5. September 2019 – Ausgabe 37

Leserbriefe zu „»Warum hört mich keiner?«“ von Ruth Zeifert

Ein erschütternder Bericht. Beklemmend. Verstörend. Aber anders als die Autorin es sich vorstellt. Denn: Mitleid drängt sich auf- weniger mit der Mutter, als mit ihrer Tochter. Die kann einem wirklich leid tun. Die hatte nämlich Spaß, Freude, ein Miteinander erlebt in diesen Schulgottesdiensten, welche ihre Mutter wütend bekämpfen und ihr austreiben zu müssen glaubt, getränkt von ihrem ideologisierten, vorurteilsbefrachteten und hasserfüllten Bild von „Kirche“. Armes Mädchen!

Denn es läuft doch an den allermeisten Schulen heute- und ich spreche aus professioneller Erfahrung- ähnlich ab: keineswegs dienen die (selbstverständlich freiwillig zu besuchenden) Schulgottesdienste dazu, Kinder einem Gott zu unterwerfen, sie zum Beten zu „verführen“, sie also zu manipulieren, sondern man vermittelt, möglichst kindgemäß bzw jugendlichengemäß, was unsere gemeinsamen Werte sind, wie wir zusammenleben wollen, was wirklich zählt im Leben! Und das mit Hilfe vieler beteiligter Schülerinnen und Schüler, in Spielszenen, ansprechenden Liedern und Musik, aller Art von Medien… Das macht doch heute einen Schulgottesdienst aus! Und dort können sich in der Regel die allermeisten auch nicht kirchlich gebunden Kinder deshalb gut wiederfinden! So wie es auch bei der Tochetr der Autorin offenbar auch passierte. Wenn nicht ihre Mutter so hasserfüllt und destruktiv ihr das alles madig gemacht hätte… Man kann manchmal nur den Kopf schütteln über die Ignoranz von Zeitgenossen – aber sie muss wohl so hingenommen und „ausgehalten“ werden…. – Karl-Heinz Grau

 

Ich kann die Wahrheit der Behauptungen der Autorin des Artikels nicht überprüfen und daher nicht bestreiten. Aber als jemand, der zum Thema „Schulgottesdienst“ empirisch und konzeptionell geforscht hat, kann ich mit Sicherheit behaupten, dass die darin benannten Erfahrungen alles andere als repräsentativ sind (jedenfalls für Deutschland als Ganzes). Der redaktionelle Kommentar, dass es sich um „keine Ausnahme“ handelt, grenzt daher an Wirklichkeitsverzerrung. Ich frage mich, was die „Zeit“ damit beabsichtigt. Nicht nur wird die Freiwilligkeit der Teilnahme an religiösen Veranstaltungen in öffentlichen Schulen in aller Regel strikt beachtet. Viel öfter sind freiwillige Schulgottesdienste oder Schulandachten gegen Mehrheiten in den Kollegien, oft auch gegen den Widerstand von Schulleitungen, nicht durchsetzbar, auch wenn sie die Rechtslage nicht gegen sich haben. Oft wurde mir berichtet, dass die Bitte kleiner Schülergruppen um einen Raum für kleine wöchentliche Morgenandachten mit dem Hinweis auf die weltanschauliche Neutralität des Staates verweigert wurde. Als lebten wir bereits in dem laizistischen Staat, den sich manche wünschen mögen. – Prof. Dr. Bernhard Dressler

 

Der Bericht von Frau Zeifert hinterlässt bei mir eine seltsam zerrissene Stimmung. Einerseits kann ich die Situation völlig nachvollziehen: Alle Eltern wollen ihren Kindern auch weltanschaulich das mitgeben, was sie für sich selbst als gut und wahr ansehen. Aber die Kinder geraten in Schule und Freundeskreis immer mit anderen Ansichten in Kontakt, und manchmal wirkt dieser Einfluss so stark dass man als Eltern fast verzweifelt die eigenen Bemühungen verschwinden sieht. Wenn dann auch noch die Schule diesem Anliegen gegenüber ignorant erscheint kann sich eine gewaltige Frustration ansammeln und der Ruf nach Neutralität wird zur wilden Anklage gegen die Konkurrenz, die sich so ungebeten in die Erziehung einmischt. Gründe dafür, die andere Ansicht abzulehnen, wie hier die katholische Kirche, finden sich immer, und oft auch gute Gründe bei denen man dann gar nicht mehr merkt wie man ungerecht verallgemeinert.

Aber nun tauschen wir gedanklich mal die Rollen. Wenn ein muslimisches oder christliches Elternteil in solcher Weise gegen einen schulischen Einfluss vorgehen würde, den es als übertrieben verweltlichend und glaubensfeindlich ansehen würde, müsste diese Person sich als fundamentalistisch beschimpfen lassen. Dabei will sie doch nur den religiös erzogenen Kindern eine Alternative bieten – eine Selbstverständlichkeit, wie Frau Zeifert ganz richtig schreibt. Ja, man wird schnell an den Rand gedrängt wenn man irgendwie anders ist, und gar nicht immer aus bösem Willen. Nur sind die Rollen eben oft umgekehrt besetzt wie in dem hier geschilderten Fall. Wirkliche Toleranz ist eine sehr anstrengende Angelegenheit und jeder hat seine blinden Flecken, da ist Familie Zeifert völlig repräsentativ. – Christian Sabban

 

Der Beitrag zeigt sehr anschaulich, wie sehr auch heute noch konformistisches Verhalten in Bayern erwartet wird, wenn es um die Durchsetzung kirchlich-religiöser Belange geht. In die Außenseiterrolle abgedrängt, haben Frau Z. und ihre Familie vom Unverständnis , über Gleichgültigkeit bis zur offenen Ablehnung das ganze Einstellungs-und Verhaltensrepertoire von Teilen der Elternschaft und der Schulverantwortlichen kennengelernt. Umso bewundernswerter ihr Mut, ihre jahrelangen Zurückweisungen und Diskriminierungen zu offenbaren. – Günter Bergmann

 

Ich bin in der ehemaligen DDR aufgewachsen. Unsere Kinder waren die einzigen in ihren Klassen, die nicht den Pionieren, der staatlichen Jugendorganisation, angehörten, sondern in die Christenlehre in das Pfarrhaus gingen. Religionsunterricht in der Schule gab es nicht im atheistischen östlichen Teil Deutschlands. Gerne hätten wir in der Schule etwas mehr Achtung vor unserem Glauben gehabt. Stattdessen wurden unsere Kinder als getaufte Christen lächerlich gemacht, und wie so viele andere gedemütigt, wo es nur ging. Als ich den Artikel von Ruth Zeifert las, kam mir das alles wieder in den Sinn. Wieso macht ein Vater den kindlichen Glauben seiner Tochter lächerlich und damit auch alle gläubigen Christen? Wo bleibt die Achtung auch und gerade vor einem Kind?

Wie richtig dargestellt, ist der Besuch des Schulgottesdienstes keine Pflicht. Kein Kind wird gezwungen. Wenn ein Kind gerne hingehen möchte, sollten die Eltern es nicht respektieren? Zu ihrem Trost: Kein Mensch weiß, wie lange es anhält. Aber dass sich einer Mutter „die Nackenhaare aufstellen“, nur weil ihr Kind fröhlich ist und christliche Lieder singt, das scheint das eigentliche Problem zu sein. Ihr Hass auf die Kirche und den christlichen Glauben. Das kenne ich nur zu gut. Auch die ewig dahergebeteten Argumente. Dabei sucht ihr Kind vielleicht nur etwas Vertrauen und Eltern, die zu ihm stehen. Zu einem auch heute noch gültigen und modernen Wertebild gehören Toleranz und Respekt. Schade, da zieht man nun nach Bayern, hier gibt es gutes Geld, gute Ausbildungschancen und beste Lebensqualität. Und dann hört man plötzlich christliche Lieder und erlebt traditionsbewusste Menschen, die beten und an Gott glauben. Vielleicht hängt aber auch alles miteinander zusammen? – Wolfgang Krauß

 

Vorab möchte ich zum Beitrag von Frau Zeifert anmerken, dass es natürlich wünschenswert wäre schon in der Grundschule statt Religion, das Fach Ethik zu unterrichten. Das hätte aber natürlich zur Folge, dass mehr Lehrer benötigt würden, weil die kirchlichen Lehrkräfte wegfallen. Also ein Kostenfaktor und außerdem ließe die Kirche sich das nicht einfach gefallen. Dennoch halte ich es doch schon für sehr polemisch von Indoktrination zu sprechen, wenn ein Kind am Schülergottesdienst teilnimmt, wenn es konfessionslos ist oder einer anderen Religion angehört. Ich wurde katholisch erzogen, musste jeden Sonntag in die Kirche, habe während meiner ganzen Schulzeit am Religionsunterricht teilgenommen, die hl. Kommunion empfangen, ging zur Beichte und wurde gefirmt. Mit meinen Freundinnen spielten wir in meiner Kindheit in der Kirche mit frommem Blick, Backoblaten auf der Zunge und mit Stöckelschuhen durch die Kirche klickernd “ Heilige Kommunion.“ Dies hauptsächlich, weil wir auch so fromm und heilig erscheinen wollten, wie eine junge Frau im Dorf die allsonntäglich zur Kommunion ging. Danach knieten auch wir uns andächtig nieder. All diese „Indoktrination“ konnte letztlich nicht verhindern, dass ich aus der Kirche ausgetreten bin und mir meine eigene Meinung über die Welt und unser Dasein gebildet habe. Meinem Sohn wurde schon im Kindergarten von den Erzieherinnen eine bunt bebilderte Kinderbibel nahegebracht mit ziemlich krassen Geschichten aus dem neuen und vor allem dem alten Testament. Die hatten es ihm derart angetan, dass ich schon befürchtete dass er einmal Pfarrer werden würde. Trotzdem las ich ihm auf seinen Wunsch daraus vor. Heute mit 31 würde ich ihn als Atheisten bezeichnen. Daher plädiere ich einfach für etwas mehr Gelassenheit, Offenheit in Bezug auf fremde Religionen und vor allem für Vertrauen in unsere Kinder, weil diese ihren Weg schon dann schon selber finden. Die Saat der Indoktrination fällt nur auf fruchtbaren Boden, wenn Liebe, Anerkennung und Vertrauen fehlen. – G. Hummel

 

Ich bin in einem Land aufgewachsen, in dem immer wieder mal christliche Kinder vor die Klasse treten mussten, wo sie dann vom Lehrer und von anderen Schülern ausgelacht wurden. Ich war als Christ nicht Mitglied in den atheistischen Jugendorganisationen und habe damit verbundenen Nachteile hingenommen. Was Indoktrination bedeutet und was Ausgrenzung ist, weiß ich aus eigenem Erleben. Seit 15 Jahren unterrichte ich an einem staatlichen Gymnasium das Fach evangelische Religion. Etwa fünfundzwanzig Prozent der Schüler nehmen teil, mehr religionslose als christliche. Indoktrination kann ich überhaupt nicht. Und die Eltern würden ihre Kinder auch sofort abmelden. Selbstverständlich gehören Religionskritik, die Kreuzzüge und die Mittäterschaft der Kirche in der NS-Zeit zu den wichtigen Themen. Zweimal im Jahr, im Advent und am Schuljahresende, wird zum Schulgottesdienst eingeladen. Ich habe bei der Schulleitung darum gebeten, dass Schüler, die nicht teilnehmen, nach Hause dürfen. Es gibt Religionsschüler, die noch nie beim Schulgottesdienst waren. Religionsfreiheit steht im Grundgesetz. Damit sollte doch alles klar sein.

Als Christ gehöre ich in unserer ostdeutschen Gesellschaft und in meiner Schule nach wie vor zur Minderheit. Das ist überhaupt kein Problem. Aber ich will nie wieder dafür angefeindet werden. Ich habe großen Respekt vor anderen religiösen Überzeugungen. Ich empfinde überhaupt keinen Zorn gegen atheistische Denkweisen. Die Autorin schreibt von ihrem aufgestauten Hass. Wo so ein Hass gegen den christlichen Glauben herkommt, auch und gerade von Menschen, die nicht persönlich darunter zu leiden haben, ist mir unverständlich. Unerträglich ist es, immer wieder pauschal für Dinge verantwortlich gemacht zu werden, die ich nicht persönlich verschuldet habe. – Thomas Groß

 

Sie sprechen mir mit Ihrem Artikel aus der Seele. Ein Institution wie die Schule darf aus meiner Sicht gar keinen Religionsunterricht anbieten. Religion ist eine Privatangelegenheit und es wäre viel Streit und Missverständnisse vermeidbar, wenn es in unserem Staat die Schule religionsfrei wäre. Ihr Mann und Sie haben vollkommen recht. Nach all den Kriegen, Hass und Gewalt, die Religion ( welche auch immer) letztendlich sät, wäre es das Beste verschiedene Religionen als Teil der menschlichen Kultur in der Schule in einem Fach wie zum Beispiel praktische Philosophie zu behandeln.

Ich finde es ganz schrecklich, dass unsere Kinder in der Schule so stark ideologisiert werden. Deswegen haben wir seinerzeit unsere Kinder sofort aus der deutschen Grundschule genommen und einer britischen Privatschule anvertrauen müssen. Als ich damals bei einem Aufnahmegespräch mit der Rektorin der britischen Schule den Religionsunterricht angesprochen habe, stand sie auf und ging zu einer Tafel an der ethischen und moralischen Grundsätze aufgeschrieben waren, wie z.B. Toleranz gegenüber der Meinung der Anderen, Höflichkeit, Ehrlichkeit usw. “Das ist unsere Religion”, sagte sie. Das hatte mir gefallen und ich habe es nie bereut, dass unsere Kinder in dieser Grundschule eine wunderbare Zeit verbracht haben. Es ist mir aber vollkommen klar, dass es wenige Eltern gibt, die sich diesen Luxus leisten können. Und ich frage mich schon oft, warum ich so viele Steuer zahle und dann doch meine Kinder nicht in eine staatliche Grundschule schicken konnte, ohne eine Gefahr zu laufen, diese Kinder irgendwelchen religiösen Dogmen ausgesetzt zu bekommen. Aus meiner Sicht gehört der Religionsunterricht so schnell wie möglich abgeschafft. Viel sinnvoller wäre es einen Ethikunterricht einzuführen, in welchem Kinder die Grundsätze des menschlichen Zusammenlebens in unseren demokratischen Gesellschaft lernen würden. Dazu müsste es mehrere Proteststimmen der Eltern geben. Und die fehlen leider. – Natalie Paulsen

 

Diesen Artikel habe ich mit Verwunderung gelesen. Denn akzeptable Alternativen zum christlichen Gottesdienst werden an allen staatlichen Schulen angeboten. Das sind keine „Strafaufgaben für Atheisten“ (wie das die Mutter ausdrückt) sondern das ist eine schulische und pädagogisch sinnvolle Beschäftigung, die Kinder fördert („Aufgabenblätter“), für die Zeit von maximal zwei Schulstunden. Wo ist das Problem der Mutter? Wenn sie ihre beiden Kinder nun regelmäßig in die Synagoge „schleppt“, kann das kein Problem mit Religion an sich sein. Vielleicht ein Problem, in welchem Grad sie eigene Entscheidungen und Wünsche der Kinder akzeptieren kann? Vermutlich wäre mehr Gelassenheit und Vertrauen eine empfehlenswerte Grundhaltung für die Eltern. Vertrauen, dass die Kinder ihren Weg gehen werden. Und in der Pubertät vielleicht Religionen gänzlich hinterfragen oder eigene bewusste Entscheidungen treffen, die nicht immer mit der Meinung der Eltern deckungsgleich sein werden. Kinder anzuschreien, weil man selbst nicht „im Reinen“ ist mit dem Christentum oder den Religionen, ist für mich kein förderlicher Weg für die gesunde Entwicklung von Kindern. Keine staatliche Schule „zwingt Nichtgläubige in die Kirche“, und dennoch gehören diese Kinder selbstverständlich zur Klassengemeinschaft. Auch diese pädagogisch-integrative Fähigkeit sollten die Eltern den Lehrkräften zutrauen. – Dr. Anneliese Mayer

 

Eltern, die sich auf die Fahne schreiben, tolerant und aufgeklärt zu sein, möchten Gottesaustreibung an ihrem eigenen Kind betreiben. Ich kann in keiner Zeile des Artikels lesen, dass der Katholizismus diese Kinder bspw. zwangsverheiratet oder in den Heiligen Krieg ziehen lassen möchte. Dem Kind gefallen die Lieder der Kirche und es nicht dazugehören. Dass die nichtchristlicben Kinder anders beschäftigt werden unter Aufsicht und mit binnendifferenziertem Unterrichtsmaterial empfinde ich als sinnvoll. Auferzwungener, elterlicher Atheismus ist meines Erachtens nach ebenso abzulehnen wie der Zwang zur Religiosität. – Alexander Planken

 

In ihrerm Artikel beklagen Sie sich sehr darüber das , das Staatliche Schulsystem ihrer Tochter aus ihrer Sicht einen Glauben indoktriniert und aufzwingt den sie persönlich und ihr Mann aus für Sie guten Gründen als falsch ablehnen. Sie merken aber offensichtlich nicht das sie mit der gleichen Radikalität die sie am Unterricht für ihre Tochter kritisieren, versuchen ihre persönliche und für sie richtige Sicht was den katholischen Glauben anbelangt , ihrer Tochter aufzuzwingen. Sie können nun einwenden jeder der ein Kind erzieht wird versuchen im sein Wertesystem weiter zu geben, nur so einfach ist es nicht , da ihre Tochter ja wie sie selber sagen Freude am Besuch der Gottesdienste hat , und nicht weinend zu ihnen kommt mit der Bitte da nicht mehr hin zu müssen, was sie nicht akzeptieren wollen oder können. Man kann auch meiner Meinung von keiner Indoktrinierung sprechen wen die Kinder wohl nicht mehr als fünf oder sechs Gottesdienste Besuchen , niemand zwingt sie dazu das ihr Kind zb den Religionsunterricht, wo man eher von Indoktrinierung sprechen könnte besuchen muss. Wie würden sie dazu stehen würden die Kinder , mal rein hypothetisch, fünf mal im Jahr ein Museum besuchen das die begangenen Verbrechen der kath. Kirche über die Jahrhunderte dematisiert ?. Sie mögen persönlich absolut von der Richtigkeit im Bezug auf das Thema überzeugt sein , und das auch ihrer Tochter so weitergeben wollen, jedoch meinen Sie das es in Ordnung und den Tatsache entsprechend korrekt ist ihrer Tochter ausschließlich die Verbrechen und Unzulänglichkeiten der kath Kirche aufzuzählen und gleichzeitig die ihn genauso großer Zahl vorhandenen positiven Aspekte vor zu enthalten?, sei es im caritativem Einsatz für die ärmsten durch Hunderttausender Katholiken aus Motivation aus ihrem persönlichen Glauben, sei es um den immensen kulturellen und werte bestimmenden Einfluss über die Jahrhunderte auf Europas Geschichte, auch und überwiegend im positiven , kein Wort offensichtlich darüber zu ihrer Tochter. – Mayrhofer Herbert

 

Der Artikel von Frau Zeifert ist unglaublich: Klischeehafte von Vorurteilen voll gepackte Argumente durchziehen den Artikel; mit einer Erziehung von Kindern zu mündigen, selbst bestimmten Menschen hat ihr Erziehungsstil wenig zu tun! Vielleicht sollte sie sich erst einmal darüber Gedanken machen, was Kinder wirklich brauchen und nicht darüber, was sie will oder nicht will! – JM Carmele

 

Als Mutter von vier erwachsenen Kindern, die alle das bayrische Schulsystem durchlaufen haben, und von denen auch nicht eines einer christlichen Gemeinde angehören möchte, was mich, evangelisch geprägt, traurig macht, möchte ich Ihnen eine Antwort geben. Formal wird man zum Christen durch die Taufe. Was in der Grundschule in Religion unterrichtet wird, würde ich einreihen unter Einführung in biblische Inhalte, nicht unter Vereinnahmung zum Christentum. Freilich beinhalten die Schulgottesdienste, die oft ökumenisch gestaltet werden, immer auch das Gebet zu dem Gott, der von den Christen, katholisch, evangelisch oder freikirchlich geprägt, gemeint ist. Sie haben erfahren, es besteht kein Zwang teilzunehmen; wohl aber möchte Ihre Tochter “ dabei sein“, dazu gehören, also empfinden Sie es doch zumindest als Nötigung.

Eine Schulbehörde ist oft schwerfällig und ich vermute, dass es auch in Aubing dringendere Probleme gibt, (Inklusion, Migration, Medien, Lehrermangel etc.) Was ich damit sagen will: ich gebe zu bedenken, ob Sie Ihre Kraft nicht darauf konzentrieren wollen, die “ religiösen Anwandlungen“ Ihrer Tochter freundlich und aufgeschlossen zu beobachten und Ihre eigenen schwierigen Erfahrungen mit Religion nicht wie geschildert, im Affekt über dem Mädchen auszuschütten. Wenn ich richtig weiß, kennt die jüdische Tradition die gute Kultur des Diskurses. Ich finde es sehr gut, dass Sie beide Mädchen mit den jüdischen Glaubensinhalten vertraut machen. Schließlich ist das Judentum vor dem Christentum da gewesen und Der EINE Gott ist der Gleiche. Sie können darauf vertrauen, dass Ihre Töchter später klug genug sind ,das jeweils Wichtige für sich selbst zu klären, das Tragende zu behalten und das, was nicht passt, abzutun, – so wie Sie es vermutlich auch taten. Noch gibt es den Religionsunterricht an den öffentlichen Schulen; kann sein, die Zeiten wandeln sich und die religiöse Unterweisung findet nur noch ausserhalb der Schulen statt, in den jeweiligen Glaubensgemeinschaften. Der Trend der Kirchenaustritte, die Zunahme von Menschen anderer Religionen, bzw. von keiner Religionszugehörigkeit mag das bewirken. Es wäre meines Erachtens keine Katastrophe, aber wahrscheinlich auch nicht problemlos. Die Hängematte (Foto) des Artikels wäre genau der Ort, wo Sie mit Ihren Töchtern in Gelassenheit “ über Gott und die Welt“ diskutieren und philosophieren könnten, und zwar : in aller Freundschaft! – Ingrid Zinnecker

 

Religionen, nicht nur die Katholische, haben in einzelnen Epochen der Menschheitsgeschichte bis heute das cristliche Erscheinungsbild z. T. vermissen lassen, und dennoch, unsere Kultur ist durch das Christentum begründet. Die christliche Botschaft ist eine geistige Grundlage unserer Gesellschaft, aber es bleibt Jedem selbst überlassen, wie es das Grundgesetz vorsieht, ob man sich einer Religion zuwendet, oder ihr fernbleibt.Dazu zählt aber auch die Akzeptanz von Einrichtungen, wie Kindergarten und Schule, die durch das Christentum geprägt sind und durch das tägliche Leben führen. Auch in einer jüdischen Gemeinde, wo das Kind der Autorin den weltlichen Lebensinhalt hoffentlich finden wird ist der Glaube an den einen Gott auch Inhalt des täglichen Lebens.Aber wie kann man soviel Haß gegenüber einer katholischen Religion ausdrücken, wenn man Toleranz verlangt und selbst nicht imstande ist, diese aufzubringen. – Werner Bettmann

 

Dieser Bericht von Ruth Zeifert macht mich wütend! Die Überschrift sollte nach Urban Priol „Wo hoch die Kanzel, niedrig der Verstand, da ist das bayerische Oberland“ lauten. Nicht „Ehrfurcht vor Gott“ sondern eine gehörige Portion Selbstwertgefühl muss heute unseren Kindern vermittelt werden! – Ruth Schütz-Mitterhusen

 

Als Juristin habe ich nicht nur die Ahnung, sondern die Gewissheit, dass die Vorgehensweise der Schulen zu Gottesdiensten nicht mit dem Grundgesetz in Einklang steht. Das macht es aber nur noch schwerer erträglich. Die Ungerechtigkeit und scheinheilige Doppelmoral empört mich zutiefst. Wo immer es den Christen in den Kram passt, wird aus Religion eine Tradition gemacht. Hingegen wird tradionelle Kleidung kurzerhand zum Religionssymbol oder wahlweise zum Symbol der weiblichen Unterdrückung, damit sie aus dem Blickfeld der christlichen Leitkultur verbannt werden kann. Und immer wird die Keule der fehlenden Integration geschwungen, als sei ein ungetaufter Jude auch heute noch „schlecht integriert“. Es wird wenig Trost für die Autorin sein, dass auch die Nordrhein-Westfalen gerne an Schulgottesdiensten festhalten – und zwar nicht nur auf die Grundschule beschränkt. – Bernadette Koopmann

 

Wer die Ansicht vertritt, dass in deutschen Schulen Gott angebetet wird, dass Atheisten Strafaufgaben erhalten und dass Kindern eine Religion eingeimpft wird, und wer zusätzlich als gut situierter Akademiker seinen Hass auf die katholische Kirche bekennt, der muss sich nicht wundern, dass er sich als mangelhaft integriert vorkommt. – Winfried Grabitz

 

„Unsere Autorin Ruth Zeifert … ist jüdischen Glaubens – heute verstehe ich mich als Agnostikerin“. Nach meinem Wissen gehört zum jüdischen Glaube auch der Glaube an Gott. Was ist, will also die Autorin?
Ihren Ärger über den Schulgottesdienst in einer staatlichen Schule kann ich ja noch verstehen. Und ihr Engagement, eine andere Form für Schülerinnen und Schüler zu finden, die keiner christlichen Konfession angehören, ist ehren- und lobenswert. Dass in Bayern Staat und Kirche offensichtlich in so engem Verhältnis zueinander stehen, ist aus norddeutscher Sicht nur schwer zu begreifen. Gleichzeitig wundere ich mich sehr, dass die ZEIT diesem Jammern unter dem Titel „Warum hört mich keiner?“ solch großen Raum einräumt. Die Autorin neigt zu Übertreibungen „Spätestens ab diesem Zeitpunkt trieb die Kirche einen Keil in unsere Familie“.

