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So schnell wird man zum Kinderpornografen

 

Was ist für manche amerikanischen Ordnungshüter ein Foto von drei kleinen Kindern in einer Badewanne?

Kinderpornografischer Gruppensex.

Nicht, dass wir in Europa nicht auch so unsere Begebenheiten haben, über die man nur den Kopf schütteln kann. Aber was sich ein übereifriger Walmart-Mitarbeiter sowie Polizei und Staatsanwaltschaft in Peoria, Arizona, geleistet haben, verschlägt einem den Atem.

Eine junge Familie fuhr auf Urlaub und schoss dort, wie das nicht nur junge Familien so tun, viele Fotos. Unter anderem, wie gesagt, von ihren drei Töchtern, 5, 4 und 1,5 Jahre alt, in einer Badewanne. Nackich, wie sonst.

Dann gaben sie den Memorystick mit den Fotos zu Walmart zum Entwickeln, wo ein überaufmerksamer Mitarbeiter „Kinderporno!“-Alarm schrie. Walmart scannt nämlich alle Fotos nach Inhalten, die als „nicht passend“ angesehen werden.

Daraufhin erschien die Polizei bei der jungen Familie, nahm ihnen die Kinder vorübergehend ab, untersuchte deren Genitalien (!!!) und gab sie in Pflegefamilien. Die Staatsanwaltschaft befragte laut dem Anwalt der Familie 35 Familienmitglieder, ob die Eltern ihre Kinder sexuell missbrauchen würden. (Der Anwalt der Familie sagt, die Staatsanwaltschaft hätte alle darüber informiert, DASS die Eltern ihre Kinder missbrauchen, aber da wäre ich eher skeptisch, ob sie das wirklich so formuliert hat.)

Ein Polizist habe außerdem Angestellten der Eltern sowie medizinischem Personal gegenüber geäußert, DASS die Eltern ihre Kinder missbrauchen und Kinderpornos mit ihnen produzieren würden.

In den Zeitungsartikeln steht leider nicht, wie lang der Wahnsinn gedauert hat, aber allein der Umstand, dass die Kinder ihren Eltern weggenommen und untersucht wurden, erschüttert hier dermaßen, dass man den Eltern nur noch viel Erfolg wünschen kann. Sie verklagen nämlich, nun da sie von allen Vorwürfen entlastet sind (wow!), Walmart, die Staatsanwaltschaft sowie die Stadt Peoria.

Zugegeben, unlängst wurde von einem ähnlichen Fotobearbeiter ein Mann entdeckt, der tatsächlich kinderpornografische Aufnahmen gemacht hatte. Aber ein wenig gesunder Menschenverstandhätte hier gereicht, um bei sieben von insgesamt 150 Fotos nicht die Assoziation Kinderporno zu haben, sondern schlicht und einfach: Familienurlaub.

22 Kommentare


  1. […] So schnell wird man zum Kinderpornografen, die unglaubliche Geschichte der US-Familie, die durch Familienfotos beinahe im Kittchen gelandet wäre […]

  2.   Felis

    @ Lepoirot: Wie kommen sie darauf? Soweit ich das überblicke, wurde mit dem Gesetz zur Umsetzung im Wesentlichen nur die Regelung, die bis dahin für unter 16-jährige galt auf Menschen unter 18 ausgeweitet. Insofern wurde der Bereich der in diesem Fall betroffen ist, nämlich jeder der Kinder, gar nicht auch nur berührt.
    Im Übrigen gilt weiterhin die „alte“ Definition von Pornographie. Und lassen Sie mich Ihnen sagen: Bei Badewannenfotos der Kinder handelt es sich üblicherweise nicht um Pornographie.

  3.   lepoirot

    toll, wie jetz alle wieder über den irrsinn in den staaten abgehn können! wieviel empörung hat es sich dieses blog hier kosten lassen, als der konzertierte nonsens der umsetzung des „Rahmenbeschlusses des Rates der Europäischen Union zur Bekämpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern und der Kinderpornographie“ im juni 2008 im bundestag beschlossen wurde? aktionen vom kaliber der hier bigott in den usa angeprangerten sind seitdem in deutschland rechtens.

