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Warum ich es Gersotto nenne

 
Steinpilzgersotto
Steinpilzgersotto

Der Winter naht. Jetzt wird es Zeit für Steinpilzgersotto mit Tomatenpesto und Via Aurelia.
Umami pur – ganz breite Spur.

Doch erst zum Namen: Wir kochen eine Zubereitung aus Gerste, in unseren Breiten vor vielen vielen Jahren eines der Hauptnahrungsmittel. Würde ich auf die Speisekarte schreiben: Gerstenbrei mit so und so, dann klingt es nicht wirklich sexy – und die Gäste bestellen es zumindest nicht freiwillig. Also überlegte ich mir Folgendes: Gerste zubereitet wie Risotto=Gersotto. Seitdem läuft es wie geschmiert.

Nun zum Thema Umami. Neben den Geschmacksrichtungen süß, sauer, salzig, bitter nimmt Umami als fünftes Mitglied im Geschmackskreis eine Sonderstellung ein. Das Wort kommt aus dem Japanischen und bedeutet „Wohlgeschmack“, fleischig, herzhaft. Die Wirkung kommt von der Glutaminsäure, Glutamat.
Böse, böse…Nachtigall, ich hör dir trapsen! Man muss jedoch wissen, dass das natürliche Vorkommen der Glutaminsäure in einigen Lebensmitteln besonders konzentriert ist.
Hier die Geheimwaffen des Wohlgeschmacks: Getrocknete vollreife Tomaten, getrocknete Steinpilze, gereifte Hartkäse und Sojasoße. In Kombination mit Kohlehydraten und nicht zuviel Fett (Butter oder Olivenöl) ein garantiert wirksamer Seelenschmeichler für die langen Winternächte.

Hier mein Rezept:
Steinpilzgersotto
100g  Gerste, ganz in 250 ml Wasser 3 Stunden eingeweicht
30g    getrockenete Steinpilze in 100 ml Wasser eingeweicht
1 Esslöffel Butter
2 Schalotten, fein gewürfelt
1 Esslöffel Schnittlauch
1 Esslöffel Trockentomatenstreifen
50g  geriebener Parmesan oder Via Aurelia
50g  geschlagene Sahne
0,5 Liter Geflügelbouillon
1 Teelöffel Steinpilzmehl
1 Teelöffel Sojasoße

Meersalz, Pfeffer aus der Mühle, geriebener Muskat, gemahlener Koriander

Zubereitung:
Schalotten in Butter andünsten. Eingeweichte Gerste ohne Einweichwasser hinzufügen. Steinpilze grob schneiden, hinzufügen, das Einweichwasser durch einen Kaffeefilter sieben und ebenfalls hinzugeben. Geflügelbrühe nach und nach beigeben. Unter stetigem Rühren langsam weichkochen, wie Risotto. Mit Steinpilzmehl, Sojasoße, geriebenem Hartkäse, Kräutern, Trockentomaten und Sahne herzhaft abschmecken und vollenden.

6 Kommentare


  1. Eine schöne Sache. Aber warum nicht Orzotto nennen, so wie es in Norditalien gang und gebe ist? Schliesslich ist der Risotto ja auch ein Italiener 😉

  2.   Hannes

    Wie Pastinake schrieb, ich nenne es auch Orzotto. Koche ich immer wieder gerne, Gerste ist für mich etwas wunderbares. Ihr Rezept klingt sehr gut, schön das die Gerste an Ihre Gäste kommen! Ob Gersotto oder Orzotto, es schmeckt GENIAL!


  3. Bei allem Respekt vor feiner und tradierter Küche, ich kann mich mit Risotto nicht anfreunden. Spätestens mit dem dritten Löffel wird es mir langweilig. Und ich habe es immer wieder bestellt, weil ich dachte, dass ich noch nicht das richtige bekommen hatte. Eine Zeitlang habe ich sogar selbst mit Parmesan, Steinpilzen etc. herum experimentiert. Leider ohne echte Verzückung bei mir und den Essern zu erreichen. Die Konsistenz ist und bleibt unbefriedigend, und die Aromen passen mindestens genauso gut zu anderen Speisen. Ob es beim Gersotto anders ist… ??

  4.   Dieter B.

    @ Innenstadt
    Das geht mit genauso, oft probiert, aber das Ergebnis – ob selbst gekocht oder im Restaurant- ist nicht überragend, OK es schmeckt aber erreicht nicht das, was andere durch ihre „Hochloberei“ erwarten lassen. Zum Glück ist das Nahrungsspektrum annähernd unendlich groß und so bekomme ich trotzdem genug Genusserlebnisse.

  5.   Soeren

    Stimmt. Manchmal wird in Dinge irgendetwas hineininterpretiert.
    Risotto – Nasser Reis bleibt einfach nur nasser Reis, egal was man druntermischt. Uns hat Risotto auch noch nie vom Stuhl gerissen. Man darf es nur nicht laut sagen, weil man sonst ganz schnell in der Ecke der kulinarischen Ignoranten steht.

  6.   Josquin

    Ich habe als Kind Gerstensuppe geliebt (weil es sie so selten gab), und habe Gerste dann erst wieder im Urlaub in Friaul entdeckt (Minestrone di Orzo e Fagioli).
    Egal, wie man es nennt, Gerste passt zu einigen Gerichten ganz wunderbar. Ich freue mich über die Wiederentdeckung.

 

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