Ähnlich scheint es beim Wutausbruch ihrer Tochter gegenüber, der mehr Pauschalurteile („dass Pfarrer kleinen Kindern schreckliche Gewalt antun“) und Klischees enthält („dass die Katholiken es oft ziemlich tatenlos mit angesehen haben…“) als begründete und gewachsene Erkenntnis enthält. Ein wenig wirkt dieser Artikel sehr peinlich. Über das Verhältnis Staat und Kirche kann man ja diskutieren und auch unterschiedlicher Meinung sein, aber so bitte nicht! Auch nicht in der Rubrik „Glauben und Zweifeln“. – R.-Michael Schulze

 

Mit Interesse habe ich den Artikel der Autorin Zeifert gelesen. Als ehemalige Grundschulrektorin war ich beruflich aber auch privat mit dem darin beschriebenen Problem der Furcht vor einseitiger Indoktrination durch die katholische Kirche befasst. Frau Zeifert bezeichnet sich als Agnostikerin, ihren Mann als Atheisten. Zu beiden Haltungen kann man ein Kind im Grundschulalter aber nicht erziehen. Kinder wollen zu ihrer Peer-Group gehören und nicht außen stehen. Sie suchen nach Spiritualität, Halt, Trost und Geborgenheit auch in ihrer Gruppe. Daher kann ich Rahels Wunsch nach Teilhabe an dem, was angeboten wird nur zu gut verstehen. Bei meinem eigenen Sohn bin ich konventionell vorgegangen, habe ihn in der Kirche und an seiner Grundschule an allem teilnehmen lassen (Taufe, Unterricht, Kommunion) und nebenbei versucht, die Dinge zu erklären, aber ohne ein sich aufbauendes Verständnis für „Gott“ zu zerstören. Im Gymnasium kam dann von ganz allein die kritische Stellungnahme. Andere Sichtweisen öffneten sich und mein Sohn wollte sich vom Unterricht abmelden. Es gab aber keine philosophisch ausgerichtete Alternative, also musste er weiter am Unterricht teilnehmen. Ich war der Meinung, dass man kennen muss, was man vielleicht ganz bewusst aufgeben möchte. Und so kam es auch: er hat die Kirche -genau wie ich- während des Studiums verlassen. Das intellektuelle Elternhaus von Rahel wären gut beraten, auf die sich aufbauende Einsicht ihres Kindes zu vertrauen und ihr den vermeintlich schützenden Rahmen der Kirche zu lassen. Sie wird ihre Entscheidungen treffen, elterliche Indoktrination führt nur zu Streit (wie man ja sieht…)und Wissen kann nicht schaden. – Marion Bendeler

 

Ruth Zeifert schreibt über sich, ihren Mann und ihre Tochter im Grundschulalter: „Heute verstehe ich mich als Agnostikerin, mein Mann sieht sich als Atheist. […] Auch meine Tochter wollte unbedingt in den Gottesdienst. Sie flehte uns an, gehen zu dürfen. […] Da kam sie fröhlich singend heim: Gottesliebe ist so wunderbar. Mir stellten sich die Nackenhaare auf.[…] Mein Mann versuchte alles, um meine Tochter von ihrem religiösem Trip zu holen […] Am Abendbrottisch erklärte er Rahel, warum es aus seiner Sicht keinen Gott gibt, er hielt ein Plädoyer für die Naturwissenschaft…“Die ersten Zeilen eines 90er-Pop-Songs (der heute noch regelmäßig im Radio, in Shoppingmalls und Abendlokalen gespielt wird) von Whitney Houston beginnen mit folgenden Worten: Wenn morgen der Tag des Jüngsten Gerichts ist Und ich trete vor Gott Und er fragt mich, was ich mit meinem Leben angestellt habe Würde ich sagen, ich habe es mit dir verbracht…(Your Love Is My Love–Whitney Houston) Ein Lied von Justin Bieber heißt Pray und in einem anderen (gemeinsam mit Chris Brown Next to You) singt er die Zeile I pray to God every day…Der populärste Song der Rockband Led Zeppelin nennt sich Stairway To Heaven und der von Bon Jovi Livin‘ On A Prayer. Im gesamten 90er Kultfilm The Matrix durchgeht Neo, gespielt von Keanu Reeves auf eine moderne Art und Weise den Leidensweg Jesus. In Tarantinos Pulp Fiction lässt einer der Gangster das Gangstertum sein, weil er der festen Überzeugung ist, Gott hätte die auf ihn abgegebenen Revolverkugeln abgeleitet. In Goethes Faust kommt der Teufel in Gestalt des Mephistosvor und in Hesses Demian beschäftigt sich der Hauptcharakter eindringlich mit der Geschichte des Kain und Abel. In den USA bezahlt man mit Bargeld auf dem die Worte In God We Trust gedruckt stehen. Die gesamte westlich, abendländische Kultur, Kunst-, Literatur- und Filmgeschichte bis hin zur zeitgenössischen Popmusik ist durch und durch geprägt von christlichen Elementen und Symbolen. Dies ist nun mal eine nicht zu leugnende Tatsache; es aus dem kollektiven Bewusstsein verdrängen zu wollen ist schier unmöglich. Um das alles besser verstehen und aufnehmen zu können braucht es gewisse Referenzen; Gottesdienste, Gebete und Geschichten aus der Bibel. Kritik und der Ruf nach Reformen wie beispielsweis in der katholischen Kirche sind berechtigt, angebracht und erwünscht. Aber dem eigenen Kind, das von sich aus freiwillig am Gottesdienst teilnehmen will dies zu verbieten ist meiner Meinung nach nicht in Ordnung, falsch und richtig gemein. Denn ich verbiete meinem Kind ja auch nicht Justin Bieber zu hören und Hermann Hesse zu lesen. – Max Hecher

 

Obwohl ich nicht katholisch bin und insgesamt wenig religiöse Neigungen habe, hat mich der Artikel von Frau Zeifert doch sehr unangenehm berührt. Ich frage mich ernsthaft, ob DIE ZEIT den Artikel auch publiziert hätte, wenn die Autorin katholisch wäre und ihren Hass auf das Judentum in ähnlicher Form geäußert hätte, wie Frau Zeifert das gegenüber der katholischen Kirche tut.

Besonders beunruhigt mich, dass die offen zur Schau gestellte Intoleranz und fehlende Selbstkritik von Frau Zeifert vermutlich etliche antisemitische Reaktionen hervorrufen wird. Von interessierter Seite können die dann wieder dafür genutzt werden, den zunehmenden Antisemitismus in Deutschland lautstark zu beklagen. Vielleicht ist das ja auch die eigentliche Zielsetzung dieses Artikels, wobei ich der ZEIT diese Absicht nicht unterstellen will. Mir scheint es allerdings möglich, dass die Redaktion etwas naiv in diese Falle getappt ist. – Heinrich Zankl

 

In dem Artikel ist von der Mutter viel von Zwang und „einimpfen“ die Rede, obwohl bei der Tatsachenbeschreibung von „freiwillig“ und einer Wahlmöglichkeit die Rede ist. Könnte es sein, daß sich die Mutter schwer tut, ihre Wünsche und die ihres Kindes auseinander zu halten und nicht akzeptieren möchte, daß ein (10-jähriges?) Kind zugegeben bei einem zentralen Thema eine andere Ansicht hat als die Eltern? „Gut situierte Akademiker“ haben in der Regel als Erziehungsziel „glückliche und selbstbewusste Kinder“. Ich finde das 2. wichtige Anliegen einer erfolgreichen Erziehung (selbstbewusst) haben die beiden Eltern offensichtlich gut hinbekommen und könnten auf ihre Tochter mit eigener Meinung doch stolz sein. Als Vater, der 4,5 Kinder durch die Pubertät gebracht hat (eine beginnt gerade), mußte ich manchmal schmerzhaft lernen, daß auch meinen Kindern viele meiner Meinungen und Hoffnungen ziemlich egal waren und sie ganz andere als vom Vater gewünschte Wege einschlugen. Andere Eltern hatten mit Drogen, Kriminalität oder Schulverweigerung zu kämpfen. Im Vergleich dazu könnte einem singenden und betenden Kind doch elternseitig mit etwas mehr Gelassenheit begegnet werden und somit auch dem erste Erziehungsideal (glücklich) noch einen Platz zur Entfaltung in der Familie gewähren werden. – Dr. Ulrich Mors

 

Dieses Kind tut mir leid! Es sucht nach Sinn in seinem Leben, und der Vater bietet ihm Unsinn! Freiheit nennt es die Mutter, die sich dieser Orientierungslosigkeit im altbayerisch-katholischen Umfeld 0ausgeliefert fühlt. Das Kind will einwurzeln, ohne Wurzeln kein Wachstum, keine Entfaltung, kein Leben. – Ilse Vogel

 

„Warum hört mich keiner?“ prangt in großen Lettern auf S. 70 der ZEIT ein Erfahrungsbericht der Münchener Mutter Ruth Zeifert. Und die ZEIT selbst raunt im Beitext, das hier beschriebene Problem sei „keine Ausnahme“, man verschweige zum „Schutz der Kinder“ den Namen der betreffenden Schule. Oh weh, denke ich, was ist denn nun schon wieder passiert?, und, selbst Lehrer und vierfacher Vater, beginne ich zu lesen. Ich erfahre Folgendes: Die Tochter der Autorin durchläuft in Bayern die Grundschule. An dieser Schule werden katholische Gottesdienste angeboten. Die Kinder gehen gerne hin. Auch die Tochter unserer Autorin. Sie kommt sogar „fröhlich heim“, singt zuhause Gottesdienstlieder, „fleht“ die Eltern an, an diversen christlichen Aktivitäten teilnehmen zu dürfen.

„So what?“ fragt sich der Leser, wo ist denn nun das Problem? Das Problem sind die Eltern. Die Mutter ist Halbjüdin, die sich heute als Agnostikerin versteht, der Vater ist Naturwissenschaftler und Atheist. Beiden ist es unangenehm, dass die Tochter sich nun in katholischen Kreisen wohlfühlt. Unser Kind in der katholischen Kirche? Nein, das wollen wir nicht, das passt doch nicht zu uns! Sie starten Gegenmaßnahmen: Die Mutter möchte zeitgleich zu den Gottesdiensten eine Alternativveranstaltung anbieten. Damit hat sie keinen Erfolg. Sie „schleppt“ (!) die Tochter einmal im Monat in einen jüdischen Gottesdienst, damit diese daran Gefallen finden soll. Der Vater „versucht es mit Argumenten“ erklärt der vielleicht 8-jährigen Tochter, warum es aus seiner Sicht keinen Gott gibt, hält ein Plädoyer für die Naturwissenschaft, weist auf das Unheil hin, welches die kath. Kirche schon angerichtet hat. Die Mutter schließlich rastet völlig aus, brüllt der Grundschülerin ihren „Hass“ gegen die kath. Kirche (Zölibat, Missbrauch, Versagen in der NS-Zeit etc.) ins Gesicht. Die Entwicklung der Tochter zu einer „fast überzeugten Christin“ soll um jeden Preis verhindert werden. Soweit der Inhalt des Artikels.

„Warum hört mich keiner?“ Diese Frage wird sich vielleicht auch die Tochter stellen. Sie wächst hinein in eine Welt, die ihre Eltern für sich ausgeschlossen haben. Sie fühlt sich wohl darin, geht darin auf. Das aber darf nicht sein. Ihre Eltern sind nicht an ihrem Wohlbefinden interessiert, sie wollen nur, dass die Tochter so denkt, wie sie selber denken. Mit Gewalt zwingen sie ihr Kind in jenen dürren Lebenskreis zurück, in den sie selbst sich eingeschlossen haben. Was hier geschieht, ist übergriffig, ist, wie man heute sagt, spiritueller Missbrauch. Nicht die Schule, nicht die attraktiven Gottesdienste und die fröhlichen Kinder sind der Skandal dieser Geschichte, sondern diese Eltern, die glauben, dass der Horizont ihrer Kinder nur innerhalb des eigenen liegen dürfe, notfalls mit Gewalt. Viel Schlimmeres kann man einem Kind nicht antun. – Dr. Paul Löhnert

 

Vorweg herzlichen Dank und aufrichtige Anerkennung für Ihren Beitrag in der Zeit. Ihr Text ist in beeindruckender Weise persönlich und mit großer Ehrlichkeit verfasst. Das ist sehr mutig und es spricht mich an. Dennoch gibt es Punkte, bei denen ich anderer Meinung bin als Sie. Ich gehe mit Ihnen konform, dass für Schüler in Bayern und anderswo im Blick auf Religionszugehörigkeit die Gruppe leitend ist und Kinder, mit einem abweichenden Hintergrund rasch zu Außenseitern werden. Als evangelischer Geistlicher, der ich einige Zeit im katholischen Oberbayern auf dem Land gelebt hat, weiß ich, wovon ich rede. Aber da ist die andere Seite: Ich sehe ein schwerwiegendes Problem darin, dass Sie Ihren Kindern nicht das Recht auf einen eigenen Glauben gewähren. Religionsfreiheit ist ein hohes Gut in unserer Gesellschaft. Wenn Ihre Tochter  gerne christliche Lieder singt, dann wäre es ein unzulässiger Übergriff, dies prinzipiell abzulehnen. Der Konflikt, den Sie mit Ihrer Tochter haben, ist nicht weltanschaulicher Art, sondern findet auf der Beziehungsebene statt. Ihre Tochter wird ihren eigenen Weg gehen und wenn sie in dieser Weise für sich Erfahrungen mit dem christlichen Glauben macht, ist dies ihr gutes Recht. Es spricht für Sie, dass Sie in ihrem Artikel deutlich machen, dass Ihr angestauter Ärger nur wenig mit dem zu tun hat, was Sie für Ihre Tochter möchten. Das ist der eine Gesichtspunkt, den ich bei Ihrem Artikel kritisch anmerken möchte.

Das andere ist ein inhalticher Aspekt. Ich bin der Aufassung, dass Naturwissenschaft keine Aussage über das Sein oder Nichtsein Gottes treffen kann. Das liegt in der Sache begründet, dass Naturwissenschaft unter dem Gesichtspunkt antritt, die Welt zu erklären „sive deus non daretur“. Da kann man nicht erwarten, dass am Ende des Verfahrens Gott dabei heraus kommt. Damit kann man aber Gott auch nicht widerlegen. Wer es dennoch versucht, ist intellektuell unredlich und betreibt Ideologie. Hut ab vor Ihrer Tochter, wenn sie dieser Argumentation nicht folgt! Ja und dann haben Sie sich darüber entrüstet, dass „Ehrfurcht  vor Gott“ in der Bayrerischen Verfassung als Erziehungsziel genannt wird. Da kann ich nur zurückfragen: Welcher Wert verdient es denn Ihrer Meinung nach, dass man ihm mit Ehrfurcht begegnet? Mit säkularisierten Ritualen, wie Sie sie vorschlagen, ist nichts gewonnen. Sie zeigen nur, dass es „ohne“ nicht gut funktioniert. Da sind mir dann religiöse Rituale deutlich sympatischer, weil sie sich zu einem historischen Gesamtkontext verhalten. Da habe ich dann wenigstens eine Ahnung, was damit gemeint ist. Nach selbstgestrickten Spielereine steht mir da nicht der Sinn. Da würde ich es dann mit Ihrem Mann halten und mich der Kirche des fliegenden Spagettimonsters anschließen.

Ich möchte Sie ermutigen: 1.Geben Sie Ihren Kindern die Freiheit zu eigenen Erfahrugen auch im religiösen Bereich. 2. Werden Sie vernünftig und beginnen Sie zu glauben, denn der Transzendenzgedanke und die Transzendenzerfahrung sind wesentliche Gesichtspunkte menschlichen Daseins. – Reinhard Wick

 

Ihr Artikel hat mich gedanklich um ein viertel Jahrhundert zurück versetzt. Als unsere Tochter in die Schule kam, war sie nicht getauft und wir kannten bis dahin nur den Schulalltag einer Tagesheimschule in München, an der unser Sohn die ersten beiden Schuljahre geniessen durfte. Umso größer der Schock, als an der Grundschule im Dorf auch noch vor Schulbeginn jeden Tag gebetet wurde! Zusätzlich natürlich auch noch die Gottesdienstbesuche, wie auch Sie diese beschrieben haben.

Das Fazit war in der 3. Klasse, dass unsere Tochter natürlich auch an der Kommunion mitmachen und getauft werden wollte. Da mein Mann und ich zwar beide, schon lange aus der Kirche ausgetreten waren und der christlichen Kirche eher skeptisch gegenüberstehen, konnten wir unsere Tochter doch gut verstehen, als Einzige nicht aus der Klassengemeinschaft ausgeschlossen zu sein. Da die Taufe im Religionsunterricht stattfinden sollte und unsere Nachbarin und Freundin sich als Taufpatin zur Verfügung stellte, waren wir einverstanden. Kurz darauf war die Kommunion und natürlich bekam auch sie ein weißes Kleidchen. Secondhand zum Glück, denn nach dem Mittagessen flog das gute Stück in die nächste Ecke und wurde auch zum Abendgottesdienst nicht mehr angezogen!

Und obwohl unsere Tochter, mittlerweilen 31 Jahre alt, viele Jahre auch noch im Kirchenchor gesungen hat, ist sie mit 14 nach Ihrer Firmung aus der Kirche ausgetreten. Ich muss noch dazu sagen, dass unser damaliger Dorfpfarrer aber ein sehr sympatischer, weltoffener und liberaler Pfarrer war und wir der ganzen Angelegenheit relativ entspannt entgegen gesehen haben. Übrigens ist auch unser Sohn, aus meiner ersten Ehe – evangelisch getauft, freiwillig in den Religionsunterricht gegangen, da es auf dem Land keinen Ethikunterricht gab. Und noch eine nette kleine Geschichte zum Thema Schule und Religion. In der Wirtschaftsschule in Holzkirchen, die unsere Kinder später besuchten, gab es auch „nur“ katholischen Religionsunterricht. Unser Sohn hat aus Langeweile auch hier mitgemacht und selbstverständlich auch die Prüfungen mit geschrieben. Alle mit Note „1“. Da er auch sonst ein sehr guter Schüler war, wäre er vom Notendurchschnitt seines Jahrgangs unter den 10 Besten gewesen. Bei der Abschlussfeier wurde er aber nicht erwähnt, da seine Note vom Religionsunterricht als „Nichtteilnahmeberechtigter“ nicht gewertet wurde! Mit der Geschichte meiner Tochter will ich Ihnen Mut machen und mit der Geschichte von meinem Sohn erheitern. – Cornelia Rau

 

Mit Entsetzen habe ich Ihren Beitrag gelesen. Am Ende des Artikels war mein erster Gedanke, dass sich mit genau denselben Worten auch Ihre Tochter äußern könnte. Ich will Ihnen erklären, wie ich darauf komme. Als Lehrerin für katholische Religion an einem Gymnasium und als Mutter eines zweijährigen Sohnes fühle ich mich gleich in zweifacher Hinsicht herausgefordert, Ihnen auf Ihre Ausführungen zu antworten, beziehungsweise Ihnen zu widersprechen.

Zunächst einmal sind Schulen nicht dazu da, immer neue Alternativen auszutüfteln, um für jede Schülerin und jeden Schüler ein möglichst passgenaues Angebot zu haben, das auf keinen Fall das jeweilige Weltbild in irgendeiner Art und Weise ins Wanken bringen könnte. Nein, die Aufgabe von Schule ist es vielmehr, den Schülerinnen und Schülern ausreichend Werkzeug mit an die Hand zu geben, um sich zu den unterschiedlichsten Anschauungen von Welt, Mensch und Wirklichkeit (auf die sie in ihrem Leben zweifelsohne stoßen werden!) verhalten zu können. Anstatt der von Ihnen geforderten Alternative zum Schulgottesdienst könnte also eine Reflexion darüber sinnvoll sein, was bei einem Schulgottesdienst eigentlich geschieht (übrigens wesentlich mehr als „während des Unterrichts einen Gott anzubeten“), warum die einen ihn für wichtig halten, die anderen nicht und schließlich eben auch, ob und inwiefern ich selbst (sei ich nun getaufter Christ oder nicht) etwas damit anfangen kann. Daher brauchen wir an Schulen keine Imame, sondern fähige (Religions-)lehrer, die sich unangenehmen Fragen stellen und Kindern vorleben können, dass Anderssein und Unterschiede zwischen Menschen keine qualitative Aussage über diese treffen wollen. Wer also mit guten Gründen nicht am Schulgottesdienst teilnehmen möchte, ist keineswegs aus der Gemeinschaft ausgeschlossen. Die betroffene Schülerin oder der betroffene Schüler verdient vielmehr Respekt für eine reflektierte und verantwortungsvolle Haltung. Kinder können dann sehr wohl aushalten, dass sie aus Gründen der Aufsichtspflicht für die Zeit des Gottesdienstes im Schulhaus verweilen müssen, um Ihre „Strafaufgaben“ zu lösen, während die Mitschüler einen „Ausflug“ machen. Außerdem frage ich mich, wie eine „nette kulturelle Feier, die dem jeweiligen Anlass entspricht“, in Ihren Planungen konkret aussehen würde. Wollen Sie zum Beispiel ein alternatives Weihnachtsfest in der Schule anbieten, bei dem Kind und Krippe außen vorgelassen werden, nur damit nicht-christliche Kinder nicht Gefahr laufen, sich von der Weihnachtsgeschichte innerlich berühren zu lassen?

Ich finde es schön, dass Sie ausdrücklich sagen, Sie wollen Ihren Kindern „eine Vorstellung von Werten und Weltbildern“ mitgeben. Das will ich auch. Gleichzeitig sind unsere Kinder diesen unseren Vorstellungen in keiner Weise verpflichtet. Nur, wenn wir ihnen dies zugestehen, nehmen wir sie in ihrem Menschsein und Personsein wirklich ernst. Wenn sich aber Ihre Tochter von christlichen Bräuchen oder Gebeten angesprochen fühlt und sich mit ihnen auseinandersetzt, geben Sie ihr den Eindruck, als schleppe sie ein böses Virus mit ins Haus. Wovor haben Sie Angst? In jedem Fall scheinen Sie – erlauben Sie es mir – eine sehr intelligente Tochter zu haben, die sogar die Versuche Ihres Mannes durchschaut hat, das, was sie eben gerade so fasziniert, ins Lächerliche zu ziehen („Irgendwann versuchte er es mit Humor und scherzte, er bete ausschließlich das Spaghettimonster an.“). Und in genau dieser Situation könnte auch Ihre Tochter rufen „Warum hört mich keiner?“. Vielleicht sehnt sich ihre Tochter nach mehr, nach etwas, das über die naturwissenschaftlichen, nüchternen und vermeintlich „erwachsenen“ Erklärungsversuche der Welt hinausgeht. Dabei erinnert mich das Verhalten ihrer Tochter an das Mädchen auf dem Buch-Cover von „Kinder nicht um Gott betrügen“ (Albert Biesinger, Herder 2012). Wie auch das Mädchen auf dem Buch-Cover mit Hilfe des Fernrohrs Ausschau hält nach den Sternen (nach etwas also, das uns fern ist und doch irgendwie täglich sichtbar wird), so hält möglicherweise auch ihre Tochter Ausschau nach etwas, das ihren bisherigen Horizont bereichern und erweitern kann.

Mit den Versuchen, Ihre Tochter fürs Judentum zu begeistern, haben Sie ihr nicht wirklich eine Alternative angeboten, da Sie selbst emotional dem Judentum nicht verbunden scheinen („Also schleppte ich meine beiden Kinder nun regelmäßig in die Synagoge“). Kinder merken, ob wir als Eltern hinter einer Sache stehen oder eben nicht. Den eigenen Kindern ein „Alternativangebot“ schmackhaft zu machen, welches man selber als abstoßend erfahren hat und es immernoch als solches empfindet, ist, gelinde gesagt, wenig vorbildlich. Vielleicht rührt auch ihr „Hass auf die katholische Kirche“ eigentlich von Ihrer Hilflosigkeit gegenüber und der damit verbundenen Unfähigkeit, dem Heiligen eine Tür ins eigene Leben zu öffnen (so, wie es ihre Tochter offensichtlich schon längst getan hat). Daher sind sie nicht „mangelhaft integriert“, sondern mangelhaft interessiert an Dingen, die den eigenen Wertehorizont übersteigen. Religion ist sicher in vielen Fällen ein Grund für mangelnde Integration – dann nämlich, wenn sie zu politisch ist. Im eigentlichen Wortsinne aber ist Religion der Anknüpfungspunkt schlechthin, um auch mit Migranten ins Gespräch zu kommen: Die Sehnsucht nach dem Heiligen, das Reflektieren über Fragen des Lebens ist Migranten und Einheimischen, Kindern und Erwachsenen, denen in der Mitte und denen am Rand doch irgendwie gemein – sofern sie denn gehört werden! – Lucia Reck

 

„Warum hört mich keiner?“ – zunächst dachte ich beim Lesen damit sei die Tochter gemeint. Aber nein, die Autorin meint sich selbst und ich begann mit dem Kind mitzufühlen. Traurig – da erlebt das Kind etwas Schönes und Frohes und die Eltern stülpen ihr den eigenen Unmut und „Hass“ über die Kirche über. Da hätte das Kind viel zu erzählen und zu singen gehabt, aber die Ohren der Eltern sind zu, weil ihre eigene Weltsicht sie zumacht. Traurig, denn so bleibt das Kind allein und prallt am elterlichen atheistischen Fundamentalismus ab. Vielleicht hat die Tochter in den Schulgottesdiensten erlebt, was ihr zuhause fehlt: eine frohe Leichtigkeit, ein weites Denken, eine barmherzige Sicht auf das Leben. Warum hört keiner von den Eltern, was ihre Tochter bewegt? – Klaus Göldner

 

Ich kann gut nachvollziehen, dass die jüdische Mutter frustriert und irritiert ist, weil ihre Tochter keine – vernünftige – Alternative zum katholischen Religionsunterricht hat, sich ausgegrenzt fühlen würde, wenn sie nicht an den üblichen religiösen  Aktivitäten der Mitschüler teilnehmen könnte, und sich sogar zur überzeugten Christin entwickelt.