  4.   Felis

    @ ROFUA: Huh?

    Jedenfalls sind die Kinder wohl über einen Monat weg gewesen – so lange, bis ein Richter, nach psychologischer Untersuchung der Eltern, die Photos für nicht pornografisch erklärte.
    http://abcnews.go.com/GMA/arizona-couple-suing-bathtime-photos-prompt-wal-mart/Story?id=8624533&page=1

    Die Polizei und wohl das Jugendamt sind immer noch überzeugt, vollkommen richtig und angemessen gehandelt zu haben. Da kann man nur hoffen, dass die in den USA doch eher großzügig ausfallenden Schadensersatzhöhen für Besinnung sorgen.


  5. Abartig findet der Verfasser erstmal, daß auf Zeit-online bereits
    eine schlüpfrige SeuWohlfühlAbteilung einschleimt; da dachte sich der Verfasser doch, hier wäre Niveau bis zur hintersten Letter angezeigt…: PUSTEKUCHEN!

    Aber dem Fass den Boden ausschlägt, daß in dieser Suhle hier ein
    OfficialDelict besetztes Thema über Kindesmißbrauch zelebriert wird.

    Warum der Verfasser sich diese „Abteilung“ antut…; er hat sich
    eben gewundert, daß er nun doch nicht in einem Club der Reinen Herzen
    reinschreibt, daher das Anklicken, ob er wirklich in Zeit-online
    sich befindet.

    Und EURE „wohlige“ Emprörung“ weiß ich zu interpretieren, aber nicht
    zu Eurem sittlich guten Leumund.

    Ja, Ja…; schreit nur rum…ich kann Euch auch nicht leiden.

    …und nun weg aus dieser Suhle!!!


  6. Daraufhin erschien die Polizei bei der jungen Familie, nahm ihnen die Kinder vorübergehend ab, untersuchte deren Genitalien (!!!) und gab sie in Pflegefamilien.

    Bin ich der einzige, dem dabei direkt das hier einfiel:
    http://www.youtube.com/watch?v=XFreMY-7jf8

  7.   KevinKremitz

    Auch wenn Sie da vielleicht Recht haben was die Gesetzeslage angeht, ist das völlig irrelevant Herr Dingo. Denn diese Gesetzeslage ist ganz offensichtlich unter völlig verblendeten Prämissen entstanden.

    Es stimmt das man in einem Land in dem Nacktfotos von Kindern grundsätzlich nicht verboten sind niemanden dafür einbuchten darf der solches Material als sexuelle Inspiration Zweck entfremdet wird, aber so lange die Veröffentlichung solcher Fotos (und in Deutschland und meines Wissens auch den USA ist dies der Fall) wie z.B. die Bereitstellung in Internetforen, nicht ohne Einvernehmen der abgebildeten Personen stattfinden darf, sind deren Rechte „gesichert“. Das gilt übrigens für Bild- und Videomaterial im Allgemeinen, weshalb man Methoden zur unkenntlich Machung von Identitäten erfunden hat.

    Die Tatsache das ein „Perverser“ diese Fotos in die Finger bekommen könnte, ist vielleicht abstoßend, richtet aber noch keinen tatsächlichen Schaden an. Der entsteht erst wenn die Abgebildeten irgendwann davon erfahren sollten, da ihre Fotos vielleicht im Internet die Runde gemacht haben. Nicht nur war dann aber diese Verbreitung bereits unter den oben genannten Regeln illegal (und somit straflich verfolgbar, wenn man die Spuren finden kann), sondern hält sich auch dann sicherlich der Schaden noch in Grenzen. Ich kann mir kaum vorstellen das ich mich mit 10 Jahren aufwärts, oder in welchem Alter auch immer ich in der Lage sein sollte einen solchen Sachverhalt adäquat zu verstehen, wirklich vergewaltigt fühle, weil Badefotos aus meiner Kindheit im Internet auftauchen. Unangenehm wäre das sicher, aber ob es ein ernsthaftes Trauma auslösen könnte, stelle ich in Frage.
    Auf keinen Fall wiegt der Nutzen einer derart strengen Regelung allerdings den Schaden auf der entstehen kann, wenn man sich Situationen wie die aus dem Artikel ansieht, denn das könnte für Kinder tatsächlich traumatisierend sein!

