzseitigen Anzeigen in den fünf grössten Schweizer Zeitungen veröffentlicht worden. Diesen Zeitungen schickte ich nach Abschluss eine Broschüre mit den 4 prämierten Beiträgen und bot einen Artikel über den Wettbewerb an. Resultat Null. 25 Jahre danach veröffentlichte ich zum selben Thema bei BoD das Buch «Die Technik reicht nicht» und schickte je ein Exemplar an die fünf Zeitungen mit Rückporto. Resultat: drei Rücksendungen, zwei ohne, eine mit Begründung. Zwei Zeitungen hatten anscheinend Interesse, weil die Bücher nicht zurückkamen, antworteten aber nicht. Eine wissenschaftliche Zeitung schrieb mir in Zusammenhang mit einem meiner dort veröffentlichten Leserbriefe: «Leider können wir Ihr Buch nicht rezensieren. Denn wir stellen prinzipiell keine „Books on Demand“ vor, sondern nur solche, die das Lektorat eines Verlags geprüft hat.» Offensichtlich besteht weiterhin eine Lücke beim Behandeln des hier skizzierten Themas und es ist zu hoffen, dass sie rechtzeitig geschlossen wird. – Gernot Gwehenberger

 

Diese gute Nachricht, die dürfte die Landwirtschaft bis ins „Mark und Bein treffen“! Dank „Corona“ (Virus) und Julia Klöckner (Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz), dürfen die Landwirte wieder völlig hemmungs- und bedenkenlos ihre Äcker und Felder, bis weit hinein ins Jahr 2021, zu- und dichtdüngen, eben eine Art „Corona-Freifahrtschein für die Fluren“. Fast gleichzeitig hat der bayerische Staatsminister für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie und Landwirt Hubert Aiwanger seine Nase gestrichen voll von der „Ewigen Corona“, die die Wirtschaft noch weiter zerlegen will. Der Chef der „Freien Wähler (FW)“ macht jetzt den bayerischen „Minimal-Trump“, der, so wie das US-Original, die Wirtschaft mit allen Mitteln wieder hochfahren will, lieber heute noch als morgen. – Klaus P. Jaworek

 


 

 

Leserbriefe zu „Warum haben Sie BWL studiert, Reinhard Mey?»Um meine Eltern zu beruhigen«“. Gespräch mit Reinhard Mey geführt von Manuel J. Hartung und Jeanette Otto

 

Ich gehöre der Generation an, für die Ihre frühen Lieder Ohrwürmer gewesen sind. Tränen beim „Orpheus“ und „Manchmal, da fallen mir Bilder ein“. Mein Mann ist Anfang Februar gestorben. Da er hier am Ort mit mir gemeinsam 32 Jahre eine Buchhandlung führte und ihn so viele Menschen kannten und mochten, gab es eine offene Abschieds- feier unter einem Baum nach seinem Wunsch. Ich habe lange gegrübelt, welche Musik ich mit meinen Lieben und den Freunden und Besuchern wohl für ihn hören möchte. Eine CD? Nein. Mir fiel der Sänger und Gitarrist Ricardo Volkert ein, der in seinen Anfängen in unserer Buchhandlung aufgetreten war und dessen Werdegang wir verfolgt hatten. Er sagte spontan zu, schlug verschiedene Lieder aus einem Programm vor, mit dem er auftritt. Dazu gehörte auch „Gute Nacht, Freunde“. Es wurde ein bewegender, wunderschöner Abschied von meinem Mann. Ricardo sang und spielte in der Aussegnungshalle. Als letztes Lied, bevor wir zu dem Baum gingen, sang und spielte er „Gute Nacht, Freunde“. …“dauert eine Zigarette und ein letztes Glas im Stehn.“ Mein Mann und ich haben dieses Lied auf allen Festen früher gegen Morgen gespielt, wenn die Freunde nach Hause gehen wollten/sollten. Der Abschied war ein besonderes Geschenk – für mich und für alle, die meinen Mann begleitet haben. Vielleicht bedeutet es auch Ihnen eine kleine Freude in diesen seltsamen Zeiten. – Ingrid Riedmeier

 

„Ich wollte wie Orpheus*) singen, dem es einst gelang, Felsen selbst zum Weinen zu bringen durch seinen Gesang. Wilde Tiere scharten sich friedlich um ihn her. Wenn er über die Saiten strich, schwieg der Wind, und das Meer. Meine Lieder, die klingen nach Wein und meine Stimme nach Rauch, mag mein Name nicht Orpheus sein, mein Name, der tut´s halt auch! Meine Lyra trag´ich hin, bring´sie ins Pfandleihhaus. Wenn ich wieder bei Kasse bin, lös´ich sie wieder aus. Meine Lieder sing´ich dir, von Liebe und Ewigkeit: Und zum Dank teilst du mit mir meine Mittelmäßigkeit. Kein Fels ist zu mir gekommen, mich zu hören, kein Meer! Aber ich hab´dich gewonnen, und was will ich noch mehr? „Ich wollte wie Orpheus singen“ von Reinhard Mey; Text und Musik: Reinhard Mey, erschienen auf dem Studioalbum: „Ich wollte wie Orpheus singen“ im Jahr: 1967. *) Orpheus ist ein Sänger und Dichter der griechischen Mythologie – Klaus P. Jaworek

 

Danke für diese Seite, das lohnt die Gebühr für einen Monat. Lob für die klugen Fragen und inhaltsreichen Antworten. – Hans-Joachim Preußner

 


 

 

Leserbriefe zu „3. Gibt es Schutz nur für Gutverdienende?“ von Kolja Rudzio

 

In Ihrem o.g. Artikel führen Sie an …“Und bleiben nicht viele schlecht bezahlte Berufsgruppen daheim, wie Schuhverkäuferinnen oder Kita-Erzieher?“… Hierzu möchte ich aus der Erfahrung als Ehepartner einer Kita-Leiterin und aktuell aus dem „sicheren“ Homeoffice Arbeitender korrigierend anführen, dass sich auch die Berufsgruppe der Kita-Erzieher seit dem 13. März 2020 in Dauerbereitschaft mit dem Angebot einer NOT-Gruppenbetreuung befindet. Dies schreibt die am 13.03.2020 ausgegebene Verordnung „Zweite Verordnung zur Bekämpfung des Corona-Virus“ (hier: Land Hessen) vor. Hier zeigt sich der große Irrtum, dass diese Berufsgruppe nicht arbeitet und zuhause ist. Die genannte Verordnung wurde seit Erlass zur Recht mehrfach aktualisiert und ergänzt, da immer wieder sichtbar wurde, welche Berufsgruppe doch systemrelevant ist und welche Familien damit Anspruch auf NOT-Gruppenbetreuung haben.

Hierdurch ist auch das Infektionsrisiko in dieser Berufsgruppe sehr hoch, da der empfohlene Mindestabstand in der täglichen Betreuungsrealität – z.B. beim Trösten eines Kindes – unmöglich einzuhalten ist. Darüber hinaus ist die Verfügbarkeit von Schutzkleidung in keiner Weise vorgesehen, noch vorhanden und aus naheliegenden Gründen den zu betreuenden Kindern auch schwer zu vermitteln. Konzepte zum Schutz der Kinder und der Mitarbeiter im Falle einer Pandemie werden aktuell im laufenden Geschäft im Hintergrund durch die Ämter verfasst und Umsetzungsmöglichkeiten werden im laufenden Alltag mit den wenigen zu betreuenden Kinder „erprobt“. Dennoch ist die Bereitschaft dieser Berufsgruppe nahezu ungebrochen, in der Krisensituation die Kinder von Eltern zu betreuen, die in systemrelevanten Berufen arbeiten. Da erforderlich nun auch an Wochenenden und durchgängig, ungeachtet bereits geplanter Ferienzeiten – denn das Virus kennt diese auch nicht. – Frank Arndt

 

Die Kita-Erzieher und Erzieherinnen sind mitnichten zuhause! Sie betreuen die Kinder in den Notgruppen damit deren Eltern auch in diesen Zeiten arbeiten gehen können (z.B. als Busfahrerin oder Erzieher in einer pädagogischen Wohneinrichtung für Menschen mit Behinderung). Der gesamte Sozial- und Erziehungsdienst leistet in diesen Tagen ebenso wie viele andere Berufsgruppen in vielen, meist gesellschaftlich unsichtbaren Bereichen (Kinder- und Jugendhilfe, Frauenhäuser, Behindertenhilfe, Flüchtlingshilfe, Obdachlosenhilfe etc.) einiges über das normale Maß hinaus.

Wichtig ist es jetzt, dass das allabendliche Klatschen sich in den demnächst anstehenden Tarifverhandlungen zum TVÖD und SuE als deutliche Verbesserung der Gehälter und Arbeitsbedingen niederschlägt. Leider ist zu befürchten, dass von Arbeitgeberseite wie üblich auf die leeren Kassen verwiesen werden wird und es beim Klatschen bleibt. Und diejenigen, die jetzt klatschend auf dem Balkon stehen oder über die „Heldinnen“ berichten bei eventuellen Streiks (z.B. in Kitas oder im Einzelhandel) dann schon wieder vergessen haben werden, dass sie gerade den systemrelevanten Berufsgruppen ihre Unterstützung und Solidarität versichert haben. – S. Gelau

 

Grundsätzlich haben Sie ja Recht: mit mehr Gekd lässt es sich gesünder leben. Aber in dem Fall finde ich die Auswirkung nicht so schlimm, sofern von normalen Berufstätigen, also unter 67 Jahren, gesprochen wird, die fit und gesund sind. Da scheint es mir ja vorteilhaft das Virus zu bekommen, um sich zu immunisieren. – Christian Voss

 


 

 

Leserbriefe zu „Das Virus der Anderen“ von unseren Korrespondenten

 

Das Virus der anderen – China, Iran. Die chinesische Regierung entfernt ausländische Journalisten, vertuscht Tatsachen, zensiert jede Meldung und trotzdem berichten die deutschen Medien die offiziellen chinesischen Corona-Erfolgszahlen ohne jede Hemmung, inkl. Die Zeit, ohne jede Hemmung sozusagen als absolute Wahrheit. Warum? Corona Hotspot Iran:“ Als ‚Reviewer‘ eines internationalen wissenschaftlichen Journals hatte ich in den vergangenen Wochen Probleme mit einem aus dem Iran eingereichten Manuskript. In diesem Manuskript fehlte, nach meiner Meinung, eine wichtige Analysenmethode. Diese wäre erforderlich, um den Schlussfolgerungen der Arbeit die nötige Glaubwürdigkeit zu verleihen.

Die Antwort der Autoren von Neurobiomedical Research Center, School of Medicine, Shahid Sadoughi University of Medical Sciences and Health Services auf meinen Einwand war: “… because of sanctions, the cost of testing has increased dramatically. And we’re really not able to do PCRs experiment because of the sanctions …”. Für den Nachweis einer SARS-CoV-2-Infektion ist bis heute ein PCR-Test unumgänglich. Wenn wegen den Wirtschaftssanktionen selbst die Universitätslabors im Iran die PCR-Technologie nicht verwenden können, sollte sich erstens niemand wundern, warum sich die Covid-19-Erkrankung im Iran so ‚unkontrolliert‘ ausbreiten konnte und zweitens sollte man sich fragen, wie die Situation in diesem Land wirklich aussieht! – Dr. Peter-Jürgen Kramer

 

Ich lese seit meiner Studienzeit in den Siebzigern mit gleichbleibendem Interesse und Vergnügen Ihre Zeitung. In Ihrem Artikel über den Umgang mit der Krise in Belgien hat es mir jedoch die Sprache verschlagen. In Ihrer Arroganz und Überheblichkeit meinem Land gegenüber sind sie zu weit gegangen. Das kleine Belgien hat mit seiner Konstitutionellen Monarchie zwei Weltkriege überlebt, und braucht Ihre Belehrungen über einen ‚starken Staat‘ nicht. Ich muss mir nun wohl eine andere Wochenzeitung suchen. – Dr med Marie-Thérèse Creutz

 

Als seit Langem in Belgien lebende Deutsche fühle ich mich durch diese Polemik zu tiefst beschämt. Alle Belgier mit Manneken Pis zu assoziieren ist nicht nur schlechter Stil, den man so nicht in der ZEIT erwartet, sondern entspricht auch nicht der tatsächlichen Situation in diesem kleinen Land, das sich in dieser Krise trotz aller politischen Probleme erstaunlich robust und DISZIPLINIERT presentiert. Wie viel besser beschreibt es da ein niederländischer Journalist wenn er sagt, er fühlt sich in Belgien im Moment wie“ in der wärmsten Woche „, einer Zeitspanne jedes Jahr vor Weihnachten, geprägt durch gegenseitige Hilfe und Unterstützung. – Christa Riedel

 


 

 

Leserbriefe zu „Diese Priester starben am Coronavirus. Viele von ihnen, weil sie bei den Infizierten blieben“ von Evelyn Finger und Ulrich Ladurner

 

Wie hab ich mich gefreut, dass ich auch in der ZEIT diesen Brief des italienischen Arztes Iulian Urban las. Ich dachte, meine ZEIT ist doch eine realistische Zeitung, weil sie die grundlegende Bedeutung des persönlichen christlichen Glaubens für Freiheit, Wahrheit und Liebe anerkennt. In der jetzigen Krisenzeit wird das noch einmal deutlicher. „Bis vor zwei Wochen“, wird der Arzt zitiert, „waren meine Kollegen und ich Atheisten. Es war völlig normal, dass wir es waren, die Wissenschaft schloss für mich die Existenz Gottes aus.“ Ein ziemlich unrealistisches, wenn auch weit verbreitetes Vorurteil! Das christliche Welt- und Menschenbild ist doch die Mutter der modernen Naturwissenschaft. Forscher wie Nikolaus Kopernikus, Johannes Kepler, Isaac Newton, Robert Boyle, Blaise Pascal und auch später sehr viele andere naturwissenschaftliche Pioniere auf ihrem Gebiet wie James Clerk Maxwell, Lord Kelvin, Michael Faraday, Gregor Mendel und Louis Pasteur haben nach Gesetzen in der Natur gesucht und sie gefunden, weil sie an einen rationalen Schöpfer und Gesetzgeber glaubten.

