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Die CSU braucht Islamnachhilfe. Dringend.

 

Wie man an einem einzigen Social-Media-Posting sehen kann, dass die CSU gar keine vernünftige Debatte über den Islam führen möchte

Von Yassin Musharbash

Zuerst dachte ich: Ist das vielleicht ein Satire-Account? Aber es ist wirklich die CSU, von der das Posting kommt. Zumindest jemand, den die CSU dafür bezahlt, die Partei in den sozialen Netzwerken zu präsentieren.

Das Posting, um das es geht, ist ignorant und ärgerlich. Auch wenn die CSU es vermutlich für witzig und pointiert hält.

Das Posting erschien auf der Facebook-Seite der Partei und in ihrem Twitter-Account und sieht folgendermaßen aus: 

 

Das Bild der Frau in der Burka wird also genutzt, um ein Umfrageergebnis zu illustrieren, demzufolge 76 Prozent der Deutschen finden, „der Islam“ gehöre nicht zu Deutschland. Es ist natürlich immer schwierig, etwas Abstraktes wie „den Islam“ in einem einzigen Bild darzustellen. Man könnte das Foto einer Moschee nutzen. Das eines aufgeschlagenen Korans. Eines Minaretts. Vielleicht nicht superoriginell, aber wenigstens unproblematisch.

Eine Frau mit einer Burka auszuwählen, ist dagegen grotesk. Es gibt circa 4,5 Millionen Musliminnen und Muslime in Deutschland. Sehr, sehr hoch gegriffen, tragen möglicherweise einige wenige Hundert Musliminnen eine Burka. Die CSU illustriert also „den Islam“ mit dem Abbild einer Frau, die allerhöchstens jeden zehntausendsten Muslim repräsentiert.

Die CSU braucht Islamnachhilfe, wenn sie das nicht weiß. Dringend. Könnten also bitte ein paar Islamwissenschaftler oder noch besser: Muslime, in die Partei eintreten und dort segensreich wirken?

Alle Bayern sind Reichsbürger

Nur mal zum Vergleich: In Bayern gab es 2016 laut Verfassungsschutzbericht etwa 1.700 Reichsbürger. Der Anteil der Reichsbürger unter den bayerischen Bürgern ist damit interessanterweise ziemlich exakt so hoch wie der Anteil der Burkaträgerinnen unter den deutschen Muslimen: 0,014 Prozent.

Wie die CSU es wohl fände, wenn man einen Beitrag über Bayern mit Reichsbürgern illustrierte statt mit Bildern von Frauenkirche, Brezen oder Oktoberfest? Wenn man die Bayern also auf eine extreme Minderheit unter ihnen reduzierte. Denn genau das macht das CSU-Posting ja mit den Muslimen und der Burka: Der Islam = Frau mit Burka. Also: Bayern = Reichsbürger. Alles klar?

Wir müssen allerdings davon ausgehen, dass die CSU ihre Montage nicht aus Ahnungslosigkeit so gestaltet hat, sondern aus Absicht. Hier wird offensichtlich ein Transfer angestrebt: Alle finden Burkas inakzeptabel. Burkas stehen aber irgendwie für „den Islam“, das sagt uns die Bildsprache. Also ist es nur logisch, wenn 76 Prozent der Deutschen (und offenbar 100 Prozent der CSU) finden, „der Islam“ gehöre nicht zu Deutschland. Weil sonst … wäre man ja für die Burka!

Das ist natürlich nicht logisch. Aber darum geht es der CSU ja auch nicht. Sondern darum, jeder Differenzierung aktiv entgegenzuwirken.

Schließlich ist das ganze Posting in erster Linie gedacht als nachgetragene Rechtfertigung der Äußerung von Horst Seehofer, dem neuen CSU-Bundesinnenminister, „der Islam“ gehöre nicht zu Deutschland. Eine Debatte, die eigentlich schon pensioniert war. Und dann das … Deshalb sagt uns jetzt die CSU: Seehofer kann ja nicht falsch liegen, wenn so viele Menschen seine Meinung teilen!

Das Ganze weitet sich zu einer Kampagne aus: Am Dienstag legte CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt nach und erklärte: „Der Islam gehört egal in welcher Form nicht zu Deutschland“.

Noch mal zum Nachlesen: „Egal in welcher Form“!

Was auf diese Weise vollständig unter den Tisch fällt: Jede vernünftige Kritik an Burkas und extremistischen Varianten des Islam. Alles ist jetzt nämlich eins. Denn so wie man ein Rührei nicht mehr in Eiweiß und Eigelb scheiden kann, macht die CSU es mit solcher Agitation schwieriger, zwischen ganz normalen, vollständig harmlosen Muslimen auf der einen und Besorgnis erregenden Salafisten, Extremisten und Dschihadisten auf der anderen Seite zu unterscheiden.

Kein gutes Omen, wenn ein Bundesinnenminister einer Partei entstammt, die geradezu lustvoll und in seinem Namen eine der wichtigsten Trennlinien der deutschen Sicherheitspolitik verwischt.

 

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