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„Ein Netzwerkknoten für Hass und Gewalt“ – wachsender Protest gegen Neonazis in Eschede

 

Seit rund 20 Jahren ist das Anwesen des rechtsextremen Landwirts Joachim Nahtz bei Eschede mehrmals im Jahr Treffpunkt für Rechtsextreme aus dem gesamten Bundesgebiet. Seit Jahren protestieren Nazigegner vor Ort gegen die braunen Umtriebe: am Samstag, d. 17.12.2011, demonstrierten rund 500 Personen gegen das Treiben auf dem „Nahtz-Hof“.

„Wir müssen deutlich machen, dass wir uns nicht einschüchtern lassen“, fordert Pastor Wilfried Manneke aus Unterlüß vor dem Escheder Bahnhof, in der Hand hält er ein Schild mit der Aufschrift „Die Heide blüht lila und nicht braun!“. Erst zwei Tage vor der Demonstration war sein Pfarrhaus in der Nachbargemeinde von Eschede zum Ziel eines Brandanschlags geworden:

Wilfried Manneke und Klaus Jordan auf der Kundgebung in Eschede, Foto: Kai Budler
Wilfried Manneke und Klaus Jordan auf der Kundgebung in Eschede, Foto: Kai Budler

Unbekannte hatten einen Molotov-Cocktail gegen das Gebäude geschleudert, Manneke vermutet Neonazis hinter der Tat. Seit 16 Jahren ist er der Pfarrer der Friedenskirchengemeinde Unterlüß, seit langem bezieht er offen Stellung gegen Rechtsextremismus. Den Protest in Eschede unterstützt er ebenso wie Klaus Jordan aus Faßberg im Landkreis Celle. Als Mitglied in einem breiten Bündnis hatte er vor zwei Jahren das in der Nähe seines Wohnortes geplante Neonazi-Schulungszentrum verhindert. Auch auf Jordans Wohnhaus in Faßberg wurde in derselben Nacht ein Brandsatz geworfen, auch er steht vor dem Bahnhof von Eschede neben Manneke am Mikrofon, um zu zeigen, dass er sich nicht einschüchtern lässt.

Zwischen Hass, Gewalt und Wohlfühlambiente

„Nazis sind dort stark, wo Schweigen herrscht“, sagt Jordan und warnt, das Schweigen sei eine Zustimmung und ermutige die Neonazis noch weiter zu ihren Taten. Gleichzeitig erinnert er an die etwa 150 Todesopfer rechtsextremer Gewalt seit 1990 in Deutschland. Eines davon wurde in Eschede getötet: im August 1999 prügelten und traten die Neonazis Marco Siedbürger und Johannes K. auf Peter Deutschmann ein, dass der damals 44-jährige Wohnungslose später an seinen schweren Verletzungen starb. Nach seiner fünfjährige Haftstrafe gehörte auch Siedbürger zu den Gästen auf dem „Nahtz-Hof“ bei Eschede. Das Anwesen „ist ein Netzwerkknoten für Hass und Gewalt“, so Jordan auf der Kundgebung in Eschede, die dortigen „Konzerte verabreichen dem Hass das Futter“. Gleichzeitig sorgten rechtsextreme Sonnenwend- oder Erntedankfeiern für das erforderliche „Wohlfühlambiente“ bei den Neonazis aus Kameradschaftsszene und NPD. Zu der Demonstration hatten rund 20 Organisationen aufgerufen darunter der DGB, Kirchen und Parteien.

Bündnisdemonstration gegen den Nahtz-Hof, Foto: Kai Budler
Bündnisdemonstration gegen den Nahtz-Hof, Foto: Kai Budler

Auch der Oberbürgermeister von Celle, Dirk Ulrich Mende, zählt zu den Unterstützern der Veranstaltung: als Privatperson stellt er sich in seinem Grußwort hinter den Protest vor Ort . Das Bündnis gegen die Nazitreffen auf dem Nahtz-Hof sei nach den letzten Vorkommnissen deutlich größer geworden, begrüßt Jordan den Zulauf. Doch nach wie vor würden nicht die Neonazis, sondern die Gegendemonstranten als Störenfriede im Ort betrachtet, kritisiert er das Fernbleiben von Vertretern der Kommunalpolitik. Derweil setzen die Rechtsextremen offenbar weiterhin auf ihre Strategie der Einschüchterung: am Rand der Auftaktkundgebung filmen zwei Neonazis die Teilnehmer ab, unter ihnen befindet sich auch der in der Region führende Neonazi Dennis Bührig. Die Polizei führte die Rechtsextremen vom Platz.

Unterstützung beim Kampf gegen „Hasskultur der Nazis“

Unterdessen schmunzelt Jordan vor dem Bahnhof, die Vorweihnachtszeit sei ja auch die Zeit der Wünsche. Von Personen in

Protest gegen den Nahtz-Hof, Foto: Kai Budler
Protest gegen den Nahtz-Hof, Foto: Kai Budler

Entscheidungspositionen wünscht er sich deshalb: „Tretet endlich allen Nazis richtig auf die Füße!“, denn eine öffentliche Betroffenheit reiche nicht aus. Die Politik müsse jetzt die Rahmenbedingungen für konkrete Schritte schaffen und dabei die aktive Zivilgesellschaft beim Kampf gegen die „Hasskultur der Nazis“ unterstützen. Nun liegt es an der Politik und den Behörden, Jordans Wunsch auch nach der Weihnachtszeit zu erfüllen. Ein erster Schritt wäre die Errichtung eines jüngst geforderten Mahnmals für den ermordeten Peter Deutschmann in Eschede. Eine solche Forderung wurde während einer Veranstaltung des Arbeitskreis für Demokratie und Menschenrechte im September dieses Jahres laut, um an die Gründe für seinen Tod zu erinnern und als Warnung vor Rechtsextremismus und seinen Gefahren. Zeitgleich zu der Veranstaltung versammelten sich rund 150 alte und junge Nazis auf dem Grundstück des „Nahtz-Hofs“, um an einer rechtsextremen „Erntedankfeier“ teilzunehmen. Damit zerschlug sich die Hoffnung, dass die Kündigung des Pachtvertrags mit Nahtz ein Ende der Veranstaltungen mit sich bringen könnte. Nach öffentlicher Kritik hatte die Kirchengemeinde Eschede im vergangenen Jahr den seit Jahrzehnten bestehenden Vertrag für zehn Hektar Land fristlos gekündigt. Voraus gegangen war die Entscheidung des Kirchenkreises, den Pachterlös in einen Fonds gegen Rechtsextremismus einzuzahlen, mit dem auch die Demonstrationen gegen die Sonnenwendfeiern auf dem Hof bezahlt werden.Daraufhin stellte Nahtz seine Zahlungen ein und gab dem Kirchenkreis die Möglichkeit zu Vertragskündigung. Seine Feiern müssen sich jetzt auf sein Privatgrundstück beschränken.