Johannes Kepler, einer der größten Astronomen der Weltgeschichte, dankte dem Schöpfer in Seinem Buch Weltharmonik: „O Du, der Du durch das Licht der Natur das Verlangen in uns mehrst nach dem Licht Deiner Gnade, um uns durch dieses zum Licht Deiner Herrlichkeit zu geleiten, ich sage Dir Dank, Schöpfer, Gott, weil Du mir Freude gegeben hast an dem, was Du gemacht hast, und ich frohlocke über die Werke Deiner Hände. Siehe, ich habe jetzt das Werk vollendet, zu dem ich berufen wurde. Ich habe dabei alle Kräfte meines Geistes genutzt, die Du mir verliehen hast. Ich habe die Herrlichkeit Deiner Werke den Menschen, die meine Ausführungen lesen werden, geoffenbart, soviel von ihrem unendlichen Reichtum mein enger Verstand hat erfassen könnnen. Mein Geist ist bereit gewesen, den Weg richtigen und wahren Forschens einzuhalten. Wenn ich etwas Deinen Absichten Unwürdiges vorgebracht habe, ich kleiner Wurm, im Sumpf der Sünden geboren und aufgewachsen, so sage mir, was Du die Menschen wissen lassen willst, damit ich meine Sache besser mache. Wenn ich mich durch die staunenswerte Schönheit Deiner Werke zu Verwegenheit habe verleiten lassen, oder wenn ich an meinem eigenen Ruhm bei den Menschen Gefallen gefunden habe in dem erfolgreichen Fortgang meines Werkes, das zu Deinem Ruhm bestimmt ist, so vergib mir in Deiner Milde und Barmherzigkeit …“ Das Buch der Werke Gottes (die Schöpfung) und das Buch der Worte Gottes stimmen überein. Das hatten die Pioniere der modernen analytischen Naturwissenschaft erkannt und das trieb sie an.

Und das tritt auch heute bei der Entdeckung der Großartigkeit des Schöpfers im Nano-, Mikro- und Makrokosmos noch unendlich intensiver zu Tage. Die Bescheidenheit und das ehrfürchtige Staunen der frühen Naturwissenschaftler wären heute noch weitaus angemessener als damals. Im ZEIT-Artikel wird der ehemalige Atheist Iulian Urban weiter zitiert: „Vor neun Tagen kam ein 75 Jahre alter Priester zu uns. Er war ein freundlicher Mann, hatte ernsthafte Atemprobleme, brachte aber eine Bibel mit. Es beeindruckte uns, dass er sie den anderen vorlas und den Sterbenden die Hand hielt. … Jetzt aber müssen wir es zugeben: Wir Menschen sind an unsere Grenzen gekommen. … Wir müssen erkennen, dass wir Gott brauchen. Wir bitten ihn nun um Hilfe, wenn wir ein paar freie Minuten haben. Wir reden miteinander und können es noch nicht glauben, dass wir als Atheisten jetzt jeden Tag auf der Suche nach Frieden sind. Dass wir den Herrn bitten, uns zu helfen, uns Kraft zu schenken, damit wir uns um die Kranken kümmern.

Gestern ist der 75-jährige Priester gestorben. Obwohl es in unserem Krankenhaus innerhalb von drei Wochen über 120 Todesfälle gab und wir alle erschöpft und verstört sind, hat es dieser Priester trotzdem geschafft, uns einen FRIEDEN zu bringen, den wir nicht mehr zu finden hofften. Der Hirte ging zum Herrn, und bald werden wir ihm auch folgen, wenn das hier so weitergeht. … Ich erkenne meine Wertlosigkeit auf dieser Erde an und möchte meinen letzten Atemzug erst machen, nachdem ich anderen geholfen habe. Ich bin froh, zu Gott zurückgekehrt zu sein, während ich vom Leiden und Tod meiner Mitmenschen umgeben bin.“ Die Fakten und die Sachlage sind bis auf den heutigen Tag genauso geblieben, wie Johannes Kepler sie im obigen Zitat geschildert hat. Das hat sich überhaupt nicht geändert. Es wäre also nur realistisch und förderlich für die Freiheit von den Fesseln der Vorurteile, sich Gott wieder zuzuwenden und Ihn in seinem Wort zu suchen – den Fakten zu folgen statt den Vermutungen. Jesus Christus ist von jedem Menschen nur ein Gebet weit entfernt. „Ich habe in meinem Leben“, sagte Isaac Newton, einer der größten Naturwissenschaftler aller Zeiten, „zwei wichtige Dinge gelernt: dass ich ein großer Sünder bin und dass Christus ein noch größerer Retter ist.“ – Gerhard Jahnke

 

Tod darf nicht sein. Auf der Seite Glauben & Zweifeln schon. Sonst lesen und hören wir vom Tod als Zahl: Der Tod als Summenzahl, als Steigerungsrate. Tod als Mortalitätsrate. Kennzahlen, Planungsgrößen für Studien, für schwierige Entscheidungen. Das Corona-Virus als Ursache des Todes, den wir mit diesen Zahlen erfassen. Auch Orte, Regionen, Länder, Kontinente werden genannt, denen wir Zahlen von Corona-Verstorbenen zuordnen können. Der Tod hat aber immer auch einen Namen. Immer ein Leben, das er beendet. Immer lässt er Überlebende zurück. Angehörige. Ärzte und Pfleger. Freunde. Seelsorger. Bekannte. Menschen, die nicht wissen, warum einer stirbt und einer lebt. Menschen, die sich schuldig fühlen.

Leben und Tod gehen uns sehr nah, die Zahlen bleiben uns fern. Geleitet von den Zahlen, sollen wir uns zurückziehen. Das Motto: Mit Abstand Leben retten. Obwohl doch Nähe der Schlüssel zum Leben ist, wie wir wissen und wie der Bischof von Hildesheim sagt. Es gibt gleichwohl viele Möglichkeiten Nähe und Solidarität zu zeigen und zu üben. Die große Last aber der für uns verschlossenen unmittelbaren Nähe zu Erkrankten wird von Ärzten, Pflegern und Seelsorgern getragen. Uns bleiben: Vertrauen in den Dienst am Menschen. Respekt und Dankbarkeit für die Hingabe. – Reinhard Koine

 

Ich empfinde es als zutiefst beleidigend, in diesen Zeiten mit derartigem religiösem Kitsch belästigt zu werden, incl. Bekehrungsgeschichten und frei erfundenen Legenden von angeblich überlassenen Beatmungsgeräten. Brennen bei der Zeit jetzt die Sicherungen durch? Ich erwarte eine Entschuldigung und eine Richtigstellung! not amused – Markus Kreuzheck

 


 

 

Leserbriefe zu „In seinem Schatten“ von Paul Middelhoff

 

Deutschlandsz Medien arbeiten sich, wie immer, daran ab, wie rechts die Partei der AfD steht. Für mich kann sie nicht rechts genug seien. Das Verhalten vieler Journalisten hätte ich mir auch in den 60er Jahren gewünscht. Woher kommt die altruistische Frömmelei an der Grenze der Selbstverleugnung, der mangelnde Sinn für Konfliktpotenziale und die Interessen des eigenen Landes, was mich besonders an der Politik stört. Man schämt sich des Deutschseins. Wenn in Deutschland überhöhte moralische Standarts das politische und gesellschaftliche Handeln bestimmen lassen, machen wir uns etwas vor. Das sollten sich auch die nicht leisten, die keine Verantwortung tragen. Die AfD ist die einzige Partei, die das erkannt hat und danach ihre Politik ausgerichtet. Was soll daran verkehrt sein.? Jedes andere Land des Westens, ob England oder Österreich im Besondern, Italien, die USA und Kanada, weiß um die Attraktivität seines Lebensstandards und seiner Kultur. Woher kommt die regelrechte Hassliebe vieler Einheimischer?

Von den Ausländern dagegen ein heißgeliebtes Land. Das hat nur wirtschaftliche Gründe. In Wahrheit wären sie viel lieber in Italien oder Spanien eingewandert. Ihr Autor Paul Middelhoff schreibt auch über die Reibereien in der Partei. Die hat es damals im viel größeren Ausmaßes bei den Grünen gegeben. Dafür hatte man Verständnis und ihr viel Zeit eingeräumt, obwohl sie ein völlig verworrenes politisches Geschäftsmodell entworfen hatten. Heute steht ein Kanzler ernsthaft vor der Zentrale der Macht. Dann wünsche ich mir lieber einen Clown. Der AfD sollte man auch entsprechend Zeit einräumen. Viele Menschen sind zu dumm um das zu verstehen. Soziologen sprechen von der „Diktatur der Dummen“. Die AfD ist gerade in der jetzigen Zeit eine lebensnotwendige Partei. Wir bräuchten einen Kanzler wie in Österreich, der sich stark für sein Land macht. Das geht Frau Merkel völlig verloren. Und das ist das eigentliche Drama für unser Land. –Gunter Knauer

 

In diesem Artikel finde ich wieder einmal zwei Zitate, die belegen sollen, wie ach so böse doch die AfD ist. Betrachten wir diese Zitate doch einmal sine ira et studio, dann stellen wir fest, daß Herr Höcke nicht von einem schändlichen Denkmal gesprochen hat, auch wenn ihm das ständig unterstellt wird. Hier lassen sich zwei Schlußfolgerungen ziehen, nämlich erstens: die komplette deutsche Journaille ist mit der Semantik der deutschen Sprache nicht vertraut oder zweitens die komplette deutsche Journaille neigt zu böswilligen Sinnverdrehungen,wenn sie jemanden nicht mag. Vermutlich trifft beides auf jeweils einen Teil dieser Personengruppe zu.

Unter korrekter Anwendung der deutschen Semantik und bei Betrachtung des vollständigen Zitats erkennt man, daß Herr Höcke lediglich eine Tatsache erwähnt hat, jedenfalls ist mir nicht bekannt, daß in London ein Denkmal für die Erfindung des Konzentrationslagers und die dortige Ermordung zahlloser Frauen und Kinder durch verhungern lassen und fehlende ärztliche Betreuung im zweiten Burenkrieg, was (hoffentlich unbestritten) eine Schande für England ist, stände. Ebensowenig kann ich ein Denkmal in Madrid für die im Zuge der Conquista in Süd- und Mittelamerika ermordeten zahllosen Indios entdecken. Man ist dort sogar stolz auf die Conquista. Es gibt reichlich weitere Beispiele, aber es wäre ermüdend, sie aufzuzählen.

Ähnliches gilt für den „Vogelschiß“. Deutschland existiert ca. 1100 Jahre. auch wenn der Name nicht sofort benutzt wurde. Wenn man die 12 Jahre nationalsozialistischer Herrschaft (ca. 1%) dagegen betrachtet, ist der Ausdruck berechtigt. Hinzu kommt, daß ein Vogelschiß durchaus nicht als etwas Erstrebenswertes betrachtet werden kann. Ich kann nichts Verwerfliches in dem Zitat erkennen. In beiden Fällen zeigt sich die Wahrheit des Satzes, daß, wenn sich erst einmal ein Vorurteil zu jemandes Ungunsten etabliert hat, er machen kann was er will. Es wird ihm prinzipiell negativ ausgelegt. – F. Kronberg

 

Hinter dem eitlen politischen Gockel Björn Höcke und seinem Mitstreiter Kalbitz, der ein echter Neonazi war/ist, steht ja auch noch der rechtsextreme Publizist Götz Kubitschek. Über den gab es bisher nicht viel zu lesen. Es wird mal langsam Zeit über dessen Phantasien mehr zu erfahren. Ist er der „Kopf“ hinter den Figuren wie Höcke und Kalbitz oder nur ein „Rechtsintellektueller“ den man überschätzt ? Wobei der bei ihm benutzte Begriff „Rechtsintellektueller“ eher irreführend ist. Suggeriert es doch, dass er erst einmal Intellektueller ist, was ihn quasi adelt, während die Verbindung mit „Rechts“in dem zusammengesetzten Wort eher nebensächlich klingt. Bei der „identitären Bewegung“ muss er mitverantwortlich für deren theoretische Fundament sein.

