7. März 2019 – Ausgabe 11

Leserbrief zu „Wir können keinen Schaum schlagen“ von Mai Thi Nguyen-Kim

Diese Art von gendern, die Sie in Ihrem Artikel vornehmen, kann ich kaum noch ertragen: „Inzwischen habe ich fast alle meine Freunde in der Wissenschaft gefragt, ob sie das Schaumschläger-Syndrom kennen. Das Ergebnis ist eindeutig: Die Männer können damit wenig anfangen, meine Freundinnen kennen das Gefühl fast alle […].“ Und das soll dann wohl eine Recherche sein. Ich habe dagegen öfter – und ausschließlich – mit Männern über dieses Syndrom, dessen Namen ich bis heute nicht kannte – gesprochen. Merkwürdiger Zufall – oder nicht? Nun, mithilfe solcher Artikel, wird ein allgemeines „Syndrom“ „weiblich“ besetzt, und als Mann werde ich dieses Syndrom ab heute lieber nicht mehr kennen. Ich fand es zuallererst übrigens in Literatur von einem Mann beschrieben. Frank Schäfer hat das Syndrom im Rückblick auf seine Studien- und Doktorandenzeit literarisch ergründet (wenn man suchte, würde man sicher weitere Beschreibungen finden). Frauen in der Wissenschaft ist ein großes und wichtiges Thema, und vielleicht tritt das Schaumschläger-Syndrom eher bei Frauen auf, aber der Artikel zeigt keine Recherche und keine differenzierte Sicht, sondern nimmt einfach Setzungen vor. Das ist ärgerlich! Entschuldigen Sie bitte, dass ich meinem Ärger hier so ungefiltert Luft mache. – Christian Wiebe


Leserbrief zu „Das fliehende Klassenzimmer“ von Manuel J. Hartung

Die Kinder machen uns vor, wie man heute verantwortungsbewusst lebt und bringen dafür sogar das Opfer der Schulschwänzung! Die Dinge nämlich, die sie benutzen – Kinderzimmer bis unter die Decke voll mit Spielzeug, elektronische Geräte, Designklamotten sowie Motorroller und Autos, mit denen schon Siebzehnjährige in die Schule brettern – wachsen alle nachhaltig auf unserer guten Mutter Erde. – Werner Koetz


Leserbrief zu „Der Preis der Gerechtigkeit“ von Mark Schieritz

Nur in einem neoliberalen Wirtschaftssystem wird der Preis für Gerechtigkeit auf alle und damit besonders auf die Einkommensschwachen abgewälzt. Eine ausreichende Besteuerung der höchsten Einkommen und Vermögen würde den beschriebenen Effekt im Sinne einer Umverteilung von oben nach unten deutlich abfedern. Beispielsweise sollten bei Einkommen größer 1 Mio. Eu /Jahr die übersteigenden Beträge mit massiv besteuert werden (Richtlinie etwa 90% wie in den USA bis in die 1960er und der Vorwurf kommunistischer Agitation kann da ja wohl nicht vorgebracht werden). Andere staatliche Einnahmen können aus einer längst überfälligen Börsenumsatzsteuer, einer auch den Flugverkehr betreffenden CO2 Steuer, etc. lukriert werden. – Dr. Erich Kainz


Leserbrief zu „Kimismus forever“ von Josef Joffe

In Josef Joffes Kolumne wird irrtümlich festgestellt, dass noch kein Land sein Atomwaffenarsenal freiwillig hergegeben hat. Ausweislich o.g. Belegstelle hat seinerzeit Südafrika im Zuge seiner Umwälzung vom Apartheidstaat zur Demokratie auf seine heimlich gebauten Kernwaffen verzichtet und diese von der IAEO nachgeprüft auch vernichtet. – Alexander Petri


Leserbrief zu „Der Straßenkrieger“ von Robert Pausch

Nicht die Politiker, über die geschrieben wird, sind die Flaschen, sondern die Journalisten die einen solchen Mist verbreiten. Es ist hinreichend bekannt, daß die meisten Unis eine radikal linke Politik installiert hat. Von diesem Parteijournalismus sollte sich die „Zeit“ trennen. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Die Verkuschelung der Welt“ von Anna Gien

Ja, ja, ja, es gibt sie noch, die Anderen, die Verweigerer, die Hoffnung, auch für uns. Ihr Artikel hat mich herausgerissen aus der linksliberalen Schläfrigkeit, hat mir das Gedärm umgedreht und ich habe – wie einst nach der Lektüre von Büchners „Lenz“ – die Fenster aufgerissen und hinausgeschrien: Da ist eine, da, da! Die sich nicht vor der Freiheit ängstigt, deren staunende Seele sich erschüttern lässt beim Aufstieg ins Hochgebirg. Grenzgang, Herausforderung, sich einlassen auf Natur, Gedichte und Musik. Spucken wir gemeinsam auf die gelassenen Herren, deren Gartenhäuschen und Tulpenbeete zugrunde gehen würden und die daher mit Dämmen und Ableiten der drohenden Gefahr des Stroms des Lebens abzuwehren wissen. – Klaus Lüßenhop


Leserbrief zu „Wer war Stauffenberg?“ von Jens Jessen

Ich kenne die Stauffenberg–Biographie von Karlauf nicht. Auch ich halte es für müßig, darüber zu spekulieren, ob Stauffenberg „aus dem Geist des George-Kreises“ gehandelt hat. Wichtig allein ist dass er gehandelt hat. Wir sollten uns davor hüten, seine Motivation zur Durchführung des Attentats mit noch so klugen Gedanken ergründen zu wollen. Wäre Stauffenberg erfolgreich gewesen, wäre sicherlich Hunderttausenden der Tod an den Fronten erspart geblieben, weil der nachfolgenden Reichsführung gar nichts anderes übrig geblieben wäre, als zu kapitulieren und Frieden zu schließen, zumindest mit den westlichen Alliierten, bei denen es zunehmend Anzeichen von Kriegsmüdigkeit gab, zu verhandeln. Es gibt kein Handbuch für Attentate auf verbrecherische Staatschefs und so sind, und , das ist meines Erachtens das Einzige, was man in der – ach, so bequemen – Rückschau Stauffenberg vorhalten könnte, ihm Fehler unterlaufen. Er wusste, dass ein Fehlschlag ihn und anderen das Leben kosten würde. Daher hätte er am Tatort bleiben müssen, wie auch immer. Niemals durfte er an die wartenden Mitverschwörer in Berlin die Nachricht übermitteln, dass der Führer tot sei. Der andere gravierende Fehler war, dass es keinen „Plan B“ für den Fall des Scheiterns gab. Bis hierher konnte ich Jens Jessen mit seiner Kritik gegenüber Karlauf gut folgen. Aber was bitte ist der „Opportunismus der Angestelltenwelt“ die Ideale nur noch im „Sprachgebrauch“ hochhält? Es wäre interessant zu erfahren, ob dieses auch für die „Beamten-, Arbeiter-, Selbständigen- und Journalisten-Welt“, frei nach Jens Jessen, gilt? – H.-Jürgen Borchelt


Leserbrief zur Fotokolumne „WER BIST DU?“ von Florian Jaenicke im ZEIT Magazin

Seit elf Wochen begleiten mich und meine Frau die einfühlsamen Fotos und liebevollen kurzen Texte von Florian Jaenicke durch die Woche – nicht nur, aber auch weil wir mit einem inzwischen erwachsenen schwerbehinderten Sohn so ähnliche Erfahrungen und Erlebnisse wie er hatten und haben. Und zugleich zeigt diese Serie mir seit elf Wochen, dass es um nicht die kunstvoll drapierte Menge der Worte (wie bei Martensteins zunehmend selbstgerechter Kolumne), sondern um die Nähe und Liebe zu einem Menschen geht, die aus Florian Jaenickes kurzen Texten mit jedem Wort herauszuhören und zu -spüren ist. Danke für diese besondere und bewegende Fotoserie! – Severin Höhmann


Leserbrief zu „Sein Schatz“ von Britta Stuff

Man muss Die Zeit lieben: Zwei ganze Seiten des Politikteils über Peter Altmaier und seine Bücher, wunderbar! Das ist es doch, was Die Zeit (auch) ausmacht, sich abseits von den Aufgeregtheiten einer zerfallenden Welt ausführlich dem Schönen und Bleibenden zu widmen. Danke und weiter so! – Sven Hemming


Leserbrief zu „Der Preis der Gerechtigkeit“ von Mark Schieritz

Dass höhere Löhne höhere Kosten für Güter und Dienstleistungen nach sich ziehen ist natürlich richtig, bezogen auf die Pflege muss ich jedoch mal fragen: wenn ich 40% meines Lohns für Steuern und Versicherungen abziehen lasse, sollte das nicht ausreichend sein, um die Pflegekräfte angemessen zu bezahlen? Sie schrieben in einer der letzten Ausgaben einmal, dass ein Heimplatz in Deutschland fast 4000,- im Monat kostet. Wie sind diese Kosten eigentlich genau aufgeteilt? Oder etwas hintersinniger: wieviel von diesem Geld bekommt die Pflegekraft und wieviel streicht der Versicherungskonzern oder der Pflegebetrieb ein? – Hänschke


Leserbrief zu „Das fliehende Klassenzimmer“ von Manuel J. Hartung

Ihr Autor hat noch gar nicht realisiert, daß unsere Jugend dumm, dümmer gemacht worden ist. Und das hat die Umweltpartei verbrochen. Die sollen sich nicht auf der Straße rumtreiben sondern sich auf den Hosenboden setzen und brauchbares lernen. Das war unter den Grünen gar nicht möglich. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Kimismus forever“ von Josef Joffe

Kim in Nordkorea kündigt doch seine Lebensversicherung nicht. Auch nicht in 100 Jahren. Was soll das ganze Gezeter der Medien. Josef Joffe hat völlig recht wenn er seinen Kollegen die falsch verstandene Staatenpolitik erklären muß. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Sein Schatz“ von Britta Stuff

Es ist mir vollkommen unerklärlich, weshalb Sie Peter Altmaier, dem Verhinderer, Blockierer und Strippenzieher, der, egal in welcher politischen Position noch nie etwas anderes gemacht hat, als Angela Merkel den Rücken frei zu halten und ihre (und damit auch seine) Macht zu sichern – weshalb Sie ausgerechnet ihm eine derartige großzügige Bühne bieten, sich als angeblicher Feingeist zu präsentieren, der seine Bücher „meist nach Schönheit“ sortiert. Seine politischen Auftritte sind nichts als inhaltsleer und peinlich. Man schaue sich nur einmal das Tagesschauvideo von Merkels Besuch in Ghana Ende August 2018 an, wie Peter Altmaier dem Ghanaischen Präsidenten gemütlich auf die Schulter klopft (!!!), eine herablassende Geste, die er sich bei keinem europäischen Präsidenten erlauben würde. Soviel zum Feingeistigen. Zwei groß aufgemachte Seiten Anbiederung mit zusätzlichem werbewirksamem Bücherwandbild für einen Politiker, der nach meiner Erinnerung bisher noch nichts, aber auch gar nichts inhaltlich Positives zur politischen Gestaltung beigetragen hat, ist in hohem Maße ärgerlich. – Rudolf Thieser


Leserbrief zu „Der Preis der Gerechtigkeit“ von Mark Schieritz

Herr Schieritz hat vollkommen Recht. Als Café-Betreiber müsste ich das Preisniveau meines gesamten Angebots um ca. 60% erhöhen, um meinen Mitarbeitern den bundesdeutschen Durchschnitts-Bruttolohn zu zahlen. Ein Cappuccino wäre dann bei 4,80€. Sind wir bereit das zu zahlen? – Abi von Schnurbein


Leserbrief zu „Das fliehende Klassenzimmer“ von Manuel J. Hartung

Seifenoper!
„Wie putzig! Wie süß“, „Ooch, kuck mal wie traurig die kuckt!“ und schwupps hat die fortschrittliche Presse eine neue Heldin in Form von Greta Weissnichtwer. Und die ehrlich über ihre Zukunft besorgten Schüler sind natürlich total politisch und greifen das auf und die kleinen Davids beginnen mutig den Kampf gegen das Klimamonster und alle Menschen guten Willens stellen sich beschämt und spontan an ihre Seite und nur die Doofen bringen noch irgendwelche Scheinargumente…. Genauso einen Schmonzes jetzt auch in der ZEIT lesen zu müssen, ist schon hart. Nur so nebenbei: erstens ist Energieverbrauch ein Ausdruck von Wirtschaftsinteressen und damit von knallharten Wohlstandsinteressen eines überwiegenden Teils der hiesigen Bevölkerung. Der notwendige Rückbau des Wachstumsparadigmas bedingt entweder eine steigende Arbeitslosigkeit oder eine neue Umverteilungsdiskussion. Das Stichwort lautet Verzicht. Welcher Prediger dieses Wortes gewinnt Wahlen? Zweitens wäre der Umwelt ganz konkret geholfen, wenn die angesprochenen Eltern der lieben Schüler einfach mal selbst umsteigen würden: Fahrrad statt Auto, Fahrrad statt Elektromotor-Bike, Schwarzwald statt Kreuzfahrt. Aber externalisieren ist immer gut und deshalb so beliebt und demonstrieren ist einfacher als agieren. Da hat man einen bösen Feind! Aber wieso muss ein Journalist, der es besser weiss, das auch noch propagieren? – Achim Hauck


Leserbrief zu „Der Preis der Gerechtigkeit“ von Mark Schieritz

So wichtig die Anmerkungen zum Zusammenhang zwischen einem fairen Lohnniveau und der Bereitschaft ansteigende Preise in verschiedenen Bereichen zu zahlen auch sind, ist der Hauch einer gewissen Polemik nicht ganz zu leugnen. Das Schweizer-Modell suggeriert einen Kostenanstieg unabhängig von der Berücksichtigung weiterer landesspezifischen Umstände. Gleichzeitig sollte bei der Betrachtung dieses Zusammenhangs bedacht werden, dass neben staatlichen Einrichtungen wie Kitas und Senioreneinrichtungen immer mehr private Träger diese Aufgaben übernehmen und hier die Zielsetzung vordergründig in der eigenen Gewinnmaximierung statt des Gemeinwohls besteht. Es werden höhere Kosten an den Zahlenden weitergetragen, ohne überhaupt die Gewinnmaximierung zu hinterfragen. Faire Bezahlung und ein gerechter Umgang miteinander sollten im Endeffekt höher wiegen, sollten nicht vordergründig als Nachteil für den Einzelnen suggeriert werden und sind doch auch Grundgedanken unseres Sozialstaats. Um nicht in das bequeme „Immer-weiter-so“ zu verfallen, sollte der Schwerpunkt der Diskussion nicht sein, ob gewisse Berufsgruppen mehr Geld bekommen, sondern wie es realistisch, sozialverträglich, unter Berücksichtigung verschiedener Umverteilungsmechanismen verwirklicht werden kann. – Elisa Wegmann


Leserbrief zu „War Kafka ein jüdischer Autor?“ von Benjamin Balint

Wenn zwei sich streiten….. und wenn man es genau nimmt, so war und ist Franz Kafka ein österreichischer Dichter, geboren in Prag im Habsburgischen Kaiserreich, gestorben in Niederösterreich, als Österreich schon eine demokratische Republik geworden war. Max Brod kommt das große Verdienst zu, dass er das Werk Franz Kafkas gerettet hat. Allerdings ist kaum vorstellbar, dass Kafka wohnhaft in Hamburg, Stuttgart oder Berlin so geschrieben hätte, wie er es getan hat. Das war nur möglich durch den jüdischen Hintergrund in der Donaumonarchie, wo sich das Judentum teilweise stark an der deutschsprachigen Kultur orientierte, aber auch all die Einschränkungen dieses Systems zu spüren bekam, besonders in Prag durch seine allseits bekannte Historie. Mag es auch schmerzhaft für Germanisten sein, aber Max Brod konnte glücklicherweise nach Palästina flüchten und so scheint es durchaus gerechtfertigt, dass Kafka dort und nicht in „Kakanien“ oder anderswo seine letzte „Heimat“ fand. – Margarete Lauringer


Leserbrief zu „Der Klang von Muschelkalk“ von Moritz Aisslinger

Selten habe ich Anlass zur Klage bezüglich der wunderbaren ZEIT, aber der viele Platz, der Herrn Bleutge in der letzten Ausgabe eingeräumt wurde, veranlasst mich zu diesem Statement…: …auch ich suche manchmal tagelang, genau wie Herr Bleutge und sicherlich auch Herr Aisslinger, nach dem richtigen Wort. Und auch in Reaktion auf den Artikel „Der Klang von Muschelkalk“ gebe ich mir hier besondere Mühe. Das Ergebnis, knapp zusammengefasst: Ein herzhaftes „Hurz“! Ebenfalls aus Erfahrung weiß ich, wie schwer es manchmal ist, zwischen den Geräuschen, die aus Gesteinen kommen, der eigenen Darmperistaltik und den Stimmen im Kopf zu unterscheiden. Vor der Veröffentlichung eines so generierten Outputs schützt, wenn nicht immer die Lektüre der ZEIT, so doch in aller Regel die von Benn, Brecht, Fried, Enzensberger etc.! – Anne Huxel


Leserbrief zu „Wer war Stauffenberg?“ von Jens Jessen

„Einen regelrechten Eskapismus pflegten die Kreisauer um Yorck und Moltke, die sich auf Utopien eines religiösen Agrarsozialismus zurückzogen; den Weg dorthin wollten sie gewaltfrei beschreiten. Charakteristisch ist, wie gereizt Stauffenberg gerade auf diese fromme Sanftmut reagierete, die den eigenen Tod, aber nicht die Verantwortung für eine Ermordung Hitlers riskieren wollte.“

Man reibt sich die Augen, wen man so etwas in der „Zeit“ lesen muss. Mich würde interessieren, in welchem der Kreisauer Texte etwas über Agrarsozialismus steht und welche Utopien sie vertreten haben sollen. Ich selbst habe Biographien über Moltke und Yorck geschrieben, dazu einzelne Aufsätze. Nirgendwo hab ich „romantischen Agrarsozialismus“ entdecken können. Es ist richtig, dass Moltke aus politischen und moralischen Gründen gegen ein Attentat war, aber nach seiner Inhaftierung im Januar 1944 sind die meisten Kreisauer Mitstreiter von Stauffenberg geworden. Und: Trott, Haeften, und Yorck waren im Goerdeler-Kabinitte als Regierungsmitglieder vorgesehen. Dazu kommen noch Haubach und Julius Leber. Sie alle sind hingerichtet worden. Und das nicht als „Romantiker“, sondern als politische und moralische Gegner des Nationalsozialismus. Ich empfehle dem Autor Ihres Artikels die herausgegebenen Briefe von Moltke zu lesen. So einfach, wie der Autor urteilt, ist es nicht gewesen. – Prof. Dr. Günter Brakelmann


Leserbrief zu „Über Einschlafrituale“ von Harald Martenstein im ZEIT Magazin

Über den sicherlich ironisch gemeinten Beitrag von Herrn Martenstein zum Thema Erziehung musste ich anfangs schmunzeln. Dann fiel mir ein Gespräch mit einer Grundschullehrerin ein. Ihr hatte ein Schüler mit dem Anwalt seiner Eltern gedroht, weil die Dinge in der Schule nicht nach seinen Vorstellungen liefen. Sollte die Schilderung der Zustände im Hause Martenstein jedoch den Tatsachen entsprechen, hätte ich einen Ratschlag für ihn: Wechseln Sie den Therapeuten! – Ein/e Leser/in


Leserbrief zu „Der Preis der Gerechtigkeit“ von Mark Schieritz

Wieso sind Sie schon wieder dabei, die Menschen gegeneinander aufzustacheln? Kaum verlangt mal jemand einen anständigeren Lohn für seine Arbeit, behaupten Sie implizit, dass jetzt jeder auf seinen sommerlichen Biergartenbesuch verzichten muss. Entgegen Ihrer Aufwiegelei ist meine Erfahrung bislang zum Glück eher gewesen, dass viele bereit sind, mehr für Dienstleistungen und auch Produkte auszugeben, wenn Sie der Meinung sind, dies käme tatsächlich den Beschäftigten zu Gute (da Sie offensichtlich noch nie im Dienstleistungsgewerbe gearbeitet haben, kleiner Insider von mir: niemand gibt so bereitwillig Trinkgeld an den Kellner, wie diejenigen, die am Ende des Geldes noch sehr viel Monat übrig haben, und zwar gerade weil es beim Kellner landet, jedenfalls meistens). Aber leider ist es ja so, dass ich nicht 5,50 € für den Döner zahlen muss, damit der Koch besser bezahlt ist, sondern damit der Besitzer der Ladenfläche noch mehr Miete kassieren kann. Wenn die Kinder des Kochs von meinen 5,50€ Klavierstunden nehmen könnten, und der Ladenbesitzer Urlaub in Italien statt der Malediven machen müsste, dann würde ich noch 50 ct drauflegen. Ich hab auch kein Problem damit, noch mehr für die Betreuung meines Sohnes auszugeben oder noch mehr Steuern zu zahlen, wenn am Ende noch etwas für’s Leben übrig bliebe – und das wäre durchaus möglich, wenn nicht 2/3 des Nettolohns als Miete bezahlt werden müsste. An wen? Genau, zu einem erdrückenden Anteil an Immobilienkonzerne, deren einziges Ziel die Gewinnmaximierung auf Kosten der Mieter ist.

