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Wales-Deutschland 0:2

 

20:22 Moin, moin, heute aus Berlin, wo Zeit Online seine neue Dépendance bezogen hat. Kneipe am Prenzlauer Berg, skeptische Blicke unserer Tischnachbarn, die Jungs mit Laptop beim Fußballkucken beäugen. Vorsicht, Event-Fan-Falle! Neben mir: Matthias Bossaller, der neue Kollege, Steffen Dobbert, der Rainer Holzschuh von Zeit Online, sowie Guy Simonow, html-Knecht des indirekten freistosses.

Heute Wales, früher Stolperstein, zu Zeiten von Ryan Giggs oder Ian Rush. Hat diesen Status aber eingebüßt. Wir erwarten nicht weniger als einen Gomez-Hattrick. („F5“ drücken nicht vergessen, um unseren Ergüssen zu folgen!)

20:35 Eigentlich 11-Freunde-Redakteure anwesend? Kucken wahrscheinlich England, die alten Romantiker. Aufstellung: Enke – Lahm, Tasci, Mertesacker, Beck – Hitzlsperger, Ballack, Schweinsteiger, Rolfes – Podolski, Gomez. Jansen verletzt raus, Rolfes dafür rein.

In der ARD heißt es: eine Spitze, nämlich Gomez. Podolski also im linken Mittelfeld. Werden sehen.

20:42 Die Jungs kucken mir über die Schulter. Sehen mir zu, wie ich mein Pointenfeuerwerk zünde. Fühle mich beobachtet. Ist ein bisschen wie beim Austreten. Hoffentlich läufts!

20:45 Hymnen gesungen, Schweigeminute gehalten (wofür eigentlich? weiß das jemand?). Geht los. Kulisse wie beim Frauenfußball. Die dpa wird von einer „gähnenden Leere“ schreiben.

3′ Die Serie Gomez gegen Gomez geht weiter: Erste Flanke zu hoch, er springt untendrunter. Kurz später, sagen wir, mutiger Schussversuch. Leipzig hätte schon gepfiffen, aber hier in Cardiff ist fast keiner da zum Pfeifen.

11′ Tor Deutschland 0:1 Ballack Ein Pfeil aus 28 Metern. Steffen Simon und die Bildregie geben dem Torwart die Mitschuld. Spiel entschieden?

Neue Ansage zur Frage: Wer ist der Boss im Team? Zum zweiten Mal in vier Tagen das 1:0 durch Il Capitano, zum zweiten Mal eine Bewerbung für das Tor des Monats. Die Schuss gewordene Entschlossenheit.

Trainer Baade twittert: „Noch 4 Tore, und Ballack hat Rummenigge eingeholt. Und das als Mittelfeldspieler. Nicht schlecht.“ #ewige Torjägerliste DFB-Elf

21′ Enke verhindert mit dem Ringfinger das 1:1, Deutsche lassen den Walisern viel Platz und Zeit im Mittelfeld.

26′ Podolski hat wohl das Oberseminar „Fehlpass im Hauptstudium“ besucht.

27′ Tasci verursacht zwei halbe Elfmeter in einer Aktion (Hand und Foul), Steffen Simon addiert zu einem frühen, vorzeitlupenhaften „Strafstoß“. Das Pub ist sich einig: war nix!

32′ Gomez knapp vorbei – Mitleid oder Schadenfreude? Kurz später scheitert Podoski (heute Nummer 10), nachdem Ballack klasse aufgelegt hat. Dann Gomez im Abseits, hätte eigentlich gepasst, wenn sein Kopfball ins Tor gegangen wäre. #Pechvogel

35′ Wirkt lahm heute, der Beck. Ganz im Gegenteil zum vorigen Samstag. Hoffenheim ausgepowert?

37′ Podolski besteht das Vordiplom der Christian-Ziege-Flanken-Schule mit „gut“.

