‹ Alle Einträge

Kristina Schröders Kuschelworkshop für militante Neonazis

 
Jung und äußerst gewaltbereit - "Autonome Nationalisten" (hier 2007 bei einem Aufmarsch in Dortmund) sollen in einem Workshop gegen demokratische Jugendliche Antreten © Getty

Es klingt völlig absurd, widerspricht jeglichen pädagogischen Erfahrungen mit der rechtsextremen Szene und ist doch bittere Realität. In Dortmund sollen 30 militante Neonazis im Rahmen eines Modellprojekts zusammen mit 30 demokratischen Jugendlichen über die Zukunft Dortmunds diskutieren. Das Bundesprogramm „Toleranz fördern – Kompetenz stärken“ von Familienministerin fördert dieses Vorhaben mit rund 300.000 Euro. Ob hierbei Erfolge erzielt werden können, ist mehr als fraglich.

Allein der Titel des Projekts „Dortmund den Dortmundern“ lässt auf ein absolutes Wissens-Defizit im Bezug auf rechtsextreme Argumentationsmuster schließen. Ist es doch genau das, was die Neonazis seit Jahren fordern: ein „reinrassiges“ Dortmund ohne Ausländer, Obdachlose, alternative Jugendliche oder Homosexuelle. Erwartungsgemäß reagierte die Naziszene auf den Titel hoch erfreut und kündigte im Internet sofort ihr Interesse an.

Die Multilateral Academy Gmbh will die gewaltbereiten Neonazis der Dortmunder „Autonomen Nationalisten“ gemeinsam mit demokratischen Jugendlichen über die Zukunft Dortmunds debattieren lassen. Laut der Projektbeschreibung, die seit einiger Zeit auf der Homepages des Bundesprogramm „Toleranz fördern – Kompetenz stärken“ einsehbar ist, soll es dabei um die Frage „Wie soll Dortmunds Zukunft aussehen und wessen Stadt soll es sein?“ gehen. Mit Hilfe einer Zukunftswerkstatt sowie Kreativworkshops soll eine „Brücke zur Gegenüberstellung der Meinungen“ gebaut werden. Das Projekt wird dabei durch das Bundesfamilienministerium mit 300.000 Euro gefördert.

Die antifaschistische Zeitschrift LOTTA beschreibt das Ganze folgendermaßen: „Das Projekt bietet Neonazis eine Bühne, auf der sie sich in Szene setzen können; ihre Inhalte werden als „diskussionswürdig“ geadelt. Ein Blick auf ihre Internetseiten oder das Anhören eines ihrer Redebeiträge würden vollkommen genügen, um zu erkennen, wie sich Neonazis die Dortmunder Gesellschaft wünschen.“ Tatsächlich mutet es seltsam an, das gewaltbereiten Neonazis eine staatlich geförderte Plattform geboten werden soll, um ihre Ideologie zu verbreiten. Gerade in Dortmund versuchen Neonazis immer wieder, durch Einschüchterung und gewalttätige Übergriffe klar zu machen, dass für sie die Frage, wem die Stadt gehört, schon längst beantwortet ist. Es ist daher kein Wunder, dass sich Neonazis über das Projekt begeistert zeigen. Auf einschlägigen Internetseiten ist zu lesen: „Der Titel „Dortmund den Dortmundern“ lässt schon hoffen – vielleicht ist dies bereits eine indirekte Anspielung auf die Überfremdung unserer Stadt, was sicherlich als positiver Schritt seitens der Projektplaner zu bewerten ist.“

Nach Bekanntwerden des Vorhabens wurde jedoch von verschieden Seiten zum Teil heftige Kritik geäußert. Antifaschistische Gruppen sehen es als gefährlich an, mit Neonazis diskutieren zu wollen: „Gerade die Kader der Neonaziszene, die explizit in das Projekt eingebunden werden sollen, werden sich für diese Möglichkeit der öffentlichen Präsentation ihrer rassistischen und antisemitischen Ideologie bedanken.“ heißt es in einem offenen Brief des Dortmunder Antifa Bündnis. Zudem sei es „naiv zu glauben, dass überzeugte und ideologisch gefestigte Neonazis an einem solchen Vorhaben teilnehmen, um ihre Positionen ergebnisoffen zu diskutieren.“ Die mobilen Beratungen gegen Rechtsextremismus in NRW können dem Projekt ebenfalls nur wenig abgewinnen. In einer gemeinsamen Stellungnahme wird kritisiert, dass mit ideologisch gefestigten Neonazis voraussetzungslos gearbeitet wird. Dies würde „der gängigen Praxis von Sozialarbeit mit extrem rechten Jugendlichen“ widersprechen. Die Stadt Dortmund, welche zunächst als Kooperationspartner des Projektes aufgeführt war, sah nach der öffentlichen Kritik offenbar auch keinen Grund mehr für eine Zusammenarbeit. So wurde dem Projektträger schriftlich untersagt, die Stadt weiterhin als Partner zu nennen.

