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In Gedenken an die Todesopfer rechter Gewalt

 

Am 11. Januar 2012 startete in der Dortmunder St. Petri-Kirche die Wanderausstellung zum Gedenken der Opfer rechter Gewalt. Mit Bildern und einer kurzen Geschichte ihres Schicksals wird noch bis zum 28. Januar 2012 jenen Menschen gedacht, die ihr Leben durch rechtsextreme Übergriffe verloren haben.

In Zusammenarbeit mit dem gemeinnützigen Verein Opferperspektive ermöglichte die Friedrich-Ebert-Stiftung die Wanderausstellung „Opfer rechter Gewalt“. Ziel der Ausstellung ist „eine Dokumentation wider das Verdrängen und Relativieren rechter Gewalt“. Derzeit werden die Portraits von 156 Menschen in der St. Petri-Kirche in Dortmund ausgestellt.

Obwohl die Bundesregierung lediglich 47 Todesopfer rechter Gewalt zwischen 1990 und 2010 ausweist, war es den Veranstaltern der Wanderausstellung möglich 156 Fälle aufzudecken. Dies geschah unter anderem in Zusammenarbeit mit dem Tagesspiegel und der Zeit. Rebecca Forner, eine politisch engagierte Grafikerin, kam im Jahre 2000 auf die Idee, die Opfer rechter Gewalt visuell zu dokumentieren. „Ich wollte ohne
viele Worte die Realität zeigen, an der sich der Kampf gegen
Rechts messen muss.” Aus Zeitungsartikel suchte sich die Künstlerin Bilder der Opfer zusammen. Sie erstellte eine Gedenktafel mit dem Bild des Opfers, einem Text auf Deutsch und Englisch über die Todesursachen sowie die rechtsextremen Täter. Zudem ziert die Tafel eine bunte Ansichtskarte aus verschiedenen Teilen Deutschlands. Ziel dieser Ansichtskarten ist es, den äußeren friedlichen Schein zu durchbrechen und auf die grausame Wirklichkeit des Rechtsextremismus aufmerksam zu machen. Die Chroniken auf den einzelnen Gedenktafeln wurden in Zusammenarbeit mit den Journalisten Frank Jansen, Toralf Staud und heike Kleffner erstellt.

Die Seitenschiffe der St. Petri-Kirche sind gesäumt mit den furchtbaren Schicksalen verschiedenster Menschen. Es sind die Geschichten von Kindern, Jugendlichen, Obdachlosen, Polizisten und sogar ganzen Familien, die ihr Leben durch blanken Hass zwischen 1990 und 2010 verlieren mussten. Die dunkle Kirche ist am ersten Ausstellungstag gut besucht. Zahlreiche Menschen verschiedener Nationalitäten und unterschiedlichstem Alter stehen stillschweigend vor den Gedenktafeln. Verteilt zwischen den Gedenktafeln sind Spiegel installiert. Diese tragen die Aufschriften „Täter?“, „Opfer?“, „Zuschauer?“. Sie regen zum Nachdenken über das eigene Verhalten gegenüber dem Rechtsextremismus an.

Längst vergessene oder verdrängte Gewalttaten, wie das in Brand gesetzte Hauses, welches von einer aus dem Ausland stammenden Familie in Nordrhein-Westfalen bewohnt wurde, werden den Besuchern der Ausstellung wieder in Erinnerung gerufen. Für einige ist es sogar das erste Mal, dass sie von solchen Ereignissen erfahren.

In der Kirche wurde ein Buch aufgestellt, in welches die Besucher ihre Eindrücke und Empfindungen eintragen können. Einige Seiten sind bereits am ersten Tag der Ausstellung gefüllt. Zu lesen ist das Entsetzen der Besucher über den Hass und die Gewalt rechtsextremer Menschen. Ebenfalls äußern viele ihre Anteilnahme mit den Familien der Opfer. Andere sind der Meinung: „Die Ausstellung sollte Pflicht für alle Menschen sein.“
Bislang nicht mit in die Ausstellung aufgenommen sind die Menschen, die der Terrorzelle des Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) zum Opfer gefallen sind. Zwei Tafeln am Eingang der St. Petri-Kirche erinnern jedoch an die traurigen Ereignisse.

Die Wanderausstellung „Opfer rechter Gewalt“ gibt den Opfern einen Namen und macht die Öffentlichkeit auf die enormen Gefahren des Rechtsextremismus aufmerksam.
Die Ausstellung ist von Dienstag bis Freitag von 11:00 Uhr bis 17:00 Uhr und Samstag von 10:00 Uhr bis 16:00 Uhr geöffnet.

1 Kommentar

  1.   Marion

    Klasse, diese Ausstellung. Finde ich ganz klasse, hoffentlich kommt sie auch nach Frankfurt am Main. Und nach Berlin mitten vor den Regierungsbezirk, mit dem Titel: Gegen das Relativieren von seiten der Politik.

 

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