Hören Sie auf, die Normalverdiener gegen die Geringverdiener aufzuhetzen und setzen Sie da an, wo der Lebensstandard tatsächlich für 90% der Bevölkerung verbessert werden könnte: drastische Senkung der exorbitanten Mieten, Besteuerung von Kapitalerträgen, Eintreiben von Steuern, besonders bei den Gutverdienern, und Senkung der Mehrwertsteuer, ausgeglichen durch einen höheren Spitzensteuersatz. Das Geld, um Pflege und Kinderbetreuung angemessen zu entlohnen, soll nicht vom Fließbandmitarbeiter kommen, sondern mehr vom DAX-Vorstand. Und dennoch habe ich, wie oben beschrieben, noch nicht einmal etwas dagegen, selbst ein wenig tiefer in die Tasche zu greifen, wenn ich das Gefühl habe, es kommt bei denen an, die es verdient haben. Nennen Sie mich naiv, aber ich bin überzeugt davon, viele denken so. Und was Ihren Vergleich mit der Schweiz angeht – fahren Sie mal nach Dänemark, die auch ganz ordentlich Steuern bezahlen. Wenn Sie Freitagabends auch nur fünf menschenleere, vom Aussterben bedrohte Kneipen finden, gebe ich Ihnen persönlich ein Bier in der Schweiz aus. – Cornelia Hintze


Leserbrief zu „Danke, Diesel“ von Uwe Jean Heuser und Claas Tatje

Informativer Artikel! Mich als betroffener stört, wie begeistert die Autoindustrie das Geld in „neue“ Technologien investiert und die Geschädigten ihrer Industriepolitik links liegen läßt. (Ein generelles Phänomen auch in der Politik: anstatt Probleme zu lösen, stürzt man sich auf Neues und macht die ungelösten Probleme vergessen.) Die etwa 2,5Millionen geschädigten des Dieselskandals mit etwa 5000€ für eine Hardwareaufrüstung abzufinden kostet etwa 15Milliarden. Die hat man angeblich nicht. Aber 40Milliarden lassen sich locker in E-Autos investieren! Klingt halt hipp und der Kunde kann ja mit einer „upgrade-Prämie“ zum steigenden Umsatz der Unternehmen beitragen. So funktioniert soziale Marktwirtschaft, sozial für die Unternehmen. Auch fehlt mir der Verweis auf die problematische Batterieproduktion. Solange Kobalt unter unmenschlichen Bedingungen im Kongo und anderen Ländern abgebaut wird, ist kein E-Auto mit ruhigem Gewissen zu fahren – Wolfgang Michel


Leserbrief zu „Was war der Latte macchiato?“ von Lars Weisbrod

Sie schreiben, dass von Annegret Kramp-Karrenbauers hingestolperter Pointe – gemeint ist ein diskriminierender Witz über Intersexuelle – vor allem ihre Gestrigkeit zurückbleibt. Gestrig sind so manche ihrer Ansichten, so auch über die Homoehe, gegen die sie sich schon als Saarländische Ministerpräsidentin ausgesprochen hat, aber ebenso auf anderen Politikfeldern: Sie stellt sich gegen eine restriktive Linie bei den Rüstungsexporten, sie sagt, die EU solle nicht „jede Trinkwasserverordnung“ verschärfen, sondern sich um die Aussengrenzen kümmern… Ganz im Gegenteil, die EU soll sich sehr wohl um solche wichtigen Themen kümmern, wie z.B. Trinkwasserqualität, Umwelt- und Gesundheitsstandards, Mindestlöhne und andere Errungenschaften Europas. Wenn die CDU sich in den nächsten Jahren für jüngere Wähler interessieren möchte, dann sollte sie sich von dieser Dame mit ihren angestaubten Ansichten schnell verabschieden. – Prof. Dr. Wolfgang Hachtel


Leserbrief zu „Das Huawei-Dilemma“ von Ludwig Siegele

Das Dilemma konstruieren die Medien – wie so oft. Ihr Autor Ludwig Siegele (der Name klingt nach Vertreter von Daimler oder Porsche) sollte sich nicht von den Amerikanern zu sehr beeindrucken lassen. Ich lebe vorwiegend als Fondsmanager in Singapur. Der Westen kann sich anscheinend nicht vorstellen, welchen Stellenwert die Bürger für ihre Politiker haben. Die sind alle Nationalbewusst und legen großen Wert auf ihre Tradition. Die halten die westliche Politik für kontraproduktiv. Singapur zum Beispiel hat einen viel höheren Wohlstand als Westeuropa. Kriminalität ist völlig unbedeutend. Spionage, ein Hirngespinnst des Westens. Huawei hat die USA verklagt, was ich unterstütze. Huawei ist führend, wie sie richtig schreiben. Gott sei’s gedankt, daß die Politik sich davon nicht beeindrucken lässt. Altmeier, wie er gestern erklärt hat; wird mit jedem Anbieten sprechen und Angebote von allen prüfen. Und ich werde sie auch in meine Fonds aufnehmen. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Sein Schatz“ von Britta Stuff

Was für ein Paukenschlag: Die Seiten 4 und 5 im Politikteil, reserviert für unseren Wirtschaftsminister Peter Altmaier – in dessen privater Bibliothek. Auf dass wir vergnügt erfahren können, welche Bücherschätze ihn halt so inspirieren. Wir erkennen ehrfürchtig, wie belesen er ist. Sein Regierungshandeln muss auf einem sehr festen abendländischen Fundament beruhen. Da kann ja wohl kein Platz mehr für Restzweifel bleiben. Liebe ZEIT, Gratulation zu dieser neuen Form von Hofberichterstattung. Die Spannung auf weitere Hausbesuche bei unserem Bundeskabinett wird sich nach diesem furiosen Start kaum noch zügeln lassen – Detlev Lipphard


Leserbrief zu „Der Klang von Muschelkalk“ von Moritz Aisslinger

Als lebenslanger Lyriker und Autor bin ich von dem Artikel über Nico Bleutges „Muschelkalk“ betroffen, zugleich zähneknirschend traurig und etwas gereizt worden. Von Jugend an schreibe ich leidenschaftlich und viel (u.a. existiert ein gedrucktes 8-bändiges Lyrik-Gesamtwerk von insg.2100 Seiten). Meine früheren Versuche zu veröffentlichen, samt der Bewerbungen für kleine und große Preise, scheiterten allesamt. Unvorstellbar, schrieb ich etwa „schlechte Lyrik“? Sollten sich Lyrik oder Schriftstellerei nach Vermarktungsregeln ausrichten, denen wir gnadenlos unterworfen sind? Müssen Worte „geschäftstüchtig“ sein, drücken sie sich in Umsatz, Zahlen und risikoarmen Mengen aus? Ich machte mich irgendwann frei davon. Um dichterisch einfach zu erblühen, wie der Genius der Lyriker es will? Nicht wie es Lektoren, Agenten, Verleger, Jury oder sonstige Beurteiler eben brauchten? Versinken unbekannte Lyriker dadurch in der Bedeutungslosigkeit? Eine hilfreiche, praktizierte Lösung ist es heute auch, alles drucken zu lassen und im stillen Selbstvertrieb gewürdigt zu werden. Dankeschön, Herr Aisslinger, für die bereichernden Einblicke in Nico Bleutges Schaffen! Ich melde mich daraufhin glatt einmal bei Ursula Haeusgen. Wer weiß, vielleicht gehören meine poetischen Werke ja auch in ihre Lyrikbibliothek? – Jyrgen May


Leserbrief zu „Gemeinnützig und transparent?“ von Marcus Rohwetter

  1. Die Behauptung, die Deutsche Umwelthilfe erzwinge Dieselfahrverbote, ist falsch; vielmehr haben ordentliche Gerichte entsprechende Urteile gefällt. Skandalös ist es, wenn Teile der Exekutive sich öffentlich darüber echauffieren, dass die Judikative ihre Aufgabe erfüllt, nämlich über die Einhaltung der Gesetze zu wachen. Solch dreiste Missachtung der Gewaltenteilung kennt man sonst nur von autoritären Regimen – und neuerdings aus den USA.
  2. Eine Schnittmenge „von politischem und gemeinnützigem Handeln“ nicht zu akzeptieren bedeutet doch, dass politisches Handeln nicht gemeinnützig sein darf. Wer kann das wollen?
  3. Klare Transparenzregeln für gemeinnützige Organisationen sollten sich eigentlich von selbst verstehen, ähnlich wie für Kirchen, Gewerkschaften, Parteien etc. – Wolfgang Auth

Leserbrief zu „Steuern senken bringt nichts“ von Jens Südekum

Die These wäre richtig, wenn Deutschland eine Insel der Glückseligen wäre. Übersehen wird, dass international längst ein Steuerwettlauf nach unten eingesetzt hat. Angeführt von den USA drehen ua. auch Großbritannien , Frankreich selbst China an ihren Unternehmenssteuern. Ohne Einbußen für den Investitionsstandort kann sich Deutschland dem kaum entziehen. Das wusste schon Schröder mit seiner großen Steuerreform 2000. – Christoph Schönberger


Leserbrief zu „Brief an Deutschland“ von Elisabeth Raether

Die Botschaft des Artikels ist mir aus dem Herzen gesprochen. Er zeigt in überzeugender Weise auf, dass die warmen Worte , die unsere Regierung für Macrons leidenschaftlichen Kampf für Europa hat, pure Heuchelei sind. Seine maßvollen Forderungen „niederschwellig“ zu nennen, sind eine zutreffende Wertung. Statt gemeinsam mit ihm für ein starkes zukunftstaugliches Europa zu kämpfen, blockiert die Bundesregierung all seine Initiativen. Ich bin gerade von einer Reise von Hamburg bis nach Shanghai zurückgekommen und habe – je weiter ich gen Osten kam – erfahren, dass dort die Meinung vorherrscht „Europe doesn’t matter“; Europa wird als zerstrittenes politisches Gebilde ohne Zukunft wahrgenommen. Worauf wartet unsere Regierung? Dass wir auch noch den letzten AFD-Wähler davon überzeugen, dass wir nur in einem geeinten Europa Mitspieler in der Weltgeschichte bleiben können? Wovor hat man Angst? Der Mythos, dass Deutschland der Zahlmeister Europas ist, wird gepflegt, er ist aber falsch (vgl. bpb vom 2.8.2018). Diesen Mythos „Heuchelei“ zu nennen heißt, die Dinge beim Namen nennen. Für Macron ist Europa offensichtlich eine Herzensangelegenheit. Hätten wir doch auch so einen Kämpfer für ein geeintes, solidarisches Europa. – Georg Körner


Leserbrief zu „Der Preis der Gerechtigkeit“ von Mark Schieritz

Bei allem Respekt – so einen teilreflektierten ( oder schlimmer: gezielten ?), derart platten Fake – Beitrag auf der Titelseite der Zeit ? Find‘ ich nur peinlich. Der Autor bewegt sich auf der ganzen Linie mit der allgemeinen Stimmungsmache interessierter, einfluss-nehmender und -fähiger Kreise, die sehr gern verhindern wollen, dass Sozialausgaben steigen und endlich angemessene Löhne gezahlt werden – das könnte ja Gewinne schmälern. Und für die teilweise korruptionsbehaftete, ungestrafte Verschwendung unserer Steuergelder durch PolitikerInnen („von der Leier“ lässt grüßen ! ) stünde dann auch weniger Geld zur Verfügung…. Statt die Frage zu stellen, ob die neoliberale Struktur der westlichen Pseudodemokratien nicht dringend reformiert werden muss, versteigt sich der Verfasser in einem nur noch haarsträubenden Vergleich mit Einkommen hier und in der nicht-EU-Schweiz und der Gegenrechnung des Preises einer Pizza dann dort in Euro – ein Äpfel – Birnen-Vergleich. Unsinniger geht’s nimmer. Man könnte ja lächelnd über solches Unwissen des Autors ( oder gezielte Fehlinformation ? ) wirtschaftlicher, sozialer und politischer Zusammenhänge hinwegsehen, wenn nicht diese Form der versteckten Propaganda dieses Beitrags zu Gunsten der Konzerne und Vermögenden weiter dazu beiträgt, die Gerechtigkeitsfrage möglichst klein zu halten. Nochmals: Absicht oder Unwissenheit des Autors ? Die Kernfragen müssen doch lauten: wie kann und muss das System verändert werden ? Welche Prioritäten sind bei der Verteilung von Steuern zu setzen ? Nichts davon in diesem Schriftstück. Man würde der ZEIT auf jeden Fall wünschen, bei der Auswahl ihrer Titelseitenbeiträge doch etwas kritischer und niveauvoller vorzugehen….schade, denn DIE ZEIT kann es viel besser ! – Dr. Hans Neugebauer


Leserbrief zu „Seitenwechsel“ von Roland Lindenblatt

Zahlen Immobilienkäufer weniger, wenn Verkäufer die Maklergebühren tragen? Unserer Justizministerin Katarina Barley (SPD) ist ein gravierender Denkfehler unterlaufen, sie verwechselt schlicht Ursache mit Wirkung. Es gibt einfach zu wenig Wohnungen, das ist die Ursache, daher können Makler verlangen was sie wollen. Was Frau Barley da macht: das Herumdoktern an den Symptomen, Wohnungen entstehen dadurch nicht. Keine Einzige. Ursache des fehlenden Wohnungsbaues sind die unsymmetrischen Mietergesetze, ein Mieter kann auf 3 Monate kündigen, ein Vermieter niemals, dadurch ist den privaten Investoren das Vermieten ordentlich vergrault worden. Das sehen wir heute. Käufer von Neubauten schultern neben dem Neubaupreis viele weitere Kosten: die Mehrwertsteuer, zweimal Grunderwerbssteuer, zweimal Grundbucheintrag, zweimal den Notar und zweimal die Maklergebühr, alles zweimal, da der Bauträger das Grundstück erst mal haben muss, bevor er loslegen kann, dazu kommt hier in Stuttgart als allergrößte Batzen: die Sozialwohnungsquote: der Bauträger muss ein Viertel der Wohnungen dreißig Jahre lang zum verbilligten Mietpreis anbieten, diese Kosten werden vom Bauträger selbstverständlich umgelegt.

Die Stadt Stuttgart zahlt Wohngeld, 4700 Haushalte stehen aktuell auf der Warteliste, die Stadt Stuttgart ist damit der größte Antreiber der Stuttgarter Mietpreise und der Immobilienpreise. Ein Makler liefert eine Leistung und verlangt ein Entgelt dafür. Was liefert eigentlich ein Notar? Und zu welchem Preis? Ein Grundbucheintrag? Also die Änderung eines Datensatzes auf irgend einem Server? Warum so teuer? Vor diesen Preis/Leistungsverhältnissen sehen die fiesesten Stuttgarter Immobilienhaie wie Waisenknaben aus! Die Wohneigentumsquote, die Anzahl derer, die nachts gut schlafen können da keine Mieterhöhung droht, ist im ehemals kommunistischem Rumänien 98%, ein Schlag in das Gesicht einer selbstherrlichen Frau Barley, wie ist die Quote hier im reichen Deutschland? „Wohnraum in Deutschland muss wieder erschwinglich werden“, so steht es im Koalitionsvertrag, doch gemacht wird nichts. Nichts. Eine Lüge. Und wenn etwas gemacht wird: Schaumschlägerei. – Ulrich Bosshammer


Leserbrief zu „Die Verkuschelung der Welt“ von Anna Gien

Ein spontanes “Danke!“ ungefähr zehn Sekunden, nachdem ich Ihren Artikel zu lesen beendet habe und ein starkes Nicken und große Zustimmung zurückgeblieben sind. Dem Infotext entnehme ich, dass wir demselben Jahrgang entspringen, was mich der Geisteshaltung dem Hyggetum gegenüber Ihnen noch etwas näher bringt. Endlich hat es mal jemand gesagt, geschrieben, gedruckt. – Melina Kapsch


Leserbrief zu „Der Klang von Muschelkalk“ von Moritz Aisslinger

Wie schön, dass es endlich mal ein Lyriker in DIE ZEIT schafft!
„was ein wunsch wäre“ :
Wenn in der ZEIT nicht nur einmal deftig-kräftig auf einen bedeutenden Lyriker und die prekäre finanzielle Situation der vielen jungen Poeten hingewiesen würde, sondern wenn diese Zeitung sich wieder auch als ein Forum verstünde, in dem (wie früher einmal, aber das ist lange her!) regelmäßig neue Gedichte abgedruckt werden. Noch besser wäre es, wenn Sie als Leitmedium eine Rubrik einrichten könnten, in der Lyrik diskutiert würde, zum Beispiel indem ein Autor Anmerkungen zu seinem Text macht und zwei kluge Köpfe (die sollten zu finden sein!) dieses Gedicht auf ihre Art interpetierten, um zu zeigen, wie vielschichtig und vielseitig Lyrik sein und verstanden werden kann. Das würde vielleicht das Gespräch über Gedichte als Über-lebensmittel gerade der „offenen Demokratie“ fördern, ja es könnte nicht nur den armen Poeten, sondern auch den in diesem Artikel von Bleutge wieder gescholtenen armen Lehrern bei der Vermittlung von Lyrik helfen! – Dr. Sabine Brinkmann


Leserbrief zu „Danke, Diesel“ von Uwe Jean Heuser und Claas Tatje

Ich finde, der Artikrl geht am wesentlichen Thema, der CO2- Belastung der Erde, am Theme vorbei! Nach neuen Infos verursacht die Produktion der Batterien ueber 1 t CO2, so dass ein E-Auto ca 100.000 bis 150.000 Km fahren muss zum Ausgleich! Halten das ueberhaupt die Batterien aus? Hinzu kommt, dass bei uns in Deuitschland nur ca 35-38% des Stroms CO2 frei sind, so wuede sich das E-Auto wohl eher in Frankreich mit 80-85% CO2 freien Strom als Zwischenloesung in der Rechnung rentieren! Die Zukunft liegt m. E. in der Brennstoffzelle und diese nicht erst in „ferner“ Zukunft, wie im Artikel aufgefuehrt. Die ebenfalls genannte „Gefaehrlichkeit“ des Wasserstoffs (Knallgas) ist heute durch Beimischung einer Fluessigkeit behoben. Das waere doch die richtige Loesung zum Thema Umweltschutz-CO2. Hierzu waere es sinnvoll, wenn der Ausbau der Wasserstoff-Tankstelln mit Bundesmitteln unterstuetz wuerde. Vorausgestzt natuerlich, dass die Produktion des Wasserstoffs CO2-frei erfolgt. Es ist uebrigens wenig bekannt, dasss sowohl Hyundai wie Toshiba Autos mit Brennstoffzellen zum Kauf anbieten! Liegt damit die deutsche Automobil-Branche mit ihrer (kurzfristigen) Ausrichtung richtig? – J. Keller


Leserbrief zu „Eine einzige Wahrheit gibt es nicht“ von Gerhard Poppenberg

Da gibt es Zeitgenossen, die alles Mögliche beurteilen und sich über manches aufregen. Auf die Frage nach der Wahrheit angesprochen, sagen sie jedoch: „Es gibt keine Wahrheit.“ Man fragt sich nur, wie und warum überhaupt sie denn irgendetwas beurteilen können, wenn es keinen Maßstab gibt. Oder hat jeder eine private Wahrheit für sich gepachtet? Denken wir auch an jenen bestechlichen römischen Gouverneur vor zweitausend Jahren in Jerusalem, der sich die Hände in Unschuld wusch und scheinheilig fragte: „Was ist Wahrheit?“

Wir selbst jedenfalls wollen, dass man uns unbedingt die Wahrheit sagt, wenn wir sonst persönliche Nachteile durch Täuschung und Unwahrheit zu erleiden hätten. Wir wollen uns darauf verlassen können, dass das Brötchen am Wurststand nicht vergiftet ist und der Pilotenschein des Flugkapitäns, der uns zu unserem Urlaubsort bringt, echt ist. Viele haben schon behauptet, die Wahrheit zu vertreten, und haben dabei Millionen ins Verderben gestürzt. Eigentlich verständlich, dass gerade unser Volk skeptisch geworden ist. Aber nur weil die Wahrheit nicht leicht zu finden ist, sozusagen nicht auf der Straße liegt, sollte man noch lange nicht die Suche ganz aufgeben. Manche, enttäuscht von so vielen Irrwegen der Menschheit, möchten die Wahrheit ganz eintauschen gegen die Toleranz oder Liebe. Wäre es nicht so viel besser, wenn jeder tolerant wäre? Was eigentlich bedeutet Toleranz? In der industriellen Fertigung zum Beispiel kann eine Toleranz von nur einem Millimeter gefordert sein. Weicht das Werkstück um mehr als einen Millimeter vom Sollmaß ab, ist es Ausschuss. Und wenn immer wieder Ausschuss produziert wird, bricht die Firma zusammen, stehen die Arbeiter auf der Straße. Zuviel Toleranz bewirkt hier Fehler, Schaden, Leid. Zu große Toleranz ist in solchen Fällen Intoleranz. Man schadet sich selbst und den anderen.

Wenn man ein Ziel erreichen will, muss die Toleranzgrenze eingehalten werden. Sonst entstehen Chaos und Unheil. Will man heil durch den Straßenverkehr gelangen und niemandem schaden, muss man sich an die Regeln halten, man sollte die Straßenverkehrsordnung nicht zu tolerant auslegen. Die Wahrheit ist nicht das, was besonders kluge oder mächtige Menschen denken und sagen und tun. Die Wahrheit spiegelt die Realität wider, die wir Menschen zwar mit unseren Sinnen und unserem Verstand untersuchen können, aber für die wir eine objektive Grundlage brauchen, die sich außerhalb von uns befindet. Es gibt eine Stelle in der Menschheitsgeschichte, wo Wahrheit und Liebe ein Rendezvous hatten. Das war am Kreuz von Golgatha, wo der gerechte Gott Jesus für uns sterben ließ. So blieb er seinem Wahrheitsanspruch als moralische Instanz des Universums gerecht, bestrafte unsere Vergehen, bezahlte sie aber selbst, und wir gehen frei aus und werden gerecht gesprochen, wenn wir diese Liebestat für uns annehmen. Dann können auch wir Wahrheit und Liebe als eine Einheit erleben und weitergeben. – Gerhard Jahnke


Leserbrief zu „Gemeinnützig und transparent?“ von Marcus Rohwetter

Die Forderung, auch gemeinnützige Vereine und NGOs sollten ihre Geldgeber offenlegen, ist sicher nicht verkehrt. Bei dem Fall ATTAC geht es aber nicht um die Transparenz eines gemeinnützigen Vereins, sondern um die Eliminierung einer missliebigen Stimme in der Gesellschaft, die die aktuelle neo-liberale Politik und die Form des Kapitalismus kritisiert, die seit geraumer Zeit von den etablierten Parteien, seien es nun CDU oder SPD, favorisiert werden. Die Gemeinnützigkeit von ATTAC wurde nicht zuerst von einem Gericht infrage gestellt und auch nicht durch eine kontroverse gesellschaftliche Debatte, sondern von den hessischen Finanzbehörden. Wie später bekannt wurde, haben diese im weiteren auf Weisung des Bundesfinanzminister gehandelt. Und es will mir wohl keiner weismachen, dass dessen oberstes Interesse die Transparenz von gemeinnützigen Vereinen war! Gesellschaftliches Engagement, das für Veränderungen eintritt, ist immer politisch, sei es auch bildungs- oder kulturpolitisch. Oder eben systemkritisch wie im Falle von ATTAC.

