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Handfang vs. Highgrading

 
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Der Fischereihafen von Tarrafal de Monte Trigo

Als Koch im Urlaub schaue ich mich gerne um, wie die Nahrung vor Ort gewonnen und zubereitet wird: Auf den Kapverden lebt man vom Meer und damit. Wenn es Fisch gibt, gibt es Fisch von ganz kleinen Booten. In Tarrafal de Monte Trigo, sozusagen „am Ende der Welt“ betreiben Susi und Frank das Gasthaus Mar Tranquilidade. Die dreistündige Fahrt dorthin auf Schotterpisten übers Gebirge wirken als Filter, diejenigen davon abzuhalten, die allzuviel erwarten.  Was Sie finden und was Sie vorallem nicht finden, steht hier

Strom gibt’s manchmal von 11 bis 13 und 19 bis 20 Uhr. Susi und Frank beschäftigen für ihr kleines nachhaltiges Konzept auch mehrere Fischer, bei denen man auch mitfahren kann, was ich natürlich gemacht habe. Mit den „Nussschalen“ geht es oft mehrfach täglich aufs offene Meer und es wird auf sehr altmodische und somit schonende Art gefischt, was ihnen das Meer so gibt.

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Der Vormittags-Fang von „meinem Boot“

Das war der romantische Teil, jetzt kommt der Aufreger: „Highgrading“
Ein weiteres unrühmliches Kapitel der Fischerei: Nach diversen Schleppnetzfangmethoden, Dredge, illegaler Fang, Missachten von Schonzeiten und Fangquoten, nun dieser weitere Raubbau am Meer.

Erklärung High grading
„Quoten werden in der Regel nach Fischarten getrennt in Tonnen angegeben. Der tatsächliche Fang besteht jedoch aus Fischen verschiedener Altersklassen, verschiedener Qualität und damit unterschiedlichen Werts. Das verleitet Fischer häufig zum High-Grading. Darunter versteht man den Rückwurf minderwertiger Fänge in das Meer, um die Quote mit hochwertigen Fischen zu füllen. Diese Praxis reduziert die Bestände, ohne dem Verbraucher einen Nutzen zu bringen. In manchen Fischereien beträgt der Anteil der Rückwürfe 40 Prozent der Fänge und mehr. Dieser sogenannte Beifang wird wie Abfall ins Meer geworfen.“ (Zitat siehe Link, ganz nach unten scrollen)

Falls Sie die ZDF-Sendung am 19. März nicht gesehen haben, hier noch mal zum Nachlesen.

Für mich ist diese Vergeudung eine klare “ Sauerei“.

Frisch gefangene und dadurch getötete Fische wie Abfall zurück ins Meer schmeißen? Ein kapverdischer Fischer würde so etwas niemals tun!

4 Kommentare

  1.   Daniel080778

    Also da stellt sich mir doch die Frage, wo sie die letzten Jahre verbracht haben.

    Ich lese diese Blog gerne, doch in diesem Fall bleib ich erstaunt zurück. Dass minderwertiger Beifang über Bord geht, ist seit Jahren (Jahrzehnten?) bekannt. Sich da jetzt darüber aufzuregen kommt – vor allem für jemanden der sich professionell mit Nahrungsmitteln beschäftigt – doch reichlich spät.

    Ich hoffe einfach mal darauf, dass sie schon immer mit exzellenter Ware vom Fischer ihres Vertrauens beliefert wurden und diese „Empörung“ nur einer gepflegten Naivität entspringt.

  2.   Jürgen Koch

    Sehr geehrter Herr Daniel,
    es besteht zwischen dem Highgrading und dem minderwertigen Beifang ein großer Unterschied. Denn beim Highgrading werden minderwertige Fänge in das Meer zurückgeworfen, um die Quote mit hochwertigen Fischen zu füllen. (Fangquoten geben die Menge an Tonnen an, es werden allerdings Fische verschiedenster Qualität gefangen, es werden dann beim HIghgrading die besten herausgesucht und alles weitere zurück ins Meer geworfen, nur weil man auf Profit aus ist).
    Der Beifang dagegen ist kein ursprüngliches Fangziel, sondern ein Übel der verschiedensten Fangmethoden, wie z.B. Delphine beim Thunfischfang, die dann zurück ins Meer geworfen werden.
    Ich bitte Sie, Ihren Kommentar noch mal zu überdenken, da Ihnen vielleicht der Unterschied noch nicht klar war.
    In meiner Verantwortung als Koch und Restaurantbesitzer verarbeiten wir seit über 15 Jahren u.a. keine Babyfische mehr (Fische, die noch nicht abgelaicht haben) und nur noch sehr, sehr selten Thunfisch. Bei meinem sehr versierten Fischhändler erkundige ich mich immer ziemlich genau, wo und wie die Fischlein zu uns kommen.
    Bei der Fahrt mit den kapverdischen Fischern kreuzten übrigens Delphine unseren Weg, dabei kam mir die einfache Idee, den ZDF-Beitrag nochmals zu thematisieren …
    Grüßle von der beifangfreien Tauber
    Jürgen Koch

  3.   Timeisout

    Es bringt, wie so oft, wenig, in einer entfremdeten Welt auf ein Detail zu schimpfen.
    ALLE Beteiligten haben ihren Anteil an den Unsitten der heutigen Lebensmittelmassenversorgung, die einen durch Angebot, die anderen durch Nachfrage.
    Wer nur Hahnchenbrustfiletstreifen zum Salat reicht, der darf über Geflügelkleinexporte nach Afrika nicht meckern.
    Wer nur Seelachs-Fischfilet isst, darf zum highgrading schweigen.
    Aber wir können ja prima irgendein MSC-Siegel draufpappen oder in eine teure Nische ausweichen, dann hat die Seele wieder Ruh … die Fehler rechnen wir dann den Anderen zu und ändern tut sich nichts.

    PS: Herr Koch, was ist „minderwertiger“ Beifang (Gibt es den überhaupt oder ist schon diese Bezeichnung schon recht seltsam?) denn anderes als das was bei high grading (evtl. etwas „exzessiver“) genauso als Müll gesehen und weggeworfen wird?
    Da ist kein naturrelevanter Unterschied und ja, wir wissen es alle seit Jahren. Doch selbst der, der Exotenfische kaufen würde, hat im Handel schlechte Karten. Nichts, was gefischt wurde, dürfte weggeworfen werden, als letzter Ausweg wär es immer noch gut für fish-nugget. Aber so ein System wäre ja nicht so hübsch billig wie es gewollt ist.

  4.   Daniel080778

    Sehr geehrter Herr Koch

    Dass Fische weggeworfen werden, um mehr Geld mit profitableren Fischen zu verdienen ist (mir) schon sehr viel länger bekannt. Von Beifang ist meines Erachtens eben nicht nur die Rede, wenn nichtgewünschte Fische ins Netz gehen (ihre Defintion von „gutem Beifang“?-> siehe Kommentar von timeisout), sondern eben auch wenn die Fischer „Platz machen“, um bessere Fische zu bunkern. Dass das jetzt „Highgrading“ heisst, ist das einzig (mir) Neue daran.

    mit freundlichen Grüssen

 

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