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Edit: Gleiches Recht für alle Kinderpornobesitzer?

 

Puh, das ist ein schwieriger:

Ein schwer querschnittgelähmter Mann wurde in den USA soeben von einem Staatsanwalt vor einer langjährigen Freiheitsstrafe wegen Besitzes von Kinderpornografie bewahrt, weil er aufgrund seiner Behinderung „sozusagen bereits lebenslang im Gefängnis“ sei, wie der Staatsanwalt argumentiert.

Cory Silverberg regt sich darüber ordentlich auf. Und eigentlich zu Recht, nicht? Dürfte der Typ dann auch straffrei jemanden umbringen? Weil „eh schon lebenslang“?

Und jein: Er kann selbst keine Kinder belästigen. (Er kann maximal den linken Arm sehr eingeschränkt bewegen, wie die Buffalo News berichten.) Aber in vielen Missbrauchsfällen berühren die Missbraucher nicht, sondern lassen sich berühren. Und ein Kind mit der Mitleidsmasche dazu zu bringen, „ein bisschen nett zu dem Onkel“ zu sein, stelle ich mir jetzt auch nicht wirklich unmöglich vor.

Vor allem: Die wenigsten Konsumenten von Kinderpornografie missbrauchen selbst. Aber sie unterstützen einen Markt, der Kindesmissbrauch fördert und antreibt.

Und weil das grad überhaupt nix damit zu tun hat:
Ebenfalls in den USA entging ein 15jähriges Mädchen soeben gerade noch einer Gefängnisstrafe sowie der Registrierung als Sex-Offender, weil sie … Klassenkameraden Nacktfotos geschickt hat.

Von sich selbst.

Um einer härteren Strafe zu entgehen, ging man eine Art Vergleich ein, der vorschreibt, dass sie unter anderem nun kein Mobiltelefon mehr besitzen und nicht mehr unbeaufsichtigt im Internet surfen darf. (Von einer ähnlichen Auflage ist im obigen Fall nichts bekannt.)

Eine Strafe wegen galoppierender Dummheit wäre wohl noch angebrachter, aber was soll’s.

8 Kommentare

  1.   Pandora

    Ich finde, dass körperlich behinderte Menschen soweit irgendwie möglich die gleichen Rechte wie nicht behindert haben sollten. Aber: Damit sollten auch die gleichen Pflichten und somit die gleiche Behandlung vor dem Gesetz einher gehen.

    Ich habe kein Verständnis dafür, dass jemand wegen eines solch schweren Vergehens nicht bestraft wird, nur weil er im Rollstuhl sitzt. Das ist doch völlig absurd!

    Erinnert mich übrigens ein wenig an den Fall eines Häftlings in Kanada, der wegen seines starken Übergewichts vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen wurde: http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,590387,00.html

    Von dem Fall mit dem Mädchen und den Nacktfotos hab ich schon gehört. Einfach verrückt, das ganze. Aber solange es Gesetze gibt, zählt der gesunde Menschenverstand leider nichts.

  2.   Klemmschwester Lila

    @Pandora:
    Mit den existierenden Gesetzen hat solche Dummheit meist nichts zu tun (es gibt sicher kein Gesetz, dass explizit verbietet, per SMS Fotos von sich selber zu verschicken, etc.) sondern eher mit den Damen und Herren, die das Recht (im Namen des Volkes) „interpretieren“.

    Ich denke, dass im Falle des körperbehinderten Straftäters einfach eine sehr dämliche Ausrede gefunden wurde, den Mann nicht in Haft zu nehmen. Ich könnte mir vorstellen, dass der Herr das Recht auf eine behindertengerechte Zelle plus Pflegepersonal hätte und denke, dass dies mögllicherweise nicht einfach im Haftalltag zu bewerkstelligen ist (zumal es viel Geld kostet).
    Anders kann ich mir solch eine dämliche Urteilsbegründung nicht erklären.Noch viel weniger kann ich mir vorstellen, dass es im Namen des Volkes (der Vereinigten Staaten) – also in dessen Interesse gesprochen wurde.