Jahrelang wurde die Politikverdrossenheit der Bürgerinnen und Bürger kritisiert, auch vonseiten der Politiker. Nun zu fordern, NGOs dürften nicht politisch handeln und klare Positionen vertreten, ist doppelzüngig. Es muss auch andere Möglichkeiten geben, sich politisch zu engagieren als nur in einer Partei. Ihr Verweis auf die Bemühungen der CSU, die Gemeinnützigkeit der Deutschen Umwelthilfe infrage zu stellen, bestärkt mich übrigens in meiner Sichtweise. Diese Vereinigung zählt durchaus nicht zu den größten Sympathieträgern unserer Gesellschaft, aber sie gerät doch jetzt nur deshalb ins Visier, weil sie – aus welchen Motiven auch immer – die autofreundliche Politik der Bundesregierung stört. Interessant in diesem Zusammenhang auch das Porträt über Verkehrsminister Andreas Scheuer, CSU, in gleicher Ausgabe. Einen größeren Autolobbyisten, der Politik auf der Basis seiner rein persönlichen Interessen macht, kann man sich kaum vorstellen. Die Politik des Infragestellens der Gemeinnützigkeit von NGOs wird für mich erst dann annähernd diskutabel, wenn die CDU/CSU sich für den Entzug der Gemeinnützigkeit des Fördervereins der Initiative Neue soziale Marktwirtschaft einsetzt. – Erika S. Becker


Leserbrief zu „Streitlustiger Kopf“ von Christian Hacke

Ich bedaure sehr, das Professor Baring von uns gegangen ist. Sein Kollege und Autor Professor Hacke, den ich auch sehr schätze, gehört auch in die Kategorie von Baring. Die Öffentlich-Rechtlichen sind in Wahrheit der verlängerte Arm einer Politik die von oben dekretiert und oktroyiert wird. Dagegen hat sich Baring aufgelehnt und das mit recht. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Die Geheimnisse des Hügels“ von Urs Willmann und Andreas Derebucha

Auch wenn es ein Allgemeinplatz ist: Die Welt ist klein. Ich betreue ehrenamtlich einen Geflüchteten aus dem Irak, der vor seiner Flucht bei Ausgrabungen in und um Babylon gearbeitet hat. Er hat nun das Glück – und die Arbeit – mit seinen noch nicht ausreichenden Deutschkenntnissen, den hochinteressanten Bericht zu lesen. Er kann mich dann natürlich jederzeit fragen, wenn es Worte und Sätze zu erklären gibt. Sein Urteil über den Bericht würde ich Ihnen später gerne schicken. – Hartmut Wagener


Leserbrief zu „Sein Schatz“ von Britta Stuff

Beim Lesen Ihres Artikels über Peter Altmeier und seine Büchersammlung stellte sich mir mehrfach die Frage, warum so ein Thema, das zwar nicht gänzlich uninteressant ist, das aber auch nicht wirklich mit relevanten Informationen weiterhilft über zwei Seiten im Politikteil ausgebreitet wird. – Christoph Klein


Leserbrief zu „Laute Straße, junge Liebe, schreckliche Gewalt“ von Susanne Mayer

In ihrer Rezension des Filmes „Beale Street“ ist Ihrer Autorin Susanne Mayer ein wirklich fundamentaler Fehler unterlaufen. Der Blues spielt eine nicht unbedeutende Rolle in Baldwins Werk, ein Theaterstück von1964 trägt den Titel „Blues for Mister Charlie“, seinen einzigen Gedichtband nannte er „Jimmy´s Blues.Selected Poems“ (1983). Auch Baldwins Roman orientiert sich am Blues – Kapitelüberschriften zitieren Bluestexte. Die Beale Street gilt in der Tat als Heimat des Blues, allein: sie ist nicht in New Orleans sondern in Memphis, Tennessee!!! Eine eingehendere Recherche wäre hilfreich gewesen, wenn man über eine Romanverfilmung schreibt, in der Blues eine zentrale Rolle spielt. Vielleicht hätte es auch genügt, sich „Walking in Memphis“ von Marc Cohn (1991) anzuhören: walking with my feet ten feet off of Beale…….. – Ingrid Schuler


Leserbrief zu „Wer war Stauffenberg?“ von Jens Jessen

Sie haben Recht: Stauffenberg ist als Attentäter die Symbolfigur des Widerstandes, ist aber keineswegs gleichzusetzen mit der Widerstandsbewegung gegen den Nationalsozialismus insgesamt; seine Tragik war die ihm zudachte Doppelrolle: Er hatte Zugang zu Hitler und damit die Möglichkeit, die Bombe zu platzieren, wurde aber aufgrund seiner Position in der militärischen Hierarchie zugleich in Berlin gebraucht, um den Staatsstreich einzuleiten. In der Diskussion über den Widerstand gegen das NS-Regime taucht immer wieder die Frage auf: „Was wäre, wenn…? Wie hätte sich der Krieg entwickelt, was wäre aus Deutschland geworden, wenn es den Verschwörern gelungen wäre, Hitler zu töten und die Macht zu übernehmen?“ Carl Zuckmayer, während des Krieges im amerikanischen Exil, war mit einigen Widerstandskämpfern befreundet. Er hat 25 Jahre nach dem Attentat in seinem „Memento zum 20. Juli 1969“ das Für und Wider auf den Punkt gebracht:

… Ist es umsonst gewesen? Ich will ins Extrem gehen. Ich glaube, dass ein gütiges Geschick diesen Aufstand vorm Gelingen bewahrt hat. Die Erfolglosen und Gescheiterten stehen heute reiner und größer da, als sie nach einem geglückten Umsturz hätten erscheinen können: nicht nur rein von der Blutschuld eines möglichen Bürgerkrieges, sondern rein von der Nötigung zu demütigenden Kompromissen und Halbheiten, die sich im Falle des Gelingens nach innen und außen aufgedrängt hätten. Wie sich die Kriegsgegner im Westen und Osten zu einer erfolgreichen Widerstandsregierung gestellt hätten, ist ungewiss. Doch scheint es sicher, dass sie auch dann nicht auf die bedingungslose Kapitulation Deutschlands verzichtet hätten. Hier aber ging es und geht es ja um das Volk, um das Bewusstsein des deutschen Volkes. Dieses wäre kaum jemals überzeugt worden, kaum je zu einer Erkenntnis der Tatsachen erwacht ohne das selbstverschuldete Ende des unheilvollen Reiches, das mit dem verlorenen Krieg über Deutschland hereinbrach. Ohne dieses Schreckensende hätte der Sturz des Regimes keine volle Glaubwürdigkeit bei der Menge besessen, die ihm immer hörig war, und ein ermordeter Hitler wäre ein schwerer Ballast, eine fast untilgbare Hypothek auf dem Gebäude eines neuen Deutschland gewesen. …

Ein Kriegsende im Juli 1944 hätte Dresden, Pforzheim, Würzburg und anderen deutschen Städten verheerende Bombardierungen erspart. Bei allen Kriegsparteien wären Millionen Tote vermieden worden. Vom Kriegsbeginn am 1. September 1939 bis 20. Juli 1944 gab es allein in Deutschland und bei der deutschen Wehrmacht 2,8 Millionen Opfer, in der kurzen Zeit zwischen dem 21. Juli 1944 und dem Kriegende am 8. Mai 1945 starben noch einmal 4,8 Millionen Menschen – Soldaten und Zivilisten. – Harald Schulz


Leserbrief zu „Das Huawei-Dilemma“ von Ludwig Siegele

Bei Huawei befürchtet man ausspioniert zu werden, bei den Amerikanern weiß man es. Die naheliegendste Lösung scheint in diesem Land, das stolz auf seine technische Kompetenz ist, niemanden zu interessieren: selbst eine IT ohne Hintertür aufbauen. Die Einwände sind vermutlich: zu wenig Interesse, zu kleine Stückzahlen, zu teuer. Wenn sowas aber bei öffentlicher Infrastruktur und staatlichen Organisationen vorgeschrieben würde? Wenn das auf europäischer Ebene vorangetrieben würde? Wenn das für alle vorgeschrieben würde, auch für Smartphones? Der automatische Notruf in Autos (ecall) wird ja auch gesetzlich vorgeschrieben, ohne dass das breite Interesse der Autofahrer dahinter steht. Die amerikanischen und chinesischen Regierungen sind moralisch sicher nicht überlegen, aber sie haben einen strategischen Vorteil: sie wissen was sie wollen. – Frank Hrebabetzky


Leserbrief zu „Die Verkuschelung der Welt“ von Anna Gien

Interessante Ansätze entwaffnet durch ihre Darstellung – Gegen die Aussage des Textes, die die Überschrift zu Beginn hervorruft, ist nicht viel einzuwenden: Der Hygge-Trend als Abwesenheit von politischem und gesellschaftlichen Diskurs im Dienste der kuschelweichen Konformität ist öde. Der Text gleitet dann aber recht ungelenk über einen Absatz über rassistisch-völkische Wurzeln von Hygge in die falsche Richtung. Die Frage ist hierbei, ob Hygge nicht politisch überbewertet wird. Liest man diesen Artikel vor dem Hintergrund der anderen Publikationen der selben Autorin in Ihrem Magazin, wird für mich deutlich, dass ein höhnisch-nihilistischer Eskapismus ebenso gefährlich und entnervend wie Hygge ist. Ob man von draußen durch das vom Hygge-Feeling beschlagene Fenster nach drinnen oder mit einer Motto-Tasse Tee auf die verregnete Welt da draußen blickt – eines hat es gemeinsam: Abschottung. – Frederic Wolf


Leserbrief zu „Was war der Latte macchiato?“ von Lars Weisbrod

Wenn Sie den Latte Macchiato einfach nur getrunken hätten, wären Sie vielleicht zum eigentlichen Problem vorgedrungen: Dem vieles vergiftenden Genderwahn. Schade, dass Sie die Ihnen bereitgestellten Zeilen nicht sinnvoll nutzen konnten. – S. Wilhelm


Leserbrief zu „Der Preis der Gerechtigkeit“ von Mark Schieritz

Ihr Artikel ist weitgehend richtig. Leistung muß bezahlt werden. Sie schreiben, wer nicht genug verdient, oder zu geringen Lohn erhält, wird vom Staat unterstützt. Diese Formulierung ist für mich nicht richtig. Der Staat ist nicht ein Anonymer Geldgeber, sondern, das sind wir STEUERZAHLER. Für mich ist das nie richtig, das der normal verdienende Steuerzahler, als Staat bezeichnet wird. Da ist JEMAND, der verpflichtet ist einem wenig verdienenden zu unterstützen. Mir fehlt da die Differenzierung. Ich gebe gern freiwillig, aber nicht mit Zwang. – Vera-Irene Rottmann


Leserbrief zu „Sein Schatz“ von Britta Stuff

Ihre Formulierung, er wohnt in Westberlin ist falsch. Westberlin gibt es seit 30 Jahren nicht mehr. Sie könnten bestens falls schreiben, er lebt im Zentrum des alten Westberlins. Das wird im politischen Sinne genutzt, aber jetzt spricht „man“ von Wohnort – Bezirk. Herr Altmeier wohnt im Bezirk Schöneberg, oder vielleicht liegt sein Wohnort auch schon in Charlottenburg. Wir sind glücklicherweise nicht mehr geteilt nach OST und WEST !!! – Vera-Irene Rottmann


Leserbrief zu „Sein Schatz“ von Britta Stuff

Den Artikel habe ich mehrmals gelesen und bin immer mehr im Zweifel, was ich davon halten soll, ist es Public Relation oder Satire?
Äußerlich: die gezeigte Bücherwand ist Gelsenkirchner Barock auf Ikea getrimmt. Man kennt dies aus Möbelhäusern, wo Literatur nach Meter verkauft wird und der Hausherr später augenzwinkernd sagt:“Der Cognac ist hinter dem Grillparzer“. Die Bücher aus den Schäften wurden selten oder nie entnommen, sie dienen der Staffage. Ein Tisch zur Ablage von Notizzettel – offensichtlich nicht erforderlich. Wie das Licht auf die Buchseiten des Lesenden fällt – unklar. Wo ist die Fachliteratur? Oder hält A. dies für nicht vorzeigbar?
Innerlich Herr A. sagt er habe einen Arbeitstag mit 12 bis 16 Stunden, wo bleibt da Zeit zum ernsthaften Lesen? vom reflektieren des gelesenen mal abgesehen. Aber er hat Zeit genug Ex Libris einzukleben 2000 ! Stück. Er gibt den Oberleher: „Sagt ihnen Gustav Stresemann etwas?“, „Lesen Sie mal Bebel!“ Was er sonst sagt sind nicht mehr als Plattitüden. Die Hinweise auf Bücher der Politikerinnen sind ein Kotau vor dem Weltfrauentag.
Seine Begeisterung für den erzkonservativen Bismarck (600 ? Bücher gelesen) ehrt ihn, nur A.s Tätigkeit erfordert einen Blick in die Zukunft über Wirtschaft und Energie – wofür er Minister ist. Und – ich muss noch nachtreten – A. ist stolz darauf die Lithium Vorkommen (Konfliktmineral!) für Deutschland zu sichern – die Folgen der bismarckschen Kolonialpolitik sind heute noch spürbar. A. sollte dies wissen. – Günter Kohlbecker


Leserbrief zu „Wer war Stauffenberg?“ von Jens Jessen

Danke für Ihre Versuche, Stauffenberg aus den Klauen des einseitigen Betrachtens des Herrn Karlauf herauszuholen. Wir werden nie ganz in die gedankliche und ausgesprochene letzte Wahrheit dieser Widerständler dringen — diese furchtbare Kriegs-, Not-, Diktaturzeit kann selbst durch allerbeste historische Recherche nie ganz erklärt werden. Aber darüber reden, streiten, das ist doch wichtig. – Karsten Hansen


Leserbrief zu „WIE ES WIRKLICH IST … Putzsklave zu sein“ von Oliver

Die Beschreibung von BDSM-Phantasien hat m.E. in der Zeit nichts zu suchen. Nächstes Mal schreibt jemand „wie es wirklich ist Sodomist zu sein“? Und wie geht es weiter? Dieser Beitrag hat eine Grenze überschritten, treten Sie einen Schritt zurück. – Dominik Milla


Leserbrief zu „Der Preis der Gerechtigkeit“ von Mark Schieritz

Bei den Lohnerhöhungen müssen die Länder gemäß Angaben von Mark Schieritz also 7 Milliarden mehr aufbringen (im Jahr, soll es wohl heißen). Es ist natürlich korrekt, dass der Steuerzahler letztlich dafür aufkommen wird. Darf ich aber darauf hinweisen, dass die jährlichen Leistungen für ALGII insgesamt über 28 Milliarden betragen? Das schließt auch Beträge von Aufstockern mit ein. Wer zahlt das alles? Richtig, letztlich der Steuerzahler. Die Aufstocker sind die, die zuwenig zum Leben verdienen. Die werden auch geholfen. Ich will diese Gehaltserhöhungen im Öffentlichen Dienst (und auch wünschenswert bei Paketboten, wie Schieritz schreibt) lediglich in der richtigen Perspektive sehen. Was man nicht vergessen darf: Es gibt auch viele, die davon profitieren, und sogar dadurch in Arbeit gehalten werden können. Denn wer mehr hat, der wird im Allgemeinen auch mehr ausgeben. Alles was im Inland ausgegeben wird, kommt letztlich auch anderen Arbeitnehmern (und natürlich auch Unternehmen) zugute. Stichwort: Multiplikatorfaktor, dazu ein Plus bei den Steuereinnahmen. Alles also halb so schlimm. Es kommt letztlich darauf an, wieviel von der gestiegenen Kaufkraft letztlich im Ausland landet. Aber sogar das ist eigentlich nicht problematisch, weil das mehr Importe bedeutet. Hat Deutschland nicht historische Exportüberschüsse zu verzeichnen? – Rob Maris


Leserbrief zu „Das fliehende Klassenzimmer“ von Manuel J. Hartung

Spätestens seit Bundeskanzlerin Merkel den Protest der streikenden Schüler unterstützt, wäre es an der Zeit, aufzuhorchen. Denn der nüchterne politische Beobachter weiß, dass es der Kanzlerin nicht so sehr um die Anliegen der Kids geht, sondern vielmehr um eigene machtpolitische Interessen und wahltaktische Manöver. Klimaforscher widerlegen die These, Merkel sei eine „Klimakanzlerin“. Die Kanzlerin ist bekannt für ihre Fähigkeit, Stimmungen aufzunehmen und sich danach zu richten und ist nur deshalb schon solange an der Macht. Ihre abrupten Kurswechsel sind legendär. Gleich nach der ersten gewonnen Wahl im Jahr 2005 bewegte sie sich aus Angst vor einer Abstrafung durch die Wähler weg von Reformen hin zum fürsorgenden, jedoch teuren Sozialstaat. In den vergangenen 25 Jahren haben sich die Sozialausgaben mehr als verdoppelt und erreichten im letzten Jahr mit knapp einer Billion Euro eine neue Rekordmarke. Danach folgte der völlig überraschende Atomausstieg nach dem Tsunami im fernen Japan, obwohl sie sich erst kurz davor für eine Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke stark gemacht hatte. Die Gefahren durch die Kernenergie waren auch damals bereits hinlänglich bekannt. Merkel wollte jedoch den grünen Aufschwung nach dem Super-GAU in Japan für eigene Koalitionsoptionen nutzen. Schließlich war es die Angst vor unschönen Bildern im September 2015 einhergehend mit der Befürchtung eines eigenen Popularitätsverlustes, als Merkel verkündete, ein souveräner Staat wie Deutschland könne seine Grenzen nicht sichern. Mit diesen Aktionen konnte Merkel ganz nebenbei von den eigentlichen Problemen des Landes ablenken. Denn die Aufgaben und Schwierigkeiten, die auf die nachfolgende Generationen zukommen, sind gewaltig. Trotz guter Konjunkturlage, sprudelnder Steuereinnahmen und Niedrigzinsen wurde in der Vergangenheit entgegen der alten Volksweisheit „Spare in der Zeit, dann hast du in der Not“ Geld ausgegeben ohne ausreichend in die Zukunft zu investieren.

Allein in den letzten 10 Jahren hat die Bundesregierung 280 Milliarden Euro mehr ausgegeben. Gespart wurde hingegen an allem, was es der Jugend in Zukunft leichter machen würde, die Lasten zu schultern. So wurden die Investitionen in den Kapitalstock gegenüber den frühen 2000er-Jahren mehr als halbiert, was zu einer immer älteren staatlichen Infrastruktur bei Straßen, Autobahnen, Brücken, Schulen oder Universitäten führt. Allein für die Herstellung des normalen Standards der Infrastruktur wären Investitionen in der Größenordnung von 120 Milliarden Euro erforderlich. Sicher, man könnte das Auto öfter stehen lassen und auf den Zug umsteigen. Allerdings sieht es bei der Bahn keineswegs besser aus. Denn die hat einen Investitionsstau von 57 Milliarden. Die Zukunft wäre ohnehin, nicht mehr soviel umher zu fahren und stattdessen mehr von zu Hause aus zu arbeiten. Das Problem ist jedoch, dass auch in ein zukunftsfähiges Internet viel zu wenig investiert wurde. Während beispielsweise in Spanien 50 Prozent der Haushalte über Glasfaseranschlüsse verfügen, sind es bei uns nur zwei Prozent. Von den verbreiteten Mobilfunklöchern ganz zu schweigen. In Sachen Digitalisierung ist Deutschland Entwicklungsland. In diesem Land ist in den vergangenen Jahren einiges schief gelaufen. Während die Politiker das Märchen vom reichen Land erzählen, verfällt zusehends die Basis für die nachkommenden Generationen. Deutschland wird damit als Wirtschaftsstandort künftig immer unattraktiver. Angesichts zu erwartender steigender Strompreise bzw. sogar Engpässen bei der Energieversorgung, unzureichenden Investitionen in die Infrastruktur und zunehmender Technologiefeindlichkeit investieren die Unternehmen schon jetzt lieber im Ausland. Das Klima schützen wir dann automatisch, indem wir uns vom Status eines Industrielandes verabschieden, das allerdings zum Preis eines deutlichen Wohlstandsverlustes. Der Energieaufwand, mit der wir der hiesigen Automobilindustrie den Garaus machen, ist eigentlich gar nicht nötig. Den technologischen Wandel dürfte die Branche, wenn überhaupt, nur deutlich verkleinert überstehen. Der Automobilstandort Deutschland dürfte dann Geschichte sein. Andere ungelöste Probleme wie die ungerechte Einkommens- und Vermögensverteilung, den Pflegenotstand, die Finanzierungskrise in der Gesundheitspolitik, die verbreitete Angst vor Altersarmut sowie die Bildungskrise seien an dieser Stelle nur am Rande erwähnt. Von dem sich abzeichnenden Konjunkturabschwung nach „7 fetten Jahren“ und den ungelösten Handelskonflikten, das das Exportland Deutschland besonders tangiert, gar nicht zu reden. Die nachfolgende Generation erbt einmal ein deutlich ärmeres Land mit erheblichen Verteilungskonflikten. Kein Wunder, dass bereits jetzt viele gut ausgebildete junge Menschen ihre Zukunft woanders suchen. Der Einsatz der Schüler für ein besseres Klima ist wichtig. Ebenso wichtig wäre jedoch ein Engagement für eine bessere Politik. – Alfred Kastner


Leserbrief zu „»Dieser Umgang verbietet sich«“ von Iris Radisch

Ihre Autorin Iris Radisch lobe ich immer wieder. Der kritische Geist von Marcel Reich-Ranicki ist weit und breit nicht mehr zu sehen. Unsere Kultur hat schweren Schaden genommen, das zieht sich über unser ganzes Land. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Was war der Latte macchiato?“ von Lars Weisbrod

Mainz ist nicht Nichts, Sie Lümmel! Und: Provinz ist immer im Kopf, nie auf der Landkarte (Walter Jens). Kant ist ein Beispiel. Zudem: Mainz war die 1. Hauptstadt der Demokratie in Deutschland (1793), als hinter der Elbe (aus Adenauers Wortschatz) in Preußen noch der dumpfste Absolutismus herrschte. Zudem auch: Es war einer von uns, der Mainzer Johannes Gensfleisch (Gutenberg), der mit dem Flugblatt-, Zeitungs- und Buchdruck den Startschuß für die Entwicklung der Demokratie in der Welt gab. Und zudem auch: Schon vor ca. 2000 Jahren begann von Mainz aus (mit Unterstützung einiger Römer, die – kleiner Scherz – vermutlich den Latte mitbrachten) die Zivilisierung der germanischen Stämme. – Helmut Müller


Leserbrief zu „Sing unser Lied oder verschwinde“ von Can Dündar

Warum soll Erdogàn nicht gegen die Medien vorgehen. Ihr Autor tut es jede Woche. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Laster ohne Laster“ von Dietmar H. Lamparter

Dieser Artikel entspricht nicht der sonst von mir hoch geschätzten Qualität der Zeit Recherche. Ein bisschen viel Mainstream, in jedem Fall aber schlecht recherchiert. Seit vielen Jahren werden die Grenzwerte für LKW Abgase immer weiter verschärft. Beginnend bei Euro 0 bis heute Euro 6. Dazu gehört auch CO2. Prüfen Sie’s mal. Messung erfolgt übrigens laufend im Betrieb. – Rainer K Spahl


Leserbrief zu „Wie viel Luft steckt in Wirecard?“ von Ingo Malcher

Könnte sich mal ein Redakteur hinsetzen und in Fußgängerdeutsch erklären, was Wirecard macht? „Abwicklung des Zahlungsverkehrs“: Bringen Sie Geld in einer Tüte vom Absender zum Empfänger oder überweisen sie online von Konto zu Konto? Das mache ich nämlich auch und bin nicht im DAX. – Werner Koetz


Leserbrief zu „Das fliehende Klassenzimmer“ von Manuel J. Hartung

Sie Schulen sollten so bald wie möglich den Freitag für die Zukunft zum Tag der Projektarbeit „Klimawandel“ erklären und dabei alle Schulfächer mit einbinden: Physik, Biologie, Gemeinschaftskunde, Mathematik, Philosophie und Gesellschaftskunde, Kunst . . . mit einer öffentlichen Darstellung der Ergebnisse in den Stadt- und Landesparlamenten sowie im Bundesparlament. – Walter Moritz


Leserbrief zu „Der Preis der Gerechtigkeit“ von Mark Schieritz

Erlauben Sie mir eine kurze kurze Zusammenfassung Ihres Kommentars: Lohnerhöhungen für bestimmte Bereiche seien gerecht, führten jedoch zu Verhältnissen, wie in der Schweiz. Selbst als Gutverdienender sei dort das familiäre Pizzaessen ein Luxus. Beabsichtigte(?) Schlussfolgerung des Lesers: In Zukunft doch besser auf das bisschen Gerechtigkeit verzichten, um den eigenen Lebensstandard zu halten? Ein Herr Trump könnte es nicht besser machen. Ein paar einseitig dargestellte Schlussfolgerungen aneinandergereit, ein Angstbild zum Schluss, schon kann man sich die „richtige“ Meinung bilden.

Das hohe Lohnniveau der Schweiz hängt bestimmt nicht damit zusammen, dass dort schlecht Verdienende ständig Lohnsteigerungen durchgesetzt haben. Hierfür gibt es eine Reihe von Ursachen, die ich mangels Zeit jetzt nicht recherchiere (große Bankenindustrie mit hohem Lohnniveau, keine Weltkriegsschäden, …). Es sei mir verziehen, ich bin kein Berufs-Journalist und auch keine Wirtschaftswissenschaftler. Dass ein in Deutschland Gutverdienender sich überlegt, in der Schweiz Pizza essen zu gehen, kann ich bestätigen. Aber ein Schweizer? Haben Sie da etwas verwechselt? Zudem: Lohnerhöhungen müssen nicht sofort Preiserhöhungen für alle zur Folge haben. Geringere Unternehmensgewinne könnten ebenfalls eine Folge sein, Umverteilen von Löhnen, geringere Boni etc. zumindest ein Teil der Lösung. Vielleicht könnte so in Zukunft trotz Lohnerhöhungen für Paketboten und Pflegepersonal der deutsche Gutverdiener immer noch mit seiner Familie Pizza essen gehen? – Jörg Steinbach


Leserbrief zu „War Kafka ein jüdischer Autor?“ von Benjamin Balint

„Ungeziefer“ Kafka?
Benjamin Balint macht in seinem ZEIT-Artikel, wie ich meine, zwei Fehler: einen im Ganzen und einen im Detail, die beide eng zusammenhängen. Im Ganzen geht er der Frage, ob Kafka ein jüdischer Autor gewesen sei, nach, indem er untersucht, inwieweit er sich mit Judentum als Religion, Nation oder Ethnie identifizierte. Für richtig halte ich es, dass Kafka sich mit diesen drei Aspekten jüdischer Identität schwer tat. Was er jedoch erkannte, war, dass sich seit der Reichsgründung Judenfeindlichkeit zum Antisemitismus verwandelte. Am Beispiel Heinrich Heines konnte jeder wache Intellektuelle wahrnehmen, wie sich von Richard Wagner bis Adolf Bartels die Schimpfkanonaden gegen Juden steigerten. Wer eine jüdische Identität bei Kafka sucht, kann sie im Juden als Opfer finden.

