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Ferrari oder Trabbi?

 

Wie erkläre ich es meinen jungen Köchinnen und Köchen?

1 Akt:
Wir wollen eine Sauce Beurre Blanc bereiten. Diese Soße besteht aus 90 Prozent Butter und 10 Prozent Fond und Noilly Prat. Die Soße ist schwer, aber hocharomatisch, und wegen der deutschen Essgewohnheiten gehört sie für Normalesser hierzulande verboten.

2. Akt:
Die Soße dient zur Abrundung des Aromas und als Gleitmittel, dass der Fisch angenehm über die Gurgel flutscht. Die Soße zu Omas Geburtstag oder zum Kindergeburtstag oder à ancien, als der Papa das Fleisch kaute und die Kinder mit Spätzle und Soße fertiggemacht wurden – diese Art des Soßenhypes hat nichts mit der großen Küche zu tun, sondern eher mit Deliriumsaktivitäten.

Deshalb: Wir reichen davon einen Esslöffel, mehr gibt es nicht. Nochmal: diese Soße ist ein Aromahammer, schwer und deshalb knapp bemessen. Damit sich Köchlein und Köchinnen das gut merken können, serviere ich ein Beispiel: Was ist schöner, 5 Minuten Ferrarifahren oder 4000 km mit einem alten Trabbi herumzugurken?

3. Akt
So geht’s am Beispiel einer Hähnchenbrust:
Für zwei Personen kommt ein Esslöffel sehr gut reduzierter Hühnerfond mit einer Messerspitze sehr fein gehackter Schalotte in ein kleines Töpfchen. Wenn alles fast anbrennt, einen Esslöffel Noilly Prat dazu geben. Nun nach und nach, bei größtem Feuer, Butter mit dem Schneebesen unterschlagen bis der Fond sämig bis dicklich ist. Wenn es so nicht klappt oder wenn wir gerade eine faule Phase haben, dann nehmen wird den Mixstab. Nicht wundern, man braucht viel Butter. Ich nehme ausschließlich bretonische Butter. Würzen nach Belieben. Es können natürlich auch noch Kräuter rein, grad wie es gefällt.

Mit der Beurre Blanc die gebratene Hähnchenbrust überziehen. Nudeln, die man evtl. dazu reicht, müssen so gut sein, dass man sie ohne Soße runterkriegt. Übrigens, wie alles, was der Arzt verbietet, schmeckt die Soße, naturellement, saugut. Ich habe auch schon mehrere Löffel davon gekostet und lebe immer noch.

5 Kommentare

  1.   Peter

    Was ist schöner, 5 Minuten Ferrarifahren oder 4000 km mit einem alten Trabbi herumzugurken?
    Das ist das alte Äpfel-Birnen -Problem und kommt darauf an, würde ich sagen 😉
    4000 km mit dem Trabbi in aller Seelenruhe kreuz und quer durch die Welt ist vielleicht sogar deutlich schöner als 5 Minuten Ferrari (für Ungeübte auch nur Stress) auf dem Nürburgring.

  2.   alivenkickn

    Ferrari oder Trabi? Weder noch. 1 Löffel dieser köstlichen Soße berührt alle Sinne und löst Geschmacks – Explosionen aus.

    N Ferrari ablecken würde das nicht auslösen, schätze ich mal . . . 🙂

  3.   Beckenhauer

    Hehehe. Beurre Blanc ist der Knaller.
    Deshalb würde ich einen oder mehrere Liter dieser Sauce in den Ferrari kippen und denn mehrere tausend Kilometer damit fahren wollen. So sieht’s aus. – Und ich auch 😉

    Gruß vom Beckenhauer

  4.   Bruddler

    Fürchterlich! Man muss doch nicht gleich von einem Extrem ins andere fallen! Oder zeichnet dies den deutschen Nationalcharakter aus?
    Ich, für meinen Teil, schlabbere doch lieber „Beurre blanc“ als so ein doofes Auto!

  5.   Hannes

    Diese wundervolle Sauce bereitete ich vor kurzem ähnlich zu, allerdings zu Fisch. Es hat wirklich sehr gut geschmeckt! Was natürlich bei uns fehlt ist diese Klasse bretonische Butter.

 

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