Andererseits kann es einem jüdischen (oder auch muslimischen Kind) nichts schaden, wenn es von den Glaubensinhalten und Praktiken seiner Umwelt erfährt, zumal die Mutter ihm durch Besuche der Synagoge eine Alternative präsentieren kann. Das Kind befindet sich noch auf der Grundschule. Es ist  durchaus möglich, dass die Eltern bei einer  weiterführenden Schule eine bessere Möglichkeit der Einflussnahme vorfinden werden. Die Autorin schildert, wie sie von ihrer Mutter in die jüdische Gemeinde mitgenommen wurde, sich aber später eine eigene Weltanschauung bildete. Genau das wird ihre Tochter später auch tun. Schade wäre nur, wenn das noch sehr junge Kind durch  Auseinandersetzungen in der Familie in meiner Ansicht nach unnötige Konflikte gerät. – Ein/e Leser/in


 

Leserbriefe zu „Der Teufel trägt Öko“ von Thomas Assheuer

Die dringende globale Notwendigkeit des Umweltschutzes wird immer wieder durch nationalen oder Gruppenegoismus zurückgedrängt. Mit Recht fragen viele Menschen: Können wir unsere ökologischen Probleme lösen, ehe es zu spät ist? Manche haben schon sehr viel darüber geschrieben und nachgewiesen, wer und was die Schuld trägt an unserer Umweltmisere. Mit welcher Einstellung können wir daran gehen, über das Reden hinaus wirklich etwas Wesentliches zu verändern. Wie kann die Umwelt gerettet werden, ohne eine Ökodiktatur zu bekommen, also ohne Freiheit und Demokratie aufs Spiel zu setzen? Wie bei jedem weltumspannenden Problem sollten wir uns auch bei der Ökokrise fragen, welche Denkweise hinter unserem falschen Verhalten steckt.

Ist die Natur ein Produkt des Zufalls, wie es viele Menschen meinen? Gibt es keinen grundsätzlichen Unterschied zwischen Stein, Wurm und Mensch? Wenn das so ist, gibt es eigentlich nur einen Maßstab, nach dem wir unser Verhalten gegenüber der Umwelt messen können: das Nützlichkeitsdenken. Wenn es uns nützt, schützen wir die Natur. Wenn es unser Egoismus aber gebietet, treiben wir Raubbau. Kann man Egoismus verbieten? Wie kann man verhindern, dass uns unser eigenes Wohl mehr interessiert als das Wohl anderer Menschen und wir unseren Enkeln vielleicht nur noch eine ausgeblutete Erde hinterlassen? Umdenken müssen wir auf jeden Fall, damit wir die richtigen, ehrlichen, umfassenden Analysen und Lösungen finden, die auch ungesetzt werden. Wenn wir Kinder des blinden Zufalls sind, habe wir keine Maßstäbe außer der bloßen Nützlichkeit – wobei der eine vielleicht weniger kurzfristig denkt als der andere. Sind wir aber alle Geschöpfe des persönlichen, unendlichen, liebenden Gottes, der mit der Bibel ausdrücklich gesprochen hat, haben wir eine ganz andere Grundlage, um an die ökologischen Probleme herangehen zu können. Zwar ist Gott unendlich, wir aber begrenzt und in dieser Hinsicht mit der Natur gleich. Aber der persönliche Gott hat uns als Personen in seinem Bild geschaffen und die Natur zur sorgsamen Verwaltung anvertraut. Wir haben keine Eigentumsrechte an der Natur und sind nur Verwalter. Wir sind von der Natur, von den Tieren, Pflanzen und Steinen verschieden. Aber sie sind alle auch von Gott erschaffen. Wenn wir uns dieser Tatsachen richtig bewusst werden, lieben wir natürlich die Natur, und wir werden sie bewahren und nicht vernichten: Sie ist das Werk unseres Vaters. Wir brauchen nicht durch Eigentumsrechte der Natur dazu gezwungen werden. Wer sollte auch objektiv und gerecht genug sein, um diese Eigentumsrechte zu verwalten und durchzusetzen? Wer kontrolliert die Kontrolleure? Wenn wir durch das aktive Vertrauen auf Jesus Christus mit Ihm in Verbindung sind, haben wir ein Fundament, um mit Ihm und mit uns selbst ins Reine zu kommen, mit den anderen Menschen, mit der Natur, – das ist eine durchaus sachliche, empirisch und rational begründbare weltanschauliche Grundlage, die sich mit der wahrnehmbaren Wirklichkeit deckt und nichts mit fiktiven metaphysischen Begründungen zu tun hat.

Der Zeit seiner Berufslaufbahn bis ins höhere Alter agnostische US-amerikanische Soziologieprofessor Rodney Stark, der sich 2007 nach einer Änderung seines religiösen Selbstverständnisses in einem Interview als unabhängigen Christen bezeichnete, schrieb in seinem Buch The Victory of Reason (Sieg der Vernunft): „Dem Erfolg des Westens lag die Entwicklung freier Gesellschaften zugrunde, die in der Lage waren, sichere Häfen für den frühen Kapitalismus zu schaffen. Hier spielte auch das Christentum die entscheidende Rolle, indem es eine moralische Basis für die Demokratie bot, die alles, was klassische Philosophen in Erwägung gezogen hatten, weit überstieg.“ Und an anderer Stelle in diesem Buch weist er darauf hin: „Wie dies bei so vielen anderen Aspekten der mittelalterlichen Geschichte der Fall ist, hat die christliche Theologie die intellektuelle Grundlage dafür geschaffen, dass mit politischer Freiheit experimentiert werden konnte.“ Auch die analytische Naturwissenschaft hat ihre Basis in der Rationalität Gottes. Auf der Grundlage eines Weltbildes mit einem rein materialistischen Ursprung lassen sich Ursprungsfragen sowie nichtmaterielle Phänomene nicht zufriedenstellend erklären.

Um eine wesentliches Motiv zu haben, die Schöpfung zu achten und zu schützen und gleichzeitig dabei unsere kostbare Freiheit und Demokratie zu erhalten, sollten wir also das christliche Weltbild wirklich ernst nehmen. Der Kulturanalytiker Francis A. Schaeffer warnte bereits vor fünfzig Jahren vor den tragischen Folgen des unkontrollierten Eingriffs in die Natur. In seinem Buch Das programmierte Ende: Umweltschutz aus christlicher Sicht beschreibt er, wie wir Menschen die Natur missachten und ausbeuten. Er schildert, wie christliche Glaubensinhalte solide Begründungen für die Wertschätzung der Schöpfung darstellen. Die Bibel selbst warnt schon vor mehr als 1900 Jahren diejenigen vor dem Verderben, „die die Erde verderben“. Klingt ziemlich aktuell. – Gerhard Jahnke

 

Was versteht T. Assheuer unter der Freiheit? Ist es die grenzenlose Freiheit über den Wolken, die Reinhard Mey besingt? Dann hat Assheuer ihn wohl falsch verstanden. Denn Mey’s „Ohrwurm“ steckt voller Fragezeichen. Vermutlich kannte Mey die „Goldene Regel“ des Mittelalters, die mir bereits als Kind in ihrer Negativform beigebracht wurde: „Was du nicht willst, das man dir tu‘, das füg auch keinem andern zu.“ Diese Regel gilt in jeweils abgeänderter Form, seitdem der Mensch sesshaft geworden ist und sich in größeren Gruppen arrangieren musste. Respekt und Menschenwürde sind ihr Kern. Allgemein bekannt ist, dass die globale Menschheit in einem extremen Ungleichgewicht mehr verbraucht als die Natur hergibt. Mit grenzenlosem Rohstoffabbau und Landraub lebt seit Jahrzehnten ein Teil der Menschheit auf Kosten anderer und führt zu einem extremen Wohlstandsgefälle. Kehrt sich die Sachlage um durch Völkerwanderung u.ä. dann werden Mauern zur Abwehr errichtet und Kriege initiiert. Ein Leben in Freiheit nach der „Goldenen Regel“ würde unter anderem jede Waffenproduktion überflüssig machen und kontraproduktiv zum mit Krediten finanzierten Wirtschaftswachstum stehen. Es handelt sich vermutlich um ein vom Menschen nicht lösbares Problem. – Hans Jürgen Hahn

 

Mich schockiert immer noch, dass die Menschen nicht begreifen, um was es geht. Wenn ich das Wort Klimawandel betrachte, ist dies eigentlich nichts direkt bedrohliches. Wandel ist meist etwas positives. Bei Klimakatastrophe muss einem ja auch nicht sofort die Angst im Nacken sitzen. Das Klima ist oder hat eine Katastrophe. Auch nichts unmittelbar bedrohliches. Findet ein Wort, das der Dramatik der Situation entspricht. Ein Wort, das der Industrie und uns Allen zeigt, dass es um unsere Lebensgrundlage geht, dass wir auf dem Ast sitzen, an dem wir sägen. Der sanften Töne sind genug gesprochen. Auch ein Wettbewerb unter den Lesern könnte helfen, ein entsprechend kräftiges Wort zu finden. – Gottfried Wenger

 

Die Idee , der Natur einklagbare Rechte zuzugestehen, scheint sinnvoll auf den ersten Blick. Doch der Teufel trägt nicht nur Öko, sondern steckt meist im Detail. In diesem Fall stellt sich die Frage, wer diese Rechte definiert und sie einklagt. Natürlich der Mensch und der ist befangen und bestechlich. Die Natur hat ihre eigenen Gesetze und die kann der Mensch auf Dauer sowieso nicht aushebeln, denn er unterliegt ihnen und ist ja selbst Teil der Natur. Wir müssen weg vom anthropozentrischen Denken und der alten Vorstellung vom Recht des Dominium terrae. Ein ganz wichtiger Schritt wäre das Bevölkerungswachstum zu reduzieren. Das Thema Überbevölkerung wird m.E. in der ganzen Klimadebatte zu wenig diskutiert bzw. ganz schnell als rassistisch diskreditiert. Aber die Rechnung ist ganz einfach: Weniger Menschen, mehr Natur. – Mia Herber

 

Ein beeindruckendes Gedankengebäude von Thomas Assheuer. Eine großartige Zusammenschau von Menschen-, Natur- und Weltbildern. Für den Konservativismus und gleichermaßen für den Liberalismus ein erschreckender Blick in den Spiegel, den die Zeit uns hinhält: Starke Abweichungen von unseren Selbstbildern. Ach, nicht die Krone der Schöpfung. Eine Fratze! Die Dialektik der Aufklärung ist an einem prekären Punkt angekommen. Freiheit und Autonomie schienen bislang die Beherrschbarkeit der Natur nebst Zivilisation und Wohlstand wachsen zu lassen. Nun zeichnet sich ein Ende dieser Geschichte ab. Fortschritt eine Illusion? Dem Projekt der Moderne beginnt die Luft auszugehen, während die Furie des Verschwindens für ihren gleichmütigen Einsatz sich CO2-angereichert gelassen warmläuft.

Ja, der mit der Aufklärung für tot erklärte Teufel ist auferstanden. Lange hat er sich im Detail versteckt, nun geht er unbeherrscht aufs Ganze, holt sich das an die Vernunft verloren gegangene Terrain zurück und beginnt – nicht nur in den USA und in Brasilien – breite Schneisen in die Freiheit zu fressen. Ist ein Kraut gegen diesen Teufel gewachsen? Hilft es, mit den BGB unter dem Arm der Natur ein Eigentumsrecht an sich selbst zu verleihen? Zu befürchten ist, dass hiermit nur ein legaler Rahmen geschaffen wird, um die Natur weiter mit unseriösen Deals über den aus nachhaltiger Bewirtschaftung stammenden Holztisch ziehen zu können. Nachhaltigkeit ist übrigens auch nur ein Konstrukt, um das Regime der Naturbeherrschung aufrechterhalten zu können, sicherlich in sanfterer Form als im klassischen raubtierkapitalistischen bzw. – kommunistischen Rahmen.

Vielleicht müssen wir der Natur in einem sehr großen Maße ihre Würde und ihre Freiheit zurückgeben, um unsere Würde und Freiheit zu retten, bevor alles zum Teufel ist. Vielleicht ist dies der alternativlose Weg: Freiheit als freier Wille der Natur, sich neben der Kultur selbst organisierend und frei entfalten zu können: Kulturnatur. Natur und Kultur auf Augenhöhe. Vielleicht ist dies das Verständnis von Freiheit, das die Freiheit begrenzt und doch frei bleiben lässt. – Reinhard Koine

 

Was, bitte, habe ich unter „liberaler Freiheit“ im Unterschied zu Freiheit zu verstehen? – Gernot Henseler

 

Auch wenn Sie mir als überzeugter „konservativen Geist“ und ewigen „kapitalistischen Knecht“ weiterhin unterstellen,allein bloß auf den Wert des Gegebenen und der Würde des Überlieferten Erbes zu beharren,verbleibe ich trotzdem ,als ein selbstkritischer ,moderner und reflektiert denkender Mensch/Leser zu sein.Der zwar bei Grün rotsieht und den Verdacht /Zweifel aufrecht erhält,dass das Grün beim Klimawandel bloß eine Clownerie und Tarnfarbe darstellt:Der den Klimawandel deswegen leugnen und bezweifeln muß,weil sich real betrachtet nur das Klima selbst sich ständig in einer Krise allein bloß befinden kann.Diesen Tatbestand apostrophieren Sie und Ihre Gesinnungsgenossen als Klimawandel.Damit politisieren und instrumentalisieren Sie diesen Prozeß als Rhetorische Kampf- und Reiz-Formel für Ihre Zielsetzungen allein bloß.

Um den Planeten vor einer Überhitzung zu retten und den Fortbestand zu sichern,reichen mir die vorgebrachten Belege/Meinungen von Klimaforschern,Politiker und Feuilletonisten nicht aus,um eine epochale Zäsur /Bruch zwischen Kultur und Natur als Ergebnis der Zivilisation zu rechtfertigen..Werfen Sie mal einen Blick in die Heilige Schrift.Der Triumph des selbstherrlichen Subjektes über die Schöpfung begann bereits mit dem Auszug aus dem Garten Eden!Der Co2 -Ausstoss ist die Folge unseres Technologie -Gebrauchs und seiner Übertreibung zum Luxus-Gewinn. Das scheinen die Modernen links/liberalen Apostel der Apokalypse und Panik-Macher tunlichst zu verdrängen und ständig verleugnen zu wollen.Dieser Blick in die Zukunft ist allein gestört und blind zugleich. Er ist weiterhin anti-konservativ und anti-kapitalistisch sowie anti-religiös allein bloß.Damit können Sie keinen Blumentopf mehr gewinnen. Ihr neues Zeit-Ressort -Der Zweifel -Streit-stellt hier die besseren,richtigeren Fragen-Wie lässt sich die Klimakrise lösen-Wie kann man das freie Denken bewahren.Anstatt -Der Teufel trägt Öko-Maske. Nur uns konservativen Geistern allein bloß zu unterstellen und anzukreiden.

Dem ZEIT-Feuilleton herkömmlicher Art empfehle ich in Abstimmung mit anderen Ressorts ,sich auf den Neuen Dialog im Hause einzulassen und selbst die Laufrichtung zu ändern.Beim Klima gelingt das niemanden.Freiheit in der Berichterstattung und im Dialog-Prozeß schlägt leicht in Unfreiheit und Bevormundung bei Veränderungsresistenz um.,wenn alte Sicht-/Deutungs-Klischees bis zum Erreichen der Verrentung bloß beibehalten werden. Denn es gilt:Im Anfang ist der Zweifel.Er allein treibt zum Erkenntnisgewinn und läßt erst gute Ideen überhaupt entstehen.Wer den Dialog mit den konservativen Geistern scheut und lieber aus dem Wege geht,bleibt im eignen Saft stecken und kann das Klima und die Freiheit zu denken niemals retten.Er beleidigt nur weiter die Freiheit /Wahlfreiheit mit seiner Utopie ganz allein . Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr als ein links/liberaler Feulletonist durch die offene Himmelstür. – Lothar Hantel

 

Thomas Assheuer hat sehr recht, wenn er konstatiert, dass die ökologische Krise inzwischen den von der Aufklärung her gewonnen Freiheitsbegriff bedroht. Das hätte man allerdings schon eine Zeit lange wissen können. Hans Jonas hat in seinem „Prinzip Verantwortung“ bereits 1979 in dem Kapitel: „Die Gefahr enthüllt das Nein zum Nichtsein als primäre Pflicht“ ganz ähnliche Gedanken formuliert. Wir haben sie nur 40 Jahre lang nicht gehört. Es geht nicht mehr darum, im politischen Alltagsgeschäft nach einer Möglichkeit zu suchen, den einen das Schildchen „Verbotspartei“ anzukleben und den anderen als „Knecht der Autoindustrie“ zu brandmarken. Es geht darum in einen gemeinsamen politischen Anstrengung auch Verzicht durchzusetzen, einfach um zu überleben. Die Freiheit, unsere Wünsche nach Mobilität, nach gewissen Formen von Ernährung, oder nach der Bequemlichkeit von Plastikprodukten auszuleben, ist an ein Ende gekommen.

Ob das so gelingt, dass ein liberaler Freiheitsbegriff jetzt auch die Natur mit Eigentumsrechten ausstattet und für die Verletzung dieser Rechte auch bezahlt, muss man sehen. Bolsonaro und Trump neigen nicht dazu, transnationale Rechte, die letztlich das ganze Raumschiff Erde schützen, anzuerkennen. Trotzdem: Gedacht muss das zunächst einmal werden, deshalb ist Thomas Assheuer für seinen klugen Aufsatz zu danken. – Thomas Oesterle

 

Der Artikel von Thomas Assheuer lässt die Bedeutung des Christentums außer Acht. „Macht euch die Erde untertan“ missachtet die Rechte der Natur nachhaltig und macht die Natur zum Objekt. Die Entfremdung zwischen Mensch und Natur beginnt also nicht erst in der Renaissance. Freiheit ist laut Rosa Luxemburg immer begrenzt durch die Freiheit des anderen, d. h. hier durch die Rechte der Natur.Der Schutz der Natur müsste auch bei uns Verfassungsrang bekommen, wenn es nicht bei Lippenbekenntnissen bleiben soll. Im übrigen wird bei der Diskussion um den Klimawandel ein entscheidender Aspekt vergessen: das Bevölkerungswachstum. Wir können CO2 einsparen soviel wir können, ohne eine Begrenzung des Bevölkerungszuwachses werden alle Maßnahmen wenig Erfolg zeitigen. Dieses Thema wird leider ( aus Mangel an Einflussmöglichkeiten Oder aus Feigheit) nicht angegangen. – Dr. Martin Klupp

 

Angesichts der Klimakrise sieht Thomas Assheuer die Notwendigkeit, den „liberalen Freiheitsbegriff“ neu zu denken. Freiheit schlage um in Unfreiheit, wenn „unter den Bedingungen von Erderwärmung und Artensterben“ die Politik gezwungen sei, diese Bedrohung abzuwenden. Wenn also nicht mehr über Ziele, sondern nur noch über die Mittel zur Erreichung eines nicht mehr hinterfragbaren Zieles entschieden werden dürfe. Der Autor fragt nach einem Verständnis von Freiheit, das die Freiheit begrenzt – und doch frei bleibt. Das müsse eine Freiheit sein, die sich aus freien Stücken selbst bindet. Die Antwort ist nicht so schwer, wie es scheint, und sie sollte jedem Demokraten geläufig sein: Freiheit ist nie absolut, sondern immer rückgebunden an die Freiheit der anderen Menschen. Das freie Tun und Lassen des Einzelnen sollte nach demokratischem Verständnis immer dann gesetzlich eingeschränkt werden, wenn ohne diese Einschränkung anderen Menschen Freiheit entzogen würde.

Der Autor erwähnt als Vorbild Neuseeland, wo der Schutz der Natur Verfassungsrang besitzt. Auch in Deutschland genießen Natur und Umwelt diesen Rang. Seit 1994 ist der Umweltschutz als Staatsziel in Artikel 20a Grundgesetz verankert. Dieses rechtsverbindliche Ziel ist zwar für den einzelnen nicht einklagbar, jedoch sind der Politik alle Möglichkeiten in die Hand gegeben, das zu tun, was zur Abwendung der Klimakatastrophe notwendig ist. Das wahre Hindernis für wirkungsvolle politische Entscheidungen in diesem Bereich liegt nicht im Mangel an gesetzlichen Möglichkeiten, sondern in der (berechtigten?) Angst der regierenden Politiker, dass bei der Mehrheit der Wähler für die notwendigen Beschlüsse keine Zustimmung zu erwarten ist. Allerdings bekennen sich laut Selbstbeschreibung die Parteien, die zusammen die Mehrheit der abgegebenen Stimmen repräsentieren, zu ihrer Verantwortung für künftige Generationen. Und dazu gehört der Schutz vor Erderwärmung und Artensterben. – Dr. Hans-Joachim Schemel

 

Welch ein feuilletonistisches Highlight. Von herausragender literarischer Qualität, unterhaltsam und witzig, hintergründig und überraschend, klar, präzise und spannend. Diese Kombination aus anspruchsvollem Stil und dem Auge für die Wirklichkeit des Klimawandels ist schon etwas Besonderes. Es ist ein Genuss, dieses Feuilleton zu lesen. – Franz Pastusiak

 

Sehr schön geschrieben und richtig gesagt, aber ist der Sachverhalt nicht noch einfacher? Zum Ersten ist es doch so, dass es dem konservativen Lager heute wie früher seltener um die Bewahrung der Schöpfung ging, als viel häufiger um die Konservierung von Privilegien. Bei Frauenwahlrecht und Bürgerrechtsbewegung war es früher so, beim Thema CO2 Verzicht ist es heute so. Zum Zweiten hat der liberale Freiheitsbegriff schon immer Selbstbeschränkungen enthalten, egal ob zum Alkohol- und Drogenkonsum oder zu Autoverkehr und Waffennutzung. Jedes Verständnis von Freiheit beinhaltet eine Begrenzung der Freiheit zur Rücksichtnahme auf die Freiheiten der anderen. Daraus folgend ergibt sich Kant’s Kategorischer Imperativ. Und wir alle wissen, so wie wir in der westlichen Welt in den letzten 100 Jahren gelebt und gehandelt haben, können 8 Milliarden Menschen nicht dauerhaft leben. Die ‚wotanhafte‘ Freiheit derjenigen die gerne am Status Quo und ihren Privilegien festhalten, ist nichts anderes als eine eklatante Verletzung des kategorischen Imperativs. Dafür muss man nicht mal Hans Jonas gelesen haben. Eine Begrenzung oder Besteuerung von CO2 Emissionen und Umweltnutzung ist notwendige Voraussetzung für die langfristige Bewahrung von Freiheit und Schöpfung. – Tilman Eichstädt

 

Ergänzend zu den Überlegungen von Herrn Assheuer wäre zu fragen, auf welches Konzept von Individualität sich der Freiheitsbegriff bezieht. Neben dem Kollektivismus, der (wie in Diktaturen) Individualität nicht duldet, gibt es zwei Arten, Individualität zu verstehen: relational und essentialistisch. Der Sonderweg der westlichen Kultur zeichnet sich durch Bevorzugung essentialistischer Konzepte aus, etwa in der Ich-Konstitution als fester innerer Kern in Abgrenzung vom Anderen und von der Natur, während die meisten Kulturen relationale Konzepte vertreten, in einer Ich-Konstitution in Verbundenheit, mit der Natur und den Anderen. Da wird Freiheit nie ohne Verantwortung gedacht werden, Verantwortung für die Wirkung des eigenen Tuns auf die Umwelt und die anderen Menschen. Den Teufel kann man aus dem Spiel lassen …. – Wolfgang-Andreas Schultz

 

Ein inhaltlich und sprachlich beeindruckender Artikel! Womöglich aber könnte uns ein unfreundlicher Gruß aus dem All in Form eines Asteroideneinschlags oder, eher, ein gewaltiger Vulkanausbruch auf unserer Erde unsere Entscheidung, für oder gegen irgendeine Freiheit, abnehmen! Klingt auch bedrückend, ist aber genauso real wie die Überhitzung der Erde! Ein weitsichtiger Politiker sollte bei zukunftsträchtigen Entscheidungen beides im Blick haben! – Dr. med. Ulrich Pietsch

 

Ich hoffe, dass ich den Autor richtig verstehe. Der Autor vollzieht jetzt nach, was in der Umweltökonomie schon seit 25 Jahren diskutiert wird: Bei weiterer Akkumulation von mindestens 6 Treibhausgasen und einer wachsenden Weltbevölkerung (in wenigen Jahrzehnten 10 Mrd. Menschen) und deren „Umpflügen“ des Planeten in nie da gewesener Weise (Waldrodung, Trockenlegung von Feuchtgebieten, …) kollidiert die individuelle Rationalität mit der gesamtgesellschaftlichen, wenn das Regime „des freien Zugriffs“ gilt.

Wenn das in den letzten 200 Jahren auf nationaler Ebene geschah, konnte der Nationalstaat dem indi­viduellen Wirtschaften Leitplanken (Verbot von Kinderarbeit, Arbeits- und Umweltschutzstandards, …) vorgeben. Die Menschheit hat heute die „ganz einfache Aufgabe“, die bisher nur national geregelten Dinge plötzlich in internationaler Kooperation zu lösen. DAS ist Aufgabe der Staatengemeinschaft.

Und mit der angeblich so positiven Vorreiterrolle Deutschlands und Europas im Klimaschutz kann es auch nicht weit her sein. Dort dilettieren Politiker aus bisher 28 EU-Staaten mit nationalen Sondermaßnahmen wie „Kohleausstieg“ (trotz EU-CO2-ETS!) und Unverstand bzgl. einer funktionsfähigen Stromversorgung.