  3.   Leo

    …ja, ohne weitere Details zu kennen, war mein erster Gedanke auch, dass sich der Staatsanwalt und das zuständige Gefägnis, den Ärger mit dem Typen ersparen wollte.
    Wenn dann vor Ort nicht alles Behindertengrecht organisiert ist, oder gar Ihm deswegen mal was passiert, naja, da ist dann sicherlich das Geschrei groß, von wegen Diskriminierung, bla, bla…

    Ihn nicht ordentlich zu Bestrafen, ist natürlich, nebenbei erwähnt, auch eine himmelhoch schreiende Diskriminierung aber lassen wir das an dieser Stelle…

    Leo.

  4.   Samjam

    Wenn dem Kerl da im Gefängnis irgendwas passiert und sei es nur er fällt um und kriegt nen blauen Fleck, dann kann er das Gefängnis dumm und dusllig klagen. Das wollte man sich ersparen.

  5.   Eckardt

    Danke, Frau Neudecker, für diesen Beitrag ! Zeigt wieder einmal, dass es uns nicht um die Sache, sondern die Umstände geht. Anstatt ein perverses Schwein artgerecht zu sanktionieren ( weil wir Angst vor möglichen Folgen haben ), toben wir uns hemmungslos an der jugendlichen Unschuld aus und verderben/verklemmen der den Spaß für die nächsten Jahrzehnte. Und da soll Sex zu der normalsten Sache der Welt werden ? Ich weiss schon, warum ich dieses Jahr nicht nach Amerika gefahren bin …

  6.   arne anka

    re die 15 jährige:
    „wat denn wat denn wat denn“ wie giesecke gesagt hätte — genau dasselbe vergehen ist doch seit kurzem auch in deutschland strafbar!
    und wenn sich volljährige mit jugendlicher anmutung betont als solche geben und bildchen von sich machen — zack, gibt’s eins wegen kinderpornographie oben drauf!

    jaja, unser gummiradler hat uns da wieder einiges an gummiparagraphen beschert, mit den überwachung und grundrechtsaushebelung noch einfacher wird … denn beim stichwort „kinderporno“ springt noch jeder.

    ps: fragt sich nur, ob kolles schulmädchenreporte jetzt auch alle auf dem index landen …

  7.   honkytonk

    Wer sich die Mühe macht und den Artikel in der Buffalo News liest, wird erfahren, nicht unbestraft davon gekommen ist. Er muss $50.000 zahlen und sein Internetnutzung wird beschränkt (wie immer das auch erfolgt).
    Die Begründung des Staatsanwaltes für die Umwandlung der Haftstrafe in eine Geldstrafe (You could say that he’s already in prison for life) klingt nicht sehr professionell, zugegeben. In Deutschland verwendet man dafür den Begriff „haftunfähig“. Und das ist er ja.
    Damit mich keiner falsch versteht: Auch Leute, die sich Kinderpornographie anschauen, ohne selbst Kinder zu missbrauchen, fördern Kinderpornographie und müssen daher bestraft werden.
    PS: Frau Neudecker sollte bei ähnlichen Themen vorsichtiger mit der Überschrift umgehen. Diese hier könnte auch von der „Bild“ stammen, da Thema verfehlt. Die Frage ist ja nicht, ob er Kinderpornos besitzen darf (absolutes Nein), sondern wie er für deren Besitz bestraft wird.

  8.   Dr. Strangelove

    @ honkytonk: Es ist aber schon ein Unterschied in der Symbolwirkung, ob man zu einer Haftstrafe verurteilt wird dessen Vollstreckung dann wegen Haftunfähigkeit ausgesetzt wird, oder ob man von vornherein zu einer geringeren Strafe verurteilt wird.

    Von den „Nebenerscheinungen“ die, gerade in den USA (Wahlrecht usw), an einer Haftstrafe (ob nun vollstreckt oder nicht) dranhängen mal ganz abgesehen.

 

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