6. Juni 2019 – Ausgabe 24

 

Leserbriefe zu „Die Klimasteuer“ von Katharina Heckendorf und Lisa Nienhaus

Warum sollten gerade Flugreisen mit solch abseitigen Argumenten, wo das Flugzeug aufgetankt wird, bei einer CO2-Steuer außen vor bleiben? Es geht dabei doch um den Passagier, nicht die Airline. Und der Passagier aus Deutschland muss auf seine Flüge die CO2-Steuer bezahlen. Gerade Flugreisen sind einer der wichtigsten persönlichen Einflussfaktoren, das kann nicht einfach ignoriert werden. Das ist dann nur die Fortsetzung von „Juhuu, wir haben schon so einen hohen Anteil an erneuerbaren Energien“ beim Stromverbrauch. Um zu verhindern, dass Arme über alle Maßen belastet werden, nur weil sie das Pech haben, sich keinen Ersatz für ihre alte Ölheizung leisten zu können, könnte man doch über Energieversorger Programme zum Heizungstausch realisieren, so wie es das beispielsweise für den Tausch von Heizungspumpen auch gibt. Wäre vielleicht auch ein Feld für die armen Versicherungen, so dass wir ihnen unsere Autobahnen vielleicht gar nicht mehr verhökern müssen. Man sollte auch nicht vergessen, dass es darum geht, dass wir uns zugunsten zukünftiger Generation einschränken, nicht Wenigfahrer 50 Euro zu überweisen. – Matthias Jungkurth

 

Na das war mal wieder schnell geschossen und so „fundamental“. Ich kann derzeit nicht beurteilen, ob eine CO2-Steuer ein guter Beitrag für eine ökologische Wende sein kann, aber mir ist klar, dass diese nur eine Maßnahme in einem Gesamtpaket sein kann. Ihre Darstellung trägt leider gar nicht zu einer Trendwende bei, sondern bleibt in dem üblichen Einzelfalldenken stecken. Dass dies dann etwa zu einer Land-Stadt-Verteilung führen kann machen sie ja deutlich. Dass aber derjenige, der aufs Land zieht oder auch dort bleibt einerseits die billigeren Mieten oder Bodenpreise für sich nutzt und gleichzeitig höhere Kosten für die Erhaltung oder auch den Ausbau der öffentlichen Infrastruktur verursacht bleibt außerhalb der Betrachtung und ist auch jedem Landbewohner bewusst. Damit nun nicht alle in die Städte strömen, könnte man z.B. die Kopfpauschale mit einem Faktor für Land/Stadt so lange koppeln bis durch den Ausbau des ÖPNV und der Breitbandnetze einige der Nachteile des Landlebens ausgeglichen sind. Etwas mehr systemisches Denken könnte gut tun. – Helmut Altenhofen

 

Aufgewachsen mit der ZEIT und sie immer wieder gerne lesend erschreckt mich doch immer wieder das ‚wenig dimensionale‘ Denken einzelner Artikel. In ‚Die Klimasteuer‘ stellen Sie ein sehr wichtiges und dringend anzugehendes Thema vor. Die Beispiele zeigen anschaulich und nachvollziehbar evtl Folgen vor. Leider ist der Tenor, bloss nichts ändern, es könnten die Falschen profitieren oder leiden anstatt auf Lösungen aufmerksam zu machen, die sich einfach und schnell wahrscheinlich von selber einstellen werden oder für die man sich engagieren könnte. Selber mit 2 Kindern in einem der strukturschwächsten und bevölkerungsärmsten Landkreise Deutschlands lebend lässt sich ein Alltag mit wenig Autofahren meistern:

-es fahren Busse zu Kindergarten und Schule, sollten sie außerhalb des Wohnortes liegen
-für den Vereinssport werden Fahrgemeinschaften gebildet
-mit (geplanten) Kindern sucht man sich ein Dorf mit Bahnhof zum Leben
-zu Zielen bergan wird das Kind mit Fahrrad hingefahren und kann selbständig nach Hause kommen (oder umgekehrt). Mit Schnellspanner am Vorderrad passt es in den Kleinwagen
-die Kinder lernen, dass man auch mal 2-3 km laufen kann
-in den Urlaub geht es schon immer mit der Bahn

Selber seit Jahrzehnten chronisch krank, berentet und auf viele Facharzttermine angewiesen sowie immer wieder auf Notfallmedikamente kann man auch hier einige Fahrten vermeiden:
-Apotheken liefern Medikamente
-Medikamente können auf dem kurzen Dienstweg in Absprache mit Praxis und Apotheke telefonisch organisiert werden
-Fragen mit der Ärztin können per mail oder Telefon geklärt werden
-Fahrtkostenzuschüsse gibt es bei Bedürftigkeit

Interessant finde ich, dass nach der Privatisierung und Konzentration im Krankenhauswesen jetzt zumindest in unserer Region die Gemeinden Medizinische Versorgungszentren gründen mit angestellten Ärzten. Hier könnten Fachärzte an einzelnen Tagen Sprechstunden anbieten, neben der Telemedizin, die immer mehr im Kommen ist. Sollte sich das Fahren deutlich verteuern, wird sich sicher rasch eine entsprechende Entwicklung abzeichnen. Ich bin in jungen Jahren viel gereist und habe dabei die medizinische Versorgung in vielen Ländern kennen lernen dürfen – geplant und notfallmäßig. Außer in der Schweiz und Liechtenstein wurde ich nirgends (Osteuropa, Karibik, USA, Irland, Nordafrika, Mittelmeerländer) so gut versorgt wie hier in D. Auch nicht schlecht, ich habe ja alles überlebt. Aber ich empfinde es in D hart am Rande der Überversorgung und musste mich nicht nur einmal deutlich gegen Eingriffe und Therapien erwehren. Was ich sagen will: Veränderungen sind möglich und teilweise kein großer Schritt.

Zum Energieverbrauch im Wohnbereich:
-wenn man alleine in einem großen Haus leben möchte, hält mich mein Mitleid hinsichtlich Mehrkosten in Grenzen
-selber zu viert bzw fünft in einem unsanierten Haus (150 qm) lebend ergiebt jede Überlegung hinsichtlich Dämmung, neuer Fenster oder Türen, dass die Energiebilanz einer Maßnahme gegen sie spricht. Ein leider auch bei der ZEIT immer wieder verschwiegener wichtiger Punkt. Mit einberechnet gehören dabei auch die Entsorgung von Dämmmaterial und der Mehraufwand zB für die Feuerwehren, die es mit den unterschiedlichsten Materialien zu tun bekommen. Einfach löschen ist da nicht mehr: Spezialausbildungen und spezielle Löschmittel (chemische) sind dann notwendig selbst für kleine freiwillige Feuerwehren notwendig. Allgemeine Versorgung wie Einkaufen:
-auch hier lassen sich Fahrgemeinschaften bilden
-unser Leitungswasser ist wie eigentlich überall in D trinkbar
-viele Lebensmittel lassen sich gut lagern. Vor allem wenn man ein Haus mit Keller oder Gartenhütte hat

Politisch könnten so viele Weichen gestellt werden, wie
-dezentrale Energieversorgung fördern
-Autos mit mehr als 1,5 t Gewicht entsprechend besteuern (eine ganz neue Herausforderung für die Autoindustrie)
-in Gemeinden werden Boni gezahlt für Neugeborene. Warum nicht für ähnliches für abgegebene Autos oder den Kauf von Monats/Jahreskarten für den ÖPNV
-Netzkarten im ländlichen Raum einführen. Bei uns ist man auf einen Anbieter und eine Strecke festgelegt. Hat man eine Schüler- oder Wochenkarte für die Bahn, darf man nicht den Bus nehmen und umgekehrt.
Einfache und schlichte Lösungen bzw manchmal auch einfach ’nichts‘ tun könnte hier schon viel verändern. Mir ist bewusst, dass der Wohlstand hier bei uns ‚erkauft‘ ist mir vielen Auflagen seitens der Politik. Sparsamere Neuwagen, Elektrogeräte, etc; sanierte Häuser, all das sind Wirtschaftsförderungsmaßnahmen – KEINE Maßnahmen hinsichtlich Klima- und Umweltschutz. Ich profitiere selber hin hohem Maße davon: Hightechmedizin, gentechnisch hergestellte Medikamente, Berufsunfähigkeitsrente – in Griechenland wurde deutlich, dass all das auch in einem EU-Land keine Selbstverständlichkeit ist! Aber vielleicht lässt sich durch die Umschichtung der Besteuerung der Arbeit in Richtung Besteuerung des Energieverbrauchs eine lebenswerte Umwelt erhalten. Ich würde mich freuen mehr querdenkende Artikel bei Ihnen zu finden. – Maike Wolfram

 

Ihren Artikel zur CO2-Steuer beenden Sie mit der Aussage „Es könnte sein, dass am Ende doch die Union, die aus allem ein gemeinsames Emissionshandelsmodell entwickeln will, die bessere Idee ha.t“. Aber genau das ist doch seit Jahren unser Problem: jemand hat die Absicht (vielleicht) etwas entwickeln. Irgendwann. In Zukunft. Nächste Legislaturperiode vielleicht. Diese Zeit haben wir nicht mehr. Das sollte inzwischen klar sein. Daher ist eine einfache Lösung, die transparent und vielleicht nicht in allen Aspekten perfekt sozial ausgewogen ist, die aber nachweislich steuernd im Sinne des Klimaschutzes wirkt, im Moment die allerbeste Lösung. Denn sie ist sofort umsetzbar. Handeln müssen wir jetzt, optimieren können wir später. – Christoph Ramm

 

Ich finde, der obengenannte Artikel ist nicht zu Ende gedacht. Frondel geht davon aus, dass Klimaschutz eine Sache der Einstellung ist. Er unterschlägt dabei den homo economicus, der genau kalkuliert, ob sich der Austausch der Heizung oder der Umzug in eine Wohnung mit geringeren Nebenkosten lohnt. Durch eine entsprechendes Bonus/Malus-System zahlt sich klimabewusstes Verhalten deutlich schneller aus. Dies erhöht den Personenkreis, welcher Maßnahmen aus rein wirtschaftlichen Gründen durchführt. Eine Ergänzung mit Förderkrediten könnte die Gruppen unterstützen, denen ein Handeln aus eigener Kraft nicht möglich ist. Ich stimme Frondel zu, dass Ausnahmen sehr genau begründet werden müssen. Eine Aufweichung der Ziele wurde schon viel zu lange betrieben. – Sebastian Mühlbach

 

Sicherlich gibt es auch Sozial-Verlierer bei der Klimasteuer, die aber lenkungspolitisch unabdingbar ist. Allerdings ist das in Ihrem Artikel gewählte Beispiel für einen Verlierer unbrauchbar, weil hier ausschließlich die künftige ökonomische Wirkung ins Auge gefasst wurde. Rechnet man dagegen, was Herr Huth durch Nicht-Sanierung seines Hauses (Heizung/Dämmung) sowie kostengünstiges Wohnen auf dem Lande über 30 Jahre eingespart hat, sollte sich Herr “Huth“ nicht ungerecht behandelt fühlen. Hierbei sind die klimarelevanten Schäden des Nichtstuns nicht eingepreist.  Ich halte das hier diskutierte Modell weitestgehend für sozial gerecht – die CDU Alternative wird, wie die bisherige Praxis zeigt, nicht funktionieren. – Dr. W. Trösch

 

Das von Ihnen beschriebene Klimasteuermodell trifft eine in meinen Augen nicht zutreffende Annahme:   Das Vorhandensein einer persönlichen, vor allem finanziellen, Freiheit, sich ganz einfach eine neue Mietwohnung zu suchen, weil der Vermieter anstatt mit Gas oder Pellets mit Öl heizt. Oder sich ganz einfach ein neues Auto zu kaufen, weil man von den Autoherstellern ( Diesel ) vorsätzlich betrogen wurde.   Gefährlich bzw. kriminell wird es, falls bei diesem Modell Fern- und Holzheizungen, die auch z. T. erhebliche Emissionen erzeugen nicht angerechnet werden.   Es entsteht der Eindruck, als ob aus Umweltengagement heraus viel Staub aufgewirbelt werden würde. Ob aber dem Weltklima damit wirklich geholfen wäre bleibt fraglich.   Zu diskutieren ist auch, was es dem Weltklima bringt und ob es eine Signalwirkung für andere Länder hätte, wenn das kleine Deutschland diese Steuer einführt, da zur selben Zeit sämliche Neubauten in dem hochentwickleten Japan immer noch mit Einscheibenverglasung errichtet werden. – P. Wurmbauer

 

Vielen Dank für die informativen und schön dargestellten Berechnungen jnd Artikel rund um den Artikel Die Klimasteuer. Meiner Meinung nach muss die CO2 Steuer möglichst bald kommen und ihr Artikel belegt dies meiner Meinung nach sehr gut. Wenn der Herr Huth in der Lage ist durch eine Ölheizung 10 Tonnen pro Jahr zu emittieren ist es doch höchste Zeit ihm Anreize zu geben, seine Heizung zu ändern. Um sich dies leisten zu können müssten eventuell die vorhandenen Fördermöglichkeiten für eine solche Umstellung ausgebaut werden, aber genau diese bringen erst dann etwas, wenn Herr Huth auch einen finanziellen Vorteil durch die Umstellung bekommt.

Ferner halte ich die Behauptung dass Vermieter keinen Anreiz haben auf ihre Nebenkosten zu gucken für zu kurz gedacht. Am Ende guckt der Mieter doch auf die Warmmiete – verringern sich die Nebenkosten kann der vermieter also mehr Kaltmiete für die gleiche Wohnung verlangen. Auch die Hoffnung, dass uns die Union rettet, in dem sie ein einheitliches, europäisches Zertifikat-System umsetzt, halte ich für eine Illusion. Selbst wenn Sie dieses System wirklich haben wollen würde (und die Taten der Union sprechen hier eher dagegen) würde es sehr, sehr lange dauern dieses mit den anderen EU Partnern zu verhandeln und umzusetzen. Und am Ende wäre das Problem der armen Bevölkerung mit den Ölheizungen dort genauso gegeben wie bei einer CO2 Steuer wie sie im Text beschrieben wird. Sie berücksichtigen bei ihrer Berechnung zudem keinerlei Vorteile die eine CO2 Steuer für das Land bringen könnte:

Biogas, Holz und eventuell sogar großflächige Solar- und PV Anlagen würden als Wärmequellen besser gestellt. Dies müsste dazu führen, dass solche Anlagen langfristig bessere Preise erzielen können. Da diese Anlagen wiederum v.a. km ländlichen Bereich stehen würde hier mehr Wertschöpfung stattfinden.   Auch gäbe es durch die Steuer wieder mehr Anreize bessere bahnverbindungen für das Land zu ermöglichen und so die langen Strecken mit dem Auto zu substituieren. Zusammengefasst zeigt der Artikel meiner Meinung nach sehr gut das Potential, dass eine solche Steuer umweltschädigenden Verhalten bestraft und somit verändert. Im Stromsektor haben wir gelernt, dass sich ein mutiger Schritt nach vorne lohnen kann und jene belohnt, die früh Initiative ergreifen. Ich hoffe, dass wir nun durch die Steuer in die beiden anderen Sektoren Wärme und Mobilität endlich Bewegung bekommen könnten!   – Lukas Ruck

 

Der Artikel bzw. die Berechnung geht von falschen Annahmen aus. Steuern dürfen nicht zweckgebunden sein, fließen also immer in den  Gesamthaushalt – eine andere Abgabe muß also her, die zweckgebunden und  vollständig pro Kopf zurückerstattet wird. Und zwar auf fossilen  Kohlenstoff und nicht auf Kohlenstoff aus nachwachsende Rohstoffen.  Diese Abgabe auf Kohle, Erdöl oder Erdgas wird direkt beim Import  erhoben oder bei der Gewinnung. Auf dieser Basis sähe die Berchnung  anders aus.  Der große Vorteil: alle fossilkohlenstoffhaltigen Produkte und  Dienstleistungen werden teurer; je Höher der Kohlenstoff-Anteil, desto  höher der Preis. Sogar Pellets würden teurer. Aber nicht wg. der  Emissionen durch die Verbrennung, sondern wg. des Transports und evtl.  der Art und Weise der Produktion. Der Preis für Bio-Lebensmittel wird  weniger stark steigen als für konventionell produziert  Landwirtschaftsprodukte. Gleiches gilt für alle anderen nachhaltig  produzierten Waren und Dienstleistungen; auch sie werden konkurrenzfähig  in Bezug auf den Preis.

Schwieriger wird es Importwaren und ausländische Dienstleistungen so mit  der Abgabe zu belegen, dass die Konkurrenzfähigkeit nicht verzerrt wird  – zumindest solange die Kohlensoff-Abgabe ein „Insellösung“ ist.  „Extrembeispiel“ Hr. Huth: Was wollen wir eigentlich? Eine Kohlenstoffabgabe ist kein lustiges Geldumverteilspiel – es sollen  Verhaltensänderungen bewirkt werden! Seit über 30 Jahren ist bekannt was  die ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Folgen der  Wirtschaftsmodelle und Lebensstile im globlen Norden sein werden.  Passiert ist nichts – nicht politisch und noch zuwenig persönlich. Dank  unserer Jugend kommt nun hoffentlich der nötige Drive in die Klimapolitik. Und JA, es wird „Verlierer*innen“ geben; je länger der klimapolitische  Umbruch hinausgezögert wird, umso mehr werden es. Herrn Huth -das  „Extrembeispiel“- würde es dann vllt. nicht mehr treffen; aber dafür die  nächsten Generationen umso heftiger.  Diejenigen, die den Schuß gehört, sich nicht weggeduckt und ihren  Lebensstil nachhaltig angepasst haben, werden nicht zu den  Verlierer*innen gehören. – Frank Brust

 

Sozialgerecht und gleichzeitig klimawirksam wird die Steuer nur, wenn die oberen Einkommensklassen weniger und die unteren Einkommensklassen unterm Strich gleich viel Geld haben. Ein Teil der Steuer muss zur (sozial gerechten) Subvention von CO2 Reduktion verwendet werden. So bekäme dann auch Herr Huth eine moderne Heiztechnik und Gebäudedämmung und könnte sich mit der Einsparung beim Heizen ein günstiges (subventioniertes) E-Auto inkl. Solaranlage kaufen. Verwerfungen wären verhindert. Gäbe es die im Artikel beschriebene 1:1 Umverteilung wäre zudem der Klimaeffekt marginal, weil dann Geld weiterhin für gesamthaft unverändert hohen Konsum da wäre. Diejenigen, die bei der 1:1 Umverteilung gewinnen würden, könnten dann klimaschädlich mehr konsumieren z.B. statt Second Hand dann Fast Fashion zu kaufen, in den Urlaub zu fliegen oder sich ein zweites Auto zu kaufen. – Philip Ortin

 

In den letzten Jahrzehnten wurde die Mineralölsteuer mehrmals erhöht,  1999 eine Energiesteuer eingeführt. Dies sollte auch zur  Energie-Einsparung führen. Ebenso stiegen die Produktionskosten und die  Abgaben der Förderländer („Royalties“). Insgesamt stieg der Spritpreis  seit 1970 auf das Vier- bis Fünffache. Dennoch stieg der Verbrauch: mehr  Pkw’s, noch mehr Lkw’s, ein aberwitziger Anstieg des Schiffsverkehrs auf  den Meeren, vom – nicht so betroffenen Flugverkehr – ganz zu schweigen.  Nun soll eine weitere Abgabe von 8 Cent pro Liter (also im  Schwankungsbereich eines Tages bei einer Tankstelle), dazu noch für die  Hälfte der Bevölkerung durch eine Kopf-Pauschale kompensiert, eine  Verhaltensänderung bewirken? Wohl kaum.  Vor gut 20 Jahren hatten die Grünen die Idee, der Sprit müsse 5DM  kosten. Unter Berücksichtigung der Inflationsrate (ohne die  Energiekosten) müsste dann heute der Sprit über 3 Euro pro Liter kosten.  Auch in der geplanten Endstufe der CO2-Steuer wäre dieser Wert noch  lange nicht erreicht (ein großer Krieg in Vorderasien, eine  Riesen-Umweltkatastrophe müssten schon noch dazu kommen).

Um 1960 sang Chris Howland: „Wenn jede Woche mal der Erste wär, dann  wär‘ die Sache mit den Kohlen nur halb so schwer.“ Seitdem haben sich  die Brennstoff-Kosten vervielfacht. Dennoch haben sich die  Komfortansprüche (in allen Zimmern eine gewisse Mindesttemperatur,  jederzeit warmes Wasser etc.) und vor allem die Wohnfläche pro Person  deutlich erhöht. Eine Wohnung, in der 1960 eine vierköpfige Familie  lebte, ist heute gerade noch ausreichend für einen Single mit  unterdurchschnittlichem Anspruchsniveau. Bei einem weiteren Anstieg der  Energiekosten werden nur wenige darauf verzichten wollen.  Aber – wie Sie dargelegt haben – werden viele Menschen durch die  zusätzliche Energie-Abgabe stark betroffen sein, etwa die Pendler vom  Lande. Sollen die sich auch noch in der Nähe der Arbeitsplätze in den  Ballungsräumen Wohnraum suchen? In den 1950er/ 1960er Jahren errichteten  etliche Firmen im ländlichen Raum Zweigbetriebe. Diese sind längst in  Billiglohnländer verlagert. Kommen diese wieder zurück? Wohl kaum. – Adolf Ronnenberg

 

Das geschilderte Gedankenexperiment mag ein sinnvoller Einstieg in die Frage der CO2-Bepreisung sein, man möge sich aber davor hüten, daraus irgendwelchige Schlüsse für die Praxis abzuleiten. Laut dem Nobelpreisträger William Nordhaus ist es fast schon nebensächlich, ob eine CO2-Bepreisung auf dem Wege einer Besteuerung oder durch einen Handel mit Emissionen erreicht wird. Das entscheidende ist der Preis selbst! Von höchster Bedeutung ist, dass ein möglichst großer Teil der Weltgemeinschaft an einer möglichst einheitlichen und adäquaten Bepreisung teilnimmt. Wenn die internationale Gemeinschaft der Willigen groß genug ist, erwirbt sie damit Macht, um auch Nicht-Teilnehmern über handelspolitische Mechanismen einen „Anreiz“ zur Teilnahme zu vermitteln.

Wenn nun im vorliegenden Artikel Flugreisen außen vor bleiben, weil hier eine europäische Lösung vonnöten ist, so wird allein dadurch eine eklatante Schwachstelle des geschilderten Denkansatzes offenbar. Ich denke, Herr Huth wird nicht allzu oft in ein Flugzeug steigen. Vielfliegen unterscheidet aber Arm und Reich wie kaum ein anderes Merkmal. Alleine durch die Berücksichtigung der CO2-Preise des Fliegens würde Herr Huth vermutlich auf die Gewinnerseite wechseln. Auch der industrielle Sektor, der selbst abseits des Stromverbrauches für 30% der CO2-Emissionen verantwortlich ist, wird gedanklich vollständig außer Acht gelassen. Eine internationale Lösung ist nicht wirklich absehbar. Aber wenn jeder Staat mit einer CO2-Bepreisung so lange wartet, bis eine internationale Lösung gefunden ist, so werden wir eine Erwärmung von weit mehr als 2°C mit desaströsen Folgen für alle Nicht-Superreichen erleiden. Ein absolut entscheidendes Merkmal nationaler Vorreiter-Modelle ist es daher, dass sie mit einem künftig denkbaren internationalen Modell vereinbar sind. Ob da eine Steuer oder ein Emissionshandel besser ist, wird sich in einem einseitigen Zeitungsartikel nicht klären lassen. Vielleicht kann Herr Frondel als nächstes dieser Frage nachgehen und anschließend nochmal ein differenziertes Statement abgeben, welche Partei die beste Lösung hat.

