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Auszeichnung für antirassistische Fußballfans

 

Der diesjährige Julius Hirsch Preis geht an die Faninitiative „Löwenfans gegen Rechts“. Der Zusammenschluss mehrer Fans des TSV 1860 München erhält aufgrund seiner Verdienste im Kampf gegen Rechts den vom Deutschen Fußball Bund ausgelobten Preis im Vorfeld des WM Qualifikationsspiels Deutschland gegen Aserbaidschan, am 9. September in Hannover.

Er selbst kann sich noch genau erinnern, wie er in den 80er Jahren in der Fankurve stand, und plötzlich hörte, wie einer der Fans einen Kölner Spieler als „Scheiß-Jude“ beschimpfte. Er stellte den Mann zur Rede und erlebte in den Folgejahren immer wieder Entgleisungen der eigenen Fans, die ihn dazu bewogen, sich den Fans anzuschließen, die ein Zeichen gegen Diskriminierung und Rassismus in der Fankurve setze n wollen.  Das Problem findet sich bekanntermaßen nicht nur bei 1860 München, sondern in vielen Fankurven in den Fußballstadien. Ausserdem stellt Herr Schröger keinen Unterschied zwischen west- und ostdeutschen Fankurven fest. Seiner Meinung nach „verschließen die Öffentlichkeit und die betroffenen Vereine bei Vorfällen in westdeutschen Stadien  die Augen und heben Ereignisse  im Osten  hervor, um so von den eigenen Problemen abzulenken!“ Zustände, wie sie teilweise in der italienischen Liga herrschen, würden der Auslandsvermarktung  nur schaden, und dies mag einer der Gründe sein, warum in den Medien gerne von einem nur im Osten Deutschlands auftretenden Problem die Rede ist.

Auffällig in der eigenen Fankurve war das Verhalten der Rechten beim Umzug vom Grünwalder Stadion in das Olympiastadion und anschließend in die Allianz Arena. Viele der Löwen-Fans sehnten sich weiterhin nach dem Grünwalder Stadion und blieben nach den Umzügen in die neuen Spielstätten den Spielen anfangs fern. In eben jenen Phasen war ein deutlicher Anstieg Rechter „Fans“ zu beobachten. Sie tragen zwar keine szenetypische Kleidung, setzen aber sehr wohl beim Vereinslied an der Stelle „Kameradschaft“ zum Hitler-Gruß an, oder grölen auf dem Weg zum Stadion das U-Bahnlied („Ihr könnt nach Hause fahren, Ihr könnt nach Hause fahren, eine U-Bahn bauen wir, von … bis nach Ausschwitz) und beschimpfen die Spieler als „Neger“ oder  „Scheiß-Jude“.

Um die Rechten aus der Kurve zu drängen, schlossen sich die „Löwenfans gegen Rechts“ mit den Ultras „Cosa Nostra“ zusammen und organisierten Fan-Aktionstage. Es gab zudem Einblendungen im Stadion mit dem Motto: „Vielfalt, Toleranz und Leidenschaft sind unsere Sache“. Die Unterstützung von Vereinsseite war bisher nur mäßig, jedoch ist laut Herbert Schröger Besserung in Sicht.  An Ideen mangelt es nicht, allerdings bedarf es einer engen Zusammenarbeit mit dem Verein und weiteren Fanklubs, um die Fankurve denjenigen zu überlassen, die aus rein sportlichem Interesse das Stadion besuchen.