Im Detail irrt sich Benjamin Balint im ersten Satz der Erzählung „Die Verwandlung“. Da verwandelt sich Gregor Samsa nicht in einen „Käfer“, sondern er „fand sich“ im Bett (ohne dass er irgendetwas getan hatte) „zu einem ungeheueren Ungeziefer verwandelt“. Kafka stellte – wie ich vermute – dar, was in dieser Zeit ein Mensch jüdischer Herkunft, Religion, Nation oder – wie es die Antisemiten nannten – „Rasse“ vorfand: Er war zum „Ungeziefer“ geworden und zwar zu einem „ungeheuren“, einem in menschlicher Gestalt. Was sich dann aus einem solchen Vorgang entwickelt, wird erzählt, Schritt für Schritt. Anfangs gelingt es ihm nicht mehr, auch wenn er es noch so gern möchte, zur Arbeit zu gehen, am Ende heißt es nur über dieses Wesen: „Sehen Sie nur mal an, es ist krepiert; da liegt es, ganz und gar krepiert!“ Wie die Nazis die Art und Weise dieses Krepierens später durchführten, konnte Kafka nicht wissen. – Dr. Helmut Landwehr


Leserbrief zu „Seitenwechsel“ von Roland Lindenblatt

Und der Käufer kann sich nicht wehren! Es ist schon paradox. Der Verkäufer bestellt und der Käufer zahlt. So was gibt es nur im Immobilienbereich und führt zu überhöhten Preisen. Zahlt der Besteller, achtet er auf den Preis. So funktioniert analog auch der Lebensmitteleinkauf, gut und günstig. Es gibt andere Beispiele. In Alten Land werden Objekte für 3,75% Courtage (ohne Teilung) angeboten. Auf Nachfrage sagte mir der Makler, dass einige Verkäufer von größeren Immobilien die Aufträge nur bei niedrigerer Courtage vergeben. Klug gedacht, diese lassen sich dann wohl besser verkaufen. Die Politik sollte daraus eine Tugend machen und hier das Bestellerprinzip einführen. Nur Mut, dann braucht man an den wichtigen Steuern, die dem Gemeinwohl dienen, nichts zu ändern. – Ingo Bahmann


Leserbrief zu „Die Verkuschelung der Welt“ von Anna Gien

Herrlich, Anna Gien, so jung und welche wortmächtige Sprache! Dafür leiste ich mir die ZEIT auch: Immer mal wieder von solchen Artikeln und Themen überrascht zu werden. Genuss pur! Ein Text, der einfach Spaß macht, gut recherchiert, klug argumentiert, zum lachen und empören, inspirierend und im Moment des Lesens merkt man, wie er einem aus der Seele spricht.

Mir war bis dato gar nicht klar, dass ich den Hygge-Schwall in den Medien schon länger mit Erstaunen beobachte. Als Norddeutscher sind mir dänische Alltags-Ausdrücke durchaus geläufig, zudem wohnte ich Anfang der Achtziger für ein paar Jahre in Südjütland. Und ich bin mir sicher, früher meinte man damit den besonderen, den gemütlichen Moment, schlicht etwas Angenehmes. Sich hyggen heißt sich gemütlich fühlen, ist nur kürzer, griffiger wie vieles in der dänischen Sprache. Sich hyggen kann sich einstellen, wenn man dafür offen ist, ein bisschen dafür tut, muss aber auch nicht. Ich bin mir sicher, niemand dachte damals an einen ganzen vollkommenen Lebensstil oder gar an eine Haltung. Da scheint sich etwas überhöht zu haben. Sich hyggen kann z.B. ein Baby wenn es im Bett wohlig in die Gegend schauend langsam einschläft. Die Dänen verwenden es auch im Zusammenhang mit Sorgfältigkeit. Wenn man sorgfältig ist, ist man omhyggelig. Es steckt auch „hegen“ drin und damit unser deutsches Wort Behaglichkeit – was ich persönlich besonders mag, genauso wie das Wort komood: plattdeutsch für gemütlich. Auch herrlich, oder?
PS: Eine Zeitschrift dieses Namens kaufte ich neulich für eine längere Zugfahrt. Es ging hauptsächlich um Einrichtung, Mode und Accessoires – hyggelig fand ich im zugigen Abteil einzig meine weiche warme Strickjacke die mich umgab. – Heidrun Buhse


Leserbrief zu „Sein Schatz“ von Britta Stuff

Peter Altmaier, der aktueller Wirtschaftsminister, und Reichskanzler Otto Eduard Leopold von Bismarck (1815-1898), die konnten zueinander nicht kommen, die Zeit war einfach dagegen. Peter Altmaier ist ein sehr belesener Wirtschaftsminister, mit (s)einem Bücherschatz von cirka 6000 Büchern. Peter Altmaier ist ein großer Fan und ein großer Bewunderer des Fürsten von Bismarck. Für „Otto-Normalverbraucher“ ist Fürst Bismarck, heutzutage mehr der große Unbekannte; sein „Bismarckhering“, der dürfte dagegen noch öfters in aller Munde sein! – Klaus P. Jaworek


Leserbrief zu „Der Klang von Muschelkalk“ von Moritz Aisslinger

2 1/2 große ZEIT-Seiten für zeitgenössische Lyrik, wie schön! Vermutlich bin ich nicht die einzige Leserin, die darüber erfreut ist. Schade, dass der Artikel so einen Lamento-Klang hat. Dass es nicht gut bezahlt wird (von wem?), wenn man tagelang nach dem richtigen Wort sucht, ist zu erwarten; wer gerne auf der Straße erkannt werden möchte, sollte wohl nicht Lyriker werden, wohl wahr. Immerhin ist Nico Bleutge doch „angekommen“: Gedichte in Zeitschriften und Büchern abgedruckt, Träger mehrerer wichtiger Preise, ein Verlag mit engagiertem Lektor, Schreibaufenthalt in der Türkei gesponsert, Villa-Massimo-Stipendium – davon träumen andere LyrikerInnen nur. Vielleicht hätte eine Seite zur Vorstellung gereicht, und auf den anderen anderthalb Seiten hätten Sie Gedichte von bisher weniger Erfolgreichen vorgestellt? Zweierlei möchte ich noch anmerken: dass in der Schule „niemand mehr ein Gedicht auswendig lernen“ müsse, wird oft behauptet, stimmt trotzdem nicht. Zumindest unsere 4 Enkelkinder (1. bis 5. Klasse) haben bisher viele Gedichte gelernt, zuletzt in der 1. Klasse eins von Georg Britting. Zum anderen war ich ein wenig enttäuscht, dass dem Lyriker zum Begriff Muschelkalk nicht sein Kollege Ringelnatz eingefallen ist …. – Rosemarie Hackmann


Leserbrief zu „Der Klang von Muschelkalk“ von Moritz Aisslinger

Vielen Dank für dieses Dossier, das sich einfühlsam einem zeitgenössischen deutschen Dichter nähert und das Thema Lyrik im heutigen Literaturbetrieb ausleuchtet. Joseph Brodsky hat einmal gesagt – wenn ich mich recht erinnere – , dass Gedichte überall, in Supermärkten und Tankstellen, feilgeboten werden sollten, als geistig-seelische Lebensmittel sozusagen. Leider sind wir von einer solchen Situation weit entfernt. Das Ist höchst bedauerlich, denn ja prosaischer die Umstände werden, desto wichtiger wird diese Art von Literatur, die wie keine andere in der Lage ist, unsere Empfindungen direkt anzusprechen, uns Zuversicht, Liebe, Freude oder zumindest das Gefühl zu vermitteln, dass das Leben doch nicht ganz so beschissen ist, wie wir eben noch dachten. – Ludwig Engstler-Barocco


Leserbrief zu „Der Preis der Gerechtigkeit“ von Mark Schieritz

Ich stimme Herrn Schieritz zu, es ist an der Zeit, dass wir uns vergegenwärtigen, auf wessen Kosten wir unseren Wohlstand leben. Nämlich auf Kosten von Menschen, die wenig oder auch gar nichts verdienen (z. B. unbezahlte Familienarbeit). Ich frage mich jedoch, ob Herr Schieritz bisher nur als Tourist in der Schweiz war oder dort auch gelebt hat. Wenn er dort gelebt hätte, wüsste er, dass das „Nachtessen“ im Restaurant bei Gutverdienenden kein Luxusgut, sondern eine Selbstverständlichkeit ist. In der Schweiz sind die Saläre nämlich allgemein deutlich höher als in Deutschland, die Steuern deutlich tiefer. Die hohen Konsumgüterpreise zehren das höhere Einkommen der Geringverdienenden hingegen schnell wieder auf. Eine schöne Wohnung im Zentrum ist da höchstens über die Genossenschaften möglich. Für Deutschland könnte sich der Blick über die Grenze schon lohnen. Aber bitte auf das Gesamtbild. – Prof. Dr. Claudia Reuter


Leserbrief zu „Was hinter den Nachrichten steckt“ von Jochen Bittner et al.

Vielen Dank für die Doppelseite „Was hinter den Nachrichten steckt“. Alle vier Themen haben mich in der letzten Woche beschäftigt, doch findet man oft nicht genug Zeit sich darin einzulesen. Dank Ihres Beitrages konnte ich das in 15 Minuten nachholen! Ich würde mich sehr freuen, wieder einmal über diese Doppelseite zu stolpern, wer weiß, vielleicht als neues regelmäßiges Format? – Dr. Christoph Wallner


Leserbrief zu „Über Einschlafrituale“ von Harald Martenstein im ZEIT Magazin

Vorab möchte ich mich herzlich für Ihre sonst so überaus gelungenen, mal heiteren, mal scharfen aber immer intelligenten Kommentare über die alltäglichen Dinge des Lebens bedanken. (Jene über den Umgang mit Krankheiten wurde bereits an den Hausarzt weitergeleitet, der sich ebenfalls königlich amüsierte.) Ihre Ausführungen über die „Einschlafrituale“ Ihres Sohnes kann ich jedoch nicht ohne eigenen persönlichen Kommentar stehen lassen. Ich möchte fast hoffen, dass es sich um eine imaginierte Geschichte handelt, welche einen – für mich höchst fragwürdigen – Erziehungsstil persifliert. Jenen, bei dem Kinder ihre Eltern erziehen und diese aus unterschiedlichsten Gründen nachgeben. Als Grundschullehrerin würde ich nicht stundenlang mit Ihrem Kind diskutieren wollen, warum wir jetzt und nicht in zwei Stunden Turnen gehen, mit Bleistift in das Heft schreiben, wir den anderen ausreden lassen, … einer klaren Anweisung Folge zu leisten ist. Willensstärke ist dabei willkommen, aber sollte immer im Dienste der Gemeinschaft ausgelebt werden. Ich möchte dabei auch auf Alfred Adler (Arzt und Erzieher) verweisen, der schon vor 100 Jahren darauf verwies, dass eine „Verzärtelung“ des Kindes ebenso schädlich für seine Entwicklung ist wie eine Vernachlässigung. – Alexandra Königshofer


Leserbrief zu „Der Preis der Gerechtigkeit“ von Mark Schieritz

Der Experte Mark Schieritz glaubt, dass Paketboten, Pizzabäcker und Konsumenten finanzielle Nachteile unter sich auskarteln müssten. Hat er nicht eine Gruppe vergessen, die sich auch einschränken könnte? – Peter Wagenbrenner


Leserbrief zu „Eine einzige Wahrheit gibt es nicht“ von Gerhard Poppenberg

Ein ideen- und formgenüsslicher Sprachschatz reißt die Himmel der Wahrheiten auf. Erstaunt und verblüfft bleiben Dogmen und Fake-News zurück. Verrückt! Einfach, mein Schatz, oder? – Georges Heck


Leserbrief zu „Der netteste Mensch der Welt“ von Antonia Baum

Ich arbeite seit über 20 Jahren mit Menschen, die sexualisierte Gewalt erfahren haben, und verfolge die öffentliche Debatte mit Interesse – und mit mal mehr, mal weniger deutlichem Unbehagen, natürlich gegenüber den fürchterlichen Verbrechen, aber leider auch im Hinblick auf die Berichterstattung. Die Thematik ist ungeheuer komplex und emotional so aufwühlend, dass es mir durchaus verständlich erscheint, wenn es kaum je gelingen will, wirklich Durchdachtes und (Zu-) Treffendes dazu zu äußern, zumal öffentlich.

Umso erfreulicher nun Ihren Artikel zu lesen, in dem es Ihnen gelingt, eine angemessene emotionale Reaktion mit einem klaren Blick zu vereinen, ohne zu sehr zu vereinfachen oder die Übersicht im komplexen Geschehen zu verlieren. Das Ganze in Kürze und mithilfe einer bestechenden Sprache. Diesmal empfinde ich gegenüber der Art und Weise der Berichterstattung freudiges Erstaunen und große Hochachtung und tatsächlich keinerlei Unbehagen. Ihr Artikel kann den Lesern dazu verhelfen, Orientierung in diesem aufwühlenden „Dschungel“ zu finden. Danke dafür! – Sibylle Riffel


Leserbrief zu „Der Preis der Gerechtigkeit“ von Mark Schieritz

Routinemäßig rezitierte Wertschätzungen insbesondere von schlechtbezahlten Dienstleistungsberufen in Ehren: Die tatsächliche Umsetzung von sozialem Bewusstsein und sozialer Fairness sind und bleiben die wichtigsten Bindemittel einer demokratischen Gesellschaft; sie dürfen niemals Luxus sein. Gerechtigkeit hat dabei gewiss ihren finanziellen Preis, aber der gesamtgesellschaftliche Preis für (bleibende) Ungerechtigkeit wäre ebenso gewiss ungleich höher. Zudem lassen sich etwa die öffentlichen Haushalte wirtschaftlich unbestritten nicht allein durch Sparen finanzieren und konsolidieren. Sondern auch durch weitsichtigen, leistungsgerechten Einsatz von Bestandspersonal und der Steigerung der Arbeitgeberattraktivität zur Gewinnung von qualifiziertem Nachwuchspersonal. – Ira Bartsch


Leserbrief zu „Der Klang von Muschelkalk“ von Moritz Aisslinger

Einfach, weil man es viel zu selten tut (oder in meinem Fall, noch nie): Gerade habe ich in der Print-Ausgabe vom 7. März die Reportage gelesen und wollte mich auf diesem Wege für das feinfühlige & sprachlich wunderschöne Portrait des Dichters bedanken – es hat meinen faulen Sonntagmorgen im Bett, an dem ich mich eigentlich über das hektische Weltgeschehen informieren wollte, überraschend entschleunigt und mich zutiefst berührt. – Lea Börgerding


Leserbrief zu „Danke, Diesel“ von Uwe Jean Heuser und Claas Tatje

Das Wichtigste zum E-Auto fehlt noch: Die Stromerzeugung muss an den benötigten Aufla­de­zei­ten im Sommer und Winter (abends Photovoltaik » 0) möglichst CO2-frei ausgeweitet werden. Wenn in Deutschland ab 2030 nur 12 Millionen E-Autos (Pkw, Lkw, Busse, etc.) fahren und 8 % davon müssen dringend abends von 18 – 20:30 Uhr mit 16 kW aufgeladen werden, ergibt dies (inkl.1,5 % Leitungsverluste) die zusätzliche Erzeugungsspitze von [0,08·12·106·16]·1,015 = 15.500 MW nötige verfügbare Stromerzeugungskapazität. Bei bis dahin gegenüber 2018 verdoppelten Kapazitäten von Wind- und PV-Anlagen hätten wir 110.000 MW Wind- und 84.000 MW Photovoltaik-Anlagen installiert. Am 23. – 25. Januar 2019 waren 20,5 zusammenhängende Stunden unter 3,6 % (10 Stunden sogar unter 1,8 %) der Wind- und abends ab 17:15 genau 0 % aller PV-Anlagen einsatzfähig. Wasserkraft und Biomasse trugen im Winter rund 8.000 MW bei. Diese lassen sich bis 2030 etwa auf 10.500 MW steigern. Eine ähnliche Wetterlage im Januar 2030 ergäbe somit 4 GW (Wind) + 10,5 GW (Biomasse + Wasserkraft), viele Stunden sogar deutlich weniger: Das reicht nicht einmal zur Aufladung der E-Autos. Die bisher normale winterliche Abendspitze erreicht locker 82 – 84.000 MW.

17 GW Kohlekraftwerke der Kohlekommission, noch zu bauende 45 GW andere bei 98 % Verfügbarkeit und mal eben 22 – 25 GW Stromimporte aus Frankreich, Belgien (falls die dortigen Atom­kraftwerke noch störungsfrei laufen) oder Tschechien und Polen mit alten Kohle-Möhrchen oder aus Tikki-Takka-Land werden den Black-Out schon verhindern. Oder fragen wir Herrn Habeck: Nach ihm sind große P2G-Speicher o.ä. schon längst verfügbar. Soll die E-Mo­bi­­lität durch besonders schlaue Politiker genau wie der BER an die Wand gefahren werden? Oder hatte Einstein hatte leider Recht, als er sagte, dass zwei Dinge unendlich seien, nämlich das Uni­versum und die Dummheit? Beim Universum war er sich noch nicht ganz sicher. – Prof. emer. Dr. Wolfgang Ströbele


Leserbrief zu „Sein Schatz“ von Britta Stuff

Mit Interesse habe ich Ihren Artikel über Herrn Altmaiers private Bibliothek gelesen, hätte diesen allerdings im Ressort Politik einen Artikel mit politischem Inhalt erwartet. Mich – und vielleicht auch viele andere LeserInnen – hätte Antworten auf Fragen politischen Inhalts gewünscht. Etwa: weshalb muss der Staat am Strom zwei Mal verdienen – Strom- und Mehrwertsteuer? Kann man im Zeichen voller Kassen nicht auf die Stromsteuer verzichten? Wie sieht Altmaiers Lösungsvorschlag aus, wenn in den nächsten Jahren Tausende Windräder vom Netz gehen werden, weil ihre Betriebsgenehmigungen auslaufen? Reichen dann die derzeitigen Ausbauziele, um deren Ausfall zu kompensieren? Was passiert mit den vielen Tausen Photovolataik-anlagen, deren Einspeisegarantien in den nächsten Jahren auslaufen? Warum werden nicht – wenn schon nicht sofort – dann wenigstens peu a peu die Subventionen gestrichen oder jährlich linear reduziert, mit denen Klimaschädliche Technologiern immer hofiert werden? Die Bevölkerung erwartet keine Sonntagsreden mehr sondern aktive Politiker, die endlich aufhören, vor der Industrie Bücklinge zu machen. – Hubertus Brombach


Leserbrief zu „Eine einzige Wahrheit gibt es nicht“ von Gerhard Poppenberg

Nein, so lässt sich der Poststrukturalismus nicht verteidigen. Es kommt darauf an, ob man die Unschärfe und Missverständlichkeit von Sprache für gegeben hält (und, je nach Interesse und Profession, entweder hinnimmt oder ausnutzt), oder ob man sich bemüht, sie in seinem Bereich nach Kräften zu reduzieren, indem man sich so klar wie möglich ausdrückt. Für Wissenschaftler, im allgemeinen auch Geisteswissenschaftler, sollte das keine Frage sein, nicht anders als für Journalisten. Der Werbespruch „Geiz ist geil“ (Sinn: Profitieren Sie ganz ungeniert von unseren Niedrigpreisen!, keineswegs: Geiz ist eine Tugend) lebte gerade vom scharfen semantischen Gegensatz. Zum Thema sprachliche Unschärfe trägt dieser Fall daher nichts bei, ebensowenig wie der Sachbuch-Titel „Darm mit Charme“ oder der alte Grundsatz „Sport ist Mord“. – Eva Tichy


Leserbrief zu „Der Klang von Muschelkalk“ von Moritz Aisslinger

Ein wohl gelungenes, didaktisch klug angelegtes und überfälliges Porträt des Lyrikers Nico Bleutge! Der Leser schwankt zwischen Bewunderung für den einsam Schaffenden und Mitgefühl für seine geringe Akzeptanz, und muss erkennen, dass auch er selbst zu den Verständnislosen gehört, die ohne Einhilfe des Autors kaum erfassen, was der Autor aussagen will. Die geforderte Deutungsoffenheit der Gedichte wird selbst für Nachdenkliche zum Deutungsverlust, wo die Schnittmenge, das Kommunizierte, von Gemeintem und Wahrgenommenem gering ist. In den Sechzigerjahren beschäftigten sich die Anglisten mit „Waste Land“ von T.S. Eliot, Literaturnobelpreis 1948. Es gab genügend Rezensionen, die eine „gesicherte“ Interpretation erlaubten. Das war bei Saint-Jean Perse, Nobelpreis 1960, noch nicht so und führte zu ungewohnter Deutungsoffenheit: Eine Stunde lang interpretierten Romanisten im Seminar eine Textstelle in „Anabase“, in der „Hühnchen“ vorkam. Was das Ergebnis der Bemühungen war, habe ich nicht mehr in Erinnerung, wohl aber, dass eine Kommilitonin nach einiger Zeit fragte, ob „poulain“ tatsächlich „Hühnchen“ bedeute oder doch „Fohlen“.

Moritz Eisslinger nimmt den Leser mit auf eine Bildungsreise durch Bleutges Welt und versucht, ihn in kleinen Schritten an die Entstehung und den Sinn von „was ein wunsch wäre…“ heranzuführen: vom „leidvollen Vorgang“ über Wörter, Synonyme, Konnotationen, Assoziationen, Lesefrüchte u.a.m. zu einem Text, der verfremdet, verdoppelt, verdichtet, zu einem erhofften Mittelweg zwischen Zu- und Aufdecken. In einem „Selbstversuch“ habe ich Bleutges Methode angewendet, ohne allerdings mir die Zeit für mehr als naheliegende Sprache zu nehmen:

  1. Das „neue“ Gedicht: „evolution nein. revolution! wieder. ausgeladen. verschwendet. verschwunden. müde. larvenmäuler. im trockenen rückhaltebecken ohne odem. in vatikanischer todeszelle dunkle aussicht. auf leben./mengen. schutzlos. abgetrieben an pforten. verschlossen zum paradies.“
  2. Wortsuche: unwillkommene Gäste, geladen, ausgeladen; Kaulquappen, Larven, Lurche, Fische, im trockenen Aquarium, im leeren Rückhaltebecken; vom Wettkampf ermattet, verdurstet, verdorrt; Gefängnis, Vatikan, Gummizelle, Todeszelle, zum eigenen Schutz, Umweltverschmutzung, Plastik, Müll im Meer, immer mehr. Darwin, Evolution, Revolution
  3. Der leidvolle Vorgang: Umweltschützer entdecken im Plastikmüll vor den Galapagosinseln ein Kondom mit Sperma.

Ist doch klar, oder? – Johannes Kettlack


Leserbrief zu „Danke, Diesel“ von Uwe Jean Heuser und Claas Tatje

Ein Dankeschön auch an die Autoren, da sie, wenn auch noch zögerlich, dem E- Auto bescheinigen, dass es in der heutigen, batteriebetriebenen Version, keinen Beitrag zur Rettung der Umwelt und Erdatmosphäre leistet. Den Hauptgrund dafür, dass das batteriebetriebene E- Mobil sein Nischendasein beibehalten wird, erwähnen Sie leider mit keiner Silbe: Es sind weniger die bekannten Nachteile im Alltagsgebrauch bis hin zur Ladeinfrastruktur sondern es ist schlicht der Mangel an Rohstoffen zur Batterieherstellung für eine massentaugliche Verbreitung! Allein VW hätte für seine gesamte Jahresproduktion einen Bedarf an Kobalt der in der Höhe der derzeitigen weltweiten Jahresfördermenge liegen würde. Würde man anstreben, den gesamten Kfz- Park nur in Deutschland auf E- Mobilität umzustellen, wäre allein dafür die 10- fache derzeitige Jahresfördermenge an Lithium erforderlich. Mit weiteren Elementen aus der Reihe der seltenen Erden verhält es sich ebenso dramatisch.