Und natürlich ist die Rückzahlung nur ein mögliches Element im Bemühen, eine CO2-Bepreisung sozial verträglich zu gestalten. Innerhalb dieses Elements sollte beispielsweise – wie fast überall – das Haftungsprinzip gelten. Ein Entscheidungsträger ist für die Folgen seiner Entscheidung verantwortlich. Wenn also ein Vermieter eine alte Ölheizung betreibt, so sollte er auch die Last des damit verbundenen CO2-Preises tragen. Außerhalb der Rückzahlungen gibt es aber auch zahlreiche andere Möglichkeiten für einen Ausgleich zwischen Arm und Reich. Nicht alles muss innerhalb der CO2-Bepreisung reguliert werden. Warum nicht im Rahmen der anstehenden Reform der Grundsteuer Leute zur Kasse bitten, die über einen weit überproportionalen Anteil der deutschen Wohnfläche verfügen? Warum nicht dieses Geld in ein funktionierendes, flexibles öffentliches Verkehrswesen auf dem Land investieren? Nicht zweimal am Tag leere Busse fahren lassen sondern flexible Fahrten alla Uber! Warum wollen wir immer nur Denkmodelle zerschießen? Wir brauchen konstruktive Denker, die nicht immer das Kind mit dem Bade ausschütten wollen. – Dr. Christian Voll

 

Kein Staat in Zentraleuropa kann national eine CO2-Steuer von über 50 €/t ohne mas­sive Grenz­kon­trollen gegen Heizöl-Schmuggel, Tanktourismus o.ä. einführen. Oder die Bürger „sparen“ na­tional da­durch deutsche CO2-Emissionen ein, dass sie Energieträger im Ausland einkaufen – statistisch wirkte dies so? Immerhin sähen wir national in der CO2-Statistik schon besser aus. Die CO2-Steuer funktioniert nur EU-weit oder noch besser in größeren ähnlichen Wirtschaftsräumen! Aber da gibt es seit 2005 für energieintensive Branchen den EU-CO2-Emissionshandel, wo CO2 längst „bepreist“ wird. Dort wird eine fixe CO2-Obergrenze etwa 10 Jahre im Voraus festgelegt und zu 100 % eingehalten. Was passiert etwa nach einer Wirtschaftskrise wie ab 2008, wenn im EU-ETS Zertifikate 30 € kosten, die CO2Steuer jedoch 60 €/t beträgt? Bei 2500 l Heizöl beträgt der Preisunterschied schon 200 €. Darf die Industrie im EU-ETS dann deutlich billiger Öl verbrennen als eine Privatperson oder soll das etwa kumulativ wirken? Den EU-ETS abzuschaffen dauert lange. Politische und wirtschaftliche Folgen der­art unterschiedlicher CO2-Preis-Systeme werden absurd ausfallen. Zudem werden seit 6 Jahren fast alle Zertifikate versteigert, so dass der Staat erhebliche Einnahmen er­zielt hat. Sind diese jemals pauschal an die Bürger erstattet worden? Deren Ausgaben für Strom, Zement, Glas, … sind ja ebenfalls gestiegen. – Prof. emer. Dr. Wolfgang Ströbele

 

Die volle oder nahezu vollkommene Kompensation der CO2 Steuer, wie sie im Artikel diskutiert wird, lässt m. E. jegliche Lenkungswirkung vermissen! Worin soll der Anreiz zur Einsparung von CO2 bestehen? Ein Ansatz, der – sozial ausgewogen – die gewünschte Wirkung entfalten kann, soll hier zur Diskussion gestellt werden: Zunächst wird als notwendig erachtet, die im Haushalt verbrauchte Energie (Strom, Gas, Öl) anders zu behandeln, als jene im Bereich Verkehr (Treibstoff), da die vermeidbaren Anteile des privaten (Luxus) und des beruflich bedingten Energieverbrauchs (Einkommenserwerb) nicht gleich behandelt werden können. Vorschlagsgemäß wird die in Haushalten verbrauchte Energie progressiv, bei „Null“ beginnend bis zu einem Höchstwert, belastet. Jeder natürlichen Person wird für den Energieverbrauch eine Grundmenge (30 – 40% unterhalb des durchschnittlichen Verbrauchs je Einwohner) für den Ausstoß von CO2 zum Nulltarif zugestanden (Daseinsvorsorge). Die Verbraucher (Singles, Familien) können selbst entscheiden, für welche Energieart sie ihren Gutschein einsetzen.

Wird dieser Grundverbrauch überschritten, setzt ein Preis ein, der bereits deutlich höher ist als der heutige, so, dass bei unverändertem Verbrauchsverhalten in etwa der aktuell fällige Preis auch weiterhin zu zahlen ist. Wird darüber hinaus der o. g. durchschnittliche Verbrauch überschritten, wird es richtig teuer, da der Preis je Energieeinheit progressiv weiter steigt. Wer also u. a. seine Terrassenheizung beständig einschaltet, zahlt dafür einen hohen Preis! Umgekehrt kann z. B. der mit kleiner Rente lebende Single deutlich sparen, wenn er den heutigen Verbrauch nur leicht zurückfährt. Dieses Modell erfüllt vier Hauptforderungen: 1. Anreiz zur Sparsamkeit; 2. Soziale Ausgewogenheit; 3. Freiwilligkeit; 4. geringer Verwaltungsaufwand. Im Bereich Verkehr sind erwerbsbedingte Notwendigkeiten (Beispiel: Pendler) zu beachten, aber auch die Tatsache, dass Familien u. U. größere Autos benötigen. Die einfache Möglichkeit, als Grundlage für die CO2 Abgabe den Hubraum und/oder das Fahrzeuggewicht zu Grunde zu legen, ist also nicht zielführend. Vorgeschlagen werden deshalb für diesen Sektor steuerliche Maßnahmen, z. B. die Kombination aus der Anhebung der Treibstoffsteuer und einer (teilweisen) steuerlichen Kompensation für Pendler und Familien (für den Single im „spritfressenden“ SUV wird es auch hier teurer!). In jedem Fall müssen steuerliche Maßnahmen Anreize zur Vermeidung von Fahrten schaffen! Die dringende Notwendigkeit, das Angebot des öffentlichen Verkehrs zu verbessern, bleibt hier unbeachtet.    – Dr.-Ing. Hans-Dieter Raschke

 

Warum wird bei Diskussionen einer CO2-Steuer immer der Warentransport ignoriert ?  Es waere doch ganz interessant zu erfahren, wieviel Tonnen CO2 die Lastwagen auf Europas Autobahnen und Strassen emittieren, und das mit Ihren Zahlen zu vergleichen. Und beim Warentransport liessen sich CO2-Emissionen sogar am leichtesten einsparen ohne dass grosse Nachteile entstehen: es liesse sich doch vielleicht verschmerzen wenn Bayern kein daenisches Bier trinken koennen und Daenen kein bayrisches ? – Ein/e Leser/in

 

Die Rechnungen mit einer Pro-Kopf-Erstattung der CO2-Steuer errichten  ohne Not eine wahlstrategisch unüberwindbare soziale Hürde.  Dabei dürfte es doch wohl kein bürokratisches Problem darstellen, die  Rückführung des CO2-Steueraufkommens degressiv zu gestalten. Dann bekäme  z.B. ein Haushalt mit einem zu versteuernden Einkommen von 60.000 €  keine und einer mit 30.000 € eine Erstattung von 2.000 €. Die  Rückführungsformel könnte man sozial und ökologisch so fein wie  erforderlich austarieren. – Dr. Werner Allemeyer

 

Ihre Infografik zur CO2-Steuer zeigt sehr schön die Kosten die  entstehen, wenn nicht auf erneuerbare Energien umgestellt wird. Schön  wäre, neben der für eine Gas-/Ölheizung anfallenden CO2-Steuer auch die  CO2-Steuer für eine alternative Heizung (Wärmepumpe + Solarmodule) zu  zeichnen – das wäre nämlich 0€. Genauso gehört neben das Verbrennerauto  auch ein Elektroauto, ein Zug, ein Bus als Vergleich. Ansonsten wäre  Ihre schöne Grafik leider angreifbar mit dem Argument: „Manipulieren  durch Weglassen. Und das auf Kosten unserer Überlebenschancen“.  Gerne empfehle ich hier auch die Videos von Professor Quaschning auf  seiner Webseite. Diese erläutern sehr schön, wie man CO2-neutral heizen  kann. Die Umrüstungskosten dafür sind ein Bruchteil der Kosten eines  Neubaus. – Benjamin Kutschan

 

Eine Abgabe auf CO2 einzuführen ist zweifellos sinnvoll, weil sich damit Investitionen in CO2-einsparende Technologien kalkulierbar werden. Ausnahmen schädigen diese Wirkung und ggf. auch die Akzeptanz mit der Abgabe verbundener sozialer Benachteiligung unter Umständen immens. Dies sieht man jetzt schon am Strom-Markt: Die CO2-Zertifikate aus dem Emmisionshandel sind zu billig. Auf der anderen Seite machen diverse Ausnahmen EEG und KWKG-Umlagen für den Endverbraucher so teuer, dass schon behauptet wurde, die EEG-Einspeiser seien schuld am hohen Strompreis. All diese Umlagen sollten in einer CO2-Abgabe (bzw. Mindestpreis für Zertifikate) ohne Ausnahme aufgehen. Sinnvoll und zu prüfen wäre dies auch für internationalen Flugverkehr (Die ICAO-Einigung dürfte vorläufig noch nicht das notwendige Preissignal für den Fluggast bewirken). Eine Studie des CO2-Abgabe e.V. (http://co2abgabe.de) zeigt auf, dass bei einem CO2-Preis von ca 40 EUR / t für die meisten Verbraucher durch die Einsparungen im Strom-Bereich insgesamt entlastet werden und zwar besonders die Bezieher niedriger Einkommen. Ein solcher Preis wäre demnach kurzfristig leicht umsetzbar.  Wie wir zu dem notwendigen Preis von 180 EUR / t den das Umweltbundesamt als Schadenskosten berechnet hat ohne all zu große soziale Verwerfungen kommen, wäre noch auszuloten. Ambitionierte jährliche Steigerungsraten des Preises in Verbindung mit Abfederung sozialer Härten scheint mir ein sinnvoller Weg zu sein. – Reinhard Hahn

 

Die Klimasteuer ist vom Namen her schon falsch, aber dies ist ein anderes Thema. Tatsächlich würde diese Klimasteuer vieles ändern, was schon lange erforderlich ist. Verhaltenänderungen in allen Bereichen des Lebens. Was die Menschheit aber vorrangig benötigt: Weniger Egoismus. – Dieter Ahrens

 

Sie gehen davon aus, dass die Klimasteuer auf die Verbräuche durch Heizen und Verkehr erhoben wird. Damit sparen Sie den gesamten Produktionsbereich aus. Gerade die Produktion aber, besonders bei der Herstellung von Aluminium, braucht Unmengen an Energie. Und die energieintensivsten Produktionen werden schon heute subventioniert, wie so häufig mit dem Argument, die Wirtschaft sei sonst in Gefahr… Generell sollten Energie-Großverbraucher einer Energie-Steuerprogression unterworfen werden, um zumindest den Mengenrabatt der Energieanbieter zu neutralisieren. Sinnvoller scheint mir die Entlastung von Arbeitgebern (und Arbeitnehmern!) durch eine Senkung der Lohnnebenkosten. Sehen wir uns das Heizen an: warum sollte nur eine CO²-Steuer auf Öl und Gas erhoben werden? Auch Holz verbrennt unter Freisetzung von CO². Und es hilft wenig, wenn das jetzt verbrannte Holz in vielleicht 100 Jahren nachwachsen wird, das CO² wird jetzt in die Atmosphäre gegeben. Meiner Meinung nach sollte jede Form der Heizenergie in die CO²-Steuer mit einbezogen werden, auch die Fernwärme. Denn der einzelne Mieter hat kaum einen Einfluss darauf, ob er Fernwärme beziehen kann oder nicht – das ist also eine Frage der Fairness oder Solidarität. Und warum nicht auch den Strom gemäß seiner Zusammensetzung besteuern? Anstelle eines EEG, das mittlerweile nicht mehr als Steuerungsinstrument für einen Wandel hin zu regenerativen Energien, sondern eher als ein Energie-Verhinderungsgesetz angesehen werden kann.

Dann beschreiben Sie, wie das Heizen eines alten freistehenden Hauses zu einer „sozial ungerechten“ Situation führt. Mein Mitgefühl für den Rentner H., aber wollen wir Deutschen wirklich immer versuchen, unsere Welt vollkommen GERECHT zu gestalten? Das geht nicht, aber führt mehr und mehr zu einer Verkomplizierung bis hin zur Entscheidungsunfähigkeit der Politik. Es wäre viel mehr gewonnen, wenn wir die gröbsten Ungerechtigkeiten vermeiden können. Was also ist das Problem? Es besteht vorrangig darin, dass eine Einzelperson auf 140 m² Fläche lebt, die zudem noch energetisch besonders ungünstig ist (freistehendes EFH, ungedämmt). Wir brauchen andere Formen des Wohnens und eine größere Flexibilität, was unser „Zuhause“ angeht. In den teuren Städten leben immer mehr Arbeitnehmer in Wohngemeinschaften, da das Leben sonst nicht finanzierbar wäre (die sind damit energiesparender). Wie viele Menschen wohnen in viel zu großen Wohnungen (weil sie es sich leisten können; weil sie schon immer da gewohnt haben…)? Wir sollten uns alle etwas kleiner setzen, beim Hausbau von vornherein die Möglichkeit der Aufteilung in 2 bis 3 Kleinwohnungen einplanen, dann reduzieren sich auch die Energiekosten. Und im Alter kann man von der großen in eine kleinere Wohnung wechseln. Dann, wenn die Zahl der Bewohner sinkt und die bisherige Wohnung zu teuer wird. Wir haben in den vergangenen Jahrzehnten die Platz- und Energieverschwendung ignoriert, es wird Zeit, dass wir bescheidener werden. Ich selber lebe übrigens zu dritt auf etwa 140 m², werde dies aber reduzieren, sobald die Familie kleiner wird – soviel Platz braucht man nicht.

Im Fall von Mietwohnungen ließe sich die energetische Einordnung (Energieausweis der Immobilie) dazu verwenden, den Vermieter zur teilweisen Übernahme von Heizkosten zu verpflichten. Zum Thema Verkehr: Weshalb soll der Flugverkehr nicht in die CO²-Steuer einbezogen werden? Wegen des Ausweichens ins Nachbarland zum Tanken??? Das machen Autofahrer auch, wenn sie in Grenznähe wohnen. Aber wie wahrscheinlich ist es, dass ein Flug zwischen Frankfurt und Berlin oder München mal eben zum Tanken nach Paris, Basel oder Amsterdam fliegt? Oder dass Langstreckenflüge durch einen Tank-Zwischenstopp deutlich länger werden? Darauf sollten wir es ankommen lassen. Ich bin zuversichtlich, dass – sobald ein EU-Land den ersten Schritt macht – weitere Länder folgen werden. Oder ist trotz aller Lippenbekenntnisse die Ökonomie wichtiger als die Ökologie?

Zurück zum Auto: bei Ihrer Einschätzung vernachlässigen Sie die Tatsache, dass Autos von Wohlhabenden oft nicht nur größer sind, sondern dass auch zwei oder mehr Fahrzeuge gefahren werden. Ich vermute, dass die Anzahl gefahrener Kilometer deutlich höher ist als von Ihnen angenommen. Dass auf dem Land die Anbindung an einen ÖPNV darnieder liegt, ist allerdings leider ein großes Problem. Anstatt jetzt deswegen alle Landbewohner PKW-mäßig zu subventionieren, sollte meiner Meinung nach jedoch viel mehr über neue Möglichkeiten nachgedacht werden. Unsere niederländischen Nachbarn zum Beispiel haben mancherorts einen sog. Buurtbus, das sind Kleinbusse, die von Freiwilligen (Rentnern) Nebenstrecken bedienen. Denkbar ist auch eine öffentliche Förderung von Mitnahmemöglichkeiten, Carsharing, Anruf-Sammeltaxen usw. Sicher schwieriger, auf dem Land umzusetzen als in der Stadt. Neue Ideen sind gefragt! Und ein Teil der Klimasteuer könnte genau hier sinnvoll eingesetzt werden. – Maria E. Völler

 

Mit einer Klima-Steuer wird lediglich am Holzkessel gelötet. Klima-Schutz ist sehr viel mehr als eine CO2-Steuer. Natürlich ist der Verkehr ein wesentlicher CO2-Verursacher. (Warum lassen Sie bei Ihrer Untersuchung den Luftverkehr ganz aus?) Alle vorgeschlagenen Maßnahmen sind nur Tröpfchen auf den von Trockenheit zerrissenen Boden. Wir müssten viel mehr tun: etwa rationierte Benzinzuteilung ( 3 bis 5 Liter pro Person und Monat, Kinder die Hälfte.), Wohnraumbewirtschaftung durch die Gemeinden wie nach dem Krieg (etwa nicht mehr als 20 m2 ; trägt auch zur sofortigen Linderung der Wohnungsnot bei), schnellster Stopp aller Zement-Großprojekte, wie z.B. Stuttgart 21, das außerdem wegen der gewaltigen Steigungen ungeheure Energiemengen frisst. Auch der Flächenverbrauch durch neuen Wohnraum, Logistik-Zentren und Straßenbau trägt zu Klima- und Ökokatastrophe bei. Niemand traut sich, wirksame Maßnahmen vorzuschlagen, durchzusetzen schon gar nicht. Auch die Klimasteuer wird die Katastrophe nicht aufhalten. – Hartmut Bernecker

 

Vielen Dank für diesen Artikel.  Eine der Grundregeln einer gerechten Gesetzgebung ist: wer einem anderen Schaden zufügt, muss für einen Ausgleich – eine Wiedergutmachung – sorgen. Wer CO2 ausstößt, fügt durch die damit verbundene Klimaveränderung den zukünftigen Generationen Schaden zu. Das steht seit ungefähr drei Jahrzehnten unverrückbar fest – genug Zeit, sich so einzurichten, dass die persönlichen Emissionen auf ein absolut notwendiges Maß beschränkt bleiben. Viel gerechter, als die Einnahmen der CO2-Steuer wieder auszuzahlen, wäre es daher, mit dem eingenommenen Geld Maßnahmen zu finanzieren, die CO2-Emissionen verringern oder den zukünftigen Generationen helfen, trotz Dürren, Orkanen und Wolkenbrüchen ein lebenswertes Leben zu führen. Diese Milliarden gehören den verantwortungslosen CO2-Emittenten aufgelastet. – Andreas Matt

 

Als langjähriger Abonnent der Zeit schätze ich die gut recherchierten Beiträge, die sich insbesondere bei Energiethemen oft durch das fachliche Niveau sehr positiv von anderen Publikationen abheben. Darauf hoffte ich auch beim Beitrag „Die Klimasteuer“ in der Ausgabe vom 6.Juni zum Thema CO2-Bepreisung. Dass ein externes Forschungsinstitut mit der Bewertung der wirtschaftlichen und sozialen Aspekte beauftragt wird, ist auch grundsätzlich positiv zu bewerten. mAls ich aber las, dass ausgerechnet das RWI in Essen von der Zeit beauftragt wurde, wurde ich hellhörig, galt dieses doch schon zu Zeiten als ich vor 30 Jahren an der TU München Elektrotechnik studierte als eng mit der Kohlewirtschaft und den großen Energiekonzernen, vornehmlich RWE verbunden. Insbesondere ist Herr Frondel als Kompetenzbereichsleiter „Umwelt und Ressourcen“ am RWI Mitautor der Studie. Wie sich leicht recherchieren lässt, ist er vielfach als entschiedener Geger des Kohleausstiegs (z.B. Publikation in der FAZ online „Der Kohlekompromiss, ein Irrweg“ vom 1.3.2019) sowie zugunsten der Interessen großer Energiekonzerne in Erscheinung getreten. Ob das die richtige Adresse für eine „neutrale“ Begutachtung ist? Vielleicht wäre bei der Recherche zum Artikel auch mal der Eintrag zu RWI bei LobbyControl einen Blick wert gewesen. Herr Frondel vertritt in vielen Publikationen die Auffassung, anstelle einer CO2-Bepreisung solle der Emissionshandel gestärkt werden, das ist nicht verwunderlich, käme das doch mit RWE einem wichtigen Auftraggeber seines Institutes zugute. Dass er solche Standpunkte vertritt, ist sein gutes Recht, aber warum die Zeit die Berechnung der Verteilungswirkung einem Institut mit derart ausgeprägtem Meinungsbias überträgt, ist mir unverständlich.

Es ist bemerkenswert, wie mit durchaus korrekten Zahlen ein völlig schiefes Bild erzeugt werden kann, was die Verteilungswirkung einer CO2-Abgabe betrifft. Es beginnt schon bei den Annahmen für die Ausgestaltung der Abgabe, die systematisch so gewählt sind, dass eine eher ungünstige Verteilungswirkung herauskommen muss. So wird davon ausgegangen, dass  Kerosin im besonders klimaschädlichen Luftverkehr nicht mit einbeozogen wird (im Gegensatz zu den meisten Modellen). Auch wird davon ausgegangen, dass z.B. Fernwärme generell befreit wird, was zur beklagten Stadt-Land-Schieflage führt. Dann wird auf die Gefühlsdrüse gedrückt. Man liest, dass der arme Herr Huth, nur weil er auf dem Land wohnt, sich seine Heizung nicht mehr leisten kann und deswegen mit 69 Jahren wieder zu arbeiten anfangen müsste. Das finden verständlicherweise auch andere Befragte ungerecht. Erst auf der Folgeseite wird dann ganz unten offenbar, warum das so ist. Herr Huth bewohnt als Einzelperson ein altes Haus mit 140 Quadratmetern. Das ist eine Fläche, die gut und gerne für eine vierköpfige Familie reicht. Und dann heißt es immer, Wohnungen sind knapp. Eventuell sollte sich Herr Huth einfach eine etwas angemessenere Wohnungsgröße wählen, wenn das Geld nicht reicht, das müssen andere auch. Ganz nebenbei würde hierdurch Platz für eine Familie mit Kindern frei (idealerweise nach einer energetischen Sanierung). Ich lebe selbst auf dem Land und kenne die Problematik schlechter öffentlicher Verkehrsmittel und des Angewiesenseins aufs Auto aus eigener Anschauung. Andererseits sind dafür die Mieten deutlich günstiger als in den Ballungszentren, wodurch sich dieser Nachteil auch in Hinblick auf eine CO2-Abgabe relativiert. Es gibt sicher Einzelfälle, in denen sich die Verteilungswirkung ungünstig  darstellt, das angeführte Beispiel taugt hierfür leider nicht.

Dass die Autorinnen die Ausführungen des RWI unkritisch übernehmen muß ich mit Erschrecken feststellen. Dies ist umso bedauerlicher, als beide schon gut recherchierte Artikel in der Zeit publiziert haben. Es ist wohl der Tatsache geschuldet, dass beide im Thema recht neu sind und zu Energie und Klimaschutz noch kaum Beiträge geliefert haben, daher auch wenig Erfahrung im Hinterfragen der zahlreichen Lobby-Publikationen in diesem Bereich haben. Die Zusammenhänge im Bereich Energie und Wirtschaft sind durchaus komplex und lassen sich nicht in der Vorbereitungszeit für einen einzelnen Artikel erarbeiten. Externe Expertise hilft nur begrenzt, denn mit der Gestaltung der Annahmen lassen sich in Studien wie man sieht fast beliebige Ergebnisse produzieren. Umso wichtiger wäre es, hier für die Zukunft in der Zeit wieder fachliche Kompetenz aufzubauen, wie es früher in den detaillierten Analysen und der differenzierten Berichterstattung eines Fritz Vorholz zu diesem Themenfeld üblich war. – Hermann Ramsauer

 

Selbst bei 180 Euro je Tonne sind die beispielhaft genannten Personen  offensichtlich nicht willens, ihr Verhalten zu ändern. Die benannten  Wissenschaftler ziehen eine Verhaltensänderung der Allgemeinheit auch  nicht in Betracht.  Die „Reichen“ werden auf Vermögenszuwachs verzichten, viele „Arme“  werden die Nettorückzahlung in eine Flugreise oder ein höherwertiges  Auto stecken. Eine CO2-Steuer, die an die Bürger zurückgezahlt wird,  wird sich eben nicht auf das Klima auswirken. Würden die Einnahmen  dagegen z. B. den Schienenverkehr subventionieren, könnte manch einer  dazu übergehen, mit der Bahn zu fahren. Dabei spart er nicht nur die  CO2-Steuer, sondern auch die weit höheren Kraftstoffkosten. – Thomas Schneider

 

Erfreulicherweise setzt sich die ZEIT in dem Artikel von Frau Heckendorf und Frau Nienhaus mit dem Klimawandel auseinander (… ich hoffe auf eine nicht nachlassende Serie). Mir fällt dabei allerdings wieder auf, dass reflexhaft darüber berichtet wird, was nicht gut oder gar nicht geht! Das kennen wir nun zur Genüge, können wir uns aber nicht mehr erlauben, da wir nun keine Zeit mehr für großartige Diskussionen haben. Zum konkreten Fall: dort wird beklagt, dass eine CO2-Steuer –bei anschließender pro-Kopf-Verteilung – trotzdem zu Ungerechtigkeiten führen kann, wenn zB Alleinstehende mit Öl heizen. Die Ungerechtigkeit steht mal wieder im Vordergrund, nicht die Lösung des konkreten Problems: warum kommen die Autorinnen beispielsweise nicht darauf, dass die Steuereinnahmen vor der pro-Kopf-Verteilung zunächst für ökologisch-technischen Strukturwandel eingesetzt werden könnten, zB für eine Investitionszulage für den sinnvollen Ersatz einer alten Ölheizung? Auch in der journalistischen Aufarbeitung des Generalthemas Klimawandel ist ein generelles Umdenken erforderlich! –     Dietrich Junker

 

Vielen Dank für die gute Aufbereitung über die CO2-Steuer. Allerdings hat die Diskussion wieder einmal nur den einseitigen Blick auf die, die sich am wenigstens wehren: die privaten Haushalte. Andere CO2-Verursacher werden dagegen großzügig verschwiegen. Laut Bundesumweltministerium (‚Klimaschutz in Zahlen 2018‘) gehört die Energiewirtschaft mit 36,2% zu den größten Verursachern, gefolgt von der Industrie mit 21,3% und dem Verkehr mit 18,9%. Erst danach folgen mit 10,1% die privaten Haushalte, die wieder einmal die Zeche zahlen sollen.

