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„Das jüdische Volk, es lebe“ – Stephan Kramer (Generalsekretär des Zentralrates der Juden) besuchte Rostock

 

Zu einer Gedenkveranstaltung anlässlich des 70. Jahrestages der Niederbrennung der Rostocker Synagoge hatten heute der Oberbürgermeister der Hansestadt Rostock sowie das Max-Samuel-Haus ins Rostocker Rathaus geladen. Neben der Eröffnung einer Ausstellung hielt auch der Generalsekretär des Zentralrates der Juden, Stephan Kramer, eine Ansprache.

Kramer hob dabei die Bedeutung der Zeitzeugen im Rahmen der Erinnerungskultur hervor. Er wünschte insbesondere dem Rostocker Ehrenbürger Yaakov Zur ein möglichst langes Leben, um noch viele Male als Zeitzeuge über die Geschehnisses im Nationalsozialismus berichten zu können. Dies sei insbesondere angesichts des auch in Deutschland erstarkenden Antisemitismus von großer Bedeutung. Diesen Antisemitismus sieht Kramer dabei nicht nur im rechten, sondern auch im linken politischen Lager. Es sei offen, was aus diesem neuen Antisemitismus in Zukunft hervorgehen werde. Mit diesem Hinweis beabsichtige er nicht, jeden Kritiker Israels als Antisemiten zu verunglimpfen. „Kritik an der israelischen Regierung ist kein Sakrileg.“, betonte Kramer in seiner Rede. Seine Ansprache schloss er mit dem emphatischen Ausspruch: „Das jüdische Volke, es lebe!“

Leise Zwischentöne waren in der Rede des Landesrabbiners William Wolff zu hören. Erinnerung sei deshalb nötig, so Wolff, weil das Vergessen das letzte Unrecht sei, „das wir den Opfern noch antun können.“ Eine Gesellschaft ohne Erinnerung und ohne Gedenken sei nicht zukunftsfähig. „Ein Mensch ohne Vergangenheit beraubt sich der Identität. Für uns Deutsche ist das Erinnern von besonderem Belang.“, so der oberste jüdische Geistliche des Landes Mecklenburg-Vorpommern. Abschließend sprach Wolff davon, dass er großes Vertrauen in die deutsche Gesellschaft habe. Er sei sich sicher, dass „nie wieder ein Holocaust“ in Deutschland geschehen werde.

Anlässlich der Gedenkveranstaltung wurde außerdem die Ausstellung „Kennzeichen J“ eröffnet, die das Schicksal Rostocker Juden im Umfeld des 9. November 1938 darstellt. Eine virtuelles Informationsangebot findet sich unter http://www.juden-in-rostock.de.

ER
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