Halbzeit 0:1 Nach dem frühen Tor war eigentlich zu erwarten: leichtes Spiel. Denkste! Abwehr unterlegen im Kopfball, viel Raum im Mittelfeld für die Waliser, trotz Hitzlsperger, Rolfes und Ballack im Zentrum. Außenspieler Beck, Schweinsteiger und Podolski mit einfallslosem Spiel ohne Ball. Gomez ohne Fortune. Bleibt Ballack als herausragender Spieler. Und Enke, die grüne Spinne, die erstaunlich viel zu tun hat.

1:0 für England: Crouchy (29′). Jubel in der Schwalbe?

Korrektur: Ballacks Schuss aus 32 Metern, mit 108 km/h Speed. Nach ersten Berechnungen war der Ball also 1 Sekunde unterwegs. Gemessen von Ballacks Fuß bis zum Überschreiten der Torlinie. Nicht eingerechnet den Geschwindigkeitsverlust durch Luftwiderstand und Erdanziehung.

Unsere Umgebung hat sich übrigens an uns gewöhnt, auch wenn wir Fremde bleiben. In Kreuzberg hätten wir mit unseren Laptops schon aufs Maul gekriegt.

48′ Tor für Deutschland Eigentor Williams Die Waliser wollen wohl Gomez weitere Therapiesitzungen ersparen. Krummer ist selten ein Tor gefallen. Fallend, stolpernd, wie eine Marionette, der man die Fäden zerschneidet, sichert Gomez den Ball und schießt den Ball grob Richtung Tor. Williams besorgt den Rest. Den Abwerspieler zu einem Eigentor zwingen: Stürmerqualität.

Kneipe reagiert mit Heiterkeit.

56′ Enke macht weitere Zentimeter im Rennen um die Nummer 1 gut. Rettet die 2:0-Führung mit gutem Reflex und bügelt erneut die Fehler von Tasci und Co aus.

63′ Steffen Simon macht Fußballkabarett: „Das machen sie gut, mit viel Ruhe.“ Und das, während die deutsche Abwehr seit Minuten Blinde Kuh spielt.

Lukas Podolski beweist es: Menschen können unsichtbar sein.

Oh, jetzt betreten Eisern-Union-Fans die Bude. Muss ich mich in meinem weißen Hemd fürchten?

72′ Trochowski für Podolski. ARD zeigt Zeitlupe, in der Podolski mit Ballack aneinander gerät. #Führungsspielerdebatte

73′ Gomez-Spiele gehen weiter. Rutscht aus und schießt sich gegen das Standbein. Es ist vermaledeit.

78′ Einer der wenigen Höhepunkte des Spiels: der eingesprungene Lahm an der Eckfahne. Tiefpunkt: Hinweis auf Waldis WM-Club. #Würgereiz

89′ Noch ein Gomez! Eigentlich gute Bewegung, Mitnahme und Schuss im selben Ansatz. Doch drüber.

Endstand 0:2 Bis zur 60. Minute war Wales gleichgut. Bei Enke darf man sich bedanken, dass die Führung hielt und dass Wales nicht mehr herankam. Deutsche Abwehr, besonders Tasci, mit Flüchtigkeitsfehlern und größeren Problemen bei langen, hohen Bällen als die gegnerischen Pendants. Rolfes fahrig, Hitzlsperger dagegen sehr solide. Ballack stark, gerade in Bedrängnis sieht man seine Klasse. Und dann seine Schusstechnik! Gomez hat seine Tore für den VfB aufgehoben. Man weiß auch nicht, ob „sein“ 0:2 Linderung oder Symptom seiner Melancholie ist? Schweinsteiger sollte man das Attribut Juniorchef absprechen. Das Portugal-System (zwei 6er Rolfes und Hitzlsperger, Ballack vorgezogen, Podolski links, eine Spitze) hat heute nicht gegriffen. Andererseits, WM-Qualifikationsspiele sind keine Catwalks.

Ballack über die Handgreiflichkeit Podolskis: „Er ist ein junger Spieler und hat noch viel zu lernen.“ Würde gerne beim nächsten Training Mäuschen spielen. #Aufmüpfige abgrätschen

23:01 Im Raucherraum mokiert man sich über die müden Aprilscherze von Waldemar Hartmann und Paul „Potato“ Breitner. Darauf haben wir keine Lust mehr – und sagen Tschüs bis zum nächsten Mal.