Auch bei der Multilateral Academy Gmbh wurde zwischenzeitlich wieder zurück gerudert. Zwar soll das Projekt weiterhin stattfinden, jedoch mit einer modifizierten Planung. Nur beim Familienministerium zeigt man sich weiterhin unbeeindruckt. Die Fördersumme bleibt bis auf weiteres bestehen. Durch das Bundesprogramm „Toleranz fördern – Kompetenz stärken“, welches zuletzt mit der strittigen „Extremismusklausel“ für große Aufregung sorgte, fließen daher Gelder in ein Projekt, bei dem Nazis ohne Vorbehalte über die Entwicklung „ihrer Stadt“ diskutieren dürfen. Toleranz, wie es der Name des Programms suggeriert, wird auf diese Weise zumindest nicht gefördert.

63 Kommentare

  1.   RainerMariaWiderlich

    alder ist das geil: naziparolen als diskussionsgrundlage, wie blöd ist das denn……frau schröder bitte gehen sie…!!!!!!!
    sie kann ja als alterspflegehilfe bei familie wulff anfangen


  2. […] störungsmelder: Kristina Schröders Kuschelworkshop für militante Neonazis Bewerten: sharing is supporting!FacebookTwitterLinkedInE-MailTumblrMehrDruckenJoliprint – […]

  3.   Salatore

    Und falls noch IRGENDJEMAND sich immer noch nicht erklären kann, wie es sein kann, das ein neonazistisches Terrornetzwerk über ein Jahrzehnt unerkannt morden konnte, während Strafverfolgungsbehörden und Medien nach vermeintlichen „Döner-Killern“ fahndeten – der oder die lese diesen Artikel.

    Frau Schröder: Sie und ihr Ministerium haben wahrlich NICHTS gelernt – noch nicht einmal aus der NSU-Mordserie.

    Währenddessen echauffiert sich die Republik über die Kungeleien ihres (ehemaligen) Bundespräsidenten … wenn es ein Skandal ist, was Herr Wulff da fabriziert hat – was ist denn bitteschön dann das hier???

    !???!Fassungslos!?!

  4.   meinemeinung

    Ich fordere 300.000 € für Occupy Camps um dort ergebnisoffen über Demokratie zu diskutieren.

  5.   Tobias Schulze

    Was ist ihr nächster Coup? Ein „Arbeit macht frei“ Seminar gegen Antisemitismus?


  6. Liebe Mitkommentatoren,
    so sehr ich Ihre Wut über diesen Irrsinn verstehe, aber Frau Schröder ist nicht einfach nur dämlich. Das würde ihre Vorgehensweise verharmlosen.
    Frau Schröder weiss, was sie tut, sie ist Mittäterin. Die Stärkung der extremen Rechten sieht sie als Schwächung der Linken an, dazu nimmt sie auch ein paar liegen gebliebene Migranten in Kauf.
    Es muss klar sein: Jeder Versuch, den rechten Extremismus mit irgendetwas anderem gleichzusetzen vertuscht, dass rechtsextremismus keine politische Meinung ist, sondern ein Verbrechen.

  7.   xusdom

    Ich bin ja wirklich kein Freund von diesem albernen Mann vs Frau Spielchen aber Fr. Schröder zeigt sehr schön das viele Berufe, da zu gehört auch Politiker, nicht durch eine Halbtagskraft besetzt werden können. Alles was diese Frau anpackt ist Mumpitz. Ich erinnere nur an diese ‚könnte Frauenqoute in Unternehmen werden‘ Geschichte (im Dialog mit der Uschi v. d. Leyen). Unfassbar!

  8.   Jutta

    oh je, das ist starker Tobak! Wert tolleriert hier wen?

  9.   Wolfgang

    hat mal einer eine Überlegung darüber angestellt, ob das Ganze nicht vielleicht doch Sinn macht. Wird hier nur noch nachgeplappert, was eine Zeitung schreibt. Jeder schreibt nur noch ab und Keiner denkt mehr selber oder bringt eigene Gedanken mit ein. Beschämend.
    Meine Meinung: Vielleicht macht das Ganze doch Sinn, Vielleicht kann die Diskussion mit den Nazis dazu benutzt werden, deren Argumente zu entlarven. Es wird nicht nur den Nazis eine Plattform geboten, sondern auch den Gegnern. Und die Gegner dürften doch noch hoffentlich in der Mehrheit sein. Nehmen wir das Experiment als das was es ist: ein Versuch. Und entlarven wir dabei die scheinheiligen Argumente der ewig Gestrigen, der Hassprediger, der Demokratiezerstörer.

  10.   Nio

    Hier hat jemand die Tragweite und die Folgen der Problematik nicht mal im Ansatz erfasst. Oder wie könnte sonst jemand seinen Fokus auf einen Rechtschreibfehler in einem solchen Artikel setzen ohne wenigstens auch nur im Ansatz darüber nachgedacht zu haben, was der Inhalt des obigen Artikels bedeutet…

 

Kommentare sind geschlossen.