Höckes Buch „Nie zweimal in demselben Fluss“ kenne ich nicht aber es ist hoffentlich nicht eine Art „Mein Kampf“ von Hitler. Das ein Gymnasiallehrer wie Höcke auch das Fach Geschichte unterrichtete macht einen fassungslos ! Wie kann man nur die Schrecken und Verbrechen der Hitler-Diktatur, entgegen der Geschichtswissenschaft, in ein harmloses und verklärendes Licht stellen ? Höcke muss als Lehrer die Geschichtsbücher an seiner Schule privat komplett ignoriert haben. Ein Fall von Schizophrenie ? Spannend wird sein wie Höcke, Kalbitz und Kubitschek das Drama Coronapandemie politisch ausschlachten werden. Als böse Staaten, für das Einschleppen des Virus verantwortlich, dürften die USA und Russland ausfallen. Trump und Putin sind schließlich bei der AfD wohlgelitten. Bleibt China übrig -aber leider gibt es keinen Zusammemhang zu den Flüchtlingsströmen denen die AfD ihre Erfolge verdankt. Warten wir ab. – Klaus Reisdorf

 


 

 

Leserbriefe zu „»Je stärker die Liberalisierung der Gesellschaft vorangetrieben wird, umso größer die gesellschaftlichen Spannungen.« ROBERT HABECK »Das habe ich mir wirklich nicht vorstellen können, dass heute ein so breites Spektrum reaktionär wählt.« UWE TIMM“ Gespräch mit Robert Habeck und Uwe Timm geführt von Ijoma Mangold

 

Vielen Dank für ihr Interview mit Uwe Timm und R.Habeck! Uwe Timm spricht am Ende über die mögliche Entstehung einer Bewegung der Alten. Und weil der gleiche Gedanke mich schon eine zeitlang beschäftigt möchte ich ihm meinen Text dazu schicken. („Great minds think alike“ ). Diesen Aufruf hat Frau Silke Meyer (Link unten) in ihrem Impuls am 26.3 (mit Vermerk: Senioren) vorgelesen. Mal sehen ob viele Senioren sich anschließen… https://www.youtube.com/channel/UCtOsZt_Xdgn3S_ufSH55jMA…wir brauchen auch die Bewegung der Alten,sowas wie „Freitags für Future“, auch mit Demos (nach corona!), Plakaten „Langes Leben hinter uns und kurze Strecke vor uns – get together!“ Mehr Geselligkeit, mehr Miteinander, die Alten könnten mit ihrer Einmischung und Vorschlägen zur Besserung der Welt beitragen.

Der Appell der Alten könnte in den Medien verbreitet werden, das gäbe uns das Gefühl der Wertschätzung und Zugehörigkeit zum HEUTE, wenn wir unseren Beitrag für Future leisten. Der Vorschlag: Gerade in diesen langen „Corona“ Wochen (und womöglich Monaten?) überdenken Menschen aller Altersgruppen die Prioritäten, es wäre doch klug, oder?. Private Prioritäten sind eine Sache, aber die sind oft sehr ähnlich. Unseren Kindern und Enkeln „überlassen“ wir unsere zweifelhaften „Siege“ über die Natur, unsere Siege und Fehler in der Entwicklung des gemeinsamen Lebens in der Gesellschaft. Welche Fehler sollen wir einräumen? Nicht militärischen Ausgaben sollen erhöht werden, wie der US Präsident Trump verlangt, sondern;: 1. Ausgaben für die Medizin und med. Personal, auch Zahlungen an WHO – Welt Gesundheits Organisation und an die UNO. 2. UnsinnigeProjekte sehen wir heute in allen Bereichen, die Milliarden $ und Euro verschlingen, wie Flüge zum Mond, Mars usw., Satelliten Ausbau im All (für militär. Zwecke), brutale Experimente an Tieren und Menschen für „Brain Forschung“ ode Erschaffung von „Embryo-ähnlichen Organismen“ in der Petrischale (darüber hat die deutsche Presse und das Fachblatt „Nature Cell Biology“ berichtet, Journalist Hanno Charisius). 3. Kriege und Interventionen in anderen Ländern sollen aufhören, wie Export von Waffen in die Konfliktregionen der Welt.

Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit sollen vor Gericht und nicht deren Aufdecker. 4. Medien sollen den Privatsphäre verletztenden Schrott über „Stars“ und deren „Unterwäsche“ wie anderen Nichtigkeiten weglassen und uns richtig informieren. 5. In die Bildung soll mehr investiert werden. Die Weltschatzkammer – Weltliteratur als das beste für Intellekt- und Herzensbildung – soll an die Schulen gebracht werden – und sei es über Digitalisierung. 6. Pornoindustrie als zum großen Teil menschenverachtende Produktion von Waren soll geächtet werden, perverse und dekadente Modeschaus auch. 7. Chemie in Lebensmitteln soll besser erforscht werden. andere Vorschläge? Bleiben wir nicht stumm. Das alte Motto der Alten:“Das war schon immer so!“ taugt nicht mehr, alles ist in Bewegung… – Vera Bade

 

Natürlich darf „Die Zeit“ ein Interview mit Robert Habeck führen, aber muss sie das? Ist es wirklich notwendig, einem Phrasendrescher eine Bühne zu bieten, wenn er behauptet, seine Partei sei eine „bürgerliche Partei“, die für „Bürgerrecht“ stehe und die ein „Verfassungsschützer“ sei. Zumindest die Berliner „Grünen“ wollten noch vor kurzem den Verfassungsschutz zumindest „mittelfristig“ auflösen. – Rolf Schikorr

 

„Das habe ich mir wirklich nicht so vorstellen können, dass heute ein breites Spektrum reaktionär wählt“, sagt Uwe Timm. Hat er hintern Mond gelebt oder hat er seinen Menschenverstand verloren oder hat er ihn nie besessen. Das war doch alles schon vor 30 Jahren abzusehen. Übrigens; Reaktionär waren die linken Genossen. Die vor Mord nicht zurückgeschreckt haben. Die sitzen heute reihenweise im Parlament. Natürlich ist die AfD eine bürgerliche Partei, was den sonst. Und zu Herrn Habeck sei gesagt: Die Grünen sind verantwortlich für die Bildung, die sie gegen die Wand gefahren haben. In NRW sind sie deswegen abgewählt worden.

Ich kann einen Roman darüber schreiben. Und das ist den Grünen zuzuschreiben. Die Pädagoginnen stehen fast alle der Partei der Grünen sehr nahe. Daraus machen sie auch keinen Hehl. Die Grünen ist eine Beamtenpartei. Neuerdings gehören heute viele Jugendliche dazu, weil man denen Sand in die Augen gestreut hat. Das wahre Potential liegt bei den Grünen bei vielleicht 6 Prozent. Die Beiden verdrehen fast alle Wahrheiten. Und was der Populismus betrifft, hat sich ein Herr Müller ausgedacht. Das Wort steht für Phantasie – ein artefakt. Selbst unsere Parteienoligarchie ist keine Demokratie, sondern die Verfallserscheinung der Republik. Selbst das können die Herren nicht einreihen. – Gunter Knauer

 


 

 

Leserbriefe zu „Wie schlimm wird es?“ von Lisa Nienhaus

 

Schlimmer als gedacht. Und das ist der heutigen Politik geschuldet. Das wird in Deutschland nicht kapiert. Wer nicht hört muß halt fühlen. Durch die Pandemie wird sich das noch beschleunigen. Die grenzenlose Freiheit tut das, was sie immer tut. Tausend Meinungen sorgen für politisches Durcheinander. Und die Handwerker werden wieder erreichbar sein. Der Wohlstand in Verbindung mit ihren Freiheiten hat die Menschen faul und dumm gemacht. Von wegen fleißige Menschen, die gibt es nur in ihrer Leserredaktion….. – Gunter Knauer

 

Vorausschicken muss ich, dass ich das tägliche Leben schon mehr vom Rande beobachte, sprich Renter bin. Wirtschaft ist für mich daher mehr eigentlich nur noch eine Sache des beiläufigen Interesses, was sich im meist raschen durchblättern dieses Teils niederschlägt. Für das Buch Wirtschaft der Nr. 14 benötigte ich fast einen Tag: denn diese Beiträge fesselten mich: Verletztliche Supermacht, Das Gesicht dieser Wirtschaftskrise, Wie schlimm wird es?, Jetzt holen sie das Geld zurück und schließlich auch Das Spiel der Königin. Den Verfassern sage ich meinen Dank! Es war eine sehr abwechselungsreiche Lektüre. – G. Morgenroth

 

Dank Corona hat sich das EU-Mitgliedsland Ungarn in aller Öffentlichkeit zur „Demokratur“ (Vorstufe der Diktatur) gemausert. Ministerpräsident Viktor Orban kann nun, ganz ohne sein „Placebo-Parlament“, schalten und walten wie er gerade lustig ist, und das vorerst auf unbegrenzte Zeiten. Viktor Orban hat sich seinen wohl schon langgehegten Wunsch vom Parlament einfach so, und ohne größere Not, ganz nebenbei erfüllen lassen; einen Wunsch, von dem auch sicherlich viele noch demokratischen Politiker (nicht nur) klammheimlich träumen könnten. Das ungarische Parlament hat nun ausgedient, das ungarische Parlament könnte gehen, aber Viktor Orban lässt hier ganz großzügig, Gnade vor „Recht“ ergehen! – Riggi Schwarz

 


 

 

Leserbriefe zu „8. Geben wir den Rechtsstaat zu schnell auf?“ von Heinrich Wefing

 

Auch wenn ich mich Ihnen in der Sache inhaltlich anschließe. Die Gesellschaft muss gerade jetzt der Poltitik auf die Finger schauen. But please, MIND YOU WORDS! So behende Sie mit Sprache im vorletzten Absatz umgehen (Ihr Wortspiel mit der „Alternative“), so behende hätte ich es mir im ersten Absatz gewünscht. Die Verfassungsgarantien wurden eben NICHT abgeschafft, sondern vörubergehend eingeschränkt. Das ist nicht nur ein semantischer Unterschied. Ich glaube tatsächlich nicht, dass irgendein ernst zu nehmender Politiker in unserem Lande (also exluisve AfD) die aktuelle Situation für die Etablierung einer Autokratie oder Schlimmeres ausnutzen möchte. Ihnen und allen Verlagsmitarbeitern alles Gute. Was täte ich ohnee meine ZEIT? :-) – Michael Hauck

 

Am Samstag habe ich voller Hoffnung und Freude gelesen, dass es im Innenministerium eine vertrauliche Studie geben soll, „hammer & dance“, die Handlungsvorschläge zum weiteren Vorgehen in der Krise bereithält; heute nun lese ich mehr und mehr, dass Politiker anmahnen, sich Gedanken über die Zeit nach der Ausgangssperre zu machen. Mein Eindruck ist, dass es zu wenige Zusammenfassungen gibt, die das Thema gesamtheitlich darstellen. Dazu möchte ich hier versuchen, einen kleinen Beitrag zu leisten. Ich bin kein Virologe, aber akademisch geschult in Statistik und Exponentialfunktionen, habe viele Jahre in den USA, Italien und China gelebt und stehe auch im Moment im Austausch mit Bekannten in diesen Länder, und habe als Leiter größerer industrieller Komplexe regelmäßig Entscheidungen treffen müssen über Gebiete, in denen ich nicht Experte war.Derzeit versucht die Bundesregierung, die Anzahl der täglich Neu-Infizierten auf ein Maß zu drücken, so dass unsere Krankenhäuser nicht überlastet werden. Das ist sehr gut, aber nicht ausreichend, aus 2 Gründen:

1 Es ändert nichts an der Gesamtzahl der zu erwartenden Toten, nur an dem Zeitraum, in dem das passiert. Wenn ich hier von 1 % ausgehe (die Fachleute bieten 0,3 % bis 3,5 % an), hieße das, dass bei einer vollständigen Durchseuchung wir uns auf 800.000 Tote allein in Deutschland einstellen müssten. Diese Zahl könnte allerdings kleiner sein, wenn es gelingt, den Prozess so zu verlangsamen, dass vorher ein Impfstoff zur Verfügung stände. 2 Bei etwa 50.000 Intensiv-Betten und 2 Wochen Aufenthalt können pro Jahr 750.000 Personen behandelt werden. Unter der Annahme, dass 10 % der Infizierten intensivmedizinisch betreut werden müssen, könnten wir 7,5 Mio. Neu-Ansteckungen pro Jahr bewältigen. Bei einer angenommenen Durchseuchung von 60 % bis 70 % der Bevölkerung, also etwa 50 Mio. Menschen, würde die Krise so etwa 7 Jahre dauern. Das halten wir aber mit einer so stark gedrosselten Wirtschaftsleistung nicht aus.

Auch Warten auf einen Impfstoff ist keine Lösung: Selbst bei größter Eile und unbeschränkten Geldmengen wird es voraussichtlich bis August dauern, bis Impfstoffe entwickelt sind, dann werden sie 6 Monate getestet werden müssen, und dann muss die Produktion hochgefahren werden und die Stoffe verteilt, und schließlich müssen Millionen von Menschen geimpft werden, was auch Wochen dauern wird. Als Daumenwert würde ich annehmen, dass wir vielleicht ab Juni 2021 so die Krise im Griff hätten. (Alle meine Zahlen können jede für sich von Experten zerpflückt werden – ich sehe aber nicht, dass das Gesamtbild sich dadurch wesentlich ändern würde). Das sind aber noch 15 Monate, oder 450 Tage, mit über 2 Mio. Neu-Infizierten, wenn es gelingt, die Anzahl der Neu-Infizierten auf 5000 / Tag zu stabilisieren. Warten auf den Impfstoff würde also bedeuten, mindestens 20.000 Tote allein in Deutschland zu akzeptieren.

Die Methode: tägliche Neuansteckungen konstant halten und auf Impfstoff warten, ist also extrem schmerzhaft, und dauert zu lang. Was kann man sonst tun? Es gibt 3 Demokratien auf der Welt, die das Problem deutlich besser lösen als wir in Europa: Japan, Taiwan und Süd-Korea. Gerade die koreanische Methode besticht, da die Beeinträchtigung des täglichen und des Wirtschafts-Lebens viel kleiner ist als bei uns, und die Erfolge viel größer. Noch haben wir einige wenige Tage Zeit, diese Methoden auch bei uns einzuführen, bevor die Anzahl der Infizierten so groß wird, dass man sie unmöglich nachverfolgen kann.