Aber man hört ja schon wieder die Industrie („eine CO2-Steuer kostet Arbeitsplätze“) und die Energiewirtschaft („wir haben schließlich schon die Energiewende stemmen müssen“) und dem Transportgewerbe („weitere Kostenbelastungen gehen im Wettbewerb nicht“). Da ist es natürlich leichter, dem Bürger in die Tasche greifen zu können, denn (siehe oben): er wird sich schon nicht wehren. Dabei wäre eine solidarische Lastenteilung leichter zu vermitteln und für alle Beteiligten damit leichter verkraftbar. – Christian Felgendreher

 

Sehr guter Gedanke, die Pläne mal anhand einiger konkreter Personen und Familien durchzurechnen! Hier erkennt man  dann deutlich, wie der an sich sehr plausible Ansatz in der Praxis in die Hose gehen kann: weil in nicht unerheblichen Maße die  Falschen getroffen werden, und auch manche Anreize zur CO2-Einsparung fortfallen würden. Möglicherweise ist ja genau das in Frankreich passiert und Macron auf die Füße gefallen. Das spricht aber nicht gegen den Ansatz  an sich, sondern dafür, daß man die Folgen für die verschiedenen Segmente der Bevölkerung sehr genau durchrechnen und an  der Art und Weise von Besteuerung und Erstattung so lange herummodellieren muß, bis tatsächlich die gewünschten Effekte  herauskommen; erst dann darf man ein Gesetz daraus machen. (In diesem Zusammenhang fand ich auch bezeichnend, was Sie unter dem Titel „Wirr, ungerecht und leistungsfeindlich“ am  20. Februar berichtet hatten: verschiedene Zuschüsse, Sozialleistungen usw. greifen mitunter offenbar derartig unsinnig ineinander, daß völlig unerwünschte Effekte heraus kommen – und die Politiker wußten davon gar nichts !) Die Fülle von Daten, die über Finanzämter, Rentenanstalten, Energieversorgungsunternehmen usw. vorhanden ist, müßte heutzutage ein solches recht zielgenaues Modellieren erlauben. Den Flugverkehr von der Besteuerung auszunehmen halte ich für einen schweren Fehler – nicht nur, weil er CO2-mäßig erheblich  ins Gewicht fällt, sondern weil es sonst garantiert wieder heißen wird: die Eliten predigen uns Wasser, trinken selber aber Wein. Daß es über eine Kerosinbesteuerung wohl nicht gehen wird, weil dann zum Betanken ins Ausland ausgewichen wird, ist klar. Eine  europäische Einigung in dieser Frage abzuwarten würde aber viel zu lange dauern (bei den Bremsern, die da derzeit alle zugange sind!)  Stattdessen muß man die Tickets aller in Deutschland startenden Flüge besteuern – daß die Passagiere daraufhin in größerem Umfang  von Köln nach Amsterdam, von Frankfurt nach Brüssel, von Berlin nach Warschau oder Prag ausweichen würden, das glaube ich kaum.      – Dr. med. Christian Rudolph

 

Vielen Dank für den interessanten Artikel über Gewinner und Verlierer der CO2 Steuer. Herr Huth wird in ihrem Artikel als sozialer Verlierer der CO2 Steuer ohne Ausweg dargestellt. Tatsache ist, dass sein Lebensstil (in den er über die Jahre hineingewachsen ist) mehr CO2 pro Kopf freisetzt, als ökologisch wünschenswert wäre. Obwohl ich Mitleid mit Herrn Huth und seiner Situation empfinde, wiegt mein Mitleid für die künftigen Gerenrationen stärker. Im Vergleich zu künftigen Generationen, aber auch im Vergleich zu z.B. alleinstehenden, geringverdienenden Elternteilen, hat Herr Huth in meinen Augen viele Optionen:

Er könnte sich bei Autofahrten mit anderen Menschen aus dem Dorf zusammen tun. Arzttermine könnten auf dieselben Tage gelegt werden und auch Einkäufe ließen sich gemeinsam erledigen. Er könnte sich einen Mieter mit ins Haus holen oder noch besser eine WG mit Gleichgesinnten gründen. Alternativ könnte er das Haus verkaufen oder vermieten und mit diesem Geld eine kleine Wohnung in einem Mehrfamilienhaus beziehen. Er könnte aber auch bei einem alten Freund mit ähnlichen Sorgen einziehen. Würde er das Haus an eine junge Familie verkaufen, so könnte diese es modernisieren und es wäre sogar Wohnraum geschaffen? Oder eher gerechter verteilt? Mit viel Fantasie könnte Herr Huth auch seine Ernährung auf eine vegetarische Ernährung umstellen, keine süßen Sachen mehr einkaufen und damit Geld sparen sowie das Klima schützen.

Sicherlich finden sich für all diese Optionen Gegenargumente. Aber rechtfertigen diese Gegenargumente es, unseren Kindern, Enkeln und Urenkeln eine zerstörte Welt zu hinterlassen? Vielleicht könnte es Herrn Huth helfen, sich in die Zeit seiner Jugend zu versetzen. Hatte er im Alter von 20 Jahren 140qm Wohnraum zur Verfügung? Hätte er sich damals finanziell 145 km Autofahrt pro Woche leisten können? Wahrscheinlich nicht, aber glücklich war er vielleicht trotzdem. Vielleicht hat Herr Huth objektiv betrachtet heute mehr Optionen als damals. Wenn jedes Familienmitglied meiner Familie 140qm Wohnfläche zum Leben hätte, dann würden wir auf 560 qm wohnen. Ich würde mich in diesem Fall nicht über eine CO2 Steuer von 60 € pro Monat ärgern, sondern eher in eine kleinere Wohnung umziehen und diese CO2 Steuer damit umgehen. – Katharina Reiche

 

Die von den Grünen propagierte CO 2 – Steuer ist eine aberwitzige Scheinlösung, weil die zur „globalen“ Klimarettung generierten Einnahmen in vollem Umfang wieder an die Bürger  zum anderweitigen (klimaschädlichen) Konsum zurück fließen sollen. So lässt sich eine nachhaltige klimafreundliche Verhaltensänderung wohl kaum bewirken. Dies ist erfahrungsgemäß nur möglich, wenn es den Menschen richtig spürbar an den Geldbeutel geht. Deshalb wäre eine Klimasteuer, die diesen Namen verdient nur sinnvoll, wenn sie in wirksamer Höhe erhoben wird und insoweit auch gerechtfertigt, wenn das Aufkommen in vollem Umfang für investive Klimaschutzmaßnahmen verwendet würde. Für solche konsequenten Forderungen fehlt den Grünen aber offensichtlich wohl aus Furcht vor einer Wählerflucht der Mut. – Dieter Kempf

 

In dem Rechenmodell der Klimasteuer wird davon ausgegangen, dass die Einnahmen hieraus den Menschen pauschal pro Kopf zurückgegeben werden. Zur Vermeidung sozialer Unausgewogenheit und weiterer Verbesserung der Klimabilanz könnte eine andere Verteilung der Einnahmen beitragen:
Ein Drittel wird in den ÖPNV gesteckt, ein weiteres für Investitionszuschüsse verwandt und das letzte Drittel an die Bürger zurückgehen. Der 69-jährige Rentner mit schmaler Rente und großem schlecht gedämmtem Haus mit Ölheizung hätte dann folgende Möglichkeiten:
– Wenn er nicht gerade Getränke und Kartoffeln kauft, fährt er kostengünstig mit dem besser ausgebauten/billigeren ÖPNV.
– Durch die verbesserte Finanzierung kann er zunächst eine klimaneutrale Heizung einbauen.
– oder er zieht aus dem viel zu großen Haus aus, damit eine Jungfamilie die Komplettsanierung durchführen kann.
Ist das Bevormundung?  Nennen wir es Lenkung;  so können wir auf dem Weg zur Erreichung der Klimaziele vorankommen. –  Dr. Torsten Walther

 

Im Artikel  wird beklagt, dass die „Umverteilung, die, anders als versprochen, nicht zugunsten der Armen wirkt“. Es wird Bezug genommen auf Herrn Huth, der bei niedriger CO2-Steuer jährlich 166,- und bei hoher Steuer knapp 1500 € mehr Steuern im Jahr zahlen müsste. Aber wofür eigentlich? Für sein 140-qm-Haus, genauer: für dessen Heizung. Wahrscheinlich bin ich ein Extremasket, wenn ich 140 qm für eine Person luxoriös finde und behaupte, dass man mit einer Person auch gut auf weit weniger als der Hälfte leben kann. – Philipp Tiegl

 

Wann endlich hört die ZEIT damit auf, das Märchen von den Autos mit  Benzin- oder Dieselmotor und von den Gas- und Ölheizungen zu erzählen,  die klimaschädlich CO2 in die Luft blasen? Nur dann, wenn der verbrannte  Kohlenstoff aus fossilen Lagerstätten stammt, erhöht er den CO2-Gehalt  in der Atmosphäre. Kraft- und  Brennstoffe, die mittels regenerativer  Energie synthetisiert werden und den nötigen Kohlenstoff aus dem in der  Atmosphäre vorhandenen CO2 gewinnen, verbrennen CO2-neutral! Das bei der  Verbrennung entstehende CO2 wurde ja vorher der Atmosphäre entzogen: ein  nachhaltiger CO2-Kreislauf! Die Technologie ist verfügbar. Sie muss nur  genutzt werden. Dass die Produktion synthetischer Kraftstoffe mit ca. 2  Euro pro Liter teurer ist als die Ausbeutung fossiler Lagerstätten ist  naheliegend, hat die Natur doch den Job des Synthetisierens schon vor  Jahrmillionen für uns erledigt. Eine CO2-Steuer darf daher nur für CO2  aus fossilem Kohlenstoff erhoben werden (Erdöl, Erdgas, Kohle). Sie kann  zum Beispiel dafür genutzt werden, den Kostennachteil der nachhaltigen,  CO2-neutralen, synthetischen Kraftstoffe so zu kompensieren, dass sie  sich am Markt durchsetzen können. Ganz nebenbei lassen sich so auch die  Umweltschäden verringern, die beim Schürfen der Unmengen an Rohstoffen  entstehen, die für einen weltweit flächendeckenden Einsatz der  Elektromobilität benötigt werden.

So weit meine Stellungnahme. Aus Platzgründen bin ich nicht darauf  eingegangen, dass Bio-Kraft- und -Brennstoffe zwar auch CO2-neutral  verbrennen, dass sie aber gegenüber synthetischen Kraft- und  Brennstoffen mindestens zwei gravierende Nachteile aufweisen:
1) die natürlichen Verunreinigungen führen bei der Verbrennung zu schädlichen Emissionen, wie zum Beispiel zur Bildung von Ruß und Feinstaub;
2) der Anbau der entsprechenden Pflanzen verbraucht sehr viel Wasser und Ackerfläche, beides eigentlich nötig zur Nahrungsmittelproduktion. – Dr.-Ing. Franz Ulrich Häusler


 

Leserbriefe zu „Lieber ein Ende mit Schrecken…“ von Giovanni di Lorenzo

Mir fallen zu dem Inhalt ihres Artikels durchaus einige gegenteilige Argumente ein. Die vorgesehene Dauer der Wahlperiode, die unmittelbar bevorstehenden Entscheidungen in Berlin wie in der EU und der eingeräumte Sachverhalt, der bereits auf den Weg gebrachten wie positiv zu bewertenden Gesetze durch die Regierungskoalition. Was mich, der keiner Partei angehört, derzeit allerdings stört, das ist der vielfache Ruf einer ganzen Journalistenriege zum unverzüglichen Ende der Koalition. Garniert mit dem Hinweis, „dass dies so schrecklich nicht sein wird!“ Gerade in diesem Punkt wäre ich mir nicht so sicher. In dieser medial aufgeladenen Situation in der wir berufliche Berichtertatter in den übrigens immer niveauloser werdenden TV-Talkshows als „Scharfrichter“ erleben, scheint mir der Wunsch weitere „bad news“ produziert sehen zu wollen fast zwanghafte Züge anzunehmen.

Richtig ist, dass die beiden (fast schon ehemaligen Volksparteien SPD und CDU) aktuell Probleme mit ihren (früheren) Wählern erfahren. Leider ist aber gerade auch der Souverän nicht in Bestform. Hierzu haben aber alle politisch relevanten Gruppen ihren Beitrag geleistet. Das allseits bekannte Beispiel, dass die Normalität für so Vieles in der Gesellschaft in den Medien kaum noch vorkommt ist ebenfalls ein beklagenswerter Zustand. Ich würde auch keine Wetten darauf abschließen wollen, dass der Souverän bei einer jetzt kurzfristig anstehenden Bundestagswahl im Ergebnis zu einer Lösung beiträgt. Wenn 900.000 wohl meist jüngere Wähler bei der Europawahl „Die Partei“ gewählt haben, dann hat das nichts mit politischer Grundüberzeugung zu tun. Das liegt irgendwo zwischen Kommödiantenstadl und politischer Dummheit, zumindest aber fehlender Ernsthaftigkeit. Da hat politische Bildung in Schule wie Elternhaus offenkundig ebenfalls gelitten. Zustimmen kann ich, dass die Wahlkämpfe des letzten Jahrzehnts diesen Namen meist nicht verdient hatten. Daraus aber abzuleiten, dass immer nur einem auf dem Spielfeld die „Arschlochkarte“ zugewiesen wird, das wäre mir zu billig. – Karl-Heinz Kohls

 

Die Analyse von Giovanni di Lorenzo führt in die richtige Richtung. Denn wenn CDU, CSU und SPD nicht so enden wollen wie beispielsweise ihre Schwesterparteien in Ländern wie Frankreich oder Italien, dann kommt es nicht nur auf einen geordneten Ausstieg aus der großen Koalition, sondern ebenfalls eine andere politische Kultur an, bei der insbesondere die großen Zukunftsaufgaben nicht mehr wie ein lästiger Ballast auf die lange Bank geschoben werden. Deshalb hilft hier nur ein echter Paradigmenwechsel aus der Misere, wobei vor allem die Sozialdemokraten sehr gut daran tun, sich wieder an die alte Erfolgsformel von Willy Brandt zu erinnern, nach der man gerade mit gesellschaftlichen Visionen das Vertrauen der jungen Generation gewinnt! – Rasmus Ph. Helt

 

Nur pure Regierungs-Funktionalität als solche kann es in einer Demokratie aber auch nicht sein. Chef-Redakteur Giovanni di Lorenzo hat einen brillianten Leitartikel dazu geschrieben. Man muß dem Volk mehr Gelegenheit geben, seine Stimme – direkt – zu erheben. Die Tatsache, daß die °Grünen° inzwischen den früheren Volksparteien vollkommen davon gerannt sind, spricht Bände, ganz allein für sich. Lebendige Demokratie in Deutschland muß neu durchdacht und dann jedoch auch praktiziert werden. Der deutsche Staat darf sich nicht nur als ein Wirtschaft-Apparat verstehen . Das ist möglicherweise der eigentliche Konstruktionsfehler der Bundesrepublik Deutschland, nach 70 Jahren Grundgesetz ! – Sigurd Schmidt

 

Seit meinen Kindertage bin ich Stotterer. Durch langwieriges Training habe ich damit Leben gelernt. In ihrem Leitartikel setzen Sie das Stottern der „Unfähigkeit die richtigen Worte zu finden“ gleich . Da ich sie sehr schätze, nehme ich dann, dass dies ohne Absicht geschehen ist und Sie wissen, dass Stotterer oft ein Leben lang (oft stumm) leiden. – René Koch

 

Die Grünen haben nicht nur in Onlineforen sondern auch in den Printmedien den Status der politischen Dominanz erreicht. Sie sind darüber hinaus schon lange im Zentrum der politischen Macht angekommen, tragen beispielsweise politische Verantwortung im Autoland Baden-Württemberg, in der Großstadt Stuttgart, im lndustrieland Hessen, ohne dass ein deutlicher ökologischer Fußabdruck zu erkennen ist. Die Etablierung einer schwarz-grünen oder grün-schwarzen Koalition auf Bundesebene ist dringend notwendig. Die Dispute über Stickoxidgrenzwerte und Dieselfahrverbote, Stromtrassenführung, Uploadfilter, Migrationspolitik, politische Korrektheit und Verschleierungsverbote müssen zwischen CDU/CSU und Grüne regierungsintern ausgetragen und gelöst werden.

Für die deutsche Sozialdemokratie ist die inhaltliche und personelle Erneuerung in der Opposition die letzte Chance um das Verschwinden in der Bedeutungslosigkeit zu verhindern. Zentrale politische Forderungen müssen dabei überarbeitet und eindeutig formuliert werden, mit dem Ziel der Versöhnung von sozialer Gerechtigkeit und Ökologie. Notwendige Inhalte sind die Umgestaltung des kapitalistischen Wirtschaftssystems, eine deutliche Ausweitung der Reichensteuer, eine steuerliche Mehrbelastung großer Erbschaftsvolumina, die Intensivierung des sozialen Wohnungsbaus, eine generationengerechte Rentenpolitik, eine klimanützliche und sozialverträgliche CO2-Besteuerung bei gleichzeitigem Abbau des Erneuerbare-Energien-Gesetz, das die Bezieher unterer und mittlerer Einkommen überproportional belastet und schließlich ein europa- und weltweites Engagement für Frieden und Menschenrechte verbunden mit einer Abkehr von der Putin-affinen Politik des Ex-Kanzlers Schröder. – Dr. Reinhard Schaupp

 

Wenn man noch nicht depressiv ist, so wird man es. Es ist wirklich nicht mit anzusehen, wie die einstig, stolze Volkspartei SPD, wie die Piraten untergehen. Mit kläglichen 12% befinden sie sich nun hinter der AFD, die über 13 % verfügt. Herbert Frahm alias Willi Brandt würde sich wild im Grabe rumdrehen. Ich war zwar nicht persönlich im Willi-Brandt- Haus dabei (zum Glück) doch ich glaube nicht, dass Mobbing der Grund für Nahles Rücktritt war. Ich vermute mehr, dass die pure Verzweiflung mit Blick auf die Realität Andrea Nahles ins Gewissen gesprochen haben, wer es letztendlich war ist unbekannt. Tatsache ist, dass es richtig war, so meine Meinung. Ich finde Frau Nahles hat zwar als erste Frau in dieser Position schon einiges bewegt, trotzdem fiel sie mit niveaulosem Verhalten schon mehrmals negativ auf Bsp.“ Die CDU kriegt was in die Fresse, den Mindestlohnisingsang von Fasching, mit Fremdschäm- Garantie sowie den Pippi Langstrumpf Song“, bei Extra 3 vielleicht ganz witzig, doch im Bundestag verfehlt.

Olaf Scholz sehe ich in seiner Position richtig am Platz, damit meine ich nicht den Kanzlerkandidaten, sondern den Finanzminister. Er verteidigt mit großem Engagement die schwarze 0, ganz nach seinem Vorgänger Schäuble. Als Kanzlerkandidat fehlt dem Hanseaten die Emotionalität und das Charisma. Helmut Schmitt war zwar auch ein knurriger Kauz, er kam sehr authentisch rüber und verfügte trotz oder vielleicht auch wegen dieser Individualität über ein hohes Maß an Charisma, was im WBH in der heutigen Zeit entschieden fehlt. Das hoffentlich rettende Trio Dreyer, Schwesig und Gümpel gefällt mir ganz gut, doch will es keiner von Ihnen auf Dauer machen. Wer kommt dann in Frage? Und wo ist Kevin? Er hätte jetzt eine Chance, allerdings nicht mit Enteignung, zu viel Karl Marx verträgt die SPD nicht mehr!

Was meinte Olaf Scholz mit der Aussage „Die SPD könne den Kanzler stellen“ genau?! Gerade ist mir die Aussage von Helmut Schmitt in den Kopf gekommen „Wer Visionen hat, gehört in die Anstalt“. Ob es bei Herrn Scholz ein Anflug von Vision, ein Scherzversuch oder aber eine Nebenwirkung war, bleibt höchstwahrscheinlich offen. Ich möchte noch nicht trauern, doch ehrlichgesagt fällt mir das Kämpfen unter diesen Bedingungen gerade auch schwer, vielleicht hilft beten oder die Lage schön trinken, was gewiss die schlechteste Bewältigungsstrategie aus der Krise wäre. Es gibt schon genug Wahrnehmungsstörungen in dieser Welt, der Trumpismus darf getrost in Washington weiterspinnen, eine solche Störung brauchen wir in unserer Bundespolitik nicht. Insofern eine Krise ist eine Chance, allerdings nur mit den richtigen Strategien. Die Scheidung der GroKo könnte Beginn oder aber der Todesstoß sein, man weiß es nicht. Die SPD befindet sich noch zu sehr in der Starre, neurobiologisch geschrieben tritt das Archaische Notfallprogramm (Starre oder Flucht) immer dann ein, wenn über keine Handlungsstrategien verfügt werden kann. In diesem Sinne hoffe ich auf die Auferstehung und den Kampfgeist, raus aus dem Notfallprogramm und der Depression.       –                                                                                                                              Kirsten Pickard

 

NEIN! Kein Ende der Groko. „Etwas  Besseres als den Tod findest du überall“ (meinten die Bremer  Stadtmusikanten). Wollen Sie wirklich das Risiko einer rot-rot-grünen  Bundesregierung riskieren? Die Stimmung ist emotional stark aufgeladen.  Das ist keine gute Situation für Neuwahlen. Die Groko soll ihren  Koalitionsvertrag abarbeiten, dazu ist sie legitimiert. Und  wahrscheinlich werden die Parteimanager auch die durch Neuwahlen stark  gefährdeten Mandate ihrer Klientel im Blick haben und eher zu  Kompromissen bereit sein. Also geben wir der Groko noch 1 Jahr  Galgenfrist. Wenn sich bis dahin nichts tut,  nun denn…………. – Heinz-Dieter Busch

 

Doch! Die große Koalition ist so schlecht wie ihr Ansehen.  Diese Regierung hat kein Mitleid verdient.  Die auch von Ihnen, Herr de Lorenzo, vielbeschworene „Stabilität “ besteht im jahrelangen stabilen Blockieren aller fortschrittlichen ökologischen und ökonomischen Ansätze auf nationaler und europäischer Ebene.  Mit einer Reihe rückwärts gewandter Verkehrs- und Landwirtschafts-Minister, mit einem Innenminister, dessen Hauptaufgabe in der Demontage der Koalitionspartner zu bestehen scheint und der windmühlenartig gegen die letzten paar Flüchtlinge kämpft, die es noch über die Grenze schaffen, mit einer Bildungsministerin, die öffentlich mit der eigenen Inkompetenz  kokettieren darf, mit fleißigen, aber machtlosen Umweltministerinnen ist im wahrsten Sinne des Wortes kein Staat zu machen.  Sollten Sie immer noch Angst vor grünen Mehrheiten haben, dann schauen Sie doch mal bei uns in Baden-Württemberg vorbei, wo das Abendland wider Erwarten noch immer nicht untergegangen ist.  – Betty Langhoff

 

Dass die bisher als seriös und politisch ausgewogen geltende ZEIT in Person ihres Chef -redakteurs auf Seite Eins in den kollektiven , nahezu hysterisch anmutenden Abgesang der Medien auf die Große Koalition – und damit auch auf Kanzlerin Merkel – einstimmt, ist m.E. politisch kurzsichtig und publizistisch unwürdig.  Die sicherlich real existierende Negativ-Stimmung in der Bevölkerung  ist psychologisch nur vergleichbar mit der Endzeit von Kanzler Kohl Ende der `90 er, und Konrad Adenauer 1963, nur war damals noch kein You-Tuber namens Rezo unterwegs, der mehr Wirkung  hat als seinerzeit der Spiegel.                                 „Man muss allerdings sagen, dass die Große Koalition bei Weitem nicht so schlecht ist wie ihr Ansehen“. Muss auch der Autor zugeben, mit einem Rest an Rationalität. So what ?