In den acht Tagen vom 18. – 25. Januar 2019 ka­men in Deutschland fast 10 Mrd. kWh, d.h. 77 % aller Stromerzeugung, aus konventionellen Kraftwerken, weil die Erneuerbaren abschlafften! Ohne auch „aufgeladene“ Speicher in dieser Größenordnung führt der Kern- und dann Kohleausstieg direkt in den Black-Out. Diese gibt es ab 2023 in einer Größenordnung von 100 MW im Probebetrieb! Was sagt die Welt, wenn gutwillige, aber sachlich weitgehend ahnungslose Politiker die „so gut gemeinte“ Energiewende an die Wand fahren?  – Prof. emer. Dr. Wolfgang Ströbele


 

Leserbriefe zu „Auf in den Nahkampf“ von Giovanni di Lorenzo

Eine Demokratie ist ohne rechte Politik keine. Sie erfordert deshalb – wie der Artikel es auch besagt – Politiker mit der Fähigkeit zur Nahbarkeit und Auseinandersetzung. Als ehemaliger Kommunalpolitiker und Beigeordneter habe ich in mehr als tausend Bürgerversammlungen erfahren, dass eine gesuchte Nähe zur Bürgerschaft nicht immer die erhoffte Akzeptanz für die Sache, aber fast immer den Respekt für die Begegnung erfährt. Desto mehr man dabei die eigene Souveränität und Kompetenz deutlich und differenziert klarstellt, umso mehr stärkt man eine Aufgeschlossenheit für die Themen. – Jürgen Dressler

 

Das Ausmaß des Erfolges der AfD bei den Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg wird besonders deutlich, wenn man die folgenden Betrachtungen anstellt: Aggregiert man die Zweitstimmenergebnisse der Parteien in beiden Bundesländern (wie das bei Bundestagswahlen ja auch geschieht), liegt die AfD mit 892.959 Stimmen auf Platz 1, knapp vor der CDU (892.483) und weit vor der SPD (498.618). Und in Sachsen erzielte die AfD mehr Stimmen (595.530) als SPD, Linke und Grüne zu- sammen (578.635)! Allein der Umstand, dass die Ministerpräsidenten Kretschmer und Woidke wohl dennoch im Amt bleiben werden, kaschiert das Desaster für die etablierten Parteien. – Prof. Dr. Wolf-Rüdiger Heilmann

 

Die Alternative für Deutschland – AfD – wurde wegen der Eurorettungspolitik gegründet. Sie wurde von den anderen Parteien sofort in die rechte Ecke gestellt. Für die Kanzlerin war diese Eurorettungspolitik alternativlos. Die deutschen Sparer werden jetzt noch von der Europolitik betrogen. Die Begeisterung für die EU hält sich in Grenzen. Das Gefasel mancher EU-Politiker von der EU-Weltmacht schreckt manchen ab – mehr als von der AfD! Gerhard Schröder hat der SPD die Agenta 2010 geschenkt, Angela Merkel der Union die AfD. – Friedrich Küspert

 

Reden und Streiten sind also das Gebot der Stunde, meinen die ZEIT-Macher und allen voran der Chefredakteur. Da ist Beifall garantiert, fürs „Reden“ beim Talkshow-Publikum, fürs „Streiten“ bei gehobenen Küchenpsychologen. Aber was bringt’s?
1. Wer soll da überhaupt mit wem reden? Ich mit meinem AfD-wählenden Nachbarn oder Kollegen? Tu ich gerne, ändert aber wenig. Die Medien mit AfD-Leuten? Tun sie doch längst, wenn auch mitunter (im TV) mit einer merkwürdigen Aufgabenteilung: in den Nachrichten und Talkshows bevorzugt Mikrophon-hinhaltend für die Biedermänner Gauland und Meuthen, in Polit-Magazinen genüsslich-schaudernd über die Brandstifter Höcke und Kalbitz. Oder zielt Giovanni di Lorenzos Forderung nach „Reden“ darauf, die AfD zu behandeln wie jede andere Partei, mögliche Koalitionen inklusive?
2. Die SPD wirke schon lange nicht mehr als Kitt, auch ein dezidiert linker Kurs verspreche keinen Erfolg: wie wahr, und wie wohlfeil. Dieses Linken-Bashing übersieht geflissentlich, dass den Kitt für (potentielle) AfD-Wähler vor allem die konservativen Parteien, also CDU und CSU liefern müssten. Deren Gebaren als Kanzlerinnen-Wahlverein bei gleichzeitiger inhaltlicher Leere macht es der AfD leicht, Enttäuschte und Verunsicherte abzufischen.
3. Bei allem Respekt für Michael Kretschmers ehrenwerten Kampf um jede Stimme: Am Ende des Tages hatte die AfD 17,8 Prozent gewonnen und die CDU 7,3 Prozent verloren. Ist das der Erfolg, den wir brauchen?

Nein, mit Reden allein kommen wir nicht weiter. Stoppen können den Vormarsch der AfD nur Politiker und Parteien, die ihrem Publikum glaubwürdig vermitteln: Wir wissen, vor welchen Herausforderungen wir stehen, und wir werden danach handeln – auch disruptiv, wie sogar die Kanzlerin einräumt. Dafür spricht auch das derzeitige Hoch der Grünen. Solange die Groko in ihrem ängstlichen Pille-palle-Weiter-so hängen bleibt, wird alles Reden wenig bewirken. Politik braucht (auch) Führung, sonst droht am Ende wieder ein Führer. – Josef Pütz

 

Willy Brandts ‚Jetzt wächst zusammen, was zusammengehört‘ war ein frommer Wunsch eines großartigen Sozialdemokraten. Die Westdeutschen hatten jedoch damals – und manche haben immer noch – nicht begriffen, dass das Schwenken schwarz-rot-goldener Fahnen und das Skandieren von ‚Wir sind ein Volk‘ in der Wendezeit eine Sehnsucht nach einem Deutschland zum Ausdruck brachte, die die mittlerweile multi-kulturell gewordene und zunehmend neoliberale BRD nicht stillen konnte. Und da sich das Nationale in den Jahrzehnten des Sozialismus nicht weiterentwickelt hatte, gehörte dieses Missverständnis zu den Geburtswehen des vereinten Deutschland 1989 und wirkt bis heute im Politikverständnis vieler Menschen – und auch der jüngeren – in den neuen Bundesländern nach. Das reicht für die AfD, die „Überzeugungsarbeit“ der Besonnenen muss aber diesen Mythos überwinden. – Willi Goldstein

 

Der Aufruf, mit den Rechtspopulisten zu streiten, ist lobenswert, kommt aber zu spät. Auch wenn mit derAfD gestritten wird, ändert sich nichts daran, dass sie bleiben und stärker werden wird. Solange die Altparteien ( nein, ich bin kein Anhänger der AfD) nicht gegen die Probleme energisch vorgehen, die der Zuzug von den Zuwanderen ( das ist ja wohl die politisch korrekte Bezeichnung von Wirtschaftsmigranten) unternehmen, solange wird diese Partei nicht verschwinden! Solche Massnahmen wären u. a. Zurückführung der ca. 300.000, deren Asylanträge abgelehnt wurden; umgehende Depaortation von Rechtsbrechern; kein Eingehen auf Sonderwünsche der Zuwanderer wie z. B. kein Schweinfleisch für alle in Kitas, wenn dort 3 muslimische Kinder sind. Leider wird das nicht passieren! Die ZEIT selbst hat mit ihrem Hochjubelnn der „Willommenskultur“ zu dem Anwachsen der AfD beigetragen. Zunächst hatte ich mich auch davon überzeugen lassen. Als aber dann ein Flüchtlingsexperte, immerhin 30 Jahre nach 1945 geboren, die abstruse Behauptung aufstellte, das Flüchtlingsboot aus Afrika im Mittelmeer sei dem Bollerwagen der deutschen Flüchtlinge gleich zu setzen, bin ich aufgewacht. Nehmen Sie doch bitte einmal zur Kenntnis, dass die Wähler in den „ostdeutschen Ländern“ sich bei vielen ZEIT Artikeln immer wiederan die des „Neuen Deutschland“ erinnern; ob diese Erinnerung zutrifft ist oder nicht, sei dahin gestellt. Den letzten Rest von Glaubwürdigkeit verspielt die ZEIt im Augenblick mit der Bericht- erstattung zum Mensch gemachten Klimawandel. Weist man Verfasser darauf hin, dass nicht alle Wissenschaftler, wie beschrieben, dem zustimmen, so wird man dann belehrt, dass es nur 98,8% seien. Das Argument des wissenschaftlichen Konsenses ist das schwachsinnigste, was ich bisher gehört habe. Würde es stimmen, dann hätte die katholische Kirche Gallilei als Ketzer anzukalgen Recht gehabt, da wissenschaftlicher Konsens damals war : Die Erde ist eine Scheibe und alle Planeten kreisten um die Erde. Ein bischen Bescheidenheit wäre für manchem ZEIt Journalisten angebracht. Vielleicht sollten sie einmal Russels Ausspruch ( ich kann wohl davon ausgehen, dass der Name in der Redaktion bekannt ist) beherzigen, wonach „Vorsicht geboten ist, wenn alle Experten sich einig sind“. Die Mainstream Presse, dazu gehört auch die ZEIT, ist immer noch in dem Irrglauben verfangen, sie häten die Wahrheit gepachtet. Marie von Ebner-Eschenbach( ich hoffe, dass in der dortigen Redaktion noch bekannt ist, um wen es sich dabei handelt)hat diese Vorstellung einmal beschrieben :“ Ihr jubelt über die Macht der Presse, graut Euch nie vor Ihrer Tyrannei“. Damit hat sie einen nicht unerheblichen Teil der Artikel der ZEIT charakterisiert. – Ulf Hanel

 

Der Beitrag suggeriert, dass das Abschmieren von SPD und LINKE damit zusammenhängt, dass dezidiert linke Programmatik irgendwie an Interesse verliert. Dagegen spräche, dass die Umfragewerte der SPD im Wahlkampf 2017 genau zu dem Zeitpunkt nochmal richtig an Fahrt aufnahmen (bis zu 30%), als das Thema soziale Gerechtigkeit ausgerufen wurde – und gleich wieder in sich zusammen fielen, als klar wurde, dass es sich wieder mal um nichts als heiße Luft handelte. Das Problem scheint mir vielmehr damit zusammenzuhängen, dass man beim Kreuz für diese Parteien (am extremsten bei der LINKEN) auch gleichzeitig für einen völlig hirnrissigen alle-Afrikaner-rein-Kurs stimmen würde. Vielleicht sollte man mal mit den dänischen Sozialdemokraten reden (oder auch mit Boris Palmer aus Tübingen). – Gebhard Boddin

 

Kein demokratischer Politiker muss mit einem Rechtspopulisten wie etwa Björn Höcke reden, der seine politische Daseinsberechtigung offenkundig in der regelmäßigen Darreichung brauner Rhetorik zu sehen scheint. Aber ein demokratischer Politiker muss sich, um Rechtspopulismus zu minimieren, mit den Menschen auseinandersetzen, die eine Partei befürworten, die Politiker wie Höcke in ihren Reihen duldet.

Sigmar Gabriel hat dieses notwendige Engagement, seinerzeit freilich als neuer Parteichef der SPD im Jahr 2009 in einem anderen Kontext, überaus prägnant beschrieben: „Man muss wieder raus ins Leben, dahin, wo es brodelt, manchmal riecht und gelegentlich stinkt.“ Der grundsätzlichen Intention dieser Aussage – aus der Gesellschaft für die Gesellschaft – war und ist kaum etwas hinzuzufügen. Sie gilt für Ostdeutschland genauso wie für Westdeutschland. Und sie gilt im Übrigen mit und ohne eine Partei wie die AfD. Denn ja gewiss, Heimat ist (und entsteht) da, wo ich verstehe und wo ich verstanden werde (nach Karl Jaspers). – Ira Bartsch

 

Der Wähler hat in Brandenburg und Sachsen auch die AfD gewählt. Der Wähler verhalf der AfD zu deren ungebremsten Höhenflügen, weit über die 20%-Marke hinaus. Die Wahl ist nun gelaufen, und die Probleme sind größer denn je. Wer soll jetzt mit wem und wer darf nicht mit wem? Es könnte nochmal alles gut gehen, das berühmte „Weiterso, wie bisher“; aber irgendwann gibt es kein „Weiterso, wie bisher“, mehr! Mit Ignoranz, mit Ächtung, und mit Kommunikationslosigkeit gegenüber der AfD, da werden die sogenannten bürgerlichen Parteien, ein (Mit)Regieren der AfD nicht mehr verhindern können. – Klaus P. Jaworek

 

Ihr Artikel hat mir gefallen. Einen der für mich einleuchtendsten Sätze betrifft das Bedürfnis der Arbeitermilieus nicht nur nach sozialer Sicherheit, sondern nach Ordnung und Gerechtigkeit. Sie lasten der SPD an, daß sie das nicht begreift. Dabei sind die Emotionen der „Ostler“, die nicht zu den Gewinnern aus der Einheit gehören, leicht nachzuvollziehen: Die Kanzlerin Merkel, die sich sonst nie für ein Thema engagiert und nie etwas wirklich entscheidet, läßt eine Million Flüchtlinge ins Land, die den Staat pro Jahr 20 Milliarden kosten. So steht es in der Presse. Dieser Staat erscheint dagegen zurückhaltend, wenn es um die Förderung der neuen Bundesländer geht. Zudem geraten die Anliegen der neuen Bundesländer völlig aus dem Fokus. Es geht nur noch um die Flüchtlinge, an die „unser“ Land verschenkt wird. Zudem versäumt die Regierung, den Zustrom fremder Menschen zu organisieren. Die Verwaltungsgerichte sind den Asylverfahren nicht gewachsen, die Wohnungsnot verschärft sich, Lehrer fehlen etc. Das wird dann als unfair in vielerlei Hinsicht empfunden. Sie haben das mit Ihrer Formulierung prägnant beschrieben.

Die Wähler haben ihre demokratischen Möglichkeiten genutzt und erleben nun, daß damit einiges in Bewegung kommt. Daß die AfD, die z. B. den Klimawandel leugnet, kein überzeugendes Konzept hat, steht auf einem anderen Blatt. Nun sind viele Bürger gespannt auf den „Nahkampf“. – Dr. Walter Engel


 

Leserbriefe zum Titelthema „Lasst uns streiten!“

„Streit ist etwas Schönes, wenn er sachlich bleibt.“ pflegte in den 90ern ein Arbeitskollege von mir zu sagen. In diesem Sinne hatte ich die Ankündigungen für das neue Ressort in den letzten Wochen erlebt. In diesem Sinne habe ich auch alle Beiträge erlebt. STREIT gefällt mir sehr gut. Es ist eindeutig eine Bereicherung für DIE ZEIT und eine Bereicherung für die Diskussionen in unserer Gesellschaft. Auch das Interview mit Frau Rackete finde ich sehr lesenswert und freue mich auf die Interviews der nächsten Monate. Wissen II scheint mir eher eine Umbenennung zu sein. Doch ich habe den Beitrag nicht gelesen, da er mich nicht wirklich interessiert – wie auch die meisten in Chance. Stimmt´s nur noch alle 14 Tage zu bringen erlebe ich als deutliche Verschlechterung.

Ein Inhaltsverzeichnis gehört m. E. an den Anfang oder ans Ende. Wenn ich ein Inhaltsverzeichnis brauche, um irgendwo in der Mitte das Inhaltsverzeichnis zu finden, ist das unpraktisch. Andererseits habe ich in all den Jahren genau einmal reingeschaut (- heute, weil ich die Leserbriefe nicht finden konnte. Laut Inhaltsverzeichnis stehen sie auf Seite 20. Dort beginnt aber ZEIT IM OSTEN. Vielleicht können Sie mir die Leserbriefe ja als Mailanhang schicken.). DIE ZEIT ist mit ihren Büchern so gut strukturiert, das ich auch so alles gut finde. Von mir aus kann es also gut entfallen. – Iman Schwäbe

 

Überrascht, keine Zeile über den 4. 9. 15 zu lesen, keine Lobrede,   keinen Verriß! Dabei markiert dieser Tag den tiefsten Riß, der seit der Wiedervereinigung mitten durch das deutsche Volk ging: auf der einen Seite die, die uns mit ihrer vermeintlichen Moral und Weltoffenheit weiter aufrüsten wollen, auf der anderen die, die sich von alledem überrumpelt fühlen! Mittendrin die Stimmen der Vernunft – doch die werden niedergeschrien: von „Gutmenschen“ und „Volksverrätern“ auf der einen, „Rechtspopulisten“ und „Rassisten“ auf der anderen Seite! Schrille Lautstärke ersetzt Streitkultur und führt zu Sprachlosigkeit. Je später eine Krankheit erkannt wird, desto schmerzhafter und langwieriger wird die Therapie! Daher ist anzuerkennen, daß der sächsische Ministerpräsident endlich einen Dialog mit seinem Wahlvolk angestoßen hat! Seine Sprache ist relativ frei von Politjargon und Schlagworten. Ich hätte mir gewünscht, seine Gesprächspartner hätten auch über die großen, ängstigenden Themen gesprochen: neben   Klimawandel über Globalisierung und Digitalisierung: was bedeuten diese gebetsmühlenartig hingeschmissenen Begriffe, wie greifen sie ein   in unsere Arbeit, unseren Beruf? Wie verändern sie das Leben des   Einzelnen, wie die Nation? Was gewinnen wir, was verlieren wir? Schon   hier deutet sich eine Kerbe an, die sich zu einem Riß durch die   Gesellschaft vertiefen kann! (Digitalisierung nennt man übrigens auch die Behandlung eines   Herzkranken mit dem „Gift“ des Roten Fingerhuts !)

Oder, statt „-sierung“ mal „-tion“: Immigration und Integration: wer   soll sich wie und wohin in einer Schulklasse mit (fast) ausschließlich Immigrantenkindern integrieren? Bedeutet   Integration nicht landläufig: Eingliederung einer (kleinen) Minderheit   in eine (große) Mehrheit? Warum sollen alle Asylbewerber integriert werden, wenn man doch anstrebt, sie irgendwann wieder in ihre Heimat zurückzuschicken? Sollten ihre Kinder dann nicht lieber in ihrer Muttersprache unterrichtet werden? Oder sollen doch alle, integriert oder nicht, hier bleiben? Wie sähe dann Deutschland in 10-20 Jahren aus, wenn kaum abgeschoben wird und Immigration weiter anhält? Ein Blick und eine Hochrechnung in die Zukunft sollte Pflicht   eines jeden verantwortlichen Politikers sein und sein Handeln in der   Gegenwart bestimmen! (Was auch immer du tust, tue es überlegt und   bedenke das Ende!) Wie soll eine Völkerwanderung mit einem liberalen Asylrecht gesteuert werden, dessen Bestimmungen nicht einmal konsequent angewandt werden? Warum werden Flüchtlinge nicht in Rathäusern, Landesparlamenten und im Bundestag untergebracht? Nach Ausgliederung überflüssiger Bürokratie wäre dort genügend Platz; das korrekte Erlernen der deutschen Sprache, die Einführung in deutsches Recht und Gesetz, die Bekanntschaft mit unseren Werten und Gepflogenheiten läge dann in Profihänden! Zugleich   würden unsere Politiker vor Ort hautnah die Enge des Raums und die (Ober)Grenze der Aufnahmefähigkeit erfahren – was den Druck auf unsere aufnahmeunwilligen europäischen „Freunde“ und das Verständnis für unsere Bürger, die sonst allein damit konfrontiert werden, deutlich erhöhten würde!

Wer heute solche Fragen schriftlich an einen Politiker richtet, erhält   meist keine Antwort; wenn doch, nur Worthülsen! So besteht die Gefahr,   daß sich der eine radikalisiert, der andere in seine Nichtwähleridylle   zurückzieht! Wenn ein Patient mir einen fachärztlichen- oder Krankenhausentlassungsbericht auf den Schreibtisch knallt, den er nur zur Hälfte verstanden hat, dessen Fremdwörter ihn geängstigt und, nach (erfolgreichem) Gegoogele, ihm noch mehr Furcht eingeflößt haben – mit den Worten: erklär mir das mal (bitte! – eher selten) – dann ist es meine Pflicht als Hausarzt, das medizinische Kauderwelsch, das sich oft furchtbar liest, und die unseligen Abkürzungen in verständliches Deutsch zu übersetzen und ihm seine Angst zu nehmen. Gelingt mir das nicht, oder ich lasse erkennen, daß ich keine rechte Lust dazu habe, dann wird er in mir einen arroganten Weißkittel sehen und die Klinke meiner Wartezimmertür das letzte Mal heruntergedrückt haben! – Dr. med. Ulrich Pietsch

 

 

zu „Warum Streit gut ist“ von Thea Dorn

Thea Dorn schreibt, dass Streit zu einer offenen Gesellschaft gehört, ja, dass er sie am Leben erhält und kulturellen Veränderungen ermögliche. Dies zeichne offene von geschlossenen Gesellschaften“ aus. Streiten ist gut! “Es gäbe aber „Verhärtungen“ und „immer aggressivere Lagerbildungen“. Die Kontrahenten (wer?) seien „überzeugt“, dass „ihr Gegenüber ein gefährlicher Blindgänger“ sei, den es „zu entschärfen“ gelte. Wer ist hier gemeint? Man solle sich bewusst sein, so Dorn weiter, in komplexen Gesellschaften sei nicht klar, was „die Wahrheit ist“. Vor allem müsse man zuhören, weil dann „Meinungen und weltanschauliche Positionen“ durch Streit in Bewegung geraten“ könnten. Wer aber den Holocaust leugne, so Dorn, disqualifiziere sich als Diskursteilnehmer. So weit so gut, dabei werden aber wichtige Fragen umschifft. Wie sollen wir es mit der Neuen Rechten und der AfD als Partei halten, die in ihren Reihen auch solche Leugner duldet? Soll man Leute, die politische Gegner „entsorgen“ und die auf Flüchtlinge schießen lassen wollen, ins Fernsehen einladen? Eins sei für Dorn jedoch klar, dass wir diejenigen, die „überzeugt seien, dass Europa seine Grenzen rigider schützen solle, oder Genderunterricht ablehnen“ nicht „ebenfalls wie bösartig Verwirrte“ behandeln dürften, „denen man konsequent das Wort entziehen solle“. Mit ihnen müsse man „die streitbare Auseinandersetzung“ suchen. Gegen wen schreibt hier Dorn an? Wer ist gemeint? Etwa Mybrit Illner, Anne Will, oder Sandra Maischberger? Eher wohl nicht. Wie aber soll man sich verhalten, wenn das Gegenüber vor 3 Mio Zuschauern die Gelegenheit nutzt, etwa gegen Flüchtlinge, Ausländer, Schwule und Leben, gegen die Gleichstellung von Frau und Mann zu hetzen und gar für die Orbanisierung Deutschlands plädiert? Zeigt man Verständnis oder muss man hier nicht klar machen, dass dies den Werten unserer offenen Gesellschaft widerspricht? Sollte man solchen Leuten überhaupt eine solch große Bühne zur Verfügung stellen?

Irritierend ist die streitlustige Position von Dorn zum einen deshalb, weil Dorn noch am 28. März 2019 in der Zeit unter der Überschrift Abrüsten, Avantgarde! eine „Emanzipationspause“ fordert und fragt: “Müssen diejenigen, denen primär die offene Gesellschaft am Herzen liegt, wirklich alles daransetzen, diejenigen, in deren Kopf und Gemüt sich auch Werte von geschlossenen Gesellschaften bewahrt haben, von eben diesen Werten abzubringen? Ich fürchte, diese Strategie wird eher das Gegenteil bewirken […] dann können wir das liberale Projekt gleich beerdigen.“

Die ehemaligen Opfer von Diskriminierung sollten selbst „Mehr Toleranz üben“ und anderen nicht „das Gendersternchen vorschreiben“ oder „verbieten Dekolleté-Komplimente“ oder Witze über das Dritte-Geschlecht zu machen. Aber, es gibt weder Verbote schlechte Witze zu machen noch das Verbot daran Kritik zu üben. Demokratischer Meinungsstreit sieht anders aus. Zum anderen ist Dorns Kehrtwende zwar erfreulich, aber auch irritierend, weil sie nicht sich, sondern den Diskurstheoretiker Jüngern Habermas bezichtigt, den Streit mit der AfD und ihren Anhängern „unterdrückt“ zu haben, ihm sogar „ autoritäre Denkmuster“ unterstellt. Im November 2016 habe Habermas in den Blättern für deutsche und internationale Politik dafür plädiert, sich mit den Rechtspopulisten nicht ernsthaft auseinanderzusetzen, sondern ihnen mit der Strategie der „Dethematisierung“ zu begegnen. Den Parteien habe er geraten, „diese Art von ’besorgen Bürgern’, statt um sie herumzutanzen, kurz und trocken als das ab[zu]tun, was sie sind – der Saatboden für einen neuen Faschismus.“ Am Beispiel von Habermas, so Dorn, zeige sich exemplarisch, was seit Jahren schief laufe. In einer Verkehrung der Verhältnisse wird Habermas von Dorn zum Sündenbock erklärt, weil er Denkverbote verordnet haben soll. Entscheide Habermas und diejenigen, „die sich selbst für fortschrittlich halten“, „worüber diskutiert werden darf und worüber nicht?“, fragt Dorn empört. Verwundert stellt man fest, dass Dorn ein neurechtes Narrativ bedient, man dürfe seine eigene Meinung nicht frei äußern. Während vor allem die CSU und Teile der CDU, aber auch der national-konservative Flügel von SPD und FDP und der Linken, von 2016-2018 viel Verständnis für die „besorgten Bürger“ und ihre Forderungen aufbrachten, vor allem aus Angst, Wähler zu verlieren, galt für die Medien nur die Quote. Da redete man auch mal den Rechtsnationalisten zu Munde und machte sie so erst zu einer bürgerlichen und wählbaren Partei. Wären die Medien der Jürgen Habermas’ Empfehlung gefolgt und hätten sich mit die Repräsentanten der „besorgten Bürger“ kritisch auseinandergesetzt und diese nicht ständig eingeladen und um sie „herumgetanzt“ , würde die AfD heute vielleicht nicht im Bundestag sitzen. Jetzt ist es zu spät. Die Saat ist aufgegangen mit den traurigen Folgen. Es sei erinnert an Walter Lübcke, Henriette Reker, Siemens-Chef Joe Kaeser oder den ARD Journalisten Georg Restle, den Meuthen einen „totalitären Schurken“ nannte. Thea Dorn schwingt sich nun plötzlich zur Verteidigerin der offenen Gesellschaft auf. Oder doch nicht? Stutzig wird man, wenn Dorn ganz im Habermasschen Sinne für eine konstruktive Streitkultur plädiert und Regeln einfordert und dann als „Oberstes Gebot konstruktiven Streitens“ darauf hinweist – „halte es nicht für restlos ausgeschlossen, dass du dich irrst und dein Gegner im Recht ist.“ Wenn es um Alltägliches und Menschliches geht ist das eine gute Regel. Aber gilt das auch für die Politik, vor allem für die Kader der AfD und für die hartgesottenen „besorgten Bürger“? Das „oberste Gebot“ ist für Dorn hier also nicht das GG.

