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Rabatz mit Kapaunen

 

Neulich war doch Rabatz mit den Kapaunen, die im Slow-Food Heft besungen wurden.
Zuerst einmal: Das Periodikum der Slow-Foodler ist wirklich ganz große klasse. In der aktuellen Ausgabe dreht sich alles ums Geflügel. An den Kapaunen haben sich nun die Tierschützer dran gerieben.

Zweitens bin ich kein Vegetarier, eher bekennender Hausmetzger, aber Kapaune kommen mir nicht mehr ins Haus. Der Grund ist folgender: Jahrelang hatte ich Kapaune von einem speziellen Züchter. Der Mann war eine ehrliche Haut und hat’s mir eines Tages gebeichtet. Ich wollte unbedingt wissen wie die Viecher kastriert werden. Der Züchter sagte mir: „Gar nicht. Die kriegen ein bestimmtes Futter.“
Das war’s, mehr sagte er nicht. Ich nehme mal an, in dem Futter sind Hormone, und so wurden die Tiere völlig ohne Quälerei zu Eunuchen. „Not my party, folks!“

Mein Vater war ja Tierarzt, vom alten Schlag, wie man so nett sagt: „Vincent, Hormone sind prima, du musst nur die richtigen erwischen, bei dir würde ich sagen, Testosterone sind okay, aber mit Östrogenen kriegst nen Busen!“ Damals hatte ich mich schon Poularden abgewendet.

Ich finde, die Zeiten sollten vorbei sein. In Italien mögen die Züchter noch wirklich kastrieren. Ich selbst habe noch nie den berühmten Schnitt gesehen. Ich finde, bei diesem Geflügel handelt es sich um ein altes Kulturgut. Wer das fortführen will, der soll das tun. Wer etwas dagegen hat, sollte jedoch nicht andere missionieren. Wir Menschen sind Raubtiere. Wenn man konsequent wäre, dann dürfte man Schädlinge wie beispielsweise Blattläuse nicht Schädlinge nennen. Schädlinge sind sie ja nur, weil sie den Salat genau so mögen wie wir.

Ich weiß, ein Koch versündigt sich an Tieren, aber ich kann damit leben. Das ganze Gutmenschengerede bleibt mir außen vor. Es führt zu nichts. Tierschutz und artgerechte Tierhaltung sind wirklich mein Anliegen, aber Tierschutzfundamentalismus ist mir auch sehr verdächtig. Übrigens, es wird für Tierschutz dreimal soviel gespendet wie für notleidende Kinder. Wir leben auf höchster Höhe einer Hochkultur, die gerade ins Perverse zu kippen droht.

3 Kommentare

  1.   Fritzcarl

    Sehr geehrter Herr Klink,
    Sie haben – mal wieder – den Nagel auf den Kopf getroffen. Sie hätten, um Resonanz zu bekommen, über Maggi schreiben sollen.
    Nach Ihrem Hinweis werde ich Kapaunen nicht mehr in den Bräter lassen. Eigentlich schade.
    Wenn ich nicht aufpasste ist das Huhn/der Hahn noch ein paar mal um den Hackblock gelaufen. Erzähl’n Sie’s bloß nicht weiter. Fleisch kommt aus der Kühltruhe.
    Ich koche immer noch gerne, jeden Tag für mich alleine und frisch. Ich bin’s mir wert. Damit es schmeckt größere Portionen, die „Überzähligen“ werden eingefroren. Tiere schützen hat einen Vorteil, sie widersprechen nicht. Kinder könnten evtl. artikulieren was sie wollen und ihnen wirklich weiter hilft.
    Wenn Hartz IV aufgestockt wird, komme ich zu Ihnen essen.
    Herzliche Grüße nach Stuttgart


  2. […] Freitag 10.04.2009 Allgemein  Aufreger Rabatz mit Kapaunen II Von Vincent Klink | 09:07 Am 1. April hatte ich in meiner harmoniesüchtigen Art die Italiener in Schutz genommen, die sich fÃ… Nach wie vor ist es mir nicht sehr wohl, dass wir Deutschen uns als typische deutsche Schulmeistern […]

  3.   Lotsa Green

    Ah nana…

    Menschen und Raubtiere? Dau fehlen nicht nur Zähne und Klauen sondern auch das Enzymsystem des Körpers.

    Raubtiere haben 10 mal mehr Salzsäure im Magen, dazu eben ein Scherengebiss und keines zum kauen samt Backentaschen.
    Dazu ist auch der Speichel anders zusammengesetzt, eben wie der eines vorwiegend herbivoren-pflanzenfressenden Tieres das sich selten man was tierisches gönnt.

    Gut dazu muss man sich in Biologie und mit den Enzymen etwas auskennen…wäre der Mensch wirklich ein Raubtier oder hätte sich vom Affen zu einem entwickelt müsste er zumindest das selbe Enzymsystem haben..oder die Inuit/Eskimos die sich ja jahrtausendelang nur von rohem Fleisch ernährt haben…ist aber nicht geschehen.

    Man sollt es halt so halten wie unsere Vettern die den gleichen Verdauungstrakt und Enzymsystem haben wie wir…5-10% tierische Kost.

    Da wir weniger faserreiche Kost essen hat sich unser Blinddarm und generell der Darm auf leichtere Kost eingestellt…da schon, aber hin zum Raubtier haben wir es immer noch nicht gebracht.

    Auch werden etwa 25 Millionen Schweine in Deutschland jedes Jahr ohne Schmerzmittel kastriert, der Schwanz abgehackt und die Zähne abgezwickt…sollte man es bei einem Hund versuchen schreien alle Zeter und Mordio aber bei so einem Ferkel ist das eben normal…auch nicht netter als wie bei dem Hahn…Verzeihung, Kapaun.

    Das den Kühen die Hörner ausgbrannt werden mit der Anweisung zu warten bis das Brenneisen quietschende Geräusche macht weil es dann auf dem Schädelknochen reibt und damit kein Horn mehr wachsen kann, ist auch mackaber, grausam…Tierquälerei.

    Aber wundert sich wer über das hornlose Hornvieh?

    Kapaune kriegt man auch ohne Kastration fett und normalerweise sind die Schweine mit 6 Monaten noch zu kindlich um den fruchtbar, erwachsenen Ebergeruch zu entwickeln.

    In den Niederlanden spart man sich darum die grausame Prozedur, nur bis hier ist das noch nicht durchgedrungen.

 

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