Was wäre denn die  Alternative ? Ein Jamaika-Bündnis wird auch im zweiten Anlauf  nicht reüssieren. Schwarz-Grün oder besser : Grün-Schwarz nach Neuwahlen wird sich kaum  zu- sammenraufen, solange die CDU-Vorsitzende AKK zusammen mit einigen wirtschaftshörigen Abgeordneten sich beharrlich gegen die Priorisierung des Klimaschutzes stemmt. Zumal per-sonell und mental die CDU in eine unabsehbare Bewusstseinskrise gestürzt würde, müsste sie in einer Koalition das Kanzleramt abgeben – auch ein Novum in dieser Republik. Vielleicht täte der Republik die österreichische Lösung gut :  Interimsregnum von parteilosen Experten. Dann könnte die emotional aufgeheizte Stimmung sich abkühlen, auch die der Journalisten. – Prof.Dr.med.Ulrich Krause

 

Ich bin ob der Diskussionen um die Wahlergebnisse, das Rezo-Video und um einen möglichen Kurswechsel der SPD in der Flüchtlingspolitik einfach nur noch fassungslos. In spätestens zehn Jahren wird jeder Kurswechsel für dieses Schiff namens Erde zu spät und die Havarie nicht mehr vermeidbar sein. Anstatt diesen Kurswechsel aber so konsequent wie möglich voranzutreiben, diskutieren die Kapitäne, ob die Passagiere der 3. Klasse Zugang zum 1.-Klasse-Deck erhalten sollten. – Nina Olschowka

 

Sie plädieren für einen politischen Neuanfang, und ich stimme Ihnen als Integrationsteil politischer Souveränität voll zu. Wenn Wissen Macht wäre und  Unkenntnis die Ursache für den Erfolg vereitelte (nach Francis Bacon “ Essayes”), dann bräuchten viele machtpolitischen Analphabeten Nach-Hilfe in Sachen Kommunikation und demokratische Handeln, damit sie das Grundgesetz lernten mehr zu achten. – Uwe Rakow

 

Der Schrecken ohne Ende, der wird uns sicherlich noch eine zeitlang quälend begleiten, ob wir das wollen oder nicht. Anscheinend befindet sich die GroKo weiterhin auf der Suche, nach ihrem nie vereinbarten Konzept! – Klaus P. Jaworek

 

Vor fast genau 50 Jahren hat der damalige, erste sozialdemokratische Bundeskanzler Willy Brandt dazu aufgerufen, mehr Demokratie zu wagen. Diesem Ansinnen zugrunde lag das gesellschaftliche Begehren insbesondere der jungen Generation, erstarrte politische Strukturen zu verändern. Spätestens die erfreulicherweise demokratisch hoch frequentierte EU-Wahl, zumal in Deutschland, hat deutlich gemacht, dass nun wiederum mehr politische Mitbestimmung eingefordert wird. Und zwar auf „allen Kanälen“, wie die sogenannten etablierten Parteien bereits im Vorfeld der Wahl schmerzlich feststellen mussten. Die strukturelle Revitalisierung des demokratischen Habitus, zuvorderst im Bereich der kommunikativen Wahrnehmung, kann freilich nur gelingen, wenn die Parteien – zum Teil endlich – glaubhafte Lösungsangebote für die Zukunft machen. Denn bei aller populistischen Manipulation und Viralität basiert die politische Gestaltungskraft nach wie vor auf der Glaubwürdigkeit und dem Vertrauen zwischen Volk und Volksvertretung. Diese Erkenntnis ist nicht wirklich neu; aber es wird zunehmend Zeit, sich in Wirklichkeit wieder darauf zu besinnen. Das gilt ganz besonders für die (noch) der GroKo angehörigen Fraktionen, deren politischer Aggregatszustand bislang überwiegend die Krise war. – Matthias Bartsch

 

Mit den Händen zu greifen sei, dass die Wähler die GroKo satthaben, schreiben Sie. Und, dass Angela Merkel keinen Plan habe, wie sie die Wahlperiode (mit dieser Koalition) zu Ende bringen kann. Da schließt mir plötzlich die Erinnerung an den Atomausstieg ins Bewusstsein! Und ich frage mich, was wäre, wenn sich Merkel (AKK wohl eher nicht) des grünen Kernthema Braunkohleabbau annähme und den Ausstieg bis z.B. 2025 verwirklichen würde? Wenn die sozialen Folgen abgefedert würden mit einem experimentellen Grundeinkommen für die Betroffenen, jeweils für Mann, Frau UND Kinder? Wenn sie die Union (und die SPD) dazu brächte, durch entsprechendes Regierungshandeln z zeigen, dass sie in der Tat „verstanden haben“! Zwar würden damit viele in Union und SPD über zahlreiche Schatten springen müssen (wie auch schon beim Atomausstieg), Widerstand könnte politisch eigentlich nur von der AfD zu erwarten sein. Und wenn es dann gelingen könnte, den Menschen in den Braunkohlerevieren neue Perspektiven zu eröffnen, besonders für Menschen mit handwerklicher oder industrieller Ausbildung, dürfte die AfD immer weniger Unterstützer finden. – Michael Koehn

 

Auch wenn Chefredakteur di Lorenzo titelt: „Lieber ein Ende mit Schrecken …“ würde eine Realisierung dieses Wunsches noch zu keiner Lösung der verfahrenen Situation der Regierungskoalitionäre führen. Letztere, ausgelöst durch die jüngsten Wahlergebnisse, spiegelt die entwicklungsbedingten, irreversiblen Veränderungen der Gesellschaft wider. Mit einem sofortigen Abtreten der Bundesregierung wäre der nächste „Betriebsunfall“ vorprogrammiert. Die mühselig zustande gebrachte Koalition aus CDU und SPD sollte besser bis zum Ende der Legislaturperiode regieren und die schon eingeleiteten Gesetzesvorhaben ohne Hektik zu Ende führen. Sie liegen auf der Linie dessen, was ohnehin vonnöten ist. Parallel dazu können die beiden ins Prekäre geratenen Parteien in Ruhe ihre Konzepte zu Bestlösungen für die nationalen Probleme – einige sind im Beitrag vom Chefredakteur genannt – entwickeln, aber stets unter Berücksichtigung des globalen Aspekts und der Stärkung der EU. Das wäre Anspruch genug und auch Gelegenheit zur Herausbildung neuer charismatischer Persönlichkeiten für unsere Zeitepoche. Die Grünen, Linken und AfD werden indessen ein Gleiches tun. Schließlich wird dann anno 2021 der Souverän, das Wahlvolk, entscheiden, welche Konzepte umgesetzt werden sollen, ob die etablierten Parteien zukunftsfähig sind oder nicht. Das Ergebnis muß dann aber so wie es ist konsequent akzeptiert werden. – Hans Anhoeck

 

Lieber kein Ende mit Schrecken als ein geordneter Übergang!
Die „Groko“ hat sich einen Termin für eine Zwischenbilanz ihrer Arbeit gesetzt. Diese Selbsteinschätzung der Koalitionäre sollte man abwarten, ohne vorher das Ende der Regierung zu propagieren! Noch haben wir eine Regierung, deren Minister vernünftig arbeiten. Das Bild in der Öffentlichkeit ist leider nicht von deren Arbeit, sondern von Misserfolgen und Streitereien geprägt. Noch haben wir eine Bundeskanzlerin, deren Stimme in Zeiten der Unsicherheit im Ausland zählt. So schnell werden wir das wohl nicht wieder bekommen, denkt man die Schwierigkeiten und Dauer der Regierungsbildung nach der Letzten Bundestagswahl. Neuwahlen zum alsbaldigen Zeitpunkt würden nur Frust und neue Unsicherheiten bringen. CDU uns SPD haben die Europawahl vergeigt. Unerklärlich, dass sie Bewegung „friday for  future“ nicht in ihrem Wahlprogramm berücksichtigt haben, so dass die Programme ohne Zukunftsperspektive für junge Leute als Ladenhüter erscheinen mussten! Es bleibt nun abzuwarten, wie die beiden Parteien dieses Versäumnis aufarbeiten, um zu einem späteren Zeitpunkt ein besseres Angebot für die junge Generation machen zu können, vielleicht auch eins, das an der Realität  orientiert ist. Im Blick auf die AFD bleibt zu wünschen, dass der YouTouber Rezo vor der nächsten Bundestagswahl ein argumentatives Video gegen die AFD erstellt. Vielleicht  wäre das erfolgreicher als jede politische Diskussion. Oder sollte Philipp Amthor ein Video für Öffentlichkeit vorbereiten? – Gisela von Samson-Himmelstjerna

 

Ich möchte der Ordnung halber doch einmal darauf hinweisen, dass diese Regierung gewählt worden ist und zwar für vier Jahre. Ich habe von keinem Austritt oder Wechsel eines Abgeordneten gehört oder gelesen. Diese Regierung hat also immer noch eine satte Mehrheit.  Was soll das? Soll hier demonstriert werden, wie man (Sie) eine Regierung durch ständiges Niederschreiben fertig machen kann? Soll hier gezeigt werden, welche Macht die Zeitung oder die Umfrageinstitute haben? Jede Woche läuft eine andere Sau durchs Dorf…Hysterie aller Orten. Und noch einmal der Hinweis:  Diese Regierung hat eine satte Mehrheit.   Warum setzen Sie sich nicht mit den Inhalten auseinander? Altersrente…Klima+Umweltvorschläge…Digitalisierung…  Zum Glück haben die Gründerväter der Republik für die Möglichkeit zur Auflösung des Parlaments hohe Hürde eingezogen. Es reicht nicht zu sagen, lieber ein Ende mit Schrecken als…. Die Populisten sollten die Gesellschaft nicht ins Chaos stürzen können. Wir sollten uns daran orientieren, Chaos wäre das, was dann käme.  Das will ich nicht, auch wenn ich viel Kritik habe an dieser Regierung. – Regina Harmsen

 

Ich empfinde den rot gerahmten Leitartikel, der einem Plakat zum Aufruf für eine Neuwahl entspricht, an dieser Stelle und Form für unangemessen. Ich halte Journalistische Information und Recherche, auch Fragestellungen hier für angebracht und erwarte mehr Neutralität. An anderer Stelle, z.B. als Kommentar  fände ich ihn akzeptabel. – D. Platz


 

Leserbriefe zum Titelthema „Warum die große Koalition zu klein für ihre Aufgaben ist“

Politik von Seite 1 bis Seite 5: endlich mal Klartext! So lieben wir unsere ZEIT. Das wurde auch langsam Zeit. Sie haben den Nagel auf den Kopf getroffen. Ich unterstreiche alle Berichte aus vollem Herzen. Es ist fast zum Verzweifeln mit unseren Politikern, wie viel Schlaftabletten haben die genommen? Danke für die tolle Berichterstattung. – Ute Koch

 

zu „Aus der Fassung“ von Bernd Ulrich

Es gibt schon einige Aussagen, die zum Widerspruch reizen: Einer der für mich wichtigsten ist: Es gibt keinen unzerstörbaren, eigentlichen Kern der CDU.
Nicht von ungefähr hat Adenauer als Gründungsvater der CDU ihr den Namen Christlich Demokratische Union gegeben. Das Christliche war übrigens auch das Verbindende bei der „Urgründung“ der EWG, der Vorgängerin der heutigen EU mit den christlichen Politikern Adenauer, Spaak, De Gasperi und Schumann um nur vier zu nennen. Es war das große Verdienst von Konrad Adenauer, der aus den negativen Erfahrungen mit dem früheren Zentrum in der Weimarer Republik gelernt hatte und in die CDU beide Konfessionen fest einband. Aus diesem Grund ist es mir auch bis heute nicht erklärlich, warum Dr. Angela Merkel, die ja aus einem Pastorenhaus kommt, immer wieder betont hat, sie mache keine christliche Politik. Die neue Chefin „bläst“ in das gleiche Horn und dann wundert man/frau sich, warum die CDU nicht mehr attraktiv ist. Zu einer christlichen Politik gehört doch auch die Bewahrung der Schöpfung (zur Erinnerung: Der erste grüne Politiker war mit Herbert Gruhl ein CDU-Mann!).

Wenn dann Frau Kramp-Karrenbauer sagt, sie mache keine christliche Politik, stehe aber fest im Glauben und ziehe daraus ihren moralischen Impetus zu handeln. Dann ist auch bei mir die Verwirrung über ihre Grundhaltung groß. Die Ursache für den Schwund der klassischen Volksparteien und dem Höhenflug der Grünen liegt doch darin, dass den beiden „Großen“ zu dem Ein-Thema-Wahlkampf nichts als Gegenwehr eingefallen ist. CO2- Vermeidung mag als Thema gut klingen, ist aber nur die eine Seite der Medaille. Ohne dieses Gas gibt es keine Bäume (woher soll den der Kohlenstoff für das Wachsen der Bäume und Pflanzen kommen? Aus dem Boden? Oh nein, aus der Atmosphäre, das haben wir doch schon, wenn wir aufgepasst haben, im Biologieunterricht gelernt. Aus dem so verteufelten Gas wird Holz und Sauerstoff. Den letzteren brauchen wir und die Tiere zum Überleben!). Wahre Politik ist ein Ausgleich mit Augenmaß zwischen verschiedenen Aspekten. Dies dem Wähler zu erklären, sollte den wortgewandten Politikern und –innen doch auch bei schwierigen Themen gelingen. Meine sehr lebenserfahrene Mutter hat mir schon als Kind mit auf den Weg gegeben: Hüte dich vor den Menschen, die für schwierige Fragen nur eine Antwort geben. Das mag sicher ihrem sehr christlichen Weltbild geschuldet sein. Da passte für sie überhaupt nicht das Vereinfachen der Politik durch die NSDAP. Die Zeit dieser üblen Regierungszeit hat sie, da 1899 geboren, leidvoll ganz miterleben müssen, inklusive der Vertreibung 1945 aus ihrer schlesischen Heimat. – Georg Obieglo

 

Habe ich da irgendetwas falsch verstanden? Frau Nahles tritt in dieser Woche von allen politischen Ämtern zurück, die SPD steht damit vor dem größten Scherbenhaufen ihrer Geschichte und die Zeitredaktion spricht beim Titelthema von „der Erosion der CDU“. Die Regierungsbildung in Bremen mit einer rot-grün-roten Koalition, die sich derzeit abzeichnet, zeigt einmal mehr, dass die Grünen für die Union völlig unberechenbar sind. In Zukunft werden sich ehemalige CDU Wähler genau überlegen ob sie einen politischen Lottoschein mit den Grünen eingehen wollen. Insofern ist Anegret Krramp-Karenbauer in den kommenden Wahlkämpfen gut beraten erst einmal auf Distenz zu den Grünen zu gehen und weiter ein konservatives Profil der Union aufzubauen. Einen Scherbenhaufen kann ich darin nicht sehen eher eine Chance. – Mario Fuchs

 

Der wichtigste Satz im Artikel zu den Auflösungserscheinungen der CDU ist der: „Denn hier [beim Klimawandel] liegt die Wahrheit nicht in der Mitte, sondern bei der Wissenschaft.“. Es ist in der Tat nicht möglich, einen Kompromiss zwischen einem auf physikalischen Gesetzmäßigkeiten beruhendem Fakt, wie dem menschengemachten Klimawandel und einer weltanschaulichen Ansicht zu finden. Ich kann schließlich auch mit niemandem über die auf der Erde herrschende Schwerkraft verhandeln, mit der Maßgabe, sich auf 5 statt auf 9,81 als Maß zu einigen. Der zweite wichtige Aspekt, der im Artikel nur kurz erwähnt wird, ist, dass die Partei die Anhängerschaft an eine vorzeitliche Heilslehre (dem Christentum) sogar im Titel trägt. Das ist zwar weniger fatal, als die Annäherung an Klimawandelleugner, macht die CDU aber für viele Wähler, wie für mich, de facto unwählbar. – Priv.-Doz. Dr.-Ing. Dipl.-Inform. Andreas Zabel

 

Ihr Autor Bernd Ulrich ist wieder mein Freund…….Sein Beitrag wird viele Leser, trotz der linken Haltung der „Zeit“ oder sagen wir der linksliberalen Ausrichtung, wieder erfreuen. Ich habe einfach keine Idee noch etwas hinzuzusetzen. Herr Ulrich hat alles gesagt. – Gunter Knauer

 

„Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“. Es ist in den zurückliegenden Jahren oft als Schläue von Kanzlerin Merkel ausgelegt worden, dass sie sich in wichtigen Fragen nie zu früh festgelegt hatte, sondern den Lauf der Bälle, die im Spiel sind, erst einmal beobachtete um dann erst im letzten Moment, wenn sich eine mehrheitliche Meinung herauskristallisiert hatte, einzugreifen. Die Negativseiten dieses Regierungsstil treten mittlerweile jedoch immer mehr zu Tage. Der Unwille der Kanzlerin, ihrer Partei ein klares Profil zu geben, hat dazu geführt, dass zunehmend mehr Bürgern nicht mehr klar ist, wofür die CDU eigentlich steht. Das hat teilweise zu einer regelrechten innerparteilichen Blockade und Orientierungslosigkeit geführt und nicht nur die große Koalition, sondern vor allem die CDU schwer beschädigt. Solange die Kanzlerin und langjährige Parteivorsitzende Merkel von den außenpolitischen Früchten leben konnte, die sie in aller Welt einsammelte, war diese Frage nicht so wichtig. Merkel hat die CDU über viele Jahre wie eine Zweitfirma geführt.

Der CDU ergeht es wie der katholischen Kirche. Die Unfähigkeit, ihre Strukturen radikal zu reformieren, stattdessen aber am vermeintlich Altbewährten festzuhalten führt dazu, dass sie sich insbesondere von den jungen Menschen immer weiter entfernen. Beinahe symptomatisch für diese mangelnde Veränderungsbereitschaft ist das lange Festhalten Merkels an ihrem nicht abhörsicheren alten Nokia-Handy. Auf die vielen Fragen der Jugend kann die CDU keine ausreichende Antworten geben. Die Partei CDU hat das neue Zeitalter der Digitalisierung noch weniger verstanden als ihre verbliebene Hauptwählerklientel. Sie erweckt zuweilen den Eindruck, als habe sie es sich in ihrer Nostalgieecke bequem eingerichtet. Botschaften mittels der neuen Medien so aufzubereiten, dass eine junge Zielgruppe sie versteht und konsumiert, darüber hat sich bei der CDU bisher anscheinend niemand gekümmert, geschweige denn dafür interessiert. Ein junger You-Tuber konnte so diese einstige große Volkspartei am Nasenring herumführen und der Lächerlichkeit preisgeben, und zwar in einer Reichweite, von der CDU in ihrer analogen Welt nur träumen kann. Die CDU hat nicht nur die „Digital Natives“, sondern die gesamte Kommunikation mit der jungen Generation verschlafen.

Man kann über das Video von Rezo durchaus geteilter Meinung sein, aber eines muss man ihm lassen: Er bringt die großen Themen unserer Zeit auf den Tisch und stößt damit einen Diskurs an. Digitalisierung, Renten, Generationengerechtigkeit, Klima und globale Ungerechtigkeit sind nur Auszüge von Herausforderungen, die seit Jahren einer nachhaltigen Lösung harren. Eigentlich kann der CDU in ihrer aktuellen Lage nichts Besseres passieren. Doch die Partei wirkt stattdessen zunehmend konfuser. Entweder die CDU geht mit der Zeit, oder sie geht mit der Zeit. – Alfred Kastner

 

Als ich den Artikel über die innere Verfassung der CDU las und insbesondere noch einmal die Reaktionen der CDU-Chefin auf die ‚Fridays for Future‘-Bewegung und den Rezo-Video vorgeführt bekam, fiel mir eine kleine Anekdote aus der Österreichischen Geschichte ein. Im Zusammenhang der revolutionären Ereignisse 1948 in Wien wurde Kaiser Ferdinand I. von den demonstrierenden Volksmassen in Wien berichtet. Er soll daraufhin gefragt haben: „Ja, dürfen’s denn des?“ – Dieter Rogge

 

Es geht nicht um Mitte, sondern um Normal-Null und die Lufthoheit darüber. Wo die CDU war, da war früher einmal Normal-Null (heute Normalhöhennull). Der Punkt, in dem alle Widersprüche sich auflösten, wo Moderne und Tradition, entfesselter Kapitalismus und Brauchtum zusammenfielen.  Wo Staat, Volk, Nation und Land eins waren. Wo Recht und Ordnung war. Wo es klare Gewissheiten gab und die Selbstgewissheit auch der CDU-Mitglieder und -Wähler entsprechend groß sein konnte (hier sprudelte das Mittegefühl).  Der Referenzpunkt, von dem Abweichungen  eindeutig vermessen werden konnten, um zu den Anfechtungen aus der Wirklichkeit eine klare Haltung einnehmen zu können: z.B. Duldung, Akzeptanz, Toleranz, Mitgefühl, Ablehnung, Ausgrenzung, Banalisierung, Verniedlichung, Verharmlosung. Der Punkt, wo Instinkte und Reflexe hinreichend zu sein schienen, um die Lufthoheit über Normal-Null zu sichern.

Diesen voraufklärerischen Punkt hat die AfD nun mitgenommen und rückt ihn nicht mehr heraus. Die CDU beginnt langsam zu verstehen, dass die Vertreibung aus dem Paradies endgültig ist. Und sie kann auch nicht länger als Parsit der SPD überleben. Sie muss in das Abenteuer der Aufklärung einsteigen, wo es Zweifel gibt, abweichende Meinungen, diskursive Wahrheit, Vielfalt. Willkommen im Club. Sind Begriffe wie Mitte und Volkspartei hier wirklich hilfreich? Am Ende ist die SPD die einzige wahre Volkspartei, wenn sie sich wieder in die Milieus, die gesellschaftlichen Gruppen und deren Themen verankert. Eher als die SPD muss die CDU in der Opposition ihre neue Rolle finden, ganz ungewohnt als Avantgarde, in Kombination mit ihrer von Bernd Ulrich angesprochenen  Verantwortungsethik und Machterfahrung. Und die Grünen und die SPD sollten – wie schon zu Zeiten der Rot-Grünen Koalition – nach dem Ende der Großen Koalition endlich das Notwendige tun, diesmal (mit Blick auf die Digitalisierung) mit der FDP. – Keine Angst vor Neuwahlen! – Reinhard Koine

 

In der Ausgabe 24 konstatiert Volker Ulrich auf S. 3, der politische Journalismus sei zu sehr auf Personal- und Machtfragen fixiert, anstatt über den Tellerrand hinaus größere Perspektiven anzubieten. Ich frage mich, warum Sie nach einer solchen Analyse keine oder nur eine geringe Kursänderung vornehmen, zumal Sie vor einiger Zeit im Kontext der Debatte um eine neue Form des „konstruktiven Journalismus“ bereits andere journalistische Zugriffsweisen gefordert hatten. Ich habe nicht das Gefühl, dass sich Ihr journalistischer Stil seit dieser 2015 begonnenen Debatte maßgeblich geändert hat. Hier und da lassen sich leichte Korrekturen und Neuerungen ausmachen. Auf wirklich neue Formate (Erfolgsberichte, Faktenchecks, Hintergrundartikel etc.) warte ich weiterhin. – Florian Kleyboldt

 

Feud’sche Fehlleistung oder habe ich den Artikel nicht verstanden?: …Machterfahrungauch für eine Politik „furchtbar“ oder vielleicht doch „fruchtbar“… ? – Geelke Braun

 

Ein echtes journalistisches „Kunststück“, Herr Ulrich: eine Analyse der aktuellen CDU auf einer ganzen großformatigen Seite der ZEIT – und die Kanzlerin und Vorsitzende der letzten 13 bzw. 18 Jahre taucht darin praktisch nicht auf. Und wenn, dann in einem Satz wie: „Was wir jetzt kennenlernen, das ist die CDU, die Angela Merkel zwanzig Jahre vor der Öffentlichkeit verborgen hat.“ Das muss man erstmal hinbekommen: Als hätten Entwicklung und Misere der CDU mit fast 20 Jahren Merkel-Führung nichts zu tun! Als hätte sie nicht, um nur ein aktuelles, von Ihnen genanntes Problem zu erwähnen, die eigenen Klimaziele mit Kernkraftausstieg und Verhinderung schärferer CO2-Grenzwerte in der EU über Jahre hinweg eigenhändig ignoriert bzw. torpediert. Mir ringen Aufgaben und Arbeitsbelastung der Kanzlerin durchaus Respekt ab. Aber ein stellvertretender Chefredakteur meiner geschätzten ZEIT, der zu journalistischer Distanz („Am besten, wir fangen schon mal an, uns nach ihr zurückzusehnen.“) anscheinend nicht in der Lage ist…? – Christian Hafner

 

„Gelingt es der CDU, Ihre Verantwortungsethik und Machterfahrung auch für eine Politik „FURCHTBAR“ zu machen…“ Selten war das dem Druck innewohnende Teufelchen ironischer!
P.S. Sie sehen, wie aufmerksam ich die klugen, wohl formulierten Beiträge von Bernd Ulrich bis zur Pointe lese. – Sven Herfurth

 

Wahrscheinlich muss es wirklich so kommen, wie es wirklich kommen muss! Friedrich Merz, ein „altkluger Black Rocker“ aus der gehobenen Mittelschicht, wird irgendwann in diesem, seinem Leben, „seine Geliebte“, die CDU, endlich auf seinen Kurs (und das noch ganz alleine), einrocken! – Klaus P. Jaworek

 

