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Bäuerliche Lebensformen, karge Steinriegel und Grünkernsuppe

 
Steinriegellandschaft zwischen Weikersheim und Elpersheim, Taubertal
Steinriegellandschaft zwischen Weikersheim und Elpersheim, Taubertal

Bäuerliche Lebensformen sterben mit alten Leuten“ heißt ein Buch des Hohenloher Fotografen Roland Bauer aus dem Jahre 1980.
Er illustriert das einfache Hohenloher Landleben der Geschwister Käthe und Gottfried Wendel.
Ein Bildkommentar zum Thema Essen:
„Ein Höhepunkt des Tages: das Essen. Keine Hetze. Zuerst das Tischgebet, dann Stille, kein Sich-Stürzen zur Suppenschüssel. Ein Lichtblick stellte jeden Tag der über alles geliebte Hefekranz dar, dazu Milchkaffee. Nahm das Gebäck an Alter und Härte zu, wurde es einfach eingetunkt. Wenn ein Stück abbrach, schmeckte das ganze noch besser. Es ließ sich auslöffeln.“ 

Auch die für Kocher, Jagst und Tauber typischen Steinriegel werden erwähnt:
„Auf den Steinriegeln wuchsen Haselnußsträucher, Obstbäume, Schlehenbüsche, Heckenrosen, sogar wilder Hopfen, den die Kinder einst sammelten und einer Brauerei ablieferten, für ein paar Pfennige. Alles, was aus den Steinriegeln herauswuchs, bereicherte die kleine Wirtschaft. Und zuletzt gab es das notwendige Holz für den Hausbrand: für Küche und Stube.“

Als stolzer Steinriegelbesitzer (unser Weinberg Tauberhase) kann ich das alles nachvollziehen. Momentan entwickele ich Rezepte für eine Art „Steinriegelküche“.

Bäuerliche Lebensformen ist kein klassisches „Coffee Table Book“ mit gewollter Idylle und Ästhetik, sondern Aufnahmen einer bäuerlichen Umwelt vor 30 Jahren, unmittelbar und echt.

Dazu ganz passend und aktuell die Ausstellung Landleben gestern im Deutschordensmuseum Bad Mergentheim, die dort noch bis 13. März 2011 zu bewundern ist.

Ein kleines Rezept zum Abschluss:
 Grünkernsuppe (Rezept für 4 Personen)

Zutaten

 

1 l                     Geflügel- oder Fleischbrühe

je 100 g           feine Würfel (Brunoise) von

                         Sellerie, Lauch, Karotten und Zwiebeln

100 g              Grünkernschrot „mittelfein“

30 g                 frisch gehackte Gartenkräuter

                        (Petersilie, Dill, Estragon, Pimpernelle, etc.)

20 g                Schnittlauch

40 g                Sonnenblumenöl

80 g                Graubrot ohne Rinde in Würfel von 1cm x 1cm

                        Salz, Pfeffer, Muskat, und gemahlener Kümmel 

50 g                geschlagene Sahne (eventuell)

 

 

Zubereitung

 

In 20 g Sonnenblumenöl die Gemüsewürfel anschwitzen, Grünkernschrot hinzufügen und unter ständigem Rühren kurz mitrösten. Mit Brühe ablöschen und unter ständigem Rühren zum Kochen bringen. Ca. 40 Minuten langsam köcheln damit der Grünkern ausquillt. Mit den Gewürzen herzhaft abschmecken, Kräuter hinzufügen und eventuell mit geschlagener Sahne verfeinern.

Die Graubrotwürfel in Sonnenblumenöl rösten und separat dazu reichen.

 

Die Suppe wird seit 1980 (zufällig der Entstehungszeitraum des Buches) ununterbrochen in unserem Hause serviert.

Fast wie im richtigen Leben: Manche Dinge ändern sich ständig, manche nie.

6 Kommentare


  1. Das ist aber ein schöner Kontrapunkt zu Meister Mittermeiers „Küche 2.0“ …


  2. Och nö, früher war alles besser, bitte nicht.
    Ich möchte keine Achtziger-Jahre-Küche zurück, die jetzige ist aufregend genug. Landleben hin oder her. Her mit Mittermeiers Küche 2.0! Alte Tierrassen und Pflanzen erhalten und neu und aufregend kombinieren und interpretieren, das macht mir Spaß.
    Aber Bauernidylle aus der Zeit von vor dreißig Jahren muss nicht sein.


  3. Es gibt zwei Arten von Narren: Die einen sagen: „Das war schon immer so, und deshalb ist es gut!“ Und die anderen sagen: „Das ist neu, und deshalb ist es besser.“

  4.   Stefan

    Rene, Danke!


  5. Schönes Rezept für ein Grünkernsüpple, unsere
    Oma seelig hat des Süpple ähnlich zubereitet.
    Leider gibt es in der Grünkern-Hochburg
    „Badisch Sibirien“ kaum noch Bauern, welche
    den Grünkern über dem offenen Holzfeuer
    darren…(ausser in Schwabhausen, so ich nicht
    irre, siehe Youtube-Video).
    Gruss aus dem Jagsttal
    Burlhard Junghanß


  6. Lieber Herr Junghanß, Grünkern lebt! Zum Glück. Hier geht’s zur Website der Vereinigung fränkischer Grünkern-Erzeuger Boxberg. e.V.:
    http://www.fraenkischer-gruenkern.de

 

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