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„Miroslav Klose, Du bist kein Deutscher!“

 

Rechtsextremismus und Nazis sind beim Fußball hauptsächlich bei Begegnungen in unteren Ligen anzutreffen. Das war zumindest immer mein Gefühl und wurde von mir auch im Eröffnungstext hier so formuliert. Doch in den vergangenen Monaten war immer häufiger von Beschimpfungen und Zwischenfällen mit Nazis auch in der Bundesliga zu hören.

Die Fußballzwillinge Hamit und Halil Altintop beschwerten sich über Beleidigungen bei Bundesligaspielen, bei welchen „Scheißtürke“ noch einer der harmloseren Ausdrücke sei. Ihr muslimischer Glaube, der jede Form von Gewalt und Rassismus ablehnt, hilft ihnen trotz ihrer Wut, einen kühlen Kopf zu bewahren.

Durch die Presse gegangen ist auch die Strafanzeige des dunkelhäutigen Patrick Owomoyela und des DFB gegen die NPD. Vor der WM hatte die NPD einen WM-Planer mit dem Titel: „Weiß – nicht nur eine Trikotfarbe – für eine echte Nationalmannschaft“ verteilt. Darauf war im Vordergrund ein dunkelhäutiger Spieler mit der Trikotnummer 25 zu sehen, der Spielernummer von Patrick Owomoyela bei der Nationalmannschaft.
Die Strafanzeige richtet sich gegen die NPD Mitglieder Udo Voigt, Frank Schwerdt und Klaus Beier. Letzterer äußert sich zwar auf der NPD – Homepage, allerdings wird die Anzeige dort als absurd abgetan und der Leiter der NPD-Rechtsabteilung, Frank Schwerdt, freut sich gar über die große politische Bedeutung des Falls. Höhnisch verweist er darauf, dass auf dem Bild auch Teile eines hellhäutigen Spielers zu erkennen seien.

Neben Patrick Owomoyela gibt es derzeit mehrere Spieler in der Deutschen Fußball-Nationalmannschaft mit Migrationshintergrund. Leider scheint dies allerdings nicht jeden Anhänger der Mannschaft zu freuen. Vergangene Woche, beim Warmlaufen vor dem Länderspiel gegen die Schweiz, kam es zu rassistischen Ausschreitungen. Dort brüllte ein Mann aus dem Zuschauerrang plötzlich: „Miroslav Klose, Du bist kein Deutscher!“. Eine Reaktion von Miroslav Klose blieb allerdings aus und auch im Anschluss an das Spiel wurde der Vorfall mit keiner Silbe erwähnt. Ich kann mir das Weghören nur so erklären, dass es vermutlich zu häufig passiert, dass Spieler derartig angegriffen werden und der Einzelne zwischen rassistischen Beleidigungen und Beschimpfungen im Allgemeinen nicht mehr unterscheidet. Außerdem beeinträchtigt ein Gang auf die Zuschauerränge die Konzentration auf das Spiel. Für die einzelnen Spieler haben die meisten Spiele heutzutage eine derart große Bedeutung, dass man über Beleidigungen wohl hinwegsieht.

54 Kommentare

  1.   Björn

    Bevor hier einigen noch der hochrote Kopf platzt wegen angeblicher Äußerungen, ich hätte behauptet Polen gehöre zu Deutschland, hier noch mal eine nähere Erläuterung.

    Wie ich mitbekommen habe gehörten die Kloses zur deutschen Minderheit in Schlesien.
    Die hatten es besonders schwer nach dem Krieg. Trotz teilweise erheblicher Diskriminierungen dann trotzdem seine Kultur, Sprache und Identität zu pflegen halte ich für sehr respektabel.

    Was das also nun mit Nazi-Propaganda zu tun hat bleibt mir verschlossen. Aber manch einer nutzt diese Worte hier sowieso sehr inflationär.

    Wenn also irgendein Idiot brüllt er wäre kein Deutscher zeugt das also einfach bloß von mangelnder Intelligenz.

  2.   lou

    Egal wie harmlos die Vokabeln „Volksdeutscher“ und „Schlesier“ allgemein sind. In diesem Kontext sind sie eindeutig zur Provokation eingebracht. Wer das nicht sehen will, oder vorgibt, diesen zusammenhang nicht zu erkennen ist entweder unbedarft oder provoziert weiter.
    88 ist auch nur ne Zahl – oder?

  3.   ich nu wieder

    so kinnas, mal budda bei die fische und „fakten fakten fakten“: m. klose würde in oppeln, polen geboren und kam mit acht jahren mit seinen eltern nach deutschland. mittlerweile hat er die deutsche staatsangehörigkeit – is somit also deutscher. wenn also trotzdem jemand ruft „miro, du bist kein deutscher“, dann hat das in der tat mit mangelnder intelligenz zu tun.

  4.   Torsten G.

    @Iou
    Die Provokation, die Sie vermuten, ist Teil Ihres ego. Ich pwurde in den Kontexten weder von Björn noch von Gram provoziert und halte das voran mit gleichem Tenor Gesagte schlichtweg für eine Unterstellung.