Was ist dazu nötig? Es müssen viel mehr Menschen getestet werden, als heute schon, und es müssen jeder einzelne Infizierte isoliert und seine Kontakte nachverfolgt werden. Dies ist wunderbar in der Studie „hammer & dance“ beschrieben. Leider haben wir nur noch wenige Tage Zeit, sie umzusetzen. Deswegen mein Apell: Reden Sie mehr über die Studie, machen Sie sie bekannt, helfen Sie mit, Bewusstsein in der Bevölkerung zu schaffen, dass dies der einzige mögliche derzeit bekannte Weg ist, um Corona ohne allzu große Beschädigung der Bevölkerung und der Wirtschaft zu überwinden. Noch ein letzter Punkt: In Korea werden zur Nachverfolgung der Kontakte nicht-anonymisierte Handy-Bewegungsdaten ausgewertet. Dies verträgt sich nicht mit unserem Verständnis von Datenschutz. Für dieses Problem müssen wir eine Lösung finden.

Ein Lösungsvorschlag ist nicht mein Hauptanliegen; aber um den Prozess zu beschleunigen möchte ich doch einen Vorschlag in die Diskussion werfen: Heute sind alle Personen einer häuslichen Quarantäne ausgesetzt, die sicherlich noch nach und nach schärfer gefasst werden muss. Wenn die Bundesregierung anbieten würde, dass die Personen, die freiwillig zustimmen, dass ihre Handy-Bewegungsdaten zur Nachverfolgung von möglichen Kontakten genutzt werden können, solange die häusliche Quarantäne besteht, und sie sich verpflichten, ihr Smartphone immer bei sich zu tragen, dass diese Personen nicht mehr der häuslichen Quarantäne unterliegen müssten, wäre das vielleicht ein Weg. Die zeitliche Begrenzung wäre automatisch gegeben, und nur Personen, die der Nutzung der Daten zugestimmt haben, wären im öffentlichen Bereich unterwegs, so dass sich potentielle Ansteckungen wirklich nachverfolgen ließen. Lassen Sie uns schnell eine Lösung finden und umsetzen. Die USA-Zahlen zeigen, was passiert, wenn es keine Einigkeit in der Bevölkerung gibt, was zu tun ist. – Thomas Koch

 


 

 

Leserbriefezu „10 Jahre ZEIT der Leser“ von Jutta Hoffritz

 

Ich beziehe mich auf die Zeit Nr.14, S.66. Zu meiner Freude drucken Sie erneut die Karte, die sich auf die Bezeichnung für das Schälmesser bezieht. Ich komme vom rechten Niederrhein und finde das Hippkesmess.! Die Nr. aus dem Jahre 2015 hatte ich leider nicht aufgehoben. – Sigrid Felske

 

Ich liebe, wie viele andere, die Rubrik „Was mein Leben reicher macht“… Ja, es ist wunderbar, dass diese Rubrik nun 10 Jahre alt wird. Und ja, das sollte unbedingt gefeiert werden… Wenn es sein muss, auch mit Wiederholungen. Aber wieso muss die Zeit sich dabei so sehr selbst beweihräuchern… das gefällt mir nicht. Außerdem, wäre es in Zeiten von Corona nicht auch schön, zu hören wie es anderen mit, in der Corona-Krise geht und was ihr Leben in Zeiten von Kontaktverbot und Quarantäne reicher macht. Da hätte mich mehr gefreut als Wiederholungen – und ich weiß, nicht nur mir ging es so. Schade! P.S. Entgegen Beate Nagels Annahme (Was mein Leben reicher macht, Zeit Nr. 14) ist das Wort Plumö gar nicht ausgestorben, wir drei (36, 33, 31) Schwestern, also „junge“ Menschen nutzen es nach wie vor… Vielleicht liegt es daran dass wir aus Aachen sind, dort kenne ich viele Jüngere die es benutzen… dieses wunderbare Wort. – Anne Schüller

 


 

 

Leserbriefe zu „Die Weltenretter“ von Ulrich Bahnsen et al.

 

Weltenretter? Weltenretter? Okay, die Forscher:innen vielleicht. Aber die Pharmariesen und auch Bill Gates wittern doch eher ein gigantisches Geschäft. Die Autoren geben das auch zu, aber wie rührend! Weltweite Zusammenarbeit statt Konkurrenz wäre plötzlich dank der Pandemie möglich – ich glaube jedoch nur, weil jeder der Erste oder wenigstens der Zweite sein will, um damit das Rennen um die Milliarden zu machen! Brauchen wir unbedingt Medikamente oder einen Impfstoff? Wie die Erfahrungen in Deutschland zeigen, wird der Körper der allermeisten Patienten mit Covid-19 sehr gut allein fertig. Die Impfung wird immer wieder als Allheilmittel oder gar als einzig wirksames Mittel gepriesen, die Risiken von Impfungen werden jedoch kleingeredet oder ganz geleugnet. Die WHO ist eine UNO-Einrichtung, jedoch wird sie nicht mehr nur von den einzelnen Staaten, sondern zu einem erheblichen Teil privat finanziert, u.a. von der Melinda-und-Bill-Gates-Stiftung, die gleichzeitig in Pharmafirmen und Impfstoffhersteller investiert.

Die in dem Beitrag zitierte „Warnung“ von Bill Gates aus dem Jahr 2015 ist rein sprachlich gesehen nur eine Vermutung, denn sie beginnt mit dem Wörtchen „Wenn“. Und da er sich im Falle des Ausbruchs einer Pandemie dann als Retter (alias Gewinnler) aufspielen kann, unterstelle ich ihm mal, dass er sich heimlich wünscht, ein Virus möge „über zehn Millionen Menschen töten“. Die Zahl kann er nur aus der Luft gegriffen haben und sie soll suggerieren, dass Viren gefährlicher sind als z.B. Kriege. Aber das gehört natürlich nicht hierher. Seit 2003 mit SARS wurden immer wieder Pandemien ausgerufen (auch mit der Vogelgrippe, der Schweinegrippe usw.). Mit der Impfung gegen die Schweinegrippe war allerdings etwas schiefgelaufen, es gab so gravierende Nebenwirkungen, dass zumindest in Frankreich die Menschen vor der Impfung mehr Angst hatten als vor der Krankheit.

Diesmal, bei SARS-CoV-2, hat die WHO seit der Entdeckung des Virus richtig Alarm geschlagen und die Regierungen weltweit in Angst und Schrecken versetzt: Das Virus sei „neuartig“, „unberechenbar“, „deutlich infektiöser als angenommen“ usw. Irgendwie ist es der WHO diesmal gelungen, diese 10 Millionen drohenden Todesfälle glaubhaft zu machen und die Regierungen der meisten Länder zu veranlassen, den Pandemie-Plan umzusetzen. Natürlich weiß ich es nicht genau, aber meine Intuition sagt mir, dass hier mit Kanonen auf Spatzen geschossen wird. – Maren Aude

 

Dass die Entwicklungslabors an einem Corona Medikament bzw Impfstoff Geld verdienen ist eher unwahrscheinlich wie das Beispiel AIDS/HIV zeigt: kaum war ein Medikament entwickelt, wurde es in grossem Masstab ohne Lizenz hergestellt. Alle, insbesondere die WHO, fanden das sehr gut, da die Preise unschlagbar billig waren. Nur die Entwicklungsfirmen blieben auf ihren Kosten sitzen. Daher finde ich es sehr gut, dass die Corona Forschung hauptsächlich vom Staat bzw Stiftungen finanziert wird. – Peter Pielmeier

 


 

 

Leserbriefe zu „4. Bezahlen die Kinder für die Alten?“ von J. Otto und J. Schoener

 

Zu den richtigen Beispielen möchte ich hinzufügen: die Auszubis, die Ihre Arbeitsverträge gekündigt bekommen. – Christian Voss

 

Da soll die Gesellschaft zusammen gehalten werden in dieser für alle Menschen schwierigen Zeit und dann dieser Artikel von J.Otto und J.Schoener. Ich hab mich gefragt, ob ich jetzt ein schlechtes Gewissen haben muss, weil ich noch lebe mit fast 79 Jahren. Um es gleich klarzustellen, für mich muss keiner bezahlen. Ich unterstütze meine Enkelkinder, die jetzt in Kurzarbeit sind und das gerne. Als alter Mensch schraubt man eher seine Bedürfnisse zurück, denn viele erinnern sich an sehr schwierige Nachkriegszeiten. An Not und Elend und beengte Wohnverhältnisse. Unsere Kinder und Enkel sollten es einmal besser haben. Dass uns jetzt aber quasi von der Enkelgeneration vorgeworfen wird, dass man sich einschränken müsse, damit Oma und Opa gesund bleiben, ist schon harter Tobak. Ich bin dankbar, dass ich mich noch selbst versorgen kann und noch nicht auf Hilfe angewiesen bin. Und vor dem Gedanken graut mir, dann evtl. in Hände von Menschen zu fallen mit einer Einstellung wie von den Schreibern obigen Artikels. Wenn das alles nicht so gemeint war, dann drücken Sie sich bitte so aus, dass kein Spielraum für Interpretationen vorhanden ist. Das sollten seriöse Journalisten doch wohl beherrschen oder? – Anke Habeck

 


 

 

Leserbriefe zu „So verteidigt sich Woody Allen“ von Martin Eimermacher

 

Ein großer Dank für die abgewogene Darstellung. Als viele Jahre im Familienrecht tätig gewesener Anwalt kenne ich aus Verfahren zum Sorge- und Umgangsrecht die vernichtende Wucht von Missbrauchsvorwürfen. In einigen Fällen gingen die Folgen von Ansehens- und Berufsverlust bis zum Suizidversuch und waren z.T. irreparabel, auch wenn sich später die Unwahrheit herausstellte. Leider denken viele: wenn schon ermittelt wird, muss ja wohl etwas dran sein. Zum Vergleich: Auch bei Vergewaltigungsvorwürfen wird es einem freigesprochenen Angeklagten nur selten gelingen, später in einem Zivilverfahren – bei eigener Beweislast – die Unwahrheit der Anschuldigungen zu beweisen. Herr Kachelmann, über dessen Verfahren die ZEIT als eine der wenigen auch nach Ende des Strafverfahrens berichtet hat, hat es geschafft. Die Mehrheit muss mit „verbrannter Erde“ leben; wahrscheinlich auch Herr Metzelder, über den man nach den anfänglichen Vorwürfen nichts wieder gehört hat. – Prof. Dr. Winfried Born

 

Leider etwas verspätet möchte ich mich doch noch zu der Thematik äußern: Mir stellt sich die Frage: was um Himmelswillen machen wir zum Beispiel mit dem Satyrikon von Petronius? Sollten wir nicht wieder davon abkommen, alle Kulturgeschichte nach unseren jetzigen Wertvorstellungen beurteilen, verändern oder gar verbieten zu wollen? Wer sind wir denn? Wenn nur die Wahrheit und nichts als die Wahrheit (und die Richtigkeit) gesagt werden dürfen, müssten dann nicht auch Frau Passigs Äußerungen auf den Prüfstand und gegebenenfalls verboten werden? Und im Fall von Woody Allen scheint die Wahrheit in alle Richtung deutungsoffen. Ich hoffe sehr, dass der Rowohlt Verlag sich nicht dem Druck des alles verbietenden Zeitgeistes beugt! – Monika Ugowski

 


 

 

Leserbriefe zu „Eine Woche im März“ aufgezeichnet von Michael Allmaier et al.

 

,,auch bei Ihnen : Soziales Gewissen perdu : …“ ob unsere Gesellschaft gut oder schlecht funktioniert, kann man an der Situation der sog. Randgruppen ausmachen“ –nein, ich meine nicht die Alten (obwohl bei der Personenauswahl auch kein ALTER zu Worte kommt ) sondern die g r o s s e Zahl der Odachlosen und Junkies in den Ballungszentren.) Ein JVA -Mann, Herr Krauthausen , ein Polizist usw. ok. – was aber eine verirrte „Fitnesstrainerin “ hier zu suchen hat, grenzt an „Wohlstandszynismus“ Stattdessen hätte ein „Obdachloser“ oder Junkie u.ä- zu Worte kommen MÜSSEN! .. merkwürdigerweise kommen sie auch in den anderen Medien n i c h t vor! Sind alle wie vom Erdboden verschwunden..auch Zuschauer stellen anders gelagerte FRagen ! oder überlassen dieses Problem lieber der BILD-??? Ich lese Ihre Zeitung nur sporadisch, da mein Rentnergehalt vorwiegend für Filmzeitschriften, dvds und Bücher!! draufgeht. Das wars Bleiben Sie gesund . mit Grüssen aus MOB-CITY8-) (MOB City ist auch ein FILM!) – MOnica Ocker-Brune (MOB)

 

Wir mussten ganz unfreiwillig in diese „Scheiße“ hineinreiten, und bunkern jetzt aus lauter Frust darüber, sehr viele Rollen an Klopapier! Unser gewohnter Alltag wurde ganz jäh ausgebremmst und gestoppt und total abgewürgt; was gestern noch galt, das gilt heute längst nicht mehr. Jetzt haben wir plötzlich sehr viel Zeit, und einfach nichts „Richtiges“ mehr zu tun, außer Blatt für Blatt des Klopapiers, vor dem Gebrauch, zu katalogisieren. Heute Nacht zum Beispiel, da haben wir aus purer Langeweile heraus, wieder mal an der Uhr gedreht, und diese von der Winterzeit auf die Sommerzeit vorgedreht. Wie konnten wir uns früher noch über diesen blanken Unsinn aufregen! Nun liegen wir oft stundenlang oder länger auf unserer „faulen Bärenhaut“ herum und üben uns jetzt im großen „Nichtstun“, während die „Macher“ aus der Politik und aus dem „Expertentum“, ihre „Bärendienste“, anbieten. – Riggi Schwarz

 


 

 

Leserbriefe zu „Alles ohne Zwang?“ von Luisa Reisinger

 

Seit ca. 15 Jahre lese ich die Zeit und bin begeistert über die solide, wissenschaftliche Recherche und die neutrale Haltung der Redaktion bei kontroversen Themen. Klasse fand ich die Artikel zu Cum Ex, Corona, oder auch Donald Trump. Was mich massiv stört, ist die voreingenommene Haltung Ihrer Redakteurinnen, wenn es um das Verhältnis zwischen Männer und Frauen geht. Nehmen wir die Berichterstattung in der aktuellen Zeit über Jan Fabre. Begeht eine Person eine Straftat, gehört diese Person verurteilt und hat die Konsequenzen zu tragen. Solange dies aber nicht nachgewiesen ist, gilt die Unschuldsvermutung. Diese Vorgehensweise ist durch die „Me too“ Denkweise aufgehoben! Die meisten Redakteurinnen der ZEIT kennen scheinbar bei dem Thema sexueller Missbrauch keine Unschuldsvermutung und keine Neutralität. Nehmen wir exemplarisch Frau Reisinger. Sie bezeichnet sich als Fan des Künstlers, mit Bild von ihm über ihrem Bett. Dann kommt der Vorwurf auf, er habe Darstellerinnen sexuell missbraucht. Ein Vorwurf, keine Tatsache. Frau Reisinger hat ihre Entscheidung getroffen, hängt sofort das Bild ab und fragt sich, wie die Tänzerin Stella Höttler noch immer mit Herrn Fabre zusammenarbeiten kann. Ernsthaft? Wegen eines Vorwurfs? Sieht so Neutralität aus?