Das Zulassen von anderen Meinungen, wie es die Vertreter der Neuen Rechten in Bezug auf die Postmoderne fordert, impliziert das Zulassen von Pluralität, in der das Andere sich nicht im Namen einer übergeordneten Normativität ausweisen muss. Ohne überindividuelle Normativität lassen sich aber keine universellen Werte formulieren. Der Werterelativismus, sonst Ausdruck vielfältiger Interessen und einer Streitkultur in offenen Gesellschaften, scheint zu versagen, wenn reaktionäre politische Kräfte mit ihren mit der Demokratie inkommensurablen Sprachspielen an ihren Grundfesten rütteln. Wenn jeder über seine Wahrheit und seine Ethik verfügt, ist es sinnlos, zu argumentieren und das Gegenüber mit Gründen überzeugen zu wollen. Wenn alles erlaubt ist, wenn man meint, alles sagen zu dürfen, geht es einem nicht um demokratischen Konsens oder Kompromiss, sondern um exklusive Macht. Wenn die Macht das letzte Wort hat, entscheidet sie auch über Recht und Moral und darüber, was wahr und erlaubt ist. Dann wird Recht zu Unrecht und Moral zur Unmoral. Dann darf auf Flüchtlinge geschossen, politische Gegner dürfen erschossen und Minderheiten entrechtet werden. Politische Säuberungen dienen dem Machterhalt. Unsere liberale und soziale Gesellschaft, Demokratie und Rechtsstaat ist laut Grundgesetz nicht verhandelbar. Er wurzelt in den Erfahrungen des Holocaust und steht in der Tradition von Aufklärung und Französischer Revolution. Toleranz, Liberalität und das Recht auf Asyl sind kein Beiwerk der Demokratie auf die man verzichten kann, sondern neben Menschenrechten und Rechtsstaatlichkeit ihr Kern.

Führende Vertreter der Neuen Rechten, wie Alan de Benoist oder Armin Mohler, suchten schon in den 1980er Jahren aus der postmodernen Wendung in der Philosophie politischen Nutzen zu ziehen, indem sie die Postmoderne als Gegenaufklärung interpretierten und die liberale Demokratie mit ihrer Normativität von Grund- und Menschenrechten kurzerhand in einen Totalitarismus umdeuteten. Gebe man, frohlockt de Benoist in seiner Schrift Kritik der Menschenrechte, „den Gedanken der Universalität auf“, so sei es möglich, „das gesamte Modell zum Einsturz“ zu bringen. „Anstatt das Sollen aus dem Sein herzuleiten“, gehe der Universalismus umgekehrt vor. Objektivität reduziert de Benoist, wie Mohler, auf sogenannte Tatsachenwahrheiten. Er kritisiert Kant, der die Menschenrechte aus der Freiheit des Willens und der Würde ableitet. A priori festgelegte Prinzipien lassen sich für de Benoist nicht auf eine empirische Realität anwenden. Kants Universalismus vernachlässige die „moralischen Verpflichtungen der Gemeinschaft“ gegenüber, der man angehöre, die „hauptsächlich auf Gebräuchen und Gewohnheiten“ fußten. Deutlich wird: Die Naturalisierung der Ethik führt bei de Benoist unter Berufung auf die Postmoderne zum ethnischen Nationalismus sowie zu kulturrelativistischen Positionen und zur Verabschiedung des Universalismus.

Für Dorn gibt es keine universelle Vernunftnorm, die der Demokratie a priori vorausgeht. Politik wird weitgehend verkürzt auf Meinungen, gleichwertige Weltanschauungen und Perspektiven. Wahrheiten sind bei Dorn relativ. Losgelöst von Nützlichkeitserwägungen oder sozialen Interessen formuliert das Bundesverfassungsgericht grundsätzlicher: Es versteht die Grundrechte als „objektive Wertordnung“. Auch verbietet das Grundgesetz im Art. 79 Abs. 3 mit der „Ewigkeitsklausel“ jegliche Veränderung der Art. 1 und 20. Die Menschenwürde gilt im Grundgesetz als auch in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte absolut – als „Norm der Normen“. Popper ist nicht nur der Philosoph der offenen Gesellschaft, sondern auch ihrer Feinde. Wir dürfen nicht vergessen: „Alle politischen Extremisten meinen das, was sie sagen und herausschreien – ob rechts oder links […] das ist eine Lehre, die wir in peinlichen Lektionen gelernt haben,“ schrieb Carl Zuckmayer 1966. – Dr. phil. Bruno Heidlberger

 

Wie schön, dass auch Sie sich empören und so klare Argumente finden gegen „die Deutschen“, die „verlernt haben, sich vernünftig auseinanderzusetzen“, die „fühlen statt denken“ usw. Natürlich meinen Sie nicht alle Deutschen, nur die unvernünftigen,  eigentlich die vor allem, die erst kürzlich im Osten so „dumm“ gewählt haben. Anstatt nun aber Streit zu unterdrücken, wie das viele Politiker fordern, sogar ein großer Philosoph, den die ZEIT zu seinem 80. Geburtstag als „Weltmacht“ und zu seinem 90. erst kürzlich als „Weltverbesserer“ gefeiert hat, „sollten wir uns lieber darüber verständigen, welchen Regeln er zu folgen hat…“ Und Sie finden – auch mit Hilfe von Karl Popper, einem der Lieblingsphilosophen von Helmut Schmidt, – sehr vernünftige Regeln für einen solchen Streit, der eins allerdings auch ausschließt, das „Streiten … über Gefühle“. Das aber war doch schon die Erkenntnis von Habermas und jenen Politikern, die dann Empfehlungen aussprachen mit „fatalen Anklängen an autoritäre Denkmuster, die doch gerade bekämpft werden sollen“.

Müsste da nicht gefragt werden, wie es zu diesem Dilemma kommt, einem nicht nur logischen Widerspruch, der sich auch in dem Leitartikel des Chefredakteurs zum Titelthema dieser ZEIT-Ausgabe  findet? Was nützt streiten mit Menschen, die das „verlernt“, vielleicht sogar nie gelernt haben? Denen ihre Gefühle wichtiger sind als rationale Argumente? Haben „wir“ möglicherweise seit der „Aufklärung“ immer noch eine unzutreffende Vorstellung von dem Verhältnis zwischen „Fühlen“ und „Denken“? Nehmen wir einfach nicht zur Kenntnis, worüber uns wissenschaftliche (wenngleich auch „falsifizierbare“) Forschung inzwischen fortlaufend aufzuklären bemüht? Darüber z. B., dass allem bewussten oder rationalen Denken Gefühle zugrundeliegen, die nach einer langen Evolution in ständiger Auseinandersetzung mit der Umwelt und entprechend „austarierten“ hoch komplizierten neurologischen Schaltkreisen  hormonell gesteuert sind? Die wir uns daher auch nur begrenzt bewusst machen können – wieder in Abhängigkeit von unseren jeweiligen Bedürfnissen in den entsprechenden Situationen, also fast immer interessengeleitet? Dass genau dies aber der gemeinsame Energielieferant für alle sozialen Verhaltensweisen ist, die von Anfang an immer wieder neu in dem vorgegebenen Rahmen „erlernt“ werden müssen, um zu einem auskömmlichen Miteinander zu gelangen? Müsste also nicht vor allen klugen Regeln für bestimmte sachbezogene Auseinandersetzungen eine Verständigung über gemeinsame menschliche Grundbefindlichkeiten stattfinden? Und würde uns das nicht helfen, den schlimmsten aller Fehler im Umgang mit einander zu vermeiden, den der Demonstration herablassend-autoritärer Vernunftüberlegenheit? – Eckhard Heumann

 

Zu diesem Thema machen sich wahrscheinlich viele Menschen Gedanken. Es fällt jedoch nicht leicht, zu einem klaren Resultat zu kommen. Es wäre interessant, wenn jemand die Problematik schon tiefer durchdrungen hat und aus den Dilemmata helfen kann. Auch wenn ich daran glaube, dass man sich nur im Streit darüber klar werden kann, ob die eigenen Gedanken logisch schlüssig und ethisch vertretbar sind, was keinen Widerspruch darstellen muss, hilft das nicht weiter beim angesprochenen Thema.

Zunächst ein Beispiel: ein Freund hat mir einmal erzählt, dass ein Bekannter von ihm dadurch aufgefallen ist, dass er Angstzustände entwickelt hat. Er sagte, er befürchtet, von Mikrowellen ferngesteuert zu werden. An diesem Beispiel lässt sich das Dilemma schön diskutieren. Die Frage, die sich stellt ist: handelt es sich um eine reale Gefahr oder um Paranoia? Das ist hier nicht so ganz eindeutig. Es wird ja viel darüber diskutiert, ob die Intensität der Strahlung, die uns umgibt, nicht zuletzt verursacht durch Handys, schädlich ist, also eine reale Gefahr darstellt. Dagegen gehört der Gedanke, dass man durch die Strahlung zu Aktionen gezwungen werden kann, die man sonst nie ausführen würde, wohl eher in den Bereich der Paranoia. Zunächst sollen Missverständnisse vermieden werden.  Es ist keine Abwertung und keine Beschimpfung, wenn man zur Meinung kommt, jemand sei an Paranoia erkrankt. Der erste Punkt dabei ist:

  1. Wie kann man sicher sein, zuverlässig zwischen Realität und Paranoia unterscheiden zu können? Es liegt wohl auf der Hand, bezüglich welcher Meinungen sich diese Frage stellt. Wenn z. B. jemand sagt:“Ich habe Angst davor, in Zukunft vom Islam beherrscht zu werden“ oder „ich möchte mein Land zurück, das mir weggenommen wird“, dann kann man durchaus auf die Frage 1 kommen. Es legt nahe, solche Äußerungen als Grenzfälle zu betrachten. Damit kommt man zum zweiten Problem:
  2. Wenn man zur Überzeugung kommt, es handelt sich um Paranoia, wie geht man mit dem Betreffenden um? Sind dann Gespräche sinnvoll? Es soll noch einmal betont werden: wer krank ist, der ist nicht minderwertig! Aber es gibt meines Wissens keine Gesprächstherapie, die einem Paranoiker helfen kann. Was beredet man also in diesem Fall?

Ein weiterer Aspekt lohnt die nähere Betrachtung. Jemand der Angst hat kann gefährlich sein. Es gibt schon in der griechischen Mythologie ein schönes Beispiel. Früher war Chronos der höchste der Götter. Er machte seine Sache gut und war sozusagen eine Seele von Gott. Als ihm jedoch geweissagt wurde, eines seiner Kinder würde ihn töten und sich an seine Stelle setzen, da geriet er so in Angst, dass er seine Kinder auffraß. Die Mutter versteckte eines der Kinder, das später als Zeus die Weissagung erfüllte. Der Mensch, nicht nur der Gott, tut also aus Angst fürchterliche Dinge, die er bei klarem Verstand nie tun würde. Die deutsche Geschichte liefert mehr Stoff dazu. Viele Menschen, schätzungsweise mindestens ein Anteil, der den aktuellen Wählern der AfD entspricht, ließen sich einreden „die Juden sind unser Unglück“. Aus Angst davor billigten sie, was mit den Juden geschah oder beteiligten sich aktiv daran. Hier soll nichts gleich gesetzt sondern eine Analogie hergestellt werden. Diese Analogie erinnert an eine Definition der Dummheit: Dummheit ist es, den gleichen Fehler noch einmal zu begehen und zu erwarten, dass diesmal die Sache anders ausgeht. Unter dem Aspekt der Gefährlichkeit stellt sich die Frage 2 neu: wie geht man mit jemand um, der bereit ist, aus Angst schlimme Taten zu begehen, und wie mit jemand, der solche Ängste schürt, um sich als Retter darstellen zu können? Ist es falsch aus diesen Überlegungen zu schließen, das Streit nur begrenzt von Nutzen ist? Werden nicht eher Gefahren fahrlässig unterschätzt? Ich bin gespannt auf Rückmeldungen zu diesen Gedanken. – Dr. G. Zeyer

 

Mit Verwunderung habe ich festgestellt, dass sie ausgerechnet Jürgen Habermas als Gegner auswählen, um darzustellen, was aus Ihrer Sicht im Umgang mit den Neofaschist*innen, pardon Rechtspopulist*innen, der AfD falsch läuft. Sie werfen Habermas vor, sein Ton erinnere an autoritäre Denkmuster. Weiter schreiben sie: „Wer ist die Instanz, die entscheidet, worüber diskutiert werden darf und worüber nicht? Jürgen Habermas? (…)“. Wer sich ein wenig mit Habermas auskennt, erkennt, dass Sie hier einen, mit Sophie Paßmann gesprochen, Pappkameraden aufbauen.  Sie geben hier ein falsches Bild der „Habermaschen Denkschule“ wider, was umso mehr verwundert, als dass Sie Habermas vor wenigen Wochen anlässlich seines 90. Geburtstags gleich mehrere Seiten widmeten.

Ein Blick in Habermas’ „Diskursethik – Notizen zu einem Begründungsprogramm“ hätte gereicht, diesen unglücklichen Textabschnitt aus Ihrem Artikel zu streichen. Zunächst wird dort gerade dafür argumentiert, dass die an einem Diskurs Beteiligten sich tatsächlich austauschen müssen und unabhängige Urteilsbildung sich dadurch ausdrücke, dass bei der Interessenabwägung die Perspektive aller anderen einzunehmen ist. „Nur ein intersubjektiver Verständigungsprozeß kann zu einem Einverständnis führen, das reflexiver Natur ist: nur dann können die Beteiligten wissen, daß sie sich gemeinsam von etwas überzeugt haben.“ (Habermas, Philosophische Texte, Band 3, S. 62, Suhrkamp) Nun gibt es aber Grenzen dessen, was diskussionsfähig ist. Wir müssen bereit sein, bestimmte Diskursregeln zu akzeptieren. Und die Normen, über die wir diskutieren, müssen dem Universalisierungsgrundsatz („U“) genügen: „Jede Norm [muss] der Bedingung genügen, dass die Folgen und Nebenwirkungen, die sich jeweils aus ihrer allgemeinen Befolgung für die Befriedigung der Interessen eines jeden Einzelnen (voraussichtlich) ergeben, von allen Betroffenen akzeptiert (und den Auswirkungen der bekannten alternativen Regelungsmöglichkeiten vorgezogen) werden können.“ (ebd., S. 60)

Übrigens beschreibt Habermas selbst, was diskutiert werden darf: Jede*r darf jede Äußerung problematisieren. Es gibt keine Denk- oder Sprechverbote bei Habermas. Aber es gibt die Bereitschaft zur Konsensfindung sowie die geteilte Überzeugung, dass es mehr und weniger vernünftige Gründe gibt. Wer sich, wie die AfD, außerhalb dieser Gründe bewegt und zu keinem Konsens bereit ist, der jenseits der eigenen (dem Universalisierungsgrundsatz widersprechenden) Ideologie liegt, mit dem lohnt es aber nunmal nicht, zu diskutieren.

Ich kann und möchte keine Deutungshoheit über die Habermasche Theorie beanspruchen. Mir scheint aber, dass Ihre Darstellung sinnentstellend ist. Das ist schade, hätte es doch bestimmt andere gute Gründe gegeben, das neue Ressort vorzustellen und seine Notwendigkeit zu begründen. – Sebastian Stachorra

 

 

zu „»Ich finde weder Sie noch Ihre Partei demokratisch«“ von Martin Machowecz und Henning Sußebach

Es ist sehr schade, dass so viele Menschen, die ganz feine Antennen für heutige Parallelen zur DDR haben, leider kaum Antennen für Parallelen zu 1930 haben. – Ein/e Leser/in

 

Alle drei Bürger im Gespräch mit Herrn Kretschmer vereinen zwei Dinge: Sie haben eine Menge persönlichen Frust abzuladen und tun fortlaufend Dinge, die sie anderen vorwerfen. Am eindrücklichsten ist dabei Frau Klinger, die ein großes Klagelied anstimmt, sich abgewertet fühlt und die „Politik“ irgendwie unglaubwürdig und undemokratisch. Selbst definiert sie „volksvertretend“ nur als AfD-Politik, obwohl auch in Sachsen 73% der Wähler nicht für diese gestimmt haben. Obendrein ist sie in einer Partei, die von Beleidigungen und Niederbrüllen über dreiste Lügen bis zu Mord- und Deportationsdrohungen vor keinem Mittel zurückschreckt. Herr Neustadt wiederum weiß den Wissenschaftlern den Klimawandel zu erklären. Wie er reagieren würde, wenn ihm sagen wir mal ein Sportstudent versucht den Schmieranlagenbau zu erklären, weiß er selbst wohl am besten. – Adrian Schröder

 

Vielen Dank für den interessanten Einblick in die Meinung der befragten Menschen zu den vergangenen Wahlen und der politischen Lage in Ost-Deutschland. – Sebastian Schmidt


 

Leserbriefe zu „Was stört euch mein Gemüse!“ von Claudia Schumacher

Da ist Ihnen ein witziger und feinsinniger Artikel gelungen; herzlichen Dank. Trotzdem möchte ich anmerken: Über Moral reden ist nicht “missionieren”. Veganer bekehren nicht in Glaubensfragen. Veganer sprechen über hässliche Fakten, von denen die meisten lieber nichts hören wollen. Und es kann ja gar nicht angehen, dass eine angeblich humane, angeblich vernünftige und moralfähige Spezies (Selbstdarstellung!) kontert mit: Über Moral wollen wir nicht reden! Ihr blöden Missionare! – Den Vorwurf des Missionierens sollten wir Veganer einstampfen, wo er uns begegnet. Wenn die oben genannte Selbstbeschreibung der Menschheit mehr sein will als Heuchelei, dann muss man sie vielleicht als Narrativ betrachten, in das der Mensch schnellstens hineinwachsen sollte. Dafür ist mehr und sehr viel lauter über Moral zu reden. Wem das nicht einleuchten will: Den Film “Earthlings” gucken (gratis im Web, grandios als Sprecher: Joaquin Phoenix) – ja, die Fakten muss man aushalten können – und auf diese Weise den Tieren, der Mitwelt und der viel beschworenen Humanität zuliebe einmal die eigene Meinung prüfen. Beim Anblick dieser Bilder zur Idee vom ´Tier als Ware´ flennen, abschalten und sagen: Ich ertrage es nicht; ist keine legitime Lösung. Die Tiere müssen es ertragen. Bis die Menschheit ihren himmelschreienden Art-Egoismus eingefangen und besiegt haben wird. – Ute Esselmann

 

Ist das etwa die „Neue Zeit“? Zwei ganze Seiten (75 und 76) nur über die Befindlichkeiten einer Veganerin. – Horst Krüger

 

Mit sehr großer Freude habe ich den Artikel von Claudia Schumacher gelesen, hat er doch die Diffamierung der Veganer in einem eigentlich guten Beitrag unter dem Titel „Mehr Anstand bitte“ in der Stuttgarter Zeitung v. 24. August 2019 für mich ausgebügelt. Die Autorin Nina Ayerle zitiert Professor Ernst Dieter Lantermann aus seinem Buch „Die radikalisierte Gesellschaft“: „…Hardcore-Veganer, den Fremdenhassern, den Pegida-Anhängern und den von ihrer Selbstoptimierung besessenen Fitnesstrackern.“ Diesen Satz habe ich als höchst unanständig empfunden! Der Börsenstar Beyond-Meat zeigt, dass immer mehr Menschen vernünftig und anständig denken. Um die Wälder zu schützen, muss es noch viel mehr „Hardcore“-Veganer geben. – Brigitte Busch

 

Könnte bitte die Autorin des Artikels oder sonst jemand Berufenes mir bitte die Frage beantworten, warum alle, die sie für ihren Veganismus kritisieren, immer gleich in die Ecke mit der Schlachthaushölle, der Hühnerhölle, der Kükenschredderer, der Klimazerstörer gesteckt werden? Ist es soooo schwer zu begreifen, dass man gerne mal einen guten Bio-Burger oder einen leckeren Coq au vin vom Biohähnchen isst und ansonsten vegetarische oder vegane Gerichte sehr gerne und als Regelfall isst? Das Fleisch aus meinem Metzgerladen wächst hier in der Gegend auf den Wiesen auf (ich fahr immer mit dem Mountainbike vorbei, sehr idyllisch) und nicht im Ex-Regenwald, der Bauernhof ernährt hier einige Leute und sorgt für eine wunderbare Kulturlandschaft (was man vom veganen Sojaanbau nicht behaupten kann). Also, bitte, bitte: wenn schon Artikel zum Thema Veganismus dann ohne diese Potemkinschen Dörfer! Dann bleibt auch nichts mehr übrig von dieser Weltenretter-Attitüde. – Achim Hauck

 

Immer, wenn ich mich als Vegetarier zu erkennen gebe, dann werden plötzlich alle (Viel)Fleischesser zu „Sehr-Wenig-Fleischesser“. Der brasilianische Regenwald brennt demzufolge völlig umsonst! – Klaus P. Jaworek

 

Wenn ich ihren Artikel richtig verstanden habe, geht es Ihnen darum,     Ihren Lebensstil zu leben ohne sich rechtfertigen zu müssen. Wollen wir     das nicht alle, und warum fällt es uns so schwer? Hier fing es bei mir     im Kopf an zu „rattern“ und ich suche immer noch nach einer Erklärung /     Lösung. Vielleicht können Sie mir helfen.          Ich selbst bin Raucherin, stehe also auf der untersten Stufe der Skala     und vom Kleinkind bis zum Greis meint jeder, das Recht zu haben, mich zu     kritisieren. Gleichzeitig trinke ich keinen Alkohol, auf Feiern muss ich     mich also gleich zweimal rechtfertigen, denn Alkohol ist anerkannt.     Vielleicht ist es ähnlich wie bei Fleischessern, es entsteht ein     schlechtes Gewissen bezüglich des eigenen Konsums.          Aber es bringt uns nicht weiter, wenn wir jetzt alle unsere Erlebnisse     schildern, es gab ja auch in der Zeit schon einen Bericht über die     Erfahrungen eines Kollegen, der vegetarisch lebt. Es ist traurig aber     wahr, dass es in der linken wie in der rechten Szene immer mehr     Besserwisser gibt, die uns vorschreiben, wie wir zu leben haben ohne,     (und das ist das schlimme) dass sie sich dafür interessieren, warum     jemand so oder so konsumiert.

Mein Fazit: es nützt wenig und bringt leider nichts, die anderen     verändern zu wollen und auf ihre Toleranz zu hoffen.          Meine Frage: Gibt es Strategien, um mit diesen Besserwissern oder     moralisch Guten umzugehen? So, dass sie ins Leere laufen, so, dass ich     mich nicht mehr rechtfertigen muss?          Vielleicht können Sie im Freundes oder KollegInnenkreis mal darüber     diskutieren und wenn Sie eine Lösung gefunden haben, schreiben Sie einen     neuen Text oder lassen es mich wissen. Ich wäre Ihnen sehr dankbar –     Marlies Wenzel


 

Leserbriefe zu „Er hat einen Plan“ von Laura Cwiertnia

Ihr Artikel zu Extinction Rebellion zeigt symptomatisch, warum unsere Gesellschaft darin versagt hat in den vergangenen 30 Jahren angemessen auf die Klimakrise zu reagieren, die sich nun in eine Klimakatastrophe transformiert. Es ist das Desinteresse an wissenschaftlich Fakten und die Priorisierung kurzfristiger ökonomischer Interessen. Auch die ZEIT weiß, dass sich „Human Touch“ besser verkauft als der ersten Forderung von Extinction Rebellion nachzukommen. „Die Regierung muss die Wahrheit über die ökologische Krise offenlegen und den Klimanotstand ausrufen. Die Dringlichkeit des sofortigen Kurswechsels muss von allen gesellschaftlichen Institutionen und den Medien kommuniziert werden.“

Diese Dringlichkeit kommunizieren Sie nicht. Stattdessen stellen Sie die Frage, ob ziviler Ungehorsam in einem Rechtsstaat legitim sei und beziehen sich vage auf Forscher, die zu ihm aufrufen. Allein die unbequemen Argumente dafür erwähnen Sie nicht. Der Aufruf der Forscher (Nature Ecology & Evolution 3, 1271–1272; 2019) lautet frei übersetzt so:

„In dem aktuellen weiter-so Szenario wird die globale Erwärmung zu einem Temperaturanstieg von 2.0-4.9°C bis 2100 führen (A. E. Raftery et al., Nat. Clim. Change 7, 637–641; 2017), und gleichzeitig droht durch die ökologische Krise die Auslöschung von Millionen von Spezies innerhalb weniger Dekaden (S. Díaz. et al., Global Assesssment Report on Biodiversity and Ecosystem Services; IPBES, 2019). Wir stehen dem kompletten Verlust des Meereises, des tropischen Regenwaldes und von Korallenriffen gegenüber, und wir werden unter Hitzewellen, Dürren und Stürmen leiden, welche große Teile des Planeten unbewohnbar machen und verheerendes menschliches Leiden und Konflikte herbeiführen könnten.“ Damit ist auch die Frage beantwortet, was passiert, wenn Exctinction Rebellion keinen Erfolgt hat. Nicht Ökoterrorismus ist die Gefahr, sondern das Ende unserer Zivilisation. – Manuel Neetz

 

Das kommt mir irgendwie bekannt vor; nur in etwas anderer Form. Man denke nur an H.D.Thoreaus Werke: Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat ( Civil Disobedience, oder eben den bekanntesten Band: Walden; Leben in den Wäldern.) Damals wurde er noch von seiner Schwester bezahlt, um sein Anliegen der Öffentlichkeit vertraut zu machen. Ziehen die neuen „Thoreaus“ am Gleichen Strick, könnte es über „Mittlerweise“ gelingen. – Norbert Müller

 

Ich vermisse bei all den Debatten und Streiks auf den Straßen, Brücken und Pubs die Diskussion über den Fleischkonsum. Schlimmer als Kohlekraftwerke, Flugzeuge und Diesel Autos ist das tägliche Essverhalten der Menschen weltweit. Jeden Tag billiges Fleisch, von Tieren die auf engstem Raum gemaestet werden, mit Futter für dessen Anbau der Regenwald in Süd Amerika verschwinden muss. Ich glaube jedem Vegetarier und Veganer der streikt. Ich glaube aber niemandem, der am Wochenende eine Bratwurst isst. Radikal sein, gut, aber nur, auf ganzer Linie, ansonsten wird auch diese Bewegung wenig ändern. – Ein/e Leser/in

 

In dem Artikel steht, dass das Logo von Extinction Rebellion ein Rechteck und eine Sanduhr seien. Ich habe das gegoogelt und statt des Rechtecks einen Kreis gefunden?? – Ein/e Leser/in

 

Vielen Dank für diesen sehr aufschlussreichen Bericht . Bisher habe ich von der radikalen britischen“ Extinction Rebellion „ noch nichts gehört. Bei mir rufen diese Wörter tiefstes Unbehagen aus. Ich bekomme von radikalen Aktivisten mittlerweile Angst, denn es geht den Klima-Aktivisten nicht mehr um den sachlichen Austausch von Argumenten, sie wollen die uneingeschränkte Macht und die Abschaffung der demokratischen Konsenskultur. Wenn diese Gruppe sich als die absolut „Guten“ bezeichnet und den „Staat als den Bösen“ so haben sie nicht und verstanden wer der Staat ist. Es stimmt mich sehr nachdenklich, wenn aufgrund dieser Klimahysterie, Kinder mir erzählen, dass sie Angst haben vor der Zukunft. Es kann doch nicht sein, dass wir so eine Klimahysterie, die mit den Gefühlen der Kinder spielt, auch noch als pädagogisch wertvoll halten. Bitte stoppen wir diesen moralischen und erzieherischen Unfug, der mehr Schaden bei den Kindern anrichtet, als es dem Klima nützt. Überrascht bin ich, dass die Unterstützung dieser Radikalität in Bezug auf Klima einmal mehr von den bildungsnahen Bevölkerungsschichten ausgeht, so scheint es mir. Radikalität, so zeigt es die Historie, führte noch nie zu einem guten Ergebnis.