Warum dann die von den Autoren beschriebene erwachende „Euphorie“ der deutschen Automobilindustrie für das E- Mobil? Ganz einfach: Erstens muss sie zeigen, dass sie nicht nur bei der Abgasmanipulation innovativ ist und zweitens, noch wichtiger, ist sie auf zukünftige Produktionsanteile von E- Mobilen angewiesen da diese mit „Null Emission“ definiert sind (was technisch nicht stimmt) und nur so die strengen Emissionshöchstwerte über die gesamte Fahrzeugflotte eines Herstellers eingehalten werden können. Also, runter mit der Euphorie. Das batteriebetriebene E- Mobil bleibt eine Übergangslösung mit Nischencharakter, ideal für regionale und kommunale Aufgaben (Post- und Paketzustellung), privat eher ein überteuertes Spielzeug. Auch der leichte Zulassungsanstieg ändert daran nichts, er liegt z.Z. bei 1,3% und bestätigt die Situation. Die Zukunft für E- Mobilität ist relativ sicher, sie liegt aber ganz klar bei der Brennstoffzelle. – Dipl. Ing. Michael Deil


Leserbrief zu „War Kafka ein jüdischer Autor?“ von Benjamin Balint

Ohne Zweifel war er das. Allerdings ist Kafkas Botschaft an die Welt keine religiöse, so wie er 1915 in einer Tagebucheintragung nach sehr intensiver Auseinandersetzung mit der Bibel und religionsgeschichtlichen Themen für sich festhält: „… vor mir flattern nicht die Blätter der Bibel.“ Kafkas Botschaft im Process-Roman ist eine nicht nur für die damalige Zeit sehr aktuelle, da er sich gegen den Krieg wendet und die Ursachen erforscht, warum sich der Einzelne unterordnet, wo es um das eigene Leben geht.

Sie haben übrigens richtig gelesen: Kafka hat ganz bewusst im Manuskript seines Romans das zu seiner Zeit nicht mehr gebräuchliche Wort ‚Process‘ verwandt, abgeleitet vom Lateinischen processus, das auf einen Fortgang bzw. ein Fortschreiten hindeutet. Max Brod war der erste, der das Wort in Prozeß umwandelte. Er hat damit Kafkas Aussage im Roman, dass es sich bei dem Process des Josef K. nicht um einen juristischen Fall vor einem gewöhnlichen Gericht handelt, widersprochen. Es ist nicht die einzige Korrektur, die er vorgenommen hat. Schwerwiegender ist, dass er einzelne Textbausteine kurzerhand als Fragmente in den Anhang verschoben hat und somit wichtige Hinweise Kafkas an seine Leser zur Entschlüsselung seines Textes unterschlug. Kafkas Roman ist nicht unvollendet, doch es braucht einen kritischen Leser, der seine bewusst lancierten Fehler durchschauen kann, um zu einem Verständnis seiner Aussagen zu kommen. – Regine Zinke


Leserbrief zu „Der Preis der Gerechtigkeit“ von Mark Schieritz

Natürlich muss jemand – d.h. wir Verbraucher, wir Nutzer, wir Bürger – die fairen Löhne und höheren Mindestlöhne bezahlen. Nur: was ist daran problematisch, wenn Versandhändler wie etwa amazon weniger verkaufen, dafür aber der Einzelhandel in den Städten und Gemeinden entsprechend mehr verkaufen kann ? Man könnet z.B. auch die Einkommensteuer auf entsprechende Einkommen erhöhen auf das Niveau, das sie zur Zeit Helmut Kohls gehabt hat, man könnte eine Erbschaftssteuer einführen usw. Das wäre sogar gerecht: wer viel hat, könnte auch viel (mehr) geben ! – Klaus Reindl


Leserbrief zu „Der Klang von Muschelkalk“ von Moritz Aisslinger

„was ein wunsch wäre, schlaf
zu übertragen, wärme
sich in luftbläschen schleichen“
Gedichtinterpretation mal anders. Herzlichen Dank Moritz Aisslinger für diesen wunderbaren Artikel über Nico Bleutge. Am Anfang war da nur eine Strophe, die am Ende so viel mehr Sinn ergab, dass sie mich zu Tränen rührte. – Juliane Freese


Leserbrief zu „Der Straßenkrieger“ von Robert Pausch

Wenn es stimmt, was Robert Pausch analysiert hat, dass der Bauch das wichtigste Organ des Politikers Scheuer ist, dann ist zu befürchten, dass das Produkt seiner Politik Ähnlichkeit mit den Produkten des Verdauungsorgans im Bauch haben wird. Wer in einem Rechtsstaat Gerichte und deren Urteile kritisiert und zum Widerstand gegen ihre Urteile aufruft, deren Gesetze seine eigene Partei einstmals beschlossen hat, sollte mit dem Organ im Kopf über das GG nachdenken. Wer leichtfertig die Diskussion über ein Tempolimit als „gegen jeden Menschenverstand“ abtut, sollte in Hinblick auf immer noch tausende von Verkehrstoten und -Verletzten über das „C“ im Parteinamen, den Freiheitsbegriff und die Erfahrungen in fast allen anderen zivilisierten Ländern der Erde den gesunden Menschenverstand bemühen. Auch Donald Trump hat nicht viel mit Wissenschaft im Sinn und ist ein Straßenkrieger. Wer auf seinen Spuren wandelt, wird wohl ebensowenig zur Lösung unserer komplexen Probleme beitragen können. Doch vielleicht ist der Spuk in den USA ja bald zu Ende – dann könnte ja ausnahmsweise auch der Bauch seine Meinung ändern. – Dr. rer. Nat. Anton Hammer


Leserbrief zu „Über Einschlafrituale“ von Harald Martenstein im ZEIT Magazin

Sie müssen in wunderbarer Vater sein! Denn: Sie nehmen sich Zeit für Ihren Sohn. Sie gehen auf sein Bedürfnis nach Ritualen ein und Rituale geben ja nicht nur kleinen Menschen Sicherheit. Sie reden mit ihm, auch wenn der Dialog immer der gleiche ist. Sie bauen ihm eine Höhle, in der er sich geborgen fühlen kann. Sie nehmen ihn mit in andere Sprach- und Bildwelten Sie sind für ihn da. Mehr geht eigentlich nicht. Und ich bin sicher, es wird sich auszahlen. Und wenn Sie mal fast nicht mehr können: Auch diese Phase geht vorbei. Aber das wissen Sie sicher schon. Viel Freude mit dem kostbaren kleinen Menschen an Ihrer Seite – Ilse Wittenborn


Leserbrief zu „Danke, Diesel“ von Uwe Jean Heuser und Claas Tatje

Die Autoindustrie wird erst dann den Umschwung zum E-Auto einleiten, wenn auch die letzte Dieselschleuder (auch Benziner) gewinnbringend auf den Markt gebracht wurde – und dann, erst dann wird die E-Mobilität vorangetrieben. Um die nächste Technologie trendmäßig zum nächsten Mobilitätskollaps zu führen. Weiter werden wertvollen Ressourcen verbaucht. „Everyday and everytime for future“ – weniger Auto kann nur noch das „Mehr“ sein… Unsere Kinder werden es uns hoffentlich danken. – Manfred Schelle


Leserbrief zu „Verirrt im Wald“ von GRN

Der Kommentar von GRN ist schlichtweg widerlich und geschmacklos! – Nadja Friehe


Großer Verdienst des Authors dieses Beitrags .die Leser zu ermahnen,immer daran zu denken, eine einzige Wahrheit gibt es nicht.Das ahnte wohl schon Pontius Pilatus .der vor etwa 2000 Jahren auf dem Balkon seiner Residenz stand und der harrenden Menge zurief:“Was ist Wahrheit“.Falls diese Geschichte der Wahrheit entspricht. – Hans-Emil Schuster


Leserbrief zur Deutschlandkarte „Tennisplätze“ von Laura Edelbacher und Julius Tröger

gewiss, der Vergleich der Dichte der Tennisplätze in West- gegenüber Ostdeutschland ist erstaunlich aber leicht erklärlich, nicht wahr ? Noch interessanter wäre Ihre statistische Erfassung, wenn Sie auch ermittelt hätten, in welchen Jahren die höchste Zahl an Tennisplätzen in Westdeutschland erreicht wurde und wie stark die Anzahl bis heute wieder abgenommen hat ? Die höchste Anzahl dürfte, nach meinen Beobachtungen, in den 70er-80er Jahren erreicht worden sein, als es in gut situierten jungen Familien in den 60er bis 80er Jahren zum guten Ton gehörte, Tennis zu spielen. Die Profis Steffi Graf und Boris Becker mögen stark dazu beigetragen haben. Es zählte oft mehr die gesellschaftliche Anerkennung als der Sportgeist.

Interessant dürfte auch sein, wie viele Tennisplätze bis heute bereits wieder aufgegeben wurden, weil die Tennis spielenden Eltern ihren Kindern diese Spielbegeisterung für diesen Sport nicht übertragen konnten ? Ich könnte in meiner Umgebung sehr viele Plätze benennen, die brach liegen und verkommen oder schon gar nicht mehr existieren. ( im Norden Hamburgs bis nach Schleswig-Holstein hinein – Norderstedt – Quickborn ) Welche neuen, „modernen Aktivitäten“ haben das Tennisspielen in den entsprechenden Gesellschaftsschichten abgelöst ? War es nur ein Statussymbol oder hat diese Entwicklung mit geringeren Geburtenraten zu tun ? Ich denke , eine psycho-soziale Untersuchung dieser Entwicklung wäre ebenfalls hoch interessant ? – Klaus-Otto Cordua


Leserbrief zu „Danke, Diesel“ von Uwe Jean Heuser und Claas Tatje

Ich hoffe Porsche hat gut gezahlt. Zwei grüne 400 PS – Taycan sollten schon drin sein für dieses Stück kritischer Journalismus. – Ein/e Leser/in


Leserbrief zu „You’ll never walk alone!” von Peter Kümmel

Peter Kümmel weiß um meine Kritik. Wir könnten den Engländern den Rang ablaufen, wenn Deutschland bessere Politik machen würde. Ich weiß von Geschäftsleuten, die auch teilweise in Singapur leben, das kein Oligarch nach Deutschland gehen würde. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „WIE ES WIRKLICH IST … Putzsklave zu sein“ von Oliver

Ich bin seit Jahrzehnten unregelmäßiger Leser der ZEIT, nehme dafür jedes Mal ein Probe-Abo-Angebot an und bin froh, ein deutschsprachiges liberales Medium mit offener Diskussionskultur lesen zu können. Ich bin mit meinen mittlerweile 68 Jahren sehr wohl in der Lage, kultur- und gesellschaftspolitische Strömungen zu sehen, sie in den Medien zu verfolgen und für mich offen zu bewerten. So habe ich es mit den teilweise aufgeregt arroganten Begleitungen der sozialdemokratischen Ära durch die Dönhoff-Redaktion ab 1969 gehalten. Ebenso mit der aus meiner Ansicht ungerecht diffamierenden Kritik am Wechsel der FDP-Fraktion im Deutschen Bundestag im Jahr 1982, auch fand ich die libertäre, alles entschuldigende Haltung zum Thema Pädophilie sehr einseitig und die Klarstellung von Theo Sommer an der Haltung von Rudolf Walter Leonhardts Treiben als langjährigem Feuilleton-Chef kam zu spät und in der Sache halbherzig. Nicht umsonst hat Dahrendorf zu diesem Thema bereits in den 70-ern eine unheilige Allianz von jugendbewegten Milieus mit einer linksliberalen Kulturelite diagnostiziert und von einer protestantischen Mafia gesprochen, implizit die Dönhoffs, v. Weizäckers, de Maizieres und Beckers der alten Bundesrepublik gemeint.

Und jetzt lese ich eine heitere, dem Leser geradezu eine alternative Berufswahl anbietende Beschreibung aus dem BDSM und Femdom-Bereich, die mich doch an der journalistischen Seriosität der ZEIT zweifeln lässt. Wenn Sie meinen, jedes noch so abseitige menschliche Verhalten in der ZEIT abbilden zu müssen, dann befinden Sie sich auf einem geistigen Niveau nahe der Protagonisten der Odenwaldschule, die ja eigentlich auch nur dem Zeitgeist der engen, konservativen Moral der 60-er Jahre entfliehen wollten. – Hans Georg Binder


Leserbrief zu „Der Preis der Gerechtigkeit“ von Mark Schieritz

Es ist richtig, dass eine Pizza in Zürich selten unter 20 Euro zu haben ist, ein Mittagstisch kostet schnell auch mal 25 Euro, auch ausserhalb von Zürich. Falsch ist, dass deshalb ein Restaurantbesuch zum Luxus wird: Gerade in Zürich sind Restaurants in der Mittagszeit sehr gut besucht, und zwar nicht von Spesenrittern, sondern auch von einfachen Angestellten. Mit guten Löhnen kann auch ein teurer Restaurantbesuch bezahlt werden und der Wohlstand steigt für alle und nicht nur für die besser Verdienenden. Wie das funktioniert, kann man sich in der Schweiz anschauen. – Christian Bergerhoff


Leserbrief zu „War Kafka ein jüdischer Autor?“ von Benjamin Balint

Der Beitrag, ob Kafka Deutschland oder Israel „gehöre“ hat mich amüsiert, denn er geht am Wesentlichen vorbei. Seitdem sich seit 1804 (Rheinbund) Deutschland und Österreich zunehmend entfremdeten, wird nach wie vor ausgeblendet, dass deutschsprachige Literatur auch außerhalb Deutschlands (bzw. des ehemaligen deutschen Reichs) geschrieben wird. Und Kafka entstammt jenem typisch k. k. Mischkonglomerat, wo im tschechischen Prag deutsche Universitäten existierten, in Wien die „Ziegelböhmen“ eine eigene Sprachgruppe bildeten, der tschechische Nationalist Antonín Dvorak Rechsratsabgeordneter in Wien war, weil er dort gratis Bleistifte für seine Partituren erhielt. Gehören deutschschreibende Schriftsteller wie Grillparzer, Karl Kraus, Raimund, Nestroy, Jelinek, Handke oder auch Dürrenmatt, Frisch den Deutschen? Oder wie Karl Kraus als Jude etwa Israel?

Zwei der drei großen Romane Kafkas, „der Prozess“ und „das Schloss“ spiegeln so typisch altösterreichische Verhältnisse wider, dass kaum jüdische oder deutsche Parallelen abzuleiten sind. Zudem ist Kafka nahe bei Wien gestorben. Vielleicht sollte man ihn nach seinem optimistischsten großen Roman „Amerika“ am besten als „Amerikaner“ klassifizieren. – Herbert Peherstorfer


Leserbrief zu „Der Straßenkrieger“ von Robert Pausch

Von allen real existierenden Regierungen der Welt haben wir eine der besten – bis auf das Verkehrsministerium, das in seiner dreisten einseitigen Autofixierung eher an eine Bananenrepublik erinnert. Man möchte vor Scham im Boden versinken. Im Finanzministerium mag eine „schwarze Null“ einen hohen Stellenwert haben – aber im Verkehrsministerium schaffen wir die Verkehrswende nur mit einem Chef, der alle Verkehrsträger gleichberechtigt vertritt! – Klaus Werner


Leserbrief zu „Das fliehende Klassenzimmer“ von Manuel J. Hartung

Man könnte die Demos ja auch nach Schulschluss veranstalten. Dann gäbe es keine Konflikte und das wahre Interesse der Schüler würde offenbar. – Christian Voss


Leserbrief zu „Das fliehende Klassenzimmer“ von Manuel J. Hartung

Erstens: Everyday For Future; das heißt, nicht nur am Freitag Umwelt bewusst sein. Zweitens: Alle machen mit; die Eltern und Großeltern, die Lehrer, die kommunalen Vertreter vor Ort. Drittens: Lob der Basisdemokratie ohne entsprechende politische Maßnahmen erstickt geradezu in Opportunität – und in schlechter Luft. Viertens: Das Mandat der Straße wird von der Politik ernsthaft angenommen, Klimaschutz wird von einer Projektion zu einem (notwendigerweise gesamtgesellschaftlichen) Projekt. – Ira Bartsch


Leserbrief zu „Dem Zufall entrinnen“ von Louisa Reichstetter

Ja, es verlassen sehr viele exzellente Frauen die Wissenschaft und ja, das Wissenschaftsmanagement rekrutiert sich aus diesen Frauen – und ist daher auch exzellent. Frau Dr. Rajamani gibt dazu sehr klug Auskunft. Leider klingt es in Ihrem Artikel so, dass dort, wo viele Frauen sind, einfach irgendwas nicht gut sein muss oder zumindest Skepsis geboten ist. Das Gegenteil ist der Fall. Aber jetzt, wo Prof. Krücken findet, die fortschreitende Professionalisierung mache es schwerer, eine Stelle im Wissenschaftsmanagement zu finden, kommt dann wohl endlich wieder der „Hasard“ ins Spiel und nicht mehr die Besten gehen ins Wissenschaftsmanagement, sondern endlich die Männer. Es wäre ja auch zu dumm, wenn man den exzellenten Frauen im Wissenschaftsmanagement einfach so die Macht überlässt. – Dr. Anneke Meyer


Leserbrief zu „Wer war Stauffenberg?“ von Jens Jessen

Natürlich steht den allermeisten von uns – nach dem heutigen Kenntnisstand – zum Beispiel ein Hans Scholl und eine Sophie Scholl, diese wunderbare weiße Rose im Garten der guten Deutschen, sicherlich auch ein Georg Elser, menschlich näher als ein elitär denkender, die „Massen“ verachtender, das Offizierskorps als wesentlichen Träger des Staates verherrlichender Berufssoldat im Banne eines obskur-okkulten Dichters mit einer dubios verschwurbelten Lehre von „Herrschaft und Dienst“ als Haupt eines „erotisch-pädagogischen“ Männerbundes. Gleichwohl verdankt Nachkriegsdeutschland Claus Schenk Graf von Stauffenberg viel, sehr viel. Seine Tat – und die Tat, die nackte Tat war es, die zählte – hat das Signal von einem anderen, besseren Deutschland in die Welt hinausgetragen wie ein glockenhelles Eichendorffgedicht und seine internationale Wahrnehmung hat wesentlich dazu beigetragen, dass die Bundesrepublik in den Kreis der Staatengermeinschaft aufgenommen wurde. Das sollten wir nie vergessen. – Dr. Ludwig Engstler


Leserbrief zu „Der Klang von Muschelkalk“ von Moritz Aisslinger

Zu dem vorzüglichen Dossier über den Lyriker Nico Bleutge und die gegenwärtige Lyriklandschaft kann ich nur gratulieren. Durch die gleichmaßen fundierte wie anregende Darstellung von Moritz Aisslinger dürften manche Ihrer Leser*innen ermutigt werden, sich dem (vermeintlich) „schwierigen Vergnügen der Poesie“ anzunähern. Dies wäre erfreulich, weil das Gedicht wie wohl keine andere Sprachform geeignet ist, dem in Kultur und Gesellschaft allgegenwärtigen Fetisch von Standardisierung und Gleichförmigkeit etwas entgegenzusetzen und unsere Ambiguitätstoleranz zu fördern. Für eine Rehabilitation der einstigen „Königsgattung“ erschiene es allerdings vonnöten, dass Gedichte mit viel größerer Selbstverständlichkeit im öffentlichen Raum gegenwärtig wären. Bedauerlich ist in diesem Zusammenhang, dass DIE ZEIT ihre regelmäßige Rubrik „Das Gedicht“, in der fast wöchentlich ein kürzlich erschienenes Poem präsentiert wurde, inzwischen eingestellt hat. – Christoph Leisten


Leserbrief zu „Euch werd ich helfen“ von Daniel Müller

Mit Ihrem Artikel über den Strafprozess in Bamberg und das Auftreten des Staatsanwaltes Heyder schaffen Sie es wunderbar, den Leser zu empören. Kein Zweifel bleibt zunächst, dass das Auftreten Heyders unerhört sei. Dann kommt jedoch der Vergleich mit dem fiktiven Amtsrichter Stierhammer aus „Königlich bayerisches Amstgericht“ und ich muss mir die Augen reiben. Mit einem aus dem zusammenhang gerissenen Zitat präsentieren Sie Ihre komplett verdrehte Charakterisierung dieser eigentlich menschlich zugewand angelegten Filmfigur und belegen, dass Sie diese Vorlage weder kennen noch verstehen. Ab diesem Absatz kann ich leider Ihren Ausführungen über das Bamberger Landgericht keine Relevanz mehr beimessen, denn es fällt mir schwer zu glauben, dass Sie in der Realität sorgfältiger hingeschaut und offener geurteilt haben als über das von Ihnen gewählte fiktive Pendant. Recht&Unrecht sollte sich im Angriff nicht so leichtfertig angreifbar machen. – Markus Schmidt


Leserbrief zu „Über Einschlafrituale“ von Harald Martenstein im ZEIT Magazin

Auch wenn Sie von vornherein Kommentare zu Ihrer Kolumne ablehnen: ich finde Ihren Bericht über die Nicht-Erziehung Ihres Kindes weder lustig, noch hilfreich, noch interessant… Die zukünftigen Lehrer/innen Ihres Sohnes tun mir jetzt schon leid. Früher waren Ihre Beiträge origineller! – Brita Kopf


Leserbrief zu „Der Straßenkrieger“ von Robert Pausch

Er gründete den Parlamentskreis Automobiles Kulturgut. Durch seine Adern fließt nach Aussage Peter Ramsauers Superbenzin und wenn er eine Aufgabe bekommt dann handelt er marschbefehlsmäßig: Helm auf und los. Den Grünen warf er „blauäugige Multikulti-Duselei“ vor, Oppermann bezeichnete er als „ahnungslos und realitätsfern“ sich selbst als „Mitglied des Vereins für deutliche Aussprache“ zugehörig. Das passt zu einem „Straßenkrieger“, der in der jüngsten Stickoxid-Diskussion für reichlich Verunsicherung sorgte anstatt Ideen für ein zukünftiges nachhaltiges Mobilitätskonzept zu entwickeln. Der Titel „Verkehrtminister“ scheint da nicht ganz unberechtigt zu sein! – Peter Vollmer


Leserbrief zu „Weißt Du, wie viel Bäumlein stehen?“ von Tin Fischer

Irgendwie merkt man doch gleich im ersten Absatz, dass die genannten Zahlen nicht stimmen können – nicht erst wie von Ihnen im weiteren Verlauf des Artikels skizziert: Das Jahr hat gut 30 Mio Sekunden, und wenn man alle 15 Sekunden eine Baum pflanzt, kommt man auf rund 2 Mio Bäume pro Jahr. Selbst wenn man unterstellt, dass vielleicht ’15 Bäume pro Sekunde‘ gemeint sein, käme man auf eine knappe halbe Milliarde. Beide zahlen sind natürlich beeindruckend, stimmen aber deutlich nicht mit der vom Initiator genannten einen Milliarde überein. Offenbar kommt im digitalen Zeithalter das Gefühl für Größenordnungen abhanden – vom überschläglichen Kopfrechnen einmal ganz abgesehen. – Christian Endrikat


Leserbrief zu „Opfer sind kein Theoriespielzeug“ von Svenja Flasspöhler

Svenja Flasspöhlers Buchkritik hat mich dazu motiviert, das Buch zu kaufen (und zu lesen). Dies vor allem auch, um den textuellen Zusammenhang der Panko-Stelle aufzuspüren. Ob die Assoziation der Rezensentin („kniende Frauen …“) „nicht sehr weit hergeholt“ oder ziemlich weit hergeholt ist, wird jeder Leser des Buches (und der Rezension) für sich entscheiden. Das Ergebnis einer differenten Lesart des Buches vermittelt zudem der Psychoanalytiker Adam Phillips in seiner Rezension vom 7.3.2019 in London Review of Books (https://www.lrb.co.uk). Lesenswert. – Barbara Oeljeschläger


Leserbrief zu „PRÜFERS TÖCHTER“ von Tillmann Prüfer im ZEIT Magazin

Heute ist Donnerstag und meine 7jährige Tochter fragte vorhin: „Wo ist das Zeitmagazin, ich will Tillmann Prüfers Artikel lesen!“ Vielen Dank, dass Sie über Ihre Töchter schreiben und viele schöne Grüße an die sympathischen 4! – Renate Tschöp


Leserbrief zu „Über Einschlafrituale“ von Harald Martenstein im ZEIT Magazin

Ihre heutige Kolumne „Über Einschlafrituale“ werde ich unserer baden-württembergischen Kultusministerin Frau Susanne Eisenmann als Lektüre empfehlen. Dann braucht sie sich nicht mehr mit der Wissenschaftsministerin Theresia Bauer darüber zu streiten, ob es an Studien- oder Arbeitsbedingungen liegt, dass 45 % unserer Grundschullehrerstudent*innen nach wenigen Semestern das Studium abbrechen. Als Mutter dreier Kinder und langjährige Grundschullehrerin hatte ich schon so meine Vermutung, die jetzt von Ihrem Text bestätigt wird: wahrscheinlich kapitulieren die betreffenden jungen Leute spätestens nach dem zweiten Schulpraktikum, wenn sie erleben, wie anstrengend es sein kann, der geballten Frustration einer ersten Klasse zu begegnen, in der jede und jeder Einzelne unvermutet feststellen muss, dass sie oder er gar nicht der einzige „Nabel der Welt“ ist, sondern dass es da auch noch 25 andere gibt! Und die Begleiterscheinungen einer kindlichen Frustration kennen wir ja alle, nicht wahr? – Margit Bergmann


Leserbrief zu „Danke, Diesel“ von Uwe Jean Heuser und Claas Tatje

Ich fuhr einen Diesel und hab einen neuen bestellt, nachdem der Alte mich bis über die 300.000km-Marke begleitet hat. Ich werde den Neuen wieder ca. 15 Jahre fahren. Eigentlich wollte ich endlich ein E-Mobil kaufen. Ich dachte: Vier E-Motoren, an jedem Rad einer, eine Steckdose zum Laden, evtl. ein kleiner Verbrennungsmotor, der nur zum Laden der Batterie im idealen sparsamen und sauberen Modus vor sich hin tuckert, soweit das erforderlich ist. Und ich fand komplexe und viel zu aufwändige und darum teure Lösungen: Zusätzlich waren ein Getriebe, ein starker Verbrennungsmotor mit all der notwendgien Umwelttechnik, eine komplizierte Regelung für eine stets situationsangepasste Veränderung der Betriebsweise zwischen nur Verbrennungsmotor, nur E-Motor und unterschiedlichen Kombinationen daraus eingebaut. Und das nur, um verschrobene Vorstellungen von sogenannter sportlicher Fahrweise zu bedienen.