Sind Frauen die besseren Menschen, die nie Lügen, oder sich unlauter einen Vorteil verschaffen? Von einem Fan hätte ich eine Verteidigung des Künstlers, oder zumindest ein neutrales Verhalten erwartet. Frau Reisinger ist überrascht, dass der Künstler nicht mit ihr reden will. Ich hätte an seiner Stelle auch mit keiner fremden Frau reden wollen. Was, wenn die Vorwürfe unwahr sind? Dafür spricht zumindest die Aussage, dass keine der Personen, Anzeige gegen den Künstler erstattet hat. Diese Tatsache böte Raum die Unschuldsvermutung zumindest zu bedenken. Diese Überlegung wird aber durch den Geist von „Me Too“ ausgehebelt, der Ruf von Jan Fabre ist vermutlich genauso ruiniert wie der Ruf Woody Allens. Da lobe ich mir Frau Patricia Riekel, die kürzlich interviewt wurde und eine bodenständige und reifere Haltung zu dem Thema hat. – Tobias Böhm

 

Dass junge Frauen Männer mit freiem Oberkörper anhimmeln, kommt auch in Zeiten eines erstarkenden weiblichen Selbstverständnisses vor. Wenn diese Männer dann auch noch perverse Phantasien als Künstler öffentlich ausleben dürfen, mögen sie für die eine oder den anderen noch attraktiver sein. 2018 wandten sich 20 Künstlerinnen und Künstler anlässlich der #meeToo-Debatte gegen Jan Fabre. Zu Recht. Ich gebe zu, dass Jan Fabre einst in Antwerpen in gewisser Weise mein Konkurrent war, deshalb ist meine Stellungnahme nicht objektiv. 1993 war Antwerpen europäische Kulturhauptstadt. Zu diesem Anlass wurden vier Opern uraufgeführt. Eine davon wurde von Jan Fabre kreiert (silent screams difficult dreams), eine von mir (Missa e Combattimento – Scenes from a Holy War). Der Unterschied zwischen Jan Fabre und mir war schon auf materieller Ebene beträchtlich: er hatte mehr als das Zehnfache meines Budgets zur Verfügung. Mein Budget betrug ein Viertel der nächst größeren Produktion. Finanziell war ich am untersten Ende, ich war die einzige Frau in der Reihe – als Regisseurin, Bühnenbildnerin und anteilig als Autorin. Zudem arbeitete ich mit einer Komponistin (Judith Weir) und einer Dirigentin (Anne Manson).

Eine indirekte Verbindung mit Jan Fabre bestand aber dennoch; denn einer der Sänger meines Teams spielte auch in Fabres Produktion mit. Er empfand dessen Arbeit als demütigend und menschenverachtend und kam voller Wut in meine Proben. In Fabres Produktion mussten die Darsteller barfuß über zerbrochene Teller laufen. Einige Tänzerinnen sprangen dressiert über die Bühne; man hatte den Eindruck, sie hatten keine Ahnung von dem, was sie da eigentlich machten. Zu einer wabernden Musik eines Penderecki-Schülers mit vielen Wagner-Zitaten stolzierten zwei Männer in Ritterrüstungen über die Bühne. Vom Schnürboden hingen geöffnete Scheren. Anders als bei einer Marina Abramovic erschien das Ganze nicht zwingend, sondern gewollt. Fabre verletzt andere, nicht sich selbst.

Dies alles vor dem Hintergrund des neu erwachten flämischen Nationalismus – der rechtsextreme Vlaams Blok hatte 1991 bei Kommunalwahlen in Antwerpen auf Anhieb 25% der Wählerstimmen für sich vereinnahmt, und die Akzeptanz stieg weiter – hinterließ bei mir ein mulmiges Gefühl. Und es war schon damals ein offenes Geheimnis, dass Jan Fabre Darstellerinnen und Darsteller gemeinsam einsperrte, bis sie miteinander Sex hatten. Ob das wirklich freiwillig war, blieb unklar, denn Fabre engagierte immer sehr junge Darstellerinnen und Darsteller und köderte sie damit, zu einer berühmten Truppe zu gehören. Das alles passte gut in die Stimmung im Land. Fabre machte eigentlich nur öffentlich, was sich in den Hinterzimmern in Belgien abspielte, allerdings ohne dies zu reflektieren. Er war damals eine so mächtige Figur in der Szene, dass ihm niemand zu widersprechen wagte. Es ging weniger um Kunst als um Voyeurismus, was zuzugeben natürlich schwerfällt.

Belgien war schon lange von Gewalttaten gezeichnet: die „Bande van Nijvel“, Patrick Hamers, ein schrecklicher, unaufgeklärter Mord an einem jungen Mädchen in einer Champignonzüchterei in Brüssel. Und dann kamen 1996 die Grausamkeiten von Marc Dutroux und seiner Mittäter ans Licht. Mit diesem Milieu hat Fabre nichts zu tun, aber er machte auch nach diesen Fällen, die nun ans Licht kamen und das Land an den Abgrund führten, weiter, als sei nichts gewesen. Aber zurück zum Theater und 1993: nachdem unser Team damit gerechnet hatte, dass Jan Fabre mit seinem Marketing-Stab die Säle füllen und wir vor leeren Rängen spielen würden, waren wir mehr als überrascht, dass unsere Vorstellungen ausverkauft waren und sogar mit standig ovations bedacht wurden. Mit meinem kleinen Budget war ich zufrieden, denn ich konnte alles realisieren, was ich wollte; nur die Gagen hätten besser sein können.

Die Reaktionen des Publikums – und auch der Presse- wurden von unserem (Frauen)Team dankend angenommen, denn unsere Schwierigkeiten waren massiv. Es war ein patriarchales Theatersystem das auch Jan Fabre bestens bediente; Frauen mit eigener Stimme waren nicht erwünscht. Beispielsweise wurde unsere ursprünglich geplante Premiere vier Tage vor Probenbeginn ohne Begründung abgesagt. Man hoffte, dass die Beteiligten oder vor allem ich entnervt aufgeben würden. Später verhinderte einer der Co-Produzenten eine Tournee. Doch wir hatten nicht nur ein gutes Team, mit dem ich heute noch Kontakt habe, sondern vor allem auch ein starkes Thema. Und das mag das andere Hindernis gewesen sein: dass sich Frauen damals auf der Bühne mit aktuellen politischen Themen – in diesem Fall mit religiösem Fanatismus und Gewalt – auseinandersetzen, was überwiegend Männersache ist. Und dies steht in diametralem Gegensatz zu der Arbeit eines Jan Fabre, der Gewalt nicht reflektiert, sondern benutzt. Es ist erstaunlich, dass er ausgerechnet jetzt durch einen längeren Artikel rehabilitiert werden soll. Denn was jemand sagt und was jemand tut sind nicht nur in der Politik, sondern vielfach auch in der Kunstszene zweierlei Maß. Es ist naiv, von seinen Phrasen über Schönheit auf das Tun zu schließen. – Astrid Vehstedt

 


 

 

Leserbriefe zum Politischen Fragebogen „»Mein Platz ist zwischen den Stühlen«“. Gespräch mit Ottmar Edenhofer geführt von Stephan Lebert

 

Das hat er großartig formuliert: „Sind Sie Teil eines politischen Problems?“ „Ja, ganz sicher. Ich bin Teil eriner reichen Gesellschaft – ich Teil einer verwöhnten, reichen Leserschaft“ – die die Klimakrise bislang noch immer nichtin den Griff bekommen hat. Wann endlich verstehen wir auch deren Dringlichkeit ? Muss erst ein Engel vom Himmel kommen ? Das kurzfristige scheint immer am dringlichsten; aber beim Klima geht es doch um die Generation, die unsere Renten und Pensionen erarbeiten muß, oder? – und auf deren Kosten reisen wir – mit Hilfe auch der Zeit* – in der Weltgeschichte umher.

P.S. Gegen Ende wurde es noch besser ! Punkt 23: Ja wir alle – besonders wir Alten, kaufkräftigen Pensionäre haben den Sinn fü die Bedeutung öffentlicher Güter verloren. Weshalb ? Weil wir eine egoistische Generation sind. Dies problematisiert ihre Zeitung selbstverständlich nicht. Dies würde die geneigte Leserschaft (wir sind Reisejunkies !) sehr verstören. Man sägt doch nicht an dem Ast auf dem man sitzt, oder ? überhaupt – über Corona scheinen Sie alles Andere fast zu vergessen. Lob? Na, klar i_hr H. Martenstein im Magazin war die 5.50 wert_ !! Freundlichste Grüße und bleiben Sie gesund ! – Andreas John

 

Ich bin aus vielen Gründen stolz auf meine Technische Universität Berlin, aktuell zum Beispiel auf ihren Umgang mit der Corona-Krise. Und u.a. darauf, dass Ottmar Edenhofer hier Professor ist – und nicht (wie Sie in ZEIT Nr. 14 auf S. 24 schreiben) an der TU München. Ich weiß nicht, ob Sie dieses Erratum anzeigen wollen. – Johannes Moes

 


 

 

Leserbriefe zur Infografik „Betten machen!“ von Pia Bublies (Infografik) und Christian Heinrich (Recherche)

 

Neulich las ich in der ZEIT es gebe 28.000 Betten mit Beatmungsmöglichkeit in der BRD. Heute sind es 28000 Intensivbetten, von denen 60 – 70 % Beatmungsplätze sind, also nur rund 18.000 Beatmungsplätze. Ein guter Bekannter, der Rettungshelfer ist, erzählte mir gestern die Zahl sei in den letzten Wochen auf 40.000 aufgestockt worden. Was stimmt nun? Und was bringen die Betten, wenn lt. ZEIT rund 4000 Fachkräfte fehlen, um die Geräte korrekt zu bedienen?

P.S. Ich finde den Ansatz sehr gut einmal aufzuzeigen (Viele auf einmal), was uns ohne Schutzmaßnahmen blühen würde. Leider bleibt es beim Ansatz, da Sie die Folgen nur teilweise und daher die Situation verharmlosend darstellen.70 % Kranke in zwei Jahren bedeutet bei (der Einfachheit halber unterstellter) Gleichverteilung über den Zeitraum (57,4 Millionen Kranke auf 24 Monate verteilt) 2,4 Millionen Kranke im Monat. Optimistisch angenommen die Arbeitnehmer (ca. 55 % der Deutschen) davon fallen nur jeweils 14 Tage aus, bedeutet das: jederzeit fehlen in der Produktion von Gütern und Dienstleistungen 660.000 Menschen. Das kann der Arbeitsmarkt aus zwei Gründen nicht alles abfedern: 1. sind auch die Arbeitslosen teilweise krank und 2. fehlt es ihnen oft an der Fachlichkeit für die Stellen, für die gerade ein Ersatz gesucht wird.