Deshalb hoffe ich, dass bei allen radikal geplanten Aktionen, dieser und auch anderer Gruppen, die Polizei genauso gelassen vorgeht, wie in Ihrem Bericht beschrieben. Um Missverständnisse zu vermeiden, ich bin für Umweltschutz und habe mich schon vor 20 Jahren beruflich sehr dafür engagiert. – Hubert Klemenjak


 

Leserbriefe zu „Wie viele Kinder gibt es morgen?“ von Hannah Knuth

Säkulare Ereignisse wie die Wiedervereinigung und Disruptionen wie der Pillenknick lassen sich in der Tat schwer vorhersagen – treten aber eben auch nur sehr selten auf. Ansonsten unterschätzen Sie die Prognosemöglichkeiten der Statistik, der Demographie, der Soziographie und der Biometrie. Nur ein Beispiel: Der medizinische Fortschritt, haupt- oder mitursächlich für viele demographische Phänomene, lässt sich auf etwa zwanzig Jahre im Voraus abschätzen – so lange dauert es nämlich in Regel von der ersten Idee über die Erprobung und Zulassung bis zur breiten Einführung und Anwendung medizinischer Präparate und Verfahren. Auch die wirtschaftliche Entwicklung und die dadurch bedingten ökonomischen und sozialen Prozesse und Verhaltensweisen lassen sich recht gut über einen längeren Zeitraum abschätzen, natürlich immer nur mit gewissen Toleranzbreiten. Erscheinungen wie kürzlich in Berlin, als für einen Zeitraum von nur drei Jahren das Fehlen von zunächst über zwanzigtausend, kurz darauf von unter zehntausend Lehrern vorhergesagt wurde, sind nur auf das Totalversagen der zuständigen Planer zurückzuführen. – Prof. Dr. Wolf-Rüdiger Heilmann

 

Es klingt vielleicht naiv, aber warum orientiert man sich an den Geburtenzahlen und nicht den Schwangerschaftszahlen? Man könnte doch eine laufende Datensammlung machen, wie viele Menschen wo schwanger sind und wann sie ihr Kind vorraussichtlich zur Welt bringen. Praktischerweise dauert eine Schwangerschaft ja immer ähnlich lang. Man könnte da dann noch miteinbeziehen, wie viele Fehlgeburten und Schwangerschaftsabbrüche es durchschnittlich gibt und schon müsste man eine relativ genaue Prognose haben, oder nicht? Und das alles vielleicht 7 Monate vor der Geburt. Natürlich müsste man für eine genaue Planung später noch die Geburtenzahlen betrachten, aber für eine vorläufige Prognose sollte das doch ideal sein. Gerade mit den heutigen Daten-Analyse-Möglichkeiten stell ich mir das gut machbar vor. Aber wie gesagt, vielleicht bin ich da naiv. – Maik Niederstein

 

Alle reden von der Digitalisierung, nur in den Standesämtern (denn dort werden meines Wissen alle Geburten erfasst) scheint sie noch nicht angekommen zu sein. Warum sind die Geburtenregister nicht digitalisiert und über ganz Deutschland vernetzt? Dann wäre die Zahl der Geburten am 1. Januar des Folgejahres per Knopfdruck verfügbar. Und es ginge sogar noch besser: Man könnte zur Jahresmitte (oder bei Bedarf ein noch kleineren Intervallen) problemlos einen Zwischenstand abfragen (ggf. korrigiert um um Erfahrungswerte zur Verteilung der Geburten über die Halbjahre) und hätte damit die bisher vorhandene Totzeit locker um ein Jahr reduziert.

Etwas kompliziertes wird es bei der Frage, wie Politik und Verwaltung diese dann früher verfügbaren Zahlen verwenden: Wenn in mindestens zwei aufeinander folgenden Jahren die Geburtenzahl wesentlich steigt (wie oben beschrieben rechtzeitig identifizierbar), dann wird sich das unweigerlich in den Schülerzahlen in weiteren fünf Jahren niederschlagen, das können dann auch Prognosen der KMK nicht verhindern. Damit ist klar, dass weitere Lehrer (und u.U. Gebäude) gebraucht werden. Und wenn man dann noch die überflüssige Randbedingung fallen lässt, dass neue Lehrer unbedingt in der ersten Klasse eingesetzt werden sollten – tja, dann wäre auch bei 7-jähriger Lehrerausbildung genug Zeit für eine Anpassung. Und was die wirklich langfristigen Trends angeht: Die Bundesregierung versucht zum Beispiel mit dem Elterngeld die Zahl der Geburten zu erhöhen – und zeigt sich auf der anderen Seite über den Erfolg dieser Maßnahme überrascht. Eine konsistente Politik aus einem Guss sieht anders aus. – Christian Endrikat

 

Immer fehlen Lehrer? Was wir wissen: 2002 gab es (für die Politik) völlig unerwartet viel zu wenig Lehrer. Alle Gymnasiallehrer Niedersachsen mussten darauf hin zehn Jahre lang pro Woche zwei Stunden mehr unterrichten. 2012 waren immer noch nicht mehr Lehrer eingestellt, dafür waren Unmengen an Überstunden angesammelt. Die Bildungsministerien verschiedener Regierungen versuchten, das Problem auf ihre Art zu lösen: Zunächst wollten die Schwarz-Gelbe Regierung die Erstattung der Überstunden um Jahrzehnte verschieben – scheiterte aber an dem überraschend hohen Protest der Lehrer. Die Rot-Grüne Regierung versuchte, per Gesetz eine Arbeitszeiterhöhung durchzusetzen. Dies wurde gerichtlich verboten, mit dem Hinweis auf Vernachlässigung der Fürsorgepflicht des Landes seinen Bediensteten gegenüber. Und auch die Einsparung eines ganzen Jahrgangs durch die Einführung von G8 ist mittlerweile hinfällig nach der Rückkehr zu G9. Was wir also wissen: Das permanente Fehlen von Lehrern hat nichts mit schlechten Prognosen zu tun. Stattdessen steht offenbar im Leitbild jedes Bildungsministeriums: Die Ressource ‚Lehrkraft‘ muss bis zu ihrem Zusammenbruch ausgeschöpft werden. – Arne Henningsen

 

Sie haben 2 Gründe für die fehlende Lehrerversorgung im Grundschulbereich vergessen:
1) Die fertig ausgebildeten Lehrerinnen wollen nicht aufs Land, wo im Gegensatz zu den Universitätsstädten Stellen zu besetzen sind, und bleiben lieber arbeitslos.
2) Die Kommunen wollen ihre Grundschulen auch bei kleinsten Jahrgängen behalten, so dass Lehrkräfte für halbe Klassen verwendet werden müssen. – Alois Lienhard


 

Leserbriefe zu „Die Kaltmacher“ von Thomas Fischermann

Vielen Dank für die Berichterstattung über verschiedene Versuche, der CO2-Problematik Herr zu werden. Die Zeit ist nun nicht unbedingt ein Wissenschaftsmagazin – und der Artikel ist zudem im Wirtschaftsteil erschienen – aber dennoch macht mir ein geschildertes Verfahren Kopfzerbrechen. Mein Chemiestudium gut 30 Jahr zurück – aber einige Grundsätze der Anorganischen Chemie gelten – glaube ich – immer noch:

 Jason McNamee rührt Eisenstaub mit Seewasser an – und schüttet dann eine „dickflüssige rote Masse“ ins Meer. Eisenpulver ist grau und sinkt ohne Verdickungsmittel innerhalb von Sekunden ab. Was hat McNamee nun wirklich verwendet? Eisenoxid würde mehr Sinn machen – und ist zudem rot. Oder war das doch das Verdickungsmittel, das Farbe und vielleicht Stoffe enthielt, die als Düngemittel wirken?

 Das Meer hat sich nach Aussage von McNamee nach einiger Zeit grün verfärbt. Eisen und vor allem Eisenoxid reagiert, wenn man ihm Zeit genug lässt, mit dem Natriumchlorid des Meerwassers zu Eisen(II)chlorid, das bei entsprechender Konzentration bläulich-grün gefärbt ist.

Ein Biologe ist nicht unbedingt ein Chemiker – aber eine Übervereinfachung der Schilderung eines Experimentes macht ein erzieltes Ergebnis nicht unbedingt glaubwürdiger. – Gerhard M. Kresbach

 

Es sollte sich doch herum gesprochen haben: Ein Krieg gegen die Natur ist nicht gewinnbar! – Ernst Hankammer

 

In dem Artikel liest man, wie diejenigen, die ein Teil der Umweltprobleme sind, resp. waren nun als Superhelden in Person von Philanthropen auftreten. Ich halte es für ein Schreckensszenario, dass viele dieser Personen, sich nun als die Weltenretter aufspielen und ganz genau wissen wie die Lösung des Klimaproblems durch Geoengineering aussieht; ein erneutes desaströses Investment bahnt sich an.

Die Klimarettung kann nicht als neues Wirtschaftsmodel funktionieren, wir müssen aus der Vergangenheit lernen, dass die Nachhaltigkeit höher zu bewerten ist, als der kurzfristige monetäre Erfolg durch Bio-Geotechnologie. Wenn wir wie beschrieben mit solcher Gewalt in das Umweltgeschehen eingreifen, öffnen wir eine weiter Büchse der Pandora und beschleunigen damit die Zerstörung unserer Erde. Es geht nur nachhaltig mit der Natur zusammenzuarbeiten. Wie wäre es mit intensiven, zeitnahen Aufforstungen in Portugal, Spanien und Griechenland, diese Massnahme ist jedoch viel weniger spektakulär. – Jürgen Häcker

 

Wo bleibt der „alte Meister“, wenn es den Klimarettern so ergeht wie dem Zauberlehrling bei Goethe ? Es wäre nicht das erste Mal, dass durch maßlose Selbstüberschätzung eine Katastrophe erst richtig ausgelöst wird. – Franz Hitthaler

 

Es werden verschiedene Geo-Engineering Maßnahmen vorgestellt und an einigen Stellen Zahlen genannt, wie viel CO_2 dadurch aus der Luft gebunden werden kann. Vielleicht haben Sie ja schon einmal von der These gehört, dass grünes Wachstum nicht möglich sei, wie sie zum Beispiel vom Wirtschaftswissenschaftler Nico Paech vertreten wird. Er argumentiert, dass ein Unternehmen immer CO_2 ausstößt, um ein Gut zu produzieren oder eine Dienstleistung anbieten zu können, und keinen Anreiz hat, darüber hinaus CO_2 neutral oder sogar CO_2 positiv zu wirtschaften.

Nun frage ich mich im Bezug auf die Zahlenangaben zum Beisliel der Klimaanlagen oder der großen CO_2 Filter aus der Schweiz, ob das die Netto Zahlen sind. Die Firmen werden ja durch den Strom, mit dem die Anlagen betrieben sind, selbst einen CO_2 Verbrauch haben und erst das, was darüber hinaus aus der Atmosphäre entfernt wird, zählt wirklich als Verringerung. Es ist schade, dass das in diesem Artikel nicht klarer definiert ist, sollten zum Beispiel die Firmen beide mehr CO_2 verbrauchen als sie filtern, ist die Methode denkbar unnachhaltig. So wie es im Artikel formuliert ist, hat es den Anschein, als gäben die Zahlen die tatsächlich gefilterte Menge an CO_2 an. Falls dem nicht so ist, würden die genannten Geo-Engineerung Praktiken sehr viel positiver erscheinen als sie eigentlich zu bewerten sind. – Leonie Kemeter


 

Leserbriefe zu „Naturwunde“ von Henning Sussebach

Das ist mir auch passiert – als wir – eine Wandergruppe von 3 bis einmal 11 Teilnehmern – am Grünen Band unterwegs waren: es war für mich einfach faszinierend, was da so in den Aussparungen der Betonplatten des Kolonnenweges wächst und sprießt. So entstand mein Ordner Lochplattenbiotope und ich kann mich nicht entscheiden, ob blühender Veilchen, Sauerklee, Walderdbeeren, Löwenzahn, Lichtnelke, Buchenkeimlinge oder sich herausdrängende Pilze schöner sind. Das Schafgarben-Nelken-Lochplattenfoto von Herrn Wezel – sehr schön!

Das Grüne Band, es ist mehr als der Kolonnenweg, den es durchgängig nicht mehr gibt: mit Herrnburg- Nord entstand ein Neubaugebiet vor den Toren Lübecks auf dem ehemaligen Grenzgebiet, im Eichsfeld nahmen Bauern rasch das Land als guten Acker unter den Pflug und an einigen Stellen ist der Kolonnenweg unzugänglich, damit ein Biotop ungestört bleibt, um nur wenige Beispiele aus der Vielfalt zu nennen. Herr Sußebach, das Grüne Band in 3 Tagesetappen erleben zu wollen ist so, als versuchten Sie eine Beethovensinfonie anhand von einigen Takten aus jeweils einem Satz zu begreifen – dann hätten sie nicht mal von jedem Satz etwas. Wir liefen in den letzten 7 Jahren jeweils 7 bis 14 Tage an der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze, sahen viel Natur (die Wanstschrecke allerdings nur mit Unterstützung bei einer geführten BUND-Wanderung ), hatten interessante Gespräche mit Bewohnern des Grenzgebietes in Ost und West, fanden in unterschiedlichsten Quartieren Übernachtung und wie bei anderen Fernwanderungen auch, blieben wir oft kilometerweit ungestört von anderen Reisenden. Wasserspender – eine nette Idee – wir brauchten sie nicht. Schutzhütten fanden wir. Beschilderung je nach Initiator des Wegabschnitts vorhanden oder nicht – der Reiz des Entdeckens ist größer, wenn nicht alles perfekt angeboten wird. Die Grenzsicherung wurde in der DDR immer weiter perfektioniert – im Rückblick eine Randepisode der Geschichte. Diese Trennung prägt dennoch bis heute Deutschland und Europa. Das Unperfekte – ein gutes Bild für das Zusammenwachsen. Der Westen und das Grenzgebiet im Osten (im gewundenen Grenzverlauf im Süden Thüringens lag der Osten auch mal westlich der Grenze) war für Ostdeutsche wie mich zu DDR-Zeiten nicht erreichbar, so erweiterte sich mein Geschichtsbild beim Wandern am Grünen Band durch die unterschiedlichen Erfahrungen der Menschen, die dort lebten und die wir sprachen – aber auch durch Infotafeln, Ausstellungen in Grenztürmen und Grenzmuseen mit Zeitzeugnissen. Im 30. Jahr der Grenzöffnung haben wir in diesem Jahr die ehemalige innerdeutsche Grenze „abgelaufen“. Einige Teile des Grünen Bandes haben wir bereits zum 2. Mal besucht. Es gibt viel zu entdecken – und das in der Mitte Deutschlands. Wir kommen wieder! – Dr. Claudia Steffler

 

Ihren Artikel kann man etwa so zusammenfassen: „I have done the Iron Curtain in three days, aber nichts besonderes gesehen, also muss es doof sein.“ Leider sagt das mehr über die Oberflächlichkeit des Reisejournalismus aus als über das Grüne Band. Gerade die Abwesenheit des Spektakulären ist doch das Besondere. Stand da nicht bis 1989 ziemlich spektakuläres Bauwerk? Uns jedenfalls berühren die Schilder „Hier war Deutschland geteilt“ immer noch, vor allem, wenn ganz unspektakulär ein Heuwagen daran vorbeituckert, als wäre alles nur ein böser Traum gewesen. Doch, es gibt einiges zu entdecken am Grünen Band. Es wird einem aber nicht vorgesetzt, man muss es schon selbst finden. Dazu braucht es wohl mehr Zeit und Neugier, als der Autor aufzubringen bereit war.

Wir haben eine sogenannte Stasiröhre gefunden, also einen Kanal, durch den Agenten unter der Grenze hin und her gekrochen sind. Wir haben uns über ein verfallenes Stromhäuschen gewundert, das mutterseelenallein auf einer Waldlichtung stand. Später lasen wir, dass dort mal ein Dorf war, bevor es Mitte der 1960ger Jahre zur „Wüstung“ gemacht wurde. Wir haben uns auf einer Bank ausgeruht, die aus einer Panzersperre gemacht war, die wiederum aus Schienen der Deutschen Reichsbahn gemacht war. Überall haben wir den Grenzzaun wiederentdeckt – zum Beispiel als Kaninchenstall oder Kompostbehälter. Und wer einmal von einem DDR-Wachtturm in die niedersächsische Pampa geschaut hat, ahnt, dass im Leben der DDR-Grenzer nur die Langeweile grenzenlos gewesen sein muss.

Ganz wichtig ist es, in den einfachen Pensionen rechts und links der Grenze zu übernachten. Meist löst sich die ursprüngliche Reserviertheit der Gastgeber schnell auf und weicht einem ungebremsten Erzählbedürfnis, wenn man sich für ihre Geschichten interessiert. Es sind andere hüben und drüben, auch die Ausdrucksweisen und die Dialekte unterscheiden sich. Das gibt dann oft genug Gesprächsstoff für eine ganze ereignisarme Tageswanderung. Seit eineinhalb Jahren sind wir nun auf dem Grünen Band unterwegs – mehrmals im Jahr für ein paar Tage. Für uns ist es ein säkularer Pilgerweg geworden, der zu den Wurzeln unserer Biografie und unserer Familien führt. – Gabriele und Martin Bach

 

Wie schön, Sie sind wieder zu Fuß unterwegs gewesen, Herr Sussebach! Ihr persönliches Fazit ist köstlich. Ich habe mehrfach laut gelacht. Wie doch im Abgelegenen und Kleinen das Große und Ganze hervorblitzt. Ich freue mich bereits auf kommende Schilderungen weiterer Wanderabenteuer. Vielen Dank! – Beate Lemmer

 

Mein Mann und ich wandern oft im Harz und im Eichsfeld und geraten dabei immer wieder auf den Grenzweg. Ihre Erfahrungen kann ich bestätigen und füge noch eine hinzu: Während mein Mann mit Schuhgröße 46 zügig auf den Betonplatten läuft schaue ich bei jedem Schritt nach unten um nicht mit meinen deutlich kleineren Füßen in die Löcher zu geraten und umzuknicken. Spaß macht das nicht, es gibt schönere Wanderwege Bundesländer-übergreifend. – E. Nickel

 

Zum Glück habe ich als Gegenmittel zu diesem Artikel meine eigenen am Grünen Band gesammelten Erfahrungen, inklusive bereichernden menschlichen Begegnungen, wunderschönen Landschaften, seltenen Vogelarten, und, ja, auch Einsamkeit, Ödnis und Detektivarbeit. Das Grüne Band ist ja nicht als Wanderweg geplant worden; “Ferien” und “spektakuläre” Ausblicke waren bei der deutsch-deutschen Grenzziehung nicht das Ziel. Tatsächlich habe ich bei meinen Erkundungen auch Eindrücke über den Stand der deutschen Einheit gewonnen, die mich nicht deprimiert haben. Die mir sogar Zuversicht gegeben haben. Beide Themen – das Grüne Band wie die deutsche Einheit – sind doch wesentlich komplexer, als es dieser Artikel vermuten ließe.

Dass es an der ehemaligen Grenze einsam zugeht, sollte niemanden verwundern, denn auf Ostseite wurden dort zu DDR-Zeiten 11000 Menschen zwangsweise ausgesiedelt und auf Westseite war das wirtschaftliche Überleben im Zonenrandgebiet nicht eben einfach. Trotzdem gibt es Möglichkeiten zu Austausch und Begegnungen, z.B. in den ca. 50 Grenzmuseen, an den vielen Gedenkorten und auch den bestehenden Übernachtungsmöglichkeiten in den Orten entlang des Grünen Bandes. Warum Schutzhütten, Bio-Biwaks, Küche und Gästebücher direkt am Kolonnenweg geliefert werden sollten, leuchtet mir nicht ein. Warum man als “Musterschüler” nur den Betonplatten folgend einer “auferlegten Aufgabe gerecht werden” sollte, auch nicht. “Immer gibt es etwas zum Schämen, nie einen Grund zur Freude” – aufgrund dieser sehr persönlichen Empfindung des Autors das Grüne Band als “typisch deutsch in seiner Kompromisslosigkeit” zu beschreiben, scheint mir doch sehr weit hergeholt; ebenso die Aussage, das Grüne Band trage nichts zur deutschen Einheit bei.

Viel lieber lasse ich mich auf das Grüne Band als eine Erinnerungs- und Besinnungslandschaft ein.  Für die übrigens nicht “der Staat” verantwortlich ist, sondern für deren Erhalt und Pflege sich eine Vielzahl von Kooperationspartnern einsetzen: die Naturschutzbehörden der Länder und des Bundes, zahlreiche Naturschutzverbände und –stiftungen, Landschaftspflege- und Tourismusverbände, 3 Biosphärenreservaten, 17 Naturparks, der Nationalpark Harz, und unzählige Ehrenamtliche. Diese Arbeit ist oft wenig glamourös, aber ohne sie wäre das Grüne Band vielerorts gar nicht mehr in der Landschaft zu finden. Hier geht es nicht nur um Schilderaufstellen, Offenlandbiotope offenhalten, und Pflanzen-und Tierarten kartieren, sondern auch um Gespräche mit Landbesitzern, Grundstücksankäufe, Fundraising, und das Navigieren von Naturschutzkategorien mitsamt der jeweiligen rechtlichen und bürokratischen Abläufe. (Auch jetzt haben nur 72 % des Grünen Bandes einen Schutzstatus.) Vielleicht wäre es erhellend, auch in dieser Teamarbeit nach Spuren in Richtung deutsche Einheit zu suchen.  – Kerstin Lange


 

Leserbriefe zu „»Wohnen ist ein Menschenrecht«“ von Heinrich Wefing

Die zutreffende Feststellung von Vogel, dass Wohnen ein Menschenrecht ist, wird von ihm nicht mit der erforderlichen Konsequenz bedacht, weil er die derzeit rechtlichen Ausgangslagen unberücksichtigt lässt. Eine soziale, ökonomisch und ökologisch verantwortliche Bodennutzung kann nur gewährleisten und der Spekulation entzogen sein, wenn Grund und Boden ins Eigentum des Staates überführt wird. Der Aspekt einer Entschädigung geht ins Leere, wenn die Nutzung privat weiter erfolgt. Mit langfristigen Erbbaurechten werden private Nutzungen gewährleistet und widerrechtliche Nutzungen können jederzeit heimfallen. Zieht man Erfahrungen mit bestehenden Erbbaurechten heran, sind die vielfach verabredeten 99Jahre (5 Generationen) eine inhaltlich und finanziell ausreichende Nutzungsdauer. – Jürgen Dressler

 

Selten habe ich ein so substanzloses, ein so politisch gefärbtes einseitiges Interview gelesen, wie mit dem Politiker Hans-Jochen Vogel (SPD), Aussagen dieser Art sind der Grund für die hausgemachte Mietmisere und für den Absturz des SPD. „Viele Städte und Gemeinden haben aus Geldnot ihre Wohnungen verkauft“, „das war ein schlimmer Fehler“:
Das ist falsch. Hier in Stuttgart war die Stadt mit der Verwaltung der stadteigenen Immobilien völlig überfordert, stadteigene Wohnungen waren teils nur noch Bruchbuden, ein riesiger Renovierungsstau hatte sich angesammelt. Die Stadt verbot Heizkessel älter als 25 Jahre, betrieb aber in ihren Immobilien Heizkessel im Alter von 30 Jahren, die Stadt verlangte eine Wärmeisolierung von Gebäuden, städtische Gebäude waren ungedämmte Energieschleudern. In Teilen von Stuttgart sah es bereits aus wie in der ehemaligen DDR. Auch waren die Mieten viel zu niedrig um die Substanz zu erhalten, eine maßvolle Erhöhung scheiterte aber im Gemeinderat. Stuttgart hätte viel Geld in die Hand nehmen müssen um damit eine Generalsanierung durchzuführen, dann die Mieten zu erhöhen, dazu war die Stadt aber völlig überfordert. Da war der Verkauf an Vonovia die aller einfachste Lösung.
„. . .“, „Ich will erreichen, dass die Gemeinden ihren Bestand an Wohnungen erweitern“: Mit allen Problemen, die man überwunden glaubte. Der städtische Angestellte, der Mietwohnungen vergibt, ist anfällig für Scheine, die ein Wohnungssucher ihm zusteckt. Wie soll so etwas vermieden werden? Auch war es 1970 in der Industrie in Stuttgart üblich, und mit den Gewerkschaften abgesprochen, dass Firmen an drei Monaten nur DM 400,– Gehalt zahlten, wurde später genau nachgezahlt, damit hatte der Angestellte ein Anrecht auf eine Sozialwohnung. Nachdem dann überproportional viele städtische Angestellten eine Sozialwohnung belegten, hatte eine Fehlbelegungsabgabe im Gemeinderat keine Chance mehr.