Noch immer haben wir uns nicht vom Spaßmobil gelöst und verpulvern Hirnschmalz, Material und Treibstoff, um dieses goldene Kalb noch größer, noch teurer und noch „sportlicher“ zu machen. Auf der Strecke bleiben Lösungen, die sich daran orientieren, was man wirklich braucht: Sicher, funktional, sparsam und leise und am besten schon auf einen Funktionsverbund mit den Verkehrsmitteln des ÖPNV hin konzipiert: Z.B. ein Reisegepäck-Container, der ohne Heben und Tragen und in genormten Dimensionen ein Umsteigen auch mit großem Gepäck extrem einfach macht, weil er sowohl im Auto als auch in Bus und Zug leicht verstaut werden kann und den Weg dazwischen auf Rädern und vielleicht mit einem kleinen E-Motor bequem bewältigt. Machbar wäre das – aber Hirnschmalz steckt da niemand rein. In Fertigungsstraßen und automatisierten Transportketten werden solche Probleme täglich gelöst. Mit einem anderen, einem funktionsorientierten, integrativen und technologisch modernen Denkansatz käme individuelle Mobilität einen großen Schritt voran. Alte Denk-Muster bei Nutzern und Herstellern klemmen uns in der Vergangenheit fest. – Tilmann Wolf


Leserbrief zu „Der Preis der Gerechtigkeit“ von Mark Schieritz

Wenn Sie schon ihre Zeitung neoliberal ausrichten und damit der wachsenden sozialen Ungerechtigkeit das Wort reden wollen, dann doch bitte wenigstens mit etwas mehr Niveau. Was Ihr Herr Schieritz in „Preis der Gerechtigkeit“ von sich gibt, erreicht dieses Niveau leider nicht. Er trägt in bewährter neoliberaler Manier vor, dass höhere Löhne auch automatisch höhere Preise zur Folge haben müssen. Das ist falsch ! Er „vergisst“ dass höhere Löhne auch durch Produktivitätszuwächse oder Senkung der Dividenden an die Kapitaleigner ausgeglichen werden können. Letzteres muss den Neoliberalen aller Länder jedoch das Blut bis zum Siedepunkt in Wallung bringen. Schließlicht herrscht seit den 80-er Jahren weltweit der eiserne Grundsatz, dass der umgekehrte Prozess unumstößlich herrscht: Die Löhne müssen gesenkt werden, damit die Dividenden erhöht werden können. Als Beispiel hätte Herrn Schieritz die von ihm angesprochene DHL dienen können: Dort wurden nach heftiger Gegenwehr von Verdi, alleingelassen von der Sozialdemokratie, vor 3 oder 4 Jahren die Löhne der Fahrer in Tochtergesellschaften um 20% gesenkt und anschließend die Dividenden der Kapitaleigner der Post um 20% erhöht. Nun, die soziale Situation der unteren Hälfte der Einkommensbezieher (weniger als ca. 1.650,– € netto) ist Herrn Schieritz jedoch ebenso egal, wie den politischen Parteien dieses Landes. In dem Artikel des neoliberalen Prof. Südekum (Steuern senken ..) klingt dann an anderer Stelle sogar an, dass man eigentlich an eine weitere Senkung der Sozialleistungen denken müsse, was aber gegenwärtig (Gelbwesten sei Dank !) nicht opportun sei. Immerhin ist Herr Schieritz, der mit seinem Einkommen wohl nichts mit der unteren Hälfte der Bevölkerung zu tun haben dürfte und daher auch kein Interesse für diese „Zurückgebliebenen“ hat, bereit, vernünftige Gedanken über die CO²-Steuer zu Papier zu bringen. Klar, die Zerstörung der Umwelt könnte ja auch für ihn selbst unangenehme Konsequenzen haben. Vielleicht hat er sogar eine Eigentumswohnung in der ehemaligen Speicherstadt, die dann überflutet werden könnte.

Nun, Herr di Lorenzo und Herr Schieritz am 15.3. veranstaltet „Fridays for Future“ weltweit Demos gegen die Umweltzerstörung. Gehen Sie doch einfach mal hin (mit Ihren Kindern ?) oder rufen Sie zur Teilnahme dazu auf. Dasselbe gilt übrigens auch für die Politiker im Cc: Ruft doch mal zur Teilnahme daran auf. Frank Walter, wenn Du als Bundespräsident teilnehmen würdest, wäre das ein gewaltiges Zeichen. Nicht nur reden, handeln. Und vielleicht stellen Sie, Herr di Lorenzo, mal einen Wirtschafts- oder Politredakteur ein, dem es nicht egal ist, dass sich der Niedriglohnsektor immer weiter ausbreitet und eine Altenpflegerin nach 40-jähriger Tätigkeit bei einem Verdienst von 2.000,– € brutto lediglich eine Rente von ca. 800,– € brutto abzüglich 11% Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge erhält. Die Welt braucht einen grundlegenden ökologischen und sozialen Wandel. Jetzt ! Will die „Zeit“ daran mitwirken oder tatenlos zusehen, wie die Welt den Bach runtergeht ? Stephen Hawking: Die Menscheit ist an dem gefährlichsten Zeitpunkt ihrer Geschichte angekommen . Es besteht die reale Gefahr dass sie sich selbst und diesen Planeten zerstört und die Eliten haben versagt. Werden die Eliten in Zukunft weiter versagen ? Diese Frage richtet sich auch und insbesondere an die im Cc aufgeführten Politiker. Bisher habt Ihr alle im Hawkingschen Sinne krachend versagt. Gewöhnt Euch endlich an den Gedanken, dass Ihr alle kooperieren müsst, damit der notwendige soziale und ökologische Wandel gelingt. Auch wenn sich bei einigen von Euch bei dem Gedanken an eine Zusammenarbeit die Nackenhaare sträuben sollten: Es gibt keine Alternative dazu und wir Bürger verlangen es von Euch. Also fangt damit an ! Jetzt ! – Hans-Georg Tillmann


Leserbrief zu „Wer war Stauffenberg?“ von Jens Jessen

Nazi, Antisemit, kühner Wirrkopf? Arrogant, selbstgefällig und dünkelhaft sind diese Urteile! Claus von Stauffenberg war kein Nazi, denn als Berufssoldat der Wehrmacht, war ihm jedwede Zuge-hörigkeit zu einer Partei untersagt. Auch das Attribut „gläubiger Nationalsozialist“ ist höchst zweifelhaft, denn „so tun als ob“ war für ihn genauso angesagt, wie für andere, die in höchste Offiziersränge der Wehrmacht aufsteigen wollten; das Wort „Nationalsozialist“ musste dann in den Beurteilungen stehen, ob wahr oder nicht spielte keine Rolle. Dass er aber ein Patriot war, spricht nur für ihn – damals war das noch ein ehrenwerter Begriff. Claus von Stauffenberg als einen „Antisemiten“ zu bezeichnen, weil er kein „quellenbelegtes Entsetzen zeigte“, zeigt nur, dass Herr Karlauf nicht verstanden hat, dass man in jener Zeit, seine Überzeugungen nicht offen, schon garnicht in den Gängen des Benteler-Blocks aussprach, geschweige denn dokumentierte. Und „kühner Wirrkopf“: Er war Generalstabsoffizier und Chef des Generalstabes bei Generaloberst Friedrich Fromm dem Chef des „Ersatzheeres“. Hier wusste man, wie es wirklich um die Wehrmacht insgesamt und bei der „kämpfenden Truppe“ im Besonderen steht: Desaströs und schlimm! Das „Verheizen der Truppe“ erzeugte „Hass“. „Hass“ war aber ein entscheidendes Moment um ein Attentat durchzuführen. Für die Durchführung selbst braucht man aber eine kühne und kühle Ratio, allein schon um die Frage zu beantworten, wie kommt man an den „Führer“ ran. Dazu kommt, dass der Attentäter mit einer absolute „Entschlossenheit“ ausgestattet sein mußte, die keine Konsequenzen fürchtete. Da helfen doch keine Gedichte von Stefan George und ein „wirrer Kopf“ kann so ein Unternehmen schon gar nicht leisten! Eines ist sicher, mit einem Rückgriff auf Stefan George wird man die Aktion des Claus Graf von Stauffenberg nie erklären können, mit den Erkenntnissen aus der Generalstabsarbeit bei der Truppe und bei General Friedrich Fromm schon. Hinzu kommt, dass nach 75 Jahren weder die Bedingungen des Handelns noch die moralische Dimension der Tat des Claus von Stauffenberg und seiner Kameraden richtig beurteilt werden können. Diese arrogante Überheblichkeit der Nachgeborenen braucht man nicht. Der britische Historiker Richard J. Evans, sagte einmal, dass von Stauffenberg an zukunftsweisendes politisches Gedankengut „nichts zu bieten“ gehabt hätte. Ihm und anderen Historikern ist entgegen zu halten, dass durch ein erfolgreiches Attentat Millionen von Menschen damals die Chance gehabt hätten, ihr Leben zu bewahren. Das wäre für sie wirklich „zukunftsweisend“ gewesen! – Reinfried Brunsch


Leserbrief zu „Laster ohne Laster“ von Dietmar H. Lamparter

Es gibt für die Laster, aus dem Ausland, eine sehr einfache Lösung, die ich schon vor einigen Jahren den Iranern für die Busse im Iran vorgeschlagen habe: Mithilfe einer deutschen Firma für alle Busse ein Zusatzgerät zu kaufen und damit Biodiesel zu tanken und damit zu fahren. Dies ist seit dem letzten Jahr in der Hauptstadt Realität! – Klaus-Bernd Lemke


Leserbrief zu „Brief an Deutschland“ von Elisabeth Raether

Der französische Präsident Macron unternimmt mit seinem Brief einen weiteren Versuch seine politischen Ziele zu erreichen. Über den Inhalt dieser Ziele lässt sich streiten, aber die Bundesregierung sollte sich ein Beispiel daran nehmen aktiv zu werden. In turbulenten Zeiten wie heute ist es notwendig das Reformen vollzogen werden, sonst könnte die Handlungsfähigkeit der EU demnächst Geschichte sein. – Christoph Harwalik


Leserbrief zu „Der Preis der Gerechtigkeit“ von Mark Schieritz

Viele Dank für Ihren Artikel. Menschliche Arbeit mit Kopf und Händen ist wertvoll. Was ist beim Handeln, Verkaufen wichtig, gerecht ? Muslime haben dazu Richtlinien bis hin zum Verbot von Zinsen. Man sollte den Gegenüber leben lassen, wie man es selbst auch will. Wann ist Handel gerecht ? Sollte ein Reicher mehr bezahlen ? Kann man mit Arbeitszeit handeln ? Kann ich für 5 Minuten Arbeit einen Liter Milch erhalten ? Ohne Umweg über Geld . Das wird weiter nötig sein zur Begrenzung von unendlichen Konsumwünschen. Können wir die Konkurrenz zur Kooperation, einem Miteinander, werden lassen ? Wenn Jeder Jedem hilft, wäre die Welt ein bisschen humaner. – Josef Francken


Leserbrief zu „Über Einschlafrituale“ von Harald Martenstein im ZEIT Magazin

Ich habe „Über Einschlafrituale“ von Ihnen gelesen. Nun mag aus Ihrer Sicht ihr Sohn eine willensstarke Persönlichkeit und das von Ihnen geschilderte Abendritual daher normal für Sie und Ihre Frau sein. Objektiv gesehen, ist diese abendliche Zeremonie jedoch ein ganz deutliches Zeichen, dass sich Ihr Sohn zu einem kleinen „Tyrannen“ entwickelt, der die Regeln im Miteinander vorgibt. Ich bin sicher nicht die Einzige, die über Ihre Naivität als „Opfer“ die Augenbrauen hoch zieht. Wenn Sie Ihre Mitmenschen -vor allem Freunde und andere Familienmitglieder- vielleicht doch wieder etwas ernster nehmen, dann bekommen Sie auch ein ehrliches Feedback zu Ihrer Erziehung des Jungen  denn es wird im Zusammensein mit Ihnen als Eltern und dem Kind zunehmend nur noch genervte Mitmenschen geben, weil Sie sich von dem Jungen dirigieren lassen und hin und her hüpfen, so wie der Kleine es sich wünscht. Jetzt mit seinen vier Jahren ist das ja alles noch so niedlich und amüsant für Sie, in ein oder zwei Jahren hat der Junge so starke narzisstische Züge in seiner Persönlichkeit, dass Sie nicht mehr vernünftig als Eltern mit ihm kommunizieren können – und auch sein soziales Verhalten in anderen Gruppen wird sich extrem schlecht entwickeln. – Simone Ahl


Leserbrief zu „Euch werd ich helfen“ von Daniel Müller

In der aktuellen Ausgabe fand sich das Zitat von ‚in den Arsch ficken‘ ( Recht & Unrecht ). Ist das nun das postmoderne Niveau von Anbiederung an die Porno-Generation ? Ich bin sehr verwirrt und auch angewidert. Von ihrer Zeitung erwarte ich mehr. – Berthold Merkt


Leserbrief zu „Weshalb wird ein vielversprechendes Konzept zur Bekampfung des Klimawandels nicht umgesetzt?“ von Mark Schieritz

CO2 Steuer: Weshalb wird ein vielversprechendes Konzept zur Bekämpfung des Klimawandels nicht umgesetzt? Warum dieses vielversprechende Konzept zur Bekämpfung des Klimawandels nicht umgesetzt wird, ist nicht mehr zu verstehen? CO2 Emissionen verursachen hohe Gesundheitsschäden, z.B. chronische Bronchitis, Asthma und verursachen somit für die Sozialversicherung hohe Kosten und den Arbeitgebern über 100.000 Krankheitstage. Die Einnahmen gehören in die gesetzliche Sozialallversicherung. (Krankenkassen und Pflegeversicherung.) und nicht wie Herr Edenhofer vorgeschlagen hat, dass jeder Bürger einen Scheck erhält. Die Zustellung wäre nur mit einem sehr hohen und kostspieligen Verwaltungsaufwand verbunden. Bei einer Beitragssenkung von 2% werden Arbeitnehmer und Arbeitgeber entlastet. Von einer 2prozentigen Senkung profitieren Arbeitnehmer mit 1% mehr als von jeder Steuerentlastung. Ein Arbeitnehmer mit einem Bruttoeinkommen von 2000€ spart 20€/ Monat = 240€ Ersparnis im Jahr. Der alte FDP Wahl Spot „Mehr Netto vom Brutto“ lebt wieder auf. Wenn die Einnahmen aus der Tabak und Alkoholsteuer auch noch in den Gesundheitsfon überwiesen würden, wäre die Ersparnis für Arbeitnehmer und Arbeitgeber noch größer. – Günter Delladio


Leserbrief zu „»Politik braucht eine Mission«“ von Lisa Nienhaus

Von solchen grundsätzlich neu gedachten Ansätzen brauchen wir mehr! Leben braucht Vision. Wert entsteht durch Verdienst (lat. meritus). Leider sprechen/schreiben wir immer von Verdienst, wenn wir einfach nur Einkommen meinen. Dabei ist der eigentliche/ursprüngliche Sinn von „Verdienst“ ideeller Natur. Mithin ist die Vokabel Verdienst (an „individuelles Einkommen“) verloren gegangen. So fragen wir nicht mehr nach systemischem Inhalt, sondern nach individueller (per)Form(ance). Industriepolitik wird somit oft Vetternwirtschaft/Lobbyimus; staatlich gespart wird, wie im individuellen Privathaushalt und Stars werden immer mehr durch Einkommen und nicht nach Verdienst definiert.

Möglicherweise liegt allein in der richtigen Verwendung der Vokabel „Verdienst“ das Potential wieder Werte zu schaffen – sei es durch echte Innovation, echtes Ressourcen sparen oder einfach die Würdigung eines jeden, der sich wirklich um etwas verdient macht. Denn die größte Geschichte muss (wie in der Antike) von Verdiensten handeln und nicht von individuellem Einkommen. Ich würde mich freuen, wenn DIE ZEIT damit anfinge. (Der Autor ist Dipl.-Soziologe und Linguist) – Dominik Peitsch


Leserbrief zu „Über Einschlafrituale“ von Harald Martenstein im ZEIT Magazin

Sie sind mir ja ein kleiner Schlingel! Haben Sie sich tatsächlich gedacht, mal eine kleine Bombe ins pädagogisierte Deutschland zu werfen und genüsslich die Welle der aufgebrachten Leserschaft im gemütlichen Autorensessel abzuwarten? Wollten Sie erheben, wie viele Menschen Ihnen auf den Leim gehen würden? Nun gut. Mal angenommen, Ihr aktuelles süffisantes Kleinod erwachsenen Gedankenguts sei real, dann muss ich Ihnen wirklich zu dem gelungenen Familienwerk in Form Ihres vierjährigen Sohnes gratulieren! Er scheint über außerordentliche Führungsqualitäten zu verfügen! Einer großen Karriere steht nichts mehr im Weg – falls er dort ankommt.

Stellen wir uns vor, vielleicht ist er schon in einer Betreuungseinrichtung aufgenommen, er setze das Verhalten seiner privaten Dienerschaft als allgegenwärtig voraus, könnten erste Trübnisse seine wohlgeformte und massierte Kinderseele beeinträchtigen, wenn er, als die Inkarnation des Kleinen Königs, konsterniert feststellen muss, dass es außer ihm noch andere Wesen mit Bedürfnissen und Wünschen im Königreich gibt. Und das sind ja nicht nur andere Kinder, sondern womöglich auch Erwachsene, die noch mehr Dinge zu tun haben, als sich um die wankelmütigen, teils auch diktatorischen (ach, stopp, hier würde „klar“ oder „selbstbewusst“ für viele bestimmt besser passen) Vorstellungen eines Vierjährigen zu kümmern. Nehmen wir an, und das ist ja keinesfalls utopisch, es gebe noch einige weitere Sprösslinge seiner Qualität in der Runde, wird es bestimmt erfreulich lebendig und man müsste sich um Zeiten der Langeweile, selbst abseits von rechteckigen Stromgeräten, keine Sorgen mehr machen. Es gäbe ein herrliches Gerangel um Vorherrschaft unter den Alphatieren, anregendes Vergleichen der mitgebrachten persönlichen Ausrüstung (Spielzeuge, Frühstücksqualität, Klamotten, Geschichten von Zuhause etc.), reichhaltigen Aufbau eines wohlgewählten Sprachschatzes und jede Menge körperliche Ertüchtigung, denn wenn Worte nicht mehr ausreichen, gewinnt eben der, der besser draufhaut! Noch sportlicher wird es in der Schule, wenn von Kindern tatsächlich eigene Leistung gefordert wird. Und nicht nur das: Die lieben Kleinen müssen sich auch noch den Anweisungen der Lehrenden beugen – und das wurde ihnen ja nun mal nicht beigebracht. Sich einzuordnen oder respektvoll, gar bescheiden, der Umwelt entgegenzutreten, gehörte bislang nicht zu ihrem Kosmos. Blöd! Es könnte zu schlechter Laune und möglicherweise auch aufreibenden Folgen führen, wenn das Kind leider am Montag keine Lust hat, ein A oder eine 2 zu schreiben. Wieder zu Hause:“Mama, Papa, die in der Schule sind total doof und ungerecht! Die haben…. (Diese Aufzählung würde jetzt zu lang.) Was machen die Elternteile? Wären sie an dieser Stelle bereits einsichtig und könnten sich in der Konsequenz vorstellen, dass das Beibehalten der kindlichen Gewohnheiten nicht nur sich fortsetzende Faulheit, soziale Unverträglichkeit und Nichtskönnertum bedeuten, sondern die Familie sehr viel Energie in vermeidbaren Projekten wie Elterngesprächen, auch mit anderen Eltern, oder ausgeprägten Verhandlungen mit Nachhilfekräften verbrennen würde? Na ja, könnte man sagen, ist ja deren Sache. Nicht ganz: Eltern zu sein, ist ja keine Verpflichtung. Wenn’s aber nun mal passiert ist, hat man nicht nur eine Erziehungsberechtigung, sondern erstaunlicherweise auch einen gesellschaftlichen Auftrag (zumindest, wenn man sich als soziales Wesen begreift und nicht mit der Familie irgendwo im Nirgendwo wohnt). Deutschland (oder eigentlich jedes Land) braucht mal Erwachsene, die gelernt haben, mit einer guten Ausbildung, im Einklang mit ihrer gesamten Umwelt, vernünftige Entscheidungen zu treffen, um Verantwortung für die Zukunft übernehmen zu können. Ob das so was wird? Vereinzelt haben sich, nachweisbar, Erziehende heldenmütig aufgemacht, den Rotor des Helikopters anzuhalten und ihre Kinder umweltgerecht zu erziehen. Das kommt nicht nur den Mitmenschen, sondern auch den Sprösslingen zugute. Und ist so herrlich entspannend! Wie wär’s? Dank außerhalb Ihrer Familie wäre Ihnen sicher. Nur Mut! – Bo Larsson


Leserbrief zu „103 Leser für Frau Hauke“ von Martin Machowecz

Wenn wir auch die Vorzüge der digitalen Textverarbeitung zu schätzen wissen, möchten wir dennoch nicht auf die Lektüre von Büchern, Zeitungen und Magazinen verzichten, insbesondere nicht auf unsere täglichen Zeitungen in gedruckter Form. Daher hoffen wir trotz einiger Zweifel, dass Printmedien uns überleben und Zeitungszusteller/innen wie Frau Hauke noch lange ihren Job haben. Lesen von Gedrucktem finden wir viel erholsamer als häufiges Starren auf den Bildschirm. Es schont die Augen, fördert die Konzentration und Kreativität, schult das Gedächtnis und erweitert den Wissens- und Sprachschatz. So kann man z.B. entspannter an Stellen verweilen, auf der gesamten Zeitungsseite gezielt ohne langes Suchen hin und her springen, Abschnitte erneut lesen. Zum Glück gibt es etliche Ärzte, Psychologen und Pädagogen, die durch ihre Aufklärung zum rechten Umgang mit digitalen Medien viel beitragen können und so die Lektüre von Printmedien und die Nutzung von Papier und Stift unterstützen. – Gabriele Gottbrath