Ein solcher Ausfall bedeutet Mangel an wichtigen Gütern: z. B. Medikamente auch gegen andere Krankheiten, Lebensmittel, evtl. auch Versorgungslücken bei Strom und Wasser oder Handwerkerleistungen (Reparaturen von etwa Waschmaschinen und Toiletten verzögern sich). Wenn 4 % der Corona-Erkrankten (96.000) ein Intensivbett benötigen und nur für etwa ein Viertel davon eines verfügbar ist, bedeutet das 72.000 Tote im Monat, entsprechend über 1,7 Millionen Tote in den zwei Jahren. Denn wer eine künstliche Beatmung braucht, wird ohne wohl kaum überleben. Bis hierher habe ich nur über die BRD geschrieben. Fehlende Importe, weil auch im Ausland Millionen erkranken und sterben und die Arbeitsmärkte mindestens Probleme haben und somit weniger produziert, das aber für die eigenen Landsleute behalten wird (was sich ja jetzt schon abzeichnet), dürfte die Zahl der Menschen hier zu Lande, die an anderen Krankheiten oder vielleicht sogar aus anderen Ursachen heraus sterben (sinkende Sozialleistungen, die zu Unterernährung führen, Plünderungen etc würde ich nicht ausschließen) deutlich gegenüber heute wachsen. – Iman Schwäbe

 

In der Infografik vom 26.3. steht, dass die USA pro 100.000 Personen mehr Intensivbetten haben als Deutschland. Im Artikel „Verletzliche Supermacht“ ist aber dann davon die Rede, wie schlecht das Gesundheitssystem in den USA ist. Da liegt für mich ein Widerspruch. Sind die Intensivbetten auf bestimmte Regionen oder auf bestimmte Personenkreise konzentriert, so dass sie evtl. nur einem kleinen Teil der USA-Bürger zu gute kommen? Oder stimmt die Angabe in der Infografik nicht? Vielleicht können Sie mir da weiterhelfen. Ansonsten möchte ich mich für die informativen, guten Artikel der letzten Ausgabe herzlichen bei allen Redakteuren bedanken. Gut, dass es die ZEIT gibt. – Heinz-J. Holthaus

 


 

 

Leserbrief zu „7. Gibt es Nächstenliebe auf Distanz?“ von Evelyn Finger

 

Danke für Ihren Beitrag auf Seite 3 der heutigen Zeit – und auch für die heutige und vorige „Glauben & Zweifeln“-Seite. Es ist ein seltsamer „Schutz“ der Gefährdeten und Kranken, der (nicht nur) den zu Schützenden einen (zu) hohen Preis abverlangt. Ich fürchte mich vor Erfolgen, die sich nur in Zahlen und Diagrammen zeigen, unbekümmert um Diffusitäten wie Liebe und, ja, Transzendenz. „Keine Nähe tötet“ – ein wunderbarer Satz. Bleiben Sie dran! – Esther Röhr

 


 

 

Leserbrief zu „Was mein Leben reicher macht“ von ZEIT-Leser*innen

 

Ich möchte Ihnen auf diesem Weg ein dickes Lob aussprechen. Ich bin Abonnentin Ihrer Zeitschrift. Heute morgen griff ich in meinen Briefkasten und dachte: „Na, ob sie wohl da ist?“ Und siehe da, ein Griff und ich hielt sie in vertrauter Weise wie jeden Donnerstag in meiner Hand. Ich habe mich freudigen Herzens an den Frühstückstisch gesetzt und genoss als erstes die Rubrik „Was mein Leben reicher macht“ – und das auch noch in verlängerter Form! Das hat mich sehr bereichert. Danke dafür. – Jutta Nixdorf

 


 

 

Leserbrief zu „Torten der Wahrheit. Worüber Deutschland streitet“ von Katja Berlin

 

Ihre kleine Grafik war interessant, greift jedoch zu kurz. Sie schreiben auch nicht mehr über das Reisen ! Gut so! uns dennoch schade für Sie – ihnen entgehen jetzt viele Werbeeinnahmen, die ich ihnen sehr gönne ! – Wir Alten, die jetzt großzügig gerettet werden, sind die, die Reisebranche mit teuren Reisen mäßten, und nur an uns denken. Erhöhen Sie den Abopreis ! – Andreas

 


 

 

Leserbrief zu „Die Stunde des alten Hasen“ von Kerstin Kohlenberg

 

In ihrem Artikel „Die Stunde des alten Hasen“ steht, dass Joe Biden Frauen betatscht haben soll. Das ist definitiv untertrieben. Man muss nur „Joe Biden touching women“ bei YouTube suchen und findet sofort unzählige Videoaufnahmen davon, wie Biden Frauen unangebracht und aufdringlich berührt. Meist junge Frauen, die seine Töchter sein könnten. Nicht selten in einem „offiziellen“ Setting, mit zahlreichen Kameras auf ihn gerichtet. Die Tatsache, dass es es so öffentlich macht, macht es fast noch schlimmer. Er berührt die jungen Frauen, streichelt ihnen die Wange, macht anzügliche Kommentare, riecht an ihren Haaren und alles mit so viel Selbstbewusstsein und als würde es ihm zustehen. Wahrscheinlich ist er selbst auch davon überzeugt, dass ihm dies zustünde. Biden ist der perfekte entitled old white man.

Nichts mit bösem Hintergedanken, sondern einfach mit der Überzeugung, dass er Frauen berühren darf, wenn er will und dass diese dies als „schmeichelnd“ empfinden. Für die Frauen muss es eine unglaublich unangenehme Situation sein, vor allem weil sie trotz der häufig vielen Umstehenden, völlig wehrlos sind. Würden sie ablehnend auf Biden reagieren oder ihm sogar sagen, er solle die Finger von ihnen lassen, würde es klar auf die Frauen zurückfallen, für unnötig Aufruhr bei einem wichtigen Fototermin o.ä. zu sorgen, zu empfindlich zu sein etc. Es ist ekelhaft und ich frage mich wirklich, wieso dies nicht mehr Aufmerksamkeit bekommt. Und wie man von Bidens Verhalten im Konjunktiv schreiben kann. Ich bin allerdings dankbar, dass in dem Artikel auch auf Bidens zunehmende Verwirrtheit und seine sichtbare Erschöpfung hingewiesen wird. – Rieke Adrian

 


 

 

Leserbrief zu „Was mein Leben reicher macht“ von Leser*Innen

 

Was mein Leben reicher macht …. Eine Leserin bedauert in der Zeitung, dass sie jetzt ihre Amerika-Reise wegen des Corona-Virus‘ nicht antreten kann. Im Vorjahr konnte sie wegen Bombenanschlägen nicht nach Sri Lanka. 2018 wegen Erdbeben nicht nach Bali. 2017 verhindere ein Taifun die Urlaubsreise in die Karibik und 2016 fiel bei einem Urlaub in Thailand vieles aus, weil König Bhumibol gestorben war. Wie „traurig“! Es macht mich reich beim Lesen zu fühlen, dass ich das alles nicht brauche. – Walter Rücker

 


 

 

Leserbrief zu „Ist da jemand?“ von Marc Brost und Tina Hildebrandt

 

Wie es sich regiert, wenn die Welt plötzlich eine andere ist? Wir erleben eine Art Deutschstunde, bei der wir live dabei sein dürfen. Deutschland: eine Pädagogische Provinz. Deutschland: Neuland. Die Politik, die noch vor Wochen unsicher den aufrechten Gang übte und vor sich hin stolperte, entscheidet wagemutig unter größter Unsicherheit das Notwendige. Und wir üben uns in der Freiheit, die auf der Einsicht in die Notwendigkeit beruht. Alles sehr ernst, sehr klug, sehr ausgewogen und sehr gut kommuniziert. Unsere Medien berichten, kritisieren, erklären, flankieren. Die GroKo agiert, als wäre sie für diesen Moment geschaffen. Sie sichert eine gute Machtbalance innerhalb der Regierung und eine große Akzeptanz bei uns durch die breite Machtbasis. Kein Orbanisierung zu befürchten. Die Ungeist, der uns noch vor kurzem zu beherrschen schien, zieht sich zurück. Alle wachsen mit ihren Aufgaben. Die Politiker dienen wahrhaftig dem Wohl des Volkes. Alle sind sehr vernünftig. Sicher: Eine idealisierende Darstellung, zugleich ein Ansporn. Was könnten wir alles schaffen, wenn wir die in der Coronakrise sichtbar werdenden Energien auch bei unseren anderen großen Themen nutzen würden, u.a. bei Verkehrswende, Energiewende, Agrarwende. Das Notwendige tun. Für uns und für die Nachgeboenen. Die Einsicht ist doch längst da. – Reinhard Koine

 


 

 

Leserbrief zu „Verlage am Abgrund“ von Ronald Düker

 

Sicherlich wird es im Buchhandel und in der Verlagswelt zu Verwerfungen kommen, den Barsortimenten sitzt noch die Insolvenz von KNV in den Knochen, aber nichtsdestotrotz gibt es leistungsfähige Webshops des stationären Buchhandels, die die Konzentration Amazons auf Haushaltswaren gerne auffangen. Sie sind in der Lage, ebenso schnell und portofrei zu liefern und haben noch einen Aspekt, auf den man gerade in Zeiten von Corona ein besonderes Augenmerk richten sollte: Sie bezahlen Steuern in Deutschland, und mit eben diesen Steuergeldern versucht die Bundesregierung, das Schlimmste hier zu verhindern. Es ist die Entscheidung jedes Einzelnen, wohin unser Geld fließt. – Dorothee Schöneck

 


 

 

Leserbrief zu „Der Zweifel. Freiheit, gerade jetzt!“ von Manuel J. Hartung

 

Einspruch ! Nichts ist in der Forschung und Lehre in Ordnung. Jedenfalls nicht in Deutschland. Andere Länder kann ich nicht beurteilen Ich lebe auch in Singapur. Dort hat es einen hohen Stellenwert. Auch in anderen asiatischen Ländern. Warum in Deutschland die Wissenschaft nicht voran kommt, liegt einzig und allein an der miserablen Politik und am Personal der jetzigen Regierung. Stellvertretend für die erlahmende Demokratie. Was eigentlich gar nicht so verkehrt wäre. In Singapur setzt man allein nicht auf die Demokratie. Wenn nötig, wird die Demokratie mit Vorbehalten praktiziert. Das hat sich sehr bewährt. Singapur ist das wohlhabendste Land auf unserem Erdball. Deutschland dagegen erlahmt. Die Vielzahl der Parteien hat sich als falsch herausgestellt. Es wäre längst überfällig, die Grenze von 5% auf 10%, besser noch 12% anzuheben. Und das muß das Volk entscheiden. – Gunter Knauer

 


 

 

Leserbrief zu „Das Gesicht dieser Wirtschaftskrise“ von Claas Tatje

 

Bei allem Verständnis für die prekäre wirtschaftliche Lage des Gerhard Bosselmann und seiner Bäckereikette in meiner Heimatstadt, da hätte ich mir von Ihrem Autor Claas Tatje doch mehr Abstand in/mit seinem Artikel gewünscht; ein „Patriarch“ beruft sich auf Angela Merkel, um seine Attacken auf seine Mitarbeiter*Innen zu rechtfertigen, „Azubis gefährden seine Rente“ , lesen Sie in der Hannoverschen Allegemeinen Zeitung die Fakten und Äußerungen des geschmähten Personals nach !

Es gibt in Hannover und Umgebung noch zahlreiche andere Bäckereibetriebe, die vor ähnlichen Problemen stehen ohne daß diese ihr Heil in wie es Ihr Autor nennt „emotionalen Ausbrüchen“ der Firmeninhaber suchen und sofort eilt ein Wirtschaftsminister in die „Backstube“ um Förderhilfen zu avisieren, pikant , der Server der NBank, die dem vorgenannten Minister untersteht, war zunächst unter der Antragsflut zusammengebrochen ! Verständnis für G. Bosselmann und seine Sorgen&Nöte ja, aber Verdächtigungen gegen die, wie heißt es so schön, „systemrelevanten“ Mitarbeiter*Innen und mit Repressalien drohen, noch gibt es gesetzliche Vorgaben, die Lohnfortzahlungen im Krankheitsfall regeln ! – Norbert Sandermann

 


 

 

Leserbrief zu „Ausnahmezustand“ von Matthias Lemke

 

Vielen Dank für den Abriss über die Gefahren eines von der Executive ausgerufenen Ausnahmezustandes. Viele Bürger fordern von der Politik sehr viel rigidere Einschränkungen des persönlichen und öffentlichen Lebens,ohne dass momentan klar ist, inwieweit massive Maßnahmen eine Entschleunigung ,bzw. Senkung der Infektionsrate bewirken. Die meisten Mitbürger haben inzwischen den Ernst der Lage verstanden, ihre sozialen Kontakte gen Null gefahren und disziplinieren sich beim Aufenthalt im öffentlichen Raum. Bleibt mir zu hoffen, dass generelle Ausgangssperren – und damit die höchstmögliche Einschränkung der persönlichen Freiheit – nicht aus Profilierungsbestreben beschlossen werden können. Ein besonderer Dank ALLEN Machern der ZEIT, die es uns ermöglichen Fakten und Meinungen aus verschiedenen Aspekten beleuchtet, wöchentlich lesen zu können. – Franziska Bickel-Albert

 


 

 

Leserbrief zu „Nicht anfassen!“ von STX

 

Es mag im Moment das Gebot der Stunde sein, Berührungen mit der Hand so weitestgehend zu reduzieren. Problematisch sehe ich im Zusammenhang der vorgestellten Vorschläge, daß der derzeit nötige Infektionsschutz zum Einfallstor derausschließlichen Etablierung von Techniken des bargeldlosen Einkaufens gemacht werden könnte. Der Autor schlägt u.a. das Einkaufen per Sensoren wie in Amazon-Shops in den USA vor. Dort muß man nicht einmal mehr eine Karte bereithalten. Je bequemer das kaufen, desto leichter erfolgt das bedenkenlose Konsumieren (Schuldenfalle), Datensammlung für den Verkäufers umfassend garantiert. Von verschiedenen Seiten wird bereits seit Jahren das Bargeld an sich zurückgedrängt (eine weltweit umspannende Agenda) – die Unfreiheit, die fatale Abhängigkeit, die wir damit „erkaufen“, ist allgemein kaum jemandem klar. Man lese die umfangreichen Recherchen des promovierten Volkswirts und Wirtschaftsjournalisten Norbert Häring in „Die Abschaffung des Bargelds und die Folgen“ (2016) sowie „Schönes neues Geld (Pay Pal, We Chat, Amazon Go – Uns droht eine totalitäre Weltwährung)“ (2018)! Es gilt, unbedenkliche Varianten der Berührungsvermeidung zu finden. Auch hier stellt sich für uns die Aufgabe, nicht einfach zu übernehmen, was technisch eben machbar ist, sondern bewußt zu entscheiden. Freiheit versus Sicherheit (welche Sicherheit genau?) und Bequemlichkeit – auch das Modell China hält uns schon in Vielem einen Spiegel vor… – Sabeth Köhler