Bernd Ulrichs Betrachtung der CDU lässt mich am Ende ratlos zurück: hat die Union auf ihrem Weg der Gestaltung des Landes den Deutschen je etwas zugemutet? Gut, den Soli nach der Wiedervereinigung… Aber wirklich etwas zugemutet? Doch müsste Politik den Menschen nicht Einschränkungen zumuten, wenn sie Politik fürs Klima machen würde? (Ob die Wähler*innen der FDP den Unfug selbst glauben, „technische Innovationen“ könnten die Menschen weiter Porsche fahren lassen und das Klima schützen?) Merkels „Doppelstrategie“ war es, den Worten nach Klimakanzlerin zu sein, im praktischen Handeln aber Zumutungen für Bürger*innen und Industrie zu vermeiden, die dazu geführt hat, dass „Fridays for future“ auf die Straße geht oder Rezo sein Video veröffentlicht hat. Kramp-Karrenbauer kann jetzt nicht mehr weitermachen wie Merkel mit vielen leeren Versprechungen in Sachen Umweltpolitik, jetzt, nachdem sich endgültig herumgesprochen hat, dass ihre Vorgängerin im CDU-Vorsitz mit gespaltener Zunge unterwegs war. Wenn der Autor abschließend bezogen auf die CDU fragt: „Warum sollte sie die Republik nicht auch neu gestalten können?“ wäre meine Antwort: weil sie keine Erfahrungen hat mit Einschränkungen und Zumutungen für die Bürger*innen. Allerdings hat die sonst auch kein anderer im Land; wer Zumutungen in Aussicht stellt, wird schließlich nicht gewählt… – Stefan Baier

 

Mit Interesse habe ich diesen Artikel gelesen und hoffe, das im letzten Abschnitt Ihnen nur versehentlich ein Buchstabendreher passierte; es sollte doch wohl heißen: „…. Gelingt es der CDU, ihre Verantwortungsethik und ihre Machterfahrung auch für eine Politik fruchtbar (nicht furchtbar wie in Ihrem Artikel) zu machen, die mehr verändert, als sie es in der Geschichte der Republik getan hat? …“ Dann bin ich ganz bei Ihnen, auch ich hoffe das! – Ilse Pohl

 

Da irrt Herr Ulrich, wenn er im Kontext mit der Farbsymbolik der Parteien behauptet, schwarz sei keine Farbe. Man unterscheidet bunte und unbunte Farben – und schwarz ist die unbunte Farbe par excellence, die CDU also nicht farblos. Ein anderer Vergleich wäre da schon angebrachter: Schwarz ist in Bezug auf alle anderen Lichtfarben und deren Temperaturen absorbierend. Alle anderen Farben sind ganz (weiß) oder teilweise reflektierend. Symbolisch ließe sich daraus ableiten, dass es im Konrad-Adenauer-Haus immer schön warm ist. Aber ein bisschen mehr Reflexion, also Rückstrahlung in die Gesellschaft als öffentlich zugänglicher Diskurs ihrer weltanschaulichen Werte Liberalismus, Konservatismus und Christentum wäre schon angebracht. – Christoph Müller-Luckwald

 

Die Politik von CDU/CSU wie auch SPD und FDP entstanden aus dem Kleinholz der  Nachkriegsrepublik mit ihren Ängsten und Hoffnungen. Inzwischen hat sich dort der  Holzwurm breitgemacht und eine Politik zurückgelassen, die nur noch flache Reflexe aussendet. In den 50- bis 70 Jahren wurden noch christliche Weltbilder gegen gottlose Weltanschaungen und liberales Denken in Stellung gebracht. Freie Marktwirtschaft und sozialistische Planwirtschaft wurden wie Feuer und Wasser in ideologischen Auseinandersetzungen bekämpft. Diese Zeiten sind lange vorbei und seit über 30 Jahren hat die Entwicklung der Computertechnik völlig neue Herausforderungen für Politik und Gesellschaft entstehen lassen. Das hat Industrie und Wirtschaft sehr stark verändert aber merkwürdigerweise kaum Spuren in der Politik hinterlassen. Deutsche Politik erinnert an die Begrenztheit eines Schrebergartens mit seinen Bewohnern, den Gartenzwergen. Schaut man in das Nachbarland Frankreich, wo zur Zeit die Parteienlandschaft neu definiert wird, fragt man sich, warum das nicht auch so in Deutschland passiert. Übrigens ein Thema, was den deutschen Qualitätsjournalismus weniger zu interessieren scheint. In Frankreich sorgen Gelbwesten für einen sozialen Aufschrei der Unterprivilegierten und die Regierung unter Staatspräsident Macron bemüht sich Verbesserungen umzusetzen. Wenn in Deutschland die Mieten immer weiter steigen senden die etablierten Parteien kaum sozial engagierte  Signale an die Betroffenen aus. Das passt einfach nicht zu den Parteiprogrammen von CDU und FDP, die Hausbesitzer als ihre wichtigeren Wähler ansehen. Ob die Grünen es je schaffen eine ähnliche Schlagkraft wie Macrons EM zu erreichen -oder wollen- ist offen. Bleibt in  Deutschland nur die Hoffnung auf Rot, Rot, Grün -also keine grundlegend neuen Parteien. Schade ! – Klaus Reisdorf

 

Die Anamnese der CDU wie sie im Artikel „Aus der Fassung“ von Autor Bernd Ulrich dargestellt wurde, könnte auch von einem professionellen Politikwissenschaftler nicht besser verfaßt worden sein. Er verschweigt auch den Anteil der Medien an der Erkrankung der CDU, die er mit der alten Mitte gleichsetzt, nicht. Während der Arzt auf Grund der Diagnose seinen Patienten aber stets mindestens 1 Heilmittel verschreibt, ist Bernd Ulrich diesbezüglich ratlos und setzt am Schluß nur Fragezeichen. Ein Glück, dass eine gesicherte Zukunft der Bundesrepublik nicht nur von der Heilung der CDU abhängt, sondern mindestens Die Grünen, Die Linke und FDP – die SPD bedarf erwiesenermaßen einer längeren Rekonvaleszenzzeit – längst als Bewerber um die Regierungsverantwortung bereitstehen. Es wäre aber gut, wenn Autor Bernd Ulrich sich frühzeitig ähnlichen, tiefgründigen Diagnosen auch dieser Parteien zuwenden würde, damit möglicherweise entdeckte Gebrechen rechtzeitig therapiert werden könnten. – Hans Anhoeck

 

„Gelingt es der CDU, ihre Verantwortungsethik und ihre Machterfahrung auch für eine Politik furchtbar zu machen, …“ Hatte da Bernd Ulrich das Thema Leid oder soll ich glauben, dass dieser Dreckfuhler einfach der Ermüdung am Ende des Artikels geschuldet ist? – Petra Lueken

 

Anders als behauptet ist die Definition für Volkspartei als Partei für  alle politischen Richtungen nicht neu, sondern mir seit mehr als 50  Jahren bekannt. Es lohnt sich nach meiner Meiung mehr als 50  Jahre  zurückzublicken. Damals gab es für die Kirchgänger die CDU, gewählt mit  Hilfe des Pfarrers, und für die Arbeiter die SPD. Beides ist  abhandengehommen, geblieben sind die difusen Parteien, die man nicht  greifen kann (Werteunion was ist das denn?). Darin besteht auch das  Dilemma von Frau Kamp-Karrenbauer. Sie kann sich nicht äußern, ohne  einen Teil der Stammwähler zu verärgern. Aber als Anhängsel der CSU, so  erscheint sie mir als CDU Stammwähler, der bei der Europawahl im  Ausschlußverfahren „Grün“ gewählt hat, ist sie nicht wählbar.  Frau Kamp-Karrenbauer ist angetreten und hat die Flüchtlingspoilitik auf  den Kopf stellen wollen. Läge sie damit richtig, hätte der Stimmenanteil  wachsen müßen. Stattdessen fällt er und fällt immer weiter. Stattdessen  gewinnen die Grünen mit oder trotz entgegengesetzter Flüchtlingspolitik.  Der Weg aus dem Dilemma der CDU führt ganz einfach zu einer klaren  Politik und das geht nicht, solange man glaubt, alle poltitischen  Strömungen bedienen zu wollen. Nach meiner Meinung führr der Weg ganz  einfach zu einer bundesweiten CDU und CSU, ie einen ehrer links von der  Mitte, die anderen rechts von der Mitte, aber dank gemeinsamer  Grundwerte (die da wären?), kommt man als gemeinsame Fraktion wieder  zusammen. – Johannes Barth

 

 

zu „Kann man SUVs eigentlich verbieten, Herr Habeck?“ von Matthias Geis und Elisabeth Raether

Das Interview mit dem Heilsbringer Habeck wird ein schlimmes Ende finden. Die proklamieren einen Staat den es gar nicht geben kann. Spätestens, wenn die Arbeitslosigkeit wieder spürbar steigt, sind die Grünen wieder bei 6%. Das kann gar nicht funktionieren. Man muß deswegen keine hellseherischen Fähigkeiten besitzen, sondern nur einen politischen gesunden Menschenverstand. – Gunter Knauer

 

Ich schätze ihre Fragen und die differenzierten Antworten von Herrn Habeck. Aber muss es sein, dass der Titel das klischeehafte Framing der Verbotspartei wiederholt? – Felix Keßler

 

Wer hat denn dieses Dunkelmänner-Foto ausgewählt? Was soll das bezwecken? – Horst Behr

 

Auch in Deutschland haben die Grünen nur ein Fünftel der Wählerstimmen errungen und sie kommen womöglich auch an ihre Grenzen, wenn sie mal liefern müssen. Die sognannten urbanen Eliten sind eventuell schnell wieder weg, wenn andere Themen, außer Klimaschutz, wieder zu Recht in den Mittelpunkt rücken. Grün wählen ist wie Rosenkranzbeten, es gibt ein gutes Gefühl. und wer dran glaubt, scheint ein gutes Gefühl zu bekommen. Ansonsten lebt man sein Leben, wie zuvor und schert sich im günstigsten Falle um nichts Weiteres. Wer anderen stets moralisch kommt, ist meist selbst ein übler Hund.  – Chris Dasch

 

Seit Monaten habe ich mir einmal wieder die ZEIT gekauft, da ich einen längeren Beitrag von Ihnen auf der Titelseite gesehen habe. Wie immer ein sehr vernünftiger. Aber dann auf Seite 2 ein Künstlerfoto von Herrn Habeck in Großdenker- und Fast-schon-Kanzler-Pose. Es ist also noch schlimmer mit der ZEIT geworden. Sie haben ja überhaupt keinerlei Distanz mehr zu der von ihnen favorisierten Politik. – Gerhard Reinelt

 

Endlich einmal ein Interview ohne die sonst üblichen Sprechblasen! – Hans Hardenberg

 

Robert Habeck ist ein Meister der Verschleierung, und damit typisch grün. Er hat noch nie darüber nachgedacht, SUVs zu verbieten? Das nehme ich ihm nicht ab. Der grüne Wunsch zur Regierung mit Reglementierung (über den Veggiday zur Ökodiktatur!) wird durch Pauschalformulierungen umschwurbelt: Mobilität von Bussen, Bahnen und privatem PKW stärker verschränken; nach dem Buchkauf noch einen Kaffee trinken (wer geht nur wegen einem Buch in die Stadt???); Landwirten und Grillern erklären, warum man eine andere Tierhaltung braucht; dafür zu sorgen, die Dinge ökologisch zu regeln; ökologische Transformation mit neuen Arbeitsplätzen und neuen Wertschöpfungen usw. Was heißt das alles genau? Mit welchen konkreten Maßnahmen soll das umgesetzt werden? Schweigen im Walde. Und wenn Grün regiert und etwas nicht hinkriegt, dann sind immer die anderen schuld: In Stuttgart ebenso wie in Schleswig-Holstein. Das Wirtschaftsmodell des Immer-Mehr wird kritisiert, aber auch die Grünen geben das Immer-Mehr-Erwirtschaftete nur zu gerne aus. Arbeitsplätze schaffen? Dieser Gedanke ist schon im Ansatz riesengroßer Unsinn. Leider ist es nun mal so, dass Arbeitsplätze nur durch Konsum (einer Ware oder Dienstleistung) entstehen. Die Gewerkschaften kämpfen aus gutem Grund darum, „die Binnennachfrage zu stärken“. Wer den Konsum reduzieren will, der riskiert Arbeitsplätze. Das kann man nun gut finden oder nicht, ist aber auch von Grün nicht zu ändern. Wer in der Verantwortung steht, muss liefern. Mal sehen, was dann rauskommt, wenn Grün regiert. Und nur so zum Abschluss: Kaum war die grüne Friedenspartei an der Macht, zog Deutschland in den Krieg. Aber das war ja ganz was anderes. Hört sich an wie bei einem Ehepaar, bei dem beide Partner fremd gehen, und der Mann sagt, bei ihm sei es ja ganz was anderes. – Martin Loser

 

Klasse – wieder ein unkritisches Interview mit dem Grünen Vorsitzenden und Lichtgesalt Robert Habeck. Leider beleuchten Sie die „Schattenseiten“ dieser „Lichtgestalt“ nicht. So hat Herr Habeck noch in kurzer Vergangenheit verkündet: „Vaterlandsliebe fand ich stets zum Kotzen. Ich wußte mit Deutschland nichts anzufangen und weiß es bis heute nicht“.  Die Grüne Jugend fordert(e) die „Auflösung Deutschlands“. Claudia Roths Wunschversion zum Tag der Deutschen Einheit ist,: „Am Nationalfeiertag der Deutschen ertrinken die Straßen in einem Meer aus roten Türkenflaggen und ein paar schwarzrotgoldenen Fahnen“. Und Miene Waziri( ehemalige) Grünen Politikerin meint: „alles, was deutsch ist, muss vernichtet, ausgemertzt und komplett zerstört werden. Dies sind einige Aussagen von Grünen SpitzenpolitikerInnen. Sollen PolitikerInnen mit diesen Ansichten wirklich unser Land regieren?

Selbstverständlich kenne ich die Quelle dieser Zitate die hier sehr verdichtet sind. Allerdings habe ich Im Mai 2019 die Bundeszentrale der Grünen – namentlich Frau Roth, Frau Baerbock und Herrn Habeck angemailt und per Fax nachgefragt, ob diese Aussagen richtig sind und in welchem Zusammenhang diese geäußert wurden. Bis Heute 11.6. habe ich keine Anwort und auch keine Eingangsbestätigung – was für die Grünen spricht. Die Einschätzung von Franz Josef Strauß „die Grünen sind wie eine Melone – Aussen Grün und innen  Rot“. Und die Ex-Grüne Jutta Dithfurth charakterisiert die Grünen: „Verrat ist eine Kunst, die die Grünen meisterlich beherrschen“. Vielleicht nehmen Sie diese Aussagen / Einstellungen auch einmal auf und zeichnen ein realistischeres Bild. Zitat von Özdemier, Trittin und anderen sind aus Platzgründen nicht aufgeführt. – Friedrich Schönmann

 

Ihre Bildredaktion sollte sich schämen, mit solch schäbigem Bild von Habek persönliche Meinungsmache zu verbreiten. Nehmen Sie sich ein Beispiel an der ZEIT-eigenen Werbung, in der der Chefredakteur di Lorenzo stets freundlich, gutgelaunt und sympathisch rüberkommt. – Dr. Adrian G. Schickler

 

Man sollte sich nicht wundern, wenn die Menschen die Journalisten als „links-grün-versiffte“ Branche betiteln, wenn man Fragestellungen, wie die Ihre mit einer Feststellung versieht, die einfach gelogen ist. Es steht mitnichten fest, dass die Reduzierung der Nutztierzahlen notwendig ist, um Deutschlands Klimaziele zu erreichen. Wenn 7,5% Treibhausgasanteile der Landwirtschaft, die kontinuierlich gesenkt wurden, so relevant sind, was sind dann die anderen 93%? Ich würde an Ihrer Stelle die Grundschule noch einmal besuchen, um Physik, Biologie und ganz wichtig, die Prozentrechnung gründlich zu wiederholen. Ihre dauerhafte Landwirtschaftsphobie wird langsam lächerlich und gefährlich. – R. Seevers

 

 

zu „408 quälende Tage“ von Peter Dausend

Die arme Nahles, wie übel ihr mitgespielt wurde! Sagte sie nicht selbst: „Das ist wahnsinnig brutal.“ Fragen Sie mal die selbständigen IT-Fachkräfte, die wegen der „Scheinselbständigkeits“-Gesetzgebung von Frau Nahles keine Aufträge mehr bekommen und, im Gegensatz zu ihr, keine üppige Pension zu erwarten haben, während sie ihre Wunden lecken. Dann erkennen Sie die Brutalität, die sich hinter der fröhlich trällernden Maske unserer Bundesulknudel verbirgt. – Thomas Matzner

 

In meiner Jugendzeit in den 1970er-Jahren galt es als cool, sich als Anhänger der SPD zu outen.  Heute gilt die SPD als antiquiert, beinahe wie ein Relikt aus vergangenen Zeiten.  Die Probleme der SPD gehen tief, sie sind existenziell, und höchstens längerfristig lösbar. Die Partei läuft kurzfristig Gefahr, bei einer Fortsetzung der Großen Koalition unter Angela Merkel weiter an Profil zu verlieren.  Die Sozialdemokraten müssen insbesondere die Frage beantworten, wer und warum man sie wählen soll.  Der SPD sind, nicht zuletzt aufgrund ihrer eigenen Agenda 2010, ihre klassischen Milieus weggebrochen. Neue konnte sie nicht erschließen, weil die Partei keine Identität mehr stiftet.  Gerade im Hinblick auf große aktuelle Fragen ist oft nicht klar, wie sich die SPD positioniert und wofür sie steht. In früheren Jahrzehnten war die SPD die klassische Arbeiterpartei. Doch diesen typischen Arbeiter gibt es in einer sich mit großer Geschwindigkeit wandelnden Arbeitswelt heute nicht mehr.  Was also macht die SPD im 21. Jahrhundert einzigartig?  Wem Klima-, Umwelt und Tierschutz wichtig sind und für ein weit reichendes Asylrecht eintritt, der wählt die Grünen oder die Linken. Die SPD sollte ihren Schwerpunkt auf ihre klassischen Themen legen, nämlich Arbeit und soziale Sicherheit.  Arbeitsplatzsicherheit, die zunehmende Arbeitsverdichtung, Sicherung einer angemessenen Altersversorgung und Pflege, Bezahlbarkeit des Wohnens.  Die für eine Mehrheit der Bürger wichtigen Themen liegen geradezu auf der Straße. Die SPD bräuchte sie im Grunde nur aufzuheben.

Die schlechte Nachricht ist, dass es dafür vielleicht schon zu spät ist.  Möglicherweise steckt der Karren bereits so tief im Dreck, dass gar nichts mehr hilft.  Was der SPD in diesen Zeiten besonders fehlt, ist eine Führungspersönlichkeit mit Verve und Charisma. Es könnte sein, dass die Zeit der SPD zu Ende geht. Und mit ihr ein Stück Bundesrepublik Deutschland.  Die Führungsspitze der SPD hat es zugelassen, dass eine äußerst machtbewusste Angela Merkel zum Zwecke des persönlichen Machterhalts die Traditionspartei in zwei Legislaturperioden asymmetrisch demobilisieren konnte. Die besondere Tragik dabei ist, dass die SPD durch die Neuauflage der Großen Koalition Kanzlerin Merkel das Amt gerettet hat. Merkel hängt heute mehr denn je am „Tropf“ der SPD, die ihn eigentlich als Lebenserhaltungsmaßnahme selbst am dringendsten benötigen würde. – Alfred Kastner

 

Andrea Nahles hat den Stecker gezogen und den Sicherungskasten gleich vorsichtshalber mit ausgebaut! – Riggi Schwarz


 

Leserbriefe zu „Eure Durchlaucht?“ von Stefan Scheytt

Was mein Leben reicher macht? Dass man in allen Sprachen solch herrliche Wortspiele spielen kann wie Sie mit „Eure Durchlaucht“ in Ihrer Ausgabe vom 6. Juni 2019! … und das auch noch mit einem herrlichen „Bildspiel“ (beschnittener bzw. gestutzter Lauch ohne „Bodenhaftung“! (((Vielleicht macht gestutzter Lauch „Eure Durchlaucht“ „stutzig“!!!))) – Oskar Dreyer

 

Natürlich ist es witzig, den vornehmen Adelstitel Durchlaucht ganz volksetymologisch mit einem profanen Lauchstengel zu illustrieren. Aber wie in illustrieren lux steckt, so in Durchlaucht Licht. Durchleuchtet – nichts anderes als perillustris. Fiat lux, auch in Adelskreisen! – Manfred Wespel

 

In Österreich wurde der Adel viel radikaler und konsequenter abgeschafft. Niemand darf einen Adelstitel gebrauchen, auch nicht das „von“, selbst Karl Habsburg nicht. Die Habsburger wurde enteignet; sie dürfen auch nicht für die Wahl zum Bundespräsidenten kandidieren. So lustig bis albern all die Regenbogen-Presse-Berichte sind, so tragisch ist deren Kehrseite, der Rassismus, der fast so alt ist wie die Menschheit. Ganze Kapitel der Bibel füllen Stammbäume. So wie sich Adelige stolz auf ihre Herkunft berufen, so wird anderen diese angelastet. Die landeten zu Millionen in den KZs, nur weil ihre Vorfahren Juden oder „Halbjuden“ waren. Ach ja, und wer gilt nun als Jude, nicht wahr? Es kann ja berechtigt sein, auf die eigenen Kinder stolz zu sein, aber auf die Väter? Es wäre an der Zeit, von der Sippenhaftung weg zu kommen. – Christine Preyer

 

Ein toller Artikel oder soll ich eher sagen: ein tolles Statement zum Thema Adel mit den passenden Fotos. Ich habe es noch nie in meinem Leben verstanden, warum ich jemandem Respekt zollen soll, nur weil er oder sie hochwohl geboren ist. Anerkennung gebührt in meinen Augen nur Menschen,die sich ihre Position erarbeitet und somit eine Leistung erbracht haben. Prima, dass Sie sich getraut haben, dass ganze royale Adelsgedöns mal kritisch auf den Punkt zu bringen! – Holger Kintscher

 

ZEITbezogen: Dr. Marion Gräfin Dönhoff (so steht sie im Impressum) hat während ihrer publizistischen Tätigkeit, in Ihren Büchern und bei öffentlichen Auftritten (soweit mir bekannt) den alten Titel auch nur als Bestandteil ihres Namens benutzt. Ihr Lieblingsneffe und oft ihr Reisebegleiter hat sich der Titel völlig entledigt: Friedrich Dönhoff – Hartmut Wagener

 

Prinz Prinzessin, Graf Gräfin, Freiherr Freifrau Freiin, von, sind Namensbestandteil, alles andere ist Quark. Man hofft beim ‚Adel‘ auf ein paar lang geübte Manieren mehr. – Beatrix von Hagen

 

Die offensichtlich schlechte Laune des Autors erreicht sehr schnell die des ansonsten geneigten Leser Es gibt durchaus Wichtigeres zu berichten. – Peter  Schiller

 

Welch ein dummer, Plattitüden praller, polemischer Artikel!  Als schlichter  Bürger mache ich den Verfasser darauf aufmerksam, dass eine Gräfin das Bild der ZEIT geprägt hat, dem diese Zeitung sich noch heute verpflichtet fühlt. Ich bin sicher die Gräfin hätte ihrem Mitarbeiter Stefan schmunzelnd gesagt: „Solch einen Schwachsinn sollten Sie lieber der BILD ZEITUNG anbieten, wenn die sich überhaupt darauf einlassen. Bei uns hat so etwas keinen Platz. „ Dire Redaktion mag sich auf die Pressefreiheit berufen. Gibt es denn bei Ihnen keine Niveau-Absprache? – Hans-Georg Sasse

 

Wären die Gedanken zum Adel von Stefan Scheyyt zu Migranten, Juden, Farbigen zu Papier gebracht worden, würde der Leser von Mobbing oder Diskriminierung sprechen, so trifft es ja „nur“ einen kleinen Stand unserer Gesellschaft. Es bleibt nur dem Autor zu raten: erst eine gute Recherche, persönliche Vorurteile verwerfen und dann schreiben, oder gleich: si tacuisses philosophus mansisses.  – Georg-W. Moeller


 

Leserbriefe zu „Sturm und Feuer“ von Evelyn Finger

Herzlichen Dank für Ihren Artikel!! Das Frühstück schmeckt besser, der Tag lockt mich zur Arbeit, Die Nachrichten der Politik nehme ich zur Kenntnis und gehe fröhlich und zuversichtlich mit meiner Kirche um, in der bald das Feuer ausbrechen wird. Ob ich es noch erlebe, weiss ich nicht, dann aber die anderen. Donnerwetter,, Ihr Artikel macht Mut und reist hoffentlich bald Die Verantwortlichen der Kirchen aus ihre Verzagtheit und Resignation ! Danke! – Dieter Herten

 

Ich mag Personen, die sich für frieden einsetzen. deshalb schätze ich Sie. muss man differenzieren zwischen bedfort sstrom oder Marx. ich meine unbedingt. für kratfvoll und mitreissend ist es zu früh. denken Sie an den Kriminologen pfeifer. es sind immer noch die heuchler dran. – dirk kaufmann

 

Im Beitrag Sturm und Feuer stellt die Autorin fest, der Mauerfall sei ein von Pfarrern gemachtes Pfingstwunder. Meines Erachtens eine fulminante Vereinfachung, hoffentlich nur eine ausgeklügelte Metapher. In Polen der späteren achtziger Jahre hatten die Kirchen einen (verständlichen) Zulauf. Nach der Wende wurden die dortigen Gotteshäuser immer leerer. Kirchen versuchten immer, sich in die Politik einzumischen und sehen keinen Grund, das zu ändern. Ein größeres Problem bildet die Tatsache, das die Politik diese Karte allzugerne ins Spiel setzt. Meistens im Verborgenen. – Andrzej Klimczyk

 

Ein Artikel, der tiefgehendes Verständnis für die großen Zusammenhänge zeigt. In diesem Jahr wird dreißig Jahre nach dem Mauerfall von vielen Seiten Bilanz gezogen. Wie war das eigentlich mit der friedlichen Revolution, die schließlich zur deutschen Wiedervereinigung führte? Der Westen begegnete dem Osten. Auf der einen Seite war eine Gesellschaft, die sich in der Verantwortung vor Gott eine demokratische Grundordnung gegeben hatte, die aber mehr und mehr von materialistischem, oberflächlichem  Nützlichkeitsdenken und der hemmungslosen Selbstverwirklichung des Einzelnen unterwandert wird. Auf der anderen Seite fanden wir eine Gesellschaftsform, die jahrzehntelang zwangsweise mit einer wirklichkeitsfremden Weltanschauung durchtränkt wurde: Die veränderten gesellschaftlichen Rahmenbedingungen sollten den neuen, den besseren Menschen hervorbringen. Die westliche Gesellschaft hatte allmählich die geistige Orientierung und Grundlage verloren, besaß aber noch eine recht gut funktionierende wirtschaftliche Form. Die andere, verwurzelt in einem unrealistischen Weltbild, in dem der tote Materialismus einen neuen Menschen erschaffen sollte, lechzte nach nichts mehr als nach den kleinen persönlichen Freiheiten und dem Wohlstand, den die Propaganda zwar versprochen hatte, die in der Praxis aber gerade fehlten. Als man damals nun diese Gesellschaftsformen zusammenführte, gab es zwei Möglichkeiten. Die erste: Der Materialismus beherrscht weiterhin das Denken. Das führt, wie die inzwischen fast dreißigjährige Praxis zeigt, wieder zu Verlierern und Betrogenen und zu enttäuschten Feindbildsuchern, weil der materielle Besitz

  1. allein nicht glücklich macht und
  2. nicht die Grundlage für eine menschliche Gesellschaft sein kann, die Freiheit ohne Chaos ermöglicht.