„. . .“, „das nach großen Leistungen zugrunde gegangen ist am Versagen der dort Verantwortlichen“:
Das war genau umgekehrt. Der Asemwald, gebaut von der Neuen Heimat, krankte und krankt heute noch an völlig überzogenen Handwerkerrechnungen, und an einer Hausverwaltung die von den Lieferanten happige Provisionen einfordert. Der Asemwald ist heute berüchtigt, für sehr überhöhte Wohngeldabrechnungen.
Die SPD sollte eingestehen, die Mietmisere ist von der SPD selbst verschuldet. Willy Brandt, am 21. Oktober 1969 zum vierten Bundeskanzler der Bundesrepublik gewählt, strich alle Vergünstigungen die Herr Adenauer den Arbeitern zugestanden hatte, um sie in seine CDU zu locken, das waren:
(1) Die Sparprämie (Arbeitnehmersparzulage, Sparprämiengesetz vom 5. Mai 1959, Gesetz zur Förderung der Vermögensbildung der Arbeitnehmer) wurde komplett gestrichen.
(2) Der Freibetrag auf die Kapitalertragsteuer wurde erheblich reduziert.
(3) Die Möglichkeit bei der Einkommensteuer Verluste aus Vermietung mit der Lohnsteuer zu verrechnen wurde untersagt.
Diese drei Maßnahmen waren die Ursache für sehr viele Privatinsolvenzen von Käufern von Eigentumswohnungen, die Tinte des Notars war noch nicht trocken, aber der mit der Bank erstellte Finanzierungsplan war Makulatur. Warum das Alles? Die Ideologen in der SPD hatte sehr viel Angst, Arbeiter, die zu Eigentumswohnungsbesitzern wurden, viel schlimmer noch, die zu Eigentumswohnungsvermietern wurden, würden CDU wählen und nicht mehr die Arbeiterpartei SPD. Dazu kam, über die Sparprämie konnten verbilligt Aktien des eigenen Arbeitgebers erworben werden, für Willi Bleicher ein Affront, wenn Arbeiter am Band während der Frühstückspause sich nicht aus der Bildzeitung vorlasen sondern aus dem Börsenteil der Stuttgarter Nachrichten.
Sehr geehrter Herr Wefing, Sie haben hart in der Sache nachgefragt, deshalb ein sehr großes Kompliment an Sie. – Ulrich Bosshammer

 

In der Diskussion um den Wohnungsmangel vermisse ich seine eigentliche Ursache: die zu große Nachfrage nach Wohnraum besonders in großen Städten. Niemand fragt sich, warum so viele Menschen dorthin ziehen wollen und was der Staat unternehmen könnte, um diesen Trend abzumildern. Großstädte auf Kosten kleinerer Kommunen durch immer mehr Wohnungsbau weiter aufzublähen, ist jedenfalls nicht der richtige Weg. – Dr.-Ing. Efstatios Rigos


 

Leserbriefe zu „»Ich halte mich nicht mit Beleidigungen auf«“ von Caterina Lobenstein

Ein interessantes Bild über die Gedanken und Selbstreflexionen eines interessanten Menschen, das zum Nachdenken anregt und Respekt abnötigt. Einzig die Fragenstellerin Frau Lobenstein hat sich durch die Frage „Nennen Sie eine gute Beleidigung für einen bestimmten politischen Gegner“ selbst disqualifiziert. Was bitteschön ist eine „gute Beleidigung“? Will sich die Zeit damit auf Facebook-Niveau begeben? – Raimund Hils

 

Das Porträt über Carola Rackete fordert geradezu eine Reaktion heraus, obwohl ich mir sicher bin, daß geglicher Widerspruch an Sie abprallt.
Meinen allergrößten Respekt für Menschen, die Menschenleben retten. „Heiligsprechen“, wozu die öffentliche Berichterstattung manchmal neigt, würde ich sie aber nicht. Die für mich relevanten Antworten zeichnen ein Bild einer außerhalb der bürgerlichen Gesellschaft lebenden Frau, die von ihrem Weltbild so überzeugt ist, daß im Grunde keine emotionslose Infragestellung ihrer Aussagen möglich ist. Trotzdem. Auf die Frage, welche politische Phrase möchten Sie verbieten, nennt sie: „Es sind Arbeitsplätze in Gefahr“, mit der Begründung „Die Ökosysteme unseres Planeten kollabieren gerade“. Meine Anmerkung hierzu wäre die weitere Frage, was sollen denn die Millionen Arbeitnehmer Ihrer Meinung tun, wenn wirklich Arbeitsplätze verloren gehen. In Demut warten auf das, was da kommt. Außerdem ist das mit den Arbeitsplätzen nicht nur eine politische Phrase, sondern ein existenzielles Anliegen. Ob das Ökosystem wirklich kollabiert? Nur Glauben habe ich mir persönlich bei diesen ökologischen Fragen abgewöhnt. Diese Weltuntergangswahrnehmung kann ich bei ihr nachvollziehen. Man könnte sagen, sie ist nah am Geschehen. Auf die Frage, was fehlt unserer Gesellschaft, kommt die Antwort „Alarmsignale. Wir steuern auf einen zivilisatorischen Kollaps zu.“ Pardon! Ein weiterer Kollaps.

Ich meine aus Überzeugung. Wenn man einer „funktionierenden Gesellschaft“, meinetwegen mehr recht wie schlecht, tagein, tagaus, Alarmsignale, medial vermittelt, wie es doch beim Klimawandel mit all seinen Facetten zur Zeit geschied, führt dieser Überfluß trotz politischem Interesse, ich sehe es bei mir selbst, zum Überdruß. Zum Schluß vielleicht etwas Kleinkariertes. „Welches Tier ist das politischste“ ist die erst gestellte Frage. „Die Kuh“, ist die Antwort. „Für ein Kilo Rindfleisch braucht man 15.000 Liter Wasser. Die gesamte Tierhaltung muß eigentlich weg“. Diese Aussage möchte ich eigentlich garnicht kommentieren. Da ich auf dem Land wohne, nur eins. Rinder werden nach ca. 2 Jahren mit ca. 1100 kg geschlachtet. Für ihre Aufzucht werden ca. 10 bis 30 Liter Trinkwaser pro Tag verbraucht. Ich kenne kein einziges bewässertes Maisfeld, außerdem sind Kühe „schonmal“ auf der Wiese und fressen Gras. Dieser Zahlenwerte von 15. 000 l ist ein weltweiter Mittelwert in der Rinderzucht, wo zwischen virtuellem grünem Wasser ( Regenwasser), blauen und grauem Wasser unterschieden. Für Deutschland liegt der Wert bei 5990 l, wobei 5000 l grünes Wasser ist, also Regenwasser. Real sind es also ca. 1000 l, oder wenn man es praxisnah rechnet, 19 bis 26 l / kg Rindfleisch. Es ist doch vollkommen klar, das das Roden des Regenwaldes für die Tierzucht mehr als falsch ist. Eine biologische Landwirtschaft soll die Zukunft sein. Die letzte Antwort auf, „Was macht Ihnen Hoffnung“. ist am Schluß. „Entweder man hofft-oder man macht was.“ zu lesen, ein guter Satz!! – Walter Schroiff

 

Nein sie hält sich nicht mit Beleidigungen auf, sie beginnt lieber gleich die erste Frage mit einem fake oder besser gesagt mit einer Lüge. Nämlich, nämlich dass eine Kuh (sie meint wahrscheinlich Rind allgemein) 15000 Liter Wasser für ein 1 Kilo Fleisch benötige. Diese Lüge geistert seit Jahren durch die deutschen Medien und wird nun sogar zum Auftakt einer politischen Porträtreihe genannt, von einer Person, die den Anschein einer Heilsbringerin haben soll? Sie sei Ökologin und wünscht sich für Wälder und Moore frei werdende Flächen, die dann welche Menschen ernährt? 30% des Planeten sind Grasland. Dieses Grasland kann nur durch Wiederkäuer genutzt werden, weil der Mensch noch kein Gras verdauen kann. Das Rind ist kein Nahrungskonkurrent zum Menschen. Wann endlich wird Wissen Voraussetzung, um in der Öffentlichkeit seinen Mund aufmachen zu dürfen, und wann wird die Zeit eine Aufklärung starten, um endlich die Wahrheit ans Licht zu bringen, anstatt wiederholt „links-grünversiffte“ (Aussage aus AFD- Kreisen, die ich mittlerweile verstehe) Lügen zu unterstützen? Warum die Frage zum politischen Tier am Anfang des Porträt steht ist wirklich fragwürdig…oder doch eher beispielhaft für diese Zeitung? – Reinhard Seevers


 

Leserbriefe zu „»Wenn einer aufsteht, um dich zu töten, töte ihn zuerst«“ von Erich Follath et al.

Und also stellt sich die Frage: Wer sind denn jetzt die Bösen – und wer sind die Guten? Sind es die offensichtlichen Lügner aus dem Iran oder sind es die Waffenbrüder aus Israel und den USA? Die Antwort hierauf bleibt dieses spannende und aufschlussreiche Dossier schuldig. Es wird sie – in Schwarz/Weiß-Eindeutigkeit – aber auch nicht geben können. – Lothar Söll

 

Sie schreiben im Dossier (S.16):“Netanjahu autorisiert den Mossad-Chef Dagan, Killerkommandos ..zu schicken“. Wenn das eine Tatsache ist, wie der Text suggeriert, und keine bloße Vermutung, warum gab und gibt es dann kein Gerichtsverfahren gegen die beiden wegen sechsfachen Mordes ? Oder habe ich etwas überlesen ? – Eckart Contag

 

Und was sind Ursachen und Motive hinter dem Konflikt zwischen Israel und Iran, sowie deren hier dargestellten strategischen Planungen? Geht es um die Vorherrschaft in der Region, oder wird Israel immer noch als Besatzungsmacht angeprangert? Vordergründig Ja, aber der Konflikt hat geschichtliche Ursachen, die man heutzutage allerdings nur noch als ideologisch erstarrt bezeichnen kann. Und die haben mit der schiitischen Lehre zu tun, nach der der vor über tausend Jahren verschollene 12. Imam erst nach der Zerstörung Israels zurückkommen kann, damit dann ein Reich der Gerechtigkeit und natürlich des weltweiten Sieges des Islam anbrechen kann.

Unter dem damaligen Präsidenten Achmadinedschad wurde das ziemlich offen kommuniziert, heute zurückhaltender, aber in den Köpfen der Regierenden des Iran ist das zur Rechtfertigung strategischer Machtspiele immer noch drin – obwohl gerade die genug Grund hätten, Auskunft darüber zu geben, was ihre Omnipotenzphantasien überhaupt mit Religion zu tun haben. Die sehnsüchtig erwartete Wiederkehr des 12. Imam ist eine vorgeschobene Illusion. Und was könnte Israel zur Entschärfung des Konflikts beitragen? Es wäre das Eingeständnis, dass die in der Thora gesammelten Allegorien keine Tatsachenberichte sind. In die Erzählungen vom Auszug aus Ägypten sind zwar viele bis heute wertvolle Anregungen für das Gelingen zwischenmenschlichen Miteinanders eingewoben – vor allem die 10 Gebote –, aber stattgefunden hat dieser Auszug nicht. Die geografische Bezeichnung „Ägypten“ kommt im Urtext der Thora noch nicht einmal vor, abgesehen davon, dass es unmöglich ist, dass so viele Menschen wie berichtet nicht generationenlang durch den Sinai gezogen sind, ohne Spuren zu hinterlassen. Und es ist auch nicht hilfreich, Israel als „Heiliges Land “ zu bezeichnen, das weckt nur vollständig überflüssiges Konkurrenzgehabe.

Für den aktuellen Konflikt heißt das, dass sowohl Iraner als auch Israelis von ihren standardisierten, statischen Interpretationen ihrer jeweiligen Geschichte herunterkommen sollten. Der 12. Imam der Schiiten, der als Messias wiedererwartet wird, wurde übrigens nicht göttlich entrückt, sondern floh schon als Kind vor den eigenen Leuten, weil die ihn im Streit über die Nachfolge Mohammeds umbringen wollten. – Christoph Müller-Luckwald


 

Leserbrief zu „Gleichgeschlechtliches Lesen“ von Francesco Giammarco

Mit einem Schmunzeln habe ich Ihre Kolumne zum gleichgeschlechtlichen Leben gelesen. Ihre Freundin hat Recht und Sie sollten sich bei nächster Gelegenheit ein Buch mit einer weiblichen Protagonistin zu Gemüte führen! Auch dies äußere ich mit einem Lächler, denn: Warum nicht der Einfachheit halber meines? Ich bin zwar eine noch vollkommen unbekannte Erstautorin, doch ist mein „Werk“ gerade neu erschienen und bedarf gern etwas Schützenhilfe von prominenter Stelle: – Juli Norden

 

Bitte verzichten Sie in Zukunft auf das Beschreiben der Inhalte Ihrer Bücher, in denen Frauen von zwei Doberm?ännern durchgevögelt werden. Was Sie lesen, ist selbstverständlich Ihre Privatsache, aber ich möchte so etwas nicht in der Zeit lesen!!! Ich finde es abstoßend. Können Sie sich eigentlich vorstellen, wie es ist, so etwas als Frau zu lesen??? Vermutlich nicht. Schade. – Elisabeth Bensiek

 

Von Frauen geschriebene „Frauenbücher“ sind demnach nur für Frauen lesbar. Von Männern geschriebene Bücher sind demnach nicht nur für Männer lesbar. Hab ich da irgendetwas missverstanden? Diesen Beitrag hat doch ein Mann verfasst, also bin ich doch auf der „richtigen“ Seite! Oder etwa doch nicht! – Klaus P. Jaworek


 

Leserbriefe zu „Denn er weiß, was er will“ von Jan Ross

In dem ganzen Brexit-Theater ist nur eines rational: ein fertig ausgehandelter und für beide Seiten ausgewogener Austrittsvertrag, den die EU, ohne selbst Schaden zu nehmen, nicht mehr aufschnüren kann. Und Boris Johnson weiß dies sehr genau! Ansonsten herrscht zu diesem Thema seit dem von David Cameron veranlassten Referendum nur Chaos und Irrationalität. Dies scheint eine Gemengelage zu sein, in welcher sich Herr Johnson, der mit großen Sprüchen und Lügen einer der Hauptakteure der Brexit-Kampagne war, sowie sein „Stratege“ Dominic Cummings besonders wohlfühlen. In bester Trump-Manier versucht Johnson nun, das Parlament auszuhebeln und entzieht 21 Abgeordneten der Tories, die abweichender Meinung sind, über Nacht das Mandat. Seine „eher liberalen Instinkte“ hat er bisher gut kaschiert, wogegen sein Wille, wenn nötig , mit der „Brechstange“ an die Macht zu gelangen, sehr ausgeprägt ist. So gesehen weiß er, was er will! Bleibt nur zu hoffen, dass die „checks and balances“ im Vereinigten Königreich besser funktionieren als die jenseits des Atlantiks, damit sich der bereits angerichtete Schaden sowohl für die Briten wie auch für die Europäer in Grenzen hält. – Jürgen Rohlfshagen

 

Boris Johnson ist Remainer. Er tritt nur deshalb auf so absurde Weise für den Brexit ein, um mit diesem bizarren Verhalten so viele Briten wie möglich gegen den Brexit aufzubringen. Wenn Grossbritannien dann demnächst den Verbleib in der EU erklären wird, wird Boris gleichzeitig verkünden, dass er genau dies schon immer gewollt habe. – Dr. Peter Scheibl

 

Boris Johnson bringt sein „UK“ langsam an den Rand des „königlichen Nervenzusammenbruchs“! Er wirft seine „Ungetreuen“ raus aus der eigenen „Conservative Party“, andere Konservative werfen lieber freiwillig ihr Handtuch; und Boris Johnson boxt weiter. Selbst im „freien Fall“ würde er nie und nimmer nachgeben wollen, der blonde „Brexiteer“! – Klaus P. Jaworek


 

Leserbriefe zu „»Du gehörst am nächsten Baum aufgehängt« »Rassenschande«“ von Aydan Özoğuz

Frau Özoguz hat sich zwifellos provozierend seiner Zeit geäussert. Sie hat ziemlich arrogant missverständliche Sätze formuliert. Der politische Sinkflug ihrer Partei ist u.a. die Folge solcher arroganten Leichtsinnigkeit. – M Pelc

 

Als sprachkompetente Leser*in/Hörer*in muss man nicht Linguist*in sein um zu verstehen, dass Frau Ösoguz eindeutig formuliert, dass es nach ihrer Ansicht keine deutsche Kultur gibt („ist schlicht nicht identifizierbar“ = „existiert nicht“). Doch dann verschanzt sich Frau Ösoguz dahinter, diese klare Positionierung sei ein missverständlicher Satz. Sie hätte auch zugeben können, dass dieser Satz vielleicht provokativ ist, oder dass sie ihn -z .B. nach der Lektüre von Thea Dorns lesenswertem Buch „deutsch, nicht dumpf“ – für falsch halte.

Für mich als Leser ist nicht nachvollziehbar ist, dass Herr Schirmer ihr auf den Leim geht und trotz der klaren Aussage von Frau Ösoguz in seiner Überschrift sekundiert, sie habe „ANGEBLICH gesagt“, es gebe keine deutsche Kultur. Wie kann es etwa geben, was nicht identifizierbar ist? Von der Redaktion eines Qualitätsmediums wie der ZEIT erwarte ich, dass sie den Unterschied zwischen einer klaren Positionierung und einer missverständlichen Aussage identifizieren kann. Bitte etwas mehr Qualität! – Karl-Heinz Schneider

 

In diesem Artikel wird auch das Thema “ (Leit)kultur Deutschlands“ berührt. Das nehme ich zum Anlaß die Redakteure DER ZEIT aufzufordern, doch einmal darzustellen, was denn das eigentlich beinhaltet. Das Stichwort ist ja in aller Politiker Munde. Für mich ist die Kultur Deutschlands eine humanistische, also menschliche. Vielleicht könnte man das mal herauskristallisieren, um es in die Köpfe der allseits verunsicherten Gesellschaft zu hämmern. – Dr.med. Dagmar Zimmermann


 

Leserbriefe zu „Was hier los war!“ von Doreen Borsutzki in der Regionalausgabe ZEIT IM OSTEN

Ich frage mich ernsthaft, ob ich als nach Ansicht Ihrer Redaktion verblöderter Ossi die ZEIT noch lesen soll. In der 37 steht auf Seite 14 im Inhaltsverzeichnis, dass auf Seite 20 Leserbriefe zu finden sind. Da die ZEIT eine sehr umfangreiche Zeitschrift ist, kann auch ich nicht jede Woche alles lesen und bei den Leserbriefen findet man manchmal interessante Hinweise auf Artikel, die zwei Wochen früher erschienen sind. Da sehe ich eigentlich regelmäßig nach.

Am Donnerstag war nun auf Seite 20 das Inhaltsverzeichnis einem umwerfend geistvollen Sittenbild über den Osten gewichen. Aber nicht für die Wessis. Nein. Das schöne Bild wurde nur im Osten verbreitet, der Westen weiß über den Osten schon Bescheid und muss nicht informiert werden. Der bekommt das Inhalts verzeichnis und vielleicht einen Bericht über die harten Lebensbedingungen an der Hamburger Elbchausse. Für wie blöd halten Sie uns eigentlich? – Hartmut Winterfeldt

 

Heute erhielt ich einen Hinweis auf den Artikel von Susanne Mayer (https://www.zeit.de/2019/37/die-dinge-unseres-lebens-susanne-mayer-leseprobe) in der aktuellen ZEIT-Ausgabe. Da mich dieses Thema gerade sehr interessiert, ging ich in den nächsten Zeitungsladen und kaufte mir für 5,50 € ein Exemplar Ihrer Zeitung. Enttäuscht musste ich feststellen, dass ich an eine Ost-Ausgabe geraten war (ich wohne in Erfurt), die auf S. 21 anstelle des Artikels von Susanne Mayer etwas Nettes für die Ossis schreibt (Wimmelbild, wirklich sehr lustig und auch intellektuell nicht so anspruchsvoll), damit sich diese auch für Ihre Zeitung interessieren, und dass der Artikel fehlte, um dessentwillen ich die Zeitung erworben hatte. Bis dato wusste ich gar nicht, dass „Die ZEIT“ ihre Leser/innen nicht selbst entscheiden lässt, was für sie von Interesse sein kann und was nicht

Das empört mich aus zwei Gründen: Bitte machen Sie keine Werbung für Artikel, an die die Leserin aus den neuen Bundesländern nur heran kommt, wenn sie zusätzlich noch die Digitalvariante abonniert. Bitte machen Sie keine eigenen „Ossi“-Ausgaben. Nachrichten aus dem Osten haben genau so viel im Westen zu suchen wie umgekehrt. Oder vor was wollen Sie Ihre Leser in Hamburg, Köln, Frankfurt und München verschonen? Kennzeichnen Sie wenigstens, was nur in der Ossi-Ausgabe steht, damit die Leserin sich nicht in der falschen Illusion wiegt, Sie würden Menschen in den alten Bundesländern etwas über den deutschen Osten berichten. Für mich steckt da eine ziemliche Diskriminierung. Deshalb werde ich in Zukunft keine „ZEIT“ mehr erwerben oder abonnieren. – Dorothea Höck


 

Leserbriefe zu „Es gibt genug zu tun“ von Uwe Jean Heuser

In seinem „Wirtschaftskommentar“ zählt Uwe Jean Heuser aus Anlass der Löschung von Thyssenkrupp aus dem DAX eine überzeugende Serie von Versäumnissen in Konzernen und Politik auf, die die deutsche Wirtschaft in letzter Zeit deutlich zurückgeworfen haben. Meines Erachtens fehlt in dieser Aufzählung noch die konsequente Entwicklung der Wasserstofftechnologie, die mit Sicherheit fehlen wird, wenn sich eines Tages herausstellt, dass sich die Elektromobilität an den Problemen der Batterietechnik festgefahren hat. – Karl H. Kirch

 

Bei der Digitalisierung geht es nicht nur um die schwarzen Flecken auf der Breitbandkarte. Warum spricht niemand über die steinzeitliche Datenhaltung der Deutschland AG. Stellen Sie sich eine Versicherungsgesellschaft vor, die für jede Police einen eigenen Kundenstammsatz anlegt. Die von ihren Kunden verlangt, dass wenn sie ganz simple Sachen wie Umziehen machen, einen Tag Urlaub nehmen müssen, um für alle Policen die neue Adresse bekanntzugeben. EIne solche Gesellschaft wäre längst pleite.

Aber so funktioniert die Verwaltung der Deutschland AG. Es gibt kaum eine integrierte Datenhaltung. Der Bürger ist im wahrsten Sinne des Wortes der Datenträger. Er trägt seine Daten von einem Amt zum nächsten. Einwohnermeldedaten werden auf kommunaler Ebene vorgehalten, Kfz-Daten auf Kreisebene, Kindergelddaten auf Landesebene, …… Jede Ebene pflegt seine Daten, wie vor 40 Jahren als die ersten Karteien durch Dateien abgelöst worden. Ja, jede Ebene hat die moderste IT – aber was nutzt die modernste IT ohne Datenintegration. NIchts! Es kostet nur Unmengen an Geld, ohne eine positive Auswirkung für uns Bürger. Ja, die Deutschland AG ist eine führende Gesellschaft: nicht wegen seiner Verwaltung, sondern trotz seiner Verwaltung! – Richard Lomax


 

Leserbrief zu „Der kleine Ausstieg“ von Georg Blume

Nach meinem Wissen als Ingenieur handelt es sich bei dem Ausstieg des Schnellen Brueter nur einen militaerischrrn Ausstieg, denn die ersten Kernkraftwerke waren Schnelle Brueter wegen des Plutiums! Frankreich hat heute 72 % Atomstrom, weltweit gab es vor ca 10 Jahren etwa 412 KKW, 2019 sind es 450! Stellen Sie sich einmal vor, wievie Milliarden Tonnen CO2 das sind ohne Kernkraft! Ausserdem hat Deutschland heute in Europa die zweithoechste Strompreise, Frankreich liegt an 14. Stelle. ( Schauen Sie sich einmal in Frankreich um, was dort alles mit dem preiwerten Strom gemacht wird, z. B. im oeffentlichen Verkehr!) Also die Überschrift passt nicht! – Juergen Keller

 

Die atomaren Geister, die da einst gerufen wurden, die bleiben uns für immer und ewig treu. Sie werden kein Jota Becquerel ihrer Strahlkraft einbüsen. – Klaus P. Jaworek


 

Leserbrief zu „Los geht’s“ von Urs Willmann

Ihren Beitrag habe ich mit großem Interesse gelesen und wie lange nicht so anhaltend gelacht. Er ist doch wohl als Schmunzelgeschichte konzipiert und hätte den Titel „Vom Einzeller zum Menschen am Buffet“ verdient. Und alles aufgrund des schlichten (aber erstaunlich langen) Fossilfundes Ringelwurm/Gliederfüßer, genannt Yilingia spiciformes. Dass Sie für diese Geschichte Herrn Reichholf gewinnen konnten (Prof. Dr.) und es sich angeblich um eine evolutionäre Innovation handelt, die das Erdgeschehen verändert hat(!), möchte ich mit einigen sachlichen Argumenten dagegenhalten. Da Yilingia nur sein Äußeres zu erkennen gibt, leistet sich Herr Reichholf einen gedanklichen Salto, nämlich dass das Gliedertier (wenn auch nur vermutlich), mit Hilfe seiner „Protomuskulatur“ (ein feinsinnig-verwaschener Begriff) sich aufrichten und nur nach vorne schreiten konnte. (Schade) Damit war ein vorderer und hinterer Pol erfunden. Weil er zusätzlich bilateral ist, hat er wenigstens schon ein Merkmal mit dem Menschen gemein. Zu den anderen braucht er noch eine Weile.

