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Sex und die Krise

 

Falls Sie es noch nicht bemerkt haben: Sie haben im Moment ein super Sexleben. Krise und so, Sie wissen ja.

Ein Hinweis darauf stammt aus den USA. Dort stieg im ersten Quartal 2009 der Verkauf von Gleitmitteln um 32 Prozent auf 41,2 Millionen US-Dollar an. Hauptverantwortlich dafür sollen neue Produkte von K-Y sein, die eigene Gleitmittel für Sie und Ihn auf den Markt gebracht haben.

Allerdings wird ein Firmensprecher bei adage.com auch mit der Einschätzung zitiert, dass Menschen in wirtschaftlich schweren Zeiten eben mehr Sex hätten. Zur Entspannung? Ablenkung?

Ein Marketingmensch des Kondomherstellers Trojan wiederum meint, dass die Leute eben mehr zusammenrücken würden. Und, nun ja, jetzt ja mehr Tagesfreizeit hätten.

Welt Online glaubt, dass dieser Trend noch stärker werden wird und zitiert zu diesem Zweck die Anthropologin Helen Fisher, die der Meinung ist, dass die Angst um den Arbeitsplatz das Glückshormon Dopamin ansteigen lässt, was wiederum dazu führe, dass die Menschen verstärkt „nach Liebe“ suchen würden.

Das wiederum kombiniert welt.de reichlich verwirrend mit einer Meldung, die sie aus dem Jahr 2005 ausgegraben haben (ohne das natürlich dazuzuschreiben), nach der „sieben Millionen Männer rund 1,06 Stunden am Tag über ihre Impotenz grübeln und sich 3,2 Millionen Frauen täglich 1,44 Stunden über die mangelnde Standhaftigkeit ihrer Partner ärgern“. Das verursache in Deutschland einen wirtschaftlichen Schaden von 65,3 Milliarden pro Jahr (Stunden x Durchschnittsstundenlohn).

Als logische Schlussfolgerung würde man bei welt.de nun erwarten, dass ein Ende der Krise also absehbar sei, weil die Menschen dank Dopamin wieder ein funktionierendes Sexleben hätten und tagsüber weniger darüber grübeln müssten.

Mitnichten: „Also mehr Lust, mehr Sex, dann klappt es vielleicht auch wieder mit der Potenz. So hat jede Krise auch ihre Chance.“

Das heißt also, dass die Menschen jetzt wahrscheinlich gar nicht mehr so viel über Impotenz grübeln, weil sie weniger impotent sind? Wozu dann die Zahlen aus dem Vorkrisenjahr 2005?

Wie gesagt, ich bin verwirrt. Aber somit haben wir das Thema Sex in der Krise auch endlich erledigt.

4 Kommentare

  1.   Pandora

    Also ich bin jetzt auch total verunsichert. Soll ich jetzt mehr Sex haben, oder einfach nur mehr (oder überhaupt) Gleitgel benutzen? Oder gilt das nur für Impotente und/oder Arbeitslose und/oder ehemalige Bänker? Was erwartet die Gesellschaft/Sexindustrie von mir? Gibt es da vielleicht Beratungsstellen, die mir sagen, wie ich mich in der Krise sexuell am besten verhalte? Und woran merke ich rechtzeitig, dass die Krise vorbei ist?

    Das Leben wird wirklich immer komplizierter…

  2.   Florian

    Evtl. interessant zu diesem Thema: Helen Fisher auf TED.com
    http://www.ted.com/index.php/talks/helen_fisher_tells_us_why_we_love_cheat.html

    Ich bin übrigens genauso verwirrt. Ziemlich beschränkter Umgang mit wissenschaftlichen Fünden aus völlig unzusammenhängenden Studien. 😀


  3. Laut http://www.deutsche-latex.de/index.php?page=absatzentwicklung wurden noch nie so viele Kondome verkauft wie in 2008.

    Bisher grübelte ich darüber nach, ob der erhöhte Verbrauch daran liegt, dass die Leute wegen der Krise mehr Sex haben oder ob sie einfach weniger Kinder in die krisengeschüttelte Zeit setzen wollen….


  4. […] mehr Sexspielzeuge, immer mehr Menschen in Flirtbörsen, Schnellsexagenturen oder Singlebörsen. Sigrid Neudecker rupft die einander widersprechenden Meldungen auseinander und findet Merkwürdigkeiten in der WELT […]

 

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