    @ich nu wieder #21
    Genau das trifft den Punkt – Danke!

  5.   Gram

    @lou

    Bitte sagen Sie mir doch, wie ich politisch korrekt einen Schlesier zu nennnen habe. Würde mich wirklich interessieren, ob die Sprachpolizei da auch schon eine Wortschöpfung parat hat. Ganz abgesehen davon, weiß ich nicht, was das ganze mit Provokation oder „88“ zu tun haben soll. Ich habe zu den Herkunftshintergründen der beiden zu unrecht von Nazis beschimpften Spieler Stellung genommen. Und der eine kommt nun einmal aus Schlesien und der andere aus Hamburg. Wieso Volksdeutscher, Schlesier oder wohlmöglich auch Danziger, Ostpreuße, Westpreuße, Banater Schwabe oder ähnliche landsmannschaftliche Benennungen bei Ihnen als Reizwort gelten erschließt sich mir einfach nicht.
    Oder sind Sie Redakteur bei Kerner?
    „Autobahn?!? – Geht gar nicht!“ 😉

  6.   Andrea

    Nun, ich kann verstehen, dass man bei der Verwendung des Begriffs „Schlesier“ in diesem Blog unwillkürlich ein wenig zusammenzuckt, obwohl es nur einen Landstrich bezeichnet. Man verbindet heutzutage wohl dennoch eher die jüngere Geschichte, anstatt an die weiter zurückliegenden Epochen der Frühen Neuzeit, des Mittelalters oder gar der Frühgeschichte zu denken. Außerdem ist es bei einigen Regionen- meiner Meinung nach – eher unüblich, selbst wenn eine Person aus dem entsprechenden Landstrich kommt, sie nach diesem zu benennen. [Denkt man an bspw. Franken (BRD) oder Waliser (GB) ist es zwar üblich, aber man würde einen Franzosen aus Bordeaux doch zum Beispiel auch nicht Aquitanier nennen, oder?]


  7. […] Hitzlsperger, aktiver Schreiber im ZEIT.blog “Störungsmelder“, lässt die Leserschaft an seinem persönlichem Empfinden über Rassismus im Fußball […]

  8.   Walter

    Da hab ich letztens in Polen eine kleine „Geschichte Schlesiens bis in die Jetztzeit“ gekauft.
    Bin ich da einem verkappten Deutschtümler in die Hände gefallen (der Autor ist übrigens ein Pole, derzeit Uniprof in Krakow), oder übertreiben es hier manche „ein wenig“ mit der political correctness?
    Landschaftsbezeichnungen werden m.E. benutzt, solange sie aussagekräftig sind. Aquitanier könnte keiner zuordnen, also benutzt es keiner. Sorben, Schlesier, Sachsen, Schwaben – da weiß man, wo die etwa wohnen / gewohnt haben, also benutzt man es.
    Das bedeutet ganz und gar nicht, dass ich Schlesien „wiederhaben“ will.
    Ich glaub aber gern, dass der „Fussballfan“ nicht diese regionale Differenzierung im Sinn hatte, dafür sind gerade in manchen (Volks-)Sportarten einige Fangruppen einfach zu dämlich.

    Was ich nicht ganz verstehe: Was hat der Blogschreiber denn bei der/den Gelegenheiten auf dem Platz gemacht? Auch weggehört?
    Wer soll es denn unter den Beteigten/Zuhören thematisieren, wenn nicht die, die dabei sind, es hören (Spieler oder Fans).
    Ist doch eigen, 100 Mann hören es, keiner zuckt auch nur, „business as usual“.
    Und dann im Blog den Empörten … Der Blog ist nicht der Ort, wo man das gereglt kriegt, da kann man nur schön drüber schreiben. Da müssen wohl auch die Herren Spieler und Verbandsfuntionäre mal selber an Ort und Stelle ran und klar machen, dass sowas nicht geht … statt hinterher irgendwo zu texten.

  9.   Paule

    Spiegel online meldet im Zusammenhang mit der Bestrafung eines Hallenser Fußballklubs wegen „Juden-Jena“-Gepöbel von der dortigen Tribüne
    “ …. Auch Carl Zeiss Jena wurde vom NOFV verurteilt: Der Verein muss eine Geldstrafe in Höhe von 500 Euro zahlen. Laut Paragraph 16, Absatz 8 der Spielordnung, hätte auch das Gastteam die Hallenser Ordner darauf aufmerksam machen müssen, dass aus der Kurve antisemitische Rufe zu hören waren. Dies ist jedoch nicht geschehen. … “

    Strafe auch für die Weghörer. Gut, außer dem lächerlichen Strafmaß.

  10.   Gram

    @Paule

    Hatte die Bilder des Spiels Halle vs. Jena im Fernsehen gesehen. Was diesem asozialem Gesocks fehlt, ist Erziehung. Auch etwas, daß nach 68 seinen Stellenwert verloren hat.

 

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