Glücklicherweise steht uns immer noch eine zweite Möglichkeit offen: Menschen aus beiden Gesellschaftsformen analysieren ihre Vergangenheit und lernen aus den eigenen Fehlern und den Fehlern der anderen und kommen sich so wirklich näher. Der Westen besinnt sich auf seine Grundlagen in der Verantwortung vor Gott und damit auch der Bibel und stellt seine individual-materialistische Fehlorientierung in Frage. Der Osten hinterfragt seine gesellschaftlich-materialistische Ausrichtung. Auf der Grundlage der christlichen Botschaft, der Hinwendung des Einzelnen zu dem redenden, persönlichen Gott durch Jesus Christus, gestützt auf seine absoluten Werte, die nicht von Menschen erfunden wurden, um andere zu unterdrücken, könnte unser Land aufblühen. Die gesellschaftliche Verantwortung hätte dann einen ebenso hohen Stellenwert wie die Wertschätzung des einzelnen Menschen.

Ostern 2000 erschien in der international weltweit vertriebenen Wochenzeitschrift Newsweek ein mehrseitiger, gut recherchierter Artikel über 2000 Jahre Jesus. In der Ausgabe vom 10. Mai entdeckte ich folgende Leserzuschrift von George Chua aus Singapur:  „Ihr Artikel betont den historischen Aspekt des Christentums. Da ich in einer asiatischen Kultur lebe, möchte ich noch eine weitere Perspektive erwähnen. Stellen Sie sich eine Gesellschaft vor, wo der Mensch nicht ein Abbild Gottes ist und die Würde des Einzelnen von seiner Macht und seinem Reichtum abhängt. Stellen Sie sich vor, dass nur die Mächtigen und Einflussreichen im Besitz der Wahrheit sind. Stellen Sie sich eine Gesellschaft vor, wo Vergebungsbereitschaft eine Schwäche ist. Das sind in vielen Ländern immer noch die vorherrschenden Lebensbedingungen. Was aus den Vereinigten Staaten und Westeuropa geworden ist, haben sie der Tatsache zu verdanken, dass die ganz grundlegenden Lehren des Christentums ausgelebt wurden. Tun Sie das Christentum nicht mit einem Achselzucken ab und brennen Sie nicht mit der Verweltlichung durch. Der Großartigkeit Ihrer Religion ist es zu verdanken, dass die Welt langsam zum Guten beeinflusst wurde.“ Vielleicht ist an seiner Erfahrung ja etwas dran. – Gerhard Jahnke

 

Dieser kurze Artikel hat mir nochmal deutlich gemacht, wozu die Kirchenvertreter auch in der Lage waren, zu einer friedlichen Revolution beizutragen.Sie haben die Stimmung des Volkes aufgegriffen und ihr einen Raum gegeben.  Das vermisse ich heute an unseren Kirchenvertretern. Ich empfinde sie nicht als „verzagt“, im Gegenteil, sie erheben durchaus ihre Stimme. Allerdings mehr im Sinne von moralischen Vertretern, die der Bevölkerung  erklären, wer zu den guten und wer zu den moralisch weniger guten gehört. Wenn ich mich in dieser Richtung orientiere, kann ich gleich das Original wählen und mich bei den Grünen engagieren. Von der Kirche hätte ich erwartet, dass sie zu einer „Befriedung“ in der teilweise aufgeheizten Stimmung beigetragen hätten und mehr Verständnis für alle Bevölkerungsgruppen gezeigt hätten. Ein Sammelbecken für die Verzagten und Engagierten. Das Engagement für Flüchtlinge ist ok, aber gleichzeitig sollten sie die Leistungen derer anerkennen, die die größten Lasten zu tragen haben, Wohnraum und Schule mit ihnen teilen und Zweifel und Ängste haben.  Der Mitgliederschwund wurde nicht gestoppt (ich bin auch gerade ausgetreten), während die Grünen, die ja ähnlich argumentieren, einen Höhenflug erleben.  Mein Fazit: die Kirche sollte auch weiterhin für ALLE da sein, vermitteln statt spalten, und Klientelpolitik den Parteien und Organisationen überlassen.  Und zum Schluss: Ihre Artikel sind sehr interessant, ausgewogen, differenziert, sie regen zum nachdenken an und ich lese sie gerne!! – Marlies Wenzel

 

Die deutsche Wiedervereinigung halte ich tatsächlich auch für ein Wunder Gottes – im ziemlich direkten Sinn für sein Eingreifen und Wirken. Zunächst war es ja eine glückliche Fügung, dass trotz der anhaltenden Protestbewegung in Polen mit Michael Gorbatschow ein Mann in Moskau an der Macht war, der sehr besonnen und weiterhin verhandlungsbereit blieb, der nicht – wie Putin in der heutigen Zeit – gegen die Proteste militärische Lösungen bevorzugte. Die Verhandlungen über die Zukunft der DDR, bis schließlich die entsprechenden Dokumente des Zwei-plus-Vier-Vertrages unterzeichnet (14.9.1990) und dann von den Parlamenten der beteiligten Länder verabschiedet waren, haben sich über einen Zeitraum von fast eineinhalb Jahren hingezogen. Während der Zeit gingen das öffentliche Leben, Montagsdemonstrationen und andere politische Kundgebungen in Leipzig und vielen anderen Städten weiter. Gorbatschow hat später in einem Interview gesagt, wenn während dieser Zeit nur einem russischen Soldaten in der DDR ein Haar gekrümmt worden wäre, hätten die Truppen aus ihren Kasernen ausrücken und den ganzen Veränderungs- und Wiedervereinigungsprozess beenden müssen. Schaut man sich an, unter welchen Aggressionen solche Prozesse heute in der Ukraine, in Venezuela, im Nahen Osten und in anderen, nach Freiheit strebenden Ländern ablaufen, dann scheint es mir, ein Wunder zu sein, dass damals in der DDR so lange alles friedlich geblieben ist. Aufgestauten Hass gab es genauso wie in anderen besetzten Ländern, und psychisch gestörte Menschen, die nur darauf warten, sich öffentlich produzieren zu können, gibt es in jeder Kleinstadt und fast jedem Dorf. All das konnte damals DDR-weit bei Millionen Teilnehmern der Proteste in friedlichen Bahnen gehalten werden.

Rational ist es für mich kaum zu erklären. Doch vor den Montagsdemonstrationen gab es in Leipzig und den meisten anderen Städten Friedensgebete. Die Organisatoren und Anführer der Demos haben sich vorher in Kirchen getroffen. Und diese Friedensgebete sind offensichtlich erhört worden. Dort wurde immer sehr eindringlich zum gewaltfreien Demonstrieren aufgerufen, dass man sich von Stasi-Spitzeln und anderen Agitatoren nicht provozieren lassen solle, weil man sich der Gefahr der Eskalation sehr bewusst war. Jeden Montag war die erste und letzte Parole: „Keine Gewalt! Lasst euch nicht provozieren! Bleibt friedlich!“ Und es wurde eben gebetet, bevor man auf die Straßen gegangen ist. Hier liegt der entscheidende Unterschied zu vielen anderen Revolutionen, die dann meistens in Blut erstickt sind. In Polen wurde auch gebetet, mit dem selben Erfolg wie in der DDR. Heute wissen wir, wie viele rechtsradikal gesinnte Leute damals dort schon unterwegs waren. Auch die hat man irgendwie im Griff behalten, in eine gemeinsame Verantwortung mit einbinden können. Schaut man sich an, wie viel Gewalt und Hass sich nur wenig später auf den gleichen Straßen entladen haben, dann ist der Frieden in der Wendezeit ein Wunder Gottes, das ich mir nur mit den vorherigen Friedensgebeten erklären kann. Über ein und ein halb Jahre lang begann jede Demonstration mit einer Versammlung in der örtlichen Kirche und einem solchen Gebet.

Dass es sie in Leipzig in der Nikolaikirche schon sechs Jahre lang und unter schwierigsten Bedingungen gegeben hat und dort die revolutionären Montagsdemonstrationen ihren Anfang nahmen, daran kann man sehen, wie Gott wirkt und dass es sein Zutun und Wunder war. Im Alten Testament wird sein Eingreifen von den Propheten oft mit besonderen Zeichenhandlungen angekündigt. Auch die hat es in der DDR gegeben. Die kirchliche Friedensbewegung dort hatte bei einem Kirchentag 1983 in Wittenberg eine solche öffentliche Zeichenhandlung vollzogen. Der junge Schmied Stefan Nau hatte – anknüpfend an ein bekanntes Micha-Wort – ein Schwert zu einer Pflugschar umgeschmiedet. Auch ein sowjetischen Bildhauer hatte dieses Wort schon mit einer Statue interpretiert, die vor der UN in New York steht. Von vielen Jugendlichen in der DDR wurden nun entsprechende Aufnäher mit diesem Symbol auf ihren Jacken getragen. Der Staat hatte das eine Zeit lang toleriert – das Original kam ja aus der glorreichen Sowjetunion – dann aber verboten, den jungen Schmied schließlich in den Westen abgeschoben.

Die DDR-Friedensbewegung wurde vom eigenen Staat, aber auch von westlichen Medien als eher unbedeutende, kleine Schar von Idealisten abgewertet und nicht wirklich ernst genommen. Aber sie haben weltgeschichtliche Bedeutung bekommen. „Auch in der Nikolaikirche Leipzig entwickelte sich unter dem Motto ´Schwerter zu Pflugscharen´ ein regelmäßiges offenes Montagsgebet, das zur Keimzelle der späteren Montagsdemonstrationen vom Herbst 1989 wurde.“ (Wikipedia: „Schwerter zu Pflugscharen“) Dort ist eine Saat aufgegangen, die schon sechs Jahre früher gelegt und damals belächelt worden war. Solange staatliche Repression und westliche Beobachtung auf die Leipziger Junge Gemeinde eingewirkt haben, ist es noch einigermaßen leicht gewesen, genügend Teilnehmer für das regelmäßige Friedensgebet zu finden, aber in den stilleren Jahren danach sollen es manchmal nur drei oder vier Jugendliche gewesen sein, die sich montags getroffen haben. Doch gerade sie haben den Keim weitergetragen von etwas, das später so große Bedeutung bekommen sollte. Weil Gott seine Hand darüber gehalten und die jungen Menschen von damals gesegnet hat, konnte aus diesem zarten Pflänzchen so etwas Großes werden.

Genauso wirkt Gott auch in der Bibel. Manchmal ist es nur Einer in einem ganzen Volk, der seinen Plan weiter trägt und seinem Willen zum Durchbruch verhilft. Die Bedeutung der DDR-Friedensgebete geht auch heute immer noch weiter. In einem Radiobeitrag habe ich gehört, dass Christen aus Südkorea 2014 nach Leipzig gekommen sind, um sich über die damaligen Gebete und Aktionen zu informieren. Die jungen Leute aus Südkorea leiden darunter, dass in ihrem Land, auch in ihrer Kirche, so wenig Mitgefühl und Bereitschaft vorhanden sind, für die verfolgten Brüder und Schwestern in Nordkorea aktiv zu werden. Sie sagten, sie seien gekommen, um sich inspirieren lassen, von dem, was damals in Leipzig geschehen ist, wie Gott dort durch seine Junge Gemeinde über Jahre gewirkt hat. Und nun spitzt sich die Lage mit den nordkoreanischen Atomraketen immer mehr zu. Was soll man da sagen oder tun? Welche konkreten, auch politischen Möglichkeiten sie haben, müssen die Christen in Südkorea selber entscheiden; das können wir von hieraus kaum sagen. Sie sollten auf jeden Fall Gott um seinen Beistand bitten und vor je- dem Engagement nicht vergessen, Friedensgebete zu halten. Und wir sollten sie dabei unterstützen und in unsere Gebete mit einbeziehen. – G. Hahn


 

Leserbriefe zu „Hier geschehen Wunder“ von Alexandra Werdes

Vielen Dank für diesen interessanten und spannenden Bericht. Mir fiel spontan eine Geschichte von Kafka ein, die ich mal vor Urzeiten gelesen habe und zwar wird dort von einem Lehrer in einem armen tchechischen Dorf erzählt; die Kinder kamen nicht jeden Tag dort zur Schule, nur wenn sie nicht für die Feldarbeit gebraucht wurden, waren oft ungewaschen und barfuss. Leider finde ich die Geschichte jetzt nicht so schnell wieder, hab sie verlegt … Ungewöhnlich fand ich, dass dieser Lehrer seinen Hut vor den Kindern zog zur Begrüßung, ausserdem wurden sie für gute Leistungen in ein goldenes Buch eingetragen und bekamen auch keine schlechte Noten. Während  hier die Kinder noch geprügelt wurden, damit sie anständige Bürger werden, kam dieser Pädagoge mit anderen Mitteln zum Ziel. Er unterrichtete nicht nur in Mathematik, er gab Beispiele, wie sie den Anbau auf den Feldern z.B. verbessern können und wieviel sie auf dem Markt für ihr Gemüse usw. verlangen können. Einfache Rechenbeispiele machten neugierig und halfen dabei, die Kinder zu aufmerksamen Erwachsenen zu erziehen, was sich nach Aussagen in der Geschichte auf die positive Entwicklung des Dorfes ausgewirkt hat. Daher war ich sehr froh über den letzten Satz in dem Bericht über die Gebrüder-Grimm-Schule in Hamm, dass hier eine Haltung gegenüber den Kindern ausgezeichnet wurde, weniger ein Konzept. Super!! – Karin Fröhlich

 

Es kommt darauf an, von welcher Warte man das sieht. Wer eine Multikulturelle Staatengemeinschaft haben möchte, der mag mit der Preisverleihung einverstanden sein. Nichts wird über die Qualität des Unterrichts gesagt. Nur allgemeines Verhalten der Beteiligten. Das ist mir, wie fast immer, zu dünn für die tatsächliche Situation. Über Lernerfolge, und aus welcher Qualität der Unterrichtsstoff besteht, darüber sollten sich die Beteiligten den Kopf zerbrechen. Die darüber entscheiden, wer einen solchen Preis erhalten soll, scheint für mich sehr zweifelhaft zu sein. Die Schulen sind in erster Linie zum lernen da und nicht wie lieb alle miteinander umgehen. Was soll die altruistische Frömmelei.? Kritik und Lob gehört in eine Lehranstalt – und nicht nur Lob. Die Kritik der heutigen Homo sapiens entstammt einer Ideologie der Verblödung. Es ist eher zu einer Straftat mutiert, wenn Kritik geübt wird. Die jungen Menschen laufen heute alle weg, wenn man mit ihnen reden möchte. Der inflationäre Umgang  der Menschen, besonders der Kinder und Jugendlichen, mit dem Handy trägt zusätzlich zur Verblödung bei, wie die Psychologin, Autorin und Historikerin Brigitte Witzer in ihrem Buch „Die Diktatur der Dummen“ schreibt. Und die Eltern sind aus dem gleichen Holz geschnitzt. Betragen und Verhalten wurde von den Schülern am Rande notiert, so war es in meinen Schulen, und nicht als Weltanschauung gesehen. Ich war im Elternbeirat einer Realschule in NRW. Ich habe meine Kinder von den öffentlichen Lehranstalten genommen, weil sie nichts brauchbares gelernt haben.  Der frühere Präsident der Freien Universität, Berlin, Dieter Lenzen hat genau das immer gefordert. „Eine Lehranstalt hat die Schüler auf das Leben, im besonderen auf das Leben um seinen Unterhalt selbst zu verdienen, vorzubereiten und das heißt; lernen, lernen und nochmals lernen“. Das scheint in den Köpfen der Pädagogen verloren gegangen zu sein, und nicht nur in deren Köpfen, auch manche Politiker sind von diesem Wahn befallen.  Ich mache das an dem Epochenbruch der 60er Jahre fest.  In NRW, wo wir auch wohnen, hat mich die Preisvergabe überrascht. Ich nenne Roß und Reiter wer die Mißstände zu verantworten hat:  Nordrhein-Westfalen mit seiner Regierung aus SPD und Grünen (Beamtenpartei) ist genau deswegen abgewählt worden, neben der Verwahrlosung der Infrastruktur und der hohen Kriminalität. Hier, im besonderen die „Grünen“, die heute so bejubelt werden. Öffentliches Recht und Ordnung kann der Staat gar nicht mehr garantieren. Die ehemalige Schulministerin gehörte genau zu dieser Partei. Sie vertrat eine Ideologie der „Selbstfindung“.

Jeder Schüler mußte selbst herausfinden, wie was gerechnet oder geschrieben wird. Das zog unendliche private Studienkreise nach sich.  Gelernt haben meine Kinder erst spät nachmittags in den Nachhilfeeinrichtungen, die in den 90ern wie Pilze aus der Erde stiegen. Das wäre die Aufgabe der Öffentlichen Lehranstalten gewesen.  Die Politik, im besonderen der Länder,  haben das alles laufen lassen. Auch die meisten Lehrerinnen sympathisieren mit dieser Partei. Die jetzige Regierung versucht gerade, das alles nachzuholen und zu reparieren.  Die Kiste ist so verfahren, das es dafür eine ganze Generation braucht.   Die Lehrerinnen, Lehrer gibt es so gut wie gar nicht mehr, sind völlig überfordert. Die müssen untragbare Zustände über sich ergehen lassen. Auch das Fachwissen weisst große Lücken auf. Ihre Autorin schreibt am Schluß:“Es ist weniger ein Konzept – es ist eine Haltung“. Dem kann ich voll und ganz zustimmen.  Eine solche Auszeichnung ist das Papier nicht wert auf das es geschrieben steht. – Gunter Knauer

 

Im 7. Abs. steht: „1919 war es, als die allgemeine Schulpflicht in der Weimarer Verfassung verankert wurde.“ Das ist aber viel weniger als die halbe Wahrheit: Die allgemeine Schulpflicht stammt aus der Reformationszeit und wird erstmals im lutherischen Württemberg mit dessen Großer Kirchenordnung von 1559 fassbar. Alle Staaten des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation hatten bis zu dessen Ende 1803 und die Nachfolgeländer bis 1918 vergleichbare Gesetze. Daher rührt die Tradition der heutigen Kulturhoheit der Länder. Die Weimarer Reichsverfassung (WRV) versuchte nun erstmals, die Kulturhoheit dem Reich zuzuordnen. Da weder die Verfechter einer weltanschaulich neutralen Schule (Sozialdemokraten, Liberale etc.) noch die Anhänger einer konfessionell gebundenen Schule (Zentrum etc.) eine Mehrheit hatten, sollte eine Einigung erst in einem zukünftigen Reichsgesetz festgeschrieben werden (Art. 146, 149, 174 WRV). Bis 1933 kam es aber dazu nicht, und z. B. im badischen Konkordat des Hitlerstaats mit dem Vatikan von 1933 wurde die badische Simultanschule de facto unangetastet gelassen. Nach dem Krieg verankerten die Mütter und Väter des Grundgesetzes die Kulturheit erneut als Ländersache in der geltenden Verfassung. In den jetzigen Bundesländern führte das zu manchem Streit: So konnte erst 1967 in die baden-württembergische Landesverfassung von 1952 der Schulartikel eingefügt werden, der die badische Simultanschule im gesamten Bundesland verbindlich macht. Heute sind diese ganzen „Kämpfe“ ausgestanden. – Volker Morstadt

 

Was in der Gebrüder-Grimm-(Grund-) Schule erreicht wurde, kann sich schon sehen lassen, insbesondere wenn man bedenkt wie es war, als Schulleiter Wagner dort anfing: damals schoss ein Schüler auf Schüler und Lehrer mit Plastikkugeln, ein anderer warf mit Stühlen durch die Gegend und Wagner musste Schüler mit der Polizei aus der Schule holen. Und dennoch: wie sehen die Ergebnisse im Vergleich mit anderen Grundschulen der Stadt aus? Dort, wo Vergleiche möglich sind, zeigt sich folgendes: Während es beim Übergang auf die Realschule noch einigermaßen passabel aussieht – ihn schafften 22,8 % (der Durchschnitt liegt allerdings 11 Prozentpunkte höher nämlich bei 34 %), so sind die Zahlen beim Übertritt zum Gymnasium direkt katastrophal. Den Übergang aufs Gymnasium erreichten im Schuljahr 2018/19 gerade einmal 8,8 %. Das ist der absolut schlechteste Wert von insgesamt 27 Grundschulen, die einen Durchschnitt von 33 % erreichten. Also ein „Wunder“ ja, aber mit Einschränkungen. – Dr. Hans-Joachim Becker


 

Leserbriefe zu „Alles oder nichts (Folge 6): Unsere Kolumnistin findet schon den Sommer schwer erträglich – wenn sie dann auch noch in den Biergarten muss, hört der Spaß endgültig auf“ von Sophie Passmann

Reicht es nicht, dass das Magazin zu einer Werbepostille für Uhren und  Kleidung abgerutscht ist?  Muss ich mir dann auf der Suche nach etwas Lesbaren für meinen –  vielleicht ja für „Die Zeit“ nicht auskömmlichen – Subskriptionspreis  noch so einen belanglosen Unfug antun?  Wer Ihrer Leser interessiert sich für solche Plattitüden und schlichte  Unkenntnis? Es gibt viele wunderbare Biergärten, in denen sich laue  Sommernächte bei gutem Bier (vielleicht nicht lifestyle-haft verpanscht)  in netter Gesellschaft und ohne norddeutsche Regenkleidung geniessen  lassen.  Vielleicht sollte sich Frau Passmann mal von ihrem Schreibtisch und  ihren Vorurteilen weg bewegen. Oder vielleicht sollte sie einfach einen  6-monatigen Sommerschlaf antreten und nicht andere Menschen mit ihrem  Blödsinn belästigen.  Und vielleicht sollte die Zeit mal Ihre Preise anheben, damit sie sich  wieder vergangenes Niveau leisten kann.  – Birthe Preuß & Peter Zint

 

Frau Passmann sollte sich nicht über die Unerträglichkeit des Sommers aufregen, sondern über ihre eigene Unfähigkeit gute von schlechten Biergärten zu unterscheiden. Dies erkennt man in aller Regel schon von der äußeren Ansicht und an der Marke des ausgeschänkten Bieres. Ich bin begeisterter Biergartler schon seit ca. 55 Jahren und würde Frau Passmann einmal empfehlen in Altbayern oder in Franken auf dem Land den Biergarten oder -keller eines kleinen Brauereigasthofes zu besuchen, dann kann sie in vielen Fällen ihre Brotzeit selbst mitbringen, hat Aussicht auf die Berge oder Felder, oder z.B. von den Chiemseeinseln auf den See und die Berge. Sie wird nicht enttäuscht werden und muss dann auch keine Kolumne über Themen von denen sie keine Ahnung hat mehr schreiben.  – Klaus Hofmann

 