    Gut, das vorweg haben Kinder leider nicht das Recht darüber zu entscheiden ob ihre Fotos online gehen, oder nicht. Das machen die Eltern. Aber erstens gibt es für Fälle in denen Eltern nicht im Interesse ihrer Kinder handeln Jugendämter (und in dem besprochenen Fall kann ja davon absolut nicht die Rede sein) und zweitens muss man Familien in solchen Dingen erstmal den Vorteil des Zweifels überlassen. Tun wir das nicht, ist die Hölle offen, denn wo wir dann halt machen ist gar nicht ab zu sehen. Ich stelle mir bereits amerikanische Mütter vor, die ihre 2 Jahre alten Töchter ins Kinderzimmer schicken um sich dort einen Badeanzug über zu streifen, damit sie sie in die Badewanne stecken können. In dem Moment wo die Kleine sich dann ihre Intimzonen waschen soll muss die Mutter natürlich den Raum verlassen um die Möglichkeit außer Betracht ziehen zu können, das sie ihre eigene Tochter sexuell Belästigt! Hölle, irgendwann brauchen wir dann wahrscheinlich Roboter zum Windeln wechseln!

    Was geht denn jetzt tatsächliche Kinderpornografie an? Die lässt sich nach deutschem Recht gut identifizieren, denn da ist es notwendig das sich die missbrauchten Individuen in unnatürlichen (sprich nicht selbst initiierten), sexuellen Posen befinden. Klar ist das immer noch schwammig, aber es legitimiert 90% aller Badwannen- und Strandfotos die bei Familien eben völlig normal sind und sein sollten. Die anderen 10% darf man eben nicht knipsen bzw. entwickeln, das sollte verschmerz bar sein.

  8.   Dingo

    @Sigrid Neudecker

    >“Bilder bekleideter Kinder”: Dieses Bild wurde veröffentlicht,
    >großer Unterschied!

    Dann muss man als Perverser also nur die eigenen Kinder nehmen, damit es O.K. ist? (oder im kleinen Kreis tauschen)

    Sie kommen aus dem Widerspruch nicht heraus. Ein Bild ist entweder strafbar oder es ist genau das eben nicht. Und das gilt entweder für alle oder für niemanden.

  9.   machotom

    Generation facebook? Nicht ein Kommentar erregt die Datensammlung der Walmarkt-Bigbrothers, seit mir letztes Jahr in zwei bossmann (oder so) Drogerien in Deutschland kein Mitarbeiter sagen konnte, ob die Bilder online gehen, resp. über den Tag gespeichert werden habe ich allen abgeraten dort Abzüge machen zu lassen

  10.   Sigrid Neudecker

    @ Dingo

    1. „Bilder bekleideter Kinder“: Dieses Bild wurde veröffentlicht, großer Unterschied!

    2. Was ich an dem aktuellen Fall am schlimmsten finde, sind die Auswirkungen auf die Kinder selbst (von den Eltern getrennt, gynäkologisch untersucht werden), wo ich als Gesetzeshüter 5x nachdenken und erst einmal alle anderen Möglichkeiten in Erwägung ziehen würde, bevor ich so überreagiere. Und die Ausweitung der „Ermittlungen“ auf den Bekanntenkreis und das Arbeitsumfeld ist ebenso überzogen. So schnell wird man so einen Verdacht nicht mehr los.

    Ein Einzelner, der von einem übereifrigen Supermarktmitarbeiter/Polizisten kurz einmal der Kinderpornografie verdächtigt und dann wieder freigelassen wird, ist im Vergleich zu diesen Folgen quasi „“harmlos““. (Nein, möchte ich auch nicht erleben, aber Sie verstehen, was ich meine.)

 

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