Leserbrief zu „Der Preis der Gerechtigkeit“ von Mark Schieritz

Nach der Lektüre Ihres Artikels „Der Preis der Gerechtigkeit“ in der aktuellen Zeitausgabe war ich mehr als irritiert. Der Artikel erinnert mich mehr an einen typischen oberflächlichen und populistischen Beitrag in einer Boulevardzeitung. Hätte Ihr Autor nur z.B.den Begriff der Steuergerechtigkeit etwas unter die Lupe genommen, hätte er zu einem ganz anderen Ergebnis kommen können und müssen. Ich erwarte von „Die Zeit“ einfach mehr als diese „Oberflächlichkeit“. – Dr.H.Ahlbrecht-Bierwirth


Leserbrief zu „Die Verkuschelung der Welt“ von Anna Gien

Alle können sich immer wohlfühlen. Wer möchte dabei nicht mitmachen.HYGGE heisst die Lösung. Ein Gemisch,selektiv zusammen gebräut aus Weisheiten aller Länder und Kulturen.Damit lässt sich schwer Kohle machen, also die HYGGE Promotoren fühlen sich wohl.Das ist es dann auch. Den HYGGE-usern bleibt dann nach HYGGE-Misserfolgen nur ein uraltes Mittel,um sich kurz etwas wohlzufühlen.“Vögeln und Besoffen sein,das gibt dem Menschen Sonnenschein“. – Hans-Emil Schuster


Leserbrief zu „War Kafka ein jüdischer Autor?“ von Benjamin Balint

Der Prager Franz Kafka starb als Bürger der Tschechoslowakischen Republik T. G. Masaryks. Er selbst hat sich sehr genau eingeordnet: „…. ich habe niemals unter deutschem Volk gelebt. Deutsch ist meine Muttersprache und deshalb mir natürlich, aber das Tschechische ist mir viel herzlicher…“ (F. Kafka, Briefe an Milena). Kafka steht für die geistige Synthese des damaligen tschechisch-deutsch-österreichisch-jüdischen Milieus in Prag. Und 2016 meint man ernsthaft, ihn als Heiligen einem nationalen Tabernakel zuordnen zu müssen? Wie kafkaesk! – Miloš Matěje


Leserbrief zu „Das fliehende Klassenzimmer“ von Manuel J. Hartung

Wenn man die herzergreifenden Schülerproteste emotional etwas tiefer hängt und mittels Analyse von „Ursache & Wirkung“ auch bei den lieben Kleinen genauer hinschaut, ist das Bild nicht mehr anrührend, sondern ein Kontrastprogramm mit eher ironischen Zügen. Unsere Hoffnungsträger der Zukunft sind nämlich diejenigen, die mit ihrem exzessiven Smart- phone-Gebrauch (ohne berufliche Notwendigkeit!) viele Kohlekraftwerke zum CO2-Ausstoß nötigen: Stromverbrauch der Server, Aufladen der Akkus, Herstellung der ständig zu erneuern- den Smartphone-Typen. Nicht unerwähnt sollte sein, dass es auch die heutige Schülergeneration ist, die sich, wie keine zuvor, mit dem Auto zur Schule, zum Klavierunterricht und selbst zum Sport fahren lässt. Aber es macht sich für Journalisten gut und erst recht für Politiker, den Jugendversteher zu mimen, indem von beiden Gruppen auf geradezu wundersame Weise der jeweils nächsten Generation die Überwindung von aktuellen Problemen zugetraut wird. Bisher hat noch jede Hoffnungsträgergeneration mitgewirkt, die Menschheitsprobleme weiter zu vergrößern. Und anders als die Kinder früherer Generationen, kann der heutige Nachwuchs schon im jüngsten Alter zum Klimawandel beitragen – was er jar auch tut. – Ernst Kaffanke


Leserbrief zu „Wer war Stauffenberg?“ von Jens Jessen

Es bleibt das Geheimnis Stauffenbergs, was er im Angesicht des Todes und des ganz persönlichen, aber eben auch gemeinsamen Scheiterns bei seinem letzten Aus- oder Aufruf tatsächlich gedacht oder mit ihm gemeint hat. Es erscheint auch unerheblich, ob er dabei ein „heiliges“ (wozu Historiker neigen) oder „geheimes“ Deutschland (an das Gräfin Dönhoff lieber glaubte) hochleben ließ: Beide Begriffe mussten und sollten seine unheiligen und ganz offenkundigen Mörder treffen – egal welcher Bedeutungshintergrund auf welcher Seite dabei eine Rolle spielen würde oder könnte. Inwiefern macht da die Erklärung des Attentäters „aus dem Geist des George-Kreises“ den „Widerstand gegen Hitler zweifelhaft“? Und inwiefern ist die „historische“ Erklärung von einem fast „Insider“ eine „zeitgemäße Ansicht“ oder gar „moralische Kapitulation“, die den „Opportunismus der Angestelltenwelt verinnerlicht hat“? Handelt es sich bei diesem Urteil in einer ansonsten lesenswerten Rezension vielleicht um einen „Schnellschuss aus der Hüfte“, der allem zuvorkommen will, sogar dem Termin der Buchveröffentlichung, insbesondere aber jedem Leserzweifel an jenem Urteil, welches die moralische Qualifikation eines Autors in Frage stellt, dessen George-Biografie u. a. ein Frank Schirrmacher hoch gelobt hat? Dazu hat ein Professor für Romanistik in der vorliegenden ZEIT (allerdings an einer redaktionell weniger prominenten Stelle des Feuilletons und in einem anderen bizarren Deutungshoheitstreit) unter dem Titel „Eine einzige Wahrheit gibt es nicht“ sehr Nachdenkenswertes geschrieben. Ein Dank an die Redaktion, dass sie „Gerhard Poppenberg Gelegenheit“ gegeben hat, „seinen Kritikern zu antworten“. – Eckhard Heumann


Leserbrief zu „Der Klang von Muschelkalk“ von Moritz Aisslinger

In ihrem auf Seite 11,12,13 im Dossier ungewoehnlich langen, prominent positionierten guten Artikel ueber die verloren gehende Lyrik las ich, dass Bleutge, Beck und Hielscher sich daran erinnern in der Schule noch Gedichte auswendig gelernt zu haben. Ich erinnere mich daran, mich immer auf das erwaehlte Gedicht in ihrem Feuilleton gefreut zu haben. Ich suchte damals mehrere Wochen vergeblich, hoffte, suchte weiter, musste aber enttaeuscht feststellen, dass man kein Gedicht mehr abdruckte. Wie schade fand ich das. Ich wollte schon damals geschrieben haben und nun hat mich der Artikel ueber den wunderbaren Nico Bleutge motiviert es endlich zu tun. Sie sprechen ueber den Verlust der Lyrik in unserer Zeit. Nun, sie sollten vielleicht vorbildhaft voran gehen. Ich hatte einige der publizierten Gedichte damals ausgeschnitten, aufgehoben und sie geteilt. Es war ein schoener Moment ‚Die Zeit‘ in Haenden zu halten und zuerst nach dem kleinen Wunderwerk in Form eines Gedichtes zu suchen.

Wie gerne wuerde ich es als treue Zeitleserin wieder tun koennen. Warum kein weiterer Bleutge in einer ihrer naechsten Ausgaben? Oder gar wieder regelmaessig ausgewaehlte Gedichte in ihrem Feuilleton. Sie nehmen doch nicht allzuviel Platz ein und sicher findet sich eine Praktikantin, die gerne bei der Auswahl und Bearbeitung hilft. Ihre Gedankenangebote sind wegweisend und die Lyrik sollte bei solch einem Blatt wie dem Ihren wieder regelmaessig dazugehoeren. …es ist Zeit die Weiten, die sich verlaufen haben wieder einzuholen… – Astrid Kuehn von Burgsdorff


Leserbrief zur Fotokolumne „WER BIST DU?“ von Florian Jaenicke im ZEIT Magazin

Ich danke Ihnen von Herzen für Ihre Fotokolumne über Friedrich im Zeitmagazin. Ihr Blick, und damit meine ich Ihren sehr feinen Blick ein Foto einzufangen und auszuwählen und Ihr Blick dahinter ist unglaublich klar und berührend. Das ist für mich das, was das Leben ausmacht. Ich kenne Ihre Familie natürlich nicht und doch möchte ich sagen, schön zu wissen, dass es sie gibt. – Birgit Siersch


Leserbrief zu „Die Grenzgänger“ von Oliver Fritsch et al.

Warum wird gedopt? Es geht um persönliches Ansehen und um Geld ! Kritiker sehen Doping bei Sportlern noch aus der Einstellung eines sauberen, olympischen Amateurgedankens. Aber die Zeiten im Sport haben sich gewandelt. Sportler, die finanziell abhängig von sportlichen Erfolgen sind, müssen in relativ kurzem Zeitraum den Unterhalt für ihr Leben verdient haben. Und die Frage muss gestellt werden dürfen: was machen eigentlich in der so genannten „freien Wirtschaft“ Mitarbeiter,-innen, von denen herausragende Leistungen, vorbildliches Verhalten und kompetente Ausstrahlung verlangt wird, wenn es ihnen mal psychisch oder physisch nicht so gut geht? Nehmen sie dann nicht auch Mittel, um nicht nur nach aussen den Eindruck zu hinterlassen, der von ihnen erwartet wird, sondern auch bessere Leistungen zu erbringen, die ihnen ihren gut bezahlten Job erhält oder einen besser bezahlten Job ermöglicht. Werden diese Mitarbeiter, -innen dann auch ais Betrüger verunglimpft? Wenn ja, müssen dann nicht auch alle Menschen in leitenden Positionen – wie Leistungssportler- genaue Angaben machen, wo sie sich in den nächsten Tagen, Wochen und Monaten aufhalten, um jederzeit unvorangemeldet auf leistungssteigernde Mittel überprüft werden zu können? Natürlich würden wir alle aufschreien und die Datenschutzbeauftragten als erste. Und das zurecht! Aber Geld verdienende Sportler haben „sauber“ zu sein, haben ihr Geld „redlich“ zu verdienen. Das können wir Zuschauer gefälligst erwarten!

Aber „Doping“ ist ein gesamtgesellchaftliches Problem ( wie Alkohol und Tabakkonsum) und findet sich nicht nur bei Sportlern, sondern auch bei Schülern, Studenten, Fitnessstudios, der Leistung verpflichteten Menschen in allen Berufsgruppen. Für alle sollten Lösungen gefunden werden, oder es wird so behandelt wie der Konsum von Alkohol und Tabak. Aber nur Sportler als Bösewichter oder gar als Betrüger herauszugreifen, das geht schon gar nicht. – Udo Bauer


Leserbrief zu „Sein Schatz“ von Britta Stuff

„ Er wohnt in Westberlin,…..“
Sehr geehrte Frau Stuff, wo bitte liegt (im Jahre 29 nach der Wiedervereinigung) Westberlin? Wie hoch ist die Mauer in ihrem Kopf – und in den Köpfen der gesamten Redaktion, die diesen Satz durchgewunken haben – noch? – Dr. Ansgar Gordalla


Leserbrief zu „Das fliehende Klassenzimmer“ von Manuel J. Hartung

Man kann ihrem aufruf und ihrem artikel nur zustimmen…ergänzend sind für mich 2 weitere aspekte wichtig und erwähnenswert :

  1. ..wie erklärt sich die lahmheit unserer parteien/institutionen bzgl. dieser beachtlichen „jugendlichen“entwicklung und warum greift keine von ihnen diese demos auf und macht sie sich zu eigen – eine bessere chance,eine junge politisch engagierte wählerschaft an sich zu binden, gibt es selten ! …ich habe grosse sorge,dass der elan der schüler wegen der“ paternalistischen abwimmlung“ und dem „nicht ernst genommen werden“ durch die erwachsenen und die instutionen diffundiert..
    2…wichtiger bestandteil ihres aufrufs sollte aber auch die erwartung an die klima-protestierenden schüler sein,auf das tägliche „zur schule gebracht zu werden“ im SUV durch die eltern ostentativ zu verzichten und zudem auf den gedankenlosen CO2-verbrauch durchs auto uä. in ihren familien aufmerksam zu machen – demonstrativ und renitent…das würde die glaubwürdigkeit dieser tollen bewegung nachhaltig befördern.. …zeit für einen weiteren aufruf in der ZEIT und anderen medien ! – Dr. Harald Simon

Leserbrief zu „Brief an Deutschland“ von Elisabeth Raether

Emmanuel Macron (französischer Präsident) schrieb einen „Kettenbrief“ an die EU, und (fast) keiner will diesen Brief richtig zu Kenntnis nehmen, geschweige denn, diesen Brief auch noch lesen. Ein Brief für die „(EU-)Katz´“, ein Brief, der bei den Macron´s eventuell nichts, außer Katzenjammer verursachen könnte. Das mit den Kettenbriefen, das ist halt so eine heikle Sache; jede und jeder warnt ständig davor; und dann noch das Weiterschicken (von einem Kettenbriefen), das geht schon mal gar nicht (gut)! – Klaus P. Jaworek


Leserbrief zu „Eine einzige Wahrheit gibt es nicht“ von Gerhard Poppenberg und zu „Wir können keinen Schaum schlagen“ von Mai Thi Nguyen-Kim

Angesichts der zahlreichen weiblichen Influenzer kann ich nicht an generelle weibliche Unfähigkeit zum Schaum schlagen glauben. Richtig ist, dass der akademische Betrieb schon seit Jahren nicht mehr auf Wissenschaftler fördert sondern auf Selbstdarstellungskünstler. Mehr weibliche Schaumschläger werden aber dieser Situation nichts ändern. – G. Hofhaus


Leserbrief zu „Brief an Deutschland“ von Elisabeth Raether

Den „Brief an Deutschland“ von Elisabeth Räther habe ich mit großem Befremden gelesen, da die Autorin am Schluss darüber befremdet ist, dass Deutschland nicht nur die neue Aufrüstungspolitik unterstützt, und sie es dafür bedauert, dass es hier zögerlich bleibt, obwohl „die Deutschen (sic!) die besten Waffen der Welt bauen“. Wer diese Waffen auf legalem Weg oder durch die Hintertür bekommt und wo sie eingesetzt werden, scheint sie nicht zu kümmern. Saudi-Arabien ist der größte Waffenkunde Deutschlands! Deutsche Rüstungsfirmen haben zudem gegen Gesetze zu Rüstungsexporten verstoßen. – Im Übrigen ist man erstaunt über ihr uneingeschränktes Lob des Staatspräsidenten Macron, der vor der Sorbonne-Rede lange Zeit sich einem Dialog mit den enttäuschten Bürgern verschlossen hat, die doch seit Monaten mit berechtigten Forderungen auf die Straße gehen. Auch hat er mit seiner „Zärtlichkeit“ gegenüber den Deutschen wohl in erster Linie seine zum großen Teil fragwürdigen Ziele im Sinn! – Dr. Klaus D. Bertl


Leserbrief zu „Laster ohne Laster“ von Dietmar H. Lamparter

Die Autohersteller haben sich mit Ihrer Modellpolitik (Groß, schnell, schwer )in die Sackgasse manövriert.Nach dem Motto „darf`s ein bisschen mehr sein“ wurde den Kunden möglichst viel Blech und Gummi ( SUV und „schwere Oberklasse“) verkauft. Diese Autos sind für das normalen Moblilitätsbedürfnis und für eine saubere und sichere Umwelt schlicht ungeeignet.Zum Vergleich: Ein LKW muss wirtschaftlich sein und ist so dimensioniert, dass er mit 10KW/to jede Autobahnsteigung in Konstant-fahrt (100 km/h) meistert.Ein PKW mit 1 to Gesamtgewicht ist mit 10 KW ebenso ausreichend dimensioniert.Mit einen „intelligenten Hybrid,(10KW/el) der dem Ottomotor nur die Konstantfahrt überlässt, so wie beim Prius, kämen alle PKW mit weniger als 3 l Sprit pro 100 km aus.Übergewichtige Autos mit großem Batterieleistung werden noch schwerer, sind unwirtschaftlich und umweltschädlich und helfen nur die Dividende und das zu hohe Einkommen der Unternehmensführung zu sichern.Mit welcher Chuzpe Herr Osterloh fordert, dass wir alle für die Ladesäulen aufkommen sollen, um „sein Geschäftsmodell“ zu sichern, spricht Bände.Sauberer „Sprit“ für schadstoffarme Verbrennung hilft der Umwelt bei gleicher Mobilität und würde die Beschäftigung der Belegschaft sichern.Den zu fördern, das wäre die zweite Energiewende. – Michael Krüger


Leserbrief zu „Der Straßenkrieger“ von Robert Pausch

Andreas Scheuer, Verkehrsminister der CSU, will sich partout nicht mit der Automobil-Industrie anlegen, und dieses, sein Vorhaben, das setzt er täglich, ganz konsequent und energisch um, und durch. Alles bingo, alles klar, alle Zweifel sind verbannt, jeder kann tun und lassen, was er mag, Hauptsache es kommt systemkonform daher. Der Kampf auf offener Straße ist vorbei, der „Ex-Straßenkrieger“, lässt alle seine Gegner, einfach am ausgestreckten Arm, verhungern. Mit einem verkehrstüchtigen Verkehrminister auf der rechten, auf der richtigen Seite, und das (Groß)Kapital wird nie und nimmer kapitulieren müssen! – Klaus P. Jaworek


Leserbrief zu „Der Klang von Muschelkalk“ von Moritz Aisslinger

Das kann dann auch geschehen,
im Klang des Muschelkalk.
Ich lese, und ich kann das Gelesene einfach nicht vergessen,
die gelesenen Worte klingen (halb)ewig,
und doch ewiglich nach! – Klaus P. Jaworek


Leserbrief zu „Euch werd ich helfen“ von Daniel Müller

Als Vater einer der mindestens sieben verhafteten Zeugen im Prozess am Bamberger Landgericht möchte ich zunächst meinen Dank dafür aussprechen, dass Die Zeit die eklatanten Missstände bei den Ermittlungen und im Gerichtsverfahren selbst einer breiten Öffentlichkeit zugänglich macht; hier will ich lediglich aus der Sicht der betroffenen Zeugen berichten. Ich stelle nicht in Abrede, dass es unter den Aussagen der zahlreichen Zeugen, die im Laufe der letzten 18 Monaten mehrfach vernommen wurden, Unstimmigkeiten, Erinnerungslücken, Widersprüche, und vermutlich auch die eine oder andere absichtliche Fehlinformation gibt. Alle Zeugen jedoch unter den Generalverdacht zu stellen, sie hätten untereinander Absprachen getroffen bzw. Falschaussagen mit strafvereitelnder Absicht getätigt, ist realitätsfern. Zeugen durch Festnahmen und Untersuchungshaft unter Druck zu setzen, im Sinne der Anklage auszusagen, hat bislang wenig zur Wahrheitsfindung beigesteuert. Stattdessen bewirkt der Druck, dass Zeugen entweder aus Angst gar nicht erst zum Gerichtstermin erscheinen, Aussagen tätigen die erst Recht wahrheitswidrig sind, oder in anwaltlicher Begleitung nur noch Minimalaussagen tätigen – alles lässt sich im besagten Prozess beobachten. Die von einigen Juristen angeführte „erzieherische Wirkung“ der Zeugenfestnahmen ist eine zynische Verharmlosung. Es geht nicht darum, dass die festgenommenen Zeugen einfach mal „ein Paar Tage in U-Haft verbringen“, damit sie sich anschließend eines Besseren besinnen, wie ein Anwalt im Fränkischen Tag zitiert wird. Zeugen bei diesem Prozess verbrachten bis zu vier Wochen in U-Haft; das bringt handfeste und langfristige Konsequenzen für junge Mitbürger, die sich beispielsweise in der Abiturvorbereitung, Ausbildung oder im Studium befinden. Auf die Entlassung aus der U-Haft folgen monatelange Ermittlungen wegen uneidlicher Falschaussage, die in mehrmonatigen Freiheitsstrafen münden können mit entsprechender Wirkung auf die Lebensverläufe und Berufswahl bis dahin unbescholtener junger Menschen. Viel gravierender ist jedoch die verheerende gesamtgesellschaftliche Signalwirkung, die von diesem Umgang mit Zeugen ausgeht. Die Botschaft lautet: wer Zeuge eines Verbrechens wird, möge sich tunlichst davor hüten, freiwillig als Zeuge bei der Polizei auszusagen. Das ist eine Botschaft, die Zivilcourage und Gerechtigkeitsempfinden untergräbt und Vertrauen in die Justiz vernichtet. So zumindest die bittere Bilanz dieser Ereignisse für uns und die Angehörigen anderer Zeugen. Inwiefern der vermeintliche Erkenntnisgewinn diesen Kollateralschaden rechtfertigt, sei dahingestellt. – Prof. Dr. Geoffrey Haig


Leserbrief zu „Weißt Du, wie viel Bäumlein stehen?“ von Tin Fischer

Bei Ihrem Artikel zum NGO „Plant for the Planet“ bin ich über die angegebenen Zahlen gestolpert. 15 Milliarden sind beeindruckend, aber mit einer Frequenz von 15 Sekunden je Baum leider auch vollkommen unrealistisch. Ich weiß, Sie haben die Zahlen nur wiedergegeben, dennoch konnte ich es mir nicht nehmen lassen hierzu eine kleine Rechnung aufzumachen. Alle 15 Sekunden einen Baum pflanzen, ergibt 4 Bäume pro Minute, 240 Bäume pro Stunde, 5760 Bäume am Tag und 2.102.400 Bäume im Jahr. Um auf die angegebenen 15 Milliarden Bäume zu kommen wäre demnach eine Zeitspanne von 7.134 Jahren nötig (Siebentausendeinhundertvierunddreißig!). Und um auf die eine Milliarde Bäume im vergangenen Jahr zu kommen hätten pro Sekunde knappe 32 Bäume gepflanzt werden müssen. Aber selbst bei dieser Frequenz ist das anvisierte Ziel von einer Billionen Bäumen nicht zu erreichen, sofern man nicht 1.000 Jahre pflanzen möchte. Eine Milliarde ist halt eben eine sehr, sehr, sehr große Zahl. – Peter Schönwandt


Leserbrief zu „Der Klang von Muschelkalk“ von Moritz Aisslinger

Vielen Dank für diesen wunderbaren Artikel, dessen sanfte Sprache ein Bild zeichnet, dass Nico Bleutge sicher hautnah beschreibt. Gedichte gehören auch für mich, geboren 1961, zu den schönen Erinnerungen an meine Schulzeit. Wenn die Schüler von heute tatsächlich keine Gedichte mehr lernen und vortragen, wird Ihnen kreatives Denken und Interpretieren vorenthalten. Das muss sich ändern. Eltern und Großeltern sollten aber nicht warten, bis Gedichte ihren Weg in den Lehrplan finden. Ich habe meine Gedichtbände schon einmal aus dem Bücherregal geholt. – Sylvia Kupers


Leserbrief zu „Schluss mit dem Kitsch!“ von Alexander Clarkson

Schluss mit dem Kitsch? Das solte man als ernsthafte Forderung verstehen und die Europäische Union auflösen. Keine halben Sachen mehr. Schluss mit dem Kitsch,der nie funktioniert hat. Und weiter dann wie früH+her, Jeder für sich,Gott für uns Alle. – Hans-Emil Schuster


Leserbrief zu „Der Preis der Gerechtigkeit“ von Mark Schieritz

Die Wirtschaft brummt, Deutschland geht es ja so gut. Aber Arbeitnehmern, die in zu gering bezahlten Bereichen beschäftigt sind, eben nicht. Da sind die jetzt vereinbarten Lohnerhöhungen der Schritt in die richtige Richtung. Das sehr hohe Preis- und Lohn-Niveau der Schweiz als abschreckende Endstufe anzuführen im Sinne von ‘Passt nur auf, was Euch dabei noch blüht’, ist einfach nur unfair denen gegenüber, die etwas mehr Geld zum Leben dringend benötigen. – Ulrich Hungar


Leserbrief zu „Wer war Stauffenberg?“ von Jens Jessen

Was meint der Autor, wenn er am Schluss seiner Rezension von „Opportunismus der Angestelltenwelt“ spricht? – Sven Herfurth


