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Nach Überfall auf Nazi-Laden: Drohungen gegen SPD-Landtagsabgeordneten

 

Nach einem Überfall auf den Nazi-Laden „ECC“ in Rostock haben Neonazis den SPD-Landtagsabgeordneten Mattias Brodkorb bedroht. Brodkorb wurde auf einer bekannten Neonazi-Seite unterstellt, mit den Angreifern kooperiert zu haben. Fünf unbekannte Täter hatten den Laden gestürmt und den Betreiber, den Neonazi Thorsten de Vries, durch „Schlagwerkzeuge“, wie Polizei schreibt, am Kopf verletzt. Laut Augenzeugenberichten wurde de Vries wenig später in der Notaufnahme der Universitätsklinik behandelt, berichtet Endstation Rechts. Dort habe de Vries lautstark bemängelt, er werde nicht korrekt behandelt und bedrohte daraufhin angeblich das Krankenhauspersonal. Erst nach Eintreffen der zur Hilfe gerufenen Polizei hätte sich de Vries wieder beruhigt. Ein Großaufgebot von Polizei und Feuerwehr sowie der Rostocker Oberstaatsanwalt seien derweil am Naziladen im Einsatz gewesen. Nur Spezialkräfte der Feuerwehr konnten den Laden mit Atemschutzmasken und Schutzanzügen betreten, um die mit Buttersäure kontaminierten Gegenstände und nahezu sämtliche Kleidungsstücke zu bergen.

Auf der betreffenden Nazi-Seite heißt es zu dem Überfall: „Wenn man auf linker Seite glaubt, mit solchen Methoden agieren zu können, so sollte man keineswegs vergessen daß es auch Lokalitäten gibt in denen sich vornehmlich „alternativ geprägte“ Personen aufhalten an denen man ebenso ein entsprechendes Exempel statuieren kann.“ Und weiter (Fehler im Original): „Matthias Brodkorb (SPD) und Betreiber der Internetseite Endstation-Rechts war kurz nach dem Überfall mit Photoapparat zur Stelle, was wohl kaum noch einen Zweifel daran lassen dürfte aus welcher Richtung der Überfall gekommen ist, und daß offenbar mehr als nur fünf Personen in der Organisation desselben involviert waren.“

Die Kommentatoren auf der Nazi-Seite greifen diese Vorlage dankbar auf: „Dieser Scheiß Brodkorb. […] Kann nicht mal jemand sein Haus abfackeln? Wäre nett! Danke!“, „Einschläfern den linken Müll! Notfals mit dem Lattenhammer!“, ein Schreiberling postete die Adresse der Jusos in Schwerin und schrieb: „Werdet aktiv!“. Außerdem meldete sich angeblich Thorsten de Vries selbst zu Wort, er schreibt: „BÜRGERLICHE HETZER DIE DIESEN ÜBERFALL ZU VERANTWORTEN HABEN WIE DER GENOSSE BROTKORB SOLLEN SICH DIE NÄSTEN MONATE ALLERDINGS BESSER ZWEIMAL UMSCHAUEN WENN SIE IHR HAUS VERLASSEN ! […] DAS IST KEINE DROHUNG DIE ICH HIER GEGEN IRGENDWELCHE PERSONEN AUSSPRECHE sondern eine realistische Einschätzung der politischen Sachlage. […] wie heist es doch noch so schön , kein vergeben kein vergessen ; Linke haben Namen und Adressen !“

Brodkorb weist die Anschuldigungen zurück: „Die Unterstellung, ich oder andere Mitarbeiter von Endtstaion Rechts, die ebenfalls vor Ort waren, steckten hinter dieser Sache, ist wohl für uns wie die wirklichen Täter gleichermaßen eine Beleidigung. Wir haben uns in der Vergangenheit nicht an Gewalttaten beteiligt und werden das auch weiterhin nicht tun. Allerdings werden wir auch in Zukunft zeitnah von Ereignissen vor Ort berichten, wenn wir per Telefon von Passanten informiert werden und uns zu dieser Zeit in der Nähe befinden. Das ist ja gerade der Sinn unseres Nachrichtenportals. Herr Prof. Methling von der Linksfraktion war übrigens nach Angaben der NPD sogar vor mir am Tatort. Aber der war es mit Sicherheit auch nicht.“, so Brodkorb abschließend.

„Nicht von sich auf andere schließen“

Der innenpolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Dr. Norbert Nieszery, verurteilt den Buttersäure-Anschlag scharf. „Wir Demokraten distanzieren uns deutlich von diesem Anschlag, weil Gewalt kein Mittel der politischen Auseinandersetzung sein darf!“ Nieszery bezeichnete die Tat, sollte sie denn erwiesenermaßen von Gegnern des Ladens verübt worden sein, als Beschädigung des engagierten und vor allem gewaltfreien Kampfes der Demokraten gegen rechtsextremistische Umtriebe in Mecklenburg-Vorpommern. „Ich appelliere an alle Gegner des Rechtsextremismus, bei aller Empörung und Verachtung für die Feinde der Demokratie nicht deren Mittel – nämlich Gewalt und Einschüchterung – zu verwenden.“ Abschließend wies Nieszery Unterstellungen, Verdächtigungen und massive Drohungen gegen die Macher und Unterstützer des Internet-Portals Endstation Rechts entschieden zurück. „Wer plumpe Gewalt ausüben will, investiert nicht einen Großteil seiner Freizeit in journalistische Recherche und bundesweit anerkannte Berichterstattung über das Treiben der NPD und ihrer Helfershelfer. […] Die Urheber der primitiven Verdächtigungen sollten nicht von sich auf andere schließen.“

NPD-BLOG.INFO über Mecklenburg-Vorpommern.