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Europa ein Stück näher kommen

 

Der VfB Stuttgart ist Experte dafür, gegen Saisonende richtig anzugreifen. Bei den Schwaben werden Erinnerungen an das Meisterjahr 2007 aufgefrischt, als der VfB mit acht Siegen in Folge auf Platz eins stürmte. So eine Serie wird den Stuttgartern nun von Expertenseite wieder zugetraut. Zumal das Restprogramm im Vergleich zur Konkurrenz einfacher erscheint. Damit die Aufholjagd nicht unschön gestoppt wird, sollte das Team von Markus Babbel die Dienstreise nach Köln endlich wieder erfolgreich gestalten. Den letzten Sieg gab es 1997. Der fiel mit 5:1 üppig aus. Damals wirbelte noch das magische Dreieck Balakov, Elber und Bobic.

Das aktuelle Zauber-Trio glänzt für den VfL Wolfsburg. Edin Dzeko, Grafite und „Zwetschge“ Misimovic heißen die Protagonisten, die daran schuld sind, dass der VfL als heißester Anwärter auf den Titel geführt wird. Felix Magath will davon natürlich nichts wissen, er tippt immer noch stur auf den FC Bayern. Der Fitness-Fetischist hat bei seinen Spielern gefährliche Nachlässigkeiten entdeckt, ausgelöst durch zu viel Selbstzufriedenheit. Magaths Aufgabe ist es nun, seinen Spielern diese Flausen auszutreiben. Schwer vorstellbar, dass es ihm nicht gelingt. Gegen Leverkusen ist wieder ein hochkonzentrierter, spielfreudiger Tabellenführer zu erwarten. Bayer hingegen ist nach einer ansehnlichen Hinrunde aus dem Tritt geraten. Die Schwächephase mit dem Umzug in die ungeliebte Düsseldorfer Arena zu erklären, wäre zu einfach. Die Mannschaft von Bruno Labbadia ist nach wie vor das beste Auswärtsteam. Dieser Status ist aber in Gefahr.

Bei den Bayern-Fans ist Jürgen Klinsmann schon längst unten durch, die Pfiffe gegen ihn in der heimischen Allianz-Arena waren eindringlich genug. Er wird froh sein, dass ein weiteres seiner Endspiele auf fremden Terrain stattfindet. Dass sich Arminia Bielefeld so zahm zeigt, wie vergangene Woche die Frankfurter, dürfen die Bayern nicht hoffen. Die Ostwestfalen werden die Angst vor dem Abstieg in positive Energie umwandeln. „Du hast keine Angst, hast nichts zu verlieren“, sagt der zuletzt gar nicht mehr so einlochfreudige Torjäger Artur Wichniarek. Ob sich Bayern-Coach Klinsmann davor fürchtet, dass seine Spieler versagen, kann nur vermutet werden. Im Falle einer Pleite in der Provinz muss er sich um seinen Job aber mehr Sorgen als jemals zuvor machen.

Im Badischen steigt am Samstag das Derby zwischen Karlsruhe und Hoffenheim. Die TSG muss nicht nur mit dem Etikett leben, als miserabelster Herbstmeister aller Zeiten die Rückrunde versaut zu haben. Die Macher muss es auch wurmen, dass die jungen Spieler genauso anfällig für die Verlockungen des schnellen Erfolges sind, wie alle anderen Fußballer. In der Vorrunde wäre das nicht für möglich gehalten worden, doch mittlerweile nehmen ein neues Auto oder eine neue Freundin mehr Platz ein, als der Boulevard-Hasser Ralf Rangnick verkraften kann. Die sportliche Entwicklung stockt stattdessen. Nur neun Punkte aus zehn Rückrundenspielen hat das einstmals so zwingend aufspielende Team zustande gebracht. Hinzu kommen so unreife Aktionen von Carlos Eduardo, der wiederholt statt seinem Kopf die Fäuste eingesetzt hat. Mit solchen Undiszipliniertheiten muss sich KSC-Trainer Ede Becker nicht herumschlagen. Dafür tendieren seine Jungs ins andere Extrem: Sie sind lammfromm. Kein Wunder, denn Abwehrkante Maik Franz fehlt schon länger. Außerdem haben sie in Karlsruhe das Toreschießen so gut wie eingestellt. So steigt man ab.

