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Pöbeleien an der Eckfahne

 

Am vergangen Spieltag kam es in der ersten französischen Liga zu einem Zwischenfall mit rassistischem Hintergrund. Solche Beleidigungen sind etwas anderes als die normalen Beschimpfungen, die jeder Fußballer ertragen muss.

 

Für Aufsehen sorgte der betroffene Spieler selbst. Der Kapitän des FC Valenciennes, Abdeslam Ouaddou, wurde in der ersten Halbzeit permanent mit rassistischem Gegröle beleidigt. Als der Schiedsrichter zur Halbzeit pfiff, wählte Ouaddou den direkten Weg auf die Tribüne, um den Anhänger des FC Metz zur Rede zur stellen. Ouaddou wurde vom Schiedsrichter mit einer gelben Karte bedacht und die Sicherheitskräfte führten Ouaddou zurück aufs Feld. Der Zuschauer wurde den Sicherheitsbehörden übergeben. Während des Spiels machte Ouaddou den Schiedsrichter auf die Beschimpfungen aufmerksam und bat ihn um die Unterstützung des vierten Offiziellen. Der Schiedsrichter forderte aber stattdessen den Spieler auf, sich auf das Spiel zu konzentrieren.

Laut FIFA-Statuten hat der Schiedsrichter die Möglichkeit, bei rassistischem Verhalten des Publikums, ein Spiel abzubrechen. Mir ist ein solcher Fall nicht bekannt, ich kann aber sagen, dass es von Seiten der Zuschauer in fast jedem Spiel zu Beschimpfungen kommt, die deutlich hörbar sind. Deutlich wahrnehmbar ist es bei Eckbällen, wo der Spieler in unmittelbarer Nähe der Fans ist. Ich habe mir öfters die Frage gestellt, wie ich reagieren soll, aber bisher habe ich mich auf das Ignorieren beschränkt. Ein Dialog mit den Fans scheint mir nicht möglich, da die Ausraster nur von einer Minderheit ausgehen, die zu einem Dialog nicht bereit sind.

Das Auftreten von Abdeslam Ouaddou ist aber durchaus nachvollziehbar und macht auf das Fehlverhalten weniger sog. Fußballfans aufmerksam. Schließlich muss man unterscheiden, zwischen Fans, die einen Spieler in wenigen Situation als „Arschloch“ oder „Drecksau“ beschimpfen, oder solche, die dauerhaft mit rassistischem Gebrüll auffallen. Die Menschen in unmittelbarer Umgebung können und müssen auch mithelfen, dies zu unterbinden. Jedoch unterscheiden viele Anhänger zwischen Heim- und Auswärtsmannschaft und da ist im Zweifelsfall jedes Mittel recht, die Spieler der gegnerischen Mannschaft einzuschüchtern.

Bei einem Zweitligaspiel in Frankreich kam es im letzten Jahr zu einem Punktabzug wegen rassistischem Verhalten des Publikums. Im Spiel Libourne/Saint-Seurin gegen SC Bastia beleidigten die Anhänger Bastia´s den aus Burkina Faso stammenden Boubacar Kebe, der daraufhin den Fans den Stinkefinger zeigte. Zwar sah Kebe anschließend die Rote Karte, aber die Disziplinarkommission glaubte dem Spieler und bestrafte Bastia mit dem Punktabzug.