Mei o mei, was für ein uninspirierter und nölender post-pubertärer Artikel über Sommer und Biergärten in Deutschland. Und das ist dem Magazin auch noch ein Doppelseite mit dem gelangweilten Twen-Gesicht der Autorin wert. Nicht originell, deprimierend und nervig gleichzeitig, da fällt auch nicht mehr ins Gewicht, dass Biergärten seit je her mit Kastanien und nicht mit Eichen als Schattenspender bepflanzt werden. SO viele Biergärten scheint die Autorin noch nicht besucht zu haben… – Wolfgang Zieglmeier


 

Leserbriefe zu „Weniger reden, mehr arbeiten“ von Ijoma Mangold

Die vorzügliche Rezension des Würzburger Staatsrechtlers  Florian Meinel:  „Vertrauensfrage. Zur Krise des heutigen Parlamentarismus“ ,Verlag Beck 2019  erzeugt Appetit auf nähere Lektüre. Die Arbeitsweise des Bundestages und  das Zusammenwirken der drei großen Vermittlungsinstanzen ; Bundeskanzleramt, Volksparteien und Bundesverfassungsgericht läßt das Verhältnis zwischen Bundestag und Regierung  in einem neuen Licht erscheinen.  Daß die Kohäsionskraft der großen Volksparteien ganz beträchtlich nachgelassen hat, ist unbestreitbar. Aufgrund schrumpfender Organisations –und Integrationskraft bilden in der Tat die Parteien immer weniger die Gesellschaft ab. Diese bundesdeutsche Gesellschaft ist sozial,  kulturell und von der Herkunft her immer heterogener, so  daß politische Repräsentation immer weniger gelingt. Ob es wirklich klug von Bundespräsident Steinmeier war , Union und SPD in eine erneute GROKO quasi zu nötigen, darf aus heutiger Sicht zumindest mit einem Fragezeichen versehen werden, denn das bundesdeutsche Wahlvolk ist Grokos zunehmend abhold geworden.. Vielleicht muß in der Bundesrepublik noch ein Lernprozeß stattfinden, wonach weder Minderheitsregierungen per se von Übel sind noch auch Neuwahlen, wenn die aus Bundestagswahlen resultierenden ,  parlamentarischen,  Kräfteverhältnisse eine in sich konsistente Regierungsbildung nicht zulassen. – Sigurd Schmidt

 

Die Schlüsselwörter des Artikels sind für mich die beiden „V“-Wörter:  „Vertrauen“ und „Volksparteien“ – zusammen: Vertrauen in Volksparteien!?  Besonders tief ist das Vertrauen(sverhältnis) zwischen Patient und  Arzt: ein körperlich oder seelisch Kranker vertraut sich seinem  behandelnden Arzt an, wünscht sich Empathie, wirksame Therapie, Rat  und Hilfe; am Ende seines Lebens ärztlich begleitetes  Loslassen. Politikern dagegen t r a u t  man eher etwas  z u – ein doppeldeutiges Wort: ihr/ihm traue ich das zu (der schafft  das!), oder aber:…traue ich alles zu!  Wie aber können sich die ausgezehrten Volksparteien wieder das  Vertrauen ihrer Wahlbürger erwerben? Wenn sie immer wieder den  Elfenbeinturm des Reichstags verlassen und vor Ort dem Volk begegnen!  Wenn die Umweltministerin und der Wirtschaftsminister sich gemeinsam  in eine „fridays for future“-Demonstration einreihen, sich aber ebenso  engagiert den Protesten der Beschäftigen im Kohlebergbau stellen und  ihnen eine glaubwürdige Zukunftsperspektive bieten!  Wenn der Innen- und der Finanzminister nach Naturkatastrophen sofort  vor Ort sind, vielleicht selbst mit aufräumen und schnelle,    wirksame,“unbürokratische“ Hlife leisten.  Wenn der Gesundheitsminister als erster seinen Arm hinhält für eine  Blutspende, immer wieder einen Arbeitstag in einer Arztpraxis, einem  Krankenhaus oder Pflegeheim ableistet.  Wenn der Innen- und Außenminister sofort nach einem Terroranschlag    amTatort erscheinen, am besten auch die Kanzlerin, um sich der Trauer  der Verletzten und Hinterbliebenen zu stellen, sich für den noch  unzureichenden Schutz entschuldigen und konkrete Verbesserungen  versprechen; wenn zur Asylpolitik nicht nur Aufnahme, Familiennachzug,  Integration, sondern genauso konsequente Zurück- und Ausweisung  gehört; wenn immer wieder freundschaftlicher Druck auf unsere  europäischen Nachbarn ausgeübt wird, bis endlich ein fairer  Lastenausgleich erreicht ist, politischer Druck auf die    Fluchtländer, bei voranschreitender Versteppung endlich eine wirksame  Geburtenregelung durchzusetzen statt immer mehr Menschen nach Norden  loszuschicken!  Wenn die Fehlbesetzung im Verteidigungsministerium, mehrfache Mutter,  sich statt für flügellahme Hubschrauber für eine familienfreundliche  Politik einsetzen, jungen Paaren Mut machen würde, Kinder zu bekommen;  sie sind das Fundament unserer Gesellschaft, die sich zu zersplittern  und allmählich aufzulösen droht! Welchen Enkeln sollen wir dann welche  Welt hinterlassen?  Seltener unter der klimatisierten Reichtagskuppel, häufiger an den  öffentlichen Epizentren der Nation präsent sein und dort den Bürgern  zuhören: das erwartet das Volk von einer Volkspartei! Dann gelingt  vielleicht eine Politik, die breite Zustimmung erhält; dann werden  Gesetze geschrieben, nicht nur für das wohlwollende Nicken der  Verfassungsjuristen, sondern ausschließlich orientiert am Auftrag    des Amtseids! Dort gilt das Wohl und der Schutz des Volkes als oberste  Politikerpflicht!  Dann wächst es wieder, das zarte Pflänzchen des Vertrauens in Volksparteien! – Dr. med. Ulrich Pietsch

 

Mehr Demokratie wagen!
Offenbar scheinen wir Otto-Normal-Bürger ein völlig falsches Bild von unserer Demokratie zu haben: Der Plenarsaal ist unwichtig, nur ein leerer Plenarsaal zeugt von fleißigen Parlamentariern. Der Plenarsaal als ein irreführendes Symbol unserer Demokratie? Also geht die politische Bildung durch Schulen und Medien in aller Regel am Thema vorbei? Mag ja sein. Allerdings hat eine Verlagerung auf Ausschüsse und die Verzahnung von Legislative und Exekutive nicht nur Vorteile. Denn es macht die politischen Prozesse intransparenter. Eine demokratische Kontrolle wird dadurch schwieriger. Und das Vertrauen in die Parteien-Demokratie schwindet weiter.

Recht hat der Autor mit dem wachsenden Repräsentanz-Problem unserer Demokratie: Die politischen Parteien bilden schon lange nicht mehr die politische Wirklichkeit ab. Auch alle Parteien zusammen repräsentieren bei weitem nicht die gesamte Bevölkerung. Daher ist es Zeit, unsere Demokratieform weiterzuentwickeln. Eine bessere Repräsentation als derzeit ließe sich beispielsweise, anstatt durch das Wählen, durch das Losen der Volksvertreter erreichen. Die Abgeordneten würden dabei aus der gesamten Bevölkerung gelost – unabhängig von den Parteien. Das nennt sich Demarchie und ist nichts Exotisches. Wir kennen beispielsweise die Schöffen an Gerichten und in Irland die Convention of the Constitution, deren Vertreter durch das Losverfahren bestimmt wurden. Man muss ja gar nicht gleich das gesamte Parlament auf diese Weise bestimmen. Die Hälfte unserer Volksvertreter zu losen wäre doch aber schon ein guter Anfang. Das Losverfahren reduziert die Gefahren durch Korruption, Klüngelei und durch Politik aus reinem Machtkalkül. Und es stellt mit einiger Wahrscheinlichkeit sicher, dass tatsächlich alle wesentlichen Bevölkerungsgruppen ihre Zukunft mitgestalten können. – Volkmar Heitmann


 

Leserbriefe zu „Therapie durch Philosophie“ von Silke Weber

Ein sehr lesenswerter Beitrag über ein zukünftig sicher immer mehr gefragtes Angebot, dem zwei Ergänzungen hinzugefügt seien. Der Begründer der Philosophischen Praxis ist Gerd B. Achenbach aus Bergisch Gladbach, der 1981 die erste Praxis in Deutschland eröffnete. Somit kann man schon auf eine gewisse Tradition und Erfahrung hierzulande zurückgreifen. Und so schön das Bild mit dem Patienten auf der Couch ist, dem ein grübelnder Denker beisitzt, so ist doch darauf hinzuweisen, dass es gerade darum geht, auf Augenhöhe zu sein. Nicht therapieren, sondern zum Selbstdenken anzuregen und zu helfen, andere Perspektiven auf sich und die eigene Lebenswirklichkeit ermöglicht zu bekommen, ist das „Modell“ der Philosophischen Praxis. Der Text des Artikels bestätigt ja richtigerweise, dass Begriffe wie Methode oder Therapie der Sache Philosophischer Praxis nur bedingt gerecht werden. Da hilft einmal mehr Sokrates mit seinem Diktum, dass es darum gehe, sein Leben zu prüfen. Reflexion ist die Währung Philosophischer Praxis und dies leistet mit etwas Hilfe des Philosophen jeder Gast letztendlich selbst. Allemal gebührt der ZEIT die Feststellung, einen der ersten fundierte Beiträge über diese Art der lebensnahen Philosophie veröffentlicht zu haben. – Jochen König

 

Da stimme ich Ihnen voll zu, denn ein Heer halbgebildeter Besserwisser beherrscht unsere Gesellschaft und dient als Beweis dafür, dass die Demokratie (Herrschaft des Volkes) ausgedient hat. Linke Politiker, Medien und Gewerkschaft stärken die Herrschaft des Mobs, mit dessen Hilfe sie sich mühelos an der Macht halten können. Doch was das für ernsthafte und verantwortungsvolle Tätigkeiten bedeutet, das haben Sie offenbar erkannt und rufen jetzt nach Therapie durch Philosophie, denn schon antike Philosophen wie Platon, Aristoteles und nicht zuletzt Sokrates erkannten den Unsinn der Volksherrschaft mit „one man one vote“. Der jüngste Erfolg der Grünen mit Klimaschutz und Co2-Panik läßt diese Herren sich im Grabe drehen. – Peter Christian Vogl

 

Frau Weber hätte die Urszene der philosophischen Praxis von 1981 erwähnen müssen, deren Gründer Gerd B. Achenbach ist, der bei Odo Marquard promoviert hat. – Ein/e Leser/in


 

Leserbriefe zu „Mosaik aus Eis und Fragen“ von Stefan Schmitt et al.

Nachdem ich als Jugendlicher gerne die Bücher der Arktis- und  Antarktisforscher, u.a. von Fritjof Nansen gelesen habe, fand ich Ihren Beitrag sehr informativ. Es gibt im Beitrag aber keinen Hinweis auf die Finanzierung dieser Expedition des AWI. Welchem Ministerium ist das AWI zugeordnet ? Wird solch eine sicher kostenträchtige Aktion aus einem laufenden Haushalt bezahlt, lange geplant und abgesichert ? Wieviel Kosten sind veranschlagt ? Ist es eine internationale, europäische oder rein deutsche Veranstaltung ? Die 300 Forscher aus 17 Nationen werden von wem bezahlt ? Werden die Ergebnisse später an wen verkauft  ? – Hartmut Wagener

 

Für mich ist es vollkommen unverständlich, wie 3 (!) Autoren so etwas fertig bringen, ohne wenigstens ein einziges Mal darauf zu verweisen, daß die Sowjetunion und später Russland (40 !) ähnliche Expeditionen auf driftenden Eisschollen in der Nordpolarregion durchgeführt haben. Schon während der ersten Expedition 1937 landete sogar ein viermotoriges sowjetisches Flugzeug in der Nähe der Station! Ich würde ihren 3 Autoren empfehlen, einmal mit einem russischen Atomeisbrecher zum Nordpol zu fahren. Die schaffen das und bieten auch noch ein Frühstück im Rahmen der Reise auf 90 Grad nördlicher Breite an. Auf dieser Reise wird sicher auch erklärt, was sowjetisch-russiche Polarforscher insbesondere auf driftenden Eisschollen geleistet haben.  Für mich ist dieser Artikel ein leuchtendes Beispiel einer Lügenpresse. Man lügt eben nicht nur mit Umwahrheiten sondern auch mit gezieltem Weglassen. So etwas ist der „Zeit“ einfach unwürdig. Oder ist es etwa nur ein Beispiel für eine, vielleicht gewollte, Zensur im Kopf.  – Dr.Ing. Manfred Trauselt


 

Leserbriefe zu „Haben Sie das wirklich verdient, Herr Hück?“ von Claas Tatje

In diesem Artikel wiedersprechen Sie sich in einem Absatz zum Einkommen des Herrn Hück: lt. Ihren Recherchen hat er nicht 1/2 Millionen Jahresgehalt, aber im letzten Satz fragen sie dann: aber hätte er dann auch eine 1/2 Millionen Euro Jahresgehalt erhalten. Ja was denn nun? – Michael Hüsken

 

Was lese ich da in Ihren Beitrag. Das Arbeitsministerium damals unter Leitung von Andrea Nahles hätte dem Vorschlag schon zugestimmt? Oje, das wäre komplett unter dem Radar der Öffentlichkeit durchgewunken wurden. Ich dachte, das S in SPD steht für sozial. Muss mich wohl geirrt haben. – Yves Pulst


 

Leserbriefe zu „Wer hält dagegen?“ von Mark Schieritz

Donald Trump (America I.) gibt die Richtung vor, und der Rest der Welt, der murrt ganz kurz und sehr extrem-passiv dagegen auf, und lässt ihn dann einfach wieder weiter gewähren; bis er sich beruhigt oder auch nicht! So wie Donald Trump (US Präsident), so kann es keiner, so hat es wirklich keiner drauf! Vielleicht doch einer dort im fernen Osten; weit, weit über dem großen Ozean, im Lande „UK“, da muckt ein „blonder Jüngling“ immer voll und immer dagegen auf; den man Boris „Brexit“ Johnson nennt! – Klaus P. Jaworek

 

Die Erfolge von Trumps AmericaFirst-Strategie sind auch meiner Wahrnehmung nach offensichtlich erfolgreich. Herr Schieritz hat das zutreffend analysiert. Ironischerweise passt diese Entwicklung in die Zeiten des Klimawandels, wenngleich Herr Trump sicher nicht eine Sekunde darüber nachgedacht hat. Der für uns noch zur Verfügung stehende CO2-Ausstoß, um das 1,5- Grad-Ziel zu erreichen, erzwingt auch ein anderes Wirtschaftssystem: Wir müssen uns von der Wachstumsideologie verabschieden, aber auch von grenzenlosem, freien Handel. Man wird einen Kompromiss finden müssen zwischen optimaler Ressourcenallokation, Transportaufwendungen und Economy of Scales.

Ich denke, dass sich ein weitgehend freier Handel nur noch innerhalb der 3 großen Wirtschaftsbereiche (Amerika, Asien und Europa) abspielen wird. Hier sind wir durch Trump auf dem besten Weg. Die Nebenwirkungen, auf die wir uns allerdings einstellen müssen, sind steigende Preise, nicht aber unbedingt auf Dauer sinkende Beschäftigung, da wieder mehr Produkte im eigenen Wirtschaftsbereich hergestellt werden dürften. Schauen wir uns doch die Entwicklung in den USA an. –     Dietrich Junker


 

Leserbriefe zu „In zweifelhafter Gesellschaft“ von Georg Heil et al.

Der  Artikel, erfüllt für meine Begriffe so ziemlich alle Vorurteile, die beim Umgang mit russischen Stellen infrage kommen können. Damit will ich absolut nicht behaupten, dass es hier Ungereimtheiten geben kann, dass hier Vorsicht geboten ist.  Dagegen kommt es so gut wie gar nicht vor, dass sich unsere amerikanischen Freunde gegen derartige Verdächtigungen wehren müssten. Und es wird kaum erwähnt, dass die US-Geheimdienste, die in etwa 149 Staaten der Welt unterwegs sind, die eigentlichen Meister der Spionage sind. Wer war das doch gleich, der gar Merkels Handy ausspioniert hat? Doch diesen „Ausrutscher“ hat ja dann der damalige Kanzleramtschef Pofalla mit seiner berühmten Aussage von einem No- Spy-Abkommen vom Tisch gewischt.  Was ich nicht in Ordnung finde ist das messen mit zweierlei Maß.  Noch eine Bemerkung bezüglich Chodorkowski: Ist es nicht jener Oligarch, der in der Jelzinzeit und kurz danach einer US-Ölgesellschaft einen Gutteil der russischen Erdölvorkommen verscherbeln wollte? Wenn ja, dann sagt das einiges über diese Recherchen aus. – Friedrich Grimm

 

Bei solchen Artikeln frage ich mich manchmal wirklich, ist diese Russland Phobie eine Krankheit oder basiert sie ganz einfach auf der Doktrin vieler westlichen Medien mit dem Ziel die Gesellschaft bewusst  im Sinne der USA zu manipulieren?   Sind wir wirklich noch immer im kalten Krieg stecken geblieben und keinen Schritt weiter gekommen? Sollen wir uns noch immer devot und hörig den USA unterwerfen und diesem agressiven Staat blind vertrauen?   Ihre „Berichterstattung“ über Russland und Putin ist meiner Ansicht nach Desinformation und Propaganda ohne  jeglichen Bezug zur Realität und als zahlender Abonnent erwarte ich wenigstens ein Minimum an Balalance und Objektivität.  – Hansruedi Schnider


 

Leserbriefe zu „Kultiviert wie wir?“ von Fritz Habekuss

Man mag es schon nicht mehr hören oder lesen: „Schimpansen sind nicht grundsätzlich anders als der Mensch.“ Schließlich“(teilen wir) mit keiner anderen Art … mehr Erbgut  als mit den Schimpansen.“ (DIE ZEIT  Nr. 24, 6. Juni 2019, Fritz Haberkuss: „Kultiviert wie wir?“ Das immerhin mit einem Fragezeichen versehen!) Da wundert man sich doch schon darüber, warum die Schimpansen nicht schon längst in hellen Scharen ihre Urwälder verlassen und dem Menschen nicht nur in allen Belangen nachgeeifert, sondern ihm auch Konkurrenz gemacht haben. Aber im Ernst: Die „Sonderstellung des Menschen“ im Tierreich wird seit geraumer Zeit immer wieder infrage gestellt bzw. angegriffen, auch von einem passionierten Schimpansenforscher wie Volker Sommer, der ähnlich wie Christophe Boesch „den Menschenaffen seit Jahren verfallen (sic!) ist“.  Das klingt schon in dem eingangs zitierten Satz an. Aber was soll/will  man unter „grundsätzlich“ verstehen?

Welche Prinzipien bzw. Kriterien sollen hier zur Anwendung kommen? In welchen Hinsichten sollen Schimpanse und Mensch miteinander verglichen werden? Gänzlich vergessen scheint, dass schon seit den späten Zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts die Vertreter der Philosophischen Anthropologie – namentlich Max Scheler ( „Die Stellung des Menschen im Kosmos“, 1928), Helmuth Plessner („Die Stufen des Organischen und Mensch“, 1928) und Arnold Gehlen („Der Mensch – Seine Natur und seine Stellung in der Welt“, 1940) – zu Einsichten gekommen sind, die es lohnen , heute wieder in Erinnerung gerufen zu werden. (Die erwähnten Bücher sind bis heute im Buchhandel erhältlich.) Da ist die „Weltoffenheit“ des Menschen (Scheler) zu nennen, aber auch seine „exzentrische Positionalität“ (Plessner), die ihn grundsätzlich von allen Tieren abhebt (nicht aber über sie erhebt; Sonderstellung heißt nicht „Krone der Schöpfung“!), sowie Gehlens These: Der Mensch ist als „handelndes Wesen“ grundsätzlich anders „konstruiert“ als jedes Tier: von der Sinneswahrnehmung über seinen Bewegungsreichtum und seine Fähigkeit zum abstrakten Denken bis zu seiner übertierischen Antriebsstruktur. Mit einem Wort: die von Haberkuss berichteten neu entdeckten Fähigkeiten der Schimpansen, so erstaunlich sie auch sind, sind Höchstleistungen („Leistungsgrenzen“ nach Gehlen), bei denen das genuin Menschliche erst anfängt und alle tierischen Fähigkeiten weit hinter sich lässt. Die „Trennmauer“ existiert übrigens seit ca. 7 Millionen Jahren tatsächlich, seit dem letzten gemeinsamen Vorfahren von Menschenaffen und Menschen. – Werner Fricke

 

Immer mal wieder will uns jemand aufklären, wir Menschen seien Tier unter Tieren, eigentlich nichts Besonderes. Schon der gesunde Menschenverstand will da nicht mitmachen, mit Recht nicht. Allein an seiner Sprache ist die  Sonderstellung des Menschen abzulesen. Unser Leben ist unendlich viel reicher als das aller anderen Wesen auf diesem Planeten, denn Sprache lässt uns teilhaben an den Erfahrungen, Träumen und Fantasien ungezählter anderer Menschen. Im Tierreich ist da nichts Vergleichbares. Oder: „Der Mensch ist das einzige uns bekannte Wesen, das Verantwortung haben kann. Indem er sie haben kann, hat er sie.“ (Hans Jonas). Er ist auch das einzige uns bekannte Wesen, das in der Lage ist, das Leben auf seinem Planeten weitgehend zu ruinieren, natürlich inklusive sich selbst. Und, und, und. Genügt das nicht schon, um einzuräumen, dass der Mensch „grundsätzlich anders“  ist? – Wolfgang Butzkamm


 

Leserbriefe zu „Über den Ehrgeiz und die Sparsamkeit der Aufsteiger aus ärmlichen Verhältnissen“ von Harald Martenstein im ZEIT Magazin

Es kommt nicht oft vor, dass ich auf ZEIT – Artikel reagiere, diesmal muss ich aber ein besonderes Dankeschön sagen , weil , von einem anderen, im vorliegenden Fall mindestens 10 Jahre späteren „ Proletarierkind „ mit nahezu identen Erfahrungen zu lesen. Als aufmüpfiges „ Eisenbahnerkind“ (= Proletarier ), ohne Bildungshintergrund in Wien in ein bürgerliches Gymnasium zu gehen, wo noch der Direktorstellvertreter im Gestapomantel herumgerannt ist und „ Watschen „ angedroht und auch vergeben hat ! Eine Verbesserung ist erst Mitte der 60er Jahre und dann deutlich in der Ära Kreisky eingetreten, zB., dass jungen Leuten aus ärmeren Schichten, bei entsprechendem Studienerfolg , durch Stipendien ein Studium ermöglicht wurde. Eine ungewöhnliche oder doch gewöhnliche Parallele ? Danke – Ein/e Leser/in

 

Seit vielen Jahren lese ich immer zuerst Ihren Artikel wenn ich die Zeit erhalte.
Vielen Dank! Machen Sie so weiter. Es gibt sehr viele Menschen, die wie Sie denken. – Stefan Heinrich


 

Leserbriefe zu „»Bin ich gut genug?«“ von Cathrin Gilbert

Worin besteht der Sinn Ihres Artikels? Ja, die Dame braucht kein Buch zu schreiben, ist dazu vielleicht in keinster Weise berufen, verdient dies aber Ihren – wenn auch gut getarnten – Verriss? Oder- Hand aufs Herz- ist es der Neid auf eine Kollegin aus der gleichen Kaderschmiede – so sehen Sie wahrscheinlich die BILD Redaktion- die man(n) kennt? Wie auch immer: unnötig und ohne Erkenntnisgewinn. – Jürgen Sievert

 

Die Sportberichterstattung und Kommentierung krankt daran, dass sich die Protagonisten zu wichtig nehmen. Viele gerieren sich inzwischen als Hauptpersonen in der Unterhaltungsbranche „Sport“, zu der  Spiel und „Leibesertüchtigung“ inzwischen verkommen sind. – Sven Herfurth


 

Leserbriefe zu  „Besser anrüchig als normiert“ von Adam Soboczynski

Ein äußerst interessantes Interview! Frau Menasse erwähnt Peter Sloterdijks Aussage über die Unmöglichkeit, mit Milliarden von Menschen zu koexistieren. Ähnliches hat schon Robin Dunbar erkannt: Der Mensch ist nur in der Lage, mit maximal (ungefähr) 150 anderen Menschen (Gruppen) in Freundschaft verbunden zu sein. Was ja in der Umkehrung bedeutet, dass alles oberhalb dieser Dunbar-Zahl „Feind“ ist. Das mag eine Erklärung sein, warum in den Milliarden-großen (a)sozialen Medien so viel Hass herrscht. Zur Eva Menasses Aussage, sie werde mal als Abweichlerin nach links und mal nach rechts angesehen, möchte ich ergänzen, dass wir heute wohl in der Tat von einer Spaltung der Gesellschaft sprechen müssen, einem Auseinanderdriften. Allerdings NICHT in erster Linie zwischen links und rechts, sondern zwischen (gemäßigter) Mitte und zunehmend extrem werdenden Rändern.