Welche Sinnesorgane er besaß, was er fraß und wieder ausschied, bleibt leider wie bei den meisten Fossilien im Dunkeln. Hoch gelobt wird er jedenfalls den sogenannten „niederen“ Tieren gegenübergestellt. Eine krasse Fehleinschätzung, denn z.B. die einzelligen Flagellaten verfügen über ein außerordentlich komplexes Bewegungssystem, können sich mit Photorezeptoren (und mehr) orientieren und stellen mit der Möglichkeit ihrer lockeren Richtungsänderungen den plumpen Yilingia in den Schatten. Dessen Morphologie erscheint auch nur die einfallsarme (aber sicherlich wirksame) Multiplikation seiner Dreilappeneinheit zu sein.

Wie nun vom Gliedertier über die Suche nach Energie (Nahrung), vorzugsweise in „kompaktierter“ Art (Reichholf) zum „Wettrüsten“ der Arten fortgeschritten wird, fordert einen subtilen Journalismus heraus, der es schafft, Wichtiges zu verschweigen und ein evolutionäres Glaubensbekennnis in den Vordergrund zu rücken. Unwidersprochen gilt doch wohl, dass sich alle Lebewesen konkret gegen die Schwerkraft fortbewegen mussten( und nicht Yilingia erstmals ), dass Schnelligkeit nicht nur Vorteile bringt ( weil Energie dabei verbraucht wird ), dass nicht nur Fleisch als Nahrung hoch zu schätzen ist (Pflanzenfresser verzichten darauf und entwickeln imposante Erscheinungen) und „Brocken“ eher selten sind. Auch Wale können von Kleinkram leben.

So sind also nicht unbedingt Sprinter die Gewinner, sondern jeder kann auf seine Weise in einem ausgewogenen Ökosystem auf seine Kosten kommen, ohne mit anderen in Konflikt zu geraten. Vielleicht macht der Mensch die einzige Ausnahme: Das kalte Buffet zieht ihn im allgemeinen nicht an, weil er hungrig ist, sondern weil er von einer Vielfalt, zumeist unnötiger Augenhappen verführt wird und den Rest stehen lässt. – Hans-Heinrich Kelb


 

Leserbrief zu „Liebe“ von Maxim Biller

Dass Herr Biller seinen Frust los werden will, weil der in Deutschland gestrandete und verärgerte chinesische Künstler und Flüchtling Ai Weiwei nun nach England abwandert,ist verständlich. Aber wie er den Popanz einen „guten Deutschen“ kreiert, der ja in Wirklichkeit hässliche Eigenschaften hat und für diese Entscheidung des Chinesen ursächlich sein soll, ist haltlos und kontraproduktiv. Ich glaube nicht, dass Sie mit einer solchen Hasstirade irgend jemandem helfen,vor allem nicht den vielen Flüchtlingen die nach wie vor Hilfe brauchen und bekommen.. – Arnd Seide


 

Leserbrief zu „Ein Elternhaus wird ausgeräumt“ von Susanne Mayer

Ein Artikel, der mich sehr berührte. Leider haben viele Nachfahren beim „Ausräumen“ die Einstellung, man dürfe sich nicht Briefe, Tagebücher und andere persönliche Hinterlassenschaften der Eltern oder Großeltern eröffnen, sondern müsse sie respektvoll vernichten. Da wir als Kriegskinder mit Eltern groß geworden sind, die – vielleicht mit Ausnahmen – kaum bereit waren, sich mit ihren Kindern auszutauschen, ist diese Hinterlassenschaft oft die einzige Möglichkeit, sich nach dem Tod der Vorfahren mit deren Situation auseinandersetzen zu können und sie besser zu verstehen. Mir ist es nach dem Tod meiner Eltern so ergangen, als ich unerwartet Berlobungsbriefe meiner Eltern von 1928-1934 fand und die Feldpostbriefe meines Vaters, von meiner Mutter so versteckt, dass sie selbst offenbar nicht mehr von deren Existenz wusste, haben mich meinen Vater erst richtig kennenlernen lassen. Abgesehen davon -es ist historisches Material. Mein Grossbater hat kritische Notizen zu Reden von Hitler und Göbbels hinter Bilderrahmen versteckt, die wir erst bei der Haushaltsauflösung fanden – seine Tagebuchnotizen, die er lebenslang täglich verfasste, wurden leider von seinen Töchtern vernichtet, da gefürchtet wurde, es könne über die eine oder andere der beiden Töchter Negatives geschrieben worden sein. Danke für Ihren Artikel! – Dr. Matthias Bantz


 

Leserbrief zu „Wie weh darf es tun?“ von Robert Pausch

Ich kann nicht inne halten schon beim ersten Beitrag auf Seite 2 muß ich ihnen antworten. Ihr Autor Robert Pauschal trägt zur Änderung ihres Blattes bei. Ich habe schon böse Sachen erfahren müssen, weil ich mich öffentlich zur AfD bekannt habe und das kam fast nur von den Medien. Ich bin von Hause aus eine konservative Person und habe es auch vor es zu bleiben. Warum auch nicht. Deswegen ging für mich die Gefahr vorwiegend von den Medien aus, die das friedliche Miteinander nicht mehr möglich gemacht haben. Diese Denke sollte grundsätzlich aufhören. Es schadet nämlich der Demokratie. – Gunter Knauer


 

Leserbrief zu „Leonoras Flucht“ von Georg Heil und Volkmar Kabisch

Wie überheblich ihr über Leonora schreibt, billig aus dem Tagebuch eines 15jährigen Mädchen zitiert, fachsimpelt ob sie vom Leben eine zweite Chance verdient und dabei über euren Auftrag als Journalisten philosophiert. Nichts gibt euch das Recht, über sie zu urteilen. – Katharina von Villiez


 

Leserbrief zu „Was haben Sie gelernt, Maren Kroymann? »Keine Streberin zu sein«“ von Johanna Schoener und Arnfrid Schenk

Eine Frau, die es leider nur noch selten gibt. Auf solche Frauen stehe ich. Obwohl sie politisch für mich fremd geht, hat sie trotzdem die richtige Einstellung zum Leben. Sehr sympathisch und Weise. – Gunter Knauer


 

Leserbrief zu „Worum geht’s … in der Hebammenwissenschaft?“ von Christine Prussky

Ganz wunderbar! Eine solche Aufklärung wünsche ich mir auch zur Logopädie ( „Ist das was mit den Füßen?“) mit aktuell 48 Studiengängen und einem Frauenanteil von ca. 95%. – Dietlinde Schrey-Dern


 

Leserbrief zu „Ein Skandal, der keiner ist“ von Ijoma Mangold

Ijoma Mangold kommentiert das Ausscheiden von vier von sieben ausländischen Museumsdirektoren mit diesem abwiegelnden Titel, in dem er persönliche Gründe oder vertretbare Rationalisierungsmaßnahmen unterstellt. Dies ist wenig plausibel, wenn man die „verlassenen“ Museen Italiens, dem Traumland aller Kunsthistoriker nördlich der Alpen, betrachtet, und vernachlässigt mindestens im Falle von Cecilie Hollberg die Fakten. In einem ausführlichen Interview analysiert sie in der FAZ zufälligerweise an demselben Tage schonungslos die offenkundigen Intrigen und Widersprüchlichkeiten der italienischen Museumspolitik. 15 Direktorenkollegen aus Italien haben sich bereits in einem offenen Brief für ihren Verbleib an der Accademia ausgesprochen. Eine vergleichbar betrübliche Situation dürfte die übrigen Museumsdirektoren betroffen haben, in jedem Falle erscheint eine genauere Analyse von Herrn Mangold sehr wünschenswert. – Malte Sprenger


 

Leserbrief zur Fotokolumne „WER BIST DU?“ von Florian Jaenicke im ZEIT Magazin

Heute morgen bei meinem ersten Café, allein wie immer in der Küche, im Hintergrund NDR Kultur, erstmal über Martensteins Bauernkolumne laut gelacht, und dann wieder Ihr Foto. Diesmal Friedrich auf dem Hüpfball. So viel Würde und Liebe in ihren Fotos. Und zugleich ein wöchentliches „Lehrstück“ über Ausdauer, Entwicklung, Abhängigkeit, Schmerz und Freude. Es sind unglaublich gute, berührende Bilder. Danke! Vielleicht sehe ich es besonders deswegen so, weil ich Lebensumstände wie die Ihren kenne, und dankbar bin, dass sie unaufgeregt, und ohne Sensationsheischen sichtbar machen. Denn genau in dem Bereich sind wir ja ständig am Verdrängen, Weggucken, etc..

Wir heißen auch Friedrich, Nachname, unser Sohn, jetzt 19, ist auch Epileptiker, vor 4 Jahren hatte er noch mehrere Grand mals pro Woche. Wir wussten nicht, ob er je den Schulabschluss schaffen würde (wahrscheinlich Luxus in Ihrem Horizont), jetzt geht es ihm sehr gut. Die Krankheit, auch Ergebnis eines vorgeburtlichen Hirnproblems. Wir haben alles in allem unglaublich Schwein gehabt. Grüßen und danke Sie bitte auch Ihrer Frau! Es ist eine Entscheidung, so öffentlich zu werden. Und eine permanente Herausforderung für die Beziehung. Ich freu mich auf das nächste Bild. Danke! – Marcus Friedrich


 

Leserbrief zu „Oder ist das Konto voll?“ von Mark Schieritz

Dass ausgerechnet Herr Lindner, der soviel von „Fachleuten“ hält, nicht so richtig durschaut was die Zahlen bedeuten ist nicht verwunderlich – FDP. Dass kaum ein anderer Laie sie durchschaut, ist aber ein echtes Demokratieproblem. Wie soll man Entscheidungen treffen können, wenn man gar nicht so richtig weis was Sache ist? Dafür sind die Medien da. Danke Herr Schieritz. Ich denke aber das Problem ist viel größer und dieser Einzelfall steht beispielhaft für ein riesieges Loch, das Einfallstor für die „Populisten“ (FDP), als Gegensatz für die „Fachleute“ gedacht. – Dieter Herrmann


 

Leserbrief zu „Das Ende vom Bling“ von Heike Buchter

Besonders in Deutschland wurde man nicht Müde, die Klimakatastrophe als Untergangsvehikel zu benutzten. Eigentlich ist es ein Thema in der ganzen Welt. Konsequenz: Die Wirtschaft wird dermaßen schwächelnden, das die Zahlen der Arbeitslosigkeit rapide steigen wird. Die Wirtschaftsweisen prognostizierten für das kommende Jahr 1,5% Wachstum – wenn sie sich damit nicht vertan hat. Das Klima wird denen einen Strich durch ihre Rechnung machen. In Amerika dagegen wird das nur die eigengenutzten Immobilien betreffen, wie schon in 2015. Immobilien haben bei den Kapitalgesellschaften immer noch einen hohen Stellenwert. Und zu den Luxusvillen sei gesagt. Die setzen sich alle kleiner. Das ist der Trend im Allgemeinen. Statt Villen mit 50 und mehr Zimmern reichen jetzt auch die Hälfte. Der Wirtschaftskonjunktur schreibt in Amerika nach wie vor gute Zahlen – dank Trump. Ihre Frau Buchter kann sich jetzt in New York auch eine Villa in Kalifornien leisten. – Gunter Knauer


 

Leserbrief zu „Der Zweifel – Willkommen im neuen Wissen“ von Manuel Hartung und Andreas Sentker

„Willkommen im neuen Wissen“ – bezüglich der Wichtigkeit von Aufklärung – ich hoffe sehr, Sie meinen nicht nur den Unterschied von fakes und Fakten aufklären zu wollen. Ich selber würde mir wünschen, Sie lenkten Ihre Aufmerksamkeit auf eine 3. Aufklärung nach und mit Kant.
die 1. Aufklärung widmete sich der Welterklärung außerhalb des religösen Glaubens.
die 2. Aufklärung folgte im Industriezeitalter durch die physikalischen Erkenntnisse von Gesetzmäßigkeiten.
Jetzt ist die 3. Aufklärung gefragt: wir dürfen nicht den bits überlassen,“ die Welt als digitalen Code zu definieren“ (s. Philosophie in der digitalen Welt, DLF, 8.9.19: DigiKant oder : Vier Fragen, frisch gestellt“ v. Florian Felix Weyh)

Wir sollten den 4 Kant’schen Fragen unsere Fünfte Frage hinzufügen: Wozu will ich wissen, tun, hoffen? Was ist Mensch Sein? Ich würde mich also sehr freuen, wenn Sie Ihre Zweifelanalysen nicht nur auf die Infos richteten, sondern auch auf ihren Bezug auf etwas Drittem, der Möglichkeit von >Sein Werden< in unserer Zukunft, von Zusammenleben, Lebendigsein auf gleichem Boden unter freiem Himmel. Dazu brauchen wir >Dialogisches Denken<, dh unsere Denkfähigkeit bezüglich der Zweiheit von >Zeugen/Vereinen< auszuweiten auf das neue Dritte, das zukünftige Leben, für das wir seit der technidigitalen 2. Aufklärung Verantwortung tragen. – Elke BLancke


 

Leserbrief zu „Bringt euch nicht um“ von Elisabeth von Thadden

Das Klima zu ändern geht nur ohne den Mensch. Das ist meine These. Also lässt sich das Klima durch den Menschen nicht ändern. – Gunter Knauer


 

Leserbrief zu „Respektiert den Nachwuchs!“ von Jutta Allmendinger und Martin Mann

Ihrem Aufruf, die Promovierenden wertzuschätzen, schließe ich mich sofort an! Wissenschaftler sind sie allerdings erst nach erfolgreicher Verteidigung ihrer Promotion! Die Misere der schlechten Bezahlung in vielen Fächern liegt sicherlich auch darin begründet, dass mehr promovieren wollen, als es Forschungsmittel im jeweiligen Fach gibt. Aus meiner Sicht gehen die Technikwissenschaften den richtigen Weg: Nur wenige (unter 10 %) der Ingenieurabsolventen streben eine Promotion an und für diese stehen genügend Forschungsmittel bereit, so dass sie volle Stellen erhalten. Anders wären sie bei der guten Arbeitsmarktlage auch nicht zu binden. Nach der Promotion gehen die promovierten Ingenieure stets in die Industrie, wo sie als keineswegs überqualifiziert gelten. Sie halten meist Kontakt zum Lehrstuhl und können nach genügend gesammelter Erfahrung mit einer gescheit ausgestatteten Professur wieder an die Hochschule gelockt werden. Der weltweit angesehene gute Ruf der Ausbildung in den Technikwissenschaften im deutschsprachigen Raum ist starker Hinweis darauf, dass dieser „Sonderweg der Ingenieure“ Vorbild für andere Fächer sein kann. – C. Bonten


 

Leserbrief zu „Ist Haustür-Wahlkampf jetzt die Lösung?“ von Martin Machowecz

Danke für diesen Artikel! Als die Dame Herrn Kretschmer ihren täglichen Begleiter „Pfefferspray“ gezeigt hat, hätte dieser (und hieraus auch Sie!) erkennen können, dass der Wähler mit Reden Reden Reden eben nicht (mehr) stillzureden ist! Das haben wir nun schon 15 Jahre – mit Schwerpunkt partei-intern!! Vervielfältigt durch manche ( Sensations- ) Medien.. Wenn der Bürger am Tag vor einer Wahl und nach einem Gespräch mit „seinem“ MP als Ratloser dasteht: was ist dann gewonnen? . Auch wenn Woidke und Kretschmer in den letzten Tagen vor der Wahl unermüdlich unterwegs waren: ihre Mitstreiter für Justiz und Inneres waren es NICHT! Die ahnten womöglich, dass man nicht in 2 Tagen rumreissen kann, was man in 4 Jahren hat liegenlassen! Es ist doch entlarvend, wenn der von AKK zum CDU-Paria beförderte Maassen mehr Wahlkampfhelfer -Image erzielt als das gesamte Kabinett!! . Da stimme ich Ihrem letzten Satz aus ganzem Herzen zu: da braucht es viele – ein Mann kann das nicht stemmen! . Es fehlt für AKK eine Ergänzung: erst recht nicht im Zweit-Job ! Warum fragt kein einziges Medium, wie AKK das BMVG im Nebenjob leiten können soll, wenn UvdL es im Hauptjob nicht stemmen konnte?? . – Franz Berger


 

Leserbrief zu „»Papa, wirst du alt?«“ von Tillmann Prüfer im ZEIT Magazin

Ich freue mich jede Woche auf Ihre Kolumne! Sie sind sicherlich ein wunderbarer Vater. – Dr. Lydia Brooks


 

Leserbrief zu „Seine Klarheit half ihm, um als Deutscher Präsident der Stanford University zu werden“ von Herlinde Koelbl im ZEIT Magazin

Von Gottfried Benn stammt das Gedicht „Teils,teils“ – Sie kennen es sicher. Anscheinend kennt es Ihr Interviewpartner, Prof. Casper, auch und zwar so gut, dass er es auf seine Weise verinnerlicht hat. Das finde ich dann doch, naja, zumindest ein bisschen dégoutant. Oder hat Frau Koelbl den zitierenden Professor nicht als solchen erkannt? Ihr sei es gerne nachgesehen. Ansonsten: nicht zu auffällig mit fremden Federn plustern! – Nonnette Schüßler


 

Leserbrief zu „Er“ von Claas Tatje

Die angeblich saubere und umweltfreundliche E-Mobilität ist ein Märchen. Ein 625 PS E-Porsche ist und bleibt ein Klimakiller und dient lediglich dazu die CO2 Bilanz zu schönen. Sicher wären kleine E-Autos im Stadt- und Kurzstreckenverkehr eine optimale Ergänzung zu sauberen Benzinern und Diesel. Je größer und schwerer Batterien und Fahrzeug aber werden, umso miserabler wird deren Ökobilanz. Leider werden die extremen Umweltschäden, die diese E-Autos verursachen, noch bevor sie einen Meter gefahren sind, nirgends berücksichtigt. Für diese angeblich saubere E-Mobilität fressen sich die Minen internationaler Konzerne in die Regenwälder. Sie vernichten die Artenvielfalt, verseuchen die Umwelt, verbrauchen irrsinnige Mengen an Trinkwasser, verursachen Elend und schwerste Menschenrechtsverletzungen nur um die Abgasgesetze der EU einzuhalten, die es wieder einmal nicht geschaft hat, bei der Gesetzgebung über den Tellerrand zu schauen. Nur weil der Abbau der Rohstoffe weit weg ist, heißt das noch lange nicht, daß uns das nicht irgendwann, wenn es hoffentlich nicht zu spät ist, auf die Füße fällt. Die Autohersteller schieben den schwarzen Peter den Batteriezuliefern zu und lehen jede Verantwortung für diesen Irrsinn ab. Die Entsorgungs- bzw. Recyclingfrage ist nach wie vor ungeklärt und der deutsche Strommix führt diese E-Mobilität endgültig ad absurbum. Weshalb deshalb nicht nur fast alle Autohersteller und Parteien, die DUH und das Wirtschaftsministerium sich für diesen Irrweg, der nur in eine Sackgasse führen kann, so stark machen und die gesamte Presse dies so unkritisch begleitet, ist für mich weltfremd und absolut unverständlich. – Valentin Marchner


 

Leserbrief zu „Wie sprecht ihr über mich?“ von Martin Spiewak

In über 40 Jahren meiner Tätigkeit als Lehrerin und Schulleiterin einer großen Grundschule habe ich sehr viele Eltern kennengelernt, interessierte, einsatzfreudige, solche, die meine Arbeit schätzen konnten, aber auch sehr kritische und ebenso äußerst zurückhaltende Mütter und Väter. Eine produktive harmonische Elternarbeit fällt nicht vom Himmel. Beide Seiten müssen sich stets bemühen, aufeinander zuzugehen, sich zu informieren, Bedürfnisse und Wünsche zu äußern und versuchen, auch auf Meinungsverschiedenheiten gelassen zu reagieren und Konflikte friedlich zu lösen, nicht nur zum Wohle der Schüler. Hat der Lehrer ein gutes Verhältnis zu den Eltern, fällt es ihm leichter, zu unterrichten und zu erziehen, mit Herausforderungen besser fertig zu werden. Eltern, die zum Klagen und „Meckern“ neigen, erschweren den Alltag des Lehrers, umgekehrt spornt es den Lehrer an, wenn sein Einsatz geschätzt und gelobt wird. Daher hat es zusätzlich einen positiven Effekt, wenn ein großer Teil der Mütter und Väter mit der Schule ihres Kindes zufrieden ist und sie weiterempfehlen würde. Es kommt also nicht nur auf die Lehrer, sondern nicht zuletzt auch auf die Eltern an, ob Schule gelingt und Schüler mit Freude bei der Sache sind. – Gabriele Gottbrath


 

Leserbriefe zu „Über seine Ost-Identität und eine wirksame Strategie gegen rassistische Pöbeleien“  von Harald Martenstein im ZEIT Magazin

Ich finde, das ist Ihre beste Kolumne seit langem, aber nicht nur das, sie ist erste Sahne. Vom ersten bis zum letzten Wort großartig. Und was mich so freut – Schriftstücke dieser Art dienen der Würde von Menschen. Und zwar aller Menschen. Im Augenblick finden nur sehr wenige Autorne so klare, pointierte Worte dafür. Danke! – Sibylle Riffel


 

Leserbriefe zu „Die innere Freiheit“ von Claire Beermann im ZEIT Magazin

Fr. Apfel verkleidet sich gerne und feiert das ganze Jahr Karneval. Sei ihr gegönnt, wenn´s Spaß macht. Aber eine Stilikone ist sie sicher nicht. Für wen soll sie denn stilbildend sein, Vogelscheuchen? So möchte doch niemand aussehen. – K. Schobig


 

Leserbriefe zu „Bosch lässt Babys elektrisch fahren“ von DHL

Die „digitale“ Zeit bringt viel digitalen Unfug auf den Markt, wie diesen „eStroller“, demnächst. Der E-Kinderwagen-Lenker steht wahrscheinlich auf einem E-Wagen-Stehbrettchen und gibt E-Vollgas. Wäre das nicht auch eine Superidee für die Rollatoren-Benutzer, als „E-Lator“, nicht nur eieignet für „Rock`n Roll(ator)-Fans“,  durch die Gegend brausend! – Klaus P. Jaworek


 

Leserbriefe zu „Nimm zwei!“  von Lutz Meyer

Und sie schrumpfen weiter, da waren es nur noch 15. 15 kleine „SPD´ler“ wollen SPD-Boss werden, und sie rennen dafür durch die deutschen Landen. Sie werden weiter schrumpfen, die kleinen „SPD´ler“! – Klaus P. Jaworek


 

Leserbriefe zu „Wenn die Roboter kommen“ von Sascha Lobo

Wenn die Roboter kommen, dann laufen wir davon, aber Vorsicht, sie könnten uns verfolgen. Die künstliche Intelligenz könnte auch Macht über uns Menschen gewinnen wollen! Und der Mensch macht einfach weiter, und lässt sich zu guter Letzt überrollen! – Riggi Schwarz


 

Leserbrief zu „Auf in den Nahkampf“ von Giovanni di Lorenzo und zu „Wie weh darf es tun?“ von Robert Pausch

Wie sind die Geschäftsordnungen der beiden Parlamente ?   Die AfD, als jeweils  zweitstärkste Fraktion, hat  Anspruch auf eine/n Vizepräsidenten*in im Landtagspräsidium.   Die Kandidaten*innen müssen sich dem ganzen Parlament zur Wahl stellen ? Und wenn die demokratischen Parteien, wie im Bundestag, denen die Zustimmung verweigern. Gibt es dann  5 Jahre lang neue ergebnislose Wahlgänge ? Denn es gibt für die AfD dann weder eine absolute noch  eine einfache Mehrheit. – Hartmut Wagener


 

Leserbriefe zu „Ist die Linke am Ende?“  von Peter Dausend

Wer um die anhaltende Schwäche der SPD und die zunehmende „Bürgerlichkeit“ der Grünen weiß, weiß auch, dass Deutschland eine Partei braucht, die verlässlich für die sozial Schwächeren in unserer Gesellschaft eintritt. Die Linke-Fraktionschef Dietmar Bartsch ist nach meiner Überzeugung einer der fähigsten und glaubwürdigsten Politiker, die wir in Deutschland links der Mitte haben. Er wäre somit prädestiniert, in einer rot-rot-grünen Regierungskoalition oder gar rot-roten Parteiunion eine tragende Rolle zu übernehmen. So oder so, klar ist, dass sich die Linke wieder viel deutlicher auf ihre Hauptklientel besinnen und konsequent ihre Hausaufgaben machen muss. Denn die realen Gerechtigkeitsfragen in Deutschland sind mitnichten hinreichend beantwortet. Und dass es mit der Sozialpolitik der neuen Kümmerer-Partei AfD bislang nicht weit her ist, könnte dem einen oder anderen Wechsel- und Protestwähler durchaus noch gewahr werden. – Ira Bartsch


 

Leserbriefe zu „Warum sich die ZEIT verändert“ von der Chefredaktion

DIE ZEIT möchte gemäß Heraklits Erkenntnis „Panta rhei“ mit der Zeit gehen, sich ändern und hat mit der Ausgabe Nr. 37 dazu vollendete Tatsachen geschaffen. Die Überraschung ist zumindest gelungen. Auf der Titelseite wird dieser Wandel auch begründet, und es werden die verschiedenen Veränderungen erklärt, leider nicht alle. So ist zu fragen, ob etwa der „Zeitgeist“ auf Dauer kein Thema mehr sein wird? Und muß die Leserschaft der „ZEIT im Osten“ etwa künftig auf die „Leserbriefe“ verzichten, wie in der aktuellen Ausgabe schon praktiziert? Hätte nicht überhaupt die „ZEIT im Osten“ in jetziger Form im Zuge der Veränderungen eingestellt werden sollen? Die Leserschaft der „neuen Bundesländer“ wird nämlich damit den Ausländern Schweiz und Österreich gleichgestellt, was wohl kaum das Zusammenwachsen fördern dürfte und auch nicht mehr der inzwischen veränderten Wirklichkeit entspricht. Weiterhin hinzunehmen wäre das nur, wenn analoge Ausgaben der „ZEIT im Norden, Westen und Süden“ neu dazukämen. – Hans Anhoeck