 


 

 

Leserbrief zu „Rechte Terrorfantasien“ von Lilith Grull

 

Die Frage, warum sich einige Menschen so leicht von Terrorfantasien anlocken lassen, gibt Anlass zu grundsätzlichen Überlegungen. Zunächst einmal haben alle Menschen vom Babyalter an das Bedürfnis nach etwas Greifbarem, nach etwas sich Bewährendem, um eine Ausgangsbasis für eine selbstwirksame Lebensgestaltung zu haben. Wenn das Begreifbare aber verabsolutiert wird, dann gerät das Unbegreifliche als Teil unserer Wirklichkeit schnell in Vergessenheit, dann wird mögliches Lernen als Lebensaufgabe leichtfertg verdrängt. Wenn jungen Menschen etwas sich positiv Bewährendes nicht vermittelt werden kann, dann bleibt bei denen das Grundbedürfnis nach etwas Verlässlichem, Begreifbarem doch bestehen. Und wenn das Gute substanziell oder als Herausforderung nicht verfügbar ist, dann greift man eben zum Schlechten, um irgendwie über etwas als punktuell stark Empfundenes verfügen zu können. Es ist also eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, Terrorfantasien und der damit verbundenen Illusion, Waffen und Gewalt seien Ausdruck überlegener Stärke, entgegenzuwirken. – Christoph Müller-Luckwald

 


 

 

Leserbrief zu „5. Können sich Virologen auch irren?“ von Andreas Sentker

 

Ich wäre der ZEIT dankbar, wenn sie sich einmal mit den Äusserungen der Experten Prof. Dr. med. Sucharit Bhakdi und Wolfgang Wodarg auseinandersetzen würde und eine Art „Peer Review“ dazu anstoßen würde, bei der nicht ausschließlich die Experten des RKI oder der WHO zu Wort kommen würden (die ja nach meiner Auffassung durch die genannten Experten kritisiert werden), sondern auch Experten, die den beiden Institutionen nicht nahe stehen. Wenn die Aussagen der beiden Experten stimmen, dass Covid-19 nicht anders einzuschätzen ist, als andere Corona-Viren oder Influenza-Viren, stellt sich doch wirklich die Frage, warum gerade bei diesem Virus derart weitreichende Massnahmen ergriffen wurden, oder? – Karl-Peter Weiss

 


 

 

Leserbriefe zu „Sind die aber groß geworden!“ in ZEIT leo, die Seite für Kinder

 

10 Fotos berühmter Menschen als Kinder und als Erwachsene. 7 Männer und 3 Frauen. Bildung für die nächste Generation. Schade, eine Bildungschance in Sachen Gleichberechtigung verpasst. – Molly Spitta

 


 

 

Leserbriefe zu „Über die Frage, warum so viele Leute in letzter Zeit ausgerechnet Klopapier hamstern“ von Harald Martenstein im ZEIT Magazin

 

Ich lese immer als erstes Ihre Kolumne im ZEIT-Magazin, und weil Sie heute geschrieben haben, niemand könne erklären, warum so viele Leute Klopapier kaufen, muss ich Ihnen sagen: natürlich gibt es dafür eine Erklärung, aber die ist natürlich nicht rational oder vernünftig, aber gleichwohl steckt doch einen mächtige Angst dahinter! Warum, wieso? Weil viele (sehr viele!) Menschen denken, dass das, was da hinten am Enddarm herauskommt (darf man überhaupt das Wort in den Mund nehmen?) irgendwie sehr gefährlich, vielleicht giftig oder hat vielleicht sehr viele Bakterien (ja, unendlich viele, aber die sind normalerweise harmlos) oder noch etwas anderes Unheimliches! Deshalb gibt es auch viele Schimpf- und Fluchworte aus diesem Bereich, wobei „Scheiße“ sehr verbreitet ist. Ich verbleibe mit der Hoffnung, dass ich der erste bin, der Ihnen dieses Geheimnis lüften konnte! – Dr. med. Carl Rothenburg

 

Wie ich Ihren Beiträgen im ZETmagazin entnehme, glauben auch Sie, dass „alles ewig miteinander verwandt (ist)“, wie Clemens Brentano schrieb. Könnten Sie mir dabei helfen, den Verwandtschaftsgrad zwischen der „Arschlochpolitik“, wie Ihr Kollege die nationalistische Politik einiger Länder nennt, und dem Hamstern von Klopapier zu bestimmen? – Johannes Kettlack

 

Wir lesen mit Vergnügen Ihre Beiträge zum ZEITMAGAZIN. Jetzt aber haben Sie zu verantworten, dass uns noch heute der Bauch vom Lachen wehtut über die Klopapier Hamsterei. Wir konnten nicht umhin, einen ergänzenden Beitrag zu leisten. Anbei unser Gedicht aus der Abteilung Gebrauchslyrik. Unser Gästeklo hat einen gewissen Unterhaltungswert, wie man an den Bildern zum Gedicht erkennen kann. – Christa und Wolfgang Sielemann

 

Ergänzend zu Ihren Gedanken über das Hamstern von Klopapier in der Corona-Krise möchte ich Ihnen meine Überlegungen mitteilen. Nach dem zweiten Weltkrieg war es mehr und mehr ein Zeichen des Wohlstands und der Überwindung schlechter Zeiten, im Haushalt absolute Hygiene walten zu lassen. Sie erinnern sich: „Ariel – nicht nur sauber, sondern rein.“ „Meister Propper putzt so sauber, dass man sich drin spiegeln kann.“ Der Psychologe Matthias Jung sagt: “ ‚Rein“ hebt uns in eine höhere Sphäre und verheißt ein besseres Leben.“ Auch die Regale mit den Putzmitteln waren bei einem meiner Besuche bei DM neulich leer. Wir Menschen haben es geschafft, mit Hygiene zahlreiche Misstände früherer Zeiten zu bekämpfen. Aber wir können nichts dagegen tun, dass wir immer noch Wesen sind, die stinkenden Kot ausscheiden.

Dies möglichst geräuschlos und unauffällig zu verrichten mindert das als entwürdigend Empfundene dieser Tatsache. Genügend Klopapier vorrätig zu haben gewährt uns die Sicherheit, dass keine peinlichen Gespräche geführt werden müssen, z.B. über Klopapier-Ersatz-Möglichkeiten. Dabei würde der Vorgang ja bildlich vor die Augen treten. Und wer möchte das schon? Gerade wenn man sehr eng zusammenrückt, braucht man seine Privatsphäre. Und dazu gehört mindestens der Stuhlgang. Also, ich kann die Leute schon verstehen, die gerne genügend Klopapier zu Hause haben, auch wenn manche dabei wohl ein wenig übers Ziel hinausgeschossen sind. – Helga Eham

 

Lieber Herr Martenstein, gestatten Sie mir die etwas anbiedernde Anrede, aber schließlich leben Sie in meiner Geburtsstadt und ich in Ihrer. Gerade habe ich meiner Frau Ihre aktuelle Kolumne im Zeitmagazin vorgelesen, ein Ritual, das wir seit vielen Jahren zelebrieren. Anschließend können wir über Ihre undogmatischen Gedanken nachdenken, lachen und diskutieren. Ein Entfall Ihrer Kolumne würde uns nachdenken lassen, ob eine Fortsetzung des ZEIT-Abonnements sinnvoll ist. Als ich jetzt in Ihrer Kolumne vom Heiligen Stuhl las, fiel mir spontan Jürgen „Oddo“ Blumberg ein, ein Mainzer Fluxist, in dessen posthumer Ausstellung im Mainzer Rathaus 2018 seine Interpretation eines Heiligen Stuhls zu sehen war: ein thronartiger Sessel, auf dessen Sitzfläche ein vergoldeter Haufen liegt.

So, wie ich Sie einschätze, hätte Ihnen die Ausstellung gefallen, vielleicht haben Sie sie ja auch gesehen. Ich hatte mich sehr auf den 28. April gefreut, wo ich mich frühzeitig vor dem Foyer des SWR anstellen wollte, um bei Öffnung im Laufschritt einen der bühnennahen Plätze zu ergattern, um Sie einmal abseits Ihrer Kolumne zu erleben. Leider wurde der Termin jetzt auf den 27. Mai verschoben, an dem, wenn Sie in Mainz sein dürfen, ich in Berlin sein werde. Zuletzt bitte ich um Entschuldigung, dass diese Mail ob ihrer Kritiklosigkeit für Sie uninspirierend bleiben musste. – Bernd Lange

 

Ich bin zwar grundsätzlich nur bedingt ihr „Freund“, da es mich jedesmal ärgert, dass Ihr Name in wesentlich größeren Schrift als die Überschrift Ihrer Beiträge (im ZEIT-Magazin) erscheint. Der Inhalt Ihrer Kolumnen ist doch das Wichtige, erst in zweiter Linie Ihr Name, oder? . Der eigentlich Grund meines Leserbriefes ist aber, dass ich Ihnen zum Beitrag über das „Problem Klopapier in Corona-Zeiten“ (im ZEIT-Magazin Nr. 14, S. 7) von ganzem Herzen gratulieren möchte. Er ist weltklasse! Nicht alle Ihrer schriftlichen“Ergüsse“ können diese Wertung von mir bekommen, aber für diese Kolumne ist sie absolut gerechtfertigt! . In diesem Sinne wünsche ich Ihnen, dass Sie weitermachen (können) und dass Sie gesund bleiben! – Prof. Dr. Peter O. Chott M.A.

 


 

 

Leserbriefe zur Deutschlandkarte „VIROLOGIE-INSTITUTE“ von Matthias Stolz im ZEIT Magazin

 

Auf dem Ostauge sind Sie leider immer noch blind: im neuesten Zeitmagazin führen Sie Institute für Virologie auf – hier fehlt leider das Friedrich-Löffler-Institut auf der Insel Riems, das bereits 1910 gegründet wurde. Ein sorgfältiger Blick in die Wikipedia hätte genügt. – Sabina Franke

 

Herzlichen Dank für die aktuelle Übersicht der Virologie-Institute. Aus meiner Sicht fehlt das Virologische Institut der Universität Köln. Dies ist seit 1972 ein eigenständiges Institut (gehörte vorher zur Mikrobiologie, Prof. Pulverer) und wurde dann von meinem Vater, Prof. Eggers geleitet. –S. R. Eggers

 

In Ihrem aktuellen Zeitmagazin ist Ihnen ein gewaltiger Fauxpas passiert. Sie erwähnen die Virologie-Institute Deutschlands und haben das erste virologische Institut der Welt auf der Karte einfach vergessen: das Friedrich-Loeffler-Institut auf der Insel Riems bei Greifswald, gegründet 2010 von einem Schüler Robert Kochs und einem der Entdecker des filtrierbaren Pathogens, des Virus. http://www.fli.de – Matthias Lenk

 

Vielen Dank für Ihre immer wieder gut gemachte Zeitung, jedoch habe ich im letzten Zeit-Magazin beider Deutschlandkarte mit Virologie Instituten den Forschungsstandort Braunschweig vermisst! In Braunschweig gibt es gleich mehrere Virologie-institute: Helmholtz Zentrum für Infektionsforschung (HZI) von 1965 Technische Universität Braunschweig Institut für Mikrobiologie von 1745 Julius Kühn Institut Mykologie, Bakteriologie und Virologie von 2008 Klinikum Braunschweig Institut für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie von 1895 Diese Institute haben im Moment auch eine hohe Medienpräsenz vor allem im Fernsehen (auch im NDR). Schauen Sie als Zeitungsmacher doch auch einmal Fernsehen. – Manfred Paul

 


 

 

Leserbriefe zu „Bis bald, hoffentlich“ von Matthias Stolz et al. im ZEIT Magazin

 

Nachdem ich meinem Enkel am Telefon erklärt hatte, dass ich wegen der Corona-Krise nicht zu seinem Geburtstag kommen könne, aber ein Paket für ihn bereits unterwegs sei, schrieb er seinen ersten Brief. – Barbara Bode

 

Seit Jahrzehnten lese ich Ihre Zeitung – und das Magazin. Bin nicht immer einverstanden mit dem zunehmenden Mainstream-Journalismus Ihres Blattes (Klima-Debatte), aber immer noch bereit, mich einzulassen auf Themen, deren Behandlung ich anderswo in dieser Ausführlichkeit nicht finde. Das schätze ich nach wie vor sehr! Aber was Sie mit dem Magazin-Titel No. 14 angerichtet haben, unterschreitet jedes Maß an kritischem Journalismus. Angefangen von der Titelgrafik – Friedenstaube plus Herz- bis hin zu den Überschriften der einzelnen Artikel – „Liebe Mutter, Liebe Oma“ etc. – : kein aufklärerischer Gedanke, keine Ratio – nur Schwulst und Kitsch. Karl Kraus hätte seine Freude an Ihnen gehabt! „Bis bald, hoffentlich“ – in einer Welt, in der Journalismus informiert – und nicht kapituliert… – Bernd Jacobs

 

Mit viel Freude habe ich die zahlreichen Briefe, insbesonders Ihren Brief an Ihre Eltern gelesen. Dass sich Ihre Eltern nach all den Jahren der Trennung in ihren Playlists bei Joan Baez wieder treffen, finde ich sehr rührend. Vielleicht ist es Ihnen entgangen, dass Ihre Eltern sogar auch ihre Playlists mit demselben Künstler, zumindest indirekt, begonnen haben, nämlich Paolo Conte. Dieser Paolo Conte hat nämlich ‚Azzuro‘ vertont. Ihre Eltern scheinen ja immer noch vielen Gemeinsamkeiten zu haben. Ich freue mich mit Ihnen! – Hermann Brünemann

 

Danke für diese acht Geschichten. Sie haben mich in den tiefsten Poren meiner Seele berührt und das Tor der Tränen geöffnet. Menschlich, authentisch, offen und voll von Liebe – ein Geschenk in Zeiten der Pandemie. – Jörg Puttfarken

 


 

 

Leserbriefe zu „Prüfers Töchter“ von Tillmann Prüfer im ZEIT Magazin

 

Wir lachen uns gerade kaputt über ottolengi. Danke für diese witzige Kolumne! – Familie Scheidhauer und Alary

 

Heute habe ich – wie eigentlich jede Woche – mit großer Freude die aktuelle Folge von „Prüfers Töchter“ gelesen. Sie hat mir gleich beim Frühstück gute Laune verpasst, diese Woche ganz besonders aus zwei Gründen. Zum einen erfährt eine gute Freundin von mir bei ihrer jüngsten Tochter genau die gleiche Abneigung gegenüber Ottolenghis Küche wie Sie. Lange war sie deshalb am Verzweifeln, inzwischen hat sie aufgegeben! Zum anderen bin ich selber seit vielen Jahren (eigentlich schon seit lange bevor Ottolenghi im deutschen Mainstream ankam ;-)) Ottolenghi-Fan und -Hobbykoch.