Erlauben Sie mir eine finale Bemerkung über die (gerade von links quasi sprachpolizeilich überwachte, von Adam Soboczynski als fortschrittlich bezeichnete) „politische und Gender-gerechte“ Sprache. Ich denke, wir sind keine Barbaren, wenn wir Pipis Papa auch weiterhin Negerkönig sein lassen. Denn auch hier zeigt sich m.E. Geschichte: Literatur- UND Gesellschaftsgeschichte. Dazu kann, dazu soll man stehen! Es besteht ein Unterschied zwischen Alltagssprache und Literatur. Wie viele –reale und fiktive– Diktatoren haben schon versucht, Geschichte(n) in Büchern umzuschreiben, indem sie Unerwünschtes einfach strichen.
PS: Liest man den Artikel von Gero von Randow (über Notre Dame, eine Seite weiter), könnte man fast glaube, er und Eva Menasse haben sich abgesprochen in ihrer Sichtweise der Authentizität von Neu und / oder alt. – Michael Koehn

 

Ich habe Ihr Gespräch mit Frau Menasse sehr interessiert gelesen. Dabei kam ich zu der Überlegung, dass meine Generation, die mit dem Internet aufgewachsen ist, sich unbedingt mit den Menschen auseinandersetzen sollte, die noch die Zeit vor dem Internet erlebt haben. Wir haben häufig einen verklärt optimistischen Blick auf alles Digitale, deshalb sind konstruktiv kritische Gedanken zu den Gefahren des Internets ungeheuer wichtig. Leider löst das grundsätzliche Missverständnis und Misstrauen älterer Menschen eine spontane Abwehrhaltung bei uns jungen Menschen aus. Sachliche Beobachtungen wie hier sind rar – und doch von unschätzbaren Wert. In einiger Zukunft wird es nur noch Menschen geben, die in vollständiger Vernetzung groß geworden sind, dann wird es schwierig die Distanz zu wahren, wie Frau Menasse es tut.  – Maik Niederstein


 

Leserbriefe zu „Wer ist hier der Dumme?“ von Thomas Kerstan

Begriffsklarheit sichern
Wer nach den Dummen fragt, hat bei uns im Land eine reichliche Auswahl. Um eine Eingrenzung vorzunehmen, sollte man unbedingt die Begriffsklarheit sichern. Für mich gehört die Autorin des Buches „Das Problem sind die Lehrer“ zu der von Kerstan erfragten Kategorie, allerdings erweitert um „bösartig“. Keinesfalls darf man Architekten, welche vergessen, einen Fahrstuhl einzuplanen, zu den Dummen rechnen. Diese Leute kennen offensichtlich im Gegensatz zum Fragesteller den Unterschied zwischen einem Fahrstuhl und einem Aufzug/Lift. Dumm wäre es, letzteren einzuplanen. – Rudolf Müller

Dumm ist es auch, das Wörtchen „nicht“ in einem Schlußsatz zu vergessen! – Rudolf Müller


 

Leserbriefe zur Fotokolumne „WER BIST DU?“ von Florian Jaenicke im ZEIT Magazin

Welche Menschen leiten heute Schulen? Den Wert eines Menschen so gar nicht auf dem Schirm zu haben? So jemand vertrauen wir unsere Kinder an!!! Es wäre ratsam, Lehrer während ihrer Ausbildung für einige Wochen in einer Behinderteneinrichtung Eindrücke erleben zu lassen. Ich bin fest davon überzeugt, dass viele dann ein Gespür dafür bekommen würden, was einen Mensch wirlich ausmacht. Das Lachen, die Freude über ganz natürliche Dinge in unserem Leben, wie der Sonnenschein oder der besondere Geschmack eines Nahrungsmittels. So etwas banales wie ein Windelwechsel tritt doch dann hoffentlich komplett in den Hintergrund. Danke nochmals für Ihren Mut diese Serie zu veröffentlichen Danke, dass Sie Betroffenen damit auch Mut zusprechen Ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie Kraft und Energie aber vor allem auch ganz viel Freude mit Friedrich – Susanne Weyrich

 

Die Fotoserie von Florian Jaenicke über seinen Sohn Friedrich finde ich berührend und sehr anschaulich.Das Bild in ZEIT-Magazin Nr. 23 vor dem Wiesenfeld mit dem Text, der die Lebensfreuden dieses Jungen mit seinen Einschränkungen beschreibt, verdeutlicht auf großartige Weise seine Würde. Aber Vorsicht doch mit solchen Darstellungen wie im jetzigen Heft Nr. 24 – zur Würde des Menschen gehört ganz unbedingt der Schutz der Intimität, gerade auch in einer hilflosen Lage.Diese Forderung hat nichts mit Prüderie, Tabu oder verstecken zu tun – die Normalität der Pflegenden in solchen für sie alltäglichen Situationen muß für den ihnen Anvertrauten gegenüber Aussenstehenden solche Grenzen wahren, insbesondere in medialen Abbildungen.Dieses Foto hilft bei dem beschrieben Problem von Inklusionsverweigerung nicht weiter. Dies schreibe ich als Großmutter eines auch betroffenen Enkels. – Gertrud Tammena


 

Leserbrief zu „Er sagt – Sie sagt“ von Sarah Levy

Seit Jahren lese ich die ZEIT regelmäßig. Noch nie habe ich mich in der ZEIT so wiedergefunden, wie in der neuen Rubrik „Er sagt, sie sagt“. Als junge Mutter, Anfang 30 – spricht mir jedes Paar dort aus dem Herzen. Es ist die erste Seite, die ich anpeile, wenn die neue Ausgabe druckfrisch vor der Tür liegt. DANKE – you made my day! – Christina Jurgeit


 

Leserbrief zu „Bipolares Frankreich“ von Gero von Randow

So düster der Artikel das Pariser Kirchenszenario beschreibt, müssen wir auf einen Lichtblick hinweisen: auf halbem Weg zwischen Notre-Dame und Saint-Sulpice steht St. Germain des Prés, die älteste Kirche von Paris und, unserer Meinung nach, die schönste. Sie wurde in den letzten Jahren mit viel Aufwand und Liebe restauriert. Wer sich im Kirchenschiff niederlässt und die Farbenpracht auf sich wirken lässt, wird für die Negativeindrücke aus anderen Objekten entschädigt und geht heiter ins Freie hinaus. Wenn dort noch eine Jazzband spielt, steigert dies die Stimmung. – Gisela und Werner Schmidt


 

Leserbrief zu „Die Klimasteuer“ von Katharina Heckendorf und Lisa Nienhaus  und zu „So teuer wird CO2“ von Jelka Lerche, Katharina Heckendorf und Lisa Nienhaus

Danke für die konkreten Rechenbeispiele zur CO2-Abgabe mit Rückzahlung!  Die Zahlen zeigen, wo soziale Härten und Ungerechtigkeiten lauern. Sie  zeigen aber vor allem, dass sich, selbst bei einem sehr hohen CO2-Preis  von 180 Euro pro Tonne, Belastungen ergeben, die für die große Mehrheit  der Bevölkerung tragbar sind.  Was folgt nun daraus? Sollten wir, aus Rücksicht auf diejenigen, die  sich den Verzicht auf Klimasünden nicht leisten können, diese fortsetzen  oder weiter allein auf den Emissionshandel hoffen, obwohl dieser seit  vielen Jahren keine spürbaren Effekte erzielt hat? Nein! Wir brauchen  den Wandel jetzt und wir brauchen eine Vielzahl an wirksamen Maßnahmen.  Aber vor allem: die Instrumente für eine gerechtere CO2-Abgabe sind  bekannt; sie werden, etwa in Kanada, längst praktiziert: (1) Ein Teil  der CO2-Abgabe (in Kanada 10%) wird nicht zurückgezahlt, sondern für den  Ausgleich sozialer Härten eingesetzt. (2) Die Abgabe wird schrittweise  erhöht, ausgehend von einem niedrigen Niveau. Kanada startet in diesem  Jahr mit 20 CAD (entspricht etwa 13 Euro) und erhöht jährlich um 10 CAD,  zunächst bis 2022. Dann wird das Ergebnis geprüft und die Abgabe bei  Bedarf angepasst. Das sollte doch auch bei uns möglich sein! – Tiemo Timmermann


 

Leserbrief zu „Paradies im Wiederaufbau“ von Kerstin Kohlenberg

Beim Lesen des Nachkatastrophenszenarios hatte ich immer dieses Bild im Hinterkopf: Während die Tekkies im Silicon Valley immer künstlichere, naturentferntere technologische Welten entwerfen, schreibt die Natur – in Gestalt eines Waldbrands – oben in den Canyons ihr nächstes großes Menetekel an die Wand. Natürlich wird „Paradise“ wieder aufgebaut werden, nur Traum vom einfachen Leben wird zuende sein. Das kommende „Paradies“ wird Breitbandanschluss und schicken kubischen Wohnraum haben – aber vielleicht irgendwann kein Wasser mehr. – Dr. Olaf Hähner


 

Leserbrief zu „Wenn’s in der Ferse knallt“ von Urs Willmann

Ich hatte in den letzten 25 Jahren immer mal wieder starke Schmerzzustände an der Achillessehne, eine sogenannte Achillodynie. Die Orthopäden, die ich konsultierte, kamen über ihr Standard Programm wie Ibu, Einlagen, Reizstrom usw. nicht hinaus und konnten nicht helfen. Was mir half und hilft waren Globuli der Garten- oder Weinraute, Ruta D6. 3 mal am Tag eingenommen, im Mund zergehen lassen und keine Gabe vergessen. Mir hilft es nach ein paar Tagen . Mein momentaner Orthopäde kann das nicht nachvollziehen und meint, es läge an meiner Einbildung. Von mir aus. Mir hilft`s. – Wilhelm Stauch-Becker


 

Leserbrief zu „Einfach machen“ von Robin Droemer

Der Autor Robin Droemer porträtiert den jungen Unternehmer Thomas Jakel, der bereits als BWL-Student eine Firma gründete und inzwischen dieses Unternehmen mit 27 Mitarbeitern erfolgreich leitet. Sehr erfreulich. Nachteil: „…Jakel und sein Partner arbeiteten pausenlos,…“. Inzwischen hat Jakel durch Abbau von Bürokratie und Steigerung der Arbeitseffektivität die Arbeitszeit auf eine Stunde pro Woche reduziert. Sensationell, ein Unternehmen, das seine Wertschöpfung mit einer Wochenarbeitsstunde erzielt. Dies wird die `Work-Life-Balance´ der Menschheit revolutionieren. Doch halt. Der Artikel sagt aus, dass Herr Jakel nur noch eine Stunde pro Woche arbeitet, von den 27 Mitarbeitern ist nicht die Rede. Arbeiten diese etwa nicht eine Stunde pro Woche, sondern vielleicht eher pausenlos? Dann wäre diese Art von Unternehmensführung nicht neu. Und das Weltverbesserungsmotto dieser Unternehmer wurde im Beitrag falsch wiedergegeben. Es lautet: „Screw it, make them do it“. – Dirk Warnecke


 

Leserbrief zu   “Halbgute Garnichtlösung“ von Hanno Rauterberg

Bildtext: Auch für Bruce Nauman braucht es neue Räume….. In Deutschland gibt es viele große Höhlen, in die niemals Licht hineinfällt.  – Wolfgang Burkhardt


 

Leserbrief zu „Der Untote“ von Ulrich Ladurner

Der Pfingstmontag eignet sich gut, vor allen Dingen dann, wenn man eine Kur eingelegt hat. Die Ruhe und Zeit lässt Spielraum für einige Gedanken zur Geschichte unseres Erdballs. Und die „Zeit“ ist dabei, obwohl ich mich immer öfters ärgern muß. Diktator Franco in Spanien ist so ein Mensch über den man nachdenken sollte, in Bezug zur heutigen Zeit, besonders dann, wenn man in Deutschland geboren wurde. Aber nicht wie sie vielleicht denken, sondern immer im Zusammenhang mit der heutigen Zeit. Das wird ihnen gar nicht gefallen. Die Demokratie in der heutigen Zeit ist nur noch mit schmerzen zu ertragen, besonders dann, wenn es um Deutschland geht. Dabei wäre es gar nicht so schwer, das rechte Maß zu finden. Die Überdosis an Demokratie ist ebenso gefährlich wie alles andere was man an Überdosis verbraucht oder gebraucht. In der Not greift man zur Notlüge oder diversen Verharmlosungen, um die Demokratie zu verteidigen. Die Demokratie als weltliche Staatsreligion kennt durchaus verschiedene Härtegrade.  Auf die richtige Dosis kommt es an. Willy Brandt hat vom Wagnis gesprochen. Heute hat sich gezeigt, das Wagnis ist gescheitert. Wenn der Staat nicht mehr für öffentliche Recht und Ordnung garantieren kann, dann sollten bei den Vertretern der Staatsgewalt  die Alarmglocken läuten. Dann unterscheidet sie sich kaum noch von einer Diktatur. Besonders dann, wenn man einen Vielvölkerstaat will.  Da hilft auch keine Ehrung durch eine weltweit bekannte Lehranstalt. Es gibt nicht „den“ Homo sapiens, den kann man auch nicht beliebig zu recht stutzen wie viele Erdenbürger glauben mögen. Der führt ein Eigenleben. Die Geschichte hat gezeigt, zu was er alles fähig ist. Die Globalisierung ist zum Schicksal geworden. Das technokratische, anscheinend am Sachzwang orientierte Politikverständnis wird zum herrschenden politischen Paradigma erhoben und dient der herrschenden Elite zur Sicherung und Legitimation des eigenen Herrschaftsanspruchs. Schöne Demokratie. Der Bürger begehrt dagegen auf. Die Unbelehrbaren schießen ständig mit verbalen Kanonen auf Spatzen. Die Globalisierung erscheint fast wie ein Naturgesetz, sie kommt über uns wie eine Großwetterlage. Mann will den Menschen weismachen: Diese Entwicklung passiert, sie steht außerhalb unserer Macht. Wenn das stimmen sollte, dann haben wir die falschen  Menschen, die für den Bürger die politischen Geschicke übernommen haben. Spanien mit Francisco Franko hat unter ihm schwer gelitten. Das bedarf gar keiner Frage.  Ich behaupte: Die Demokratie tut alles dafür, daß sich das wiederholt. Wenn ich mir die Auseinandersetzung mit der AfD so anschaue, dann existiert sie eigentlich nicht. Die sogenannten Demokraten sind von allen Geistern verlassen, wie sie sich gegenüber dieser Partei gebärden. Das erschöpft sich alles in ständigen Beleidigungen, körperlichen und seelischen Verletzungen von bestimmten Personen.  Das hatte fast Nazicharakter oder  der in Rede stehende Francisco Franko Diktatur. – Gunter Knauer


 

Leserbrief zum Wochenmarkt „Einfach gute Pasta“ von Elisabeth Raether im ZEIT Magazin

Gleich am Donnerstag haben wir Ihre Kräuter-Spaghetti probiert und wir sind begeistert. Das Rezept kommt in unsere Sammlung, in der schon einige Ihrer Rezepte aufgenommen wurden, z.B. „Stangensellerie mit Rindfleisch“ oder „Roastbeef im Bratschlauch“. Alle gehören in die Kategorie „Einfach zubereitet und lecker“. Herzlichen Dank dafür. – Erwin Reichert


 

Leserbrief zu „Freiheit auf Lunge“ von Heinrich Wefing

Kein ernstzunehmender Politiker habe es seit 1949 gewagt, zu ignorieren, was Karlsruhe entscheidet. Er würde hinweggefegt von Proteststürmen, schreibt »Die Zeit«. Das läuft ja ganz offensichtlich unter der Rubrik »Fake News«: Ich erinnere nur an die wiederholten eindeutigen und nicht interpretierbaren Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts gegen die Vorratsdatenspeicherung und die bis heute hemmungslos fortgesetzten Versuche der Exekutive, die digitale Totalüberwachung der Bürger dennoch durchzusetzen. – Ronald Friedmann


 

Leserbrief zu „Als Kanzler war der Druck groß. Er hielt ihn aus, weil er überzeugt war, das Richtige zu tun“ von Wolfgang Schüssel im ZEIT Magazin

Wahrhaftig, was Österreichs Kanzler für Österreich auf sich nehmen; Bandscheibenvorfälle; in Helsinki! eine Nacht lang mit der Wange unter fließendem Kaltwasser liegen, um den Schmerz zu betäuben; und gar Andreas Khol, der bekam durch die EU-Sanktionen ein Magengeschwür. (im Volksmund Katholikenkrankheit) – Paul Zwirchmayr


 

Leserbrief zu „Jetzt neu: Immobilienmarkt-Literatur“ von Iris Radisch

Wenn die Politik nicht so deppert wäre, hätten sie die Hölzer, Forste  oder Wälder längst zu Wohnstätten umfunktioniert. Die Baumhäuser gilt es nicht abzubauen sondern aufzubauen. Der Hambacher Forst sollte wieder reaktiviert werden. Die Hölzer und Forste liegen  meistens in Stadtnähe. Der Staat ist also gefragt. Die Grünen werden kaum was dagegen haben.  Wenn doch, dann fallen sie wieder auf 6% zurück.  Ich kenne einige Architekten die sich damit befassen und auch schon gebaut haben.  Die Literatur darf ruhig mal fremd gehen j – Gunter Knauer


 

Leserbrief zu „Auf ins Freie!“ von Thomas Assheuer

Der Autor des Artikels lässt es mitunter an Genauigkeit vermissen, wenn er – was seiner Argumentationslinie zu pass kommen scheint – den Dieb im Titel des neuen Buches von Slavoj Zizek mitten in der Nacht verortet und nicht “bei Tageslicht”, wie es eigentlich heißen müsste. Mit “Wie ein Dieb bei Tageslicht” spitzt Slavoj Zizek den Bibelspruch zu, dass das Reich Gottes kommen werde wie ein Dieb in der Nacht, also dann, wenn wir es nicht erwarten. Zizek dagegen ist überzeugt, dass sich das herrschende kapitalistische System am helllichten Tage unter unseren Augen bereits wandelt zu etwas Anderem – ob zum Besseren hängt von der Fähigkeit des revolutionären Subjekts ab, diese Umbruchphase emanzipatorisch zu nutzen. Ideen dafür liefert Zizek in “Wie ein Dieb bei Tageslicht“, die der ZEIT-Autor leider ungenannt lässt. – Max Heeke


 

Leserbrief zu „Das Letzte“ von FINIS

Vorschlag zur Güte. Die Redakteure leben naturgemäß in Hamburg oder Umgebung.  Diese meine Idee gebe ich an sie ab, damit sie Bewegung in die denkfaulen Eigentümer der Märkte in Hamburg bringen. Die Amerikaner machen uns das Mal wieder vor.  Autoschalter für SB-Märkte sind angesagt. Was denn sonst. – Gunter Knauer


 

Leserbrief zu „»Unsere Kirche braucht mehr Start-up-Kultur«“ von Sebastian Kempkens

Ja, dem Ratsvorsitzenden folgend hat das “Netz” seine Schattenseiten.  Die großen Betreiber in Silicon Valley ziehen Hass-Beträge an, wollen ja  gerade jede Form von Frequenzbringern, um an die persönlichen Daten zu  kommen. Die werden dann verkauft und für Werbung bis hin zur politischen  Beeinflussung verwendet. Das wirft Fragen auf: Ist dieses Umfeld – Influencing – das richtige Medium für kirchliche  Botschaften? Bedeutet nicht “Start-Up-Kultur”, sich mit ökonomischen  Brosamen auf fremdbestimmten Plattformen zu begnügen?  Jede APP zahlt Lizenzen und Umsatzanteile an die Plattform und liefert  eventuell gewonnene Daten ab. Der Zukunftsforscher Sven Gábor Jánzky hat  dem ADAC erläutert, worum es den Internetkonzernen geht: “Alles messbar,  alles prognostizierbar und damit alles verbesserbar” machen (Motorwelt  6). Die Prognose ist dabei nicht wie ein individueller Service einer  Wahrsagerin zu verstehen, sondern vermeintliches Wissen Dritter, dass  für Werbung, und Beeinflussung, für Versicherungen, Bewerbungen,  Kreditvergabe uvam. eingesetzt werden kann – im Zweifel auch gegen den  ursprünglichen Inhaber der Daten. Für Wettervorhersagen sinnvolle  Methoden sind im sozialen Bereich fragwürdig und intransparent. Glaubt  man an diese Prognosen, wäre die “Freiheit eines Christenmenschen”  dahin.

Auch das kirchliche Geschehen wird durch die Digitalisierung erfasst;  aber wohin mit der künstlichen Intelligenz? In der 80er Jahren wurden  diese Phänomene schon einmal diskutiert. Mit digitalsierten Karten und  vorprogammierten Routenabgleich – KI – wurden cruise missiles,  Marschflugkörper, mit erstaunlicher Treffsicherheit über große Distanzen  möglich (Ref. Joseph Weizenbaum, 1984/86)  Ich lehne die sogenannten “Social Media” nicht dogmatisch ab. Sie sind  aber eher unsozial. Die EU sollte Plattformen ermöglichen, die ihre  Teilnehmer nicht ausbeuten. Jede seriöse Institution verhilft unseriösen  social media zur Reputation. – Gerhard Schroeder


 

Leserbrief zu „Gewinner und Verlierer“ von Katharina Heckendorf und Elisa Schwarz

Gökalp Yesilbala wohnt mit seiner Familie in Mannhein und bezieht seine  Heizenergie als Fernwärme aus einem ‚Stromkraftwerk‘. Was bitte ist das?  Die Wahrscheinlichkeit ist groß, das der Wärmelieferant das  Großkraftwerk Mannheim, kurz GKM, ist. Dieses ist in der derzeitigen  Ausbausstufe aber ein Steinkohlekraftwerk.  Um die Verwerfungen in diesem Vorschlag zur CO²-Besteuerung deutlich zu  machen, sollten sie dies ruhig so nennen.
PS.: Den Verdacht von Manuel Frondel teile ich. – Thomas Weiße


 

Leserbrief zu „Kann man SUVs eigentlich verbieten, Herr Habeck?“ von Matthias Geis und Elisabeth Raether und zu „Peter Altmaier über Fehler seiner Partei und Neuwahlen“ von Petra Pinzler und Mark Schieritz

Erst einmal möchte ich großes Lob aussprechen für das starke Interview mit Herrn Habeck. Sie haben höchst relevante Fragen gestellt, die interessante Antworten zu der grünen Partei und der Person Habeck liefern. Mich haben sowohl Herr Geis und Frau Raether, als auch Herr Habeck mit tiefem faktischen Wissen beeindruckt. Gezielte, gut gesetzte Nachfragen haben da ein umfangreiches Bild der aktuellen Grünen zu Tage gebracht und Habeck zu konkreten inhaltlichen Positionen gezwungen.
Einmal umgeschlagen gibt es ein ganz anderes Interview zu lesen. Wo Herr Habeck bei Nachbohrungen und Konfrontation mit Fakten souverän antwortet und einen kompetenten Eindruck macht, gerät Herr Altmeier ziemlich schnell ins Schwimmen. Trotz sichtlicher Bemühungen von Seiten Frau Pinzler und Herrn Schieritz, lässt sich der Minister zu keiner konkreten Antwort herab. Zum einen liegt das am schwachen, aber offensichtlich gekonnten Ausweichen des Interviewten, zum anderen leider an der nicht ganz so überzeugenden Faktenstärke der Journalisten, verglichen mit dem Interview auf Seite 2. Beim Thema Umweltschutz sollte kein Politiker, vor allem kein Minister so leicht davonkommen.  – Maik Niederstein


 

Leserbrief zu  „Verhängnisvolle Fehleinschätzung“ von Christian Fuchs

In dem Artikel  findet sich folgender Satz: „Es gibt gewerkschaftlich festgeschriebene Arbeitszeiten für Polizisten, an die sich Gangster eher nicht halten.“
Ich vermute ja, dass es um „gesetzlich“ festgeschriebene Arbeitszeiten handelt. Auch die aber werden nicht nur bei der Polizei, sondern auch in anderen Tätigkeitsfeldern von Beamt/inn/en überschritten. Wie sonst erklären sich die Klagen von Gewerkschaften über die horrende Zahl von Überstunden, die z.B. Polizeibeamte vor sich herschieben? – Roswitha Ristau


 

Leserbrief zu „Intelligenz am Bau“ von HAL

Mit dieser künstlichen Intelligenz, da hatte ich bisher ein paar ganz heftige Probleme. Ich war ihr gegenüber, doch zu negativ eingestellt. Nun ist meine übertriebene Skepsis, wie mit einem Schlage verflogen. Aus dem „ungläubigen“ Klaus P., da ist nun ein „gläubiger“ Klaus P. geworden. – Klaus P. Jaworek


 

Leserbrief zu „Ein Elefant im Ruhestand“ von Sara Tomšić

Elefanten gehören in keinen Zirkus und in keinen Zoo. Elefanten gehören in ihre natürliche Umwelt, und in keine menschengemachte Kunstwelt, um dort ständig begafft zu werden! – Riggi Schwarz