Derby-Zeit ist auch im Ruhrpott. Der VfL Bochum empfängt Borussia Dortmund. Die haben die letzten beiden Spiele gewonnen und nachhaltig gezeigt, keinen Bock mehr auf nervige Remis zu haben. Plötzlich ist für die Borussia wieder ein Platz im Uefa-Cup möglich. Platz fünf ist zwar noch fünf Punkte entfernt. Doch vielleicht spezialisieren sich die Schwarz-Gelben darauf, zu gewinnen, anstatt unentschieden zu spielen. Mit einem Sieg in Bochum wäre eine kleine Serie perfekt. Bochum braucht auch jeden Punkt, um sich weiter von den Abstiegsrängen zu entfernen. Langweilig wird das Nachbarschaftsduell nicht.

Die Abstiegsfrage spielt auch bei der Partie Frankfurt gegen Mönchengladbach eine Rolle. Mehr für die Borussia als für die Eintracht. Die Gladbacher könnten mit einem Dreier in Frankfurt Rang 16 verlassen. Dagegen spricht allerdings die Spielart nach hessischem Muster: gegen die Kleinen gewinnen, gegen die Großen verlieren. Sollte dies der Eintracht gegen den Aufsteiger erneut gelingen, kann für die kommende Saison in Liga eins geplant werden.

Bei Hertha BSC ist das Thema Meisterschaft nach drei Niederlagen in Folge abgehakt. Doch nicht nur das sorgt in der Hauptstadt für verdrießliche Stimmung. Es tobt ein Machtkampf zwischen Präsidium und Geschäftsführung. Im Zentrum steht Manager Dieter Hoeneß, der von einem Präsidiums-Mitglied diffamiert worden sein soll. Der Vorwurf: Hoeneß gönne Trainer Lucien Favre den Erfolg nicht und mache intern dessen Arbeit schlecht. Die Geschäftsführung wehrt sich gegen diese Behauptung. In Berlin haben es die Spieler wirklich nicht leicht, sich auf ihr Kerngeschäft zu konzentrieren. Gegen Werder Bremen möchte der frühere Publikumsliebling Marko Pantelic sportliche Akzente setzen. Andrej Woronin, der den auf die Bank verbannten Serben in der Gunst der Fans abgelöst hat, ist gesperrt. Für Werder ist das Geschäft Bundesliga zweitrangig geworden. Auf Platz zehn sind ambitionierte Ziele nicht mehr angesagt. Dafür ist im DFB-Pokal und Uefa-Cup noch alles drin.

Der Hamburger SV ist wie Werder beseelt von den Pokal-Wettbewerben. Aber auch in der Meisterschaft sind die Hamburger noch konkurrenzfähig. Mal schauen, ob dem HSV wie in den Jahren zuvor auf den letzten Metern die Luft ausgeht. Derzeit sieht es allerdings nicht danach aus. Gegner Hannover ist geradezu prädestiniert dafür, das Hamburger Punktekonto zu vergrößern. 96 weist eine erbärmliche Auswärtsbilanz von zwei Pünktchen auf. Der HSV hat hingegen im eigenen Stadion erst einmal verloren.

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Schalke 04 gegen Energie Cottbus: Das klingt nicht gerade nach großem Spektakel. Beide Teams haben es bislang erfolgreich vermieden, den Geschmack von Fußballästheten zu treffen. Die Schalker könnten indes für ein bisschen mehr Spielkultur sorgen. Sie müssen sich nur an die vergangene Saison erinnern. Vor fast genau einem Jahr schossen die Schalker unglaubliche fünf Tore gegen Cottbus, vier davon gingen auf das Konto von Kevin Kuranyi. Damals feierte das Trainertrio Mike Büskens, Youri Mulder und Oliver Reck einen erfolgreichen Einstand.

Aktuell setzt der königsblau gefärbte Teil des Ruhrgebiets seine Hoffnungen in dasselbe Interims-Gespann. Ein erneuter Sieg gegen den Tabellenvorletzten würde Schalke den Europapokalplätzen ein Stück näher bringen. Weit entfernt von einer Lösung in der Manager-Frage sind weiterhin die Vereinsbosse. Ein Nachfolger für Andreas Müller ist nicht in Sicht. Gute Voraussetzungen für den Schlussspurt in der Liga sind das nicht.

 

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