Leserbrief zu „Wie viel Luft steckt in Wirecard?“ von Ingo Malcher

Wirecard sitzt in Aschheim und nicht in Aschau. Lassen sie Ihren Reporter mal die Strecke erwandern, dann merkt er den Unterschied! – Ein/e Leser/in


Leserbrief zu „Der netteste Mensch der Welt“ von Antonia Baum

In meinem ZEIT Abo finde ich diese Woche einen Artikel über Michael Jackson mit dem Untertitel ‚Darf man seine Musik jetzt noch hören – und will man das überhaupt?‘. In Zeiten von Fake News ist es meiner Meinung nach die Aufgabe von investigativem, seriösem Journalismus, neutral über Geschehnisse zu berichten und sich auf Fakten zu berufen. Die ZEIT tut dies und wird dafür mindestens deutschlandweit sehr geschätzt. Nach meinen Recherchen wurden gegen Michael Jackson in früheren Fällen keinerlei Beweise für einen Missbrauch von Kindern gefunden. In einem Fall kam es sogar zu einem Freispruch. Auch werden in der jetzigen Dokumentation keine Beweise vorgelegt. Aus diesem Grund verstehe ich nicht, warum ein solcher Artikel von Frau Baum (und der Redaktion) in dieser Form publiziert wird. – Luca Edling


Leserbrief zu „Fragen zum Honig“ von Marcus Rohwetter

Bienenhonig kommt von den Bienen,
Imkerhonig kommt vom Imker.
Kuhmilch kommt von der Kuh,
Bergbauernmilch kommt von Bergbauern.
Auch im Unsinn steckt viel Sinn! – Klaus P. Jaworek


Leserbrief zu „Danke, Diesel“ von Uwe Jean Heuser und Claas Tatje

Wenn nur jedes Dieselfahrzeug durch ein Elektrofahrzeug ersetzt werden müßte, dann würde es sehr ganz schnell zappenduster in Deutschland sein! – Riggi Schwarz


Leserbrief zu „Wir können keinen Schaum schlagen“ von Mai Thi Nguyen-Kim

Ich muss sagen, der Artikel hat mich ernsthaft erschüttert. Die Überschrift ließ mich vermuten, dass hier eine Frau darüber berichtet, dass ihr die Schaumschlägerei, die Männer so gerne betreiben, einfach nicht einleuchtet und sie sich deshalb eben von dieser Schaumschlägerei fernhält. Im Arbeitsleben habe ich oft beobachtet, dass Frauen sich auf dieses maskuline Machtspielchen nicht einlassen, selbst wenn sie dadurch in den Hintergrund geraten und trotz höherer Kompetenz z.B. eine Aufgabe nicht zugeteilt bekommen. Das wäre ja schon schlimm genug, weil es bedeutet, bestimmte Positionen nur dann zu erreichen, wenn man als Frau dieses dumme Spielchen mitmachen muss. Nie wäre ich auf die Idee gekommen, dass Frauen sich selbst als Schaumschlägerinnen betrachten könnten, wenn sie durch ihre Arbeit, ihr Wissen eine bestimmte Position erreicht haben und nun von sich selbst glauben, diese nicht verdient zu haben. Mai Thi Nguyen-Kim beschreibt hervorragend, welche Faktoren bei ihr dazu beigetragen haben, dieses wahrhaft irre Gefühl nicht zu haben. Es scheint, es ist in Familie und Schule noch einiges zu tun, um daran etwas zu ändern. – Dieter Schöneborn


Leserbrief zu „Der Preis der Gerechtigkeit“ von Mark Schieritz

Ganz richtig, „wer faire Löhne will, muss auch faire Preise zahlen“. Aber ist das wirklich „der Kern der Angelegenheit“, wie es der Autor für die Tarifabschlüsse des öffentlichen Dienstes diagnostiziert? Man könnte es auch von der anderen Seite betrachten und sagen, dass eine gewisse (!) Lohngerechtigkeit ihren Preis hat, ist eine Selbstverständlichkeit, aber der Kern der Angelegenheit liegt doch wohl eher in der Gegenfrage: Welchen Preis hat auf die Dauer die Ungerechtigkeit? Der banale Sachverhalt, dass bessere Löhne höhere Preise nach sich ziehen, z. B. auch bei Paketporto oder der Pizza, wird sachlich und nüchtern dargestellt, so scheint es, doch völlig ohne die Kehrseite der Medaille auch nur zu erwähnen. In dieser Einseitigkeit steht das Beispiel aus der Schweiz, der Preis von 20 € für eine Pizza, regelrecht als Schreckgespenst da. Ganz zu schweigen von dem Geld in öffentlichen Kassen, das nun für die Löhne und Gehälter aufgewandt werden muss und woanders fehlt. Klingt, als würden die Steuerzahler*innen demnächst den gehobenen Lebensstil der Pflegekräfte finanzieren… Wenn ins Feld geführt wird, wie viel mehr eine ausgebildete Pflegekraft demnächst an Lohn erhält, müsste dazu auch gesagt werden, wie der Lohn zur Zeit aussieht, um nicht ein schräges Bild zu liefern.

In einem stimme ich dem Autor zu: „Die Frage nach dem angemessenen Lohn ist hochpolitisch.“ Denn unangemessene Löhne haben fatale gesellschaftliche Folgen, nicht nur schlecht arbeitende und/oder wegen Personalmangel überlastete Fachkräfte und somit im schlimmeren Fall schlecht versorgte Kinder und Pflegebedürftige, sondern auch zutiefst unzufriedene Arbeitnehmer*innen. Schon lange hören wir Nachrichten über die ständig größer werdende „Schere“ zwischen Armut und Vermögen und über die schwindende Mittelschicht, und schon lange müssen wir den zunehmenden Einfluss von rechtspopulistischen Gruppierungen und leider auch Parteien beobachten. Sollte es hier einen Zusammenhang geben? Und dann wäre da noch die Wertschätzung für Dienstleistungen, von denen schließlich alle profitieren, und auch der Wert der Dinge. Das klingt altmodisch, aber wollen wir wirklich eine Gesellschaft, in der alles immer so billig wie möglich sein soll und der Wert, die Wertschätzung eine so untergeordnete Rolle spielen, dass selbst die schlimmen Folgen für die Umwelt, in der Nutztierhaltung und vor allem auch in der Pflege und Kinderbetreuung dafür in Kauf genommen werden? Eine derart hochpolitische – und komplexe – Frage lässt sich nicht in einer Spalte abhandeln, schon gar nicht in einer Zeitung wie der ZEIT. – Dr. Christin Heitmann


Leserbrief zu „Der Klang von Muschelkalk“ von Moritz Aisslinger

Mit Interesse habe ich Ihre Ausführungen zu dem sicher ehrenwerten Dichter Nico Bleutge gelesen und dabei auch meinen Wissensschatz erweitern können. Ich kann allerdings meine Enttäuschung darüber nicht verbergen, dass Sie, Herr Aisslinger, in diesem Zusammenhang nicht wenigstens eine kleine Volte geschlagen haben zu Joachim Ringelnatz, der seine Ehefrau Leonharda liebevoll den Kosenamen Muschelkalk gegeben hatte, und sogar eine Gedichte-Sammlung unter dem Titel „Mein Herz im Muschelkalk“ herausgebracht wurde. Ich würde es überaus schätzen, wenn Sie dies bei passender Gelegenheit „nachholen“. – Stephan von Randow


Leserbrief zu „103 Leser für Frau Hauke“ von Martin Machowecz

Der digitale Wahnsinn, der frißt alles haptische, kurz und klein, bis ratzekahl auf. Seine Lieblingsspeise sind die bedruckten Papierchen, die mit den ganz vielen Buchstaben und Zahlen, und die mit den vielen bunten gedruckten Bildchen. – Klaus P. Jaworek


Leserbrief zu „Musik im mittleren Alter“ von Alard von Kittlitz

Da mag was dran sein an der Theorie vom Gewöhnlichen. Ich habe einiges dirigiert: Bruckner IV u. VII, Rigoletto, alle 4 Brahms Sinfonien usw. (das ist nun vorüber)… Mein neuestes ist, sentimentale Schlager für meinen Hund zu erfinden. Es gibt nicht wenige Morgen an denen ich beim Frühstück machen aus dem Stegreif sentimentale Schlager mit Text über meinen Hund erfinde. Sie mag auch einen Hund aus der Nachbarschaft. Der hat schon einen Ohrwurm verpaßt bekommen, den sogar Andrea Berg singen würde. Haha – Wolfgang Michel


Leserbrief zu „Wer war Stauffenberg?“ von Jens Jessen und zu „War Kafka ein jüdischer Autor?“ von Benjamin Balint

Zufall oder Konzept – dasselbe Feuilleton berichtet über Deuteleien an zweien, deren herausragende Sensitivität für den Horror des 20. Jahrhunderts den einen zu ahnungsvollen Worten, den anderen zu mutiger Tat antrieb. Die verengende Autopsie seiner Motive kann Stauffenbergs Tat nichts anhaben, gleich, ob sie lupenreiner demokratischer Gesinnung oder purem Hass auf den Tyrannen entsprungen wäre. Das Gezänk, ob Kafka den Israelis oder den Deutschen gehört (warum nicht den Tschechen oder den Österreichern?), belegt abermals -leider auf ironische Weise- wie viel Wirklichkeit aus seinem Werk spricht, heute wie vor hundert Jahren. – Erich Frank Pössl


Leserbrief zu „Verirrt im Wald“ von GRN

Meine Partnerin hatte, als ich ihr auf der ersten Seite die Meldung „Verirrt im Wald“ zeigte, einen guten Kommentar dazu: Wären die beiden Kinder Umweltbewusst erzogen worden, dann hätten sie es wie Hänsel und Gretel gemacht und einfach das Müsli verstreut. – Marcus Wystub


Leserbrief zu „Über Einschlafrituale“ von Harald Martenstein im ZEIT Magazin

Sie und Ihr Sohn haben mein vollstes Mitgefühl. Man weiß dass bei Alt-bzw. Opavätern der gesunde Menschenverstand abhanden gekommen ist. Man kann nur hoffen dass er irgendwann zurückkommt!!! – Gisela Hartmann


Leserbrief zu „Der Klang von Muschelkalk“ von Moritz Aisslinger

Der Lyriker Nico Bleutge ringt um Worte, prüft Konjunktive, will mit dem „Kopf“ sowohl den Körperteil als auch den Geist meinen, er „zimmert“ sich einen „Eingang in das Gedicht“. Wenige Zeilen, immer wieder redigiert, entstehen so an einem Tag. Bleutge erklärt seinem Lektor, der ein Gedicht nicht „versteht“, dessen Bedeutung. Er verarbeitet Begriffe, nachdem er umfangreich dazu recherchiert. Kurz: Er konstruiert einen Text mit einer offensichtlich recht konkreten Wirkungsabsicht. Als Deutschlehrer versuche ich, meinen Schülern das zu vermitteln: Sprache entfaltet ihre Wirkung nicht zufällig und beliebig. Man kann (und muss) ihr auf den Grund gehen (wie Bleutge es täglich tut). Die vielbeschworene Deutungsoffenheit des Kunstwerkes ist, anders kann man es grade nach einem Einblick in Nico Bleutges Arbeit nicht verstehen, eben doch eingehegt durch ein System von mehr und weniger naheliegenden Eindrücken, Bezügen und, ja, Bedeutungen. Wenn ich meinen Schülerinnen und Schülern das zu vermitteln versuche (wir nennen es, Enzensberger zum Trotz, noch immer „Interpretation“), bin ich schuld am Niedergang der deutschen Lyrik. Ich beklage mich nicht. Aber ist vielleicht auch diese Verweigerungshaltung gegenüber dem Versuch, ein Verständnis, das nun einmal bei den meisten Menschen nicht einfach da ist, durch strukturierte Arbeit zu erschließen (die dann eben, so ist leider die Welt, auch Prüfstoff sein kann), ein Grund für die Entfremdung zwischen dem Lyrikbetrieb und seinem (breiteren) Publikum? – Stefan Middendorf


Leserbrief zu „Danke, Diesel“ von Uwe Jean Heuser und Claas Tatje

Vielen Dank für den Artikel mit ungewöhnlicher Blickrichtung auf den Diesel! Dennoch drei Bemerkungen:

  1. Wenn die deutsche Autoindustrie innerhalb so kurzer Zeit so viele Forschungsziele erreicht hat, was hätte sie geschafft, wenn sie früher gestartet wäre (falls sie dann auch ohne den von Ihnen beschriebenen Druck aus dem Knick gekommen wäre)?
  2. Ihre Skepsis bezüglich der Arbeitsplätze in der „alten“ Autoindustrie teile ich nicht, ich glaube, hier wird die Demographie vieles ausgleichen.
  3. Wenn man sich die Situation auf Deutschlands Straßen betrachtet, gerade in Städten, vermisse ich eine „Vision“ der Industrie. Ich glaube, wir müssen zu weniger Autos (MIV), dafür mehr (ggf. individualisiertem) ÖPNV kommen. – Michael Koehn

Leserbrief zu „Eine einzige Wahrheit gibt es nicht“ von Gerhard Poppenberg

Die aktuelle Auseinandersetzung mit der postmodernen Philosophie mag einerseits zu pauschal ausfallen und ihren Urhebern Unrecht tun. Andererseits bestreitet auch Gerhard Poppenberg nicht, dass es einen populistischen Postmodernismus gibt, auf den aufklärungsorientierte Kritik zutrifft! Fragt sich, weshalb er sich erst jetzt von dieser „intellektuellen Verwahrlosung“ distanziert, da die geistige Verwandtschaft zwischen populärer postmoderner Beliebigkeit und einem rechtspopulistischen Postfaktizismus à la Trump offenkundig ist. War hier etwa linker Zeitgeist am Werk? – Dieter Hager


Leserbrief zu „103 Leser für Frau Hauke“ von Martin Machowecz

Ihr Artikel betrifft „Print“. Die ZEIT letztendlich ebenso wie „meine“ Lokalzeitung „Neue Westfälische“ in Ostwestfalen-Lippe! Das Zauberwort ist meines Erachtens „Leserbindung“. Natürlich habe ich inzwischen das e-paper der NW abonniert. Aber ich schätze „Print“. Meine Lokalzeitung bemüht sich mit Schulinitiativen um den Kontakt junger Menschen zum gedruckten Wort. Hier muss man noch mehr investieren, solange die Lokalzeitungen noch Kraft dazu haben. Meines Erachtens kann dies erfolgreich sein. Vielleicht sollten „Zeitungspädagogen“ sich darum bemühen, die „Presse“, die „Gedruckte“, Meinung jungen Menschen zu vermitteln. In Kooperation mit den Schulen. Dort, und mit der Zuverlässigkeit der gedruckten Zeitung, so meine Hoffnung, kann man der schnellen Beliebigkeit des Internets entgegen wirken. Sicher den Blick auf die Zukunft richten, aber den wertvollen Bestand bewahren. Ich befürchte, hier wird noch zu wenig mit viel zu wenig Fantasie getan! Leser direkt ansprechen, deren Reaktion aufnehmen – in Print. Ich denke, Gutenberg hat auch nach über 500 Jahren noch nicht ausgedient. – Reinhard Kniepkamp


Leserbrief zu „Der Klang von Muschelkalk“ von Moritz Aisslinger

In Ihrem Dossier „der Klang von Muschelkalk“ wir bedauert, daß Lyrik viel zu wenig gelesen wird. „DIE ZEIT“ trägt leider dazu bei. Früher stand in jeder Ausgabe ein Gedicht. Dann wenigstens noch ca. alle 4 Wochen. Inzwischen gar nicht mehr. Wäre schön, wenn der Artikel dazu beiträgt, daß auch „DIE ZEIT“ der Lyrik wieder Raum gibt. – Ingeborg Lukowski


Leserbrief zu „»Politik braucht eine Mission«“ von Lisa Nienhaus

In Ihrem Interview mit Frau Mazzucato behauptet Frau Nienhaus, Karl Marx habe zwischen „schaffendem“ und „raffendem“ Kapital unterschieden. Mich würde interessieren, wo sich dieses Zitat befindet. Ich kenne diese Unterscheidung nur aus der NS-Propaganda (bzw. von geistigen Vorläufern), wobei das „raffende“ Kapital immer antisemitisch gemeint war. Da es – gerade heute – auf Sprache und Begriffe ankommt, sollte (falls ich recht habe) diese Unterscheidung nicht einfach übernommen und schon gar nicht Marx in die Schuhe geschoben werden. – Manuel Schiffer


Leserbrief zu „Laute Straße, junge Liebe, schreckliche Gewalt“ von Susanne Mayer

Bitte richten Sie Ihrer Autorin Susanne Mayer aus, dass die Beale Street in Memphis liegt und nicht etwa in New Orleans. Das Lied „If Beale Street Could Talk“ wurde von Ella Fitzgerald interpretiert, zu sehen auf YouTube. Schlampig recherchiert? – Bernd Guth


Leserbrief zu „Über Einschlafrituale“ von Harald Martenstein im ZEIT Magazin

Man sollte in dem Alter eben keine Kinder mehr zeugen. Zu Lesen ist, was dabei herauskommt. Für den älteren Part gleich, für den jüngeren etwas später. – Wolfgang Burkhardt


Leserbrief zu „Musik im mittleren Alter“ von Alard von Kittlitz

Wo beginnt eigentlich der (erlesene) Musikgeschmack, und wo könnte der (erlesene) Musikgeschmack schließlich enden; und warum sollte sich jemand für seinen Musikgeschmack schämen müssen? Jeder sollte das hören können, was ihm so (richtig) gefällt, ganz ohne Rechtfertigunggründe! Was gut tut, das tut eben gut! Jedoch gibt es da die große Ausnahme, die wie immer, die Regel bestätigen soll; und das wären dann, die immergleichen und nervtötenden Songs, die sekündlich aus dem Radio herausquillen, und sich tief hinein, in unser dünnes Nervenkostüm, bohren. Mainstreamige Schreddermusik, nur zum Abschalten gemacht; eben einfach voll krass und radiountauglich! – Riggi Schwarz


Leserbrief zu „Wer war Stauffenberg?“ von Jens Jessen

Eigene Karriere im Sinn – Behauptung, die SS haben den Führer ermordet, die Wehrmacht räume jetzt auf!
Zumindest beim Oberbefehlshaber WEST wurde die Parole ausgegeben, die SS haben den „geliebten Führer“ ermordet, die Wehrmacht müssen ihn rächen. So hat General von Stülpnagel die SS-Führung im besetzten Frankreich verhaften lassen. Was in Ihrem Beitrag von Herrn Jessen nicht so klar zum Ausdruck kommt, ist die Tatsache, dass Claus Schenk von Stauffenberg doch nach bisherigen Erkenntnissen durchaus eigene Karriere-Pläne gehabt haben soll. Das vermindert zweifellos den ihm zugeschriebenen Edelmut. Überrascht war ich von der Feststellung in dem Artikel, dass sich Stauffenberg schon weitgehend von den mythischen Anwandlungen verabschiedet haben soll. In der Schule haben wir noch gelernt, dass er die Begriffe das „geheime“ bzw. „heilige“ Deutschland geprägt habe. Meines Erachtens kann – zumindest aus heutigen Sicht – entschuldigt werden, dass er nach den Erfahrungen der Weimarer Republik eher eine Herrschaft von geistigen Eliten als des Volkes, also der Demokratie angestrebt hätte. Mitglieder meiner Familie waren Gegner des Nationalsozialismus und hätte Ende der 30er Jahre auch eine Führung „aus klugen und moralisch integeren Persönlichkeiten“ für sinnvoll gehalten. – Hermann-Josef Kromer


Leserbrief zu „Seitenwechsel“ von Roland Lindenblatt

Solange praktisch jede Immobilie zu verkaufen ist, könnte ein Makler auch mit 2 oder 3 % statt mit 7 % ausreichend verdienen. Den Markt, der die Maklergebühren senken würde, gibt es aber nur, wenn den Makler bezahlen muss, wer ihn bestellt. Deshalb ist der Weg von Frau Barley richtig. – Dr. Jürgen Schröder


Leserbrief zu „Wer war Stauffenberg?“ von Jens Jessen

In der mühsamen Bewältigung der Monstrosität nationalsozialistischer Verbrechen störte und stört der Widerstand um Stauffenberg, ganz im Sinne von Hannah Ahrendts Aussage über den heimlichen Wunsch der Deutschen nach „Egalität in der Schuld“. Der Totalität des nationalsozialistischen Systems folgte die antifaschistische Totale um unsere zutiefst verletzte Seele zu retten. In der Nachkriegszeit konnten wir der Väter – und Großvätergeneration zeigen wie man es besser macht. Unsere Antwort auf das Schweigen folgte die Revolte von ’68 und die tiefen Gräben zwischen den Generationen vertieften wir durch grobschlächtiges, unreflektiertes „Aufräumen“. Leider fielen dem auch die Attentäter des 20sten Juli 1944 zum Opfer. Waren sie doch „nur“ Mitglieder des militärisch – industriellen Komplexes und favorisierten ein neues autoritäres System. Unser „Marsch durch die Institutionen“ glückte. Er gelang so nachhaltig, daß die nächste Generation sich von unseren Vorstellungen bisher nicht emanzipieren konnte. Hier findet sich ein ähnliches Phänomen wie im Georgekreis. Im übrigen brauche ich keine weitergehende Interpretation des Georgeeinflusses auf Stauffenberg. Es reicht mir, daß der „Rationalist“ mehrfach um die Zeit des Attentats herum zur eigenen Er – mutigung den “ Der Widerchrist “ rezitierte. Eine Chance wurde lange vertan. Schließlich steht der 20. Juli beispielhaft für alle weiteren Attentatsversuche auf Hitler. Eine angemessene Anerkennung findet immerhin in den letzten Jahren statt, das Entsetzen über den Mißerfolg bleibt. Ein der Verarbeitung dienender Diskurs über das „Dritte Reich“ aber fand leider nach 1949 gar nicht oder nur halbherzig statt. Wir alle wurden „alleine gelassen“. Unsere Familie zerbrach daran bis zur Enterbung der Kinder. Vielen Dank für Ihren Artikel ! Wie immer freuen wir uns auf den nächsten…. – Dr. Günter Türk


Leserbrief zu „Der netteste Mensch der Welt“ von Antonia Baum

Abwarten und Teetrinken; die (heile) Welt von Michael-Jackson-Superstar gerät auf einmal schwer ins Schwanken, der Putz bröckelt, und schmutzige Flecken werden auf den „weißen Westen“ deutlich sichtbar. Der verstorbene Künstler gerät ins Zwielicht, der Verdacht des Kindermissbrauchs liegt auf einmal im Raum. Ob seine Musik, falls sich einiges davon bewahrheiten sollte, noch weiter in Funk und Fernsehen über den Äther kommt, das könnte zur Frage aller Fragen werden. – Riggi Schwarz


Leserbrief zu „Über Einschlafrituale“ von Harald Martenstein im ZEIT Magazin

Falls Sie die abendliche Situation in Ihrer Familie verändern möchten, empfehle ich Ihnen folgendes, überaus einfaches und effektives Vorgehen: machen Sie mehr Kinder. Viel mehr Kinder, eines nach dem anderen, nicht herumtrödeln zwischendurch. Am besten funktioniert es, wenn Sie es schaffen, mindestens vier Kinder zu haben, von denen noch keines zur Schule geht. (Könnte schwierig werden mit dem vierjährigen Ältesten, aber vielleicht haben Sie Glück und bekommen einmal Zwillinge.) Wenn Sie dann genug Kinder beieinander haben, sorgen Sie dafür, dass Sie tagsüber, abends und nachts alleine mit ihnen sind und zwar an mindestens fünf Tagen und Nächten in der Woche. Sie werden sehen: Ihr schwacher Wille ist auf einmal kein Problem mehr. Er bekommt nämlich Verstärkung von Ihrem Überlebensinstinkt. Der weiß: entweder ich bekomme die Drei,Vier,Fünf jetzt innerhalb der nächsten halben Stunde ins Bett. Oder einer von uns Vieren, Fünfen, Sechsen überlebt die Nacht nicht. Und schon ist allen Beteiligten klar: nach sechs Uhr zählt nur noch ein Wille. Nämlich Ihrer. Viel Spaß beim Ausprobieren! :-) – Tatjana Dravenau