Deswegen würde ich Sie gerne an dieser Stelle auf ein Ottolenghi-Rezept aufmerksam machen, mit dem Sie vielleicht den Durchbruch erreichen können, und zwar das namens „Pastitsio“ hier: https://www.theguardian.com/lifeandstyle/2015/aug/28/pasta-tomato-sauce-recipes-yotam-ottolenghiMich würde es SEHR wundern, wenn Juli dieses Gericht nicht schmeckt! (Allerdings ist es nicht vegetarisch…) Falls Sie es wagen sollten, Ihr Glück damit zu probieren, wünsche ich Ihnen gutes Gelingen. Vielleicht ergibt sich dabei, dass Juli sich mit dem Herrn Lengi versöhnt. Und danke noch für die wöchentliche Erheiterung, die Sie und Ihre Töchter mir bereiten! – M. Islam

 

Das Rezept von Frau Raether könnte auch von Yotam Ottolenghi sein. Da stimme ich voll mit Jula überein „Otto Lengi kann nicht kochen“. Die Kombination von Pasta und Anchovis scheint mir aus dem Gedanken geboren: Hering schmeckt gut, Milchsuppe schmeckt gut! Wie gut muss erst Hering mit Milchsuppe schmecken. PS Ich denke oft an Wolfram Siebeck. – Klaus John

 

Danke für diese amüsante Kolumne! Bei der Auflistung von „Otto Lengis“ Gerichten musste ich schmunzeln – war doch „Bulgur mit Tomaten, Auberginen und Joghurt“ eines der ersten leckeren Gerichte, das wir nach Ottolenghis „Simple“ kochten. Simple enthält übrigens auch einige Pommes-Rezepte! – Andrea Lemm

 


 

 

Leserbrief zu „Homeoffice“ von Heike Faller im ZEIT Magazin

 

Das Home Office hat auch den Vorteil, dass man herrlich langsam in den Tag gleitet, die Zeitung aus dem Briefkasten holt, sich darüber ärgert, dass der Briefträger das Titelblatt beim Einstecken in den Briefkasten mehrmals zerrissen hat… Dann setzt man sich hin, blättert durch das Magazin und entdeckt ein herrliches Motiv, dass sodann gegen eine Schneelandschaft, die zu dieser Jahreszeit ja auch keiner mehr sehen will, in den Wechselrahmen wandert. – Familie Wappes

 


 

 

Leserbrief zu „UM DIE ECKE GEDACHT NR. 2530“ im Zeit Magazin

 

In diesen Zeiten freuen wir uns immer sehr auf die Ausgabe der Zeit mit dem Zeit-Magazin und dem Rätsel „Um die Ecke gedacht“. Diese Woche hatte wir allerdings das Rätsel schon um 8:45 gelöst. Schade, dass es da nichts mehr zu knobeln gab. – Dorothee Lansch und Lucy Lansch-Justen

 


 

 

Leserbrief zu „Alibaba überall“ von Julia Friedrichs und Andreas Spinrath im ZEIT Magazin

 

Alibaba ist der Räuber unserer Individualität! Wollen wir wirklich so leben? – Dr. Erhard Heisel

 


 

 

Leserbrief zu „Heiter bis glücklich“ von Claire Beermann im ZEIT Magazin

 

Seit vielen Jahren bin ich Fan Ihrer Zeit! … In Ihrer letzten Ausgabe bin ich über Ihre „Heiter bis glücklich“ Seite gestolpert oder besser gestürzt. Ich frage mich wie kann es sein, dass in einer Zeit, in der sich viele Menschen schwere Existenzsorgen machen, Frau Claire Beermann über „Halsschmuck, der auch wärmt“ nachdenkt. Die ganze Seite erscheint mir wie aus einer anderen Zeit, lag sie bereits in Ihrer Schublade? Auf jeden Fall ist sie für mich ein Ausdruck unserer Dekadenz und Langeweile, was sich in meinen Augen auf die Zeit vor Corona bezieht. Die Seite ist vielleicht eine Abschied, „schaut – so wird es bestimmt nicht mehr sein“…. Ich bin gespannt wie sich unser aller „Heiter bis glücklich“ entwickelt und hoffe sehr für unser aller Glück, nicht nur für das von gelangweilten Eliten. Viele Grüße und Gesundheit! – Katharina Schnitzler

 


 

 

Leserbriefe zu „Sind Sie zu zögerlich, Herr Bürgermeister?“ Gespräch mit Peter Tschentscher geführt von Frank Drieschner und Marc Widmann in der Regionalausgabe ZEIT Hamburg

 

In der Unterschlagzeile Ihres Titels suggerieren Sie, Hamburg hätte die Gefahr der Corona-endemie unterschätzt, festgemacht an der Meldung, kein Bundesland hätte relativ mehr Infizierte. Die Meldung ist zwar nicht falsch, dennoch hier nicht viel wert, da HH ein Stadtstaat ist; z.B. hat München z. Zt. (soeben auf den Internetseiten der beiden Städte nachgeschlagen) mehr Infizierte als Hamburg, aber ca. 700000 Einwohner weniger. Diese Art des Umgangs mit Fakten ärgert mich, denn eigentlich wissen Sie es besser (Herr Tschentscher selbst hat Sie im Interview auf die Relationen hingewiesen), oder Sie haben nicht den Durchblick, der nötig ist zum Umgang mit Statistikzahlen (was ich nicht glauben möchte). Gerade in der ZEIT erwarte ich einen auf manipulative Aussagen verzichtenden Journalismus. – B. Mostler

 

Diese Aussage von Herrn Tschentscher : „Niemand hat damit gerechnet, dass Österreich so schnell zu einem Risikoland wird“ kann man nicht so stehen lassen, da sie schlichtweg falsch ist. Soviel Ignoranz und wegreden macht mich fassungslos. Island hat bereits am 5. März die italienischen und österreichischen Skigebiete zu Risikogebieten erklärt und gewarnt, als festgestellt wurde, dass sämtliche Infizierte Urlaubsrückkehrer aus diesen Gebieten waren. Und die Konsequenz gezogen, seine restlichen Urlauber bereits am 7. März per Sondermaschine auszufliegen und alle zu häuslicher Quarantäne zu verpflichten. Zu Beginn der Hamburger Skiferien waren also die Fakten durchaus bekannt – die Verantwortlichen haben es ignoriert.

Ab dem Zeitpunkt 5.März hätte man also die Hamburger durchaus zumindest warnen, wenn nicht sogar stoppen müssen, in diese Skigebiete zu starten – den Viren entgegen. Und später die Rückkehrer ? Ihnen zu sagen , „sie müssen aufmerksam sein“, statt häusliche Quarantäne anzuordnen? Im Nachhinein hat sich ja leider herausgestellt, wie gefährlich diese Fehleinschätzung war. Es fehlten nicht die Fakten, sondern Konsequenz und schnelle Entscheidung. Wenn die gesamte Bevölkerung zu all diesen extrem einschneidenden Maßnahmen verpflichtet wird, warum nicht die Rückkehrer aus dem Ausland -zumindest aus diesen Risikogebieten- wenigstens zu häuslicher Quarantäne ? Statt nur „aufmerksam sein“ ? Die Glaubwürdigkeit von Herrn Tschentscher, den ich bisher sehr geschätzt habe, ist nun dahin. – Roswitha Müllerwiebus

 

Über den „Corona- Hochburg Hamburg“ – Titel war ich sehr entsetzt. Wenn ich reißerische Titel würde lesen wollen, dann würde ich das Originsl= “ Bild“ lesen! Hat Die Zeit das jetzt nötig, oder wer hatte da den Homeoffice- Koller? In den Artikeln wird ja durchaus differenziert berichtet, warum dann dieser Titel? Auch finde ich angstmachende Titel völlig daneben in dieser Zeit ( und eigentlich immer). Also bitte nicht wieder so! – Gisela Zeigermann

 

Ihre Fragen „warum haben Sie es zugelassen, …. dass die Bürger dieser Stadt zu Tausenden den Viren entgegengereist sind?“ und: hätten Sie nicht ahnen können, dass die Epidemie auch die Skigebiete in Tirol erreichen Würde? sind Schlaumeier-Fragen. Diese Fragen hätten Sie 1 Monat vorher stellen sollen, wenn S i e das „geahnt“ haben. Zu diesem Zeitpunkt hat kein Robert-Koch-Institut, kein Virolge oder ein anderer Experte derartiges geahnt. Auch nicht die Presse. Also bitte seriös bleiben. – Johannes Busse

 

Dass Hamburg die bundesweit höchste Durchseuchungsquote hat und auch die Unfallzahlen wieder steigen, dürfte auch auf die überhöhte Einwohnerdichte zurückzuführen sein. Es wäre deshalb Aufgabe der Politik gewesen, stadtplanerisch auf eine gleichmäßigere Verteilung der Bevölkerung auf Norddeutschland hinzuarbeiten – z. B. durch Verlegung des Flughafens nach Kaltenkirchen und stärkere Förderung der Nordseehäfen statt kontinuierlichen Ausbaus des Hamburger Hafens. Mieterverein und BUND fordern aus sozialen und ökologischen Gründen schon seit langem derartige Schritte. Äußerst ärgerlich, dass dies im Bürgerschaftswahlkampf überhaupt nicht thematisiert wurde – auch nicht von den Grünen! – Prof. Dr. Thomas Cirsovius

 


 

 

Leserbriefe zu „Bauer Jaacks kämpft um seinen Hof“ von Félice Gritti in der Regionalausgabe ZEIT Hamburg

 

Ganz so einfach ist es nicht! Es ist ja die Landwirtschaftskammer selbst, die uns Pferdehofbesitzer zu Landwirten macht, indem sie Zwangsmitgliedschafts Beiträge erhebt, ob wir wollen oder nicht. Das Zweite ist, eine Rinderhaltung hat ja in der heutigen Zeit nichts mehr mit Bauernhof zu tun, d.h. es handelt sich um eine Massentierhaltung mit den entsprechenden Folgen für das Sterben der Natur und der Artenvielfalt. Ich nenne nur Stichworte: Maisanbau, Pestizide, Insektizide, Monokultur, sechsmaliges Mähen des sogenannten Grünlands, Insektensterben.Das alles sollte man bei dieser Abwägung bedenken! – Dierk Breimeier

 

Erst, wenn der letzte Fluss verseucht, das letzte Feld für Pferdeweiden genützt wird…. Welch ein Skandal! Diese Entscheidung der Wirtschaftsbehörde, der Frau Gemahlin eines wohlhabenden Grundstückmaklers, einer“leidenschaftlichen Reiterin“ ein Vorkaufsrecht zu gewähren gegen einen alteingesessenen Landwirt, der Landwirtschaft wirklich betreibt. Mir fehlen die Worte, und damit meine ich nicht etwa Klassenkampf oder Neid. Ich habe auch nichts gegen Pferde, wunderschöne, völlig nutzlose Tiere, die zu nichts Anderem dienen, als von sehr wenigen, sehr reichen Besitzern sehr selten einmal ausgeritten werden. Dabei ist der gesamte Hamburger Aussenraum, Sasel Duvenstedt ., Bergstedt, Wohldorf, sowie der Speckgürtel im Norden, Osten und Westen, von der Heide im Süden mal ganz abgesehen,derartig mit Pferdeweiden, Ställen, Reitwegen bepflastert, dass dies im Angesicht des Hungers in der Welt so schon skandalös ja fast obszön ist.

Da nimmt man nun dem letzten wirklichen Bauern im Klövensteen im Angesicht des so schon schlimmen Bauernsterbens die Existenzberechtigung, obwohl er den gleichen Preis zahlen wollte. Das wirft wahrlich eine grundsätzliche Frage auf, zu der sich nicht nur die Parteien an den Rändern äußern sollten, sondern auch mal die beiden großen, die jedoch schon einknickten, als eine kleine Gemeinde einst im Norden Hamburgs eine sehr berechtigte sog. Pferdesteuer einführen wollte, und sie dann wieder zurückzog, als die „wohlbestallte“ leidenschaftliche!? Reiterelite dagegen Sturm lief. Jetzt sollten wir mal dagegen Sturm laufen, selbst wenn es vor das nächsthöhere Gericht geht. – Kristof Schöber